Multimeter: Spannung, Strom und Widerstand messen

Das Multimeter ist das Universalwerkzeug der Elektrotechnik. Kein anderes Messgerät steckt so oft in der Werkzeugtasche, und kein anderes wird so häufig falsch bedient. Die meisten Fehler sind harmlos – ein falscher Messbereich, ein verkehrt herum gehaltener Prüfstift. Manche aber zerstören das Gerät in Sekundenbruchteilen oder gefährden den, der es hält.

Der Unterschied zwischen sicherem und gefährlichem Messen liegt fast immer im Verständnis einer einzigen Frage: Wie wird das Gerät an den Stromkreis angeschlossen, und warum gerade so? Wer das begriffen hat, misst Spannung, Strom und Widerstand zuverlässig – und weiß, wann er besser die Finger davonlässt.

Vorwissen

  • Elektrische Spannung – Definition und Erzeugung
  • Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen
  • Das Ohmsche Gesetz

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die Bedienelemente eines Multimeters benennen und die einzelnen Buchsen richtig zuordnen
  • erklären, warum die Spannung parallel und der Strom in Reihe gemessen wird
  • den gefährlichsten Bedienfehler beim Strommessen benennen und vermeiden
  • eine Widerstandsmessung normgerecht und spannungsfrei durchführen
  • den Belastungsfehler durch den Innenwiderstand des Messgeräts abschätzen

1. Das Multimeter – Aufbau und Bedienelemente

Ein Multimeter – auch Vielfachmessgerät genannt – vereint mehrere Messgeräte in einem Gehäuse: Voltmeter, Amperemeter und Ohmmeter. Statt drei Geräte mitzuschleppen, stellt man am Drehschalter die gewünschte Messgröße ein.

Die meisten Geräte im Einsatz sind heute Digitalmultimeter mit Ziffernanzeige. Analoge Geräte mit Zeiger gibt es noch, sie haben aber an Bedeutung verloren. Digital heißt: Das Gerät wandelt den Messwert in eine Zahl um und zeigt ihn auf dem Display an – ablesegenau und ohne Parallaxenfehler.

Die Bedienelemente

Vier Dinge muss man am Multimeter beherrschen:

  • Display: zeigt Messwert, Einheit und Vorzeichen. Ein „OL“ oder „1.“ links bedeutet Überlauf – der Messbereich ist zu klein oder das Bauteil unterbrochen.
  • Drehwahlschalter: wählt Messgröße und oft auch den Bereich. Hier stellst du ein, ob du Gleichspannung, Wechselspannung, Strom oder Widerstand misst.
  • Buchsen: in die Buchsen werden die Messleitungen gesteckt. Ihre richtige Wahl ist sicherheitsrelevant.
  • Messleitungen: rote Leitung an den Plus- bzw. Messpfad, schwarze an COM.

Die Buchsen sind der Punkt, an dem die meisten teuren Fehler passieren. Ein typisches Gerät hat drei oder vier davon:

Buchsen Bezeichnung Wofür
COM Common / Masse schwarze Leitung, gemeinsamer Bezugspunkt für alle Messungen
V Ω Volt / Ohm rote Leitung bei Spannungs-, Widerstands- und Durchgangsmessung
mA Milliampererote Leitung bei kleinen Strömen, abgesichert
10A 10 Ampere rote Leitung bei großen Strömen, eigene Buchse

Die schwarze Leitung bleibt fast immer in COM. Die rote wandert – je nachdem, ob du Spannung/Widerstand oder Strom misst. Genau dieses Umstecken wird später beim Strommessen zum kritischen Punkt.

Auto-Range und manuelle Bereichswahl

Viele Geräte stellen den Messbereich selbst ein – das nennt man Auto-Range. Man wählt nur die Messgröße, das Gerät sucht den passenden Bereich. Bequem, aber etwas träge. Bei der manuellen Bereichswahl gibt man den Bereich selbst vor (z. B. „bis 20 V“). Das ist schneller und bei schwankenden Werten ruhiger abzulesen. Faustregel bei manueller Wahl: den nächstgrößeren Bereich über dem erwarteten Wert nehmen.

True-RMS

Bei Wechselgrößen gibt es einfache Geräte und solche mit True-RMS (echter Effektivwert). Einfache Geräte rechnen aus einem gemessenen Mittelwert auf den Effektivwert hoch und setzen dabei eine saubere Sinusform voraus. Sobald die Kurvenform verzerrt ist – etwa hinter einem Frequenzumrichter oder Dimmer – zeigt ein einfaches Gerät falsche Werte. Ein True-RMS-Gerät misst den tatsächlichen Effektivwert unabhängig von der Kurvenform.

Schematischer Aufbau

230.0 Display V⎓ V~ Ω A⎓ A~ OFF Drehwahlschalter 10A mA COM Buchsen

Messkategorien (CAT)

Auf jedem ordentlichen Multimeter steht eine CAT-Kategorie – CAT II, CAT III oder CAT IV – zusammen mit einer Spannungsangabe. Diese Kategorie sagt, in welchem Teil der elektrischen Anlage das Gerät sicher eingesetzt werden darf. Hintergrund sind kurzzeitige Überspannungen (Transienten), die näher am Netzanschluss höher ausfallen als am einzelnen Verbraucher.

