Magnetische Größen: Flussdichte, Feldstärke, Fluss

Ein magnetisches Feld lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben. Damit man rechnen kann — etwa bei einem Trafokern, einem Hubmagneten oder einem Motor — braucht es drei zusammenhängende Größen: die magnetische Feldstärke H, die magnetische Flussdichte B und den magnetischen Fluss Φ. Jede dieser Größen blickt aus einer anderen Richtung auf dasselbe Feld. Wer das einmal sauber sortiert hat, versteht später auch Induktion, Transformator und Elektromagneten ohne Mühe.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Die drei magnetischen Größen H, B und Φ unterscheiden und ihre Rollen benennen
  • Die Durchflutung einer Spule berechnen und daraus die Feldstärke ableiten
  • Den Zusammenhang B = μ · H mit verschiedenen Materialklassen anwenden
  • Aus Flussdichte und Querschnittsfläche den magnetischen Fluss bestimmen
  • Eine B-H-Kurve mit Sättigung, Remanenz und Koerzitivfeldstärke lesen
  • Einen einfachen magnetischen Kreis mit Eisenpfad und Luftspalt berechnen

1. Warum drei Größen für ein Feld?

Bei einem Permanentmagneten oder einer stromdurchflossenen Spule entsteht ein Magnetfeld. Das sieht man an Feldlinien, an einer ausgelenkten Kompassnadel oder an angezogenen Eisenteilen. Will man das Feld aber quantitativ erfassen, reicht „stark“ oder „schwach“ nicht aus.

Stell dir einen Eisenkern mit einer Spule darauf vor. Drei Fragen drängen sich auf, und jede führt zu einer eigenen Größe:

  • Wie stark treibt die Spule das Feld an? → magnetische Feldstärke H
  • Wie dicht stehen die Feldlinien im Material wirklich? → magnetische Flussdichte B
  • Wie viele Feldlinien durchsetzen insgesamt eine bestimmte Fläche? → magnetischer Fluss Φ

Die Analogie zum Stromkreis hilft fürs Gefühl: H ist sowas wie die anliegende Spannung — das, was treibt. B entspricht der Stromdichte — das, was sich im Leiterquerschnitt einstellt. Φ entspricht dem Strom selbst — das, was insgesamt fließt. Genau wie in der Elektrotechnik hängen die drei Größen über das Material zusammen.

Größe Symbol Einheit Rolle
Magnetische Feldstärke H A/m Antrieb durch die Spule
Magnetische Flussdichte B T (Tesla) Wirkung im Material
Magnetischer Fluss Φ Wb (Weber) Gesamtmenge durch eine Fläche
Eisenkern I I Fläche A H — von der Spule B — im Material Φ — durch die Fläche

Welche der drei magnetischen Größen ist unabhängig vom Werkstoff und hängt nur von Strom und Geometrie der Spule ab?

  • a) Die Flussdichte B
  • b) Der Fluss Φ
  • c) Die Feldstärke H
  • d) Alle drei hängen gleichermaßen vom Werkstoff ab

Richtig: c)

H beschreibt allein die „Felderzeugung“ — was die Durchflutung der Spule pro Längeneinheit hervorbringt. Was daraus im Material wird, beschreibt B. Φ ist die Gesamtmenge durch eine Fläche und hängt damit ebenfalls über B vom Material ab.

Eine Spule wird einmal um einen Eisenkern und einmal in Luft betrieben — bei identischer Stromstärke und Windungszahl. Was ändert sich?

  • a) Sowohl H als auch B sind in Luft kleiner
  • b) H bleibt gleich, B ist im Eisenkern viel größer
  • c) H ist im Eisenkern größer, B bleibt gleich
  • d) Alle drei Größen bleiben unverändert

Richtig: b)

Die Feldstärke H wird nur durch N · I und die Länge bestimmt — also bleibt sie gleich. Die Flussdichte B = μ · H steigt aber im Eisenkern stark an, weil μᵣ dort sehr groß ist. Genau deshalb wickelt man Spulen für Trafos und Motoren auf Eisen.

Welche Aussage zum magnetischen Fluss Φ trifft am besten zu?

  • a) Φ ist nur in Vakuum definiert
  • b) Φ ist eine Eigenschaft des Werkstoffs alleine
  • c) Φ erfasst die gesamte Feldwirkung durch eine bestimmte Querschnittsfläche
  • d) Φ entspricht der Anzahl der Feldlinien pro Quadratmeter

Richtig: c)

Φ = B · A bei senkrechter, homogener Durchsetzung. Die Flussdichte B ist die „Feldlinien pro Quadratmeter“, der Fluss Φ ist die Gesamtmenge durch die Fläche. Antwort d verwechselt B mit Φ.

2. Durchflutung und magnetische Feldstärke H

Ein einzelner stromdurchflossener Leiter erzeugt um sich herum ein ringförmiges Magnetfeld. Wickelt man den Leiter zu einer Spule mit mehreren Windungen, addieren sich die Beiträge jeder Windung. Genau das beschreibt die Durchflutung Θ:

Θ = N · I

  • Θ … Durchflutung in A
  • N … Windungszahl
  • I … Strom in A

Die SI-Einheit der Durchflutung ist das Ampere. Daneben hört man in Werkstätten noch oft den Begriff „Amperewindung“ (Aw). Diese Schreibweise ist anschaulich, aber nicht normgerecht — gerechnet wird mit Ampere.

Die Durchflutung sagt für sich allein noch nichts darüber aus, wie konzentriert das Feld ist. Eine lange Spule mit 1000 A Durchflutung und eine kurze Spule mit derselben Durchflutung erzeugen unterschiedlich starke Felder. Maßgeblich ist die Feldstärke H — die Durchflutung pro Längeneinheit:

H = Θ / l

  • H … magnetische Feldstärke in A/m
  • Θ … Durchflutung in A
  • l … mittlere Feldlinienlänge in m

Bei einer Ringspule oder einem geschlossenen Eisenkern entspricht l ungefähr dem Umfang des Eisenpfads. Bei einer langen Zylinderspule nimmt man die Spulenlänge.

Wichtig: H hängt nur von Geometrie und Strom ab, nicht vom Material. Ob im Inneren der Spule Luft, Eisen oder ein Plastikstab steckt — die Feldstärke H ändert sich dadurch nicht. Was sich ändert, ist die daraus entstehende Flussdichte B (siehe Kapitel 3).

Gelöstes Beispiel

Eine Ringspule mit 500 Windungen und 0,4 A Strom hat einen mittleren Ringumfang von 250 mm. Welche Feldstärke H entsteht im Ring?

