A/D- und D/A-Wandler
Sensoren liefern analoge Signale, SPS und Mikrocontroller verarbeiten Bits. Damit beides zusammenpasst, brauchst du Übersetzer: A/D-Wandler holen die analoge Welt ins Digitale, D/A-Wandler bringen das digitale Ergebnis zurück in eine analoge Spannung oder einen Strom. Wer den Wandlungsprozess versteht, kann Auflösung, Genauigkeit und Grenzen einer Analogwertverarbeitung sauber einschätzen.
Vorwissen
- Analoge und digitale Signale
- Zahlensysteme: binär, hexadezimal, BCD
- Spannungsteiler
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Ablauf einer A/D-Wandlung in den drei Schritten Abtasten, Quantisieren und Codieren beschreiben
- Auflösung, LSB-Größe und maximalen Quantisierungsfehler eines A/D-Wandlers berechnen
- das Abtasttheorem nach Nyquist-Shannon anwenden und Aliasing als Folge zu niedriger Abtastrate erkennen
- die gängigen A/D-Wandlerverfahren nach Geschwindigkeit, Auflösung und Anwendung einordnen
- das Grundprinzip eines D/A-Wandlers und seine Ausgangsspannung berechnen
1. Brücke zwischen analoger und digitaler Welt
Ein Temperaturfühler gibt einen Strom von 4 bis 20 mA aus. Eine SPS arbeitet intern mit Bits. Dazwischen sitzt ein Bauteil, das die kontinuierliche Stromgröße in eine Zahl übersetzt: der A/D-Wandler (Analog-Digital-Wandler, kurz ADC). Auf der anderen Seite kann die SPS einem Frequenzumrichter einen Sollwert zwischen 0 und 10 V vorgeben — diesen analogen Wert erzeugt ein D/A-Wandler (Digital-Analog-Wandler, kurz DAC) aus einer Bitfolge.
Beide Wandler sind die Schnittstelle zwischen der physikalischen Welt und dem digitalen Steuerwerk. In fast jedem Mikrocontroller, jeder SPS-Baugruppe für Analogwerte, jedem Messgerät und jeder Audioschaltung steckt mindestens einer davon — meistens beide.
Die Aufgabenverteilung ist klar:
- Der ADC misst eine analoge Größe (Spannung oder Strom) und liefert einen Zahlenwert.
- Der DAC bekommt einen Zahlenwert und erzeugt daraus eine analoge Spannung oder einen Strom.
Eine Mikrocontroller-Schaltung soll den Wert eines Drucksensors mit Spannungsausgang einlesen. Welcher Wandler ist dafür zuständig?
- a) Ein A/D-Wandler im Eingangspfad des Mikrocontrollers
- b) Ein D/A-Wandler im Ausgangspfad des Sensors
- c) Ein Optokoppler zwischen Sensor und Controller
- d) Ein Spannungsteiler ohne weitere Wandlung
Richtig: a)
Der Sensor liefert eine kontinuierliche Spannung, der Controller arbeitet mit Bits. Diese Übersetzung übernimmt der A/D-Wandler. Ein D/A-Wandler würde den umgekehrten Weg gehen, ein Optokoppler trennt nur galvanisch und ein Spannungsteiler skaliert die Spannung, wandelt aber nicht in eine Zahl.
Was ist der typische Anwendungsfall für einen D/A-Wandler in einer SPS?
- a) Einlesen eines Temperaturmesswertes
- b) Verarbeiten eines digitalen Endschaltersignals
- c) Ausgabe eines analogen Sollwertes 0–10 V an einen Frequenzumrichter
- d) Galvanische Trennung von Steuer- und Lastkreis
Richtig: c)
Ein D/A-Wandler erzeugt aus einer digitalen Zahl eine analoge Größe. In der SPS-Praxis ist das typisch der Drehzahl-Sollwert an einen Frequenzumrichter oder ein Stellsignal an ein Proportionalventil. Das Einlesen analoger Werte ist Aufgabe des ADC, digitale Signale brauchen keinen Wandler und galvanische Trennung erledigen Optokoppler oder Trenntransformatoren.
Warum sind A/D- und D/A-Wandler in einer modernen Automatisierungsanlage praktisch unverzichtbar?
- a) Sie verstärken zu schwache Sensorsignale auf Standardpegel
- b) Sie ersetzen Schütze und Relais
- c) Sie filtern Netzstörungen aus der Versorgungsspannung
- d) Sie verbinden die analoge physikalische Welt mit der digitalen Datenverarbeitung
Richtig: d)
Sensoren und Aktoren arbeiten meist analog (Spannung, Strom, Druck), während Steuerung und Datenverarbeitung digital sind. Ohne Wandler gäbe es keine Brücke zwischen beiden Welten. Verstärken übernehmen Messumformer, geschaltet wird mit Schützen und Halbleiterbauelementen, gefiltert wird mit RC- und LC-Gliedern.
2. A/D-Wandlung: Abtasten, Quantisieren, Codieren
Die A/D-Wandlung lässt sich in drei klar getrennte Schritte zerlegen. Jeder Schritt löst ein Teilproblem, das beim Übergang vom Analogen ins Digitale unvermeidlich auftritt.
Schritt 1 — Abtasten (Sampling): Das Eingangssignal ist zeitlich kontinuierlich — in jedem noch so kleinen Zeitintervall ändert es sich. Beim Abtasten greift der Wandler in festen Zeitabständen jeweils einen Momentanwert heraus. Eine Sample-and-Hold-Stufe hält diesen Wert während der Wandlung konstant, damit das Ergebnis stabil bleibt.
Schritt 2 — Quantisieren: Die abgetasteten Werte sind dem Betrag nach immer noch beliebig fein abgestuft. Der Wandler kann aber nur eine endliche Anzahl von Stufen unterscheiden — bei einem 8-Bit-Wandler genau 256, bei einem 10-Bit-Wandler 1024 Stufen. Jeder Abtastwert wird der nächstgelegenen Stufe zugeordnet. Dadurch entsteht eine Treppenkurve.