Grob: CAT II für Geräte an der Steckdose, CAT III für die feste Installation und Verteiler, CAT IV für den Bereich vor dem Hauptverteiler und am Hausanschluss.

Ein einfaches Multimeter ohne True-RMS misst die Spannung am Ausgang eines Frequenzumrichters. Was ist zu erwarten?

  • a) Der angezeigte Wert ist falsch, weil das Gerät eine reine Sinusform voraussetzt
  • b) Der angezeigte Wert ist korrekt, weil die Spannung gleich bleibt
  • c) Das Gerät schaltet automatisch in den True-RMS-Modus
  • d) Die Messung ist nur bei Gleichspannung verfälscht

Richtig: a)

Hinter einem Frequenzumrichter ist die Spannung stark verzerrt. Ein einfaches Gerät rechnet aus dem Mittelwert auf den Effektivwert und unterstellt dabei eine saubere Sinusform – bei verzerrter Kurve ergibt das einen falschen Wert. Antwort b verkennt die Verzerrung, c ist technisch nicht möglich, d ist falsch, weil gerade die Wechselgröße betroffen ist.

Wofür steht die Angabe „CAT III 600 V“ auf einem Multimeter?

  • a) Das Gerät kann maximal 600 V Gleichspannung anzeigen
  • b) Das Gerät ist für Messungen in der festen Installation bis 600 V geeignet
  • c) Das Gerät hat drei Messbereiche bis 600 V
  • d) Das Gerät benötigt drei Messleitungen

Richtig: b)

CAT III kennzeichnet den Einsatz in der festen Installation und an Verteilern, die Spannungsangabe nennt die zulässige Bemessungsspannung gegen die dort möglichen Überspannungen. Es geht nicht um die Anzeigegrenze (a), nicht um die Zahl der Bereiche (c) und nicht um die Leitungszahl (d).

2. Spannung messen

Spannung ist die Potentialdifferenz zwischen zwei Punkten. Sie liegt immer über einem Bauteil an – zwischen seinen beiden Anschlüssen. Genau deshalb wird das Voltmeter parallel zum Bauteil angeschlossen: Es greift die beiden Punkte ab, zwischen denen die Spannung herrscht.

parallel = die beiden Messleitungen an die zwei Anschlüsse des Bauteils, ohne den Stromkreis aufzutrennen

Man muss also nichts auftrennen, nichts einschleifen. Die rote Leitung in die VΩ-Buchse, die schwarze in COM, beide an die Messpunkte – fertig.

Warum der Innenwiderstand hoch sein muss

Ein gutes Voltmeter hat einen sehr hohen Innenwiderstand (typisch im Megaohm-Bereich). Der Grund: Das parallel geschaltete Gerät bildet einen zusätzlichen Strompfad neben dem Bauteil. Würde durch dieses Gerät nennenswert Strom fließen, verändert es die Verhältnisse im Stromkreis und verfälscht die Messung. Je höher der Innenwiderstand, desto weniger Strom zweigt das Gerät ab, desto weniger stört es. Entscheidend ist dabei das Verhältnis von Innenwiderstand zu Messstellenwiderstand: Erst wenn der Innenwiderstand sehr viel größer ist als der Widerstand der Messstelle, bleibt der Fehler klein (die genaue mathematische Berechnung dieses Einflusses folgt in Kapitel 5). Idealerweise würde gar kein Strom durch das Voltmeter fließen.

Gleich- oder Wechselspannung

Am Drehschalter wird zwischen Gleichspannung (V⎓ oder DC) und Wechselspannung (V~ oder AC) gewählt. Falscher Modus heißt falscher oder gar kein sinnvoller Wert. Bei Gleichspannung spielt zusätzlich die Polarität eine Rolle: Liegt die rote Leitung am Minuspol, zeigt das Display ein Minuszeichen. Das ist kein Fehler, sondern nur die Information, dass die Leitungen vertauscht sind – bei Digitalgeräten ungefährlich.

Bereichswahl und Vorgehen

Bei Auto-Range genügt die Messgröße. Bei manueller Wahl den nächstgrößeren Bereich über dem Erwartungswert nehmen – für eine 230-V-Steckdose also den 600-V- oder 750-V-Bereich.

Bevor man Leitungen berührt oder anlegt, gilt: An Anlagen, von denen eine Gefahr ausgehen kann, ist vor jedem Eingriff die Spannungsfreiheit festzustellen – oder, wenn unter Spannung gemessen werden muss, ist mit der gebotenen Vorsicht und passender Schutzausrüstung zu arbeiten. Die Spannungsmessung selbst ist häufig sogar das Mittel, um Spannungsfreiheit nachzuweisen; dann muss das Gerät vorher an einer bekannten Spannungsquelle auf Funktion geprüft worden sein.

Anschluss-Schaltbild

U R V parallel zu R

Warum muss der Innenwiderstand eines Voltmeters möglichst hoch sein?

