Gleichstromtechnik – Grundlagen & Berechnungen

Gleichstromtechnik Grundlagen

Gleichstrom ist die Grundlage jeder Elektrotechnik – von der einfachen Batterie bis zur komplexen Steuerungsanlage. Dieser Kurs erklärt alle wichtigen Gesetze und Berechnungsverfahren vollständig von Grund auf, mit interaktiven Rechnern und praxisnahen Beispielen.

Kapitel 01

Was ist Gleichstrom, und wie unterscheidet er sich vom Wechselstrom?

Elektrischer Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern – meist Elektronen – durch einen elektrischen Leiter. Der entscheidende Unterschied zwischen Gleichstrom und Wechselstrom liegt in der Richtung und Konstanz dieses Flusses.

Gleichstrom (DC – Direct Current) fließt stets in einer konstanten Richtung. Die Spannung hat einen festen Wert und wechselt ihr Vorzeichen nicht. Typische Quellen für Gleichstrom sind Batterien, Akkumulatoren, Solarzellen und geregelte Netzteile. Die Spannung bleibt – bei idealen Quellen – über die Zeit konstant.

Wechselstrom (AC – Alternating Current) hingegen wechselt periodisch seine Richtung. In Österreich und dem restlichen europäischen Verbundnetz beträgt die Frequenz 50 Hz, das heißt, die Stromrichtung ändert sich 100-mal pro Sekunde. Die Nennspannung von 230 V AC ist dabei ein Effektivwert, kein Momentanwert.

Für die Praxis als Mechatroniker bedeutet das: Steuerungskreise, Sensorversorgungen (z. B. 24 V DC) und Elektronik laufen fast immer mit Gleichstrom. Antriebsmotoren und Heizungen nutzen Wechselstrom aus dem Netz. Das Verständnis der Gleichstromtechnik ist die Basis, um später Schaltungen richtig zu analysieren und Fehler zu finden.

Elektrische Größen im Überblick

Im Gleichstromkreis arbeiten wir mit drei Grundgrößen:

  • Spannung U in Volt (V) – der „Druck“, der Ladungen antreibt
  • Strom I in Ampere (A) – die Menge der fließenden Ladungen pro Sekunde
  • Widerstand R in Ohm (Ω) – der Widerstand gegen den Stromfluss
Spannungsverlauf: Gleichstrom vs. Wechselstrom
GLEICHSTROM (DC) konstante Spannung, eine Richtung +U 0 t WECHSELSTROM (AC) sinusförmig, 50 Hz in Österreich 0 −Û t DC: 24 V konstant (z. B. Steuerkreis) AC: 230 V / 50 Hz (Netzspannung)

Die technische Stromrichtung wurde historisch als Bewegung vom Plus- zum Minuspol festgelegt – also entgegengesetzt zur tatsächlichen Elektronenbewegung. Diese Konvention gilt in allen Normen und Schaltplänen. In der Praxis spielt das meist keine Rolle, solange man konsequent eine Richtung verwendet.

Praxisbeispiel

Eine SPS-Steuerung (z. B. SIMATIC S7) arbeitet intern mit 24 V DC. Das Netzteil wandelt die 230 V AC aus dem Netz in diesen geregelten Gleichstrom um. Alle Sensorsignale (0/1-Pegel) und Ausgangssignale (Schütze, Ventile) werden über diesen 24-V-DC-Kreis versorgt und geschaltet.

Verständnisfrage · Kapitel 1

Eine Batterie liefert 12 V. Wie verhält sich die Spannung über die Zeit (bei idealem Verhalten)?


Kapitel 02

Wie beschreibt das Ohmsche Gesetz den Zusammenhang von Spannung, Strom und Widerstand?

Das Ohmsche Gesetz ist das wichtigste Grundgesetz der Elektrotechnik. Es beschreibt den linearen Zusammenhang zwischen Spannung U, Strom I und Widerstand R in einem ohmschen Leiter (einem Leiter, dessen Widerstand von Spannung und Strom unabhängig ist).

Georg Simon Ohm stellte 1827 experimentell fest: Je größer die Spannung an einem Widerstand, desto größer der Strom – und zwar in einem konstanten Verhältnis. Dieses Verhältnis ist der elektrische Widerstand R.

Ohmsches Gesetz – drei Formen

U = R · I    [V = Ω · A]
I = U / R    [A = V / Ω]
R = U / I    [Ω = V / A]
U
Spannung in Volt (V)
I
Strom in Ampere (A) – Formelzeichen I nach frz. intensité du courant
R
Widerstand in Ohm (Ω)

Das Ohmsche Gesetz gilt für ohmsche Verbraucher – also reine Widerstände wie Heizdrähte, Glühlampen (näherungsweise), Messwiderstände und Leitungswiderstände. Es gilt nicht für Halbleiterbauelemente (Dioden, Transistoren), Kondensatoren oder Spulen, die frequenzabhängige Widerstände (Impedanzen) aufweisen.