Schritt 3 — Codieren: Jede Stufe erhält eine Binärzahl, die der Wandler an den Datenbus legt. Das Ergebnis ist eine Bitfolge wie 1011 0010, die der Mikrocontroller oder die SPS weiterverarbeitet.
Die Grafik zeigt die ersten beiden Schritte zusammen: Das blaue Originalsignal wird an festen Zeitpunkten abgetastet (Punkte) und auf eine der acht horizontalen Stufen gerundet. Die rote Treppenkurve ist das, was am Wandlerausgang als Zahlenfolge ankommt.
Erkennbar: An jedem Abtastpunkt liegt der quantisierte Wert geringfügig neben dem tatsächlichen Signal. Diese unvermeidbare Abweichung ist der Quantisierungsfehler, mit dem sich Kapitel 3 quantitativ beschäftigt.
Welche Aufgabe hat die Sample-and-Hold-Stufe im A/D-Wandler?
- a) Sie verstärkt das Eingangssignal auf den Referenzpegel
- b) Sie hält den abgetasteten Wert während der Wandlung konstant
- c) Sie filtert Frequenzen oberhalb der halben Abtastrate
- d) Sie wandelt den analogen Wert in eine Binärzahl
Richtig: b)
Während die eigentliche Quantisierung läuft, darf sich der Eingangswert nicht ändern, sonst wäre das Ergebnis instabil. Genau dafür ist die Sample-and-Hold-Stufe da. Die Anti-Aliasing-Filterung erfolgt vor der Abtastung, die Verstärkung erledigt eine separate Eingangsstufe und die eigentliche Wandlung übernimmt das Quantisierungs-Netzwerk.
Wie viele Stufen kann ein 12-Bit-A/D-Wandler maximal unterscheiden?
- a) 4096
- b) 1024
- c) 256
- d) 12
Richtig: a)
Die Anzahl der Stufen ist 2 hoch der Bit-Anzahl. 2 hoch 12 ergibt 4096. 1024 wäre ein 10-Bit-Wandler, 256 ein 8-Bit-Wandler. Die Zahl 12 ist nur die Bitbreite, nicht die Stufenanzahl.
Wodurch entsteht beim A/D-Wandeln der Quantisierungsfehler?
- a) Durch elektromagnetische Einstreuungen auf den Eingangsleitungen
- b) Durch zu hohe Abtastrate gegenüber der Signalfrequenz
- c) Durch Rundung jedes Abtastwertes auf die nächstgelegene Stufe
- d) Durch ungenügende Kühlung des Wandlerchips
Richtig: c)
Der Quantisierungsfehler ist eine prinzipielle Folge der endlichen Stufenanzahl: Zwischen den Stufen liegende Werte werden gerundet, daraus resultiert die Abweichung. Einstreuungen verursachen separates Rauschen, eine hohe Abtastrate ist im Gegenteil günstig, und thermische Einflüsse wirken sich anders aus.
3. Auflösung, LSB und Quantisierungsfehler
Aus Bitanzahl und Referenzspannung ergeben sich die wichtigsten Kenngrößen jedes A/D-Wandlers.
Die Auflösung gibt an, wie viele Stufen der Wandler unterscheiden kann. Bei n Bit Auflösung sind das:
N = 2^n
- N … Anzahl der Stufen
- n … Bit-Auflösung
Die kleinste auflösbare Spannungsänderung heißt LSB (Least Significant Bit) und entspricht einer einzigen Stufe der Treppenkurve:
LSB = U_ref / 2^n
- LSB … Spannung einer Stufe in Volt
- U_ref … Referenzspannung (entspricht dem Endwert) in Volt
- n … Bit-Auflösung
Der maximale Quantisierungsfehler beträgt eine halbe Stufe — und das hat einen einfachen Grund: Der Wandler rundet jeden analogen Wert auf den nächstgelegenen Stufenmittelpunkt. Ein Wert, der genau in der Mitte zwischen zwei Stufen liegt, hat zur einen wie zur anderen Seite den maximalen Abstand von einer halben Stufe. Jeder andere Wert liegt näher an einer Stufe und hat damit eine kleinere Abweichung. Mehr als ±½ LSB kann der Fehler also bei korrekter Rundung nicht werden:
e_max = LSB / 2 = U_ref / 2^(n+1)
- e_max … maximaler Quantisierungsfehler in Volt
Anschaulich: Bei einem 10-Bit-Wandler an 10 V Referenzspannung sind 2^10 = 1024 Stufen vorhanden. Eine Stufe entspricht 10 V / 1024 = 9,77 mV. Der maximale Quantisierungsfehler liegt bei ±4,88 mV — egal wie sauber das Eingangssignal ankommt, feiner als diese Stufe kann der Wandler nicht auflösen.
Gelöstes Beispiel
Ein 12-Bit-A/D-Wandler wird an einer Referenzspannung von 5 V betrieben. Bestimme die Anzahl der Stufen, die LSB-Größe und den maximalen Quantisierungsfehler.
Gegeben: n = 12 Bit, U_ref = 5 V
Gesucht: N, LSB, e_max
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Anzahl der Stufen: N = 2^12 = 4096
- Schritt 2 — LSB-Größe: LSB = 5 V / 4096 = 0,001221 V = 1,221 mV
- Schritt 3 — maximaler Quantisierungsfehler: e_max = LSB / 2 = 0,000610 V = 0,611 mV
Ergebnis: 4096 Stufen, LSB ≈ 1,22 mV, maximaler Quantisierungsfehler ≈ ±0,61 mV.
Übungen
Berechne die LSB-Größe eines 8-Bit-Wandlers an 5 V Referenzspannung.
LSB = 5 V / 256 ≈ 19,53 mV.
Ein 10-Bit-Wandler liegt an 3,3 V. Wie groß ist der maximale Quantisierungsfehler?
