Leitungsschutzschalter (LS): Aufbau, Kennlinien, Auswahl

Der Leitungsschutzschalter ist eines der häufigsten Schutzgeräte im Niederspannungsverteiler. Er sitzt zwischen Hauptverteilung und Endstromkreis und sorgt dafür, dass Leitungen weder durch dauerhafte Überlast überhitzen noch durch einen Kurzschluss zerstört werden. Im Gegensatz zur Schmelzsicherung ist er nach einer Auslösung wieder einschaltbar und damit wartungsfreundlich.

In diesem Beitrag werden Aufgabe, innerer Aufbau, das Zusammenspiel von thermischem und magnetischem Auslöser, die typischen Auslösekennlinien B, C und D sowie die Kenngrößen behandelt, die für die richtige Auswahl in der Praxis entscheidend sind. Am Ende folgen Glossar, Rechen- und Verständnisaufgaben.

Aufgabe und Einordnung

Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, englisch MCB für Miniature Circuit Breaker) hat zwei Hauptaufgaben:

  1. Schutz der angeschlossenen Leitung vor Überlast – also vor einem Strom, der über längere Zeit über dem Nennstrom liegt und die Isolation der Leitung unzulässig erwärmen würde.
  2. Schutz der Leitung vor Kurzschluss – also vor einem sehr hohen Strom, der bei direkter Verbindung zwischen aktiven Leitern entsteht und in Sekundenbruchteilen abgeschaltet werden muss.

Wichtig: Der LS-Schalter ist ein Leitungsschutz, nicht primär ein Personenschutz. Den Schutz vor gefährlichen Fehlerströmen gegen Erde übernimmt der Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD).

Im Verteiler sitzt der LS-Schalter typischerweise nach dem Zähler und nach dem FI-Schutzschalter, vor dem jeweiligen Endstromkreis (Steckdosen, Beleuchtung, Herdanschluss usw.). Mehrere LS-Schalter laufen meist parallel hinter einem gemeinsamen FI.

Abgrenzung in Kurzform:

  • Schmelzsicherung: gleiche Schutzaufgabe, aber nach Auslösung zerstört und nicht mehr verwendbar.
  • FI/RCD: erkennt Fehlerströme gegen Erde, nicht Überlast oder Kurzschluss in der Leitung.
  • Motorschutzschalter: speziell auf Motoren abgestimmt, mit einstellbarem Strombereich.
  • RCBO (FI/LS-Kombination): vereint Fehlerstrom- und Leitungsschutz in einem Gehäuse.
Aufbau eines Verteilers (vereinfacht) Zuleitung (vom Zähler) Haupt- schalter FI / RCD 30 mA LS B16 Steckdosen LS B10 Licht LS C16 Geräte LS B20 Herd N/PE-Schienen nicht dargestellt
Position des LS-Schalters im Verteiler

Eine Verteileranlage soll neu konzipiert werden. Welche der folgenden Aussagen zur Aufgabenteilung der Schutzgeräte ist fachlich korrekt?

  • a) Der LS-Schalter ersetzt bei korrekter Auslegung einen FI für den Personenschutz.
  • b) Der FI deckt Überlast- und Kurzschlussschutz mit ab, sofern sein Bemessungsstrom passend gewählt ist.
  • c) Der LS-Schalter schützt die Leitung, der FI erkennt Fehlerströme gegen Erde – beide Funktionen sind unabhängig voneinander notwendig.
  • d) Eine Schmelzsicherung kann den LS-Schalter ohne Einschränkung ersetzen, da sie über identisches Strom-Zeit-Verhalten verfügt.

Richtig: c)

LS-Schalter und FI haben getrennte Aufgaben: Der LS-Schalter reagiert auf Überstrom in der Leitung selbst, der FI auf Differenzströme zwischen aktiven Leitern und Erde. a) ist falsch, da der LS auf Differenzströme nicht reagiert. b) ist falsch, da der FI keinen Überlast- oder Kurzschlussschutz ausführt. d) ist falsch, da Schmelzsicherungen zwar ähnliche Aufgaben haben, aber abweichende Kennlinien aufweisen und nach Auslösung getauscht werden müssen.

In einem Endstromkreis löst der LS-Schalter wiederholt aus, der vorgeschaltete FI bleibt eingeschaltet. Welche Schlussfolgerung ist fachlich tragfähig?

  • a) Es liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fehlerstrom gegen Erde vor, da nur dann der LS auslöst.
  • b) Der Fehler liegt im Bereich Überlast oder Kurzschluss zwischen aktiven Leitern, ein Erdfehler ist nicht zwingend vorhanden.
  • c) Der FI ist defekt, weil er bei jedem LS-Auslöser ebenfalls auslösen müsste.
  • d) Das Problem liegt in der Selektivität zwischen LS und FI – beide reagieren grundsätzlich auf dieselben Fehlerarten.

Richtig: b)

Der LS reagiert auf Überlast oder Kurzschluss in den aktiven Leitern. Da der FI nur Differenzströme gegen Erde erkennt, bleibt er bei einem reinen Phasen-Neutralleiter-Fehler korrekt eingeschaltet. a) ist falsch, da der FI bei einem Erdfehler typischerweise zuerst auslöst. c) ist falsch, da unterschiedliche Auslösegründe zu unterschiedlichem Verhalten führen. d) ist falsch, da LS und FI auf verschiedene Fehlerarten reagieren.

Welche der folgenden Anwendungen ist primäres Einsatzgebiet eines LS-Schalters?

  • a) Selektive Abschaltung von Mittelspannungsabgängen oberhalb 1 kV.
  • b) Schutz einer Endstromkreisleitung vor unzulässiger Erwärmung durch dauerhaft zu hohen Strom.
  • c) Schutz von Personen vor Berührungsspannung bei isolationsgeschädigten Geräten.
  • d) Begrenzung der dauerhaft zulässigen Schaltspielzahl in Motoranwendungen.

Richtig: b)

Die Kernaufgabe des LS-Schalters ist der Schutz der Leitung. a) ist falsch, weil LS-Schalter Niederspannungsgeräte sind. c) ist falsch, das ist Aufgabe des FI. d) ist falsch, dafür sind Motorschutzschalter und Schütze zuständig.

Aufbau eines LS-Schalters

Ein LS-Schalter ist als Reiheneinbaugerät auf eine Hutschiene (Tragschiene TH35) ausgeführt. Im Inneren des Kunststoffgehäuses arbeiten mehrere Baugruppen zusammen:

  • Schaltschloss mit Kipphebel: bringt die Kontakte mechanisch in die Stellungen EIN und AUS, wird sowohl manuell als auch durch die Auslöser betätigt.
  • Bimetallstreifen (thermischer Auslöser): reagiert träge auf Überlast, indem er sich durch Erwärmung verbiegt und das Schaltschloss freigibt.
  • Magnetspule mit Anker (magnetischer Auslöser): reagiert schlagartig auf sehr hohe Ströme; das Magnetfeld der Spule zieht den Anker an und entriegelt das Schaltschloss.
  • Lichtbogenlöschkammer: enthält Löschbleche, in die der beim Öffnen entstehende Lichtbogen gezogen, geteilt und gekühlt wird, bis er erlischt.
  • Anschlussklemmen: konventionell wird die Zuleitung oben, der Abgang unten angeschlossen, technisch funktioniert der Schalter aber in beide Richtungen.

Strompfad innen: Klemme oben → Kontakt → Bimetall → Magnetspule → Kontakt → Klemme unten. Bimetall und Spule liegen also in Serie zur Last; der Laststrom durchfließt beide Auslöser.

Schnittbild eines LS-Schalters Klemme (Zuleitung) Kontakt (beweglich/fest) Schaltschloss Kipphebel Löschbleche (Lichtbogen- kammer) Bimetall (thermischer Auslöser) Magnetspule mit Anker (magn. Auslöser) Klemme (Abgang) Hutschiene TH35
Innenaufbau eines LS-Schalters (Schnittbild)

Im Strompfad eines LS-Schalters liegen Bimetall und Magnetspule zueinander in welcher Anordnung, und was folgt daraus?

  • a) Parallel; jeder Auslöser sieht nur einen Teil des Laststroms.
  • b) Seriell; beide Auslöser werden vom gesamten Laststrom durchflossen und können daher unabhängig voneinander reagieren.
  • c) Über einen Stromwandler entkoppelt; die Auslöser arbeiten leistungslos.
  • d) Antiparallel; beide Auslöser wirken nur in jeweils einer Halbwelle.

