Leitungsverlegung – Mechatronik Lernportal

Leitungsverlegung

Eine korrekt verlegte Leitung ist die Grundlage für einen sicheren, langlebigen und normgerechten elektrischen Betrieb. In diesem Kurs lernst du, wie Verlegearten und Häufungsgruppen die zulässige Strombelastbarkeit beeinflussen, welche mechanischen Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind, wie Mindestbiegeradien einzuhalten sind und wie Leitungen sowie Kabeltrassen korrekt gekennzeichnet werden – alles nach den österreichischen Normen ÖVE/ÖNORM und ESV 2012.

Kapitel 01

Was sind Verlegearten und wie werden sie eingeteilt?

Die Verlegerart beschreibt, wo und wie eine elektrische Leitung in einer Anlage verlegt wird. Sie ist der wichtigste Ausgangspunkt für die Bestimmung der zulässigen Strombelastbarkeit – denn je schlechter die Wärme von einer Leitung abgegeben werden kann, desto geringer darf der Strom sein, der durch sie fließt.

Die ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52 definiert Verlegearten in Referenzbedingungen, denen ein Buchstabe (A, B, C, D, E, F, G) zugeordnet ist. Diese Buchstaben findest du in den Belastbarkeitstabellen der Norm direkt als Spaltenüberschrift wieder.

Analogie – Schlafend unter einer Decke: Stell dir vor, du liegst unter einer dicken Decke (Wärmeisolierung). Du wirst sehr warm, weil die Wärme nicht entweichen kann. Genauso ergeht es einer Leitung im isolierten Rohr oder eingebettet in Wärmedämmung – sie kann ihre Verlustwärme nicht loswerden und erhitzt sich stärker.
Verlegearten nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52 – Prinzipskizzen
A1 Einzelader im Rohr in gedämmter Wand A2 Kabel im Rohr in gedämmter Wand B1/B2 Rohr auf/in Wand ohne Wärmedämmung C Kabel direkt auf Wand aufgelegt, befestigt D1 / D2 Erdoberfläche D1: im Rohr D2: direkt ≥ 0,6 m Kabel im Erdreich E / F E: Kabel F: Einzelleiter Luft allseitig Frei in Luft (Kabelpritsche/Rinne) beste Wärmeabgabe G Frei in Luft, Abstand zur Wand (allseitig) Wärmeabgabe & zulässige Strombelastbarkeit: A1, A2 – am schlechtesten B1, B2, C, D – mittel bis gut E, F, G – am besten Bezugsnorm: ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52, Tabellen B.52.1–B.52.20
Verl.art Beschreibung Typisches Beispiel Wärmeabgabe
A1 Einzelader im Rohr, in gedämmter Wand Unterputz-Rohr im Mauerwerk mit Dämmung Sehr schlecht
A2 Mehradriges Kabel im Rohr, in gedämmter Wand NYM im UP-Rohr in Dämmung Schlecht
B1 Einzelader im Rohr, auf oder in Wand Rohr aufgeputzt oder im Mauerwerk ohne Dämmung Mittel
B2 Mehradriges Kabel im Rohr, auf/in Wand NYM im AP-Rohr Mittel
C Kabel direkt auf Wand/Decke aufgelegt NYM-J direkt an Decke befestigt Gut
D1 Kabel im Erdreich (in Rohr) NYY in Leerrohr, 0,7 m tief Gut (feuchte Erde)
D2 Kabel direkt im Erdreich NYY-J direkt eingegraben Gut (direkter Kontakt)
E Mehradriges Kabel frei in Luft Kabel auf Kabelrinne, allseitig Luftzufuhr Sehr gut
F Einadriges Kabel frei in Luft Einzelleiter auf Abstandshaltern Sehr gut
G Kabel frei in Luft mit Abstand Freihängend, allseitig Abstand zur Wand Ausgezeichnet
Merksatz: Je besser die Luft um eine Leitung zirkulieren kann (Verlegerart E, F, G), desto mehr Strom darf fließen. Je stärker die Leitung „eingeschnürt“ ist (A1, A2), desto kleiner muss der Betriebsstrom bleiben.
? Verständnisfrage: Welche Verlegerart erlaubt die höchste Strombelastbarkeit bei gleicher Leitung?
A1 – Rohr in gedämmter Wand
B2 – Kabel im Rohr auf Wand
C – Kabel direkt auf Wand
E / F – frei in der Luft

Kapitel 02

Was sind Häufungsgruppen und wie berechnet man Korrekturfaktoren?

Liegen mehrere belastete Leitungen eng beieinander – zum Beispiel in einer Kabelrinne oder in einem Leerrohrbündel – wärmen sie sich gegenseitig auf. Das nennt man Häufung (auch: thermische Beeinflussung). Je mehr Leitungen gebündelt sind, desto weniger Strom darf jede einzelne führen.

Der Häufungsfaktor fh (auch Korrekturfaktor) ist ein Wert ≤ 1,0, mit dem der Tabellen-Nennstrom multipliziert wird, um den tatsächlich zulässigen Betriebsstrom zu erhalten. Je mehr Leitungen, desto kleiner wird fh – und desto stärker wird der zulässige Strom reduziert.