Das Ohmsche Dreieck – Merkregel zur Umformung
U R I Gewünschte Größe abdecken → Rest zeigt die Formel U abdecken → U = R · I R abdecken → R = U / I I abdecken → I = U / R
Häufiger Denkfehler

Viele verwechseln Spannung und Strom: Die Spannung ist die Ursache (der „Druck“), der Strom ist die Wirkung (der „Fluss“). Ein hoher Widerstand bei gleicher Spannung führt zu weniger Strom – nicht zu mehr.

⚡ Interaktiver Rechner – Ohmsches Gesetz
Spannung U 24 V
Widerstand R 100 Ω
Strom I
0,24
A
I = U / R
Strom I
240,00
mA
in Milliampere
Leistung P
5,76
W
P = U · I

Ein praktisches Beispiel: Eine LED-Leuchte soll an 24 V DC betrieben werden. Die LED selbst hat eine Durchlassspannung von 2,0 V und soll 20 mA führen. Der Vorwiderstand muss den Rest der Spannung „aufnehmen“: U_R = 24 V − 2 V = 22 V, also R = 22 V / 0,02 A = 1100 Ω (nächster Normwert: 1,1 kΩ).

Verständnisfrage · Kapitel 2

An einem Widerstand von 470 Ω liegen 9,4 V an. Wie groß ist der fließende Strom?


Kapitel 03

Wie berechnet man Widerstände in Reihen- und Parallelschaltung?

In der Praxis sind selten einzelne Widerstände anzutreffen – meist sind mehrere in Kombination geschaltet. Es gibt zwei Grundschaltungen: die Reihenschaltung (alle Widerstände hintereinander) und die Parallelschaltung (alle Widerstände nebeneinander). Jede hat charakteristische Eigenschaften.

Reihenschaltung

Bei einer Reihenschaltung fließt durch alle Widerstände derselbe Strom. Die Gesamtspannung teilt sich auf die einzelnen Widerstände auf. Der Gesamtwiderstand ist die Summe aller Einzelwiderstände.

Reihenschaltung – Formeln

Rges = R₁ + R₂ + R₃ + … + Rₙ
I = I₁ = I₂ = I₃   (Strom überall gleich)
Uges = U₁ + U₂ + U₃   (Spannungen addieren sich)
U_x = Uges · (R_x / Rges)   (Spannungsteiler)
Reihenschaltung – Schaltbild & Stromfluss
U=12V R1 100 Ω R2 200 Ω R3 100 Ω I = 30 mA U1=3V U2=6V U3=3V R_ges = 400 Ω · I = 12V/400Ω = 30 mA

Parallelschaltung

Bei einer Parallelschaltung liegt an allen Widerständen dieselbe Spannung. Der Strom teilt sich auf. Der Gesamtwiderstand ist immer kleiner als der kleinste Einzelwiderstand. Je mehr Widerstände parallel geschaltet werden, desto kleiner wird der Gesamtwiderstand.

Parallelschaltung – Formeln

1/Rges = 1/R₁ + 1/R₂ + 1/R₃ + …
Bei 2 Widerständen: Rges = (R₁ · R₂) / (R₁ + R₂)
U = U₁ = U₂ = U₃   (Spannung überall gleich)
Iges = I₁ + I₂ + I₃   (Ströme addieren sich)
Parallelschaltung – Schaltbild & Stromaufteilung
U=12V R1 100 Ω I1=120mA R2 200 Ω I2=60mA I_ges=180mA R_ges = (100·200)/(100+200) = 66,7 Ω
Merksatz

Reihe: Widerstände addieren sich. Strom ist konstant. Spannung teilt sich auf.
Parallel: Kehrwerte addieren sich. Spannung ist konstant. Strom teilt sich auf.

Eigenschaft Reihenschaltung Parallelschaltung
Strom I überall gleich: I = konst. teilt sich auf: I_ges = I₁+I₂+…
Spannung U teilt sich auf: U_ges = U₁+U₂+… überall gleich: U = konst.
Gesamtwiderstand R_ges R_ges = R₁+R₂+… (größer als größter R) 1/R_ges = 1/R₁+1/R₂+… (kleiner als kleinster R)
Ausfall eines Bauteils gesamter Kreis unterbrochen nur der betroffene Zweig unterbrochen
Typische Anwendung Spannungsteiler, Vorwiderstände Parallelverbraucher, Hausinstallation
Verständnisfrage · Kapitel 3

Zwei Widerstände R₁ = 300 Ω und R₂ = 600 Ω liegen parallel. Welcher Gesamtwiderstand ergibt sich?


