Elektrische Arbeit, Leistung & Wirkungsgrad

Elektrische Arbeit, Leistung & Wirkungsgrad

Jedes elektrische Gerät wandelt Energie um – aber wie viel davon geht dabei als nutzlose Wärme verloren? Dieser Kurs erklärt, wie Leistung, Arbeit und Wirkungsgrad zusammenhängen, wie man sie berechnet und warum diese Größen im Berufsalltag ständig gebraucht werden.

Kapitel 01

Was ist elektrische Leistung – und was hat sie mit Spannung und Strom zu tun?

Elektrische Leistung beschreibt, wie schnell elektrische Energie umgewandelt wird. Ein Gerät mit hoher Leistung wandelt in kurzer Zeit viel Energie um – ein Gerät mit niedriger Leistung braucht dafür länger. Die Leistung selbst sagt noch nichts darüber aus, wie lange das Gerät läuft oder wie viel Energie insgesamt verbraucht wird.

Analogie
Stellen Sie sich einen Wasserhahn vor: Die Leistung entspricht der Durchflussmenge – wie viele Liter pro Minute aus dem Hahn fließen. Die elektrische Arbeit (Energie) entspricht der Gesamtmenge Wasser, die in einem Behälter landet. Ein dünner Strahl braucht länger, um denselben Behälter zu füllen – ein starker Strahl schafft es schnell. Genau so: Ein 100-W-Gerät wandelt in einer Stunde die gleiche Energiemenge um wie ein 50-W-Gerät in zwei Stunden.

Die physikalische Grundidee: Leistung ist Energie pro Zeit. Im elektrischen Stromkreis liefert die Spannung den „Antrieb“, der Ladungen durch den Leiter treibt, und der Strom beschreibt, wie viele Ladungen pro Sekunde fließen. Multipliziert man beides, erhält man die elektrische Leistung:

Grundformel elektrische Leistung

P = U · I
P
Elektrische Leistung in Watt [W]
U
Elektrische Spannung in Volt [V]
I
Elektrischer Strom in Ampere [A]

Ein konkretes Beispiel: Ein Heizlüfter arbeitet mit 230 V und zieht 8,7 A. Seine Leistung beträgt dann P = 230 V · 8,7 A = 2.001 W ≈ 2 kW. Diese 2 kW bedeuten: Pro Sekunde werden 2.000 Joule in Wärme umgewandelt.

Die Einheit Watt (W) ist nach James Watt benannt. Im technischen Alltag sind größere Einheiten gebräuchlich:

  • 1 kW = 1.000 W (z. B. Elektromotoren, Heizungen)
  • 1 MW = 1.000.000 W (z. B. Kraftwerke, große Industrieanlagen)
  • 1 mW = 0,001 W (z. B. Elektronikbauteile, Sensoren)
Leistungsdreieck – Umformungen auf einen Blick
P [W] U [V] I [A] P = U · I U = P / I I = P / U Gesuchte Größe abdecken → Rest ergibt die Formel
Leistungsrechner – Spannung & Strom
Spannung U 230 V
Strom I 10,0 A
Leistung P
2.300 W
= 2,30 kW
Widerstand R (bei diesen Werten)
23,0 Ω
R = U / I
Info
Leistung ≠ Verbrauch: Die Leistungsangabe (z. B. 2 kW) beschreibt nur die Rate der Energieumwandlung – nicht die Gesamtmenge. Wie viel Energie tatsächlich verbraucht wird, hängt zusätzlich von der Betriebsdauer ab. Dazu kommt im nächsten Kapitel mehr.
Verständnisfrage · Kapitel 1
Ein Elektrogerät wird mit 24 V betrieben und zieht einen Strom von 5 A. Wie groß ist seine elektrische Leistung?

Kapitel 02

Wie hängen Leistung, Widerstand und die Grundgrößen zusammen?

Die Formel P = U · I ist der Ausgangspunkt – aber manchmal kennt man nicht Spannung und Strom gleichzeitig, sondern nur den Widerstand und eine der anderen Größen. Mit dem Ohmschen Gesetz (U = R · I) lassen sich weitere Leistungsformeln ableiten, ohne jedes Mal beide Grundgrößen messen zu müssen.

Ableitung der Leistungsformel über den Widerstand:

Wenn man U = R · I in P = U · I einsetzt, erhält man:

Leistungsformeln – alle Varianten

P = U · I    (Grundformel)
P = I² · R    (wenn I und R bekannt)
P = U² / R    (wenn U und R bekannt)
P
Elektrische Leistung [W]
U
Spannung [V]
I
Strom [A]
R
Widerstand [Ω]

Ein wichtiger Praxisaspekt steckt in der Formel P = I² · R: Die Leistung, die an einem Widerstand in Wärme umgewandelt wird, steigt quadratisch mit dem Strom. Verdoppelt man den Strom, vervierfacht sich die Verlustleistung! Das ist der Grund, warum Leitungen und Bauteile Maximalstromangaben haben – zu hoher Strom führt zu gefährlicher Überhitzung.