Gegeben: N = 500; I = 0,4 A; l = 250 mm = 0,25 m

Gesucht: H in A/m

Lösungsweg:

  1. Durchflutung: Θ = N · I = 500 · 0,4 A = 200 A
  2. Feldstärke: H = Θ / l = 200 A / 0,25 m = 800 A/m

Ergebnis: H = 800 A/m

Übungen

Eine Spule hat 100 Windungen bei einem Strom von 1 A. Wie groß ist die Durchflutung?

Θ = 100 · 1 A = 100 A

Eine Zylinderspule ist 100 mm lang und hat eine Durchflutung von 400 A. Wie groß ist H?

H = 400 / 0,1 = 4000 A/m

Welche Windungszahl ist nötig, um bei 2 A Strom und 50 mm Spulenlänge eine Feldstärke von 3000 A/m zu erzeugen?

Θ = H · l = 3000 · 0,05 = 150 A; N = Θ / I = 150 / 2 = 75 Windungen

Ein Eisenring (Umfang 200 mm) trägt eine Wicklung mit 800 Windungen. Welcher Strom ist nötig, um im Ring eine Feldstärke von 2500 A/m zu erreichen?

Θ = 2500 · 0,2 = 500 A; I = Θ / N = 500 / 800 = 0,625 A

Zwei Spulen tragen denselben Strom von 1,5 A. Spule A hat 200 Windungen und 80 mm Länge, Spule B hat 600 Windungen und 240 mm Länge. Welche Feldstärke entsteht jeweils, und wie verhalten sie sich zueinander?

H_A = 200 · 1,5 / 0,08 = 3750 A/m; H_B = 600 · 1,5 / 0,24 = 3750 A/m. Beide Spulen erzeugen dieselbe Feldstärke — Windungszahl und Länge wachsen gleich.

Eine Spule wird auseinandergezogen, sodass sich die Länge verdoppelt — Windungszahl und Strom bleiben gleich. Was passiert mit der Feldstärke H im Inneren?

  • a) H bleibt unverändert
  • b) H halbiert sich
  • c) H verdoppelt sich
  • d) H wird vierfach so groß

Richtig: b)

H = N · I / l. Bei konstantem N und I und verdoppeltem l halbiert sich H. Die Durchflutung selbst ändert sich nicht, sie verteilt sich nur über eine doppelt so lange Strecke.

Welche Größe ändert sich nicht, wenn ein Eisenkern in eine Luftspule eingeschoben wird (bei gleichem Strom und gleicher Windungszahl)?

  • a) Die Flussdichte B
  • b) Der Fluss Φ
  • c) Die Feldstärke H
  • d) Die Permeabilität μ

Richtig: c)

H hängt nur von Strom und Geometrie ab. B steigt mit dem Eisenkern stark an, Φ folgt mit, μ ist eine Materialeigenschaft und ändert sich natürlich auch — aber H bleibt gleich.

Warum ist „Amperewindung“ als Einheit der Durchflutung nicht normgerecht?

  • a) Weil die Zahl der Windungen keine physikalische Größe ist
  • b) Weil die SI-Einheit der Durchflutung das Ampere ist und die Windungszahl dimensionslos ist
  • c) Weil Spulen mit nur einer Windung damit nicht beschrieben werden können
  • d) Weil Amperewindungen nur für Drehstrom gelten

Richtig: b)

Die Windungszahl N ist eine reine Stückzahl ohne Einheit. Damit hat N · I dieselbe Einheit wie I selbst — Ampere. „Amperewindung“ macht die Bedeutung im Werkstattalltag anschaulich, ist aber keine eigene SI-Einheit.

3. Magnetische Flussdichte B und Permeabilität

Was die Spule treibt, beschreibt H. Was im Material daraus wird, beschreibt die Flussdichte B. Beide hängen über die Permeabilität μ zusammen:

B = μ · H = μ₀ · μᵣ · H

  • B … magnetische Flussdichte in T (Tesla)
  • H … magnetische Feldstärke in A/m
  • μ₀ … magnetische Feldkonstante = 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m)
  • μᵣ … relative Permeabilität, dimensionslos

Die Einheit Tesla (Symbol T) ist abgekürzt für Vs/m². Ein Tesla ist eine sehr hohe Flussdichte — Trafokerne liegen typisch bei 1 bis 1,7 T, der Magnet eines normalen Lautsprechers bei vielleicht 1 T, das Erdmagnetfeld nur bei rund 50 μT.

Die magnetische Feldkonstante μ₀ ist ein Naturwert und beschreibt, wie stark sich ein Feld im Vakuum (und praktisch identisch in Luft) ausbreitet. Die relative Permeabilität μᵣ ist das, was das jeweilige Material mit dem Feld macht. Sie kann grob in drei Klassen eingeteilt werden:

Materialklasse μᵣ Beispiele
Diamagnetisch knapp unter 1 Kupfer, Wasser, Quarz
Paramagnetisch knapp über 1 Aluminium, Platin, Luft
Ferromagnetisch viel größer als 1 (100 bis mehrere Tausend) Eisen, Nickel, Kobalt und ihre Legierungen

Für die Praxis zählt fast nur die ferromagnetische Klasse, denn nur dort verstärkt sich das Feld so stark, dass es technisch nutzbar wird. Welche Werkstoffe für welche Anwendung geeignet sind, wird im eigenen Beitrag zu Magnetwerkstoffen behandelt — hier reicht das Verständnis, dass μᵣ bei Eisen 1000-mal so groß sein kann wie bei Luft.

Diese starke Verstärkung ist auch der Grund, warum man in der Antriebs- und Energietechnik überall Eisenkerne findet: ohne Eisen wäre die Flussdichte und damit auch die übertragbare Leistung um Größenordnungen kleiner.

Gelöstes Beispiel

In einer Eisenkern-Spule herrscht eine Feldstärke von 1500 A/m. Der Werkstoff hat eine relative Permeabilität von 1200. Welche Flussdichte stellt sich ein?

Gegeben: H = 1500 A/m; μᵣ = 1200; μ₀ = 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m) ≈ 1,2566 · 10⁻⁶ Vs/(A·m)

Gesucht: B in T

Lösungsweg:

  1. Permeabilität: μ = μ₀ · μᵣ = 1,2566 · 10⁻⁶ · 1200 ≈ 1,508 · 10⁻³ Vs/(A·m)
  2. Flussdichte: B = μ · H = 1,508 · 10⁻³ · 1500 ≈ 2,26 T

Ergebnis: B ≈ 2,26 T (in der Praxis liegt das Material da schon in Sättigung — siehe Kapitel 5)

Übungen

In einer Luftspule (μᵣ = 1) herrscht eine Feldstärke von 5000 A/m. Wie groß ist B?

