Anwendung, Vor- und Nachteile

In der Praxis trifft man die drei TN-Varianten an klar unterschiedlichen Stellen im Versorgungsweg an.

TN-C: heute hauptsächlich im Netz

Das reine TN-C-System wird im Wesentlichen noch im öffentlichen Niederspannungsnetz und im Anschlussbereich vor der Hauptverteilung des Gebäudes verwendet. In der Hausinstallation hinter der Hauptverteilung gilt TN-C praktisch nicht mehr als Standard. Gründe:

  • Im PEN fließt der Betriebsstrom des Neutralleiters. Damit liegt der Schutzleiter im Normalbetrieb nicht auf Erdpotential, sondern hat einen Spannungsabfall — er führt also „Streuströme“.
  • Streuströme über metallische Gehäuse, Schirme und Rohre erzeugen Ausgleichsströme und sind eine ständige EMV-Quelle.
  • Ein Fehlerstromschutzschalter (RCD) kann im PEN-Bereich nicht eingesetzt werden, weil der Summenstromwandler keinen Differenzstrom feststellen würde — N und PE sind im gleichen Leiter.
  • Bei Unterbrechung des PEN entsteht eine erhebliche Gefahr: Gehäuse können Außenleiterpotential annehmen.

TN-S: Standard in modernen Anlagen ab Hauptverteilung

Ab der Hauptverteilung wird heute durchgehend TN-S realisiert. Vorteile:

  • Der PE ist im Normalbetrieb stromlos und liegt definiert auf Erdpotential. Keine Streuströme, keine Spannungsabfälle am PE.
  • RCDs sind in jeder Variante einsetzbar und arbeiten zuverlässig.
  • EMV-Empfindliche Bereiche (Mess- und Regelungstechnik, IT, Labor- und Prüftechnik, Industrie-4.0-Komponenten, medizinische Geräte) profitieren am stärksten.
  • Klare Diagnostik: Wenn am PE Strom fließt, liegt mit Sicherheit ein Fehler vor.

TN-C-S: häufigste Form in Hausinstallationen

Die Realität in vielen österreichischen Wohngebäuden ist eine Kombination: Der Netzbetreiber liefert den Anschluss als TN-C (üblicherweise mit PEN als Erdkabel zum Hausanschluss), und der Errichter trennt im Zählerbereich oder spätestens an der Hauptverteilung den PEN in N und PE auf. Ab dort gilt TN-S. Wichtig dabei:

  • Trennpunkt klar definieren — meist die Hauptverteilung.
  • PEN an der PE-Schiene auflegen, von dort eine Verbindung zur N-Schiene; danach keine weitere N-PE-Verbindung mehr.
  • Hauptpotentialausgleich am Trennpunkt anbinden.
  • Hinter dem Trennpunkt ist eine RCD-Absicherung möglich und in Endstromkreisen üblicherweise vorgesehen.

Auswahlkriterien in der Praxis

Welche Variante zum Einsatz kommt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Kabelaufwand: TN-C spart einen Leiter (4 statt 5 Adern), TN-S benötigt 5 Adern.
  • RCD-Pflicht: Wo RCDs erforderlich sind (Endstromkreise in Wohnung, Bad, Steckdosen im Außenbereich, Baustelle), ist TN-S oder zumindest TN-C-S hinter dem Trennpunkt zwingend.
  • EMV-Anforderungen: Industrieanlagen mit Frequenzumrichtern, IT-Räume, Krankenhausbereiche, Labors — überall dort wird TN-S bevorzugt oder verlangt.
  • Vorhandene Netzform des EVU: Der Anschluss am Hausanschlusskasten ist meist eine TN-C-Speisung — daraus wird im Gebäude TN-C-S.
  • Bestandsanlagen: Bei Sanierung wird die Hauptverteilung oft als Anlass genutzt, einen sauberen Trennpunkt herzustellen.

