Spule – Aufbau und Induktivität
Eine Spule ist im Kern nichts anderes als ein zu Windungen aufgewickelter Draht – und trotzdem eines der wichtigsten passiven Bauelemente in der Elektrotechnik. Sie steckt in Drosseln am Frequenzumrichter, im Relais am Steuerungsschrank, in der Zündspule im Auto und in jedem Transformator. Was sie alle gemeinsam haben: Sie speichern Energie in einem Magnetfeld. Dieser Beitrag zeigt, wie eine Spule aufgebaut ist, wie ihre charakteristische Kenngröße – die Induktivität – definiert ist und wovon sie abhängt.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den prinzipiellen Aufbau einer Spule beschreiben und ihre wesentlichen Bauteile benennen
- die gängigen Bauformen und Kernmaterialien unterscheiden und die zugehörigen Schaltsymbole erkennen
- die Induktivität als physikalische Größe definieren und ihre Einheit zuordnen
- die Induktivität einer Zylinderspule mit der Formel L = μ₀ · μr · N² · A / l berechnen
- typische Anwendungen von Spulen in der Mechatronik und Antriebstechnik einordnen
Kapitel 1 – Was ist eine Spule?
Wickelt man einen Draht zu Windungen auf, passiert beim Stromfluss etwas Bemerkenswertes: Jede einzelne Windung erzeugt ein Magnetfeld, und weil die Windungen direkt nebeneinander liegen, addieren sich diese Felder zu einem einzigen, starken Gesamtfeld. Aus einem unscheinbaren Stück Kupferdraht wird so ein Elektromagnet – und genau das ist eine Spule.
Im Vergleich zu den anderen passiven Bauelementen lässt sich die Aufgabe der Spule gut einordnen. Der Widerstand wandelt elektrische Energie in Wärme um. Der Kondensator speichert Energie in einem elektrischen Feld zwischen seinen Platten. Die Spule speichert Energie in einem magnetischen Feld, das ihre Windungen durchsetzt. Solange Strom fließt, bleibt das Feld aufrecht. Wird der Strom abgeschaltet, baut sich das Feld ab – und die gespeicherte Energie muss irgendwo hin. Was dabei genau passiert, ist Thema des Folgebeitrags zur Selbstinduktion.
Spulen findet man heute in fast jedem elektrischen Gerät. In Relais und Schützen ziehen sie Kontakte an, in Magnetventilen schalten sie Pneumatik- oder Hydraulikkreise, in Zündspulen erzeugen sie die Funkenspannung, in Transformatoren übertragen sie Energie zwischen zwei Stromkreisen, in Drosseln glätten sie Ströme und filtern Störungen, in Servo- und Asynchronmotoren bilden ihre Wicklungen das Drehfeld. Trotz der völlig unterschiedlichen Einsatzgebiete bleibt das Grundprinzip immer dasselbe.
Worin speichert eine Spule Energie?
- a) Im magnetischen Feld der durchflossenen Windungen
- b) In der Wärme des Kupferdrahts
- c) Im elektrischen Feld zwischen den Anschlüssen
- d) In der mechanischen Spannung des Wickelkörpers
Richtig: a)
Die im Spulenstrom enthaltene Energie wird in dem Magnetfeld gespeichert, das die Windungen aufbauen. Wärme entsteht zwar im ohmschen Widerstand des Drahtes, ist aber Verlustenergie und nicht der Speichermechanismus. Das elektrische Feld zwischen den Anschlüssen tritt nur in vernachlässigbarer Größe auf – das ist die Domäne des Kondensators.
Warum verstärken viele Windungen das Magnetfeld einer Spule?
- a) Weil der Draht insgesamt länger wird und mehr Wärme entsteht
- b) Weil der Querschnitt der Spule mit jeder Windung wächst
- c) Weil sich die Magnetfelder der einzelnen Windungen überlagern
- d) Weil mehr Windungen den ohmschen Widerstand der Spule erhöhen
Richtig: c)
Jede stromdurchflossene Windung erzeugt ihr eigenes Magnetfeld. Da die Windungen direkt nebeneinander liegen, summieren sich diese Felder zu einem deutlich stärkeren Gesamtfeld. Mehr Drahtlänge bedeutet zwar tatsächlich mehr Wärme im Widerstand, ist aber kein Beitrag zum Feld. Der Querschnitt der Spule hängt vom Spulenkörper ab, nicht von der Windungszahl.
Welches Bauelement speichert Energie in einem Feld – und zwar nicht in einem elektrischen, sondern in einem magnetischen?
- a) Kondensator
- b) Widerstand
- c) Diode
- d) Spule
Richtig: d)
Der Kondensator speichert im elektrischen Feld, der Widerstand wandelt Energie in Wärme und kann nichts speichern, die Diode ist ein Halbleiterbauelement zur Stromrichtungssteuerung ohne nennenswerte Speicherfunktion. Nur die Spule speichert Energie in einem magnetischen Feld.
Kapitel 2 – Aufbau einer Spule
Eine Spule besteht aus überraschend wenigen Bauteilen. Der eigentliche Leiter ist meist Kupferlackdraht – also Kupferdraht mit einer dünnen Isolierlackschicht. Diese Isolierung ist entscheidend, weil sich benachbarte Windungen sonst kurzschließen würden. Der Draht wird in vielen Lagen straff um einen Wickelkörper aus Kunststoff oder Pressspan gewickelt, an beiden Enden herausgeführt und auf Anschlussstifte oder Lötösen geführt.
