Bewegungsdiagramm und Steuerkette

Eine pneumatische Vorrichtung spannt ein Werkstück, hebt es an, schiebt es weiter und legt es ab — immer in derselben Reihenfolge, immer gleich. Damit so ein Ablauf zuverlässig funktioniert, muss er sauber beschrieben sein. Zwei Werkzeuge gehören dabei zusammen: das Bewegungsdiagramm sagt, was die Zylinder wann tun, und die Steuerkette sagt, wodurch der nächste Schritt ausgelöst wird.

Wer beide zusammen liest, versteht den ganzen Ablauf einer Folgesteuerung — von der Bezeichnung der Zylinder über die Abfrage der Endlagen bis zum Grundprinzip „ein Signal löst eine Bewegung aus, die Bewegung meldet sich zurück und gibt den nächsten Schritt frei“.

Vorwissen

  • Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
  • Pneumatikzylinder und Bauformen
  • Direkte und indirekte Ansteuerung

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Zylinder und ihre Endlagen normgerecht und in der kompakten Ablaufschreibweise bezeichnen
  • den Signalzustand eines Endschalters (0 oder 1) seiner mechanischen Stellung zuordnen
  • aus einem Bewegungsdiagramm den Schrittablauf einer Anlage ablesen
  • die Glieder einer Steuerkette benennen und den Energie- und Signalfluss erklären
  • aus einem gewünschten Bewegungsablauf eine Schalttabelle mit Schritt, Bedingung und Aktion erstellen

1. Zylinder und Schritte bezeichnen

Bevor man einen Ablauf steuern kann, muss man ihn eindeutig aufschreiben können. Stell dir eine Anlage mit zwei Zylindern vor. Würde man die Bewegungen nur mit Worten beschreiben — „der vordere fährt raus, dann der seitliche, dann der vordere wieder rein“ — wird das schnell unübersichtlich. Deshalb arbeitet man mit einer festen Systematik.

Auf Schaltplänen und in der Anlagendokumentation werden Bauteile nach einer genormten Betriebsmittelkennzeichnung mit einem Buchstaben-Code gekennzeichnet (EN IEC 81346-2). Ein Zylinder als Antrieb bekommt zum Beispiel das Kennzeichen -MM1, ein zugehöriger Sensor -BG1 und -BG2. Diese Kennzeichnung findest du an realen Anlagen und in professionellen Plänen. Du musst sie lesen und zuordnen können.

Für die Beschreibung des reinen Bewegungsablaufs ist dieser Code aber zu sperrig. Hier hat sich eine kompakte Schreibweise durchgesetzt: Die Zylinder heißen A, B, C und so weiter. Ein Zustandszeichen dahinter zeigt die Bewegungsrichtung:

  • A+ bedeutet: Zylinder A fährt aus.
  • A− bedeutet: Zylinder A fährt ein.

Ein typischer Ablauf liest sich dann als Kette von Schritten:

A+ B+ A− B−

Das heißt: A fährt aus, dann B aus, dann A ein, dann B ein. Vier Schritte, danach beginnt der Zyklus von vorne. Beide Schreibweisen meinen dieselben Bauteile — die Norm-Kennzeichnung für den Plan, die Kurzform für den Ablauf.

Endlagen abfragen. Jeder Zylinder hat zwei Endlagen: ganz eingefahren und ganz ausgefahren. An beiden sitzt meist ein Endschalter oder Näherungssensor, der meldet, ob der Kolben dort angekommen ist. Diese Endlagensignale bekommen den Kleinbuchstaben des Zylinders mit einer Ziffer:

  • a0 — Zylinder A is in der hinteren Endlage (eingefahren).
  • a1 — Zylinder A ist in der vorderen Endlage (ausgefahren).

Für B entsprechend b0 und b1. Diese Sensoren sind später die Auslöser für den nächsten Schritt — merk dir das schon hier.

Der Signalzustand: 0 oder 1. Ein Sensor kennt nur zwei Zustände. Entweder der Kolben steht genau an seiner Position, dann ist der Sensor betätigt und gibt ein Signal — das ist der Zustand 1 (betätigt, „High“). Oder der Kolben ist woanders, dann ist der Sensor unbetätigt, Zustand 0 (unbetätigt, „Low“).

Wichtig ist die genaue Zuordnung von mechanischer Position zu Signal: Wenn Zylinder A ausgefahren ist, liefert a1 = 1 und a0 = 0. Fährt A ein, kippt es um: a0 = 1, a1 = 0. Während der Kolben unterwegs ist, sind kurzzeitig beide 0 — kein Endschalter ist betätigt. Genau diese 0/1-Logik braucht man später, um zu verstehen, welches Signal welchen Schritt freigibt.

