Messunsicherheit und Toleranzen
Zwei Maschinen fertigen denselben Bolzen mit dem Maß 20 mm. Misst man die fertigen Teile nach, hat keines davon exakt 20,000 mm. Das eine hat 20,03 mm, das nächste 19,98 mm, das übernächste 20,01 mm. Und misst man dasselbe Teil zehnmal hintereinander, bekommt man oft nicht zehnmal denselben Wert. Beides ist normal. Kein Werkstück ist exakt maßhaltig, und kein Messergebnis ist exakt richtig.
Genau darum geht es in diesem Beitrag — um zwei verwandte, aber klar getrennte Themen. Das eine beschreibt, wie weit ein Werkstück vom gewünschten Maß abweichen darf: die Toleranz. Das andere beschreibt, wie zuverlässig ein Messergebnis überhaupt ist: die Messunsicherheit. Wer beide verwechselt, prüft am Ende mit einem ungeeigneten Messmittel und sortiert gute Teile aus oder lässt schlechte durch.
Vorwissen
- SI-Einheiten und Einheitenumrechnung
- Gleichungen umstellen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- Nennmaß, Höchstmaß, Mindestmaß und Toleranz auseinanderhalten und aus Abmaßen berechnen
- systematische von zufälligen Messabweichungen unterscheiden
- ein Messergebnis korrekt als Wert mit Messunsicherheit angeben
- die relative Messunsicherheit berechnen
- einschätzen, ob ein Messmittel für eine geforderte Toleranz überhaupt geeignet ist
1. Warum kein Maß je exakt ist
Auf der Zeichnung steht eine saubere Zahl: 20 mm. Dieses gewünschte Maß heißt Nennmaß. Es ist der Wert, von dem man ausgeht — der Ausgangspunkt für alles Weitere.
Das tatsächlich am fertigen Werkstück gemessene Maß heißt Istmaß. Und das Istmaß trifft das Nennmaß so gut wie nie. Jeder Fertigungsprozess streut: Werkzeuge verschleißen, das Material dehnt sich bei Wärme, die Maschine schwingt minimal. Ein Istmaß von exakt 20,000 mm wäre reiner Zufall.
Dasselbe gilt fürs Messen. Misst man ein und dasselbe Teil mehrfach, schwanken die Werte — durch das Messmittel, durch die Temperatur, durch die Person, die misst. Der „wahre“ Wert bleibt im Grunde unbekannt; man nähert sich ihm nur an.
Daraus ergeben sich die zwei Fragen, um die sich dieser Beitrag dreht:
- Wie weit darf das Istmaß vom Nennmaß abweichen, ohne dass das Teil Ausschuss ist? → Das regelt die Toleranz (Kapitel 2).
- Wie sicher ist ein einzelnes Messergebnis überhaupt? → Das beschreibt die Messunsicherheit (Kapitel 3 und 4).
Toleranz ist also eine Eigenschaft der Fertigung und steht auf der Zeichnung. Messunsicherheit ist eine Eigenschaft der Messung und entsteht beim Prüfen. Diese Trennung zieht sich durch den ganzen Beitrag. Wer die beiden Begriffe vermischt, kommt schnell durcheinander.
Die grundlegenden Begriffe rund ums Messen, Prüfen und Lehren — also wann man misst und wann man nur mit einer Lehre auf „gut/schlecht“ prüft — werden in einem eigenen Beitrag behandelt. Hier setzen wir sie nur am Rand voraus.
Ein Werkstück soll laut Zeichnung 20 mm haben, gemessen werden 20,02 mm. Wie sind die beiden Werte korrekt benannt?
- a) 20 mm ist das Istmaß, 20,02 mm das Nennmaß
- b) 20,02 mm ist das Sollmaß, 20 mm das Grenzmaß
- c) Beide sind Nennmaße
- d) 20 mm ist das Nennmaß, 20,02 mm das Istmaß
Richtig: d)
Das Nennmaß ist der gewünschte Wert auf der Zeichnung (20 mm), das Istmaß der tatsächlich gemessene Wert am Teil (20,02 mm). a) vertauscht beides, c) ignoriert, dass nur ein Wert von der Zeichnung stammt, b) erfindet eine falsche Zuordnung.
Warum die mehrfache Messung desselben Werkstücks oft leicht unterschiedliche Werte liefert?
- a) Weil das Werkstück zwischen den Messungen seine Größe ändert
- b) Weil das Nennmaß nicht eindeutig festgelegt ist
- c) Weil Messmittel, Temperatur und Bediener das Ergebnis beeinflussen
- d) Weil Messfehler bei korrekter Arbeit ausgeschlossen sind
Richtig: c)
Die Streuung entsteht durch reale Einflüsse auf den Messvorgang. a) ist falsch, das Teil bleibt gleich groß; b) verwechselt Fertigung und Messung; d) ist ein verbreiteter Irrtum — auch sauberes Arbeiten beseitigt die Unsicherheit nicht völlig.
2. Toleranzen am Werkstück
Wenn das Istmaß ohnehin nie exakt das Nennmaß trifft, muss man festlegen, welche Abweichung noch in Ordnung ist. Genau das macht die Toleranz. Sie spannt einen erlaubten Bereich um das Nennmaß auf.
Dieser Bereich wird durch zwei Grenzen begrenzt:
- Höchstmaß — das größte noch erlaubte Maß
- Mindestmaß — das kleinste noch erlaubte Maß
Festgelegt werden diese Grenzen über die Abmaße — die erlaubten Abweichungen vom Nennmaß. Das obere Abmaß zählt zum Höchstmaß, das untere Abmaß zum Mindestmaß. Steht auf der Zeichnung etwa 20 +0,2/−0,1, dann ist das obere Abmaß +0,2 mm und das untere Abmaß −0,1 mm.