Den größten Einfluss auf das Verhalten der Spule hat aber das, was sich im Inneren der Wicklung befindet: der Kern.
Luftspulen haben überhaupt keinen Kern – die Wicklung umschließt einfach Luft (oder einen unmagnetischen Wickelkörper). Sie erzeugen verhältnismäßig schwache Felder, sind dafür aber extrem linear: Ihre Induktivität ändert sich nicht mit dem Strom. Eingesetzt werden sie überall dort, wo Genauigkeit und hohe Frequenzen wichtiger sind als hohe Induktivitätswerte, etwa in HF-Schaltungen und Messtechnik.
Eisenkerne aus geblechtem Trafoblech kommen in Netzfrequenzanwendungen vor – also bei 50 Hz im Stromnetz und in Transformatoren. Eisen verstärkt das Magnetfeld um den Faktor 1000 bis 5000. Die Bleche sind voneinander isoliert, damit sich keine Wirbelströme im Kern aufbauen, die Energie als Wärme verschwenden würden. Bei höheren Frequenzen würden auch isolierte Bleche zu viel verlieren.
Ferritkerne sind keramische Werkstoffe aus Eisenoxid mit geringer elektrischer Leitfähigkeit. Sie eignen sich für hohe Frequenzen – Schaltnetzteile, EMV-Filter, HF-Drosseln –, weil ihre geringe Leitfähigkeit Wirbelströme von vornherein unterbindet. Ihre relative Permeabilität liegt typisch zwischen 100 und 1000.
Pulverkerne bestehen aus magnetischen Eisenpartikeln, die mit einem isolierenden Bindemittel verpresst sind. Sie verbinden gute Magnetisierbarkeit mit hoher Belastbarkeit und werden gerne in Speicherdrosseln für Schaltnetzteile verwendet.
Bauformen
Die geometrische Form der Spule bestimmt mit, wie viel Streufeld nach außen tritt und wie kompakt sich die Spule bauen lässt.
Die Zylinderspule ist die klassische Bauform – Windungen um einen geraden Wickelkörper, der Kern als Stab in der Mitte. Sie ist einfach zu bauen, hat aber ein deutliches Streufeld an den Stirnseiten.
Die Ringkernspule (Toroid) hat einen ringförmigen Kern, um den die Wicklung gleichmäßig herumläuft. Der magnetische Fluss ist fast vollständig im Ring eingeschlossen, das Streufeld nach außen ist sehr gering. Das macht Ringkerne ideal für EMV-Anwendungen und kompakte Netzteile.
Der Topfkern umschließt die Wicklung von außen vollständig in einem geschlossenen Gehäuse aus Ferrit. Auch hier bleibt das Feld im Inneren, zusätzlich ist die Spule mechanisch geschützt.
Flachspulen sind aufgedruckte oder gestanzte Spiralen direkt auf einer Leiterplatte. Man findet sie in induktiven Näherungsschaltern, in Funkmodulen und in der drahtlosen Energieübertragung.
Schaltsymbole nach ÖNORM EN 60617
In Schaltplänen wird die Spule als Kette von Halbbögen dargestellt. Ein zusätzlicher Strich neben der Spule kennzeichnet den Kern – durchgezogen für Eisen, gestrichelt für Ferrit.
Warum wird ein Eisenkern bei Netzfrequenz aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut und nicht aus einem Vollmaterial?
- a) Damit der Kern leichter zu montieren ist
- b) Um Wirbelströme im Kern zu unterbinden und Verluste klein zu halten
- c) Damit die Windungen besser am Kern haften
- d) Um die mechanische Schwingung des Kerns zu reduzieren
Richtig: b)
In einem leitfähigen Eisenkern induziert das wechselnde Magnetfeld kreisförmige Ströme – Wirbelströme. In einem Vollkern könnten sich diese ungehindert ausbreiten und Verlustwärme erzeugen. Dünne, gegeneinander isolierte Bleche unterbrechen diese Strompfade und halten die Verluste klein. Mechanische Schwingungen (Brummen) treten zwar tatsächlich auf, sind aber kein Grund für die Blechung.
Welches Kernmaterial ist für ein Schaltnetzteil bei einigen 10 kHz typisch?
- a) Massiver Stahlkern
- b) Geblechter Trafostahlkern
- c) Aluminium-Kern
- d) Ferritkern
Richtig: d)
Bei mehreren 10 kHz sind die Wirbelstromverluste in einem leitfähigen Eisenkern viel zu hoch – selbst geblechtes Trafostahl ist hier ungeeignet. Ferrit ist ein keramischer Werkstoff mit hoher Permeabilität und sehr geringer elektrischer Leitfähigkeit; Wirbelströme können sich gar nicht erst aufbauen. Aluminium ist unmagnetisch und käme als Kernmaterial gar nicht in Frage.
Was unterscheidet eine Ringkernspule (Toroid) hauptsächlich von einer Zylinderspule?
