Gängige Lagerarten in der Mechanik – Aufbau, Funktion und Anwendung
Lager dienen in der Mechanik dazu, rotierende Bauteile – meistens Wellen – zu führen und zu stützen. Sie übertragen Kräfte vom drehenden Teil auf das Maschinengestell und sorgen dafür, dass sich die Welle möglichst leicht und exakt drehen kann. Je nach Bauart können Lager radiale Kräfte (quer zur Welle), axiale Kräfte (entlang der Welle) oder eine Kombination aus beiden aufnehmen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei große Gruppen: Wälzlager und Gleitlager. Wälzlager besitzen Wälzkörper wie Kugeln oder Rollen, die sich zwischen Innen- und Außenring abrollen. Gleitlager dagegen haben keine Wälzkörper, sondern eine gleitende Oberfläche, die nur durch einen Schmierfilm vom Gegenlaufpartner getrennt ist. In vielen Maschinen dominieren heute Wälzlager, weil sie genormt, leicht austauschbar und einfach zu berechnen sind.
Im Maschinenbau werden Lagerstellen häufig als Festlager und Loslager ausgeführt. Das Festlager fixiert die Welle in axialer Richtung, das Loslager erlaubt Längenänderungen der Welle, zum Beispiel durch Erwärmung. Ergänzend gibt es weitere Lagerungsarten wie Pendelstützen, Gelenke oder Einspannungen, mit denen sich unterschiedliche statische Randbedingungen nachbilden lassen.
Zu den verbreitetsten Wälzlagerbauarten zählen Rillenkugellager, Zylinderrollenlager, Kegelrollenlager, Pendelrollenlager und Axialkugellager. Jede Bauart hat typische Einsatzschwerpunkte: hohe Drehzahlen, große radiale Kräfte, starke Axialkräfte oder die Fähigkeit, Fluchtungsfehler auszugleichen. Häufig werden mehrere Lager kombiniert, um die gewünschte Lagerung einer Welle (z. B. Fest-Los-Lagerung) zu realisieren.
Zusätzlich unterscheidet man Lager nach ihrer Bauweise: offene Lager, abgedichtete Lager mit Spaltdichtungen oder berührenden Dichtungen (ZZ, 2RS) sowie einstellbare oder vorgespannte Lagerungen. Die richtige Kombination aus Lagerart, Lagerungsart und Bauweise entscheidet darüber, ob eine Maschine ruhig, verschleißarm und sicher läuft.
In dieser Einheit lernst du die wichtigsten Lagerarten kennen, verstehst ihre Kraftaufnahme, ihre typische Verwendung im Maschinenbau und erfährst, wie Fest- und Loslager clever kombiniert werden, um Kräfte sicher abzutragen und Längenänderungen auszugleichen.
Lager stützen Wellen, nehmen radiale und/oder axiale Kräfte auf und werden meist als Kombination aus Wälzlager-Bauart und Lagerungsart (z. B. Fest- und Loslager) ausgelegt.
Grundlagen der Lagerung – Radial- und Axialkräfte, Wälz- und Gleitlager
Jede Welle in einer Maschine wird an mindestens zwei Stellen gelagert. Dort greifen die Lager die äußeren Kräfte auf und leiten sie in das Gehäuse oder Gestell ab. Man unterscheidet zwei grundlegende Kraftarten:
- Radialkräfte Fr: wirken quer zur Wellenachse, zum Beispiel Gewichtskräfte von Riemenscheiben, Zahnrädern oder Rotoren.
- Axialkräfte Fa: wirken entlang der Wellenachse, zum Beispiel bei Schrägverzahnungen oder bei Axiallüftern.
Viele Lager müssen beide Komponenten gleichzeitig aufnehmen. Deshalb werden Lager oft nach ihrer axialen und radialen Tragfähigkeit eingeteilt. Rillenkugellager können zum Beispiel radiale und kleinere axiale Kräfte, Kegelrollenlager sogar hohe kombinierte Belastungen aufnehmen.
Die Einteilung in Wälzlager und Gleitlager bezieht sich auf die Art der Reibung. Wälzlager arbeiten mit Rollreibung, Gleitlager mit Gleitreibung. Rollreibung ist in der Regel kleiner, wodurch Wälzlager bei gleichen Bedingungen geringere Reibungsverluste und eine bessere Wirkungsweise besitzen. Gleitlager können dagegen Schwingungen gut dämpfen, hohe Stoßbelastungen aufnehmen und sind bei sehr hohen Drehzahlen vorteilhaft.
