Polumschaltbare ASM mit getrennten Wicklungen

Ein lüfter, der wahlweise leise oder kräftig fördern soll. Eine Werkzeugmaschinen-Spindel mit einer Drehzahl zum Bohren und einer zweiten zum Fräsen. Ein Aufzug mit Eilgang und Schleichgang vor dem Stockwerk. Solche Antriebe brauchen zwei feste Drehzahlen — aber keinen vollwertigen Frequenzumrichter. Eine bewährte Lösung ist der polumschaltbare Drehstrom-Asynchronmotor mit getrennten Wicklungen: zwei elektrisch unabhängige Stator-Wicklungen, jede für eine andere Polzahl ausgelegt.

Vorwissen

  • Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
  • Drehfeld
  • Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum die Polpaarzahl beim Asynchronmotor die Drehzahl bestimmt
  • die Synchron- und Motordrehzahl beider Wicklungen aus Frequenz, Polpaarzahl and Schlupf berechnen
  • ein Klemmenbrett mit zwei getrennten Wicklungen richtig zuordnen
  • den polumschaltbaren Motor mit getrennten Wicklungen vom Dahlandermotor abgrenzen
  • die wichtigsten Betriebs- und Sicherheitshinweise beim Umgang mit diesem Motortyp nennen

1. Drehzahl beim Asynchronmotor und Idee der Polumschaltung

Der Asynchronmotor läuft im Takt des Drehfelds — fast. Das Drehfeld dreht sich mit der Synchrondrehzahl, der Rotor bleibt durch den Schlupf etwas zurück. Die Synchrondrehzahl hängt von zwei Größen ab: der Netzfrequenz und der Polpaarzahl der Wicklung.

n_s = 60 * f / p

  • n_s … Synchrondrehzahl in 1/min
  • f ….. Netzfrequenz in Hz
  • p ….. Polpaarzahl

Die reale Drehzahl an der Welle liegt durch den Schlupf um wenige Prozent darunter:

n = n_s * (1 – s)

  • n … Motordrehzahl in 1/min
  • s … Schlupf (dimensionslos; oft in % angegeben)

Am festen 50-Hz-Netz steht die Frequenz fix. Wer die Drehzahl trotzdem ändern will, hat zwei Optionen: einen Frequenzumrichter — flexibel, aber teuer — oder eine Änderung der Polpaarzahl direkt im Motor. Eine veränderte Polpaarzahl liefert eine andere Synchrondrehzahl und damit eine andere Lastdrehzahl. Genau hier setzt die Polumschaltung an: Der Motor bekommt zwei verschiedene Polzahlen, die wahlweise eingeschaltet werden. Mit der Bauart „getrennte Wicklungen“ werden dafür zwei vollständig unabhängige Wicklungen im Stator untergebracht — jede mit einer eigenen Polpaarzahl.

Welche Aussage zur Synchrondrehzahl eines Asynchronmotors am 50-Hz-Netz ist korrekt?

  • a) Sie hängt nur von der Wicklungsspannung ab
  • b) Sie steigt mit steigendem Schlupf
  • c) Sie sinkt, wenn die Polpaarzahl erhöht wird
  • d) Sie ist bei allen ASM identisch

Richtig: c)

Aus n_s = 60·f/p folgt: höhere Polpaarzahl → kleinere Synchrondrehzahl. Spannung und Schlupf beeinflussen die Synchrondrehzahl nicht; nur die Frequenz und die Polpaarzahl tun das. Daher ist c richtig.

Wodurch unterscheidet sich die reale Motordrehzahl im Lastbetrieb von der Synchrondrehzahl?

  • a) Durch den Schlupf — der Rotor läuft langsamer als das Drehfeld
  • b) Durch die Erregerleistung — der Rotor läuft schneller als das Drehfeld
  • c) Sie ist exakt gleich der Synchrondrehzahl
  • d) Sie liegt immer beim Nennstrom-Wert in 1/min

Richtig: a)

Beim Asynchronmotor entsteht das Drehmoment nur, wenn der Rotor relativ zum Drehfeld nachhinkt. Diese Differenz ist der Schlupf — die reale Drehzahl liegt damit unter der Synchrondrehzahl. Eine Erregerleistung im klassischen Sinn gibt es beim Käfigläufer nicht.

