Spule im Wechselstromkreis – induktiver Blindwiderstand

An Gleichspannung wirkt eine Spule fast wie ein Stück Draht – nur der Kupferdraht-Widerstand begrenzt den Strom. An Wechselspannung sieht die Sache anders aus: Plötzlich behindert die Spule den Stromfluss deutlich, obwohl ihr Drahtwiderstand unverändert klein ist. Dieser Effekt heißt induktiver Blindwiderstand und ist die Grundlage für Drosseln, Vorschaltgeräte und vieles, was in Antriebs- und Filtertechnik unverzichtbar ist.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Erklären, warum eine Spule im Wechselstromkreis den Strom behindert
  • Die 90°-Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung an einer Spule beschreiben
  • Den induktiven Blindwiderstand X_L aus Frequenz und Induktivität berechnen
  • Die Frequenzabhängigkeit von X_L erklären und in der Praxis (Drosselwirkung) einordnen

1. Spule im Wechselstromkreis – das Phänomen

Schließt man eine Spule an eine Batterie an, fließt nach einer kurzen Anlaufphase ein stationärer Strom, der nur durch den Drahtwiderstand des Kupferdrahts begrenzt wird. Schließt man dieselbe Spule an Wechselspannung gleichen Effektivwerts an, fließt deutlich weniger Strom – obwohl der Drahtwiderstand unverändert ist. Woher kommt diese zusätzliche Bremse?

Die Ursache liegt in der Selbstinduktion. Ändert sich der Strom durch eine Spule, baut sich ihr Magnetfeld auf oder ab. Diese Feldänderung induziert in der Spule selbst eine Spannung, die der ursprünglichen Stromänderung entgegenwirkt – ähnlich einer trägen Masse, die jeder Beschleunigung Widerstand leistet.

Bei Wechselspannung ändert sich der Strom ständig sinusförmig. Die Spule wehrt sich also dauernd gegen den Stromaufbau – und sobald der Strom seinen Maximalwert erreicht, sofort wieder gegen den Stromabbau. Das Ergebnis: Der Strom kommt nicht so weit, wie er an einem rein ohmschen Widerstand käme. Die Spule wirkt wie ein Widerstand, ohne im klassischen Sinn einer zu sein.

Diesen Effekt nennt man induktiven Blindwiderstand. Formelzeichen X_L, Einheit Ohm.

Warum „blind“? Bei einem ohmschen Widerstand – etwa einer Glühlampe – wird die elektrische Energie in Wärme oder Licht umgewandelt und damit verbraucht. Bei einer idealen Spule passiert das nicht. In der ersten Viertelperiode pumpt die Quelle Energie in das Magnetfeld, in der nächsten Viertelperiode liefert das zusammenbrechende Magnetfeld die Energie wieder zurück. Über eine ganze Periode gemittelt fließt keine Wirkleistung – die Spule borgt sich die Energie nur. Genau deshalb heißt der Widerstand blind: Er bremst den Strom, ohne Wirkleistung umzusetzen.

Wichtig ist die saubere Abgrenzung:

Eigenschaft Wirkwiderstand R Induktiver Blindwiderstand X_L
Formelzeichen R X_L
Einheit Ohm Ohm
Energieumwandlung in Wärme keine, Energie pendelt
Frequenzabhängig nein ja, steigt mit f
Strom und Spannung gleichphasig 90° phasenverschoben

Aufbau und Funktionsweise der Spule selbst, also wie die Induktivität L vom Wicklungsaufbau und Kernmaterial abhängt, ist Thema des Vorwissen-Beitrags.

Warum bleibt eine ideale Spule im Wechselstromkreis kalt, obwohl sie den Strom begrenzt?

  • a) Weil der Strom zu klein ist, um sie zu erwärmen
  • b) Weil sie keine Wirkleistung umsetzt – Energie wird gespeichert und wieder zurückgegeben
  • c) Weil das Magnetfeld die Wärme abführt
  • d) Weil bei Wechselspannung keine Energieübertragung stattfindet

Richtig: b)

Die ideale Spule wirkt rein als Blindwiderstand. In jeder Viertelperiode nimmt sie Energie auf, in der nächsten gibt sie sie zurück – über eine Periode gemittelt fließt keine Wirkleistung, also keine Wärme. Reale Spulen erwärmen sich trotzdem, weil ihr Kupferdraht-Widerstand zusätzlich Wirkleistung umsetzt. Antwort a ist falsch – der Strom wäre an Wechselspannung nicht zwangsläufig klein. Antwort c verwechselt Magnetfeld und Wärmetransport, d ist sachlich falsch, denn Wechselstrom überträgt Energie sehr wohl, z.B. an einen ohmschen Verbraucher.