Analogie – Gruppe im Schlafsack: Stell dir vor, mehrere Personen schlafen dicht nebeneinander in Schlafsäcken. Gemeinsam erzeugen sie so viel Körperwärme, dass jeder Einzelne heißer wird, als er es alleine wäre. Eine Leitung in einer Häufungsgruppe ist exakt gleich: Die Nachbarleitungen heizen sie mit auf.
Zulässiger Betriebsstrom mit Häufung
Iz,korr = Iz,tab · fh · fT
Iz,korr
Korrigierter zulässiger Dauerstrom [A]
Iz,tab
Tabellenwert des zulässigen Dauerstroms aus ÖVE/ÖNORM [A]
fh
Häufungsfaktor (aus Tabelle, ≤ 1,0)
fT
Temperaturfaktor (aus Tabelle, ≤ 1,0 bei erhöhter Umgebungstemperatur)
Häufungsfaktor fh in Abhängigkeit von der Leitungsanzahl (einlagig, Verlegerart E/F)
0,0 0,50 0,60 0,70 0,80 1,00 Häufungsfaktor f_h Anzahl belasteter Leitungen / Kabel 1,00 0,80 0,70 0,65 0,60 0,57 0,54 0,50 0,45 1 2 3 4 5 6 7 9 12 gut (f_h ≥ 0,7) beachten (0,5–0,7) stark reduziert (f_h < 0,5) Quelle: EN 60364-5-52
Wichtig – Welche Leitungen zählen?
Zur Häufungsgruppe zählen nur belastete Leitungen. Schutzleiter (PE) und unbelastete Reserveleitungen werden nicht mitgezählt. Eine Leitung, die mit weniger als 30 % ihrer Nennbelastbarkeit betrieben wird, kann ebenfalls vernachlässigt werden.
Anzahl belasteter Leitungen Häufungsfaktor fh (einlagig, Verlegerart E/F) Häufungsfaktor fh (mehrlagig)
11,001,00
20,800,80
30,700,75
40,650,65
50,600,60
60,570,57
7–90,54 – 0,500,52 – 0,48
10–120,50 – 0,450,48 – 0,45
> 120,410,41
ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52: Diese Norm regelt die Auswahl und Verlegung elektrischer Betriebsmittel – Leitungsanlagen. Sie enthält die Tabellen für Verlegerarten, Belastbarkeiten und Korrekturfaktoren.
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Beispiele & Rechenaufgaben 2 Beispiele · 5 Aufgaben
Beispiel 1

Ein NYM-J 3×2,5 mm² Kabel wird in Verlegerart B2 (Rohr auf Wand) verlegt. Der Tabellenwert beträgt Iz,tab = 20 A. Das Kabel liegt alleine im Rohr (keine Häufung). Die Umgebungstemperatur beträgt 30 °C (fT = 1,0). Welchen Betriebsstrom darf das Kabel maximal führen?

Lösung

Schritt 1: Formel anschreiben → Iz,korr = Iz,tab · fh · fT

Schritt 2: Werte einsetzen → Iz,korr = 20 A · 1,00 · 1,0

Schritt 3: Berechnen → Iz,korr = 20,0 A

Ergebnis: Iz,korr = 20 A (keine Reduktion, da allein verlegt)
Beispiel 2

Fünf gleichartige NYM-Kabel werden einlagig auf einer Kabelrinne (Verlegerart E) gebündelt verlegt. Der Tabellenwert des Dauerstroms beträgt Iz,tab = 27 A je Kabel. Die Umgebungstemperatur beträgt 30 °C (fT = 1,0). Wie groß ist der zulässige Betriebsstrom je Kabel bei dieser Häufung?

Lösung

Schritt 1: Häufungsfaktor für 5 Leitungen, einlagig → fh = 0,60

Schritt 2: Formel → Iz,korr = 27 A · 0,60 · 1,0

Schritt 3: Berechnen → Iz,korr = 16,2 A

Ergebnis: Je Kabel dürfen nur noch 16,2 A fließen (statt 27 A)
Aufgabe 1

Drei NYM-J 5×1,5 mm² Kabel liegen einlagig auf einer Kabelrinne (Verlegerart E). Der Tabellenwert beträgt Iz,tab = 17,5 A. Umgebungstemperatur 30 °C (fT = 1,0). Berechne den zulässigen Betriebsstrom je Kabel.

Hinweis: Häufungsfaktor fh für 3 Leitungen einlagig aus der Tabelle ablesen.

Lösung

Schritt 1: fh für 3 Leitungen, einlagig = 0,70

Schritt 2: Iz,korr = 17,5 A · 0,70 · 1,0

Schritt 3: Iz,korr = 12,25 A ≈ 12,3 A

Ergebnis: 12,3 A je Kabel
Aufgabe 2

Sieben Kabel liegen einlagig auf einer Kabelrinne (Verlegerart E). Iz,tab = 32 A, fT = 1,0. Berechne den korrigierten Betriebsstrom.

Hinweis: fh für 7 Leitungen einlagig = 0,54

Lösung

Schritt 1: fh = 0,54 (7 Leitungen, einlagig)

Schritt 2: Iz,korr = 32 A · 0,54 · 1,0

Schritt 3: Iz,korr = 17,28 A ≈ 17,3 A

Ergebnis: 17,3 A je Kabel
Aufgabe 3

Vier Kabel liegen zweilagig übereinander in einer Kabelrinne (Verlegerart E, mehrlagig). Iz,tab = 40 A, fT = 1,0. Welcher Betriebsstrom ist zulässig?