Häufiger Denkfehler
„Wenn ich die Spannung verdopple, verdoppelt sich die Leistung.“ – Das stimmt nur, wenn der Strom konstant bleibt. Bei einem ohmschen Verbraucher steigt mit der Spannung auch der Strom (I = U/R), und damit wächst die Leistung mit dem Quadrat der Spannung: P = U²/R. Ein Heizstab, der bei 230 V 2 kW aufnimmt, würde bei 460 V nicht 4 kW, sondern 8 kW aufnehmen – und sofort durchbrennen.
Verlustleistung im Leitungswiderstand – Vergleich 230 V vs. 400 V Übertragung
FALL A: 230 V, 10 A → P_Verl = I²·R = 100 · 0,5 = 50 W Quelle R=0,5Ω 50 W ! Last ← viel Verlust FALL B: 400 V, 5,75 A (gleiche Leistung) → P_Verl = 5,75² · 0,5 ≈ 16,5 W Quelle R=0,5Ω ~17 W Last ← weniger Verlust Fazit: Höhere Spannung → geringerer Strom bei gleicher Leistung → deutlich weniger Leitungsverluste (I²·R).
Praxis
Genau aus diesem Grund überträgt das Stromnetz Energie mit Hochspannung (110 kV, 220 kV, 380 kV) und transformiert erst beim Verbraucher auf 230 V herunter. Weniger Strom bei gleicher Leistung bedeutet drastisch weniger Leitungsverluste (PVerl = I² · R).
Verständnisfrage · Kapitel 2
Ein Widerstand von 10 Ω wird von einem Strom von 4 A durchflossen. Welche Leistung wird dabei in Wärme umgewandelt?

Kapitel 03

Was ist elektrische Arbeit – und wie unterscheidet sie sich von Leistung?

Leistung sagt, wie schnell Energie umgewandelt wird – aber sie sagt nichts über die Dauer. Elektrische Arbeit (in der Physik identisch mit elektrischer Energie) beschreibt die Gesamtmenge an umgewandelter Energie über eine bestimmte Zeitspanne. Die Verknüpfung ist direkt: Arbeit = Leistung × Zeit.

Im Alltag sagt man oft „Stromverbrauch“ und meint damit elektrische Arbeit. Der Begriff „Verbrauch“ ist dabei physikalisch ungenau – Energie wird nicht vernichtet, sondern in eine andere Form umgewandelt (z. B. Wärme, Bewegung, Licht). Die Arbeit ist also die umgewandelte Energiemenge.

Elektrische Arbeit

W = P · t
W = U · I · t
W
Elektrische Arbeit (Energie) in Joule [J] oder Wattstunden [Wh]
P
Leistung [W]
t
Zeit [s] für Joule, oder [h] für Wattstunden
U
Spannung [V]
I
Strom [A]

Die SI-Einheit der Energie ist das Joule (J): 1 J = 1 W · 1 s. Im Alltag und in der Technik ist jedoch die Kilowattstunde (kWh) gebräuchlicher, weil Joule für praktische Größen sehr klein sind:

1 kWh = 1.000 W · 3.600 s = 3.600.000 J = 3,6 MJ

Ein Elektrogerät mit 2 kW, das 3 Stunden läuft, verbraucht: W = 2 kW · 3 h = 6 kWh. Das entspricht dem, was der Stromzähler anzeigt – und womit die Rechnung berechnet wird.

Energieverbrauch & Stromkosten-Rechner
Leistung P 2.000 W
Betriebszeit t 3,0 h
Strompreis 28,0 ct/kWh
Elektrische Arbeit W
6,00 kWh
= 21.600.000 J
Stromkosten
1,68
inkl. MwSt.-frei (Nettobetrag)
Info
Wozu Joule, wozu kWh? In der Physik und bei präzisen Berechnungen wird immer mit Joule gerechnet, weil alle SI-Formeln darauf aufgebaut sind. Im praktischen Energiemanagement und auf der Stromrechnung wird kWh verwendet, weil die Zahlen handlicher sind. In der Mechatronik braucht man beides – je nach Aufgabenstellung.
Verständnisfrage · Kapitel 3
Ein Motor mit einer Leistung von 5 kW läuft täglich 8 Stunden. Wie viel elektrische Arbeit wird pro Tag verbraucht?