Vergleich auf einen Blick

Kriterium TN-C TN-S TN-C-S
Leiteranzahl 4 (L1 L2 L3 + PEN) 5 (L1 L2 L3 + N + PE) 4 davor / 5 danach
RCD einsetzbar nein ja ja (nach Trennpunkt)
Betriebsstrom auf PE ja (im PEN) nein nein (nach Trennpunkt)
EMV ungünstig sehr gut gut (im TN-S-Teil)
Aufwand Verkabelung gering höher mittel
Typischer Einsatz Netz, vor HV Industrie, IT, Labor Wohngebäude AT (Standard)

In den österreichischen Errichtungsbestimmungen (insbesondere OVE E 8101 „Elektrische Niederspannungsanlagen“, die seit 2019 die bisherige ÖVE/ÖNORM E 8001 Reihe ersetzt; aktuelle Ausgabe: OVE E 8101:2025) sind die zulässigen Netzformen und die Anforderungen an den PEN-Leiter sowie an den Schutz durch automatische Abschaltung geregelt. Die konkreten Werte wie Mindestquerschnitte, Abschaltzeiten und Anschlussregeln am Trennpunkt sind dort verbindlich festgelegt.

In einem Werkstattbereich werden mehrere drehzahlgeregelte Antriebe mit Frequenzumrichtern betrieben. Welche TN-Variante ist im Bereich der Endverteilungen fachlich vorzuziehen?

  • a) TN-C bis zum Motor, weil ein Leiter eingespart wird.
  • b) TN-C-S mit Trennpunkt im Schaltschrank des Antriebs.
  • c) TN-S, weil ein durchgehend getrennter PE die ableitstrombedingten EMV-Probleme reduziert und definierte Bezugsverhältnisse für die Steuerung schafft.
  • d) IT-System, weil Frequenzumrichter ohne geerdeten Sternpunkt arbeiten müssen.

Richtig: c)

Frequenzumrichter erzeugen taktbedingt hochfrequente Ableitströme über parasitäre Kapazitäten ins Gehäuse. Diese Ströme müssen über einen sauberen, niederohmigen und vor allem getrennten PE abfließen. Im TN-S ist das gewährleistet; in TN-C würden die Ableitströme über den PEN auch zu N-Verbrauchern wandern. TN-C-S ist nicht falsch, aber im konkreten Endstromkreisbereich ist TN-S der saubere Standard. Antwort d trifft auf FUs grundsätzlich nicht zu.

Welche Aussage zum Übergang TN-C → TN-C-S → TN-S ist am ehesten zutreffend?

  • a) Nach einer Auftrennung des PEN dürfen N und PE jederzeit wieder gebrückt werden, sofern eine PE-Klemme verfügbar ist.
  • b) Die Auftrennung des PEN darf in jedem Verteiler beliebig oft wiederholt werden, um Redundanz zu erzeugen.
  • c) Nach dem Trennpunkt müssen N und PE getrennt geführt werden; eine spätere Verbindung würde die TN-S-Eigenschaft zerstören.
  • d) Im TN-C-S ist die Trennstelle frei wählbar, der PE muss aber stets vor dem N enden.

Richtig: c)

Eine N-PE-Brücke nach dem Trennpunkt erzeugt einen parallelen Rückweg für Betriebsströme über den PE — und damit genau die Streuströme und Ausgleichsströme, die TN-S vermeiden soll. Außerdem stört sie RCDs. Daher gilt: einmal trennen, dann definitiv getrennt halten. Antworten a, b und d widersprechen dieser zentralen Regel.

Abschlusstest

Eine Endstromkreisleitung ist mit B10 abgesichert (U0 = 230 V). Wie groß darf die Schleifenimpedanz Zs höchstens sein, damit die Abschaltbedingung erfüllt ist?

Ia = 5 · 10 A = 50 A. Zs,max = U0 / Ia = 230 V / 50 A = 4,6 Ω.

Gegeben: Zs = 0,35 Ω, Schutzgerät C20, U0 = 230 V. Berechne den zu erwartenden Fehlerstrom If und prüfe die Abschaltbedingung.

If = U0 / Zs = 230 V / 0,35 Ω ≈ 657,1 A. Ia (C20) = 10 · 20 A = 200 A. If (657,1 A) > Ia (200 A) → Abschaltbedingung erfüllt.

Eine Motorzuleitung ist mit D25 abgesichert. Bestimme Ia, Zs,max und prüfe, ob ein gemessenes Zs = 0,55 Ω genügt (U0 = 230 V).

Ia = 20 · 25 A = 500 A. Zs,max = 230 V / 500 A = 0,46 Ω. Zs = 0,55 Ω > Zs,max = 0,46 Ω → NICHT erfüllt. Maßnahme: Querschnitt erhöhen, Charakteristik auf C oder B wechseln oder zusätzlichen RCD vorsehen.