LSB = 3,3 V / 1024 ≈ 3,22 mV, e_max ≈ ±1,61 mV.
Ein A/D-Wandler soll Spannungen von 0 bis 10 V mit einer Auflösung von mindestens 5 mV pro Stufe wandeln. Welche minimale Bitbreite ist erforderlich?
Erforderlich N ≥ 10 V / 5 mV = 2000 Stufen. 2^10 = 1024 reicht nicht, 2^11 = 2048 reicht. Mindestens 11 Bit.
Ein 16-Bit-Wandler arbeitet an einer Referenzspannung von 2,5 V. Wie groß ist eine Stufe in Mikrovolt?
LSB = 2,5 V / 65 536 ≈ 38,1 µV.
Eine SPS-Analogbaugruppe hat 14 Bit Auflösung bei einem Eingangsbereich von ±10 V (Gesamtbereich 20 V). Wie viele mV deckt ein LSB ab und wie groß ist der maximale Quantisierungsfehler in Prozent vom Endwert?
N = 2^14 = 16 384 Stufen. LSB = 20 V / 16 384 ≈ 1,22 mV. e_max = ±0,61 mV. Bezogen auf 10 V Endwert ergibt das ±0,0061 % — eine sehr feine Auflösung.
Warum beträgt der maximale Quantisierungsfehler genau ±½ LSB und nicht ±1 LSB?
- a) Weil die Referenzspannung halbiert wird
- b) Weil zwei Stufen zur Mittelung herangezogen werden
- c) Weil der Wandler digital im Zweierkomplement arbeitet
- d) Weil jeder Eingangswert auf den nächstgelegenen Stufenmittelpunkt gerundet wird
Richtig: d)
Ein Wert, der genau zwischen zwei Stufenmittelpunkten liegt, hat zu beiden Seiten den Abstand einer halben Stufe. Alle anderen Werte liegen näher an einer Stufe. Der maximale Rundungsfehler beim Zuordnen kann deshalb nicht größer werden als ½ LSB. Mit Referenzspannung, Mittelung oder Zahlendarstellung hat das nichts zu tun.
Ein 8-Bit-A/D-Wandler arbeitet an U_ref = 5 V. Wie groß ist die LSB-Spannung in mV?
- a) 9,77 mV
- b) 19,53 mV
- c) 39,06 mV
- d) 1,95 mV
Richtig: b)
LSB = U_ref / 2^n = 5 V / 256 = 0,01953 V = 19,53 mV. 9,77 mV ergäbe sich bei 10 V und 10 Bit, 39,06 mV bei 5 V und 7 Bit. Die 1,95 mV passen zu keiner sinnvollen Kombination.
Welche Aussage zur Auflösung eines A/D-Wandlers ist korrekt?
- a) Höhere Bitanzahl bedeutet feinere Auflösung, aber meist langsamere Wandlung
- b) Die Auflösung hängt nur von der Versorgungsspannung ab, nicht von der Bitanzahl
- c) Ein 8-Bit-Wandler ist immer genauer als ein 12-Bit-Wandler
- d) Die Auflösung kann durch Verkleinerung von U_ref grenzenlos erhöht werden
Richtig: a)
Eine größere Bitbreite verkleinert die LSB-Größe und erhöht damit die Auflösung. Schnelle hochauflösende Wandler sind teuer, deshalb gibt es immer einen Kompromiss zwischen Auflösung und Geschwindigkeit. Die Versorgungsspannung legt nur den Bereich fest, nicht die Auflösung. Ein 8-Bit-Wandler ist gegenüber 12 Bit immer gröber. Und auch wenn ein kleineres U_ref die LSB-Spannung verringert, verkleinert es auch den Messbereich proportional.
4. Abtasttheorem nach Nyquist-Shannon
Wie oft muss man eigentlich abtasten, damit das digitalisierte Signal noch das Original abbildet? Diese Frage beantwortet das Abtasttheorem von Nyquist und Shannon: Die Abtastfrequenz muss größer sein als das Doppelte der höchsten im Signal vorkommenden Frequenz.
f_s > 2 * f_max
- f_s … Abtastfrequenz in Hz
- f_max … höchste Signalfrequenz in Hz
Wird das Theorem nicht erfüllt, also zu langsam abgetastet, entsteht Aliasing. Das hochfrequente Originalsignal erscheint nach der Wandlung als ein niederfrequentes Signal, das mit dem echten Verlauf nichts mehr zu tun hat. Die Grafik zeigt diesen Effekt deutlich: Ein graues 9-Hz-Signal wird mit nur 10 Hz abgetastet (rote Punkte). Aus den Sample-Punkten lässt sich das Signal nicht mehr eindeutig rekonstruieren — eine 1-Hz-Sinuskurve passt genauso durch die Punkte (blau) wie das Original.
In der Praxis reicht ein theoretischer Faktor von gerade 2 nicht aus. Reale Anti-Aliasing-Filter haben keine unendlich steile Flanke, und Sicherheitsreserven gegen Messungenauigkeit sind nötig. Üblich sind:
- Faktor 2,5 bis 5 für reine Messtechnik
- Faktor 4 bis 10 für hochwertige Audio- und Signalverarbeitung (CD-Audio: 44,1 kHz bei 20 kHz Hörgrenze, also rund Faktor 2,2 — knapp über dem Minimum)
Vor jeden A/D-Wandler gehört deshalb ein Anti-Aliasing-Filter — ein Tiefpass, der Frequenzen oberhalb der halben Abtastrate ausreichend dämpft, bevor sie überhaupt zum Sample-and-Hold-Glied gelangen.
Gelöstes Beispiel
Ein A/D-Wandler soll ein Audiosignal mit Frequenzen bis 8 kHz digitalisieren. Welche Abtastfrequenz ist theoretisch mindestens nötig, welche in der Praxis sinnvoll?