Was ist die Steuerkette? Den Begriff Steuerkette klären wir hier nur grob, ausführlich kommt er in Kapitel 3. Gemeint ist die durchgehende Wirkungsfolge vom auslösenden Signal über das Ventil bis zur Bewegung des Zylinders. Das Bewegungsdiagramm ist die Beschreibung des gewünschten Ablaufs, die Steuerkette ist der Wirkungsweg, der diesen Ablauf in der Anlage tatsächlich herstellt.

Ein Ablauf ist notiert als A+ B+ B− A−. Welche Bewegungsfolge beschreibt das?

  • a) A aus, B aus, A ein, B ein
  • b) A ein, B ein, B aus, A aus
  • c) A aus, B aus, B ein, A ein
  • d) B aus, A aus, A ein, B ein

Richtig: c)

Das Pluszeichen steht für Ausfahren, das Minuszeichen für Einfahren, und die Reihenfolge wird von links nach rechts gelesen. A+ = A aus, B+ = B aus, B− = B ein, A− = A ein. Antwort a vertauscht die letzten beiden Schritte, b kehrt die Richtungen um, d vertauscht die Zylinder im ersten Schritt.

Zylinder A ist gerade vollständig ausgefahren und steht still. Welche Signalkombination der Endschalter ist korrekt?

  • a) a0 = 1, a1 = 1
  • b) a0 = 1, a1 = 0
  • c) a0 = 0, a1 = 0
  • d) a0 = 0, a1 = 1

Richtig: d)

In der ausgefahrenen Endlage betätigt der Kolben den vorderen Sensor a1, also a1 = 1; der hintere a0 ist unbetätigt, also a0 = 0. Antwort a ist physikalisch unmöglich (der Kolben kann nicht an beiden Enden gleichzeitig sein), b beschreibt die eingefahrene Stellung, c gilt nur während der Fahrt zwischen den Endlagen.

Warum reicht die kommape Schreibweise A+/A− in einem professionellen Schaltplan einer realen Anlage nicht aus?

  • a) Weil zur eindeutigen Bauteilidentifikation am Plan die genormte Kennzeichnung nach EN IEC 81346-2 nötig ist
  • b) Weil sie kein international verständliches System ist
  • c) Weil sie die Bewegungsrichtung nicht angibt
  • d) Weil sie nur für hydraulische Anlagen gilt

Richtig: a)

Die Kurzform A+/A− beschreibt den Ablauf sehr gut, identifiziert aber kein konkretes Betriebsmittel im Plan. Dafür braucht es die genormte Kennzeichnung wie -MM1 oder -BG1, die jedes Bauteil eindeutig benennt. Die Richtung gibt das Plus-/Minuszeichen sehr wohl an (c falsch), und die Schreibweise ist weder auf Hydraulik beschränkt (d) noch ist mangelnde internationale Verständlichkeit der Kernpunkt (b).

2. Das Bewegungsdiagramm lesen

Das Bewegungsdiagramm bringt den Schrittablauf in eine grafische Form: Auf der waagrechten Achse stehen die Schritte, auf der senkrechten der Weg jedes Zylinders zwischen eingefahren und ausgefahren. Man sieht auf einen Blick, welcher Zylinder in welchem Schritt seine Stellung ändert und welcher steht.

Die ausführliche Darstellung — Aufbau, Linienführung, der Unterschied zwischen Weg-Schritt- und Weg-Zeit-Diagramm — ist ein eigenes Thema und wird im Beitrag „Weg-Schritt- und Weg-Zeit-Diagramm“ behandelt. Hier geht es nur darum, aus dem Diagramm den Ablauf herauszulesen und ihn mit der Bewegungsfolge zu verknüpfen.

Für unseren Beispielablauf A+ B+ A− B− lässt sich der Zustand der beiden Zylinder pro Schritt einfach als Tabelle festhalten. „aus“ heißt ausgefahren (Endlage 1), „ein“ heißt eingefahren (Endlage 0):

Schritt Aktion Zylinder A Zylinder B
Start ein ein
1 A+ aus ein
2 B+ aus aus
3 A− ein aus
4 B− ein ein

So liest man das Diagramm: In jedem Schritt ändert genau ein Zylinder seine Lage, der andere bleibt stehen. Nach Schritt 4 ist wieder der Startzustand erreicht — der Zyklus kann von vorne beginnen. Diese Tabelle ist die Brücke zwischen dem Bild und der Steuerung: Jede Zeile ist ein Schritt, und der Wechsel von einer Zeile zur nächsten muss durch ein Signal ausgelöst werden. Genau das ist Thema der nächsten Kapitel.