Eine Anlage wird umgebaut: B16 wird gegen C16 ersetzt. Wie ändert sich Zs,max bei U0 = 230 V?

Vor Umbau: Ia(B16) = 80 A, Zs,max = 230/80 = 2,875 Ω. Nach Umbau: Ia(C16) = 160 A, Zs,max = 230/160 = 1,4375 Ω. Die zulässige Schleifenimpedanz halbiert sich.

Bei einer Schleifenimpedanzmessung erhältst du Zs = 1,1 Ω. Bestimme für U0 = 230 V den jeweils gerade noch zulässigen Nennstrom In bei B-, C- und D-Charakteristik.

Aus Zs · Ia ≤ U0 → Ia,max = U0 / Zs = 230 / 1,1 ≈ 209,1 A. B-Char.: Ia = 5·In → In,max = 209,1 / 5 ≈ 41,8 A → praktisch B40. C-Char.: Ia = 10·In → In,max = 209,1 / 10 ≈ 20,9 A → praktisch C20. D-Char.: Ia = 20·In → In,max = 209,1 / 20 ≈ 10,5 A → praktisch D10.

Eine Anlage hat Zs = 0,4 Ω. Welchen minimal zu erwartenden Fehlerstrom If liefert sie bei U0 = 230 V? Reicht das, um sicher einen D32 auszulösen?

If = 230 V / 0,4 Ω = 575 A. Ia (D32) = 20 · 32 = 640 A. If = 575 A < Ia = 640 A → reicht NICHT für sichere magnetische Auslösung. Maßnahme: kleinerer Nennstrom (z. B. D25), weichere Charakteristik (C32: Ia = 320 A → erfüllt), oder Zs reduzieren.

Welche Aussage zur Buchstabenkombination „TN“ ist korrekt?

  • a) Beide Buchstaben beziehen sich auf die Erdverhältnisse der Verbraucherseite.
  • b) Der erste Buchstabe beschreibt die Quelle, der zweite die Verbraucherkörper; T = direkte Erdung, N = Verbindung zum geerdeten Sternpunkt.
  • c) Der erste Buchstabe beschreibt das Schutzgerät, der zweite den Leitungstyp.
  • d) Beide Buchstaben sind historisch und haben heute keine technische Bedeutung mehr.

Richtig: b)

Die Reihenfolge ist eindeutig: erster Buchstabe Quelle (hier T: Sternpunkt direkt geerdet), zweiter Buchstabe Körper (hier N: über einen Leiter mit dem geerdeten Sternpunkt verbunden). Antworten a, c und d treffen die Definition nicht.

Welche Aussage zur Sternpunkterdung am Transformator (Betriebserdung) ist korrekt?

  • a) Sie ist nur in IT-Systemen erforderlich.
  • b) Sie macht den Sternpunkt zum Erdpotential-Bezugspunkt und ist Voraussetzung für die TN-Schutzwirkung.
  • c) Sie wirkt direkt als Berührungsschutz an jedem Verbrauchergehäuse.
  • d) Sie ersetzt im TN-System den Schutzleiter vollständig.

Richtig: b)

Ohne geerdeten Sternpunkt gäbe es keinen definierten Bezugspunkt — die Außenleiter könnten gegenüber Erde beliebig „schwimmen“, und das gesamte TN-Konzept würde nicht funktionieren. b ist korrekt; a betrifft die falsche Netzform, c und d verwechseln Betriebserdung mit Schutzerdung bzw. Schutzleiter.

Ein Hausanschluss wird vom Netzbetreiber als TN-C bereitgestellt. Im Gebäudeinneren wird hinter der Hauptverteilung TN-S realisiert. Welche Bezeichnung ist für die Gesamtanlage korrekt?

  • a) TN-C — solange irgendein PEN existiert, bleibt es TN-C.
  • b) TN-S — sobald PE und N getrennt sind, ist es TN-S.
  • c) TN-C-S — bis zum Trennpunkt TN-C, danach TN-S.
  • d) TT — weil das Gehäuse zusätzlich an die örtliche Erdung gebunden ist.

