FU-Parametrierung und Inbetriebnahme

Ein Frequenzumrichter ist nicht „plug and play“. Aus dem Karton geholt und angeklemmt steuert er den Motor zwar irgendwie an – aber selten so, wie die Anwendung braucht. Das Drehmoment beim Anfahren stimmt nicht, der Motor läuft zu heiß, die Rampe ist zu hart oder der FU schaltet ständig auf Störung. Erst die richtigen Parameter machen aus dem Gerät einen brauchbaren Antrieb.

Dieser Beitrag zeigt, welche Werte ein Frequenzumrichter zwingend braucht, wie man Steuerart, Rampen und Schutzfunktionen passend zur Anwendung wählt und wie eine saubere Erst-Inbetriebnahme abläuft – von der Sicherheitsprüfung bis zum gesicherten Parametersatz.

Vorwissen

  • Frequenzumrichter – Funktion und Anwendung
  • Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
  • Motortypenschild lesen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die Pflicht-Motordaten benennen, die ein FU für den korrekten Betrieb braucht, und erklären, woher sie stammen
  • die Steuerarten U/f-Steuerung, geberlose Vektorregelung und Vektorregelung mit Geber unterscheiden und der passenden Anwendung zuordnen
  • den Zusammenhang zwischen Frequenz, Drehzahl und Drehmoment im Grunddrehzahl- und im Feldschwächbereich erklären
  • Hochlauf- und Auslauframpen sowie die thermischen Schutzfunktionen eines FU sinnvoll parametrieren
  • die Schritte einer sicheren Erst-Inbetriebnahme in der richtigen Reihenfolge durchführen

1. Vor der Parametrierung: Was der FU vom Motor wissen muss

Der Frequenzumrichter erzeugt aus dem starren Drehstromnetz eine in Frequenz und Spannung frei einstellbare Versorgung für den Motor. Damit er das passend zum angeschlossenen Motor tun kann, muss er dessen elektrische Eckdaten kennen. Diese Daten stehen auf dem Typenschild des Motors – wie man es liest, ist ein Thema für sich. Hier geht es nur darum, welche Werte in welche Parameter wandern.

Die Pflichtangaben, die praktisch jeder FU verlangt:

  • Bemessungsspannung des Motors in der gewählten Schaltung (z. B. 400 V)
  • Bemessungsstrom in A
  • Bemessungsfrequenz in Hz (meist 50 Hz)
  • Bemessungsdrehzahl in 1/min
  • Bemessungsleistung in kW
  • Leistungsfaktor cos φ
  • die gewählte Wicklungsschaltung (Stern oder Dreieck)

Der letzte Punkt ist der häufigste Stolperpunkt: Auf dem Typenschild stehen zwei Spannungswerte (z. B. 230/400 V), die zur Stern- bzw. Dreieckschaltung gehören. Welche Schaltung am Klemmenbrett tatsächlich gebrückt ist, entscheidet, welcher Spannungswert in den FU gehört. Stimmen Schaltung und eingegebene Spannung nicht zusammen, ist die gesamte Parametrierung von Anfang an falsch.

Mehr braucht dieses Kapitel nicht. Die eigentliche Arbeit beginnt bei der Steuerart.

Ein Motor trägt die Typenschildangabe 230 V Δ / 400 V Y. Am Klemmenbrett ist die Dreieckschaltung gebrückt. Welcher Spannungswert gehört in den Motor-Parameter des FU?

  • a) 400 V, weil der FU am 400-V-Netz hängt
  • b) 230 V
  • c) der Mittelwert aus beiden Angaben
  • d) die Angabe ist für den FU irrelevant

Richtig: b)

Erklärung: Maßgeblich ist die Spannung, die in der tatsächlich verdrahteten Schaltung an einer Wicklung anliegt. In Dreieckschaltung liegt die volle Außenleiterspannung als Strangspannung an der Wicklung – hier also der 230-V-Wert. Die Netzspannung sagt nichts über die Wicklungsschaltung aus; der Mittelwert ist physikalisch sinnlos; und die Angabe ist keineswegs irrelevant, sondern die Grundlage der gesamten Parametrierung.

Warum genügt es nicht, einfach „irgendeinen“ 400-V-Motor an einen vorhandenen FU zu klemmen und loszufahren?

  • a) Weil der FU ohne Motordaten Strom, Spannung und Frequenz nicht korrekt auf den Motor abstimmen kann
  • b) Weil die Netzfrequenz erst umgerechnet werden muss
  • c) Der FU passt sich automatisch an jeden Motor an
  • d) Weil jeder Motor eine eigene Firmware benötigt

Richtig: a)

Erklärung: Der FU regelt Ausgangsspannung und -frequenz anhand der hinterlegten Motordaten. Ohne diese kann er weder die richtige Spannung pro Frequenz noch sinnvolle Stromgrenzen einstellen. Eine vollautomatische Anpassung ohne Dateneingabe gibt es nicht; die Netzfrequenz ist nicht das Problem; und eine motorspezifische Firmware existiert in diesem Sinn nicht.

2. Steuerarten: U/f, geberlose Vektorregelung, Vektorregelung mit Geber

Wie der FU den Motor führt, legt die Steuerart fest. Sie ist der Parameter mit dem größten Einfluss auf das Antriebsverhalten – besonders bei niedrigen Drehzahlen und beim Anfahren unter Last.

U/f-Steuerung. Das einfachste Verfahren. Der FU hält das Verhältnis von Spannung zu Frequenz konstant, damit der magnetische Fluss im Motor gleich bleibt. Verdoppelt sich die Frequenz, verdoppelt sich auch die Spannung – bis zur Bemessungsspannung. Der FU misst dabei nicht, was der Motor tatsächlich tut; er steuert „blind“ nach einer festen Kennlinie. Das reicht für Pumpen, Lüfter und Förderbänder ohne hohe Anforderungen.