Hinweis: fh für 4 Leitungen mehrlagig = 0,65

Lösung

Schritt 1: fh = 0,65 (4 Leitungen, mehrlagig)

Schritt 2: Iz,korr = 40 A · 0,65 · 1,0

Schritt 3: Iz,korr = 26,0 A

Ergebnis: 26,0 A je Kabel
Aufgabe 4

Zwölf Kabel liegen einlagig auf einer Kabelrinne. Iz,tab = 25 A, Umgebungstemperatur 45 °C → fT = 0,79 (PVC), fh = 0,45. Berechne den korrigierten Betriebsstrom. Darf ein Verbraucher mit 10 A angeschlossen werden?

Hinweis: Beide Faktoren multiplizieren! fT bei 45 °C aus der Temperaturtabelle ablesen.

Lösung

Schritt 1: Werte aus Tabelle → fh = 0,45 (12 Leitungen einlagig); fT = 0,79 (45 °C, PVC-Isolation)

Schritt 2: Iz,korr = 25 A · 0,45 · 0,79

Schritt 3: Iz,korr = 25 · 0,3555 = 8,89 A ≈ 8,9 A

Schritt 4: 10 A > 8,9 A → Nein, der Verbraucher darf NICHT angeschlossen werden!

Ergebnis: 8,9 A – Betrieb mit 10 A ist nicht zulässig! (Hinweis: fT bei 45 °C = 0,79, nicht 0,87 – dieser Wert gilt für 40 °C)
Aufgabe 5

Auf einer Kabelrinne liegen insgesamt 9 Kabel, davon sind 3 unbelastet (Reserveleitungen). Iz,tab = 34 A, fT = 1,0. Berechne den zulässigen Betriebsstrom für die belasteten Kabel.

Hinweis: Unbelastete Reserveleitungen zählen nicht zur Häufungsgruppe!

Lösung

Schritt 1: Belastete Leitungen = 9 − 3 = 6 Leitungen

Schritt 2: fh für 6 Leitungen einlagig = 0,57

Schritt 3: Iz,korr = 34 A · 0,57 · 1,0 = 19,38 A ≈ 19,4 A

Ergebnis: 19,4 A je Kabel (nur 6 belastete Leitungen zählen!)
? Verständnisfrage: Welche Leitungen werden bei der Häufungsgruppe NICHT mitgezählt?
Leitungen mit Volllast
Dauerhaft belastete Steuerleitungen
Schutzleiter und unbelastete Reserveleitungen
Alle Außenleiter eines belasteten Kabels

Kapitel 03

Welche Einflussfaktoren bestimmen die Strombelastbarkeit einer Leitung?

Die Strombelastbarkeit (auch: Stromtragfähigkeit) einer Leitung gibt an, welchen Dauerstrom sie führen darf, ohne sich unzulässig zu erwärmen. Der Grenzwert liegt dabei an der zulässigen Dauertemperatur des Leiterisolierungsmaterials – bei PVC typischerweise 70 °C, bei XLPE oder EPR bis zu 90 °C.

Folgende Faktoren beeinflussen die Strombelastbarkeit maßgeblich:

Verlegerart Umgebungstemperatur Häufung (Anzahl Leitungen) Leiterquerschnitt Leitermaterial (Cu/Al) Isolierungstyp

Umgebungstemperatur – Temperaturfaktor fT

Die Tabellenwerte in der ÖVE/ÖNORM gelten für eine Bezugstemperatur von 30 °C. Ist die tatsächliche Umgebungstemperatur höher, muss der Strom mit einem Temperaturfaktor fT reduziert werden. Bei Temperaturen unter 30 °C darf der Strom erhöht werden (fT > 1,0).

Umgebungstemperatur [°C] fT für PVC-Isolation (70 °C) fT für XLPE/EPR-Isolation (90 °C)
101,221,15
151,171,12
201,121,08
251,061,04
30 (Bezug)1,001,00
350,940,96
400,870,91
450,790,87
500,710,82
550,610,76
600,500,71
Praxishinweis: In Schaltschränken oder Kabelkanälen, die in der Nähe von Wärmequellen liegen (z. B. Transformatoren, Motoren, Solaranlagen auf Dächern), kann die Umgebungstemperatur leicht 40–50 °C erreichen. Hier muss der Leitungsquerschnitt entsprechend größer gewählt werden!

Leiterquerschnitt und Leitermaterial

Ein größerer Leiterquerschnitt hat einen niedrigeren ohmschen Widerstand (R = ρ · l / A), erzeugt daher bei gleichem Strom weniger Verlustwärme und kann mehr Strom führen. Kupfer (Cu) hat eine deutlich bessere Leitfähigkeit als Aluminium (Al) – bei gleichem Querschnitt kann ein Cu-Leiter mehr Strom führen als ein Al-Leiter.

Widerstand eines Leiters
R = ρ · l / A
R
Widerstand [Ω]
ρ
Spezifischer Widerstand [Ω·mm²/m] (Cu: 0,0178; Al: 0,029)
l
Leiterlänge [m]
A
Leiterquerschnitt [mm²]
⚡ Rechner: Zulässiger Betriebsstrom
25 A
1,00
1,00
Zulässiger Betriebsstrom: 25,0 A
Geringe Reduktion – normaler Betrieb.
? Verständnisfrage: Auf welche Bezugstemperatur beziehen sich die Nennstromtabellen in der ÖVE/ÖNORM?
20 °C
30 °C
40 °C
25 °C

Kapitel 04

Wie werden Leitungen gegen mechanische Beschädigung geschützt?