In der Schritt-Tabelle des Ablaufs A+ B+ A− B− steht Zylinder B im Schritt 2 auf „aus“. Was bedeutet das für die Endschalter von B?

  • a) b0 = 1, b1 = 0
  • b) b0 = 1, b1 = 1
  • c) beide Endschalter 0
  • d) b0 = 0, b1 = 1

Richtig: d)

„aus“ bedeutet ausgefahren, also ist der vordere Endschalter b1 betätigt (b1 = 1) und der hintere b0 unbetätigt (b0 = 0). Antwort a beschreibt die eingefahrene Lage, b ist unmöglich, und c würde nur während der Bewegung gelten, nicht im stabilen Zustand nach Schritt 2.

Warum sollte in einem sauber geplanten Bewegungsablauf pro Schritt möglichst nur ein Zylinder seine Stellung ändern?

  • a) Weil Zylinder sich technisch nicht gleichzeitig bewegen können
  • b) Weil jeder Schritt klar durch eine erreichte Endlage ausgelöst und quittiert werden kann
  • c) Weil sonst doppelt so viel Druckluft verbraucht wird
  • d) Weil das Diagramm sonst nicht zeichenbar ist

Richtig: b)

Wenn pro Schritt nur ein Zylinder fährt, lässt sich der Abschluss dieses Schritts eindeutig an genau einer Endlage erkennen, die dann den nächsten Schritt freigibt — die Steuerung bleibt nachvollziehbar. Gleichzeitige Bewegungen sind technisch durchaus möglich (a falsch), der Luftverbrauch ist nicht das Kriterium (c), und zeichnen ließe sich auch ein Diagramm mit parallelen Bewegungen (d).

3. Die Steuerkette: Ursache und Wirkung

Jetzt zum Kern. Eine Bewegung entsteht in der Pneumatik nicht von selbst — sie ist das Ende einer Wirkungskette aus mehreren Gliedern. Diese Kette nennt man Steuerkette. Sie beschreibt, wie ein Signal über mehrere Stufen bis zur fertigen Bewegung durchläuft.

Die Steuerkette hat drei Hauptglieder, immer in derselben Reihenfolge:

  • Das Signalglied ist der Geber. Hier entsteht das Eingangssignal: ein Endschalter, ein Näherungssensor oder ein von Hand betätigter Taster. Das Signalglied meldet einen Zustand, zum Beispiel „Zylinder A hat die vordere Endlage erreicht“ (a1 = 1).
  • Das Steuerglied ist das Ventil. Es verarbeitet das Signal und schaltet den Weg der Druckluft um. Bekommt das Steuerglied das Signal, leitet es die Luft auf die richtige Zylinderseite.
  • Das Arbeitsglied (auch Stellglied) ist der Zylinder. Er setzt die Druckluft in Bewegung und Kraft um. Das ist das sichtbare Ergebnis am Ende der Kette.

Der Energiefluss läuft vom Steuerglied zum Arbeitsglied: Die Druckluft als Energieträger wird vom Ventil zum Zylinder geleitet. Der Signalfluss läuft davor: vom Signalglied zum Steuerglied. Das Signal trägt fast keine Leistung, es entscheidet nur über die Richtung — wie ein Lichtschalter, der selbst kaum Strom führt, aber einen starken Verbraucher freigibt.

Das eigentlich Wichtige ist, wie sich die Kette schließt. Wenn der Zylinder seine neue Endlage erreicht, betätigt er dort einen Endschalter. Dieser Endschalter ist selbst wieder ein Signalglied — und zwar das Signalglied für den nächsten Schritt. So entsteht eine durchlaufende Folge:

Signal → Ventil → Bewegung → neue Endlage erreicht → neues Signal → nächstes Ventil → …

Jeder Schritt meldet über seine erreichte Endlage „ich bin fertig“ und gibt damit den folgenden Schritt frei. Aus den drei Gliedern wird so eine fortlaufende Ablaufsteuerung, in der ein Schritt den nächsten anstößt.

In welcher Reihenfolge durchläuft die Wirkung eine pneumatische Steuerkette?

  • a) Signalglied → Steuerglied → Arbeitsglied
  • b) Steuerglied → Signalglied → Arbeitsglied
  • c) Arbeitsglied → Steuerglied → Signalglied
  • d) Signalglied → Arbeitsglied → Steuerglied

Richtig: a)

Zuerst entsteht im Signalglied das Eingangssignal, dieses schaltet das Steuerglied (Ventil), und das Ventil leitet die Druckluft zum Arbeitsglied (Zylinder). Antwort c kehrt die Kette um, b und d setzen das Ventil oder den Zylinder an die falsche Stelle.

