Schleifenwiderstandsmessung
Der Schleifenwiderstand ist eine der wichtigsten Messgrößen bei der Überprüfung elektrischer Anlagen. Er entscheidet darüber, ob im Fehlerfall genügend Strom fließt, um Schutzeinrichtungen wie LS-Schalter oder FI-Schutzschalter sicher auszulösen – und damit Menschenleben zu schützen. Dieser Kurs erklärt das Messverfahren, die Auswertung und die korrekte Durchführung nach österreichischen Normen.
Was ist der Schleifenwiderstand und warum wird er gemessen?
Stell dir vor, ein Nagel durchbohrt ein Kabel und berührt das Metallgehäuse eines Geräts. In diesem Moment liegt gefährliche Spannung am Gehäuse an. Damit niemand einen Stromschlag bekommt, muss eine Schutzeinrichtung – zum Beispiel ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) – so schnell auslösen, dass die Berührungsspannung noch keine Gefahr darstellt.
Damit die Schutzeinrichtung überhaupt auslösen kann, muss im Fehlerfall ein ausreichend hoher Fehlerstrom fließen. Dieser Fehlerstrom hängt direkt vom Schleifenwiderstand ab: Je kleiner der Schleifenwiderstand, desto größer der Fehlerstrom, desto sicherer die Auslösung.
Die Schleifenwiderstandsmessung ist deshalb ein zentrales Prüfverfahren bei der Erstprüfung (Abnahmeprüfung) neuer Anlagen und bei der Wiederholungsprüfung bestehender Anlagen. Sie ist in der ÖVE/ÖNORM EN 60364-6 vorgeschrieben und dient dem Nachweis, dass die Schutzmaßnahme „Automatische Abschaltung der Stromversorgung“ wirksam ist.
? Verständnisfrage: Warum muss der Schleifenwiderstand klein sein? ›
Wie ist der Schutzleiterkreis aufgebaut?
Um zu verstehen, was gemessen wird, muss man den Weg des Fehlerstroms kennen. Im Fehlerfall (Körperschluss: Phasenleiter berührt leitfähiges Gehäuse) fließt der Strom durch mehrere Komponenten – diese bilden zusammen die Fehlerschleife.
- Innenwiderstand Zi des Transformators oder Netzabschnitts (meist sehr klein, im Niederspannungsnetz ca. 0,05–0,3 Ω, abhängig von Trafogröße und Netzentfernung)
- Widerstand RL des Außenleiters (L-Leiter, Phase) von der Einspeisestelle bis zum Fehlerort
- Widerstand RPE des Schutzleiters (PE-Leiter) vom Fehlerort zurück zur Einspeisestelle
- Übergangswiderstände an Klemmen, Verbindern, Steckverbindungen (im Idealfall vernachlässigbar, in der Praxis aber oft problematisch)
TN-, TT- und IT-System – welche Unterschiede gibt es?
Das Netzsystem beeinflusst maßgeblich, wie der Schutzleiterkreis aussieht und welche Messwerte zu erwarten sind:
| Netzsystem | Erdung Neutralleiter | Schutzleiter | Typischer ZS | Häufigkeit in AT |
|---|---|---|---|---|
| TN-S | Direkt geerdet (Netzstern) | Getrennter PE-Leiter | 0,2 – 1,5 Ω | Neuanlagen, Standard |
| TN-C-S | Direkt geerdet | PEN bis Verteiler, ab UV: PE+N getrennt | 0,2 – 1,5 Ω | Ältere Anlagen |
| TT | Direkt geerdet | Eigene Schutzerdung (Erder) | bis 200 Ω möglich | Freistehende Objekte |
| IT | Nicht geerdet / hochohmig | Eigene Schutzerdung | sehr hoch | Spezialanlagen (OP, Bergbau) |
? Verständnisfrage: Welche Komponente trägt im TN-S-System den größten Anteil zum Schleifenwiderstand bei? ›
Wie funktioniert die Schleifenwiderstandsmessung praktisch?
Die Schleifenwiderstandsmessung wird mit einem Installationstester (Multifunktionstester) durchgeführt. Verbreitete Geräte in der österreichischen Praxis sind z.B. Geräte von Metrel, Fluke oder Gossen Metrawatt. Diese Geräte haben eine spezielle Messfunktion für die Fehlerschleifenimpedanz, die mit ZS oder Loop bezeichnet ist.
