Kondensator im Wechselstromkreis – kapazitiver Blindwiderstand

An Gleichspannung verhält sich ein Kondensator unspektakulär: kurz aufladen, dann passiert nichts mehr. An Wechselspannung sieht die Sache plötzlich völlig anders aus. Es fließt dauerhaft ein Strom, obwohl zwischen den Platten ein Isolator sitzt. Strom und Spannung laufen nicht mehr im Gleichschritt, sondern versetzt zueinander. Und der Kondensator wirkt wie ein Widerstand, der mit der Frequenz seinen Wert ändert. Genau dieses Verhalten brauchen wir, um Glättungs-, Koppel- und Entstörschaltungen zu verstehen, Phasenschieber bei Einphasenmotoren zu bauen oder Blindleistung in Industrieanlagen zu kompensieren.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum im Wechselstromkreis trotz isolierter Kondensatorplatten ein Strom fließt
  • die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung am Kondensator beschreiben und mit dem Lade-/Entladeverhalten begründen
  • den kapazitiven Blindwiderstand X_C berechnen und den Strom durch einen Kondensator bestimmen
  • die Frequenzabhängigkeit von X_C qualitativ und quantitativ beurteilen
  • typische Einsatzfelder von Kondensatoren in Netz- und Signalkreisen benennen

1. Kondensator an Wechselspannung – das Grundphänomen

Hängt man einen entladenen Kondensator an eine Batterie, fließt nur einen kurzen Moment lang ein Ladestrom. Sobald die Plattenspannung der Quellenspannung entspricht, ist Schluss. Der Strom geht auf null. Schließt man stattdessen die gleiche Kapazität an eine Steckdose mit 230 V Wechselspannung, zeigt das Strommessgerät einen dauerhaften Strom an. Das wirkt zunächst widersprüchlich – schließlich ist zwischen den Platten ein Isolator, und Elektronen können dort nicht durchwandern.

Die Erklärung liegt im ständigen Richtungswechsel der Wechselspannung. Eine 50-Hz-Spannung wechselt fünfzig Mal pro Sekunde die Polarität. Innerhalb jeder Periode passieren vier Vorgänge nacheinander:

  1. Die Spannung steigt von null auf den positiven Scheitelwert. Der Kondensator wird in eine Richtung aufgeladen, im Außenkreis fließt Ladestrom.
  2. Die Spannung sinkt zurück auf null. Der Kondensator entlädt sich, der Strom fließt in die entgegengesetzte Richtung.
  3. Die Spannung wechselt die Polarität und steigt bis zum negativen Scheitelwert. Der Kondensator lädt sich mit umgekehrter Polung auf, der Strom fließt erneut in derselben Richtung wie in Phase 2.
  4. Die Spannung kehrt wieder zur null zurück, der Kondensator entlädt sich.

Dieser Wechsel aus Aufladen und Entladen läuft im Wechselstromnetz ununterbrochen ab. Zwischen den Platten fließt dabei kein einziger Ladungsträger. Was wir im Außenkreis als Strom messen, ist das ständige Umladen der Platten über die Zuleitungen. Daraus ergibt sich die einprägsame Faustregel:

Ein Kondensator sperrt Gleichstrom und lässt Wechselstrom durch.

Streng genommen lässt er den Wechselstrom nicht durch – die Platten bleiben getrennt – aber für den Außenkreis sieht es genau so aus, als würde Strom hindurchfließen.

Was passiert mit einem entladenen Kondensator, der an eine konstante Gleichspannung angeschlossen wird?

  • a) Es fließt dauerhaft ein konstanter Strom
  • b) Es fließt nur kurz ein Ladestrom, dann praktisch null
  • c) Es fließt ein Wechselstrom
  • d) Der Kondensator zerstört sich

Richtig: b)

Der Kondensator lädt sich auf die Quellenspannung auf. Sobald U_C = U_Quelle erreicht ist, gibt es keine Spannungsdifferenz mehr, die einen Strom antreiben könnte. Antwort a) gilt nur für Wechselspannung, c) wäre nur bei einem speziellen Generator möglich, d) widerspricht der Praxis – Kondensatoren werden in jedem Netzteil so verwendet.

