Der Spannungsteiler
Der Spannungsteiler ist eine der grundlegendsten und gleichzeitig bedeutsamsten Schaltungen der Elektrotechnik – kaum eine elektronische Baugruppe kommt ohne ihn aus. In dieser Kurseinheit lernst du, wie belastete und unbelastete Spannungsteiler funktionieren, wie du sie berechnest und warum sie in der Praxis der Mechatronik allgegenwärtig sind. Von der einfachen Referenzspannungsquelle bis zur Messbrücke: Wer den Spannungsteiler beherrscht, hat ein mächtiges Werkzeug in der Hand.
Was ist ein Spannungsteiler und wie funktioniert er?
Stell dir vor, du hast einen Wasserhahn, der Wasser mit starkem Druck liefert, aber du brauchst nur einen sanften Strahl – zum Beispiel um empfindliche Pflanzen zu gießen. Du würdest einfach zwei Engstellen in den Schlauch einbauen: Eine große Engstelle nimmt den Großteil des Drucks weg, an der kleinen Engstelle bleibt der Rest. Genau nach diesem Prinzip funktioniert der Spannungsteiler in der Elektrotechnik.
Ein Spannungsteiler ist eine Reihenschaltung von mindestens zwei Widerständen, die an eine Versorgungsspannung angeschlossen ist. Da in einer Reihenschaltung überall derselbe Strom fließt, fällt an jedem Widerstand ein Anteil der Gesamtspannung ab – proportional zu seinem Widerstandswert. Die Spannung „teilt“ sich also auf die Widerstände auf, und man kann zwischen zwei Widerständen eine beliebige Teilspannung abgreifen.
Das Kirchhoff’sche Spannungsgesetz bildet die theoretische Grundlage: Die Summe aller Teilspannungen in einem Maschenumlauf ist gleich null. Für unsere Reihenschaltung bedeutet das, dass sich die Gesamtspannung U0 genau auf die einzelnen Widerstandsspannungen aufteilt:
Kirchhoff’sches Spannungsgesetz (Maschenregel)
Der Strom durch die Reihenschaltung ist eindeutig bestimmt: Er ergibt sich aus der Gesamtspannung dividiert durch den Gesamtwiderstand. Sobald dieser Strom bekannt ist, lässt sich jede Teilspannung einfach über das Ohm’sche Gesetz berechnen. Die Teilspannung an R2 – also jene Spannung, die wir „abgreifen“ – ist dabei das Kernergebnis der Spannungsteilerschaltung.
Ein wichtiges Merkmal: Die Aufteilung der Spannung ist immer proportional zu den Widerstandsverhältnissen. Ist R2 doppelt so groß wie R1, fällt an R2 auch doppelt so viel Spannung ab wie an R1. Das klingt simpel, ist aber der Schlüssel zu einem enormen Anwendungsspektrum – von der einfachen Referenzspannungserzeugung bis hin zur Sensorauswertung in Messbrücken.
Im Schaltbild erkennst du deutlich die beiden Widerstände R1 und R2 in Reihe. Der Abgriffspunkt liegt zwischen beiden Widerständen. Von dort und von der unteren Schiene (Masse oder Minus-Pol) wird die Ausgangsspannung U2 abgenommen. Die Gesamtspannung U0 liegt zwischen dem Plus-Pol ganz oben und dem Minus-Pol ganz unten.
? Verständnisfrage: Welche Aussage beschreibt den Spannungsteiler korrekt? ›
Wie berechnet man den unbelasteten Spannungsteiler?
Der unbelastete Spannungsteiler ist der Idealfall: An den Ausgangsanschlüssen (also zwischen dem Abgriffspunkt und Masse) ist kein Verbraucher angeschlossen. Das klingt zunächst wenig praxisrelevant – wozu ein Ausgang ohne Last? – aber diese Schaltung bildet die Basis für alle weiteren Überlegungen, und in vielen realen Schaltungen kann sie als Näherung verwendet werden, wenn der angeschlossene Verbraucher einen sehr hohen Innenwiderstand hat (z. B. der Eingang eines Operationsverstärkers).
