Wirk-, Blind- und Scheinleistung
Im Gleichstromkreis ist die Leistung schnell erklärt: einmal Spannung mal Strom, fertig. Sobald wir aber im Wechselstromkreis Spulen oder Kondensatoren ins Spiel bringen, zerfällt diese eine Größe in drei. Spannung und Strom geraten aus dem Takt, und ein Teil der Energie pendelt zwischen Erzeuger und Verbraucher hin und her, ohne jemals Arbeit zu verrichten. Genau hier setzen die Begriffe Wirkleistung, Blindleistung und Scheinleistung an. Wer Motoren auslegt, Querschnitte bemisst oder Stromrechnungen versteht, kommt an ihnen nicht vorbei.
Vorwissen
- Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme
- Scheinwiderstand (Impedanz)
- Elektrische Leistung und Arbeit
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die drei Leistungsarten P, Q und S unterscheiden und ihre Einheiten zuordnen
- Wirk-, Blind- und Scheinleistung aus gegebenen Werten von Spannung, Strom und Phasenwinkel berechnen
- das Leistungsdreieck zeichnen und die Beziehung zum Widerstandsdreieck herstellen
- die praktischen Folgen eines schlechten Leistungsfaktors einschätzen
- die zugrundeliegenden österreichischen Regelwerke (TAEV, TOR) einordnen
1. Warum eine Leistung im Wechselstromkreis nicht reicht
Im Gleichstromkreis ist alles geradlinig. Spannung und Strom sind konstant, beide haben dieselbe Richtung, und das Produkt ist die Leistung:
P = U · I
- P … Leistung in W
- U … Spannung in V
- I … Strom in A
Dieses Bild lässt sich auch auf einen Wechselstromkreis übertragen, solange nur ein ohmscher Widerstand im Spiel ist. Spannung und Strom verlaufen dann zwar sinusförmig, aber im selben Takt — beide haben gleichzeitig ihre Nulldurchgänge und gleichzeitig ihre Extremwerte. Mit den Effektivwerten gerechnet ergibt sich wieder P = U · I.
Sobald jedoch eine Spule oder ein Kondensator in den Stromkreis kommt, ändert sich das Bild grundlegend. Spule und Kondensator speichern Energie kurzzeitig in einem Magnetfeld bzw. in einem elektrischen Feld und geben sie kurze Zeit später wieder ab. Das verschiebt die Stromkurve gegenüber der Spannungskurve — der Strom hinkt nach (bei der Spule) oder eilt voraus (beim Kondensator). Genau diese Verschiebung nennt man Phasenwinkel φ.
Multipliziert man jetzt die Momentanwerte von Spannung und Strom, also p(t) = u(t) · i(t), bekommt man eine Kurve, die nicht mehr immer positiv ist. In manchen Abschnitten der Periode wird der Wert negativ. Negative Momentanleistung heißt schlicht: Energie fließt vom Verbraucher zurück zur Quelle.
Damit zerfällt die simple Leistung in drei verschiedene Größen:
- den Mittelwert über eine ganze Periode — die Wirkleistung P, die tatsächlich Arbeit verrichtet
- den pendelnden Anteil zwischen Quelle und Speicher — die Blindleistung Q
- das geometrische Gesamtbild, das das Netz „sieht“ — die Scheinleistung S
Diese drei Begriffe sauber zu trennen ist die Grundlage für fast alles, was im Wechselstromnetz dimensioniert oder abgerechnet wird.
Bei welcher Verbraucherart stimmt die simple Beziehung P = U · I (mit Effektivwerten gerechnet) auch im Wechselstromkreis exakt?
- a) Bei einem Asynchronmotor im Leerlauf
- b) Bei einem rein ohmschen Verbraucher wie einer Heizspirale
- c) Bei einem Kondensator mit großer Kapazität
- d) Bei einem leerlaufenden Transformator
Richtig: b)
Nur bei einem rein ohmschen Verbraucher liegen Spannung und Strom in Phase, cos φ = 1, und der Faktor fällt aus der Wirkleistungsformel heraus. Motoren und Transformatoren haben durch ihre Magnetwicklungen immer eine induktive Komponente; Kondensatoren verursachen eine kapazitive Phasenverschiebung.
Was bedeutet ein negativer Wert der Momentanleistung p(t) in einem bestimmten Zeitabschnitt?
- a) Der Verbraucher ist überlastet
- b) Es liegt ein Fehler im Stromkreis vor
- c) Energie fließt in diesem Moment vom Verbraucher zurück zur Quelle
- d) Der Phasenwinkel ist größer als 180°
Richtig: c)
Negative Momentanleistung tritt immer dann auf, wenn ein in Spule oder Kondensator gespeicherter Energieanteil wieder Richtung Quelle abgegeben wird. Das ist im normalen Betrieb völlig regulär — es ist genau das Verhalten, das die Blindleistung beschreibt.
Wodurch entsteht der Phasenwinkel φ zwischen Strom und Spannung?