Warum fließt im Wechselstromkreis mit Kondensator ein Strom, obwohl die Platten elektrisch getrennt sind?

  • a) Weil die Spannung sehr hoch ist und einen Lichtbogen zündet
  • b) Weil die Isolierschicht bei Wechselspannung leitfähig wird
  • c) Weil zwischen den Platten Elektronen ständig hin und her wandern
  • d) Weil Ladung permanent auf- und abgeladen wird, was im Außenkreis als Strom messbar ist

Richtig: d)

Der Strom entsteht ausschließlich im Außenkreis durch das ständige Umladen der Platten. Antwort a) wäre ein Defektfall (Durchschlag), b) ist physikalisch falsch – ein Isolator bleibt ein Isolator, c) widerspricht dem Aufbau eines Plattenkondensators.

Welche Aussage zum Verhalten eines Kondensators stimmt?

  • a) Er sperrt Wechselstrom und lässt Gleichstrom durch
  • b) Er lässt beides gleichermaßen durch
  • c) Er sperrt Gleichstrom und lässt Wechselstrom durch
  • d) Er sperrt beides

Richtig: c)

Das ist die Grundregel des Kondensators an unterschiedlichen Spannungsformen. Gleichstrom wird nach dem einmaligen Aufladen blockiert, Wechselstrom kann durch ständiges Umladen scheinbar passieren.

2. Phasenverschiebung am Kondensator

Misst man Strom und Spannung am Kondensator gleichzeitig mit dem Oszilloskop, sieht man etwas Bemerkenswertes: Die beiden Sinuskurven sind gegeneinander versetzt. Konkret läuft die Stromkurve immer um eine Viertelperiode vor der Spannungskurve her. Bei 50 Hz entspricht eine Viertelperiode 5 ms. Diese Verschiebung beträgt 90° oder π/2 Radiant und ist ein Charakteristikum jeder rein kapazitiven Last.

t u, i 0 u(t) – Spannung i(t) – Strom 90° Vorlauf
Strom (orange) eilt der Spannung (blau) um 90° voraus.

Die Begründung steckt im Lade-/Entladeverhalten. Ein Kondensator nimmt nur dann Strom auf, wenn sich seine Spannung ändert – und zwar umso mehr, je schneller sich die Spannung ändert. Mathematisch ausgedrückt: i ist proportional zur Änderungsrate du/dt. Damit ergibt sich:

  • Wenn die Sinusspannung durch den Nulldurchgang läuft, ändert sie sich am schnellsten. Genau dort ist der Strom maximal.
  • Wenn die Spannung am Scheitelwert steht und für einen Moment stillsteht, ändert sie sich nicht. Genau dort ist der Strom null.

Die Stromkurve hat also ihr Maximum dort, wo die Spannung null ist, und ihre Nullstelle dort, wo die Spannung maximal ist. Das ist exakt die Definition einer 90°-Verschiebung mit dem Strom voraus.

In der Praxis hat sich dazu ein einprägsamer Merksatz etabliert:

Am Kondensator eilt der Strom vor.

Wer sich diese Eselsbrücke einprägt, vermeidet die Verwechslung mit der Spule, bei der sich Strom und Spannung genau umgekehrt verhalten.

Eine ausführliche Behandlung der Phasenverschiebung, der Zeigerdarstellung und der Addition phasenverschobener Größen findet sich im Beitrag Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme. Für das Verständnis dieses Beitrags reicht es zu wissen, dass am Kondensator immer 90° Phasenverschiebung mit Strom-Vorlauf auftreten.

Wie verhält sich Strom zu Spannung am idealen Kondensator?

  • a) Strom eilt der Spannung um 90° voraus
  • b) Strom und Spannung sind in Phase
  • c) Spannung eilt dem Strom um 90° voraus
  • d) Strom und Spannung sind um 180° versetzt

Richtig: a)

Am Kondensator gilt grundsätzlich: Der Strom eilt voraus. Antwort b) gilt für ohmsche Wirkwiderstände, c) gilt für die Spule, d) wäre eine Phasenumkehr und kommt bei keinem passiven Grundbauteil vor.