Eine Spule wird einmal an 12 V Gleichspannung und einmal an 12 V Wechselspannung gleicher Effektivspannung angeschlossen. Wie verhält sich der Strom?

  • a) An Wechselspannung niedrigerer Strom wegen Blindwiderstand
  • b) An Wechselspannung höherer Strom wegen Induktion
  • c) Gleicher Strom in beiden Fällen
  • d) An Gleichspannung fließt kein Strom

Richtig: a)

An Gleichspannung wirkt nur der kleine Drahtwiderstand, der Strom kann groß werden. An Wechselspannung kommt der induktive Blindwiderstand X_L dazu, der den Strom zusätzlich begrenzt – der Effektivstrom ist deutlich kleiner. Antwort b dreht den Effekt um, c ignoriert die Frequenzabhängigkeit, d übersieht, dass Spulen Gleichstrom gut leiten.

Welche der folgenden Aussagen zum induktiven Blindwiderstand ist falsch?

  • a) Sein Formelzeichen ist X_L
  • b) Seine Einheit ist Ohm
  • c) An einer reinen Spule sind Strom und Spannung 90° phasenverschoben
  • d) Er wandelt elektrische Energie in Wärme um

Richtig: d)

Der Blindwiderstand wandelt gerade keine Energie in Wärme um – das ist der zentrale Unterschied zum Wirkwiderstand. Die anderen drei Aussagen stimmen.

2. Phasenverschiebung – Strom hinkt nach

Bei einem ohmschen Widerstand gilt: Hohe Spannung – hoher Strom, Spannung null – Strom null. Beide Verläufe steigen und fallen synchron. An einer Spule ist das anders – der Strom braucht immer einen Moment, um der Spannung hinterherzukommen.

Wenn an einer Spule die Spannung ihren positiven Maximalwert erreicht, ist der Strom gerade null. Geht die Spannung durch den Nulldurchgang (abwärts), erreicht der Strom sein positives Maximum. Wenn die Spannung ihr negatives Maximum hat, ist der Strom wieder null. Und so weiter.

In Zahlen: Der Strom ist um eine Viertelperiode gegenüber der Spannung verzögert – das entspricht einem Phasenwinkel von 90° oder π/2.

Man sagt: Der Strom eilt der Spannung um 90° nach. Als Merksatz: „I hinkt L“ – beim induktiven Verbraucher hinkt der Strom hinterher.

Die Erklärung steckt in der Selbstinduktion: Möchte die anliegende Spannung den Strom erhöhen, induziert die Spule eine Gegenspannung, die dieser Erhöhung entgegenwirkt. Der Strom kann nicht sofort folgen – er hinkt nach. Erst wenn die Spannung wieder kleiner wird, hat der Strom genügend Zeit, seinen Maximalwert zu erreichen. Das Ergebnis ist genau die 90°-Verschiebung.

Wie man diese Phasenverschiebung mit Zeigerdiagrammen darstellt und in gemischten Schaltungen damit rechnet, ist Thema des Beitrags „Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme“.

In der Grafik liegt das Maximum der Spannung u(t) (blau) eine Viertelperiode vor dem Maximum des Stroms i(t) (rot) – genau die 90°-Verzögerung des Stroms.

ωt u, i 0 π/2 π 3π/2 u(t) i(t) 90° (T/4)

An einer reinen Spule liegt sinusförmige Wechselspannung an. Was gilt im Moment des Spannungs-Maximums?

  • a) Der Strom ist ebenfalls maximal
  • b) Der Strom ist gerade null
  • c) Der Strom ist negativ maximal
  • d) Der Strom ist halb so groß wie sein Maximum

Richtig: b)

Strom und Spannung sind 90° versetzt. Erreicht die Spannung ihr positives Maximum, hat der Strom gerade einen Nulldurchgang – er ist im Begriff anzusteigen, ist aber im exakten Moment noch null. Das ist der Kern der induktiven Phasenverschiebung.

Welche Aussage zum Verhalten von Strom und Spannung an einer Spule ist korrekt?

  • a) Der Strom hinkt der Spannung um 90° nach
  • b) Der Strom eilt der Spannung um 90° voraus
  • c) Spannung und Strom sind in Phase
  • d) Spannung und Strom sind um 180° versetzt

Richtig: a)

An einer reinen Induktivität (L) hinkt der Strom der Spannung um eine Viertelperiode nach. Antwort b beschreibt das Verhalten am Kondensator, nicht an der Spule. Antwort c gilt nur am ohmschen Widerstand, 180° hieße Vorzeicheninvertierung – das gibt es bei keinem der Grundbauelemente.

Eine Spule wird an 50 Hz Wechselspannung betrieben. Welche zeitliche Verzögerung entspricht 90° Phasenverschiebung?