- a) Das Streufeld nach außen ist deutlich geringer
- b) Die Induktivität ist proportional zur Windungsanzahl statt zum Quadrat
- c) Der Kern muss zwingend aus Luft sein
- d) Sie kann nur für Gleichstrom verwendet werden
Richtig: a)
Beim Ringkern bildet sich der Magnetfluss in einem geschlossenen Ring innerhalb des Kerns – das Feld kann praktisch nicht nach außen treten. Diese geringe Streuung ist der Hauptvorteil. Die quadratische Abhängigkeit von der Windungszahl gilt für jede Spulenbauform gleichermaßen. Der Kern ist bei Ringkernen meist Ferrit oder Pulvermaterial, nicht Luft. Mit Gleich- oder Wechselstrom hat die Bauform nichts zu tun.
Kapitel 3 – Die Induktivität – was sie misst
Zwei Spulen können aus demselben Draht gewickelt sein und sich trotzdem komplett anders verhalten. Was sie unterscheidet, ist ihre Induktivität. Sie ist die zentrale Kenngröße einer Spule – so wie die Kapazität beim Kondensator oder der Widerstandswert beim Widerstand.
Anschaulich misst die Induktivität, wie viel magnetischer Fluss durch eine Spule entsteht, wenn ein bestimmter Strom durch sie fließt. Eine Spule mit hoher Induktivität baut bei gegebenem Strom ein starkes Magnetfeld auf, eine mit niedriger Induktivität ein schwaches.
Aus dem Vorwissen ist der magnetische Fluss Φ durch eine einzelne Windung bekannt. Eine Spule hat aber N Windungen, und durch jede einzelne fließt derselbe Fluss. Den gesamten Effekt fasst man im Verkettungsfluss zusammen:
Die Induktivität verknüpft diesen Verkettungsfluss mit dem Strom, der ihn erzeugt:
Damit ist die Induktivität eine reine Bauteilkenngröße: Sie beschreibt, wie effizient eine konkrete Spule aus einem gegebenen Strom magnetischen Fluss macht. Geometrie und Kernmaterial sind darin enthalten – wie genau, zeigt Kapitel 4.
Die SI-Einheit der Induktivität ist das Henry, benannt nach dem amerikanischen Physiker Joseph Henry:
In der Praxis kommt das Henry selten in voller Größe vor. Übliche Größenordnungen sind:
| Größenordnung | Typische Anwendung |
|---|---|
| µH (Mikrohenry) | HF-Drosseln, Spulen auf Leiterplatten, Funkschaltungen |
| mH (Millihenry) | Netzdrosseln, Filter, Spulen am Frequenzumrichter |
| H (Henry) | Große Glättungsdrosseln in Gleichstromversorgungen |
Mit dem Begriff Induktivität allein hat man die Spule aber nur als „Speicher“ für magnetischen Fluss beschrieben. Spannend wird sie erst, wenn sich der Strom ändert: Dann entsteht eine induzierte Spannung, die der Stromänderung entgegenwirkt. Diese Selbstinduktion und die damit zusammenhängende Energiespeicherung werden im Beitrag Selbstinduktion und Energiespeicherung ausführlich behandelt.
Ψ = N · Φ
- Ψ … Verkettungsfluss in Vs
- N … Windungszahl
- Φ … magnetischer Fluss durch eine Windung in Vs
L = Ψ / i = N · Φ / i
- L … Induktivität in H
- Ψ … Verkettungsfluss in Vs
- i … Spulenstrom in A
- N … Windungszahl
- Φ … magnetischer Fluss durch eine Windung in Vs
1 H = 1 Vs / A
- H … Henry, Einheit der Induktivität
- V … Volt
- s … Sekunde
- A … Ampere
Welche Aussage zur Induktivität einer Spule ist korrekt?
- a) Die Induktivität sagt aus, wie viel Wärme die Spule pro Sekunde abgibt
- b) Die Induktivität ist nur bei Wechselstrom definiert
- c) Die Induktivität verknüpft den Verkettungsfluss mit dem fließenden Strom
- d) Die Induktivität ist gleich dem ohmschen Widerstand des Spulendrahts
Richtig: c)
Per Definition gilt L = Ψ/i. Sie ist eine Bauteilkenngröße, die unabhängig davon existiert, ob gerade Gleich- oder Wechselstrom fließt. Wärme entsteht im ohmschen Widerstand des Drahtes, hat aber mit der Induktivität nichts zu tun. Der ohmsche Drahtwiderstand ist eine separate Größe, die zusätzlich zur Induktivität auftritt.
Eine Spule mit 200 Windungen führt durch eine Windung den magnetischen Fluss 50 µVs. Welchen Wert hat der Verkettungsfluss?
- a) 10 mVs
- b) 50 µVs
- c) 250 µVs
- d) 200 Vs
Richtig: a)
Der Verkettungsfluss ist Ψ = N · Φ = 200 · 50 µVs = 10 000 µVs = 10 mVs. 50 µVs ist nur der Fluss durch eine einzige Windung, 250 µVs entspricht einer falschen Multiplikation, 200 Vs ist um Größenordnungen daneben.
Welche Einheitenkombination entspricht dem Henry?
- a) A/V
- b) Vs/A
- c) V/As
- d) Ws/A
Richtig: b)
Aus L = Ψ/i mit [Ψ] = Vs und [i] = A folgt direkt [L] = Vs/A. Alternativ lässt sich die Einheit auch über die Definitionsgleichung der Selbstinduktion herleiten und kommt auf dasselbe Ergebnis. Die anderen Optionen sind reine Permutationen ohne physikalische Grundlage.