An welchem Punkt der Sinusschwingung ist der Strom durch den Kondensator maximal?

  • a) Wenn die Spannung am Maximum ist
  • b) Wenn die Spannung am Minimum ist
  • c) Direkt nach dem Maximum
  • d) Wenn die Spannung den Nulldurchgang hat

Richtig: d)

Der Strom hängt von der Änderungsrate der Spannung ab, nicht vom Spannungswert. Im Nulldurchgang ändert sich die Spannung am schnellsten – dort ist der Strom maximal. Im Maximum (a) und Minimum (b) ist die Änderungsrate null, dort fließt kein Strom.

Wie groß ist die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung am rein kapazitiven Verbraucher?

  • a) 90°
  • b) 45°
  • c) 0°
  • d) 180°

Richtig: a)

Ein idealer Kondensator hat exakt 90° Phasenverschiebung. 0° tritt bei ohmscher Last auf, 45° wäre eine gemischte ohmsch-kapazitive Last (z.B. R und C gleichgroß in der RC-Schaltung), 180° tritt bei keinem passiven Grundbauteil auf.

3. Kapazitiver Blindwiderstand X_C

Schließt man einen Kondensator an eine bekannte Wechselspannung an und misst den Strom, lässt sich daraus ein Verhältnis U/I bilden – analog zum Ohm’schen Gesetz. Beispiel: 10 μF an 230 V / 50 Hz ergeben einen Strom von rund 0,72 A. Das Verhältnis U/I = 230 V / 0,72 A liefert etwa 318 Ω. Dieser Wert verhält sich rechnerisch wie ein Widerstand und wird kapazitiver Blindwiderstand X_C genannt.

Warum tritt überhaupt ein „Widerstand“ auf? Beim Laden des Kondensators baut sich eine Gegenspannung auf, die der Quellenspannung entgegenwirkt. Je schneller der Wechsel und je größer die Kapazität, desto mehr Ladung muss pro Zeiteinheit umgeschaufelt werden – und desto höher fällt der Strom aus. Umgekehrt: Bei kleiner Kapazität und niedriger Frequenz wird die volle Quellenspannung schnell durch die Gegenspannung kompensiert, der Strom bleibt klein. Dieses strombegrenzende Verhalten ist X_C.

Die Berechnung erfolgt mit folgender Formel:

X_C = 1 / (2 * π * f * C)

  • X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ohm
  • f … Frequenz in Hertz
  • C … Kapazität in Farad

Alternativ wird die Kreisfrequenz ω = 2π · f verwendet, dann verkürzt sich die Formel auf X_C = 1 / (ω · C).

Mit X_C lässt sich der Strom durch den Kondensator wie bei einem ohmschen Widerstand bestimmen – mit dem Unterschied, dass U und I als Effektivwerte einzusetzen sind:

I = U / X_C

  • I … Strom in Ampere als Effektivwert
  • U … Spannung in Volt als Effektivwert
  • X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ohm

Wichtig: Trotz der äußeren Ähnlichkeit zum Ohm’schen Gesetz unterscheidet sich der Blindwiderstand grundlegend vom Wirkwiderstand. Am ohmschen Widerstand wird elektrische Energie dauerhaft in Wärme umgesetzt – das ist Wirkleistung. Am idealen Kondensator pendelt die Energie nur zwischen Quelle und elektrischem Feld hin und her, ohne in Wärme oder Arbeit umgesetzt zu werden. Diese pendelnde Energie heißt Blindleistung. Eine ausführliche Behandlung von Wirk-, Blind- und Scheinleistung findet sich im Beitrag Wirk-, Blind- und Scheinleistung.

Gelöstes Beispiel

Ein Kondensator mit C = 10 μF wird an eine Wechselspannung von 230 V mit 50 Hz angeschlossen. Wie groß sind kapazitiver Blindwiderstand und Strom?