B = 4π · 10⁻⁷ · 1 · 5000 ≈ 6,28 · 10⁻³ T ≈ 6,3 mT

Ein Material zeigt bei H = 800 A/m eine Flussdichte von 1,0 T. Welche relative Permeabilität hat es ungefähr?

μᵣ = B / (μ₀ · H) = 1 / (4π · 10⁻⁷ · 800) ≈ 995

Welche Feldstärke ist nötig, um in einem Werkstoff mit μᵣ = 500 eine Flussdichte von 0,8 T zu erreichen?

H = B / (μ₀ · μᵣ) = 0,8 / (4π · 10⁻⁷ · 500) ≈ 1273 A/m

Wie ändert sich B, wenn bei gleichbleibender Feldstärke die relative Permeabilität von 800 auf 2400 verdreifacht wird?

B verdreifacht sich ebenfalls, weil B linear von μᵣ abhängt.

Eine Spule liefert in Luft eine Flussdichte von 4 mT. Welche Flussdichte würde sich bei sonst gleichen Bedingungen in einem Eisenkern mit μᵣ = 1500 einstellen, sofern noch keine Sättigung auftritt?

B_neu = 4 mT · 1500 = 6000 mT = 6 T — praktisch unerreichbar, weil das Material lange vorher in Sättigung geht. In der Realität würde sich also ein Wert nahe der Sättigungsflussdichte einstellen, nicht das rechnerische Ergebnis.

Warum gibt es μ₀ und zusätzlich μᵣ?

  • a) μ₀ gilt nur für Wechselfelder, μᵣ nur für Gleichfelder
  • b) μ₀ ist eine Naturkonstante für Vakuum, μᵣ beschreibt den Materialeinfluss als Verhältnis dazu
  • c) μ₀ ist die Permeabilität von Eisen, μᵣ die von Luft
  • d) μ₀ und μᵣ sind synonym und können beliebig getauscht werden

Richtig: b)

Die magnetische Feldkonstante μ₀ ist eine SI-Naturkonstante. Sie beschreibt, wie sich das Feld im Vakuum verhält. μᵣ ist ein dimensionsloser Faktor, der angibt, um wie viel sich das Verhalten im jeweiligen Werkstoff ändert. Erst das Produkt μ = μ₀ · μᵣ ist die volle Permeabilität.

Welche Aussage zu diamagnetischen Stoffen ist richtig?

  • a) Sie verstärken das Magnetfeld leicht
  • b) Sie schwächen das Magnetfeld leicht (μᵣ knapp unter 1)
  • c) Sie verhalten sich wie Eisen
  • d) Sie haben gar keine Permeabilität

Richtig: b)

Diamagnetische Stoffe wie Kupfer oder Wasser drängen das Magnetfeld minimal zurück. Praktisch ist der Effekt so gering, dass sie für Magnetkreise nicht relevant sind. Wichtig ist der Effekt nur in der Forschung und in speziellen Anwendungen.

Eine Eisenkern-Spule liefert bei H = 1000 A/m eine Flussdichte B = 1,2 T. Welche relative Permeabilität hat der Kern?

  • a) ≈ 95
  • b) ≈ 955
  • c) ≈ 9550
  • d) ≈ 0,955

Richtig: b)

μᵣ = B / (μ₀ · H) = 1,2 / (4π · 10⁻⁷ · 1000) = 1,2 / (1,2566 · 10⁻³) ≈ 955. Ein typischer Wert für Trafoblech.

4. Magnetischer Fluss Φ

Mit H und B ist die örtliche Beschreibung erledigt — aber für viele Anwendungen muss man wissen, wie viel Feld insgesamt durch eine bestimmte Querschnittsfläche tritt. Das erfasst der magnetische Fluss Φ. Bei homogenem Feld senkrecht zur Fläche gilt:

Φ = B · A

  • Φ … magnetischer Fluss in Wb (Weber)
  • B … Flussdichte in T
  • A … Querschnittsfläche in m²

Anschaulich lässt sich Φ als die „Anzahl der Feldlinien“ durch die Fläche A vorstellen. Die Flussdichte B ist dann die Liniendichte (Linien pro Quadratmeter), und Φ ergibt sich, indem man diese Dichte mit der Fläche multipliziert.

Die Einheit Weber (Symbol Wb) ist gleich der Voltsekunde (1 Wb = 1 Vs). Diese ungewöhnliche Einheit hat einen tiefen Grund: Wenn sich der magnetische Fluss durch eine Spule zeitlich ändert, entsteht eine Induktionsspannung. Die Beziehung U = N · dΦ/dt liefert genau die Einheitenverbindung — eine Voltsekunde Flussänderung pro Sekunde ergibt ein Volt induzierte Spannung. Wie das im Detail funktioniert, behandelt der eigene Beitrag zur elektromagnetischen Induktion.

In der Praxis ist Φ die zentrale Größe, wenn es um den Querschnitt von Eisenkernen geht. Trafojoche, Polschuhe oder Magnetanker müssen so dimensioniert werden, dass die gewünschte Flussmenge ohne übermäßige Sättigung durchpasst. Bei kleinen Geräten arbeitet man oft im Bereich von einigen mWb, bei großen Leistungstrafos im Bereich von Wb.

Gelöstes Beispiel

Ein Trafokern hat einen quadratischen Querschnitt mit 25 mm Seitenlänge. Bei einer Flussdichte von 1,4 T — welcher magnetische Fluss entsteht?

Gegeben: Kantenlänge a = 25 mm = 0,025 m; B = 1,4 T

Gesucht: Φ in Wb

Lösungsweg:

  1. Querschnittsfläche: A = a² = (0,025 m)² = 6,25 · 10⁻⁴ m²
  2. Fluss: Φ = B · A = 1,4 T · 6,25 · 10⁻⁴ m² = 8,75 · 10⁻⁴ Wb = 0,875 mWb

Ergebnis: Φ ≈ 0,875 mWb

Übungen

Ein Eisenkern hat eine Querschnittsfläche von 4 cm². Welche Flussdichte herrscht im Kern bei einem Fluss von 0,6 mWb?

B = Φ / A = 0,6 · 10⁻³ Wb / (4 · 10⁻⁴ m²) = 1,5 T

Welcher Querschnitt ist nötig, um bei B = 1,2 T einen Fluss von 1,5 mWb zu führen?