Schritt-für-Schritt: Messung an einer Steckdose
Anlage überprüfen: Ist die Anlage spannungsführend (Messung im eingeschalteten Zustand)? Alle angeschlossenen Verbraucher, die empfindlich auf Prüfspannungen reagieren, abschalten oder abziehen (z.B. Computer, Frequenzumrichter, medizinische Geräte). Messgerät auf Funktion ZS (Schleifenimpedanz) einstellen. Prüfkabel auf Beschädigung kontrollieren.
Den Steckeradapter des Messgeräts in die Steckdose einstecken. Das Gerät verbindet dabei intern: L-Klemme mit Phase, PE-Klemme mit Schutzleiter. Bei Messungen an Klemmen direkt: rote Prüfspitze an L, blaue/grüne an PE.
Vor der eigentlichen Messung zeigt der Installationstester automatisch die Netzspannung an. Typischer Wert: 230 V ±10 %. Liegt die Spannung außerhalb dieses Bereichs, Ursache klären, bevor weitergemacht wird.
Messtaste drücken. Das Gerät schaltet für ~20–40 ms einen Lastwiderstand ein, misst den Spannungsabfall und den fließenden Strom. Das Ergebnis ZS in Ohm erscheint auf dem Display – meist wird auch der Kurzschlussstrom Ik direkt angezeigt.
Den angezeigten Wert mit dem zulässigen Grenzwert vergleichen (siehe Kapitel 04). Der Grenzwert hängt von der vorgelagerten Schutzeinrichtung ab. Viele Installationstester zeigen auch direkt an, ob die Abschaltbedingung für einen eingegebenen LS-Schaltertyp erfüllt ist (grünes/rotes Symbol).
Messwert aufzeichnen: Messort, gemessener ZS-Wert, berechneter Ik, vorgelagerte Schutzeinrichtung (Typ und Nennstrom), Beurteilung (bestanden/nicht bestanden), Datum und Prüfer.
Viele moderne Installationstester verwenden ein Verfahren ohne FI-Auslösung (2-Leiter-Verfahren, auch „keine FI-Auslösung“ oder Stromunsymmetrie-Methode). Wenn das Messgerät dieses Feature nicht hat oder im falschen Modus misst, kann der vorgelagerte FI-Schutzschalter während der Messung auslösen. Immer sicherstellen, dass der richtige Messmodus gewählt ist.
Das 2-Leiter-Verfahren (ohne FI-Auslösung)
Neuere Installationstester bieten ein spezielles Messverfahren an, das den FI-Schutzschalter nicht auslöst. Bei diesem Verfahren wird der Prüfstrom nicht zwischen L und PE, sondern zwischen L und N eingespeist. Da der Strom symmetrisch über L und N fließt, entsteht kein Differenzstrom – der FI registriert keinen Auslösegrund. Der Schleifenwiderstand wird dabei aus der Spannungsänderung bei bekanntem Prüfstrom berechnet.
Messgerät – worauf achten?
- Kalibriert und innerhalb des gültigen Kalibrierdatums (in Österreich jährliche Kalibrierung empfohlen)
- Messfunktion für Fehlerschleifenimpedanz ZS nach IEC/EN 61557-3
- Funktion „ohne FI-Auslösung“ (2-Leiter, No-Trip) vorhanden
- Druckfunktion oder Speicher für Prüfprotokolle
- Geprüfte und unbeschädigte Prüfkabel (CAT III oder CAT IV)
An einer Steckdose wird ZS = 0,42 Ω gemessen. Die Netzspannung beträgt 230 V. Berechne den Kurzschlussstrom Ik.