Der zugrunde liegende Zusammenhang:

U / f = konstant

  • U … Motorspannung in V
  • f … Ausgangsfrequenz in Hz

Bei sehr niedrigen Frequenzen wird die Spannung so klein, dass der ohmsche Widerstand der Wicklung einen spürbaren Anteil schluckt und das Drehmoment einbricht. Dagegen hilft ein einstellbarer Spannungs-Boost (auch Boost oder IxR-Kompensation): eine kleine Zusatzspannung im unteren Frequenzbereich, die das Anfahrmoment anhebt.

Geberlose Vektorregelung (sensorless vector control). Hier rechnet der FU intern ein Motormodell mit und schätzt aus Strom und Spannung laufend, wie der Motor steht und welches Moment er liefert. Er regelt das Drehmoment gezielt, ohne einen externen Drehgeber zu brauchen. Das Ergebnis: deutlich besseres Anfahrmoment und stabilere Drehzahl bei Laständerungen. Geeignet für Extruder, Mischer, Hubwerke mit moderaten Anforderungen.

Vektorregelung mit Geber. Ein Drehgeber am Motor meldet die tatsächliche Drehzahl und Lage zurück. Damit regelt der FU präzise bis in den Stillstand und liefert auch bei Drehzahl null das volle Moment – nötig etwa für Positionieraufgaben oder Hubwerke, die unter Last halten müssen. Die Rückführung über Geber und die eigentliche Lageregelung sind eigene, tiefer gehende Themen; hier reicht: mehr Genauigkeit und Moment, dafür mehr Verdrahtung und Aufwand.

Welche Steuerart passt, hängt fast immer am geforderten Drehmoment bei niedriger Drehzahl:

Anwendung Moment bei niedriger Drehzahl Sinnvolle Steuerart
Pumpe, Lüfter gering U/f-Steuerung
Förderband mittel U/f mit Boost oder geberlose Vektorregelung
Extruder, Mischer hoch geberlose Vektorregelung
Hubwerk, Positionierung volles Moment bis Stillstand Vektorregelung mit Geber

Gelöstes Beispiel

Ein vierpoliger Asynchronmotor (also zwei Polpaare) ist für 50 Hz ausgelegt. Der FU arbeitet mit U/f-Steuerung. Welche Spannung stellt der FU bei 25 Hz ein, wenn die Bemessungsspannung 400 V bei 50 Hz beträgt?

Gegeben: U_N = 400 V bei f_N = 50 Hz, f = 25 Hz

Gesucht: Ausgangsspannung U bei 25 Hz in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — U/f-Verhältnis bilden: U_N / f_N = 400 V / 50 Hz = 8 V/Hz
  2. Schritt 2 — Spannung bei 25 Hz: U = 8 V/Hz · 25 Hz = 200 V

Ergebnis: 200 V

Übungen

Ein FU mit U/f-Steuerung hat ein Verhältnis von 8 V/Hz. Welche Spannung liegt bei 30 Hz an?

U = 8 V/Hz · 30 Hz = 240 V

Bei welcher Frequenz erreicht ein Motor mit dem Verhältnis 8 V/Hz seine Bemessungsspannung von 400 V?

f = 400 V / 8 V/Hz = 50 Hz

Ein Antrieb soll bei 10 Hz ein hohes Anfahrmoment liefern, bricht aber spürbar ein. Welcher Parameter hilft und warum?

Der Spannungs-Boost. Bei 10 Hz ist die U/f-Spannung sehr klein (bei 8 V/Hz nur 80 V); ein großer Teil fällt am Wicklungswiderstand ab, der flussbildende Anteil sinkt. Der Boost hebt die Spannung im unteren Bereich gezielt an.

Ein Förderband mit konstanter, moderater Last soll möglichst einfach betrieben werden. Welche Steuerart ist sinnvoll und warum?

U/f-Steuerung, bei Bedarf mit Boost. Die Last ist konstant und nicht kritisch bei niedriger Drehzahl, ein Motormodell ist nicht nötig – die einfachste robuste Lösung genügt.

Ein Wickelantrieb muss bei stark schwankender Last die Drehzahl exakt halten und auch im Stillstand ein definiertes Haltemoment aufbringen. Begründe die Wahl der Steuerart.

Vektorregelung mit Geber. Nur die Geber-Rückführung liefert die tatsächliche Drehzahl/Lage, sodass der FU bis in den Stillstand präzise regeln und volles Moment bei Drehzahl null bereitstellen kann; geberlos wäre die Genauigkeit im unteren Bereich nicht ausreichend.

Was hält die reine U/f-Steuerung konstant?

  • a) das Verhältnis von Spannung zu Frequenz
  • b) den Motorstrom
  • c) die Drehzahl unabhängig von der Last
  • d) das Drehmoment

Richtig: a)

Erklärung: Die U/f-Steuerung hält das Verhältnis U/f konstant, damit der magnetische Fluss gleich bleibt. Den Strom hält sie nicht konstant; die Drehzahl ist lastabhängig (Schlupf); und das Drehmoment regelt sie gerade nicht active – das ist der Vorteil der Vektorverfahren.

Ein Antrieb soll bei sehr niedriger Drehzahl unter Last sicher anfahren und es darf kein externer Geber verbaut werden. Welche Steuerart ist die richtige Wahl?

  • a) reine U/f-Steuerung ohne Boost
  • b) Vektorregelung mit Geber
  • c) geberlose Vektorregelung
  • d) Sanftanlauf statt FU

Richtig: c)

Erklärung: Die geberlose Vektorregelung schätzt das Motorverhalten intern und liefert gutes Anfahrmoment ohne externen Geber. Reine U/f ohne Boost bricht im unteren Bereich ein; Vektorregelung mit Geber scheidet wegen des Geberverbots aus; ein Sanftanlaufgerät kann die Drehzahl im Betrieb nicht verstellen.

Wozu dient der Spannungs-Boost?

  • a) zur Begrenzung des Maximalstroms
  • b) zur Erhöhung der Maximalfrequenz
  • c) zum schnelleren Abbremsen
  • d) zur Anhebung der Spannung im unteren Frequenzbereich für mehr Anfahrmoment

Richtig: d)

Erklärung: Bei niedriger Frequenz ist die U/f-Spannung klein und der Spannungsabfall am Wicklungswiderstand fällt ins Gewicht. Der Boost hebt die Spannung dort an und stützt das Anfahrmoment. Mit Strombegrenzung, Maximalfrequenz und Bremsen hat er nichts zu tun.