- a) Durch Schwankungen der Netzfrequenz
- b) Durch Energiespeicherung in Magnet- oder elektrischen Feldern energiespeichernder Bauteile
- c) Durch eine unzureichende Leitungsisolation
- d) Durch unsymmetrische Belastung in einem Einphasensystem
Richtig: b)
Spulen und Kondensatoren nehmen Energie kurzzeitig auf und geben sie wieder ab. Diese Speicherung verzögert den Strom (Spule) oder lässt ihn voreilen (Kondensator). Im reinen ohmschen Stromkreis tritt keine Phasenverschiebung auf, weil dort keine Energiespeicherung stattfindet.
2. Wirkleistung P — was tatsächlich Arbeit verrichtet
Die Wirkleistung ist der Anteil, der wirklich „ankommt“. Sie ist der Mittelwert der Momentanleistung über eine ganze Periode und beschreibt die Energie, die der Verbraucher pro Sekunde dauerhaft umsetzt — in Wärme, Licht oder mechanische Bewegung. Sie ist die Leistung, die wir gemeint haben, wenn wir bisher schlicht „Leistung“ gesagt haben.
P = U · I · cos φ
- P … Wirkleistung in W
- U … Effektivwert der Spannung in V
- I … Effektivwert des Stroms in A
- cos φ … Leistungsfaktor (Verhältnis P/S)
Die Einheit ist das Watt (W). Der Faktor cos φ zeigt, wie viel vom theoretisch maximalen Produkt aus U und I tatsächlich als Wirkleistung ankommt. Bei einem rein ohmschen Verbraucher ist cos φ = 1, und die Formel reduziert sich auf P = U · I. Bei einer Phasenverschiebung von 90°, also einer reinen Spule oder einem reinen Kondensator, ist cos φ = 0 — es kommt rechnerisch keine Wirkleistung an, obwohl Strom fließt.
In der Praxis ziehen typische Verbraucher folgende Bandbreite:
- Heizelement, Glühlampe, Kochplatte: cos φ ≈ 1
- LED-Leuchte mit gutem Treiber: cos φ > 0,9
- moderne Asynchronmotoren unter Volllast: cos φ ≈ 0,8 bis 0,9
- gleicher Motor im Leerlauf: cos φ ≈ 0,3 bis 0,5
- Transformator im Leerlauf: cos φ sehr klein
In Österreich kommen flächendeckend Smart Meter zum Einsatz. Diese elektronischen Zähler messen nicht nur die Wirkenergie wie der frühere Ferraris-Zähler mit Drehscheibe, sondern erfassen Wirk- und Blindenergie getrennt und protokollieren die Werte zeitlich aufgelöst. Ob die Blindenergie auf der Rechnung erscheint, ist eine Frage des Anschlusses und des Tarifs — gemessen wird sie ohnehin.
Welche Aussage zur Wirkleistung ist korrekt?
- a) Sie wird in VA angegeben und ist immer gleich U · I
- b) Sie ist der Mittelwert der Momentanleistung über eine Periode und wird in W gemessen
- c) Sie pendelt zwischen Quelle und Verbraucher hin und her
- d) Sie tritt nur bei rein ohmschen Verbrauchern auf
Richtig: b)
Wirkleistung beschreibt genau jenen Energieanteil, der vom Verbraucher dauerhaft umgesetzt wird. Die Einheit ist das Watt. VA gehört zur Scheinleistung, das Pendeln beschreibt die Blindleistung. Wirkleistung tritt überall auf, wo cos φ > 0 ist, also bei nahezu jedem realen Verbraucher.
Ein Verbraucher zieht 5 A bei 230 V. Welche Wirkleistung wird umgesetzt, wenn cos φ = 0,7 beträgt?
- a) 1150 W, da P = U · I
- b) 805 W
- c) 1643 W
- d) 575 W
Richtig: b)
P = U · I · cos φ = 230 · 5 · 0,7 = 805 W. Die Antwort 1150 W vernachlässigt den Phasenwinkel und entspricht der Scheinleistung. 1643 W teilt durch cos φ statt zu multiplizieren — ein typischer Vorzeichenfehler im Kopf.
Bei welchem Phasenwinkel beträgt die Wirkleistung null, obwohl Strom fließt?
- a) bei 0°
- b) bei 45°
- c) bei 90°
- d) bei 180°
Richtig: c)
Bei φ = 90° ist cos φ = 0, also P = 0. Das tritt theoretisch bei einer reinen Spule oder einem reinen Kondensator auf. Im Stromkreis fließt zwar Strom, im Mittel wird aber keine Wirkenergie umgesetzt — die Energie pendelt nur hin und her.
3. Blindleistung Q — die pendelnde Energie
Während die Wirkleistung dauerhaft im Verbraucher landet, beschreibt die Blindleistung jenen Anteil, der zwischen Quelle und Verbraucher hin- und herpendelt, ohne je in nutzbare Energie umgewandelt zu werden. Sie entsteht immer dort, wo Energie kurzzeitig gespeichert und kurz darauf wieder freigesetzt wird — im Magnetfeld einer Spule oder im elektrischen Feld eines Kondensators.