Gegeben: f_max = 8 kHz = 8000 Hz
Gesucht: f_s_min (theoretisch), f_s_praxis (Faktor 2,5)
Lösungsweg:
- Schritt 1 — theoretisches Minimum: f_s > 2 · 8000 Hz = 16 000 Hz
- Schritt 2 — praktischer Wert mit Sicherheitsreserve: f_s_praxis = 2,5 · 8000 Hz = 20 000 Hz
Ergebnis: Theoretisch mehr als 16 kHz, in der Praxis sind 20 kHz oder höher vernünftig.
Übungen
Welche minimale Abtastfrequenz braucht ein Wandler für ein Messsignal mit f_max = 500 Hz?
f_s > 2 · 500 Hz = 1000 Hz.
Ein Drucksignal enthält Anteile bis 2 kHz. Wie groß sollte die Abtastrate bei Faktor 5 sein?
f_s = 5 · 2000 Hz = 10 000 Hz = 10 kHz.
CD-Audio wird mit f_s = 44,1 kHz abgetastet. Bis zu welcher maximalen Signalfrequenz ist das nach dem reinen Nyquist-Kriterium zulässig?
f_max < f_s / 2 = 22,05 kHz.
Ein Schwingungssensor an einem Lager liefert Frequenzanteile bis 4 kHz. Eine Anlage tastet mit nur 6 kHz ab. Erkläre die Folge.
6 kHz ist weniger als 2 · 4 kHz = 8 kHz. Das Theorem ist verletzt, Frequenzanteile zwischen 3 and 4 kHz werden als niedrigere Frequenzen abgebildet (Aliasing). Messergebnisse sind unbrauchbar oder irreführend. Lösung: Anti-Aliasing-Tiefpass vor dem ADC oder höhere Abtastrate.
Ein Spannungssignal enthält neben dem Nutzsignal bis 100 Hz zusätzlich Netzstörungen mit 50 Hz Vielfachen bis 1 kHz. Es wird mit f_s = 500 Hz abgetastet. Auf welche Bereich muss der Anti-Aliasing-Filter dämpfen, und welche Probleme drohen ohne Filter?
Der Filter muss alles oberhalb von 250 Hz (= f_s/2) ausreichend dämpfen. Ohne Filter werden Störkomponenten zwischen 250 Hz und 1 kHz fälschlich auf 0 bis 250 Hz abgebildet und überlagern das Nutzsignal — es entstehen Schein-Signale im Nutzbereich, die nicht mehr trennbar sind.
Ein Signal hat Anteile bis 500 Hz. Welche Abtastfrequenz erfüllt das Nyquist-Kriterium mindestens?
- a) 250 Hz
- b) 500 Hz
- c) mehr als 1000 Hz
- d) 100 Hz
Richtig: c)
f_s muss größer sein als das Doppelte der höchsten Signalfrequenz, also größer als 1000 Hz. 250 und 500 Hz sind weit darunter, 100 Hz sowieso. „Genau 1000 Hz“ wäre der theoretische Grenzfall, in der Praxis nicht zulässig.
Welche Folge hat ein verletztes Abtasttheorem?
- a) Das Signal wird verstärkt
- b) Der Quantisierungsfehler verdoppelt sich
- c) Die Auflösung verbessert sich
- d) Hohe Frequenzanteile erscheinen als niedrige (Aliasing)
Richtig: d)
Eine Unterabtastung führt zu Aliasing — eine hohe Frequenz wird durch die zu langsame Abtastung als niedrigere Frequenz interpretiert. Mit Verstärkung, Quantisierungsfehler oder Auflösung hat das Theorem nichts zu tun.
Welche Aufgabe hat ein Anti-Aliasing-Filter im Eingangspfad eines A/D-Wandlers?
- a) Er glättet die Treppenkurve nach der Wandlung
- b) Er entfernt Frequenzen oberhalb der halben Abtastrate vor der Wandlung
- c) Er erhöht die Bitauflösung des Wandlers
- d) Er kompensiert den Quantisierungsfehler
Richtig: b)
Der Anti-Aliasing-Filter ist ein Tiefpass and sitzt vor dem ADC. Er entfernt alles oberhalb von f_s/2, damit gar keine Aliasing-relevanten Anteile abgetastet werden. Mit Auflösung oder Quantisierungsfehler hat er nichts zu tun, und Glättung nach der Wandlung wäre Aufgabe eines Filters im Ausgangspfad eines DAC.
5. A/D-Wandler-Verfahren im Vergleich
Es gibt nicht den einen A/D-Wandler. Je nach Anforderung an Geschwindigkeit, Auflösung und Kosten haben sich vier Verfahren etabliert. Sie unterscheiden sich grundsätzlich in der Art, wie der Eingangswert mit Referenzspannungen verglichen und in eine Zahl überführt wird.
Flash-Wandler (Parallel-Wandler): Eine Kette aus Komparatoren vergleicht den Eingangswert gleichzeitig mit allen 2^n Referenzspannungen. Das Ergebnis steht in einem einzigen Taktzyklus fest — extrem schnell, aber für n Bit braucht es 2^n − 1 Komparatoren. Schon bei 10 Bit wären das 1023 Stück. Anwendung: Hochfrequenztechnik, Digitaloszilloskope, schnelle Video-A/D-Wandlung. Typische Auflösung 6 bis 10 Bit.
Sukzessive Approximation (SAR): Der Wandler tastet sich Bit für Bit an den Eingangswert heran — wie ein Wiegen mit einer Balkenwaage und Normgewichten von 1, 2, 4, 8, 16, … Gramm. Pro Takt wird ein Bit bestimmt, beginnend mit dem höchstwertigen. Nach n Takten ist das Ergebnis fertig. Sehr ausgewogenes Verfahren — guter Kompromiss aus Geschwindigkeit, Auflösung und Kosten. Standard in den meisten Mikrocontroller-ADCs. Typische Auflösung 8 bis 18 Bit.