Kapitel 04

Was bedeuten elektrische Leistung und Energie im Gleichstromkreis?

Das Ohmsche Gesetz beschreibt die Beziehung zwischen Spannung, Strom und Widerstand – aber es sagt noch nichts darüber aus, wie viel Energie dabei umgesetzt wird. Dafür brauchen wir die Begriffe elektrische Leistung und elektrische Energie.

Elektrische Leistung P gibt an, wie viel Energie pro Sekunde in einem Verbraucher umgesetzt wird. Die Einheit ist Watt (W). Ein Widerstand, durch den Strom fließt, setzt diese Energie als Wärme um – das nennt man den Jouleschen Erwärmungseffekt.

Elektrische Leistung – Grundformeln

P = U · I    [W = V · A]
P = I² · R    (wenn U unbekannt)
P = U² / R    (wenn I unbekannt)
P
Leistung in Watt (W)
U
Spannung in Volt (V)
I
Strom in Ampere (A)
R
Widerstand in Ohm (Ω)

Elektrische Energie W ist das Produkt aus Leistung und Zeit. Sie gibt an, wie viel Arbeit über einen bestimmten Zeitraum verrichtet wird. Die physikalische Einheit ist Joule (J = Ws), in der Praxis wird jedoch meist die Kilowattstunde (kWh) verwendet.

Elektrische Energie

W = P · t    [Ws = W · s]
W [kWh] = P [W] · t [h] / 1000
W
Energie in Wattsekunden (Ws) oder Joule (J)
t
Zeit in Sekunden (s) bzw. Stunden (h)
1 kWh
= 3.600.000 J = 3,6 MJ
Praxisbeispiel – Leitungserwärmung

Ein Kabelquerschnitt von 1,5 mm² Kupfer hat pro Meter einen Widerstand von ca. 12 mΩ. Bei 10 A Strom über 20 m (Hin- und Rückleiter = 40 m) ergibt sich: R = 40 m · 12 mΩ/m = 480 mΩ. Verlustleistung: P = I² · R = 100 A² · 0,48 Ω = 48 W – diese Wärme muss das Kabel dauerhaft abführen können.

⚡ Leistungsrechner – Gleichstromkreis
Spannung U 24 V
Strom I 5 A
Betriebszeit 8 h
Leistung P
120,0
W
P = U · I
Widerstand R
4,80
Ω
R = U / I
Energie W
0,960
kWh
W = P · t / 1000
Verständnisfrage · Kapitel 4

Eine Heizung arbeitet mit 230 V und zieht 4 A. Wie viel Energie verbraucht sie in 3 Stunden?


Kapitel 05

Wie funktioniert ein Spannungsteiler – belastet und unbelastet?

Der Spannungsteiler ist eine der wichtigsten Grundschaltungen der Elektrotechnik. Er besteht aus zwei (oder mehr) Widerständen in Reihe und liefert an deren Verbindungspunkt eine definierte Teilspannung. Anwendungen: Referenzspannungen, Pegelanpassung, analoge Sensorauswertung.

Unbelasteter Spannungsteiler

Wenn kein Strom aus dem Abgriffspunkt entnommen wird (oder nur ein vernachlässigbar kleiner), gilt die einfache Formel:

Unbelasteter Spannungsteiler

U₂ = Uges · R₂ / (R₁ + R₂)
U₁ = Uges · R₁ / (R₁ + R₂)
U₂
Teilspannung am Abgriffswiderstand R₂
Uges
Gesamtspannung (Versorgungsspannung)
R₁, R₂
Widerstandswerte in Ohm

Belasteter Spannungsteiler

Sobald ein Verbraucher (Lastwiderstand R_L) angeschlossen wird, verändert sich die Ausgangsspannung. R_L liegt parallel zu R₂ – der effektive untere Widerstand wird kleiner, die Ausgangsspannung sinkt. Man muss den Ersatzwiderstand R₂‘ = (R₂ · R_L) / (R₂ + R_L) berechnen und dann die Spannungsteilerformel anwenden.

Belasteter Spannungsteiler

R₂‘ = (R₂ · R_L) / (R₂ + R_L)   (Parallelersatz)
U₂‘ = Uges · R₂‘ / (R₁ + R₂‘)
Wichtiger Denkfehler

Ein Spannungsteiler ist kein Spannungsregler. Wenn der Laststrom variiert, ändert sich die Ausgangsspannung. Für stabile Ausgangsspannungen braucht man einen geregelten Spannungsregler (z. B. 7805, LM317) oder eine Zener-Diode als einfache Referenz.