Gegeben: C = 10 μF = 10 · 10⁻⁶ F, U = 230 V, f = 50 Hz

Gesucht: X_C in Ω und I in A

Lösungsweg:

  1. Blindwiderstand berechnen: X_C = 1 / (2 · π · f · C) = 1 / (2 · π · 50 · 10 · 10⁻⁶) = 1 / (3,1416 · 10⁻³) ≈ 318,3 Ω
  2. Strom berechnen: I = U / X_C = 230 / 318,3 ≈ 0,723 A

Ergebnis: X_C ≈ 318 Ω, I ≈ 0,72 A

Übungen

Berechne den kapazitiven Blindwiderstand eines 4,7 μF-Kondensators bei 50 Hz.

X_C = 1 / (2π · 50 · 4,7 · 10⁻⁶) ≈ 677 Ω

An einem Kondensator mit 4,7 μF liegt eine Spannung von 230 V bei 50 Hz. Wie groß ist der Strom?

X_C ≈ 677 Ω, I = 230 / 677 ≈ 0,34 A

Welche Kapazität ergibt bei 50 Hz einen Blindwiderstand von 100 Ω?

C = 1 / (2π · f · X_C) = 1 / (2π · 50 · 100) ≈ 31,8 μF

Ein Kondensator hat bei 50 Hz einen Blindwiderstand von 200 Ω. Welchen Wert hat X_C bei 60 Hz?

X_C ist umgekehrt proportional zur Frequenz: X_C(60) = X_C(50) · 50/60 = 200 · 50/60 ≈ 166,7 Ω

Durch einen Kondensator soll bei einer Wechselspannung von 5 V Effektivwert und 400 Hz ein Strom von 100 mA fließen. Welche Kapazität ist nötig?

X_C = U / I = 5 / 0,1 = 50 Ω; C = 1 / (2π · 400 · 50) ≈ 7,96 μF, also rund 8 μF.

Welche Formel beschreibt den kapazitiven Blindwiderstand?

  • a) X_C = 2π · f · C
  • b) X_C = 1 / (2π · f · C)
  • c) X_C = R · ω · C
  • d) X_C = U / (f · C)

Richtig: b)

X_C ist umgekehrt proportional zu Frequenz und Kapazität. Antwort a) wäre der induktive Blindwiderstand (X_L). c) ist keine gültige Formel, d) wäre dimensionsmäßig falsch und ignoriert den Faktor 2π.

An einem Kondensator mit X_C = 500 Ω liegen 230 V Wechselspannung. Wie groß ist der Strom?

  • a) 0,460 A
  • b) 0,115 A
  • c) 0,920 A
  • d) 1,15 A

Richtig: a)

Anwendung von I = U / X_C = 230 / 500 = 0,46 A. Die anderen Werte ergeben sich aus falscher Division oder Multiplikation und sind plausible Distraktoren.

Welche Einheit hat der kapazitive Blindwiderstand?

  • a) Farad
  • b) Hertz
  • c) Ohm
  • d) Watt

Richtig: c)

X_C ist ein Widerstand und wird in Ohm angegeben – auch wenn er sich physikalisch anders verhält als ein ohmscher Widerstand. Farad ist Einheit der Kapazität, Hertz der Frequenz, Watt der Leistung.

Warum wird X_C als „Blindwiderstand“ bezeichnet?

  • a) Weil er nicht messbar ist
  • b) Weil er Wirkleistung wie ein normaler Widerstand verbraucht
  • c) Weil er bei sehr hohen Frequenzen unsichtbar wird
  • d) Weil im Kondensator keine Wirkleistung umgesetzt wird, sondern Energie nur pendelt

Richtig: d)

„Blind“ meint hier: scheinbar wirkungslos in Bezug auf Energiewandlung. Der Strom fließt zwar, aber die Energie geht nicht verloren, sondern pendelt zwischen Quelle und elektrischem Feld. Antwort a) ist falsch – er ist messbar, b) widerspricht der Definition, c) hat nichts mit der Bezeichnung zu tun.