A = Φ / B = 1,5 · 10⁻³ / 1,2 = 1,25 · 10⁻³ m² = 12,5 cm²

Ein Kreisquerschnitt mit Durchmesser 30 mm trägt eine Flussdichte von 1,0 T. Welcher Fluss durchsetzt ihn?

A = π · (0,015)² ≈ 7,07 · 10⁻⁴ m²; Φ = 1,0 · 7,07 · 10⁻⁴ ≈ 0,707 mWb

Wie verändert sich der Fluss, wenn bei konstanter Feldstärke der Kernquerschnitt halbiert wird?

B bleibt (bei gleichem H und Material) gleich, also halbiert sich Φ.

Ein Trafokern (6 cm² Querschnitt, B = 1,3 T) wird durch ein neues Material mit gleicher Permeabilität, aber kleineren Querschnitt ersetzt: 4 cm². Wie stark sinkt der Fluss bei sonst gleichen Bedingungen?

Φ_alt = 1,3 · 6 · 10⁻⁴ = 0,78 mWb; Φ_neu = 1,3 · 4 · 10⁻⁴ = 0,52 mWb. Der Fluss sinkt um rund 33 %.

Welche Größe entspricht in der Stromkreis-Analogie dem elektrischen Strom?

  • a) Die Feldstärke H
  • b) Die Flussdichte B
  • c) Der magnetische Fluss Φ
  • d) Die Permeabilität μ

Richtig: c)

Wie der Strom I die gesamte Ladungsmenge pro Zeit durch einen Querschnitt erfasst, erfasst Φ die gesamte Feldmenge durch eine Fläche. B entspricht der Stromdichte J, H entspricht der treibenden Spannung U.

Bei einem Trafo mit Kernquerschnitt 5 cm² beträgt die Flussdichte 1,2 T. Welcher Fluss?

  • a) 6 Wb
  • b) 0,6 Wb
  • c) 0,6 mWb
  • d) 6 mWb

Richtig: c)

Φ = B · A = 1,2 T · 5 · 10⁻⁴ m² = 6 · 10⁻⁴ Wb = 0,6 mWb. Vorsicht bei den Zehnerpotenzen: 1 cm² = 10⁻⁴ m².

Was passiert mit Φ, wenn bei konstanter Flussdichte die Kernfläche verdoppelt wird?

  • a) Φ bleibt gleich
  • b) Φ halbiert sich
  • c) Φ verdoppelt sich
  • d) Φ wird viermal so groß

Richtig: c)

Φ = B · A. Verdoppelt sich A bei konstantem B, verdoppelt sich auch Φ. Das ist der Grund, warum Konstrukteure mit dem Kernquerschnitt die Belastbarkeit eines Trafos einstellen.

5. Magnetisierungskennlinie und Hysterese

Bisher haben wir B und H einfach über B = μ · H verknüpft. Bei Luft und nichtmagnetischen Werkstoffen stimmt das auch ohne Einschränkung — die Permeabilität ist konstant. Bei ferromagnetischen Werkstoffen sieht es anders aus: μᵣ ist hier keine Konstante, sondern hängt von H ab.

Trägt man B über H auf, ergibt sich die Magnetisierungskennlinie, kurz B-H-Kurve. Sie hat drei klar erkennbare Bereiche:

  • Anfangsbereich — bei kleinen H steigt B steil und nahezu linear an. Hier richten sich die magnetischen Bezirke im Material schrittweise aus.
  • Übergangsbereich — die Steigung nimmt ab, weil immer weniger Bezirke noch ausrichtbar sind.
  • Sättigung — fast alle Bezirke sind ausgerichtet, weitere Steigerung von H bringt kaum noch zusätzliches B. Die Kurve flacht stark ab. Typische Sättigungsflussdichten liegen bei Trafoblech zwischen 1,5 und 2,0 T.

Vergrößert man H und reduziert dann wieder, kehrt die Kurve aber nicht denselben Weg zurück. Das Material „erinnert“ sich an seinen vorherigen Zustand. Beim Umpolen entsteht so die typische Hystereseschleife:

H B +200 A/m −200 A/m +1,5 T −1,5 T +B_R (Remanenz) −B_R −H_c +H_c Sättigung +Bs Sättigung −Bs

Die Kurve zeigt zwei wichtige Kennwerte:

  • Remanenz B_R — die Flussdichte, die übrig bleibt, wenn H wieder auf null gefahren wird. Bei Permanentmagneten ist das der erwünschte Zustand: ohne Erregerstrom bleibt ein nutzbares Feld.
  • Koerzitivfeldstärke H_c — die Feldstärke, die in entgegengesetzter Richtung nötig ist, um die Flussdichte auf null zu drücken. Ein Maß dafür, wie „hart“ das Material an seinem Magnetisierungszustand festhält.

Daraus ergibt sich die wichtigste Werkstoff-Einteilung:

  • Weichmagnetisch — schmale Hystereseschleife, kleine H_c, kleine Remanenz. Das Material lässt sich leicht ummagnetisieren. Geeignet für Trafokerne, Motorbleche, Magnetjoche.
  • Hartmagnetisch — breite Hystereseschleife, große H_c, große Remanenz. Schwer zu entmagnetisieren. Geeignet für Permanentmagnete.

Welche Werkstoffe konkret welche Eigenschaften haben — Dynamoblech, Ferrite, Seltenerd-Magnete — wird im eigenen Beitrag zu Magnetwerkstoffen behandelt.

Die von der Hystereseschleife eingeschlossene Fläche entspricht der Energie, die pro Umlauf im Werkstoff in Wärme umgesetzt wird. Das sind die sogenannten Ummagnetisierungsverluste. Bei Trafos und Motoren laufen pro Sekunde 50 oder 100 solche Zyklen — eine möglichst schmale Hystereseschleife ist also bares Geld.

Was beschreibt die Koerzitivfeldstärke H_c?

  • a) Die Feldstärke, ab der das Material in Sättigung geht
  • b) Die Feldstärke in entgegengesetzter Richtung, die nötig ist, um B = 0 zu erreichen
  • c) Die maximale Feldstärke, die ein Material aushält
  • d) Die Feldstärke bei Raumtemperatur

Richtig: b)

H_c ist die „Gegenfeldstärke“, die nötig ist, um das remanente Feld zu neutralisieren. Bei weichmagnetischen Werkstoffen ist H_c klein (leicht entmagnetisierbar), bei hartmagnetischen groß (schwer entmagnetisierbar — also gute Permanentmagnete).