Q = U · I · sin φ
- Q … Blindleistung in var
- U … Effektivwert der Spannung in V
- I … Effektivwert des Stroms in A
- sin φ … Sinus des Phasenwinkels
Die Einheit heißt var (Voltampere reactive). Sie ist absichtlich von Watt unterschieden, weil es sich physikalisch nicht um nutzbare Leistung handelt.
Blindleistung kann zwei Vorzeichen haben:
- induktive Blindleistung (positiv): Strom hinkt der Spannung nach — typisch für Motoren, Transformatoren, Drosseln, elektronische Vorschaltgeräte
- kapazitive Blindleistung (negativ): Strom eilt der Spannung voraus — typisch für Kondensatorbatterien, lange unbelastete Kabel, Kompensationsanlagen
Beide Arten heben sich gegenseitig auf, wenn sie gleich groß sind. Genau dieser Effekt wird in der Blindleistungskompensation genutzt: Eine Kondensatorbatterie liefert die kapazitive Blindleistung, die der induktive Verbraucher gerade braucht. Statt zwischen Generator und Motor zu pendeln, pendelt die Energie dann lokal zwischen Motor und Kondensator.
Der hartnäckigste Irrtum ist die Annahme, Blindleistung wäre „harmlos“, weil sie keine Arbeit verrichtet. Tatsächlich fließt der zugehörige Blindstrom real durch die Leitungen. Er erzeugt ohmsche Verluste in Kabeln und Wicklungen, belastet Trafos und Schaltgeräte und reduziert die nutzbare Restkapazität der Versorgung. Aus genau diesem Grund zahlen Großverbraucher Blindarbeit zusätzlich.
Wodurch entsteht induktive Blindleistung in einem typischen Industrieverbraucher?
- a) Durch ohmsche Wärmeentwicklung in den Wicklungen
- b) Durch periodische Energiespeicherung im Magnetfeld der Wicklungen
- c) Durch Schaltvorgänge in der Steuerung
- d) Durch Spannungsabfall an den Anschlussklemmen
Richtig: b)
Motoren und Transformatoren brauchen ein Magnetfeld, um zu funktionieren. Beim Aufbau dieses Felds wird Energie zwischengelagert, beim Abbau wieder freigegeben. Dieses Hin und Her ist die Blindleistung. Wärme dagegen ist Wirkleistung.
Eine Kondensatorbatterie liefert in einem Netz mit überwiegend induktiven Verbrauchern:
- a) zusätzliche Wirkleistung
- b) kapazitive Blindleistung, die die induktive teilweise oder ganz aufhebt
- c) eine höhere Frequenz
- d) keine relevante Leistung, da Kondensatoren passive Bauteile sind
Richtig: b)
Induktive und kapazitive Blindleistung wirken einander entgegen. Eine richtig dimensionierte, parallel geschaltete Kondensatorbatterie bringt den resultierenden Blindleistungsanteil näher an null, wodurch der Strom in der Zuleitung sinkt.
Welche Aussage zur Blindleistung trifft zu?
- a) Sie ist eine reine Rechengröße ohne Auswirkung auf den Netzbetrieb
- b) Sie führt zu zusätzlichem Stromfluss, der Leitungen und Trafos belastet
- c) Sie hat die Einheit Watt wie die Wirkleistung
- d) Sie tritt nur in Drehstromnetzen auf
Richtig: b)
Blindleistung ist alles andere als „nur rechnerisch“. Der Blindstrom fließt real und erzeugt echte Verluste in Leitungen, Wicklungen und Schaltgeräten. Genau deshalb wird sie reguliert und ab bestimmten Anlagengrößen auch abgerechnet.
4. Scheinleistung S — was das Netz tatsächlich liefern muss
Aus Sicht von Generator, Trafo und Versorgungsleitung ist es egal, ob ein Strom zur Wirkleistung beiträgt oder zur Blindleistung — sie führen ihn in voller Höhe. Die Scheinleistung ist genau die Größe, die diesen tatsächlichen Aufwand beschreibt. Sie ist das Produkt der Effektivwerte von Spannung und Strom, ohne den Phasenwinkel zu berücksichtigen.
S = U · I
- S … Scheinleistung in VA
- U … Effektivwert der Spannung in V
- I … Effektivwert des Stroms in A
Die Einheit ist das Voltampere (VA). Auch hier wird absichtlich nicht Watt verwendet — das Symbol signalisiert: in dieser Zahl steckt sowohl ein Wirk- als auch ein Blindanteil.
Wirk- und Blindleistung lassen sich zur Scheinleistung nicht einfach addieren. Sie stehen rechtwinklig zueinander, weshalb der Satz des Pythagoras gilt:
S² = P² + Q²
- S = √(P² + Q²)
Genau aus diesem Grund werden Generatoren, Transformatoren und Schaltgeräte fast immer in VA (oder kVA, MVA) angegeben und nicht in Watt. Ein 25-kVA-Trafo kann maximal 25 kVA Scheinleistung übertragen — wie viel davon Wirkleistung ist, hängt vom Verbraucher ab. Speist man damit eine Anlage mit cos φ = 0,8, bleiben nur 20 kW Wirkleistung übrig; bei cos φ = 0,6 sogar nur 15 kW. Die Wicklungen sehen aber in allen Fällen denselben Strom und werden gleich warm.