Schritt 1: Formel anschreiben → Ik = U₀ / ZS
Schritt 2: Werte einsetzen → Ik = 230 V / 0,42 Ω
Schritt 3: Berechnen → Ik = 547,6 A
Ergebnis: Ik ≈ 548 AEin LS-Schalter Typ B, 16 A soll absichern. Der gemessene Schleifenwiderstand beträgt ZS = 1,05 Ω (bei 230 V). Erfüllt die Anlage die Abschaltbedingung? (Abschaltbedingung: Ik ≥ 5 × In für Typ B)
Schritt 1: Kurzschlussstrom berechnen → Ik = 230 V / 1,05 Ω = 219 A
Schritt 2: Mindest-Auslösestrom für LS B16 → Imin = 5 × 16 A = 80 A
Schritt 3: Vergleich → 219 A ≥ 80 A → Bedingung erfüllt ✓
Ergebnis: Die Abschaltbedingung ist erfüllt. Die Anlage ist sicher.Gemessener ZS = 0,65 Ω, Netzspannung 230 V. Berechne den Kurzschlussstrom Ik.
Hinweis: Verwende Ik = U₀ / ZS
Ik = 230 V / 0,65 Ω = 353,8 A
Ergebnis: Ik ≈ 354 AEin LS-Schalter Typ C, 10 A schützt einen Stromkreis. Gemessen wird ZS = 1,8 Ω bei 230 V. Ist die Abschaltbedingung erfüllt? (Typ C: Iauslöse ≥ 10 × In)
Hinweis: Mindest-Auslösestrom = 10 × In
Ik = 230 V / 1,8 Ω = 127,8 A
Mindest-Auslösestrom: 10 × 10 A = 100 A
127,8 A ≥ 100 A → Bedingung erfüllt ✓
Ergebnis: Abschaltbedingung erfüllt.ZS = 2,9 Ω, Netzspannung 230 V, LS-Schalter Typ B, 16 A. Ist die Abschaltbedingung erfüllt?
Hinweis: Typ B löst bei ≥ 5 × In aus
Ik = 230 V / 2,9 Ω = 79,3 A
Mindest-Auslösestrom: 5 × 16 A = 80 A
79,3 A < 80 A → Bedingung NICHT erfüllt ✗
Ergebnis: Abschaltbedingung NICHT erfüllt! Maßnahmen erforderlich.Welcher maximale Schleifenwiderstand ZS,max ist für einen LS-Schalter Typ B, 25 A bei 230 V zulässig?
Hinweis: ZS,max = U₀ / (5 × In)
ZS,max = 230 V / (5 × 25 A) = 230 V / 125 A
ZS,max = 1,84 Ω
Ergebnis: ZS,max = 1,84 ΩEin FI-Schutzschalter mit IΔn = 30 mA sichert einen Stromkreis im TT-System. Der gemessene Erderwiderstand beträgt RE = 180 Ω. Kann der FI sicher ansprechen, und wie groß ist die Berührungsspannung beim Ansprechen des FI?
Hinweis: Fehlerstrom IF ≈ U₀ / RE; Berührungsspannung UC = IΔn × RE; Grenzwert UL = 50 V
Schritt 1 – Fehlerstrom: IF = 230 V / 180 Ω = 1,28 A → weit größer als IΔn = 30 mA → FI spricht sicher an ✓
Schritt 2 – Berührungsspannung beim FI-Ansprechen: UC = IΔn × RE = 0,030 A × 180 Ω = 5,4 V
Schritt 3 – Bewertung: 5,4 V << 50 V (zulässige Berührungsspannung) → vollkommen sicher ✓
Ergebnis: FI spricht sicher an. Berührungsspannung beim Ansprechen beträgt nur 5,4 V – weit unter dem Grenzwert von 50 V.? Verständnisfrage: Warum kann der FI-Schutzschalter während der Schleifenwiderstandsmessung auslösen? ›
Welche Grenzwerte gelten nach ÖVE/ÖNORM?
Der Schleifenwiderstand hat keinen universellen, fixen Grenzwert – er ergibt sich aus der Abschaltbedingung: Der Fehlerstrom muss ausreichen, um die vorgelagerte Schutzeinrichtung innerhalb der zulässigen Abschaltzeit auszulösen. Der maximal zulässige Schleifenwiderstand hängt also vom Typ und Nennstrom der Schutzeinrichtung ab.