In schematischen Lagerbildern werden Wellen meist als Linie dargestellt, Lagerstellen als Symbole: Festlager, Loslager, Gelenke, Pendelstützen oder Einspannungen. Diese Symbole findet man auch in der technischen Mechanik und Statik. Sie beschreiben, welche Freiheitsgrade an einer Stelle gesperrt oder zugelassen sind.
Ein typisches Beispiel ist eine Motorwelle: Ein Lager wird als Festlager ausgeführt und fixiert die Welle axial. Das zweite Lager als Loslager erlaubt einerseits die Drehung, andererseits eine geringe axiale Verschiebung. So können Längenänderungen durch Erwärmung der Welle aufgenommen werden, ohne dass unzulässige Spannungen entstehen.
Gleitlager bestehen aus einem Lagergehäuse (Lagerschale) und einer Gleitfläche, die mit Schmierstoff versorgt wird. Wälzlager bestehen dagegen aus Innenring, Außenring, Wälzkörpern (Kugeln, Zylinderrollen, Kegelrollen) und meist einem Käfig, der die Wälzkörper auf Abstand hält. Beide Bauarten erfüllen die gleiche Grundaufgabe: Sie führen die Welle und übertragen Kräfte.
Wirkt eine Kraft F auf eine Welle sowohl radial als auch axial, kann man sie in Komponenten zerlegen:
Fr – radiale Komponente (quer zur Welle),
Fa – axiale Komponente (entlang der Welle).
Die resultierende Gesamtbelastung F ergibt sich aus dem Satz des Pythagoras:
F = √(Fr² + Fa²)
Für die Auswahl eines Wälzlagers wird häufig eine äquivalente Lagerbelastung P verwendet, die radiale und axiale Kräfte gewichtet zusammenfasst. Vereinfacht gilt häufig:
P = X · Fr + Y · Fa
Die Faktoren X und Y hängen von Lagerbauart und Belastung ab und sind in Lagerkatalogen angegeben.
In Konstruktionszeichnungen werden Lagerstellen oft nur schematisch angedeutet; die genaue Lagerbezeichnung (z. B. „Rillenkugellager 6205-2RS“) findet sich in Stücklisten oder in einem separaten Lagerplan. In der Ausbildung hilft es, diese Bezeichnungen zu entschlüsseln, um Lagerbauart, Größe und Dichtung abzulesen.
Viele Maschinen verwenden bewusst eine Mischung aus Wälz- und Gleitlagerung: zum Beispiel Wälzlager an der Motorwelle und Gleitlager in Hydraulikpumpen. So nutzt man die Vorteile beider Prinzipien.
Falsch ausgewählte oder überlastete Lager können blockieren. Blockierende Lager führen zu Überhitzung, Bränden oder plötzlich brechenden Wellen. Deshalb müssen zulässige Kräfte und Drehzahlen eingehalten werden.
Bei drehenden Wellen besteht Einzugsgefahr. Offene Lagerstellen dürfen nicht mit Händen, Kleidung oder Werkzeugen berührt werden. Schutzhauben und Abdeckungen sind Pflicht.
Beim Ausbau von Lagern können Bauteile unter Spannung stehen. Abziehwerkzeuge und Pressen sind fachgerecht zu verwenden, um Quetschungen und wegspringende Teile zu vermeiden.
Auf eine Welle wirken eine radiale Kraft Fr = 4 kN und eine axiale Kraft Fa = 3 kN. Berechne die resultierende Gesamtbelastung F auf das Lager.
Gegeben: Fr = 4 kN, Fa = 3 kN.
Gesucht: F.
Formel:
F = √(Fr² + Fa²)
Einsetzen:
F = √((4 kN)² + (3 kN)²) = √(16 + 9) kN = √25 kN = 5 kN.
Ergebnis: Die resultierende Lagerbelastung beträgt F = 5 kN.
Wichtige Wälzlagerarten im Maschinenbau
Wälzlager sind in Normreihen genormt und in Katalogen ausführlich beschrieben. Im Maschinenbau haben sich einige Lagerbauarten besonders etabliert, weil sie typische Anwendungsfälle gut abdecken. Die wichtigsten werden im Folgenden vorgestellt.