Kapitel 4 – Induktivität berechnen: Formel und Einflussgrößen
Für eine möglichst lange, schlanke Zylinderspule lässt sich die Induktivität direkt aus den Konstruktionsdaten berechnen:
Jede der vier Größen lässt sich in der Konstruktion gezielt einstellen, jede hat einen anderen Einfluss.
Die Windungszahl N geht quadratisch ein. Verdoppelt man die Windungen, vervierfacht sich die Induktivität – nicht nur, weil mehr Windungen mehr Fluss bündeln, sondern weil zusätzlich jeder einzelne Windungsbeitrag stärker mit allen anderen verkettet ist. Das ist der mit Abstand wirksamste Hebel.
Die Querschnittsfläche A geht linear ein. Eine doppelt so dicke Spule (bei gleicher Länge) hat doppelt so viel Induktivität.
Die Länge l wirkt umgekehrt. Eine doppelt so lange Spule bei gleicher Windungszahl hat nur halb so viel Induktivität – die Windungen sitzen weiter auseinander und ihre Felder unterstützen sich weniger.
Die relative Permeabilität μr ist eine Materialkennzahl des Kerns. Sie sagt, um wie viel das Material das Magnetfeld gegenüber Luft verstärkt.
| Material | Typische μr |
|---|---|
| Luft, Kunststoff, Holz | ≈ 1 |
| Pulverkern (Eisenpulver, MPP) | 50 – 200 |
| Ferritkern | 100 – 1 000 |
| Trafoblech (Elektroblech) | 1 000 – 5 000 |
| Mu-Metall (Spezialnickel-Eisen) | bis 100 000 |
Schon der Sprung von Luft auf einen einfachen Ferritkern bringt einen Faktor 100 bis 1000 – mit einem kleinen Kernstück lässt sich also genau so viel erreichen wie mit hunderten zusätzlichen Windungen.
Gültigkeit der Formel
Die Formel gilt streng genommen nur für lange Zylinderspulen – Faustregel: die Spulenlänge sollte deutlich größer als der Spulendurchmesser sein (l ≫ √A). Bei kurzen, gedrungenen Spulen tritt am Spulenende viel Streufeld aus, und die berechnete Induktivität fällt zu hoch aus. Für Ringkernspulen gibt es eine eigene Formel, für Spulen mit Luftspalt wieder eine andere. Für den ersten Überblick und für Abschätzungen reicht die Zylinderspulen-Formel in der Praxis aber meistens.
L = μ₀ · μr · N² · A / l
- L … Induktivität in H
- μ₀ … magnetische Feldkonstante = 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m)
- μr … relative Permeabilität des Kerns, dimensionslos
- N … Windungszahl
- A … Querschnittsfläche der Spule in m²
- l … Länge der Spule in m
Gelöstes Beispiel
Eine zylindrische Luftspule hat 200 Windungen, ist 40 mm lang und hat einen Querschnitt von 8 cm². Berechne die Induktivität.
Gegeben:
- N = 200
- l = 40 mm = 0,04 m
- A = 8 cm² = 8 · 10⁻⁴ m²
- μr = 1 (Luft)
Gesucht: L in mH
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Werte in die Formel einsetzen: L = μ₀ · μr · N² · A / l = 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m) · 1 · 200² · 8 · 10⁻⁴ m² / 0,04 m
- Schritt 2 — Zwischenwerte ausrechnen: N² = 40 000; N² · A = 40 000 · 8 · 10⁻⁴ m² = 32 m²; N² · A / l = 32 m² / 0,04 m = 800 m
- Schritt 3 — Mit μ₀ multiplizieren: L = 4π · 10⁻⁷ · 800 H = 4π · 8 · 10⁻⁵ H ≈ 1,005 · 10⁻³ H
Ergebnis: L ≈ 1,0 mH
Übungen
Eine Luftspule (μr = 1) hat 100 Windungen, ist 50 mm lang und hat einen Querschnitt von 2 cm². Berechne die Induktivität in µH.
L = 4π · 10⁻⁷ · 10 000 · 2 · 10⁻⁴ / 0,05 ≈ 5,03 · 10⁻⁵ H ≈ 50 µH
Bei einer Spule wird die Windungszahl von 100 auf 300 erhöht. Alle anderen Größen bleiben gleich. Um welchen Faktor ändert sich die Induktivität?
Faktor 3² = 9, die Induktivität verneunfacht sich.
Eine Spule mit Eisenpulverkern (μr = 200), N = 100, l = 50 mm, A = 4 cm². Berechne L.
L = 4π · 10⁻⁷ · 200 · 10 000 · 4 · 10⁻⁴ / 0,05 ≈ 2,01 · 10⁻² H ≈ 20 mH
Eine Spule hat 50 µH. Die Induktivität soll bei gleichem Spulenkörper und gleichem Kern auf 200 µH erhöht werden. Welche Windungszahl-Änderung ist nötig?
L ist proportional zu N². Faktor 4 in L heißt Faktor √4 = 2 in N. Die Windungszahl muss verdoppelt werden.
