Filterung und Ölpflege
Eine Hydraulikanlage fällt selten aus, weil die Pumpe schlecht gebaut ist. Sie fällt aus, weil das Öl schmutzig oder gealtert ist. Schätzungen aus der Instandhaltung gehen davon aus, dass der weitaus größte Teil aller Hydraulikstörungen direkt oder indirekt auf den Zustand des Öls zurückgeht. Das eigentliche Verschleißteil einer Hydraulik ist also nicht ein Bauteil aus Stahl, sondern die Flüssigkeit, die darin zirkuliert.
Wer Filterung und Ölpflege beherrscht, tauscht keine teuren Ventile und Pumpen, sondern hält die vorhandene Anlage über Jahre sauber und funktionsfähig. Genau darum geht es in diesem Beitrag: wie Öl verschmutzt, wie man Sauberkeit mitsst, wie Filter funktionieren und was eine gute Ölpflege in der Werkstatt und an der Maschine ausmacht.
Vorwissen
- Hydraulik-Grundlagen und Druckübersetzung
- Hydrauliköle und Eigenschaften
- SI-Einheiten und Einheitenumrechnung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, welche Aufgaben das Hydrauliköl übernimmt und warum sein Zustand über die Lebensdauer der Anlage entscheidet
- die wichtigsten Verschmutzungsarten – Feststoffpartikel, Wasser und Luft – sowie ihre Schadwirkungen beschreiben
- einen Reinheitsgrad nach ISO 4406 lesen und grob einordnen
- Filter nach Feinheit, β-Wert und Einbauort unterscheiden und die Schutzfunktion des Bypassventils erklären
- die wichtigsten Maßnahmen einer planmäßigen Ölpflege benennen und korrekt durchführen
1. Warum Ölpflege über die Lebensdauer entscheidet
In einer Hydraulikanlage ist das Öl kein bloßes Hilfsmittel, das man einfüllt und vergisst. Es ist ein Konstruktionselement mit mehreren Aufgaben gleichzeitig. Es überträgt die Druckenergie von der Pumpe zum Zylinder. Es schmiert die gleitenden Flächen in Pumpe, Ventilen und Motor. Es führt Wärme ab. Und es schützt die metallischen Oberflächen vor Korrosion.
Sobald das Öl diese Aufgaben nicht mehr sauber erfüllt, leidet die ganze Anlage. Verschmutztes Öl wirkt wie Schleifpaste in den feinsten Spalten der Bauteile. Ein Servoventil arbeitet mit Steuerkanten, deren Spalt nur wenige Mikrometer breit ist – ein Partikel in dieser Größenordnung reicht aus, um die Funktion zu stören oder das Ventil festzusetzen.
Ölpflege ist der Sammelbegriff für alle Maßnahmen, die das Öl in dem Zustand halten, den die Anlage braucht: Filtern, Überwachen, Wasser und Luft fernhalten, rechtzeitig wechseln. Das Gegenstück zur Pflege ist nicht der spektakuläre Schaden, sondern der schleichende: Die Anlage läuft scheinbar normal, während sich der Verschleiß über Wochen aufbaut, bis plötzlich eine Pumpe oder ein Ventil ausfällt.
Welches Öl überhaupt eingesetzt wird – Viskosität, Additivpaket, Eignung für die jeweilige Anwendung – ist ein Thema für sich und wird hier nur gestreift. In diesem Beitrag geht es um das, was nach der Ölauswahl kommt: den Zustand des Öls über die gesamte Betriebszeit.
Eine Anlage mit Servoventilen zeigt zunehmend ungenaues Regelverhalten und gelegentliches Klemmen. Das Öl wurde nie analysiert, sieht aber „sauber“ aus. Welche Schlussfolgerung ist fachlich am tragfähigsten?
- a) Die für die Funktion kritischen Partikel sind mit bloßem Auge ohnehin nicht erkennbar
- b) Das Öl ist optisch klar, also kann die Ursache nicht im Öl liegen
- c) Servoventile sind grundsätzlich unempfindlich gegen Verschmutzung
- d) Ein Klemmen deutet immer auf einen mechanischen Defekt des Ventils hin
Richtig: a)
Die für Servoventile gefährlichen Partikel liegen im Bereich weniger Mikrometer und sind optisch nicht sichtbar – ein klares Öl kann hochgradig verschmutzt sein. Antwort b verwechselt optische Klarheit mit Reinheit. c ist falsch, gerade Servoventile sind besonders empfindlich. d schließt die wahrscheinlichste Ursache vorschnell aus.
Warum bezeichnet man das Hydrauliköl als „Konstruktionselement“ der Anlage?
- a) Weil es das teuerste Bauteil der Anlage ist
- b) Weil es nur zur Schmierung dient und sonst keine Funktion hat
- c) Weil es bei der Konstruktion der Maschine zuletzt ausgewählt wird
- d) Weil es mehrere technische Funktionen gleichzeitig erfüllt – Energieübertragung, Schmierung, Kühlung, Korrosionsschutz
Richtig: d)
Das Öl erfüllt vier Kernfunktionen zugleich und beeinflusst damit Funktion und Lebensdauer der gesamten Anlage – daher die Einordnung als Konstruktionselement. a ist sachlich falsch und irrelevant. b greift zu kurz. c beschreibt allenfalls einen Ablauf, nicht den Grund für die Bezeichnung.