2. Aufbau: zwei getrennte Wicklungen im Stator

Damit der Motor zwei verschiedene Polzahlen erzeugen kann, sitzen im Stator zwei vollständige Drehstromwicklungen. Beide liegen in denselben Nuten, sind aber elektrisch voneinander isoliert und magnetisch jeweils für ihre eigene Polzahl ausgelegt. Eine Wicklung erzeugt zum Beispiel ein vierpoliges Drehfeld, die andere ein achtpoliges — beide nutzen denselben Statorblock und denselben Rotor.

Der Rotor selbst ist ein gewöhnlicher Käfigläufer. Er passt sich automatisch an die jeweils erzeugte Polzahl an, weil der Kurzschlusskäfig kein eigenes festes Polmuster besitzt.

Diese Bauart erkauft sich Flexibilität mit Bauraum. Zwei vollwertige Wicklungen im selben Stator bedeuten mehr Kupfer, größere Nuten und damit insgesamt einen größeren Motor als ein normaler ASM mit nur einer Wicklung gleicher Leistung. Genau hier liegt der Unterschied zum Dahlandermotor: Beim Dahlander gibt es nur eine einzige Wicklung mit Anzapfungen, sodass die Polzahl durch Umschalten der Anschlüsse zwischen zwei festen Werten im Verhältnis 1:2 wechselt. Beim Motor mit getrennten Wicklungen sind die Polzahlen frei wählbar — zum Beispiel 4/6, 4/8 oder 6/8.

Wie sind die beiden Wicklungen eines polumschaltbaren ASM mit getrennten Wicklungen aufgebaut?

  • a) Eine Wicklung mit Anzapfungen, die zwei Polzahlen erzeugt
  • b) Zwei elektrisch unabhängige Wicklungen, jede mit eigener Polzahl
  • c) Zwei in Reihe geschaltete Wicklungen mit gemeinsamem Sternpunkt
  • d) Eine Wicklung im Stator, eine im Rotor

Richtig: b)

Die definierende Eigenschaft dieser Bauart sind zwei getrennte, elektrisch unabhängige Wicklungen im Stator. Antwort a beschreibt den Dahlandermotor. Antwort c und d treffen den Aufbau nicht — Rotor-Wicklungen gehören zum Schleifringläufer, nicht zur Polumschaltung.

Welche Aussage zum Rotor bei polumschaltbaren Motoren mit getrennten Wicklungen trifft zu?

  • a) Der Rotor benötigt zwei Wicklungen, jeweils auf die Statorwicklung abgestimmt
  • b) Der Rotor muss bei jeder Umschaltung mechanisch verändert werden
  • c) Der Rotor hat zusätzliche Schleifringe for die Polumschaltung
  • d) Es genügt ein normaler Käfigläufer, der sich auf jede Polzahl einstellt

Richtig: d)

Der Käfigläufer enthält keine vorgegebene Polzahl — er besteht aus kurzgeschlossenen Stäben. Das durch die Statorwicklung erzeugte Drehfeld bestimmt die wirksame Polzahl, und der Rotor folgt. Schleifringe oder mechanische Eingriffe sind nicht nötig.

3. Klemmenbrett und Anschlussbezeichnungen

Wer einen polumschaltbaren Motor anschließt, sieht am Klemmenbrett sechs Klemmen in zwei Dreiergruppen. Jede Gruppe gehört zu einer Wicklung. Die Bezeichnungen folgen der internationalen Norm: Die Ziffer vor dem Buchstaben zeigt die Wicklung an, der Buchstabe die Phase.

Wicklung Klemme typische Zuordnung
Wicklung 1 1U, 1V, 1W niedrige Drehzahl (höhere Polzahl)
Wicklung 2 2U, 2V, 2W hohe Drehzahl (niedrigere Polzahl)

Die interne Verschaltung jeder Wicklung — also ob die drei Stränge intern im Stern oder im Dreieck verschaltet sind — legt der Hersteller fest. Diese Information steht am Typenschild des Motors, üblicherweise als „Y/Y“ oder „Y/Δ“ je nach Wicklung. Anders als beim Standard-ASM, bei dem man am Klemmenbrett durch Umlegen von Brücken zwischen Stern und Dreieck wählen kann, ist die Schaltungsart hier fix vorgegeben. Die sechs herausgeführten Klemmen sind die direkten Anschlusspunkte der drei Stränge jeder Wicklung; der Sternpunkt (falls Stern) ist intern verbunden.

