Kondensator – Aufbau und Kapazität
Ein Kondensator sieht harmlos aus: zwei Bleche, dazwischen ein Isolator. Trotzdem steckt er in fast jedem elektronischen Gerät – vom Netzteil über das Mainboard bis zum Motorstart. Er speichert keine riesigen Energiemengen wie ein Akku, dafür kann er blitzschnell laden und entladen. Das macht ihn unverzichtbar für Glättung, Filterung, Zeitglieder und vieles mehr. Dieser Beitrag erklärt, wie ein Kondensator aufgebaut ist, wovon seine Kapazität abhängt und wie man mehrere Kondensatoren zusammenschaltet.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den prinzipiellen Aufbau eines Kondensators erklären und sein Schaltsymbol nach IEC 60617 erkennen
- die Kapazität als C = Q/U definieren und mit der Plattenkondensator-Formel C = ε₀·εᵣ·A/d arbeiten
- die im Kondensator gespeicherte Energie berechnen
- die wichtigsten Bauarten unterscheiden und ihre typischen Einsatzgebiete benennen
- die Gesamtkapazität bei Reihen- und Parallelschaltung berechnen und vom Widerstandsverhalten abgrenzen
Kapitel 1 – Was ist ein Kondensator?
Stell dir eine Spannungsquelle vor, an die du ein Bauteil anschließt, das kurz Strom zieht und dann „voll“ ist. Genau das macht ein Kondensator: Er nimmt Ladung auf, hält sie zwischen seinen Anschlüssen fest und gibt sie auf Anforderung wieder ab.
Aufbau ist denkbar einfach: zwei elektrisch leitende Flächen – die Beläge oder Platten – liegen einander gegenüber, zwischen ihnen ein Isolator. Dieser Isolator heißt Dielektrikum. Das kann Luft, Kunststoff, Papier, Keramik oder eine dünne Oxidschicht sein. Wichtig ist nur: zwischen den Belägen darf kein Strom fließen.
Was passiert beim Anlegen einer Spannung? Elektronen wandern von einem Belag durch den äußeren Stromkreis zur Spannungsquelle und vom anderen Pol der Quelle zum gegenüberliegenden Belag. Eine Platte wird positiv, die andere negativ. Zwischen den Belägen baut sich ein elektrisches Feld auf, das die getrennten Ladungen festhält. Sobald die Spannung am Kondensator der Quellenspannung entspricht, fließt kein Strom mehr. Der Kondensator ist geladen.
Trennt man die Spannungsquelle ab, bleibt die Ladung auf den Belägen sitzen – das Feld hält sie fest. Schließt man eine Last an, fließen die Elektronen durch den äußeren Kreis zurück. Der Kondensator entlädt sich.
Daraus folgt das wichtigste Verhalten:
- Im Gleichstromkreis sperrt der Kondensator nach kurzer Aufladephase – er wirkt wie ein offener Schalter.
- Im Wechselstromkreis wird er ständig umgeladen und lässt scheinbar Strom „durch“ – obwohl real keine Ladung von einer Platte zur anderen wandert.
Was übernimmt im Kondensator die Aufgabe, die beiden Beläge elektrisch voneinander zu trennen?
- a) das Dielektrikum
- b) der Schutzleiter
- c) die Spannungsquelle
- d) das elektrische Feld
Richtig: a)
Das Dielektrikum ist der Isolator zwischen den Belägen. Es verhindert direkten Stromfluss zwischen den Platten, ist gleichzeitig aber polarisierbar und beeinflusst die Kapazität. Das elektrische Feld entsteht durch die getrennte Ladung – es trennt nicht, sondern ist Folge der Trennung.
Ein vollständig geladener Kondensator wird an einer konstanten Gleichspannungsquelle weiter betrieben. Was passiert im stationären Zustand?
- a) Es fließt ein konstanter Strom durch den Kondensator.
- b) Die Spannung am Kondensator wächst weiter an.
- c) Es fließt kein Strom mehr durch den Stromkreis.
- d) Der Kondensator entlädt sich gegen die Quelle.
Richtig: c)
Sobald die Kondensatorspannung der Quellenspannung entspricht, gibt es keinen Antrieb mehr für weitere Ladungstrennung. Der Strom geht auf null. Die Spannung am Kondensator bleibt gleich der Quellenspannung, sie wächst nicht über sie hinaus.
Welche Aussage zum Verhalten eines Kondensators ist korrekt?
- a) Er sperrt Wechselstrom und lässt Gleichstrom dauerhaft fließen.
- b) Er verhält sich wie ein gewöhnlicher ohmscher Widerstand.
- c) Er erzeugt selbständig eine Spannung wie eine Batterie.
- d) Er lässt sich an Wechselspannung ständig umladen, an Gleichspannung sperrt er nach kurzer Ladephase.
Richtig: d)
Genau dieses Verhalten unterscheidet den Kondensator von Widerstand und Spannungsquelle. Im Gleichstromkreis wirkt er nach dem Aufladen wie eine Unterbrechung. An Wechselspannung wechselt die Polung ständig, daher fließt scheinbar Strom „durch“ – tatsächlich werden nur die Beläge in jeder Halbwelle umgeladen.
Kapitel 2 – Kapazität: wie viel Ladung passt rein?
Zwei Kondensatoren können sich rein äußerlich kaum unterscheiden und trotzdem ein völlig unterschiedliches Speichervermögen haben. Diese Eigenschaft – wie viel Ladung ein Kondensator bei einer bestimmten Spannung aufnimmt – heißt Kapazität.
Die Definition ist denkbar einfach: Ein Kondensator mit der Kapazität 1 Farad nimmt bei 1 Volt eine Ladung von 1 Coulomb auf. Das klingt überschaubar, ist aber praktisch riesig. Ein Coulomb entspricht der Ladung von etwa 6,24 · 10¹⁸ Elektronen. Bei normalen Bauelementen begegnet einem das Farad fast nie als ganze Einheit – nur Doppelschichtkondensatoren erreichen diesen Bereich.
Typische Kapazitätsbereiche:
| Einheit | Faktor | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| pF (Pikofarad) | 10⁻¹² F | Hochfrequenz, Schwingkreise, kleine Keramik |
| nF (Nanofarad) | 10⁻⁹ F | Filter, Koppelkondensatoren |
| µF (Mikrofarad) | 10⁻⁶ F | Audio, Glättung, Motorkondensator |
| mF (Millifarad) | 10⁻³ F | Energiepuffer, größere Glättung |
| F (Farad) | 10⁰ F | Doppelschicht-/Superkondensator |
Die Formel C = Q/U lässt sich nach jeder Größe umstellen.
