Ansichten und Projektionen
Ein Werkstück ist dreidimensional. Das Blatt, auf dem es gezeichnet wird, ist flach. Genau hier liegt die Aufgabe jeder technischen Zeichnung: einen Körper mit Länge, Breite und Höhe so auf zwei Dimensionen bringen, dass jeder, der die Zeichnung liest, das Bauteil eindeutig wieder im Kopf zusammensetzen kann. Kein Spielraum, keine Interpretation — eine Schraube muss bei jedem gleich aussehen.
Das funktioniert nur, weil es klare Regeln gibt, wie die einzelnen Ansichten eines Bauteils erzeugt und auf dem Blatt angeordnet werden. Wer dieses System einmal verstanden hat, kann jede genormte Zeichnung räumlich zurücklesen — und das ist die eigentliche Kernkompetenz beim Plänelesen.
Vorwissen
- Normgerechte technische Zeichnung
- Räumliches Vorstellungsvermögen und geometrische Grundkörper
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, was eine Projektion ist und warum technische Zeichnungen die rechtwinklige Parallelprojektion verwenden
- die sechs möglichen Ansichten eines Werkstücks benennen und sagen, was jede zeigt
- die Anordnung der Ansichten nach Projektionsmethode 1 (ÖNORM EN ISO 5456-2) richtig lesen und das Projektionssymbol deuten
- Projektionsmethode 1 und Projektionsmethode 3 unterscheiden und am Symbol erkennen
- entscheiden, wie viele Ansichten ein Bauteil wirklich braucht, und Symbole wie das Quadratzeichen zur Reduktion nutzen
1. Vom Körper zum Bild – warum Projektion?
Stell dir vor, du hältst ein Werkstück in der Hand und willst es jemandem am Telefon so beschreiben, dass er es exakt nachbauen kann. Mit Worten wird das mühsam. Eine Zeichnung löst das Problem — aber nur, wenn klar ist, aus welcher Richtung du das Teil gerade darstellst.
Genau das leistet eine Projektion: Man stellt sich vor, dass von jedem Punkt des Körpers ein gerader Strahl auf eine Bildebene fällt. Wo diese Strahlen die Ebene treffen, entsteht das Bild des Körpers. Je nachdem, wie die Strahlen verlaufen, unterscheidet man zwei Grundarten.
Bei der Zentralprojektion gehen alle Strahlen von einem einzigen Punkt aus — so wie das menschliche Auge sieht oder eine Kamera abbildet. Weiter entfernte Kanten wirken kleiner, Linien laufen zu Fluchtpunkten zusammen. Das sieht natürlich aus, ist für eine Maßzeichnung aber unbrauchbar, weil gleiche Längen verschieden lang abgebildet werden.
In der technischen Zeichnung verwendet man deshalb die Parallelprojektion. Hier laufen alle Projektionsstrahlen parallel. Stehen sie zusätzlich senkrecht auf der Bildebene, spricht man von rechtwinkliger oder orthogonaler Projektion — das ist die Grundlage jeder normgerechten Zeichnung. Ihr großer Vorteil: Eine Fläche, die parallel zur Bildebene liegt, erscheint in wahrer Größe und unverzerrt. Was man auf der Zeichnung misst, stimmt mit dem Bauteil überein (unter Berücksichtigung des Maßstabs).
Der Preis dafür: Ein einzelnes rechtwinkliges Bild zeigt immer nur eine Seite des Körpers. Tiefe geht verloren. Deshalb braucht man in der Regel mehrere Ansichten aus verschiedenen Richtungen — und die müssen nach festen Regeln zueinander angeordnet sein, damit man sie als zusammengehörig erkennt. Wie das genau passiert, ist Thema der nächsten Kapitel.
Warum wird in der technischen Maßzeichnung die rechtwinklige Parallelprojektion und nicht die Zentralprojektion verwendet?