Richtig: b)

Bimetall und Spule liegen in Serie im Strompfad, beide werden vom gesamten Laststrom durchflossen. So kann der thermische Auslöser auf langsame Erwärmung reagieren, der magnetische auf schnelle Stromspitzen, ohne dass eine zusätzliche Auswerteelektronik nötig wäre. a), c) und d) entsprechen nicht dem üblichen Aufbau eines LS-Schalters.

Welche Funktion erfüllt die Lichtbogenlöschkammer beim Öffnen unter Last?

  • a) Sie erhöht den Schaltabstand mechanisch und reduziert Materialabbrand allein durch Geometrie.
  • b) Sie teilt den entstehenden Lichtbogen über die Löschbleche in Teillichtbögen und kühlt ihn so weit, bis er beim Nulldurchgang nicht mehr zündet.
  • c) Sie unterbindet die Bildung eines Lichtbogens vollständig durch ein Vakuum im Inneren.
  • d) Sie wandelt den Lichtbogen in einen rein kapazitiven Strom um.

Richtig: b)

Die Löschbleche teilen den Lichtbogen in mehrere Teillichtbögen, die Brennspannung steigt, und der Lichtbogen erlischt im Stromnulldurchgang. a) trifft nicht zu, da Geometrie allein keinen sicheren Lichtbogenabbau gewährleistet. c) ist falsch, da im LS-Schalter kein Vakuum vorliegt. d) ist physikalisch nicht zutreffend.

Beim Tausch eines LS-Schalters wird der Außenleiter versehentlich am unteren statt am oberen Anschluss aufgelegt. Welche Aussage beschreibt die Folge fachlich korrekt?

  • a) Der LS-Schalter funktioniert grundsätzlich nicht und muss neu verdrahtet werden.
  • b) Die Schutzfunktion bleibt elektrisch wirksam, jedoch widerspricht die Verdrahtung der üblichen Konvention und kann bei Wartung zu Verwechslungen führen.
  • c) Der thermische Auslöser arbeitet wegen umgekehrter Stromrichtung deutlich langsamer.
  • d) Der magnetische Auslöser invertiert seine Auslöseschwelle und reagiert erst bei doppeltem Strom.

Richtig: b)

Die meisten LS-Schalter sind elektrisch beidseitig einsetzbar; die obere Anschlussseite ist Konvention für die Zuleitung, damit bei Wartung klar ist, welche Klemme nach dem Ausschalten spannungsfrei ist. a), c) und d) treffen technisch nicht zu.

Thermischer Auslöser – Überlastschutz

Der thermische Auslöser besteht aus einem Bimetallstreifen. Dieser Streifen ist aus zwei flächig miteinander verbundenen Metallen mit unterschiedlich starker Wärmeausdehnung aufgebaut.

Funktionsprinzip:

  • Strom fließt durch den Streifen oder durch eine eng angekoppelte Heizwicklung.
  • Die durchflossene Leistung erwärmt den Streifen.
  • Da sich die beiden Metalle verschieden stark ausdehnen, krümmt sich der Streifen.
  • Bei ausreichender Krümmung gibt der Streifen das Schaltschloss frei – der Schalter löst aus.

Charakteristisch ist das träge Verhalten: Die Auslösung dauert umso länger, je geringer die Überlast ist. Bei nur leicht überschrittenem Nennstrom kann eine Auslösung sehr lange dauern oder im Grenzbereich gar nicht erfolgen, bei deutlich höherem Strom dagegen nur wenige Sekunden. Das ist beabsichtigt, denn auch eine Leitung wird bei moderater Überlast nicht in Sekunden zerstört, sondern erst nach längerer Erwärmung.

Hintergrund qualitativ: Die thermische Belastung einer Leitung hängt von Strom und Zeit ab. Sehr vereinfacht steigt die Erwärmung mit dem Quadrat des Stromes (I²·t-Verhalten). Der thermische Auslöser bildet diese Gesetzmäßigkeit nach – er reagiert träge bei kleinen Überströmen und schneller bei größeren.

Der thermische Auslöser ist damit für den Überlastschutz zuständig und schützt die Isolation der Leitung vor langfristiger Überhitzung.

Bimetall – Funktionsprinzip Kalt (Nennstrom) Einspannung Metall A (geringe Ausdehnung) Metall B (stärkere Ausdehnung) Auslöseklinke Bei Überlast (erwärmt) Klinke wird freigegeben Strom · Zeit erzeugt Erwärmung → Krümmung des Streifens
Bimetall im kalten und im erwärmten Zustand

Ein LS-Schalter B16 wird mit 18 A dauerhaft belastet. Welche Reaktion ist im Sinne der thermischen Auslöselogik plausibel?

  • a) Sofortige Auslösung im Millisekundenbereich, da der Nennstrom überschritten wird.
  • b) Keine Auslösung, da unterhalb des magnetischen Bereichs liegende Ströme grundsätzlich nicht erfasst werden.
  • c) Verzögerte Auslösung im Bereich von vielen Minuten bis über eine Stunde – oder gar keine Auslösung; abhängig von Umgebungstemperatur und Vorerwärmung.
  • d) Auslösung nach genau der dem Nennstrom zugeordneten Sekundenanzahl, unabhängig von äußeren Einflüssen.

Richtig: c)

18 A entsprechen rund 1,13·In und liegen damit sehr nahe am konventionellen Nicht-Auslösestrom. In diesem Bereich darf der Schalter über lange Zeit nicht auslösen; eine Auslösung kann je nach Umgebungstemperatur, Vorerwärmung und Toleranz erst nach sehr langer Zeit oder gar nicht erfolgen. a) ist falsch, da die schnelle Auslösung dem magnetischen Pfad vorbehalten ist und 18 A weit unterhalb dessen Schwelle liegen. b) ist falsch, gerade Überströme oberhalb des Nennstroms werden vom thermischen Auslöser grundsätzlich erfasst – nur eben sehr träge und je nach Toleranz. d) ist falsch, weil exakte Zeiten von vielen Randbedingungen abhängen.

Welche Aussage zum Strom-Zeit-Verhalten des thermischen Auslösers ist korrekt?

  • a) Auslösezeit und Strom sind linear zueinander, sodass doppelter Strom auch doppelte Auslösezeit ergibt.
  • b) Höhere Ströme führen zu deutlich kürzeren Auslösezeiten, da die Erwärmung näherungsweise mit dem Quadrat des Stromes ansteigt.
  • c) Die Auslösezeit ist unabhängig vom Strom, sobald der Nennstrom überschritten ist.
  • d) Bei doppeltem Nennstrom löst der thermische Auslöser garantiert schneller aus als der magnetische.

Richtig: b)

Die thermische Energie ist näherungsweise proportional zu I²·t. Höherer Strom erzeugt deutlich schneller die zur Auslösung nötige Erwärmung. a) ist falsch, der Zusammenhang ist nichtlinear. c) ist falsch, weil die Zeit sehr stark vom Strom abhängt. d) ist falsch, der magnetische Auslöser ist bei sehr hohen Strömen viel schneller, der thermische ist gerade nicht für sehr hohe Ströme zuständig.

Warum ist es beabsichtigt, dass der thermische Auslöser bei moderater Überlast nicht sofort, sondern verzögert auslöst?

  • a) Damit der Schalter mechanisch entlastet wird und seine Schaltspielzahl nicht reduziert.
  • b) Weil die zu schützende Leitung selbst eine thermische Trägheit besitzt und kurzzeitige Überströme verkraften kann, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen.
  • c) Damit der nachgeschaltete Verbraucher Zeit hat, von Hand abgeschaltet zu werden.
  • d) Weil der Bimetallstreifen erst eine Mindestdrehzahl im inneren Lager erreichen muss.

Richtig: b)

Die Auslösekennlinie bildet das thermische Verhalten der Leitung nach: kurzzeitige Überlast (z. B. Anlaufströme) führt nicht sofort zu Schaden, dauerhafte Überlast hingegen schon. a) ist nicht der primäre Grund. c) ist betrieblich nicht zielführend. d) ist sachlich falsch, ein Bimetall hat keine Drehzahl.