Kapitel 04

Was bedeutet Wirkungsgrad – und wo verschwindet die restliche Energie?

Kein technisches Gerät wandelt zugeführte Energie zu 100 % in nutzbare Energie um. Ein Teil geht immer als Verlust verloren. Die häufigsten Verlustursachen bei elektrischen Maschinen sind:

  • Kupferverluste (I²·R): Wärme in den Wicklungen durch den Strom
  • Eisenverluste: Wirbelströme und Ummagnetisierungsverluste im Eisenkern
  • Reibungsverluste: Lager, Lüfter, Bürsten
  • Streuverluste: Magnetische Streufelder außerhalb des Nutzpfades

Der Wirkungsgrad (griech. η, „eta“) gibt an, welcher Anteil der zugeführten Energie tatsächlich als Nutzenergie zur Verfügung steht.

Wirkungsgrad η

η = Pab / Pzu
η = Wnutz / Wzu
η [%] = (Pab / Pzu) · 100
η
Wirkungsgrad (dimensionslos, 0 bis 1 bzw. 0 % bis 100 %)
Pab
Abgegebene (Nutz-)Leistung [W]
Pzu
Zugeführte Leistung [W]
PV
Verlustleistung: PV = Pzu − Pab [W]

Beispiel Elektromotor: Ein Motor nimmt 4.000 W aus dem Netz auf und gibt 3.400 W als mechanische Leistung ab. Der Wirkungsgrad beträgt:

η = 3.400 / 4.000 = 0,85 → 85 %

Die restlichen 600 W (15 %) werden als Wärme an die Umgebung abgegeben – sie heizen den Motor und die Umgebungsluft auf.

Energiefluss – Elektromotor mit η = 85 %
P_zu 4.000 W = 100 % Motor η = 85 % P_ab 3.400 W = 85 % P_V = 600 W Wärme (15 %) Energieerhaltung: P_zu = P_ab + P_V → 4.000 W = 3.400 W + 600 W ✓
Rechenbeispiel
Welche Leistung muss ein Motor aufnehmen?
Gefordert: mechanische Abgabeleistung Pab = 7,5 kW, Wirkungsgrad η = 0,92.
Gesucht: Aufnahmeleistung Pzu.

Umformen: Pzu = Pab / η = 7.500 W / 0,92 = 8.152 W ≈ 8,15 kW.
Verlust: PV = 8.152 − 7.500 = 652 W werden als Wärme abgegeben.

Zum Vergleich: typische Wirkungsgrade realer elektrischer Betriebsmittel –

Gerät / MaschineTypischer ηHauptverlust
Großer Drehstrommotor (> 100 kW, IE3)95 – 97 %Kupfer- und Eisenverluste
Kleiner Elektromotor (1 – 10 kW, IE3)85 – 92 %Kupferverluste überwiegen
Transformator (Leistungstransformator)97 – 99,5 %Eisenverluste, Kupferverluste
Frequenzumrichter95 – 98 %Schaltverluste in Leistungshalbleitern
LED-Lampe40 – 60 % (el. → Licht)Wärme im Halbleiter
Glühlampe (historisch)ca. 5 % (el. → Licht)95 % Wärmeabgabe
Hydraulikpumpe80 – 92 %Volumetrische und mechanische Verluste
Norm
Die Wirkungsgrad-Klassen für Elektromotoren sind in der ÖVE/ÖNORM EN 60034-30-1 (IEC 60034-30-1) geregelt. Die Klassen reichen von IE1 (Standard) über IE2, IE3 bis IE4 (Premium). In der EU sind seit 2021 für die meisten Motoren mindestens IE3 vorgeschrieben (EU-Verordnung 2019/1781).
Verständnisfrage · Kapitel 4
Eine Pumpe nimmt 3.000 W elektrisch auf und gibt 2.100 W als hydraulische Leistung ab. Wie groß ist ihr Wirkungsgrad, und wie hoch ist die Verlustleistung?

Kapitel 05

Wie berechnet man den Gesamtwirkungsgrad einer Kette von Maschinen?

In der Praxis sind selten einzelne Komponenten, sondern meistens mehrere Maschinen hintereinander im Einsatz: Der Elektromotor treibt ein Getriebe an, das Getriebe eine Pumpe, die Pumpe eine hydraulische Presse. Jede Stufe hat ihren eigenen Wirkungsgrad. Der Gesamtwirkungsgrad der Kette ergibt sich durch Multiplikation aller Einzelwirkungsgrade.