Maximaler Schleifenwiderstand für Leitungsschutzschalter (TN-System, 230 V)
Die Formel für den maximal zulässigen Schleifenwiderstand lautet:
- ZS,max
- maximaler zulässiger Schleifenwiderstand in Ω
- U₀
- Nennspannung gegen Erde (230 V im Niederspannungsnetz)
- Iauslöse
- Mindest-Auslösestrom der Schutzeinrichtung in A
| LS-Typ | Auslöse-Vielfaches | In = 10 A | In = 16 A | In = 20 A | In = 25 A | In = 32 A |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Typ B | 5 × In | 4,60 Ω | 2,88 Ω | 2,30 Ω | 1,84 Ω | 1,44 Ω |
| Typ C | 10 × In | 2,30 Ω | 1,44 Ω | 1,15 Ω | 0,92 Ω | 0,72 Ω |
| Typ D | 20 × In | 1,15 Ω | 0,72 Ω | 0,57 Ω | 0,46 Ω | 0,36 Ω |
- Typ B (3–5 × In): Ohmsche Lasten, Beleuchtung, Steckdosen – häufigster Typ in Wohn- und Gewerbebauten
- Typ C (5–10 × In): Motoren, Transformatoren mit höherem Anlaufstrom – häufig in gewerblichen Anlagen
- Typ D (10–20 × In): Sehr hohe Einschaltströme (Transformatoren, Schweißmaschinen) – selten, nur wo nötig
Abschaltzeiten nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-4-41
Neben dem Schleifenwiderstand ist auch die Abschaltzeit normativ vorgegeben. Im TN-System gelten folgende maximale Abschaltzeiten:
| Spannung U₀ (V) | Abschaltzeit (Endstromkreise ≤ 32 A) | Abschaltzeit (Verteilungsstromkreise) |
|---|---|---|
| 230 V (gegen Erde) | 0,4 s | 5 s |
| 400 V (gegen Erde) | 0,2 s | 0,4 s |
| ≤ 120 V | 0,8 s | 5 s |
- ZS,korr
- Schleifenwiderstand bei Betriebstemperatur (70 °C)
- ZS,gemessen
- gemessener Wert bei ca. 20 °C
- 1,24
- Temperaturkorrekturfaktor nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-6
? Verständnisfrage: Welchen maximalen Schleifenwiderstand Z_S,max darf ein Stromkreis mit LS-Schalter Typ C, 16 A bei 230 V haben? ›
Wie hängen Schleifenwiderstand und Abschaltbedingung zusammen?
Die Abschaltbedingung ist das Herzstück des Personenschutzes in elektrischen Anlagen. Sie lautet: Im Fehlerfall muss die Schutzeinrichtung so schnell abschalten, dass die Berührungsspannung keine lebensgefährliche Wirkung auf den Menschen hat.
LS-Schalter vs. FI-Schutzschalter – welches Gerät schützt wogegen?
| Schutzeinrichtung | Schutzprinzip | Auslösegröße | Abschaltbedingung über ZS | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|---|
| LS-Schalter | Überstromschutz (thermisch + magnetisch) | Überstrom (Kurzschlussstrom) | Ja – Ik = U₀/ZS muss ≥ Auslösestrom | TN-System, überall |
| FI (RCD) | Differenzstrommessung | Differenzstrom IΔn (30 mA, 300 mA) | Nein – FI löst bei jedem Differenzstrom ≥ IΔn aus, unabhängig von ZS | TT-System, Feuchträume, Personenschutz |
| FI + LS (FI/LS) | Kombination beider | Überstrom + Differenzstrom | Ja (für LS-Funktion) | Optimaler Schutz |
? Verständnisfrage: Ein FI 30 mA ist installiert. Muss trotzdem die Schleifenwiderstandsmessung durchgeführt werden? ›
Wie wird eine Schleifenwiderstandsmessung korrekt protokolliert?
Ein Messergebnis ohne Dokumentation ist wertlos – vor allem rechtlich. Das Prüfprotokoll ist der Nachweis, dass eine Anlage ordnungsgemäß geprüft wurde und die Anforderungen der ÖVE/ÖNORM erfüllt. Im Schadensfall (Personenschaden, Brand) ist es das wichtigste Dokument für den Prüfer und den Anlagenbetreiber.