H = N + Ao
- H … Höchstmaß in mm
- N … Nennmaß in mm
- Ao … oberes Abmaß in mm (mit Vorzeichen)
M = N + Au
- M … Mindestmaß in mm
- N … Nennmaß in mm
- Au … unteres Abmaß in mm (mit Vorzeichen)
Wichtig: Die Abmaße werden mit ihrem Vorzeichen eingesetzt. Ein unteres Abmaß von −0,1 mm verkleinert das Mindestmaß gegenüber dem Nennmaß. Beim Beispiel 20 +0,2/−0,1 ergibt sich also ein Höchstmaß von 20,2 mm und ein Mindestmaß von 19,9 mm.
Die Toleranz selbst ist die Breite dieses erlaubten Bereichs — die Differenz zwischen Höchst- und Mindestmaß:
T = H – M
- T … Toleranz in mm
- H … Höchstmaß in mm
- M … Mindestmaß in mm
Die Toleranz ist immer positiv und hat nichts mit dem Vorzeichen der Abmaße zu tun. Sie sagt nur: So breit ist das Fenster, in dem das Istmaß liegen muss. Im Beispiel sind das 20,2 mm − 19,9 mm = 0,3 mm.
Ein Werkstück ist ein Gutteil, wenn sein Istmaß zwischen Mindest- und Höchstmaß liegt — Grenzen eingeschlossen. Liegt es darüber oder darunter, ist es Ausschuss.
Daneben gibt es noch die symmetrische Schreibweise wie 20 ±0,1. Hier ist das obere Abmaß +0,1 mm und das untere −0,1 mm, das Toleranzfenster liegt also symmetrisch um das Nennmaß.
Über das reine Maß hinaus regelt die Norm auch, wie man Toleranzen mit Buchstaben-Zahlen-Kombinationen wie H7 oder g6 standardisiert angibt und wie Bohrung und Welle zu einer Passung zusammenspielen (Spiel-, Übergangs- oder Presspassung). Dieses ISO-Toleranzsystem ist ein eigenes, umfangreiches Thema und wird in einem separaten Beitrag zu Toleranzen, Passungen und Oberflächen behandelt. Für diesen Beitrag genügt das Verständnis von Abmaßen, Grenzmaßen und Toleranzbreite.
Gelöstes Beispiel
Eine Welle ist mit 40 +0,05/−0,15 bemaßt. Bestimme Höchstmaß, Mindestmaß und Toleranz.
Gegeben: Nennmaß N = 40 mm, oberes Abmaß Ao = +0,05 mm, unteres Abmaß Au = −0,15 mm
Gesucht: H in mm, M in mm, T in mm
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Höchstmaß: H = N + Ao = 40 mm + 0,05 mm = 40,05 mm
- Schritt 2 — Mindestmaß: M = N + Au = 40 mm + (−0,15 mm) = 39,85 mm
- Schritt 3 — Toleranz: T = H − M = 40,05 mm − 39,85 mm = 0,20 mm
Ergebnis: H = 40,05 mm, M = 39,85 mm, T = 0,20 mm
Übungen
Eine Bohrung ist mit 25 +0,1/0 angegeben. Berechne Höchstmaß, Mindestmaß und Toleranz.
H = 25,1 mm; M = 25,0 mm; T = 0,1 mm.
Ein Bolzen ist mit 12 ±0,02 bemaßt. Berechne die Grenzmaße und die Toleranz.
H = 12,02 mm; M = 11,98 mm; T = 0,04 mm.
Ein Werkstück hat Nennmaß 60 mm, oberes Abmaß +0,03 mm, unteres Abmaß +0,01 mm (beide positiv). Berechne Grenzmaße und Toleranz. Liegt ein gemessenes Istmaß von 60,025 mm im Gutbereich?
H = 60,03 mm; M = 60,01 mm; T = 0,02 mm. 60,025 mm liegt zwischen M und H → Gutteil.
Eine Welle 50 −0,02/−0,08 wird gefertigt. Berechne Grenzmaße und Toleranz. Ein Teil misst 49,90 mm — Gutteil oder Ausschuss?
H = 49,98 mm; M = 49,92 mm; T = 0,06 mm. 49,90 mm liegt unter dem Mindestmaß → Ausschuss.
Für eine Passung soll eine Bohrung das Nennmaß 30 mm und eine Toleranz von 0,021 mm haben, wobei das untere Abmaß 0 ist. Bestimme das obere Abmaß sowie Höchst- und Mindestmaß.
Bei Au = 0 ist M = 30,000 mm. Aus T = H − M folgt H = 30,000 mm + 0,021 mm = 30,021 mm, also oberes Abmaß +0,021 mm.
Ein Maß ist mit 35 +0,3/−0,1 angegeben. Wie groß ist die Toleranz?
- a) 0,4 mm
- b) 0,3 mm
- c) 0,2 mm
- d) 0,1 mm
Richtig: a)
Höchstmaß = 35,3 mm, Mindestmaß = 34,9 mm, Toleranz = 35,3 − 34,9 = 0,4 mm. c) zieht fälschlich die Abmaße voneinander ab statt sie zu addieren, b) und d) nehmen nur eines der beiden Abmaße.
Ein Bauteil 18 −0,05/−0,20 wird geprüft, das Istmaß beträgt 17,90 mm. Wie lautet die korrekte Bewertung?