2. Verschmutzung verstehen – Partikel, Wasser, Luft
Verschmutzung im Hydrauliköl tritt in drei Formen auf, die jeweils anders schaden: feste Partikel, Wasser und Luft.
Feststoffpartikel sind die häufigste und kritischste Verschmutzung. Entscheidend ist nicht der grobe Schmutz, den man sieht, sondern die feinen Partikel im Bereich weniger Mikrometer. Sie passen genau in die Schmierspalte der Bauteile und wirken dort abrasiv. Die Quellen sind vielfältig: Restschmutz aus der Montage, Abrieb der eigenen Bauteile im Betrieb, Schmutz aus der Umgebung über undichte Stellen oder die Tankbelüftung – und, oft unterschätzt, das Neuöl selbst, das ab Werk keineswegs hydraulisch sauber ist und vor dem Einfüllen gefiltert werden muss.
Beim Verschleiß unterscheidet man zwei Mechanismen. Abrasiver Verschleiß entsteht, wenn harte Partikel über die Oberflächen schaben und Material abtragen – wie feines Schleifmittel. Adhäsiver Verschleiß entsteht, wenn zwei Metallflächen bei zu dünnem Schmierfilm direkt aneinander reiben und kleben. Beide erzeugen wiederum neue Partikel, die ihrerseits weiteren Verschleiß verursachen – ein sich selbst verstärnder Kreislauf.
Wasser ist die zweite Verschmutzungsart. Es gelangt durch Kondensation am Tank, undichte Kühler oder feuchte Umgebung ins Öl. Wasser kann gelöst (unsichtbar im Öl verteilt), frei (als abgesetzte Tropfen) oder emulgiert (trüb verteilt) vorliegen. Die Folgen: Korrosion an Bauteilen, Verschlechterung des Schmierfilms, Schädigung der Additive und beschleunigte Alterung des Öls.
Luft ist die dritte Form. Gelangt Luft ins Öl, bildet sich Schaum, die Steifigkeit der Flüssigkeitssäule lässt nach, und die Regelung wird schwammig. Gefährlicher sind zwei Effekte: Kavitation – das schlagartige Zusammenfallen von Dampf- und Gasblasen an Stellen mit Unterdruck, etwa am Pumpeneingang, das Material aus den Oberflächen herausschlägt. Und der Dieseleffekt – wenn mitgerissene Luftblasen schlagartig komprimiert werden, etwa beim Übergang von der Saug- in die Druckseite, erhitzt sich das eingeschlossene Luft-Öldampf-Gemisch so stark, dass es sich selbst entzündet, ganz ähnlich der Verbrennung im Dieselmotor. Dabei entstehen lokal sehr hohe Temperaturen, die das Öl thermisch zerlegen (Cracken), Rußpartikel bilden und Dichtungen verbrennen. Aus einer scheinbar harmlosen Luftblase wird so eine handfeste Schadensquelle für Öl und Bauteile.
Warum sind feine Partikel im Bereich weniger Mikrometer in der Hydraulik oft gefährlicher als grobe, sichtbare Schmutzteilchen?
- a) Weil feine Partikel genau in die Schmierspalte der Bauteile passen und dort dauerhaft abrasiv wirken
- b) Weil grobe Partikel die Pumpe sofort blockieren und damit auffallen
- c) Weil feine Partikel schwerer sind und schneller absinken
- d) Weil feine Partikel das Öl chemisch verändern
Richtig: a)
Die Spaltweiten in Pumpen und Ventilen liegen im Mikrometerbereich – Partikel dieser Größe gelangen genau dorthin und schleifen kontinuierlich. b ist teils richtig im Effekt, aber kein Grund für die größere Gefahr der feinen Partikel. c ist physikalisch unsinnig in diesem Zusammenhang. d beschreibt einen anderen Mechanismus.
Was geschieht beim Dieseleffekt im Hydrauliköl?
- a) Wasser im Öl verdampt und treibt einen kleinen Kolben an
- b) Das Öl wird durch einen externen Funken entzündet
- c) Diesel mischt sich versehentlich unter das Hydrauliköl
- d) Eine mitgerissene Luftblase wird schlagartig komprimiert, das Gemisch entzündet sich selbst und schädigt Öl und Dichtungen
Richtig: d)
Beim Dieseleffekt entzündet sich ein komprimiertes Luft-Öldampf-Gemisch durch die Kompressionswärme selbst – analog zum Dieselmotor – und erzeugt Cracken, Ruß und Dichtungsschäden. a und b beschreiben falsche Mechanismen. c ist eine wörtliche Fehldeutung des Begriffs.
In welchen drei Zuständen kann Wasser im Hydrauliköl vorliegen?
- a) Gelöst, frei, emulgiert
- b) Sauer, neutral, basisch
- c) Fest, flüssig, gasförmig
- d) Heiß, warm, kalt
Richtig: a)
Wasser liegt gelöst (unsichtbar verteilt), frei (abgesetzte Tropfen) oder emulgiert (trüb verteilt) vor – diese Unterscheidung ist für die Wasserentfernung wichtig. c beschreibt Aggregatzustände allgemein, nicht die Zustände im Öl. b und d sind sachfremd.
Warum verstärkt sich abrasiver Verschleiß im Betrieb oft selbst?
