Reihenschaltung
Widerstände in einer Linie – ein einziger Strompfad, geteilte Spannung, volle Kontrolle. Dieser Kurs erklärt den Gesamtwiderstand, die Stromgleichheit, die Spannungsaufteilung und den Spannungsteiler – anhand von Formeln, Grafiken und interaktiven Rechnern. Am Ende weißt du auch, was bei einer Unterbrechung passiert – und warum das in der Praxis so kritisch ist.
Was ist eine Reihenschaltung?
Bei einer Reihenschaltung werden mehrere elektrische Bauelemente – meistens Widerstände – so hintereinander in einen Stromkreis eingefügt, dass es nur einen einzigen Strompfad gibt. Der Strom hat keine Wahl: Er muss jeden Widerstand der Reihe nach durchfließen.
Das Gegenteil der Reihenschaltung ist die Parallelschaltung, bei der sich der Strom auf mehrere Pfade aufteilt. In diesem Kurs geht es ausschließlich um die Reihenschaltung.
Was kennzeichnet eine Reihenschaltung grundsätzlich?
Wie berechnet man den Gesamtwiderstand?
Der Gesamtwiderstand Rges einer Reihenschaltung ist die Summe aller Einzelwiderstände. Das klingt einfach – und ist es auch. Physikalisch bedeutet das: Jeder Widerstand bremst den Stromfluss zusätzlich, die Bremswirkungen addieren sich.
- Rges
- Gesamtwiderstand in Ohm (Ω)
- R₁, R₂, …, Rn
- Einzelwiderstände in Ohm (Ω)
- n
- Anzahl der in Reihe geschalteten Widerstände
Für zwei Widerstände lässt sich die Formel direkt anwenden: R₁ = 100 Ω, R₂ = 220 Ω → Rges = 100 Ω + 220 Ω = 320 Ω. Den dazugehörigen Strom erhält man dann über das Ohmsche Gesetz: I = U / Rges.
Drei Widerstände mit 47 Ω, 100 Ω und 150 Ω werden in Reihe geschaltet. Wie groß ist Rges?
Warum ist der Strom überall gleich?
Das ist das wichtigste Merkmal der Reihenschaltung: Der elektrische Strom ist an jeder Stelle des Stromkreises gleich groß. Egal ob vor dem ersten oder nach dem letzten Widerstand – ein Amperemeter würde überall denselben Wert anzeigen.
- Iges
- Gesamtstrom des Kreises in Ampere (A)
- I₁, I₂, …, In
- Teilströme (= identisch mit dem Gesamtstrom)
Der Gesamtstrom berechnet sich aus der Gesamtspannung und dem Gesamtwiderstand über das Ohmsche Gesetz:
- I
- Strom in Ampere (A)
- Uges
- Gesamtspannung der Quelle in Volt (V)
- Rges
- Gesamtwiderstand in Ohm (Ω)
An welcher Stelle der Reihenschaltung ist der Strom am größten?
Wie verteilt sich die Spannung auf die Widerstände?
Während der Strom überall gleich ist, verhält sich die Spannung genau umgekehrt: Sie ist unterschiedlich über die Widerstände verteilt. Die Spannung über einem Widerstand heißt Teilspannung oder Spannungsabfall Ux.
Das 2. Kirchhoffsche Gesetz (Maschenregel) besagt: Die Summe aller Teilspannungen in einem geschlossenen Umlauf ist gleich Null. Praktisch bedeutet das für unsere Reihenschaltung:
- Uges
- Gesamtspannung der Quelle in Volt (V)
- U₁, U₂, …, Un
- Teilspannungen über den einzelnen Widerständen in Volt (V)
Jede Teilspannung berechnet sich direkt aus dem Ohmschen Gesetz. Da der Strom I überall gleich ist, gilt:
- Ux
- Teilspannung über Widerstand Rx in Volt (V)
- I
- Strom im Kreise in Ampere (A)
- Rx
- Betrachteter Einzelwiderstand in Ohm (Ω)
In einer Reihenschaltung mit U = 24 V fallen über R₁ = 8 V und über R₂ = 10 V ab. Wie groß ist die Spannung über R₃?