Rillenkugellager sind die „Allrounder“ unter den Wälzlagern. Sie besitzen tiefe Laufbahnen und kugelförmige Wälzkörper. Dadurch können sie hohe Drehzahlen, radiale Kräfte und kleinere axiale Kräfte in beiden Richtungen aufnehmen. Sie sind relativ preisgünstig und daher sehr verbreitet, etwa in Elektromotoren, Getrieben und Lüftern.
Zylinderrollenlager verwenden zylindrische Rollen als Wälzkörper. Sie sind für sehr hohe radiale Belastungen ausgelegt, können aber nur geringe bis keine Axialkräfte aufnehmen (außer spezielle Bauformen). Typische Einsatzgebiete sind Getriebe, große Antriebe und Walzwerke, wo hohe radiale Kräfte auftreten.
Kegelrollenlager besitzen kegelförmige Rollen und schräg angeordnete Laufbahnen. Sie sind für kombinierte radiale und hohe axiale Kräfte optimiert. Da sie Axialkräfte bevorzugt in eine Richtung aufnehmen, werden sie meist paarweise in X- oder O-Anordnung eingesetzt. Anwendungen sind Radlager in Fahrzeugen oder Spindellagerungen.
Pendelkugellager und Pendelrollenlager haben zwei Laufbahnen im Innenring und eine kugelige Laufbahn im Außenring. Dadurch können sie Fluchtungsfehler und Wellenbiegungen ausgleichen. Pendelrollenlager können dabei sehr hohe radiale und mittlere axiale Kräfte aufnehmen, Pendelkugellager eher geringere radiale Kräfte, dafür höhere Drehzahlen.
Axialkugellager sind speziell für reine Axialbelastung in einer Richtung (einreihig) oder in beiden Richtungen (zweireihig) ausgelegt. Sie besitzen Scheiben statt Ringen und werden zum Beispiel in Spindeln, Drehvorrichtungen oder Schraubspindeln eingesetzt, wenn nur Axialkräfte wirken.
Jede Lagerbauart ist in unterschiedlichen Baugrößen und Bauformen erhältlich. Die genormte Lagerbezeichnung (z. B. 6205, 30206, 22208) enthält Informationen über Lagerart, Reihe, Bohrungsdurchmesser und teilweise über Dichtungen und Spiel. Hinter den Grundnummern können zusätzlich Suffixe für Dichtungen (ZZ, 2RS), erhöhtes Spiel (C3) oder besondere Ausführungen stehen.
Für Wälzlager ist die dynamische Tragzahl C eine zentrale Kennzahl. Aus ihr kann man die nominelle Lebensdauer L10 eines Lagers abschätzen. Für Kugellager gilt näherungsweise:
L10 = (C / P)³
Für Rollenlager gilt häufig:
L10 = (C / P)10/3
Hierbei ist L10 die Lebensdauer in Millionen Umdrehungen, C die dynamische Tragzahl (N) und P die äquivalente Lagerbelastung (N). Je höher das Verhältnis C/P, desto länger die theoretische Lebensdauer.
Um von Umdrehungen auf Betriebsstunden zu kommen, verwendet man die Drehzahl n:
Lh = (L10 · 10⁶) / (60 · n)
Hier ist Lh die Lebensdauer in Stunden und n die Drehzahl in 1/min.
Eine typische Rillenkugellager-Bezeichnung ist 6205-2RS-C3:
- „62“ → Rillenkugellager der Baureihe 62,
- „05“ → Bohrungsdurchmesser 25 mm,
- „2RS“ → beidseitig berührende Gummidichtung,
- „C3“ → erhöhtes internes Radialspiel.
Ein Lager wie 30206 ist ein Kegelrollenlager der Reihe 30 mit bestimmtem Bohrungsdurchmesser. Pendelrollenlager besitzen Bezeichnungen wie 22208, wobei „22“ auf eine bestimmte Pendelrollenlagerreihe hinweist.
Beim Pressen von Lagern mit ungeeigneten Werkzeugen (z. B. Hammer direkt auf den Innenring) können Laufbahnen beschädigt werden. Dadurch entstehen frühzeitig Lagergeräusche und im schlimmsten Fall Ausfälle bei hoher Drehzahl.
