Newtons Gesetze

Stell dir vor, du schiebst einen schweren Rollwagen durch die Werkstatt. Am Anfang musst du dich richtig hineinlehnen, bis er rollt. Ist er erst einmal in Fahrt, läuft er fast von selbst weiter. Und willst du ihn vor der Wand stoppen, brauchst du wieder Kraft. In diesem alltäglichen Vorgang stecken bereits alle drei Gesetze, die Isaac Newton vor über 300 Jahren formuliert hat. Sie sind das Fundament der gesamten Mechanik und erklären, warum sich Körper bewegen, wie sie das tun und was dabei zwischen ihnen passiert.

Dieser Beitrag führt dich durch die drei Gesetze in der Reihenfolge, in der sie aufeinander aufbauen. Du lernst sie nicht als trockene Sätze kennen, sondern verstehst, was sie über die Maschinen und Anlagen aussagen, mit denen du täglich zu tun hast.

Vorwissen

  • Physikalische Größen und das SI-System
  • Gleichungen umstellen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die drei newtonschen Gesetze in eigenen Worten erklären und auseinanderhalten
  • den Begriff der Trägheit beschreiben und an Beispielen erkennen
  • das Grundgesetz der Dynamik als Zusammenhang von Kraft, Masse und Beschleunigung deuten und die Einheit Newton herleiten
  • das Wechselwirkungsprinzip richtig anwenden und den häufigsten Denkfehler dabei vermeiden
  • die drei Gesetze in praktischen Situationen an Maschinen wiedererkennen

1. Kraft und Bewegung — worum geht es?

Bevor wir zu den Gesetzen kommen, klären wir den zentralen Begriff: die Kraft. Eine Kraft ist das, was einen Körper verformt oder seinen Bewegungszustand ändert. Du spürst eine Kraft, wenn du etwas drückst, ziehst, hebst oder bremst. Gemessen wird sie in der Einheit Newton (Zeichen: N), benannt nach genau dem Mann, um dessen Gesetze es hier geht.

Eine Kraft hat immer eine Richtung. Es macht einen Unterschied, ob du einen Wagen nach vorne schiebst oder zur Seite. Diese Richtungsabhängigkeit macht die Kraft zu einer gerichteten Größe — die genaue Darstellung und Zerlegung von Kräften ist ein Thema für sich und wird an anderer Stelle ausführlich behandelt. Für die newtonschen Gesetze reicht es zu wissen: Kraft wirkt in eine bestimmte Richtung, und several Kräfte können sich verstärken oder aufheben.

Isaac Newton hat im 17. Jahrhundert etwas Bemerkenswertes geleistet. Er hat die unzähligen Beobachtungen über bewegte Körper — fallende Äpfel, rollende Kugeln, kreisende Planeten — auf drei einfache Grundsätze zurückgeführt. Diese drei Gesetze gelten bis heute für alle mechanischen Vorgänge im Alltag und in der Technik.

Ein Begriff zieht sich durch alle drei: die Trägheit. Damit ist die Eigenschaft eines Körpers gemeint, seinem Bewegungszustand „treu zu bleiben“. Ein ruhender Körper will in Ruhe bleiben, ein bewegter will weiterfahren. Wer das verinnerlicht hat, versteht die drei Gesetze fast von allein.

Ein Kollege behauptet, eine Kraft sei dasselbe wie eine Geschwindigkeit. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Stimmt, beide werden in Newton gemessen
  • b) Stimmt, da beide eine Richtung haben
  • c) Falsch, eine Kraft ändert den Bewegungszustand, eine Geschwindigkeit beschreibt ihn
  • d) Falsch, denn Geschwindigkeit hat keine Richtung

Richtig: c)

Eine Kraft (Einheit Newton) ist die Ursache für eine Änderung des Bewegungszustands. Die Geschwindigkeit beschreibt den Bewegungszustand selbst, also wie schnell und wohin sich ein Körper bewegt. a) ist falsch, weil Geschwindigkeit nicht in Newton gemessen wird. b) greift zu kurz: dass beide eine Richtung haben, macht sie nicht gleich. d) ist falsch, weil Geschwindigkeit sehr wohl eine Richtung hat.