Ein Zylinder fährt nicht aus, obwohl der zugehörige Endschalter sauber schaltet und sein Signal am Ventil ankommt. In welchem Glied der Steuerkette ist der Fehler am ehesten zu suchen?

  • a) Im Signalglied, der Sensor ist defekt
  • b) In der Bewegungsfolge des Diagramms
  • c) Im Schrittzähler der Anlage
  • d) Im Steuer- oder Arbeitsglied, also Ventil, Druckluftversorgung oder Zylinder

Richtig: d)

Wenn das Signal nachweislich am Ventil ankommt, ist der Signalweg in Ordnung. Bleibt die Bewegung trotzdem aus, liegt das Problem im Energiefluss: Ventil schaltet nicht, kein oder zu wenig Druck, Leitung oder Zylinder defekt. Der Sensor ist hier ausdrücklich in Ordnung (a), und Diagramm oder Schrittzähler sind keine physischen Glieder der Kette, in denen eine Bewegung „hängen“ könnte (b, c).

Wodurch wird in einer Folgesteuerung der jeweils nächste Schritt freigegeben?

  • a) Durch einen festen Zeittakt
  • b) Durch das Erreichen der Endlage des vorherigen Schritts
  • c) Durch den Druckabfall im System
  • d) Durch manuelles Weiterschalten

Richtig: b)

In einer wegabhängigen Folgesteuerung meldet der Zylinder über den Endschalter seiner neuen Endlage, dass der Schritt abgeschlossen ist; dieses Signal gibt den nächsten Schritt frei. Ein fester Zeittakt (a) wäre eine zeitabhängige Steuerung und unsicher, weil sie nicht prüft, ob die Bewegung wirklich fertig ist. Druckabfall (c) und manuelles Schalten (d) sind nicht das reguläre Auslösekriterium einer automatischen Folgesteuerung.

4. Vom Bewegungsablauf zur Ablaufsteuerung

Jetzt fügen wir beide Werkzeuge zusammen. Gegeben ist der gewünschte Bewegungsablauf — bei uns A+ B+ A− B−. Daraus muss eine konkrete Steuerung werden, die weiß, welcher Endschalter welches Ventil schaltet.

Der methodische Trick ist die Schalttabelle: eine Tabelle, in der jedem Schritt das auslösende Signal (die Bedingung) und die ausgelöste Aktion gegenübergestellt wird. Sie ist die Brücke vom Diagramm zur fertigen Schaltung — und übrigens auch zum SPS-Programm, falls die Steuerung elektronisch umgesetzt wird.

Man liest die Schritt-Tabelle aus Kapitel 2 und überlegt für jeden Schritt: Welche Endlage ist gerade erreicht worden (Bedingung)? Und was soll daraufhin passieren (Aktion)?

Schritt Bedingung (auslösendes Signal) Aktion (Ventil/Bewegung)
Start Starttaster betätigt und A,B eingefahren (a0, b0) A+
1 A ausgefahren (a1) B+
2 B ausgefahren (b1) A−
3 A eingefahren (a0) B−
4 B eingefahren (b0) Zyklus zu Ende, zurück zum Start

So liest sich die Tabelle: Der Start braucht eine zusätzliche Freigabe (Taster), damit die Anlage nicht von allein losläuft. Danach löst jede erreichte Endlage die nächste Bewegung aus. Die Bedingung in jeder Zeile ist genau das Signalglied der Steuerkette aus Kapitel 3, die Aktion ist die Umschaltung des passenden Steuerglieds.

Quittierung. Wichtig ist das Prinzip, dass ein Schritt erst startet, wenn der vorige nachweislich abgeschlossen ist. Die erreichte Endlage ist die Quittung „Schritt erledigt“. Erst diese Rückmeldung gibt den nächsten frei. Eine solche wegabhängige Steuerung ist sicherer als eine rein zeitgesteuerte, weil sie nicht blind nach Ablauf einer Zeit weiterschaltet, sondern prüft, ob die Bewegung wirklich passiert ist.

Wo es schwierig wird. In manchen Abläufen will ein Endschalter zwei verschiedene Dinge auslösen — je nachdem, an welcher Stelle im Zyklus man sich befindet. Dann liefert ein Signal eine widersprüchliche Anweisung, und die einfache Schalttabelle reicht nicht mehr. Dieses Problem heißt Signalüberschneidung, und die Verfahren, es zu lösen — die Kaskandenschaltung und die Schrittkettenmethode — sind jeweils eigene, größere Themen. Hier genügt das Bewusstsein: Sobald ein Signal mehrdeutig wird, braucht es ein methodisches Werkzeug, um die Schritte sauber zu trennen.