- a) Ausschuss, weil das Istmaß kleiner als das Nennmaß ist
- b) Gutteil, weil 17,90 mm zwischen Mindest- und Höchstmaß liegt
- c) Ausschuss, weil das Istmaß unter dem Mindestmaß liegt
- d) Gutteil, weil die Toleranz eingehalten ist, sobald das Istmaß unter dem Nennmaß liegt
Richtig: b)
Höchstmaß = 17,95 mm, Mindestmaß = 17,80 mm; 17,90 mm liegt dazwischen → Gutteil. a) verwechselt Nennmaß mit Grenze; c) is falsch, weil 17,90 > 17,80; d) ist eine unsinnige Regel.
Warum darf das untere Abmaß nicht automatisch als negativ angenommen werden?
- a) Weil das untere Abmaß immer null ist
- b) Weil nur das obere Abmaß ein Vorzeichen trägt
- c) Weil es bei manchen Maßangaben, etwa Passungen, positiv sein kann
- d) Weil das untere Abmaß keine Rolle für das Mindestmaß spielt
Richtig: c)
Beide Abmaße tragen das auf der Zeichnung angegebene Vorzeichen, und das untere kann durchaus positiv sein (z. B. bei einer Bohrung über Nennmaß). a), b) und d) widersprechen direkt der Definition der Grenzmaße.
3. Messabweichung — systematisch und zufällig
Beim Messen entsteht eine Messabweichung: die Differenz zwischen dem angezeigten Messwert und dem wahren Wert der Größe.
e = x – xw
- e … Messabweichung
- x … gemessener Wert
- xw … wahrer Wert
Der Haken: Den wahren Wert kennt man im Alltag nicht. Trotzdem ist die Unterscheidung der Art der Abweichung entscheidend, denn es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Sorten.
Systematische Abweichungen wirken bei jeder Messung in dieselbe Richtung und etwa gleich stark. Ein falsch genullter Messschieber zeigt immer 0,05 mm zu viel. Ein Messmittel, das bei 30 °C statt bei 20 °C verwendet wird, misst durch die Wärmeausdehnung systematisch daneben. Das Tückische: Mehrfaches Messen hilft hier nichts — der Fehler steckt jedes Mal gleich drin. Systematische Abweichungen lassen sich nur durch Kalibrieren, Korrigieren oder konstante Bedingungen in den Griff bekommen.
Zufällige Abweichungen streuen dagegen unvorhersehbar mal nach oben, mal nach unten. Sie entstehen durch Ablesen, kleine Erschütterungen, minimale Unterschiede beim Ansetzen des Messmittels. Hier hilft Mehrfachmessung: Misst man dieselbe Größe mehrmals und bildet den Mittelwert, gleichen sich die zufälligen Ausreißer teilweise aus.
x_quer = (x1 + x2 + … + xn) / n
- x_quer … Mittelwert
- x1…xn … einzelne Messwerte
- n … Anzahl der Messungen
Wie stark die Einzelwerte um den Mittelwert streuen, ist ein Maß für die zufällige Abweichung. Eine einfache, in der Werkstatt gebräuchliche Kennzahl dafür ist die Spannweite — die Differenz zwischen größtem und kleinstem Messwert:
R = xmax – xmin
- R … Spannweite
- xmax … größter Messwert
- xmin … kleinster Messwert
Eine kleine Spannweite bedeutet wenig Streuung, also gut reproduzierbare Messungen. Eine große Spannweite zeigt, dass die Messung unruhig ist und man dem Einzelwert wenig trauen kann.
Gelöstes Beispiel
Ein Durchmesser wird fünfmal gemessen: 12,03 mm; 12,01 mm; 12,04 mm; 12,02 mm; 12,00 mm. Bestimme Mittelwert und Spannweite.
Gegeben: Messwerte: 12,03; 12,01; 12,04; 12,02; 12,00 (alle in mm), Anzahl n = 5
Gesucht: Mittelwert in mm, Spannweite in mm
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Summe der Messwerte: 12,03 + 12,01 + 12,04 + 12,02 + 12,00 = 60,10 mm
- Schritt 2 — Mittelwert: x̄ = 60,10 mm / 5 = 12,02 mm
- Schritt 3 — Spannweite: R = xmax − xmin = 12,04 mm − 12,00 mm = 0,04 mm
Ergebnis: Mittelwert = 12,02 mm, Spannweite = 0,04 mm
Übungen
Vier Messungen einer Länge ergeben 80,2 mm; 80,4 mm; 80,3 mm; 80,3 mm. Berechne den Mittelwert.
(80,2 + 80,4 + 80,3 + 80,3) / 4 = 321,2 / 4 = 80,3 mm.
Eine Messreihe liefert 5,02 V; 5,05 V; 4,99 V; 5,01 V. Bestimme die Spannweite.
R = 5,05 V − 4,99 V = 0,06 V.
Ein Messschieber zeigt bei jeder Messung 0,03 mm zu viel an. Es werden 50 Messungen gemittelt. Wie groß ist die systematische Abweichung im Mittelwert?
0,03 mm — sie bleibt durch Mittelung unverändert, da sie systematisch ist.
Sechs Messwerte: 100,1; 100,0; 100,2; 99,9; 100,1; 100,1 (mm). Berechne Mittelwert und Spannweite.
Summe = 600,4 mm; Mittelwert = 600,4 / 6 ≈ 100,07 mm; R = 100,2 − 99,9 = 0,3 mm.
Eine Messreihe hat einen Mittelwert von 25,00 mm und eine Spannweite von 0,02 mm. Eine zweite Reihe desselben Teils hat denselben Mittelwert, aber eine Spannweite von 0,12 mm. Welche Reihe ist besser reproduzierbar und warum?