Was beschreibt der Begriff Trägheit am treffendsten?

  • a) Das Bestreben eines Körpers, seinen Bewegungszustand beizubehalten
  • b) Den Widerstand eines Körpers gegen Verformung
  • c) Die Reibung zwischen zwei Oberflächen
  • d) Das Gewicht eines Körpers in Newton

Richtig: a)

Trägheit is die Eigenschaft eines Körpers, in Ruhe oder gleichförmiger Bewegung zu verharren, solange keine Kraft eingreift. b) beschreibt eher die Steifigkeit eines Werkstoffs. c) ist ein eigener physikalischer Effekt und nicht die Trägheit selbst. d) verwechselt Trägheit mit der Gewichtskraft — die hängt zwar mit der Masse zusammen, ist aber nicht dasselbe.

2. Das erste newtonsche Gesetz — Trägheitsgesetz

Das erste Gesetz bringt die Trägheit auf den Punkt — es heißt deshalb auch Trägheitsgesetz:

Ein Körper bleibt in Ruhe oder in gleichförmiger, geradliniger Bewegung, solange keine resultierende Kraft auf ihn wirkt.

„Resultierende Kraft“ heißt: die Summe aller Kräfte, die zusammen übrig bleiben. Heben sich alle Kräfte gegenseitig auf, ist die resultierende Kraft null — und dann ändert sich am Bewegungszustand nichts. Der Sonderfall, dass sich alle Kräfte exakt aufheben, wird unter dem Stichwort Kräftegleichgewicht eigenständig behandelt; hier genügt die Kernaussage.

Der erste Teil ist leicht einzusehen: Ein Werkstück, das auf der Werkbank liegt, bleibt liegen. Niemand erwartet, dass es von allein losrollt. Spannender ist der zweite Teil. Ein Körper, der sich gleichförmig bewegt, fährt ohne Krafteinwirkung einfach weiter — und zwar geradlinig und mit gleichbleibender Geschwindigkeit.

Im Alltag erleben wir das selten in Reinform, weil immer Reibung und Luftwiderstand bremsen. Diese sind aber selbst Kräfte. Ohne sie würde ein einmal angestoßener Wagen ewig weiterrollen. Genau das passiert annähernd auf einer reibungsarmen Luftkissenbahn oder im Weltraum, wo eine Sonde nach dem Abschalten ihres Triebwerks endlos weiterfliegt.

Die Masse eines Körpers ist dabei das Maß für seine Trägheit. Je größer die Masse, desto stärker wehrt sich der Körper gegen jede Änderung. Ein leerer Rollwagen lässt sich leicht anschieben und leicht stoppen. Voll beladen braucht derselbe Wagen deutlich mehr Kraft in beide Richtungen — er ist träger geworden.

Eine Sonde fliegt im leeren Weltraum mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus, das Triebwerk ist aus. Was sagt das erste newtonsche Gesetz über ihre weitere Bewegung?

  • a) Sie wird langsamer, weil keine Antriebskraft mehr wirkt
  • b) Sie bleibt sofort stehen
  • c) Sie beschleunigt durch ihre eigene Trägheit
  • d) Sie fliegt mit gleicher Geschwindigkeit geradlinig weiter

Richtig: d)

Im Weltraum gibt es praktisch keine Reibung und keinen Luftwiderstand, also keine resultierende Kraft. Nach dem Trägheitsgesetz behält die Sonde ihren Bewegungszustand bei und fliegt geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit weiter. a) und b) setzen eine bremsende Kraft voraus, die hier fehlt. c) ist falsch, weil Trägheit keine Kraft ist und nicht beschleunigt — sie hält den Zustand nur konstant.

Warum lässt sich ein voll beladener Rollwagen schwerer anschieben als ein leerer?

