Dahlandermotor – polumschaltbar mit gemeinsamer Wicklung
Wie wechselt ein Motor zwischen zwei Drehzahlen, ohne Getriebe und ohne Frequenzumrichter? Der Dahlandermotor löst das mit einem Eingriff in die Statorwicklung – er ändert seine eigene Polzahl per Schützumschaltung. Das Ergebnis sind zwei feste Drehzahlen im Verhältnis 1:2, mit einem einzigen Motor und drei Schützen. Dieser Beitrag erklärt das Wirkprinzip, zeigt die Klemmenkastenbelegung und ordnet die drei gängigen Schaltungsvarianten dem passenden Lastverhalten zu.
Vorwissen
Nach diesem Beitrag kannst du:
- das Wirkprinzip der Dahlanderschaltung mit Mittelanzapfung erklären
- den sechspoligen Klemmenkasten lesen und richtig brücken
- die passende Schaltungsvariante zum jeweiligen Lastverhalten auswählen
- Synchrondrehzahlen für beliebige Polzahlen am 50-Hz-Netz berechnen
- den Dahlandermotor von der Polumschaltung mit getrennten Wicklungen abgrenzen
Grundlagen: Polzahl und Synchrondrehzahl
Die Drehzahl eines Asynchronmotors hängt davon ab, wie schnell sich das Drehfeld im Stator dreht. Dieses Drehfeld wird von den Statorwicklungen erzeugt, die mit dem Drehstromnetz verbunden sind. Wie viele Magnetpole das Drehfeld dabei ausbildet, bestimmt direkt seine Umlaufgeschwindigkeit.
Ein zweipoliger Motor – ein Nord- und ein Südpol – braucht pro Netzperiode genau eine Umdrehung. Bei 50 Hz sind das 50 Umdrehungen pro Sekunde oder 3000 U/min. Ein vierpoliger Motor mit zwei Nord- und zwei Südpolen braucht zwei Netzperioden für eine Umdrehung, also nur 1500 U/min. Mehr Pole, weniger Drehzahl.
Die Polpaarzahl p zählt, wie viele Nord-Süd-Paare vorhanden sind. Die Polzahl 2p ist die Gesamtzahl der Magnetpole, also immer das Doppelte der Polpaarzahl.
n_s = f · 60 / p
- n_s … Synchrondrehzahl in U/min
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl (dimensionslos)
Gelöstes Beispiel
Ein Drehstromasynchronmotor hat sechs Pole und ist am 50-Hz-Netz angeschlossen. Wie groß ist seine Synchrondrehzahl?
- Polzahl 2p = 6, daraus Polpaarzahl p = 3
- n_s = f · 60 / p = 50 · 60 / 3
- n_s = 3000 / 3 = 1000 U/min
Ergebnis: n_s = 1000 U/min
Übungen
Berechne die Synchrondrehzahl eines achtpoligen Motors am 50-Hz-Netz.
Polzahl 2p = 8, Polpaarzahl p = 4.
n_s = 50 · 60 / 4 = 750 U/min
Ein Motor läuft mit 2880 U/min am 50-Hz-Netz. Bestimme Polzahl und Schlupf.
Nächsthöhere Synchrondrehzahl ist 3000 U/min, also p = 1 und damit ein zweipoliger Motor.
Schlupf: s = (3000 − 2880) / 3000 · 100 = 4 %
An welche Netzfrequenz müsste ein vierpoliger Motor angeschlossen werden, damit er synchron mit 1800 U/min läuft?
Umstellen der Formel: f = n_s · p / 60 = 1800 · 2 / 60 = 60 Hz.
Das entspricht dem nordamerikanischen Netz.
Welche Polzahl braucht ein Motor, der am 50-Hz-Netz synchron mit 600 U/min läuft?
p = f · 60 / n_s = 50 · 60 / 600 = 5
Polpaarzahl 5, also Polzahl 2p = 10 – ein zehnpoliger Motor.
Ein vierpoliger Motor mit 4 % Schlupf wird über einen Frequenzumrichter mit 35 Hz betrieben. Mit welcher Drehzahl läuft er?
Synchrondrehzahl: n_s = 35 · 60 / 2 = 1050 U/min
Läuferdrehzahl: n = n_s · (1 − s) = 1050 · 0,96 = 1008 U/min
Auf dem Typenschild eines Drehstrommotors steht „n = 970 U/min, f = 50 Hz“. Welche Polzahl hat der Motor?
- a) 4-polig
- b) 6-polig
- c) 8-polig
- d) 12-polig
Richtig: b)
Die nächsthöhere Synchrondrehzahl über 970 ist 1000 U/min – das entspricht p = 3 und damit der Polzahl 6. Der Schlupf beträgt rund 3 %.
Wie verändert sich die Synchrondrehzahl, wenn die Polpaarzahl verdoppelt wird?
- a) sie verdoppelt sich
- b) sie halbiert sich
- c) sie bleibt gleich
- d) sie vervierfacht sich
Richtig: b)
In n_s = f · 60 / p steht p im Nenner, also halbiert sich die Synchrondrehzahl bei doppelter Polpaarzahl. Genau dieses Prinzip nutzt die Dahlanderschaltung.
Ein Motor wird vom 50-Hz- aufs 60-Hz-Netz umgestellt. Wie ändert sich die Synchrondrehzahl?
- a) sie sinkt um 20 %
- b) sie steigt um 10 %
- c) sie steigt um 20 %
- d) sie bleibt unverändert
Richtig: c)
Die Synchrondrehzahl ist proportional zur Frequenz. Faktor 60/50 = 1,2, also +20 %. Aus 1500 U/min werden so 1800 U/min.
Wirkprinzip der Dahlanderschaltung
Der Trick beim Dahlandermotor steckt in der Statorwicklung. Jeder der drei Stränge wird nicht als eine durchgehende Spule ausgeführt, sondern in zwei gleich große Hälften aufgeteilt. Genau in der Mitte gibt es einen zusätzlichen Anschluss – die Mittelanzapfung.
Diese drei Anschlüsse pro Strang (Anfang, Mitte, Ende) werden alle nach außen zum Klemmenkasten geführt. So lässt sich von außen festlegen, wie der Strom durch die zwei Wicklungshälften eines Strangs fließen soll. Und genau diese Stromrichtung bestimmt, wie viele Pole das Drehfeld bildet.