- a) Weil sie räumlicher und natürlicher wirkt
- b) Weil sie weniger Ansichten erfordert
- c) Weil Fluchtpunkte das Lesen erleichtern
- d) Weil parallele Flächen unverzerrt und maßstabsgetreu abgebildet werden
Richtig: d)
Bei der Parallelprojektion bleiben Längen auf parallel zur Bildebene liegenden Flächen unverzerrt — man kann direkt (im Maßstab) messen. Die Zentralprojektion verzerrt Längen durch die Fluchtpunkte und wirkt zwar natürlicher (a), ist aber für eine Maßzeichnung ungeeignet. Die Zahl der Ansichten (b) hängt nicht von der Projektionsart ab; Fluchtpunkte (c) gehören gerade zur Zentralprojektion.
Was unterscheidet die orthogonale Projektion von einer allgemeinen Parallelprojektion?
- a) Die Projektionsstrahlen stehen senkrecht auf der Bildebene
- b) Die Strahlen gehen von einem Punkt aus
- c) Die Bildebene ist gekrümmt
- d) Es werden nur zwei Ansichten erzeugt
Richtig: a)
„Orthogonal“ bedeutet, dass die parallelen Strahlen rechtwinklig auf die Bildebene treffen. Strahlen aus einem Punkt (b) wären Zentralprojektion. Eine gekrümmte Bildebene (c) kommt in der technischen Zeichnung nicht vor, und die Anzahl der Ansichten (d) ist davon unabhängig.
2. Die sechs Ansichten und der Würfelgedanke
Wie kommt man von einem Körper systematisch zu mehreren zusammengehörigen Bildern? Die anschaulichste Vorstellung ist der Glaskasten: Man stellt das Werkstück gedanklich in einen durchsichtigen Würfel. Auf jede der sechs Innenflächen wird das projiziert, was man von dort aus durch die jeweilige Wand sieht — rechtwinklig nach außen. So entstehen sechs mögliche Ansichten.
Klappt man die Würfelwände anschließend in eine Ebene auf, liegen alle Ansichten nebeneinander auf dem Blatt. Diese Methode heißt deshalb auch Mehrtafelprojektion.
Die sechs Ansichten und das, was sie zeigen:
| Ansicht | Blickrichtung | zeigt vor allem |
|---|---|---|
| Vorderansicht (Hauptansicht) | von vorne | Länge und Höhe |
| Draufsicht | von oben | Länge und Breite |
| Seitenansicht von links | von links | Breite und Höhe |
| Seitenansicht von rechts | von rechts | Breite und Höhe |
| Untersicht | von unten | Länge und Breite |
| Rückansicht | von hinten | Länge und Höhe |
Eine Ansicht ist die wichtigste: die Vorderansicht, auch Hauptansicht genannt. Sie wird so gewählt, dass sie das Bauteil am aussagekräftigsten zeigt — meist in der späteren Einbau- oder Gebrauchslage und mit den meisten erkennbaren Merkmalen. Alle anderen Ansichten ordnen sich um die Hauptansicht herum an. Welche Seite wohin kommt, regelt die Projektionsmethode — das ist Thema von Kapitel 3.
In der Praxis braucht fast nie ein Teil alle sechs Ansichten. Gegenüberliegende Ansichten zeigen oft dasselbe, nur seitenverkehrt. Man wählt gezielt die wenigen aus, die das Bauteil eindeutig beschreiben. Dazu mehr in Kapitel 5.
Nach welchem Kriterium wird die Vorderansicht (Hauptansicht) eines Werkstücks festgelegt?
- a) Sie zeigt immer die größte Fläche
- b) Sie wird von links gewählt
- c) Sie ist immer die kleinste Ansicht
- d) Sie zeigt das Bauteil am aussagekräftigsten, meist in Gebrauchslage
Richtig: d)
Maßgeblich ist die Aussagekraft: Die Hauptansicht soll die meisten Merkmale erkennbar machen, üblicherweise in der Einbau- oder Gebrauchslage. Die größte Fläche (a) oder kleinste Ansicht (c) ist kein Kriterium, und eine feste Blickrichtung (b) gibt es dafür nicht.
Ein Werkstück wird im Glaskasten-Modell projiziert. Warum zeigen Vorder- und Rückansicht denselben Umriss?