  • a) Weil die größere Masse die Trägheit erhöht
  • b) Weil die Schwerkraft bei mehr Masse nach hinten zieht
  • c) Weil voll beladene Wagen immer mehr Reibung am Boden haben und das die einzige Ursache ist
  • d) Weil die Geschwindigkeit mit der Masse abnimmt

Richtig: a)

Die Masse ist das Maß für die Trägheit. Ein schwererer Wagen widersetzt sich der Bewegungsänderung stärker, deshalb braucht das Anschieben mehr Kraft. b) ist falsch, die Schwerkraft zieht nach unten, nicht nach hinten. c) nennt zwar einen realen Nebeneffekt, behauptet aber fälschlich, Reibung sei die einzige Ursache — die Trägheit der Masse wirkt auch ohne Reibung. d) ist physikalisch unsinnig.

Bei einem Not-Stopp eines Förderbands rutschen lose Werkstücke nach vorne. Welches Gesetz erklärt das?

  • a) Das Wechselwirkungsgesetz
  • b) Ein Gesetz der Reibung
  • c) Das Trägheitsgesetz
  • d) Das Grundgesetz der Dynamik allein

Richtig: c)

Die Werkstücke wollen ihre Bewegung beibehalten, während das Band darunter stoppt — das ist das Trägheitsgesetz in Reinform. a) beschreibt Kraft und Gegenkraft, was hier nicht den Kern trifft. b) ist kein newtonsches Gesetz. d) trifft es nicht: Das zweite Gesetz beschreibt, wie eine Kraft beschleunigt, hier geht es aber gerade um die Abwesenheit einer haltenden Kraft an den Werkstücken.

3. Das zweite newtonsche Gesetz — Grundgesetz der Dynamik

Das erste Gesetz sagt, was ohne Kraft passiert. Das zweite Gesetz sagt, was passiert, wenn doch eine Kraft wirkt: Der Körper wird beschleunigt. Beschleunigung bedeutet jede Änderung der Geschwindigkeit — schneller werden, langsamer werden oder die Richtung ändern.

Newton hat den Zusammenhang in einer der wichtigsten Formeln der Technik festgehalten:

F = m · a

  • F … Kraft in Newton (N)
  • m … Masse in Kilogramm (kg)
  • a … Beschleunigung in Meter pro Sekundenquadrat (m/s²)

Die Formel bringt drei Erkenntnisse zusammen. Erstens: Je größer die Kraft, desto größer die Beschleunigung. Doppelte Kraft bei gleicher Masse heißt doppelte Beschleunigung. Zweitens: Je größer die Masse, desto kleiner die Beschleunigung bei gleicher Kraft. Ein schwerer Körper lässt sich von derselben Kraft weniger stark in Schwung bringen. Drittens steckt hier die Definition der Krafteinheit drin.

Aus der Formel lässt sich nämlich ablesen, was ein Newton überhaupt ist. Setzt man eine Masse von einem Kilogramm und eine Beschleunigung von einem Meter pro Sekundenquadrat ein, ergibt sich:

1 N = 1 kg · 1 m/s² = 1 kg·m/s²

Ein Newton ist also genau die Kraft, die einen Körper von einem Kilogramm Masse mit einem Meter pro Sekundenquadrat beschleunigt. Das ist keine willkürliche Festlegung, sondern folgt direkt aus dem Grundgesetz der Dynamik. Diese Einheitenherleitung ist der Grund, warum die Kraft eine abgeleitete Größe im SI-System ist.

Ein wichtiger Sonderfall des zweiten Gesetzes ist die Gewichtskraft. Auf der Erde zieht die Erdbeschleunigung jeden Körper nach unten. Setzt man statt einer beliebigen Beschleunigung die Erdbeschleunigung ein, erhält man die Gewichtskraft eines Körpers. Sie ist der Grund, warum eine Masse überhaupt „schwer“ ist. Masse und Gewichtskraft werden im Alltag oft verwechselt, sind aber zwei verschiedene Dinge: Die Masse bleibt überall gleich, die Gewichtskraft hängt von der Beschleunigung ab, die gerade wirkt.

Die konkrete rechnerische Anwendung von F = m · a — also das Einsetzen von Zahlenwerten, das Umstellen nach Masse oder Beschleunigung und die zugehörigen Übungsaufgaben — gehört in den eigenen Beitrag „Kraft, Masse, Beschleunigung“. Dort findest du die Berechnungen und Übungen im Detail. Hier zählt das Verständnis des Gesetzes als zweites Axiom: Kraft erzeugt Beschleunigung, und zwar proportional.