Magnetischer Auslöser – Kurzschlussschutz

Der magnetische Auslöser ist eine Spule, durch die der Laststrom fließt. Im Inneren oder neben der Spule sitzt ein beweglicher Eisenanker.

Funktionsprinzip:

  • Der durch die Spule fließende Strom erzeugt ein Magnetfeld, dessen Stärke proportional zum Strom ist.
  • Im normalen Betrieb (Nennstrom oder leichte Überlast) ist das Feld zu schwach, um den Anker entgegen seiner Federkraft anzuziehen.
  • Bei einem Kurzschluss schießt der Strom auf ein Vielfaches des Nennstroms hoch. Das Magnetfeld wird so stark, dass der Anker schlagartig anzieht.
  • Der Anker entriegelt das Schaltschloss; die Kontakte öffnen innerhalb weniger Millisekunden.
  • Der entstehende Lichtbogen wird in die Löschkammer geblasen, dort durch die Löschbleche geteilt, gekühlt und zum Erlöschen gebracht.

Während der thermische Auslöser also gegen langsame Überlast schützt, übernimmt der magnetische Auslöser den Schutz gegen schnelle, hohe Überströme. Beide Mechanismen ergänzen sich.

Eine wichtige Kenngröße in diesem Zusammenhang ist das Bemessungsschaltvermögen Icn (z. B. 6 kA oder 10 kA). Es gibt an, welchen Kurzschlussstrom der Schalter sicher abschalten kann, ohne dabei selbst zerstört zu werden. Wenn der zu erwartende Kurzschlussstrom am Einbauort höher ist als Icn, muss ein Schalter mit höherem Schaltvermögen oder eine vorgelagerte Schutzeinrichtung gewählt werden.

Magnetischer Auslöser Ruhezustand (Nennstrom) Spule Anker (in Ruhe) Federkraft hält Anker zurück Bei Kurzschluss Spule (hohes Feld) Anker angezogen Lichtbogen → Löschkammer → Auslöschung
Magnetischer Auslöser im Ruhe- und Auslösezustand

Am Einbauort wird ein prospektiver Kurzschlussstrom von 8 kA ermittelt. Welche Aussage zur Auswahl des Schaltvermögens ist fachlich korrekt?

  • a) Ein LS-Schalter mit Icn = 6 kA ist ausreichend, weil der thermische Auslöser den Strom vorab begrenzt.
  • b) Ein LS-Schalter mit Icn = 10 kA wird gewählt, weil das Bemessungsschaltvermögen mindestens dem zu erwartenden Kurzschlussstrom entsprechen muss.
  • c) Das Bemessungsschaltvermögen ist eine reine Kennzeichnung ohne Auslegungsrelevanz, daher beliebig wählbar.
  • d) Der Anker zieht erst ab dem doppelten Wert von Icn an, weshalb 6 kA mit Reserve ausreicht.

Richtig: b)

Das Bemessungsschaltvermögen Icn muss mindestens so hoch sein wie der prospektive Kurzschlussstrom am Einbauort, sonst kann der Schalter beim Abschalten zerstört werden. a) ist falsch, der thermische Auslöser begrenzt den Strom nicht. c) ist falsch, Icn ist auslegungsrelevant. d) ist sachlich falsch, der Anker zieht weit unterhalb von Icn an – Icn beschreibt die Belastbarkeit beim Abschalten, nicht die Auslöseschwelle.

Warum reagiert der magnetische Auslöser bei Kurzschluss in wenigen Millisekunden, während der thermische Auslöser bei der gleichen Stromhöhe deutlich langsamer wäre?

  • a) Weil das Magnetfeld einer Spule sich verzögerungsfrei aufbaut, während das Bimetall erst Wärmemenge aufnehmen muss.
  • b) Weil der thermische Auslöser bei sehr hohen Strömen elektrisch abgeschaltet wird, sobald die Spule anspricht.
  • c) Weil der magnetische Auslöser über einen separaten Stromkreis versorgt wird, der schneller reagiert.
  • d) Weil das Bimetall ab einer bestimmten Stromhöhe nicht mehr beweglich ist und mechanisch blockiert.

Richtig: a)

Das Magnetfeld folgt dem Strom praktisch ohne Zeitversatz, der Anker zieht sofort an. Der thermische Auslöser braucht hingegen Zeit, um sich aufzuwärmen. b) ist falsch, beide Auslöser sind in Serie und stromrichtig durchflossen, eine Abschaltung der Heizleistung erfolgt erst nach Auslösung. c) ist falsch, der Strom kommt aus demselben Pfad. d) ist falsch.

Welche Aussage zur Aufgabe der Lichtbogenlöschkammer im Kurzschlussfall ist korrekt?

  • a) Sie verhindert, dass überhaupt ein Lichtbogen entsteht.
  • b) Sie nimmt die Energie des Lichtbogens auf und ersetzt damit die mechanische Trennung der Kontakte.
  • c) Sie verlängert und kühlt den Lichtbogen, bis er im nächsten Stromnulldurchgang erlischt und nicht erneut zündet.
  • d) Sie speichert die Lichtbogenenergie und gibt sie bei der nächsten Schaltung wieder ab.

Richtig: c)

Die Löschkammer teilt den Lichtbogen über die Löschbleche, kühlt ihn und sorgt dafür, dass er im Nulldurchgang nicht erneut zündet. a) ist falsch, ein Lichtbogen ist beim Trennen unter Last unvermeidlich. b) ist falsch, die mechanische Trennung bleibt notwendig. d) ist physikalisch nicht zutreffend.

Auslösekennlinien B, C, D

Die Auslösekennlinie eines LS-Schalters beschreibt, wie schnell er bei welchem Strom auslöst. Üblicherweise wird sie als Strom-Zeit-Diagramm in doppellogarithmischer Darstellung gezeichnet:

  • Auf der x-Achse: das Vielfache des Nennstroms (I/In).
  • Auf der y-Achse: die Auslösezeit.

Im Strom-Zeit-Diagramm sind zwei Bereiche zu erkennen:

  • Ein flach abfallender Bereich bei kleinen Vielfachen → das ist der thermische Bereich (Bimetall).
  • Ein nahezu vertikaler Bereich bei großen Vielfachen → das ist der magnetische Bereich (Spule und Anker).

Der thermische Bereich ist bei den Charakteristiken B, C und D gleich. Sie unterscheiden sich nur in der Schwelle, ab der der magnetische Auslöser anspricht:

  • Charakteristik B: magnetische Auslösung bei etwa 3- bis 5-fachem Nennstrom. Geeignet für Steckdosen-, Beleuchtungs- und allgemeine Endstromkreise mit überwiegend ohmscher Last.
  • Charakteristik C: magnetische Auslösung bei etwa 5- bis 10-fachem Nennstrom. Geeignet für Verbraucher mit moderaten Einschaltströmen, z. B. kleine Motoren, Leuchtstoff- und LED-Treiber, kleinere Trafos.
  • Charakteristik D: magnetische Auslösung bei etwa 10- bis 20-fachem Nennstrom. Geeignet für Verbraucher mit hohen Einschaltströmen, z. B. größere Motoren, große Trafos, Schweißgeräte.

Die Logik dahinter: Geräte mit hohen Einschaltströmen sollen nicht jedes Mal beim Einschalten den LS-Schalter auslösen. Eine zu „flinke“ Charakteristik (z. B. B) würde bei Anlaufströmen unbeabsichtigt auslösen. Eine zu „träge“ Charakteristik (z. B. D) für eine reine Steckdosenleitung wäre dagegen ungünstig, da sie einen Kurzschluss erst bei deutlich höherem Strom abschaltet und die Leitung in der Zwischenzeit stärker belastet wird.

Hinweis: Die Vielfachen sind typische Bandbreiten. Die exakte Auslöseschwelle ist herstellerabhängig und im Datenblatt zu finden.

Auslösekennlinien B / C / D (Prinzipdarstellung, log-log) 1000 s 100 s 10 s 1 s 0,1 s 0,01 s t 1·In 3·In 5·In 10·In 15·In 20·In I / In thermischer Bereich (B/C/D gleich) B C D magnetischer Bereich (Auslösung in ms)
Auslösekennlinien B, C und D (Strom-Zeit-Diagramm)

Ein Stromkreis versorgt Leuchten mit elektronischen Vorschaltgeräten und gelegentliche Einschaltstromspitzen. Welche Charakteristik ist als erste Wahl plausibel?

