Proportional- und Servohydraulik

Eine klassische Hydraulik kennt im Grunde nur zwei Zustände: ein Wegeventil ist offen oder geschlossen, ein Zylinder fährt oder steht. Für viele Aufgaben reicht das. Sobald aber eine Bewegung stufenlos schneller oder langsamer werden soll, ein Druck genau auf einen Wert geregelt gehört oder eine Achse millimetergenau positionieren muss, stößt man an die Grenze. Genau hier setzen Proportional- und Servohydraulik an: Sie machen Volumenstrom und Druck stufenlos über ein elektrisches Signal einstellbar. Der Fokus liegt auf der Signalwandlung vom Steuerstrom zur hydraulischen Größe, den Unterschieden zwischen Proportional- und Servotechnik sowie den Auswahlkriterien für die Praxis.

Vorwissen

  • Hydraulik-Grundlagen und Druckübersetzung
  • Ventile in der Hydraulik
  • Aufbau eines Regelkreises

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum klassische Schaltventile für stufenlose Bewegungen nicht ausreichen
  • den Aufbau und die Funktion eines Proportionalmagneten beschreiben und die Rolle von Strom, PWM und Dither benennen
  • die drei Grundtypen von Proportionalventilen unterscheiden und den Volumenstrom über den Nennvolumenstrom berechnen
  • ein Servoventil von einem Proportionalventil abgrenzen und den Unterschied zwischen offener Steuerung und geschlossenem Regelkreis erklären
  • eine begründete Auswahl zwischen Proportional- und Servotechnik treffen

1. Warum stufenlose Hydraulik?

Ein normales Wegeventil schaltet. Der Steuerkolben springt von einer Endlage in die andere, der Durchfluss ist entweder voll freigegeben oder gesperrt. Die Geschwindigkeit eines Zylinders lässt sich damit nur über feste Drosseln oder über Ein- und Ausschalten grob beeinflussen. Wer eine Last sanft anfahren, in der Mitte abbremsen und exakt an einer Position halten will, kommt mit diesem Auf-Zu-Verhalten nicht weit.

Die Grundidee von Proportional- und Servohydraulik ist einfach: Statt den Steuerkolben nur in seine Endlagen zu werfen, wird er stufenlos verschoben — und zwar proportional zu einem elektrischen Eingangssignal. Ein kleiner Strom bedeutet eine kleine Öffnung und damit wenig Volumenstrom, ein großer Strom eine große Öffnung. Man spricht von stetig wirkenden Ventilen, weil sie jeden Zwischenwert einnehmen können, nicht nur die Endlagen.

Proportionaltechnik und Servotechnik sind dabei zwei Stufen derselben Idee. Proportionalventile sind robust, vergleichsweise günstig und für die meisten Aufgaben in der Maschinensteuerung völlig ausreichend. Servoventile treiben das Prinzip auf die Spitze: Sie reagieren extrem schnell und genau und werden dort eingesetzt, wo höchste Dynamik und Präzision gefragt sind. Die Grundlagen der Schaltventile selbst — Wegeventile, Sperr- und Druckventile — werden hier vorausgesetzt; sie sind im eigenen Beitrag zu den Ventilen in der Hydraulik ausführlich behandelt.

Eine Anlage soll einen Hydraulikzylinder stufenlos zwischen Stillstand und voller Geschwindigkeit verfahren, abhängig von einem analogen Sollwert. Welche Ventilart ist dafür grundsätzlich geeignet?

  • a) Ein stetig wirkendes Proportional-Wegeventil
  • b) Ein 4/2-Wegeschaltventil mit Magnetbetätigung
  • c) Ein einfaches Rückschlagventil
  • d) Ein direkt betätigtes Druckbegrenzungsventil

Richtig: a)

Nur ein stetig wirkendes Ventil kann den Steuerkolben in jede Zwischenstellung bringen und damit den Volumenstrom stufenlos vorgeben (a). Ein 4/2-Schaltventil (b) kennt nur zwei Endlagen. Ein Rückschlagventil (c) sperrt nur eine Richtung und steuert nichts. Ein Druckbegrenzungsventil (d) begrenzt den Druck, regelt aber keine Geschwindigkeit.

Was bedeutet die Bezeichnung „stetig wirkend“ bei einem Ventil?

  • a) Das Ventil ist dauernd in Betrieb und schaltet nie ab
  • b) Das Ventil kann jeden Zwischenwert zwischen geschlossen und voll geöffnet einnehmen
  • c) Das Ventil hält den Druck konstant
  • d) Das Ventil arbeitet ohne elektrische Ansteuerung

Richtig: b)

„Stetig“ bezieht sich auf die stufenlose Verstellbarkeit des Durchflussquerschnitts (b). Es geht nicht um Dauerbetrieb (a), nicht zwangsläufig um Druckkonstanz (c), und gerade die elektrische Ansteuerung (d) ist das Kennzeichen dieser Ventile.

2. Der Proportionalmagnet

Das Herzstück, das aus einem elektrischen Signal eine mechanische Bewegung macht, ist der Proportionalmagnet. Um ihn zu verstehen, hilft der Vergleich mit dem gewöhnlichen Schaltmagneten eines Wegeventils.

Ein Schaltmagnet zieht seinen Anker einfach bis in die Endlage durch — voll oder gar nicht. Die Kraft interessiert dabei niemanden, Hauptsache der Anker liegt an. Ein Proportionalmagnet ist anders aufgebaut: Über einen bestimmten Hubbereich liefert er eine Kraft, die proportional zum Spulenstrom ist. Verdoppelt man den Strom, verdoppelt sich näherungsweise die Magnetkraft. Diese Kraft arbeitet gegen eine Feder. Stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Magnetkraft und Federkraft ein, ergibt sich ein bestimmter Ankerweg — und dieser Weg verschiebt den Steuerkolben des Ventils.