Was beschreibt eine Zeile der Schalttabelle korrekt?

  • a) Nur die Aktion eines Schritts
  • b) Nur die erreichte Endlage
  • c) Die Gegenüberstellung von auslösender Bedingung und ausgelöster Aktion
  • d) Den Zeitpunkt jedes Schritts in Sekunden

Richtig: c)

Die Schalttabelle paart pro Schritt das auslösende Signal (Bedingung) mit der daraufhin ausgelösten Bewegung (Aktion) — genau das macht sie zur Brücke zwischen Ablauf und Schaltung. Eine reine Aktions- oder Endlagenliste (a, b) wäre unvollständig, und eine zeitabhängige Angabe in Sekunden (d) gehört zur Weg-Zeit-Betrachtung, nicht zur wegabhängigen Schalttabelle.

Warum braucht der allererste Schritt einer Anlage zusätzlich zum Endlagensignal meist noch eine Starttaste?

  • a) Damit die Anlage nicht selbsttätig anläuft, sobald sie in Grundstellung steht
  • b) Weil sonst zu viel Druckluft verbraucht würde
  • c) Weil der erste Endschalter immer defekt ist
  • d) Weil die Schalttabelle sonst keine erste Zeile hätte

Richtig: a)

In Grundstellung sind a0 and b0 betätigt — diese Bedingung allein würde den ersten Schritt sofort und immer wieder auslösen. Die Starttaste sorgt dafür, dass der Zyklus nur auf bewusste Freigabe beginnt. Der Luftverbrauch (b) ist nicht der Grund, ein defekter Endschalter (c) ist kein normaler Zustand, und die Tabelle hätte technisch auch ohne Taster eine erste Zeile (d).

Ein Endschalter soll an einer Stelle im Zyklus „Zylinder einfahren“ und an einer anderen Stelle „Zylinder ausfahren“ auslösen. Welches Problem liegt vor?

  • a) Ein Druckverlust im System
  • b) Ein defektes Arbeitsglied
  • c) Ein Fehler im Bewegungsdiagramm
  • d) Eine Signalüberschneidung, die eine eigene Methode wie Kaskade oder Schrittkette erfordert

Richtig: d)

Wenn ein und dasselbe Signal je nach Zyklusstelle zwei gegensätzliche Aktionen verlangt, ist es mehrdeutig — das ist die klassische Signalüberschneidung. Eine einfache Schalttabelle kann das nicht auflösen, dafür gibt es Kaskaden- und Schrittkettenmethode. Druckverlust (a) und ein defektes Arbeitsglied (b) sind physische Störungen, kein logisches Steuerungsproblem, und das Diagramm selbst ist nicht fehlerhaft (c) — der gewünschte Ablauf ist legitim, nur die Umsetzung verlangt mehr als eine simple Tabelle.

5. Praxisbeispiel: Die Hubvorrichtung

Zum Schluss führen wir alles an einem durchgehenden Beispiel zusammen. Eine einfache Hubvorrichtung soll Werkstücke von einem unteren auf ein oberes Band umsetzen. Zwei Zylinder genügen:

  • Zylinder A ist der Hubzylinder. Er hebt das Werkstück an.
  • Zylinder B ist der Schiebezylinder. Er schiebt das angehobene Werkstück auf das obere Band.

Der gewünschte Ablauf: anheben, schieben, absenken, zurückschieben. In Kurzform:

A+ B+ A− B−

Schritt 1 — Bezeichnungen festlegen (aus Kapitel 1). Endlagen: a0/a1 für unten/oben des Hubzylinders, b0/b1 für hinten/vorn des Schiebers. In Grundstellung ist A unten (a0 = 1) und B zurückgezogen (b0 = 1).

Schritt 2 — Bewegungsdiagramm/Schritt-Tabelle (aus Kapitel 2).

Schritt Aktion Zylinder A (Hub) Zylinder B (Schieber)
Start unten zurück
1 A+ oben zurück
2 B+ oben vorn
3 A− unten vorn
4 B− unten zurück

Beachte: In Schritt 3 fährt der Hubzylinder ab, während der Schieber noch vorn steht. Das ist gewollt — das Werkstück liegt dann schon auf dem oberen Band, der Heber wird darunter weggezogen.

Schritt 3 — Steuerkette (aus Kapitel 3). Für Schritt 1 heißt das konkret: Starttaster und a0 sind das Signalglied, das Ventil von Zylinder A ist das Steuerglied, der Hubzylinder das Arbeitsglied. Erreicht A oben die Endlage a1, wird daraus das Signalglied für Schritt 2.