Klemmenbrett polumschaltbarer ASM (getrennte Wicklungen) 1U 1V 1W 2U 2V 2W Wicklung 1 — z.B. 8-polig, langsam Wicklung 2 — z.B. 4-polig, schnell interner Sternpunkt interner Sternpunkt Sechs Klemmen, zwei elektrisch unabhängige Wicklungen — Schaltungsart vom Hersteller intern festgelegt.

Für die Details zu Klemmenbrett-Bezeichnungen, Brücken und Standardanschlüssen — speziell beim einfachen Drehstrommotor — gibt es einen eigenen Beitrag zum Motoranschluss und Klemmenbrett. Hier reicht die Kernaussage: Bei getrennten Wicklungen findet keine Brückenwahl statt; das Klemmenbrett liefert sechs Anschlüsse, die direkt zu den Schützen führen.

Wie viele Klemmen sind beim Klemmenbrett eines polumschaltbaren ASM mit getrennten Wicklungen herausgeführt?

  • a) 3 Klemmen — eine je Außenleiter
  • b) 9 Klemmen — drei je Wicklung plus drei Brücken
  • c) 6 Klemmen — drei je Wicklung
  • d) 12 Klemmen — Stern und Dreieck wählbar

Richtig: c)

Jede der beiden Wicklungen wird mit ihren drei Strangenden herausgeführt — das ergibt 6 Klemmen insgesamt. Die interne Verschaltung im Stern oder Dreieck legt der Hersteller fest, sodass am Klemmenbrett keine Brücken nötig sind.

Auf einem Klemmenbrett finden sich die Bezeichnungen 1U, 1V, 1W, 2U, 2V, 2W. Was bedeutet das?

  • a) Zwei Wicklungen, jede mit drei Strangenden — Ziffer = Wicklungsnummer, Buchstabe = Phase
  • b) Zwei mögliche Spannungsbereiche, je drei Klemmen
  • c) Eingangs- und Ausgangsklemmen einer einzigen Wicklung
  • d) Sechs verschiedene Außenleiter aus einem speziellen Drehstromnetz

Richtig: a)

Die Norm ordnet die erste Ziffer der Wicklungsnummer und den Buchstaben der Phase zu. So gehören 1U, 1V, 1W zusammen zur ersten Wicklung. Andere Deutungen entstehen nur durch Verwechslung mit Klemmenbrett-Bezeichnungen anderer Motorbauarten.

4. Synchron-Drehzahl berechnen und typische Polkombinationen

Mit der Polpaarzahl jeder Wicklung lässt sich die jeweilige Synchrondrehzahl direkt berechnen. Bei einem 50-Hz-Netz ergeben sich die häufigsten Werte aus dieser Tabelle:

Polpaarzahl p Polzahl 2p n_s bei 50 Hz in 1/min n_s bei 60 Hz in 1/min
1 2 3000 3600
2 4 1500 1800
3 6 1000 1200
4 8 750 900
6 12 500 600

Daraus baut man die gewünschten Drehzahlpaare. Typische Kombinationen in der Praxis sind 2/4-polig (3000/1500), 4/6-polig (1500/1000), 4/8-polig (1500/750) und 6/8-polig (1000/750). Die untere Drehzahl der Tabelle ist immer die Synchrondrehzahl — die reale Lastdrehzahl liegt durch den Schlupf um wenige Prozent darunter.

n = 60 * f / p * (1 – s)

  • n … Motordrehzahl in 1/min
  • f … Netzfrequenz in Hz
  • p … Polpaarzahl
  • s … Schlupf (z.B. 0,05 für 5 %)

Gelöstes Beispiel

Ein polumschaltbarer Motor mit getrennten Wicklungen hat Wicklung 1 mit p₁ = 4 und Wicklung 2 mit p₂ = 2. Er läuft am 50-Hz-Netz mit einem Schlupf von 4 % in beiden Stufen. Wie groß sind die Synchron- und Motordrehzahlen?