Was besagt die Spannungsteilerformel?
Die Spannungsteilerformel ist eine Abkürzung: Sie liefert die Teilspannung über einem Widerstand, ohne den Strom vorher berechnen zu müssen. Man kombiniert einfach Ohmsches Gesetz und die Widerstandsformel.
Herleitung: Da I = Uges / Rges und Ux = I · Rx, ergibt sich durch Einsetzen:
- Ux
- Gesuchte Teilspannung über Rx in Volt (V)
- Uges
- Gesamtspannung der Quelle in Volt (V)
- Rx
- Betrachteter Widerstand in Ohm (Ω)
- Rges
- Gesamtwiderstand aller Reihenwid. in Ohm (Ω)
In einem Spannungsteiler (U = 10 V) hat R₁ = 3 kΩ und R₂ = 7 kΩ. Wie groß ist U₂?
Was passiert bei einer Leitungsunterbrechung?
Die Leitungsunterbrechung (auch: Leerlauf, englisch: open circuit) ist die kritischste Störung in einer Reihenschaltung. Sie tritt auf, wenn ein Bauteil oder ein Leiter bricht, ein Kontakt oxidiert oder eine Sicherung auslöst.
Das Ergebnis ist eindeutig: Der einzige Strompfad ist unterbrochen. Der Strom fällt sofort auf null. Alle Verbraucher im Kreis hören auf zu funktionieren.
• Gesamtstrom I = 0 A (kein Stromfluss möglich)
• Alle Teilspannungen über den intakten Widerständen: 0 V (wegen U = I · R und I = 0)
• Die gesamte Quellenspannung Uges liegt an der Unterbrechungsstelle an
• Mit einem Voltmeter ist die Unterbrechungsstelle leicht zu finden: Dort zeigt es Uges
In der Fehlersuche ist dies hilfreich: Man geht mit dem Voltmeter von Bauteil zu Bauteil. Dort, wo die volle Spannung angezeigt wird, liegt die Unterbrechung. Alle anderen Bauteile zeigen 0 V – das bedeutet, sie sind in Ordnung.
| Zustand | Strom I | U über intakte R | U an Unterbrechung |
|---|---|---|---|
| Normalbetrieb | I = U/Rges | Ux = I · Rx | – (kein Defekt) |
| Leitungsunterbrechung | I = 0 A | 0 V | Uges |
| Kurzschluss (Bauteil überbrückt) | Steigt stark an | Ändert sich | 0 V (am KS) |
In einer Reihenschaltung (U = 24 V) ist R₂ defekt und unterbrochen. Was zeigt ein Voltmeter, das parallel zu R₁ angeschlossen ist?
Abschlusstest
12 Fragen zum gesamten Kursinhalt. Beantworte alle Fragen und klicke auf „Auswerten“.
1. Welches Merkmal kennzeichnet die Reihenschaltung grundsätzlich?
2. Drei Widerstände R₁ = 56 Ω, R₂ = 100 Ω, R₃ = 150 Ω liegen in Reihe. Wie groß ist Rges?
3. Was gilt für den Strom in jeder Reihenschaltung?
4. Wie lautet das 2. Kirchhoffsche Gesetz (Maschenregel) für eine Reihenschaltung?
5. An einer Reihenschaltung liegt U = 20 V. Über R₁ fallen 8 V, über R₂ fallen 7 V ab. Wie groß ist U₃?
6. Welcher Widerstand nimmt in einer Reihenschaltung die größte Spannung auf?
7. Wie lautet die Spannungsteilerformel für U₂ in einem Reihenstromkreis mit R₁ und R₂?
8. Ein Spannungsteiler: U = 15 V, R₁ = 1 kΩ, R₂ = 4 kΩ. Wie groß ist U₂?
9. Was passiert mit dem Gesamtstrom, wenn man einen weiteren Widerstand in die Reihenschaltung einfügt?
10. Ein Bauteil in der Reihenschaltung ist unterbrochen. Was zeigt ein Voltmeter parallel zur Unterbrechungsstelle?
11. Warum ist die Spannungsteilerformel nur für den „unbelasteten“ Spannungsteiler gültig?
12. Welche österreichische Norm regelt den sicheren Betrieb elektrischer Anlagen und ist bei Arbeiten in Reihenstromkreisen zu beachten?