F_mag = k * I

  • F_mag … Magnetkraft in N
  • k … Magnet-Konstante in N/A
  • I … Spulenstrom in A

Der Zusammenhang gilt nur im ausgelegten Arbeitsbereich und nur näherungsweise. In der Realität stört vor allem die Hysterese: Fährt man den Strom hoch und wieder herunter, liegt der Ankerweg bei gleichem Strom nicht exakt auf demselben Wert. Ursache ist unter anderem die Haftreibung des Kolbens und das magnetische Verhalten des Eisens. Hochwertige Ventile messen deshalb den Ankerweg mit einem integrierten Wegsensor und korrigieren über eine Lageregelung nach — der Magnet wird so lange nachgeregelt, bis der Anker exakt an der gewünschten Position steht. Das linearisiert das Verhalten erheblich.

Angesteuert wird der Proportionalmagnet nicht direkt aus der Steuerung, sondern über eine Verstärkerkarte (auch Leistungsverstärker oder Ansteuerelektronik). Sie bekommt von der Steuerung ein kleines Sollwertsignal, meist eine Spannung von 0 bis 10 V oder einen Stromnormwert von 4 bis 20 mA, und macht daraus den passenden Spulenstrom. Wichtig: Geregelt wird der Strom, nicht die Spannung. Nur der Strom bestimmt die Magnetkraft. Würde man die Spannung konstant halten, würde der Strom mit der Erwärmung der Spule absinken (der Widerstand steigt), und die Kraft driftet weg. Die Verstärkerkarte misst den Iststrom und hält ihn konstant.

Die Verstärkerkarte erzeugt den Spulenstrom in der Regel nicht als glatten Gleichstrom, sondern über Pulsweitenmodulation (PWM). Dabei wird die Versorgungsspannung sehr schnell ein- und ausgeschaltet. Das Verhältnis von Einschaltzeit zur gesamten Periodendauer — der Tastgrad — bestimmt, wie viel Strom im Mittel durch die Spule fließt. Ein Tastgrad von 30 % ergibt näherungsweise 30 % des Maximalstroms.

I_eff = I_max * (t_ein / T)

  • I_eff … effektiver Spulenstrom in A
  • I_max … Strom bei Dauereinschaltung in A
  • t_ein … Einschaltzeit pro Periode in s
  • T … Periodendauer in s

PWM hat zwei handfeste Vorteile. Erstens entsteht in der schaltenden Endstufe kaum Verlustleistung, weil der Transistor entweder ganz durchgeschaltet oder ganz gesperrt ist — das hält die Verstärkerkarte kühl. Zweitens lässt sich die PWM-Frequenz so wählen, dass sie gleichzeitig als Dither wirkt: eine gewollte, kleine, hochfrequente Schwingung des Stroms, die den Steuerkolben permanent minimal in Bewegung hält. Dieses leichte Zittern verhindert, dass der Kolben durch Haftreibung festklebt, und senkt damit die Hysterese spürbar. Bei der Diagnose an einem Proportionalmagneten misst man deshalb selten einen sauberen Gleichstrom, sondern einen mittleren Strom mit überlagerter Welligkeit — das ist normal und gewollt.

Warum eine Verstärkerkarte für einen Proportionalmagneten den Strom und nicht die Spannung regelt?

  • a) Weil die Magnetkraft proportional zum Strom ist und bei reiner Spannungsvorgabe mit der Spulenerwärmung wegdriften würde
  • b) Weil Spannung an Magneten technisch nicht messbar istt
  • c) Weil Strom billiger zu erzeugen ist als Spannung
  • d) Weil die Steuerung nur Stromsignale ausgeben kann

Richtig: a)

Die Kraft hängt am Strom; erwärmt sich die Spule, steigt ihr Widerstand, und bei konstanter Spannung würde der Strom — und damit die Kraft — sinken (a). Spannung ist sehr wohl messbar (b). Die Kostenaussage (c) ist erfunden. Steuerungen geben üblicherweise Spannungs- oder Stromsollwerte aus, das ist aber nicht der Grund (d).

Welche Funktion erfüllt das Dither-Signal bei einem Proportionalventil?

  • a) Es erhöht den maximalen Volumenstrom
  • b) Es schaltet das Ventil bei Überlast ab
  • c) Es hält den Steuerkolben durch eine kleine hochfrequente Schwingung in Bewegung und senkt so die Hysterese
  • d) Es kühlt den Proportionalmagneten

Richtig: c)

Dither ist eine gewollte kleine Schwingung, die Haftreibung überwindet und die Hysterese reduziert (c). Mit dem Maximaldurchfluss (a) hat es nichts zu tun, es ist keine Schutzfunktion (b), und die Kühlung (d) ist ein Nebeneffekt der PWM selbst, nicht des Dithers.

Eine Verstärkerkarte arbeitet mit einer Periodendauer von 2 ms und einer Einschaltzeit von 0,5 ms. Welcher effektive Strom stellt sich näherungsweise ein, wenn der Strom bei Dauereinschaltung 1,6 A beträgt?

  • a) 0,2 A
  • b) 0,8 A
  • c) 1,2 A
  • d) 0,4 A

Richtig: d)

Der Tastgrad ist 0,5 ms / 2 ms = 0,25. Damit ist der effektive Strom 0,25 · 1,6 A = 0,4 A (d). Die anderen Werte ergeben sich aus falschen Tastgraden.