Gegeben: f = 50 Hz, p₁ = 4, p₂ = 2, s = 4 % = 0,04

Gesucht: n_s1, n_s2, n_1, n_2 in 1/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Synchrondrehzahl Wicklung 1: n_s1 = 60 · 50 / 4 = 750 1/min
  2. Schritt 2 — Motordrehzahl Wicklung 1: n_1 = 750 · (1 − 0,04) = 720 1/min
  3. Schritt 3 — Synchrondrehzahl Wicklung 2: n_s2 = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min
  4. Schritt 4 — Motordrehzahl Wicklung 2: n_2 = 1500 · (1 − 0,04) = 1440 1/min

Ergebnis: Wicklung 1 läuft mit 720 1/min, Wicklung 2 mit 1440 1/min.

Übungen

Berechne die Synchrondrehzahl einer 6-poligen Wicklung am 50-Hz-Netz.

p = 3; n_s = 60·50/3 = 1000 1/min.

Ein polumschaltbarer Motor besitzt eine 4-polige und eine 8-polige Wicklung. Welche Synchrondrehzahlen ergeben sich am 50-Hz-Netz?

p₁ = 2 → n_s1 = 1500 1/min; p₂ = 4 → n_s2 = 750 1/min.

Wicklung 1 hat p₁ = 3, Wicklung 2 hat p₂ = 2, der Schlupf beträgt in beiden Stufen 5 %. Wie hoch ist die Motordrehzahl in jeder Stufe am 50-Hz-Netz?

n_1 = 60·50/3·(1−0,05) = 950 1/min; n_2 = 60·50/2·(1−0,05) = 1425 1/min.

Ein Lüftermotor läuft am 50-Hz-Netz wahlweise mit 1450 1/min oder 970 1/min. Welche Polpaarzahlen haben die beiden Wicklungen näherungsweise und welcher Schlupf liegt jeweils vor?

1450 1/min liegt bei n_s = 1500 → p = 2; s = (1500−1450)/1500 ≈ 3,3 %. 970 1/min liegt bei n_s = 1000 → p = 3; s = (1000−970)/1000 = 3 %.

Wie ändert sich die Synchrondrehzahl einer 12-poligen Wicklung, wenn der Motor statt am 50-Hz-Netz an einem 60-Hz-Netz betrieben wird?

p = 6; n_s_50 = 60·50/6 = 500 1/min; n_s_60 = 60·60/6 = 600 1/min. Die Synchrondrehzahl steigt um 100 1/min bzw. um 20 %.

Eine Wicklung hat p = 2 am 50-Hz-Netz. Wie groß ist die Synchrondrehzahl?

  • a) 1000 1/min
  • b) 1500 1/min
  • c) 750 1/min
  • d) 3000 1/min

Richtig: b)

n_s = 60·50/2 = 1500 1/min. Eine Verwechslung von Polzahl 2p and Polpaarzahl p würde 3000 oder 750 ergeben — beides falsch.

Ein polumschaltbarer Motor mit getrennten Wicklungen hat im Typenschild „1450/720 1/min“ stehen. Welche Polpaarzahlen haben die beiden Wicklungen am 50-Hz-Netz vermutlich?

  • a) p₁ = 4, p₂ = 8
  • b) p₁ = 1, p₂ = 2
  • c) p₁ = 3, p₂ = 6
  • d) p₁ = 2, p₂ = 4

Richtig: d)

1450 1/min liegt knapp unter 1500 → p = 2. 720 1/min liegt knapp unter 750 → p = 4. Die Differenz zur Synchrondrehzahl ist jeweils der Schlupf. Andere Polpaarzahlen würden andere Synchrondrehzahlen erzeugen.

Welcher Schlupf liegt vor, wenn der Motor mit p = 3 am 50-Hz-Netz mit 960 1/min läuft?

  • a) 4 %
  • b) 8 %
  • c) 2 %
  • d) 6 %

Richtig: a)

n_s = 60·50/3 = 1000 1/min. Schlupf s = (1000−960)/1000 = 0,04 = 4 %. Die anderen Werte ergeben sich nur bei falsch eingesetzter Synchrondrehzahl.