Bei niedriger Drehzahl wird der Strang als Ganzes durchflossen: Der Strom geht vom Anfang bis zum Ende, beide Hälften in gleicher Richtung. Die Magnetfelder der Hälften liegen örtlich nebeneinander und bilden eine größere Anzahl von Polen.
Bei hoher Drehzahl wird die Mittelanzapfung mit dem Netz verbunden, Anfang und Ende werden gemeinsam kurzgeschlossen. Der Strom fließt nun von der Mitte ausgehend in beide Hälften – aber in entgegengesetzte Richtungen. Zwei benachbarte gleichnamige Pole verschmelzen elektromagnetisch zu einem einzigen größeren Pol, die Polzahl halbiert sich, die Drehzahl verdoppelt sich.
In einem Dahlandermotor wird die Mittelanzapfung beim Wechsel auf hohe Drehzahl ans Netz gelegt. Was passiert dabei in den beiden Wicklungshälften eines Strangs?
- a) Sie werden in Reihe geschaltet, der Strom fließt durch beide in gleicher Richtung
- b) Sie werden parallel geschaltet, der Strom fließt in beiden Hälften gegensinnig
- c) Eine Hälfte wird vom Netz getrennt, nur die andere bleibt aktiv
- d) Beide Hälften werden in Reihe mit einem Vorwiderstand geschaltet
Richtig: b)
Beim Anschluss an die Mittelanzapfung und Brücken der Außenanschlüsse liegen beide Hälften parallel und werden gegensinnig durchflossen. (a) beschreibt die niedrige Drehzahl, (c) und (d) sind beim Dahlanderprinzip nicht vorgesehen.
Warum halbiert sich die Polzahl beim Umschalten von niedriger auf hohe Drehzahl?
- a) weil sich die Netzfrequenz halbiert
- b) weil die Spannung verdoppelt wird
- c) weil benachbarte gleichnamige Pole durch gegensinnige Stromrichtung zu jeweils einem größeren Pol verschmelzen
- d) weil der Schlupf sich verdoppelt
Richtig: c)
Die Polzahl wird durch die räumliche Anordnung gleichgerichteter Magnetfelder festgelegt. Kehrt sich der Strom in einer Hälfte um, werden zwei räumlich benachbarte Nord- bzw. Südfelder magnetisch zu einem einzigen Pol zusammengefasst – die Polzahl halbiert sich, Frequenz und Spannung ändern sich nicht.
Warum lässt sich mit einem Dahlandermotor das Polzahlverhältnis 1:3 nicht realisieren?
- a) Weil das Drehmoment im Verhältnis 1:3 zu klein würde
- b) Weil das Wirkprinzip auf der Umkehrung der Stromrichtung in genau einer von zwei Wicklungshälften beruht und damit zwingend das Verhältnis 1:2 ergibt
- c) Weil die Wicklungsisolation nicht ausreicht
- d) Weil der Klemmenkasten nicht genug Anschlüsse hätte
Richtig: b)
Die Mittelanzapfung teilt jeden Strang in genau zwei gleiche Hälften. Eine Stromrichtungsumkehr in einer der beiden Hälften führt zur Halbierung der Polzahl. Andere Verhältnisse sind mit diesem Wirkprinzip nicht möglich – dafür bräuchte es getrennte Wicklungen.
Klemmenkastenbelegung: sechs Anschlüsse
Ein normaler Drehstrom-Asynchronmotor hat sechs Klemmen für Stern-Dreieck-Umschaltung – die sechs Wicklungsenden U1/V1/W1 und U2/V2/W2. Der Dahlandermotor hat ebenfalls sechs Klemmen, aber die haben eine andere Bedeutung: Sie gehören zu derselben Wicklung mit Mittelanzapfung, nicht zu Wicklungsanfang und -ende einer einzigen Spule.
Die nach IEC 60034-8 gebräuchliche Bezeichnung ist 1U-1V-1W für die Anschlüsse der niedrigen Drehzahl und 2U-2V-2W für die Anschlüsse der hohen Drehzahl. Die Ziffer vorne kennzeichnet also die Drehzahlstufe.
Für die niedrige Drehzahl wird das Drehstromnetz an 1U, 1V und 1W angeschlossen – 2U, 2V und 2W bleiben offen. Für die hohe Drehzahl wird das Netz an 2U, 2V und 2W angeschlossen, und 1U, 1V und 1W werden gemeinsam mit einer dreipoligen Brücke kurzgeschlossen. Diese Brücke bildet den Sternpunkt des Doppelsterns.
Ein Dahlandermotor soll auf hohe Drehzahl geschaltet werden. Welche Klemmenkonfiguration ist korrekt?
- a) Netz an 1U/1V/1W, 2U/2V/2W offen
- b) Netz an 2U/2V/2W, 1U/1V/1W durch Brücke kurzgeschlossen
- c) Netz an 1U/1V/1W, 2U/2V/2W gegen PE
- d) alle sechs Klemmen mit dem Netz verbunden
Richtig: b)
Bei hoher Drehzahl wird das Netz an die Mittelanzapfungen 2U/2V/2W gelegt. Die Außenanschlüsse 1U/1V/1W werden gemeinsam gebrückt und bilden so den Sternpunkt des Doppelsterns. (a) wäre die niedrige Drehzahl, (c) wäre eine Erdung der Wicklung – ein Fehler. (d) würde einen Kurzschluss bedeuten.
Worin unterscheidet sich der 6-Klemmen-Kasten eines Dahlandermotors von dem eines Standard-ASM mit Stern-Dreieck-Wicklung?
- a) Beim Dahlander sind die Klemmen verlötet statt geschraubt
- b) Beim Dahlander gehören je zwei Klemmen 1Ux/2Ux zu derselben Wicklung mit Mittelanzapfung, beim Standard-ASM zu Anfang und Ende einer Wicklung
- c) Beim Dahlander gibt es zusätzlich einen Erdungsanschluss in der Wicklung
- d) Beim Standard-ASM gibt es keine sechs Klemmen
Richtig: b)
Optisch sind beide Klemmenkästen gleich – die Bedeutung ist es nicht. Beim Standard-ASM verbindet man U1-U2 = Wicklungsanfang-Wicklungsende eines Strangs. Beim Dahlander ist 1U das eine Strangende und 2U die Mittelanzapfung derselben Wicklung – das andere Strangende ist intern bereits mit den anderen Strängen verschaltet.