3. Proportionalventile: Wegeventil, Druckventil, Stromventil

Mit dem Proportionalmagneten als Stellglied lassen sich alle wichtigen Ventilfunktionen stufenlos ausführen. In der Praxis trifft man auf drei Grundtypen.

Das Proportional-Wegeventil ist der häufigste Typ. Sein Steuerkolben wird vom Proportionalmagneten gegen eine Zentrierfeder verschoben. In Mittelstellung sind die Anschlüsse meist gesperrt, je nach Auslenkung gibt der Kolben eine seiner Steuerkanten frei und verbindet Druck- und Verbraucheranschluss. Je weiter er auslenkt, desto größer wird der freigegebene Querschnitt an der Steuerkante — und desto mehr Öl fließt. Über die Auslenkungsrichtung wird zugleich die Bewegungsrichtung des Zylinders vorgegeben.

Ein wichtiges Konstruktionsmerkmal ist die Überdeckung der Steuerkanten in Mittelstellung. Bei positiver Überdeckung verschließt der Kolben die Kanten mit etwas Überstand — rund um die Mittelstellung gibt es dann ein Totband, in dem sich der Sollwert ändern kann, ohne dass Öl fließt. Das ist unempfindlich gegen kleine Signalschwankungen, aber ungenau im Nullbereich. Bei Nullüberdeckung schließen die Kanten genau bündig. Negative Überdeckung lässt schon in Mittelstellung eine kleine Leckage zu. Proportional-Wegeventile haben üblicherweise eine leichte positive Überdeckung.

Daneegen gibt es das Proportional-Druckventil, etwa als Druckbegrenzungs- oder Druckregelventil. Hier verstellt der Magnet nicht einen Durchflussquerschnitt, sondern die Vorspannung der Feder, gegen die der Druck arbeitet. So lässt sich der Ansprech- oder Regeldruck stufenlos elektrisch vorgeben, statt ihn von Hand an einer Schraube einzustellen. Das Proportional-Stromventil schließlich hält einen eingestellten Volumenstrom unabhängig von der Last konstant und macht den Sollwert dafür elektrisch verstellbar.

Für die Auslegung in der Praxis ist die Frage entscheidend: Wie viel Öl fließt bei welcher Kolbenstellung und welchem Druck? Eine Steuerkante wirkt wie eine veränderliche Drossel. Der Volumenstrom durch eine Drossel steigt mit dem Öffnungsquerschnitt und mit der Wurzel aus der Druckdifferenz:

Q = alpha * A * sqrt(2 * dp / rho)

  • Q … Volumenstrom in m³/s
  • alpha … Durchflusszahl (dimensionslos)
  • A … Öffnungsquerschnitt der Steuerkante in m²
  • dp … Druckdifferenz über die Steuerkante in Pa
  • rho … Dichte des Öls in kg/m³

Diese Form ist physikalisch korrekt, in der Praxis aber unhandlich, weil man den Öffnungsquerschnitt der Steuerkante selten kennt. Hersteller geben deshalb einen Nennvolumenstrom an: den Volumenstrom, der bei voller Ansteuerung und einem definierten Nenn-Druckabfall über die Steuerkante fließt. Üblich sind nach ISO ein Nenn-Druckabfall von 5 bar oder 10 bar pro Steuerkante. Steht im Datenblatt etwa „Q_N = 40 l/min bei Δp_N = 5 bar“, weiß man genau, womit man rechnet.

Weicht der tatsächliche Druckabfall vom Nennwert ab, rechnet man über die Wurzelbeziehung um:

Q = Q_N * sqrt(dp / dp_N)

  • Q … tatsächlicher Volumenstrom in l/min
  • Q_N … Nennvolumenstrom laut Datenblatt in l/min
  • dp … tatsächlicher Druckabfall über die Steuerkante in bar
  • dp_N … Nenn-Druckabfall laut Datenblatt in bar

Umgekehrt lässt sich daraus auch der Druckabfall bestimmen, der sich bei einem gewünschten Betriebsvolumenstrom einstellt — eine der häufigsten Fragen bei der Fehlersuche und Systemoptimierung:

dp = dp_N * (Q / Q_N)**2

  • dp … Druckabfall bei gewünschtem Volumenstrom in bar
  • dp_N … Nenn-Druckabfall laut Datenblatt in bar
  • Q … gewünschter Betriebsvolumenstrom in l/min
  • Q_N … Nennvolumenstrom laut Datenblatt in l/min

Die Werte gelten für volle Ansteuerung. Bei teilweiser Auslenkung verkleinert sich der wirksame Querschnitt entsprechend, und der erreichbare Volumenstrom sinkt.

Gelöstes Beispiel

Ein Proportional-Wegeventil hat laut Datenblatt einen Nennvolumenstrom von 40 l/min bei einem Nenn-Druckabfall von 5 bar pro Steuerkante. Im Betrieb stellt sich an der Steuerkante ein Druckabfall von 20 bar ein. Welcher Volumenstrom fließt bei voller Ansteuerung?

Gegeben: Q_N = 40 l/min, dp_N = 5 bar, dp = 20 bar

Gesucht: Q in l/min

Lösungsweg:

  1. Druckverhältnis bilden: dp / dp_N = 20 / 5 = 4
  2. Wurzel ziehen: sqrt(4) = 2
  3. Volumenstrom berechnen: Q = Q_N · sqrt(dp / dp_N) = 40 l/min · 2 = 80 l/min

Ergebnis: Q = 80 l/min

Übungen

Ein Proportionalventil hat Q_N = 24 l/min bei dp_N = 5 bar. Welcher Volumenstrom fließt bei einem Druckabfall von 5 bar?

dp/dp_N = 1, sqrt(1) = 1, Q = 24 l/min. Beim Nenn-Druckabfall fließt definitionsgemäß genau der Nennvolumenstrom.