- a) Weil beide aus derselben Richtung entstehen
- b) Weil die Rückansicht eine Kopie ist
- c) Weil sie aus entgegengesetzten Richtungen auf parallele Flächen projizieren
- d) Weil der Maßstab gleich ist
Richtig: c)
Vorder- und Rückseite sind parallele, deckungsgleiche Begrenzungen; aus entgegengesetzter Richtung projiziert ergibt sich derselbe Umriss, nur seitenverkehrt. Beide entstehen gerade nicht aus derselben Richtung (a), und eine bloße Kopie (b) wäre nicht seitenverkehrt. Der Maßstab (d) erklärt die Umrissgleichheit nicht.
Welche Längen lassen sich aus einer reinen Draufsicht direkt entnehmen?
- a) Länge und Höhe
- b) Breite und Höhe
- c) nur die Höhe
- d) Länge und Breite
Richtig: d)
Die Draufsicht entsteht durch Blick von oben, also fallen Länge und Breite in die Bildebene; die Höhe fehlt darin. Länge und Höhe (a) liefert die Vorderansicht, Breite und Höhe (b) eine Seitenansicht.
3. Projektionsmethode 1 nach ÖNORM EN ISO 5456-2
Jetzt die entscheidende Frage: In welcher Reihenfolge und an welcher Stelle landen die Ansichten auf dem Blatt? Genau das regelt die Projektionsmethode. In Österreich und im gesamten europäischen Raum ist die Projektionsmethode 1 der Standard, festgelegt in der ÖNORM EN ISO 5456-2.
Die Grundidee der Methode 1: Das Bauteil steht zwischen dem Betrachter und der Bildebene. Man projiziert sozuszehn durch das Objekt hindurch auf eine dahinterliegende Wand. Anschaulich entspricht das dem aufgeklappten Glaskasten aus Kapitel 2. Die Folge für die Anordnung:
- Die Draufsicht (Blick von oben) liegt unter der Vorderansicht.
- Die Seitenansicht, die man von links sieht, liegt rechts neben der Vorderansicht.
- Die Seitenansicht von rechts liegt links.
- Die Untersicht liegt über, die Rückansicht ganz außen.
Das wirkt im ersten Moment widersprüchlich — was man von links sieht, kommt nach rechts. Eine brauchbare Eselsbrücke: Bei Methode 1 wird jede Ansicht so umgeklappt, dass sie auf der dem Blick abgewandten Seite landet. Was oben gesehen wird, klappt nach unten; was links gesehen wird, klappt nach rechts.
Damit jeder sofort erkennt, nach welcher Methode eine Zeichnung aufgebaut ist, trägt sie ein genormtes Projektionssymbol. Es zeigt einen Kegelstumpf in zwei Ansichten. Bei Methode 1 steht die kleinere Kreisfläche (das schmale Ende des Kegelstumpfs) in der zugehörigen Seitenansicht auf der vom Betrachter abgewandten Seite. Das Symbol steht üblicherweise im oder beim Schriftfeld.
In der Praxis: Wer eine Zeichnung aus dem europäischen Maschinenbau in die Hand nimmt, kann fast immer von Methode 1 ausgehen — aber „fast immer“ ist kein Verlass. Das Projektionssymbol im Schriftfeld ist die einzige verbindliche Auskunft. Gerade bei Zeichnungen von internationalen Zulieferern lohnt der kurze Blick darauf, bevor man die Lage einer Bohrung falsch interpretiert und ein Teil spiegelverkehrt fertigt.
Wo liegt bei Projektionsmethode 1 die Seitenansicht, die das Bauteil von links zeigt?
- a) links neben der Vorderansicht
- b) über der Vorderansicht
- c) rechts neben der Vorderansicht
- d) unter der Vorderansicht
Richtig: c)
Bei Methode 1 klappt jede Ansicht auf die dem Blick abgewandte Seite. Die von links gesehene Ansicht landet daher rechts. Links (a) läge die von rechts gesehene Ansicht; unten (d) liegt die Draufsicht, oben (b) die Untersicht.
Welche Information liefert das Projektionssymbol im Schriftfeld einer Zeichnung?
- a) die verwendete Projektionsmethode
- b) den Maßstab der Zeichnung
- c) den Werkstoff des Bauteils
- d) die Oberflächenrauheit
Richtig: a)
Das Kegelstumpf-Symbol kennzeichnet eindeutig, ob nach Methode 1 oder Methode 3 angeordnet wurde. Maßstab (b), Werkstoff (c) und Oberflächenangaben (d) stehen an anderer Stelle der Zeichnung.