3. Frequenz, Drehzahl und der Feldschwächbereich

Die Drehzahl eines Asynchronmotors hängt direkt an der Frequenz, die der FU ausgibt. Über die Frequenz steuert der FU die Drehzahl – das ist sein Kerntrick. Der Zusammenhang über die Synchrondrehzahl:

n_s = (60 * f) / p

  • n_s … synchrone Drehzahl in 1/min
  • f …. Frequenz in Hz
  • p …. Polpaarzahl

Die tatsächliche Motordrehzahl liegt durch den Schlupf etwas darunter, für die Parametrierung der Frequenzgrenzen genügt aber der synchrone Wert als Orientierung.

Zwei Frequenz-Parameter setzt man fast immer: eine Minimalfrequenz und eine Maximalfrequenz. Die Minimalfrequenz verhindert, dass ein eigenbelüfteter Motor dauerhaft so langsam läuft, dass sein Lüfter nicht mehr genug kühlt. Die Maximalfrequenz begrenzt die Drehzahl nach oben – mechanisch (Lager, Wuchtgüte) wie elektrisch.

Grunddrehzahlbereich und Feldschwächbereich

Bis zur Bemessungsfrequenz – meist 50 Hz – steigt mit der Frequenz auch die Spannung mit (U/f konstant). In diesem Grunddrehzahlbereich bleibt der Fluss konstant und der Motor kann sein volles Bemessungsmoment liefern: konstantes Moment.

Oberhalb der Bemessungsfrequenz kann die Spannung nicht weiter steigen – die Netzspannung ist die Obergrenze. Die Frequenz steigt aber weiter. Dadurch sinkt das U/f-Verhältnis, der Fluss wird schwächer. Das nennt man Feldschwächbereich. Hier bleibt die Leistung in etwa konstant, das verfügbare Moment fällt dagegen mit steigender Drehzahl ab.

Grunddrehzahlbereich: Moment konstant, Leistung steigt mit f
Feldschwächbereich: Leistung ~konstant, Moment fällt mit steigender f

Die 87-Hz-Kennlinie

Ein in der Praxis beliebter, aber oft falsch angewandter Trick: die 87-Hz-Kennlinie. Sie nutzt aus, dass ein 230/400-V-Motor in Dreieckschaltung statt in Stern betrieben werden kann, obwohl er am 400-V-Netz hängt.

Das Funktionsprinzip: In Dreieckschaltung verträgt der Motor die volle Außenleiterspannung als Strangspannung. Statt 400 V erst bei 50 Hz (Sternschaltung) zu erreichen, erreicht der FU die 400 V erst bei rund 87 Hz – nämlich beim √3-fachen der ursprünglichen 50 Hz (50 Hz · √3 ≈ 87 Hz). Bis dorthin bleibt das U/f-Verhältnis konstant, der Fluss also voll. Der Motor liefert dadurch über einen erweiterten Drehzahlbereich konstantes Moment – und kann dabei bis zu etwa der √3-fachen Leistung abgeben.

Der mathematische Kern:

f_87 = f_N * sqrt(3)

  • f_87 … obere Frequenz der 87-Hz-Kennlinie in Hz
  • f_N …. Bemessungsfrequenz in Sternschaltung in Hz

So verlockend das klingt – die Technik hat Grenzen, die man kennen muss:

  • Strom. In Dreieckschaltung fließt der höhere Strangstrom dauerhaft. Motor und FU müssen für diesen Strom ausgelegt sein; der FU muss entsprechend größer dimensioniert werden.
  • Mechanik. Drehzahlen deutlich über der Bemessungsdrehzahl belasten Lager und Läufer stärker. Die Fliehkräfte steigen mit dem Quadrat der Drehzahl – nicht jeder Motor ist dafür freigegeben.
  • Spannungsisolation. Die Wicklungsisolation und die FU-typischen steilen Schaltflanken setzen dem Motor zu. Für den Dauerbetrieb in dieser Betriebsart sollte der Motor dafür ausgelegt sein.

Wer die 87-Hz-Technik ohne Rücksicht auf diese Grenzen einsetzt, riskiert Lager- und Wicklungsschäden. Im Zweifel gehört die Freigabe des Motorherstellers eingeholt.

Gelöstes Beispiel

Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) wird vom FU mit 60 Hz versorgt. Wie hoch ist die synchrone Drehzahl?

Gegeben: f = 60 Hz, p = 2

Gesucht: synchrone Drehzahl n_s in 1/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel anwenden: n_s = (60 · f) / p
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: n_s = (60 · 60 Hz) / 2 = 1800 1/min

Ergebnis: 1800 1/min

Übungen

Welche synchrone Drehzahl hat ein zweipoliger Motor (Polpaarzahl 1) bei 50 Hz?

n_s = (60 · 50) / 1 = 3000 1/min

Ein sechspoliger Motor (Polpaarzahl 3) läuft bei 25 Hz. Wie hoch ist die synchrone Drehzahl?

n_s = (60 · 25) / 3 = 500 1/min

Bis zu welcher Frequenz reicht die 87-Hz-Kennlinie eines für 50 Hz ausgelegten Motors? Rechne nach.

f_87 = 50 Hz · √3 ≈ 86,6 Hz, gerundet 87 Hz.

In welchem Frequenzbereich liefert ein 50-Hz-Motor sein konstantes Bemessungsmoment, und was passiert oberhalb davon?

Bis 50 Hz (Grunddrehzahlbereich) konstantes Moment. Darüber kann die Spannung nicht weiter steigen, der Fluss sinkt, das Moment fällt mit steigender Frequenz (Feldschwächbereich), die Leistung bleibt etwa konstant.

Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) soll bei einer 87-Hz-Kennlinie betrieben werden. Welche synchrone Drehzahl ergibt sich am oberen Ende, und welche zwei Grenzen sind dabei besonders zu prüfen?

n_s = (60 · 87) / 2 = 2610 1/min. Zu prüfen sind vor allem die mechanische Belastbarkeit (Lager, Fliehkräfte bei der erhöhten Drehzahl) and der dauerhaft höhere Dreieckstrom für Motor und FU.

Was geschieht im Feldschwächbereich oberhalb der Bemessungsfrequenz?

  • a) Spannung und Frequenz steigen weiter im gleichen Verhältnis
  • b) der Motor schaltet ab
  • c) das verfügbare Moment fällt, die Leistung bleibt etwa konstant
  • d) das Moment steigt mit der Frequenz

Richtig: c)

Erklärung: Oberhalb der Bemessungsfrequenz kann die Spannung nicht weiter steigen, das U/f-Verhältnis und damit der Fluss sinken. Das verfügbare Moment fällt, die Leistung bleibt näherungsweise konstant. Ein gleichbleibendes U/f gilt nur darunter; ein steigendes Moment wäre physikalisch falsch; und der Motor schaltet deshalb nicht ab.

Welche Aussage zur 87-Hz-Kennlinie eines 230/400-V-Motors am 400-V-Netz ist korrekt?

  • a) Der Motor läuft in Sternschaltung bis 87 Hz
  • b) Der FU muss kleiner dimensioniert werden als bei 50-Hz-Betrieb
  • c) Der Motor läuft in Dreieckschaltung und behält bis etwa 87 Hz konstantes Moment, belastet aber Strom, Mechanik und Isolation stärker
  • d) Die mechanische Belastung des Motors bleibt unverändert

Richtig: c)

Erklärung: Die 87-Hz-Technik nutzt die Dreieckschaltung; das U/f-Verhältnis bleibt bis rund 87 Hz konstant, daher konstantes Moment über einen erweiterten Bereich. Der höhere Dreieckstrom verlangt einen größeren FU, und die höhere Drehzahl belastet die Mechanik stärker. Sternschaltung und unveränderte Mechanik sind falsch.

Warum setzt man bei einem eigenbelüfteten Motor eine Minimalfrequenz?

  • a) um den FU vor Überspannung zu schützen
  • b) damit der eigene Lüfter bei dauerhaft niedriger Drehzahl noch ausreichend kühlt
  • c) um die maximale Drehzahl zu begrenzen
  • d) um den Schlupf zu beseitigen

Richtig: b)

Erklärung: Ein eigenbelüfteter Motor kühlt sich über einen mit der Welle laufenden Lüfter. Bei zu niedriger Drehzahl fördert dieser zu wenig Luft, der Motor überhitzt im Dauerbetrieb. Die Minimalfrequenz hält die Drehzahl in einem zulässigen Bereich. Mit Überspannung, Maximaldrehzahl und Schlupf hat sie nichts zu tun.

4. Rampen, Strombegrenzung und Schutzparameter

Ein FU kann die Frequenz schlagartig ändern – der Motor und die angetriebene Mechanik können das aber nicht ruckfrei mitmachen. Deshalb stellt man Rampen ein: definierte Zeiten, in denen die Frequenz von einem Wert auf einen anderen hochgefahren (Hochlauframpe) oder heruntergefahren (Auslauframpe) wird.

Eine zu kurze Hochlauframpe treibt den Strom in die Höhe, weil der Motor das hohe Beschleunigungsmoment liefern muss – der FU geht dann auf Überstrom-Störung. Eine zu kurze Auslauframpe wirkt umgekehrt: Der Motor speist beim Abbremsen Energie zurück in den FU, die Zwischenkreisspannung steigt, und der FU meldet Überspannung. Für hohe Bremsleistungen wird diese Energie über einen Bremswiderstand in Wärme umgesetzt – ein eigenes Thema, hier nur als Stichwort.

Die nötig Hochlaufzeit hängt am Trägheitsmoment der bewegten Massen und am verfügbaren Beschleunigungsmoment. Vereinfacht für eine Drehbewegung:

t = (J * delta_omega) / M

  • t ……… Hochlaufzeit in s
  • J ……… Gesamt-Trägheitsmoment in kg*m²
  • delta_omega … Drehzahländerung als Winkelgeschwindigkeit in 1/s
  • M ……… wirksames Beschleunigungsmoment in Nm

Die Winkelgeschwindigkeit ergibt sich aus der Drehzahl über omega = 2 · π · n / 60, mit n in 1/min.

Strom- und Drehmomentgrenze

Praktisch jeder FU hat eine Strombegrenzung. Erreicht der Ausgangsstrom den eingestellten Grenzwert, regelt der FU die Frequenz vorübergehend zurück, statt sofort abzuschalten. So fängt er kurze Lastspitzen ab. Bei Vektorverfahren kommt eine direkte Drehmomentgrenze dazu, mit der man das maximale Moment z. B. zum Schutz der Mechanik begrenzt.

Thermischer Motorschutz

Der FU schützt den Motor thermisch auf zwei Wegen, die sich ergänzen:

Rechnerisches I²t-Modell. Der FU bildet die Motorerwärmung aus dem gemessenen Strom und der Zeit rechnerisch nach. Das funktioniert gut bei eigenbelüfteten Motoren im normalen Drehzahlbereich.

Hardware-Temperatursensoren. Das rechnerische Modell stößt an Grenzen – etwa bei fremdbelüfteten Motoren oder im Dauerbetrieb bei niedriger Drehzahl, wo das Modell die reale Kühlung nicht korrekt abbildet. Dann wertet man echte Temperatursensoren in der Wicklung aus:

  • PTC-Kaltleiter (Drillingsfühler): Ihr Widerstand springt bei der Nenn-Ansprechtemperatur sprunghaft hoch. Der FU erkennt die Übertemperatur über eine eigene PTC-Klemme und schaltet ab. Eine reine Schwellenüberwachung – ein/aus.
  • PT100 / PT1000: Platin-Messwiderstände, deren Widerstand sich linear mit der Temperatur ändert (100 Ω bzw. 1000 Ω bei 0 °C). Sie liefern den tatsächlichen Temperaturwert und erlauben eine echte Temperaturüberwachung mit einstellbarer Warn- und Abschaltschwelle.