Pflichtinhalte des Prüfprotokolls
- Anlagenbezeichnung (Adresse, Gebäude, Anlage)
- Messort (z.B. „UV 1 / Steckdose R3.12″)
- Vorgelagerte Schutzeinrichtung (Typ, Nennstrom, z.B. „LS B16″)
- Gemessener ZS in Ω (mit Auflösung des Messgeräts)
- Temperaturkorrigierter ZS,korr (× 1,24)
- Maximal zulässiger ZS,max (berechnet aus Schutzeinrichtung)
- Berechneter Kurzschlussstrom Ik
- Bewertung: Bestanden / Nicht bestanden
- Messgerät: Typ, Seriennummer, Kalibrierungsdatum
- Prüfdatum, Prüfer (Name, Qualifikation, Unterschrift)
Beispiel: Ausgefüllter Protokollauszug
? Verständnisfrage: Was muss im Protokoll zusätzlich zum gemessenen Z_S-Wert immer angegeben werden? ›
Welche Fehler passieren bei der Messung häufig?
In der Praxis gibt es eine Reihe von typischen Fehlern, die zu falschen Messergebnissen, Fehlbewertungen oder sogar Gefahrensituationen führen können. Viele davon sind vermeidbar – wenn man weiß, worauf zu achten ist.
Gemessener ZS = 2,31 Ω, LS B16. Scheinbar bestanden (ZS,max = 2,88 Ω). Nach Korrektur: 2,31 × 1,24 = 2,86 Ω – knapp bestanden. Bei einem minimal höheren Ist-Wert wäre der Stromkreis nicht normkonform. Immer den korrigierten Wert verwenden!
Das Messgerät ist auf direkten Messmode (mit vollem Prüfstrom) eingestellt statt auf „No-Trip“ (ohne FI-Auslösung). Beim Messvorgang löst der vorgelagerte FI-Schutzschalter aus. Folge: Anlage ist spannungslos, evtl. laufende Prozesse werden unterbrochen. Immer den richtigen Messmodus wählen!
Empfindliche Geräte (Frequenzumrichter, medizinische Geräte, USV-Anlagen) können durch den Prüfimpuls beschädigt werden. Vor der Messung alle solchen Geräte abklemmen oder Gerätestecker ziehen.
Angeschlossene Geräte mit PE-Verbindung (z.B. Metallgehäuse) können den gemessenen Schleifenwiderstand verfälschen, weil parallele Strompfade entstehen. Der Messwert wird dann zu niedrig (besser als er wirklich ist). Messungen an leeren Steckdosen (ohne angeschlossene Geräte) durchführen.
Korrodierte Klemmen, lockere Schraubverbindungen oder falsch dimensionierte Aderendhülsen können den Schleifenwiderstand erhöhen, ohne dass dies auf den ersten Blick sichtbar ist. Ein erhöhter ZS-Wert sollte Anlass zur Inspektion aller Verbindungsstellen sein.
Der tatsächlich vorhandene LS-Schalter hat Typ C (Auslösung bei 10 × In), aber im Protokoll wird Typ B eingetragen. Der zulässige ZS,max wird dadurch zu hoch angesetzt – eine nicht normkonforme Anlage wird fälschlicherweise als bestanden bewertet.
Ein Messgerät, dessen Kalibrierung abgelaufen ist, kann systematisch falsche Werte liefern. Die Kalibrierung des Messgeräts muss vor jeder Prüfkampagne kontrolliert werden. Bei abgelaufenem Kalibrierdatum ist das Messprotokoll rechtlich anfechtbar.
- ✓ Messgerät kalibriert? (Datum prüfen)
- ✓ Prüfkabel unbeschädigt? (visuelle Inspektion)
- ✓ Messmodus korrekt eingestellt? (No-Trip wenn FI vorhanden)
- ✓ Empfindliche Verbraucher abgeklemmt?
- ✓ Steckdose leer (keine angeschlossenen Geräte)?
- ✓ Richtigen Schutzeinrichtungstyp aufgezeichnet?
- ✓ Temperaturkorrektur angewendet?
Praxisbeispiel: Fehlersuche bei zu hohem ZS
? Verständnisfrage: Warum kann der gemessene Z_S zu niedrig (besser als der tatsächliche Wert) sein? ›
Abschlusstest
12 Fragen zum gesamten Kursinhalt – Schleifenwiderstandsmessung.
Fragen bei mündlicher Prüfung
Typische Prüfungsfragen zur Schleifenwiderstandsmessung mit vollständigen Musterantworten.