- a) Weil das Öl durch Verschleiß dünnflüssiger wird
- b) Weil die Pumpe bei Verschleiß automatisch mehr Druck liefert
- c) Weil der Abrieb neue Partikel erzeugt, die ihrerseits weiteren Verschleiß verursachen
- d) Weil Verschleiß die Filterfeinheit verbessert
Richtig: c)
Jeder Abrieb erzeugt neue Partikel, die weiteren Abrieb verursachen – ein sich selbst verstärkender Kreislauf, den nur konsequente Filterung durchbricht. a, b und d beschreiben Effekte, die so nicht eintreten.
3. Reinheitsklassen nach ISO 4406
Wenn man Sauberkeit nicht sehen kann, muss man sie messen. Genau das leistet die Reinheitsklasse nach ISO 4406. Sie gibt die Verschmutzung eines Öls als standardisierten Zahlencode an, sodass man Öle und Anforderungen objektiv vergleichen kann.
Der Code besteht aus drei Zahlen, getrennt durch Schrägstriche, zum Beispiel 18/16/13. Jede Zahl steht für die Anzahl der Partikel oberhalb einer bestimmten Größe pro Milliliter Öl:
- die erste Zahl für Partikel größer als 4 μm
- die zweite Zahl für Partikel größer als 6 μm
- die dritte Zahl für Partikel größer als 14 μm
Die Zahlen selbst sind keine Partikelmengen, sondern Kennziffern einer Skala. Jede Stufe steht für einen Bereich der Partikelanzahl, und eine Stufe höher bedeutet ungefähr die Verdopplung der Partikelzahl. Das ist wichtig: Der Unterschied zwischen Klasse 16 und Klasse 18 ist nicht „zwei mehr“, sondern rund das Vierfache an Partikeln. Niedrigere Zahlen bedeuten saubereres Öl.
Wie sauber das Öl sein muss, hängt von den empfindlichsten Bauteilen im System ab. Grobe Orientierung: einfache Anlagen mit Zylindern und Standardventilen kommen mit gröberen Klassen aus, während Proportional- und Servoventile deutlich saubereres Öl verlangen. Die konkreten Zielklassen geben die Komponentenhersteller in ihren Datenblättern vor – diese Vorgabe ist die Richtschnur, nicht ein allgemeiner Erfahrungswert.
Gemessen wird die Reinheit über eine Ölanalyse. Eine fachgerecht gezogene Ölprobe wird im Labor mit einem automatischen Partikelzähler ausgewertet, der die Partikel je Größenklasse zählt und daraus den ISO-Code bildet. Die Ölanalyse ist damit das zentrale Werkzeug, um den Zustand einer Anlage objektiv zu beurteilen, Trends zu erkennen und Wechselintervalle sinnvoll festzulegen.
Ein Öl hat die Reinheitsklasse 20/18/15, ein anderes 17/15/12. Welche Aussage stimmt?
- a) Das erste Öl ist sauberer, weil die Zahlen höher sind
- b) Beide Öle sind gleich sauber, nur anders bezeichnet
- c) Das zweite Öl ist sauberer, weil niedrigere Kennziffern weniger Partikel bedeuten
- d) Aus den Zahlen lässt sich kein Vergleich ableiten
Richtig: c)
Niedrigere ISO-4406-Kennziffern stehen für weniger Partikel und damit für saubereres Öl – 17/15/12 ist deutlich sauberer als 20/18/15. a kehrt die Skala um. b ignoriert die Werte. d ist falsch, der Code ist gerade zum Vergleich gemacht.
Wofür steht die mittlere Zahl in einem ISO-4406-Code wie 18/16/13?
- a) Für die Viskosität des Öls
- b) Für den Wassergehalt in Prozent
- c) Für die Partikel größer als 14 μm
- d) Für die Anzahl der Partikel größer als 6 μm pro Milliliter
Richtig: d)
Die drei Zahlen stehen der Reihe nach für Partikel > 4 μm, > 6 μm und > 14 μm; die mittlere also für > 6 μm. a und b sind sachfremd. c verwechselt die mittlere mit der dritten Kennziffer.
Warum bedeutet ein Sprung von Klasse 16 auf Klasse 18 deutlich mehr als nur „zwei Stufen mehr Schmutz“?
- a) Weil jede Stufe etwa eine Verdopplung der Partikelzahl bedeutet, also rund das Vierfache bei zwei Stufen
- b) Weil die Skala linear in Zehnerschritten zählt
- c) Weil sich die Partikelgröße verdoppelt
- d) Weil die Zahl auch die Temperatur berücksichtigt
Richtig: a)
Die ISO-4406-Skala ist so aufgebaut, dass jede Stufe ungefähr die doppelte Partikelzahl bedeutet; zwei Stufen entsprechen damit rund dem Vierfachen. b beschreibt eine lineare Skala, die hier nicht vorliegt. c und d sind falsch, es geht um Anzahl, nicht Größe oder Temperatur.
4. Filter – Bauarten, Feinheit und Einbauort
Filter sind das wichtigste Werkzeug, um die Reinheit aktiv herzustellen und zu halten. Drei Fragen entscheiden über die Wirkung eines Filters: Wie fein filtert er? Wie zuverlässig hält er die Partikel zurück? Und an welcher Stelle im Kreislauf sitzt er?