Warum verwendet man für Trafokerne weichmagnetische und für Permanentmagnete hartmagnetische Werkstoffe?

  • a) Weil weichmagnetische Werkstoffe billiger sind
  • b) Weil die Verluste pro Ummagnetisierung mit der Schleifenfläche steigen — Trafos brauchen schmale Schleifen, Magnete breite
  • c) Weil hartmagnetische Werkstoffe nicht leitfähig sind
  • d) Weil weichmagnetische Werkstoffe bei höheren Temperaturen versagen

Richtig: b)

Die Fläche der Hystereseschleife entspricht der Verlustenergie pro Zyklus. Bei 50 Zyklen pro Sekunde im Trafo wäre eine breite Schleife untragbar. Permanentmagnete dagegen werden gar nicht periodisch ummagnetisiert — sie brauchen eine breite Schleife, damit sie ihre Magnetisierung „festhalten“.

Was passiert bei Sättigung mit der relativen Permeabilität μᵣ des Werkstoffs?

  • a) μᵣ wird unendlich groß
  • b) μᵣ bleibt konstant
  • c) μᵣ nimmt stark ab, weil B kaum noch zunimmt, während H weiter wächst
  • d) μᵣ wird negativ

Richtig: c)

In Sättigung sind fast alle magnetischen Bezirke ausgerichtet — weitere Steigerung von H bringt nur noch das schwache „Vakuum-Verhalten“ (μᵣ → 1). Die effektive Permeabilität μ = B/H sinkt deshalb deutlich ab. Deshalb arbeiten Trafos und Motoren immer mit Abstand zur Sättigung.

Was bedeutet eine Restflussdichte B_R = 0,8 T bei H = 0?

  • a) Das Material ist kaputt
  • b) Es liegt eine bleibende Magnetisierung von 0,8 T vor, auch ohne Erregerstrom
  • c) Das Material wurde nie magnetisiert
  • d) Die Sättigungsflussdichte beträgt 0,8 T

Richtig: b)

Die Remanenz ist die Flussdichte, die nach dem Abschalten des Erregerstroms im Material verbleibt. Bei einem Permanentmagneten ist genau das die nutzbare Feldstärke. Bei einem Trafojoch ist sie eher unerwünscht — und kann beim Wiedereinschalten Probleme machen.

6. Der magnetische Kreis — alles zusammen

Die drei Größen H, B und Φ und die Permeabilität μ lassen sich besonders elegant zu einem magnetischen Kreis zusammenfassen. Die Analogie zum elektrischen Stromkreis ist nicht nur didaktisch hilfreich — sie wird in der Praxis tatsächlich für die Berechnung von Trafos, Magneten und Relais verwendet.

Elektrischer Kreis Magnetischer Kreis
Spannung U Durchflutung Θ
Strom I Magnetischer Fluss Φ
Widerstand R Magnetischer Widerstand R_m
Ohmsches Gesetz U = R · I Hopkinsons Gesetz Θ = R_m · Φ

Der magnetische Widerstand R_m eines Materialabschnitts mit Länge l und Querschnittsfläche A berechnet sich zu:

R_m = l / (μ₀ · μᵣ · A)

  • R_m … magnetischer Widerstand in A/Vs
  • l … Länge des Materialabschnitts in m
  • μ₀ … magnetische Feldkonstante
  • μᵣ … relative Permeabilität
  • A … Querschnittsfläche in m²

Setzt man eine Durchflutung Θ in den Kreis ein, ergibt sich der Fluss aus dem Hopkinsonschen Gesetz:

Θ = R_m · Φ

  • Θ … Durchflutung in A
  • R_m … magnetischer Widerstand in A/Vs
  • Φ … magnetischer Fluss in Wb

Wie elektrische Widerstände in Reihe addieren sich auch magnetische Widerstände. Genau hier zeigt sich, warum ein Luftspalt im magnetischen Kreis so dramatische Wirkung hat: Selbst wenn er nur 1 mm breit ist, kann er deutlich mehr magnetischen Widerstand beitragen als der ganze Eisenpfad — denn in Luft ist μᵣ = 1, während im Eisen μᵣ vielleicht 2000 ist. Die Permeabilität ist im Luftspalt also 2000-mal kleiner, der Widerstand pro Millimeter entsprechend größer.

Gelöstes Beispiel

Ein geschlossener Eisenring (mittlere Länge 200 mm, Querschnitt 4 cm², μᵣ = 2000) trägt eine Wicklung mit 800 Windungen bei 0,5 A Strom. Berechne den magnetischen Widerstand und den Fluss.

Gegeben: l = 0,2 m; A = 4 cm² = 4 · 10⁻⁴ m²; μᵣ = 2000; N = 800; I = 0,5 A

Gesucht: R_m, Φ

Lösungsweg:

  1. Durchflutung: Θ = N · I = 800 · 0,5 = 400 A
  2. Magnetischer Widerstand: R_m = l / (μ₀ · μᵣ · A) = 0,2 / (4π · 10⁻⁷ · 2000 · 4 · 10⁻⁴) ≈ 0,2 / (1,005 · 10⁻⁶) ≈ 1,99 · 10⁵ A/Vs
  3. Fluss aus Hopkinson: Φ = Θ / R_m = 400 / 1,99 · 10⁵ ≈ 2,01 · 10⁻³ Wb = 2,01 mWb

Ergebnis: R_m ≈ 199 000 A/Vs; Φ ≈ 2,0 mWb

Übungen

Ein Eisenkreis hat l = 0,15 m, A = 5 cm², μᵣ = 1500. Wie groß ist R_m?

R_m = 0,15 / (4π · 10⁻⁷ · 1500 · 5 · 10⁻⁴) ≈ 1,59 · 10⁵ A/Vs

In den Eisenkreis aus Aufgabe 1 wird eine Durchflutung von 300 A eingespeist. Welcher Fluss stellt sich ein?

Φ = 300 / 1,59 · 10⁵ ≈ 1,89 · 10⁻³ Wb ≈ 1,89 mWb

Welche Durchflutung ist nötig, um in einem Eisenkreis mit R_m = 250 000 A/Vs einen Fluss von 1,2 mWb zu erzeugen?

Θ = R_m · Φ = 250 000 · 1,2 · 10⁻³ = 300 A

Ein Eisenkern hat einen magnetischen Widerstand von 100 000 A/Vs. In den Kreis wird ein Luftspalt mit R_m,Spalt = 400 000 A/Vs eingebracht. Wie groß ist der Gesamtwiderstand, und welcher Bruchteil entfällt auf den Luftspalt?