Spannungsteiler – Schaltbild (unbelastet & belastet)
UNBELASTET U_ges R₁ U₂ (Ausgang) R₂ U₂ = U_ges · R₂/(R₁+R₂) BELASTET U_ges R₁ R₂ R_L U₂‘ < U₂ wegen R_L ∥ R₂ = R₂‘
⚡ Spannungsteiler-Rechner (belastet & unbelastet)
Gesamtspannung U_ges 12 V
R₁ (oberer Widerstand) 1000 Ω
R₂ (unterer Widerstand) 1000 Ω
R_L (Last, 0 = offen) ∞ (offen)
U₂ unbelastet
6,00
V
ohne Last
U₂ belastet
6,00
V
mit Last R_L
Spannungsabfall
0,00
V
Δ durch Last
Verständnisfrage · Kapitel 5

Ein Spannungsteiler aus R₁ = R₂ = 1 kΩ liegt an 10 V. Welche Spannung fällt an R₂ ab (unbelastet)?


Kapitel 06

Was sagen die Kirchhoffschen Gesetze, und wann braucht man sie?

Das Ohmsche Gesetz und einfache Reihen-/Parallelformeln reichen für verzweigte Netzwerke oft nicht aus. Bei komplexen Schaltungen mit mehreren Quellen oder Maschenstrukturen braucht man die Kirchhoffschen Gesetze (1845 von Gustav Robert Kirchhoff formuliert).

1. Kirchhoffsches Gesetz – Knotenregel (KCL)

In jedem Knotenpunkt eines elektrischen Netzwerks ist die Summe aller zufließenden Ströme gleich der Summe aller abfließenden Ströme. Anschaulich: Was hineinfließt, muss auch wieder herausfließen – Ladung kann sich nicht ansammeln.

Knotenregel (KCL – Kirchhoff’s Current Law)

∑ I_zu = ∑ I_ab
∑ I = 0   (Vorzeichen: zufließend +, abfließend −)

2. Kirchhoffsches Gesetz – Maschenregel (KVL)

In jeder geschlossenen Masche eines Netzwerks ist die Summe aller Spannungen gleich null. Spannungsquellen treiben den Strom an, Widerstände verursachen Spannungsabfälle. Beide Anteile heben sich in der Masche auf.

Maschenregel (KVL – Kirchhoff’s Voltage Law)

∑ U = 0   (in einer geschlossenen Masche)
U_Quelle = U_R1 + U_R2 + U_R3 + …
Maschenregel – KVL in einer einfachen Masche
U Quelle + R₁ ↓ U_R1 R₂ ↓ U_R2 R₃ U_R3 Umlaufrichtung I → ∑U = 0: U − U_R1 − U_R2 − U_R3 = 0
Knotenregel – Stromaufteilung an einem Knoten
Knoten K I₁ = 5 A → I₂ = 3 A I₃ = 2 A I₁ = I₂ + I₃  →  5 A = 3 A + 2 A ✓
Wann brauche ich Kirchhoff?

Die Kirchhoffschen Gesetze sind immer dann nötig, wenn sich eine Schaltung nicht auf einfache Reihen- oder Parallelschaltungen reduzieren lässt. Typische Fälle: Brückenschaltungen (Wheatstone-Brücke), Schaltungen mit mehreren Spannungsquellen, verzweigte Netzwerke mit Maschen.

Vorgehensweise Maschenanalyse

1. Alle Maschen und Knotenpunkte einzeichnen.
2. Umlaufrichtungen festlegen (frei wählbar – negative Vorzeichen zeigen an, dass man falsch geschätzt hat).
3. KCL-Gleichungen für alle Knoten minus 1 aufstellen.
4. KVL-Gleichungen für alle unabhängigen Maschen aufstellen.
5. Gleichungssystem lösen (Substitution oder Matrix).

Verständnisfrage · Kapitel 6

An einem Knoten fließen I₁ = 8 A und I₂ = 3 A zu. I₃ fließt ab. Wie groß ist I₃?


Kapitel 07

Wie verhält sich ein Kondensator im Gleichstromkreis?

Ein Kondensator besteht aus zwei leitenden Flächen (Elektroden/Belägen), die durch einen Isolator (Dielektrikum) voneinander getrennt sind. Er kann elektrische Energie im elektrischen Feld speichern. Die Kennzahl ist die Kapazität C in der Einheit Farad (F).

Im Gleichstromkreis verhält sich ein Kondensator grundlegend anders als ein Widerstand: Gleichstrom kann einen idealen Kondensator im eingeschwungenen Zustand nicht dauerhaft durchfließen. Beim Einschalten fließt zunächst ein Ladestrom – sobald der Kondensator vollständig aufgeladen ist, stoppt der Strom.