C = Q / U
- C … Kapazität in Farad (F)
- Q … gespeicherte Ladung in Coulomb (C)
- U … Spannung am Kondensator in Volt (V)
Q = C · U
U = Q / C
Gelöstes Beispiel
Ein Kondensator wird auf 24 V aufgeladen und speichert dabei eine Ladung von 480 µC. Wie groß ist seine Kapazität?
Gegeben: U = 24 V; Q = 480 µC = 480 · 10⁻⁶ C
Gesucht: C in µF
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel umstellen: C = Q / U
- Schritt 2 — Einsetzen: C = 480 · 10⁻⁶ C / 24 V = 20 · 10⁻⁶ F
Ergebnis: C = 20 µF
Übungen
Ein Kondensator mit C = 100 µF wird an 9 V geladen. Wie viel Ladung Q speichert er?
Q = C · U = 100 · 10⁻⁶ · 9 = 900 µC
Welche Spannung liegt an einem Kondensator mit C = 47 µF, wenn er eine Ladung von 1,41 mC trägt?
U = Q / C = 1,41 · 10⁻³ / 47 · 10⁻⁶ = 30 V
Ein 2200-µF-Elko in einem Netzteil ist auf 35 V geladen. Welche Ladung steckt im Kondensator?
Q = 2200 · 10⁻⁶ · 35 = 77 mC
Auf einem Kondensator mit 220 nF liegt eine Ladung von 4,4 µC. Welche Spannung stellt sich ein?
U = 4,4 · 10⁻⁶ / 220 · 10⁻⁹ = 20 V
Ein Superkondensator mit 1,5 F wird über eine 2,7-V-Quelle vollständig geladen. Wie viele Coulomb hat er aufgenommen? Wie viele Elektronen sind das ungefähr?
Q = 1,5 · 2,7 = 4,05 C; das entspricht 4,05 / 1,602·10⁻¹⁹ ≈ 2,53·10¹⁹ Elektronen.
Ein 10-µF-Kondensator wird an 5 V geladen. Welche Ladung speichert er?
- a) 0,5 µC
- b) 50 µC
- c) 500 µC
- d) 2 µC
Richtig: b)
Q = C · U = 10 µF · 5 V = 50 µC. Die Größenordnung passt: ein µF mal Volt ergibt µC. Antwort a wäre 0,5 µF · 1 V, c wäre eine Größenordnung zu groß, d entspricht keinem sinnvollen Rechenweg.
Zwei Kondensatoren tragen die gleiche Ladung Q. Kondensator A hat die doppelte Kapazität von B. Welches Verhältnis besteht zwischen ihren Spannungen?
- a) U_A = U_B / 2
- b) U_A = 2 · U_B
- c) U_A = U_B
- d) U_A = 4 · U_B
Richtig: a)
Aus U = Q/C folgt: bei gleicher Ladung und doppelter Kapazität fällt die Spannung auf die Hälfte. Größere Kapazität nimmt die gleiche Ladung „leichter“ auf – sie braucht weniger Antrieb.
Welche Aussage zur Einheit Farad stimmt?
- a) Ein Farad entspricht einem Ampere pro Volt.
- b) Ein Farad entspricht einem Ohm mal Sekunde.
- c) Ein Farad entspricht einem Coulomb pro Volt.
- d) Ein Farad entspricht einem Joule pro Volt.
Richtig: c)
Aus C = Q/U folgt direkt 1 F = 1 C/V. Antwort a ist die Definition des Siemens (mit Spannung statt Strom verwechselt), b ist die Zeitkonstante τ = R·C, d hätte mit Energie zu tun.
Kapitel 3 – Der Plattenkondensator: woher kommt die Kapazität?
Bisher wissen wir, was Kapazität bedeutet – aber wovon hängt sie ab? Beim idealisierten Plattenkondensator lässt sich das aus drei Größen herleiten: der Plattenfläche, dem Plattenabstand und dem Material zwischen den Platten.
Die elektrische Feldkonstante ε₀ ist eine Naturkonstante. Sie beschreibt, wie das Vakuum auf ein elektrisches Feld reagiert. Die relative Permittivität εᵣ ist eine Materialeigenschaft des Dielektrikums – sie gibt an, um welchen Faktor das Material die Kapazität gegenüber Vakuum erhöht. Manchmal wird beides zur Dielektrizitätskonstante ε = ε₀ · εᵣ zusammengefasst.
Typische Werte für εᵣ:
| Dielektrikum | εᵣ (ca.) |
|---|---|
| Vakuum | 1 (exakt) |
| Luft | ≈ 1 |
| Papier (trocken) | 2 – 4 |
| Glimmer | 5 – 7 |
| Aluminiumoxid (Alu-Elko) | 9 – 10 |
| Tantal-Pentoxid | ≈ 27 |
| Keramik Klasse 2 | 100 – 10 000 |
Was steckt anschaulich in der Formel?
- Größere Fläche A → mehr Kapazität. Auf einer größeren Fläche kann sich mehr Ladung verteilen. Deshalb werden in vielen Bauformen lange Folien aufgewickelt – ein Folienkondensator mit 1 µF hat oft mehrere Dutzend Quadratzentimeter Belagfläche.
- Kleinerer Abstand d → mehr Kapazität. Bei geringerem Abstand zieht sich die positive und negative Ladung stärker an, und mehr Ladung passt bei gleicher Spannung auf die Platten. Aber: kleinerer Abstand heißt geringere Spannungsfestigkeit. Bei zu hoher Spannung schlägt das Dielektrikum durch.
- Höheres εᵣ → mehr Kapazität. Polarisierbare Materialien wirken im Feld wie kleine ausgerichtete Dipole und schwächen das Feld zwischen den Belägen ab. Bei gleicher Plattenladung sinkt die Spannung – die Kapazität steigt.
C = ε₀ · εᵣ · A / d
- C … Kapazität in F
- ε₀ … elektrische Feldkonstante = 8,854 · 10⁻¹² F/m
- εᵣ … relative Permittivität des Dielektrikums (dimensionslos)
- A … Plattenfläche in m²
- d … Plattenabstand in m
Gelöstes Beispiel
Ein Plattenkondensator hat zwei Beläge von je 200 cm² Fläche, einen Plattenabstand von 0,2 mm und Glimmer (εᵣ = 6) als Dielektrikum. Wie groß ist seine Kapazität?