Warum werden Transformatoren und Generatoren in VA bemessen und nicht in W?
- a) Weil die Einheit VA international gebräuchlicher ist
- b) Weil ihre Wicklungen vom Gesamtstrom durchflossen werden und nicht nur vom Wirkstromanteil
- c) Weil Hersteller die Wirkleistung nicht garantieren können
- d) Weil Transformatoren keine Wirkleistung übertragen
Richtig: b)
Wicklungen, Schaltgeräte und Leitungen werden vom kompletten Strom belastet. Erwärmung, Spannungsabfall und Schutzgeräteauslegung hängen also vom Scheinstrom ab. Die maximal übertragbare Wirkleistung ergibt sich erst aus S · cos φ und liegt darunter.
Eine Anlage zieht P = 12 kW und Q = 9 kvar. Welche Scheinleistung muss das Netz bereitstellen?
- a) 21 kVA, da man die Beträge addiert
- b) 15 kVA
- c) 3 kVA, da P und Q einander aufheben
- d) 108 kVA
Richtig: b)
P und Q stehen senkrecht zueinander. Daher S = √(12² + 9²) = √(144 + 81) = √225 = 15 kVA. Wer P und Q einfach addiert, bekommt zu viel; wer sie subtrahiert, ignoriert die geometrische Beziehung im Leistungsdreieck.
Welche Aussage zur Scheinleistung ist falsch?
- a) Sie wird in VA angegeben
- b) Sie ist immer größer oder gleich der Wirkleistung
- c) Sie ist die einfache arithmetische Summe aus P und Q
- d) Sie wird zur Auslegung von Trafos und Generatoren verwendet
Richtig: c)
Die ersten beiden und die letzte Aussage treffen zu. P und Q addieren sich aber nicht arithmetisch zu S, sondern geometrisch nach Pythagoras. Diese Verwechslung ist einer der häufigsten Fehler beim ersten Umgang mit dem Leistungsdreieck.
5. Das Leistungsdreieck
Wirk-, Blind- und Scheinleistung lassen sich in einem einzigen Bild zusammenfassen: dem Leistungsdreieck. P liegt horizontal, Q steht senkrecht darauf, S verbindet als Hypotenuse den Anfang von P mit dem Ende von Q. Der Winkel zwischen P und S ist genau der Phasenwinkel φ zwischen Strom und Spannung.
Dieselbe Geometrie ergibt sich übrigens bereits eine Ebene tiefer — beim Widerstandsdreieck aus Wirkwiderstand R, Blindwiderstand X und Scheinwiderstand Z. Multipliziert man jede Seite des Widerstandsdreiecks mit dem Quadrat des Effektivstroms I, bekommt man das Leistungsdreieck. Die beiden Dreiecke sind also zueinander ähnlich und haben denselben Phasenwinkel φ.
Aus der Geometrie folgen direkt die wichtigsten Beziehungen:
S² = P² + Q²
- cos φ = P / S
- sin φ = Q / S
- tan φ = Q / P
Sobald zwei der Größen P, Q, S oder φ bekannt sind, lassen sich alle übrigen ableiten. Genau darin liegt die praktische Stärke des Leistungsdreiecks: Es ersetzt eine ganze Sammlung Einzelformeln durch ein einziges, anschauliches Bild.
Gelöstes Beispiel
Ein einphasiger Asynchronmotor wird mit U = 400 V betrieben und zieht I = 8 A bei cos φ = 0,85. Berechne Wirk-, Blind- und Scheinleistung.
Gegeben: U = 400 V; I = 8 A; cos φ = 0,85
Gesucht: P, Q, S
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Scheinleistung: S = U · I = 400 V · 8 A = 3200 VA = 3,2 kVA
- Schritt 2 — Wirkleistung: P = S · cos φ = 3200 VA · 0,85 = 2720 W = 2,72 kW
- Schritt 3 — Phasenwinkel und Sinus: φ = arccos(0,85) ≈ 31,79° sin φ ≈ 0,527
- Schritt 4 — Blindleistung: Q = S · sin φ = 3200 VA · 0,527 ≈ 1685 var ≈ 1,69 kvar
Probe: √(P² + Q²) = √(2720² + 1685²) ≈ 3200 VA ✓
Ergebnis: P = 2,72 kW, Q = 1,69 kvar, S = 3,2 kVA
Übungen
Eine 60-W-Heizpatrone hängt an 230 V und hat cos φ = 1. Bestimme Strom, Blindleistung und Scheinleistung.
I ≈ 0,261 A; Q = 0 var; S = 60 VA
Ein einphasiger Verbraucher zieht 12 A bei 230 V mit cos φ = 0,8 (induktiv). Berechne P, Q und S.
S = 2760 VA; P = 2208 W; sin φ = 0,6; Q = 1656 var
Eine Maschine nimmt P = 4 kW bei einem Leistungsfaktor cos φ = 0,7 auf. Bestimme S und Q.