Beide werden an dafür vorgesehene FU-Klemmen angeschlossen und über die zugehörigen Parameter (Sensortyp, Schwellen, Reaktion) aktiviert. Welcher Sensor verbaut ist, muss mit dem im FU eingestellten Sensortyp übereinstimmen – sonst wertet der FU falsch aus.

Gelöstes Beispiel

Ein Antrieb mit einem Gesamt-Trägheitsmoment von 0,5 kg·m² soll auf 1500 1/min beschleunigt werden. Das wirksame Beschleunigungsmoment beträgt 20 Nm. Wie lang ist die Hochlaufzeit?

Gegeben: J = 0,5 kg·m², n = 1500 1/min, M = 20 Nm

Gesucht: Hochlaufzeit t in s

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Winkelgeschwindigkeit berechnen: omega = 2 · π · n / 60 = 2 · π · 1500 / 60 ≈ 157,1 1/s
  2. Schritt 2 — Hochlaufzeit: t = J · omega / M = 0,5 · 157,1 / 20 ≈ 3,93 s

Ergebnis: rund 3,9 s

Übungen

Wie ändert sich die Hochlaufzeit aus dem Beispiel, wenn das Beschleunigungsmoment auf 40 Nm verdoppelt wird?

t = 0,5 · 157,1 / 40 ≈ 1,96 s – sie halbiert sich.

Ein Antrieb (J = 1,0 kg·m²) soll auf 3000 1/min beschleunigen, das Moment beträgt 25 Nm. Wie lang ist die Hochlaufzeit?

omega = 2 · π · 3000 / 60 ≈ 314,2 1/s; t = 1,0 · 314,2 / 25 ≈ 12,6 s.

Ein FU schaltet beim Beschleunigen wiederholt auf Überstrom. Die Mechanik ist in Ordnung. Welcher Parameter ist zuerst zu prüfen und warum?

Die Hochlauframpe. Ist sie zu kurz, muss der Motor ein zu großes Beschleunigungsmoment liefern, der Strom steigt über die Grenze. Verlängern der Rampe senkt das geforderte Moment und damit den Strom.

Ein Antrieb mit hoher Schwungmasse schaltet beim Abbremsen auf Überspannung. Nenne zwei mögliche Abhilfen.

Auslauframpe verlängern, damit weniger Energie pro Zeit zurückgespeist wird; oder einen Bremswiderstand einsetzen, der die Bremsenergie in Wärme umwandelt.

Ein fremdbelüfteter Motor läuft im Dauerbetrieb bei niedriger Drehzahl. Warum reicht hier das rechnerische I²t-Modell des FU oft nicht aus, und was setzt man ein?

Das I²t-Modell rechnet mit einer angenommenen Kühlung. Ein fremdbelüfteter Motor kühlt drehzahlunabhängig, ein eigenbelüfteter dagegen schlecht bei niedriger Drehzahl – das Modell bildet die reale Temperatur nicht korrekt ab. Abhilfe: Hardware-Temperatursensoren (PTC-Kaltleiter oder PT100/PT1000) in der Wicklung, die der FU auswertet.

Ein FU schaltet beim Abbremsen einer großen Schwungmasse auf Überspannung. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) die Hochlauframpe ist zu lang
  • b) die zurückgespeiste Bremsenergie treibt die Zwischenkreisspannung über den Grenzwert
  • c) der Motor ist falsch gepolt
  • d) die Minimalfrequenz ist zu hoch

Richtig: b)

Erklärung: Beim Abbremsen wirkt der Motor als Generator und speist Energie in den Zwischenkreis zurück; ist die Auslauframpe zu kurz, steigt dessen Spannung über die Grenze. Die Hochlauframpe betrifft das Beschleunigen; eine „Polung“ gibt es beim Drehstrommotor so nicht; die Minimalfrequenz spielt hier keine Rolle.

Worin liegt der Vorteil eines PT100 gegenüber einem PTC-Kaltleiter beim Motorschutz?

  • a) der PT100 liefert den tatsächlichen Temperaturwert und erlaubt einstellbare Warn- und Abschaltschwellen
  • b) der PT100 braucht keine Verdrahtung
  • c) der PTC misst genauer
  • d) der PT100 ersetzt die Strombegrenzung

Richtig: a)

Erklärung: Der PT100 ändert seinen Widerstand linear mit der Temperatur und liefert so den realen Messwert – damit sind Warn- und Abschaltschwellen frei einstellbar. Der PTC ist eine reine Schwellenüberwachung (ein/aus). Beide brauchen Verdrahtung, und mit der Strombegrenzung hat der Temperaturschutz nichts zu tun.

Warum sollte man bei wiederholter Überstrom-Störung im Hochlauf nicht zuerst die Strombegrenzung anheben?

  • a) weil das die Drehzahl senkt
  • b) weil die Strombegrenzung gar nicht einstellbar ist
  • c) weil dadurch die Minimalfrequenz verstellt wird
  • d) weil meist eine zu kurze Hochlauframpe die eigentliche Ursache ist

Richtig: d)

Erklärung: Eine zu kurze Rampe verlangt ein hohes Beschleunigungsmoment und damit hohen Strom. Die Strombegrenzung hochzudrehen bekämpft nur das Symptom und kann den Motor überlasten. Zuerst gehört die Rampe geprüft. Die übrigen Antworten treffen den Zusammenhang nicht.

5. Inbetriebnahme Schritt für Schritt

Die Parameter sind durchdacht – jetzt zählt die richtige Reihenfolge bei der ersten Inbetriebnahme. Wer hier strukturiert vorgeht, vermeidet die meisten Fehlerbilder beim ersten Start.