  • a) B, weil ein möglichst flinker Schalter den Stromkreis am schnellsten schützt, unabhängig vom Lasttyp.
  • b) C, weil die Einschaltstromspitzen sonst zu wiederholten Fehlauslösungen im magnetischen Bereich führen können.
  • c) D, weil elektronische Vorschaltgeräte stets sehr hohe Anlaufströme verursachen.
  • d) B oder D – beide gleichwertig, da die thermischen Bereiche identisch sind.

Richtig: b)

Charakteristik C ist auf moderate Einschaltstromspitzen ausgelegt und vermeidet Fehlauslösungen, ohne den Kurzschlussschutz unnötig zu verzögern. a) ist falsch, ein zu flinker Schalter würde wiederholt unbegründet auslösen. c) ist falsch, die Anlaufströme rechtfertigen in der Regel kein D. d) ist falsch, weil sich B und D im magnetischen Bereich klar unterscheiden.

Ein LS-Schalter mit C-Charakteristik und In = 16 A wird mit einem Strom von 70 A belastet. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Der Schalter löst nicht aus, weil 70 A unterhalb des thermischen Bereichs liegen.
  • b) Der Schalter löst sicher magnetisch aus, da 70 A oberhalb des typischen oberen magnetischen Schwellwerts (10·In = 160 A) liegen.
  • c) Der Strom liegt knapp unterhalb des typischen magnetischen Auslösebereichs (5·In bis 10·In, also 80 A bis 160 A); eine magnetische Auslösung erfolgt daher nicht – die Abschaltung erfolgt ausschließlich thermisch und damit zeitverzögert.
  • d) Der Schalter löst exakt nach 1 Sekunde aus, weil 70 A ungefähr dem 4-fachen Nennstrom entsprechen.

Richtig: c)

70 A entsprechen 4,375·In. Der typische magnetische Bereich bei C liegt zwischen 5·In (80 A) und 10·In (160 A). 70 A liegen unterhalb dieses Bereichs – eine magnetische Auslösung findet bei 70 A nicht statt; der thermische Auslöser wird wirken, aber verzögert. a) ist falsch, der thermische Bereich ist gerade zuständig. b) ist falsch, 70 A sind unter 160 A. d) ist falsch, exakte Sekundenangaben sind ohne Datenblatt nicht möglich.

Worin unterscheiden sich die Charakteristiken B, C und D strukturell?

  • a) Sie unterscheiden sich im thermischen Verhalten; der magnetische Bereich ist identisch.
  • b) Sie unterscheiden sich in der Schwelle des magnetischen Auslösers, während der thermische Bereich vergleichbar ausgelegt ist.
  • c) Sie unterscheiden sich in der maximalen Spannung, für die sie zugelassen sind.
  • d) Sie unterscheiden sich in der Anzahl der Pole im Gehäuse.

Richtig: b)

Die thermischen Bereiche von B, C und D sind nahezu identisch ausgelegt; die Charakteristik bezieht sich auf den magnetischen Auslösebereich. a) ist genau verkehrt herum. c) und d) sind sachlich falsch, das sind separate Kenngrößen.

Ein D-Charakteristik-Schalter wird in einem reinen Steckdosenstromkreis ohne Sonderverbraucher eingesetzt. Welche fachliche Bewertung ist passend?

  • a) Optimal, da die D-Charakteristik die Leitung am besten schützt.
  • b) Eher ungünstig, da der Kurzschlussstrom erst bei deutlich höherem Vielfachen des Nennstroms zur Schnellabschaltung führt und die Leitung dabei stärker belastet wird.
  • c) Erforderlich, weil Steckdosen grundsätzlich hohe Einschaltströme aufweisen.
  • d) Gleichwertig zu B, weil der thermische Bereich identisch ist.

Richtig: b)

Eine D-Charakteristik schaltet erst bei sehr hohen Strömen schnell ab, was in einem reinen Steckdosenkreis ohne spezielle Anlaufverbraucher unnötig ist. a) ist falsch, weil der Kurzschlussschutz dadurch träger wird. c) ist falsch, Steckdosen sind allgemeine Endstromkreise. d) ist falsch, wegen des unterschiedlichen magnetischen Verhaltens.

Kenngrößen und Beschriftung

Auf der Frontseite eines LS-Schalters sind die wichtigsten Kenngrößen aufgedruckt. Wer einen Schalter beurteilen will, muss diese Beschriftung lesen können.

Wesentliche Kenngrößen:

  • Charakteristik + Nennstrom (z. B. „B16″): Der Buchstabe steht für die Auslösekennlinie (B, C oder D), die Zahl für den Nennstrom In in Ampere. Übliche Werte: 6, 10, 13, 16, 20, 25, 32 A (auch höhere Werte sind möglich).
  • Bemessungsspannung Ue: Üblich sind 230 V AC für einpolige Schalter und 400 V AC für drei- bzw. vierpolige im Drehstromnetz.
  • Bemessungsschaltvermögen Icn: Maximal abschaltbarer Kurzschlussstrom, oft im Rechteck dargestellt (z. B. 6000 oder 10000 für 6 kA bzw. 10 kA). Muss mindestens dem zu erwartenden Kurzschlussstrom am Einbauort entsprechen.
  • Energiebegrenzungsklasse: Typischerweise 1, 2 oder 3, wobei 3 die geringste durchgelassene Energie und damit die beste Begrenzung darstellt.
  • Polzahl:
    • 1-polig: schaltet nur den Außenleiter
    • 1+N: schaltet Außenleiter und Neutralleiter, jedoch ist nur der Außenleiter mit Auslöser geschützt
    • 2-polig: schaltet Außenleiter und Neutralleiter, beide mit eigenem Auslöser geschützt
    • 3-polig: schaltet drei Außenleiter
    • 3+N: drei Außenleiter und Neutralleiter (N wird mitgeschaltet, ist aber nicht mit eigenem Auslöser geschützt)
    • 4-polig: schaltet alle vier Leiter, alle mit eigenem Auslöser geschützt

Zusätzlich finden sich Schaltbild, Hersteller, Baureihe sowie Symbole für Konformitätszeichen. Die exakte Anordnung ist herstellerabhängig.

Frontansicht eines LS-Schalters [Hersteller] [Baureihe] B16 I O 230/400 V ~ 6000 EBK 3 Charakteristik + In (z. B. B16) Bemessungsspannung Ue (z. B. 230/400 V AC) Bemessungsschaltvermögen Icn (z. B. 6000 = 6 kA) Energiebegrenzungsklasse (1, 2 oder 3) Schaltstellung I = EIN, O = AUS
Frontansicht mit Beschriftung

Auf einem LS-Schalter steht „C13″ und im Rechteck darunter „10000″. Welche Aussage ist technisch korrekt?

  • a) Nennstrom 10 A, Schaltvermögen 13 kA.
  • b) Nennstrom 13 A, Charakteristik C, Bemessungsschaltvermögen 10 kA.
  • c) Charakteristik C bedeutet hier 13-fachen Nennstrom als magnetische Schwelle.
  • d) Das Schaltvermögen von 10000 bezieht sich auf die maximale Schaltspielzahl.

Richtig: b)

„C13″ bezeichnet Charakteristik C und Nennstrom 13 A, „10000″ im Rechteck bezeichnet das Bemessungsschaltvermögen in Ampere, also 10 kA. a) verwechselt Nennstrom und Schaltvermögen. c) ist falsch, C bedeutet 5- bis 10-faches In. d) ist falsch, Schaltvermögen ist nicht Schaltspielzahl.

Ein 3+N-poliger LS-Schalter wird einem 3-poligen vorgezogen. Welche Begründung ist fachlich tragfähig?

  • a) Der 3+N schaltet zusätzlich den Neutralleiter mit, was bei bestimmten Wartungs- und Fehlerszenarien sicheres allpoliges Trennen ermöglicht.
  • b) Der 3+N hat ein höheres Schaltvermögen als der reine 3-polige Typ.
  • c) Der 3+N ersetzt durch Mitschalten des Neutralleiters den FI.
  • d) Der 3+N ist grundsätzlich kompakter, weil der N-Pfad ohne Auslöser ausgeführt ist.