5. Vergleich mit dem Dahlandermotor und typische Anwendungen

Sowohl der Dahlandermotor als auch der polumschaltbare Motor mit getrennten Wicklungen erlauben zwei feste Drehzahlen ohne Frequenzumrichter. Trotzdem unterscheiden sie sich in mehreren Punkten erheblich:

Merkmal Dahlandermotor Getrennte Wicklungen
Anzahl Wicklungen eine, mit Anzapfungen zwei, elektrisch unabhängig
Polzahl-Verhältnis fix 1:2 frei wählbar
Klemmenbrett meist 6 Klemmen mit Brücken 6 Klemmen, keine Brücken
Bauraum / Kupferaufwand kompakter größer, mehr Kupfer
Kosten geringer höher
typische Einsätze Lüfter, Pumpen mit Verhältnis 2:1 flexible Drehzahlpaare wie 4/6, 6/8

Wer ein Drehzahlpaar im Verhältnis 1:2 braucht, fährt mit dem Dahlandermotor in der Regel günstiger und kompakter. Sobald andere Verhältnisse gefragt sind — etwa 1500/1000 1/min oder 1000/750 1/min — bleibt nur die Bauart mit getrennten Wicklungen.

Typische Anwendungen in der Praxis:

  • Lüfter and Gebläse mit zwei festen Förderstufen
  • Pumpen mit Tag- und Nachtbetrieb
  • Förderbänder mit Eilgang und Schleichgang
  • Aufzüge mit Eilgang und Schleichgang vor dem Stockwerk
  • Werkzeugmaschinen-Spindeln mit zwei festen Drehzahlen
  • Mischer und Rührwerke in der Lebensmittel- und Verfahrenstechnik

Worin liegt der entscheidende Vorteil polumschaltbarer Motoren mit getrennten Wicklungen gegenüber dem Dahlandermotor?

  • a) Sie sind grundsätzlich kompakter
  • b) Sie kommen mit drei Klemmen aus
  • c) Sie erlauben beliebige Polzahl-Verhältnisse statt nur 1:2
  • d) Sie funktionieren auch ohne Drehfeld

Richtig: c)

Der Hauptvorteil ist die freie Wahl der beiden Polzahlen. Kompakter ist der Dahlander, nicht die Bauart mit getrennten Wicklungen. Drei Klemmen oder Betrieb ohne Drehfeld sind technisch nicht zutreffend.

Welche Drehzahlkombination am 50-Hz-Netz ist mit einem Dahlandermotor NICHT realisierbar, mit getrennten Wicklungen aber schon?

  • a) 3000 und 1500 1/min
  • b) 1500 und 750 1/min
  • c) 1500 und 1000 1/min
  • d) 1000 und 500 1/min

Richtig: c)

Der Dahlander liefert fix das Verhältnis 1:2 — also 3000/1500, 1500/750 oder 1000/500. Das Paar 1500/1000 entspricht aber 4/6-polig (Verhältnis 3:2) und ist mit Dahlander nicht möglich. Mit getrennten Wicklungen lässt sich dieses Paar problemlos bauen.

6. Betriebshinweise und Sicherheitsaspekte

Zwei Wicklungen in einem Motorgehäuse erfordern ein paar Regeln, die in der täglichen Arbeit unbedingt sitzen müssen.

Nie beide Wicklungen gleichzeitig schalten. Das ist die wichtigste Regel. Liegen beide Wicklungen gleichzeitig am Netz, bauen sie konkurrierende Drehfelder unterschiedlicher Polzahl auf. Die Folgen sind hohe Querströme, massive Erwärmung und im schlimmsten Fall ein Wicklungsbrand innerhalb kurzer Zeit. In der Schützsteuerung ist deshalb eine elektrische und mechanische Verriegelung der beiden Schütze zwingend. Die konkrete Ausführung dieser Schaltung gehört in den eigenen Beitrag zur Schützschaltung polumschaltbarer Motoren mit getrennten Wicklungen.

