Die 6 Grundgrößen der Elektrotechnik

Die 6 Grundgrößen der Elektrotechnik

Bevor man Schaltungen berechnen, Kabel dimensionieren oder Motoren auslegen kann, braucht man ein sicheres Fundament: die sechs elektrischen Grundgrößen. Sie beschreiben alles, was in einem Stromkreis passiert – von der kleinsten Batterie bis zum Hochspannungsnetz. Wer diese Größen, ihre Einheiten und ihre Zusammenhänge versteht, hat das Rüstzeug für die gesamte Elektrotechnik.

Q
Elektrische Ladung
Coulomb [C]
Ursache aller elektrischen Phänomene. „Wie viel“ an Elektrizität.
U
Elektrische Spannung
Volt [V]
Treibende Kraft, die Ladungen in Bewegung versetzt.
I
Elektrischer Strom
Ampere [A]
Gerichtete Bewegung von Ladungsträgern. Ladung pro Zeit.
R
Elektrischer Widerstand
Ohm [Ω]
Hemmt den Stromfluss. Verhältnis von Spannung zu Strom.
P
Elektrische Leistung
Watt [W]
Energie, die pro Sekunde umgesetzt wird.
W
Elektrische Energie
Joule [J] / Wh
Gesamte umgesetzte Energie über eine Zeitspanne.

Kapitel 01

Was ist elektrische Ladung Q – das Fundament aller Elektrizität?

Die elektrische Ladung Q ist die grundlegendste aller elektrischen Größen. Sie ist der eigentliche Ursprung aller elektrischen und magnetischen Erscheinungen. Materie besteht aus Atomen, die wiederum aus positiv geladenen Protonen und negativ geladenen Elektronen aufgebaut sind. Diese Ladungen sind für alle elektrischen Phänomene verantwortlich.

In der Natur gibt es genau zwei Arten von Ladung: positive Ladung (Protonen) und negative Ladung (Elektronen). Gleichartige Ladungen stoßen sich ab, ungleichartige ziehen sich an – das ist das elektrische Grundprinzip. Alle Geräte, Schaltungen und Anlagen der Elektrotechnik basieren letztlich auf der kontrollierten Bewegung und Trennung elektrischer Ladungen.

Elektrische Ladung Q

Q = I · t → Ladung = Strom · Zeit
I = Q / t → Strom = Ladung pro Zeit
Q
Elektrische Ladung in Coulomb [C]
I
Elektrischer Strom in Ampere [A]
t
Zeit in Sekunden [s]
1 C
= Ladung von ca. 6,24 · 10¹⁸ Elektronen
e
Elementarladung = 1,602 · 10⁻¹⁹ C (Ladung eines Elektrons)
Elektrische Ladung – Ursprung in der Atomstruktur Kern p⁺ n⁰ e⁻ e⁻ Proton: +e = +1,602·10⁻¹⁹ C Elektron: −e = −1,602·10⁻¹⁹ C GRUNDREGEL DER LADUNG + + stoßen sich ab + ziehen sich an Diese Anziehungskraft treibt den Stromfluss im Leiter an.
Einheit: Coulomb [C] 1 C = 1 A · 1 s e = 1,602 · 10⁻¹⁹ C Q = I · t
Praxis – Ladung in der Akkutechnik

In der Praxis begegnet uns die Ladung täglich beim Aufladen von Akkumulatoren. Die Kapazität eines Akkus wird in Amperestunden [Ah] oder Milliamperestunden [mAh] angegeben – das sind Einheiten der elektrischen Ladung (1 Ah = 3600 C). Ein Smartphone-Akku mit 4000 mAh enthält eine Ladungsmenge von Q = 4 Ah = 4 · 3600 C = 14 400 C. Bei einem Entladestrom von 500 mA hält er theoretisch 4000 mAh / 500 mA = 8 Stunden.

Rechner – Elektrische Ladung (Akku / Strom / Zeit)
500 mA
8.0 h
Ladung Q [Ah] 4.0Ah
= I · t
Ladung Q [mAh] 4000mAh
Akku-Kapazitätseinheit
Ladung Q [Coulomb] 14400C
= Ah · 3600
Verständnisfrage · Kapitel 01

Ein Ladegerät lädt einen Akku mit 2 A für 3 Stunden. Welche Ladungsmenge Q wurde übertragen?