Richtig: a)

Beim 3+N wird der Neutralleiter mitgeschaltet und ermöglicht so allpoliges Trennen. b) ist falsch, das Schaltvermögen ergibt sich aus der Bauart, nicht aus der Polzahl. c) ist falsch, der FI hat eine andere Funktion. d) ist falsch, der zusätzliche Pol benötigt mehr Bauraum.

Welche Aussage zur Energiebegrenzungsklasse ist korrekt?

  • a) Klasse 1 lässt am wenigsten Energie durch und ist die beste Wahl für hohe Kurzschlussströme.
  • b) Klasse 3 lässt am wenigsten Energie durch und reduziert somit die Belastung der nachgelagerten Anlage am stärksten.
  • c) Die Klasse beschreibt den Energiebedarf des Schalters im Normalbetrieb.
  • d) Die Klasse ist nur für 4-polige Geräte definiert.

Richtig: b)

Die höhere Klassennummer entspricht einer geringeren durchgelassenen Energie und besseren Begrenzung. a) verkehrt das Verhältnis. c) ist falsch, die Klasse betrifft das Verhalten im Kurzschluss. d) ist falsch.

Auswahl in der Praxis

Die Auswahl eines LS-Schalters erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Lasttyp bestimmen → Charakteristik wählen
    • überwiegend ohmsch, kein hoher Anlaufstrom → B
    • moderate Einschaltspitzen → C
    • hohe Einschaltspitzen → D
  2. Leitungsquerschnitt und Verlegeart prüfen → maximalen Nennstrom ableiten. Die zulässige Strombelastbarkeit Iz hängt nicht nur vom Querschnitt ab, sondern auch davon, wie die Leitung verlegt ist (in Wand, in Rohr, frei in Luft, gehäuft mit anderen Leitungen) und welche Umgebungstemperatur vorliegt.
  3. Bedingung einhalten: In ≤ Iz. Der Nennstrom des LS-Schalters darf die zulässige Strombelastbarkeit der Leitung nicht überschreiten.
  4. Bemessungsschaltvermögen Icn ≥ erwarteter Kurzschlussstrom am Einbauort.
  5. Selektivität zu vorgelagerten Schutzgeräten beachten – im Idealfall löst nur der Schalter aus, der dem Fehler am nächsten liegt.

In ≤ Iz

  • In … Nennstrom des LS-Schalters in A
  • Iz … zulässige Strombelastbarkeit der Leitung in A

Orientierungswerte (typische Werte, abhängig von Verlegeart und Umgebung; sie ersetzen keine Fachplanung):

  • 1,5 mm² Cu → Iz ≈ 13 … 18 A → meist B13 oder B16
  • 2,5 mm² Cu → Iz ≈ 18 … 26 A → meist B16, B20 oder B25
  • 4,0 mm² Cu → Iz ≈ 24 … 34 A → meist B25 oder B32
  • 6,0 mm² Cu → Iz ≈ 31 … 44 A → meist B32 oder B40

Wichtig: Hohe Umgebungstemperatur, Häufung mehrerer Leitungen oder Verlegung in Isolierung reduzieren Iz deutlich. Im Zweifel muss der Wert sinken, niemals steigen.

Entscheidungsbaum: Auswahl eines LS-Schalters Lasttyp? ohmsch / Beleuchtung → B moderate Einschaltspitzen → C hohe Anlaufströme → D Leitungsquerschnitt + Verlegeart? 1,5 mm² → max. ca. B13 / B16 2,5 mm² → max. ca. B16 / B20 / B25 4–6 mm² → größere B25 … B40 Prüfen: In ≤ Iz sowie Icn ≥ erwarteter Kurzschlussstrom am Einbauort
Entscheidungsbaum zur Auswahl

Gelöstes Beispiel

Aufgabe: Eine Steckdosenleitung ist mit 2,5 mm² Cu im Installationsrohr in der Wand verlegt, Iz wird mit 18 A angenommen. Welcher LS-Schalter ist als Nennstrom orientierend zulässig (Charakteristik B, einfache Bedingung In ≤ Iz)?

  1. Bedingung anschreiben: In ≤ Iz (In … Nennstrom des LS-Schalters in A; Iz … zulässige Strombelastbarkeit der Leitung in A).
  2. Iz einsetzen: In ≤ 18 A.
  3. Nächsten passenden Normwert wählen, der nicht über Iz liegt: Übliche In-Werte sind 6 / 10 / 13 / 16 / 20 / 25 / 32 A → 16 A passt (16 ≤ 18), 20 A wäre zu hoch (20 > 18).
  4. Charakteristik: Steckdosenkreis ohne besondere Anlaufverbraucher → B.

Ergebnis: B16, sofern Icn ≥ erwarteter Kurzschlussstrom am Einbauort.

Übungen

Übung 7.1: Iz einer Leitung beträgt 24 A. Welcher größtmögliche Nennstrom-Normwert eines LS-Schalters ist nach In ≤ Iz zulässig?

Bedingung: In ≤ Iz = 24 A. Übliche Normwerte: 6 / 10 / 13 / 16 / 20 / 25 / 32 A. Größter Wert ≤ 24 A: 20 A. Ergebnis: B20 (oder C20/D20 je nach Lasttyp).

Übung 7.2: Eine Leitung hat einen ermittelten Iz von 13 A. Welche der Werte 10 A, 13 A, 16 A erfüllen In ≤ Iz?

10 A: 10 ≤ 13 → erfüllt. 13 A: 13 ≤ 13 → erfüllt (Grenzwert). 16 A: 16 ≤ 13 → nicht erfüllt. Ergebnis: 10 A und 13 A erlaubt; 16 A nicht.

Übung 7.3: Eine 1,5-mm²-Cu-Leitung in Wand verputzt darf orientierend mit Iz = 16 A betrieben werden. Durch Häufung sinkt Iz auf 12 A. Wie groß darf der Nennstrom des LS-Schalters maximal sein, und welcher Normwert ist die richtige Wahl?

In ≤ Iz = 12 A. Größter Normwert ≤ 12 A: 10 A. Ergebnis: maximal B10 (bzw. C10/D10).

Übung 7.4: Ein Drehstrommotor hat einen hohen Anlaufstrom. Die zugehörige Leitung erlaubt Iz = 20 A. Welche Charakteristik und welcher Nennstrom-Normwert sind orientierend passend?

Charakteristik: D (hohe Anlaufströme). In ≤ Iz = 20 A → größter Normwert ≤ 20 A: 20 A. Ergebnis: D20 (Vorbehalt: Motorschutz separat prüfen, da der LS-Schalter primär Leitungsschutz ist).

Übung 7.5: Eine Leitung erlaubt Iz = 26 A. Sie versorgt eine Gruppe elektronischer Vorschaltgeräte. Welcher LS-Schalter ist orientierend passend?

Charakteristik: C (moderate Einschaltspitzen). In ≤ Iz = 26 A → größter Normwert ≤ 26 A: 25 A. Ergebnis: C25.

Eine Leitung hat unter ungünstigen Bedingungen (Häufung, hohe Umgebungstemperatur) einen Iz von 11 A. In dieser Konfiguration soll der Stromkreis weiterhin mit B16 abgesichert werden, weil „B16 immer Standard war“. Welche Bewertung ist fachlich korrekt?

  • a) Akzeptabel, da der thermische Auslöser bei B16 sehr träge ist und ohnehin selten arbeitet.
  • b) Nicht akzeptabel; die Bedingung In ≤ Iz wäre verletzt (16 > 11), die Leitung kann thermisch überlastet werden, ohne dass der LS-Schalter zuverlässig zeitgerecht abschaltet.
  • c) Akzeptabel, weil die magnetische Auslösung im Kurzschlussfall ausreichend schützt – Überlast spielt für eine kurze Leitung keine Rolle.
  • d) Nur die Charakteristik müsste auf D geändert werden, dann ist B16 → D16 unproblematisch.

Richtig: b)

Die Bedingung In ≤ Iz schützt die Leitung vor Überhitzung. 16 A bei einer Belastbarkeit von 11 A ist eine klare Überschreitung. a) ist falsch, gerade die Trägheit ist im Überlastbereich problematisch. c) ist falsch, der Überlastschutz ist hier maßgeblich. d) ist falsch, die Charakteristik ändert nichts an der Überlastauslegung.