Eine Zeichnung ist nach Methode 1 aufgebaut. Unter der Vorderansicht ist eine weitere Ansicht dargestellt. Um welche handelt es sich?
- a) Draufsicht
- b) Untersicht
- c) Rückansicht
- d) Seitenansicht von rechts
Richtig: a)
Bei Methode 1 klappt die von oben gesehene Ansicht nach unten — unter der Vorderansicht steht somit die Draufsicht. Die Untersicht (b) läge oben, die Rückansicht (c) ganz außen, eine Seitenansicht (d) seitlich.
4. Projektionsmethode 3 und der Unterschied am Symbol
Neben Methode 1 gibt es die Projektionsmethode 3, ebenfalls in der ÖNORM EN ISO 5456-2 geregelt. Sie ist vor allem im nordamerikanischen Raum verbreitet (historisch wurden die beiden Verfahren umgangssprachlich „Europäische“ und „Amerikanische Methode“ genannt — diese alten Begriffe begegnen einem noch, sind aber nicht die genormte Bezeichnung).
Der Unterschied liegt in der gedachten Lage der Bildebene. Bei Methode 3 liegt die Bildebene zwischen Betrachter und Objekt — man projiziert auf eine Ebene vor dem Körper, so als läge eine durchsichtige Glasscheibe direkt vor jeder Seite. Dadurch klappt jede Ansicht auf die dem Blick zugewandte Seite. Das Ergebnis ist gegenüber Methode 1 vertauscht:
- Die Draufsicht liegt über der Vorderansicht.
- Die von links gesehene Seitenansicht liegt links.
- Die von rechts gesehene Seitenansicht liegt rechts.
Für den Lesenden in Österreich heißt das praktisch: Die Anordnung „fühlt sich intuitiver an“ als bei Methode 1, ist hier aber nicht der Standard. Genau deshalb ist das Projektionssymbol so wichtig.
Das Symbol unterscheidet beide Methoden eindeutig durch die Lage der Kreise des Kegelstumpfs. Wer nur die Anordnung der Ansichten betrachtet, ohne das Symbol zu prüfen, kann ein Teil komplett seitenverkehrt interpretieren.
| Merkmal | Methode 1 | Methode 3 |
|---|---|---|
| Bildebene | hinter dem Objekt | vor dem Objekt |
| Draufsicht | unter der Vorderansicht | über der Vorderansicht |
| Seite von links | rechts angeordnet | links angeordnet |
| Verbreitung | Österreich, Europa | v. a. Nordamerika |
Wo liegt bei Projektionsmethode 3 die Draufsicht?
- a) unter der Vorderansicht
- b) links neben der Vorderansicht
- c) über der Vorderansicht
- d) rechts neben der Vorderansicht
Richtig: c)
Bei Methode 3 klappt jede Ansicht auf die blickzugewandte Seite — die von oben gesehene Ansicht liegt daher über der Vorderansicht. Unter der Vorderansicht (a) läge sie bei Methode 1; seitlich (b, d) liegen Seitenansichten.
Eine Zeichnung kommt von einem nordamerikanischen Zulieferer ohne erkennbares Schriftfeld. Die linke Seitenansicht steht links der Vorderansicht. Was ist die wahrscheinlichste Erklärung?
- a) Die Zeichnung ist fehlerhaft
- b) Es handelt sich um Methode 1
- c) Die Ansicht ist gespiegelt dargestellt
- d) Es handelt sich um Methode 3
Richtig: d)
Linke Seitenansicht links ist das Kennzeichen der Methode 3, die in Nordamerika üblich ist. Methode 1 (b) würde sie rechts anordnen. Ein Fehler (a) oder eine willkürliche Spiegelung (c) ist deutlich unwahrscheinlicher als die regulär verwendete Methode 3.
Warum ist es riskant, die Projektionsmethode allein aus der Anordnung der Ansichten zu erschließen?