Bei der niedrigen Drehzahl bleiben die Klemmen 2U/2V/2W ohne externe Verbindung. Was passiert intern?
- a) Die Wicklungshälften sind getrennt und unwirksam
- b) Die Mittelanzapfung ist offen, der Strom fließt durchgehend von 1U bis zum anderen Strangende durch beide Hälften in gleicher Richtung
- c) Es entsteht ein Streufluss, der die Drehzahl reduziert
- d) Die Klemmen 2x müssen geerdet werden, sonst fließt kein Strom
Richtig: b)
Eine offene Mittelanzapfung trägt einfach keinen Strom – der Stromfluss zwischen den Außenanschlüssen läuft ungestört durch beide Hälften in Reihe. Erst durch das Anlegen einer Spannung an die Mittelanzapfung wird die Wicklung anders durchflossen.
Die drei Schaltungsvarianten nach Lastverhalten
Drei innere Wicklungsausführungen sind beim Dahlandermotor üblich. Sie unterscheiden sich darin, wie das Drehmoment-Drehzahl-Verhalten des Motors zwischen den beiden Stufen aussieht. Welche Variante zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie sich die anzutreibende Last verhält.
Dreieck/Doppelstern (Δ/YY) – konstante Leistung. Die niedrige Drehzahl entsteht aus einer Dreieckschaltung der vollen Wicklungen, die hohe aus dem Doppelstern mit parallel geschalteten Hälften. Bei doppelter Drehzahl halbiert sich näherungsweise das Nenndrehmoment, die Leistung bleibt gleich. Typische Anwendung: Werkzeugmaschinen, bei denen mit steigender Schnittgeschwindigkeit die Schnittkraft sinken darf.
Stern/Doppelstern (Y/YY) – quadratisches Lastmoment. Niedrige Drehzahl im Stern, hohe im Doppelstern. Bei niedriger Drehzahl liefert der Motor weniger Drehmoment als bei hoher – ein Verlauf, der zum quadratischen Anstieg des Lastmoments bei Strömungsmaschinen passt. Typische Anwendung: Lüfter, Pumpen, Kreiselverdichter.
Doppelstern/Dreieck (YY/Δ) – konstantes Drehmoment. Die innere Wicklung ist hier umgekehrt zur ersten Variante ausgeführt: Der Doppelstern liefert die niedrige Drehzahl, das Dreieck die hohe. Das Drehmoment bleibt in beiden Stufen annähernd gleich, die Leistung verdoppelt sich beim Wechsel auf die hohe Stufe. Typische Anwendung: Hebezeuge, Aufzüge, Förderbänder – immer dort, wo dieselbe Last bei zwei Geschwindigkeiten bewegt wird.
Die Bezeichnungen „konstante Leistung“, „quadratisches Lastmoment“ und „konstantes Drehmoment“ sind theoretische Idealisierungen. Real liegt das Leistungsverhältnis zwischen niedriger und hoher Stufe bei Δ/YY meist im Bereich 1:1,5 bis 1:1,8 – die Leistung bleibt also nicht exakt konstant, sondern wächst in der hohen Stufe um 50 bis 80 %. Für die Auswahl der passenden Variante reicht die Charakteristik trotzdem als Orientierung, weil sie das prinzipielle Verhalten richtig beschreibt.
Ein Pumpenantrieb mit quadratisch ansteigendem Lastmoment soll auf zwei Drehzahlen umgeschaltet werden. Welche Dahlander-Variante passt?
- a) Dreieck/Doppelstern, weil sie die höchste Leistung liefert
- b) Stern/Doppelstern, weil das Motormoment in der hohen Stufe deutlich höher liegt – passend zum Pumpenverhalten
- c) Doppelstern/Dreieck, weil das Drehmoment konstant bleiben soll
- d) keine – Pumpen brauchen immer einen Frequenzumrichter
Richtig: b)
Strömungsmaschinen haben Lastmoment ~ n². Bei doppelter Drehzahl ist das Lastmoment also viermal größer. Die Stern/Doppelstern-Variante liefert in der hohen Stufe deutlich mehr Drehmoment als in der niedrigen – genau der gewünschte Verlauf.
Bei welcher Variante bleibt die Nennleistung in beiden Drehzahlstufen annähernd gleich?
- a) Dreieck/Doppelstern
- b) Stern/Doppelstern
- c) Doppelstern/Dreieck
- d) bei allen drei Varianten
Richtig: a)
Δ/YY heißt „konstante Leistung“ – bei verdoppelter Drehzahl halbiert sich das Moment, P = M · ω bleibt etwa gleich. Bei Y/YY steigt die Leistung mit der Drehzahl überproportional, bei YY/Δ verdoppelt sich die Leistung.
Ein Lastenaufzug hebt unabhängig von der Hubgeschwindigkeit dieselbe Last. Welche Schaltungsvariante passt?
- a) Dreieck/Doppelstern
- b) Stern/Doppelstern
- c) Doppelstern/Dreieck
- d) eine reine Sternschaltung ohne Polumschaltung
Richtig: c)
Die Last ist konstant, also wird in beiden Stufen dasselbe Drehmoment gebraucht. YY/Δ liefert ein konstantes Drehmoment in beiden Stufen, die Leistung verdoppelt sich proportional zur Drehzahl. Genau die Charakteristik, die ein Hebezeug braucht.
Warum eignet sich die Δ/YY-Variante für Werkzeugmaschinen?
- a) Weil bei höherer Drehzahl mehr Drehmoment für den Anlauf vorhanden ist
- b) Weil bei höherer Schnittgeschwindigkeit die nötige Schnittkraft sinkt und die konstante Leistung des Motors ideal dazu passt
- c) Weil sie als einzige Variante einen Sanftanlauf ermöglicht
- d) Weil sie das geringste Motorgeräusch hat
Richtig: b)
Bei Drehmaschinen oder Fräsen gilt häufig: Schnittgeschwindigkeit hoch → Schnittkraft klein und umgekehrt. Die konstante Leistung deckt diesen Zusammenhang genau ab – der Motor liefert in beiden Stufen die gleiche Antriebsleistung.