  • a) 20 ms
  • b) 10 ms
  • c) 5 ms
  • d) 2,5 ms

Richtig: c)

Eine ganze Periode bei 50 Hz dauert T = 1/50 s = 20 ms. Eine Viertelperiode (90°) sind 20/4 = 5 ms. Genau so lange hinkt der Strom der Spannung nach.

3. Berechnung des induktiven Blindwiderstands

Bisher wissen wir: Die Spule bremst den Strom, und diese Bremswirkung muss von Frequenz und Induktivität abhängen. Aber wie viel Bremswirkung ist das genau? Dafür gibt es eine einfache Formel.

Der induktive Blindwiderstand X_L hängt von der Frequenz f der Wechselspannung und der Induktivität L der Spule ab:

Mit der Kreisfrequenz ω = 2π·f schreibt man kompakter:

Beide Schreibweisen sind in der Praxis üblich – die Werte sind identisch.

Ist der Blindwiderstand bekannt, lässt sich der Strom durch die Spule mit dem Ohmschen Gesetz bestimmen – nur dass U und I jetzt Effektivwerte sind:

Wichtig: Hier wird konsequent mit Effektivwerten gerechnet, nicht mit Spitzenwerten. Was der Unterschied ist, klärt der Vorwissen-Beitrag zu den Kenngrößen der Wechselspannung.

Das große X mit Index L unterscheidet den induktiven Blindwiderstand vom rein ohmschen R. Den kapazitiven Blindwiderstand (bei Kondensatoren) bezeichnet man entsprechend mit X_C. Diese saubere Notation ist wichtig, sobald in Schaltungen mehrere Bauelemente zusammenwirken – etwa in einer RL-Schaltung.

X_L = 2 · π · f · L

  • X_L … induktiver Blindwiderstand in Ohm
  • f … Frequenz in Hertz
  • L … Induktivität in Henry

X_L = ω · L

  • X_L … induktiver Blindwiderstand in Ohm
  • ω … Kreisfrequenz in 1/s
  • L … Induktivität in Henry

I = U / X_L

  • I … Effektivwert des Stroms in Ampere
  • U … Effektivwert der Spannung in Volt
  • X_L … induktiver Blindwiderstand in Ohm

Gelöstes Beispiel

Eine Drosselspule mit der Induktivität L = 0,2 H wird an 230 V / 50 Hz angeschlossen. Berechne den induktiven Blindwiderstand und den Strom durch die Spule.

Gegeben: L = 0,2 H; U = 230 V; f = 50 Hz

Gesucht: X_L in Ohm, I in Ampere

Lösungsweg:

  1. Blindwiderstand X_L: X_L = 2 · π · f · L = 2 · π · 50 · 0,2 ≈ 62,83 Ω
  2. Strom: I = U / X_L = 230 / 62,83 ≈ 3,66 A

Ergebnis: X_L ≈ 62,83 Ω, I ≈ 3,66 A

Übungen

Berechne den induktiven Blindwiderstand einer Spule mit L = 50 mH bei f = 50 Hz.

X_L = 2π·50·0,05 ≈ 15,71 Ω

Welcher Strom fließt durch eine Spule mit X_L = 100 Ω, wenn 24 V Wechselspannung anliegen?

I = 24/100 = 0,24 A

Eine Spule hat bei 50 Hz einen Blindwiderstand von 80 Ω. Wie groß ist ihre Induktivität?

L = X_L / (2π·f) = 80 / (2π·50) ≈ 0,255 H ≈ 255 mH

Welche Spannung muss anliegen, damit durch eine Spule mit L = 100 mH bei 60 Hz ein Strom von 2 A fließt?

X_L = 2π·60·0,1 ≈ 37,70 Ω; U = I · X_L = 2 · 37,70 ≈ 75,4 V

Eine Spule mit L = 1 H ist an einem Wechselstromnetz angeschlossen. Bei welcher Frequenz hätte sie einen Blindwiderstand von 1 kΩ?

f = X_L / (2π·L) = 1000 / (2π·1) ≈ 159,15 Hz

Wie verhält sich X_L, wenn die Induktivität verdoppelt wird (bei gleicher Frequenz)?

  • a) Bleibt gleich
  • b) Halbiert sich
  • c) Vervierfacht sich
  • d) Verdoppelt sich

Richtig: d)

X_L = 2π·f·L ist linear in L. Doppelte Induktivität ergibt doppelten Blindwiderstand, weil Frequenz und 2π in dieser Betrachtung konstant bleiben.

Eine Spule mit L = 100 mH liegt an 230 V / 50 Hz. Welcher Strom fließt näherungsweise?