Kondensator – Grundformeln

Q = C · U    [As = F · V]
Ladevorgang: u_C(t) = U · (1 − e^(−t/τ))
τ = R · C    (Zeitkonstante in Sekunden)
Nach 5τ: Kondensator zu ≈ 99,3% geladen
Q
Ladung in Coulomb (As)
C
Kapazität in Farad (F)
τ
Zeitkonstante (tau) in Sekunden
R
Ladewiderstand in Ohm (Ω)
Ladekurve eines Kondensators (RC-Glied)
U 100% 63% t ≈99,3% u_C = 63%·U Kondensatorspannung u_C(t) Ladestrom i(t)

Nach einer Zeitkonstante τ = R·C ist der Kondensator auf 63,2% der Endspannung aufgeladen – ein fixer Wert, unabhängig von R und C. Nach 5τ gilt er als praktisch vollständig geladen (99,3%). Dieser Zusammenhang ist fundamental für Zeitglieder, Filter und Schutzschaltungen.

Norm / Sicherheitshinweis

Großkondensatoren (z. B. in Umrichtern, Schweißgeräten) können auch nach dem Abschalten noch gefährliche Spannungen führen. Laut ÖVE/ÖNORM EN 50110 und den 5 Sicherheitsregeln ist vor Arbeiten an solchen Anlagen die Entladezeit abzuwarten oder der Kondensator gezielt zu entladen und die Spannungsfreiheit zu messen.

Verständnisfrage · Kapitel 7

Ein Kondensator C = 100 µF wird über R = 10 kΩ aufgeladen. Wie groß ist die Zeitkonstante τ?


Rechenaufgaben

📐
Beispielrechnungen 2 vollständig vorgerechnete Beispiele
Beispiel 01
Eine Reihenschaltung aus R₁ = 120 Ω, R₂ = 180 Ω und R₃ = 300 Ω liegt an U = 24 V. Berechnen Sie Gesamtwiderstand, Strom und die Spannung an jedem Widerstand.
Lösungsweg
Gesamtwiderstand: R_ges = R₁ + R₂ + R₃ = 120 + 180 + 300 = 600 Ω
Gesamtstrom: I = U / R_ges = 24 V / 600 Ω = 0,04 A = 40 mA
U₁ = I · R₁ = 0,04 A · 120 Ω = 4,8 V
U₂ = I · R₂ = 0,04 A · 180 Ω = 7,2 V
U₃ = I · R₃ = 0,04 A · 300 Ω = 12,0 V
Probe: U₁ + U₂ + U₃ = 4,8 + 7,2 + 12,0 = 24 V ✓
Ergebnis: R_ges = 600 Ω | I = 40 mA | U₁ = 4,8 V | U₂ = 7,2 V | U₃ = 12 V
Beispiel 02
R₁ = 500 Ω und R₂ = 1000 Ω liegen parallel an U = 15 V. Berechnen Sie R_ges, Gesamtstrom, Teilströme und die Leistung beider Widerstände.
Lösungsweg
R_ges = (R₁ · R₂) / (R₁ + R₂) = (500 · 1000) / (500 + 1000) = 500.000 / 1500 = 333,33 Ω
I_ges = U / R_ges = 15 V / 333,33 Ω = 0,045 A = 45 mA
I₁ = U / R₁ = 15 V / 500 Ω = 0,03 A = 30 mA
I₂ = U / R₂ = 15 V / 1000 Ω = 0,015 A = 15 mA
Probe: I₁ + I₂ = 30 + 15 = 45 mA = I_ges ✓
P₁ = U · I₁ = 15 · 0,03 = 0,45 W  |  P₂ = 15 · 0,015 = 0,225 W
P_ges = P₁ + P₂ = 0,675 W = U · I_ges = 15 · 0,045 = 0,675 W ✓
Ergebnis: R_ges ≈ 333,3 Ω | I_ges = 45 mA | P_ges = 0,675 W
✏️
Übungsaufgaben 5 Aufgaben
Aufgabe 01 – Leicht
An einem Widerstand R = 220 Ω fließen 50 mA. Welche Spannung liegt an ihm an? (Ergebnis in Volt)
Formelhinweis: U = R · I
V
Lösungsweg
U = R · I = 220 Ω · 0,05 A = 11 V
Ergebnis: U = 11 V
Aufgabe 02 – Leicht
Drei Widerstände R₁ = 100 Ω, R₂ = 150 Ω, R₃ = 250 Ω liegen in Reihe an 24 V. Wie groß ist der Gesamtstrom? (Ergebnis in mA)
Formelhinweis: R_ges = R₁+R₂+R₃, dann I = U/R_ges
mA
Lösungsweg
R_ges = 100 + 150 + 250 = 500 Ω
I = U / R_ges = 24 V / 500 Ω = 0,048 A = 48 mA
Ergebnis: I = 48 mA
Aufgabe 03 – Mittel
R₁ = 680 Ω und R₂ = 1200 Ω liegen parallel. Welcher Gesamtwiderstand ergibt sich? (Ergebnis in Ω, auf 1 Stelle runden)
Formelhinweis: R_ges = (R₁ · R₂) / (R₁ + R₂)
Ω
Lösungsweg
R_ges = (680 · 1200) / (680 + 1200)
R_ges = 816.000 / 1.880 = 434,0 Ω
Ergebnis: R_ges ≈ 434,0 Ω
Aufgabe 04 – Mittel
Ein Elektromotor in einer Steueranlage nimmt bei 24 V DC eine Leistung von 36 W auf. Wie groß ist sein Betriebsstrom? (Ergebnis in A)
Formelhinweis: P = U · I → I = P / U
A
Lösungsweg
I = P / U = 36 W / 24 V = 1,5 A
Ergebnis: I = 1,5 A
Aufgabe 05 – Anspruchsvoll
Ein unbelasteter Spannungsteiler aus R₁ = 4,7 kΩ und R₂ = 2,2 kΩ liegt an 15 V. Berechnen Sie die Ausgangsspannung U₂ am unteren Widerstand R₂. (Ergebnis in V, auf 2 Stellen)
Formelhinweis: U₂ = U_ges · R₂ / (R₁ + R₂)
V
Lösungsweg
R_ges = R₁ + R₂ = 4700 + 2200 = 6900 Ω
U₂ = 15 V · 2200 / 6900 = 15 · 0,3188 = 4,78 V
Ergebnis: U₂ ≈ 4,78 V