Kapitel 02

Was ist elektrische Spannung U – die treibende Kraft?

Die elektrische Spannung U ist der Antrieb, der Ladungen in Bewegung versetzt. Sie ist kein Stoff und kein Fluss, sondern eine Potenzialdifferenz – ein Unterschied im elektrischen Potenzial zwischen zwei Punkten. Nur wo eine Spannung anliegt, kann ein Strom fließen. Ohne Spannung kein Strom – so einfach ist der Zusammenhang.

Die Analogie zur Mechanik: Spannung entspricht der Höhendifferenz im Wassersystem. Wasser fließt nur dann, wenn es einen Höhenunterschied gibt. Ebenso fließen Elektronen nur, wenn zwischen zwei Punkten eine Potenzialdifferenz besteht. Je größer die Spannung, desto stärker der Antrieb – und bei gleichem Widerstand desto mehr Strom.

Elektrische Spannung U

U = W / Q → Spannung = Energie pro Ladung
U = R · I → Ohmsches Gesetz (bei ohmscher Last)
U = P / I → Spannung aus Leistung und Strom
U
Elektrische Spannung in Volt [V]
1 V
= 1 J / 1 C = 1 W / 1 A – Energie pro Ladungseinheit
Benannt
nach Alessandro Volta (1745–1827), Erfinder der Voltaschen Säule
SpannungsquelleTypische SpannungAnmerkung
Knopfzelle (Uhr, CR2032)3 VLithium-Batterie
AA-Batterie (Mignon)1,5 VAlkalisch, bei Entladung sinkend
Autobatterie (Bleiakku)12 V (Nennwert)Vollgeladen ca. 12,6–13,2 V
Haushaltssteckdose (AT)230 V (Effektivwert)Wechselspannung, 50 Hz
Drehstromnetz (AT)400 V (Leiterspannung)Dreiphasig, zwischen zwei Außenleitern
Mittelspannungsnetz10–30 kVIndustrieanschlüsse, Umspannwerke
Hochspannungsnetz110–380 kVFernübertragung, Übertragungsnetz
Blitz (Gewitter)bis 300 MVKurzzeitig, extrem hohe Energie
Häufiger Denkfehler – Spannung ist keine Eigenschaft eines Punktes

Spannung existiert immer zwischen zwei Punkten, niemals an einem einzelnen Punkt allein. Die Aussage „dieser Leiter hat 230 V“ ist unvollständig – korrekt ist: „dieser Leiter hat 230 V gegenüber dem Neutralleiter„. Dieser Unterschied ist nicht nur akademisch: In der Praxis bei Messungen mit dem Voltmeter werden immer zwei Messpunkte kontaktiert. Das Gerät misst die Potenzialdifferenz dazwischen.

Verständnisfrage · Kapitel 02

Was passiert, wenn an einem ohmschen Widerstand die Spannung verdoppelt wird?


Kapitel 03

Was ist elektrischer Strom I – die gerichtete Ladungsbewegung?

Elektrischer Strom I ist die gerichtete Bewegung elektrischer Ladungsträger. In metallischen Leitern sind das freie Elektronen, die sich unter dem Einfluss einer angelegten Spannung in eine bevorzugte Richtung bewegen. Die Stärke des Stroms gibt an, wie viel Ladung pro Sekunde durch den Leiterquerschnitt fließt.

Achtung bei der Richtungskonvention: Die technische Stromrichtung (von Plus nach Minus, außerhalb der Quelle) wurde festgelegt, bevor man wusste, dass tatsächlich Elektronen fließen – und die fließen von Minus nach Plus. Das ist eine historisch bedingte Vereinbarung, die heute noch gilt. In der Praxis rechnet man immer mit der technischen Stromrichtung.