  • a) ca. 0,73 A
  • b) ca. 7,3 A
  • c) ca. 73 A
  • d) ca. 0,073 A

Richtig: b)

X_L = 2π·50·0,1 ≈ 31,4 Ω. I = 230/31,4 ≈ 7,3 A. Die häufigsten Fehler sind Zehnerpotenz-Verschiebungen durch Verwechslung von Henry und Millihenry, deshalb müssen die Einheiten konsequent geprüft werden.

Worin unterscheidet sich X_L = ω·L von X_L = 2π·f·L?

  • a) Es ist nur eine kompaktere Schreibweise mit ω = 2π·f
  • b) Sie liefern unterschiedliche Werte
  • c) Sie gelten nur für Gleichstrom
  • d) Die ω-Form gilt nur bei sehr hohen Frequenzen

Richtig: a)

Beide Formeln sind mathematisch identisch. ω (Omega) ist die Kreisfrequenz und definiert als ω = 2π·f. Wer mit ω rechnet, hat eine kompaktere Schreibweise – die Zahlenwerte sind dieselben.

Eine Spule hat X_L = 50 Ω. Welche Bezeichnung wäre für einen Kondensator mit gleichem Blindwiderstand korrekt?

  • a) X_L = 50 Ω
  • b) X_C = 50 Ω
  • c) R = 50 Ω
  • d) Z = 50 Ω

Richtig: b)

Der induktive Blindwiderstand heißt X_L, der kapazitive X_C (C für Kapazität). R ist der reine Wirkwiderstand, Z der Scheinwiderstand (Impedanz) einer gemischten Schaltung – also etwas anderes.

4. Frequenzabhängigkeit und Drosselwirkung

Schaut man die Formel X_L = 2π·f·L genau an, fällt eine wichtige Eigenschaft auf: Die Frequenz steckt linear drin. Eine Spule, die bei 50 Hz unauffällig wirkt, kann bei 50 kHz nahezu undurchlässig sein. Genau diese Frequenzabhängigkeit macht die Spule zum vielseitigen Bauelement.

Daraus folgt direkt:

  • Verdoppelt sich die Frequenz, verdoppelt sich auch X_L
  • Bei zehnfacher Frequenz ist X_L zehnmal so groß
  • Bei Frequenz null (Gleichstrom) ist X_L = 0 – die Spule wirkt nur noch mit ihrem kleinen Drahtwiderstand, also fast wie ein Kurzschluss
  • Bei sehr hohen Frequenzen wird X_L sehr groß – die Spule wirkt wie eine Sperre

Zur Veranschaulichung eine Spule mit L = 100 mH bei verschiedenen Frequenzen:

Frequenz Berechnung X_L
0 Hz (DC) 0 · 0,1 0 Ω (Kurzschluss)
50 Hz (Netz) 2π·50·0,1 ≈ 31,4 Ω
400 Hz (Bordnetz Flugzeug) 2π·400·0,1 ≈ 251 Ω
10 kHz 2π·10000·0,1 ≈ 6.283 Ω
100 kHz 2π·100000·0,1 ≈ 62,8 kΩ

Niedrige Frequenzen (Netzfrequenz, Gleichanteile) können eine Spule fast ungehindert passieren, hohe Frequenzen (Schaltflanken, Funkstörungen, Schaltfrequenz eines Umrichters) werden stark gedämpft. Genau diese Eigenschaft – durchlässig für niederfrequente Nutzsignale, sperrend für hochfrequente Störungen – nutzt man bei Drosseln aus.

Typische Drosseln in der Praxis:

  • Glättungsdrosseln im Gleichstrom-Zwischenkreis von Frequenzumrichtern glätten den welligen Strom hinter dem Gleichrichter. Sie sehen den Wechselanteil als Blindwiderstand und dämpfen ihn weg.
  • Netzdrosseln vor Frequenzumrichtern reduzieren Stromoberschwingungen, die der Umrichter ins Netz zurückspeisen würde. Diese Oberschwingungen liegen bei Vielfachen der Netzfrequenz und werden so gedämpft.
  • EMV-Drosseln (Funkentstördrosseln) blockieren hochfrequente Störungen, die von Schaltnetzteilen oder Motorumrichtern ausgehen, und halten sie aus dem Versorgungsnetz fern.
  • Vorschaltdrosseln in klassischen Leuchtstofflampen-Schaltungen begrenzen den Lampenstrom – sie nutzen den Blindwiderstand als verlustarme Strombegrenzung anstelle eines Widerstands, der Wärme erzeugen würde.

In all diesen Anwendungen wird der Strom gezielt frequenzabhängig begrenzt: Was man durchlassen will (Netzfrequenz, Gleichanteil), passiert; was stört (Oberschwingungen, hochfrequente Schaltkanten), wird gesperrt.