Drehzahlbeispiele am 50-Hz-Netz
Weil das Verhältnis fest bei 1:2 liegt, ergeben sich am 50-Hz-Netz nur wenige sinnvolle Drehzahlpaare. Maßgeblich ist immer, welche Polzahlen die niedrige und die hohe Stufe haben.
Üblich sind drei Kombinationen: 4-/2-polig mit 1500/3000 U/min, 8-/4-polig mit 750/1500 U/min und 12-/6-polig mit 500/1000 U/min. Die niedrige Stufe ist immer die Schaltung mit der doppelt so hohen Polzahl.
Unter Last fällt die Drehzahl durch den Schlupf gegenüber der Synchrondrehzahl ab. In Datenblättern sind deshalb meist die Nenndrehzahlen angegeben, etwa 1430/2880 U/min für ein 4-/2-poliges Modell unter Nennlast.
n_s = f · 60 / p
- n_s … Synchrondrehzahl in U/min
- f … Netzfrequenz in Hz
- p … Polpaarzahl (dimensionslos)
Gelöstes Beispiel
Berechne die Synchrondrehzahlen eines Dahlandermotors, der in der niedrigen Stufe 8-polig und in der hohen Stufe 4-polig ausgeführt ist (50-Hz-Netz). Bestätige das Drehzahlverhältnis 1:2.
- Niedrige Stufe: 2p = 8, also p = 4. n_s,1 = 50 · 60 / 4 = 750 U/min
- Hohe Stufe: 2p = 4, also p = 2. n_s,2 = 50 · 60 / 2 = 1500 U/min
- Verhältnis: n_s,2 / n_s,1 = 1500 / 750 = 2
Ergebnis: 750 / 1500 U/min, Verhältnis 1:2
Übungen
Bestimme die Synchrondrehzahlen eines Dahlandermotors mit 4 Polen (niedrige Stufe) und 2 Polen (hohe Stufe) am 50-Hz-Netz.
Niedrig: p = 2, n_s = 50 · 60 / 2 = 1500 U/min
Hoch: p = 1, n_s = 50 · 60 / 1 = 3000 U/min
Ein Dahlandermotor läuft mit den Nenndrehzahlen 1440 U/min und 2900 U/min am 50-Hz-Netz. Bestimme die Polzahlen und die jeweiligen Schlupfwerte.
Niedrige Stufe: nächste Synchrondrehzahl 1500 U/min → 4-polig (p=2).
Schlupf s = (1500 − 1440) / 1500 = 4,0 %.
Hohe Stufe: nächste Synchrondrehzahl 3000 U/min → 2-polig (p=1).
Schlupf s = (3000 − 2900) / 3000 = 3,33 %.
Verhältnis 1500:3000 = 1:2 ✓
Welche Polzahlen wären für ein Drehzahlpaar 1000/2000 U/min am 50-Hz-Netz erforderlich? Ist das mit einem Dahlandermotor realisierbar?
p für 1000 U/min: p = 50 · 60 / 1000 = 3, also 6-polig.
p für 2000 U/min: p = 50 · 60 / 2000 = 1,5 – keine ganzzahlige Polpaarzahl.
Realisierung mit Dahlander nicht möglich. Das Verhältnis 1000:2000 = 1:2 würde zwar passen, aber p muss ganzzahlig sein. Lösung wäre 1000/2000 nur über Frequenzumrichter.
Ein Dahlandermotor mit 6-/12-poliger Wicklung wird statt am 50-Hz-Netz am 60-Hz-Netz betrieben. Wie ändern sich die beiden Synchrondrehzahlen?
Bei 50 Hz: 12-polig → 500 U/min, 6-polig → 1000 U/min.
Bei 60 Hz: 12-polig (p=6) → 60 · 60 / 6 = 600 U/min, 6-polig (p=3) → 60 · 60 / 3 = 1200 U/min.
Beide Drehzahlen steigen um 20 %, das Verhältnis bleibt 1:2.
Berechne für einen 8-/4-poligen Dahlandermotor am 50-Hz-Netz die Drehzahldifferenz beider Stufen in U/min und in Prozent der niedrigen Stufe.
n_s,1 = 750 U/min, n_s,2 = 1500 U/min.
Differenz: 1500 − 750 = 750 U/min.
Relativ zur niedrigen Stufe: 750/750 · 100 = 100 %. Die hohe Drehzahl ist also genau doppelt so groß – charakteristisch für jedes Dahlander-Drehzahlpaar.
Welches Drehzahlpaar ist am 50-Hz-Netz mit einem Dahlandermotor nicht realisierbar?
- a) 750 / 1500 U/min
- b) 500 / 1000 U/min
- c) 1000 / 1500 U/min
- d) 1500 / 3000 U/min
Richtig: c)
Verhältnis 1000:1500 = 1:1,5 – das passt nicht zum festen Dahlander-Verhältnis 1:2. (a), (b) und (d) sind alle 1:2 und mit ganzzahligen Polpaarzahlen umsetzbar.
Ein Motor läuft mit 720 U/min in der niedrigen Stufe am 50-Hz-Netz unter Nennlast. Welche Synchrondrehzahl der hohen Stufe ist zu erwarten?
- a) 1440 U/min
- b) 1500 U/min
- c) 3000 U/min
- d) lässt sich aus den Angaben nicht ableiten
Richtig: b)
720 U/min Nenndrehzahl deutet auf 750 U/min synchron (8-polig, ca. 4 % Schlupf). Die hohe Stufe ist 4-polig und hat damit 1500 U/min synchron. 1440 U/min wäre die Nenndrehzahl der hohen Stufe.
Warum ist das Drehzahlpaar 1500/3000 U/min am häufigsten anzutreffen?