Auf zwei Körper wirkt dieselbe Kraft. Körper A hat die doppelte Masse von Körper B. Was gilt für die Beschleunigung?

  • a) Körper A wird halb so stark beschleunigt wie B
  • b) Beide werden gleich stark beschleunigt
  • c) Körper A wird doppelt so stark beschleunigt wie B
  • d) Körper B bleibt in Ruhe

Richtig: a)

Nach F = m · a ist die Beschleunigung bei gleicher Kraft umgekehrt proportional zur Masse. Doppelte Masse bedeutet halbe Beschleunigung. Deshalb wird der schwerere Körper A nur halb so stark beschleunigt wie B. b) ignoriert den Masseunterschied. c) dreht den Zusammenhang um. d) ist falsch, eine Kraft beschleunigt jeden Körper, nur unterschiedlich stark.

Wie lässt sich die Einheit Newton aus dem zweiten Gesetz herleiten?

  • a) 1 N = 1 kg / m/s²
  • b) 1 N = 1 kg · m²/s
  • c) 1 N = 1 m/s² / kg
  • d) 1 N = 1 kg · m/s²

Richtig: d)

Setzt man in F = m · a die Masse 1 kg und die Beschleunigung 1 m/s² ein, ergibt sich die Kraft als Produkt: 1 N = 1 kg · m/s². Das ist die Definition der Krafteinheit. Die anderen Varianten verdrehen die mathematische Verknüpfung von Masse und Beschleunigung und ergeben physikalisch keine Kraft.

Welche Aussage über Masse und Gewichtskraft ist korrekt?

  • a) Masse und Gewichtskraft sind dasselbe und werden beide in Kilogramm gemessen
  • b) Die Gewichtskraft ist ein Sonderfall von F = m · a mit der Erdbeschleunigung; die Masse bleibt unabhängig davon gleich
  • c) Die Masse ändert sich, die Gewichtskraft bleibt überall konstant
  • d) Gewichtskraft und Masse haben physikalisch nichts miteinander zu tun

Richtig: b)

Die Gewichtskraft entsteht, wenn man in das Grundgesetz der Dynamik die Erdbeschleunigung einsetzt. Sie ist eine Kraft (in Newton), während die Masse (in Kilogramm) eine unveränderliche Eigenschaft des Körpers ist. b) gibt das korrekt wieder. a) verwechselt Einheiten und Größen. c) dreht den Sachverhalt um. d) ist falsch, beide hängen über die Beschleunigung zusammen.

4. Das dritte newtonsche Gesetz — Wechselwirkungsgesetz

Das dritte Gesetz beschreibt, was zwischen zwei Körpern passiert, sobald eine Kraft im Spiel ist. Es wird oft mit den lateinischen Worten actio = reactio zusammengefasst:

Übt ein Körper eine Kraft auf einen zweiten aus, so übt der zweite eine gleich große, entgegengesetzt gerichtete Kraft auf den ersten aus.

Kräfte treten also immer paarweise auf. Es gibt keine einzelne Kraft, die allein in der Welt steht. Drückst du mit der Hand gegen eine Wand, drückt die Wand mit genau derselben Kraft zurück gegen deine Hand. Spürbar wird das, wenn du dich vom Beckenrand abstößt: Du drückst gegen die Wand, die Wand drückt dich ins Wasser hinaus.

Entscheidend — und hier liegt der häufigste Denkfehler — ist, dass Kraft und Gegenkraft an verschiedenen Körpern angreifen. Die eine Kraft wirkt auf den einen Körper, die Gegenkraft auf den anderen. Genau deshalb heben sie sich nicht gegenseitig auf. Würden beide am selben Körper angreifen, könnte sich nichts bewegen. Weil sie aber auf zwei verschiedene Körper verteilt sind, kann jeder Körper für sich beschleunigt werden.