Welcher Faktor wirkt sich am ehesten dahingehend aus, dass der zulässige Nennstrom eines LS-Schalters für eine bestehende Leitung gesenkt werden muss?

  • a) Niedrige Umgebungstemperatur am Einbauort der Leitung.
  • b) Häufung mehrerer strombelasteter Leitungen im selben Installationsrohr.
  • c) Verkürzung der Leitungslänge auf weniger als 5 m.
  • d) Wechsel von Aluminium- auf Kupferleiter gleicher Querschnittsfläche.

Richtig: b)

Häufung reduziert die Wärmeabfuhr und senkt damit Iz. a) wirkt sich tendenziell entgegengesetzt aus. c) hat in erster Näherung keinen direkten Einfluss auf Iz. d) erhöht eher die Belastbarkeit, da Cu eine bessere Leitfähigkeit hat.

In einer Anlage soll bei einem Fehler in einem Endstromkreis nur dieser eine LS-Schalter auslösen, nicht der vorgelagerte Schutz. Welcher Begriff beschreibt diese Eigenschaft am besten und worauf ist bei der Auswahl zu achten?

  • a) Polzahl – höhere Polzahl liefert höhere Selektivität.
  • b) Selektivität – durch passende Abstufung von Nennstrom und Charakteristik zwischen vor- und nachgelagerten Schutzgeräten erreichbar.
  • c) Energiebegrenzungsklasse – nur Klasse 1 erreicht Selektivität.
  • d) Bemessungsspannung – höhere Ue garantiert Selektivität.

Richtig: b)

Selektivität bedeutet, dass nur das nächstgelegene Schutzgerät auslöst. Erreicht wird sie durch passende Abstufung. a), c) und d) hängen mit Selektivität nicht direkt zusammen.

Abgrenzung zu anderen Schutzorganen

Im Niederspannungsverteiler arbeiten mehrere Schutzgeräte zusammen. Jedes hat eine andere Aufgabe.

LS-Schalter (MCB):

  • Schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss.
  • Wiedereinschaltbar.
  • Kein Personenschutz im Sinne von Fehlerstromabschaltung.

FI / RCD (Fehlerstrom-Schutzschalter):

  • Erkennt Differenzströme zwischen aktiven Leitern und Erde (typisch 10 mA, 30 mA oder höhere Bemessungsfehlerströme).
  • Personenschutz (Berührungsstromschutz) und Brandschutz bei Erdfehlerströmen.
  • Reagiert nicht auf Überlast oder Kurzschluss zwischen aktiven Leitern.

Schmelzsicherung:

  • Funktion ähnlich wie LS (Überlast + Kurzschluss).
  • Nach Auslösung zerstört, muss getauscht werden.
  • Robust, oft sehr hohes Schaltvermögen.

Motorschutzschalter:

  • Speziell auf Motorströme abgestimmt, einstellbarer Strombereich.
  • Reagiert besonders auf länger anhaltende Überlast (z. B. blockierter Motor) und Phasenausfall (bei dafür geeigneten Ausführungen).
  • Ergänzt häufig den LS-Schalter im Motorabgang.

RCBO (FI/LS-Kombination):

  • Vereint Funktionen von FI und LS in einem Gehäuse.
  • Spart Platz, schützt einzelne Stromkreise individuell, statt mehrere Stromkreise hinter einem gemeinsamen FI zu legen.

Faustregel: Der LS-Schalter schützt das Kabel. Der FI schützt Personen vor Stromfluss über Erde. Der Motorschutzschalter schützt den Motor. Eine Schmelzsicherung kann den LS ersetzen, ist aber nicht wiederverwendbar. Der RCBO macht beides – LS und FI – pro Stromkreis.

Schutzgeräte im Vergleich Gerät Schutzfunktion Typischer Einsatz LS-Schalter Überlast + Kurzschluss Endstromkreise FI / RCD Fehlerstrom (Erde) Personen-/Brandschutz Schmelz- sicherung Überlast + Kurzschluss robuster Schutz, einmalige Auslösung Motorschutz- schalter Motor-Überlast + Kurzschluss Motorabgänge, einstellbarer Bereich RCBO (FI/LS) Überlast + Kurzschluss + Fehlerstrom einzelne Stromkreise platzsparend Hinweis: Symbole und Aufdrucke sind herstellerabhängig.
Vergleich der Schutzgeräte (Übersicht)

Ein Stromkreis ist ausschließlich mit einem FI 30 mA abgesichert. Welche Bewertung ist korrekt?

  • a) Ausreichend, der FI deckt Überlast, Kurzschluss und Fehlerstrom ab.
  • b) Nicht ausreichend; ein zusätzlicher Leitungsschutz (LS oder gleichwertige Schmelzsicherung) ist nötig, da der FI weder Überlast noch Kurzschluss in den aktiven Leitern abschaltet.
  • c) Ausreichend, sofern der FI ein höheres Schaltvermögen besitzt als der zu erwartende Kurzschlussstrom.
  • d) Ausreichend, sofern der FI die Charakteristik C aufweist.

Richtig: b)

Der FI reagiert auf Differenzströme gegen Erde, nicht auf Überstrom in der Leitung. Ein Leitungsschutz ist zusätzlich erforderlich. a) verwechselt die Schutzfunktionen. c) ist falsch, weil das Schaltvermögen nicht die Schutzfunktion ändert. d) ist falsch, FI haben keine B/C/D-Charakteristik.

In einer Verteilung sollen mehrere Endstromkreise jeweils eigenen Fehlerstromschutz erhalten, ohne dass für jeden Kreis ein separater FI gesetzt wird. Welche Lösung ist fachlich passend?

  • a) Sammel-FI 300 mA für alle Endstromkreise.
  • b) RCBO pro Endstromkreis – kombiniert Leitungs- und Fehlerstromschutz auf engem Raum.
  • c) LS pro Endstromkreis und ein Motorschutzschalter als Sammelfunktion.
  • d) Schmelzsicherung pro Endstromkreis und ein FI 100 mA für die Hauptzuleitung.

Richtig: b)

Der RCBO bietet pro Stromkreis sowohl LS- als auch FI-Funktion und ermöglicht selektive Abschaltung. a) liefert keinen ausreichenden Personenschutz und keine kreisweise Abschaltung. c) ist nicht zielführend, der MS hat eine andere Aufgabe. d) deckt Personen- und Leitungsschutz pro Kreis nicht gezielt ab.

Welche Aussage zum Zusammenspiel von LS-Schalter und Motorschutzschalter im Motorabgang ist fachlich korrekt?

  • a) Der Motorschutzschalter macht den LS-Schalter überflüssig, da er Überlast und Kurzschluss abdeckt.
  • b) Beide Geräte können sich ergänzen: der LS-Schalter sorgt für den Leitungsschutz inkl. Kurzschlussschutz mit hohem Bemessungsschaltvermögen, der Motorschutzschalter für den eingestellten Motor-Überlastschutz.
  • c) Der Motorschutzschalter ersetzt sowohl LS als auch FI.
  • d) Der LS-Schalter wird parallel zum Motorschutzschalter gesetzt, um den Strom auf zwei Pfade zu verteilen.

Richtig: b)

In der Praxis werden beide Geräte oft kombiniert: der LS-Schalter sorgt für Leitungs- und Kurzschlussschutz mit hohem Schaltvermögen, der Motorschutzschalter für motoroptimierten Überlastschutz. a) und c) sind falsch, da Aufgaben und Eigenschaften unterschiedlich sind. d) ist sachlich nicht korrekt, parallele Anordnung würde Stromaufteilung erzeugen, nicht Schutzwirkung.

Abschlusstest

Aufgabe R1 – Vielfache des Nennstroms (Charakteristik B): Ein LS-Schalter B16 ist gegeben. Wie groß ist der typische obere Grenzstrom des magnetischen Auslösebereichs in A?

Charakteristik B: bis ca. 5·In magnetisch. I_mag,max = 5 · In = 5 · 16 A = 80 A. Ergebnis: ca. 80 A.

Aufgabe R2 – Vielfache des Nennstroms (Charakteristik D): Ein LS-Schalter D25 ist gegeben. In welchem Strombereich liegt typisch die magnetische Auslösung?