- a) Weil die Anordnung nie eindeutig ist
- b) Weil viele Bauteile symmetrisch sind und beide Methoden dann gleich aussehen können
- c) Weil das Symbol die Anordnung überschreibt
- d) Weil die Methode keinen Einfluss auf die Anordnung hat
Richtig: b)
Bei symmetrischen Teilen können die Ansichten in beiden Methoden identisch aussehen — dann hilft nur das Projektionssymbol zur eindeutigen Zuordnung. Die Anordnung ist bei unsymmetrischen Teilen durchaus eindeutig (a), das Symbol beschreibt die Anordnung, überschreibt sie aber nicht (c), und die Methode bestimmt die Anordnung gerade (d).
5. Wie viele Ansichten braucht ein Bauteil wirklich?
Sechs Ansichten sind möglich — aber sie alle zu zeichnen wäre fast immer Verschwendung und macht die Zeichnung unübersichtlich. Die Regel der Praxis lautet: so wenige Ansichten wie möglich, so viele wie nötig. Nötig sind genau jene Ansichten, ohne die das Bauteil nicht mehr eindeutig beschrieben wäre.
Viele prismatische Teile kommen mit zwei oder drei Ansichten aus. Rotationssymmetrische Teile — Wellen, Bolzen, Buchsen — brauchen oft nur eine einzige Ansicht, weil der Querschnitt überall gleich ist und keine zweite Ansicht zusätzliche Information liefert.
Damit ein Bauteil trotz weniger Ansichten eindeutig bleibt, gibt es normierte Symbole und Maßangaben, die fehlende Ansichten ersetzen:
- Das Quadratzeichen (ein vorangestelltes ▢ vor dem Maß) kennzeichnet einen quadratischen Querschnitt. Statt einer zweiten Ansicht, die zeigt, dass das Teil quadratisch und nicht rund ist, genügt das Zeichen vor der Maßzahl.
- Das Durchmesserzeichen ⌀ vor einem Maß zeigt einen kreisrunden Querschnitt an — auch hier erspart es eine zusätzliche Ansicht.
- Die Blechdickenangabe mit vorangestelltem „t“ (z. B. t = 2) gibt bei flachen, gleichmäßig dicken Teilen die Materialstärke an. So lässt sich ein Blechteil oft mit einer einzigen Ansicht plus Dickenangabe vollständig beschreiben, statt eine schmale Seitenansicht nur für die Dicke zu zeichnen.
Ein Vierkantbolzen soll mit möglichst wenigen Ansichten eindeutig dargestellt werden. Welches Mittel erlaubt die Darstellung in nur einer Ansicht?
- a) das Durchmesserzeichen ⌀
- b) das Quadratzeichen vor der Maßzahl
- c) die Blechdickenangabe t
- d) eine zusätzliche Seitenansicht
Richtig: b)
Das Quadratzeichen kennzeichnet den quadratischen Querschnitt und macht eine zweite Ansicht überflüssig. Das Durchmesserzeichen (a) gilt für runde Querschnitte, die Dickenangabe (c) für flache Bleche, und eine zusätzliche Ansicht (d) widerspricht dem Ziel der Reduktion.
Warum reicht bei einer zylindrischen Welle in der Regel eine einzige Ansicht?
- a) Weil Wellen immer kurz sind
- b) Weil der Querschnitt überall gleich ist und das Durchmesserzeichen die Form festlegt
- c) Weil die zweite Ansicht verboten ist
- d) Weil Wellen nie vermaßt werden
Richtig: b)
Bei konstantem kreisrundem Querschnitt liefert eine zweite Ansicht keine neue Information; das ⌀-Zeichen legt die runde Form eindeutig fest. Die Länge (a) spielt keine Rolle, eine zweite Ansicht ist nicht verboten (c), sondern nur unnötig, und vermaßt werden Wellen sehr wohl (d).
Ein flaches Blechteil mit gleichmäßiger Dicke wird mit der Angabe „t = 2″ versehen. Was bedeutet das, und welche Ansicht erspart es?
- a) Materialdicke 2 mm, erspart die schmale Seitenansicht
- b) Teilung 2 mm, erspart die Vorderansicht
- c) Toleranz 2 mm, erspart die Draufsicht
- d) Tiefe 2 mm einer Bohrung, erspart nichts
Richtig: a)
„t“ steht für die Blechdicke; mit dieser Angabe ist die Materialstärke bekannt, ohne dass eine eigene schmale Seitenansicht gezeichnet werden muss. „t“ bedeutet weder Teilung (b) noch Toleranz (c) noch Bohrungstiefe (d).