01 Was versteht man unter dem Schleifenwiderstand und wie setzt er sich zusammen? ›
Der Schleifenwiderstand ZS (auch: Fehlerschleifenimpedanz) ist der Gesamtwiderstand des Stromkreises, der im Fehlerfall (Körperschluss) vom Fehlerstrom durchflossen wird. Er bestimmt maßgeblich, wie groß der Fehlerstrom wird und ob Schutzeinrichtungen sicher ansprechen.
- Zi: Innenwiderstand des Transformators/Netzes (sehr klein, ca. 0,05–0,3 Ω, abhängig von Trafogröße)
- RL: Widerstand des Außenleiters (L-Leiter) von der Einspeisung bis zum Fehlerort
- RPE: Widerstand des Schutzleiters (PE) zurück zur Einspeisung
Dazu kommen Übergangswiderstände an Klemmen und Verbindungsstellen, die im Idealfall vernachlässigbar sind, in der Praxis aber eine häufige Fehlerursache darstellen.
02 Wie wird die Schleifenwiderstandsmessung praktisch durchgeführt? Welche Schritte sind einzuhalten? ›
Die Messung erfolgt mit einem Installationstester (Multifunktionstester), der die Funktion Fehlerschleifenimpedanz ZS besitzt.
- Vorbereitung: Empfindliche Geräte abklemmen (Frequenzumrichter, Computer, medizin. Geräte)
- Messmodus: Bei vorhandenem FI → No-Trip-Modus (2-Leiter-Verfahren) wählen
- Anschluss: Steckeradapter in Steckdose, oder Prüfspitzen direkt an L und PE
- Spannung prüfen: Gerät zeigt Netzspannung an – Kontrolle auf ca. 230 V
- Messung starten: Prüftaste drücken, Gerät legt kurzzeitig (~30 ms) Prüfstrom an
- Ablesen: ZS in Ω und Ik in A werden angezeigt
- Bewertung: Temperaturkorrektur (× 1,24) anwenden, mit ZS,max vergleichen
- Protokoll: Alle Werte dokumentieren
Das Messgerät muss kalibriert und die Prüfkabel müssen unbeschädigt sein (CAT III / IV).
03 Wie berechnet man den maximal zulässigen Schleifenwiderstand für einen LS-Schalter Typ B, 16 A? ›
Der maximal zulässige Schleifenwiderstand ergibt sich daraus, dass der Kurzschlussstrom mindestens so groß sein muss, wie der Mindest-Auslösestrom der Schutzeinrichtung.
- Typ B löst bei ≥ 5 × In sicher aus (magnetischer Bereich)
- Für In = 16 A: Iauslöse = 5 × 16 A = 80 A
- ZS,max = 230 V / 80 A = 2,88 Ω
Wichtig: Dieser Grenzwert gilt für den temperaturkorrigierten Wert. Der gemessene Rohwert muss zuerst mit dem Faktor 1,24 multipliziert werden, bevor der Vergleich stattfindet.
04 Warum muss der Schleifenwiderstand auf Betriebstemperatur korrigiert werden und wie erfolgt diese Korrektur? ›
Kupferleiter haben einen positiven Temperaturkoeffizienten: Ihr Widerstand steigt mit zunehmender Temperatur. Bei Raumtemperatur (ca. 20 °C) ist der Widerstand geringer als im Betrieb (Nenntemperatur ca. 70 °C für PVC-isolierte Leitungen).
- Der Faktor 1,24 berücksichtigt den Widerstandsanstieg von 20 °C auf 70 °C
- Dieser Korrekturfaktor ist in der ÖVE/ÖNORM EN 60364-6 festgelegt
- Viele Installationstester wenden diesen Faktor automatisch an
Ohne Korrektur würde man einen zu optimistischen Wert erhalten und eine Anlage als „bestanden“ bewerten, die im Betrieb den Grenzwert überschreitet.