Filterfeinheit wird in Mikrometer angegeben. Man unterscheidet die nominale Feinheit – ein eher grober Richtwert, der angibt, welche Partikelgröße überwiegend zurückgehalten wird – und die absolute Feinheit, die angibt, ab welcher Größe praktisch alle Partikel abgeschieden werden. Für eine belastbare Aussage zählt die absolute Feinheit.
Die Filterleistung beschreibt man präziser mit dem β-Wert (Beta-Wert) für eine bestimmte Partikelgröße. Er ist das Verhältnis der Partikelanzahl vor dem Filter zur Partikelanzahl nach dem Filter:
beta = n_vor / n_nach
- beta … Filterleistung (dimensionslos)
- n_vor … Partikelanzahl vor dem Filter
- n_nach … Partikelanzahl nach dem Filter
Aus dem β-Wert ergibt sich der Abscheidegrad – der Anteil der Partikel, den der Filter zurückhält:
Abscheidegrad = (1 – 1 / beta) * 100
- Abscheidegrad … in Prozent
- beta … Filterleistung (dimensionslos)
Ein β-Wert von 2 bedeutet einen Abscheidegrad von 50 % – der Filter lässt die Hälfte durch. Ein β-Wert von 200 entspricht 99,5 % – nur noch jedes zweihundertste Partikel kommt durch. Die Spanne zwischen diesen Werten zeigt, wie groß der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem hochwertigen Filterelement ist.
Der Einbauort bestimmt, welche Aufgabe ein Filter übernimmt:
| Einbauort | Lage im Kreislauf | Aufgabe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Saugfilter | vor der Pumpe | Schutz der Pumpe vor groben Partikeln | nur grob, sonst Kavitationsgefahr durch Unterdruck |
| Druckfilter | nach der Pumpe | Schutz empfindlicher Bauteile dahinter, z. B. Servoventile | druckfest gebaut, fein |
| Rücklauffilter | im Rücklauf zum Tank | hält Abrieb aus dem System vor dem Tank zurück | häufigste Anordnung, günstig |
| Nebenstromfilter | eigener Kreis parallel zum Hauptstrom | dauerhafte Feinstreinigung des gesamten Ölvolumens | unabhängig vom Betriebszustand |
| Belüftungsfilter | an der Tankentlüftung | hält Schmutz und Feuchte aus der angesaugten Luft | oft vergessen, aber wichtige Schmutzquelle |
Jeder Filter setzt sich mit der Zeit zu. Damit das nicht unbemerkt bleibt, hat ein guter Filter eine Verschmutzungsanzeige, die den Differenzdruck über dem Element misst: Je voller das Element, desto höher der Druckabfall. Steigt dieser über einen Grenzwert, zeigt die Anzeige an, dass das Element fällig ist.
Damit ein verstopftes Element die Anlage nicht lahmlegt oder zerstört, hat der Filter ein Bypassventil (Umgehungsventil). Es öffnet, sobald der Differenzdruck über dem Element einen festgelegten Öffnungsdruck überschreitet, und leitet das Öl ungefiltert am Element vorbei. Das schützt das Filtergehäuse und sorgt dafür, dass die Anlage weiterläuft, statt durch einen blockierten Filter ohne Öldurchsatz Schaden zu nehmen. Das Bypassventil ist eine reine Schutzeinrichtung, kein Normalzustand. Sein Öffnungsdruck liegt über dem Ansprechwert der Verschmutzungsanzeige – die Anzeige meldet also den Wechselbedarf, bevor der Bypass öffnet.
Hier liegt eine der wichtigsten praktischen Gefahren: Öffnet der Bypass, fließt ungefiltertes Öl durch die Anlage. Geschieht das bei kaltem, zähem Öl im Startbetrieb, ist es kurzzeitig hinnehmbar. Bleibt der Bypass aber dauerhaft offen, weil das Element längst verstopft ist und niemand auf die Anzeige geschaut hat, läuft die Anlage über Wochen ohne Filterung – und genau die Partikel, gegen die man sich schützen wollte, zirkulieren ungehindert durch Pumpe und Ventile. Der Filter ist dann zwar verbaut, aber wirkungslos. Eine ignorierte Verschmutzungsanzeige ist deshalb kein kleiner Wartungsrückstand, sondern der Beginn eines schleichenden Anlagenschadens.
Gelöstes Beispiel
Ein Druckfilter hat für die Partikelgröße 10 μm einen β-Wert von 100. Vor dem Filter werden 8000 Partikel pro Milliliter dieser Größe gemessen. Wie hoch ist der Abscheidegrad, und wie viele Partikel dieser Größe verbleiben nach dem Filter?
Gegeben: β-Wert: beta = 100, Partikel vor dem Filter: n_vor = 8000 Partikel/ml
Gesucht: Abscheidegrad in %, Restpartikel n_nach in Partikel/ml
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Abscheidegrad:
Abscheidegrad = (1 − 1 / beta) · 100
Abscheidegrad = (1 − 1 / 100) · 100
Abscheidegrad = (1 − 0,01) · 100 = 99 % - Schritt 2 — Restpartikel nach dem Filter:
n_nach = n_vor / beta
n_nach = 8000 / 100 = 80 Partikel/ml
Ergebnis: Der Filter scheidet 99 % der Partikel dieser Größe ab, es verbleiben 80 Partikel/ml.