Die erste Reihe (Spannweite 0,02 mm), weil die kleinere Spannweite eine geringere zufällige Streuung bedeutet. Der gleiche Mittelwert sagt über die Reproduzierbarkeit nichts aus.
Ein Messmittel wurde nicht genullt und zeigt bei jeder Messung 0,1 mm zu viel. Welche Maßnahme beseitigt diesen Fehler?
- a) Möglichst viele Messungen mitteln
- b) Nur den größten und kleinsten Wert verwenden
- c) Die Spannweite berechnen
- d) Das Messmittel nullen oder den Wert korrigieren
Richtig: d)
Es handelt sich um eine systematische Abweichung, die durch Nullen oder Korrigieren verschwindet. a) hilft nur gegen zufällige Streuung, b) und c) ändern an einem konstanten Versatz nichts.
Eine Messreihe hat den Mittelwert 50,00 mm und die Spannweite 0,30 mm. Was lässt sich daraus schließen?
- a) Die Messung ist frei von systematischen Abweichungen
- b) Der wahre Wert beträgt exakt 50,00 mm
- c) Alle Einzelwerte sind identisch
- d) Die zufällige Streuung ist vergleichsweise groß
Richtig: d)
Die Spannweite von 0,30 mm zeigt deutliche zufällige Streuung. a) lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten, b) verwechselt Mittelwert mit wahrem Wert, c) widerspricht der Spannweite ungleich null.
Warum verbessert das Mitteln vieler Messwerte eine systematische Abweichung nicht?
- a) Weil systematische Abweichungen bei jeder Messung gleich gerichtet auftreten
- b) Weil der Mittelwert nur bei geraden Anzahlen funktioniert
- c) Weil systematische Abweichungen immer null sind
- d) Weil der Mittelwert die Spannweite vergrößert
Richtig: a)
Da der systematische Versatz in jedem Einzelwert gleich steckt, bleibt er auch im Mittelwert erhalten. b) ist Unsinn, c) widerspricht der Definition, d) ist sachlich falsch.
4. Messunsicherheit angeben
Wenn jeder Messwert eine Abweichung trägt, ist eine nackte Zahl wie „12,02 mm“ eine unvollständige Aussage. Ehrlich ist erst die Angabe, in welchem Bereich der wahre Wert vermutlich liegt. Diesen Bereich beschreibt die Messunsicherheit.
Ein vollständiges Messergebnis sieht deshalb so aus:
Ergebnis = x ± U
- x … Messwert (meist der Mittelwert) mit Einheit
- U … Messunsicherheit (absolut) mit Einheit
Ein Beispiel: 12,02 mm ± 0,02 mm. Das heißt: Der wahre Wert liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 12,00 mm und 12,04 mm. Die Unsicherheit U trägt immer dieselbe Einheit wie der Messwert.
Diese absolute Messunsicherheit allein sagt aber wenig darüber aus, ob sie groß oder klein ist. 0,02 mm Unsicherheit sind bei einem 12-mm-Maß ordentlich, bei einem 2-mm-Maß dagegen schon erheblich. Deshalb gibt es die relative Messunsicherheit — die Unsicherheit ins Verhältnis zum Messwert gesetzt, meist in Prozent:
Urel = (U / x) * 100
- Urel … relative Messunsicherheit in %
- U … absolute Messunsicherheit (gleiche Einheit wie x)
- x … Messwert
Bei 12,02 mm ± 0,02 mm ergibt das eine relative Unsicherheit von rund 0,17 %. Die relative Angabe macht Messungen unterschiedlicher Größe vergleichbar.
Beeinflusst wird die Unsicherheit von mehreren Größen gleichzeitig: dem Messmittel (Auflösung, Kalibrierung), der Umgebung (vor allem Temperatur), dem Werkstück (Form, Oberfläche) und der messenden Person (Ablesen, Anpressen). Alle diese Einflüsse zusammen ergeben die Gesamtunsicherheit.
Sinnvoll runden. Die Unsicherheit wird meist auf eine, höchstens zwei signifikante Stellen gerundet. Und der Messwert wird dann auf dieselbe Nachkommastelle gerundet wie die Unsicherheit. Ein Ergebnis wie 12,0237 mm ± 0,02 mm ist unsinnig — die vierte Nachkommastelle des Messwerts behauptet eine Genauigkeit, die die Unsicherheit von 0,02 mm längst widerlegt. Korrekt wäre 12,02 mm ± 0,02 mm. Faustregel: Der Messwert darf nicht genauer angegeben werden, als es die Unsicherheit erlaubt.
Gelöstes Beispiel
Eine Länge wird mit 80,00 mm gemessen, die absolute Messunsicherheit beträgt 0,05 mm. Gib das vollständige Ergebnis und die relative Unsicherheit an.
Gegeben: Messwert x = 80,00 mm, absolute Unsicherheit U = 0,05 mm
Gesucht: vollständiges Ergebnis, relative Unsicherheit in %
Lösungsweg:
- Schritt 1 — vollständiges Ergebnis: Ergebnis = 80,00 mm ± 0,05 mm (wahrer Wert vermutlich zwischen 79,95 mm und 80,05 mm)
- Schritt 2 — relative Unsicherheit: Urel = (0,05 mm / 80,00 mm) · 100 = 0,0625 %
Ergebnis: 80,00 mm ± 0,05 mm; relative Unsicherheit ≈ 0,06 %
Übungen
Ein Messwert beträgt 50,0 mm bei einer absoluten Unsicherheit von 0,1 mm. Berechne die relative Unsicherheit in %.
(0,1 / 50,0) · 100 = 0,2 %.
Eine Spannung wird mit 230 V ± 2 V angegeben. Wie groß ist die relative Unsicherheit?