Eine Drossel hat L = 5 mH bei N = 250 Windungen, A = 6 cm² und l = 60 mm. Welche relative Permeabilität hat der Kern?
μr = L · l / (μ₀ · N² · A) = 5 · 10⁻³ · 0,06 / (4π · 10⁻⁷ · 62 500 · 6 · 10⁻⁴) ≈ 6,37. Das entspricht einem schwach magnetisierbaren Pulverkern.
Eine Zylinderspule hat eine Induktivität von 1 mH. Wie groß wird L, wenn die Windungszahl verdreifacht wird, alle anderen Größen aber gleich bleiben?
- a) 1,73 mH
- b) 3 mH
- c) 6 mH
- d) 9 mH
Richtig: d)
L ist proportional zu N². Verdreifacht man N, geht L um den Faktor 3² = 9 hoch: aus 1 mH werden 9 mH. Die anderen Werte ergeben sich aus falscher Annahme einer linearen, einer Wurzel- oder einer additiven Abhängigkeit.
Welche der folgenden Maßnahmen erhöht die Induktivität einer Zylinderspule nicht?
- a) Mehr Windungen aufbringen
- b) Einen Kern mit höherem μr einsetzen
- c) Die Spule auf die doppelte Länge auseinanderziehen
- d) Den Querschnitt der Spule vergrößern
Richtig: c)
Verlängert man die Spule bei gleicher Windungszahl, verteilen sich die Windungen über eine größere Länge – L = μ₀ · μr · N² · A / l sinkt. Die anderen drei Maßnahmen erhöhen L direkt: mehr N quadratisch, höheres μr linear, größerer Querschnitt A linear.
Warum gibt der Datenblattwert einer Drossel zusätzlich zum Induktivitätswert immer auch einen Sättigungsstrom an?
- a) Weil bei Überschreiten des Sättigungsstroms μr und damit L einbrechen
- b) Weil der Sättigungsstrom dem maximal erlaubten Spannungsabfall entspricht
- c) Weil der Sättigungsstrom den ohmschen Drahtwiderstand begrenzt
- d) Weil unterhalb des Sättigungsstroms keine Induktion mehr stattfindet
Richtig: a)
Über dem Sättigungsstrom wird der Kern magnetisch nicht mehr stärker, μr sinkt drastisch, und damit fällt die Induktivität. Eine gesättigte Drossel verhält sich fast wie ein einfacher Draht, und der Strom steigt unkontrolliert. Mit Spannungsabfall oder Drahtwiderstand hat I_sat nichts zu tun, und unterhalb von I_sat funktioniert die Spule ja gerade wie vorgesehen.
Kapitel 5 – Spulen in der Praxis – Anwendungen
Wer in der Mechatronik unterwegs ist, begegnet Spulen fast täglich, oft ohne sie als solche wahrzunehmen. Drei Anwendungsgruppen tauchen besonders häufig auf.
Drosseln zur Strombegrenzung und Glättung sind Spulen, deren Aufgabe es ist, schnelle Stromänderungen zu bremsen. Am Eingang eines Frequenzumrichters sitzt fast immer eine Netzdrossel: Sie dämpft die kurzen Stromspitzen, die der Zwischenkreis-Kondensator aus dem Netz zieht, und reduziert die Netzrückwirkung. Auch zwischen Frequenzumrichter und Motor werden manchmal Motordrosseln eingesetzt, um die steilen Schaltflanken zu entschärfen und die Motorwicklung zu schonen. Nach einem Gleichrichter glätten Speicherdrosseln den pulsierenden Gleichstrom zu einem konstanten Strom – das Prinzip jedes Schaltnetzteils.
EMV-Drosseln filtern hochfrequente Störungen. In nahezu jedem industriellen Netzteil sitzt eine stromkompensierte Drossel: zwei Wicklungen auf einem gemeinsamen Ferrit-Ringkern, deren Magnetfelder sich beim Nutzstrom aufheben, bei Gleichtaktstörungen aber addieren. Solche Störungen werden so dämpft, ohne den Nutzstrom zu behindern. Der Ringkern ist hier kein Zufall – sein geringes Streufeld bedeutet, dass die Drossel benachbarte Bauteile nicht stört und selbst nicht gestört wird.
Spulen als Elektromagnete stecken in Relais, Schützen und Magnetventilen. In all diesen Fällen wird ein Anker aus Weicheisen durch das Magnetfeld der erregten Spule angezogen und schließt entweder einen elektrischen Kontakt (Relais, Schütz) oder öffnet einen Pneumatik- bzw. Hydraulikkanal (Magnetventil). Auch Bremsmagnete in Hubmotoren oder Türöffner funktionieren nach demselben Prinzip.
Werden zwei Spulen auf einen gemeinsamen Kern gesetzt, koppelt sich das Magnetfeld der einen Wicklung in die andere – aus der einzelnen Spule wird ein Transformator. Damit lassen sich Spannungen und Ströme verändern und Stromkreise galvanisch trennen. Der Aufbau und die Berechnung von Transformatoren werden in einem eigenen Beitrag zur Transformator – Aufbau und Funktion behandelt.