4. Frequenzabhängigkeit und typische Anwendungen

Aus der Formel X_C = 1 / (2π · f · C) folgt eine wichtige Eigenschaft: Der kapazitive Blindwiderstand ist umgekehrt proportional zur Frequenz. Verdoppelt sich die Frequenz, halbiert sich X_C. Der Verlauf hat die Form einer Hyperbel:

f in Hz X_C in Ω 100 200 300 400 500 200 400 600 800 50 ≈ 318 Ω bei 50 Hz X_C = 1 / (2π · f · C) für C = 10 μF
Verlauf von X_C über der Frequenz für einen Kondensator mit 10 μF. Niedrige Frequenzen liefern hohen Blindwiderstand, hohe Frequenzen lassen ihn gegen null sinken.

Besonders aussagekräftig sind die beiden Grenzfälle:

  • f → 0 (Gleichstrom): X_C strebt gegen unendlich. Der Kondensator sperrt vollständig. Genau das deckt sich mit dem Verhalten an Gleichspannung aus Kapitel 1.
  • f → ∞ (sehr hohe Frequenz): X_C geht gegen null. Der Kondensator wirkt wie ein Kurzschluss.

Aus dieser Frequenzabhängigkeit folgen wertvolle Anwendungen. Während ein ohmscher Widerstand alle Frequenzen gleich behandelt, lässt sich mit einem Kondensator gezielt nach Frequenzen filtern.

Typische Werte im Überblick

Kapazität X_C bei 50 Hz X_C bei 1 kHz X_C bei 100 kHz
100 nF 31,8 kΩ 1,59 kΩ 15,9 Ω
1 μF 3,18 kΩ 159 Ω 1,59 Ω
10 μF 318 Ω 15,9 Ω 0,159 Ω
100 μF 31,8 Ω 1,59 Ω 15,9 mΩ

Anwendungen in der Praxis

Glättungskondensator nach dem Gleichrichter. Nach einer Brückengleichrichtung liegt eine pulsierende Gleichspannung vor – ein Mittelwert mit überlagerter Welligkeit (typisch 100 Hz im 50-Hz-Netz). Schaltet man parallel zur Last einen großen Elektrolytkondensator (oft 1000 μF und mehr), bildet er für den 100-Hz-Anteil einen sehr niedrigen X_C und kurzschließt diese Welligkeit. Der Gleichanteil bleibt erhalten, weil X_C bei f = 0 unendlich groß ist.

Koppelkondensator. In Audio- und Signalverstärkern wird häufig ein Kondensator in Reihe zur Signalleitung gelegt. Für die Audiofrequenzen ist X_C klein, das Signal läuft praktisch ungehindert durch. Für eventuell überlagerte Gleichspannungsanteile aus der Vorstufe ist X_C unendlich groß, sie werden vollständig blockiert. So lassen sich Verstärkerstufen mit unterschiedlichem Gleichspannungspegel sauber koppeln.

Entstörkondensator. Hochfrequente Störungen, etwa beim Schalten induktiver Lasten oder durch elektromagnetische Einkopplung, lassen sich mit kleinen Kondensatoren (typisch 10 nF bis 100 nF) parallel zur Last kurzschließen. Bei hoher Frequenz wird X_C sehr klein und die Störung fließt gegen Masse ab, statt in nachfolgende Schaltungsteile einzukoppeln.

Phasenschieberkondensator. Einphasen-Asynchronmotoren benötigen für den Anlauf ein magnetisches Drehfeld, das aus einer einzigen Wechselspannung allein nicht entsteht. Durch einen Kondensator in der Hilfswicklung wird der Strom in dieser Wicklung gegenüber dem in der Hauptwicklung phasenverschoben – das erzeugt das nötige Drehfeld. Mehr dazu im Beitrag Einphasen-Asynchronmotor: Kondensatormotor.

Blindleistungskompensation. In industriellen Anlagen mit vielen Motoren und Trafos überwiegt die induktive Blindleistung. Diese belastet das Netz, ohne Arbeit zu verrichten, und kostet bei Überschreitung des vereinbarten cos φ Geld beim Netzbetreiber. Parallel geschaltete Kondensatorbatterien liefern kapazitive Blindleistung, die sich mit der induktiven gegenseitig aufhebt. Übrig bleibt nur noch die Wirkleistung im Netz. Die Auslegung solcher Anlagen ist ein eigenes Thema und wird im Beitrag Blindleistungskompensation ausführlich behandelt.

Wie verhält sich X_C bei steigender Frequenz?