Gegeben: A = 200 cm² = 0,02 m²; d = 0,2 mm = 0,0002 m; εᵣ = 6; ε₀ = 8,854 · 10⁻¹² F/m
Gesucht: C in nF
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Einheiten umrechnen: A = 200 cm² · 10⁻⁴ m²/cm² = 0,02 m²; d = 0,2 mm · 10⁻³ m/mm = 2 · 10⁻⁴ m
- Schritt 2 — Einsetzen: C = 8,854 · 10⁻¹² · 6 · 0,02 / 2 · 10⁻⁴
- Schritt 3 — Rechnen: C = 8,854 · 10⁻¹² · 600 = 5,31 · 10⁻⁹ F
Ergebnis: C ≈ 5,31 nF
Übungen
Wie verändert sich die Kapazität eines Plattenkondensators, wenn man die Fläche verdoppelt und gleichzeitig den Plattenabstand halbiert?
Die Kapazität vervierfacht sich. C ist proportional zu A und umgekehrt proportional zu d.
Ein Kondensator mit Luft als Dielektrikum (εᵣ ≈ 1) hat eine Kapazität von 50 pF. Wie ändert sich die Kapazität, wenn man stattdessen Glimmer (εᵣ = 6) einbringt?
C wird sechsmal so groß: 300 pF.
Plattenfläche A = 50 cm², Abstand d = 0,5 mm, Dielektrikum mit εᵣ = 3. Berechne C.
A = 0,005 m², d = 0,0005 m; C = 8,854·10⁻¹² · 3 · 0,005 / 0,0005 ≈ 266 pF.
Welche Plattenfläche braucht ein Plattenkondensator mit 1 nF Kapazität, wenn d = 0,1 mm und εᵣ = 4 sind?
A = C · d / (ε₀ · εᵣ) = 10⁻⁹ · 10⁻⁴ / (8,854·10⁻¹² · 4) ≈ 2,82·10⁻³ m² ≈ 28,2 cm².
Ein Folienkondensator hat ein εᵣ = 3,2 (Polyester), eine Foliendicke (entspricht d) von 8 µm und soll 100 nF haben. Wie groß muss die Belagfläche A sein?
A = C · d / (ε₀ · εᵣ) = 10⁻⁷ · 8·10⁻⁶ / (8,854·10⁻¹² · 3,2) ≈ 0,0282 m² ≈ 282 cm².
Du verdoppelst bei einem Plattenkondensator den Plattenabstand und behältst alles andere bei. Was passiert mit der Kapazität?
- a) Sie verdoppelt sich.
- b) Sie bleibt gleich.
- c) Sie steigt um den Faktor 4.
- d) Sie halbiert sich.
Richtig: d)
C ist umgekehrt proportional zu d. Verdoppelter Abstand → halbe Kapazität. Anschaulich: Die Ladungen auf den Platten ziehen sich über die größere Distanz schwächer an.
Welche Aussage über die relative Permittivität εᵣ stimmt?
- a) Sie hat die Einheit F/m.
- b) Sie ist dimensionslos und gibt an, um wie viel das Dielektrikum die Kapazität gegenüber Vakuum erhöht.
- c) Sie ist immer kleiner als 1.
- d) Sie ist gleich der elektrischen Feldkonstante ε₀.
Richtig: b)
εᵣ ist ein Materialfaktor ohne Einheit. Sie ist für nichtmagnetische Stoffe immer ≥ 1 und kann bei Keramiken sehr groß werden. Die Einheit F/m gehört zu ε₀.
Ein Plattenkondensator hat im Luftspalt die Kapazität 200 pF. Welche Kapazität ergibt sich näherungsweise, wenn man den Spalt vollständig mit einem Dielektrikum εᵣ = 5 füllt, ohne sonst etwas zu verändern?
- a) 1 nF
- b) 200 pF
- c) 40 pF
- d) 5 pF
Richtig: a)
C ist linear in εᵣ. Faktor 5 bedeutet aus 200 pF werden 1000 pF = 1 nF. Antwort c würde durch εᵣ dividieren, d ist physikalisch unsinnig.
Kapitel 4 – Energie im Kondensator
Wer Ladung speichert, speichert auch Energie. Der Grund: Beim Aufladen müssen die Ladungen gegen das wachsende elektrische Feld zwischen den Platten transportiert werden. Diese Arbeit steckt nach dem Aufladen als Energie im Feld.
Anschaulich kann man die Energie über die mittlere Spannung beim Aufladen herleiten. Die Spannung am Kondensator wächst linear mit der eingebrachten Ladung von 0 auf U_end. Im Mittel arbeitet die Spannungsquelle also gegen U_end / 2. Die gesamte Arbeit ist Ladung mal mittlere Spannung.
Mit Q = C · U lässt sich das auch schreiben als:
Wichtig: Die Spannung geht quadratisch ein. Verdoppelt man die Spannung an einem Kondensator, vervierfacht sich die gespeicherte Energie. Verdreifacht man sie, steigt sie auf das Neunfache. Das macht Kondensatoren bei hohen Spannungen so leistungsfähig – aber auch gefährlich.
Auch nach dem Trennen von der Spannungsquelle bleibt diese Energie im Kondensator. Große Elkos in Netzteilen oder Frequenzumrichtern können noch Minuten oder länger gefährlich geladen sein. Vor Arbeiten an solchen Geräten muss man die Kondensatoren bewusst entladen – meist über einen Entladewiderstand.
W = 1/2 · C · U²
- W … gespeicherte Energie in J
- C … Kapazität in F
- U … Spannung am Kondensator in V
W = 1/2 · Q · U
W = Q² / (2 · C)
Gelöstes Beispiel
Ein Glättungskondensator in einem Netzteil hat C = 2200 µF und ist auf 35 V geladen. Welche Energie steckt im Kondensator?
Gegeben: C = 2200 µF = 2200 · 10⁻⁶ F; U = 35 V
Gesucht: W in J
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel: W = 0,5 · C · U²
- Schritt 2 — Einsetzen: W = 0,5 · 2200 · 10⁻⁶ · 35² = 0,5 · 2200 · 10⁻⁶ · 1225
- Schritt 3 — Rechnen: W ≈ 1,35 J
Ergebnis: W ≈ 1,35 J
Übungen
Ein 470-µF-Elko ist auf 50 V geladen. Wie viel Energie speichert er?
W = 0,5 · 470·10⁻⁶ · 50² = 0,5875 J ≈ 0,59 J
Wie ändert sich die gespeicherte Energie, wenn man die Spannung an einem Kondensator von 12 V auf 36 V verdreifacht?