Übungen
Ein Filter hat einen β-Wert von 2. Wie hoch ist der Abscheidegrad?
Abscheidegrad = (1 − 1/2) · 100 = 50 %.
Ein Filter hat einen β-Wert von 20. Wie viel Prozent der Partikel werden zurückgehalten?
Abscheidegrad = (1 − 1/20) · 100 = (1 − 0,05) · 100 = 95 %.
Vor einem Filter werden 12 000 Partikel/ml gemessen, der β-Wert beträgt 75. Wie viele Partikel verbleiben nach dem Filter?
n_nach = 12 000 / 75 = 160 Partikel/ml.
Ein Filterelement soll mindestens 99,5 % der Partikel einer Größe abscheiden. Welchen β-Wert muss es dafür mindestens erreichen?
Aus Abscheidegrad = (1 − 1/beta) · 100 folgt 0,995 = 1 − 1/beta, also 1/beta = 0,005 und beta = 200.
Zwei Filter werden hintereinander durchströmt, der erste mit β = 10, der zweite mit β = 20 (jeweils gleiche Partikelgröße). Vor dem ersten Filter liegen 20 000 Partikel/ml vor. Wie viele Partikel verbleiben rechnerisch nach dem zweiten Filter, wenn man beide β-Werte hintereinander wirken lässt?
Nach Filter 1: 20 000 / 10 = 2000 Partikel/ml. Nach Filter 2: 2000 / 20 = 100 Partikel/ml. Der wirksame Gesamt-β-Wert ist 10 · 20 = 200.
Ein Filter hat für 10 μm einen β-Wert von 50. Welchen Abscheidegrad bedeutet das?
- a) 50 %
- b) 95 %
- c) 98 %
- d) 99,5 %
Richtig: c)
Abscheidegrad = (1 − 1/50) · 100 = (1 − 0,02) · 100 = 98 %. a verwechselt den β-Wert direkt mit dem Prozentwert. b entspräche β = 20, d entspräche β = 200.
Warum darf ein Saugfilter vor der Pumpe nicht zu fein gewählt werden?
- a) Weil der Strömungswiderstand am Pumpeneingang Unterdruck und damit Kavitation begünstigt
- b) Weil feine Saugfilter zu teuer sind
- c) Weil die Pumpe gröbere Partikel zur Schmierung braucht
- d) Weil feine Filter im Saugbereich nicht zugelassen sind
Richtig: a)
Ein zu feiner Saugfilter erhöht den Strömungswiderstand vor der Pumpe, der Druck fällt, und es droht Kavitation. b ist kein technischer Grund. c ist falsch, Partikel schmieren nicht. d ist eine erfundene Pauschalregel.
Welche Rolle hat das Bypassventil eines Filters?
- a) Es erhöht die Filterfeinheit bei Bedarf
- b) Es öffnet bei zu hohem Differenzdruck und leitet Öl ungefiltert am Element vorbei, um Durchsatz und Gehäuse zu schützen
- c) Es regelt den Systemdruck der gesamten Anlage
- d) Es schließt den Ölkreislauf bei Verschmutzung vollständig
Richtig: b)
Das Bypassventil ist eine Schutzeinrichtung: Übersteigt der Differenzdruck am Element den Öffnungsdruck, umgeht das Öl das Element. a ist das Gegenteil dessen, was passiert. c verwechselt es mit dem Druckbegrenzungsventil. d würde die Anlage stilllegen.
Warum ist eine dauerhaft ansprechende Verschmutzungsanzeige, die ignoriert wird, besonders gefährlich?
- a) Weil die Anzeige selbst die Pumpe beschädigt
- b) Weil die Anzeige Strom verbraucht
- c) Weil bei geöffnetem Bypass ungefiltertes Öl zirkuliert und die Partikel ungehindert Pumpe und Ventile schädigen
- d) Weil der Filter dann sauberer wird als vorgesehen
Richtig: c)
Spricht die Anzeige an und öffnet später der Bypass, läuft die Anlage ungefiltert – genau die Partikel, gegen die der Filter schützen sollte, zirkulieren frei und verursachen schleichenden Verschleiß. a und b sind sachfremd. d ist das Gegenteil der Realität.
5. Ölpflege in der Praxis – Pflegen, Prüfen, Wechseln
Filter und Reinheitsklassen sind die Theorie. In der Werkstatt und an der Maschine entscheidet das tägliche Vorgehen über den Zustand des Öls.
Es beginnt schon beim Befüllen. Neuöl ist nicht hydraulisch sauber genug für anspruchsvolle Anlagen – es muss beim Einfüllen über ein Filteraggregat in den Tank gepumpt werden, nicht ungefiltert aus dem Fass eingeschüttet. Wer frisches Öl ungefiltert einfüllt, bringt von Anfang an Schmutz in die Anlage.
Zur laufenden Pflege dienen Nebenstrom- oder mobile Filteraggregate. Sie wälzen das Öl unabhängig vom Betrieb über ein feines Filterelement um und senken die Reinheitsklasse Schritt für Schritt. Bei Anlagen ohne fest eingebauten Nebenstromfilter setzt man dafür ein fahrbares Filteraggregat ein, das bei der planmäßigen Wartung angeschlossen wird. Liegt Wasser im Öl vor, kommen Geräte zur Wasserentfernung zum Einsatz, etwa Unterdruck- oder Koaleszenzverfahren.