  • a) Er steigt linear
  • b) Er sinkt
  • c) Er bleibt konstant
  • d) Er steigt quadratisch

Richtig: b)

Aus X_C = 1 / (2π · f · C) folgt direkt: Bei steigendem f wird der Nenner größer, der Bruch kleiner. Die Beziehung ist umgekehrt proportional, also weder linear (a) noch quadratisch (d) steigend. Konstant (c) wäre nur ein ohmscher Widerstand.

Wie verhält sich ein Kondensator bei Gleichspannung (f = 0)?

  • a) Wirkt wie ein definierter Widerstand
  • b) Sperrt vollständig (unendlich hoher X_C)
  • c) Wirkt wie ein Kurzschluss
  • d) Es fließt dauerhaft ein Strom

Richtig: b)

Bei f = 0 wird X_C = 1 / 0, also unendlich. Der Kondensator sperrt nach dem Aufladen vollständig. a) und c) sind das Gegenteil bzw. eine Vereinfachung, die nicht stimmt, d) widerspricht direkt der Erfahrung aus Kapitel 1.

Welche Aufgabe hat ein Koppelkondensator?

  • a) Er lässt das Wechselsignal durch und blockiert Gleichanteile
  • b) Er sperrt das Wechselsignal und lässt Gleichspannung durch
  • c) Er glättet pulsierende Gleichspannung
  • d) Er erzeugt eine Phasenverschiebung von 180°

Richtig: a)

Der Koppelkondensator nutzt aus, dass X_C bei f = 0 unendlich groß und bei AC klein ist. Antwort b) ist die Umkehrung, c) ist die Aufgabe eines Glättungskondensators, d) tritt bei passiven Bauteilen nicht auf.

Was muss vor Arbeiten an einem Netzgerät beachtet werden?

  • a) Gerät zerlegen ohne Spannungsprüfung
  • b) Sofort an Spannung anlegen
  • c) Sicherstellen, dass alle Kondensatoren entladen sind
  • d) Mit dem Finger den Ausgang berühren

Richtig: c)

Elektrolytkondensatoren in Netzteilen können auch nach dem Trennen vom Netz noch lange gefährliche Spannungen führen. Spannungsfreiheit messen, gegebenenfalls über einen Widerstand entladen. Antworten a), b) und d) sind gefährlich falsch.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Kondensator mit C = 22 μF wird an eine Wechselspannung von 230 V mit 50 Hz angeschlossen. Berechne den kapazitiven Blindwiderstand und den Strom durch den Kondensator.

Gegeben: C = 22 μF, U = 230 V, f = 50 Hz

Gesucht: X_C, I

Lösungsweg:

  1. X_C = 1 / (2π · 50 · 22 · 10⁻⁶) = 1 / (6,912 · 10⁻³) ≈ 144,7 Ω
  2. I = U / X_C = 230 / 144,7 ≈ 1,59 A

Ergebnis: X_C ≈ 145 Ω, I ≈ 1,59 A

Aufgabe 2: Durch einen Kondensator soll an 230 V / 50 Hz ein Strom von 1 A fließen. Welche Kapazität ist nötig?

Gegeben: U = 230 V, I = 1 A, f = 50 Hz

Gesucht: C

Lösungsweg:

  1. X_C = U / I = 230 / 1 = 230 Ω
  2. C = 1 / (2π · f · X_C) = 1 / (2π · 50 · 230) ≈ 13,84 · 10⁻⁶ F

Ergebnis: C ≈ 13,8 μF (in der Praxis gerundet 15 μF aus Normwerten)

An einem 5 μF Kondensator liegt eine Wechselspannung mit f = 50 Hz. Wie verhält sich X_C, wenn die Frequenz auf 100 Hz steigt?

  • a) X_C verdoppelt sich
  • b) X_C halbiert sich
  • c) X_C bleibt unverändert
  • d) X_C vervierfacht sich

Richtig: b)

X_C ist umgekehrt proportional zur Frequenz. Verdoppelt sich f, halbiert sich X_C. Antwort a) wäre direkte Proportionalität, c) gilt für ohmsche Widerstände, d) wäre eine umgekehrt quadratische Beziehung.