  • a) Damit das Gerät möglichst wenig Strom aus dem Messkreis abzweigt und ihn nicht verfälscht
  • b) Damit das Display heller leuchtet
  • c) Damit höhere Spannungen angezeigt werden können
  • d) Damit die Sicherung nicht auslöst

Richtig: a)

Das parallel geschaltete Voltmeter bildet einen zusätzlichen Strompfad. Nur ein hoher Innenwiderstand sorgt dafür, dass kaum Strom durch das Gerät fließt und der ursprüngliche Stromkreis möglichst unverändert bleibt. Die anderen Antworten haben mit dem Messprinzip nichts zu tun.

Bei einer Gleichspannungsmessung zeigt das Display −12,0 V. Was bedeutet das?

  • a) Die Spannung ist negativ und gefährlich
  • b) Das Gerät ist defekt
  • c) Die Messleitungen sind gegenüber der Polarität vertauscht, der Betrag stimmt
  • d) Der Messbereich ist zu klein gewählt

Richtig: c)

Bei Digitalgeräten zeigt ein Minuszeichen lediglich an, dass rote und schwarze Leitung verkehrt zu den Polen liegen. Der Betrag von 12 V ist korrekt. Das ist kein Defekt (b), keine Bereichsfrage (d) und keine besondere Gefahr (a).

Wie wird das Voltmeter an ein Bauteil angeschlossen?

  • a) In Reihe, indem der Stromkreis aufgetrennt wird
  • b) Über die 10A-Buchse
  • c) Nur über einen Vorwiderstand
  • d) Parallel, indem die Messpunkte an die beiden Anschlüsse gelegt werden

Richtig: d)

Spannung ist die Differenz zwischen zwei Punkten, also legt man das Voltmeter parallel über das Bauteil. In Reihe (a) und über die Strombuchse (b) misst man Strom – bei einem Spannungsmessversuch wäre das ein gefährlicher Fehler. Ein Vorwiderstand (c) ist nicht erforderlich.

3. Strom messen

Strom ist der Fluss der Ladung durch einen Leiter. Um ihn zu messen, muss das Gerät selbst Teil dieses Flusses werden – der gesamte zu messende Strom muss durch das Amperemeter hindurch. Deshalb wird das Amperemeter in Reihe in den Stromkreis eingeschleift: Man trennt den Kreis an einer Stelle auf und setzt das Gerät dazwischen.

in Reihe = Stromkreis auftrennen, Amperemeter in die Lücke setzen, sodass der ganze Strom hindurchfließt

Warum der Innenwiderstand klein sein muss

Anders als beim Voltmeter muss das Amperemeter einen sehr kleinen Innenwiderstand haben. Es liegt ja im Strompfad – jeder Widerstand an dieser Stelle würde den Strom bremsen und damit genau die Größe verändern, die man messen will. Idealerweise wäre das Amperemeter ein widerstandsloser Durchgang.

Daraus folgt unmittelbar der gefährlichste Bedienfehler überhaupt.

Der gefährlichste Fehler

Wer das Multimeter im Strombereich (rote Leitung in mA oder 10A) parallel an eine Spannungsquelle hält – so wie man es bei der Spannungsmessung tut – legt einen nahezu widerstandslosen Pfad direkt über die Quelle. Das ist ein Kurzschluss. Bei der Steckdose fließt ein gewaltiger Strom, im günstigen Fall löst die geräteinterne Sicherung aus, im ungünstigen entsteht ein Lichtbogen mit Verbrennungs- und Explosionsgefahr.

Die Konsequenz für die Praxis:

  • Nach jeder Strommessung die rote Leitung sofort zurück in die VΩ-Buchse stecken.
  • Niemals im Strombereich an eine Spannung gehen.
  • Den 10A-Pfad nur für kurze Zeiten und im angegebenen Rahmen belasten.

Bevor der Stromkreis aufgetrennt wird: Zum Einschleifen muss eine Leitung geöffnet werden. Das darf nur am spannungsfreien Kreis geschehen. Also vorher abschalten, gegen Wiedereinschalten sichern und die Spannungsfreiheit feststellen, dann das Amperemeter einsetzen, danach erst wieder einschalten. Ein unter Spannung aufgetrennter Kreis ist eine direkte Gefahrenquelle.

Anschluss-Schaltbild

U A R in Reihe

Die Schaltzeichen folgen der ÖNORM EN 60617.

Berührungslose Alternative

Ein Techniker hat gerade einen Strom gemessen und will nun die Netzspannung einer Steckdose prüfen, ohne die rote Leitung umzustecken. Was passiert?

  • a) Die Spannung wird korrekt angezeigt
  • b) Ein Kurzschluss über die Quelle, im besten Fall löst die Sicherung aus
  • c) Nichts, der Bereich passt sich automatisch an
  • d) Das Display bleibt dunkel, sonst keine Folge

Richtig: b)

Im Strompfad ist der Innenwiderstand nahezu null. Parallel an die Netzspannung gelegt entsteht ein Kurzschluss mit sehr hohem Strom. Die geräteinterne Sicherung soll auslösen, ein Lichtbogen ist im schlechten Fall möglich. Antworten a, c und d unterschätzen die Gefahr.

Warum muss das Amperemeter in Reihe geschaltet werden?

  • a) Weil der gesamte zu messende Strom durch das Gerät fließen muss
  • b) Damit die Spannung über dem Gerät abfällt
  • c) Weil sonst die Anzeige negativ wird
  • d) Damit der Innenwiderstand steigt

Richtig: a)

Strom fließt durch den Leiter; um ihn vollständig zu erfassen, muss das Gerät im Strompfad liegen, also in Reihe. Eine Spannung soll gerade nicht nennenswert über dem Amperemeter abfallen (b). Die Polarität (c) und ein erhöhter Innenwiderstand (d) sind nicht der Grund.