Gesamtwirkungsgrad (Wirkungsgradkette)

ηges = η1 · η2 · η3 · … · ηn
ηges
Gesamtwirkungsgrad der Kette
η1…n
Wirkungsgrade der einzelnen Stufen

Beispiel Antriebskette:

  • Elektromotor: η1 = 0,92 (92 %)
  • Kupplung: η2 = 0,99 (99 %)
  • Getriebe: η3 = 0,95 (95 %)

ηges = 0,92 · 0,99 · 0,95 = 0,865 → 86,5 %

Von 10 kW elektrisch kommen am Getriebeausgang nur 8,65 kW mechanisch an – obwohl jede einzelne Stufe gut ist, summieren sich die Verluste.

Wirkungsgradkette – Visualisierung der Verluste je Stufe
P_zu 10 kW Motor η=0,92 −0,8 kW Kupplung η=0,99 −0,09 kW Getriebe η=0,95 −0,44 kW P_ab 8,65 kW η_ges = 0,92 · 0,99 · 0,95 = 0,865 → 86,5 % | Gesamtverlust: 1,35 kW
Häufiger Denkfehler
„Die Wirkungsgrade addieren sich: 92 % + 99 % + 95 % = 286 %, also über 100 % – das kann nicht stimmen.“ Richtig! Wirkungsgrade werden multipliziert, nicht addiert. Da jeder Einzelwirkungsgrad kleiner als 1 ist, zieht jede Stufe das Ergebnis weiter nach unten. Das Produkt ist deshalb immer kleiner als jeder Einzelwirkungsgrad – auch kleiner als der kleinste. Es gibt keine Möglichkeit, durch viele Stufen einen Gesamtwirkungsgrad zu erreichen, der besser als die schlechteste Stufe ist.
Wirkungsgradkette – bis zu 4 Stufen
η₁ (Motor) 92 %
η₂ (Kupplung) 99 %
η₃ (Getriebe) 95 %
η₄ (optional) 100 % (keine Stufe)
Pzu (Eingang) 10.000 W
Gesamtwirkungsgrad η_ges
86,5 %
Nutzleistung P_ab
8.650 W
Gesamtverlust P_V
1.350 W
Verständnisfrage · Kapitel 5
Ein Antriebssystem besteht aus drei Stufen mit η₁ = 0,90, η₂ = 0,85 und η₃ = 0,95. Wie groß ist der Gesamtwirkungsgrad (gerundet auf eine Nachkommastelle in %)?

Kapitel 06

Was ist der Unterschied zwischen Wirk-, Blind- und Scheinleistung?

Die bisherigen Formeln (P = U · I) gelten exakt nur für Gleichstrom oder rein ohmsche Wechselstromverbraucher – also Geräte, die elektrische Energie direkt in Wärme umwandeln, wie Heizwiderstände. In der Praxis haben Motoren, Transformatoren und Leuchtstofflampen jedoch Spulen (induktive Anteile). Diese bauen ein Magnetfeld auf, das Energie zwischenspeichert und wieder zurückgibt.

Das hat eine wichtige Konsequenz: Spannung und Strom sind nicht mehr im Gleichschritt. Der Strom hinkt der Spannung nach – man sagt, es entsteht eine Phasenverschiebung φ (phi). Je größer φ, desto schlechter wird die zugeführte Energie genutzt.

Analogie
Stellen Sie sich vor, Sie schieben jemanden auf einer Schaukel. Wenn Sie genau im richtigen Moment drücken (Kraft und Bewegung gleichzeitig), übertragen Sie viel Energie. Wenn Sie zu früh oder zu spät drücken (Kraft und Bewegung außer Phase), ist die Übertragung ineffizient – manchmal arbeiten Sie sogar gegen die Bewegung. Genau das passiert bei induktiven Lasten: Strom und Spannung sind nicht mehr synchron.

Dadurch entstehen drei verschiedene Leistungsbegriffe, die im Leistungsdreieck dargestellt werden:

Leistungen bei Wechselstrom

S = U · I    [VA] – Scheinleistung
P = U · I · cos φ    [W] – Wirkleistung
Q = U · I · sin φ    [var] – Blindleistung
S² = P² + Q²    (Pythagoras im Leistungsdreieck)
cos φ = P / S    (Leistungsfaktor)
S
Scheinleistung [VA] – das Produkt aus Effektivwerten U und I
P
Wirkleistung [W] – wird wirklich in Arbeit/Wärme umgewandelt
Q
Blindleistung [var] – pendelt zwischen Generator und Verbraucher
cos φ
Leistungsfaktor (Phasenwinkel φ zwischen U und I)

Die Wirkleistung P ist die „echte“ Leistung, die Arbeit verrichtet – Wärme erzeugt, einen Motor antreibt, Licht abgibt. Die Blindleistung Q tut das nicht: Sie baut z. B. das Magnetfeld eines Motors auf und wieder ab, belastet dabei aber trotzdem die Leitungen und den Generator. Die Scheinleistung S ist das, was der Generator „sieht“ – die Kombination aus beidem.