Ein Ventil mit Q_N = 60 l/min bei dp_N = 10 bar arbeitet bei einem Druckabfall von 40 bar. Welcher Volumenstrom ergibt sich bei voller Ansteuerung?

dp/dp_N = 40/10 = 4, sqrt(4) = 2, Q = 60 · 2 = 120 l/min.

Ein Ventil mit Q_N = 40 l/min bei dp_N = 5 bar soll im Betrieb 40 l/min liefern. Welcher Druckabfall stellt sich ein?

dp = dp_N · (Q/Q_N)² = 5 · (40/40)² = 5 · 1 = 5 bar. Bei Nennvolumenstrom liegt definitionsgemäß der Nenn-Druckabfall an.

Für eine Achse werden 30 l/min werden benötigt. Das gewählte Ventil hat Q_N = 50 l/min bei dp_N = 5 bar. Welcher Druckabfall entsteht über die Steuerkante?

dp = 5 · (30/50)² = 5 · 0,36 = 1,8 bar.

Ein Ventil mit Q_N = 25 l/min bei dp_N = 5 bar wird mit 35 l/min betrieben. Welcher Druckabfall stellt sich ein, und was bedeutet das für die Auslegung?

dp = 5 · (35/25)² = 5 · 1,96 = 9,8 bar. Der Druckabfall steigt fast auf das Doppelte des Nennwerts — das Ventil ist für diesen Volumenstrom knapp dimensioniert, die Drosselverluste und damit die Erwärmung des Öls steigen deutlich.

Ein Proportional-Wegeventil hat eine deutliche positive Überdeckung. Welche Folge hat das im Betrieb?

  • a) Um die Mittelstellung entsteht ein Totband, in dem kleine Sollwertänderungen keinen Volumenstrom bewirken
  • b) Das Ventil leckt schon in Mittelstellung stark
  • c) Der maximale Volumenstrom sinkt auf die Hälfte
  • d) Das Ventil schaltet schlagartig wie ein Schaltventil

Richtig: a)

Positive Überdeckung bedeutet, dass die Steuerkanten in Mittelstellung mit Überstand schließen — daraus folgt ein Totband (a). Leckage in Mittelstellung gehört zur negativen Überdeckung (b). Der Maximaldurchfluss (c) ist davon nicht direkt betroffen, und stetiges Verhalten bleibt erhalten (d).

Ein Datenblatt nennt Q_N = 40 l/min bei Δp_N = 5 bar. Warum ist dieser Kennwert für die Praxis brauchbarer als die physikalische Drosselgleichung mit Öffnungsquerschnitt?

  • a) Weil die Drosselgleichung physikalisch falsch ist
  • b) Weil Q_N temperaturunabhängig ist
  • c) Weil bei Q_N kein Druckabfall auftritt
  • d) Weil der Öffnungsquerschnitt der Steuerkante dem Anwender meist nicht vorliegt, der Nennvolumenstrom aber im Datenblatt steht

Richtig: d)

Q_N ist ein direkt verfügbarer Datenblattwert, während der Öffnungsquerschnitt in der Praxis kaum bekannt ist (d). Die Drosselgleichung ist nicht falsch, nur unhandlich (a). Temperaturunabhängigkeit (b) ist nicht der Punkt, und bei Q_N liegt gerade der Nenn-Druckabfall an (c).

Ein Ventil mit Q_N = 30 l/min bei Δp_N = 5 bar soll 30 l/min liefern, der tatsächliche Druckabfall beträgt aber nur 5 bar bei voller Ansteuerung. Was lässt sich daraus über die nötige Ansteuerung schließen?

  • a) Das Ventil muss überdimensioniert werden
  • b) Bei vollem Signal und 5 bar liefert das Ventil genau den Nennvolumenstrom, die Ansteuerung passt also gerade
  • c) Das Ventil ist zu klein
  • d) Der Volumenstrom lässt sich nicht erreichen

Richtig: b)

Bei Nenn-Druckabfall und voller Ansteuerung fließt definitionsgemäß genau Q_N, hier also die gewünschten 30 l/min (b). Es ist weder über- (a) noch unterdimensioniert (c), und der Wert ist klar erreichbar (d).

4. Servoventile und der geschlossene Regelkreis

Ein Servoventil arbeitet nach demselben Grundprinzip wie ein Proportionalventil — ein elektrisches Signal verschiebt einen Steuerkolben — treibt aber Genauigkeit und Geschwindigkeit auf ein ganz anderes Niveau. Der entscheidende konstruktive Unterschied liegt in einer Vorsteuerstufe.

Der Steuerkolben eines Servoventils ist zu schwer und die nötige Stellkraft zu hoch, um ihn direkt mit der kleinen Kraft eines empfindlichen Stellglieds hochdynamisch zu bewegen. Deshalb sitzt vor der eigentlichen Hauptstufe eine hydraulische Verstärkung. Eine verbreitete Bauform ist das Düse-Prallplatte-System: Ein elektrisch ausgelenktes Plättchen — die Prallplatte — sitzt zwischen zwei gegenüberliegenden Düsen, durch die ständig etwas Steueröl strömt. Bewegt sich die Prallplatte minimal zur einen Düse hin, staut sich dort der Druck, während er an der anderen Düse abfällt. Diese kleine Druckdifferenz wirkt auf die Stirnflächen des Hauptkolbens und schiebt ihn. So steuert eine winzige mechanische Auslenkung einen kräftigen Hauptkolben — eine hydraulische Verstärkung. Eine andere Bauform ist das Strahlrohr, bei dem ein schwenkbares Röhrchen einen Ölstrahl mehr auf den einen oder anderen Aufnehmer richtet und so dieselbe Druckdifferenz erzeugt.