Welcher Innenwiderstand ist für ein Amperemeter erwünscht?

  • a) Möglichst groß
  • b) Genau gleich dem Lastwiderstand
  • c) Unendlich groß
  • d) Möglichst klein, idealerweise nahe null

Richtig: d)

Da das Amperemeter im Strompfad liegt, würde jeder nennenswerte Widerstand den Strom verringern und die Messung verfälscht. Ein hoher (a, c) Innenwiderstand wäre typisch für ein Voltmeter; die Anpassung an die Last (b) ist hier ohne Bedeutung.

4. Widerstand messen

Beim Widerstandmessen arbeitet das Gerät grundlegend anders. Das Multimeter ist jetzt keine passive Anzeige, sondern eine kleine Quelle: Es schickt einen genau bekannten Prüfstrom durch das Bauteil und misst die Spannung, die sich einstellt. Aus beidem berechnet es nach dem Ohmschen Gesetz den Widerstand und zeigt ihn an.

Aus diesem Messprinzip folgen zwei eiserne Regeln.

Regel 1: Nur am spannungsfreien Bauteil

Das Gerät erwartet, dass die Spannung ausschließlich von seinem eigenen Prüfstrom stammt. Liegt am Bauteil noch eine Fremdspannung an, verfälscht sie den Wert sofort – und eine höhere Fremdspannung kann den empfindlichen Ohm-Eingang zerstören. Widerstand misst man daher grundsätzlich nur am abgeschalteten, spannungsfreien Objekt.

In der Praxis in Österreich ist das Herstellen und Sicherstellen der Spannungsfreiheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen über die 5 Sicherheitsregeln (nach ÖNORM EN 50110-1) geregelt. Sie geben die Reihenfolge vor, in der ein Anlagenteil sicher freigeschaltet wird:

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit feststellen
  4. Erden und kurzschließen (wo gefordert)
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Erst wenn der Anlagenteil nach diesen Regeln zuverlässig spannungsfrei ist, darf eine Widerstandsmessung daran stattfinden.

Regel 2: Parallelpfade beachten

Sitzt das Bauteil noch in einer Schaltung, fließt der Prüfstrom nicht nur durch das Bauteil selbst, sondern auch über parallel liegende Wege. Gemessen wird dann der Gesamtwiderstand aller parallelen Pfade, nicht der des einzelnen Bauteils. Für eine saubere Messung muss das Bauteil mindestens einseitig aus der Schaltung gelöst werden.

Durchgangsprüfung

Viele Geräte haben eine Durchgangsprüfung mit Summer. Unterschreitet der Widerstand einen kleinen Schwellwert, ertönt ein Ton – praktisch, um schnell zu prüfen, ob eine Leitung durchgängig oder ein Schalter geschlossen ist, ohne das Display zu beobachten. Im Grunde ist das eine Widerstandsmessung mit akustischer Schwelle und unterliegt denselben Regeln: nur spannungsfrei.

Ein „OL“ oder „1.“ im Ohm-Bereich bedeutet: kein Durchgang, der Widerstand ist größer als der Messbereich – die Verbindung ist offen oder unterbrochen.

Abgrenzung zur Isolationsmessung

Das gewöhnliche Ohmmeter misst mit kleiner Prüfspannung niedrige bis mittlere Widerstände. Die Prüfung sehr hoher Isolationswiderstände – etwa zwischen Leiter und Schutzleiter – verlangt eine eigene Messung mit hoher Prüfspannung und ist ein gesondertes Verfahren.

Ein Widerstand wird gemessen, während er noch parallel zu zwei weiteren Widerständen in der Schaltung sitzt. Was zeigt das Gerät?

  • a) Den Gesamtwiderstand der Parallelschaltung, also einen kleineren Wert
  • b) Den Wert des gesuchten Widerstands
  • c) Immer „OL“
  • d) Den Mittelwert der drei Widerstände

Richtig: a)

Der Prüfstrom verteilt sich auf alle parallelen Pfade, gemessen wird der Gesamtwiderstand der Parallelschaltung – und der ist kleiner als der kleinste Einzelwiderstand. Deshalb muss das Bauteil ausgelöst werden. Weder der reine Einzelwert (b) noch ein Mittelwert (d) noch zwangsläufig „OL“ (c) treffen zu.

Warum darf der Widerstand nur am spannungsfreien Bauteil gemessen werden?

  • a) Weil sonst die Anzeige zu langsam ist
  • b) Weil das Gerät sonst zu wenig Prüfstrom liefert
  • c) Weil eine Fremdspannung den Wert verfälscht und das Gerät beschädigen kann
  • d) Weil die Durchgangsprüfung sonst keinen Ton gibt

Richtig: c)

Das Ohmmeter wertet die Spannung aus, die sein eigener Prüfstrom erzeugt. Eine zusätzliche Fremdspannung überlagert diese Auswertung und verfälscht oder zerstört den Eingang. Geschwindigkeit (a), Prüfstrommenge (b) und der Summer (d) sind nicht der eigentliche Grund.