Leistungsdreieck – geometrische Beziehung zwischen P, Q und S
P = Wirkleistung [W] Q Blind- leistung [var] S = Scheinleistung [VA] φ cos φ = P / S = Leistungsfaktor Ideal: cos φ = 1 (rein ohmsch, φ = 0°)
Praxis
Leistungsfaktor-Korrektur (PFC): In Industrieanlagen werden Kondensatoren parallel zu induktiven Lasten (Motoren) geschaltet, um den Leistungsfaktor zu verbessern. Ziel ist cos φ ≥ 0,9. Ein schlechter Leistungsfaktor (z. B. 0,6) bedeutet, dass die Leitungen und der Transformator mit viel Blindleistung belastet werden – Energieversorger können dafür Strafgebühren verrechnen.
Leistungsart Symbol Einheit Bedeutung Verrichtete Nutzarbeit?
Wirkleistung P W (Watt) In Wärme, Bewegung, Licht umgewandelt Ja ✓
Blindleistung Q var Magnetfeld auf-/abbauen, pendelt zurück zur Quelle Nein ✗
Scheinleistung S VA (Voltampere) Gesamtbelastung für Generator und Leitungen (S² = P² + Q²) Nein – enthält P und Q
Verständnisfrage · Kapitel 6
Ein Motor hat eine Scheinleistung von 10 kVA und einen Leistungsfaktor cos φ = 0,8. Wie groß ist seine Wirkleistung?

Rechenaufgaben

B
Beispielrechnungen 2 Beispiele
Beispiel 01
Ein Warmwasserspeicher mit 6 kW Heizleistung läuft täglich 2,5 Stunden. Wie viel elektrische Arbeit wird pro Tag verbraucht, und was kostet das bei einem Strompreis von 0,28 €/kWh?
Lösungsweg
Gegeben: P = 6 kW, t = 2,5 h, Preis = 0,28 €/kWh
Elektrische Arbeit: W = P · t = 6 kW · 2,5 h = 15 kWh
Umrechnung in Joule (optional): W = 15 · 3.600.000 J = 54.000.000 J = 54 MJ
Kosten: K = 15 kWh · 0,28 €/kWh = 4,20 € pro Tag
W = 15 kWh | Kosten = 4,20 €/Tag
Beispiel 02
Ein Förderband-Antrieb besteht aus Motor (η = 0,91), Kupplung (η = 0,98) und Getriebe (η = 0,94). Die geforderte mechanische Nutzleistung am Getriebeausgang beträgt 15 kW. Welche elektrische Leistung muss der Motor aufnehmen?
Lösungsweg
Gesamtwirkungsgrad: η_ges = 0,91 · 0,98 · 0,94
0,91 · 0,98 = 0,8918  |  0,8918 · 0,94 = 0,8383
Umformen nach P_zu: P_zu = P_ab / η_ges = 15.000 W / 0,8383
Ergebnis: P_zu = 17.893 W ≈ 17,9 kW
Verlustleistung: P_V = 17.893 − 15.000 = 2.893 W ≈ 2,9 kW (verteilt auf alle Stufen)
P_zu ≈ 17,9 kW | P_V ≈ 2,9 kW
Ü
Übungsaufgaben 5 Aufgaben
Aufgabe 01 – Leicht
Ein Elektrogerät arbeitet mit 230 V und nimmt einen Strom von 6,5 A auf. Wie groß ist die elektrische Leistung in Watt?
Formel: P = U · I
W
Lösungsweg
P = U · I = 230 V · 6,5 A = 1.495 W
P = 1.495 W ≈ 1,5 kW
Aufgabe 02 – Leicht
Ein Widerstand von 47 Ω wird von 3,2 A durchflossen. Welche Verlustleistung entsteht?
Formel: P = I² · R
W
Lösungsweg
P = I² · R = 3,2² · 47 = 10,24 · 47 = 481,28 W ≈ 481 W
P ≈ 481 W
Aufgabe 03 – Mittel
Eine Kompressoranlage nimmt täglich 8 Stunden 11 kW auf. Wie viel elektrische Arbeit wird pro Monat (22 Arbeitstage) verbraucht? Ergebnis in kWh.
Formel: W = P · t, dann auf Monat hochrechnen
kWh
Lösungsweg
Tagesverbrauch: W_Tag = 11 kW · 8 h = 88 kWh
Monatsverbrauch: W_Mon = 88 kWh · 22 Tage = 1.936 kWh
W_Monat = 1.936 kWh
Aufgabe 04 – Mittel
Ein Antrieb besteht aus Motor (η₁ = 0,93), Riemengetriebe (η₂ = 0,96) und einer Hydraulikpumpe (η₃ = 0,88). Die hydraulische Nutzleistung soll 8 kW betragen. Welche elektrische Aufnahmeleistung ist erforderlich? Ergebnis in W (auf ganze Zahlen gerundet).
η_ges = η₁ · η₂ · η₃, dann P_zu = P_ab / η_ges
W
Lösungsweg
Schritt 1 – Gesamtwirkungsgrad: η_ges = 0,93 · 0,96 · 0,88
0,93 · 0,96 = 0,8928  |  0,8928 · 0,88 = 0,7857
Schritt 2 – Aufnahmeleistung: P_zu = P_ab / η_ges = 8.000 W / 0,7857 = 10.182 W ≈ 10,2 kW
Verlustleistung: P_V = 10.182 − 8.000 = 2.182 W ≈ 2,2 kW (in Motor, Getriebe und Pumpe als Wärme)
P_zu ≈ 10.182 W | η_ges = 78,57 %
Aufgabe 05 – Anspruchsvoll
Ein Drehstrommotor hat eine Scheinleistung von S = 15 kVA und einen Leistungsfaktor cos φ = 0,82. Der Motorwirkungsgrad beträgt η = 0,91. Wie groß ist die mechanisch abgegebene Leistung an der Welle? Ergebnis in W (gerundet).
Erst Wirkleistung P = S · cos φ berechnen, dann P_mech = P · η
W
Lösungsweg
Elektrische Wirkleistung: P = S · cos φ = 15.000 VA · 0,82 = 12.300 W
Mechanische Abgabeleistung: P_mech = P · η = 12.300 W · 0,91 = 11.193 W ≈ 11,2 kW
Blindleistung (zur Info): Q = S · sin φ = 15.000 · sin(arccos 0,82) ≈ 15.000 · 0,572 ≈ 8.580 var
P_mech ≈ 11.193 W