Elektrischer Strom I

I = Q / t → Strom = Ladung pro Zeit
I = U / R → Ohmsches Gesetz
I = P / U → Strom aus Leistung und Spannung
I
Elektrischer Strom in Ampere [A]
1 A
= 1 C / 1 s = Ladungsfluss von 1 Coulomb pro Sekunde
Benannt
nach André-Marie Ampère (1775–1836), Begründer der Elektrodynamik
Stromfluss im Leiter – technische Richtung vs. Elektronenbewegung + e⁻ e⁻ e⁻ e⁻ e⁻ e⁻ Elektronen fließen von − nach + (physikalisch) Technische Stromrichtung: von + nach − (Konvention!)
StromgrößeTypischer BereichBeispiel
Mikroampere [µA]0,000001 ARuhestrom eines Sensors, Quarzoszillator
Milliampere [mA]0,001 ALED (20 mA), Logikschaltungen
Ampere [A]1–16 AHaushaltssteckdose (max. 16 A), Laptop-Netzteil
Kiloampere [kA]1000 ASchweißanlage, Kurzschlussstrom im Netz
Tödliche Grenzeab ca. 50 mAHerzflimmern möglich – schon 10 mA sind schmerzhaft!
Sicherheit – Gefährlich ist der Strom, nicht die Spannung!

In der Elektrosicherheit gilt: Nicht die Spannung tötet, sondern der Strom durch den Körper. Bereits ab ca. 10 mA treten Muskelkrämpfe auf (Loslassen unmöglich), ab 50 mA droht Herzflimmern, ab 100 mA ist Herzstillstand möglich. Der Körperwiderstand liegt – je nach Hautzustand – zwischen 1 kΩ (nasse Haut) und 100 kΩ (trockene Haut). An 230 V könnte der Körper im schlechtesten Fall 230 mA ausgesetzt sein – lebensgefährlich. Die ÖVE/ÖNORM EN 50191 und die ESV 2012 (Elektroschutzverordnung) regeln den Schutz vor gefährlichen Körperströmen.

Verständnisfrage · Kapitel 03

In welche Richtung fließen Elektronen in einem metallischen Leiter – und was ist die technische Stromrichtung?


Kapitel 04

Was ist elektrischer Widerstand R – der Bremser im Stromkreis?

Der elektrische Widerstand R beschreibt, wie stark ein Bauelement oder ein Leiter den Stromfluss hemmt. Er ist das Verhältnis von Spannung zu Strom an einem Bauteil: Je mehr Spannung nötig ist, um einen bestimmten Strom zu treiben, desto größer der Widerstand. Diese Beziehung ist das Ohmsche Gesetz.

Auf atomarer Ebene entsteht Widerstand durch Kollisionen der Leitungselektronen mit den Gitteratomen des Materials. Die Energie, die bei diesen Stößen übertragen wird, äußert sich als Wärme – das ist der Joule’sche Wärmeeffekt, genutzt in Heizgeräten, Sicherungen und Heizkörpern.

Elektrischer Widerstand R

R = U / I → Definition: Spannung geteilt durch Strom
R = ρ · l / A → Leiterwiderstand (Material, Länge, Querschnitt)
G = 1 / R → Leitwert G in Siemens [S] (Kehrwert des Widerstands)
R
Elektrischer Widerstand in Ohm [Ω]. 1 Ω = 1 V / 1 A
G
Elektrischer Leitwert in Siemens [S]. Je größer G, desto besser leitet das Bauteil.
ρ (Rho)
Spezifischer Widerstand [Ω·mm²/m] – materialabhängig
Merkregel – Widerstand und Leitwert

Widerstand R und Leitwert G sind Kehrwerte: G = 1/R. Ein Widerstand von 1 Ω hat einen Leitwert von 1 S. Ein Widerstand von 1 kΩ hat einen Leitwert von 1 mS. In der Netzwerktechnik und bei Parallelschaltungen ist es oft einfacher, mit Leitwerten zu rechnen, weil sich Leitwerte bei Parallelschaltung addieren (wie Widerstände bei Reihenschaltung).

Verständnisfrage · Kapitel 04

An einem Bauteil liegen 12 V an, und es fließen 4 mA. Wie groß ist der Widerstand?


Kapitel 05

Was ist elektrische Leistung P – die Energie pro Sekunde?

Die elektrische Leistung P beschreibt, wie schnell elektrische Energie umgesetzt wird. Eine Leistung von 1 Watt bedeutet: pro Sekunde wird 1 Joule an Energie umgewandelt (in Wärme, Licht, mechanische Arbeit usw.). Leistung ist damit eine Rate – Energie pro Zeit.

Die Grundformel P = U · I verknüpft Leistung direkt mit Spannung und Strom. Durch Einsetzen des Ohmschen Gesetzes entstehen zwei weitere gleichwertige Ausdrücke. Diese drei Formen erlauben es, die Leistung zu berechnen, wenn jeweils zwei der drei Grundgrößen U, I, R bekannt sind.