S = 4000 / 0,7 ≈ 5714 VA; sin φ ≈ 0,714; Q ≈ 4081 var
Ein Trafo überträgt S = 10 kVA bei cos φ = 0,9. Welche Wirk- und Blindleistung werden geliefert?
P = 9 kW; sin φ ≈ 0,436; Q ≈ 4,36 kvar
In einer Industrieanlage arbeiten zwei Maschinen parallel: M1 mit P₁ = 7 kW und Q₁ = 4 kvar (induktiv), M2 mit P₂ = 3 kW und Q₂ = 5 kvar (induktiv). Berechne die Gesamt-Scheinleistung und den resultierenden cos φ.
P_ges = 10 kW; Q_ges = 9 kvar; S_ges = √(100 + 81) ≈ 13,45 kVA; cos φ = 10 / 13,45 ≈ 0,743
Welche Beziehung gilt im Leistungsdreieck NICHT?
- a) cos φ = P / S
- b) sin φ = Q / S
- c) tan φ = Q / P
- d) S = P + Q
Richtig: d)
P und Q stehen rechtwinklig zueinander, daher gilt der Satz des Pythagoras: S² = P² + Q². Eine einfache arithmetische Summe wäre nur richtig, wenn P und Q parallel verliefen, was im Leistungsdreieck nie der Fall ist.
Eine Anlage hat S = 5 kVA und cos φ = 0,8. Wie groß sind P und Q?
- a) P = 5 kW, Q = 0 kvar
- b) P = 4 kW, Q = 3 kvar
- c) P = 4 kW, Q = 1 kvar
- d) P = 6,25 kW, Q = 3 kvar
Richtig: b)
P = S · cos φ = 5 · 0,8 = 4 kW. Aus sin φ = √(1 − 0,64) = 0,6 folgt Q = S · sin φ = 5 · 0,6 = 3 kvar. Die anderen Antworten ignorieren entweder den Blindanteil oder verwenden cos φ falsch.
Was ist die geometrische Beziehung zwischen Widerstands- und Leistungsdreieck?
- a) Sie sind unabhängig voneinander
- b) Sie haben denselben Phasenwinkel φ und sind ähnlich, da das Leistungsdreieck dem Widerstandsdreieck multipliziert mit I² entspricht
- c) Das Widerstandsdreieck ergibt sich aus dem Leistungsdreieck durch Quadrieren
- d) Sie unterscheiden sich nur im Vorzeichen der Hypotenuse
Richtig: b)
Aus P = I² · R, Q = I² · X und S = I² · Z folgt direkt, dass Widerstands- und Leistungsdreieck im Verhältnis 1 : I² zueinander stehen. Sie sind also ähnliche Dreiecke mit identischem Phasenwinkel φ.
6. Was das für die Praxis bedeutet
In Haushalten spielt die Trennung von Wirk- und Blindleistung kaum eine Rolle — der gewöhnliche Wirkstromzähler erfasst und verrechnet nur die Wirkenergie. Sobald ein Anschluss größer wird, ändert sich das Bild grundsätzlich. Bei Gewerbe- und Industrieanlagen ab bestimmten Anschlussleistungen kommen Blindstromzähler dazu, und die bezogene Blindarbeit landet zusätzlich auf der Rechnung.
Wie hoch der Leistungsfaktor sein muss, ist in Österreich klar geregelt. Zwei Werke geben hier den Ton an:
- die TAEV (Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze mit Betriebsspannungen bis 1000 Volt) — sie definieren, wie eine Kundenanlage technisch ans Niederspannungsnetz anzuschließen ist
- die TOR (Technische und Organisatorische Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen) — herausgegeben von E-Control und gültig für alle Netzebenen von der Niederspannung bis zur Hochspannung
Beide Regelwerke fordern für größere Kundenanlagen einen Leistungsfaktor von mindestens 0,9 induktiv im normalen Betrieb. Unterschreitet eine Anlage diesen Wert dauerhaft, wird die zusätzlich bezogene Blindarbeit nach Tarif verrechnet — und der Netzbetreiber kann eine Kompensation verlangen.
Der Hintergrund ist rein technisch. Ein schlechter cos φ bedeutet, dass für dieselbe Wirkleistung mehr Strom fließen muss. Daraus folgt unmittelbar:
- größere Leitungsquerschnitte oder höhere Verluste in vorhandenen Leitungen
- höher dimensionierte Schalt- und Schutzgeräte
- größere Trafos, weil deren Belastungsgrenze die Scheinleistung ist
- mehr Spannungsabfall und schlechtere Spannungsstabilität am Ende langer Leitungen
Eine Anlage mit cos φ = 0,7 belastet das Netz etwa um 30 Prozent stärker als dieselbe Anlage mit cos φ = 0,9. Wer also Energie effizient nutzen und Zusatzkosten für Blindarbeit vermeiden will, kommt um eine Blindleistungskompensation nicht herum — das eigentliche Werkzeug, um den Leistungsfaktor anzuheben. Wie genau das funktioniert und wie eine Kompensationsanlage dimensioniert wird, behandeln die Folgebeiträge zum Leistungsfaktor cos φ und zur Blindleistungskompensation.