Leitungen können durch viele äußere Einflüsse mechanisch beschädigt werden: Quetschen, Biegen, Aufprall, Reibung, Nagetierfraß oder Beschädigungen bei Bauarbeiten. Eine beschädigte Isolierung ist eine häufige Ursache für Kurzschlüsse, Erdschlüsse und Brände. Der mechanische Schutz ist daher im ASchG (Arbeitnehmerinnenschutzgesetz) und der MSV (Maschinen-Sicherheitsverordnung) geregelt.

Schutzrohre und Leerrohre
Metallrohre (z. B. Stahlpanzerrohr, Gewinderohr) oder Kunststoffrohre schützen Leitungen vor mechanischer Einwirkung. Im Industriebereich sind Metallrohre bei Gefährdung durch Stöße, Reibung oder Fahrzeuge vorgeschrieben. Kunststoffrohre werden häufig bei Unterputzinstallation eingesetzt.
Kabelschutzschläuche und Wellrohre
Für flexible Verbindungen (z. B. zur Maschine, zur beweglichen Schaltanlage) werden Schutzschläuche aus PA, PE oder Stahl eingesetzt. Sie erlauben Bewegung und schützen gleichzeitig. Wichtig: Auch der Schutzschlauch selbst muss fixiert werden, um Materialermüdung zu verhindern.
Kabelrinnen und Kabelpritschen
Kabelrinnen (mit Wänden) und Kabelpritschen (offene Gitterstruktur) sind tragende Systeme, auf denen Kabel gebündelt geführt werden. Sie schützen vor mechanischer Einwirkung von oben und ermöglichen eine geordnete Trassenführung. Pritschen ermöglichen bessere Belüftung und damit höhere Strombelastbarkeit.
Erdverlegung – Bettung und Abdeckung
Bei Erdverlegung (Verlegerart D) muss das Kabel in einer Sandschicht gebettet und mit Kabelschutzplatten (gelbe Kunststoffplatten) abgedeckt werden. Zusätzlich wird ein Warnband ca. 20–30 cm über dem Kabel verlegt. Die Mindestverlegetiefe beträgt nach ESV 2012 0,6 m in Fußgängerbereichen und 1,0 m unter Fahrbahnen.
Durchführungen und Wanddurchbrüche
An jeder Durchführung durch Wände, Böden oder Decken müssen Leitungen durch Tüllen, Brandschutzdurchführungen oder Schutzrohre geführt werden. Brandschutzdurchführungen sind verpflichtend, wenn Brandabschnittsgrenzen überschritten werden. Scharfe Kanten können die Isolierung aufscheuern – daher niemals ungeschützt durch Metallkanten führen!
ASchG §35 / MSV §7: Elektrische Leitungen müssen so verlegt und geschützt sein, dass sie durch den Betrieb der Maschine oder Anlage nicht beschädigt werden können. Leitungen müssen gegen unbeabsichtigtes Lösen, Herausreißen und mechanische Einwirkung gesichert sein.
Häufiger Fehler: Leitungen lose in Schaltschränken verlegen oder durch scharfe Blechkanten ohne Tülle führen. Beides führt langfristig zur Isolierungsschäden und damit zu Kurzschlüssen oder Erdschlüssen – ein klassischer Auslöser für FI-Auslösungen und Brände!
? Verständnisfrage: Was muss bei der Verlegung eines Kabels im Erdreich (Verlegerart D) nach ESV 2012 zwingend verwendet werden?
Brandschutzdurchführung
Kabelpritsche
Sandbettung, Kabelschutzplatte und Warnband
Nur Wellrohre

Kapitel 05

Was ist der Mindestbiegeradius und warum ist er wichtig?

Wird ein Kabel zu stark gebogen, können die Leiter knicken, die Isolierung reißen oder die Adern im Inneren beschädigt werden. Der Mindestbiegeradius ist der kleinste Radius, mit dem ein Kabel noch gebogen werden darf, ohne Schaden zu nehmen. Er wird immer als Vielfaches des Kabeldurchmessers d angegeben.