Schritt 4 — Schalttabelle (aus Kapitel 4).

Schritt Bedingung Aktion
Start Starttaster und a0 und b0 A+
1 a1 (A oben) B+
2 b1 (B vorn) A−
3 a0 (A unten) B−
4 b0 (B zurück) Zyklus fertig

Damit ist der Bogen geschlossen: Aus der gewünschten Bewegung wurde eine Bezeichnungssystematik, daraus ein lesbares Diagramm, daraus die Steuerkette und schließlich eine Schalttabelle, die man direkt in eine Verschaltung oder ein Steuerungsprogramm überträgt.

Bei der Hubvorrichtung fährt in Schritt 3 der Hubzylinder ab, während der Schieber noch vorn steht. Warum ist diese Reihenfolge sinnvoll?

  • a) Weil das Werkstück bereits auf dem oberen Band liegt und der Heber darunter weggezogen wird
  • b) Um Druckluft zu sparen
  • c) Weil beide Zylinder sich nie gleichzeitig bewegen dürfen
  • d) Weil a0 sonst nicht schaltet

Richtig: a)

Der Schieber hat das Werkstück in Schritt 2 auf das obere Band gebracht; senkt sich der Heber jetzt, bleibt das Werkstück oben liegen und der Heber ist frei für den nächsten Zyklus. Würde man zuerst den Schieber zurückfahren, zöge er das Werkstück womöglich wieder mit. Luftsparen (b) ist nicht der Grund, gleichzeitige Bewegung ist nicht generell verboten (c), und a0 schaltet unabhängig von der Reihenfolge (d).

Welche Bedingung löst bei der Hubvorrichtung den Schritt B+ (Schieben) aus?

  • a) Der Starttaster
  • b) b1, der Schieber ist vorn
  • c) b0, der Schieber ist zurück
  • d) a1, der Hubzylinder hat oben die Endlage erreicht

Richtig: d)

Geschoben werden darf erst, wenn das Werkstück oben ist — also wenn der Hubzylinder seine obere Endlage a1 meldet. b1 (b) wäre das Resultat des Schiebens, nicht seine Bedingung; der Starttaster (a) gilt nur für den allerersten Schritt; b0 (c) ist die Ausgangslage des Schiebers, nicht das Auslösesignal für sein Ausfahren.

In welcher Reihenfolge geht man bei der Planung der Vorrichtung methodisch vor?

  • a) Schalttabelle, dann Diagramm, dann Bezeichnungen
  • b) Bezeichnungen, Bewegungsdiagramm, Steuerkette, Schalttabelle
  • c) Steuerkette, dann Schalttabelle, dann Bezeichnungen
  • d) Diagramm, dann Bezeichnungen, dann Steuerkette

Richtig: b)

Erst legt man die Bezeichnungen der Zylinder und Endlagen fest, dann beschreibt das Bewegungsdiagramm den gewünschten Ablauf, daraus folgt die Steuerkette als Wirkungsweg, und am Ende fasst die Schalttabelle Bedingung und Aktion je Schritt zusammen. Die anderen Reihenfolgen setzen jeweils ein Werkzeug ein, bevor seine Grundlage feststeht.

Abschlusstest

Ein Endschalter liefert im Augenblick weder an a0 noch an a1 ein Signal (beide 0). Was lässt sich über Zylinder A sagen?

  • a) A ist ausgefahren
  • b) A ist eingefahren
  • c) Beide Endschalter sind defekt
  • d) A befindet sich gerade in Bewegung zwischen den Endlagen

Richtig: d)

Sind beide Endschalter unbetätigt, steht der Kolben an keiner der beiden Endlagen — er ist unterwegs. Ausgefahren hieße a1 = 1 (a), eingefahren a0 = 1 (b). Dass beide gleichzeitig defekt sind (c) ist möglich, aber nicht die naheliegende Erklärung für einen ganz normalen Bewegungszustand.

Welches Glied der Steuerkette schaltet den Weg der Druckluft um?

  • a) Das Steuerglied
  • b) Das Signalglied
  • c) Das Arbeitsglied
  • d) Der Endschalter

Richtig: a)

Das Steuerglied ist das Ventil; es verarbeitet das Signal und leitet die Druckluft auf die richtige Zylinderseite. Das Signalglied bzw. der Endschalter (b, d) liefert nur die Information, das Arbeitsglied (c) ist der Zylinder, der die Luft in Bewegung umsetzt.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Signalfluss und Energiefluss in der Steuerkette?