Abschlusstest

Frage 01
Welche Formel beschreibt die elektrische Leistung korrekt?
Frage 02
Ein Widerstand von 20 Ω liegt an 100 V Spannung. Wie groß ist die Verlustleistung?
Frage 03
Was ist die Einheit der elektrischen Arbeit im SI-System?
Frage 04
Was versteht man unter dem Wirkungsgrad η eines elektrischen Geräts?
Frage 05
Wie berechnet man den Gesamtwirkungsgrad einer Maschine aus Motor (η₁=0,90), Getriebe (η₂=0,95) und Kupplung (η₃=0,99)?
Frage 06
Ein Gerät nimmt 500 W auf und gibt 400 W ab. Wie groß ist der Wirkungsgrad?
Frage 07
Was ist Blindleistung (Q) bei Wechselstrom?
Frage 08
Ein Motor verdoppelt seinen Strom von 5 A auf 10 A bei gleichem Widerstand. Um welchen Faktor steigt die Verlustleistung?
Frage 09
Welche Umrechnungsformel gilt zwischen kWh und Joule?
Frage 10
Warum wird elektrische Energie im Hochspannungsnetz übertragen (z. B. 380 kV)?

Typische Prüfungsfragen

Die folgenden Fragen entsprechen dem Niveau einer mündlichen Fachprüfung. Formulieren Sie eine vollständige Antwort, bevor Sie aufklappen.