Abschlusstest

Testen Sie Ihr Wissen zu allen sieben Kapiteln. Beantworten Sie alle Fragen und werten Sie dann das Gesamtergebnis aus.

Frage 01 Welche Aussage trifft auf Gleichstrom zu?
Frage 02 An einem Widerstand R = 560 Ω liegen 5,6 V an. Wie groß ist der Strom?
Frage 03 Was gilt bei einer Reihenschaltung von Widerständen?
Frage 04 Welche Formel berechnet die elektrische Leistung korrekt?
Frage 05 Was passiert bei einem belasteten Spannungsteiler im Vergleich zum unbelasteten?
Frage 06 Was besagt die Knotenregel (1. Kirchhoffsches Gesetz)?
Frage 07 Was passiert, wenn ein Kondensator im DC-Kreis vollständig geladen ist?
Frage 08 Wie groß ist die Zeitkonstante τ eines RC-Glieds mit R = 2,2 kΩ und C = 470 µF?
Frage 09 Welche Einheit hat die elektrische Energie?
Frage 10 R₁ = 200 Ω und R₂ = 300 Ω liegen parallel an 12 V. Wie groß ist der Gesamtstrom?

Typische Prüfungsfragen

Die folgenden Fragen entsprechen typischen mündlichen Prüfungsfragen in der Mechatroniker-Ausbildung. Versuchen Sie zuerst, selbst zu antworten, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.

01Was ist der Unterschied zwischen Gleichstrom und Wechselstrom?

Gleichstrom (DC) fließt stets in einer konstanten Richtung, die Spannung hat einen unveränderlichen Wert. Wechselstrom (AC) wechselt periodisch die Richtung, in Österreich mit 50 Hz. Quellen für DC sind Batterien, Akkus, Netzteile; AC kommt aus dem öffentlichen Stromnetz. Elektronik und Steuerkreise (z. B. 24 V DC für SPS) arbeiten immer mit Gleichstrom.

02Erklären Sie das Ohmsche Gesetz und nennen Sie alle drei Umformungen.

Das Ohmsche Gesetz beschreibt den linearen Zusammenhang zwischen Spannung, Strom und Widerstand an einem ohmschen Leiter. Die drei Formen lauten: U = R · I (Spannung), I = U / R (Strom), R = U / I (Widerstand). Es gilt nur für ohmsche Bauteile – nicht für Kondensatoren, Spulen oder Halbleiter.

03Was sind die Unterschiede zwischen Reihen- und Parallelschaltung?

Reihenschaltung: Gleicher Strom überall. Spannungen addieren sich. R_ges = Summe aller R. Ausfall eines Bauteils unterbricht den gesamten Kreis.
Parallelschaltung: Gleiche Spannung überall. Ströme addieren sich. 1/R_ges = Summe der Kehrwerte. R_ges ist immer kleiner als der kleinste Einzelwiderstand. Ausfall eines Zweigs unterbricht nur diesen Zweig.