Spannend wird die Spule auch, sobald nicht mehr Gleich-, sondern Wechselstrom durch sie fließt. Dann zeigt sich, dass eine Spule – obwohl der Drahtwiderstand klein ist – dem Wechselstrom einen frequenzabhängigen Widerstand entgegensetzt. Was dahintersteckt, beschreibt der Beitrag Spule im Wechselstromkreis – induktiver Blindwiderstand.
Welche Aufgabe erfüllt eine stromkompensierte Drossel am Netzeingang eines Geräts?
- a) Sie erhöht die Netzspannung
- b) Sie speichert Energie für Spannungsausfälle
- c) Sie dämpft Gleichtaktstörungen, ohne den Nutzstrom zu behindern
- d) Sie wandelt Wechselspannung in Gleichspannung um
Richtig: c)
Eine stromkompensierte Drossel hat zwei Wicklungen auf einem Kern, deren Felder sich beim Betriebsstrom (Hin- und Rückstrom) aufheben. Sie wirkt damit dem Nutzstrom nicht entgegen, dämpft aber Gleichtaktstörungen, die in beide Leiter gleichphasig laufen. Spannungserhöhung übernimmt ein Transformator, Energiespeicherung ein Kondensator, Gleichrichtung eine Diode.
Warum ist es gefährlich, eine Spule (z. B. eine Relais-Spule) ohne Schutzbeschaltung mit einem Transistor zu schalten?
- a) Beim Abschalten induziert die Spule eine hohe Spannungsspitze, die den Transistor zerstören kann
- b) Der Spulenstrom wird im Einschaltmoment unendlich groß
- c) Die Spule erzeugt Wärme, die den Transistor schmelzen lässt
- d) Die Spule lässt im Aus-Zustand weiter Strom fließen und blockiert den Transistor
Richtig: a)
Eine Spule will den eingestellten Strom aufrechterhalten. Wird sie schlagartig abgeschaltet, induziert sie durch ihre Selbstinduktion eine hohe Gegenspannung, die in Sekundenbruchteilen die Sperrspannung des Transistors überschreiten und ihn zerstören kann. Eine Freilaufdiode parallel zur Spule schließt diesen Stromkreis kurz und schützt den Halbleiter. Die anderen Antworten beschreiben Effekte, die in dieser Form nicht auftreten.
Welche der folgenden Anwendungen ist keine typische Spulenanwendung?
- a) Schütz zum Schalten eines Drehstrommotors
- b) Magnetventil in einer Pneumatikanlage
- c) Drossel im Zwischenkreis eines Frequenzumrichters
- d) Brückengleichrichter im Netzteil
Richtig: d)
Ein Brückengleichrichter besteht ausschließlich aus Dioden und enthält keine Spulen. Schütze und Magnetventile haben Erregerspulen, Drosseln sind ohnehin reine Spulen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Zylinderspule hat 500 Windungen, eine Länge von 100 mm, einen Querschnitt von 5 cm² und einen Eisenpulverkern mit μr = 150. Berechne die Induktivität.
Gegeben: N = 500, l = 0,1 m, A = 5 · 10⁻⁴ m², μr = 150
Gesucht: L
Lösungsweg:
- L = μ₀ · μr · N² · A / l = 4π · 10⁻⁷ · 150 · 250 000 · 5 · 10⁻⁴ / 0,1
- = 4π · 10⁻⁷ · 150 · 250 000 · 0,005 = 4π · 10⁻⁷ · 187 500 ≈ 0,236 H
Ergebnis: L ≈ 236 mH
Aufgabe 2: Eine Spule mit Ferritkern hat L = 10 mH. Welche Induktivität ergäbe sich rechnerisch, wenn man den Kern entfernt (Luft, μr = 1), wenn der Kern eine relative Permeabilität von μr = 500 hatte?
Gegeben: L_mit Kern = 10 mH, μr_Kern = 500, μr_Luft = 1
Gesucht: L_ohne Kern
Lösungsweg:
- L ist proportional zu μr. Verhältnis L_ohne / L_mit = μr_Luft / μr_Kern = 1 / 500.
- L_ohne = 10 mH / 500 = 0,02 mH = 20 µH
Ergebnis: L_ohne Kern ≈ 20 µH
Aufgabe 3: Bei einer Spule mit 80 Windungen werden durch eine einzelne Windung 0,15 mVs an magnetischem Fluss aufgebaut, wenn ein Strom von 2 A fließt. Wie groß ist die Induktivität?
Gegeben: N = 80, Φ = 0,15 mVs = 1,5 · 10⁻⁴ Vs, i = 2 A
Gesucht: L
Lösungsweg:
- L = N · Φ / i = 80 · 1,5 · 10⁻⁴ Vs / 2 A = 6 · 10⁻³ Vs/A = 6 · 10⁻³ H
Ergebnis: L = 6 mH
Aufgabe 4: Eine 4 mH-Drossel soll auf 16 mH umgebaut werden. Dazu wird der Kern durch ein Material mit doppelt so hoher relativer Permeabilität ersetzt. Mit welchem Faktor muss zusätzlich die Windungszahl multipliziert werden?
Gegeben: L_alt = 4 mH, L_neu = 16 mH, μr_neu = 2 · μr_alt
Gesucht: Windungszahl-Faktor k = N_neu / N_alt
Lösungsweg:
- L ist proportional zu μr · N². Verhältnis L_neu / L_alt = (μr_neu/μr_alt) · k²
- 4 = 2 · k² → k² = 2 → k = √2 ≈ 1,41
Ergebnis: Die Windungszahl muss um den Faktor ≈ 1,41 erhöht werden.