Integrierender Wandler (Dual-Slope): Eine Integratorschaltung lädt einen Kondensator für eine feste Zeit mit dem Eingangsstrom auf und entlädt ihn dann mit einer bekannten Referenz. Aus der Entladezeit ergibt sich den Eingangswert. Sehr genau und störunempfindlich, aber langsam (typisch wenige Hz bis einige hundert Hz Wandlungsrate). Klassisches Verfahren im Digitalmultimeter, weil die Integration über mehrere Netzperioden 50-Hz-Brumm automatisch ausmittelt. Typische Auflösung 12 bis 22 Bit.
Delta-Sigma-Wandler (ΔΣ): Hier wird mit sehr hoher Frequenz nur 1 Bit pro Takt erfasst und über digitale Filter zu einer hochauflösenden Zahl verdichtet (Oversampling). Erreicht extrem hohe Auflösungen, ist dafür eher langsam. Typisch in Audio-A/D-Wandlern, Präzisionsmesstechnik und industriellen Messumformern. Typische Auflösung 16 bis 24 Bit, bei manchen Spezialchips bis 32 Bit.
Die Übersicht:
| Verfahren | Geschwindigkeit | Auflösung | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| Flash | sehr hoch (ns) | gering (6–10 Bit) | Digitaloszilloskop, Video |
| SAR | mittel bis hoch (µs) | mittel bis hoch (8–18 Bit) | Mikrocontroller, SPS-Analogbaugruppe |
| Dual-Slope | langsam (ms) | hoch (12–22 Bit) | Digitalmultimeter |
| Delta-Sigma | mittel (variabel) | sehr hoch (16–24 Bit) | Audio, Präzisionsmesstechnik |
In der Praxis: In einer SPS-Analogbaugruppe für 4–20 mA Sensorsignale wirst du fast immer einen SAR- oder Delta-Sigma-Wandler finden. Der SAR liefert schnell genug für Regelungsaufgaben, der Delta-Sigma punktet bei langsam veränderlichen Messgrößen wie Temperatur, wo es vor allem auf Auflösung und Störunterdrückung ankommt. Ein gewöhnliches Handmultimeter dagegen arbeitet mit einem Dual-Slope-Wandler — das ist auch der Grund, warum die Anzeige merklich Zeit zum „Einschwingen“ braucht.
Welches A/D-Wandler-Verfahren findet sich typisch in einem Digitalmultimeter wieder?
- a) Dual-Slope (integrierender Wandler)
- b) Flash-Wandler
- c) SAR
- d) Delta-Sigma
Richtig: a)
Digitalmultimeter brauchen hohe Genauigkeit, geringen Drift und 50-Hz-Brummunterdrückung — alles Stärken des Dual-Slope-Verfahrens. Flash wäre viel zu grob und teuer, SAR eher in der Industrieautomation und Delta-Sigma vor allem in Audio.
Warum braucht ein Flash-Wandler für higher Bitauflösung sehr viele Bauteile?
- a) Wegen der Sample-and-Hold-Stufe
- b) Wegen der zeitlichen Integration
- c) Weil er 2^n − 1 Komparatoren benötigt
- d) Weil er für jede Stufe einen eigenen DAC braucht
Richtig: c)
Der Flash-Wandler vergleicht parallel mit jeder Referenzspannung gleichzeitig. Für n Bit braucht er 2^n − 1 Komparatoren, was schon bei 10 Bit über 1000 Stück sind. Genau das begrenzt seine praktische Auflösung. Sample-and-Hold und Integration sind keine spezifischen Eigenschaften des Flash-Verfahrens.
Welcher A/D-Wandlertyp wird typisch im Analogeingang eines Mikrocontrollers verbaut?
- a) Dual-Slope
- b) Flash-Wandler
- c) Delta-Sigma mit sehr hoher Wandlungsrate
- d) Sukzessive Approximation (SAR)
Richtig: d)
In Mikrocontroller-ADCs ist SAR Standard, weil das Verfahren einen guten Kompromiss aus Geschwindigkeit (µs), Auflösung (10–12 Bit typisch) und Chipfläche bietet. Dual-Slope ist zu langsam für Regelungsaufgaben, Flash zu teuer für die typischen Bitbreiten, und Delta-Sigma steckt eher in spezialisierten Messchips.
6. D/A-Wandlung: Prinzip und Verfahren
Der D/A-Wandler löst die umgekehrte Aufgabe: Aus einer binären Zahl wird eine analoge Spannung. Das Grundprinzip ist immer dasselbe — ein Netzwerk aus Widerständen oder Stromquellen wird über die Bits des Eingangswertes geschaltet, und die Summe ergibt die Ausgangsspannung.
Die Ausgangsspannung eines DAC mit n Bit Auflösung berechnet sich aus dem Digitalwert D und der Referenzspannung:
U_out = U_ref * D / 2^n
- U_out … Ausgangsspannung in Volt
- U_ref … Referenzspannung in Volt
- D … Digitalwert (0 bis 2^n – 1)
- n … Bit-Auflösung
Beispiel: Ein 8-Bit-DAC an U_ref = 5 V bekommt den Digitalwert 128 (= halber Endwert). Die Ausgangsspannung beträgt U_out = 5 V · 128 / 256 = 2,5 V.
In der Praxis sind drei Verfahren verbreitet.
Gewichteter Widerstandswandler: Für jedes Bit gibt es einen Widerstand, dessen Wert um Potenzen von 2 abgestuft ist (R, R/2, R/4, R/8 …). Die Bits schalten diese Widerstände auf eine Summierschaltung. Einfach im Prinzip, aber bei hoher Bitanzahl werden die Widerstandsverhältnisse extrem (bei 12 Bit liegt R_max zu R_min bei über 4000:1), was sich in der Fertigung kaum genau halten lässt.
R-2R-Leiternetzwerk: Hier kommen nur zwei Widerstandswerte vor — R und 2R. Eine ladder-artige Anordnung bewirkt die nötige Bitgewichtung. Standardlösung für moderne DACs, weil zwei Werte sich auf einem Chip mit hoher Genauigkeit abgleichen lassen.