Welche beiden Regelwerke geben in Österreich die Anforderungen an den Leistungsfaktor vor?
- a) ÖNORM A 1000 und ÖNORM B 2000
- b) TAEV und TOR
- c) ISO 9001 und ISO 14001
- d) ÖVE/ÖNORM E 8001 und EN 60204
Richtig: b)
Die TAEV regeln die technischen Anschlussbedingungen ans Niederspannungsnetz, die TOR die übergeordneten technischen und organisatorischen Regeln aller Netzebenen. Beide fordern für größere Anlagen einen Mindest-cos φ von typischerweise 0,9 induktiv. Die anderen genannten Normen behandeln Qualitätsmanagement, allgemeine Errichtungsvorschriften oder Maschinensicherheit.
Was passiert mit einer Versorgungsleitung, wenn der Leistungsfaktor einer angeschlossenen Anlage sinkt?
- a) Sie führt weniger Strom, weil die Wirkleistung sinkt
- b) Sie führt mehr Strom bei gleicher Wirkleistung — mit entsprechend höheren Verlusten
- c) Sie wird unabhängig vom Leistungsfaktor immer gleich belastet
- d) Sie reagiert nur, wenn ein Fehlerstrom auftritt
Richtig: b)
Bei sinkendem cos φ steigt der Scheinstrom für dieselbe Wirkleistung. Verluste in der Leitung sind proportional zum Quadrat des Stroms, also wachsen sie überproportional. Genau deshalb fordern die Regelwerke einen Mindestwert.
Warum reicht in einem Wohnhaushalt meist ein einfacher Wirkstromzähler aus, während Großverbraucher zusätzlich Blindstromzähler haben?
- a) Weil Haushalte technisch keine Blindleistung erzeugen können
- b) Weil die Blindleistung im Haushalt klein ist und das Netz nicht messbar belastet
- c) Weil Smart Meter generell keine Blindleistung anzeigen
- d) Weil Blindstromzähler erst seit kurzem zulässig sind
Richtig: b)
Haushalte haben überwiegend ohmsche Verbraucher und kleine Motoren — der Blindanteil ist gering. Bei Großverbrauchern mit vielen Motoren oder Trafos summiert sich Q so weit auf, dass eine separate Abrechnung wirtschaftlich notwendig wird. Smart Meter könnten Blindenergie zwar erfassen, im Haushaltstarif wird sie aber nicht abgerechnet.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Beleuchtungsanlage zieht 4,5 A bei 230 V mit cos φ = 0,95. Welche Wirkleistung wird aufgenommen?
Gegeben: U = 230 V, I = 4,5 A, cos φ = 0,95
Gesucht: P
Lösungsweg:
- P = U · I · cos φ = 230 · 4,5 · 0,95
Ergebnis: P ≈ 983 W
Aufgabe 2: Ein Drehstrommotor nimmt P = 5,5 kW auf, der Leistungsfaktor beträgt cos φ = 0,82. Berechne S und Q.
Gegeben: P = 5,5 kW, cos φ = 0,82
Gesucht: S, Q
Lösungsweg:
- S = P / cos φ = 5500 / 0,82 ≈ 6707 VA
- sin φ = √(1 − 0,82²) ≈ 0,572
- Q = S · sin φ ≈ 6707 · 0,572 ≈ 3838 var
Ergebnis: S ≈ 6,71 kVA; Q ≈ 3,84 kvar
Aufgabe 3: In einer Werkstatt werden P = 18 kW Wirkleistung und Q = 12 kvar induktive Blindleistung gemessen. Berechne S und cos φ.
Gegeben: P = 18 kW, Q = 12 kvar
Gesucht: S, cos φ
Lösungsweg:
- S = √(18² + 12²) = √(324 + 144) = √468
- cos φ = P / S
Ergebnis: S ≈ 21,63 kVA; cos φ ≈ 0,832
Aufgabe 4: Ein Trafo überträgt 25 kVA mit cos φ = 0,9. Berechne P und Q.
Gegeben: S = 25 kVA, cos φ = 0,9
Gesucht: P, Q
Lösungsweg:
- P = S · cos φ = 25 · 0,9 = 22,5 kW
- sin φ = √(1 − 0,81) ≈ 0,436
- Q = S · sin φ ≈ 25 · 0,436 ≈ 10,90 kvar
Ergebnis: P = 22,5 kW; Q ≈ 10,90 kvar
Aufgabe 5: Eine Anlage hat zwei parallele Verbraucher: V1 mit P₁ = 3 kW und Q₁ = 2 kvar; V2 mit P₂ = 2 kW und Q₂ = 1,5 kvar (beide induktiv). Berechne die Gesamt-Scheinleistung und den Gesamt-cos φ.