Im unbelasteten Fall fließt der gesamte Strom I ausschließlich durch R1 und R2 in Reihe. Der Strom ergibt sich zu:
Strom im unbelasteten Spannungsteiler
Die Teilspannung an R2 – die Ausgangsspannung U2 – ergibt sich dann durch Einsetzen in das Ohm’sche Gesetz: U2 = I · R2. Setzt man den Ausdruck für I ein, erhält man die zentrale Formel des Spannungsteilers:
Spannungsteilerformel (unbelastet)
Diese Formel ist von fundamentaler Eleganz: Die Ausgangsspannung ist nichts anderes als die Eingangsspannung multipliziert mit dem Verhältnis des unteren Widerstands zum Gesamtwiderstand. Dieses Verhältnis nennen wir den Spannungsteilerfaktor oder Übertragungskoeffizienten k:
Spannungsteilerfaktor
Ein anschauliches Beispiel: Man möchte aus einer 12-V-Batterie eine Referenzspannung von 4 V für einen Mikrocontroller gewinnen. Es gilt U2 / U0 = 4/12 = 1/3. Das bedeutet R2 / (R₁ + R₂) = 1/3, also muss R1 doppelt so groß sein wie R2. Ein geeignetes Paar wäre zum Beispiel R1 = 20 kΩ und R2 = 10 kΩ. Warum nicht 200 Ω und 100 Ω? Aus Effizienzgründen – bei zu kleinen Widerständen fließt ein unnötig großer Querstrom, der die Batterie belastet.
Die Kennlinie zeigt deutlich die lineare Abhängigkeit: Je größer der Teilerfaktor k (d. h. je größer R2 im Verhältnis zum Gesamtwiderstand), desto höher die Ausgangsspannung. Bei k = 0 wäre R2 = 0 Ω – Kurzschluss des Ausgangs, U2 = 0 V. Bei k = 1 wäre R1 = 0 Ω – kein Widerstand oben, die gesamte Spannung liegt am Ausgang an.
| R₁ (kΩ) | R₂ (kΩ) | k | U₂ bei U₀=12V | Querstrom I |
|---|---|---|---|---|
| 10 | 10 | 0,50 | 6,0 V | 600 µA |
| 20 | 10 | 0,33 | 4,0 V | 400 µA |
| 10 | 20 | 0,67 | 8,0 V | 400 µA |
| 47 | 10 | 0,18 | 2,1 V | 210 µA |
| 100 | 100 | 0,50 | 6,0 V | 60 µA |
? Verständnisfrage: Was passiert mit U₂, wenn R₂ bei konstantem R₁ und U₀ verdoppelt wird? ›
Was verändert sich beim belasteten Spannungsteiler?
In der Praxis möchte man am Ausgang des Spannungsteilers natürlich etwas betreiben – eine LED, einen Sensor, einen Mikrocontroller-Eingang oder eine weitere Schaltungsstufe. Sobald jedoch ein Verbraucher mit dem Widerstand RL (Lastwiderstand) angeschlossen wird, verändert sich das Verhalten der Schaltung erheblich. Dieser Effekt wird als Belastung des Spannungsteilers bezeichnet, und das Verständnis dieses Phänomens ist für die Praxis der Mechatronik unverzichtbar.
Das Kernproblem lässt sich wieder mit dem Wasserhahnbeispiel veranschaulichen: Wenn du zusätzlich zur kleinen Engstelle plötzlich einen großen Schlauch öffnest, verändert sich der Druck an deinem Abgriffpunkt – es fließt mehr Wasser, und der Druck (= Spannung) sinkt. Beim elektrischen Spannungsteiler parallelschaltet RL mit R2. Der resultierende Parallelwiderstand R2′ ist kleiner als R2 allein, und damit sinkt U2 unter den unbelasteten Wert.