Charakteristik D: ca. 10·In bis 20·In. Untere Grenze: 10 · 25 A = 250 A. Obere Grenze: 20 · 25 A = 500 A. Ergebnis: typisch 250 A bis 500 A.

Aufgabe R3 – In ≤ Iz (Bedingung): Eine Leitung erlaubt unter Berücksichtigung der Verlegung Iz = 22 A. Welcher größtmögliche Nennstrom-Normwert ist nach In ≤ Iz zulässig?

In ≤ 22 A. Übliche Normwerte: 6 / 10 / 13 / 16 / 20 / 25 / 32 A. Größter Wert ≤ 22 A: 20 A. Ergebnis: max. In = 20 A (z. B. B20 / C20 / D20).

Aufgabe R4 – In ≤ Iz unter ungünstigen Bedingungen: Eine 1,5-mm²-Cu-Leitung wird durch Häufung und höhere Umgebungstemperatur effektiv mit Iz = 9 A belastbar. Welcher Normwert ist zulässig, wenn eine Steckdose mit Charakteristik B gewünscht ist?

In ≤ 9 A. Größter Normwert ≤ 9 A: 6 A. Ergebnis: max. B6 (B10 wäre bereits unzulässig, da 10 > 9).

Aufgabe R5 – Vielfaches im Toleranzbereich: Ein LS-Schalter C20 wird mit 130 A belastet. In welchem Auslösebereich liegt dieser Strom typischerweise?

Vielfaches: 130 / 20 = 6,5. Charakteristik C: magnetischer Bereich 5·In bis 10·In, also 100 A bis 200 A. 130 A liegt innerhalb dieses Bereichs. Ergebnis: im typischen magnetischen Auslösebereich; eine magnetische Auslösung ist möglich, aber nicht über die gesamte Bandbreite garantiert; sicher magnetisch wäre I ≥ 10·In = 200 A.

Aufgabe R6 – Bewertung Schaltvermögen: Am Einbauort wird ein prospektiver Kurzschlussstrom von 9,5 kA ermittelt. Reicht ein LS-Schalter mit Icn = 6 kA, oder ist ein Schalter mit Icn = 10 kA zu wählen?

Bedingung: Icn ≥ I_K,max. 6 kA < 9,5 kA → Icn = 6 kA reicht NICHT aus. 10 kA ≥ 9,5 kA → erfüllt. Ergebnis: Schalter mit Icn = 10 kA wählen.

V1: Welche Aussage zur Aufgabenteilung der Auslöser im LS-Schalter ist fachlich korrekt?

  • a) Der thermische Auslöser deckt sowohl Überlast als auch Kurzschluss ab; der magnetische Auslöser ist redundant.
  • b) Der thermische Auslöser sichert das I²·t-Verhalten der Leitung gegen Überlast ab, der magnetische Auslöser sorgt für die schnelle Abschaltung im Kurzschlussfall.
  • c) Beide Auslöser arbeiten parallel und schalten unabhängig voneinander den Lichtbogen.
  • d) Der magnetische Auslöser arbeitet stromlos und reagiert auf das Spannungsfeld zwischen den Klemmen.

Richtig: b)

Thermisch = Überlast (träge), magnetisch = Kurzschluss (schnell). a) ist falsch, da der thermische Auslöser für sehr hohe Ströme zu langsam wäre. c) ist falsch, beide Auslöser sind in Serie im Strompfad. d) ist falsch, der magnetische Auslöser benötigt Strom durch die Spule.

V2: Ein C16 wird mit 90 A belastet. Welche Aussage zur Auslösung ist plausibel?

  • a) Sicher magnetisch, da 90 A oberhalb der oberen Grenze 10·In = 160 A liegen.
  • b) Sicher nur thermisch, da 90 A unterhalb von 5·In liegen.
  • c) Im typischen magnetischen Bereich (5·In = 80 A bis 10·In = 160 A); magnetische Auslösung möglich, aber nicht garantiert – thermische Auslösung erfolgt zusätzlich/zeitverzögert.
  • d) Sicher gar nicht, weil 90 A unter dem Nennstrom + 100 % liegen.

Richtig: c)

90 A liegt zwischen 80 A (5·In) und 160 A (10·In). Im Toleranzbereich ist eine magnetische Auslösung möglich, aber nicht über die gesamte Bandbreite garantiert. a) ist falsch, 160 A > 90 A. b) ist falsch, da 90 A oberhalb von 5·In = 80 A liegt und der Strom damit bereits im magnetischen Toleranzbereich liegt. d) ist falsch, 90 A entsprechen 5,6·In, weit über In.

V3: Welche Aussage zur Bedingung In ≤ Iz ist fachlich korrekt?

  • a) Sie schützt den LS-Schalter vor mechanischer Überlastung im Schaltschloss.
  • b) Sie stellt sicher, dass die Leitung im Dauerbetrieb thermisch nicht überlastet wird, weil der Schutzauslöser unterhalb der thermischen Belastbarkeit der Leitung dimensioniert ist.
  • c) Sie gewährleistet Selektivität zwischen vor- und nachgelagerten Schutzgeräten.
  • d) Sie ist für die Charakteristik D nicht relevant.

Richtig: b)

Die Bedingung In ≤ Iz garantiert, dass der Schalter spätestens dann auslöst, wenn die Leitung dauerhaft über ihrer Belastbarkeit betrieben würde. a) ist nicht der Schutzgrund. c) betrifft Selektivität, ein anderes Kriterium. d) ist falsch, die Bedingung gilt unabhängig von der Charakteristik.

V4: Eine Anlage hat einen prospektiven Kurzschlussstrom von 7,8 kA. Welche Auswahl ist fachlich tragfähig?

  • a) LS mit Icn = 4,5 kA, da der thermische Auslöser den Strom begrenzt.
  • b) LS mit Icn = 6 kA, da der Schalter sehr schnell auslöst.
  • c) LS mit Icn ≥ 10 kA oder gleichwertige vorgelagerte Schutzeinrichtung, weil Icn ≥ I_K,max gelten muss.
  • d) Beliebiger LS-Schalter, da Icn nur ein nominaler Kennwert ist.

Richtig: c)

Icn muss mindestens dem zu erwartenden Kurzschlussstrom entsprechen, sonst kann der Schalter beim Abschalten zerstört werden. a) und b) verletzen diese Bedingung. d) ist falsch.

V5: Welche Aussage zum Strom-Zeit-Verhalten ist fachlich korrekt?

  • a) Die thermische Auslösung ist linear stromabhängig: doppelter Strom = doppelte Zeit.
  • b) Die thermische Auslösung folgt näherungsweise einem I²·t-Verhalten: höhere Ströme verkürzen die Zeit überproportional.
  • c) Die magnetische Auslösung ist langsam, weil die Spule eine große Induktivität hat.
  • d) Die magnetische Auslösung erfolgt erst, nachdem das Bimetall freigegeben ist.

Richtig: b)

Höhere Ströme erzeugen quadratisch schneller Wärme. a) ist falsch (nichtlinear). c) ist falsch, magnetische Auslösung ist sehr schnell. d) ist falsch, beide Auslöser wirken unabhängig voneinander.

V6: Auf einem LS-Schalter steht „D32″ und im Rechteck „6000″. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Charakteristik D, In = 32 A, Bemessungsschaltvermögen 6000 A = 6 kA.
  • b) Magnetischer Auslösebereich typisch 96 A bis 160 A.
  • c) Bemessungsschaltvermögen 6000 A entspricht 600 mA Fehlerstrom.
  • d) Charakteristik D ist auf reine Beleuchtungslasten optimiert.

Richtig: a)

„D32″ = D-Charakteristik, In = 32 A, Icn = 6 kA. b) ist falsch, D bedeutet 10·In bis 20·In, also 320 A bis 640 A. c) ist falsch, 6000 ist der Kurzschlussstrom in A, nicht ein Fehlerstrom in mA. d) ist falsch, D ist für hohe Anlaufströme.

V7: Eine 2,5-mm²-Cu-Leitung wird in einem Installationsrohr mit mehreren weiteren strombelasteten Leitungen verlegt (Häufung). Welche Konsequenz für die Auswahl des LS-Schalters ist fachlich korrekt?