05 Was ist der Unterschied zwischen LS-Schalter und FI-Schutzschalter hinsichtlich der Abschaltbedingung? ›
Beide Geräte schützen vor gefährlichem Strom, aber nach unterschiedlichen Prinzipien:
- LS-Schalter: Schaltet bei Überstrom ab. Der Kurzschlussstrom Ik muss den Auslösestrom überschreiten. Dieser hängt direkt vom Schleifenwiderstand ab: Ik = U₀ / ZS. Je größer ZS, desto kleiner Ik, desto gefährlicher. Der LS-Schalter ist abhängig von ZS.
- FI-Schutzschalter (RCD): Schaltet bei Differenzstrom ab – wenn die Summe der Ströme in L und N nicht null ist. Löst bereits bei 30 mA aus, unabhängig vom Schleifenwiderstand. Schützt auch bei hohem ZS (z.B. im TT-System).
Der FI ist der zuverlässigere Personenschutz, ersetzt aber nicht die Schleifenwiderstandsmessung – diese prüft die Integrität des PE-Leiters und stellt sicher, dass der LS-Schalter bei großen Fehlerströmen auslöst.
06 Welche Bestandteile muss ein normkonformes Prüfprotokoll für die Schleifenwiderstandsmessung enthalten? ›
Das Prüfprotokoll ist das rechtliche Nachweisdokument. Nach ÖVE/ÖNORM EN 60364-6, Anhang B muss es mindestens enthalten:
- Anlagenbezeichnung (Adresse, Anlage)
- Messort mit genauer Bezeichnung
- Schutzeinrichtung (Typ, Nennstrom)
- Gemessener ZS in Ω
- Temperaturkorrigierter ZS,korr (× 1,24)
- Maximal zulässiger ZS,max
- Berechneter Ik
- Bewertung: bestanden / nicht bestanden
- Messgerät: Typ, SN, Kalibrierungsdatum
- Prüfer: Name, Qualifikation, Datum, Unterschrift
Aufbewahrungspflicht: mindestens 10 Jahre nach ETG 1992 / ESV 2012.
07 Welche häufigen Messfehler gibt es bei der Schleifenwiderstandsmessung und wie vermeidet man sie? ›
In der Praxis treten regelmäßig folgende Fehler auf:
- Temperaturkorrektur vergessen: Korrigierten Wert (× 1,24) immer für die Bewertung verwenden
- Falscher Messmodus: Bei vorhandenem FI immer No-Trip-Verfahren wählen, sonst löst der FI aus
- Empfindliche Verbraucher nicht abgeklemmt: Frequenzumrichter, Computer, USV vor der Messung abziehen
- Parallelstrompfade: Keine Geräte mit PE-Verbindung angeschlossen lassen – verfälscht ZS nach unten
- Falscher LS-Typ im Protokoll: Typ B und C haben unterschiedliche Grenzwerte – immer den tatsächlich eingebauten Typ prüfen
- Nicht kalibriertes Messgerät: Kalibrierungsdatum vor jeder Prüfkampagne prüfen
Ein systematisches Abarbeiten einer Checkliste vor jeder Messung verhindert die meisten dieser Fehler zuverlässig.
08 Was ist zu tun, wenn bei der Messung ein zu hoher Schleifenwiderstand festgestellt wird? ›
Ein zu hoher ZS-Wert ist ein Mangel, der behoben werden muss. Die Vorgehensweise:
- Befund dokumentieren: Gemessenen Wert, Grenzwert und Differenz im Protokoll festhalten
- Ursache suchen:
- PE-Leiterwiderstand direkt messen (Zuleitungstest)
- Klemmen und Verbindungsstellen auf Korrosion, Lockerheit prüfen
- Leitungsquerschnitt auf korrekte Dimensionierung prüfen
- Leitungslänge überprüfen
- Maßnahmen: Klemmen reinigen/ersetzen, Verbindungen nachziehen, ggf. Leitungsquerschnitt erhöhen oder Schutzeinrichtung anpassen
- Nachmessung: Nach Instandsetzung erneut messen und Ergebnis protokollieren
- Freigabe: Erst nach bestandener Nachmessung darf die Anlage vollständig in Betrieb genommen werden
Bei gravierenden Mängeln (sehr hohem ZS) ist die Anlage bis zur Behebung außer Betrieb zu nehmen.