(2 / 230) · 100 ≈ 0,87 %.
Ein Ergebnis lautet 25,3471 mm ± 0,03 mm. Schreibe es korrekt gerundet.
25,35 mm ± 0,03 mm — der Messwert wird auf dieselbe Nachkommastelle wie die Unsicherheit gerundet.
Zwei Messungen: A = 5,00 mm ± 0,02 mm, B = 200,0 mm ± 0,2 mm. Welche ist relativ genauer?
A: (0,02 / 5,00) · 100 = 0,4 %. B: (0,2 / 200,0) · 100 = 0,1 %. B ist relativ genauer, obwohl die absolute Unsicherheit größer ist.
Eine Messung hat eine relative Unsicherheit von 0,5 % bei einem Messwert von 60,0 mm. Wie groß ist die absolute Unsicherheit?
U = (0,5 / 100) · 60,0 mm = 0,3 mm.
Ein Ergebnis wird als 40,0 mm ± 0,2 mm angegeben. Was bedeutet das?
- a) Das Werkstück ist exakt 40,0 mm groß
- b) Der wahre Wert liegt vermutlich zwischen 39,8 mm und 40,2 mm
- c) Die Toleranz beträgt 0,2 mm
- d) Der Messwert ist um 0,2 mm zu groß
Richtig: b)
Die Unsicherheit spannt einen Bereich um den Messwert auf, hier 39,8 bis 40,2 mm. a) widerspricht der Existenz einer Unsicherheit, c) verwechselt Unsicherheit mit Toleranz, d) deutet die Unsicherheit fälschlich als feste systematische Abweichung.
Messung A: 4,00 mm ± 0,04 mm. Messung B: 400,0 mm ± 0,8 mm. Welche Aussage stimmt?
- a) A ist relativ genauer, weil die absolute Unsicherheit kleiner ist
- b) Beide sind gleich genau, weil beide eine Unsicherheit haben
- c) A ist relativ genauer, weil der Messwert kleiner ist
- d) B ist relativ genauer, weil die relative Unsicherheit kleiner ist
Richtig: d)
A hat (0,04/4,00)·100 = 1 %, B hat (0,8/400,0)·100 = 0,2 %. B ist relativ genauer. a) und c) schauen nur auf absolute Werte bzw. Messwertgröße, b) ignoriert den Vergleich.
Welche Angabe eines Messergebnisses ist sinnvoll gerundet?
- a) 15,8 mm ± 0,15 mm
- b) 15,8243 mm ± 0,2 mm
- c) 15,82 mm ± 0,02 mm
- d) 16 mm ± 0,02 mm
Richtig: c)
Bei c) passen die Nachkommastellen von Messwert und Unsicherheit zusammen. b) gibt den Messwert viel zu genau an, d) gibt ihn gröber an, als die Unsicherheit erlaubt, a) mischt eine und zwei Nachkommastellen unpassend.
5. Messmittel zur Toleranz passend wählen
Jetzt schließt sich der Kreis. Auf der Zeichnung steht eine Toleranz — ein erlaubtes Maßfenster. Zum Prüfen braucht man ein Messmittel, das seinerseits eine Messunsicherheit mitbringt. Die entscheidende Frage in der Praxis lautet: Ist mein Messmittel überhaupt genau genug, um diese Toleranz zuverlässig zu beurteilen?
Wenn die Messunsicherheit fast so groß ist wie die Toleranz, kann man nicht mehr sicher entscheiden, ob ein grenzwertiges Teil noch im Fenster liegt. Das Messergebnis selbst verwischt die Grenze. Deshalb gilt die bewährte Faustregel: Die Messunsicherheit soll deutlich kleiner sein als die zu prüfende Toleranz — als Richtwert etwa ein Zehntel davon.
g = T / U
- g … Verhältnis (Eignungskennzahl)
- T … zu prüfende Toleranz
- U … Messunsicherheit des Messmittels
Ein Verhältnis von etwa 10 oder größer gilt als gut. Liegt es deutlich darunter — etwa bei 2 oder 3 — ist das Messmittel für diese Toleranz zu grob. Man braucht dann ein feineres Messmittel.
Verwandt, aber nicht dasselbe ist die Auflösung eines Messmittels — die kleinste Stufe, die es anzeigen kann (etwa 0,01 mm bei einer guten Messschraube). Eine feine Auflösung ist Voraussetzung, aber keine Garantie: Ein Messmittel kann fein auflösen und trotzdem eine größere Unsicherheit haben, etwa durch schlechte Kalibrierung. Auflösung beschreibt, wie fein angezeigt wird; Unsicherheit, wie zuverlässig der angezeigte Wert ist.
Grob als Orientierung: Für Toleranzen im Bereich mehrerer Zehntelmillimeter genügt oft ein Messschieber. Für Toleranzen im Hundertstelbereich braucht man eine Bügelmessschraube oder Messuhr. Für noch engere Toleranzen kommen feinere Messmittel oder Messmaschinen zum Einsatz. Die konkrete Bedienung dieser Messmittel ist ein eigenes Thema und wird in einem separaten Beitrag zu Längen- und Winkelmessmitteln behandelt.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Temperatur. Maße in der Fertigung beziehen sich auf eine Bezugstemperatur von 20 °C. Misst man ein warmes Werkstück oder mit einem aufgewärmten Messmittel, verfälscht die Wärmeausdehnung das Ergebnis — eine systematische Abweichung, die gerade bei engen Toleranzen ins Gewicht fällt. Präzisionsmessungen finden deshalb in temperierten Räumen statt.