Mindestbiegeradius
rmin = k · d
rmin
Mindestbiegeradius [mm]
k
Faktor (abhängig vom Kabeltyp, typisch 4 bis 12)
d
Außendurchmesser des Kabels [mm]
Kabeltyp / Anwendung Faktor k (Biegeradius) Typisches Beispiel
Flexible Leitungen (H05VV-F, H07RN-F) 4 · d Verlängerungskabel, Handgeräte
Starre Installationskabel (NYM, NYMJ) 6 · d Hausinstallation, Unterputz
Steuerkabel (YSLY, YSLCY) 6 · d Schaltschrankverdrahtung
Energiekabel, bewehrt (NYY, NYFGbY) 12 · d Erdverlegung, Hauptverteiler
Schleppkettenkabel (Dauerbewegung) ≥ 10 · d (Herstellerangabe beachten!) Werkzeugmaschinen, Portalkräne
Lichtwellenleiter (LWL) ≥ 30 · d Feldbuskabel, Glasfaser
Mindestbiegeradius – Korrekte Verlegung vs. unzulässig enger Biegeradius
✓ Korrekt Biegeradius r ≥ r_min r Isolierung intakt · keine Schäden Leiter nicht geknickt ✗ Zu eng gebogen Biegeradius r < r_min ! Isolierung gerissen / Leiter geknickt r < r_min Isolierungsriss · Kurzschlussrisiko Leiter-Dauerbruch möglich (Schleppketten!) r_min = k · d
Praxishinweis – Schleppketten: Bei Kabeln in Schleppketten (Energieführungsketten) wird der Biegeradius bei jeder Bewegung der Maschine belastet. Hier gelten besonders enge Herstellervorschriften. Ein zu kleiner Radius führt hier nicht sofort, aber nach tausenden Zyklen zur Leitermüdigkeit und zum Kabelbruch. Immer den dynamischen Biegeradius (bei Bewegung) verwenden!
Merksatz: Je steifer und dicker ein Kabel, desto größer muss der Biegeradius sein. Flexible Leitungen dürfen enger gebogen werden als starre Erdkabel. Im Zweifel: Herstellerdatenblatt des Kabels konsultieren!
? Verständnisfrage: Ein Steuerkabel hat einen Außendurchmesser von 12 mm. Welcher Mindestbiegeradius gilt?
24 mm (k = 2)
48 mm (k = 4)
72 mm (k = 6)
144 mm (k = 12)

Kapitel 06

Wie werden Leitungen und Kabeltrassen korrekt gekennzeichnet?

Eine korrekte Kennzeichnung ist die Voraussetzung für sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen. Sie ermöglicht das schnelle Auffinden von Leitungen, verhindert Verwechslungen und ist Grundlage für Wartung, Fehlersuche und Erweiterungen der Anlage. Die Kennzeichnung ist in der ÖVE/ÖNORM EN 50110-1 (Arbeiten an elektrischen Anlagen) verankert.

Aderfarben nach ÖVE/ÖNORM

Aderfarben sind genormt und dürfen nicht beliebig verwendet werden. Dies ist sicherheitskritisch: Eine falsch interpretierte Ader kann zu Stromunfällen führen!

Aderfarben nach ÖVE/ÖNORM EN 60446 – Normierte Kennzeichnung
Hauptleiter (Wechselstrom / Drehstrom) L1 Braun L2 Schwarz L3 Grau N Hellblau Nur für N! Nicht für PE Schutzleiter & Sonderleitungen ⚡ AUSSCHLIESSLICH für PE/PEN! PE – Grün/Gelb PEN Grün/Gelb + blaue Endkennzeichnung Steuerstromkreis Rot 230 V AC Violett PELV (24V) Gleichspannung DC + Rot (+) Weiß / Sw. (−) Norm: ÖVE/ÖNORM EN 60446 (Farbliche Kennzeichnung von Leitern)
Wichtig – Farbe niemals überschreiben! Grün/Gelb ist ausschließlich für den Schutzleiter (PE/PEN) reserviert. Diese Farbe darf unter keinen Umständen für andere Zwecke verwendet werden. Ebenso ist Hellblau ausschließlich für den Neutralleiter N vorgesehen.

Kennzeichnung von Leitungen und Kabeltrassen

Neben den Aderfarben müssen Leitungen und Kabeltrassen auch äußerlich gekennzeichnet werden, damit Monteure, Elektriker und Feuerwehr die Anlage verstehen.

Kennzeichnungspflicht nach ÖVE/ÖNORM EN 50110-1:
  • Kabel und Leitungen an Anfang und Ende mit Kabelmarkierern kennzeichnen (Kabeltyp, Querschnitt, Leitung Nr.)
  • Kabeltrassen mit Trassenaufklebern oder Schildern versehen (Spannungsebene, Trassenbezeichnung)
  • Kabelpritschen und Rinnen: Farb- oder Schildkennzeichnung nach Spannungsebene möglich
  • Leerrohre: Bei Belegung mit Zugdraht und Markierschild versehen
  • Betriebsmittelkennzeichnung (BMK) nach ÖVE/ÖNORM EN 81346: Jede Leitung hat eine eindeutige Bezeichnung im Schaltplan

Betriebsmittelkennzeichnung (BMK) – Kurzeinführung

In technischen Unterlagen (Stromlaufplänen, Kabellisten) wird jede Leitung nach dem Referenzkennzeichnungssystem (RKS) der ÖVE/ÖNORM EN 81346 bezeichnet. Die Kennzeichnung setzt sich aus Buchstaben und Ziffern zusammen und zeigt: auf welcher Anlage, in welchem Ort und unter welcher laufenden Nummer die Leitung zu finden ist.