Welches Bauteil wird beim Einphasen-Asynchronmotor verwendet, um eine Phasenverschiebung zwischen Haupt- und Hilfswicklung zu erzeugen?

  • a) Wirkwiderstand
  • b) Spule
  • c) Kondensator
  • d) Transformator

Richtig: c)

Der Kondensator nutzt die 90°-Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung, um in der Hilfswicklung ein zeitlich versetztes Magnetfeld aufzubauen – Voraussetzung für das Anlaufdrehfeld. Ein Widerstand erzeugt keine Phasenverschiebung, eine Spule würde eine Verschiebung in die falsche Richtung erzeugen, ein Trafo wandelt Spannungen, keine Phasen.

Bei welcher Phasenlage zwischen U und I wird KEINE Wirkleistung am Verbraucher umgesetzt?

  • a) 0°
  • b) 30°
  • c) 60°
  • d) 90°

Richtig: d)

Wirkleistung ist P = U · I · cos φ. Bei φ = 90° wird cos φ = 0, also P = 0. Genau diese Situation liegt am idealen Kondensator und an der idealen Spule vor. Bei 0° (a) wird volle Wirkleistung umgesetzt (ohmsche Last), 30° und 60° liegen dazwischen.

Ein Kondensator mit 10 μF wird an 230 V / 50 Hz angeschlossen. Welcher Strom fließt etwa?

  • a) 0,072 A
  • b) 0,72 A
  • c) 7,2 A
  • d) 72 A

Richtig: b)

X_C ≈ 318 Ω, I = 230 / 318 ≈ 0,72 A. Die anderen Antworten unterscheiden sich um Faktor 10 bzw. 100 und sind typische Komma-Verschiebungs-Fehler.

Welche Beziehung gilt zwischen Kapazität C, Frequenz f und kapazitivem Blindwiderstand X_C?

  • a) X_C sinkt mit höherem f UND mit höherem C
  • b) X_C steigt mit höherem f, sinkt aber mit höherem C
  • c) C und f stehen im direkten Verhältnis zu X_C
  • d) X_C ist nur von C abhängig, nicht von f

Richtig: a)

In der Formel X_C = 1 / (2π · f · C) stehen f und C beide im Nenner. Werden sie größer, wird X_C kleiner. b) wäre der induktive Blindwiderstand (steigt mit f), c) ist genau umgekehrt, d) ignoriert die zentrale Eigenschaft des Bauteils.

Welche Aussage über das Verhalten eines Kondensators bei sehr hoher Frequenz ist korrekt?

  • a) Er wirkt wie ein hochohmiger Widerstand
  • b) Er erzeugt Gleichspannung
  • c) Er wirkt wie ein Kurzschluss
  • d) Er wird zur Spule

Richtig: c)

Bei f → ∞ geht X_C → 0, der Kondensator wird quasi zum Kurzschluss. a) ist das Gegenteil, b) ist physikalisch unmöglich, d) ist Unsinn – das Bauteil bleibt ein Kondensator.

Welcher Wert wird bei der Berechnung I = U / X_C für U eingesetzt?

  • a) Spitzenwert der Spannung
  • b) Spitze-Spitze-Wert
  • c) Effektivwert
  • d) Momentanwert

Richtig: c)

Mit X_C werden Effektivwerte verknüpft – analog zum Ohm’schen Gesetz mit U_eff und I_eff. Spitzenwerte würden direkt verknüpft ebenfalls funktionieren, sind aber in der Praxis ungebräuchlich. Spitze-Spitze und Momentanwerte ergeben keinen sinnvollen Bezug zu X_C.

Bei einem Entstörkondensator parallel zur Last wird welches Verhalten ausgenutzt?

  • a) Bei niedriger Frequenz hat C einen geringen Widerstand
  • b) C wirkt als ohmscher Widerstand
  • c) C blockiert alle Frequenzen gleichermaßen
  • d) Bei hoher Frequenz hat C einen geringen Widerstand und schließt Störungen kurz

Richtig: d)

Hochfrequente Störungen finden über den parallel liegenden Kondensator einen Weg geringer Impedanz und werden so kurzgeschlossen, statt in die Schaltung weiterzulaufen. a) ist genau das Gegenteil, b) ignoriert die Frequenzabhängigkeit, c) widerspricht dem ganzen Konzept der Filterung.