Induzierte Spannung an der freien Wicklung. Solange eine Wicklung am Netz liegt, wirkt der Motor durch die magnetische Kopplung wie ein Transformator: In der nicht angeschlossenen, offenen Wicklung kann eine berührungsgefährliche Spannung induziert werden — je nach Bauart durchaus im Bereich der Netzspannung oder darüber. Wer am Motor arbeitet, muss daher beide Wicklungen sicher freischalten und nach den fünf Sicherheitsregeln vorgehen. Es reicht nicht, nur die gerade aktive Wicklung abzuschalten.

Drehrichtungsumkehr getrennt pro Wicklung. Will man die Drehrichtung wechseln, müssen pro Wicklung zwei Außenleiter getauscht werden. Eine korrekte Drehrichtung in einer Wicklung garantiert nicht automatisch die richtige Drehrichtung in der anderen — beim Einbau und der Inbetriebnahme beide Stufen separat prüfen.

Umschaltpause sinnvoll. Beim Wechsel zwischen den Wicklungen sollte der Rotor erst etwas auslaufen, bevor die andere Wicklung anzieht. Eine direkte Umschaltung unter voller Drehzahl erzeugt große Ausgleichsströme und mechanische Stöße. In Schützsteuerungen wird das meist durch ein Zeitrelais mit kurzer Pause realisiert.

Motorschutz für jede Wicklung getrennt. Die beiden Wicklungen nehmen unterschiedliche Ströme auf — die langsame Wicklung mit höherer Polzahl typischerweise einen anderen Nennstrom als die schnelle. Pro Wicklung wird daher ein eigener Motorschutzschalter oder ein eigenes Motorschutzrelais vorgesehen, jeweils auf den Nennstrom der zugehörigen Wicklung eingestellt.

Warum muss bei polumschaltbaren Motoren mit getrennten Wicklungen eine Verriegelung der beiden Schütze vorhanden sein?

  • a) Damit das Drehfeld richtig synchronisiert wird
  • b) Damit der Schlupf konstant bleibt
  • c) Damit die Drehrichtung in beiden Wicklungen gleich ist
  • d) Damit nicht beide Wicklungen gleichzeitig unter Spannung stehen

Richtig: d)

Ein gleichzeitiger Betrieb beider Wicklungen erzeugt konkurrierende Drehfelder und führt sehr schnell zur Zerstörung der Wicklung durch hohe Querströme. Schlupf, Synchronisation und Drehrichtung haben mit der Verriegelung nichts zu tun.

Welche Aussage zur Sicherheit an der nicht angeschlossenen Wicklung trifft zu?

  • a) An der freien Wicklung kann eine gefährliche Spannung induziert werden — beim Arbeiten beide Wicklungen freischalten
  • b) Die freie Wicklung ist spannungslos, solange die andere Wicklung läuft
  • c) Berührungsschutz ist nur am Klemmenbrett der aktiven Wicklung nötig
  • d) Die freie Wicklung kann gefahrlos berührt werden, weil sie nicht am Netz hängt

Richtig: a)

Durch die magnetische Kopplung wirkt der Motor wie ein Transformator. In der offenen, „freien“ Wicklung wird eine Spannung induziert, die berührungsgefährlich sein kann. Sicher arbeitet nur, wer beide Wicklungen freischaltet.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein polumschaltbarer Motor mit getrennten Wicklungen hat eine 6-polige und eine 4-polige Wicklung. Er wird am 50-Hz-Netz betrieben und hat in beiden Stufen einen Schlupf von 4 %.

Gegeben: f = 50 Hz, p₁ = 3 (6-polig), p₂ = 2 (4-polig), s = 4 %

Gesucht: n_s1, n_s2, n_1, n_2 in 1/min

Lösungsweg:

  1. n_s1 = 60·50/3 = 1000 1/min
  2. n_1 = 1000·(1 − 0,04) = 960 1/min
  3. n_s2 = 60·50/2 = 1500 1/min
  4. n_2 = 1500·(1 − 0,04) = 1440 1/min

Ergebnis: langsame Stufe 960 1/min, schnelle Stufe 1440 1/min.

Aufgabe 2: Ein Förderband wird wahlweise mit 720 1/min oder 1440 1/min angetrieben. Welche Polpaarzahlen haben die beiden Wicklungen am 50-Hz-Netz und wie hoch ist jeweils der Schlupf?