01Erklären Sie den Begriff „elektrische Leistung“ und nennen Sie die Formel sowie die Einheit.
Elektrische Leistung beschreibt, wie schnell elektrische Energie in eine andere Energieform umgewandelt wird. Die Formel lautet P = U · I, wobei U die Spannung in Volt und I der Strom in Ampere ist. Das Ergebnis ist die Leistung in Watt (W). Eine höhere Leistung bedeutet, dass in der gleichen Zeit mehr Energie umgewandelt wird. Beispiel: Ein Heizlüfter mit 230 V und 8,7 A hat eine Leistung von 2 kW.
02Was ist der Unterschied zwischen elektrischer Leistung und elektrischer Arbeit?
Leistung (P, Einheit Watt) ist eine Momentangröße – sie beschreibt die Rate der Energieumwandlung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Elektrische Arbeit (W, Einheit Joule oder kWh) ist das Produkt aus Leistung und Zeit: W = P · t. Arbeit ist also die gesamte umgewandelte Energiemenge über einen Zeitraum. Beispiel: Ein 2-kW-Gerät, das 3 Stunden läuft, leistet 6 kWh Arbeit – das ist das, was der Stromzähler zählt.
03Warum steigen die Leitungsverluste beim Doppelten des Stroms auf das Vierfache?
Die Verlustleistung an einem Widerstand berechnet sich mit P = I² · R. Da der Strom quadratisch in die Formel eingeht, bewirkt eine Verdoppelung des Stroms eine Vervierfachung der Verlustleistung (2² = 4). Das ist der physikalische Grund, warum Leitungen und Maschinen Maximalstromangaben haben und warum im Hochspannungsnetz mit hoher Spannung (damit geringem Strom) übertragen wird.
04Definieren Sie den Wirkungsgrad und geben Sie an, welche Werte er annehmen kann.
Der Wirkungsgrad η (eta) ist das Verhältnis von abgegebener (Nutz-)Leistung zur zugeführten Leistung: η = P_ab / P_zu. Er ist dimensionslos und liegt immer zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % und 100 %). Ein Wirkungsgrad von 1 (100 %) ist physikalisch nicht erreichbar, da immer Verluste entstehen (Wärme, Reibung, Wirbelströme etc.). Ein Wirkungsgrad über 1 würde gegen den Energieerhaltungssatz verstoßen und ist damit unmöglich.
05Wie berechnet man den Gesamtwirkungsgrad einer Antriebskette und was bedeutet das in der Praxis?
Der Gesamtwirkungsgrad ergibt sich durch Multiplikation aller Einzelwirkungsgrade: η_ges = η₁ · η₂ · … · ηₙ. In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn jede einzelne Komponente einen hohen Wirkungsgrad hat, summieren sich die Verluste und der Gesamtwirkungsgrad ist immer kleiner als der schwächste Einzelwirkungsgrad. Beispiel: Motor (92 %), Kupplung (99 %), Getriebe (95 %) → η_ges = 86,5 %. Das bestimmt, wie viel Motorleistung man wählen muss, um die geforderte Nutzleistung zu erreichen.
06Was sind Wirk-, Blind- und Scheinleistung, und in welchem mathematischen Zusammenhang stehen sie?
Bei Wechselstrom mit induktiven oder kapazitiven Verbrauchern entsteht eine Phasenverschiebung φ zwischen Spannung und Strom. Daraus ergeben sich drei Leistungsbegriffe: Wirkleistung P [W] = U · I · cos φ – verrichtet tatsächlich Arbeit. Blindleistung Q [var] = U · I · sin φ – baut Magnetfelder auf/ab, belastet Leitungen, verrichtet keine Nutzarbeit. Scheinleistung S [VA] = U · I – das geometrische Produkt, „sieht“ der Generator. Sie hängen über den Pythagoras zusammen: S² = P² + Q². Der Leistungsfaktor cos φ = P/S gibt an, wie effizient die Anlage ist.
07Warum werden Elektromotoren in Wirkungsgradklassen (IE1–IE4) eingeteilt, und was regelt dazu die österreichische Norm?
Elektromotoren in der Industrie laufen oft tausende Stunden pro Jahr. Schon wenige Prozent besserer Wirkungsgrad bedeuten erhebliche Energieeinsparungen und geringere Betriebskosten. Die Wirkungsgradklassen IE1 (Standard) bis IE4 (Premium) sind in der ÖVE/ÖNORM EN 60034-30-1 (international: IEC 60034-30-1) definiert. Die EU-Verordnung 2019/1781 schreibt seit 2021 für die meisten Motoren mindestens IE3 vor. Höhere Klassen haben geringere Kupfer- und Eisenverluste durch bessere Materialien und Konstruktion.
08Ein Motor nimmt 11 kW auf und gibt 9,5 kW ab. Berechnen Sie Wirkungsgrad und Verlustleistung.
Wirkungsgrad: η = P_ab / P_zu = 9.500 W / 11.000 W = 0,864 → 86,4 %. Verlustleistung: P_V = P_zu − P_ab = 11.000 − 9.500 = 1.500 W = 1,5 kW. Diese 1,5 kW werden hauptsächlich als Wärme (Wicklungsverluste, Reibung, Wirbelströme) an die Umgebung abgegeben. Der Motor muss entsprechend gekühlt werden, damit die zulässige Wicklungstemperatur nicht überschritten wird.