Was bedeutet „OL“ im Ohm-Bereich?

  • a) Das Bauteil ist niederohmig
  • b) Die Batterie des Geräts ist leer
  • c) Es liegt Fremdspannung an
  • d) Der Widerstand ist größer als der Messbereich, die Verbindung ist offen oder unterbrochen

Richtig: d)

„OL“ steht für Überlauf (over limit) und tritt im Ohm-Bereich auf, wenn der Widerstand den Messbereich übersteigt – typisch bei offener oder unterbrochener Verbindung. Es kennzeichnet gerade nicht den niederohmigen Fall (a) und ist weder eine Batterie- (b) noch eine Fremdspannungsmeldung (c).

5. Messfehler, Belastungsfehler und Sicherheit

Jedes Messgerät verändert den Stromkreis, sobald es angeschlossen wird. Bei sauber dimensionierten Geräten ist diese Veränderung winzig – aber sie ist nie ganz null. Den dadurch entstehenden Fehler nennt man Belastungsfehler oder Schaltungseinfluss. Er hat bei Spannungs- und Strommessung jeweils eine eigene Ursache.

Belastungsfehler bei der Spannungsmessung

Das Voltmeter liegt parallel zum Bauteil und zweigt über seinen Innenwiderstand R_V einen kleinen Strom ab. Der Innenwiderstand des Voltmeters wirkt parallel zum gemessenen Widerstand R. Dadurch sinkt die tatsächlich anliegende Spannung gegenüber dem unbelasteten Zustand. Der relative Fehler wird umso größer, je näher R_V an R liegt – also besonders an hochohmigen Messstellen.

f_U = -R / (R + R_V)

  • f_U … relativer Belastungsfehler der Spannungsmessung
  • R … Widerstand der Messstelle in Ohm
  • R_V … Innenwiderstand des Voltmeters in Ohm

Das Minuszeichen drückt aus, dass die gemessene Spannung kleiner ist als die wahre. Ist R_V sehr viel größer als R, geht der Fehler gegen null – deshalb der hohe Innenwiderstand.

Belastungsfehler bei der Strommessung

Spiegelbildlich beim Amperemeter: Es liegt mit seinem Innenwiderstand R_A in Reihe und erhöht den Gesamtwiderstand des Kreises. Dadurch fließt ein kleinerer Strom als ohne Gerät. Der relative Fehler wächst, je näher R_A an den Lastwiderstand R kommt – also besonders an niederohmigen Messstellen.

f_I = -R_A / (R + R_A)

  • f_I … relativer Belastungsfehler der Strommessung
  • R … Lastwiderstand des Kreises in Ohm
  • R_A … Innenwiderstand des Amperemeters in Ohm

Auch hier zeigt das Minuszeichen, dass der gemessene Strom kleiner als der wahre ist. Ist R_A sehr viel kleiner als R, verschwindet der Fehler – daher der kleine Innenwiderstand.

Eigensicherheit beim Messen

Neben dem Messfehler steht die eigene Sicherheit. Die wichtigsten Punkte:

  • CAT-Kategorie passend wählen: Das Gerät muss zur Messstelle passen (siehe Kapitel 1). An Verteilern und in der festen Installation gehört ein CAT-III- oder CAT-IV-Gerät, nicht ein einfaches CAT-II-Gerät.
  • Messleitungen prüfen: Vor der Messung Leitungen und Prüfspitzen auf Beschädigung, blanke Stellen und festen Sitz kontrollieren. Beschädigte Leitungen sind eine direkte Gefahrenquelle.
  • Funktionsnachweis: Vor und nach dem Feststellen der Spannungsfreiheit das Gerät an einer bekannten Spannung prüfen, damit man einem „0 V“ auch trauen kann.
  • Reihenfolge beim Anschließen: Erst die schwarze Leitung an den Bezugspunkt, dann die rote an den Messpunkt; beim Trennen umgekehrt.

Typische Bedienfehler im Überblick

Fehler Folge
Strombereich an Spannung gehalten Kurzschluss, Sicherung, Lichtbogen
rote Leitung nach Strommessung in mA/10A gelassen Folgefehler bei nächster Spannungsmessung
Widerstand am noch spannungsführenden Bauteil falscher Wert, Gerät kann beschädigt werden
AC/DC-Modus falsch unsinniger Messwert
CAT-Kategorie zu niedrig für Messstelle Gerät hält Überspannung nicht stand

Gelöstes Beispiel

An einer Messstelle mit einem Widerstand von 100 kΩ wird die Spannung mit einem Voltmeter gemessen, dessen Innenwiderstand 1 MΩ beträgt. Wie groß ist der relative Belastungsfehler?

Gegeben: R = 100 000 Ω; R_V = 1 000 000 Ω

Gesucht: relativer Belastungsfehler f_U in %

Lösungsweg:

  1. Formel ansetzen: f_U = -R / (R + R_V)
  2. Werte einsetzen: f_U = -100 000 / (100 000 + 1 000 000) -> f_U = -100 000 / 1 100 000 -> f_U = -0,0909
  3. in Prozent: f_U = -9,09 %

Ergebnis: Der gemessene Wert ist rund 9,1 % zu niedrig – an dieser hochohmigen Stelle ein erheblicher Fehler.