X_L = 2 · π · f · L

  • X_L … induktiver Blindwiderstand in Ohm
  • f … Frequenz in Hertz
  • L … Induktivität in Henry

Gelöstes Beispiel

Eine EMV-Drossel mit L = 5 mH soll bei verschiedenen Frequenzen verglichen werden: Netzfrequenz 50 Hz, typische Schaltfrequenz eines Umrichters 4 kHz und eine Funkstörung bei 1 MHz. Berechne jeweils X_L.

Gegeben: L = 5 mH = 0,005 H; f_1 = 50 Hz, f_2 = 4.000 Hz, f_3 = 1.000.000 Hz

Gesucht: X_L bei jeder Frequenz

Lösungsweg:

  1. bei 50 Hz: X_L = 2π · 50 · 0,005 ≈ 1,57 Ω
  2. bei 4 kHz: X_L = 2π · 4000 · 0,005 ≈ 125,66 Ω
  3. bei 1 MHz: X_L = 2π · 1.000.000 · 0,005 ≈ 31.416 Ω ≈ 31,4 kΩ

Ergebnis: Die Drossel ist bei 50 Hz fast unwirksam (1,57 Ω), bei 4 kHz schon spürbar (≈ 126 Ω) und bei 1 MHz eine harte Sperre (≈ 31 kΩ).

Übungen

Eine Spule hat bei 50 Hz X_L = 20 Ω. Wie groß ist X_L bei 100 Hz?

Da X_L proportional zu f ist, verdoppelt es sich: X_L = 40 Ω.

Eine Spule hat bei 1 kHz X_L = 600 Ω. Welche Induktivität hat sie?

L = X_L / (2π·f) = 600 / (2π·1000) ≈ 0,0955 H ≈ 95,5 mH.

Wie ändert sich der Strom durch eine Spule (bei konstanter Spannung), wenn die Frequenz vervierfacht wird?

X_L vervierfacht sich, also wird der Strom auf ein Viertel reduziert.

Eine Glättungsdrossel mit L = 10 mH sieht in einem Umrichter-Zwischenkreis sowohl einen Gleichanteil als auch eine Welligkeit bei 300 Hz. Wie groß ist X_L für beide Anteile?

Bei DC (0 Hz): X_L = 0 Ω – Gleichstrom geht ungehindert durch. Bei 300 Hz: X_L = 2π·300·0,01 ≈ 18,85 Ω – die Welligkeit wird gedämpft.

Eine Netzdrossel mit L = 2 mH sitzt vor einem Frequenzumrichter. Berechne X_L für die 5. Oberschwingung der 50-Hz-Netzfrequenz und vergleiche mit X_L bei der Grundschwingung.

Grundschwingung 50 Hz: X_L = 2π·50·0,002 ≈ 0,628 Ω. 5. Oberschwingung 250 Hz: X_L = 2π·250·0,002 ≈ 3,14 Ω – also fünfmal so groß wie bei 50 Hz.

Welcher Zusammenhang zwischen Frequenz und induktivem Blindwiderstand ist korrekt?

  • a) X_L ist umgekehrt proportional zur Frequenz
  • b) X_L ist unabhängig von der Frequenz
  • c) X_L wächst quadratisch mit der Frequenz
  • d) X_L wächst linear mit der Frequenz

Richtig: d)

X_L = 2π·f·L – die Frequenz steht linear in der Formel. Antwort a beschreibt den Kondensator (dessen Blindwiderstand X_C ist umgekehrt proportional zu f), nicht die Spule.

Eine ideale Spule wird mit Gleichspannung versorgt. Was lässt sich nach Erreichen des stationären Zustands über X_L sagen?

  • a) X_L ist sehr groß
  • b) X_L ist gleich dem Wirkwiderstand R
  • c) X_L ist gleich null
  • d) X_L ist unendlich

Richtig: c)

Bei f = 0 ist X_L = 2π·0·L = 0. Eine ideale Spule wirkt im stationären Gleichstrombetrieb wie ein Kurzschluss. Reale Spulen haben zusätzlich einen kleinen Drahtwiderstand, aber kein X_L.

Warum sitzt vor einem Frequenzumrichter typisch eine Netzdrossel?

  • a) Um Stromoberschwingungen aus dem Umrichter vom Netz fernzuhalten
  • b) Um die Netzspannung anzuheben
  • c) Um den Anlaufstrom des Motors zu glätten
  • d) Um den Motor vor Überlast zu schützen

Richtig: a)

Der Eingangs-Gleichrichter eines Umrichters zieht aus dem Netz keinen sauberen Sinusstrom, sondern einen verzerrten Strom mit hohen Oberschwingungsanteilen (5., 7., 11., 13. Harmonische). Die Netzdrossel hat für diese hohen Frequenzen einen entsprechend hohen Blindwiderstand und dämpft sie. Antwort b ist sachlich falsch, c ist Aufgabe der Umrichter-Regelung, d Aufgabe des Motorschutzschalters.