Elektrische Leistung P – alle Formen

P = U · I → Grundformel
P = I² · R → aus Strom und Widerstand
P = U² / R → aus Spannung und Widerstand
P
Elektrische Leistung in Watt [W]. 1 W = 1 V · 1 A = 1 J/s
Benannt
nach James Watt (1736–1819), Pionier der Dampfmaschine
kW, MW
Kilow att = 1000 W; Megawatt = 1 000 000 W
Rechner – Elektrische Leistung
230 V
10 A
Leistung P 2300W
= U · I
in Kilowatt 2.300kW
Widerstand R 23.0Ω
= U / I
Gerät / AnlageTypische LeistungStrom bei 230 V
LED-Lampe8–15 W35–65 mA
Smartphone laden10–30 W43–130 mA
Laptop45–100 W0,2–0,43 A
Herdplatte (eine)1000–2000 W4,3–8,7 A
Elektroherd (alle Platten + Backofen)7000–11 000 W3-phasig, ca. 10–16 A/Phase
Durchlauferhitzer18 000–27 000 W3-phasig, 26–39 A/Phase
Großkraftwerk500–1600 MWHochspannung, Millionen Ampere
Verständnisfrage · Kapitel 05

Ein Elektrogerät nimmt an 230 V einen Strom von 4,35 A auf. Welche Leistung hat es?


Kapitel 06

Was ist elektrische Energie W – und was kostet sie?

Elektrische Energie W ist das Produkt aus Leistung P und Zeit t. Während Leistung eine momentane Rate beschreibt, ist Energie die über eine Zeitspanne insgesamt umgesetzte Menge. Energie lässt sich speichern (Akku, Kondensator), transportieren (Netz) und in andere Energieformen umwandeln (Wärme, Licht, Bewegung).

Die SI-Einheit der Energie ist das Joule [J]. In der Elektrotechnik und auf der Stromrechnung ist jedoch die Kilowattstunde [kWh] gebräuchlicher, weil Joule für die üblichen Energiemengen im Haushalt eine sehr kleine Einheit wäre: 1 kWh = 3 600 000 J = 3,6 MJ.

Elektrische Energie W

W = P · t → Energie = Leistung · Zeit
W = U · I · t → über Spannung, Strom, Zeit
W = Q · U → über Ladung und Spannung
W
Elektrische Energie in Joule [J] oder Wattstunden [Wh]
1 kWh
= 1000 W · 3600 s = 3 600 000 J = 3,6 MJ
1 Wh
= 3600 J (Energie einer 1-W-Last in einer Stunde)
Kosten
Strompreis in Österreich ca. 25–35 Cent/kWh (2025)
Rechner – Energieverbrauch und Stromkosten
1000 W
2000 h
30 ct/kWh
Energie pro Jahr 2000kWh
= P · t / 1000
Energie in Joule 7.20GJ
= kWh · 3,6 MJ
Kosten pro Jahr 600
bei 30 ct/kWh
Österreich – Stromverbrauch und Zähler

Der durchschnittliche österreichische Haushalt verbraucht ca. 3 500–4 500 kWh elektrische Energie pro Jahr. Gemessen wird der Verbrauch mit dem Ferraris-Zähler (mechanisch, drehende Scheibe) oder dem modernen Smart Meter, der in Österreich gemäß dem ElWOG 2010 und den Vorgaben der E-Control bis 2025 flächendeckend eingeführt wird. Smart Meter erfassen den Verbrauch in Viertelstunden-Intervallen und übertragen ihn automatisch an den Netzbetreiber. Die Abrechnungseinheit auf der Stromrechnung ist stets die Kilowattstunde [kWh].

Verständnisfrage · Kapitel 06

Ein 2000-W-Heizstrahler läuft täglich 3 Stunden, 30 Tage lang. Wie viel kWh werden verbraucht?


Kapitel 07

Wie hängen alle sechs Grundgrößen zusammen?

Die sechs Grundgrößen sind keine isolierten Konzepte – sie bilden ein engmaschiges Netz von Beziehungen. Kennt man zwei Größen, kann man alle anderen berechnen. Das folgende Diagramm und die Tabelle zeigen die wichtigsten Verknüpfungen auf einen Blick.