Fragen bei mündlicher Prüfung
Typische Prüferfragen mit vollständigen Musterantworten. Klappe jede Antwort erst auf, nachdem du sie selbst beantwortet hast.
Erklären Sie das Grundprinzip der Reihenschaltung.
Wie berechnet man den Gesamtwiderstand einer Reihenschaltung und warum?
Warum ist der Strom in einer Reihenschaltung überall gleich?
Erklären Sie die Maschenregel am Beispiel einer Reihenschaltung.
Wie verhält sich die Spannungsaufteilung in Bezug auf die Widerstandswerte?
Leiten Sie die Spannungsteilerformel her.
Was passiert bei einer Leitungsunterbrechung in einer Reihenschaltung? Beschreiben Sie Strom und Spannungen.
Wie geht man bei der Fehlersuche in einer Reihenschaltung mit dem Voltmeter vor?
Welchen Unterschied gibt es zwischen einem belasteten und einem unbelasteten Spannungsteiler?
Formelsammlung
Glossar
- Reihenschaltung: Schaltung, bei der alle Bauelemente in einem einzigen, unverzweigten Strompfad hintereinander angeordnet sind.
- Gesamtwiderstand (Rges): Die Summe aller Einzelwiderstände in einer Reihenschaltung. Immer größer als der größte Einzelwiderstand.
- Stromgleichheit: In einer Reihenschaltung ist die Stromstärke an jeder Stelle des Kreises identisch, da es keine Verzweigungen gibt.
- Teilspannung (Ux): Spannung, die über einem einzelnen Widerstand einer Reihenschaltung abfällt. Berechnung: Ux = I · Rx.
- Maschenregel (2. Kirchhoffsches Gesetz): Die Summe aller Spannungen in einem geschlossenen Umlauf (Masche) ist gleich null. Für Reihenschaltung: Uges = ΣUx.
- Knotenregel (1. Kirchhoffsches Gesetz): An jedem Verzweigungspunkt (Knoten) ist die Summe der zufließenden Ströme gleich der Summe der abfließenden Ströme.
- Spannungsteilerformel: Formel zur direkten Berechnung einer Teilspannung ohne Umweg über den Strom: Ux = Uges · Rx / Rges. Gilt nur für den unbelasteten Spannungsteiler.
- Unbelasteter Spannungsteiler: Spannungsteiler, an dessen Ausgang kein Verbraucher angeschlossen ist. Die einfache Spannungsteilerformel gilt hier uneingeschränkt.
- Belasteter Spannungsteiler: Spannungsteiler mit einem Verbraucher parallel zu einem der Widerstände. Die Spannungsaufteilung ändert sich durch die Parallelschaltung.
- Leitungsunterbrechung (Open Circuit): Defektzustand, bei dem der Stromkreis an einer Stelle getrennt ist. Folge: I = 0 A, volle Quellenspannung an der Unterbrechungsstelle.
- Spannungsabfall: Spannung, die über einem Widerstand abfällt und die elektrische Energie in Wärmeenergie umwandelt. Synonym zu Teilspannung.
- Potentiometer: Regelbarer Widerstand mit drei Anschlüssen, der als einstellbarer Spannungsteiler verwendet werden kann.
Stand & Quellen
- ÖVE/ÖNORM EN 50110-1: Betrieb von elektrischen Anlagen (Österreichische Fassung)
- ESV 2012 – Elektroschutzverordnung (BGBl. II Nr. 33/2012)
- ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG), BGBl. Nr. 450/1994 i.d.g.F.
- Moeller/Eichler: „Grundlagen der Elektrotechnik“, Vieweg+Teubner, aktuelle Auflage
- Harriehausen/Schwarzenau: „Moeller Grundlagen der Elektrotechnik“, Springer Vieweg
- Kursseite erstellt für: Mechatronik Lernportal Österreich – Stand April 2025