Überlastete oder falsch vorgespannte Kegel- und Pendelrollenlager erzeugen hohe Reibung und Erwärmung. Dies kann zu Schmierstoffabbau, Blockieren des Lagers und Brandgefahr führen.
Zum Schutz vor Schmutz und Spänen müssen Lagergehäuse korrekt abgedichtet sein. Eindringende Partikel wirken wie Schleifmittel und zerstören die Laufbahnen oft innerhalb kurzer Zeit.
Eine Welle soll hohe radiale Kräfte und gleichzeitig große Axialkräfte in einer Richtung aufnehmen. Welche Wälzlagerbauart ist dafür besonders geeignet und warum?
Gesucht ist ein Lager für hohe radiale und gleichzeitig hohe axiale Kräfte. Dafür sind Kegelrollenlager besonders geeignet.
Begründung: Kegelrollenlager besitzen kegelförmige Rollen und schräg angeordnete Laufbahnen. Dadurch entstehen große Kontaktflächen, die hohe radiale Kräfte aufnehmen. Durch die schräge Anordnung der Laufbahnen können gleichzeitig hohe Axialkräfte in einer bevorzugten Richtung getragen werden. In der Praxis werden Kegelrollenlager meist paarweise angeordnet, sodass Axialkräfte in beide Richtungen aufgenommen werden können (z. B. Radlager in Fahrzeugen).
Lagerungsarten in der Statik – Festlager, Loslager, Einspannung und Gelenke
In der technischen Mechanik beschreibt man Lagerungen häufig mit idealisierten Stützensymbolen. Diese abstrakten Lagerarten helfen, Stabwerke und Balken zu berechnen. Die reale Lagerung einer Welle mit Wälzlagern kann mit diesen Modellen gut beschrieben werden.
Ein Festlager verhindert Verschiebungen in allen Richtungen, lässt aber eine Drehung zu. In der Statik kann ein Festlager Kraftkomponenten in zwei Richtungen (z. B. horizontal und vertikal) aufnehmen. Übertragen auf Wellen bedeutet das: Das Festlager hält die Welle axial fest und nimmt radiale Kräfte auf.
Ein Loslager verhindert nur die Verschiebung senkrecht zur Auflagefläche und ermöglicht eine Verschiebung in Längsrichtung. Bei Wellen bedeutet dies: Das Loslager trägt radiale Kräfte, erlaubt aber eine axiale Verschiebung. So kann sich die Welle bei Temperaturänderungen ausdehnen oder zusammenziehen, ohne dass zwischen Lager und Welle unzulässige Spannungen entstehen.
Die Kombination aus Festlager und Loslager ist im Maschinenbau die Standardlagerung für längere Wellen. Häufig wird beispielsweise ein Rillenkugellager oder Kegelrollenlager als Festlager ausgeführt und ein zweites Lager (z. B. Zylinderrollenlager) als Loslager mit axialer Verschiebemöglichkeit montiert.
Eine Einspannung fixiert ein Bauteil in allen Freiheitsgraden: Verschiebung und Drehung werden verhindert. In Balkendiagrammen wird eine Einspannung oft als „festes Einspannende“ eingezeichnet. In der Realität entspricht dies zum Beispiel einer verschweißten oder starr verschraubten Verbindung.
Pendelstützen und Gelenke können in bestimmten Richtungen Kräfte aufnehmen, lassen aber zusätzliche Bewegungen (Drehungen, Kippen) zu. In Lagerungen werden pendelnde Lager (z. B. Pendelrollenlager) eingesetzt, um Fluchtungsfehler auszugleichen. Gelenke, wie Kugelgelenke, ermöglichen Drehung und Neigung.
Durch geschickte Kombination dieser idealisierten Lagerarten lässt sich eine Lagerung so entwerfen, dass das System statisch bestimmt ist (alle Reaktionskräfte berechenbar) und Längenänderungen oder Fluchtungsfehler ohne hohe Zusatzkräfte aufgenommen werden.
Ein einfaches Beispiel aus der Statik ist ein Balken mit einer mittigen Last F und zwei Lagern (Festlager und Loslager) im Abstand L. Die Stützreaktionen sind dann gleich groß:
RA = RB = F / 2
Hierbei ist RA die Lagerkraft am Festlager, RB die Kraft am Loslager.