Servoventile besitzen außerdem eine integrierte Lagerückführung des Hauptkolbens und werden mit sehr geringer, oft nahezu null Überdeckung gefertigt. Dadurch reagieren sie schon auf kleinste Signaländerungen und arbeiten im Nullbereich praktisch ohne Totband. Der Preis dafür ist hohe Empfindlichkeit gegen Schmutz: Die feinen Steuerspalte und Düsen verlangen sehr sauberes Öl.

Hier kommt der Begriff des geschlossenen Regelkreises ins Spiel. Ein Proportionalventil wird oft in offener Steuerung betrieben: Die Steuerung gibt einen Sollwert vor, das Ventil öffnet entsprechend — ob die Achse tatsächlich genau dort landet, wird nicht zurückgemeldet. Ein geregelter Achsbetrieb dagegen schließt den Kreis. Ein Sensor — etwa ein Wegsensor am Zylinder — misst die tatsächliche Position. Diese Istgröße wird laufend mit dem Sollwert vergleich. Aus der Abweichung berechnet ein Regler ein korrigiertes Stellsignal für das Ventil, bis Soll und Ist übereinstimmen. Servoventile sind für genau diesen geschlossenen Betrieb gemacht; ihre Dynamik erlaubt es dem Regler, Abweichungen sehr schnell auszugleichen.

Die detaillierte Reglerdynamik ist Gegenstand des Beitrags zum Aufbau eines Regelkreises. Für die Hydraulik genügt das Verständnis: offene Steuerung gibt nur vor, der geschlossene Regelkreis misst nach und korrigiert.

Düse-Prallplatte-Vorsteuerung Steueröl Düse 1 Düse 2 elektrische Auslenkung Prallplatte Hauptkolben (Hauptstufe) Druckdifferenz verschiebt den Hauptkolben

Welche Aufgabe hat die Düse-Prallplatte-Stufe in einem Servoventil?

  • a) Sie filtert das Hydrauliköl vor dem Eintritt
  • b) Sie begrenzt den Maximaldruck der Anlage
  • c) Sie wandelt eine kleine elektrische Auslenkung über eine Druckdifferenz in eine Kraft zum Verschieben des kräftigen Hauptkolbens um
  • d) Sie misst die Position des Zylinders

Richtig: c)

Die Düse-Prallplatte-Stufe ist eine hydraulische Verstärkung: kleine Auslenkung → Druckdifferenz → Verschiebung des Hauptkolbens (c). Filtern (a), Druckbegrenzung (b) und Lagemessung am Zylinder (d) sind andere Funktionen.

Worin unterscheidet sich eine offene Steuerung von einem geschlossenen Regelkreis?

  • a) Die offene Steuerung verbraucht mehr Öl
  • b) Die open Steuerung arbeitet ohne Ventil
  • c) Der geschlossene Regelkreis kommt ohne Sensor aus
  • d) Der geschlossene Regelkreis misst die tatsächliche Istgröße und korrigiert das Stellsignal über den Soll-Ist-Vergleich, die offene Steuerung gibt nur vor

Richtig: d)

Kennzeichen des Regelkreises ist die Rückmeldung des Istwerts und die Korrektur (d). Ölverbrauch (a) ist kein Unterscheidungsmerkmal, beide nutzen Ventile (b), und gerade der Sensor (c) macht den Regelkreis aus.

Warum stellt ein Servoventil besonders hohe Anforderungen an die Ölreinheit?

  • a) Weil es mit sehr niedrigem Druck arbeitet
  • b) Weil seine feinen Steuerspalte und Düsen durch Schmutzpartikel leicht beeinträchtigt oder verstopft werden
  • c) Weil das Öl sonst zu warm wird
  • d) Weil es keinen Filter besitzt

Richtig: b)

Die sehr geringe Überdeckung und die feinen Düsen reagieren empfindlich auf Partikel (b). Servoventile arbeiten nicht bei niedrigem Druck (a), die Ölreinheit hängt nicht primär an der Temperatur (c), und ob ein Filter vorhanden ist, ändert die Empfindlichkeit des Ventils selbst nicht (d).

5. Proportional vs. Servo: Auswahl und Praxis

Proportional- und Servoventil lösen verwandte Aufgaben, sind aber nicht beliebig austauschbar. Die Auswahl richtet sich nach geforderter Genauigkeit, Dynamik und nicht zuletzt nach Kosten und Aufwand.

Merkmal Proportionalventil Servoventil
Genauigkeit gut, mit Totband im Nullbereich sehr hoch, kaum Totband
Dynamik / Grenzfrequenz mittelhoch sehr hoch
Überdeckung meist positiv nahezu null
Hysterese spürbar, durch Dither gemindert sehr gering
Ölreinheit moderate Anforderung sehr hohe Anforderung
Kosten niedriger deutlich höher
Typischer Einsatz Vorschub, Spannen, Pressen, Geschwindigkeitssteuerung Werkstoffprüfung, Flugzeug- und Prüfstandstechnik, hochdynamische Positionierung

Als Faustregel gilt: Solange eine Aufgabe mit guter, aber nicht extremer Genauigkeit und mittlerer Dynamik auskommt, ist das Proportionalventil die wirtschaftlichere und robustere Wahl. Es verzeiht auch etwas weniger sauberes Öl und ist im Betrieb unkritischer. Erst wenn höchste Präzision und schnelle Regelvorgänge gefordert sind — etwa bei einer kraftgeregelten Werkstoffprüfmaschine oder einem hochdynamischen Prüfstand — rechtfertigt das Servoventil seinen höheren Preis und den Mehraufwand bei der Ölpflege.