Körper A Körper B F (A auf B) F (B auf A) gleich groß, entgegengesetzt — aber an verschiedenen Körpern

Die Skizze zeigt es deutlich: Der Pfeil der Kraft endet am jeweils anderen Körper. Die beiden Kräfte sind gleich lang (gleich groß) und zeigen in entgegengesetzte Richtungen, greifen aber jeweils am anderen Körper an.

Du stößt dich mit der Hand kräftig von einer festen Wand ab und rollst auf einem Bürostuhl rückwärts. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Nur deine Hand übt eine Kraft aus, die Wand bleibt passiv
  • b) Die Wand übt eine gleich große Gegenkraft auf dich aus, die dich wegschiebt
  • c) Kraft und Gegenkraft heben sich auf, du bleibst stehen
  • d) Die Gegenkraft ist kleiner, weil die Wand sich nicht bewegt

Richtig: b)

Nach dem dritten Gesetz drückt die Wand mit genau der Kraft zurück, mit der du gegen sie drückst. Da diese Gegenkraft an dir angreift, wirst du beschleunigt und rollst weg. a) verkennt, dass Kräfte paarweise auftreten. c) ist der typische Denkfehler: Die Kräfte greifen an verschiedenen Körpern an und heben sich daher nicht auf. d) ist falsch, die Gegenkraft ist immer gleich groß, unabhängig davon, ob sich die Wand bewegt.

Warum heben sich Kraft und Gegenkraft beim Wechselwirkungsgesetz nicht gegenseitig auf?

  • a) Weil sie an verschiedenen Körpern angreifen
  • b) Weil sie unterschiedlich groß sind
  • c) Weil sie in dieselbe Richtung zeigen
  • d) Weil eine der beiden Kräfte verzögert wirkt

Richtig: a)

Damit sich Kräfte aufheben, müssten sie am selben Körper angreifen. Bei actio und reactio wirkt die eine Kraft auf den einen, die andere auf den anderen Körper — deshalb kann jeder Körper beschleunigt werden. b) ist falsch, sie sind gleich groß. c) ist falsch, sie sind entgegengesetzt gerichtet. d) ist falsch, beide Kräfte treten gleichzeitig auf.

Ein Mechaniker zieht eine Schraube mit dem Schraubenschlüssel an. Worauf beruht es, dass sich die Schraube überhaupt drehen lässt?

  • a) Allein auf der Trägheit der Schraube
  • b) Darauf, dass keine Gegenkraft entsteht
  • c) Darauf, dass die Gewichtskraft des Schlüssels die Schraube dreht
  • d) Darauf, dass das Werkstück ein gleich großes Gegenmoment liefert

Richtig: d)

Das Werkzeug überträgt ein Drehmoment auf die Schraube; gleichzeitig findet es im festen Werkstück ein Gegenmoment. Ohne diesen festen Gegenhalt würde sich das Anziehen nicht durchsetzen lassen. d) gibt das Wechselwirkungsprinzip korrekt wieder. a) und c) treffen die Ursache nicht. b) widerspricht dem dritten Gesetz, das immer eine Gegenkraft fordert.

5. Die drei Gesetze in der Praxis zusammengeführt

Einzeln betrachtet wirken die drei Gesetze fast selbstverständlich. Ihre Stärke entfalten sie erst im Zusammenspiel — und genau dieses Zusammenspiel begegnet dir an jeder Maschine.

Schau dir das Anfahren eines beladenen Förderwagens an. Solange er steht, hält ihn seine Trägheit in Ruhe (erstes Gesetz). Sobald der Antrieb eine Kraft aufbringt, wird er beschleunigt (zweites Gesetz) — und je schwerer die Ladung, desto behäbiger reagiert er. Gleichzeitig stemmt sich der Antrieb gegen das Trägheitsverhalten der Masse, und der Wagen „drückt zurück“, was Antrieb und Verankerung spüren (drittes Gesetz). Drei Gesetze, ein einziger Vorgang.

Besonders deutlich wird die Trägheit beim Anfahren und Bremsen. Beim Anfahren bleibt die Last gefühlt zurück, beim Bremsen drängt sie nach vorne. Das ist kein Zufall, sondern das Trägheitsgesetz in Aktion: Die Masse will ihren bisherigen Bewegungszustand behalten. Konstrukteure von Anlagen rechnen genau deshalb mit Beschleunigungs- und Verzögerungsphasen — abruptes Anfahren oder Stoppen erzeugt große Trägheitskräfte, die Bauteile belasten und Ladung verrutschen lassen.