Abschlusstest
Welche Projektionsart verwendet die normgerechte technische Maßzeichnung?
- a) Zentralprojektion mit Fluchtpunkten
- b) rechtwinklige Parallelprojektion
- c) perspektivische Projektion
- d) schiefe Schattenprojektion
Richtig: b)
Nur die rechtwinklige Parallelprojektion bildet parallele Flächen unverzerrt und maßstabsgetreu ab. Zentral- (a) und perspektivische Projektion (c) verzerren Längen; eine „Schattenprojektion“ (d) ist kein technisches Verfahren.
In welcher Reihenfolge entstehen die Ansichten im Glaskasten-Modell?
- a) Der Körper wird gedreht, das Bild bleibt fest
- b) Nur Vorder- und Rückansicht entstehen
- c) Die Ansichten werden frei auf dem Blatt verteilt
- d) Der Körper wird auf die sechs Innenflächen projiziert, dann werden sie aufgeklappt
Richtig: d)
Das Glaskasten-Modell projiziert das Bauteil auf die sechs Würfelinnenflächen; das anschließende Aufklappen ergibt die ebene Anordnung. Ein Drehen des Körpers (a) ist nicht gemeint, es entstehen mehr als zwei Ansichten (b), und die Anordnung ist gerade nicht frei (c).
Bei Projektionsmethode 1 steht die Draufsicht …
- a) über der Vorderansicht
- b) unter der Vorderansicht
- c) rechts neben der Vorderansicht
- d) diagonal versetzt
Richtig: b)
Methode 1 klappt die von oben gesehene Ansicht nach unten. Über der Vorderansicht (a) läge sie bei Methode 3; seitlich (c) liegen Seitenansichten, eine diagonale Anordnung (d) ist nicht genormt.
Eine Methode-1-Zeichnung zeigt rechts neben der Vorderansicht eine Seitenansicht. Welche ist es?
- a) die von links gesehene
- b) die von rechts gesehene
- c) die Rückansicht
- d) die Untersicht
Richtig: a)
Bei Methode 1 klappt die von links gesehene Ansicht nach rechts. Die von rechts gesehene (b) läge links, die Rückansicht (c) ganz außen, die Untersicht (d) oben.
Woran erkennt man auf einer Zeichnung verbindlich, ob Methode 1 oder Methode 3 verwendet wurde?
- a) an der Schriftfeldgröße
- b) am Maßstab
- c) am Projektionssymbol (Kegelstumpf)
- d) an der Anzahl der Ansichten
Richtig: c)
Das genormte Kegelstumpf-Symbol unterscheidet beide Methoden eindeutig. Schriftfeldgröße (a), Maßstab (b) und Ansichtenzahl (d) sagen darüber nichts aus.
Welche der folgenden Bezeichnungen ist die genormte (statt der umgangssprachlichen)?
- a) Amerikanische Methode
- b) Europäische Methode
- c) Hinterklappmethode
- d) Projektionsmethode 1
Richtig: d)
Die ÖNORM EN ISO 5456-2 nennt die Verfahren „Projektionsmethode 1″ und „Projektionsmethode 3″. „Europäische“ (b) und „Amerikanische Methode“ (a) sind veraltet; „Hinterklappmethode“ (c) ist kein genormter Begriff.
Welches Zeichen erlaubt es, einen quadratischen Vierkant mit nur einer Ansicht eindeutig darzustellen?
- a) ⌀
- b) das Quadratzeichen
- c) t
- d) R
Richtig: b)
Das Quadratzeichen vor der Maßzahl kennzeichnet den quadratischen Querschnitt. ⌀ (a) steht für Durchmesser, t (c) für Blechdicke, R (d) für Radius.
Warum braucht eine zylindrische Welle in der Regel nur eine Ansicht?
- a) weil sie symmetrisch in alle Richtungen verzerrt
- b) weil Wellen grundsätzlich nicht bemaßt werden
- c) weil eine zweite Ansicht die Norm verletzt
- d) weil der gleichbleibende Querschnitt mit ⌀ eindeutig beschrieben ist
Richtig: d)
Ein überall gleicher Kreisquerschnitt liefert in einer zweiten Ansicht keine neue Information; ⌀ legt die Form fest. Wellen werden bemaßt (b), und eine zweite Ansicht ist nicht verboten (c), nur überflüssig.