04Was ist die Zeitkonstante τ (Tau) und was sagt sie aus?

Die Zeitkonstante τ = R · C beschreibt die Geschwindigkeit des Lade- bzw. Entladevorgangs eines Kondensators. Nach einer Zeitkonstante τ ist der Kondensator auf 63,2 % der Endspannung aufgeladen. Nach 5τ gilt er als praktisch vollständig geladen (99,3 %). τ hat die Einheit Sekunden. Ein großes R oder C bedeutet langsames Laden – dieser Zusammenhang wird bei Zeitgliedern gezielt genutzt.

05Was ist der Unterschied zwischen elektrischer Leistung und elektrischer Energie?

Leistung P (in Watt, W) gibt an, wie viel Energie pro Sekunde umgesetzt wird – sie beschreibt das „Tempo“ des Energieumsatzes. Energie W (in Joule J oder Wattstunden Wh) ist das Produkt aus Leistung und Zeit: W = P · t. Ein 1000-W-Gerät verbraucht in 1 Stunde 1 kWh Energie. Die Leistung ist eine Momentgröße, die Energie eine akkumulierte Größe.

06Erklären Sie die Kirchhoffschen Gesetze und wann man sie anwendet.

1. Kirchhoffsches Gesetz (Knotenregel, KCL): Die Summe aller Ströme in einem Knoten ist null. Was hineinfließt, fließt auch wieder heraus.
2. Kirchhoffsches Gesetz (Maschenregel, KVL): Die Summe aller Spannungen in einer geschlossenen Masche ist null.
Anwendung: Bei komplexen Netzwerken, die nicht auf einfache Reihen-/Parallelschaltungen reduzierbar sind – z. B. Wheatstone-Brücke, Mehrquellennetze.

07Warum sperrt ein Kondensator im eingeschwungenen DC-Kreis den Strom?

Wenn der Kondensator vollständig auf die Quellspannung aufgeladen ist, gibt es keinen Potentialunterschied mehr zwischen Quelle und Kondensator. Da kein Spannungsgefälle mehr besteht, kann kein Strom fließen. Im eingeschwungenen DC-Zustand ist ein idealer Kondensator wie eine offene Schaltstelle – er „sperrt“ DC. Für Wechselstrom verhält er sich anders, da er sich ständig auf- und entlädt.

08Welche Schutzmaßnahmen sind laut ÖVE/ÖNORM EN 50110 vor Arbeiten an Kondensatoranlagen zu treffen?

Gemäß den 5 Sicherheitsregeln der ÖVE/ÖNORM EN 50110 muss die Anlage: 1. freigeschaltet, 2. gegen Wiedereinschalten gesichert, 3. auf Spannungsfreiheit geprüft werden. Zusätzlich sind bei Kondensatoren: 4. die Entladezeit abzuwarten oder der Kondensator aktiv zu entladen, 5. Kurzschluss herzustellen und 6. benachbarte Teile zu erden oder abzudecken. Die Spannungsfreiheit ist mit einem geeigneten Messgerät zu messen – Großkondensatoren können auch nach dem Abschalten noch gefährliche Spannungen führen.


Formelsammlung

Ohmsches Gesetz

U = R · I
I = U / R
R = U / I
U
Spannung in V
I
Strom in A
R
Widerstand in Ω

Reihenschaltung

R_ges = R₁ + R₂ + … + Rₙ
I = konst. in der Reihe
U_ges = U₁ + U₂ + …

Parallelschaltung

1/R_ges = 1/R₁ + 1/R₂ + …
R_ges = (R₁·R₂)/(R₁+R₂)
I_ges = I₁ + I₂ + …

Elektrische Leistung

P = U · I
P = I² · R
P = U² / R
P
Leistung in W

Elektrische Energie

W = P · t  [Ws = J]
W [kWh] = P·t / 1000
t
Zeit in Sekunden (s) bzw. Stunden (h)

Spannungsteiler (unbelastet)

U₂ = U_ges · R₂/(R₁+R₂)
U₁ = U_ges · R₁/(R₁+R₂)

Spannungsteiler (belastet)

R₂‘ = (R₂·R_L)/(R₂+R_L)
U₂‘ = U_ges · R₂’/(R₁+R₂‘)

Kirchhoffsche Gesetze

∑ I = 0  (Knoten, KCL)
∑ U = 0  (Masche, KVL)

Kondensator & RC-Glied

Q = C · U  [As = F·V]
τ = R · C  [s = Ω·F]
u_C(t) = U·(1−e^(−t/τ))
τ
Zeitkonstante in s
C
Kapazität in F