Übungen

Ein Voltmeter mit R_V = 10 MΩ misst an einer Stelle mit R = 1 kΩ. Wie groß ist der relative Belastungsfehler?

Lösung: f_U = -1000 / (1000 + 10 000 000) = -0,00999 % ≈ -0,01 %. Praktisch vernachlässigbar.

Ein Amperemeter mit R_A = 0,5 Ω wird in einen Kreis mit Lastwiderstand R = 50 Ω eingeschleift. Wie groß ist der relative Belastungsfehler der Strommessung?

Lösung: f_I = -0,5 / (50 + 0,5) = -0,990 % ≈ -0,99 %.

An welcher Messstelle ist der Spannungs-Belastungsfehler größer: R = 2 kΩ oder R = 200 kΩ, jeweils mit R_V = 1 MΩ? Berechne beide.

Lösung: Bei 2 kΩ: -2000 / 1 002 000 = -0,20 %. Bei 200 kΩ: -200 000 / 1 200 000 = -16,67 %. Der Fehler ist an der hochohmigen Stelle deutlich größer.

Ein Amperemeter mit R_A = 2 Ω misst den Strom in einem Kreis mit R = 8 Ω. Wie groß ist der Belastungsfehler, und warum ist er hier nicht vernachlässigbar?

Lösung: f_I = -2 / (8 + 2) = -20 %. R_A liegt in derselben Größenordnung wie R, daher der große Fehler – an niederohmigen Stellen ist die Strommessung besonders kritisch.

Welchen Innenwiderstand R_V müsste ein Voltmeter mindestens haben, damit der Belastungsfehler an einer Messstelle mit R = 500 kΩ betragsmäßig unter 1 % bleibt?

Lösung: Aus |f_U| = R / (R + R_V) < 0,01 folgt R_V > 99 · R = 99 · 500 000 = 49,5 MΩ. Das Voltmeter braucht also mindestens rund 49,5 MΩ Innenwiderstand.

An welcher Messstelle ist der Belastungsfehler eines Voltmeters am größten?

  • a) An einer sehr niederohmigen Stelle
  • b) An einer hochohmigen Stelle, deren Widerstand sich dem Innenwiderstand nehert
  • c) Er ist überall gleich groß
  • d) Nur bei Wechselspannung

Richtig: b)

Der Fehler f_U = -R/(R+R_V) wächst, je näher R an R_V kommt – also an hochohmigen Stellen. An niederohmigen Stellen (a) ist R sehr viel kleiner als R_V und der Fehler winzig. Er ist nicht konstant (c) und nicht auf Wechselspannung beschränkt (d).

Ein Amperemeter mit 1 Ω Innenwiderstand misst in einem Kreis mit 1 Ω Lastwiderstand. Welcher Belastungsfehler entsteht etwa?

  • a) Etwa −0,1 %
  • b) Etwa −50 %
  • c) Etwa −1 %
  • d) Kein Fehler

Richtig: b)

f_I = -1 / (1 + 1) = -0,5, also −50 %. Wenn Innenwiderstand und Lastwiderstand gleich groß sind, halbiert sich praktisch der Strom – ein extremer Fall, der zeigt, warum R_A klein sein muss. Die kleinen Werte (a, c) und „kein Fehler“ (d) entstehen nur, wenn R_A sehr viel kleiner als R ist.

Warum prüft man das Messgerät vor dem Feststellen der Spannungsfreiheit an einer bekannten Spannung?

  • a) Um den Akku zu schonen
  • b) Um sicherzugehen, dass das Gerät funktioniert und einem angezeigten „0 V“ vertraut werden kann
  • c) Um den Messbereich zu kalibrieren
  • d) Weil die Norm eine Mindestmesszeit vorschreibt

Richtig: b)

Ein defektes Gerät könnte „0 V“ anzeigen, obwohl Spannung anliegt – lebensgefährlich. Der Funktionsnachweis an bekannter Spannung stellt sicher, dass die Nullanzeige echt ist. Es geht nicht um Akkuschonung (a), keine Kalibrierung im engeren Sinn (c) und keine Mindestmesszeit (d).

Welche CAT-Kategorie ist für Messungen an einem Verteiler in der festen Installation mindestens angemessen?

  • a) CAT I
  • b) CAT II
  • c) CAT III
  • d) gar keine, die Kategorie ist beliebig

Richtig: c)

CAT III deckt die feste Installation und Verteiler ab, weil dort höhere transiente Überspannungen auftreten als an der Steckdose (CAT II) oder an entkoppelten Kleingeräten (CAT I). Die Kategorie ist sicherheitsrelevant und keineswegs beliebig (d).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Voltmeter mit einem Innenwiderstand von 2 MΩ misst die Spannung an einer Messstelle mit 50 kΩ. Bestimme den relativen Belastungsfehler.

Gegeben: R = 50 000 Ω; R_V = 2 000 000 Ω

Gesucht: f_U in %

Lösungsweg:

f_U = -R / (R + R_V) = -50 000 / 2 050 000 = -0,0244

Ergebnis: f_U ≈ -2,44 %

Aufgabe 2: An derselben Messstelle (R = 50 kΩ) wird das Voltmeter durch ein hochwertigeres mit R_V = 10 MΩ ersetzt. Wie groß ist nun der Fehler, und um welchen Faktor hat er sich verringert?