Sie wird neunmal so groß (Faktor 3² = 9).
Ein Superkondensator hat 100 F und ist auf 2,5 V geladen. Welche Energie speichert er, und reicht sie aus, um eine 5-W-LED-Lampe 60 s zu versorgen?
W = 0,5 · 100 · 2,5² = 312,5 J. Für 60 s bei 5 W braucht man 300 J – also reicht es knapp, allerdings sinkt die Spannung während der Entladung deutlich ab.
Welche Spannung braucht ein 100-µF-Kondensator, um 5 J zu speichern?
U = √(2W/C) = √(2·5 / 100·10⁻⁶) = √(100 000) ≈ 316 V
Im Zwischenkreis eines Frequenzumrichters arbeitet ein Kondensator mit C = 1500 µF bei 565 V. Welche Energie steckt darin? Warum sind solche Geräte selbst nach dem Abschalten gefährlich?
W = 0,5 · 1500·10⁻⁶ · 565² ≈ 239 J. Diese Energie bleibt nach Trennen vom Netz im Kondensator und kann bei Berührung tödlich sein. Erst nach Entladung – manuell oder über Entladewiderstände – ist das Gerät spannungsfrei.
Du erhöhst die Spannung an einem Kondensator von 100 V auf 200 V. Um welchen Faktor ändert sich die gespeicherte Energie?
- a) Faktor 2
- b) Faktor 1, sie bleibt gleich
- c) Faktor 4
- d) Faktor 0,5
Richtig: c)
W ist proportional zu U². Verdoppelte Spannung bedeutet vierfache Energie. Wer in der Praxis Kondensatoren auf höhere Spannungen umrüstet, unterschätzt diese Skalierung leicht.
Welche der folgenden Schreibweisen für die im Kondensator gespeicherte Energie ist falsch?
- a) W = ½ · C · U²
- b) W = ½ · Q · U
- c) W = Q² / (2 · C)
- d) W = C · U²
Richtig: d)
Es fehlt der Faktor ½. Antworten a, b und c sind drei gleichwertige Darstellungen derselben Energiegleichung; sie unterscheiden sich nur darin, welche zwei der drei Größen C, Q, U eingesetzt sind.
Welche Begründung erklärt am besten den Faktor ½ in der Energiegleichung W = ½ · C · U²?
- a) Die Elektronen fließen nur über die halbe Strecke zwischen den Platten.
- b) Beim Aufladen wächst die Spannung linear von 0 auf U, sodass im Mittel nur gegen U/2 gearbeitet wird.
- c) Die Hälfte der Energie geht im Dielektrikum verloren.
- d) Die Hälfte der Ladung bleibt im äußeren Kreis zurück.
Richtig: b)
Während des Aufladevorgangs steigt die Spannung am Kondensator linear von null auf U. Die Quelle muss daher gegen eine mittlere Spannung U/2 die volle Ladung Q liefern – das ergibt W = ½ · Q · U. Die anderen Antworten sind frei erfunden.
Kapitel 5 – Bauarten von Kondensatoren
Welche Bauart in einer Schaltung steckt, ist selten beliebig. Jede Technologie hat eigene Stärken bei Kapazität, Spannungsfestigkeit, Frequenzverhalten, Temperaturbeständigkeit, Lebensdauer und Preis. Ein Überblick über die wichtigsten Typen:
Folienkondensator. Zwei dünne, beidseitig metallisierte Kunststofffolien (Polyester, Polypropylen, Polycarbonat) werden gewickelt. Ungepolt, gutes Frequenzverhalten, langlebig, oft selbstheilend nach kleinen Durchschlägen. Kapazitäten von einigen nF bis einige µF, Spannungen bis in den kV-Bereich. Typische Einsätze: Filter, Audio, Snubber, Motoranlauf- und Betriebskondensatoren.
Keramikkondensator. Keramikscheibe oder vielschichtiger Stapel (MLCC, „Multi Layer Ceramic Capacitor“) mit Silberelektroden. Sehr kompakt, ungepolt, hohe Lebensdauer, gutes HF-Verhalten. Kapazitäten von wenigen pF bis einige µF.
- Klasse 1 (z. B. NP0/C0G): kapazitätsstabil über Temperatur und Spannung, dafür kleinere Kapazitäten. Für präzise Schwingkreise und Filter.
- Klasse 2 (z. B. X7R, Y5V): viel höhere Kapazitätsdichte, aber stark temperatur-, alterungs- und spannungsabhängig. Für Stützkondensatoren, einfache Filter.
Aluminium-Elektrolytkondensator (Alu-Elko). Eine gewickelte Aluminiumfolie mit dünner Aluminiumoxid-Schicht als Dielektrikum, dazwischen flüssiger oder polymerer Elektrolyt. Sehr hohe Kapazität pro Volumen (µF bis mF), Spannungen bis etwa 500 V. Polarität ist zwingend einzuhalten. Bei Verpolung kann das Bauteil auslaufen, sich aufblähen oder mit lautem Knall platzen. Lebensdauer ist begrenzt – Wärme und Welligkeit lassen den Elektrolyt austrocknen.
Tantal-Kondensator. Ähnliches Prinzip wie Alu-Elko, aber mit Tantal-Pulver als Anode und Tantal-Pentoxid als Dielektrikum. Kompakter, stabiler und langlebiger als Alu, aber teurer und empfindlich gegen Überspannung und hohe Stromspitzen – im Fehlerfall kann ein Tantal kurzschließen und brennen. Kapazitäten von nF bis hundert µF, Spannungen bis etwa 50 V. Gepolt.
Doppelschichtkondensator (Super-/Goldcap). Kein klassisches Dielektrikum, sondern eine elektrochemische Doppelschicht an einer Aktivkohle-Elektrode in einem Elektrolyt. Kapazitäten von Millifarad bis tausende Farad, aber pro Zelle meist nur 2,5 bis 3 V Spannungsfestigkeit. Einsatz als Energiepuffer, USV-Backup, Bremsenergie-Rückgewinnung. Lädt deutlich schneller als ein Akku, hat aber weniger Energiedichte.