Richtig: c)

Die Bezeichnung folgt dem tatsächlichen Verlauf der Leiter von der Quelle bis zum Verbraucher: erst kombiniert (C), dann getrennt (S). Damit gilt die Gesamtanlage als TN-C-S. Antworten a und b betrachten nur einen Teil; d verwechselt mit TT.

Welche Aussage zum PEN-Leiter ist korrekt?

  • a) Der PEN trägt im Normalbetrieb keinen Strom.
  • b) Der PEN kombiniert N- und PE-Funktion in einem Leiter und führt im Normalbetrieb den N-Anteil des Betriebsstroms.
  • c) Der PEN darf in flexiblen Leitungen ab 0,75 mm² verwendet werden.
  • d) Der PEN ist immer dünner als der zugehörige Außenleiter.

Richtig: b)

Der PEN übernimmt zwei Aufgaben gleichzeitig. Im Normalbetrieb fließt der Rückstrom (N-Funktion); im Fehlerfall der Fehlerstrom (PE-Funktion). Genau deshalb gelten erhöhte Mindestquerschnitte (Größenordnung 10 mm² Cu / 16 mm² Al fest verlegt). a verwechselt mit PE im TN-S, c würde gefährlich unterdimensionieren, d ist unzutreffend.

Warum kann ein RCD nicht im PEN-Bereich eines TN-C-Abschnitts wirken?

  • a) Weil der PEN aus Aluminium besteht und der Summenstromwandler das nicht erfassen kann.
  • b) Weil der Summenstromwandler die Vektorsumme von L1, L2, L3 und N bilden muss; im PEN sind aber N und PE zusammengefasst, ein Differenzstrom kann so nicht erkannt werden.
  • c) Weil ein RCD prinzipiell nur in IT-Systemen funktioniert.
  • d) Weil der RCD nur Wechselströme erkennt, der PEN aber Gleichstrom führt.

Richtig: b)

Ein RCD funktioniert, indem er die Summe der durch ihn hindurchfließenden Ströme bildet — bei intaktem System ist diese Summe null. Wird ein PEN durchgeführt, dann fließen sowohl Betriebs- als auch eventuelle Fehlerströme im selben Leiter und neutralisieren sich aus Sicht des Wandlers. Eine echte Fehlerstromerkennung ist unmöglich. Antworten a, c und d treffen das Wesentliche nicht.

Eine Anlage hat Zs = 0,9 Ω. Welches der folgenden Schutzgeräte erfüllt die Abschaltbedingung bei U0 = 230 V noch sicher?

  • a) D20 (Ia = 400 A)
  • b) C25 (Ia = 250 A)
  • c) C16 (Ia = 160 A)
  • d) D16 (Ia = 320 A)

Richtig: c)

If = 230 / 0,9 ≈ 255,6 A. a) Ia = 400 A → If < Ia → nein. b) Ia = 250 A → If knapp > Ia, aber Reserve sehr klein, und Zs,max = 230/250 = 0,92 Ω — gerade an der Grenze, in der Praxis knapp. c) Ia = 160 A → If deutlich > Ia, klar erfüllt. d) Ia = 320 A → If < Ia → nein. C16 erfüllt sicher und mit Reserve; die anderen entweder gar nicht oder grenzwertig.

Welche Aussage zum Trennpunkt eines TN-C-S-Systems trifft fachlich am besten zu?

  • a) Der Trennpunkt darf sich an jeder beliebigen Stelle nach der Hauptverteilung befinden, auch in einzelnen Unterverteilungen.
  • b) Der Trennpunkt ist in der Praxis üblicherweise in der Hauptverteilung; ab dort werden N und PE getrennt geführt und nicht mehr gebrückt.
  • c) Der Trennpunkt darf hinter jedem RCD beliebig nachgebildet werden.
  • d) Der Trennpunkt muss sich außerhalb des Gebäudes befinden.

Richtig: b)

In der Hauspraxis liegt der Trennpunkt typischerweise in der Hauptverteilung — dort, wo Hauptpotentialausgleich, Erdungsanlage und die zentrale Schutzlogik zusammenkommen. Mehrere Trennstellen oder spätere Brücken zerstören die TN-S-Eigenschaft. a, c und d entsprechen nicht der gängigen Errichtungspraxis.

Welche Aussage zur Bedingung Zs · Ia ≤ U0 ist korrekt?