Parallelwiderstand R₂‘ (R₂ ∥ R_L)
Ausgangsspannung (belastet)
Je kleiner RL im Vergleich zu R2 ist, desto stärker zieht die Last die Ausgangsspannung nach unten. Eine Faustregel aus der Praxis lautet: Damit die Belastung weniger als 5 % ausmacht, sollte RL mindestens 20-mal so groß sein wie R2. In diesem Fall ist der Parallelwiderstand R2′ praktisch gleich R2, und man kann mit der einfachen Spannungsteilerformel rechnen.
Die Ausgangsspannungsänderung ΔU₂ durch die Belastung wird oft als Gütemerkmal einer Spannungsteiler-Schaltung angegeben. Eine geringe Änderung bedeutet, dass die Schaltung eine gute „Quellenstabilität“ hat – sie liefert nahezu unabhängig vom angeschlossenen Verbraucher die gewünschte Spannung. Genau das ist aber beim einfachen Spannungsteiler nur näherungsweise erreichbar. Für präzise, lastunabhängige Spannungen setzt man in der Praxis einen Operationsverstärker als Impedanzwandler (auch Spannungsfolger genannt) ein, der einen sehr hohen Eingangswiderstand und einen sehr niedrigen Ausgangswiderstand hat.
Das Schaltbild zeigt, dass RL parallel zu R2 liegt. Der Strom I teilt sich am Abgriffknoten auf: Ein Teil I2 fließt weiter durch R2, der andere Teil IL fließt durch den Lastwiderstand RL. Das Kirchhoff’sche Knotengesetz gilt: I = I2 + IL. Durch den höheren Gesamtstrom steigt die Spannung über R1 (U₁ = I · R₁), und damit sinkt U₂.
? Verständnisfrage: Welche Maßnahme reduziert den Einfluss der Last auf U₂ am wirksamsten? ›
Wann und wo wird der Spannungsteiler in der Praxis eingesetzt?
Der Spannungsteiler ist in der Elektro- und Mechatronikpraxis eine der meistgenutzten Grundschaltungen. Seine Anwendungsgebiete sind so vielfältig, dass es kaum eine Baugruppe gibt, die ohne ihn auskommt. Dabei tritt er in manchen Schaltungen so selbstverständlich auf, dass er gar nicht mehr als eigene Schaltung wahrgenommen wird – er ist einfach da, wie das Salz in der Suppe.
Referenzspannungserzeugung: Viele integrierte Schaltkreise – Mikrocontroller, A/D-Wandler, Operationsverstärker – benötigen definierte Referenzspannungen. Ein einfacher Spannungsteiler kann aus einer vorhandenen Versorgungsspannung eine Referenz erzeugen, solange die Eingangsspannung stabil ist und der Innenwiderstand der Last ausreichend hoch ist.
Spannungsmessung mit Messgeräten: Hat ein Voltmeter oder ein Mikrocontroller-Eingang nur einen Messbereich bis 3,3 V, muss eine höhere Spannung (z. B. 12 V aus einer Kfz-Batterie) erst „herunterteilt“ werden. Ein Spannungsteiler mit einem Verhältnis von 1:4 (k = 0,25) bringt 12 V auf 3 V, die dann sicher gemessen werden können. Anschließend multipliziert man das Messergebnis im Programmcode wieder mit dem Faktor 4.
NTC/PTC-Sensorschaltungen: Einer der wichtigsten Anwendungsfälle in der Mechatronik ist die Auswertung von temperaturabhängigen Widerständen. Ein NTC-Widerstand (Negative Temperature Coefficient) verringert seinen Widerstandswert mit steigender Temperatur. Schaltet man ihn als R2 in einen Spannungsteiler, sinkt U2 bei höherer Temperatur. Dieses veränderliche Spannungssignal kann von einem A/D-Wandler eingelesen und in einen Temperaturwert umgerechnet werden. Analoges gilt für LDR (lichtabhängige Widerstände) oder Dehnungsmessstreifen.
Ein Beispiel aus der Kfz-Technik: Die Kühlwassertemperaturanzeige im Fahrzeug arbeitet genau nach diesem Prinzip. Ein NTC im Kühlwasserkreislauf bildet zusammen mit einem Festwiderstand einen Spannungsteiler; das Motorsteuergerät liest die Spannung aus und berechnet daraus die Temperatur.