Gelöstes Beispiel
Eine Bohrung hat die Toleranz 0,05 mm. Geprüft wird mit einer Messuhr, deren Messunsicherheit 0,004 mm beträgt. Ist das Messmittel geeignet?
Gegeben: Toleranz T = 0,05 mm, Messunsicherheit U = 0,004 mm
Gesucht: Verhältnis g, Beurteilung
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Verhältnis berechnen: g = T / U = 0,05 mm / 0,004 mm = 12,5
- Schritt 2 — beurteilen: g = 12,5 liegt über dem Richtwert 10.
Ergebnis: Verhältnis ≈ 12,5 → Messmittel geeignet.
Übungen
Toleranz 0,1 mm, Messunsicherheit 0,02 mm. Berechne das Verhältnis und beurteile.
g = 0,1 / 0,02 = 5 → unter dem Richtwert 10, also grenzwertig bis ungeeignet.
Toleranz 0,2 mm, Messschieber mit Unsicherheit 0,03 mm. Geeignet?
g = 0,2 / 0,03 ≈ 6,7 → unter 10, für sichere Beurteilung zu grob.
Eine Toleranz von 0,04 mm soll geprüft werden. Wie groß darf die Messunsicherheit höchstens sein, um den Richtwert g = 10 zu erreichen?
U = T / g = 0,04 mm / 10 = 0,004 mm.
Messunsicherheit 0,005 mm, gewünschtes Verhältnis mindestens 10. Welche kleinste Toleranz kann damit sicher geprüft werden?
T = g · U = 10 · 0,005 mm = 0,05 mm.
Ein digitaler Messschieber zeigt 0,01 mm auf, hat aber eine Messunsicherheit von 0,025 mm. Für eine Toleranz von 0,1 mm: Verhältnis berechnen und beurteilen, warum die Auflösung hier in die Irre führt.
g = 0,1 / 0,025 = 4 → unter 10, ungeeignet. Die Auflösung von 0,01 mm suggeriert mehr Genauigkeit, als die Unsicherheit von 0,025 mm tatsächlich hergibt.
Eine Toleranz von 0,03 mm soll geprüft werden. Welche Messunsicherheit ist nach der Faustregel anzustreben?
- a) etwa 0,003 mm
- b) etwa 0,03 mm
- c) etwa 0,3 mm
- d) etwa 0,015 mm
Richtig: a)
Die Faustregel verlangt rund ein Zehntel der Toleranz, also 0,03 mm / 10 = 0,003 mm. b) entspricht der Toleranz selbst, c) ist zehnmal zu grob, d) liefert nur ein Verhältnis von 2.
Ein Messmittel löst mit 0,01 mm auf, hat aber eine Messunsicherheit von 0,02 mm. Eine Toleranz von 0,03 mm soll geprüft werden. Wie ist die Eignung zu beurteilen?
- a) Geeignet, weil die Auflösung kleiner als die Toleranz ist
- b) Geeignet, weil die Unsicherheit kleiner als die Toleranz ist
- c) Nicht beurteilbar ohne Kenntnis des Nennmaßes
- d) Ungeeignet, weil das Verhältnis aus Toleranz und Unsicherheit nur 1,5 beträgt
Richtig: d)
g = 0,03 / 0,02 = 1,5, weit unter dem Richtwert 10 → ungeeignet. a) verlässt sich fälschlich auf die Auflösung, b) genügt nicht, weil „kleiner“ nicht „deutlich kleiner“ ist, c) ist falsch, das Nennmaß spielt für das Verhältnis keine Rolle.
Warum beziehen sich Fertigungsmaße auf eine Temperatur von 20 °C?
- a) Weil Messmittel nur bei 20 °C funktionieren
- b) Weil bei höheren Temperaturen keine Messung möglich ist
- c) Weil Werkstück und Messmittel sich mit der Temperatur ausdehnen und das sonst eine systematische Abweichung ergibt
- d) Weil die Auflösung temperaturabhängig ist
Richtig: c)
Die Wärmeausdehnung verändert die Maße; eine einheitliche Bezugstemperatur hält diesen systematischen Einfluss klein. a) und b) sind übertrieben falsch, d) verwechselt Auflösung mit dem thermischen Effekt.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Welle ist mit 30 +0,1/−0,2 bemaßt. Bestimme Höchstmaß, Mindestmaß und Toleranz.
Gegeben: N = 30 mm; Ao = +0,1 mm; Au = −0,2 mm
Gesucht: H, M, T
Lösungsweg:
- H = 30 + 0,1 = 30,1 mm
- M = 30 + (−0,2) = 29,8 mm
- T = 30,1 − 29,8 = 0,3 mm
Ergebnis: H = 30,1 mm; M = 29,8 mm; T = 0,3 mm
Aufgabe 2: Eine Bohrung 45 +0,025/0 wird gefertigt. Ein Teil misst 45,02 mm. Berechne die Grenzmaße und entscheide Gutteil oder Ausschuss.
Gegeben: N = 45 mm; Ao = +0,025 mm; Au = 0 mm; Istmaß = 45,02 mm
Gesucht: H, M, Beurteilung
Lösungsweg:
- H = 45,025 mm
- M = 45,000 mm
- 45,02 mm liegt zwischen M und H
Ergebnis: H = 45,025 mm; M = 45,000 mm → Gutteil
Aufgabe 3: Fünf Messwerte einer Länge: 75,05; 75,02; 75,07; 75,03; 75,03 (mm). Berechne Mittelwert und Spannweite.