Eine Funkentstördrossel mit L = 1 mH soll Störungen bei 10 MHz blockieren. Wie groß ist ihr X_L bei dieser Frequenz?

  • a) ca. 63 Ω
  • b) ca. 6,3 kΩ
  • c) ca. 63 kΩ
  • d) ca. 630 kΩ

Richtig: c)

X_L = 2π·10.000.000·0,001 ≈ 62.832 Ω ≈ 63 kΩ. Bei 10 MHz wirkt 1 mH bereits als hochohmige Sperre – genau das ist die Aufgabe einer EMV-Drossel.

Welche Aussage zur Wahl der Induktivität einer Glättungsdrossel im Gleichstrom-Zwischenkreis ist falsch?

  • a) Größere L verringert den durchfließenden Gleichstrom
  • b) Größere L glättet die Welligkeit stärker
  • c) Größere L erhöht den Blindwiderstand für den Wechselanteil
  • d) Bei reinem Gleichanteil verbleibt nur der ohmsche Drahtwiderstand als Verlust

Richtig: a)

Aussage a ist falsch: Eine ideale Spule hat bei Gleichstrom keinen Blindwiderstand und beeinflusst den DC-Anteil nicht. Größere L bedeutet nur mehr Dämpfung für den Wechselanteil (b und c stimmen). Reale Spulen haben einen Drahtwiderstand, der einen kleinen DC-Spannungsabfall verursacht (d stimmt).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Drosselspule wird in einer Vorschaltgerät-Schaltung verwendet. Sie hat L = 0,8 H und liegt an U = 230 V / 50 Hz.

Gegeben: L = 0,8 H, U = 230 V, f = 50 Hz

Gesucht: X_L und Strom I

Lösungsweg:

  1. X_L = 2π·50·0,8 ≈ 251,3 Ω
  2. I = U/X_L = 230/251,3 ≈ 0,915 A

Ergebnis: X_L ≈ 251,3 Ω, I ≈ 0,915 A.

Aufgabe 2: Eine Spule soll bei 60 Hz einen Blindwiderstand von 150 Ω aufweisen.

Gegeben: f = 60 Hz, X_L = 150 Ω

Gesucht: erforderliche Induktivität L

Lösungsweg:

  1. L = X_L / (2π·f) = 150 / (2π·60) ≈ 0,398 H

Ergebnis: L ≈ 398 mH.

Aufgabe 3: Eine Spule mit L = 250 mH wird an verschiedenen Frequenzen betrieben. Wie groß ist X_L bei 50 Hz und bei 400 Hz (Flugzeugbordnetz)?

Gegeben: L = 0,25 H, f_1 = 50 Hz, f_2 = 400 Hz

Gesucht: X_L bei beiden Frequenzen

Lösungsweg:

  1. Bei 50 Hz: X_L = 2π·50·0,25 ≈ 78,54 Ω
  2. Bei 400 Hz: X_L = 2π·400·0,25 ≈ 628,3 Ω

Ergebnis: Bei 50 Hz ≈ 78,5 Ω, bei 400 Hz ≈ 628,3 Ω – das ist der achtfache Wert, passend zum achtfachen Frequenzfaktor.

Aufgabe 4: Durch eine Spule mit L = 120 mH soll bei 50 Hz ein Strom von 0,5 A fließen. Welche Spannung ist nötig?

Gegeben: L = 0,12 H, f = 50 Hz, I = 0,5 A

Gesucht: U

Lösungsweg:

  1. X_L = 2π·50·0,12 ≈ 37,7 Ω
  2. U = I · X_L = 0,5 · 37,7 ≈ 18,85 V

Ergebnis: U ≈ 18,85 V.

Aufgabe 5: Eine EMV-Drossel mit L = 3 mH soll Störungen bei 100 kHz dämpfen. Berechne X_L bei 100 kHz und das Verhältnis zu X_L bei 50 Hz.

Gegeben: L = 0,003 H, f_1 = 50 Hz, f_2 = 100.000 Hz

Gesucht: X_L bei 100 kHz und Verhältnis

Lösungsweg:

  1. X_L (50 Hz) = 2π·50·0,003 ≈ 0,942 Ω
  2. X_L (100 kHz) = 2π·100.000·0,003 ≈ 1885 Ω
  3. Verhältnis = 100.000 / 50 = 2000

Ergebnis: X_L (100 kHz) ≈ 1885 Ω, also der 2000-fache Wert von 50 Hz.