Gegeben: P₁ = 3 kW, Q₁ = 2 kvar, P₂ = 2 kW, Q₂ = 1,5 kvar
Gesucht: S_ges, cos φ_ges
Lösungsweg:
- P_ges = P₁ + P₂ = 5 kW
- Q_ges = Q₁ + Q₂ = 3,5 kvar
- S_ges = √(5² + 3,5²) = √(25 + 12,25) = √37,25
- cos φ = P_ges / S_ges
Ergebnis: S_ges ≈ 6,10 kVA; cos φ ≈ 0,820
Aufgabe 6: Ein Trafo soll einen Verbraucher mit P = 16 kW und cos φ = 0,75 versorgen. Welche Nennleistung (in kVA) muss er mindestens haben?
Gegeben: P = 16 kW, cos φ = 0,75
Gesucht: S_min
Lösungsweg:
- S = P / cos φ = 16 / 0,75
Ergebnis: S ≈ 21,33 kVA — eine Nennleistung darunter wäre überlastet.
Welche Aussage zum Verhältnis von Wirk- und Scheinleistung ist korrekt, wenn der Phasenwinkel φ genau 60° beträgt?
- a) P entspricht etwa 87 Prozent von S
- b) P entspricht genau der Hälfte von S
- c) P ist größer als S, weil bei großem φ der Strom steigt
- d) P und S sind unabhängig vom Phasenwinkel
Richtig: b)
cos 60° = 0,5. Damit ist P = S · cos φ = 0,5 · S, also genau die Hälfte. Antwort a entspricht cos 30°, die anderen Antworten ignorieren den Zusammenhang vollständig.
Ein einphasiger Asynchronmotor zieht 6 A bei 230 V und cos φ = 0,7. Welche Blindleistung wird vom Netz bereitgestellt?
- a) etwa 985 var
- b) 0 var, weil Wechselstrom genutzt wird
- c) 1380 var, weil Q = U · I
- d) 966 var, weil P = Q im Einphasennetz
Richtig: a)
S = 230 · 6 = 1380 VA, P = 1380 · 0,7 = 966 W, sin φ = √(1 − 0,49) ≈ 0,714, Q = 1380 · 0,714 ≈ 985 var. Alternativ über Pythagoras: Q = √(S² − P²).
Wodurch entsteht induktive Blindleistung in einem Drehstromnetz primär?
- a) Durch ohmsche Verbraucher wie Glühlampen
- b) Durch Magnetfeldaufbau in Motoren und Transformatoren
- c) Durch die Leitungslänge zum Verbraucher
- d) Durch unsymmetrische Belastung des Netzes
Richtig: b)
Magnetfelder in Wicklungen brauchen Energie, die kurzzeitig gespeichert und wieder freigegeben wird — das ist genau die induktive Blindleistung. Reine Leitungsinduktivitäten spielen erst auf längeren Hochspannungsleitungen eine merkliche Rolle. Unsymmetrie und ohmsche Lasten erzeugen keine Blindleistung.
Ein Verbraucher zeigt P = 4 kW und S = 5 kVA. Welcher Leistungsfaktor liegt vor und welche Blindleistung wird benötigt?
- a) cos φ = 0,8 und Q = 3 kvar
- b) cos φ = 0,75 und Q = 1 kvar
- c) cos φ = 0,8 und Q = 9 kvar
- d) cos φ = 1,25 und Q = 0 kvar
Richtig: a)
cos φ = P / S = 4 / 5 = 0,8. Q = √(S² − P²) = √(25 − 16) = √9 = 3 kvar. Ein Leistungsfaktor über 1 ist physikalisch unmöglich.
Warum bezahlen viele Großverbraucher in Österreich Blindarbeit zusätzlich?
- a) Weil Blindleistung im Smart Meter doppelt erfasst wird
- b) Weil sie zusätzliche Verluste in Versorgungsleitungen verursacht und Netzinfrastruktur belastet
- c) Weil sie umweltschädlicher als Wirkleistung ist
- d) Weil sie nur in industriellen Netzen auftritt
Richtig: b)
Der zugehörige Blindstrom fließt real durch Leitungen, Trafos und Schaltgeräte. Er erzeugt dort ohmsche Verluste und reduziert die nutzbare Kapazität. Aus diesem Grund schreiben TAEV und TOR einen Mindest-Leistungsfaktor vor und lassen Blindarbeit darüber hinaus verrechnen.
Welche Aussage zur Auslegung von Trafos ist korrekt?
- a) Sie werden in Watt bemessen, weil nur Wirkleistung interessiert
- b) Sie werden in VA bemessen, weil ihre Wicklungen vom Gesamtstrom durchflossen werden
- c) Sie werden in var bemessen, weil sie überwiegend Blindleistung übertragen
- d) Sie werden in kWh bemessen, weil die übertragene Arbeit zählt
Richtig: b)
Die Wicklungserwärmung hängt vom Effektivwert des Stroms ab, nicht vom Anteil, der zur Wirkleistung beiträgt. Daher bestimmt die Scheinleistung die thermische Belastungsgrenze.
In welchem österreichischen Regelwerk ist der typische Mindest-cos φ für Kundenanlagen festgelegt?