- a) Weil es die einzige Variante ist, die das Verhältnis 1:2 einhält
- b) Weil 1500/3000 U/min praktisch nutzbare Werte sind und sich mit kleinen Polpaarzahlen 1 und 2 wickeltechnisch einfach ausführen lassen
- c) Weil andere Polzahlen am 50-Hz-Netz nicht zulässig sind
- d) Weil bei dieser Stufenanordnung der Schlupf null ist
Richtig: b)
Kleine Polpaarzahlen bedeuten weniger Wicklungsgruppen, einfacheren Aufbau und meist geringere Motorgröße bei gleicher Leistung. Die Werte 1500/3000 U/min decken zusätzlich viele praktische Bedarfe ab.
Schaltschrankaufbau mit drei Schützen
Die Polumschaltung im Schaltschrank wird klassisch mit drei Schützen umgesetzt – einer Polwendekombination. Ein Schütz verbindet das Netz mit der niedrigen Drehzahl, die anderen beiden zusammen mit der hohen Drehzahl.
Schütz Q1 schaltet bei niedriger Drehzahl das Netz auf 1U/1V/1W. Schütz Q2 schaltet bei hoher Drehzahl das Netz auf 2U/2V/2W. Schütz Q3 sorgt zeitgleich mit Q2 für die Brücke der Klemmen 1U/1V/1W – es verbindet diese drei Klemmen miteinander und bildet so den Sternpunkt des Doppelsterns.
Q2 und Q3 ziehen also immer gemeinsam an. Q1 darf nie gleichzeitig mit Q2/Q3 anziehen, sonst entsteht ein Kurzschluss in der Wicklung. Deshalb sind die Schütze sowohl mechanisch als auch elektrisch gegeneinander verriegelt: Mechanisch durch einen Verriegelungssatz zwischen den Schützen, elektrisch durch Schließer/Öffner-Kontakte im Steuerstromkreis.
Beim Wechsel zwischen den Drehzahlstufen ist eine kurze Ausschaltpause sinnvoll. Sie verhindert, dass durch Schaltprellen oder Spannungsspitzen kurzzeitig beide Schützgruppen zugleich aktiv sind, und sie reduziert den induzierten Stoßstrom beim Umkonfigurieren der Wicklung.
Bei der Auslegung der Schaltfolge gilt eine Faustregel: erst in der niedrigen Drehzahlstufe anlaufen, dann auf die hohe Stufe umschalten. In der niedrigen Stufe ist der Anlaufstrom geringer, weil die höhere Polzahl ein günstigeres Drehmoment-Drehzahl-Verhalten ergibt. Ein direkter Anlauf in der hohen Stufe ist bei kleinen Motoren möglich, bei größeren Leistungen verursacht er aber unnötig hohe Netzbelastungen und Stromspitzen.
Welche Funktion hat Schütz Q3 in einer Standard-Polwendekombination für den Dahlandermotor?
- a) Es trennt den Motor vom Netz
- b) Es brückt zusammen mit dem Anzug von Q2 die Klemmen 1U/1V/1W und bildet so den Sternpunkt für den Doppelstern
- c) Es ist eine Reserve ohne Funktion
- d) Es begrenzt den Anlaufstrom über eine integrierte Drossel
Richtig: b)
Bei hoher Drehzahl müssen sowohl das Netz an 2U/2V/2W angeschlossen (Q2) als auch die Klemmen 1U/1V/1W gemeinsam gebrückt (Q3) werden. Ohne diese Brücke kein Doppelstern und damit kein wirksames Drehfeld.
Was passiert, wenn durch einen Schaltfehler Q1 und Q2 gleichzeitig einschalten?
- a) Der Motor läuft auf der Mitteldrehzahl zwischen den beiden Stufen
- b) Eine der beiden Wicklungshälften wird über die geschlossenen Kontakte direkt kurzgeschlossen und es fließt ein sehr hoher Fehlerstrom
- c) Der Motor bleibt stehen, weil die Schütze sich gegenseitig blockieren
- d) Die Drehrichtung kehrt sich um
Richtig: b)
Q1 legt das Netz an 1U/1V/1W, Q2 legt es gleichzeitig an 2U/2V/2W. Da 2U die Mittelanzapfung derselben Wicklung ist, würde eine Wicklungshälfte zwischen zwei Außenleiter geschaltet – effektiv ein Kurzschluss mit hohem Fehlerstrom. Genau das verhindert die Verriegelung.
Warum ist beim Umschalten zwischen den Drehzahlstufen eine kurze Ausschaltpause sinnvoll?
- a) Damit der Motor abkühlen kann
- b) Damit Prellen oder Spannungsspitzen nicht beide Schützgruppen kurzzeitig gemeinsam aktivieren und um den induzierten Stoßstrom zu reduzieren
- c) Damit der Schlupf ausgeregelt wird
- d) Damit der Bediener die Auswahl bestätigen kann
Richtig: b)
Schalten ist nie ideal augenblicklich – Kontakte prellen, Lichtbögen klingen kurz nach. Eine kurze Pause stellt sicher, dass die ältere Schaltstufe komplett offen ist, bevor die neue geschlossen wird. Zusätzlich reduziert sie die Stromspitze beim Umkonfigurieren der mit dem Drehfeld verkoppelten Wicklung.
Abgrenzung zur Polumschaltung mit getrennten Wicklungen
Dahlander ist nicht die einzige Möglichkeit, einen Motor auf zwei Drehzahlen umzuschalten. Die Alternative ist ein Motor mit zwei vollständig getrennten Statorwicklungen, die zueinander beliebige Polzahlen haben können. So lassen sich auch Verhältnisse wie 1:3 oder 1:4 realisieren – etwa 1000/3000 U/min oder 750/3000 U/min.
Der Vorteil ist die freie Wahl der Polzahlen. Der Nachteil: Im Stator stecken zwei komplette Wicklungssätze. Das bedeutet mehr Kupfer, dickere Statorpakete, größere Bauform und höheren Preis. Außerdem sind in jeder Drehzahlstufe nur die eingeschaltete Wicklung wirksam – die andere liegt passiv im Stator und trägt nichts zur Leistung bei, kann aber durch Streuflüsse Verluste verursachen.
Klemmenkasten: Bei zwei getrennten Wicklungen sind mindestens sechs Klemmen vorhanden, je drei für die zwei Wicklungen. Wird zusätzlich Stern-Dreieck-Schaltung pro Wicklung gewünscht, kommen pro Wicklung sechs Klemmen, in Summe also bis zu zwölf.