Eine Ölprobe richtig zu ziehen ist eine eigene kleine Kunst. Die Probe muss aus dem laufenden, betriebswarmen System an einer repräsentativen Stelle entnommen werden – nicht aus dem ruhenden Tankboden, wo sich Ablagerungen sammeln, und nicht in ein verschmutztes Gefäß. Eine falsch gezogene Probe liefert ein falsches Bild und führt zu falschen Entscheidungen.
Bei den Wechselintervallen hat sich das Denken verschoben. Früher wurde nach starren Stundenintervallen gewechselt – das Öl entweder zu früh (Verschwendung) oder zu spät (Schaden). Heute wechselt man zustandsorientiert: Die Ölanalyse zeigt, ob das Öl noch in Ordnung ist. Solange Reinheit, Wassergehalt und die Kennwerte des Öls passen, bleibt es im System; kippen die Werte, wird gewechselt. Das spart Öl und schützt zugleich die Anlage.
Nicht vergessen werden darf die Tank- und Belüftungspflege. Der Belüftungsfilter am Tank ist eine häufig übersehene Schmutz- und Feuchtequelle – verstopft oder fehlt er, atmet die Anlage ungefilterte Umgebungsluft ein. Bei allen Arbeiten am offenen System gilt Sauberkeit als oberstes Gebot: saubere Werkzeuge, saubere Hände, offene Anschlüsse sofort verschließen. Jeder Eingriff ist eine Gelegenheit, Schmutz einzuschleppen.
Am Ende steht die Entsorgung des gebrauchten Öls. Altöl ist ein gefährlicher Abfall und darf nicht in die Umwelt oder den normalen Abfall gelangen. In Österreich richtet sich die ordnungsgemäße Entsorgung nach dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) und den darauf gestützten Bestimmungen zur Altölbehandlung: getrennte Sammlung, Abgabe an befugte Sammler oder Behandler, Dokumentation. Wer Altöl fachgerecht entsorgt, erfüllt nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern schützt Boden und Gewässer.
Warum sollte frisches Hydrauliköl nicht einfach ungefiltert aus dem Fass in den Tank geschüttet werden?
- a) Weil das Öl dadurch zu kalt wird
- b) Weil das Öl beim Schütten seine Viskosität verliert
- c) Weil ungefiltertes Öl die Garantie des Ölherstellers erlischt
- d) Weil Neuöl ab Werk nicht hydraulisch sauber ist und so von Beginn an Schmutz einbringt
Richtig: d)
Neuöl entspricht nicht automatisch der nötigen Reinheitsklasse; ungefiltert eingefüllt bringt es Partikel direkt in die Anlage. a und b sind physikalisch unbegründet. c ist eine erfundene Regel.
Was kennzeichnet eine zustandsorientierte Ölwechselstrategie?
- a) Das Öl wird nach festen Betriebsstunden gewechselt, unabhängig vom Zustand
- b) Das Öl wird gewechselt, wenn die Ölanalyse zeigt, dass Kennwerte wie Reinheit oder Wassergehalt nicht mehr passen
- c) Das Öl wird nur bei sichtbarer Verfärbung gewechselt
- d) Das Öl wird nie gewechselt, nur nachgefüllt
Richtig: b)
Zustandsorientiert heißt, die Analysewerte entscheiden über den Wechsel – nicht ein starrer Zeitplan. a beschreibt das alte, starre Verfahren. c verlässt sich auf den unzuverlässigen optischen Eindruck. d ist keine tragfähige Strategie.
Wie wird eine aussagekräftige Ölprobe gezogen?
- a) Aus dem ruhenden Tankboden, weil sich dort der Schmutz sammelt
- b) Aus dem kalten System direkt nach dem Stillstand
- c) Aus einem beliebigen Anschluss mit dem nächstbesten Behälter
- d) Aus dem laufenden, betriebswarmen System an repräsentativer Stelle und in ein sauberes Gefäß
Richtig: d)
Nur eine betriebswarm und repräsentativ gezogene Probe in einem sauberen Gefäß bildet den realen Zustand ab. a liefert nur Bodensatz, nicht den Umlaufzustand. b und c führen zu verfälschten Ergebnissen.
Warum ist der Belüftungsfilter am Tank wichtig?
- a) Er filtert das Öl im Hauptstrom
- b) Er hält Schmutz und Feuchte aus der angesaugten Umgebungsluft zurück, die der Tank beim Atmen einzieht
- c) Er erhöht den Druck im Tank
- d) Er ersetzt den Rücklauffilter
Richtig: b)
Sinkt und steigt der Ölspiegel, atmet der Tank Luft – der Belüftungsfilter hält dabei Schmutz und Feuchtigkeit ab. a und d verwechseln seine Funktion mit der von Ölfiltern. c ist falsch, er hält den Druckausgleich offen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Filter hat für die Partikelgröße 7 μm einen β-Wert von 25. Berechne den Abscheidegrad.
Gegeben: beta = 25
Gesucht: Abscheidegrad in %
Lösungsweg:
Abscheidegrad = (1 − 1/beta) · 100 = (1 − 1/25) · 100 = (1 − 0,04) · 100
Ergebnis: 96 %
Aufgabe 2: Vor einem Filter werden 15 000 Partikel/ml gemessen, der β-Wert beträgt 150. Wie viele Partikel verbleiben nach dem Filter?