PWM-DAC: Ein digitaler Ausgang erzeugt ein pulsweitenmoduliertes Rechtecksignal — bei 50 % Tastverhältnis ist die mittlere Spannung halb so groß wie der Pulshochwert. Ein nachgeschaltetes Tiefpassfilter glättet das Signal zu einer Gleichspannung. Sehr einfach umzusetzen, da nur ein Digitalpin und ein RC-Glied nötig sind. Bei vielen Mikrocontrollern der schnellste Weg zu einer „analogen“ Ausgangsspannung. Begrenzung: Die Filterzeitkonstante macht den Wandler langsam.
Gelöstes Beispiel
Ein 10-Bit-DAC arbeitet an einer Referenzspannung von 10 V. Welchen Digitalwert muss er bekommen, um genau 6,25 V auszugeben?
Gegeben: n = 10 Bit, U_ref = 10 V, U_out = 6,25 V
Gesucht: D
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel nach D umstellen: D = U_out · 2^n / U_ref
- Schritt 2 — einsetzen: D = 6,25 V · 1024 / 10 V = 640
Ergebnis: Der Digitalwert ist D = 640 (binär 1010000000).
Übungen
Ein 8-Bit-DAC liegt an U_ref = 5 V. Berechne U_out bei D = 64.
U_out = 5 V · 64 / 256 = 1,25 V.
Welche Ausgangsspannung liefert ein 12-Bit-DAC an 10 V bei D = 2048?
U_out = 10 V · 2048 / 4096 = 5,00 V (genau halber Endwert).
Welchen Digitalwert braucht ein 10-Bit-DAC an 5 V, um 1 V auszugeben?
D = 1 V · 1024 / 5 V = 204,8. Da nur ganzzahlige Werte möglich sind, ergibt D = 205 ein U_out = 1,001 V.
Ein 16-Bit-DAC an 10 V soll möglichst genau 7,5 V ausgeben. Welcher Digitalwert ist nötig und wie groß ist die Abweichung vom Sollwert?
D = 7,5 · 65 536 / 10 = 49 152. U_out = 10 · 49 152 / 65 536 = 7,5000 V — exakt erreichbar, weil 7,5 / 10 = 49 152 / 65 536.
Ein Mikrocontroller-PWM-Ausgang läuft mit 3,3 V Pulshöhe und einem Tastverhältnis von 30 %. Welche Gleichspannung liegt nach einem idealen Tiefpassfilter an? Vergleiche mit der DAC-Formel für 8 Bit, wenn dasselbe Verhältnis als Digitalwert D ausgedrückt wird.
U_mittel = 3,3 V · 0,3 = 0,99 V. Bei 8 Bit ist D = 0,3 · 256 ≈ 77; U_out = 3,3 V · 77 / 256 = 0,992 V — fast identisch (kleine Abweichung durch Rundung auf ganzzahliges D).
Ein 8-Bit-DAC liegt an U_ref = 10 V und bekommt den Digitalwert 64. Wie groß ist die Ausgangsspannung?
- a) 5,0 V
- b) 2,5 V
- c) 1,25 V
- d) 0,64 V
Richtig: b)
U_out = U_ref · D / 2^n = 10 V · 64 / 256 = 2,5 V. 5 V ergäbe sich bei D = 128, 1,25 V bei U_ref = 5 V und D = 64. Die 0,64 V passen zu keiner sinnvollen Kombination.
Welche Eigenschaft macht das R-2R-Leiternetzwerk gegenüber einem gewichteten Widerstandswandler bevorzugt?
- a) Es kommt mit nur zwei verschiedenen Widerstandswerten aus
- b) Es benötigt keine Referenzspannung
- c) Es ist die schnellste Wandlertopologie
- d) Es kann ohne Verstärker betrieben werden
Richtig: a)
Im R-2R-Netzwerk gibt es nur R und 2R. Diese zwei Werte lassen sich auf einem IC mit hoher Genauigkeit abgleichen — bei gewichteten Wandlern mit R, R/2, R/4, … wird das schnell unmöglich. Eine Referenzspannung ist weiterhin nötig, die Geschwindigkeit ist nicht das primäre Argument, und ein Operationsverstärker wird in der Regel als Ausgangtreiber verwendet.
Welche Aussage zum PWM-DAC ist korrekt?
- a) Er liefert höhere Auflösung als ein R-2R-Wandler
- b) Er ist die schnellste DAC-Topologie überhaupt
- c) Er erzeugt die Analogspannung als Mittelwert eines pulsweitenmodulierten Signals nach Tiefpassfilterung
- d) Er benötigt keinen digitalen Ausgang
Richtig: c)
Ein PWM-DAC nutzt ein digitales Rechtecksignal mit variablem Tastverhältnis und macht daraus über einen Tiefpass eine Gleichspannung. Das ist einfach und billig, aber durch die Filterzeitkonstante eher langsam. Die Auflösung hängt vom Tastverhältniszähler ab und ist nicht prinzipiell höher als bei R-2R. Einen digitalen Ausgang braucht das Verfahren selbstverständlich.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein 10-Bit-A/D-Wandler arbeitet an U_ref = 5 V. Berechne die LSB-Spannung und den maximalen Quantisierungsfehler.
Gegeben: n = 10 Bit; U_ref = 5 V
Gesucht: LSB, e_max
Lösungsweg:
- LSB = U_ref / 2^n = 5 V / 1024 ≈ 4,883 mV
- e_max = LSB / 2 ≈ 2,44 mV
Ergebnis: LSB ≈ 4,88 mV, e_max ≈ ±2,44 mV.
Aufgabe 2: Eine SPS-Analogbaugruppe hat 14 Bit Auflösung für den Bereich 0 bis 10 V. Wie viele mV entspricht eine Stufe?
Gegeben: n = 14 Bit; U_ref = 10 V
Gesucht: LSB
Lösungsweg:
- 2^14 = 16 384
- LSB = 10 V / 16 384 ≈ 0,610 mV
Ergebnis: Eine Stufe entspricht etwa 0,61 mV.