Formelsammlung

Elektrische Leistung (Grundformel)

P = U · I
P
Leistung [W]
U
Spannung [V]
I
Strom [A]

Leistung über Widerstand

P = I² · R
P = U² / R
R
Widerstand [Ω]

Elektrische Arbeit

W = P · t
W = U · I · t
W
Arbeit [J] oder [Wh]
t
Zeit [s] für Joule, [h] für Wh

Einheitenumrechnung Energie

1 kWh = 3,6 MJ
1 kWh = 3.600.000 J
1 kW
= 1.000 W
1 MJ
= 1.000.000 J

Wirkungsgrad

η = P_ab / P_zu
P_V = P_zu − P_ab
η
Wirkungsgrad [–], 0 bis 1
P_V
Verlustleistung [W]

Wirkungsgradkette

η_ges = η₁ · η₂ · … · ηₙ
P_zu = P_ab / η_ges
η_ges
Gesamtwirkungsgrad

Scheinleistung (Wechselstrom)

S = U · I   [VA]
S² = P² + Q²
S
Scheinleistung [VA]

Wirk- & Blindleistung

P = S · cos φ   [W]
Q = S · sin φ   [var]
cos φ
Leistungsfaktor (0 bis 1)
φ
Phasenwinkel zwischen U und I

Glossar

  • Elektrische Leistung (P) – Die Menge an Energie, die pro Sekunde umgewandelt wird. Einheit: Watt (W). Berechnung: P = U · I.
  • Elektrische Arbeit / Energie (W) – Die gesamte umgewandelte Energiemenge über einen Zeitraum. Einheit: Joule (J) oder Kilowattstunde (kWh). Berechnung: W = P · t.
  • Wirkungsgrad (η, eta) – Das Verhältnis von abgegebener Nutzleistung zur zugeführten Leistung. Dimensionslos, Wert zwischen 0 und 1. Kein reales Gerät erreicht η = 1.
  • Verlustleistung (P_V) – Der Anteil der zugeführten Leistung, der nicht als Nutzleistung abgegeben wird, sondern als Wärme, Reibung oder Lärm verloren geht. P_V = P_zu − P_ab.
  • Wirkungsgradkette – Mehrere hintereinandergeschaltete Maschinen mit je eigenem Wirkungsgrad. Der Gesamtwirkungsgrad ist das Produkt aller Einzelwirkungsgrade.
  • Wirkleistung (P) – Bei Wechselstrom derjenige Leistungsanteil, der tatsächlich Arbeit verrichtet (Wärme, Bewegung, Licht). Einheit: Watt (W).
  • Blindleistung (Q) – Leistungsanteil bei Wechselstrom, der zwischen Energiequelle und induktivem/kapazitivem Verbraucher pendelt. Belastet Leitungen, verrichtet keine nutzbare Arbeit. Einheit: Voltampere reaktiv (var).
  • Scheinleistung (S) – Das Produkt aus Effektivwerten von Spannung und Strom bei Wechselstrom. Geometrische Summe von Wirk- und Blindleistung: S² = P² + Q². Einheit: Voltampere (VA).
  • Leistungsfaktor (cos φ) – Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung. Ein Wert nahe 1 bedeutet wenig Blindleistung und einen effizienten Betrieb. Typisch für Motoren: cos φ = 0,7 … 0,95.
  • Phasenverschiebung (φ) – Der Winkel zwischen dem Spannungs- und Stromsignal bei Wechselstrom. Entsteht durch induktive (Spulen, Motoren) oder kapazitive (Kondensatoren) Bauteile.
  • IE-Klassen (IE1–IE4) – Internationale Wirkungsgradklassen für Elektromotoren nach ÖVE/ÖNORM EN 60034-30-1. IE4 ist die beste Klasse. Seit 2021 ist in der EU für die meisten Motoren mindestens IE3 vorgeschrieben.
  • Joule (J) – SI-Einheit der Energie. 1 J = 1 W · 1 s. 1 kWh = 3.600.000 J = 3,6 MJ.
  • Kilowattstunde (kWh) – Praktische Einheit der elektrischen Energie. Entspricht der Arbeit eines 1-kW-Geräts in einer Stunde. Wird für Stromrechnungen verwendet.

Stand & Quellen

  • ÖVE/ÖNORM EN 60034-30-1: Drehende elektrische Maschinen – Wirkungsgradklassen (IE-Code)
  • EU-Verordnung 2019/1781 (Ökodesign-Anforderungen für Elektromotoren)
  • ÖVE/ÖNORM E 8001 (Errichtung elektrischer Anlagen in Niederspannungsnetzen)
  • Moeller Grundlagen der Elektrotechnik, 23. Auflage
  • Harriehausen / Schwarzenau: Moeller Grundlagen der Elektrotechnik
  • Austrian Standards Institute (ASI) – e-norm.at
  • Erstellt: April 2025 | Fachbereich: Elektrotechnik & Antriebstechnik

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