Schritt 1 – Sichtprüfung und sicherheitstechnische Erstprüfung. Bevor irgendeine Netzspannung zugeschaltet wird: Verdrahtung gegen den Plan prüfen, festen Sitz aller Klemmen kontrollieren. Dazu gehört die sicherheitstechnische Erstprüfung – Durchgängigkeit des Schutzleiters, Berührungsschutz und Messung des Isolationswiderstands nach den geltenden Vorgaben (ÖVE/ÖNORM E 8101, EN 50110-1). Erst wenn diese Prüfungen in Ordnung sind, darf die Netzspannung zugeschaltet werden. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar.

Schritt 2 – Motordaten eingeben. Spannung, Strom, Frequenz, Drehzahl, Leistung und cos φ vom Typenschild in die entsprechenden Parameter übertragen – passend zur tatsächlichen Klemmenbrett-Schaltung (siehe Kapitel 1).

Schritt 3 – Steuer- und Sollwertquelle festlegen. Woher kommt der Start-/Stopp-Befehl (Steuerquelle): über Klemmen, über das Bedienfeld oder über einen Feldbus? Und woher der Drehzahl-Sollwert (Sollwertquelle): Analogsignal, Festfrequenz, Potentiometer oder Bus? Beides wird getrennt parametriert. Die Anbindung über Feldbus ist ein eigenes Thema.

Schritt 4 – Steuerart und Grundparameter setzen. Steuerart wählen (Kapitel 2), Min-/Maximalfrequenz, Hochlauf- und Auslauframpe sowie die Schutzparameter (Kapitel 3 und 4) eingeben.

Schritt 5 – Motor-Identifikation / Autotuning. Viele FU bieten eine automatische Motoridentifikation: Der FU vermisst die elektrischen Kennwerte des angeschlossenen Motors selbst und verfeinert sein internes Modell. Besonders für die Vektorverfahren wichtig. Dabei beachten, ob das Tuning im Stillstand oder bei drehendem Motor läuft – und ob das mechanisch zulässig ist.

Schritt 6 – Probelauf bei niedriger Drehzahl. Mit kleiner Sollfrequenz starten und zuerst die Drehrichtung prüfen. Stimmt sie nicht, nicht am Motor umklemmen, sondern den entsprechenden FU-Parameter ändern oder zwei Phasen am FU-Ausgang tauschen. Auf Geräusche, Vibration und Stromaufnahme achten.

Schritt 7 – Vollast und Feinabstimmung. Drehzahl schrittweise hochfahren, Verhalten unter realer Last beobachten, Rampen und Boost bei Bedarf nachjustieren.

Schritt 8 – Parameter sichern. Zum Schluss den fertigen Parametersatz sichern – im FU selbst und, wenn möglich, extern (Bedienpanel, Software, Speichermodul). Bei einem Gerätetausch lässt sich der Satz so ohne erneute komplette Inbetriebnahme zurückspielen.

Was muss zwingend erledigt sein, bevor bei der Erst-Inbetriebnahme die Netzspannung zugeschaltet wird?

  • a) das Autotuning
  • b) die sicherheitstechnische Erstprüfung samt Schutzleiter und Isolationswiderstand
  • c) der Probelauf bei niedriger Drehzahl
  • d) die Parametersicherung

Richtig: b)

Erklärung: Vor dem Zuschalten der Netzspannung muss die sicherheitstechnische Erstprüfung – Schutzleiterdurchgängigkeit, Berührungsschutz, Isolationswiderstand nach den geltenden Vorgaben – abgeschlossen sein. Autotuning, Probelauf und Parametersicherung setzen eine bereits eingeschaltete Anlage voraus und kommen erst später.

Bei der Erst-Inbetriebnahme dreht der Motor in die falsche Richtung. Was ist das sauberste Vorgehen?

  • a) zwei Phasen am Motorklemmenbrett tauschen
  • b) den Motor neu wickeln lassen
  • c) die Drehrichtung über den dafür vorgesehenen FU-Parameter umkehren
  • d) die Hochlauframpe verkürzen

Richtig: c)

Erklärung: Der FU hat dafür einen Parameter bzw. man tauscht zwei Phasen am FU-Ausgang – die geprüfte Verdrahtung am Motor bleibt unangetastet. Umklemmen am Motorklemmenbrett verändert eine bereits geprüfte Verdrahtung; Neuwickeln ist unsinnig; die Rampe hat mit der Drehrichtung nichts zu tun.

Wozu dient die Motoridentifikation (Autotuning) eines FU?

  • a) zum Sichern des Parametersatzes
  • b) zum Vermessen der elektrischen Motorkennwerte, um das interne Motormodell zu verfeinern
  • c) zum Prüfen des Schutzleiters
  • d) zum Begrenzen der Maximaldrehzahl

Richtig: b)

Erklärung: Beim Autotuning vermisst the FU die realen elektrischen Kennwerte des Motors und verbessert damit sein internes Modell – wichtig vor allem für die Vektorverfahren. Mit Parametersicherung, Schutzleiterprüfung und Drehzahlbegrenzung hat das nichts zu tun.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein FU arbeitet mit U/f-Steuerung und einem Verhältnis von 8 V/Hz. Welche Ausgangsspannung stellt er bei 40 Hz ein?

Gegeben: U/f = 8 V/Hz, f = 40 Hz

Gesucht: Ausgangsspannung U in V

Lösungsweg:

  1. U = 8 V/Hz · 40 Hz

Ergebnis: 320 V

Aufgabe 2: Ein für 50 Hz ausgelegter 230/400-V-Motor wird nach der 87-Hz-Kennlinie betrieben. Bis zu welcher Frequenz bleibt sein Moment konstant?

Gegeben: f_N = 50 Hz

Gesucht: obere Frequenz f_87 in Hz

Lösungsweg:

  1. f_87 = 50 Hz · √3 ≈ 86,6 Hz

Ergebnis: rund 87 Hz

Aufgabe 3: Ein achtpoliger Motor (Polpaarzahl 4) wird mit 50 Hz versorgt. Wie hoch ist die synchrone Drehzahl?