R_m,gesamt = 100 000 + 400 000 = 500 000 A/Vs; Anteil Luftspalt: 400 000 / 500 000 = 80 %. Der Luftspalt dominiert klar, obwohl er räumlich winzig ist.

Wie ändert sich der Fluss in einem magnetischen Kreis, wenn bei sonst gleichen Bedingungen die relative Permeabilität von 1000 auf 500 fällt (z. B. wegen beginnender Sättigung)?

R_m verdoppelt sich, also halbiert sich Φ — die übertragbare Leistung des Bauteils sinkt entsprechend.

Welche Größen im magnetischen Kreis entsprechen Spannung, Strom und Widerstand im elektrischen Kreis?

  • a) H, B, μ
  • b) Θ, Φ, R_m
  • c) Φ, Θ, μᵣ
  • d) B, H, R_m

Richtig: b)

In der durchgängigen Analogie ist Θ der „magnetische Antrieb“ (entspricht U), Φ ist das, was „fließt“ (entspricht I), und R_m der „Widerstand“ gegen diesen Fluss. Hopkinsons Gesetz Θ = R_m · Φ hat exakt die Form des Ohmschen Gesetzes.

Warum dominiert ein 1-mm-Luftspalt oft den magnetischen Widerstand eines Eisenkreises mit 200 mm mittlerer Eisenlänge?

  • a) Weil Luft elektrisch isoliert
  • b) Weil μᵣ in Luft 1 ist, im Eisen aber typisch 1000–2000 — der Widerstand pro Millimeter ist im Luftspalt entsprechend höher
  • c) Weil der Luftspalt das Feld komplett blockiert
  • d) Weil sich im Luftspalt die Feldlinien aufheben

Richtig: b)

Der magnetische Widerstand pro Längeneinheit ist umgekehrt proportional zu μ. Bei einem Verhältnis 1000:1 zwischen Eisen und Luft trägt 1 mm Luftspalt soviel bei wie 1000 mm Eisen — das Gleichgewicht kippt schnell.

Bei Verdopplung der Querschnittsfläche eines Eisenkerns bei sonst gleichen Bedingungen ändert sich der magnetische Widerstand wie?

  • a) Er verdoppelt sich
  • b) Er bleibt gleich
  • c) Er halbiert sich
  • d) Er vervierfacht sich

Richtig: c)

R_m = l / (μ · A). Bei doppeltem A halbiert sich R_m. Größere Querschnitte bedeuten dickere „magnetische Leitungen“ und damit weniger Widerstand. Das ist der Grund, warum große Trafos großzügig dimensionierte Eisenpakete haben.

Welche Aussage zu R_m ist falsch?

  • a) R_m ist immer positiv
  • b) R_m wird in A/Vs gemessen
  • c) R_m ist materialabhängig
  • d) R_m ist unabhängig von der Geometrie

Richtig: d)

R_m hängt sowohl vom Material (über μᵣ) als auch von der Geometrie (über l und A) ab — exakt wie der elektrische Widerstand R = ρ · l / A. Die anderen drei Aussagen sind richtig.

Abschlusstest

Übungen

Aufgabe 1: Eine Spule mit 600 Windungen wird mit 0,8 A betrieben. Die mittlere Feldlinienlänge beträgt 150 mm. Berechne Durchflutung und Feldstärke.

Gegeben: N = 600; I = 0,8 A; l = 0,15 m

Gesucht: Θ, H

Lösungsweg:

  1. Θ = 600 · 0,8 = 480 A
  2. H = 480 / 0,15 = 3200 A/m

Ergebnis: Θ = 480 A, H = 3200 A/m

Aufgabe 2: In einer Spule mit 200 Windungen soll bei 50 mm Feldlinienlänge eine Feldstärke von 2000 A/m erzeugt werden. Welcher Strom ist nötig?

Gegeben: N = 200; l = 0,05 m; H = 2000 A/m

Gesucht: I

Lösungsweg:

  1. Θ = H · l = 2000 · 0,05 = 100 A
  2. I = Θ / N = 100 / 200 = 0,5 A

Ergebnis: I = 0,5 A

Aufgabe 3: Im Inneren einer Spule herrscht eine Feldstärke von 1200 A/m. Welche Flussdichte stellt sich ein, wenn der Werkstoff μᵣ = 800 hat?

Gegeben: H = 1200 A/m; μᵣ = 800

Gesucht: B

Lösungsweg:

  1. B = μ₀ · μᵣ · H = 4π · 10⁻⁷ · 800 · 1200 ≈ 1,21 T

Ergebnis: B ≈ 1,2 T

Aufgabe 4: Ein Werkstoff zeigt bei H = 500 A/m eine Flussdichte von 0,6 T. Welche relative Permeabilität liegt vor?

Gegeben: H = 500 A/m; B = 0,6 T

Gesucht: μᵣ

Lösungsweg:

  1. μᵣ = B / (μ₀ · H) = 0,6 / (4π · 10⁻⁷ · 500) ≈ 955

Ergebnis: μᵣ ≈ 955

Aufgabe 5: Ein Eisenkern hat einen Querschnitt von 6 cm² und führt einen Fluss von 0,9 mWb. Wie groß ist die Flussdichte?

Gegeben: A = 6 · 10⁻⁴ m²; Φ = 0,9 · 10⁻³ Wb

Gesucht: B

Lösungsweg:

  1. B = Φ / A = 0,9 · 10⁻³ / 6 · 10⁻⁴ = 1,5 T

Ergebnis: B = 1,5 T

Aufgabe 6: Welcher Kernquerschnitt ist nötig, um bei einer maximalen Arbeits-Flussdichte von 1,2 T einen Fluss von 1,8 mWb zu führen?

Gegeben: B = 1,2 T; Φ = 1,8 · 10⁻³ Wb

Gesucht: A

Lösungsweg:

  1. A = Φ / B = 1,8 · 10⁻³ / 1,2 = 1,5 · 10⁻³ m² = 15 cm²

Ergebnis: A = 15 cm²

Aufgabe 7: Ein geschlossener Eisenring (l = 250 mm, A = 4 cm², μᵣ = 1500) trägt eine Spule mit 500 Windungen und 1 A Strom. Berechne den magnetischen Widerstand und den Fluss.