  • a) Sie gilt nur, wenn der Verbraucher eine ohmsche Last ist.
  • b) Sie beschreibt, wann der Fehlerstrom If = U0/Zs mindestens so groß wird wie der Auslösestrom Ia und damit die magnetische Abschaltung des Schutzgerätes auslöst.
  • c) Sie gilt nur für RCDs, nicht für LS-Schalter und Sicherungen.
  • d) Sie sagt nichts über die Abschaltzeit aus.

Richtig: b)

Die Bedingung wandelt sich algebraisch in If ≥ Ia um. Wenn der berechnete Fehlerstrom If groß genug ist, spricht die magnetische (kurzschlussartige) Auslösung des Schutzgerätes im Sub-Sekundenbereich an — und damit ist die Abschaltzeitanforderung typischerweise eingehalten. d ist falsch, weil der Sinn der Bedingung gerade ist, eine hinreichend kurze Abschaltzeit zu garantieren.

Welche Aussage zu EMV-Eigenschaften der drei TN-Varianten ist korrekt?

  • a) TN-C ist am EMV-besten, weil ein Leiter weniger Streukapazitäten bedeutet.
  • b) TN-S ist am EMV-besten, weil der PE im Normalbetrieb stromlos und damit auf definiertem Potential bleibt.
  • c) TN-C-S ist EMV-mäßig identisch mit TN-C, weil die Trennstelle keine EMV-Auswirkung hat.
  • d) Alle drei Varianten haben identische EMV-Eigenschaften, weil sie denselben Sternpunkt nutzen.

Richtig: b)

Der entscheidende EMV-Vorteil von TN-S ist der „saubere“ PE: kein Betriebsstrom, definierte Potentialverhältnisse, keine Ausgleichsströme zwischen Gehäusen. TN-C ist hier am schlechtesten, TN-C-S liegt dazwischen — der TN-S-Teil hinter dem Trennpunkt profitiert von der Trennung.

In einer bestehenden Industrieanlage ist der Schutzleiter sichtbar unter Last (Strommessung am PE > 0 A). Welche Schlussfolgerung ist am ehesten zulässig?

  • a) Das ist im TN-S-Bereich normal, da der PE den N entlastet.
  • b) Es liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Doppelnutzung von PE und N vor (z. B. spätere N-PE-Brücke, falscher Anschluss eines Verbrauchers) oder ein Isolationsfehler.
  • c) Das ist ein normaler Effekt von Frequenzumrichtern und unbedenklich.
  • d) Das ist nur dann ein Problem, wenn der RCD bereits ausgelöst hat.

Richtig: b)

Im TN-S führt der PE im Normalbetrieb keinen Strom. Wenn trotzdem Strom messbar ist, gibt es einen ungewollten Rückpfad — typischerweise eine unzulässige N-PE-Verbindung oder einen schleichenden Isolationsfehler. FU-bedingte hochfrequente Ableitströme existieren zwar, sind aber in der Regel klein und kein Argument für signifikanten 50-Hz-Stromfluss am PE. a und d sind sachlich falsch.

Welche Aussage zur PEN-Querschnittsdimensionierung ist korrekt?

  • a) Der PEN darf so dünn ausgelegt werden wie der dünnste mitgeführte Außenleiter.
  • b) Wegen seiner Doppelfunktion und Sicherheitskritikalität wird der PEN üblicherweise nicht unter etwa 10 mm² Cu bzw. 16 mm² Al fest verlegt.
  • c) Der PEN braucht keinen festgelegten Mindestquerschnitt, solange er gut isoliert ist.
  • d) Der PEN muss immer denselben Querschnitt wie alle Außenleiter zusammen haben.

Richtig: b)

Die erhöhten Mindestquerschnitte schützen vor mechanischer Beschädigung und Unterbrechung. Insbesondere eine PEN-Unterbrechung ist sehr gefährlich, weil Gehäuse Außenleiterpotential annehmen können. a, c und d unterschätzen oder übertreiben die Anforderung.

Welche Aussage zu typischen Abschaltzeiten in TN-Systemen ist korrekt?