Eine Sonderform ist die Kombination aus beidem: eine Wicklung als Dahlanderschaltung mit Mittelanzapfung plus eine zweite getrennte Wicklung. Damit ergeben sich drei verschiedene Drehzahlen – zwei aus dem Dahlander und eine aus der zweiten Wicklung. Solche Motoren sind im Aufbau noch aufwändiger und entsprechend selten geworden.
Ein Antrieb braucht die zwei Drehzahlen 1000 U/min und 1500 U/min am 50-Hz-Netz. Welche Bauform kommt in Frage?
- a) Dahlandermotor mit Δ/YY-Schaltung
- b) Dahlandermotor mit YY/Δ-Schaltung
- c) Polumschaltbarer Motor mit zwei getrennten Wicklungen (6- und 4-polig)
- d) Direktanlaufmotor ohne Polumschaltung
Richtig: c)
Verhältnis 1000:1500 = 1:1,5 passt nicht zum festen Dahlander-Verhältnis 1:2. Mit zwei getrennten Wicklungen – eine 6-polig für 1000 U/min, eine 4-polig für 1500 U/min – lässt sich das Verhältnis frei wählen.
Welcher konstruktive Nachteil entsteht durch zwei getrennte Wicklungen gegenüber der Dahlanderschaltung?
- a) Geringere Drehzahlstabilität
- b) Höheres Gewicht und größere Bauform, weil zwei vollständige Wicklungssätze im Stator stecken
- c) Die Drehrichtung kann nicht umgekehrt werden
- d) Der Motor läuft nur mit Frequenzumrichter
Richtig: b)
Zwei komplette Wicklungen brauchen mehr Kupfer und mehr Eisen. Der Motor wird größer, schwerer und teurer. Drehzahlstabilität, Drehrichtungsumkehr und Netzanschluss sind dadurch nicht beeinträchtigt.
Wie viele Klemmen hat ein polumschaltbarer Motor mit zwei getrennten Wicklungen mindestens?
- a) 3
- b) 6, mit zusätzlicher Stern-Dreieck-Möglichkeit pro Wicklung bis zu 12
- c) genau 6, mehr ist konstruktiv nicht möglich
- d) genau 12
Richtig: b)
Mindestens je drei Klemmen pro Wicklung sind nötig, ergibt 6. Wird zusätzlich pro Wicklung Stern-Dreieck-Anlauf vorgesehen, sind je sechs Klemmen pro Wicklung erforderlich – also 12 in Summe.
Vor- und Nachteile, Einsatzgrenzen
Der Dahlandermotor ist eine elegante Lösung für genau definierte Einsatzfälle. Seine Stärken sind Robustheit, Einfachheit und Wartungsarmut – im Antriebsstrang stecken nur ein Motor und drei Schütze, keine empfindliche Leistungselektronik. Für rauhe Umgebungen, hohe Schalthäufigkeit oder Krananwendungen mit starken Stromstößen sind genau diese Eigenschaften der Grund, warum Dahlandermotoren bis heute eingesetzt werden.
Die klare Grenze ist das feste Drehzahlverhältnis 1:2. Wo andere Verhältnisse oder mehr als zwei Stufen gebraucht werden, muss eine andere Lösung her. Ebenso bei stufenloser Drehzahlregelung – die ist nur mit Frequenzumrichter möglich.
In modernen Anlagen werden Dahlandermotoren zunehmend durch Frequenzumrichter-Antriebe ersetzt. Ein Standard-ASM mit FU bietet stufenlose Drehzahl, sanftes Anfahren, Energieeinsparung durch lastangepasste Drehzahl und Bremsbetrieb. Der Dahlandermotor bleibt dort interessant, wo die FU-Vorteile nicht gebraucht werden und die Robustheit zählt – etwa bei Lüftern in der Lüftungstechnik mit zwei festen Betriebspunkten oder bei Krananlagen im Außenbereich.
Kostenseitig liegt ein Dahlandermotor mit Schützensteuerung heute meist über einem Standard-Motor mit FU – die FU-Technik ist über die Jahre günstiger geworden. Wirtschaftlich interessant ist der Dahlander vor allem im Ersatzteilbetrieb für bestehende Anlagen, in Sonderfällen mit extremen Umgebungsbedingungen und überall dort, wo die Robustheit eines elektromechanischen Aufbaus entscheidend ist.
Welcher Vorteil des Dahlandermotors wiegt in industriellen Krananwendungen besonders schwer?
- a) Höhere Maximaldrehzahl als andere Motoren
- b) Robustheit und Wartungsarmut – keine empfindliche Leistungselektronik im Antriebsstrang
- c) Niedrigerer Anschaffungspreis im Vergleich zu jeder anderen Lösung
- d) Geringeres Motorgeräusch
Richtig: b)
Krananwendungen haben hohe Schalthäufigkeit, mechanische Belastung und teils raue Umgebungsbedingungen. Ein FU ist da empfindlicher als eine Schützenkombination, die viele tausend Schaltspiele wegsteckt. Der Preisvorteil ist heute meist nicht mehr gegeben.
Warum wird der Dahlandermotor in modernen Industrieanlagen zunehmend durch FU-Antriebe ersetzt?
- a) Weil Dahlandermotoren am 50-Hz-Netz nicht mehr zulässig sind
- b) Weil FU-Antriebe stufenlose Drehzahlregelung, sanften Anlauf und Bremsbetrieb bieten – Funktionen, die der Dahlander prinzipbedingt nicht hat
- c) Weil Dahlandermotoren keine drei Phasen unterstützen
- d) Weil Frequenzumrichter generell günstiger im Betrieb sind
Richtig: b)
Stufenlose Drehzahl, Sanftanlauf, Bremsbetrieb und Energieeinsparung bei Teillast sind klare FU-Vorteile. Der Dahlander hat genau zwei feste Drehzahlen und keine Möglichkeit zum sanften Anfahren – das passt nur zu einem Teil der heutigen Anwendungen.
In welcher Situation ist der Dahlandermotor wirtschaftlich klar im Vorteil gegenüber einem FU-Antrieb?