Gegeben: n_vor = 15 000 Partikel/ml; beta = 150
Gesucht: n_nach in Partikel/ml
Lösungsweg:
n_nach = n_vor / beta = 15 000 / 150
Ergebnis: 100 Partikel/ml
Aufgabe 3: Ein Filterelement soll einen Abscheidegrad von 90 % für eine bestimmte Partikelgröße erreichen. Welchen β-Wert muss es mindestens haben?
Gegeben: Abscheidegrad = 90 %
Gesucht: beta
Lösungsweg:
0,90 = 1 − 1/beta → 1/beta = 0,10 → beta = 1 / 0,10
Ergebnis: beta = 10
Aufgabe 4: Ein Öl wird durch ein Nebenstromaggregat geführt. Vor der Filterung liegen 40 000 Partikel/ml einer Größe vor, das Element hat einen β-Wert von 200. Wie viele Partikel/ml verbleiben nach einem Durchlauf, und wie hoch ist der Abscheidegrad?
Gegeben: n_vor = 40 000 Partikel/ml; beta = 200
Gesucht: n_nach in Partikel/ml und Abscheidegrad in %
Lösungsweg:
n_nach = 40 000 / 200 = 200 Partikel/ml; Abscheidegrad = (1 − 1/200) · 100 = 99,5 %
Ergebnis: 200 Partikel/ml verbleiben, Abscheidegrad 99,5 %
Welche Funktion erfüllt das Hydrauliköl NICHT?
- a) Energieübertragung
- b) Schmierung der Bauteile
- c) Erzeugung der mechanischen Antriebsleistung des Elektromotors
- d) Wärmeabfuhr
Richtig: c)
Das Öl überträgt Energie, schmiert und kühlt, erzeugt aber keine Antriebsleistung – die kommt vom Motor, der die Pumpe treibt. a, b und d sind echte Aufgaben des Öls.
Welche Partikelgröße ist in der Hydraulik typischerweise am gefährlichsten?
- a) Feine Partikel im Bereich weniger Mikrometer, die in die Schmierspalte passen
- b) Grobe, sichtbare Späne über 1 mm
- c) Partikel, die größer als der Filtereinlass sind
- d) Es gibt keinen Größenbereich, der besonders kritisch ist
Richtig: a)
Partikel im Mikrometerbereich passen genau in die kritischen Spalte von Pumpen und Ventilen und wirken dort abrasiv. b fällt eher auf und wird leichter abgeschieden. c würde gar nicht erst eindringen. d widerspricht der Praxis.
Ein ISO-4406-Code lautet 19/17/14. Welche Aussage ist korrekt?
- a) Die mittlere Zahl steht für Partikel > 4 μm
- b) Die erste Zahl steht für Partikel > 6 μm
- c) Die third Zahl steht für Partikel > 14 μm
- d) Alle drei Zahlen beziehen sich auf dieselbe Partikelgröße
Richtig: c)
Die drei Kennziffern stehen der Reihe nach für > 4 μm, > 6 μm und > 14 μm; die dritte also für > 14 μm. a und b vertauschen die Zuordnung. d widerspricht dem Aufbau des Codes.
Welcher Filter wird im Saugbereich vor der Pumpe absichtlich nur grob ausgeführt?
- a) Druckfilter
- b) Rücklauffilter
- c) Belüftungsfilter
- d) Saugfilter
Richtig: d)
Der Saugfilter darf nur grob filtern, weil ein hoher Strömungswiderstand am Pumpeneingang Unterdruck und Kavitation begünstigt. Druck- und Rücklauffilter sitzen an Stellen, an denen feine Filterung unkritisch ist; der Belüftungsfilter sitzt nicht im Ölstrom.
Was bedeutet ein β-Wert von 1000 für eine bestimmte Partikelgröße?
- a) Der Filter lässt 1000 Partikel pro ml durch
- b) Der Filter hält genau 1000 Partikel insgesamt zurück
- c) Nur eines von 1000 Partikeln dieser Größe passiert den Filter, Abscheidegrad 99,9 %
- d) Der β-Wert sagt nichts über den Abscheidegrad aus
Richtig: c)
β = 1000 heißt: von 1000 Partikeln vor dem Filter kommt eines durch; Abscheidegrad = (1 − 1/1000) · 100 = 99,9 %. a und b deuten den dimensionslosen Verhältniswert als absolute Menge. d ist falsch, β und Abscheidegrad hängen direkt zusammen.
Warum ist ein dauerhaft geöffnetes Bypassventil ein ernstes Problem?
- a) Das Bypassventil verbraucht im offenen Zustand zu viel Energie
- b) Die Anlage läuft dann ungefiltert, und Partikel zirkulieren ungehindert durch Pumpe und Ventile
- c) Das Öl wird durch den Bypass zu stark gekühlt
- d) Der Systemdruck steigt unkontrolliert an
Richtig: b)
Bei offenem Bypass umgeht das Öl das Element – die Filterung entfällt und der Verschleiß läuft ungebremst weiter. a, c und d beschreiben Effekte, die hier nicht auftreten.
Welche Aussage zu Wasser im Hydrauliköl trifft zu?