Auch bei rotierenden Teilen wie Schwungrädern, Wellen und Trommeln zeigt sich dasselbe Muster. Ein großes Schwungrad lässt sich nur langsam in Drehung versetzen, läuft dann aber lange nach, weil seine Trägheit den Drehzustand hält. Das nutzt man bewusst, um Drehzahlschwankungen auszugleichen.

Wer die quantitative Seite vertiefen möchte — also konkret ausrechnen, welche Kraft für eine bestimmte Beschleunigung nötig ist — findet die Berechnungen im Beitrag „Kraft, Masse, Beschleunigung“. Auch verwandte Themen wie Arbeit, Energie und Leistung oder die Drehbewegung und das Drehmoment bauen direkt auf den hier vorgestellten Gesetzen auf und werden eigenständig behandelt.

Warum lassen Konstrukteure Förderanlagen kontrolliert beschleunigen und verzögern statt abrupt zu starten und zu stoppen?

  • a) Weil das Material des Bandes sonst nicht hält
  • b) Weil das dritte Gesetz abruptes Anfahren verbietet
  • c) Weil große Trägheitskräfte sonst Bauteile belasten und Ladung verrutschen lassen
  • d) Weil die Masse bei schnellem Anfahren zunimmt

Richtig: c)

Abruptes Beschleunigen oder Bremsen erzeugt große Trägheitskräfte, weil die Masse ihren Bewegungszustand beibehalten will. Diese Kräfte belasten Bauteile und lassen lose Ladung verrutschen. c) trifft den Kern. a) nennt höchstens eine Folge, nicht die Ursache. b) ist falsch, das dritte Gesetz verbietet nichts dergleichen. d) ist physikalisch falsch, die Masse bleibt konstant.

Ein schweres Schwungrad läuft nach dem Abschalten des Antriebs noch lange weiter. Welches Prinzip steckt dahinter?

  • a) Das Wechselwirkungsgesetz, weil es zurückdrückt
  • b) Die Gewichtskraft treibt es an
  • c) Eine verbleibende Antriebskraft wirkt nach
  • d) Seine Trägheit hält den Drehzustand aufrecht

Richtig: d)

Die große Masse des Schwungrads bedeutet große Trägheit. Nach dem Trägheitsgesetz behält es seinen Bewegungszustand bei, solange keine nennenswerte bremsende Kraft wirkt — deshalb läuft es nach. a) trifft nicht den Kern. b) ist falsch, die Gewichtskraft treibt keine Drehung an. c) ist falsch, der Antrieb ist abgeschaltet.

Beim gleichförmigen Heben einer Palette mit konstanter Geschwindigkeit befindet sich die Last in welchem Zustand?

  • a) Sie wird ständig stärker beschleunigt
  • b) Hub- und Gewichtskraft sind im Gleichgewicht, die resultierende Kraft ist null
  • c) Es wirkt keine einzige Kraft auf die Last
  • d) Die Trägheit der Last nimmt mit der Höhe zu

Richtig: b)

Bei gleichförmiger, also konstanter Geschwindigkeit ist die resultierende Kraft null — Hubkraft und Gewichtskraft halten sich die Waage (erstes Gesetz). a) ist falsch, konstante Geschwindigkeit heißt keine Beschleunigung. c) ist falsch, es wirken sehr wohl Kräfte, sie heben sich nur auf. d) ist physikalisch unsinnig, die Trägheit hängt von der Masse ab, nicht von der Höhe.

Abschlusstest

Welches der drei Gesetze beschreibt ausschließlich den Fall, dass keine resultierende Kraft wirkt?

  • a) Das erste Gesetz
  • b) Das zweite Gesetz
  • c) Das dritte Gesetz
  • d) Alle drei gleichermaßen

Richtig: a)

Das erste Gesetz (Trägheitsgesetz) beschreibt genau den Zustand ohne resultierende Kraft: Ruhe oder gleichförmige Bewegung. Das zweite Gesetz behandelt den Fall mit Kraft, das dritte die Wechselwirkung zwischen Körpern.