Gegeben: R = 50 000 Ω; R_V = 10 000 000 Ω

Gesucht: f_U in %, Faktor der Verbesserung

Lösungsweg:

f_U = -50 000 / 10 050 000 = -0,00498 ≈ -0,50 %; Verbesserung um Faktor 2,44 / 0,50 ≈ 4,9

Ergebnis: f_U ≈ -0,50 %, der Fehler ist rund fünfmal kleiner.

Aufgabe 3: Ein Amperemeter mit R_A = 0,2 Ω misst den Strom in einem Kreis mit Lastwiderstand R = 4 Ω. Bestimme den relativen Belastungsfehler.

Gegeben: R = 4 Ω; R_A = 0,2 Ω

Gesucht: f_I in %

Lösungsweg:

f_I = -R_A / (R + R_A) = -0,2 / 4,2 = -0,0476

Ergebnis: f_I ≈ -4,76 %

Aufgabe 4: Welchen Innenwiderstand darf ein Amperemeter höchstens haben, damit der Belastungsfehler in einem Kreis mit R = 100 Ω betragsmäßig unter 0,5 % bleibt?

Gegeben: R = 100 Ω; |f_I| < 0,005

Gesucht: maximaler R_A

Lösungsweg:

aus |f_I| = R_A / (R + R_A) < 0,005 folgt R_A < 0,005/0,995 · R ≈ 0,005025 · 100

Ergebnis: R_A < 0,50 Ω

Ein Multimeter zeigt im Gleichspannungsbereich −24 V an einer Batterie. Welche Aussage ist richtig?

  • a) Der Betrag von 24 V stimmt, nur die Leitungen liegen vertauscht
  • b) Die Batterie ist defekt
  • c) Der Messbereich ist überschritten
  • d) Es handelt sich um Wechselspannung

Richtig: a)

Das Minuszeichen bei Digitalgeräten zeigt vertauschte Polarität der Leitungen, der Betrag ist korrekt. Kein Defekt (b), keine Bereichsüberschreitung (c, dafür gäbe es „OL“), und Wechselspannung (d) hätte im DC-Modus keinen stabilen negativen Wert ergeben.

Warum darf das Amperemeter niemals parallel an eine Spannungsquelle gelegt werden?

  • a) Weil sein kleiner Innenwiderstand einen Kurzschluss über die Quelle bildet
  • b) Weil es zu wenig anzeigt
  • c) Weil die Polarität nicht stimmt
  • d) Weil der Messbereich automatisch wechselt

Richtig: a)

Der nahezu widerstandslose Strompfad parallel an einer Spannung ist ein Kurzschluss mit sehr hohem Strom. Das ist der gefährlichste Bedienfehler. Eine zu niedrige Anzeige (b), Polarität (c) oder Bereichswechsel (d) sind nicht das Problem.

Ein Widerstand wird gemessen, ohne ihn aus der Schaltung zu lösen. Parallel liegen weitere Bauteile. Welcher Wert erscheint?

  • a) Der korrekte Einzelwert
  • b) Ein zu hoher Wert
  • c) Ein zu niedriger Wert, der Gesamtwiderstand der Parallelschaltung
  • d) „OL“

Richtig: c)

Bei einer Parallelschaltung ist der Gesamtwiderstand kleiner als der kleinste Einzelwiderstand, weil sich der Prüfstrom aufteilt. Daher erscheint ein zu niedriger Wert. Der korrekte Einzelwert (a) ergibt sich nur nach dem Auslösen, ein zu hoher Wert (b) oder „OL“ (d) entstehen hier nicht.

Welche der folgenden Reihenfolgen entspricht den 5 Sicherheitsregeln zum Herstellen der Spannungsfreiheit?

  • a) Spannungsfreiheit feststellen, freischalten, sichern, erden, abdecken
  • b) Sichern, freischalten, erden, feststellen, abdecken
  • c) Erden, freischalten, sichern, feststellen, abdecken
  • d) Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte Teile abdecken

Richtig: d)

Die korrekte Reihenfolge beginnt mit dem Freischalten und endet mit dem Abdecken benachbarter spannungsführender Teile. Die Spannungsfreiheit wird erst nach dem Sichern festgestellt – die vertauschten Varianten (a, b, c) verletzen diese sicherheitskritische Abfolge.

Ein Voltmeter belastet eine hochohmige Messstelle. Wodurch lässt sich der Belastungsfehler verringern?

  • a) Durch einen kleineren Innenwiderstand des Voltmeters
  • b) Durch eine längere Messzeit
  • c) Durch einen größeren Innenwiderstand des Voltmeters
  • d) Durch Umschalten auf den Strombereich

Richtig: c)

Je größer R_V gegenüber R, desto kleiner der Fehler f_U = -R/(R+R_V). Ein kleinerer Innenwiderstand (a) würde den Fehler vergrößern. Messzeit (b) ändert nichts am Schaltungseinfluss, und der Strombereich (d) misst eine andere Größe.

Welcher Innenwiderstand gehört zu welchem Messgerät?