Gegeben: 75,05; 75,02; 75,07; 75,03; 75,03 mm; n = 5
Gesucht: Mittelwert, Spannweite
Lösungsweg:
- Summe = 375,20 mm
- Mittelwert = 375,20 / 5 = 75,04 mm
- R = 75,07 − 75,02 = 0,05 mm
Ergebnis: Mittelwert = 75,04 mm; Spannweite = 0,05 mm
Aufgabe 4: Ein Messschieber zeigt systematisch 0,04 mm zu viel. Es werden 20 Messungen gemittelt. Wie groß ist die systematische Abweichung im Mittelwert, und wie beseitigt man sie?
Gegeben: systematischer Versatz 0,04 mm; n = 20
Gesucht: Abweichung im Mittelwert, Maßnahme
Lösungsweg:
- Eine systematische Abweichung bleibt durch Mittelung unverändert.
Ergebnis: 0,04 mm; Beseitigung durch Nullen bzw. Kalibrieren des Messschiebers.
Aufgabe 5: Ein Messergebnis lautet 120,0 mm bei einer absoluten Unsicherheit von 0,3 mm. Berechne die relative Unsicherheit in %.
Gegeben: x = 120,0 mm; U = 0,3 mm
Gesucht: Urel
Lösungsweg:
- Urel = (0,3 / 120,0) · 100 = 0,25 %
Ergebnis: relative Unsicherheit = 0,25 %
Aufgabe 6: Eine Messung hat eine relative Unsicherheit von 1 % bei einem Messwert von 48,0 mm. Berechne die absolute Unsicherheit.
Gegeben: Urel = 1 %; x = 48,0 mm
Gesucht: U
Lösungsweg:
- U = (1 / 100) · 48,0 mm = 0,48 mm
Ergebnis: absolute Unsicherheit = 0,48 mm
Aufgabe 7: Eine Toleranz von 0,06 mm soll geprüft werden. Die Messunsicherheit des Messmittels beträgt 0,004 mm. Berechne das Verhältnis und beurteile die Eignung.
Gegeben: T = 0,06 mm; U = 0,004 mm
Gesucht: g, Beurteilung
Lösungsweg:
- g = 0,06 / 0,004 = 15
Ergebnis: Verhältnis = 15 → geeignet (über Richtwert 10)
Aufgabe 8: Eine Toleranz von 0,02 mm soll mit Verhältnis mindestens 10 geprüft werden. Wie groß darf die Messunsicherheit höchstens sein?
Gegeben: T = 0,02 mm; g = 10
Gesucht: U
Lösungsweg:
- U = T / g = 0,02 / 10 = 0,002 mm
Ergebnis: höchstens 0,002 mm
Ein Maß 28 −0,01/−0,04 wird geprüft, das Istmaß ist 27,97 mm. Wie lautet die Bewertung?
- a) Ausschuss, weil das Istmaß kleiner als das Nennmaß ist
- b) Gutteil, weil 27,97 mm zwischen 27,96 mm und 27,99 mm liegt
- c) Ausschuss, weil das Istmaß unter dem Mindestmaß liegt
- d) Nicht beurteilbar ohne Messunsicherheit
Richtig: b)
H = 27,99 mm, M = 27,96 mm; 27,97 mm liegt dazwischen → Gutteil. a) verwechselt Nennmaß mit Grenze, c) ist rechnerisch falsch, d) ist für die reine Toleranzbewertung nicht nötig.
Welche Aussage über systematische und zufällige Abweichungen trifft zu?
- a) Beide lassen sich durch Mitteln vollständig beseitigen
- b) Nur zufällige Abweichungen werden durch Mehrfachmessung verringert
- c) Systematische Abweichungen streuen zufällig um den Mittelwert
- d) Zufällige Abweichungen wirken immer in dieselbe Richtung
Richtig: b)
Mitteln hilft nur gegen zufällige Streuung. a) ist falsch, weil systematische Anteile bleiben; c) und d) vertauschen die Eigenschaften der beiden Abweichungsarten.
Ein Ergebnis soll korrekt angegeben werden. Der Mittelwert ist 33,4178 mm, die Unsicherheit 0,03 mm. Welche Schreibweise ist richtig?
- a) 33,42 mm ± 0,03 mm
- b) 33,4178 mm ± 0,03 mm
- c) 33 mm ± 0,03 mm
- d) 33,418 mm ± 0,3 mm
Richtig: a)
Der Messwert wird auf dieselbe Nachkommastelle wie die Unsicherheit gerundet (zwei Stellen). b) gibt den Messwert zu genau an, c) zu grob, d) verändert zusätzlich die Unsicherheit.
Messung A: 10,0 mm ± 0,05 mm, Messung B: 500,0 mm ± 1,0 mm. Welche ist relativ genauer?
- a) A, weil die absolute Unsicherheit kleiner ist
- b) Beide gleich
- c) A, weil der Messwert kleiner ist
- d) B, weil die relative Unsicherheit 0,2 % gegenüber 0,5 % beträgt
Richtig: d)
A: (0,05/10,0)·100 = 0,5 %; B: (1,0/500,0)·100 = 0,2 %. B ist relativ genauer. a) und c) betrachten nur absolute Größen, b) ist falsch.
Warum ist die Auflösung eines Messmittels allein kein Beweis für seine Eignung?
- a) Weil die Auflösung immer größer als die Unsicherheit ist
- b) Weil die Auflösung nichts mit dem Messwert zu tun hat
- c) Weil ein Messmittel fein auflösen, aber dennoch eine große Unsicherheit haben kann
- d) Weil die Auflösung nur bei digitalen Geräten existiert
Richtig: c)
Auflösung beschreibt nur die kleinste Anzeigestufe, nicht die Zuverlässigkeit. Ein Gerät kann fein anzeigen und trotzdem schlecht kalibriert sein. a), b) und d) sind sachlich falsch.