Pegelwandlung (Level Shifting): Wenn ein 5-V-Mikrocontroller mit einem 3,3-V-Bauteil kommunizieren soll, darf der 5-V-Ausgang nicht direkt an den 3,3-V-Eingang gelegt werden. Ein einfacher Spannungsteiler mit z. B. R₁ = 1 kΩ und R₂ = 2 kΩ wandelt 5 V in ca. 3,3 V um. Diese Lösung funktioniert gut bei langsamen Signalen (I²C, UART); für schnelle Datenbusse verwendet man eigene Level-Shifter-ICs.
Einstellung von Arbeitspunkten: In Transistorschaltungen wird der Arbeitspunkt (Quiescent Point, Q-Punkt) oft durch einen Spannungsteiler an der Basis eingestellt. Dadurch wird die Betriebsspannung so aufgeteilt, dass der Transistor in seinem linearen Arbeitsbereich betrieben wird.
| Anwendung | R₂-Element | Ausgangsgröße | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Temperaturmessung | NTC/PTC | U₂(T) | Kühlwasser-Sensor |
| Helligkeitsmessung | LDR | U₂(Lux) | Dämmerungsschalter |
| Spannungsmessung | Festwiderstand | skaliertes Signal | Batteriemonitor |
| Pegelwandlung | Festwiderstand | reduzierte Spannung | 5 V → 3,3 V |
| Arbeitspunkteinstellung | Festwiderstand | Basisspannung | BJT-Verstärker |
? Verständnisfrage: Ein NTC (R₂) wird wärmer. Was passiert mit U₂? ›
Wie funktioniert die Wheatstone-Brücke als erweiterter Spannungsteiler?
Die Wheatstone-Brücke ist der eleganteste Erweiterung des Spannungsteiler-Prinzips und zählt zu den bedeutendsten Messprinzipien der Messtechnik. Sie wurde 1843 von Sir Charles Wheatstone popularisiert (entwickelt hatte sie tatsächlich Samuel Hunter Christie bereits 1833) und ist bis heute in unzähligen Messsystemen im Einsatz – von Dehnungsmessstreifen (DMS) in Kraftmessdosen bis zu Brückengleichrichtern in Stromversorgungen.
Die Grundidee ist bestechend einfach: Man kombiniert zwei Spannungsteiler, die denselben Eingang (U₀) teilen, und misst die Differenz ihrer Ausgangsspannungen. Diese Differenzspannung UD ist null, wenn beide Spannungsteiler dasselbe Teilungsverhältnis haben – die Brücke ist dann „abgeglichen“ oder „im Gleichgewicht“. Sobald sich ein Widerstand verändert (z. B. durch eine Dehnung oder Temperaturänderung), entsteht eine messbare Brückenspannung.
Brückenspannung (allgemein)
Abgleichbedingung (U_D = 0)
Für die Empfindlichkeit der Brücke ist entscheidend, wie stark sich UD bei einer kleinen Widerstandsänderung ΔR eines Brückenwiderstands ändert. Bei einer Viertelbrücke (ein veränderlicher Widerstand, drei Festwiderstände) gilt näherungsweise:
Empfindlichkeit der Viertelbrücke (Näherung für kleine ΔR)
Diese Näherungsformel zeigt: Je größer U₀ und je größer die relative Widerstandsänderung ΔR/R, desto größer das Messsignal. Bei Dehnungsmessstreifen ist ΔR/R typischerweise im Bereich von 10−4 bis 10−3 – also sehr klein. Deshalb wird das Brückensignal anschließend mit einem Instrumentenverstärker (z. B. INA128) stark verstärkt, bevor es in einen A/D-Wandler eingeht.
In der Mechatronik und Messtechnik unterscheidet man drei Brückenvarianten: Die Viertelbrücke hat einen veränderlichen Widerstand, die Halbbrücke zwei, und die Vollbrücke alle vier. Jede Erweiterung erhöht die Empfindlichkeit und verbessert die Temperaturkompensation – ein weiterer entscheidender Vorteil der Brückenschaltung.