Ein Bauteil ist vollkommen symmetrisch. Die Ansichten sehen in beiden Projektionsmethoden gleich aus. Wie bestimmt man die Methode?
- a) über das Projektionssymbol
- b) gar nicht, das ist unmöglich
- c) über die Bemaßung
- d) über den Werkstoff
Richtig: a)
Gerade bei symmetrischen Teilen ist das Symbol die einzige verlässliche Auskunft. Es ist also nicht unmöglich (b); Bemaßung (c) und Werkstoff (d) sagen nichts über die Projektionsmethode.
Welche Aussage zur Wahl der Ansichtenanzahl trifft zu?
- a) Es werden immer alle sechs Ansichten gezeichnet
- b) Es werden so wenige Ansichten wie möglich, aber so viele wie nötig gezeichnet
- c) Es genügt grundsätzlich eine Ansicht
- d) Die Anzahl hängt nur vom Maßstab ab
Richtig: b)
Maßgeblich ist die Eindeutigkeit bei minimaler Ansichtenzahl. Alle sechs (a) sind fast nie nötig, eine einzige (c) reicht nur in Sonderfällen, und der Maßstab (d) hat damit nichts zu tun.
Was bedeutet die Angabe „t = 3″ bei einem flachen Blechteil?
- a) Materialdicke 3 mm
- b) Toleranzfeld 3
- c) Teilung 3 mm
- d) Tiefe einer Senkung 3 mm
Richtig: a)
„t“ steht für die Blechdicke (engl. thickness); 3 mm ist somit die Materialstärke. Ein Toleranzfeld (b), eine Teilung (c) oder eine Senkungstiefe (d) werden anders angegeben.
Ein Zulieferteil wird spiegelverkehrt gefertigt, weil der Monteur die Seitenansichten falsch zugeordnet hat. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) falscher Maßstab gewählt
- b) falscher Werkstoff bestellt
- c) Projektionssymbol nicht beachtet und Methode verwechselt
- d) Bemaßung vergessen
Richtig: c)
Wer Methode 1 und 3 verwechselt, ordnet die Seitenansichten gespiegelt zu — das Symbol hätte das verhindert. Maßstab (a), Werkstoff (b) und fehlende Bemaßung (d) führen nicht zur Spiegelung der Ansichten.
Glossar
- Projektion
- Abbildung eines räumlichen Körpers auf eine Bildebene mithilfe von Projektionsstrahlen.
- Parallelprojektion
- Projektion, bei der alle Strahlen parallel verlaufen; bildet parallel zur Bildebene liegende Flächen unverzerrt ab.
- Rechtwinklige (orthogonale) Projektion
- Parallelprojektion, bei der die Strahlen senkrecht auf der Bildebene stehen; Grundlage der technischen Zeichnung.
- Zentralprojektion
- Projektion mit Strahlen aus einem Punkt; erzeugt einen perspektivischen, aber nicht maßstäblichen Eindruck.
- Mehrtafelprojektion
- Verfahren, bei dem mehrere Ansichten eines Körpers nach dem Glaskasten-Modell erzeugt und nebeneinander angeordnet werden.
- Hauptansicht (Vorderansicht)
- Die aussagekräftigste Ansicht eines Bauteils, an der sich alle anderen Ansichten orientieren.
- Projektionsmethode 1
- In Österreich und Europa genormte Anordnung der Ansichten (ÖNORM EN ISO 5456-2); Draufsicht unter, linke Seitenansicht rechts der Vorderansicht.
- Projektionsmethode 3
- Vor allem in Nordamerika verbreitete Anordnung; Ansichten gegenüber Methode 1 vertauscht.
- Projektionssymbol
- Genormtes Kegelstumpf-Symbol im Schriftfeld, das die verwendete Projektionsmethode eindeutig kennzeichnet.
- Quadratzeichen
- Vor eine Maßzahl gesetztes Symbol für einen quadratischen Querschnitt; erspart eine zweite Ansicht.
- Blechdickenangabe (t)
- Maßangabe der Materialstärke bei flachen Teilen; erlaubt die Darstellung mit nur einer Ansicht.