Aufgabe 6: Eine Spule mit unbekannter Induktivität nimmt bei 230 V / 50 Hz einen Effektivstrom von 1,2 A auf (Drahtwiderstand vernachlässigt). Welche Induktivität hat sie?

Gegeben: U = 230 V, f = 50 Hz, I = 1,2 A

Gesucht: L

Lösungsweg:

  1. X_L = U/I = 230/1,2 ≈ 191,67 Ω
  2. L = X_L / (2π·f) = 191,67 / (2π·50) ≈ 0,610 H

Ergebnis: L ≈ 610 mH.

An einer reinen Spule liegt eine sinusförmige Wechselspannung u(t) an. In welcher Beziehung steht der Strom i(t) zur Spannung?

  • a) Beide sind in Phase
  • b) Strom eilt der Spannung um 90° voraus
  • c) Strom eilt der Spannung um 90° nach
  • d) Strom und Spannung sind 180° versetzt

Richtig: c)

Bei einer reinen Induktivität gilt: Der Strom hinkt der Spannung um 90° (π/2) nach. Antwort b beschreibt das Verhalten am Kondensator. 180° wäre ein invertiertes Signal – das gibt es weder bei R noch bei L noch bei C.

Welches Formelzeichen steht für den induktiven Blindwiderstand?

  • a) Z
  • b) R
  • c) X_C
  • d) X_L

Richtig: d)

Das große X mit Index L steht für den induktiven Blindwiderstand. X_C ist der kapazitive, R der Wirkwiderstand, Z (Impedanz) der Scheinwiderstand einer gemischten Schaltung.

Eine Spule mit konstanter Induktivität wird nacheinander an 50 Hz und 200 Hz Wechselspannung gleichen Effektivwerts angeschlossen. Wie verändert sich der Effektivstrom?

  • a) Vervierfacht sich
  • b) Bleibt gleich
  • c) Halbiert sich
  • d) Viertelt sich

Richtig: d)

Bei vierfacher Frequenz vervierfacht sich X_L. Bei konstanter Spannung wird der Strom I = U/X_L also auf ein Viertel reduziert.

Welche Aussage zum Energiehaushalt einer idealen Spule im Wechselstromkreis ist korrekt?

  • a) Sie verbraucht ständig Energie und wird heiß
  • b) Sie nimmt in einer Halbperiode Energie auf und gibt sie in der anderen zurück
  • c) Sie speichert die zugeführte Energie dauerhaft im Magnetfeld
  • d) Sie wandelt elektrische in mechanische Energie um

Richtig: b)

Die ideale Spule speichert Energie im Magnetfeld zwischen, gibt sie aber jede Halbperiode wieder ab. Über eine ganze Periode gemittelt fließt keine Wirkleistung – die Spule wird (ideal betrachtet) nicht warm. Reale Spulen haben Kupfer- und Eisenverluste; diese werden in der idealisierten Betrachtung ignoriert.

Warum ist der Strom durch eine Spule bei höherer Frequenz kleiner als bei niedrigerer Frequenz (gleiche Spannung)?

  • a) Weil X_L mit der Frequenz wächst und damit den Strom stärker begrenzt
  • b) Weil der Wirkwiderstand mit der Frequenz steigt
  • c) Weil die Spule bei hoher Frequenz heißer wird
  • d) Weil bei hoher Frequenz die Spannung abnimmt

Richtig: a)

Mit X_L = 2π·f·L steigt der Blindwiderstand linear mit der Frequenz. Höheres X_L bedeutet bei gleicher Spannung nach I = U/X_L weniger Strom. Antwort b ist falsch – der ohmsche Drahtwiderstand ist frequenzunabhängig.

Eine Drossel im Wechselstromkreis dient typischerweise dazu, …

  • a) den Strom in Wärme umzuwandeln
  • b) hochfrequente Signale durchzulassen und niederfrequente zu sperren
  • c) niederfrequente Signale durchzulassen und hochfrequente zu dämpfen
  • d) die Spannung zu erhöhen

Richtig: c)

Eine Drossel nutzt den frequenzabhängigen X_L: Bei niedrigen Frequenzen (Netzfrequenz oder Gleichanteil) ist X_L klein – sie ist durchlässig. Bei hohen Frequenzen (Oberschwingungen, EMV-Störungen) wird X_L groß – sie sperrt. Antwort b dreht das Verhalten um und beschreibt damit eher einen Kondensator.

Welche Einheit ergibt sich aus 2π·f·L, wenn f in Hertz und L in Henry eingesetzt werden?