Zusammenhang aller sechs Grundgrößen – Übersichtsdiagramm Q [C] U [V] I [A] R [Ω] P [W] W [J/Wh] t [s] Q=I·t U=W/Q U=R·I R=U/I P=U·I I=U/R W=P·t P=I²R
GrößeSymbolEinheitGrundformelAlltagsbeispiel
LadungQCoulomb [C]Q = I · tAkkukapazität (mAh = mC·s)
SpannungUVolt [V]U = R · I230 V Steckdose, 12 V Autobatterie
StromIAmpere [A]I = U / R16 A Sicherungsautomat, 20 mA LED
WiderstandROhm [Ω]R = U / IHeizstrahler, Leitungswiderstand
LeistungPWatt [W]P = U · I100 W Glühbirne, 2000 W Herd
EnergieWJoule [J] / kWhW = P · tStromrechnung in kWh
Schlüsselerkenntnis – Die Grundgrößen bauen aufeinander auf

Die Grundgrößen haben eine innere Logik: Ladung Q ist das physikalische Fundament. Spannung U entsteht durch Ladungstrennung und treibt Ladungen an. Strom I ist die zeitliche Rate des Ladungsflusses (I = Q/t). Widerstand R beschreibt, wie viel Spannung pro Stromeinheit nötig ist. Leistung P ist das Produkt aus Spannung und Strom – also Energie pro Zeit. Energie W schließlich ist die über eine Zeit akkumulierte Leistung. Jede Größe ist direkt aus den anderen ableitbar.


Abschlusstest

10 Fragen zu den sechs Grundgrößen. Beantworten Sie alle und werten Sie dann aus.

Frage 01In welcher Einheit wird elektrische Ladung Q gemessen?
Frage 02Was ist die korrekte Definition des elektrischen Stroms I?
Frage 03Welche Aussage zur elektrischen Spannung ist richtig?
Frage 04Was gibt der elektrische Widerstand R physikalisch an?
Frage 05Ein Gerät hat eine Leistung von 500 W und wird mit 230 V betrieben. Welchen Strom nimmt es auf?
Frage 06Wie viel Joule entspricht 1 kWh?
Frage 07Wie ist der Leitwert G definiert, und in welcher Einheit wird er gemessen?
Frage 08Ein Akku hat eine Kapazität von 3000 mAh. Wie lange liefert er 150 mA?
Frage 09Warum ist nicht die Spannung, sondern der Strom für die Gefährlichkeit eines Elektrounfalls entscheidend?
Frage 10Welche Formel verknüpft elektrische Energie W mit Ladung Q und Spannung U?
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Fragen bei mündlicher Prüfung

Typische Prüfungsfragen mit vollständigen Musterantworten – aufklappen zum Lesen.

01Nennen Sie die sechs elektrischen Grundgrößen mit Symbol, Einheit und Kurzzeichen.

  • Elektrische Ladung Q – Coulomb [C]. 1 C = 1 A·s
  • Elektrische Spannung U – Volt [V]. 1 V = 1 W/A = 1 J/C
  • Elektrischer Strom I – Ampere [A]. 1 A = 1 C/s
  • Elektrischer Widerstand R – Ohm [Ω]. 1 Ω = 1 V/A
  • Elektrische Leistung P – Watt [W]. 1 W = 1 V·A = 1 J/s
  • Elektrische Energie W – Joule [J] oder Wattstunde [Wh]. 1 Wh = 3600 J
Zusatz: Der Leitwert G (Siemens [S]) ist der Kehrwert des Widerstands: G = 1/R.

02Was ist elektrische Ladung, und wie hängt sie mit dem Strom zusammen?

Elektrische Ladung Q ist eine fundamentale Eigenschaft von Materie. Es gibt positive Ladung (Protonen) und negative Ladung (Elektronen). Die Elementarladung e = 1,602·10⁻¹⁹ C ist die kleinste frei vorkommende Ladungseinheit. Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen sich an. Der elektrische Strom I ist die zeitliche Rate des Ladungsflusses: I = Q/t (Strom = Ladung pro Zeit). Umgekehrt: Q = I · t. Fließen 2 A für 5 Sekunden, wurden 10 C transportiert. Die Akkukapazität in Amperestunden (Ah) ist ebenfalls eine Ladungsangabe: 1 Ah = 3600 C.