Welche der folgenden Aussagen über die Induktivität einer Spule ist korrekt?
- a) Sie hängt nur vom Material des Drahtes ab
- b) Sie steigt quadratisch mit der Windungszahl
- c) Sie ist umgekehrt proportional zum Querschnitt der Spule
- d) Sie wird in Volt gemessen
Richtig: b)
Aus L = μ₀ · μr · N² · A / l geht direkt hervor, dass N² den größten Einfluss hat, dass A linear (nicht umgekehrt) eingeht und dass die Einheit Henry (Vs/A) und nicht Volt ist. Das Drahtmaterial bestimmt nur den ohmschen Widerstand der Spule, nicht ihre Induktivität.
Warum wird in einem Schaltnetzteil typischerweise ein Ferrit- oder Pulverkern verwendet und kein Trafoblech?
- a) Trafoblech ist mechanisch zu schwach
- b) Ferrit hat eine höhere Permeabilität als jedes andere Material
- c) Trafoblech hätte bei den hohen Schaltfrequenzen unzulässig hohe Wirbelstromverluste
- d) Ferrit ist günstiger in der Anschaffung
Richtig: c)
Bei den im Schaltnetzteil üblichen Frequenzen von einigen 10 bis einigen 100 kHz würden in einem leitfähigen Eisenkern selbst dünn geblecht enorme Wirbelstromverluste auftreten. Ferrit ist keramisch und kaum leitfähig – Wirbelströme können sich gar nicht erst ausbreiten. Die Permeabilität von Trafoblech ist tatsächlich oft höher als die von Ferrit; Kostenargumente und Mechanik spielen keine entscheidende Rolle.
Bei einer Spule wird die Windungszahl halbiert und gleichzeitig der Querschnitt verdoppelt. Wie ändert sich die Induktivität, wenn alle anderen Größen gleich bleiben?
- a) Sie bleibt unverändert
- b) Sie wird verdoppelt
- c) Sie sinkt auf ein Viertel
- d) Sie wird auf die Hälfte reduziert
Richtig: d)
L ∝ N² · A. Halbierung von N gibt Faktor (1/2)² = 1/4. Verdopplung von A gibt Faktor 2. Insgesamt: 1/4 · 2 = 1/2 – die Induktivität wird halbiert. Antwort c) wäre nur korrekt, wenn man die Verdopplung des Querschnitts vergisst und nur die quadratisch wirkende Halbierung der Windungszahl betrachtet. Antwort a) wäre nur richtig, wenn die Effekte sich genau aufheben würden, was bei einem quadratisch eingehenden und einem linear eingehenden Faktor nicht der Fall ist.
Eine ideale Spule sei vom konstanten Gleichstrom 1 A durchflossen. Welche Spannung fällt im stationären Zustand an den Anschlüssen der idealen Spule ab?
- a) 0 V
- b) gleich Strom mal Induktivität
- c) gleich Strom mal ohmschem Widerstand
- d) eine durch die Induktivität bestimmte Gegenspannung
Richtig: a)
Eine ideale Spule (ohne ohmschen Drahtwiderstand) erzeugt nur dann eine Spannung, wenn sich der Strom ändert. Bei konstantem Gleichstrom ändert sich nichts – die Spannung an der idealen Spule ist null. Eine reale Spule hätte zusätzlich einen kleinen Spannungsabfall am Drahtwiderstand, das ist aber nicht die Induktionswirkung. Die Antworten b und d setzen eine Stromänderung voraus, die hier nicht vorliegt.
Welche der folgenden Aussagen zur Sättigung eines Spulenkerns ist korrekt?
- a) Die Sättigung verbessert die Eigenschaften einer Drossel
- b) Bei Sättigung sinkt die relative Permeabilität, und die Induktivität bricht ein
- c) Sättigung tritt nur bei Wechselstrom auf
- d) Sättigung wird durch hohe Spannung an der Spule verursacht
Richtig: b)
In der Sättigung sind praktisch alle magnetischen Elementarbereiche im Kern bereits ausgerichtet. Ein weiterer Stromanstieg führt kaum mehr zu Flusszuwachs, μr fällt drastisch, und L bricht ein. Sättigung tritt bei Gleichstrom genauso auf wie bei Wechselstrom, sobald der entsprechende Sättigungsstrom überschritten wird. Sie ist immer schädlich, nie hilfreich, und wird durch den Strom – nicht direkt durch die Spannung – verursacht.
Welches Schaltsymbol nach ÖNORM EN 60617 steht für eine Spule mit Ferritkern?
- a) Nur die Halbbögen ohne Zusatzlinie
- b) Halbbögen mit einer durchgezogenen Linie neben der Wicklung
- c) Halbbögen mit einer gestrichelten Linie neben der Wicklung
- d) Halbbögen mit einem Pfeil durch die Wicklung
Richtig: c)
Halbbögen ohne Zusatz stehen für die Luftspule, eine durchgezogene Linie kennzeichnet einen Eisenkern, eine gestrichelte Linie einen Ferritkern, und ein schräger Pfeil markiert eine verstellbare Induktivität.