  • a) Es gibt keinen Unterschied
  • b) Der Signalfluss überträgt die Leistung, der Energiefluss nur Information
  • c) Der Signalfluss überträgt Information mit wenig Leistung, der Energiefluss die Druckluft zur Bewegung
  • d) Beide übertragen ausschließlich Druckluft

Richtig: c)

Das Signal entscheidet nur über die Richtung und führt fast keine Leistung; die eigentliche Arbeit leistet die Druckluft im Energiefluss vom Ventil zum Zylinder. Antwort b vertauscht beide, a und d verkennen, dass Signal- und Energiepfad unterschiedliche Aufgaben haben.

Bei einer wegabhängigen Folgesteuerung wird der nächste Schritt ausgelöst durch …

  • a) … einen festen Zeittakt.
  • b) … das Erreichen der Endlage des vorigen Schritts.
  • c) … das Absinken des Betriebsdrucks.
  • d) … einen externen Taktgeber.

Richtig: b)

Wegabhängig heißt: Die erreichte Position quittiert den Schritt und gibt den nächsten frei. Ein fester Zeittakt (a) oder externer Taktgeber (d) gehört zur zeitabhängigen Steuerung, der Betriebsdruck (c) ist kein reguläres Schrittsignal.

Warum gilt eine wegabhängige Steuerung als sicherer als eine rein zeitabhängige?

  • a) Sie ist billiger im Aufbau
  • b) Sie schaltet erst weiter, wenn die Bewegung tatsächlich abgeschlossen ist
  • c) Sie braucht keine Endschalter
  • d) Sie kommt ohne Ventile aus

Richtig: b)

Die wegabhängige Steuerung prüft über den Endschalter, ob die Bewegung wirklich passiert ist, bevor sie weiterschaltet — eine zeitabhängige schaltet blind nach Ablauf einer Zeit, auch wenn der Zylinder klemmt. Endschalter (c) sind dafür gerade nötig, Ventile (d) braucht sie ebenso, und der Preis (a) ist nicht das Sicherheitsargument.

Der Ablauf einer Anlage lautet A+ A− B+ B−. Wie viele Schritte ändern hier nacheinander die Stellung von Zylinder A, bevor B sich zum ersten Mal bewegt?

  • a) Ein Schritt
  • b) Drei Schritte
  • c) Kein Schritt
  • d) Zwei Schritte

Richtig: d)

A fährt erst aus (A+) und dann wieder ein (A−), das sind zwei Schritte von Zylinder A, bevor B+ folgt. Antwort a unterschlägt einen A-Schritt, b zählt einen B-Schritt mit, c ist offensichtlich falsch.

In einer Schalttabelle steht für Schritt 2 die Bedingung „b1″ und die Aktion „A−“. Was bedeutet das?

  • a) Wenn A eingefahren ist, fährt B aus
  • b) Wenn B vorn (ausgefahren) ist, fährt A ein
  • c) Wenn B zurück ist, fährt A aus
  • d) A und B fahren gleichzeitig

Richtig: b)

b1 = 1 bedeutet, Zylinder B hat die ausgefahrene Endlage erreicht; dieses Signal löst die Aktion A− aus, also das Einfahren von A. Antwort a vertauscht die Zylinder, c verwechselt b1 mit b0, und von gleichzeitiger Bewegung (d) sagt die Zeile nichts.

Warum braucht ein Schaltplan einer realen Anlage die Kennzeichnung nach EN IEC 81346 zusätzlich zur Ablaufschreibweise A+/B−?

  • a) Weil A+/B− die Richtung nicht angibt
  • b) Weil A+/B− international verboten ist
  • c) Weil nur so jedes einzelne Betriebsmittel im Plan eindeutig identifizierbar ist
  • d) Weil die Norm den Bewegungsablauf vorschreibt

Richtig: c)

A+/B− beschreibt sehr gut den Ablauf, benennt aber kein konkretes Bauteil; die Betriebsmittelkennzeichnung ordnet jedem Ventil, Sensor und Antrieb ein eindeutiges Kennzeichen zu. Die Richtung gibt das Vorzeichen sehr wohl an (a), ein Verbot existiert nicht (b), und die Norm schreibt die Kennzeichnung vor, nicht den Ablauf selbst (d).

Eine Anlage läuft sofort nach dem Einschalten ununterbrochen durch, ohne dass jemand Start gedrückt hat. Welcher Planungsfehler ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Der erste Schritt fragt nur die Grundstellung ab, ohne zusätzliche Startbedingung
  • b) Die Endschalter sind falsch herum montiert
  • c) Der Betriebsdruck ist zu hoch
  • d) Das Bewegungsdiagramm hat zu viele Schritte

Richtig: a)

Steht die Anlage in Grundstellung, sind a0 und b0 betätigt — fragt der erste Schritt nur diese Bedingung ab, löst er sofort und immer wieder aus. Es fehlt die UND-Verknüpfung mit dem Starttaster. Falsch montierte Endschalter (b) würden eher zu Fehlbewegungen führen, Betriebsdruck (c) und Schrittzahl (d) erklären das selbsttätige Anlaufen nicht.