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: die Ölreinheit. Beide Ventiltypen reagieren empfindlicher auf Verschmutzung als klassische Schaltventile, das Servoventil besonders stark. Eine angemessene Filterung und die regelmäßige Kontrolle der Ölqualität sind deshalb keine Nebensache, sondern Voraussetzung für einen störungsfreien Betrieb — die Filtration ist im eigenen Beitrag zur Filterung und Ölpflege ausführlich behandelt.

Für eine Vorschubachse mit guter, aber nicht extremer Genauigkeit und mittleren Geschwindigkeitsanforderungen soll ein stetig wirkendes Ventil gewählt werden. Was ist die wirtschaftlich und technisch sinnvolle Wahl?

  • a) Ein Servoventil, weil es immer die bessere Lösung ist
  • b) Ein einfaches Schaltventil
  • c) Ein Proportionalventil, weil es die Anforderungen erfüllt, robuster ist und weniger Aufwand bei der Ölpflege verlangt
  • d) Zwei Servoventile parallel

Richtig: c)

Bei moderaten Anforderungen ist das Proportionalventil die wirtschaftliche und robuste Wahl (c). Ein Servoventil wäre überdimensioniert und teurer (a), ein Schaltventil kann nicht stufenlos steuern (b), und parallele Servoventile (d) sind unsinnig.

Warum ist die Ölreinheit bei einem Servoventil besonders kritisch?

  • a) Weil Servoventile mit Wasser statt Öl arbeiten
  • b) Weil ihre nahezu null Überdeckung und die feinen Vorsteuerdüsen schon auf kleinste Partikel empfindlich reagieren
  • c) Weil sie keinen Druck aufbauen können
  • d) Weil sie langsamer als Proportionalventile sind

Richtig: b)

Die feinen Spalte und Düsen bei nahezu null Überdeckung machen Servoventile partikelempfindlich (b). Sie arbeiten mit Öl (a), bauen sehr wohl Druck auf (c) und sind schneller, nicht langsamer (d).

Ein hochdynamischer Prüfstand muss eine Kraft mit sehr hoher Frequenz und Präzision regeln. Welche Lösung ist angemessen?

  • a) Ein Proportional-Druckventil in offener Steuerung
  • b) Ein Servoventil im geschlossenen Regelkreis mit Kraftsensor-Rückführung
  • c) Ein Schaltventil mit Zeitrelais
  • d) Eine handverstellte Drossel

Richtig: b)

Höchste Dynamik und Präzision plus Regelung verlangen das Servoventil im geschlossenen Kreis (b). Offene Proportionalsteuerung (a) erreicht weder die Genauigkeit noch die Rückführung, ein Schaltventil (c) und eine Handdrossel (d) scheiden völlig aus.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Proportional-Wegeventil hat einen Nennvolumenstrom von 50 l/min bei einem Nenn-Druckabfall von 5 bar. Welcher Volumenstrom fließt bei voller Ansteuerung, wenn der Druckabfall 45 bar beträgt?

Gegeben: Q_N = 50 l/min, dp_N = 5 bar, dp = 45 bar

Gesucht: Q in l/min

Lösungweg:

  1. dp/dp_N = 45/5 = 9
  2. sqrt(9) = 3
  3. Q = 50 · 3 = 150 l/min

Ergebnis: Q = 150 l/min

Aufgabe 2: Ein Ventil mit Q_N = 30 l/min bei dp_N = 10 bar arbeitet bei 2,5 bar Druckabfall. Welcher Volumenstrom ergibt sich?

Gegeben: Q_N = 30 l/min, dp_N = 10 bar, dp = 2,5 bar

Gesucht: Q in l/min

Lösungsweg:

  1. dp/dp_N = 2,5/10 = 0,25
  2. sqrt(0,25) = 0,5
  3. Q = 30 · 0,5 = 15 l/min

Ergebnis: Q = 15 l/min

Aufgabe 3: Eine Achse benötigt 36 l/min. Das Ventil hat Q_N = 60 l/min bei dp_N = 5 bar. Welcher Druckabfall entsteht über die Steuerkante?

Gegeben: Q_soll = 36 l/min, Q_N = 60 l/min, dp_N = 5 bar

Gesucht: dp in bar

Lösungsweg:

  1. dp = dp_N · (Q/Q_N)² = 5 · (36/60)² = 5 · 0,36 = 1,8 bar

Ergebnis: dp = 1,8 bar

Aufgabe 4: Ein Proportionalmagnet hat eine Magnet-Konstante von 25 N/A. Die Verstärkerkarte arbeitet mit einem Maximalstrom von 2 A und einem Tastgrad von 50 %. Welche Magnetkraft stellt sich näherungsweise ein?

Gegeben: k = 25 N/A, I_max = 2 A, Tastgrad = 50 %

Gesucht: F_mag in N

Lösungsweg:

  1. I_eff = 2 A · 0,5 = 1 A
  2. F_mag = k · I_eff = 25 N/A · 1 A = 25 N

Ergebnis: F_mag = 25 N

Aufgabe 5: Eine Verstärkerkarte hat eine Periodendauer von 1,25 ms und eine Einschaltzeit von 1 ms. Der Strom bei Dauereinschaltung beträgt 1,8 A. Welcher effektive Strom fließt?