Gegeben: f = 50 Hz, p = 4

Gesucht: synchrone Drehzahl n_s in 1/min

Lösungsweg:

  1. n_s = (60 · 50) / 4

Ergebnis: 750 1/min

Aufgabe 4: Ein vierpoliger Motor (Polpaarzahl 2) läuft nach der 87-Hz-Kennlinie am oberen Ende. Welche synchrone Drehzahl ergibt sich?

Gegeben: f = 87 Hz, p = 2

Gesucht: synchrone Drehzahl n_s in 1/min

Lösungsweg:

  1. n_s = (60 · 87) / 2

Ergebnis: 2610 1/min

Aufgabe 5: Ein Antrieb mit J = 0,8 kg·m² soll auf 1500 1/min beschleunigen. Das Beschleunigungsmoment beträgt 25 Nm. Wie lang ist die Hochlaufzeit?

Gegeben: J = 0,8 kg·m², n = 1500 1/min, M = 25 Nm

Gesucht: Hochlaufzeit t in s

Lösungsweg:

  1. omega = 2 · π · 1500 / 60 ≈ 157,1 1/s
  2. t = 0,8 · 157,1 / 25

Ergebnis: rund 5,0 s

Aufgabe 6: Derselbe Antrieb (J = 0,8 kg·m², Zieldrehzahl 1500 1/min) soll mit einem Bremsmoment von 20 Nm verzögert werden. Wie lang ist die Auslaufzeit?

Gegeben: J = 0,8 kg·m², n = 1500 1/min, M_v = 20 Nm

Gesucht: Auslaufzeit t in s

Lösungsweg:

  1. omega ≈ 157,1 1/s
  2. t = 0,8 · 157,1 / 20

Ergebnis: rund 6,3 s

Welcher Wert gehört in den Spannungs-Parameter des FU?

  • a) immer die Netzspannung
  • b) die Bemessungsspannung des Motors in der tatsächlich verdrahteten Schaltung
  • c) der höhere der beiden Typenschildwerte
  • d) die Spannung im Feldschwächbereich

Richtig: b)

Erklärung: Maßgeblich ist die Spannung der real gebrückten Wicklungsschaltung am Klemmenbrett. Die Netzspannung allein sagt nichts über die Schaltung; pauschal der höhere Wert ist falsch; und der Feldschwächbereich ist hier nicht das Thema.

Welche Steuerart liefert auch bei Drehzahl null das volle Moment?

  • a) reine U/f-Steuerung
  • b) U/f mit Boost
  • c) Vektorregelung mit Geber
  • d) Sanftanlauf

Richtig: c)

Erklärung: Nur die Vektorregelung mit Geber kennt über die Rückführung die exakte Lage und kann bis in den Stillstand volles Moment stellen. U/f bricht bei sehr niedriger Drehzahl ein, der Boost mildert das nur, und ein Sanftanlaufgerät regelt im Betrieb gar keine Drehzahl.

In welchem Bereich liefert der Asynchronmotor am FU konstantes Moment?

  • a) im Grunddrehzahlbereich bis zur Bemessungsfrequenz
  • b) im Feldschwächbereich oberhalb der Bemessungsfrequenz
  • c) nur exakt bei der Bemessungsfrequenz
  • d) bei jeder beliebigen Frequenz

Richtig: a)

Erklärung: Bis zur Bemessungsfrequenz steigt die Spannung mit, der Fluss bleibt konstant und damit das Moment. Oberhalb fällt das Moment (Feldschwächung). Bei nur einer Frequenz oder bei „jeder beliebigen“ träfe das nicht zu.

Eine zu kurze Auslauframpe führt typischerweise zu welcher Störung?

  • a) Überstrom
  • b) Überspannung im Zwischenkreis
  • c) Untertemperatur
  • d) Phasenausfall

Richtig: b)

Erklärung: Beim schnellen Abbremsen speist der Motor Energie zurück, die Zwischenkreisspannung steigt – der FU meldet Überspannung. Überstrom tritt eher beim zu schnellen Hochlauf auf; Untertemperatur und Phasenausfall sind andere Fehlerbilder.

Warum setzt man bei einem eigenbelüfteten Motor eine Minimalfrequenz?

  • a) um Überspannung zu vermeiden
  • b) um die Maximaldrehzahl zu begrenzen
  • c) um das Autotuning zu ermöglichen
  • d) damit die wellengetriebene Kühlung bei niedriger Drehzahl noch ausreicht

Richtig: d)

Erklärung: Der eigene Lüfter sitzt auf der Welle und fördert bei niedriger Drehzahl zu wenig Luft – die Minimalfrequenz hält die Drehzahl im kühlbaren Bereich. Mit Überspannung, Maximaldrehzahl und Autotuning hat sie nichts zu tun.

Welche Aussage zum thermischen Motorschutz ist korrekt?

  • a) bei fremdbelüfteten Motoren oder Dauerbetrieb bei niedriger Drehzahl sind echte Sensoren oft nötig
  • b) das I²t-Modell ersetzt in jedem Fall Temperatursensoren
  • c) ein PTC-Kaltleiter liefert einen stufenlosen Temperaturwert
  • d) PT100 und PTC sind beliebig austauschbar, ohne Parameter anzupassen

Richtig: a)

Erklärung: Das rechnerische Modell bildet untypische Kühlverhältnisse nicht korrekt ab, daher Hardwaresensoren. Der PTC ist eine reine Schwellenüberwachung ohne stufenlosen Wert; der eingestellte Sensortyp muss zum verbauten passen, sonst wertet der FU falsch aus.

Welche Reaktion zeigt eine korrekt eingestellte Strombegrenzung beim Erreichen des Grenzwerts?

  • a) sofortige Abschaltung ohne Vorwarnung
  • b) vorübergehendes Zurückregeln der Frequenz, um die Spitze abzufangen
  • c) dauerhaftes Anheben der Ausgangsspannung
  • d) Umschalten in den Feldschwächbereich

Richtig: b)

Erklärung: Die Strombegrenzung nimmt die Frequenz kurzzeitig zurück, statt sofort abzuschalten, und fängt so Lastspitzen ab. Eine sofortige Abschaltung wäre die schlechtere Lösung; Spannung anheben oder Feldschwächung sind keine Reaktion der Strombegrenzung.