Aufgabe 3: Ein Messsignal enthält Frequenzen bis 12 kHz. Welche Abtastfrequenz fordert das Nyquist-Theorem mindestens, und welche wäre in der Praxis mit Faktor 4 angemessen?
Gegeben: f_max = 12 kHz
Gesucht: f_s_min, f_s_praxis
Lösungsweg:
- f_s_min = 2 · 12 kHz = 24 kHz
- f_s_praxis = 4 · 12 kHz = 48 kHz
Ergebnis: Theoretisch mehr als 24 kHz, praktisch sinnvoll 48 kHz.
Aufgabe 4: Ein Drucksignal soll mit f_s = 2 kHz abgetastet werden. Bis zu welcher maximalen Signalfrequenz darf der Anti-Aliasing-Tiefpass am Eingang Anteile durchlassen?
Gegeben: f_s = 2 kHz
Gesucht: f_max
Lösungsweg:
- f_max < f_s / 2 = 1 kHz
Ergebnis: Der Filter muss Frequenzen oberhalb von 1 kHz ausreichend dämpfen.
Aufgabe 5: Ein 12-Bit-DAC liegt an U_ref = 10 V. Welche Ausgangsspannung erzeugt er bei D = 1024?
Gegeben: n = 12 Bit; U_ref = 10 V; D = 1024
Gesucht: U_out
Lösungsweg:
- U_out = U_ref · D / 2^n = 10 V · 1024 / 4096 = 2,5 V
Ergebnis: U_out = 2,5 V (= Viertel des Endwertes).
Aufgabe 6: Welchen Digitalwert muss ein 8-Bit-DAC an 5 V bekommen, um eine Ausgangsspannung von 3,0 V zu erzeugen?
Gegeben: n = 8 Bit; U_ref = 5 V; U_out = 3,0 V
Gesucht: D
Lösungsweg:
- D = U_out · 2^n / U_ref = 3,0 · 256 / 5 = 153,6, gerundet auf D = 154
Ergebnis: D = 154, das ergibt U_out = 5 · 154 / 256 = 3,008 V.
Frage 1: Welcher dieser A/D-Wandlertypen erreicht die höchste Wandlungsgeschwindigkeit?
- a) Dual-Slope
- b) SAR
- c) Delta-Sigma
- d) Flash-Wandler
Richtig: d)
Der Flash-Wandler vergleicht parallel mit allen Referenzpegeln und liefert das Ergebnis in einem einzigen Takt. Dual-Slope ist mit Abstand am langsamsten, SAR braucht n Takte und Delta-Sigma arbeitet mit Oversampling und nachgeschalteter Filterung.
Frage 2: Eine SPS-Analogeingangsbaugruppe mit 16 Bit liest 0 bis 10 V ein. Wie genau kann eine einzelne Stufe aufgelöst werden?
- a) etwa 1 mV
- b) etwa 0,15 mV
- c) etwa 10 mV
- d) etwa 0,01 mV
Richtig: b)
LSB = 10 V / 65 536 ≈ 152,6 µV ≈ 0,15 mV. 1 mV wäre etwa 13 Bit, 10 mV etwa 10 Bit, 0,01 mV ≈ 20 Bit — keiner dieser Werte passt zu 16 Bit.
Frage 3: Was passiert, wenn ein 4 kHz Sinussignal mit nur 5 kHz abgetastet wird?
- a) Es erscheint im Digitalsignal als 1 kHz-Komponente (Aliasing)
- b) Es wird sauber digitalisiert
- c) Der Wandler überhitzt
- d) Die Auflösung verbessert sich automatisch
Richtig: a)
5 kHz ist kleiner als 2 · 4 kHz = 8 kHz, das Nyquist-Kriterium ist also verletzt. Die Differenz 5 kHz − 4 kHz = 1 kHz erscheint als Alias-Signal. Saubere Digitalisierung wäre nur über 8 kHz möglich, Überhitzung tritt durch Strom, nicht durch Frequenzfehler auf, und die Auflösung hängt von Bits ab, nicht von Aliasing.
Frage 4: Ein 12-Bit-DAC soll an U_ref = 10 V genau 7,5 V ausgeben. Welcher Digitalwert ist nötig?
- a) 1024
- b) 2048
- c) 3072
- d) 4095
Richtig: c)
D = U_out · 2^n / U_ref = 7,5 · 4096 / 10 = 3072. 1024 ergäbe 2,5 V, 2048 ergäbe 5 V (halber Endwert) and 4095 wäre der maximale Wert mit U_out ≈ 9,998 V.
Frage 5: Welche Aussage zum maximalen Quantisierungsfehler ist korrekt?
- a) Er ist proportional zu n
- b) Er ist gleich der LSB-Größe
- c) Er hängt nur von der Abtastrate ab
- d) Er beträgt ½ LSB und entspricht U_ref / 2^(n+1)
Richtig: d)
Beim Runden auf die nächstgelegene Stufe kann the Fehler höchstens eine halbe Stufe groß sein — daraus folgt e_max = LSB / 2 = U_ref / 2^(n+1). Er ist nicht proportional zu n (sondern indirekt, über 2^n), nicht gleich dem ganzen LSB und unabhängig von der Abtastrate.
Frage 6: Welche Wandlerart wird typisch in einer SPS-Analogeingangsbaugruppe für 4–20 mA Sensoren eingesetzt?
- a) Flash-Wandler
- b) SAR oder Delta-Sigma
- c) Spannungsteiler ohne weitere Wandlung
- d) Reiner PWM-Generator
Richtig: b)
In SPS-Eingangsbaugruppen finden sich praktisch nur SAR- oder Delta-Sigma-Wandler. Flash wäre Overkill für die geringen Wandlungsraten, ein Spannungsteiler liefert nur eine analoge Größe, kein digitales Wort, und PWM ist eine DAC-Methode für den Ausgang.