Übersichtstabelle
| Bauart | Kapazitätsbereich | Spannung (typ.) | Polarität | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Folie | nF – µF | bis kV | ungepolt | Filter, Motor, Audio, Snubber |
| Keramik | pF – µF | bis ~kV | ungepolt | Allgegenwärtig, Stütz, HF |
| Alu-Elko | µF – mF | bis ~500 V | gepolt | Glättung, Zwischenkreis |
| Tantal | nF – hundert µF | bis ~50 V | gepolt | Stabilisierung, kompakt |
| Doppelschicht | mF – tausend F | <3 V/Zelle | gepolt | Energiepuffer, Backup |
Kenndaten, die auf dem Bauteil oder Datenblatt stehen:
- Nennspannung (oft U_R, „rated voltage“) – die im Dauerbetrieb erlaubte Spannung. Überspannung führt zu Durchschlag oder verkürzter Lebensdauer.
- Toleranz – Abweichung der tatsächlichen Kapazität vom Nennwert. Typisch ±5 %, ±10 %, ±20 %. Bei Glättungs-Elkos sind oft -20 % / +80 % zulässig, weil die exakte Kapazität dort nicht kritisch ist.
- Maximaler Ripple-Strom – wie viel Wechselstrom der Kondensator dauerhaft verkraftet, ohne sich übermäßig zu erwärmen. Vor allem bei Elkos in Netzteilen wichtig.
- Temperaturbereich und Lebensdauer-Angabe (z. B. „2000 h bei 105 °C“) – besonders bei Elkos relevant.
Welche Bauart eignet sich am besten als Energiepuffer mit mehreren hundert Farad bei 2,7 V?
- a) Doppelschichtkondensator
- b) Keramik-Klasse-2-Kondensator
- c) Folienkondensator
- d) Tantal-Kondensator
Richtig: a)
Nur Doppelschichtkondensatoren erreichen Kapazitäten in dieser Größenordnung. Die anderen Typen liegen Größenordnungen darunter, und ein Folien- oder Keramikkondensator mit 100 F gibt es schlicht nicht.
Welche Eigenschaft trifft typisch auf einen Aluminium-Elektrolytkondensator zu?
- a) Er ist ungepolt und für Wechselspannung geeignet.
- b) Er hat sehr geringe Toleranzen unter ±2 %.
- c) Er ist gepolt und altert durch Austrocknen des Elektrolyten.
- d) Er besteht aus einer einzigen Keramikscheibe.
Richtig: c)
Alu-Elkos sind gepolt, haben relativ große Toleranzen und altern – besonders bei höheren Temperaturen. Die anderen Antworten beschreiben andere Bauarten oder treffen sachlich nicht zu.
Du sollst einen Schwingkreis mit hoher Frequenzstabilität bauen. Welcher Kondensator-Typ ist die beste Wahl?
- a) Aluminium-Elektrolyt
- b) Tantal
- c) Keramik Klasse 2 (X7R)
- d) Keramik Klasse 1 (NP0/C0G) oder ein hochwertiger Folienkondensator
Richtig: d)
Klasse-1-Keramik und gute Folienkondensatoren haben minimale Temperatur- und Spannungsabhängigkeit. Klasse-2-Keramik verliert unter Vorspannung erheblich an Kapazität, Elkos und Tantals haben deutliche Toleranzen und sind frequenztechnisch ungeeignet.
Kapitel 6 – Reihen- und Parallelschaltung
Wer in der Praxis Kondensatoren kombiniert, stößt sofort auf eine Eigenheit, die für Verwirrung sorgt: Reihen- und Parallelschaltung verhalten sich genau umgekehrt zu Widerständen.
Parallelschaltung. Alle Kondensatoren liegen an derselben Spannung U. Jeder speichert seine eigene Ladung Q_i = C_i · U. Die gesamte gespeicherte Ladung ist die Summe. Die Kapazitäten addieren sich. Anschaulich: Man legt die Platten quasi nebeneinander – die wirksamen Belagflächen summieren sich, und nach C ∝ A wächst die Gesamtkapazität direkt mit.
Reihenschaltung. Alle Kondensatoren tragen dieselbe Ladung Q. Das liegt daran, dass die Ladungen über den Verbindungspunkt nur intern verschoben werden – die mittleren Platten sind gegeneinander isoliert. Die einzelnen Teilspannungen addieren sich zur Gesamtspannung. Bei zwei Kondensatoren in Reihe lässt sich das einfacher schreiben. Anschaulich: In Reihe stehen die Plattenabstände hintereinander, sie summieren sich. Nach C ∝ 1/d wird die Gesamtkapazität dadurch kleiner – sogar kleiner als jeder einzelne Kondensator.
Der direkte Vergleich mit Widerständen:
| Schaltung | Widerstände | Kondensatoren |
|---|---|---|
| Reihe | R addieren | Kehrwerte addieren |
| Parallel | Kehrwerte addieren | C addieren |
Genau umgekehrt also. Warum? Weil ein Widerstand bei mehr Material in Reihe „länger“ wird (R steigt), während ein Kondensator in Reihe einen größeren effektiven Plattenabstand bekommt (C sinkt). Parallel ist es spiegelbildlich.
Q_ges = Q₁ + Q₂ + Q₃ + …
C_ges = Q_ges / U = C₁ + C₂ + C₃ + …
U_ges = U₁ + U₂ + U₃ + … = Q/C₁ + Q/C₂ + Q/C₃ + …
1 / C_ges = 1/C₁ + 1/C₂ + 1/C₃ + …
C_ges = (C₁ · C₂) / (C₁ + C₂)
Gelöstes Beispiel
Drei Kondensatoren mit C₁ = 10 µF, C₂ = 22 µF und C₃ = 47 µF sind parallel geschaltet. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
Gegeben: C₁ = 10 µF; C₂ = 22 µF; C₃ = 47 µF
Gesucht: C_ges in µF
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel für Parallelschaltung: C_ges = C₁ + C₂ + C₃
- Schritt 2 — Einsetzen: C_ges = 10 + 22 + 47
Ergebnis: C_ges = 79 µF
Übungen
Zwei Kondensatoren mit je 100 µF werden in Reihe geschaltet. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
C_ges = (100 · 100) / (100 + 100) = 50 µF.
Drei Kondensatoren à 6 µF werden parallel geschaltet. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
C_ges = 6 + 6 + 6 = 18 µF.
Drei Kondensatoren à 6 µF werden in Reihe geschaltet. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
1/C_ges = 3 · 1/6 = 1/2; C_ges = 2 µF.
C₁ = 4,7 µF und C₂ = 10 µF sind in Reihe geschaltet. Berechne C_ges.
C_ges = (4,7 · 10) / (4,7 + 10) = 47 / 14,7 ≈ 3,2 µF.