Ein Körper bewegt sich gleichförmig und geradlinig. Was lässt sich über die resultierende Kraft sagen?

  • a) Sie zeigt in Bewegungsrichtung
  • b) Sie nimmt mit der Geschwindigkeit zu
  • c) Sie ist null
  • d) Sie wirkt entgegen der Bewegung

Richtig: c)

Gleichförmige, geradlinige Bewegung bedeutet nach dem ersten Gesetz, dass die resultierende Kraft null ist. Gäbe es eine resultierende Kraft, würde der Körper beschleunigt oder verzögert. Die übrigen Antworten widersprechen dem Trägheitsgesetz.

Was sagt das zweite newtonsche Gesetz qualitativ aus?

  • a) Dass Kräfte immer paarweise auftreten
  • b) Dass ein Körper ohne Kraft in Ruhe bleibt
  • c) Dass Masse und Gewicht identisch sind
  • d) Dass eine resultierende Kraft den Körper proportional beschleunigt

Richtig: d)

Das zweite Gesetz (F = m · a) beschreibt, dass eine resultierende Kraft eine Beschleunigung bewirkt, die proportional zur Kraft und umgekehrt proportional zur Masse ist. a) ist das dritte Gesetz, b) das erste, c) ist schlicht falsch.

Die Einheit Newton ergibt sich aus dem zweiten Gesetz zu:

  • a) 1 kg·m/s²
  • b) 1 kg/m·s
  • c) 1 m/s²
  • d) 1 kg·s/m

Richtig: a)

Aus F = m · a folgt mit 1 kg und 1 m/s² die Einheit 1 N = 1 kg·m/s². Die übrigen Kombinationen ergeben keine Kraft.

Zwei Körper unterschiedlicher Masse erfahren dieselbe resultierende Kraft. Welcher wird stärker beschleunigt?

  • a) Der schwerere
  • b) Beide gleich
  • c) Keiner von beiden
  • d) Der leichtere

Richtig: d)

Bei gleicher Kraft ist die Beschleunigung umgekehrt proportional zur Masse. Der leichtere Körper wird also stärker beschleunigt. Das folgt direkt aus F = m · a.

Welche Aussage zum dritten Gesetz ist richtig?

  • a) Kraft und Gegenkraft greifen am selben Körper an
  • b) Die Gegenkraft ist immer kleiner als die Kraft
  • c) Kraft und Gegenkraft sind gleich groß und greifen an verschiedenen Körpern an
  • d) Eine Kraft kann ohne Gegenkraft auftreten

Richtig: c)

actio = reactio: gleich große, entgegengesetzte Kräfte an zwei verschiedenen Körpern. a) ist der klassische Denkfehler, b) und d) widersprechen dem Gesetz.

Warum beschleunigt dich das Abstoßen von einer Wand, obwohl Kraft und Gegenkraft gleich groß sind?

  • a) Weil deine Kraft minimal größer ist
  • b) Weil die Wand nachgibt
  • c) Weil Kraft und Gegenkraft an verschiedenen Körpern angreifen
  • d) Weil die Trägheit der Wand fehlt

Richtig: c)

Die Gegenkraft greift an dir an, die Kraft an der Wand. Da sie an verschiedenen Körpern wirken, heben sie sich nicht auf und du wirst beschleunigt. Die anderen Erklärungen sind physikalisch unzutreffend.

Eine lose stehende Kiste rutscht beim plötzlichen Bremsen eines Transportwagens nach vorne. Welches Gesetz erklärt das primär?

  • a) Das zweite Gesetz
  • b) Das dritte Gesetz
  • c) Das erste Gesetz
  • d) Keines der drei

Richtig: c)

Die Kiste will ihren Bewegungszustand beibehalten, während der Wagen darunter abbremst — das ist das Trägheitsgesetz. Auf die Kiste wirkt keine ausreichende bremsende Kraft, also fährt sie weiter.