Bei Temperaturänderungen dehnt sich eine Welle mit der Länge L und dem Wärmeausdehnungskoeffizienten α um
ΔL = α · L · ΔT
aus. Ein Loslager erlaubt diese Längenänderung, ohne zusätzliche Axialkräfte zu verursachen. Würde man beide Lager als Festlager ausführen, könnten große thermische Zusatzkräfte entstehen, die Lager und Welle schädigen.
Typische Beispiele:
- Elektromotor: häufig Rillenkugellager als Festlager auf der Antriebsseite, Loslager auf der anderen Seite.
- Lange Transportwellen: ein Festlager in der Mitte, mehrere Loslager als Stützlager über die Länge verteilt.
- Brückenkonstruktionen: ein Lagerfestpunkt und Gleitlager, um Längenänderungen des Überbaus auszugleichen.
In Zeichnungen werden Fest- und Loslager oft durch unterschiedliche Symbole gekennzeichnet. Wer diese Symbole lesen kann, versteht schneller, wie ein System kinematisch gedacht ist.
Fehlerhafte Lagerungsarten können zu überbestimmten Systemen führen. Wird eine Welle an beiden Enden starr eingespannt, entstehen bei Temperaturänderung oder Montagefehlern hohe Zusatzmomente. Diese können zu Lagerausfall oder Wellenbruch führen.
Unzureichender Fluchtungsausgleich, zum Beispiel bei starren Lagergehäusen ohne Pendellager, führt zu Kantenpressung in den Lagern. Das Lager läuft heiß, der Schmierstoff altert schnell, und im Extremfall frisst das Lager fest.
Gelenk- oder Pendelstützen dürfen nicht nachträglich „festgezogen“ oder verschweißt werden, nur weil sie sich leicht bewegen. Dies zerstört die geplante kinematische Funktion der Lagerung.
Eine lange Welle wird in einem Gehäuse gelagert. Warum ist die Kombination aus einem Festlager und einem Loslager gegenüber zwei Festlagern vorzuziehen?
Bei Erwärmung verlängert sich die Welle (ΔL = α · L · ΔT). Sind beide Lager als Festlager ausgeführt, kann sich die Welle axial nicht bewegen. Es entstehen hohe Axialkräfte und Biegemomente, die Lager und Welle überlasten und zu Schäden führen können.
Bei einer Fest-Los-Lagerung fixiert das Festlager die Welle axial, während das Loslager die Längenänderung durch axiales Verschieben zulässt. Dadurch werden thermische Längenänderungen spannungsarm aufgenommen und die Lager werden deutlich weniger belastet.
Bauweisen, Dichtungen, Schmierung und Auswahl von Lagern
Neben der Lagerbauart spielt die konkrete Bauweise eine wichtige Rolle. Lager gibt es als offene Lager, abgedichtete Lager und einstellbare Lagerungen. Ziel ist immer, eine ausreichende Schmierung sicherzustellen und das Lager vor Schmutz, Staub und Feuchtigkeit zu schützen.
Offene Lager haben keine integrierten Dichtungen. Sie eignen sich für saubere Umgebungen oder werden in geschlossenen, gut abgedichteten Gehäusen eingesetzt. Die Schmierung erfolgt durch Fett oder Öl im Gehäuse. Vorteil: geringe Reibung, gute Kühlung, einfache Kontrolle des Schmierstoffs.
Abgedichtete Lager besitzen Spaltdichtungen (ZZ) oder berührende Dichtungen (2RS). Bei „ZZ“ handelt es sich meist um Blechdeckscheiben, bei „2RS“ um berührende Gummidichtungen auf beiden Seiten. Sie sind mit Lebensdauerschmierstoff gefüllt und müssen normalerweise nicht nachgeschmiert werden.
Die Auswahl von Dichtungsart und Schmierstoff hängt von Drehzahl, Temperatur, Verschmutzungsgrad und Wartungsmöglichkeiten ab. Berührende Dichtungen dichten besser ab, verursachen aber etwas mehr Reibung und Erwärmung. Spaltdichtungen haben geringere Reibung, sind aber weniger dicht.
Bei der Lagerauswahl spielen außerdem Tragzahlen (C, C0), Grenzdrehzahlen, internes Spiel (z. B. C3) und Montagemöglichkeiten eine Rolle. Für hohe Drehzahlen benötigt man Lager mit passenden Käfigen und Schmierstoffen, für hohe Belastungen Lager mit größerer Tragzahl oder größerem Lagerdurchmesser.