Welche Größenordnung ist für eine HF-Drossel auf einer Leiterplatte typisch?
- a) Henry
- b) Kilohenry
- c) Millihenry
- d) Mikrohenry
Richtig: d)
Hochfrequenz-Drosseln auf Leiterplatten liegen meist im µH-Bereich. Millihenry-Werte findet man eher bei Netzdrosseln und Filtern bei Netzfrequenz, Henry-Werte bei großen Glättungsdrosseln, und Kilohenry gibt es in der Praxis nicht.
Wie verhält sich der magnetische Fluss in einer Ringkernspule im Vergleich zu einer offenen Zylinderspule?
- a) Er bleibt nahezu vollständig im Ringkern, das Streufeld nach außen ist gering
- b) Er tritt vollständig aus dem Ring aus
- c) Er hängt nur von der Frequenz ab
- d) Er ist immer null, weil der Ring geschlossen ist
Richtig: a)
Der geschlossene Ringkern bietet dem magnetischen Fluss einen vollständig in sich geschlossenen Weg im hochpermeablen Material. Nur ein winziger Teil tritt nach außen. Bei einer offenen Zylinderspule muss der Fluss an den Stirnseiten austreten und sich außerhalb der Spule schließen – dort entstehen die typischen Streufelder.
Ein Schütz wird mit einem Transistor geschaltet. Welche Schutzmaßnahme ist sinnvoll?
- a) Einen Widerstand in Reihe zum Schütz
- b) Eine Freilaufdiode antiparallel zur Schützspule
- c) Einen Kondensator parallel zum Transistor
- d) Eine Zenerdiode in Reihe zum Schütz
Richtig: b)
Beim Abschalten würde die Schützspule durch Selbstinduktion eine hohe Spannungsspitze erzeugen. Eine antiparallel geschaltete Diode (Anode an den positiven Spulenanschluss erlaubt, Kathode an die Versorgung) wird beim Abschalten leitend und führt den Spulenstrom kontrolliert ab. Ein Reihen-Widerstand würde den Effekt nicht verhindern und nur Verlustleistung produzieren. Ein Kondensator parallel zum Transistor hilft nur eingeschränkt. Eine Zenerdiode in Reihe würde den Stromfluss zur Spule grundsätzlich blockieren.
Eine Spule mit 200 Windungen erzeugt bei einem Strom von 4 A einen Fluss von 100 µVs durch jede Windung. Wie groß ist ihre Induktivität?
- a) 0,2 mH
- b) 2 mH
- c) 5 mH
- d) 20 mH
Richtig: c)
L = N · Φ / i = 200 · 100 · 10⁻⁶ Vs / 4 A = 200 · 25 · 10⁻⁶ Vs/A = 5 · 10⁻³ H = 5 mH. Die anderen Werte entstehen, wenn N oder Φ vergessen wird oder ein Rechenfehler auftritt.
Glossar
- Induktivität
- Bauteilkenngröße einer Spule, die den Verkettungsfluss mit dem fließenden Strom verknüpft: L = Ψ/i. Einheit: Henry (H = Vs/A).
- Verkettungsfluss
- Summe der Flüsse durch alle N Windungen einer Spule: Ψ = N · Φ.
- Henry
- SI-Einheit der Induktivität, 1 H = 1 Vs/A. Übliche Größenordnungen sind µH, mH und H.
- Relative Permeabilität (μr)
- Dimensionsloser Faktor, der angibt, um wie viel ein Kernmaterial das Magnetfeld gegenüber Luft (μr = 1) verstärkt.
- Magnetische Feldkonstante (μ₀)
- Naturkonstante mit dem Wert 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m), die im Vakuum bzw. in Luft die Stärke des Magnetfelds einer stromdurchflossenen Anordnung mitbestimmt.
- Drossel
- Spule, die bewusst eingebaut wird, um Stromänderungen zu dämpfen, Ströme zu glätten oder Störungen zu filtern.
- Sättigung
- Zustand eines magnetisierbaren Kerns, in dem nahezu alle Elementarbereiche ausgerichtet sind. Eine weitere Stromerhöhung bringt kaum mehr Flusszuwachs, μr und damit L brechen ein.
- Sättigungsstrom (I_sat)
- Datenblattangabe für eine Drossel: jener Strom, bei dem die Induktivität auf einen festgelegten Bruchteil ihres Nennwerts gesunken ist. Wird er überschritten, ist die Spule praktisch wirkungslos.
- Wirbelströme
- Kreisströme, die in einem leitfähigen Kern durch das wechselnde Magnetfeld induziert werden. Werden durch Blechen oder durch keramische Kernwerkstoffe (Ferrit) unterdrückt, um Verluste klein zu halten.
- Ferritkern
- Kern aus gesintertem Eisenoxid-Werkstoff mit hoher Permeabilität und sehr geringer elektrischer Leitfähigkeit. Standard für hohe Frequenzen.
- Ringkernspule (Toroid)
- Spule auf einem geschlossenen Ringkern. Magnetischer Fluss läuft fast vollständig im Ring, Streufeld nach außen ist gering.
Österreichische Normen
- ÖNORM EN 60617: Grafische Symbole für Schaltpläne, einschließlich der Symbole für Spulen mit Luft-, Eisen- und Ferritkern sowie für verstellbare Induktivitäten.