Zwei Glättungselkos à 470 µF / 400 V werden in Reihe geschaltet, um an einem 750-V-Zwischenkreis zu arbeiten. Wie groß ist die Gesamtkapazität, und was muss zusätzlich vorgesehen werden?
C_ges = (470·470)/(470+470) = 235 µF. Zusätzlich braucht es Symmetrierwiderstände parallel zu jedem Elko, damit sich die Spannung gleichmäßig (etwa 375 V je Elko) verteilt. Ohne diese kann ein Kondensator überlastet werden.
Drei gleiche Kondensatoren mit je C werden in Reihe geschaltet. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
- a) 3 · C
- b) C / 3
- c) 2 · C
- d) C
Richtig: b)
1/C_ges = 3 · 1/C, also C_ges = C/3. Bei drei gleichen Kondensatoren in Reihe sinkt die Gesamtkapazität auf ein Drittel. Antwort a wäre die Parallelschaltung.
Welche Aussage zum Vergleich Widerstand – Kondensator stimmt?
- a) Kondensatoren in Reihe verhalten sich rechnerisch wie Widerstände parallel.
- b) Kondensatoren und Widerstände werden in Reihe gleich berechnet.
- c) Kondensatoren parallel verhalten sich wie Widerstände in Reihe.
- d) Es gibt keinen mathematischen Zusammenhang.
Richtig: a)
Bei Widerständen parallel addieren sich die Kehrwerte (1/R_ges = 1/R₁ + 1/R₂). Bei Kondensatoren in Reihe gilt dieselbe Form (1/C_ges = 1/C₁ + 1/C₂). Antwort c wäre teilweise richtig formuliert, ist hier aber so gemeint, dass Kondensatoren-Parallel = Widerstände-Reihe – das stimmt, aber Antwort a beschreibt die für die Praxis interessantere Spiegelung.
Du schaltest C₁ = 1 µF und C₂ = 10 µF in Reihe. Welche der folgenden Aussagen zur Gesamtkapazität trifft am ehesten zu?
- a) Sie liegt deutlich über 10 µF.
- b) Sie liegt zwischen 1 und 10 µF.
- c) Sie liegt unter 1 µF.
- d) Sie ist genau 5,5 µF.
Richtig: c)
In Reihe ist die Gesamtkapazität immer kleiner als der kleinste Einzelwert. Konkret: C_ges = (1·10)/(1+10) ≈ 0,91 µF, also knapp unter 1 µF. Das Plausibilitäts-Schnellcheck-Argument („kleiner als jeder Einzelne“) schließt a, b und d aus.
Kapitel 7 – Anwendungen im Überblick
Wo trifft man Kondensatoren in der Praxis? In der Mechatronik praktisch überall. Statt jedes Einsatzfeld hier auszuwalzen, gibt dieses Kapitel einen Überblick mit Verweisen auf weiterführende Beiträge.
Glättung pulsierender Gleichspannung. Nach einem Gleichrichter ist die Spannung zwar einpolig, aber stark wellig. Ein Kondensator parallel zum Verbraucher füllt die Täler zwischen den Halbwellen auf. Dimensionierung und Brummspannung hängen von Strom, Frequenz und Kapazität ab. → Gleichrichterschaltungen (Einweg-, Brücken-, mit Glättung)
Motoranlauf und Betrieb von Einphasenmotoren. Einphasen-Asynchronmotoren brauchen einen Hilfsstrang mit Kondensator, damit überhaupt ein Drehfeld entsteht. Anlauf- und Betriebskondensatoren sorgen für die nötige Phasenverschiebung. → Einphasen-Asynchronmotor: Kondensatormotor
Zeitverhalten beim Laden und Entladen. Lädt oder entlädt sich ein Kondensator über einen Widerstand, ergibt sich eine charakteristische e-Funktion mit Zeitkonstante τ = R · C. Das nutzt man für Zeitglieder, Verzögerungsschaltungen, einfache Entstörfilter, RC-Filter erster Ordnung. → Lade- und Entladevorgang des Kondensators
Verhalten an Wechselspannung. An Wechselspannung wirkt der Kondensator wie ein frequenzabhängiger Widerstand – der kapazitive Blindwiderstand X_C = 1 / (2π · f · C). Strom eilt der Spannung um 90° voraus. Daraus ergeben sich Filter, Phasenschieber und Blindleistungskompensation. → Kondensator im Wechselstromkreis – kapazitiver Blindwiderstand
Weitere typische Einsätze, ohne eigenen Beitrag:
- Koppel- oder Trennkondensator: trennt den Gleichanteil eines Signals ab und lässt nur den Wechselanteil weiter, etwa zwischen Audio-Verstärkerstufen.
- Entkoppelkondensator (Stützkondensator): dicht neben jedem IC platziert, puffert kurzfristige Stromspitzen, damit die Versorgungsspannung lokal stabil bleibt.
- Snubber: parallel zu Schaltkontakten oder Halbleiterschaltern, dämpft Spannungsspitzen beim Abschalten induktiver Lasten.
- Energiepuffer: Doppelschichtkondensatoren in regenerativen Bremsen, USV-Eingängen oder Datenrettungs-Puffern, die nach Spannungsausfall noch wenige Sekunden Energie liefern.
Welche Aufgabe übernimmt ein Stützkondensator („Entkoppelkondensator“) direkt am Versorgungsanschluss eines ICs?
- a) Er trennt den Gleichanteil des Signals ab.
- b) Er erzeugt eine Phasenverschiebung für ein Drehfeld.
- c) Er filtert hochfrequentes Funkrauschen aus der Antenne.
- d) Er stabilisiert die Versorgungsspannung lokal durch Pufferung von Stromspitzen.
Richtig: d)
Der Stützkondensator puffert kurzzeitige Stromspitzen direkt am Versorgungsanschluss eines ICs, damit Schaltflanken die Spannungsversorgung nicht einbrechen lassen. Antwort a beschreibt einen Koppelkondensator, b einen Anlauf-/Betriebskondensator beim Einphasenmotor, c einen HF-Filter an ganz anderer Stelle.
Wozu setzt man bei Schaltkontakten an induktiven Lasten oft einen Snubber-Kondensator (häufig mit kleinem Widerstand in Reihe) ein?
- a) Um Schaltspitzen und Lichtbogen beim Abschalten zu dämpfen.
- b) Um die Versorgungsspannung zu glätten.
- c) Um die Spule magnetisch vorzumagnetisieren.
- d) Um aus Wechselspannung Gleichspannung zu machen.