Auch die Art der Schmierung beeinflusst Lebensdauer und Reibung. Fett-Schmierung ist einfach und wartungsarm, Öl-Schmierung erlaubt gute Wärmeabfuhr und ist bei hohen Drehzahlen vorteilhaft. In Gleitlagern spielt zudem der Aufbau eines tragfähigen Schmierfilms (hydrodynamische Schmierung) eine zentrale Rolle.
Bei der Montage müssen Passungen zwischen Welle, Lager und Gehäuse beachtet werden. Meist wird der Innenring auf der drehenden Welle mit einer Übermaßpassung (Presssitz) montiert, der Außenring im Gehäuse mit Spiel- oder Übergangspassung. Falsche Passungen führen zu Relativbewegungen, Überhitzung oder Rissen.
Die Reibung in einem Wälzlager kann vereinfacht mit einem Reibungsbeiwert f beschrieben werden. Das Reibmoment M ergibt sich näherungsweise aus:
M ≈ f · Fr · (d / 2)
Hierbei ist Fr die radiale Lagerkraft, d der Lagerbohrungsdurchmesser und f ein Erfahrungswert (typisch im Bereich 0,001 … 0,01 für Wälzlager). Geringere Reibmomente bedeuten geringere Verluste und geringere Erwärmung.
Für Gleitlager wird oft das sogenannte PV-Kriterium verwendet:
PV = p · v
Hierbei ist p die Flächenpressung und v die Gleitgeschwindigkeit. Der Wert PV darf gewisse Grenzwerte des Lagerwerkstoffs nicht überschreiten, um Überhitzung und Verschleiß zu vermeiden.
Typische Suffixe bei Wälzlagern:
- ZZ: beidseitige Spaltdichtung aus Blech, fettgefüllt.
- 2RS: beidseitige berührende Gummidichtung, gute Abdichtung.
- C3: erhöhtes internes Radialspiel, z. B. für höhere Temperaturen oder Presssitze.
- V oder P5/P6: erhöhte Genauigkeit für Präzisionsanwendungen.
Viele Hersteller bieten online Lebensdauerberechnungsprogramme an, in die man Last, Drehzahl, Temperatur und Schmierbedingungen eingibt. So lässt sich schnell prüfen, ob ein Lager für eine bestimmte Anwendung geeignet ist.
Beim Umgang mit abgedichteten Lagern dürfen die Dichtlippen nicht mit scharfen Werkzeugen beschädigt werden. Schon kleine Risse führen zu Schmutzeintritt und frühzeitigem Ausfall.
Falsche Schmierstoffe (z. B. Vermischung verschiedener Fette) können Verdickungs- und Trennmittel zerstören. Das Lager läuft dann trocken, erhitzt sich stark und kann blockieren.
Beim Erhitzen von Lagern zur Montage (z. B. Induktionsheizer) dürfen maximal zulässige Temperaturen nicht überschritten werden. Zu hohe Temperaturen verändern die Gefügeeigenschaften des Stahls und verringern die Tragfähigkeit.
Ein Lager soll in einer staubigen Umgebung bei mittlerer Drehzahl eingesetzt werden. Es steht wenig Wartungszeit zur Verfügung. Welche Lagerbauweise ist zweckmäßig: offenes Lager, Lager mit ZZ-Dichtung oder Lager mit 2RS-Dichtung? Begründe kurz.
In einer staubigen Umgebung mit wenig Wartungsmöglichkeiten ist eine gute Abdichtung wichtig. Ein offenes Lager wäre ungeeignet, da Staub leicht eindringt. Ein Lager mit ZZ-Dichtung bietet zwar Schutz gegen groben Schmutz, ist aber nicht vollständig dicht.
Am besten geeignet ist ein Lager mit 2RS-Dichtung, da die berührenden Gummidichtungen Staub und Schmutz weitgehend fernhalten und das Lager üblicherweise mit Lebensdauerschmierstoff gefüllt ist. Damit passt es zu den begrenzten Wartungsmöglichkeiten.
Aufgaben zu Lagerarten und Lagerungen
Hinweis: Pro Aufgabe können eine oder mehrere Antworten korrekt sein.