- a) Wasser im Öl ist harmlos, solange es gelöst und unsichtbar ist
- b) Wasser kann gelöst, frei oder emulgiert vorliegen und fördert Korrosion sowie Ölalterung
- c) Wasser verbessert die Schmierwirkung des Öls
- d) Wasser lässt sich nur durch kompletten Ölwechsel entfernen
Richtig: b)
Wasser liegt in drei Zuständen vor und schädigt durch Korrosion, schlechteren Schmierfilm und Additivabbau. a verharmlost auch gelöstes Wasser. c ist falsch. d ignoriert Verfahren wie Unterdruck- oder Koaleszenzentwässerung.
Eine Maschine wurde bisher starr alle 2000 Betriebsstunden gewechselt. Was spricht für einen Wechsel zur zustandsorientierten Strategie?
- a) Sie nutzt die Ölanalyse, um zu früh und zu spät durchgeführte Wechsel zu vermeiden
- b) Sie ist immer billiger, weil nie gewechselt werden muss
- c) Sie macht die Ölanalyse überflüssig
- d) Sie verlängert die Intervalle in jedem Fall
Richtig: a)
Zustandsorientiert heißt, anhand der Analysewerte entscheiden über den Wechsel – nicht ein starrer Zeitplan. a beschreibt das alte, starre Verfahren. c verlässt sich auf den unzuverlässigen optischen Eindruck. d ist keine tragfähige Strategie.
Warum scheidet ein zu fein gewählter Saugfilter als Lösung für hohe Reinheitsanforderungen aus?
- a) Weil er das Öl chemisch verändert
- b) Weil der erhöhte Strömungswiderstand vor der Pumpe Kavitation auslösen kann
- c) Weil Saugfilter grundsätzlich keine feinen Elemente haben dürfen laut Vorschrift
- d) Weil feine Saugfilter den Systemdruck zu stark erhöhen
Richtig: b)
Ein feiner Saugfilter erzeugt einen Druckabfall vor der Pumpe, der Unterdruck und damit Kavitation begünstigt – Feinfilterung gehört daher in Druck- oder Rücklauf. a ist falsch. c ist eine erfundene Pauschalregel. d verwechselt Saug- mit Druckseite.
Eine Anlage zeigt schwammiges Regelverhalten und schäumendes Öl im Schauglas. Welche Verschmutzungsart liegt am wahrscheinlichsten vor?
- a) Feststoffpartikel
- b) Lufteintrag ins Öl
- c) Gelöstes Wasser
- d) Erhöhte Viskosität
Richtig: b)
Schaum und schwammiges, weiches Regelverhalten sind typische Zeichen für Lufteintrag, da Luft die Steifigkeit der Flüssigkeitssäule senkt. a zeigt sich eher durch Verschleiß und Klemmen. c bleibt meist unsichtbar. d äußert sich anders.
Glossar
- Ölpflege
- Sammelbegriff für alle Maßnahmen, die das Hydrauliköl im geforderten Zustand halten: Filtern, Überwachen, Wasser- und Lufteintrag begrenzen, zustandsorientiert wechseln.
- Abrasiver Verschleiß
- Materialabtrag durch harte Partikel, die wie Schleifmittel über die Oberflächen schaben.
- Adhäsiver Verschleiß
- Schädigung durch direktes Aneinanderreiben und Verkleben zweier Metallflächen bei zu dünnem Schmierfilm.
- Kavitation
- Schlagartiges Zusammenfallen von Dampf- und Gasblasen an Unterdruckstellen, das Material aus den Oberflächen herausschlägt.
- Dieseleffekt
- Selbstentzündung eines schlagartig komprimierten Luft-Öldampf-Gemischs; erzeugt durch die Kompressionswärme hohe lokale Temperaturen, Ölcracken, Ruß und Dichtungsschäden.
- Reinheitsklasse (ISO 4406)
- Standardisierter Drei-Zahlen-Code, der die Verschmutzung eines Öls über die Partikelanzahl je Milliliter für die Größen > 4 μm, > 6 μm und > 14 μm angibt.
- Ölanalyse
- Laboruntersuchung einer Ölprobe, unter anderem mit automatischem Partikelzähler, zur objektiven Bestimmung von Reinheit, Wassergehalt und Ölzustand.
- Filterfeinheit
- Größenangabe in Mikrometer dafür, welche Partikel ein Filter zurückhält; unterschieden in nominale (Richtwert) und absolute (verbindliche) Feinheit.
- β-Wert (Beta-Wert)
- Dimensionslose Kennzahl der Filterleistung für eine bestimmte Partikelgröße; Verhältnis der Partikelanzahl vor zur Partikelanzahl nach dem Filter.
- Abscheidegrad
- Aus dem β-Wert berechneter Anteil der Partikel, den ein Filter zurückhält, in Prozent.
- Nebenstromfilter
- Filter in einem eigenen, zum Hauptstrom parallelen Kreis, der das Ölvolumen unabhängig vom Betriebszustand laufend feinreinigt.
- Verschmutzungsanzeige
- Anzeige, die den Differenzdruck über dem Filterelement mitsst und den Wechselbedarf meldet, bevor das Bypassventil öffnet.
- Bypassventil
- Schutzeinrichtung im Filter, die bei zu hohem Differenzdruck öffnet und das Öl ungefiltert am Element vorbeileitet, um Durchsatz und Gehäuse zu schützen.
