Spaltpolmotor

Der Spaltpolmotor ist der einfachste Elektromotor, der direkt am Einphasennetz läuft. Kein Kondensator, kein Anlaufschalter, keine zweite Wicklung — nur eine Hauptwicklung und ein kleiner Kupferring. Genau dieser Ring ist der ganze Trick. Er sorgt dafür, dass der Motor aus dem Stand anläuft, obwohl ihm einphasiger Wechselstrom eigentlich keine Anlaufhilfe gibt.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, warum ein Einphasenmotor überhaupt eine Anlaufhilfe braucht, wie der gespaltene Pol mit seinem Kurzschlussring ein wanderndes Feld erzeugt, wie sich der Motor im Betrieb verhält und wo er in der Praxis sitzt.

Vorwissen

  • Das magnetische Feld
  • Elektromagnetische Induktion
  • Drehfeld

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein einphasiges Wechselfeld kein Anlaufmoment liefert
  • den Aufbau eines Spaltpolmotors mit gespaltenem Pol mit seinem Kurzschlussring beschreiben
  • das Funktionsprinzip über die zeitliche Verzögerung des Flusses im gespaltenen Polteil herleiten
  • Synchrondrehzahl und Schlupf aus Netzfrequenz, Polpaarzahl und Rotordrehzahl berechnen
  • typische Einsatzgebiete sowie Vor- und Nachteile gegenüber anderen Einphasenmotoren benennen

1. Das Grundproblem: Warum braucht ein Einphasenmotor eine Anlaufhilfe?

Eine Wicklung am Einphasennetz erzeugt ein Magnetfeld, das im Takt der Netzfrequenz auf- und abschwillt und dabei die Richtung wechselt. So ein Feld nennt man Wechselfeld: Es pulsiert immer entlang derselben Achse, mal stark in die eine Richtung, mal stark in die andere, dazwischen null. Was es nicht tut: sich drehen.

Genau das ist das Problem. Ein Käfigläufer (der Rotor mit den kurzgeschlossenen Leiterstäben) braucht ein Feld, das sich um ihn herumdreht, um mitgenommen zu werden. Ein Drehfeld entsteht aber erst, wenn mindestens zwei räumlich versetzte Felder zeitlich verschoben pulsieren — dann setzt sich aus ihnen ein Feld zusammen, dessen Maximum im Kreis wandert. Beim Drehstrommotor erledigen das die drei um 120° versetzten Phasen ganz von selbst.

Am Einphasennetz gibt es diese Verschiebung nicht. Steht der Rotor still, zieht das pulsierende Wechselfeld ihn abwechselnd in beide Drehrichtungen gleich stark — die Wirkungen heben sich auf, der Motor läuft nicht von allein an. Läuft er erst einmal, hält ihn das Wechselfeld in Bewegung, aber aus dem Stand fehlt das Anlaufmoment.

Die Lösung aller Einphasen-Asynchronmotoren ist deshalb dieselbe: ein zweites, zeitlich verschobenes Feld künstlich erzeugen. Beim Kondensatormotor übernimmt das eine Hilwickerlung mit vorgeschaltetem Kondensator; das Drehfeld an sich ist ein eigenes Thema. Der Spaltpolmotor geht einen viel einfacheren Weg — und der steckt komplett in einem Stück Kupferdraht.

Warum läuft ein einphasiger Asynchronmotor ohne Anlaufhilfe nicht von allein an?

  • a) Weil das pulsierende Wechselfeld den stehenden Rotor in beide Drehrichtungen gleich stark zieht
  • b) Weil die Netzspannung zu niedrig ist
  • c) Weil der Käfigläufer keinen elektrischen Anschluss hat
  • d) Weil die Frequenz zu hoch für den Rotor ist

Richtig: a)

Im Stillstand erzeugt das Wechselfeld zwei gegenläufige Drehmomentanteile gleicher Größe, die sich aufheben. Erst eine Verschiebung in Raum und Zeit bricht dieses Gleichgewicht. Die Spannung (b) und die Frequenz (d) spielen für das Anlaufproblem keine Rolle; der Käfigläufer ist über seine Stäbe sehr wohl kurzgeschlossen (c).

Was unterscheidet ein Drehfeld von einem Wechselfeld?

  • a) Das Drehfeld ist stärker
  • b) Das Drehfeld pulsiert schneller
  • c) Beim Drehfeld wandert das Feldmaximum räumlich im Kreis, beim Wechselfeld pulsiert es entlang einer festen Achse
  • d) Das Wechselfeld kommt nur bei Gleichstrom vor

Richtig: c)

Der Kern ist die räumliche Wanderung. Ein Drehfeld entsteht aus zeitlich versetzten, räumlich verteilten Einzelfeldern und führt das Maximum im Kreis herum. Stärke (a) und Frequenz (b) sind keine Unterscheidungsmerkmale; ein Wechselfeld entsteht gerade durch Wechselstrom, nicht durch Gleichstrom (d).