Frage 7: Warum braucht ein A/D-Wandler vor seinem Eingang meist einen Tiefpass?
- a) Damit Frequenzanteile oberhalb f_s/2 nicht zu Aliasing führen
- b) Damit der Sensor nicht überlastet wird
- c) Damit die LSB-Größe kleiner wird
- d) Damit die Bitauflösung steigt
Richtig: a)
Der Anti-Aliasing-Filter ist ein Tiefpass, der alle Frequenzen ausreichend dämpft, die über der halben Abtastrate liegen. Andernfalls würden sie als Aliasing im Nutzband erscheinen. Sensorschutz, LSB-Größe und Auflösung haben mit dem Filter nichts zu tun.
Frage 8: Was unterscheidet einen 16-Bit-Delta-Sigma-Wandler von einem 16-Bit-SAR-Wandler hauptsächlich?
- a) Die Bitbreite ist unterschiedlich
- b) Der Delta-Sigma hat keinen Anti-Aliasing-Filter
- c) Der Delta-Sigma arbeitet mit Oversampling und digitaler Filterung
- d) Der SAR ist immer hochauflösender
Richtig: c)
Beide haben dieselbe Bitbreite, beide brauchen Anti-Aliasing (der Delta-Sigma allerdings deutlich anspruchsloser, weil das Oversampling die Anforderungen senkt). Der wesentliche Unterschied liegt im Prinzip: Delta-Sigma überabtastet mit 1-Bit-Quantisierung und gewinnt die Auflösung aus digitaler Filterung; SAR wandelt direkt mit voller Bitbreite.
Frage 9: Welche Aussage über das Verhältnis zwischen Bit-Auflösung und Quantisierungsfehler ist korrekt?
- a) Mehr Bits sind ohne Einfluss auf den Fehler
- b) Mehr Bits verdoppeln den Fehler
- c) Halbierung der Bit-Anzahl halbiert auch den Fehler
- d) Jedes zusätzliche Bit halbiert den maximalen Quantisierungsfehler
Richtig: d)
Jedes zusätzliche Bit verdoppelt die Anzahl der Stufen und halbiert damit die LSB-Spannung — und entsprechend auch e_max = LSB/2. Mehr Bits verringern den Fehler, weniger erhöhen ihn. Die anderen Aussagen widersprechen dem direkt.
Frage 10: Welches Signal wird am Ausgang eines D/A-Wandlers ohne nachgeschaltetes Filter sichtbar?
- a) Ein sauberer kontinuierlicher Verlauf
- b) Eine treppenförmige Kurve aus diskreten Spannungsstufen
- c) Reines Rauschen ohne Zusammenhang zum Eingangswert
- d) Ein binärer Rechteckpulszug
Richtig: b)
Der DAC erzeugt für jeden Digitalwert eine konstante Ausgangsspannung — bis der nächste Wert kommt, ergibt sich eine Treppenkurve. Sauberer kontinuierlicher Verlauf entsteht erst durch ein nachgeschaltetes Glättungsfilter. Reines Rauschen tritt bei einem funktionierenden DAC nicht auf, und ein Rechteckpulszug ist eher ein PWM-Signal vor der Filterung.
Glossar
- A/D-Wandler (ADC)
- Elektronische Baugruppe, die eine analoge Spannung oder einen analogen Strom in eine binäre Zahl umwandelt.
- D/A-Wandler (DAC)
- Elektronische Baugruppe, die eine binäre Zahl in eine analoge Spannung (oder einen Strom) umsetzt.
- Sample-and-Hold
- Eingangsschaltung im ADC, die den Momentanwert des Eingangssignals während der Wandlung konstant hält.
- Quantisierung
- Zuordnung jedes Abtastwertes zur nächstgelegenen Stufe in einem endlichen Wertegitter.
- Quantisierungsfehler
- Unvermeidliche Rundungsabweichung zwischen tatsächlichem Eingangswert und zugeordnetem Stufenwert; im schlimmsten Fall ±½ LSB.
- LSB (Least Significant Bit)
- Spannungswert, der einer einzigen Stufe des ADC oder DAC entspricht. LSB = U_ref / 2^n.
- Auflösung
- Anzahl der unterscheidbaren Stufen eines Wandlers, ergibt sich aus 2^n bei n Bit Bitbreite.
- Abtasttheorem
- Regel nach Nyquist und Shannon, dass die Abtastfrequenz mehr als das Doppelte der höchsten Signalfrequenz betragen muss, damit das Signal rekonstruierbar bleibt.
- Aliasing
- Folge zu langsamer Abtastung: Hochfrequente Signalanteile erscheinen im digitalisierten Signal als niederfrequente Komponenten.
- Anti-Aliasing-Filter
- Tiefpass vor dem ADC-Eingang, der Frequenzanteile oberhalb der halben Abtastrate dämpft.
- SAR (Sukzessive Approximation)
- A/D-Wandlerverfahren, das den Eingangswert bitweise mit Vergleichsspannungen abgleicht. Standard in Mikrocontrollern und SPS-Baugruppen.
- Flash-Wandler
- Sehr schneller A/D-Wandler, der mit 2^n − 1 parallelen Komparatoren in einem Takt wandelt; auf geringe Bitbreiten beschränkt.
- Dual-Slope-Wandler
- Integrierender A/D-Wandler, der einen Kondensator auflädt und kontrolliert entlädt; klassisch im Digitalmultimeter, sehr genau aber langsam.
- Delta-Sigma-Wandler (ΔΣ)
- A/D-Wandler mit hoher Überabtastrate und nur 1 Bit Quantisierung pro Takt; durch digitale Filterung wird die hohe Endauflösung erreicht.
- R-2R-Leiternetzwerk
- Standardtopologie eines DAC mit nur zwei Widerstandswerten, die in Leiterform angeordnet sind.
- PWM-DAC
- Erzeugung einer analogen Spannung durch ein pulsweitenmoduliertes Signal mit nachgeschaltetem Tiefpass.