Ein und derselbe Endschalter soll in einem Zyklus einmal das Ausfahren und einmal das Einfahren eines Zylinders auslösen. Was ist die Folge, und wie löst man es?

  • a) Kein Problem, der Endschalter schaltet einfach doppelt
  • b) Eine Signalüberschneidung; gelöst wird sie mit Kaskaden- oder Schrittkettenmethode
  • c) Ein Druckproblem; gelöst durch eine größere Pumpe
  • d) Ein Verschleißproblem; gelöst durch häufigeren Tausch des Schalters

Richtig: b)

Ein mehrdeutiges Signal, das je nach Zyklusstelle zwei gegensätzliche Aktionen verlangt, ist eine Signalüberschneidung. Eine einfache Schalttabelle kann das nicht auflösen, dafür gibt es Kaskade und Schrittkette. Doppeltes Schalten (a) löst den Widerspruch nicht, und Druck (c) oder Verschleiß (d) sind keine logischen, sondern physische Themen.

Was ist die zentrale Funktion der Schalttabelle in der Ablaufplanung?

  • a) Sie misst den Luftverbrauch jedes Schritts
  • b) Sie ersetzt das Bewegungsdiagramm vollständig
  • c) Sie ordnet jedem Schritt seine auslösende Bedingung und seine Aktion zu und überführt den Ablauf in eine umsetzbare Schaltung
  • d) Sie legt die Bauteilkennzeichnung fest

Richtig: c)

Die Schalttabelle ist die methodische Brücke vom Diagramm zur Hardware oder zum SPS-Programm — Schritt, Bedingung, Aktion in einer Zeile. Luftverbrauch (a) und Bauteilkennzeichnung (d) sind nicht ihre Aufgabe, und das Diagramm ersetzt sie nicht (b), sondern beide ergänzen sich.

Bei der Hubvorrichtung meldet der Hubzylinder a1, der Schiebezylinder steht noch auf b0. Welcher Schritt steht als Nächstes an?

  • a) A−
  • b) B−
  • c) B+
  • d) Start

Richtig: c)

a1 bedeutet, der Hub ist oben — laut Schalttabelle löst a1 die Aktion B+ aus, also das Schieben. A− (a) käme erst nach dem Schieben, B− (b) ganz am Ende, und Start (d) ist bereits vorbei. b0 bestätigt nur, dass der Schieber noch in Ausgangslage ist und bereit zum Ausfahren.

Glossar

Bewegungsdiagramm
Grafische Darstellung, die für jeden Schritt eines Ablaufs die Stellung aller Zylinder zeigt; macht den zeitlichen oder schrittweisen Verlauf einer Folgesteuerung sichtbar.
Steuerkette
Durchgehende Wirkungsfolge aus Signalglied, Steuerglied und Arbeitsglied, über die ein Eingangssignal bis zur fertigen Bewegung des Zylinders durchläuft.
Signalglied
Erstes Glied der Steuerkette; erzeugt das Eingangssignal, etwa ein Endschalter, Näherungssensor oder Taster.
Steuerglied
Mittleres Glied der Steuerkette; das Ventil, das das Signal verarbeitet und den Weg der Druckluft umschaltet.
Arbeitsglied
Letztes Glied der Steuerkette; der Zylinder, der die Druckluft in Bewegung und Kraft umsetzt. Auch Stellglied genannt.
Endlage
Eine der beiden Endstellungen eines Zylinders (eingefahren oder ausgefahren), an der ein Endschalter den Signalzustand 1 liefert.
Schalttabelle
Tabelle, die jedem Schritt seine auslösende Bedingung und die daraufhin ausgelöste Aktion gegenüberstellt; Brücke vom Bewegungsablauf zur fertigen Schaltung.
Quittierung
Rückmeldung über die erreichte Endlage, mit der ein abgeschlossener Schritt den nächsten freigibt.
Folgesteuerung
Steuerung, bei der Schritte in fester Reihenfolge ablaufen und jeder Schritt erst nach Abschluss des vorigen ausgelöst wird.
Signalüberschneidung
Zustand, in dem ein Signal je nach Stelle im Zyklus widersprüchliche Aktionen verlangt; erfordert eigene Lösungsmethoden wie Kaskade oder Schrittkette.
Scroll to Top