03Erklären Sie den Unterschied zwischen elektrischer Leistung P und elektrischer Energie W.

Leistung P ist eine momentane Rate: sie gibt an, wie viel Energie pro Sekunde umgesetzt wird. P = U · I. Einheit: Watt [W] = J/s. Leistung ist wie die Geschwindigkeit – sie beschreibt, wie schnell etwas passiert.

Energie W ist die über eine Zeit akkumulierte Leistung: W = P · t. Einheit: Joule [J] oder Kilowattstunde [kWh]. Energie ist wie die zurückgelegte Strecke – sie summiert auf, was geleistet wurde. Beispiel: Ein 1000-W-Heizgerät hat stets 1000 W Leistung. Läuft es 3 Stunden, hat es W = 1 kW · 3 h = 3 kWh Energie umgesetzt. Auf der Stromrechnung zahlt man für die Energie (kWh), nicht für die Leistung.

04Warum gilt in der Elektrosicherheit der Grundsatz „nicht die Spannung, sondern der Strom tötet“?

Die physiologische Wirkung auf den menschlichen Körper wird durch den Strom bestimmt, der durch ihn fließt. Ab ca. 10 mA treten schmerzhafte Muskelkrämpfe auf, ab 50 mA droht Herzflimmern, ab 80–100 mA Herzstillstand. Der Körperstrom I_Körper = U / R_Körper hängt also von der Spannung UND dem Körperwiderstand ab. Dieser variiert stark: trockene Haut 10–100 kΩ, nasse Haut 1–5 kΩ, Wunden oder innerer Widerstand 500–1000 Ω. Hochspannung (z.B. 10 kV) ist bei jedem Körperwiderstand lebensgefährlich. 230 V kann bei trockener Haut relativ harmlos sein (23 mA bei 10 kΩ), bei nasser Haut aber tödlich (230 mA bei 1 kΩ). Geregelt durch: ESV 2012, ÖVE/ÖNORM EN 50191.

05Wie ist die Einheit Volt definiert, und welche physikalische Bedeutung hat sie?

Die Einheit Volt ist definiert als: 1 V = 1 J/C = 1 W/A. Physikalisch: 1 Volt ist die Spannung, bei der eine Ladung von 1 Coulomb eine Energie von 1 Joule aufnimmt (oder abgibt). Mit anderen Worten: Die Spannung gibt an, wie viel Energie pro Ladungseinheit verfügbar ist. Eine 12-V-Batterie gibt jedem Coulomb Ladung 12 Joule Energie mit auf den Weg durch den Stromkreis. Benannt nach Alessandro Volta (1745–1827), der 1800 die erste elektrochemische Spannungsquelle (Voltasche Säule) baute.

06Erklären Sie, wie Ladung, Strom, Spannung, Energie und Leistung miteinander verknüpft sind.

Alle Grundgrößen hängen über wenige Kernformeln zusammen:

  • I = Q/t (Strom ist Ladungsfluss pro Zeit)
  • U = W/Q (Spannung ist Energie pro Ladungseinheit)
  • P = U · I (Leistung ist Spannung mal Strom)
  • W = P · t (Energie ist Leistung mal Zeit)
  • R = U/I (Ohmsches Gesetz: Widerstand)
Daraus folgen alle weiteren Beziehungen durch Einsetzen: W = Q·U, P = I²·R, P = U²/R, W = U·I·t usw. Die sechs Grundgrößen bilden ein vollständiges, in sich geschlossenes System zur Beschreibung aller elektrischen Vorgänge.


Formelsammlung

Elektrische Ladung Q

Q = I · t
Q = W / U
Einheit
Coulomb [C] = A·s
Praxis
Ah: 1 Ah = 3600 C

Elektrische Spannung U

U = R · I
U = P / I
U = W / Q
Einheit
Volt [V] = J/C = W/A

Elektrischer Strom I

I = U / R
I = P / U
I = Q / t
Einheit
Ampere [A] = C/s

Elektrischer Widerstand R

R = U / I
R = U² / P
G = 1 / R [S]
Einheit
Ohm [Ω] = V/A

Elektrische Leistung P

P = U · I
P = I² · R
P = U² / R
Einheit
Watt [W] = V·A = J/s

Elektrische Energie W

W = P · t
W = U · I · t
W = Q · U
Einheit
Joule [J] oder Wh/kWh
Umrechnung
1 kWh = 3,6 MJ