- a) Wenn stufenlose Drehzahlregelung gefordert ist
- b) Wenn nur zwei klar definierte Betriebsdrehzahlen im Verhältnis 1:2 dauerhaft genutzt werden und Robustheit wichtiger ist als Flexibilität
- c) Wenn der Motor häufig im Bremsbetrieb läuft
- d) Wenn das Netz instabil ist
Richtig: b)
Wenn die Anwendung exakt zum Dahlander-Profil passt – zwei feste Drehzahlen, robuste Umgebung, kein Bedarf an Regelung – spricht alles für den Dahlander. In allen anderen Fällen ist der FU mit Standard-ASM meist die bessere Lösung.
Welche Eigenschaft des Dahlandermotors lässt sich auch mit hohem Aufwand nicht ändern?
- a) Die Bauform
- b) Die zulässige Umgebungstemperatur
- c) Das feste Drehzahlverhältnis 1:2 zwischen den beiden Stufen
- d) Die Schutzart
Richtig: c)
Das 1:2-Verhältnis ist eine direkte Folge des Wirkprinzips mit Mittelanzapfung. Andere Verhältnisse erfordern eine andere Motorbauart (getrennte Wicklungen oder FU). Bauform, Umgebungstemperatur und Schutzart sind dagegen reine Auslegungsparameter.
Abschlusstest
Ein Dahlandermotor läuft in der hohen Stufe synchron mit 1500 U/min am 50-Hz-Netz. Berechne die Synchrondrehzahl der niedrigen Stufe und gib die Polzahlen beider Stufen an.
Hohe Stufe: n_s = 1500 U/min → p = 50 · 60 / 1500 = 2, also 4-polig.
Niedrige Stufe: doppelte Polzahl → 8-polig (p = 4).
n_s,niedrig = 50 · 60 / 4 = 750 U/min
Ein Dahlandermotor hat in der niedrigen Stufe eine Nenndrehzahl von 720 U/min und in der hohen Stufe 1450 U/min. Bestimme die Polzahlen und die Schlupfwerte beider Stufen am 50-Hz-Netz.
Niedrig: nächste Synchrondrehzahl 750 U/min → 8-polig (p = 4).
s = (750 − 720) / 750 = 4,0 %.
Hoch: nächste Synchrondrehzahl 1500 U/min → 4-polig (p = 2).
s = (1500 − 1450) / 1500 = 3,33 %.
Verhältnis 750:1500 = 1:2 ✓
Berechne die Drehzahldifferenz zwischen den beiden Synchrondrehzahlen eines 12-/6-poligen Dahlandermotors am 50-Hz-Netz.
Niedrig: p = 6, n_s = 500 U/min.
Hoch: p = 3, n_s = 1000 U/min.
Differenz: 1000 − 500 = 500 U/min.
Ein 4-/2-poliger Dahlandermotor wird statt am 50-Hz- am 60-Hz-Netz betrieben. Berechne beide neuen Synchrondrehzahlen und gib das Drehzahlverhältnis an.
Niedrig (4-polig, p = 2): n_s = 60 · 60 / 2 = 1800 U/min.
Hoch (2-polig, p = 1): n_s = 60 · 60 / 1 = 3600 U/min.
Verhältnis 1800:3600 = 1:2 – das Verhältnis bleibt durch die Polzahl bestimmt, nicht durch die Frequenz.
Welche Synchrondrehzahl hat ein Dahlandermotor in der hohen Stufe, wenn er in der niedrigen Stufe 8-polig ist (50-Hz-Netz)?
- a) 750 U/min
- b) 1000 U/min
- c) 1500 U/min
- d) 3000 U/min
Richtig: c)
8-polig in der niedrigen Stufe entspricht 4-polig in der hohen Stufe (halbe Polzahl). n_s = 50 · 60 / 2 = 1500 U/min.
Welche Aussage zum Wirkprinzip des Dahlandermotors ist richtig?
- a) Die Spannung wird für die niedrige Drehzahl halbiert
- b) Die Stromrichtung in einer der beiden Wicklungshälften wird durch Umverdrahtung umgekehrt
- c) Die Netzfrequenz wird über einen Vorschaltkondensator halbiert
- d) Ein zweiter Wicklungssatz wird zugeschaltet
Richtig: b)
Genau die Umkehr der Stromrichtung in einer Hälfte durch Umschaltung der Außenanschlüsse halbiert die Polzahl. Frequenz und Spannung bleiben gleich, eine zweite Wicklung ist nicht vorhanden – das wäre die getrennte Wicklung.
Wie viele Klemmen hat ein Dahlandermotor üblicherweise im Klemmenkasten?
- a) 3
- b) 6
- c) 9
- d) 12
Richtig: b)
Drei Außenanschlüsse 1U/1V/1W und drei Mittelanzapfungen 2U/2V/2W – in Summe sechs Klemmen, optisch wie beim Standard-Stern-Dreieck-Motor, inhaltlich anders belegt.
Bei der Schaltungsvariante „Dreieck/Doppelstern“ liegt die Dreieckschaltung an welcher Drehzahlstufe?
- a) niedrige Drehzahl
- b) hohe Drehzahl
- c) bei beiden Stufen gleichzeitig
- d) nur beim Anlauf
Richtig: a)
In der Bezeichnung „X/Y“ wird die niedrige Drehzahl zuerst genannt. Dreieck steht also für die niedrige, Doppelstern für die hohe Stufe.
Welches Lastverhalten passt zur Variante Stern/Doppelstern?
- a) konstantes Drehmoment
- b) konstante Leistung
- c) quadratisches Lastmoment
- d) lineares Lastmoment
Richtig: c)
Y/YY liefert in der hohen Stufe deutlich mehr Drehmoment als in der niedrigen – passend zu Strömungsmaschinen, deren Lastmoment quadratisch mit der Drehzahl steigt (Lüfter, Pumpen, Verdichter).
Welche Klemmenkonfiguration aktiviert die hohe Drehzahl?
- a) Netz an 1U/1V/1W, 2U/2V/2W offen
- b) Netz an 2U/2V/2W, 1U/1V/1W mit dreipoliger Brücke kurzgeschlossen
- c) Netz an 1U/2U/1V, 2V/1W/2W offen
- d) alle sechs Klemmen mit dem Netz verbunden
Richtig: b)
Bei hoher Drehzahl wird die Mittelanzapfung 2x ans Netz gelegt und 1x über eine Brücke zum Doppelstern-Sternpunkt verbunden.