Was ist beim Festlegen von Steuer- und Sollwertquelle der Unterschied?

  • a) es gibt keinen, beide sind identisch
  • b) die Steuerquelle liefert die Drehzahl, die Sollwertquelle die Spannung
  • c) beide betreffen nur den Feldbus
  • d) die Steuerquelle liefert Start/Stopp, die Sollwertquelle den Drehzahlwert

Richtig: d)

Erklärung: Die Steuerquelle bestimmt, woher Start-/Stopp-Befehle kommen, die Sollwertquelle, woher der Drehzahl-Sollwert stammt – beides wird getrennt parametriert. Sie sind nicht identisch, nicht vertauscht, und beide können auch ohne Feldbus über Klemmen oder Bedienfeld kommen.

Ein FU schaltet beim Beschleunigen wiederholt auf Überstrom, die Mechanik ist in Ordnung. Was prüfst du zuerst?

  • a) die Hochlauframpe
  • b) die Parametersicherung
  • c) die Sollwertquelle
  • d) den cos φ

Richtig: a)

Erklärung: Eine zu kurze Hochlauframpe verlangt zu hohes Beschleunigungsmoment und treibt den Strom über die Grenze – das ist die wahrscheinlichste Ursache und der erste Prüfpunkt. Parametersicherung, Sollwertquelle und cos φ erklären eine Überstrom-Störung beim Hochlauf nicht.

Warum sollte der fertige Parametersatz extern gesichert werden?

  • a) um den Motor zu schützen
  • b) um die Maximalfrequenz zu erhöhen
  • c) um das I²t-Modell zu aktivieren
  • d) um bei einem Gerätetausch ohne komplette Neu-Inbetriebnahme arbeiten zu können

Richtig: d)

Erklärung: Eine externe Sicherung erlaubt es, den Satz nach einem FU-Tausch direkt zurückzuspielen, statt alles neu einzustellen. Mit Motorschutz, Maximalfrequenz und I²t-Modell hat die Sicherung nichts zu tun.

Bei welcher Anwendung ist eine reine U/f-Steuerung in der Regel ausreichend?

  • a) Hubwerk mit Haltemoment im Stillstand
  • b) Positionierachse
  • c) Lüfter mit konstanter, unkritischer Last
  • d) Wickelantrieb mit hoher Genauigkeitsanforderung

Richtig: c)

Erklärung: Ein Lüfter stellt keine hohen Anforderungen an das Moment bei niedriger Drehzahl – U/f genügt. Hubwerk, Positionierachse und Wickelantrieb brauchen Vektorverfahren, teils mit Geber.

Glossar

Frequenzumrichter (FU)
Gerät, das aus dem starren Drehstromnetz eine in Frequenz und Spannung frei einstellbare Versorgung für einen Motor erzeugt und so dessen Drehzahl steuert.
U/f-Steuerung
Einfaches Steuerverfahren, das das Verhältnis von Spannung zu Frequenz konstant hält, um den magnetischen Fluss gleich zu halten; steuert ohne Rückmeldung über den Motorzustand.
Spannungs-Boost
Einstellbare Zusatzspannung im unteren Frequenzbereich, die den Spannungsabfall am Wicklungswiderstand ausgleicht und das Anfahrmoment anhebt.
Geberlose Vektorregelung
Verfahren, bei dem der FU aus einem internen Motormodell den Motorzustand schätzt und das Drehmoment ohne externen Drehgeber gezielt regelt.
Vektorregelung mit Geber
Verfahren mit Drehgeber-Rückführung, das präzise bis in den Stillstand regelt und auch bei Drehzahl null volles Moment liefert.
Grunddrehzahlbereich
Frequenzbereich bis zur Bemessungsfrequenz, in dem der Fluss konstant bleibt und der Motor sein volles Bemessungsmoment delivers.
Feldschwächbereich
Frequenzbereich oberhalb der Bemessungsfrequenz, in dem die Spannung nicht weiter steigen kann, der Fluss sinkt und das Moment bei etwa konstanter Leistung abfällt.
87-Hz-Kennlinie
Betriebsart, bei der ein 230/400-V-Motor in Dreieckschaltung am 400-V-Netz läuft und bis etwa 87 Hz konstantes Moment behält; begrenzt durch höheren Strom, mechanische Belastung und Isolation.
Hochlauframpe / Auslauframpe
Einstellbare Zeiten, in denen die Frequenz beschleunigt bzw. verzögert wird, um Strom- und Spannungsspitzen zu vermeiden.
Strombegrenzung
FU-Funktion, die bei Erreichen des Stromgrenzwerts die Frequenz vorübergehend zurückregelt, um Lastspitzen ohne Abschaltung abzufangen.
I²t-Modell
Rechnerische Nachbildung der Motorerwärmung aus Strom und Zeit zum thermischen Schutz ohne Hardwaresensor.
PTC-Kaltleiter
Temperaturabhängiger Widerstand in der Motorwicklung, dessen Wert bei der Ansprechtemperatur sprunghaft steigt; dient als Schwellenüberwachung für den Übertemperaturschutz.
PT100 / PT1000
Platin-Messwiderstände (100 Ω bzw. 1000 Ω bei 0 °C) mit linearer Temperaturkennlinie, die den tatsächlichen Temperaturwert für eine einstellbare Überwachung liefern.
Steuerquelle / Sollwertquelle
Parameter, die festlegen, woher Start-/Stopp-Befehl (Steuerquelle) bzw. Drehzahl-Sollwert (Sollwertquelle) stammen.
Motoridentifikation (Autotuning)
Automatische Vermessung der elektrischen Motorkennwerte durch den FU zur Verfeinerung seines internen Motormodells.
EN 50110-1
Europäische Norm für den Betrieb von elektrischen Anlagen; legt die Sicherheitsanforderungen beim Arbeiten an, mit oder in der Nähe elektrischer Anlagen fest.
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