Einheitenpräfixe

1 kΩ = 1000 Ω
1 mA = 0,001 A
1 µF = 10⁻⁶ F
k
Kilo = 10³
m
Milli = 10⁻³
µ
Mikro = 10⁻⁶

Glossar

  • Gleichstrom (DC) – Elektrischer Strom, der stets in einer konstanten Richtung fließt. Spannung und Strom haben unveränderliche Vorzeichen. Quellen: Batterien, Akkus, Netzteile.
  • Wechselstrom (AC) – Elektrischer Strom, der periodisch die Richtung wechselt. In Österreich: Frequenz 50 Hz, Nennspannung 230 V (Effektivwert).
  • Spannung U – Elektrische Potentialdifferenz zwischen zwei Punkten, gemessen in Volt (V). Treibt Ladungsträger durch den Leiter an.
  • Strom I – Gerichtete Bewegung von Ladungsträgern, gemessen in Ampere (A). Technische Richtung: vom Pluspol zum Minuspol.
  • Widerstand R – Eigenschaft eines Leiters, den Stromfluss zu hemmen. Einheit: Ohm (Ω). Formel: R = U / I.
  • Ohmsches Gesetz – Grundgesetz der Elektrotechnik: U = R · I. Gilt für ohmsche Leiter, deren Widerstand von Spannung und Strom unabhängig ist.
  • Reihenschaltung – Verbindung von Bauteilen hintereinander. Strom ist konstant, Spannungen addieren sich, R_ges = Summe aller R.
  • Parallelschaltung – Verbindung von Bauteilen nebeneinander. Spannung ist konstant, Ströme addieren sich, R_ges kleiner als kleinster R.
  • Leistung P – Energie pro Zeiteinheit, in Watt (W). Formel: P = U · I.
  • Energie W – Akkumulierte Leistung über eine Zeit. Einheit: Joule (J = Ws) oder Kilowattstunde (kWh).
  • Spannungsteiler – Reihenschaltung aus zwei Widerständen zur Erzeugung einer definierten Teilspannung. Belastungsabhängig.
  • Kirchhoffsche Gesetze – Zwei Grundgesetze der Netzwerkanalyse: Knotenregel (ΣI = 0) und Maschenregel (ΣU = 0). Unerlässlich für verzweigte Netzwerke.
  • Kondensator – Bauteil zur Speicherung elektrischer Energie im elektrischen Feld. Kapazität C in Farad (F). Sperrt DC im eingeschwungenen Zustand.
  • Kapazität C – Kennzahl eines Kondensators, beschreibt die gespeicherte Ladung pro Volt. Einheit: Farad (F). Q = C · U.
  • Zeitkonstante τ – Produkt aus Widerstand R und Kapazität C (τ = R·C). Gibt an, wie schnell ein Kondensator aufgeladen wird. Nach 1τ: 63,2 % geladen; nach 5τ: 99,3 % geladen.
  • Joulscher Erwärmungseffekt – Erwärmung eines Leiters durch den hindurchfließenden Strom. Verlustleistung P = I² · R.
  • Knotenregel (KCL) – 1. Kirchhoffsches Gesetz: Die Summe aller zufließenden Ströme an einem Knoten gleicht der Summe aller abfließenden Ströme.
  • Maschenregel (KVL) – 2. Kirchhoffsches Gesetz: Die Summe aller Spannungen (Quellen und Abfälle) in einer geschlossenen Masche ist null.
  • Dielektrikum – Isolierender Werkstoff zwischen den Elektroden eines Kondensators. Bestimmt die Kapazität (εᵣ-Wert).
  • ÖVE/ÖNORM EN 50110 – Österreichische Norm für den Betrieb elektrischer Anlagen. Enthält u. a. die 5 Sicherheitsregeln, die vor Arbeiten an elektrischen Anlagen einzuhalten sind.

Stand & Quellen

Stand: April 2026. Inhalte basieren auf den geltenden österreichischen Normen und elektrotechnischen Grundlagen.

  • ÖVE/ÖNORM EN 50110-1: Betrieb elektrischer Anlagen (österreichische Fassung)
  • Österreichisches Elektrotechnikgesetz (ETG 1992, BGBl. Nr. 106/1993 idgF.)
  • Elektroschutzverordnung 2012 (ESV 2012), BGBl. II Nr. 33/2012
  • Moeller/Eaton: Elektrotechnische Grundlagen der Automatisierungstechnik
  • Harriehausen/Schwarzenau: Moeller Grundlagen der Elektrotechnik
  • Austrian Standards Institute (ASI), Wien – e-norm.at

Scroll to Top