Wie viele Schütze enthält eine Standard-Polwendekombination?
- a) 1
- b) 2
- c) 3
- d) 4
Richtig: c)
Q1 für niedrige Drehzahl, Q2 und Q3 gemeinsam für hohe Drehzahl (Q2 schaltet Netz auf 2x, Q3 bildet Brücke an 1x).
Welcher Hauptvorteil hat ein Dahlandermotor gegenüber einem Motor mit zwei getrennten Wicklungen?
- a) Er kann mehr als zwei Drehzahlen schalten
- b) Nur eine Wicklung im Stator – damit kompakter, leichter und günstiger
- c) Er liefert ein höheres Anlaufmoment
- d) Er läuft ohne Schlupf
Richtig: b)
Eine Wicklung statt zweier spart Kupfer, Eisen, Bauvolumen und Material. Der Preis dafür: festes Drehzahlverhältnis 1:2.
Welches Drehzahlverhältnis kann ein Dahlandermotor immer einstellen?
- a) 1:1,5
- b) 1:2
- c) 1:3
- d) frei wählbar
Richtig: b)
Das Wirkprinzip mit Mittelanzapfung führt zwingend zur Halbierung oder Verdopplung der Polzahl, also zum festen Verhältnis 1:2.
Was passiert, wenn die Verriegelung der Polumschaltschütze ausfällt und Q1 mit Q2 gleichzeitig anzieht?
- a) Der Motor läuft mit Mittel zwischen beiden Drehzahlen
- b) Die Wicklungshälften zwischen den 1x- und 2x-Klemmen werden durch die gleichzeitig schließenden Schützkontakte unzulässig beschaltet – sie sehen Spannungen, für die sie nicht ausgelegt sind, und es fließen sehr hohe Fehlerströme
- c) Der Motor stoppt sofort, weil sich die Schütze gegenseitig blockieren
- d) Die Drehrichtung kehrt sich um
Richtig: b)
Mit Q1 liegen L1/L2/L3 an 1U/1V/1W, mit Q2 zusätzlich an 2U/2V/2W (oft phasengetauscht für gleiche Drehrichtung). Die Wicklungshälften zwischen 1U-2U, 1V-2V und 1W-2W bekommen damit Spannungen, die nicht zur vorgesehenen Strangbeschaltung passen – je nach Phasenfolge ein direkter Kurzschluss oder eine Beaufschlagung mit Verkettungsspannung. In beiden Fällen fließen sehr hohe Fehlerströme. Genau das verhindert die Verriegelung.
Warum eignet sich die Variante Doppelstern/Dreieck für Hebezeuge?
- a) Weil sie die höchste mögliche Drehzahl liefert
- b) Weil das Drehmoment in beiden Stufen annähernd konstant bleibt – wichtig zum Heben fester Lasten unabhängig von der Hubgeschwindigkeit
- c) Weil sie einen Bremsbetrieb ermöglicht
- d) Weil sie ohne Schlupf läuft
Richtig: b)
YY/Δ ist die Variante mit konstantem Drehmoment. Beim Heben einer konstanten Last wird immer dasselbe Drehmoment gebraucht – die Leistung wächst proportional zur Hubgeschwindigkeit.
Welcher Unterschied besteht zwischen einem Standard-Stern-Dreieck-Klemmenkasten und einem Dahlander-Klemmenkasten?
- a) Der Dahlander-Klemmenkasten hat neun Klemmen
- b) Beide haben sechs Klemmen, aber die Klemmen gehören beim Dahlander zur selben Wicklung mit Mittelanzapfung, beim Stern-Dreieck-Motor zu Wicklungsanfang und -ende
- c) Der Stern-Dreieck-Klemmenkasten hat einen zusätzlichen Erdungsanschluss
- d) Beide Klemmenkästen sind identisch und beliebig austauschbar
Richtig: b)
Optisch sind beide Kästen gleich, die innere Bedeutung der Klemmen ist es nicht. Die Bezeichnungen 1U/2U (Dahlander) vs. U1/U2 (Standard) sind der Hinweis im Klemmenkasten.
Glossar
- Dahlanderschaltung
- Schaltung für polumschaltbare Drehstrommotoren mit einer gemeinsamen Wicklung pro Strang und Mittelanzapfung. Liefert zwei Drehzahlen im festen Verhältnis 1:2.
- Polpaarzahl (p)
- Anzahl der Nord-Süd-Polpaare des Drehfelds. Bestimmt zusammen mit der Netzfrequenz die Synchrondrehzahl.
- Polzahl (2p)
- Doppelte Polpaarzahl, also die Gesamtzahl der magnetischen Pole im Stator.
- Synchrondrehzahl
- Theoretische Drehzahl des Drehfelds im Stator, abhängig von Frequenz und Polpaarzahl. Wird vom Läufer wegen des Schlupfs nicht ganz erreicht.
- Schlupf
- Relative Differenz zwischen Synchrondrehzahl und tatsächlicher Läuferdrehzahl, meist in Prozent angegeben.
- Mittelanzapfung
- Zusätzlicher elektrischer Anschluss in der Mitte einer Wicklung, der diese in zwei gleich große Hälften teilt.
- Doppelstern (YY)
- Schaltungsart, bei der die zwei Wicklungshälften jedes Strangs parallel geschaltet sind und alle drei Stränge gemeinsam einen Sternpunkt bilden.
- Polwendekombination
- Schützanordnung aus typischerweise drei verriegelten Schützen für die Polumschaltung beim Dahlandermotor.
- Polumschaltung
- Verfahren zur Drehzahländerung eines Drehstrommotors durch Variation der wirksamen Polzahl.
- Klemmenkasten
- Anschlussgehäuse am Motor mit den nach außen geführten Wicklungsenden bzw. Mittelanzapfungen.
- Frequenzumrichter
- Elektronisches Stellgerät zur stufenlosen Änderung von Netzfrequenz und Spannung – die heute gängigste Alternative zum polumschaltbaren Motor.
- IEC 60034-8
- Internationale Norm, die unter anderem die Klemmenbezeichnungen 1U/2U etc. für polumschaltbare Drehstrommotoren festlegt.