? Verständnisfrage: Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit U_D = 0 gilt? ›
Abschlusstest
12 Fragen zum gesamten Kursinhalt – Spannungsteiler unbelastet, belastet und Wheatstone-Brücke.
Was versteht man unter dem „Spannungsteilerfaktor“ k?
Ein Spannungsteiler mit R₁ = R₂ = 10 kΩ wird an U₀ = 20 V betrieben. Wie groß ist U₂?
Welche Auswirkung hat das Anschließen einer Last R_L an den Ausgang eines Spannungsteilers?
Was ist die Abgleichbedingung der Wheatstone-Brücke (U_D = 0)?
Ein NTC-Widerstand (R₂) in einem Spannungsteiler wird kälter. Was passiert mit U₂?
Welcher Grundsatz gilt beim Dimensionieren eines belasteten Spannungsteilers für minimale Spannungsabweichung?
Wozu dient ein Spannungsteiler in einer Transistor-Basisschaltung?
Wie lautet der Parallelwiderstand R₂‘ bei R₂ = 10 kΩ und R_L = 10 kΩ?
Welche der folgenden Normen ist in Österreich für elektrische Messgeräte relevant (nicht die deutsche DGUV)?
Was ist der Vorteil einer Vollbrücke (4 aktive Widerstände) gegenüber der Viertelbrücke (1 aktiver Widerstand) bei DMS?
Eine Spannung von 5 V soll aus U₀ = 15 V durch einen Spannungsteiler gewonnen werden. Welches Widerstandsverhältnis R₂/(R₁+R₂) ist richtig?
Warum kann ein einfacher Spannungsteiler eine Spannung nicht verstärken?
Fragen bei mündlicher Prüfung
Typische Prüfungsfragen mit vollständigen Musterantworten – so wie sie ein Prüfer bei der Abschlussprüfung stellen könnte.
1 Erklären Sie das Prinzip des Spannungsteilers und nennen Sie die Grundformel. ›
Ein Spannungsteiler ist eine Reihenschaltung von mindestens zwei Widerständen, die an eine Versorgungsspannung U₀ angeschlossen ist. Da in einer Reihenschaltung überall derselbe Strom fließt, teilt sich die Gesamtspannung proportional zu den Widerstandswerten auf.
Die Ausgangsspannung U₂ wird am unteren Widerstand R₂ abgegriffen. Der Spannungsteilerfaktor k = R₂/(R₁+R₂) liegt immer zwischen 0 und 1 – ein Spannungsteiler kann nie verstärken.
2 Was versteht man unter einem „belasteten“ Spannungsteiler, und welche Auswirkung hat die Last? ›
Ein Spannungsteiler ist belastet, wenn am Ausgang ein Verbraucher (Lastwiderstand RL) angeschlossen ist. Dieser liegt parallel zu R₂, wodurch ein kleinerer Ersatzwiderstand R₂‘ entsteht:
- R₂‘ < R₂ → Teilerfaktor sinkt → U₂‘ sinkt unter den unbelasteten Wert U₂
- Je kleiner RL im Verhältnis zu R₂, desto stärker der Spannungseinbruch
- Abhilfe: R₁, R₂ ≪ RL wählen oder Impedanzwandler (Operationsverstärker) einsetzen
3 Beschreiben Sie die Wheatstone-Brücke und ihre Abgleichbedingung. ›
Die Wheatstone-Brücke besteht aus zwei Spannungsteilern, die denselben Eingang U₀ teilen. Zwischen den Abgriffpunkten beider Teiler wird die Brückenspannung UD gemessen.