Gegeben: f = 50 Hz, n_1 = 720 1/min, n_2 = 1440 1/min

Gesucht: p₁, p₂, s₁, s₂

Lösungsweg:

  1. 720 1/min liegt nahe 750 → p₁ = 4; s₁ = (750 − 720)/750 = 0,04 = 4 %.
  2. 1440 1/min liegt nahe 1500 → p₂ = 2; s₂ = (1500 − 1440)/1500 = 0,04 = 4 %.

Ergebnis: p₁ = 4, p₂ = 2; beide Stufen haben einen Schlupf von 4 %.

Welche Aussage zur Bauart „getrennte Wicklungen“ ist korrekt?

  • a) Es genügt eine einzige Wicklung mit Anzapfung
  • b) Beide Wicklungen liegen elektrisch unabhängig in den gleichen Statornuten
  • c) Eine Wicklung sitzt im Stator, die andere im Rotor
  • d) Die Wicklungen werden in Reihe geschaltet, um die Polzahl zu ändern

Richtig: b)

Definierend ist die elektrische Unabhängigkeit der beiden Wicklungen im gleichen Stator. Antwort a beschreibt den Dahlander, c und d sind technisch falsch.

Welches Drehzahlverhältnis ist mit dem Dahlandermotor nicht erreichbar, mit getrennten Wicklungen aber problemlos?

  • a) 3000/1500 1/min
  • b) 1500/750 1/min
  • c) 1000/500 1/min
  • d) 1500/1000 1/min

Richtig: d)

Der Dahlander hat fix das Verhältnis 1:2. Das Paar 1500/1000 entspricht 4/6-polig (Verhältnis 3:2) und braucht zwei getrennte Wicklungen.

Welche Klemmenbezeichnung gehört zu einer typischen polumschaltbaren ASM mit getrennten Wicklungen nach gängiger Norm?

  • a) 1U, 1V, 1W, 2U, 2V, 2W
  • b) L1, L2, L3, N, PE, FE
  • c) U, V, W, X, Y, Z
  • d) A1, A2, B1, B2, C1, C2

Richtig: a)

Die erste Ziffer kennzeichnet die Wicklung, der Buchstabe die Phase. So gehören 1U/1V/1W zur ersten und 2U/2V/2W zur zweiten Wicklung.

Wie wirkt sich der Schlupf auf die Motordrehzahl aus?

  • a) Er senkt die reale Drehzahl unter die Synchrondrehzahl
  • b) Er erhöht die Drehzahl über die Synchrondrehzahl
  • c) Er senkt die Frequenz im Drehfeld
  • d) Er hat keinen Einfluss auf die Drehzahl

Richtig: a)

Der Schlupf bezeichnet das Hinterherlaufen des Rotors gegenüber dem Drehfeld. Bei Last sinkt die Drehzahl daher unter die Synchrondrehzahl. Eine Beschleunigung über n_s hinaus ist beim Asynchronmotor im Motorbetrieb nicht möglich.

Welche Synchrondrehzahl liefert eine Wicklung mit Polzahl 2p = 8 am 50-Hz-Netz?

  • a) 1500 1/min
  • b) 1000 1/min
  • c) 750 1/min
  • d) 600 1/min

Richtig: c)

Polpaarzahl p = 4, also n_s = 60·50/4 = 750 1/min. Wer Polzahl und Polpaarzahl verwechselt, kommt auf 1500 oder 375.

Welches Problem entsteht, wenn an einem polumschaltbaren Motor mit getrennten Wicklungen beide Schütze gleichzeitig anziehen?

  • a) Der Motor läuft mit halber Drehzahl weiter
  • b) Es entsteht kein Drehmoment, der Motor steht still
  • c) Konkurrierende Drehfelder erzeugen hohe Querströme und können die Wicklung zerstören
  • d) Die Drehrichtung kehrt sich automatisch um

Richtig: c)

Zwei Wicklungen mit unterschiedlicher Polzahl gleichzeitig am Netz erzeugen sich überlagernde Drehfelder. Die Folge sind hohe Ströme und thermische Zerstörung — deshalb ist die Verriegelung Pflicht.