  • a) Watt
  • b) Volt
  • c) Ampere
  • d) Ohm

Richtig: d)

Hertz mal Henry ist (1/s) · (V·s/A) = V/A = Ohm. Der Blindwiderstand hat – wie jeder Widerstand – die Einheit Ohm. 2π hat keine Einheit, das ist eine reine Zahl.

Eine reale Spule wird an 24 V Gleichspannung angeschlossen. Nach einigen Sekunden fließt ein stationärer Strom von 0,5 A. Welcher Wert lässt sich daraus berechnen?

  • a) Die Induktivität L
  • b) Der induktive Blindwiderstand X_L
  • c) Der ohmsche Drahtwiderstand R der Spule
  • d) Die Kreisfrequenz ω

Richtig: c)

Im stationären Gleichstrombetrieb ist X_L = 0 – wirksam ist nur der ohmsche Drahtwiderstand. Mit R = U/I = 24/0,5 = 48 Ω lässt sich genau dieser bestimmen. Über L oder X_L sagt der stationäre DC-Versuch nichts aus; dafür müsste Wechselspannung anliegen.

In welcher Anwendung wird der induktive Blindwiderstand gezielt genutzt?

  • a) In einem Heizwiderstand zur Wärmeerzeugung
  • b) In einer EMV-Drossel zur Dämpfung hochfrequenter Störungen
  • c) In einer Glühlampe zur Lichterzeugung
  • d) In einem Kondensator zur Energiespeicherung

Richtig: b)

EMV-Drosseln nutzen den hohen X_L bei hochfrequenten Störungen, um diese zu blockieren. Heizwiderstand und Glühlampe basieren auf ohmscher Wirkleistung. Ein Kondensator speichert Energie im elektrischen Feld – das hat mit dem induktiven Blindwiderstand nichts zu tun.

Welcher Wert ist näherungsweise der Blindwiderstand X_L einer Spule mit L = 1 H bei 50 Hz?

  • a) 31 Ω
  • b) 100 Ω
  • c) 314 Ω
  • d) 3.140 Ω

Richtig: c)

X_L = 2π·50·1 ≈ 314 Ω. Eine Spule mit 1 H ist relativ groß; im 230-V-Netzbetrieb begrenzt sie den Strom auf I = 230/314 ≈ 0,73 A.

Wie verhält sich X_L bei sehr hohen Frequenzen?

  • a) Er nähert sich null
  • b) Er nähert sich dem Drahtwiderstand
  • c) Er bleibt konstant bei 2π·L
  • d) Er wird sehr groß

Richtig: d)

Da X_L = 2π·f·L direkt proportional zur Frequenz ist, geht X_L gegen unendlich, wenn f gegen unendlich geht. Die Spule wirkt bei hohen Frequenzen wie eine Sperre. Antwort a beschreibt das Verhalten bei Gleichstrom, also genau das Gegenteil.

Eine Spule und ein ohmscher Widerstand haben bei 50 Hz beide den gleichen Widerstandswert in Ohm. Welcher Unterschied besteht im Verhalten?

  • a) Der ohmsche Widerstand wird heiß, die ideale Spule kaum
  • b) Die Spule wird heißer als der Widerstand
  • c) Beide setzen die gleiche Wirkleistung um
  • d) Beide haben Strom und Spannung in Phase

Richtig: a)

Der ohmsche Widerstand setzt die gesamte aufgenommene Leistung in Wärme um. Die ideale Spule setzt keine Wirkleistung um und wird nicht warm. Reale Spulen haben Kupfer- und Eisenverluste, bleiben aber bei vergleichbarem X_L deutlich kühler als ein vergleichbarer ohmscher Widerstand. Antwort d gilt nur für den ohmschen Widerstand, an der Spule sind Strom und Spannung um 90° versetzt.

Glossar

Blindwiderstand
Widerstand eines Bauelements im Wechselstromkreis, der den Strom begrenzt, ohne Wirkleistung umzusetzen. Bei Spulen induktiver Blindwiderstand X_L.
Drossel
Spule, die gezielt eingesetzt wird, um den frequenzabhängigen Blindwiderstand X_L als Filter oder Strombegrenzung zu nutzen.
Induktiver Blindwiderstand X_L
Blindwiderstand einer Spule, berechnet aus X_L = 2π·f·L. Einheit Ohm.
Kreisfrequenz ω
Mit dem Faktor 2π skalierte Frequenz: ω = 2π·f. Einheit 1/s.
Phasenverschiebung
Zeitlicher Versatz zwischen Spannung und Strom in einem Wechselstromkreis, angegeben als Winkel. An einer reinen Spule beträgt sie 90°, wobei der Strom der Spannung nacheilt.
Wirkwiderstand R
Ohmscher Widerstand, der elektrische Energie in Wärme umwandelt. Im Wechselstromkreis sind Strom und Spannung an ihm in Phase.

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