Abgleichbedingung (UD = 0):
- Im Abgleich fließt kein Strom durch das Messgerät
- Jede Verstimmung (ΔR an einem Brückenwiderstand) erzeugt eine messbare UD
- Anwendungen: Dehnungsmessstreifen, NTC-Auswertung, Widerstandsmessung
4 Wie wird ein NTC-Widerstand in einem Spannungsteiler zur Temperaturmessung eingesetzt? ›
Ein NTC (Negative Temperature Coefficient) senkt seinen Widerstandswert bei steigender Temperatur. Schaltet man den NTC als R₂ in einen Spannungsteiler mit Festwiderstand R₁, ergibt sich eine temperaturabhängige Ausgangsspannung:
- Höhere Temperatur → RNTC sinkt → U₂ sinkt
- Niedrigere Temperatur → RNTC steigt → U₂ steigt
- U₂ wird vom A/D-Wandler des Mikrocontrollers eingelesen und per Kennlinie in Temperaturwerte umgerechnet
- Praxisbeispiel: Kühlwassertemperatursensor in Kfz-Motorsteuergeräten
5 Wozu dient ein Spannungsteiler zur Pegelwandlung (Level Shifting), und welche Einschränkungen gibt es? ›
Bei der Verbindung von Bauteilen mit unterschiedlichen Logikpegeln (z. B. 5-V-Mikrocontroller → 3,3-V-Sensor) darf der höhere Pegel nicht direkt an den niedrigeren Eingang gelegt werden. Ein Spannungsteiler wandelt das Spannungsniveau:
- Geeignet für langsame Signale (UART, I²C bis ca. 400 kHz)
- Bei schnellen Bussen (SPI, USB) wird die Anstiegszeit durch die RC-Zeitkonstante begrenzt → eigene Level-Shifter-ICs nötig
- Die Last (Eingang des 3,3-V-Bauteils) muss hochohmig sein, damit die Spannung stimmt
6 Was ist der Unterschied zwischen Viertelbrücke, Halbbrücke und Vollbrücke? ›
Bei Brückenschaltungen mit Dehnungsmessstreifen (DMS) unterscheidet man nach der Anzahl aktiver (veränderlicher) Widerstände:
- Viertelbrücke: 1 aktiver DMS, 3 Festwiderstände → Empfindlichkeit: U_D ≈ U₀/4 · ΔR/R
- Halbbrücke: 2 aktive DMS (einer gedehnt, einer gestaucht) → doppelte Empfindlichkeit, Temperaturkompensation
- Vollbrücke: 4 aktive DMS → vierfache Empfindlichkeit, beste Temperaturkompensation
Fazit: Die Vollbrücke liefert das stärkste Signal und ist am unempfindlichsten gegenüber Störgrößen wie Temperatur – deshalb wird sie in Kraftmessdosen und Wägezellen bevorzugt eingesetzt.
7 Warum wählt man die Widerstände eines Spannungsteilers nicht beliebig klein? ›
Sehr kleine Widerstände erhöhen den Querstrom I = U₀/(R₁+R₂) erheblich. Das verursacht mehrere Probleme:
- Verlustleistung: P = U₀² / (R₁+R₂) steigt stark an → Erwärmung der Bauteile
- Batterieentladung: Bei batteriebetriebenen Geräten verkürzt sich die Lebensdauer drastisch
- Thermische Belastung: Widerstände müssen größere Bauformen haben → mehr Platzbedarf
- Normative Grenzwerte: Das ASchG und die MSV setzen Grenzen für thermisch belastete Betriebsmittel in Österreich
Faustregel: Der Querstrom sollte mindestens 10-mal so groß wie der Laststrom sein (für gute Stabilität), aber so klein wie möglich (für Energieeffizienz).
8 Erklären Sie, wie ein Spannungsteiler zur Messung einer höheren Spannung mit einem Mikrocontroller genutzt wird. ›
Mikrocontroller-A/D-Wandler haben typischerweise einen Messbereich von 0 bis 3,3 V oder 0 bis 5 V. Um höhere Spannungen (z. B. 12 V oder 24 V aus Industrieversorgungen) zu messen, wird ein Vorteiler eingesetzt:
- Wahl des Teilerfaktors: k = Umax,ADC / Umax,Eingang
- Beispiel: 12 V auf 3,3 V → k = 3,3/12 ≈ 0,275 → R₂/(R₁+R₂) = 0,275
- Im Mikrocontroller wird der gemessene ADC-Wert mit dem Faktor 1/k = U₀/U₂ multipliziert
- Wichtig: Genauigkeit des Teilerverhältnisses bestimmt die Messgenauigkeit → 1%-Widerstände (E96) verwenden
- Schutzmaßnahme: Zener-Diode parallel zum R₂ als Überspannungsschutz
Formelsammlung
Glossar
- Spannungsteiler – Reihenschaltung von mindestens zwei Widerständen zur Erzeugung einer Teilspannung aus einer höheren Eingangsspannung.