Richtig: a)
Beim Abschalten einer induktiven Last erzeugt der zusammenbrechende Strom hohe Spannungsspitzen. Der Snubber nimmt diese Energie kurzzeitig auf und schützt Kontakte und Halbleiter. Die anderen Antworten beschreiben fremde Funktionen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Kondensator mit 33 µF wird an 24 V aufgeladen.
Gegeben: C = 33 µF, U = 24 V
Gesucht: Q in µC
Lösungsweg:
- Q = C · U = 33 · 10⁻⁶ · 24
Ergebnis: Q ≈ 792 µC
Aufgabe 2: Ein Kondensator nimmt bei 50 V eine Ladung von 2,2 mC auf. Welche Kapazität hat er?
Gegeben: U = 50 V, Q = 2,2 mC = 2,2·10⁻³ C
Gesucht: C in µF
Lösungsweg:
- C = Q / U = 2,2·10⁻³ / 50
Ergebnis: C = 44 µF
Aufgabe 3: Plattenkondensator mit A = 80 cm², d = 0,15 mm, εᵣ = 5. Berechne C.
Gegeben: A = 80·10⁻⁴ m², d = 0,15·10⁻³ m, εᵣ = 5
Gesucht: C in nF
Lösungsweg:
- C = ε₀ · εᵣ · A / d = 8,854·10⁻¹² · 5 · 8·10⁻³ / 1,5·10⁻⁴
- C = 8,854·10⁻¹² · 5 · 53,33
Ergebnis: C ≈ 2,36 nF
Aufgabe 4: Eine Kapazität von 470 pF soll mit εᵣ = 3 und d = 0,05 mm realisiert werden. Welche Plattenfläche braucht es?
Gegeben: C = 470 pF = 4,7·10⁻¹⁰ F, d = 0,05·10⁻³ m, εᵣ = 3
Gesucht: A in cm²
Lösungsweg:
- A = C · d / (ε₀ · εᵣ) = 4,7·10⁻¹⁰ · 5·10⁻⁵ / (8,854·10⁻¹² · 3)
Ergebnis: A ≈ 8,85·10⁻⁴ m² ≈ 8,85 cm²
Aufgabe 5: Ein 1000-µF-Kondensator ist auf 100 V geladen. Welche Energie steckt darin?
Gegeben: C = 1000 µF = 10⁻³ F, U = 100 V
Gesucht: W in J
Lösungsweg:
- W = ½ · C · U² = 0,5 · 10⁻³ · 10⁴
Ergebnis: W = 5 J
Aufgabe 6: Welche Spannung braucht ein 47-µF-Kondensator, um 1,5 J Energie zu speichern?
Gegeben: C = 47 µF, W = 1,5 J
Gesucht: U in V
Lösungsweg:
- U = √(2W/C) = √(3 / 47·10⁻⁶) = √63 830
Ergebnis: U ≈ 253 V
Aufgabe 7: C₁ = 22 µF und C₂ = 33 µF werden parallel geschaltet. Berechne C_ges.
Gegeben: C₁ = 22 µF, C₂ = 33 µF
Gesucht: C_ges in µF
Lösungsweg:
- C_ges = C₁ + C₂ = 22 + 33
Ergebnis: C_ges = 55 µF
Aufgabe 8: Dieselben Kondensatoren werden in Reihe geschaltet. Berechne C_ges.
Gegeben: C₁ = 22 µF, C₂ = 33 µF
Gesucht: C_ges in µF
Lösungsweg:
- C_ges = (C₁ · C₂) / (C₁ + C₂) = (22 · 33) / (22 + 33) = 726 / 55
Ergebnis: C_ges ≈ 13,2 µF
Du verdreifachst bei einem Plattenkondensator die Plattenfläche und verdoppelst gleichzeitig den Plattenabstand. Um welchen Faktor ändert sich C?
- a) Faktor 1,5
- b) Faktor 6
- c) Faktor 2
- d) Faktor 0,5
Richtig: a)
C ∝ A/d. Dreifache Fläche bei doppeltem Abstand ergibt Faktor 3/2 = 1,5. Antwort b würde nur die Fläche berücksichtigen, c und d wären reine Abstands- bzw. Halbierungs-Effekte.
Welche Bauart eignet sich am besten für einen 2000-µF-Glättungskondensator in einem 48-V-Netzteil?
- a) Folienkondensator
- b) Klasse-1-Keramikkondensator
- c) Aluminium-Elektrolytkondensator
- d) Doppelschichtkondensator mit 3 V
Richtig: c)
Hohe Kapazität bei mittlerer Gleichspannung mit Polarität ist klassisches Elko-Revier. Folien- und Klasse-1-Keramik erreichen keine Millifarad in vertretbarer Bauform; ein 3-V-Superkondensator hält die 48 V nicht aus.
Welche Aussage zur Energiegleichung W = ½·C·U² stimmt?
- a) Die Energie ist nur von der Kapazität abhängig, nicht von der Spannung.
- b) Verdoppelt man C, vervierfacht sich die Energie.
- c) Die Energie ist linear zur Spannung.
- d) Bei verdoppelter Spannung steigt die Energie auf das Vierfache.
Richtig: d)
Die Spannung geht quadratisch ein – Verdoppelung bedeutet Faktor 4. Antwort b würde nur stimmen, wenn man C verdoppelt (linear), und nicht auf das Vierfache; a und c sind sachlich falsch.
Vier identische Kondensatoren mit je 1 µF werden zu zwei parallelen Gruppen kombiniert, wobei in jeder Gruppe zwei Kondensatoren in Reihe stehen. Wie groß ist die Gesamtkapazität?
- a) 0,25 µF
- b) 1 µF
- c) 2 µF
- d) 4 µF
Richtig: b)
Zwei 1-µF in Reihe ergeben 0,5 µF. Zwei solcher Gruppen parallel ergeben 0,5 + 0,5 = 1 µF. Dieselbe Konfiguration findet sich in der Praxis, um Spannungsfestigkeit und Kapazität gleichzeitig zu skalieren.
Warum darf bei einem Aluminium-Elektrolytkondensator die Polarität nicht verkehrt angeschlossen werden?
- a) Weil bei Verpolung die Kapazität auf einen Bruchteil zurückgeht.
- b) Weil sich das Aluminiumoxid-Dielektrikum nur bei richtiger Polung bildet und stabil bleibt, sonst zersetzt sich der Aufbau und der Kondensator kann platzen.
- c) Weil bei Verpolung das Schaltsymbol nicht mehr stimmt.