  • a) Voltmeter klein, Amperemeter groß
  • b) Beide groß
  • c) Beide klein
  • d) Voltmeter groß, Amperemeter klein

Richtig: d)

Das parallel geschaltete Voltmeter braucht einen hohen Innenwiderstand, um wenig Strom abzuzweigen; das in Reihe liegende Amperemeter einen kleinen, um den Strom nicht zu bremsen. Die übrigen Kombinationen widersprechen dem jeweiligen Messprinzip.

Was bedeutet die Anzeige „OL“ bei einer Durchgangsprüfung?

  • a) Die Verbindung ist niederohmig und in Ordnung
  • b) Das Gerät misst gerade die Spannung
  • c) Die Sicherung ist defekt
  • d) Es besteht kein Durchgang, der Widerstand übersteigt den Messbereich

Richtig: d)

„OL“ steht für Überlauf; bei der Durchgangsprüfung heißt das, dass keine niederohmige Verbindung besteht – die Leitung ist offen oder unterbrochen. Eine intakte Verbindung (a) würde einen niedrigen Wert und meist einen Ton ergeben.

Ein einfaches Multimeter ohne True-RMS misst eine stark verzerrte Wechselspannung. Wie ist das Ergebnis einzuschätzen?

  • a) Fehlerhaft, weil das Gerät eine sinusförmige Kurve annimmt
  • b) Genau, weil der Effektivwert direkt gemessen wird
  • c) Immer zu hoch um genau 10 %
  • d) Nur die Frequenzanzeige ist betroffen

Richtig: a)

Ein einfaches Gerät schließt aus dem Mittelwert auf den Effektivwert und unterstellt eine Sinusform. Bei Verzerrung stimmt diese Annahme nicht, das Ergebnis ist fehlerhaft. Der direkte Effektivwert (b) ist gerade das Merkmal von True-RMS, eine feste Abweichung (c) gibt es nicht, und betroffen ist der Spannungswert, nicht nur die Frequenz (d).

Warum muss vor dem Einschleifen eines Amperemeters der Stromkreis spannungsfrei sein?

  • a) Damit das Display schneller reagiert
  • b) Weil sonst der Innenwiderstand steigt
  • c) Weil zum Einschleifen eine Leitung aufgetrennt werden muss, was unter Spannung gefährlich ist
  • d) Weil der Strombereich sonst nicht funktioniert

Richtig: c)

Das Einschleifen verlangt das Öffnen des Kreises; an einem spannungsführenden Kreis ist das eine direkte Gefahr durch Lichtbogen und Berührung. Reaktionszeit (a), Innenwiderstand (b) und Funktion des Strombereichs (d) sind nicht der Grund.

An einer Messstelle mit R = 1 MΩ wird mit einem Voltmeter von R_V = 1 MΩ gemessen. Wie groß ist der Belastungsfehler grob?

  • a) Etwa −0,1 %
  • b) Etwa −1 %
  • c) Etwa −50 %
  • d) Kein Fehler

Richtig: c)

f_U = -R/(R+R_V) = -1/(1+1) = -0,5, also −50 %. Sind Messstellen- und Innenwiderstand gleich groß, bricht die gemessene Spannung auf die Hälfte ein – ein extremer, aber lehrreicher Fall. Die kleinen Werte (a, b) gelten nur, wenn R_V sehr viel größer als R ist.

Welche Maßnahme gehört NICHT zur Eigensicherheit beim Messen?

  • a) Messleitungen vor Gebrauch auf Beschädigung prüfen
  • b) Das Gerät möglichst lange im Strombereich an der Spannung lassen
  • c) Die CAT-Kategorie passend zur Messstelle wählen
  • d) Vor und nach dem Feststellen der Spannungsfreiheit an bekannter Spannung prüfen

Richtig: b)

Das Gerät im Strombereich an einer Spannung zu lassen ist gerade der gefährlichste Fehler und keine Sicherheitsmaßnahme. Leitungsprüfung (a), passende CAT-Kategorie (c) und Funktionsnachweis (d) gehören dagegen zur Eigensicherheit.

Glossar

Multimeter
Vielfachmessgerät, das Voltmeter, Amperemeter und Ohmmeter in einem Gehäuse vereint; die Messgröße wird am Drehschalter gewählt.
True-RMS
Messverfahren, das den echten Effektivwert einer Wechselgröße unabhängig von der Kurvenform bestimmt, auch bei verzerrten Signalen.
CAT-Kategorie
Sicherheitskennzeichnung (CAT II bis IV) eines Messgeräts, die angibt, in welchem Teil der elektrischen Anlage es den dort möglichen Überspannungen standhält.
Innenwiderstand
der Widerstand, den ein Messgerät selbst in den Stromkreis einbringt; beim Voltmeter hoch, beim Amperemeter klein.
Belastungsfehler
Messfehler, der dadurch entsteht, dass das angeschlossene Messgerät den Stromkreis verändert; hängt vom Verhältnis von Innenwiderstand zu Messstellenwiderstand ab.
Durchgangsprüfung
Sonderfall der Widerstandsmessung, bei der ein Summer ertönt, wenn der Widerstand einen kleinen Schwellwert unterschreitet.
5 Sicherheitsregeln
festgelegte Abfolge zum Herstellen der Spannungsfreiheit an elektrischen Anlagen: Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.

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