  • a) Iz steigt durch Häufung, ein höherer Nennstrom als ohne Häufung ist möglich.
  • b) Iz sinkt durch Häufung; ein gegebenenfalls niedrigerer Nennstrom-Normwert ist zu wählen, weil die Wärmeabfuhr reduziert ist.
  • c) Iz bleibt unverändert, der Querschnitt allein bestimmt die Belastbarkeit.
  • d) Iz wird ausschließlich durch die Charakteristik (B/C/D) bestimmt.

Richtig: b)

Häufung verschlechtert die Wärmeabfuhr, Iz sinkt. a) ist genau verkehrt. c) ist falsch, Iz hängt von vielen Faktoren ab. d) ist falsch, die Charakteristik beeinflusst Iz nicht.

V8: Welche Funktion erfüllt die Energiebegrenzungsklasse?

  • a) Sie beschreibt den Eigenenergiebedarf des LS-Schalters im Normalbetrieb.
  • b) Sie beschreibt die durchgelassene Energie im Kurzschlussfall – höhere Klasse bedeutet geringere Energie nach Schaltergeräten und damit bessere Begrenzung.
  • c) Sie ist eine reine Marketingangabe ohne technische Bedeutung.
  • d) Sie definiert die maximale Anzahl an Schalthandlungen im Leben des Geräts.

Richtig: b)

Klasse 3 begrenzt die durchgelassene Energie am stärksten und schützt damit nachgelagerte Komponenten am besten. a), c), d) sind falsch.

V9: Welche Aussage zur Selektivität zwischen einem vorgelagerten und einem nachgelagerten LS-Schalter ist fachlich tragfähig?

  • a) Selektivität ist gegeben, wenn beide Schalter denselben Nennstrom und dieselbe Charakteristik haben.
  • b) Selektivität wird durch passende Abstufung von Nennstrom, Charakteristik und ggf. Schaltvermögen erreicht; im Idealfall löst nur der dem Fehler nächstgelegene Schalter aus.
  • c) Selektivität ist eine Eigenschaft des FI und betrifft den LS-Schalter nicht.
  • d) Selektivität wird ausschließlich durch die Energiebegrenzungsklasse erreicht.

Richtig: b)

Selektivität entsteht durch Abstufung. a) ist falsch, gleiche Werte führen tendenziell zur Mitauslösung des vorgelagerten Schalters. c) ist falsch, Selektivität gilt für beliebige Schutzgeräte. d) ist falsch.

V10: Ein RCBO wird einem reinen LS-Schalter vorgezogen. Welche fachliche Begründung ist tragfähig?

  • a) Der RCBO arbeitet ohne thermischen Auslöser und reagiert damit schneller.
  • b) Der RCBO bietet pro Stromkreis sowohl Leitungs- als auch Fehlerstromschutz und ermöglicht eine selektive Abschaltung einzelner Kreise im Erdfehlerfall.
  • c) Der RCBO hat grundsätzlich höhere Bemessungsspannung als ein LS-Schalter.
  • d) Der RCBO erfordert keine Charakteristik, da er rein elektronisch auslöst.

Richtig: b)

Der RCBO vereint LS- und FI-Funktion in einem Gehäuse, was selektive Abschaltung im Fehlerstromfall pro Stromkreis erlaubt. a) ist falsch, ein RCBO enthält weiterhin einen Überstromschutz. c) ist sachlich nicht zutreffend. d) ist falsch, RCBO hat ebenfalls eine Charakteristik (B/C/D).

V11: Welche Aussage zum Vergleich Schmelzsicherung vs. LS-Schalter ist korrekt?

  • a) Schmelzsicherungen sind grundsätzlich langsamer als LS-Schalter und daher technisch ungeeignet.
  • b) Beide übernehmen Überlast- und Kurzschlussschutz; die Schmelzsicherung ist nach Auslösung zerstört, der LS-Schalter wieder einschaltbar.
  • c) Schmelzsicherungen schützen zusätzlich vor Fehlerströmen gegen Erde.
  • d) LS-Schalter haben grundsätzlich höheres Schaltvermögen als Schmelzsicherungen.

Richtig: b)

Beide schützen die Leitung; der Hauptunterschied ist die Wiedereinschaltbarkeit. a) ist falsch, Schmelzsicherungen können sehr schnell sein. c) ist falsch, dafür ist der FI zuständig. d) ist falsch, robuste Schmelzsicherungen erreichen oft sehr hohe Schaltvermögen.

V12: Bei der Auswahl eines LS-Schalters für einen Motorabgang mit hohem Anlaufstrom wird C16 vorgeschlagen. Tatsächlich löst der Schalter beim Anlauf wiederholt aus. Welche fachlich tragfähige Maßnahme ist die wahrscheinlichste Lösung?

  • a) Erhöhung des Nennstroms auf B25, weil die Leitungsbelastbarkeit damit ausgeglichen wird.
  • b) Wechsel auf Charakteristik D bei gleichem Nennstrom, sofern In ≤ Iz weiterhin eingehalten ist – D toleriert hohe Einschaltspitzen.
  • c) Reduktion des Nennstroms auf C10 zur schnelleren Abschaltung.
  • d) Wechsel auf einen FI 30 mA, da der Anlaufstrom als Fehlerstrom wirkt.

Richtig: b)

D toleriert hohe Anlaufströme; falls In ≤ Iz gewahrt bleibt, ist D16 hier eine sinnvolle Lösung. a) ist problematisch, weil B25 möglicherweise In ≤ Iz verletzt und B-Charakteristik die Anlaufproblematik nicht löst. c) verschärft das Problem (löst noch eher aus). d) ist falsch, Anlaufstrom ist kein Fehlerstrom.

Glossar

Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, MCB)
Wiedereinschaltbares Schutzgerät, das Leitungen vor Überlast und Kurzschluss schützt.
Überlast
Strom über dem Nennstrom, der die Leitung langsam unzulässig erwärmt.
Kurzschluss
Sehr hoher Strom durch direkte Verbindung zwischen aktiven Leitern; muss in Sekundenbruchteilen abgeschaltet werden.
Nennstrom (In)
Strom, für den der LS-Schalter dauerhaft ausgelegt ist.
Bemessungsspannung (Ue)
Spannung, für die der Schalter zugelassen ist (z. B. 230/400 V AC).
Bemessungsschaltvermögen (Icn)
Maximaler Kurzschlussstrom, den der Schalter sicher abschalten kann.
Auslösekennlinie
Strom-Zeit-Verhalten des Schalters; festgelegt durch die Charakteristik (B, C, D).
Charakteristik B/C/D
Bezeichnung für die Schwelle des magnetischen Auslösers (etwa 3–5 / 5–10 / 10–20 · In).
Bimetall
Streifen aus zwei Metallen mit unterschiedlicher Wärmeausdehnung; verbiegt sich bei Erwärmung und löst den thermischen Auslöser aus.
Magnetischer Auslöser
Spule mit Anker, die bei sehr hohen Strömen schlagartig anzieht und den Schalter sofort öffnet.
Lichtbogenlöschkammer
Bereich im Schalter, in dem der beim Öffnen entstehende Lichtbogen geteilt, gekühlt und gelöscht wird.
Energiebegrenzungsklasse
Kennzeichnung der durchgelassenen Energie im Kurzschlussfall (Klasse 3 = beste Begrenzung).
Polzahl
Anzahl der vom Schalter geschalteten Leiter (1, 1+N, 2, 3, 3+N, 4); sagt zusätzlich aus, welche dieser Leiter mit einem eigenen Auslöser geschützt sind.
Strombelastbarkeit (Iz)
Maximal zulässiger Dauerstrom einer Leitung; abhängig von Querschnitt, Material, Verlegeart, Umgebungstemperatur, Häufung.
Selektivität
Eigenschaft, dass bei einem Fehler nur das nächstgelegene Schutzgerät auslöst, vorgelagerte Geräte bleiben eingeschaltet.
RCBO (FI/LS)
Kombigerät aus Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter in einem Gehäuse.
Motorschutzschalter (MS)
Schutzgerät mit einstellbarem Strombereich, primär auf Motorlasten abgestimmt.
Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD)
Schutzgerät, das Differenzströme gegen Erde erkennt und abschaltet (Personen-/Brandschutz).
Schmelzsicherung
Schutzelement mit Schmelzleiter, das bei Überstrom zerstört wird und ersetzt werden muss.
Hutschiene (TH35)
Genormte Tragschiene zur Reihenmontage von Verteilergeräten.
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