- a) StVO und VVO
- b) TAEV und TOR
- c) GewO und ASchG
- d) ÖBB-Normen
Richtig: b)
TAEV (Technische Anschlussbedingungen) und TOR (Technische und Organisatorische Regeln) sind die maßgeblichen Werke der österreichischen Netzbetreiber bzw. der E-Control. Die anderen Begriffe gehören zu Straßenverkehr, Gewerberecht und Arbeitnehmerschutz und haben mit elektrischen Anschlussbedingungen nichts zu tun.
Eine Kondensatorbatterie zur Blindleistungskompensation:
- a) erzeugt zusätzliche induktive Blindleistung
- b) liefert kapazitive Blindleistung, die der induktiven entgegenwirkt
- c) wandelt Blindleistung in Wirkleistung um
- d) reduziert die Wirkleistung des angeschlossenen Verbrauchers
Richtig: b)
Induktive und kapazitive Blindleistung haben entgegengesetzte Vorzeichen. Eine richtig dimensionierte Kondensatorbatterie liefert lokal die Blindleistung, die der induktive Verbraucher braucht — das Pendeln findet dann zwischen Motor und Kondensator statt, nicht mehr zwischen Motor und Generator.
Welche der folgenden Beziehungen gilt im Leistungsdreieck NICHT?
- a) S² = P² + Q²
- b) cos φ = P / S
- c) tan φ = Q / P
- d) S = P + Q
Richtig: d)
P und Q stehen rechtwinklig zueinander. Die Hypotenuse berechnet sich nach Pythagoras, nicht durch arithmetische Addition. Die anderen drei Beziehungen folgen direkt aus den Definitionen von Sinus, Cosinus und Tangens am rechtwinkligen Dreieck.
Welche Größen erfasst ein Smart Meter in Österreich typischerweise?
- a) ausschließlich Wirkenergie wie der frühere Ferraris-Zähler
- b) Wirk- und Blindenergie getrennt sowie zeitlich aufgelöst
- c) nur die Scheinleistung, einzelne Anteile gehen verloren
- d) keine Blindleistungsdaten, da diese nicht abrechenbar sind
Richtig: b)
Elektronische Zähler unterscheiden zwischen Wirk- und Blindenergie und protokollieren die Werte in fein abgestuften Zeitintervallen. Ob die Blindenergie auf der Rechnung erscheint, ist eine Frage des Anschlusses und des Tarifs — die Messung selbst findet ohnehin statt.
Warum belastet Blindleistung trotz fehlender Wirkleistungsabgabe die Versorgungsnetze?
- a) Sie erzeugt thermische Energie direkt am Verbraucher
- b) Der zugehörige Strom fließt real durch Leitungen, Schaltgeräte und Trafos und verursacht dort Verluste
- c) Sie führt zu Frequenzschwankungen im Netz
- d) Sie kann Lichtbögen in Schaltern auslösen
Richtig: b)
Der Blindstrom ist genauso messbar wie der Wirkstrom. Er erwärmt Wicklungen und Leiter, verursacht Spannungsabfall und beansprucht die Strombelastbarkeit der Komponenten. Frequenzschwankungen haben andere Ursachen (Wirkleistungsbilanz), Lichtbögen sind ein Schaltvorgang-Phänomen.
Ein Verbraucher mit S = 10 kVA und Q = 6 kvar (induktiv) hat folgenden cos φ:
- a) 0,6
- b) 0,8
- c) 1,0
- d) 0,5
Richtig: b)
P = √(S² − Q²) = √(100 − 36) = √64 = 8 kW. cos φ = P / S = 8 / 10 = 0,8. Antwort a entspricht sin φ, die anderen sind Schätzungen ohne Rechnung.
Glossar
- Wirkleistung (P)
- Anteil der elektrischen Leistung, der dauerhaft in nutzbare Energie wie Wärme, Licht oder mechanische Arbeit umgesetzt wird. Einheit: Watt (W).
- Blindleistung (Q)
- Anteil der Leistung, der periodisch zwischen Quelle und Energiespeicher (Spule oder Kondensator) pendelt und keine Arbeit verrichtet. Einheit: var (Voltampere reactive).
- Scheinleistung (S)
- Produkt aus den Effektivwerten von Spannung und Strom. Beschreibt die tatsächliche Belastung von Generatoren, Trafos und Leitungen. Einheit: VA (Voltampere).
- Leistungsdreieck
- Rechtwinkliges Dreieck aus P (horizontal), Q (vertikal) und S (Hypotenuse); fasst alle Beziehungen zwischen den drei Leistungsarten in einem Bild zusammen.
- Blindarbeit
- Über die Zeit aufsummierte Blindleistung in kvarh; wird Großverbrauchern in Österreich bei schlechtem cos φ zusätzlich verrechnet.
- Smart Meter
- Elektronischer Stromzähler, der im Gegensatz zum klassischen Ferraris-Zähler Wirk- und Blindenergie getrennt erfasst und die Werte zeitlich aufgelöst speichert.
- TAEV
- Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an öffentliche Versorgungsnetze mit Betriebsspannungen bis 1000 Volt; regelt die Anforderungen an den Niederspannungsanschluss in Österreich.
- TOR
- Technische und Organisatorische Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen; übergeordnetes Regelwerk der E-Control für alle Netzebenen in Österreich.