Gegeben: T = 1,25 ms, t_ein = 1 ms, I_max = 1,8 A

Gesucht: I_eff in A

Lösungsweg:

  1. Tastgrad = 1/1,25 = 0,8
  2. I_eff = 1,8 A · 0,8 = 1,44 A

Ergebnis: I_eff = 1,44 A

Aufgabe 6: Ein Ventil mit Q_N = 40 l/min bei dp_N = 5 bar soll 50 l/min liefern. Welcher Druckabfall stellt sich ein, und wie ist das Ergebnis zu bewerten?

Gegeben: Q_soll = 50 l/min, Q_N = 40 l/min, dp_N = 5 bar

Gesucht: dp in bar

Lösungsweg:

  1. dp = 5 · (50/40)² = 5 · 1,5625 = 7,81 bar

Ergebnis: dp = 7,81 bar. Der Druckabfall liegt über dem Nennwert — das Ventil ist für diesen Volumenstrom knapp dimensioniert, die Drosselverluste steigen.

Was ist das zentrale Merkmal eines stetig wirkenden Ventils gegenüber einem Schaltventil?

  • a) Es kann den Durchflussquerschnitt stufenlos einstellen
  • b) Es benötigt keinen Strom
  • c) Es arbeitet ohne Druck
  • d) Es ist immer kleiner gebaut

Richtig: a)

Stetig wirkende Ventile verstellen den Querschnitt stufenlos (a). Strom (b) und Druck (c) brauchen sie sehr wohl, und die Baugröße (d) ist kein Unterscheidungsmerkmal.

Eine Verstärkerkarte hält bei einem Proportionalmagneten gezielt den Strom konstant. Welcher Effekt wird damit vermieden?

  • a) Ein zu hoher Volumenstrom
  • b) Eine zu niedrige Versorgungsspannung
  • c) Ein Wegdriften der Magnetkraft bei Erwärmung der Spule
  • d) Das Ansprechen des Druckbegrenzungsventils

Richtig: c)

Bei konstanter Spannung würde der Strom mit steigendem Spulenwiderstand sinken und die Kraft wegdriften — Stromregelung verhindert das (c). Mit Volumenstrom (a), Versorgungsspannung (b) und Druckbegrenzung (d) hat das nichts zu tun.

Wozu dient das Dither-Signal?

  • a) Zur Druckbegrenzung
  • b) Zur Kühlung der Spule
  • c) Zur Messung des Volumenstroms
  • d) Zur Überwindung der Haftreibung des Steuerkolbens und Senkung der Hysterese

Richtig: d)

Dither hält den Kolben in kleiner Bewegung und reduziert so die Hysterese (d). Es begrenzt keinen Druck (a), kühlt nicht (b) und misst nichts (c).

Welche Aussage zur Überdeckung trifft zu?

  • a) Negative Überdeckung erzeugt das größte Totband
  • b) Positive Überdeckung erzeugt um die Mittelstellung ein Totband
  • c) Nullüberdeckung bedeutet, dass das Ventil immer leckt
  • d) Überdeckung hat keinen Einfluss auf das Verhalten

Richtig: b)

Positive Überdeckung schafft das Totband (b). Negative Überdeckung lässt im Gegenteil Leckage zu, kein Totband (a). Nullüberdeckung schließt bündig (c), und die Überdeckung prägt das Nullverhalten deutlich (d).

Ein Proportional-Druckventil unterscheidet sich von einem Proportional-Wegeventil vor allem dadurch, dass

  • a) der Magnet die Federvorspannung statt eines Durchflussquerschnitts verstellt
  • b) es ohne Magnet auskommt
  • c) es nur schaltet
  • d) es keinen Steuerkolben besitzt

Richtig: a)

Beim Druckventil wirkt der Magnet auf die Federvorspannung, gegen die der Druck arbeitet (b). Einen Magneten (a) braucht es weiterhin, es arbeitet stetig statt schaltend (c), und ein Stellelement ist vorhanden (d).

Warum eignet sich ein Servoventil besser für den geschlossenen Regelkreis als ein einfaches Proportionalventil?

  • a) Weil es keinen Sensor braucht
  • b) Weil es nur in offener Steuerung läuft
  • c) Weil seine hohe Dynamik und geringe Überdeckung dem Regler erlauben, Abweichungen schnell und genau auszugleichen
  • d) Weil es langsamer reagiert

Richtig: c)

Hohe Dynamik und geringes Totband sind ideal für schnelle Regelung (c). Ein Sensor ist im Regelkreis nötig (a), das Servoventil ist gerade für den geschlossenen Betrieb gemacht (b), und es reagiert schneller, nicht langsamer (d).

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Volumenstrom und Druckabfall an einer Steuerkante bei festem Öffnungsquerschnitt?

  • a) Der Volumenstrom ist proportional zum Druckabfall
  • b) Der Volumenstrom sinkt mit steigendem Druckabfall
  • c) Es besteht kein Zusammenhang
  • d) Der Volumenstrom steigt mit der Wurzel aus dem Druckabfall

Richtig: d)

Über eine Drossel gilt der Wurzelzusammenhang (d). Eine direkte Proportionalität (a) trifft nicht zu, der Volumenstrom sinkt nicht (b), und ein klarer Zusammenhang besteht sehr wohl (c).