Welche Sicherheitsregel ist beim Arbeiten an einem polumschaltbaren Motor mit getrennten Wicklungen besonders wichtig?

  • a) Nur die gerade laufende Wicklung freischalten
  • b) Beide Wicklungen freischalten und gegen Wiedereinschalten sichern
  • c) Nur den Hauptschalter ausschalten — die zweite Wicklung ist immer spannungslos
  • d) Den Motor kurzzeitig laufen lassen, um Restspannungen abzubauen

Richtig: b)

In der nicht angeschlossenen Wicklung wird durch die Transformatorwirkung eine berührungsgefährliche Spannung induziert, solange die andere am Netz liegt. Sicheres Arbeiten verlangt daher das Freischalten beider Wicklungen.

Wie wird die Drehrichtung in einer einzelnen Wicklung des Motors umgekehrt?

  • a) Durch Auftrennen des Sternpunktes
  • b) Durch Umpolen des Erregerstroms
  • c) Durch Hinzuschalten der zweiten Wicklung
  • d) Durch Tauschen zweier Außenleiter dieser Wicklung

Richtig: d)

Die Drehrichtung beim Drehstrommotor wird durch die Reihenfolge der Phasen vorgegeben. Tauscht man zwei Außenleiter, kehrt sich das Drehfeld um. Erregerströme oder Sternpunkt spielen hier keine Rolle.

Welche Wicklung wird üblicherweise mit dem Index „1″ (also 1U/1V/1W) bezeichnet?

  • a) Die schnellere Wicklung mit niedrigerer Polzahl
  • b) Die Wicklung mit höherer Polzahl und niedrigerer Drehzahl
  • c) Die Wicklung für Drehrichtungsumkehr
  • d) Die Notlauf-Wicklung im Fehlerfall

Richtig: b)

Konvention ist, die Wicklung mit höherer Polzahl — also der niedrigeren Drehzahl — als Wicklung 1 zu bezeichnen. Im konkreten Einzelfall klärt das Typenschild.

Warum wird beim Umschalten zwischen den Wicklungen meist eine kurze Pause eingelegt?

  • a) Damit Stromspitzen und mechanische Stöße beim Anziehen der anderen Wicklung vermieden werden
  • b) Damit der Motor seine Drehrichtung ändern kann
  • c) Damit der Frequenzumrichter Zeit zur Synchronisation hat
  • d) Damit der Motorschutz auslöst

Richtig: a)

Wechselt der Motor direkt von voller Drehzahl der einen Wicklung auf die andere Polzahl, entstehen große Ausgleichsströme und mechanische Stöße. Eine kurze Pause lässt den Rotor leicht auslaufen und entlastet den Antrieb. Ein Frequenzumrichter kommt hier gar nicht zum Einsatz.

Glossar

Polpaarzahl
Anzahl der magnetischen Polpaare einer Drehstromwicklung. Aus ihr ergibt sich zusammen mit der Netzfrequenz die Synchrondrehzahl: n_s = 60·f/p.
Synchrondrehzahl
Drehzahl, mit der sich das Drehfeld im Stator dreht. Sie wird ausschließlich durch Netzfrequenz und Polpaarzahl bestimmt; die reale Lastdrehzahl liegt durch den Schlupf knapp darunter.
Polumschaltung
Verfahren, die Drehzahl eines Asynchronmotors durch Änderung der wirksamen Polpaarzahl in festen Stufen zu wechseln, ohne die Netzfrequenz zu verändern.
Getrennte Wicklungen
Bauart eines polumschaltbaren Asynchronmotors mit zwei elektrisch unabhängigen Stator-Wicklungen, die jeweils eine eigene Polzahl erzeugen und so frei wählbare Drehzahl-Verhältnisse erlauben.
Dahlandermotor
Polumschaltbarer Asynchronmotor mit nur einer Stator-Wicklung, die durch Anzapfungen zwei Polzahlen im fixen Verhältnis 1:2 bereitstellt.
Klemmenbrett
Anschlussfeld am Motorgehäuse, an dem die Strangenden der Wicklungen herausgeführt sind. Bei getrennten Wicklungen sind in der Regel sechs Klemmen vorhanden, drei je Wicklung.

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