- Spannungsteilerfaktor k – Verhältnis k = R₂/(R₁+R₂); gibt den Anteil der Ausgangsspannung an der Eingangsspannung an (0 ≤ k ≤ 1).
- Querstrom – Strom, der durch den Spannungsteiler fließt, auch wenn keine Last angeschlossen ist. Erzeugt Verlustleistung.
- Belasteter Spannungsteiler – Spannungsteiler mit angeschlossenem Lastwiderstand R_L; die Ausgangsspannung sinkt durch die Parallelschaltung von R_L mit R₂.
- Lastwiderstand R_L – Der an den Ausgang des Spannungsteilers angeschlossene Verbraucherwiderstand.
- Wheatstone-Brücke – Messchaltung aus zwei Spannungsteilern; ermöglicht hochgenaue Widerstandsmessung durch Auswertung der Differenzspannung U_D.
- Abgleichbedingung – Zustand der Wheatstone-Brücke, bei dem U_D = 0 gilt: R₁ · R₄ = R₂ · R₃.
- Brückenspannung U_D – Differenzspannung zwischen den Abgriffpunkten beider Spannungsteiler in der Wheatstone-Brücke.
- NTC – Negative Temperature Coefficient; Widerstand, dessen Widerstandswert mit steigender Temperatur sinkt.
- PTC – Positive Temperature Coefficient; Widerstand, dessen Widerstandswert mit steigender Temperatur steigt.
- LDR – Light Dependent Resistor; lichtabhängiger Widerstand, sinkt bei höherer Beleuchtungsstärke.
- DMS – Dehnungsmessstreifen; Widerstand, der sich bei mechanischer Dehnung ändert (ΔR/R = k_DMS · ε, Gauge-Faktor k_DMS ≈ 2).
- Impedanzwandler – Operationsverstärker-Schaltung (Spannungsfolger) mit sehr hohem Eingangswiderstand und sehr niedrigem Ausgangswiderstand; entkoppelt Spannungsteiler von der Last.
- Level Shifting – Pegelwandlung zwischen Logikpegeln unterschiedlicher Systeme (z. B. 5 V → 3,3 V) mittels Spannungsteiler oder spezieller ICs.
- Teilerfaktor – Siehe Spannungsteilerfaktor k.
- Viertelbrücke – Brückenschaltung mit einem veränderlichen Widerstand (z. B. DMS) und drei Festwiderständen.
- Vollbrücke – Brückenschaltung mit vier veränderlichen Widerständen; vierfache Empfindlichkeit, beste Temperaturkompensation.
- A/D-Wandler (ADC) – Analog-Digital-Wandler; wandelt eine analoge Spannung in einen digitalen Wert um.
- Arbeitspunkt (Q-Punkt) – Betriebspunkt eines Transistors, der durch einen Spannungsteiler an der Basis eingestellt wird.
- ÖVE/ÖNORM EN 61010-1 – Österreichische Norm für Sicherheitsanforderungen elektrischer Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte.
Stand & Quellen
- ÖVE/ÖNORM EN 61010-1: Sicherheitsanforderungen für elektrische Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte (aktuelle Fassung)
- ÖVE/ÖNORM EN 50110-1: Betrieb elektrischer Anlagen
- ASchG – ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (BGBl. Nr. 450/1994, aktuelle Fassung)
- MSV – Maschinencode-Sicherheitsverordnung (aktuelle Fassung)
- Harriehausen/Schwarzenau: Moeller Grundlagen der Elektrotechnik, Springer Vieweg
- Tietze/Schenk: Halbleiter-Schaltungstechnik, Springer
- Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit: DMS-Technik, www.lbf.fraunhofer.de
- Erstellt: April 2025 | Lernportal Mechatronik Österreich