Eine Anlage zeigt an einem Proportionalventil bei steigendem und fallendem Sollwert leicht unterschiedliche Volumenströme beim selben Sollwert. Wie heißt dieser Effekt?

  • a) Resonanz
  • b) Hysterese
  • c) Kavitation
  • d) Übersetzung

Richtig: b)

Unterschiedliches Verhalten je nach Richtung der Signaländerung ist Hysterese (c). Resonanz (a), Kavitation (b) und Übersetzung (d) beschreiben andere Phänomene.

Welche Bauform gehört typischerweise zur Vorsteuerstufe eines Servoventils?

  • a) Düse-Prallplatte-System
  • b) Schwimmerschalter
  • c) Zahnradpumpe
  • d) Membranspeicher

Richtig: a)

Düse-Prallplatte (und Strahlrohr) sind klassische Vorsteuerprinzipien (a). Schwimmerschalter (b), Zahnradpumpe (c) und Membranspeicher (d) erfüllen ganz andere Funktionen.

Ein Betrieb will Kosten sparen und sauberes Öl ist nicht garantiert. Die Achse braucht nur moderate Genauigkeit. Welche Wahl ist sinnvoll?

  • a) Servoventil, unabhängig von der Ölreinheit
  • b) Servoventil mit doppeltem Filter als Pflicht
  • c) Proportionalventil, weil robuster, günstiger und weniger empfindlich gegen Verschmutzung
  • d) Schaltventil, weil stufenlose Steuerung hier unmöglich ist

Richtig: c)

Bei moderaten Anforderungen und nicht garantierter Ölreinheit ist das Proportionalventil die robuste, wirtschaftliche Wahl (c). Ein Servoventil wäre empfindlich und teurer (a, b), und stufenlose Steuerung ist mit einem Proportionalventil sehr wohl möglich (d).

Was beschreibt der Nennvolumenstrom Q_N eines Proportionalventils?

  • a) Den maximal zulässigen Druck
  • b) Den Leckölstrom in Mittelstellung
  • c) Den Volumenstrom bei halber Ansteuerung
  • d) Den Volumenstrom bei voller Ansteuerung und definiertem Nenn-Druckabfall

Richtig: d)

Q_N gilt für volle Ansteuerung bei festgelegtem Nenn-Druckabfall (d). Mit Druck (a), Leckage (b) oder halber Ansteuerung (c) hat der Kennwert nichts zu tun.

Warum wird der Spulenstrom in der Verstärkerkarte häufig per PWM erzeugt?

  • a) Weil PWM den Maximaldruck erhöht
  • b) Weil die schaltende Endstufe kaum Verlustleistung erzeugt und die PWM zugleich als Dither wirken kann
  • c) Weil PWM die Ölreinheit verbessert
  • d) Weil ohne PWM kein Strom fließt

Richtig: b)

PWM hält die Endstufe verlustarm und liefert zugleich den Dither (b). Mit Druck (a) und Ölreinheit (c) hat sie nichts zu tun, und Strom fließt auch ohne PWM (d), nur weniger effizient.

Glossar

Stetig wirkendes Ventil
Ventil, dessen Durchflussquerschnitt stufenlos zwischen geschlossen und voll geöffnet verstellt werden kann, im Gegensatz zum Schaltventil mit nur zwei Endlagen.
Proportionalmagnet
Elektromagnet, der über seinen Arbeitsbereich eine zum Spulenstrom proportionale Kraft liefert und damit einen Steuerkolben stufenlos verschiebt.
Verstärkerkarte
Ansteuerelektronik, die aus einem kleinen Sollwertsignal den geregelten Spulenstrom für den Proportionalmagneten erzeugt.
Pulsweitenmodulation (PWM)
Verfahren, bei dem eine Spannung schnell ein- und ausgeschaltet wird; über das Verhältnis von Einschaltzeit zur Periodendauer (Tastgrad) wird der mittlere Strom eingestellt.
Dither
Gewollte kleine, hochfrequente Schwingung des Spulenstroms, die den Steuerkolben in Bewegung hält, Haftreibung überwindet und die Hysterese senkt.
Hysterese
Abweichung, bei der ein Ventil bei steigendem und fallendem Signal beim selben Sollwert leicht unterschiedliche Stellungen einnimmt.
Überdeckung
Maß dafür, wie die Steuerkanten in Mittelstellung schließen; positive Überdeckung erzeugt ein Totband, Nullüberdeckung schließt bündig, negative Überdeckung lässt Leckage zu.
Totband
Bereich um die Mittelstellung, in dem Sollwertänderungen keinen Volumenstrom bewirken, typische Folge positiver Überdeckung.
Nennvolumenstrom (Q_N)
Volumenstrom, der bei voller Ansteuerung und einem definierten Nenn-Druckabfall über die Steuerkante fließt; zentraler Auslegungskennwert aus dem Datenblatt.
Servoventil
Hochdynamisches, sehr genaues stetig wirkendes Ventil mit hydraulischer Vorsteuerstufe und integrierter Lagerückführung.
Vorsteuerstufe
Hydraulische Verstärkung in einem Servoventil, die eine kleine elektrische Auslenkung in eine ausreichende Kraft zum Verschieben des Hauptkolbens umsetzt.
Düse-Prallplatte-System
Vorsteuerprinzip, bei dem eine ausgelenkte Prallplatte zwischen zwei Düsen eine Druckdifferenz erzeugt, die den Hauptkolben verschiebt.
Geschlossener Regelkreis
Betriebsart, in der ein Sensor die Istgröße misst, mit dem Sollwert vergleicht und das Stellsignal laufend korrigiert, bis Soll und Ist übereinstimmen.

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