Welche Größe ist das Maß für die Trägheit eines Körpers?

  • a) Die Geschwindigkeit
  • b) Die Masse
  • c) Die Gewichtskraft
  • d) Die Beschleunigung

Richtig: b)

Die Masse gibt an, wie stark sich ein Körper jeder Bewegungsänderung widersetzt. Sie ist das Maß für die Trägheit. Gewichtskraft und Beschleunigung hängen zwar damit zusammen, sind aber nicht das Trägheitsmaß selbst.

Ein Schwungrad gleicht Drehzahlschwankungen einer Maschine aus. Auf welchem Gesetz beruht diese Funktion?

  • a) Auf dem ersten Gesetz, weil die große Trägheit den Drehzustand stabil hält
  • b) Auf dem dritten Gesetz, weil es zurückdrückt
  • c) Auf der Gewichtskraft des Rads
  • d) Auf dem zweiten Gesetz, weil ständig eine Antriebskraft wirkt

Richtig: a)

Die große Masse des Schwungrads bedeutet große Trägheit. Nach dem ersten Gesetz behält es seinen Drehzustand bei und puffert so kurzzeitige Schwankungen. b), c) und d) treffen die Ursache nicht.

Welche der folgenden Situationen erfordert keine resultierende Kraft?

  • a) Ein Auto beschleunigt
  • b) Ein Auto fährt mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus auf reibungsfreier Strecke
  • c) Ein Auto fährt eine Kurve mit konstantem Tempo
  • d) Ein Auto bremst ab

Richtig: b)

Nur die gleichförmige, geradlinige Bewegung kommt ohne resultierende Kraft aus. Beschleunigen, Bremsen und Kurvenfahren sind alle Änderungen des Bewegungszustands (auch die Richtungsänderung in der Kurve) und erfordern eine resultierende Kraft.

Was unterscheidet Masse und Gewichtskraft grundsätzlich?

  • a) Die Masse ist ortsunabhängig, die Gewichtskraft hängt von der wirkenden Beschleunigung ab
  • b) Nichts, beide sind identisch
  • c) Die Gewichtskraft wird in Kilogramm gemessen, die Masse in Newton
  • d) Die Masse ändert sich mit dem Ort, die Gewichtskraft nie

Richtig: a)

Die Masse ist eine unveränderliche Eigenschaft des Körpers und überall gleich. Die Gewichtskraft entsteht als Sonderfall von F = m · a mit der jeweils wirkenden Beschleunigung und ändert sich daher mit dem Ort. c) und d) verdrehen Einheiten und Sachverhalt.

Glossar

Kraft
physikalische Größe, die den Bewegungszustand eines Körpers ändert oder ihn verformt; Einheit Newton (N).
Newton (N)
Einheit der Kraft; ein Newton beschleunigt eine Masse von einem Kilogramm mit einem Meter pro Sekundenquadrat (1 N = 1 kg·m/s²).
Trägheit
Eigenschaft eines Körpers, seinen Bewegungszustand beizubehalten, solange keine resultierende Kraft wirkt.
Resultierende Kraft
die Summe aller an einem Körper angreifenden Kräfte; ist sie null, ändert sich der Bewegungszustand nicht.
Trägheitsgesetz
erstes newtonsches Gesetz: Ohne resultierende Kraft bleibt ein Körper in Ruhe oder in gleichförmiger, geradliniger Bewegung.
Grundgesetz der Dynamik
zweites newtonsches Gesetz: Eine resultierende Kraft beschleunigt einen Körper proportional zur Kraft und umgekehrt proportional zur Masse (F = m · a).
Beschleunigung
Änderung der Geschwindigkeit nach Betrag oder Richtung; Einheit Meter pro Sekundenquadrat (m/s²).
Wechselwirkungsgesetz
drittes newtonsches Gesetz: Zu jeder Kraft gehört eine gleich große, entgegengesetzt gerichtete Gegenkraft, die an einem anderen Körper angreift (actio = reactio).
Gewichtskraft
Sonderfall der Kraft, der entsteht, wenn die Erdbeschleunigung auf eine Masse wirkt; nicht zu verwechseln mit der Masse selbst.

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