- d) Weil der Tantal-Anteil dann oxidiert.
Richtig: b)
Die isolierende Oxidschicht beim Alu-Elko ist polaritätsabhängig formiert. Wird sie verkehrt belastet, baut sie sich ab, der Elektrolyt zersetzt sich, im Inneren entsteht Gas, und das Bauteil bläht sich auf oder explodiert.
Welche Größe geht im Plattenkondensator linear in die Kapazität ein?
- a) die Plattenfläche A
- b) die Spannung U
- c) der Quadrat-Plattenabstand d²
- d) die Ladung Q
Richtig: a)
C = ε₀·εᵣ·A/d. A geht linear ein, d umgekehrt proportional (nicht quadratisch). U und Q stehen nicht in der Kapazitätsformel – sie sind veränderliche Betriebsgrößen.
Du misst nach dem Abschalten eines Frequenzumrichters noch 200 V an den Klemmen, obwohl das Gerät vom Netz getrennt ist. Welche Erklärung passt am besten?
- a) Das Messgerät zeigt einen Defekt.
- b) Der Schutzleiter führt Restspannung.
- c) Im Gehäuse sammelt sich elektrostatische Aufladung.
- d) Die Kondensatoren im Zwischenkreis sind noch geladen.
Richtig: d)
Genau dafür sind die großen Elkos im Zwischenkreis bekannt. Sie können noch lange nach Netztrennung gefährliche Spannungen halten. Standardmäßig wartet man die Entladezeit ab oder entlädt aktiv über einen Widerstand.
Welche Aussage zu Doppelschichtkondensatoren („Supercaps“) ist korrekt?
- a) Sie erreichen Energiedichten weit über denen jedes Akkus.
- b) Sie eignen sich gut als sehr schneller Lade- und Entladepuffer, mit Zellspannungen meist unter 3 V.
- c) Sie funktionieren wie Folienkondensatoren mit Polyester-Dielektrikum.
- d) Sie sind ungepolt und beliebig polbar.
Richtig: b)
Supercaps speichern Energie elektrochemisch in einer Doppelschicht, nicht in einem klassischen Dielektrikum. Sie haben sehr hohe Kapazitäten bei niedriger Spannung, sind extrem schnell ladbar und gepolt. Die Energiedichte liegt unter einem Lithium-Ionen-Akku, dafür ist die Leistungsdichte deutlich höher.
Welche Aussage zum Verhältnis Reihe/Parallel bei Kondensatoren im Vergleich zu Widerständen stimmt?
- a) Kondensatoren in Parallelschaltung addieren sich – genauso wie Widerstände in Reihe.
- b) Kondensatoren und Widerstände werden in jeder Schaltungsart gleich berechnet.
- c) Bei Kondensatoren spielt Reihe und Parallel keine Rolle.
- d) Kondensatoren in Reihe addieren sich – wie Widerstände parallel.
Richtig: a)
Mathematisch entspricht „Kondensatoren parallel“ der Formel „Widerstände in Reihe“ – beide addieren direkt. Und „Kondensatoren in Reihe“ entspricht „Widerstände parallel“ (Kehrwerte). Antwort d wäre genau umgekehrt zur Realität.
Welche Folge hat es, wenn man bei einem Plattenkondensator das Dielektrikum durch ein Material mit deutlich höherem εᵣ ersetzt, sonst aber alles gleich lässt?
- a) Die Spannungsfestigkeit steigt zwingend.
- b) Die Kapazität sinkt.
- c) Die Kapazität steigt proportional zu εᵣ.
- d) Die Energie bei gleicher Spannung sinkt.
Richtig: c)
Die Kapazitätsformel ist linear in εᵣ. Antwort a stimmt nicht zwingend – die Spannungsfestigkeit hängt vom Material ab und kann sogar sinken. Bei gleicher Spannung gilt W = ½·C·U²; wenn C steigt, steigt auch die Energie, nicht umgekehrt.
Glossar
- Kondensator
- Elektrisches Bauelement, das aus zwei Belägen besteht, getrennt durch ein Dielektrikum. Speichert Ladung in einem elektrischen Feld zwischen den Belägen.
- Kapazität
- Verhältnis aus gespeicherter Ladung und anliegender Spannung, C = Q/U. Einheit Farad (F).
- Farad
- Einheit der Kapazität. 1 F = 1 C/V. Praktisch immer als pF, nF, µF oder mF.
- Dielektrikum
- Isolierendes Material zwischen den Belägen eines Kondensators. Es trennt die Beläge elektrisch und erhöht durch seine Polarisierbarkeit die Kapazität gegenüber Vakuum.
- Permittivität
- Maß für die Wirkung eines Materials im elektrischen Feld. Die elektrische Feldkonstante ε₀ beschreibt das Vakuum, die relative Permittivität εᵣ den Faktor, um den ein Material die Kapazität gegenüber Vakuum erhöht.
- Plattenkondensator
- Idealisierter Kondensator mit zwei parallelen ebenen Belägen. Seine Kapazität folgt der Formel C = ε₀·εᵣ·A/d.
- Elektrolytkondensator
- Gepolter Kondensator mit oxidischem Dielektrikum, hoher Kapazität pro Volumen und begrenzter Lebensdauer. Häufigste Typen: Aluminium- und Tantal-Elko.
- Doppelschichtkondensator
- Elektrochemischer Kondensator (Super-/Goldcap) ohne klassisches Dielektrikum. Sehr hohe Kapazität (mF bis tausende F), niedrige Spannung pro Zelle.
- Nennspannung
- Maximal zulässige Dauerspannung am Kondensator. Überschreitung kann zum Durchschlag des Dielektrikums führen.
- Toleranz
- Erlaubte Abweichung des tatsächlichen Kapazitätswerts vom Nennwert, typisch ±5 %, ±10 %, ±20 %.
- Snubber
- Beschaltung aus Kondensator (oft mit Widerstand) parallel zu Schaltern oder induktiven Lasten, um Schaltspitzen zu dämpfen.
Österreichische Normen
- ÖNORM EN 60617 (IEC 60617): Grafische Symbole für Schaltpläne in der Elektrotechnik, unter anderem für Kondensatoren (ungepolt, gepolt, veränderbar).
- ÖNORM EN 60384-Serie (IEC 60384): Festkondensatoren zur Verwendung in elektronischen Geräten – Anforderungen, Prüfverfahren, Kennzeichnung. Die einzelnen Teile decken Folie, Keramik, Aluminium-Elektrolyt, Tantal und weitere Bauarten ab.