Trassenkennzeichnung (Beispiel) Bedeutung
W01Kabel/Leitung Nummer 01 (W = Wire/Leitung)
=A1+B2-W05Anlage A1, Aufstellungsort B2, Leitung 05
KT-EG-01Kabeltrasse, Erdgeschoss, Trasse Nr. 01
HV / NVHochspannungstrasse / Niederspannungstrasse
MSRMess-, Steuer- und Regelungstrasse
? Verständnisfrage: Welche Aderfarbe ist ausschließlich für den Schutzleiter (PE) reserviert und darf NICHT für andere Zwecke verwendet werden?
Hellblau
Rot
Grün/Gelb
Grau

Abschlusstest

12 Fragen zum gesamten Kursinhalt. Beantworte alle Fragen und klicke auf „Test auswerten“.

Frage 01 Bei welcher Verlegerart ist die Wärmeabgabe am schlechtesten?
Frage 02 Auf welche Bezugstemperatur beziehen sich die Stromtabellen in der ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52?
Frage 03 Wie lautet die Formel für den korrigierten Betriebsstrom einer Leitung?
Frage 04 Fünf Kabel liegen einlagig auf einer Kabelrinne. Welcher Häufungsfaktor gilt?
Frage 05 Welche Leitungen zählen NICHT zur Häufungsgruppe?
Frage 06 Was ist der Mindestbiegeradius eines steifen Installationskabels (NYM) mit Außendurchmesser 16 mm?
Frage 07 Welche Aderfarbe ist ausschließlich für den Schutzleiter (PE) reserviert?
Frage 08 Was ist bei der Erdverlegung eines Erdkabels nach ESV 2012 in Fußgängerbereichen vorgeschrieben?
Frage 09 Ein Kabel (Iz,tab = 30 A) liegt in einer Häufungsgruppe mit fh = 0,65 und fT = 0,87 (Umgebungstemperatur 40 °C, PVC). Welcher Betriebsstrom ist zulässig?
Frage 10 Welcher Mindestbiegeradius gilt für Lichtwellenleiter (LWL-Kabel)?
Frage 11 Welcher Außenleiter hat nach ÖVE/ÖNORM EN 60446 die Farbe Braun?
Frage 12 Was beschreibt der spezifische Widerstand ρ eines Leiters?

Fragen bei mündlicher Prüfung

Typische Prüfungsfragen mit vollständigen Musterantworten. Klappe jede Frage auf, um die Antwort zu sehen.

01 Welche Verlegerarten kennen Sie und wie beeinflussen sie die Strombelastbarkeit?

Die Verlegerart beschreibt, wo und wie eine Leitung verlegt wird. Sie ist maßgebend für die Wärmeabgabe der Leitung und damit für die zulässige Strombelastbarkeit.

Die wichtigsten Verlegerarten nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52:

  • A1/A2: Rohr in wärmegedämmter Wand → schlechteste Wärmeabgabe, niedrigste Belastbarkeit
  • B1/B2: Rohr auf oder in nicht-gedämmter Wand → mittlere Wärmeabgabe
  • C: Kabel direkt auf Wand aufgelegt → gute Wärmeabgabe
  • D1/D2: Im Erdreich → gute Wärmeabgabe (feuchte Erde leitet Wärme gut)
  • E/F: Frei in Luft (auf Kabelpritsche) → beste Wärmeabgabe, höchste Belastbarkeit

Fazit: Je besser die Luft zirkulieren kann, desto höher ist der zulässige Dauerstrom. Tabellenwerte nach ÖVE/ÖNORM gelten für die jeweilige Verlegerart und Bezugstemperatur 30 °C.

02 Wie berechnet man den korrigierten zulässigen Betriebsstrom einer Leitung bei Häufung und erhöhter Temperatur?

Der zulässige Betriebsstrom ergibt sich aus dem Tabellennennstrom, korrigiert durch zwei Faktoren:

Iz,korr = Iz,tab · fh · fT
  • Iz,tab: Tabellenwert aus ÖVE/ÖNORM für die jeweilige Verlegerart
  • fh: Häufungsfaktor (≤ 1,0), wird kleiner je mehr Leitungen beisammen liegen
  • fT: Temperaturfaktor (≤ 1,0 bei > 30 °C; > 1,0 bei < 30 °C)

Beispiel: Iz,tab = 25 A, 5 Kabel einlagig → fh = 0,60; Temperatur 40 °C → fT = 0,87

Iz,korr = 25 A · 0,60 · 0,87 = 13,05 A
03 Was versteht man unter Häufung und welche Leitungen zählen dabei nicht mit?

Häufung beschreibt die thermische Beeinflussung mehrerer eng beieinander liegender belasteter Leitungen. Leitungen wärmen sich gegenseitig auf, was die Wärmeabgabe jeder einzelnen verschlechtert.

Folgende Leitungen zählen nicht zur Häufungsgruppe:

  • Schutzleiter (PE, PEN): führen im Normalbetrieb keinen Strom → keine Eigenerwärmung
  • Unbelastete Reserveleitungen: führen keinen Betriebsstrom
  • Leitungen mit < 30 % Nennlast: erzeugen so wenig Wärme, dass sie vernachlässigbar sind

Der Häufungsfaktor fh wird mit dem Tabellenstrom multipliziert und verringert den zulässigen Betriebsstrom proportional zur Leitungsanzahl.

04 Welche mechanischen Schutzmaßnahmen gibt es für elektrische Leitungen? Nennen Sie Beispiele aus der Praxis.

Mechanischer Schutz ist im ASchG und der MSV vorgeschrieben. Ziel ist die Vermeidung von Isolierungsschäden durch äußere Einwirkungen.