Glossar

  • Ampere [A] – SI-Einheit des elektrischen Stroms. 1 A = 1 C/s. Benannt nach André-Marie Ampère (1775–1836). Eine der sieben SI-Basiseinheiten.
  • Coulomb [C] – SI-Einheit der elektrischen Ladung. 1 C = Ladung von ca. 6,24·10¹⁸ Elektronen = 1 A·s. Benannt nach Charles-Augustin de Coulomb (1736–1806).
  • Elektrische Energie W – Über eine Zeitspanne umgesetzte elektrische Arbeit. W = P·t. Einheiten: Joule [J], Wattstunde [Wh], Kilowattstunde [kWh]. Abrechnungseinheit auf der Stromrechnung.
  • Elektrische Ladung Q – Fundamentale Eigenschaft von Materie. Positiv (Protonen) oder negativ (Elektronen). Elementarladung: e = 1,602·10⁻¹⁹ C. Ursache aller elektrischen Kräfte und Felder.
  • Elektrische Leistung P – Energie pro Zeiteinheit. P = U·I = I²·R = U²/R. Einheit: Watt [W] = J/s = V·A. Beschreibt, wie schnell ein Gerät Energie umsetzt.
  • Elektrische Spannung U – Potenzialunterschied (Potenzialdifferenz) zwischen zwei Punkten. Treibt den Stromfluss an. U = W/Q = R·I. Einheit: Volt [V] = J/C.
  • Elektrischer Strom I – Gerichtete Bewegung elektrischer Ladungsträger. I = Q/t. Einheit: Ampere [A]. Technische Stromrichtung: von + nach − (entgegen der Elektronenbewegung).
  • Elektrischer Widerstand R – Verhältnis von Spannung zu Strom. R = U/I. Einheit: Ohm [Ω] = V/A. Entsteht durch Stoßprozesse der Elektronen mit Gitteratomen im Leiter.
  • Elementarladung e – Kleinste frei vorkommende Ladungseinheit: e = 1,602·10⁻¹⁹ C. Ladung eines Elektrons (negativ) bzw. Protons (positiv).
  • Joule [J] – SI-Einheit der Energie und Arbeit. 1 J = 1 W·s = 1 N·m = 1 V·A·s. Benannt nach James Prescott Joule (1818–1889).
  • Kilowattstunde [kWh] – Praxisübliche Einheit der elektrischen Energie. 1 kWh = 1000 W · 3600 s = 3 600 000 J = 3,6 MJ. Einheit auf der Stromrechnung in Österreich.
  • Leitwert G – Kehrwert des Widerstands: G = 1/R. Einheit: Siemens [S] = 1/Ω. Nützlich bei Parallelschaltungen, da sich Leitwerte addieren.
  • Siemens [S] – SI-Einheit des elektrischen Leitwerts. 1 S = 1/Ω = 1 A/V. Benannt nach Werner von Siemens (1816–1892).
  • Volt [V] – SI-Einheit der elektrischen Spannung. 1 V = 1 J/C = 1 W/A. Benannt nach Alessandro Volta (1745–1827), Erfinder der Voltaschen Säule (1800).
  • Watt [W] – SI-Einheit der elektrischen Leistung. 1 W = 1 V·A = 1 J/s. Benannt nach James Watt (1736–1819).

Stand & Quellen

  • Austrian Standards Institute (ASI), Wien: ÖVE/ÖNORM-Normen (e-norm.at)
  • ESV 2012: Elektroschutzverordnung, BGBl. II Nr. 33/2012
  • ElWOG 2010: Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz (Smart Meter-Vorgaben)
  • ÖVE/ÖNORM EN 50191: Errichtung und Betrieb elektrischer Prüfanlagen
  • BIPM: Bureau International des Poids et Mesures – SI-Einheitensystem (si-units.info)
  • Harriehausen / Schwarzenau: Moeller Grundlagen der Elektrotechnik. Springer Vieweg.
  • Wikipedia DE: Elektrische Ladung, Elektrische Spannung, Elektrischer Strom, Elektrischer Widerstand, Elektrische Leistung, Elektrische Energie
  • E-Control Austria: Strompreisstatistik Österreich 2024/2025 (e-control.at)
  • Kurs erstellt: 2025 | Fachliche Prüfung durch Betreiber empfohlen
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