09 Warum ist die Schleifenwiderstandsmessung auch dann Pflicht, wenn ein FI-Schutzschalter installiert ist? ›
Die Schleifenwiderstandsmessung und der FI-Schutzschalter erfüllen unterschiedliche Prüfzwecke:
- Die Schleifenwiderstandsmessung prüft die physische Integrität des PE-Leiters und des gesamten Schutzleiterkreises. Sie weist nach, dass die PE-Verbindung durchgehend und niederohmig ist.
- Sie stellt sicher, dass auch der vorgelagerte LS-Schalter bei einem großen Kurzschlussstrom (z.B. direkter L-PE-Schluss) sicher und rechtzeitig auslöst.
- Der FI schützt nur bei kleinen Differenzströmen. Er kann selbst defekt oder abgeklemmt sein. Die Schleifenwiderstandsmessung prüft davon unabhängige Schutzeigenschaften.
Fazit: FI und Schleifenwiderstandsmessung ergänzen sich und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Formelsammlung
Glossar
- Schleifenwiderstand (ZS): Gesamtimpedanz der Fehlerschleife im TN-System; bestimmt den Fehlerstrom im Fehlerfall
- Fehlerschleife: Geschlossener Stromkreis, der im Fehlerfall (Körperschluss) vom Fehlerstrom durchflossen wird
- Kurzschlussstrom (Ik): Strom, der bei einem niederohmigen Kurzschluss fließt; berechnet aus U₀ / ZS
- Körperschluss: Fehler, bei dem ein spannungsführender Leiter das metallische Gehäuse eines Geräts berührt
- LS-Schalter (Leitungsschutzschalter): Schutzeinrichtung, die bei Überströmen (thermisch) und Kurzschlüssen (magnetisch) abschaltet
- FI-Schutzschalter (RCD): Fehlerstromschutzschalter, schaltet bei Differenzstrom ≥ IΔn ab (typisch 30 mA)
- TN-S-System: Netzsystem mit geerdetem Neutralleiter und getrenntem PE-Leiter; Standard in österreichischen Neuanlagen
- TT-System: Netzsystem mit geerdetem Neutralleiter, aber eigener Schutzerdung; hoher Schleifenwiderstand über Erder
- Abschaltbedingung: Forderung, dass die Schutzeinrichtung im Fehlerfall innerhalb der normativen Abschaltzeit auslöst
- Temperaturkorrekturfaktor (1,24): Faktor zur Umrechnung des bei 20 °C gemessenen Schleifenwiderstands auf den Wert bei 70 °C Betriebstemperatur
- Installationstester: Multifunktionsmessgerät für Anlagenprüfungen; misst u.a. ZS, Isolationswiderstand, Schutzleiterkontinuität
- No-Trip-Methode: Messverfahren für Schleifenwiderstand, das den FI-Schutzschalter nicht auslöst (2-Leiter-Verfahren)
- Übergangswiderstand: Kontaktwiderstand an Verbindungsstellen (Klemmen, Steckverbinder); häufige Fehlerursache bei hohem ZS
- Erstprüfung: Prüfung einer neuen elektrischen Anlage vor der Inbetriebnahme
- Wiederholungsprüfung: Periodische Überprüfung einer bestehenden Anlage; Intervall je nach Anlagetyp und Norm
- ESV 2012: Elektroschutzverordnung 2012 – österreichische Verordnung zu Schutzmaßnahmen und Prüfpflichten elektrischer Anlagen
Stand & Quellen
- ÖVE/ÖNORM EN 60364-6: Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen (aktuelle Fassung)
- ÖVE/ÖNORM EN 60364-4-41: Schutz gegen elektrischen Schlag – Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung
- ÖVE/ÖNORM EN 61557-3: Elektrische Sicherheit in Niederspannungsnetzen – Geräte zum Prüfen, Messen und Überwachen von Schutzmaßnahmen; Teil 3: Fehlerschleifenimpedanz
- ESV 2012: Elektroschutzverordnung 2012, BGBl. II Nr. 33/2012, zuletzt geändert BGBl. II Nr. 284/2014
- ETG 1992: Elektrotechnikgesetz 1992, BGBl. Nr. 106/1993
- ASchG: ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, BGBl. Nr. 450/1994 i.d.g.F.
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