  • Schutzrohre (Metall/Kunststoff): Schutz gegen Stoß, Quetschen und Reibung (z. B. in Industriebereichen)
  • Schutzschläuche / Wellrohre: Für flexible Verbindungen (z. B. Kabel zur Maschine, Schleppkette)
  • Kabelrinnen / Kabelpritschen: Geordnete Trassenführung, Schutz gegen Auftreten
  • Erdverlegung: Sandbettung, Kabelschutzplatte (gelb), Warnband, Mindesttiefe nach ESV 2012
  • Tüllen an Wanddurchführungen: Schutz vor scharfen Blechkanten in Schaltschränken
  • Brandschutzdurchführungen: Pflicht an Brandabschnittsgrenzen

Fazit: Der mechanische Schutz muss an die jeweilige Gefährdung angepasst werden – im Büro reicht ein Schutzschlauch, auf einer Baustelle braucht man Stahlrohr.

05 Was ist der Mindestbiegeradius und warum ist er besonders bei Schleppketten wichtig?

Der Mindestbiegeradius ist der kleinste Radius, mit dem ein Kabel noch gebogen werden darf, ohne Leiter, Isolierung oder Schirmung zu beschädigen.

rmin = k · d
  • Flexible Leitungen: k = 4
  • Starre Installationskabel (NYM): k = 6
  • Energiekabel bewehrt (NYY): k = 12
  • Lichtwellenleiter: k ≥ 30

Schleppketten: Der Biegeradius wird bei jeder Maschinenbewegung be- und entlastet. Das führt nach tausenden Zyklen zur Leitermüdigkeit und schließlich zum Kabelbruch. Hier gilt immer der dynamische Biegeradius – meist größer als der statische – gemäß Herstellerangabe. Nur spezielle Schleppkettenkabel dürfen für diese Anwendung eingesetzt werden.

06 Welche Aderfarben sind für L1, L2, L3, N und PE nach ÖVE/ÖNORM EN 60446 vorgeschrieben?

Die Aderfarben sind in der ÖVE/ÖNORM EN 60446 eindeutig geregelt und dürfen nicht beliebig gewählt werden:

  • L1 (Außenleiter): Braun
  • L2 (Außenleiter): Schwarz
  • L3 (Außenleiter): Grau
  • N (Neutralleiter): Hellblau
  • PE (Schutzleiter): Grün/Gelb – ausschließlich für Schutzleiter!
  • PEN: Grün/Gelb mit blauen Enden (beide Funktionen kombiniert)
  • Steuerstromkreis 230 V: Rot
  • PELV (Schutzkleinspannung): Violett
  • Gleichspannung +: Rot; −: Weiß oder Schwarz

Wichtig: Grün/Gelb und Hellblau sind sicherheitskritische Farben. Ihre Verwechslung oder Zweckentfremdung kann zu schweren Stromunfällen führen.

07 Wie wird der Widerstand einer Leitung berechnet und welche Größen beeinflussen ihn?

Der Widerstand einer Leitung ergibt sich aus:

R = ρ · l / A
  • ρ (Rho): Spezifischer Widerstand des Leiterwerkstoffs [Ω·mm²/m]
    – Kupfer (Cu): 0,0178 Ω·mm²/m
    – Aluminium (Al): 0,029 Ω·mm²/m
  • l: Länge des Leiters [m] – je länger, desto höher der Widerstand
  • A: Querschnitt [mm²] – je größer, desto niedriger der Widerstand

Beispiel: Kupferleiter, 2,5 mm², 20 m lang:

R = 0,0178 · 20 / 2,5 = 0,142 Ω

Fazit: Für lange Leitungen oder hohe Ströme braucht man größere Querschnitte, um Spannungsfall und Erwärmung zu begrenzen.

08 Welche Kennzeichnungspflichten gelten für Kabel und Kabeltrassen in Österreich?

Die Kennzeichnung ist in der ÖVE/ÖNORM EN 50110-1 (Betrieb an elektrischen Anlagen) und der ÖVE/ÖNORM EN 81346 (Betriebsmittelkennzeichnung) geregelt.

  • Kabelkennzeichnung: Kabelmarkierer an Anfang und Ende jedes Kabels (Typ, Querschnitt, Kabelnummer/BMK)
  • Trassen: Beschilderung mit Trassenbezeichnung und Spannungsebene (HV/NV/MSR)
  • Leerrohre: Zugdraht oder Einziehschnur + Markierschild für Inhalt bzw. Reservierung
  • Betriebsmittelkennzeichnung (BMK): Jede Leitung hat eine eindeutige Bezeichnung nach EN 81346 (z. B. =A1+B2-W05)
  • Farbcodierung: Kabeltrassen können nach Spannungsebene farblich markiert werden

Zweck: Sichere Identifikation für Erstmontage, Wartung, Fehlersuche und Erweiterungen. Fehlende Kennzeichnung ist eine häufige Ursache für Fehler und Unfälle bei Anlagenerweiterungen.