Eine Toleranz von 0,05 mm wird mit einem Messmittel der Unsicherheit 0,02 mm geprüft. Welche Aussage stimmt?
- a) Das Verhältnis ist 2,5, das Messmittel ist für eine sichere Beurteilung zu grob
- b) Das Verhältnis ist 10, das Messmittel ist ideal
- c) Das Messmittel ist geeignet, weil die Unsicherheit kleiner als die Toleranz ist
- d) Das Verhältnis lässt sich ohne Nennmaß nicht berechnen
Richtig: a)
g = 0,05 / 0,02 = 2,5, deutlich unter 10 → zu grob. b) rechnet falsch, c) verwechselt „kleiner“ mit „deutlich kleiner“, d) ist falsch, das Nennmaß spielt keine Rolle.
Eine Messreihe ergibt 60,00 mm Mittelwert und 0,40 mm Spannweite. Was folgt daraus für den Einzelwert?
- a) Jeder Einzelwert ist exakt 60,00 mm
- b) Es liegt sicher eine systematische Abweichung vor
- c) Die zufällige Streuung ist groß, dem Einzelwert ist wenig zu trauen
- d) Der wahre Wert ist exakt 60,00 mm
Richtig: c)
Eine Spannweite von 0,40 mm zeigt erhebliche zufällige Streuung. a) widerspricht der Spannweite, b) lässt sich daraus nicht schließen, d) verwechselt Mittelwert mit wahrem Wert.
Ein warmes Werkstück wird direkt nach der Bearbeitung gemessen. Welcher Effekt ist zu erwarten?
- a) Keine Auswirkung, Temperatur ist irrelevant
- b) Eine systematische Abweichung durch Wärmeausdehnung
- c) Eine rein zufällige Streuung der Messwerte
- d) Eine Verbesserung der Auflösung
Richtig: b)
Die Wärmeausdehnung vergrößert die Maße gerichtet, also systematisch. a) unterschätzt den Effekt, c) ordnet ihn falsch ein, d) ist unsinnig.
Ein Bauteil 22 ±0,05 wird geprüft. Welches der folgenden Istmaße ist Ausschuss?
- a) 22,00 mm
- b) 21,95 mm
- c) 22,04 mm
- d) 22,07 mm
Richtig: d)
H = 22,05 mm, M = 21,95 mm. 22,07 mm liegt über dem Höchstmaß → Ausschuss. a) liegt mittig im Feld, b) ist exakt das Mindestmaß (Grenze eingeschlossen, Gutteil), c) liegt knapp unter dem Höchstmaß → alle drei Gutteile.
Was beschreibt die relative Messunsicherheit im Unterschied zur absoluten?
- a) Sie setzt die Unsicherheit ins Verhältnis zum Messwert und ist meist dimensionslos in %
- b) Sie hat dieselbe Einheit wie der Messwert
- c) Sie ist immer größer als die absolute Unsicherheit
- d) Sie gilt nur für Längenmessungen
Richtig: a)
Die relative Unsicherheit ist der Quotient aus absoluter Unsicherheit und Messwert, in Prozent. b) beschreibt die absolute Unsicherheit, c) und d) sind falsch.
Glossar
- Nennmaß
- Das auf der Zeichnung angegebene gewünschte Maß, von dem Abmaße und Grenzmaße ausgehen.
- Istmaß
- Das tatsächlich am gefertigten Werkstück gemessene Maß.
- Abmaß
- Die erlaubte Abweichung vom Nennmaß; das obere Abmaß führt zum Höchstmaß, das untere zum Mindestmaß, jeweils mit Vorzeichen.
- Höchstmaß
- Das größte noch zulässige Maß eines Werkstücks (Nennmaß plus oberes Abmaß).
- Mindestmaß
- Das kleinste noch zulässige Maß eines Werkstücks (Nennmaß plus unteres Abmaß).
- Toleranz
- Die Differenz zwischen Höchst- und Mindestmaß; die Breite des erlaubten Maßbereichs, stets positiv.
- Gutteil
- Ein Werkstück, dessen Istmaß zwischen Mindest- und Höchstmaß liegt, Grenzen eingeschlossen.
- Messabweichung
- Die Differenz zwischen gemessenem Wert und wahrem Wert einer Größe.
- Systematische Abweichungen
- Eine stets gleich gerichtete Abweichung (z. B. durch Nullpunktfehler oder Temperatur), die sich nicht durch Mittelung beseitigen lässt.
- Zufällige Abweichungen
- Eine unvorhersehbar streuende Abweichung, deren Einfluss durch Mehrfachmessung und Mittelung bildung verringert wird.
- Mittelwert
- Die Summe der Messwerte geteilt durch ihre Anzahl; verringert den Einfluss zufälliger Abweichungen.
- Spannweite
- Die Differenz zwischen größtem und kleinstem Messwert einer Reihe; ein einfaches Maß für die zufällige Streuung.
- Messunsicherheit
- Der Bereich um einen Messwert, in dem der wahre Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt; angegeben als Wert ± Unsicherheit.
- Absolute Messunsicherheit
- Die Messunsicherheit in der Einheit des Messwerts.
- Relative Messunsicherheit
- Die Messunsicherheit im Verhältnis zum Messwert, meist in Prozent; macht Messungen unterschiedlicher Größe vergleichbar.
- Auflösung
- Die kleinste Stufe, die ein Messmittel anzeigen kann; nicht zu verwechseln mit der Messunsicherheit.
- Bezugstemperatur
- Die genormte Temperatur von 20 °C, auf die sich Fertigungsmaße beziehen.