  • a) Für Endstromkreise bis 32 A bei 230 V wird üblicherweise eine Abschaltzeit von 0,4 s gefordert, für Verteilstromkreise und Endstromkreise > 32 A typischerweise 5 s.
  • b) Die Abschaltzeit beträgt in jedem Fall genau 200 ms.
  • c) Abschaltzeiten sind nur bei Drehstromsystemen relevant.
  • d) Es wird grundsätzlich eine Abschaltzeit < 30 ms gefordert.

Richtig: a)

Die gestaffelten Zeiten (0,4 s in Endstromkreisen mit direktem Personenrisiko, 5 s in vorgelagerten Verteilstromkreisen, wo Personen seltener direkt am Verbraucher arbeiten) sind etablierte Werte für 230-V-Systeme. b, c und d sind falsch — < 30 ms ist eher typisch für RCDs, nicht für die allgemeine Abschaltbedingung an LS-Schaltern.

Glossar

TN-Netzform
Netzform mit direkt geerdetem Sternpunkt der Quelle, bei der die Verbraucherkörper über einen metallischen Leiter (PE bzw. PEN) mit diesem Sternpunkt verbunden sind. Drei Spielarten: TN-C, TN-S, TN-C-S.
PEN-Leiter
Kombinierter Leiter, der die Funktionen Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE) in einem einzigen Leiter vereint. Wird wegen seiner Sicherheitskritikalität nur mit erhöhtem Mindestquerschnitt fest verlegt.
N-Leiter (Neutralleiter)
Leiter, der im Normalbetrieb den Rückstrom einphasiger Verbraucher zum Sternpunkt der Quelle führt. Im TN-S-Bereich vom PE getrennt.
PE-Leiter (Schutzleiter)
Leiter, der die berührbaren leitfähigen Teile (Körper) der Verbraucher mit dem geerdeten Sternpunkt verbindet. Führt im Normalbetrieb keinen Strom; nur im Fehlerfall.
Sternpunkt / Betriebserdung
Gemeinsamer Verbindungspunkt der drei Wicklungsenden eines sterngeschalteten Transformators. Über die Betriebserdung wird er fest mit Erde verbunden und legt damit das Bezugspotential des Netzes fest.
Schleifenimpedanz (Zs)
Summe aller Widerstände und Reaktanzen im Fehlerstromkreis (Außenleiter → Fehlerstelle → PE/PEN → Sternpunkt). Maßgeblich dafür, wie groß der Fehlerstrom im Körperschlussfall wird.
Abschaltbedingung / Abschaltzeit
Bedingung Zs · Ia ≤ U0 muss erfüllt sein, damit das Schutzgerät innerhalb der geforderten Abschaltzeit (typisch 0,4 s für Endstromkreise bis 32 A bei 230 V, 5 s für Verteilstromkreise) abschaltet.
Auslösestrom (Ia)
Stromwert, bei dem ein Schutzgerät magnetisch (kurzschlussartig) sicher auslöst. Bei LS-Schaltern abhängig von der Charakteristik: B ≈ 5·In, C ≈ 10·In, D ≈ 20·In.
Körperschluss
Fehlerhafte leitende Verbindung zwischen einem aktiven Leiter (meist Außenleiter) und einem berührbaren Körper (Gehäuse) eines Betriebsmittels.
Berührungsspannung
Spannung, die im Fehlerfall zwischen dem Körper eines fehlerbehafteten Betriebsmittels und einem zugänglichen Bezugspunkt (z. B. anderer geerdeter Teil, Boden) auftritt. Wird durch Schutz durch Abschaltung auf ungefährliche Werte begrenzt.
Trennpunkt (PEN-Aufteilung)
Stelle in einer TN-C-S-Anlage, an der der PEN-Leiter in einen getrennten N-Leiter und einen getrennten PE-Leiter aufgeteilt wird. Liegt üblicherweise in der Hauptverteilung; nach dem Trennpunkt dürfen N und PE nicht mehr verbunden werden.

Österreichische Normen

  • OVE E 8101 „Elektrische Niederspannungsanlagen“ (aktuelle Ausgabe: OVE E 8101:2025): Regelt die zulässigen Netzformen, die Anforderungen an den PEN-Leiter (Mindestquerschnitte, Auftrennung) sowie den Schutz durch automatische Abschaltung in TN-, TT- und IT-Systemen. Ersetzt seit 2019 die bisherige ÖVE/ÖNORM E 8001-Reihe.

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