Formelsammlung

Korrigierter Betriebsstrom
Iz,korr = Iz,tab · fh · fT
Iz,tab: Tabellenstrom [A] | fh: Häufungsfaktor | fT: Temperaturfaktor
Mindestbiegeradius
rmin = k · d
k: Faktor (4 bis 30) | d: Außendurchmesser [mm]
Leiterwiderstand
R = ρ · l / A
ρ: Spez. Widerstand [Ω·mm²/m] | l: Länge [m] | A: Querschnitt [mm²]
Verlustwärme (Joulesches Gesetz)
Pv = I² · R
Pv: Verlustleistung [W] | I: Strom [A] | R: Widerstand [Ω]
Spez. Widerstand Kupfer / Aluminium
ρCu = 0,0178 Ω·mm²/m
ρAl = 0,029 Ω·mm²/m
Bei 20 °C | Al ≈ 1,6× schlechter als Cu
Häufungsfaktor (Richtwerte, einlagig)
1 Ltg → 1,00 | 3 Ltg → 0,70
5 Ltg → 0,60 | 9 Ltg → 0,50
Vollständige Tabelle: ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52
Temperaturfaktor fT (PVC, 70 °C)
30 °C → 1,00 | 40 °C → 0,87
50 °C → 0,71 | 60 °C → 0,50
Bezug: 30 °C | PVC-Isolierung | ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52
Mindestverlegetiefe (ESV 2012)
Fußgänger: ≥ 0,6 m
Fahrbahn: ≥ 1,0 m
Kabelschutzplatte + Warnband erforderlich

Glossar

  • Verlegerart: Normativ festgelegte Bedingung für die Verlegung einer Leitung (A1, B, C, D, E, F, G) nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52; bestimmt maßgeblich die zulässige Strombelastbarkeit.
  • Häufung: Thermische Beeinflussung mehrerer eng beieinander verlegter belasteter Leitungen; führt zur Temperaturerhöhung jeder Einzelleitung.
  • Häufungsfaktor fh: Dimensionsloser Korrekturfaktor ≤ 1,0; wird mit dem Tabellenstrom multipliziert, um den zulässigen Betriebsstrom bei Häufung zu ermitteln.
  • Temperaturfaktor fT: Korrekturfaktor für abweichende Umgebungstemperatur; < 1,0 bei > 30 °C, > 1,0 bei < 30 °C.
  • Strombelastbarkeit (Stromtragfähigkeit): Maximal zulässiger Dauerstrom einer Leitung, bei dem die zulässige Isolierungstemperatur nicht überschritten wird.
  • Mindestbiegeradius: Kleinster erlaubter Biegeradius eines Kabels; wird als Vielfaches des Kabeldurchmessers d angegeben (rmin = k · d).
  • Kabelrinne: Metallene oder kunststoffbeschichtete Wanne zur geordneten Leitungsführung; mit seitlichen Wänden und optionalem Deckel.
  • Kabelpritsche: Gitterartige Tragstruktur für Kabel; offene Bauweise ermöglicht bessere Belüftung als Kabelrinne.
  • Kabelschutzplatte: Gelbe Kunststoffplatte, die bei Erdverlegung über dem Kabel angebracht wird, um Baggerschäden zu signalisieren.
  • Warnband: Gelb-schwarzes Kunststoffband, das ca. 20–30 cm über einem Erdkabel verlegt wird, um Erdbauarbeiter zu warnen.
  • ESV 2012: Elektroschutzverordnung 2012 – österreichische Verordnung zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen bei Bau und Betrieb elektrischer Anlagen.
  • ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52: Normenwerk für Niederspannungsanlagen, Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Leitungsanlagen.
  • Spezifischer Widerstand ρ: Materialkennwert in Ω·mm²/m; gibt den Widerstand eines 1 m langen, 1 mm² Querschnitt dicken Leiters an.
  • Aderfarbe: Normierte Farbe einer Leitungsader nach ÖVE/ÖNORM EN 60446; dient der eindeutigen Identifikation der Funktion (L1/L2/L3/N/PE).
  • BMK (Betriebsmittelkennzeichnung): Eindeutige alphanumerische Bezeichnung jedes Betriebsmittels und jeder Leitung in einer Anlage nach ÖVE/ÖNORM EN 81346.
  • PEN-Leiter: Kombinierter Schutz- und Neutralleiter; Farbe Grün/Gelb mit blauen Enden; nur in TN-C-Netzen erlaubt.
  • XLPE / EPR: Vernetztes Polyethylen bzw. Ethylen-Propylen-Gummi – hochwertige Isolierungen für Leitungen bis 90 °C Dauertemperatur (statt 70 °C bei PVC).
  • Schleppkette: Energieführungskette für bewegliche Maschinenteile; Kabel in Schleppketten werden bei jeder Maschinenbewegung gebogen und müssen für dynamische Biegeradien ausgelegt sein.

Stand & Quellen

  • ÖVE/ÖNORM EN 60364-5-52: Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Leitungsanlagen. Austrian Standards Institute (Wien).
  • ÖVE/ÖNORM EN 50110-1: Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen. Austrian Standards Institute (Wien).
  • ÖVE/ÖNORM EN 60446: Grundsätze für die Kennzeichnung und Identifikation – Farbliche Kennzeichnung von Leitern. Austrian Standards Institute (Wien).
  • ÖVE/ÖNORM EN 81346: Industrielle Systeme, Anlagen und Ausrüstungen und Industrieprodukte – Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichnungen. Austrian Standards Institute (Wien).
  • ESV 2012: Elektroschutzverordnung 2012, BGBl. II Nr. 33/2012 (zuletzt geändert), Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, Wien.
  • ASchG: ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, BGBl. Nr. 450/1994 idgF, Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, Wien.
  • MSV: Maschinen-Sicherheitsverordnung 2010, BGBl. II Nr. 282/2008 idgF, Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, Wien.
  • Erstellt für das Mechatronik Lernportal – Stand: April 2025. Alle Normen in der jeweils gültigen Fassung zu prüfen.

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