Ein Kondensator wird mit der doppelten Frequenz betrieben. Wie verändert sich der Strom bei gleichbleibender Spannung?

  • a) Er bleibt unverändert
  • b) Er halbiert sich
  • c) Er verdoppelt sich
  • d) Er vervierfacht sich

Richtig: c)

X_C halbiert sich bei doppelter Frequenz. Aus I = U / X_C folgt: bei halbiertem X_C verdoppelt sich der Strom. a) ignoriert die Frequenzabhängigkeit, b) wäre die Veränderung von X_C, nicht von I, d) wäre eine quadratische Beziehung.

Welche Größen MUSS man kennen, um X_C zu berechnen?

  • a) Kapazität und Frequenz
  • b) Spannung und Strom
  • c) Kapazität und Spannung
  • d) Frequenz und Strom

Richtig: a)

Die Formel X_C = 1 / (2π · f · C) braucht nur C und f. U und I sind nicht nötig – mit U/I könnte man X_C zwar messen, aber nicht aus der Formel berechnen.

Was passiert, wenn man einen größeren Kondensator (höhere Kapazität) bei gleicher Frequenz und Spannung einsetzt?

  • a) Der Strom sinkt, weil X_C steigt
  • b) Der Strom steigt, weil X_C sinkt
  • c) Der Strom bleibt gleich
  • d) Es fließt gar kein Strom mehr

Richtig: b)

Höheres C steht im Nenner und macht X_C kleiner. Aus I = U / X_C folgt damit ein größerer Strom. a) hat die Richtung umgekehrt, c) ignoriert C, d) wäre physikalisch nur bei C = 0 möglich.

Bei einem realen Kondensator wird oft ein Entladewiderstand parallel geschaltet. Warum?

  • a) Damit die Kapazität größer wird
  • b) Damit X_C frequenzunabhängig wird
  • c) Um die Phasenverschiebung zu unterdrücken
  • d) Damit nach Abschalten keine gefährliche Restspannung dauerhaft auf den Platten bleibt

Richtig: d)

Der Entladewiderstand sorgt dafür, dass der Kondensator nach dem Abschalten kontrolliert leerläuft – wichtig für die Personensicherheit. Antworten a) und b) sind physikalisch nicht erreichbar, c) gehört in den Bereich der Schaltungsauslegung, nicht des Entladewiderstands.

Glossar

Kapazitiver Blindwiderstand (X_C)
Der frequenzabhängige Widerstand, den ein Kondensator dem Wechselstrom entgegensetzt. Berechnet mit X_C = 1 / (2π · f · C), Einheit Ohm.
Blindleistung
Anteil der elektrischen Leistung, der zwischen Quelle und Energiespeicher (elektrisches oder magnetisches Feld) pendelt, ohne in Wirkleistung umgesetzt zu werden.
Glättungskondensator
Kondensator parallel zur Last hinter einem Gleichrichter, der die Welligkeit der pulsierenden Gleichspannung herausfiltert.
Koppelkondensator
Kondensator in Reihe zur Signalleitung, der Wechselsignale durchlässt und Gleichanteile zwischen zwei Schaltungsstufen blockiert.
Entstörkondensator
Kleiner Kondensator parallel zu einer Last oder zwischen Leitung und Masse, der hochfrequente Störungen über einen niedrigen Blindwiderstand kurzschließt.
Phasenschieberkondensator
Kondensator in der Hilfswicklung eines Einphasen-Asynchronmotors, der über die 90°-Phasenverschiebung das Anlaufdrehfeld erzeugt.
Blindleistungskompensation
Verfahren, bei dem mit Kondensatorbatterien induktive Blindleistung im Netz ausgeglichen wird, um den Leistungsfaktor zu verbessern.
Entladewiderstand
Widerstand parallel zu einem Kondensator, der diesen nach dem Abschalten der Versorgung automatisch entlädt und so Sicherheit beim Service bietet.

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