Gegeben: l = 0,25 m; A = 4 · 10⁻⁴ m²; μᵣ = 1500; N = 500; I = 1 A

Gesucht: R_m, Φ

Lösungsweg:

  1. Θ = 500 · 1 = 500 A
  2. R_m = 0,25 / (4π · 10⁻⁷ · 1500 · 4 · 10⁻⁴) ≈ 3,32 · 10⁵ A/Vs
  3. Φ = 500 / 3,32 · 10⁵ ≈ 1,51 · 10⁻³ Wb ≈ 1,51 mWb

Ergebnis: R_m ≈ 332 000 A/Vs, Φ ≈ 1,51 mWb

Aufgabe 8: In den Eisenring aus Aufgabe 7 wird ein Luftspalt von 1 mm eingefügt (gleicher Querschnitt). Wie groß ist der zusätzliche magnetische Widerstand des Spalts, und um wie viel sinkt der Fluss bei gleicher Durchflutung?

Gegeben: l_Spalt = 0,001 m; A = 4 · 10⁻⁴ m²; μᵣ,Luft = 1; Θ = 500 A; R_m,Eisen ≈ 332 000 A/Vs

Gesucht: R_m,Spalt, neuer Fluss

Lösungsweg:

  1. R_m,Spalt = 0,001 / (4π · 10⁻⁷ · 1 · 4 · 10⁻⁴) ≈ 1,99 · 10⁶ A/Vs
  2. R_m,gesamt ≈ 332 000 + 1 990 000 ≈ 2,32 · 10⁶ A/Vs
  3. Φ_neu = 500 / 2,32 · 10⁶ ≈ 2,16 · 10⁻⁴ Wb ≈ 0,22 mWb

Ergebnis: Der Fluss bricht von 1,51 mWb auf rund 0,22 mWb ein — der 1-mm-Luftspalt dominiert klar.

Welche Aussage über die magnetische Feldstärke H ist richtig?

  • a) Sie hängt vom Werkstoff im Inneren der Spule ab
  • b) Sie wird in Tesla gemessen
  • c) Sie ergibt sich aus Durchflutung und Feldlinienlänge
  • d) Sie entspricht der Anzahl der Feldlinien pro Fläche

Richtig: c)

H = Θ / l. Der Werkstoff spielt für H keine Rolle, die Einheit ist A/m (nicht Tesla — das ist B), und die Feldliniendichte beschreibt B, nicht H.

Eine Spule wird mit demselben Strom betrieben, aber die Windungszahl verdoppelt und die Länge halbiert. Wie ändert sich H?

  • a) H bleibt gleich
  • b) H verdoppelt sich
  • c) H wird viermal so groß
  • d) H halbiert sich

Richtig: c)

H = N · I / l. Verdoppeltes N und halbiertes l ergibt einen Faktor 4 in H — der Strom selbst spielt keine Rolle für diesen Vergleich.

Ein Trafokern arbeitet bei B = 1,5 T. Was bedeutet das im Hinblick auf die B-H-Kurve eines typischen Elektrostahls?

  • a) Der Kern ist weit von der Sättigung entfernt
  • b) Der Kern arbeitet nahe der Sättigung — bei höherer Belastung droht ein steiler Anstieg von H
  • c) Der Kern arbeitet im linearen Anfangsbereich
  • d) Der Kern ist defekt

Richtig: b)

Typische Trafobleche sättigen bei 1,7 bis 2,0 T. 1,5 T ist ein üblicher Arbeitspunkt, aber bereits nahe an der Krümmung — bei Überspannungen wird der Bereich kritisch, und der Magnetisierungsstrom steigt überproportional.

Was passiert mit dem magnetischen Widerstand eines Eisenkerns in der Sättigung?

  • a) Er bleibt konstant
  • b) Er sinkt, weil B groß wird
  • c) Er steigt, weil μᵣ in der Sättigung stark abfällt
  • d) Er wird negativ

Richtig: c)

In Sättigung sinkt μᵣ massiv (gegen 1). Da R_m = l / (μ₀ · μᵣ · A) im Nenner μᵣ stehen hat, steigt R_m entsprechend stark. Praxisfolge: Bei Übermagnetisierung „wirkt“ der Kern fast wie Luft.

Welche Größe wird in Weber (Wb) gemessen?

  • a) Magnetische Feldstärke
  • b) Magnetische Flussdichte
  • c) Magnetischer Fluss
  • d) Magnetischer Widerstand

Richtig: c)

1 Wb = 1 Vs ist die Einheit des magnetischen Flusses Φ. Die Flussdichte B wird in Tesla (1 T = 1 Wb/m² = 1 Vs/m²) gemessen, H in A/m, R_m in A/Vs.

Zwei Spulen mit identischem Strom und identischer Länge unterscheiden sich nur in der Windungszahl: Spule A hat 100 Windungen, Spule B hat 400 Windungen. Wie verhält sich H_B zu H_A?

  • a) Gleich
  • b) Doppelt so groß
  • c) Vierfach
  • d) Hängt vom Werkstoff ab

Richtig: c)

H = N · I / l. Bei gleichem I und l hängt H linear von N ab. Vierfache Windungszahl → vierfache Feldstärke. Der Werkstoff im Inneren spielt für H keine Rolle.

Eine Hystereseschleife eines Trafoblechs schließt eine kleine Fläche ein — bei einem Permanentmagneten ist die Fläche groß. Was ist die richtige Schlussfolgerung?

  • a) Permanentmagnete sind als Trafokern besser geeignet
  • b) Trafobleche haben geringe Ummagnetisierungsverluste, Permanentmagnete behalten ihre Magnetisierung stärker
  • c) Beide Werkstoffe sind technisch gleichwertig
  • d) Permanentmagnete erzeugen keine Wärme

Richtig: b)

Die Schleifenfläche ist proportional zur Verlustenergie pro Zyklus. Schmale Schleife = wenig Verluste = ideal für oft ummagnetisierte Bauteile (Trafo, Motor). Breite Schleife = stabile Remanenz = ideal für Permanentmagnete. Was für die eine Anwendung gut ist, ist für die andere schlecht.

Bei einem konstanten Erregerstrom in einer Spule wird der Eisenkern teilweise herausgezogen. Was ändert sich?

  • a) Die Feldstärke H steigt
  • b) Die Flussdichte B im verbleibenden Eisenanteil sinkt, weil der magnetische Widerstand insgesamt steigt
  • c) Der Fluss bleibt unverändert
  • d) Es passiert nichts, weil die Spule den Strom konstant hält

Richtig: b)

Mit teilweise herausgezogenem Kern wird der Kreis teils durch Luft geschlossen, der Gesamt-R_m steigt deutlich. Bei konstanter Durchflutung sinkt damit Φ — und folglich auch die Flussdichte im verbleibenden Eisen. Genau dieses Prinzip nutzt ein induktiver Wegsensor.

Welche Aussage zum Hopkinsonschen Gesetz Θ = R_m · Φ ist falsch?

  • a) Es ist die magnetische Form des Ohmschen Gesetzes
  • b) R_m hängt von Geometrie und Material ab
  • c) Φ ist bei gegebener Durchflutung umso größer, je größer R_m ist
  • d) Bei sehr großem R_m wird der Fluss klein

Richtig: c)

Φ = Θ / R_m. Großes R_m bedeutet kleinen Fluss bei gegebener Durchflutung, nicht umgekehrt. Die anderen Aussagen sind korrekt. Wer hier falsch antwortet, hat die Analogie zum elektrischen Kreis noch nicht verinnerlicht.

Warum wird in der Praxis selten in „Amperewindungen“ gerechnet, obwohl der Begriff in der Werkstatt geläufig ist?

  • a) Weil Amperewindungen veraltet und ungenau sind
  • b) Weil die Windungszahl dimensionslos ist und die SI-Einheit der Durchflutung das Ampere ist
  • c) Weil Spulen ohne Windungen häufig vorkommen
  • d) Weil Amperewindungen nur für Gleichstrom gelten

Richtig: b)

Die Windungszahl N ist eine reine Stückzahl. Damit hat N · I dieselbe Einheit wie I — Ampere. „Amperewindung“ verdeutlicht im Werkstattalltag den Zusammenhang, ist aber keine eigene SI-Einheit. In normgerechten Berechnungen wird in Ampere gerechnet.

Ein Hubmagnet zieht im geschlossenen Zustand viel kräftiger als bei offenem Anker. Welche Erklärung passt am besten?

  • a) Der Strom in der Spule steigt beim Schließen
  • b) Der magnetische Widerstand des Luftspalts verschwindet, R_m,gesamt sinkt, Φ und damit die Kraft steigen stark
  • c) Die Windungszahl ändert sich
  • d) Das Magnetfeld dreht sich

Richtig: b)

Im offenen Zustand dominiert der Luftspalt den magnetischen Widerstand und reduziert Φ drastisch. Mit geschlossenem Anker entfällt der Luftspalt, der Fluss schießt hoch — und damit auch die Anziehungskraft, die quadratisch mit B zusammenhängt. Genau dieses Phänomen erklärt, warum Schaltschütze im Anzugmoment „schnappen“.

Ein Werkstoff hat μᵣ = 1,000 02. Welche Materialklasse liegt vor?

  • a) Ferromagnetisch
  • b) Paramagnetisch
  • c) Diamagnetisch
  • d) Es liegt ein Messfehler vor

Richtig: b)

μᵣ knapp über 1 entspricht der paramagnetischen Klasse (z. B. Aluminium). Ferromagnetische Stoffe liegen weit über 1 (Hunderte bis Tausende), diamagnetische knapp unter 1. Aluminium und Luft sind aus magnetischer Sicht praktisch gleichwertig.

Glossar

Durchflutung Θ
Produkt aus Windungszahl und Strom einer Spule, Θ = N · I. SI-Einheit ist das Ampere; die Werkstattbezeichnung „Amperewindung“ ist nicht normgerecht.
Magnetische Feldstärke H
Maß für die Anregung des Magnetfelds, H = Θ / l. Einheit A/m. Materialunabhängig.
Magnetische Flussdichte B
Maß für die örtliche Dichte des Magnetfelds im Material, B = μ · H. Einheit Tesla (1 T = 1 Vs/m²).
Magnetischer Fluss Φ
Gesamtmenge des magnetischen Feldes durch eine Querschnittsfläche, Φ = B · A. Einheit Weber (1 Wb = 1 Vs).
Permeabilität μ
Maß dafür, wie stark ein Werkstoff das Magnetfeld leitet. Setzt sich aus μ₀ (Naturkonstante) und μᵣ (Materialfaktor) zusammen: μ = μ₀ · μᵣ.
Magnetische Feldkonstante μ₀
Naturkonstante mit dem Wert 4π · 10⁻⁷ Vs/(A·m), beschreibt das magnetische Verhalten des Vakuums.
Relative Permeabilität μᵣ
Dimensionsloser Faktor, der angibt, um wie viel besser ein Material das Feld leitet als das Vakuum. Bei Eisen typisch 1000–5000.
Diamagnetisch / Paramagnetisch / Ferromagnetisch
Drei Materialklassen: μᵣ knapp unter 1 (Diamagnetika wie Kupfer), knapp über 1 (Paramagnetika wie Aluminium), weit über 1 (Ferromagnetika wie Eisen).
Sättigung
Zustand, in dem fast alle magnetischen Bezirke eines ferromagnetischen Werkstoffs ausgerichtet sind. Eine weitere Steigerung von H bringt kaum noch Zuwachs von B.
Hysterese
Eigenschaft ferromagnetischer Werkstoffe, einen Magnetisierungszustand „nachzubehalten“. Sichtbar als geschlossene Schleife in der B-H-Kurve.
Remanenz B_R
Restflussdichte, die bei H = 0 im Material verbleibt. Grundlage für Permanentmagnete.
Koerzitivfeldstärke H_c
Feldstärke in entgegengesetzter Richtung, die nötig ist, um die Flussdichte auf null zu bringen. Maß für die magnetische „Härte“ eines Werkstoffs.
Weichmagnetisch / Hartmagnetisch
Weichmagnetisch: kleine H_c, schmale Schleife, geringe Verluste → Trafokerne, Motorbleche. Hartmagnetisch: große H_c, breite Schleife → Permanentmagnete.
Magnetischer Widerstand R_m
Widerstand des magnetischen Kreises gegen den Fluss, R_m = l / (μ₀ · μᵣ · A). Einheit A/Vs.
Hopkinsons Gesetz
Grundgesetz des magnetischen Kreises: Θ = R_m · Φ. Analog zum Ohmschen Gesetz im Stromkreis.

Österreichische Normen

  • ÖNORM EN ISO 80000-6: Größen und Einheiten im Bereich Elektromagnetismus, einschließlich Definition und Schreibweise von H, B, Φ, μ.
  • ÖNORM EN 60404 (Reihe): Magnetische Werkstoffe — Prüfverfahren, einschließlich der Messung von Magnetisierungskennlinie, Remanenz und Koerzitivfeldstärke an Elektroblechen und Dauermagnetwerkstoffen.
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