2. Aufbau des Spaltpolmotors

Der Spaltpolmotor hat ausgeprägte Pole, auch Schenkelpole genannt — also deutlich herausstehende Polschuhe, um die die Hauptwicklung gewickelt ist. Das unterscheidet ihn vom Drehstrommotor, dessen Wicklung in Nuten eines glatten Blechpakets liegt.

Das eigentliche Merkmal sitzt am Polschuh selbst. Jeder Pol ist durch eine Nut in zwei ungleiche Teile geteilt — daher der Name. Um den kleineren Teil liegt eine einzelne, in sich kurzgeschlossene Kupferwindung: der Kurzschlussring (auch Spaltpolring oder Kurzschlusswindung). Dieser Ring hat keinen Anschluss nach außen, er ist einfach ein geschlossener Kupferbügel um den abgespaltenen Polteil.

Der Rotor ist ein gewöhnlicher Käfigläufer: ein Blechpaket mit eingegossenen oder eingelegten Leiterstäben, die an den Enden durch Kurzschlussringe verbunden sind. Er hat keinen elektrischen Anschluss, keine Bürsten, keinen Kommutator. Strom fließt in ihm nur, weil das Feld des Stators ihn hineininduziert.

Sowohl die Pole als auch der Rotor bestehen aus lamelliertem Blech — dünnen, gegeneinander isolierten Blechschichten. Wäre der Kern massiv, würde das wechselnde Feld kräftige Wirbelströme im Eisen erzeugen, die das Material aufheizen und Energie vernichten. Die Schichtung unterbricht diese Ströme und hält die Verluste klein.

Zusammengefasst besteht der Motor also aus wenigen, robusten Teilen: Statorblechpaket mit ausgeprägten Polen, eine Hauptwicklung, pro Pol ein Kurzschlussring und ein Käfigläufer. Keine Schalter, keine Kondensatoren, kein Verschleißteil im Stromkreis.

Hauptwicklung Spalt (Nut) Kurzschlussring (Kupfer) großer Polteil kleiner Polteil Luftspalt Käfigläufer

Welche Aufgabe hat der Kurzschlussring am Polschuh?

  • a) Er ist eine in sich geschlossene Kupferwindung, in die das Statorfeld einen Strom induziert
  • b) Er führt die Versorgungsspannung zum kleineren Polteil
  • c) Er verbindet die Hauptwicklung mit dem Rotor
  • d) Er dient als mechanische Lagerung des Pols

Richtig: a)

Der Ring hat keinen Außenanschluss; er ist ein geschlossener Kupferbügel, in dem das wechselnde Hauptfeld einen Strom induziert. Eine Versorgungsspannung (b) liegt nicht an, eine Verbindung zum Rotor (c) gibt es nicht, und eine Lagerfunktion (d) hat er ebenfalls nicht.

Warum bestehen Stator und Rotor aus lamelliertem Blech statt aus Vollmaterial?

  • a) Um Gewicht zu sparen
  • b) Um die Wicklung besser zu befestigen
  • c) Um den Motor leiser zu machen
  • d) Um Wirbelströme im Eisen und die dadurch entstehenden Verluste zu begrenzen

Richtig: d)

Ein massiver Kern würde im Wechselfeld starke Wirbelströme führen, die das Eisen erhitzen und Energie vernichten. Die isolierten Bleche unterbrechen diese Stromwege. Gewicht (a), Wicklungsbefestigung (b) und Laufruhe (c) sind nicht der Grund für die Schichtung.

Was kennzeichnet einen Käfigläufer?

  • a) Er besitzt Schleifringe und Bürsten
  • b) Er wird über einen Kommutator versorgt
  • c) Er hat kurzgeschlossene Leiterstäbe ohne Außenanschluss, in denen Strom nur durch Induktion fließt
  • d) Er enthält Permanentmagnete

Richtig: c)

Der Käfigläufer hat an den Enden kurzgeschlossene Stäbe und keinerlei elektrische Verbindung nach außen; sein Strom stammt allein aus der Induktion durch das Statorfeld. Schleifringe (a), Kommutator (b) und Permanentmagnete (d) gehören zu anderen Maschinentypen.

3. Funktionsprinzip: Wie der Kurzschlussring das Wanderfeld erzeugt

Jetzt zum Kern. Die Hauptwicklung baut im Pol ein Wechselfeld auf, das im Takt der Netzfrequenz steigt und fällt. Dieses Feld durchsetzt beide Polteile — den großen und den kleinen mit dem Kurzschlussring.

Solange das Feld sich ändert, wird im Kurzschlussring ein Strom induziert. Und hier greift die Lenzsche Regel: Der induzierte Strom erzeugt ein Magnetfeld, das seiner Ursache entgegenwirkt — also der Änderung des Hauptfeldes. Im abgespaltenen Polteil bremst dieses Gegenfeld den Flussaufbau. Der Fluss im kleinen Polteil kann der Hauptwicklung nicht sofort folgen, er hinkt ihr zeitlich hinterher.

Damit haben wir die entscheidende Zutat: zwei Flüsse, die räumlich nebeneinander liegen (großer und kleiner Polteil) und zeitlich gegeneinander verschoben sind. Genau das ist die Bedingung für ein Drehfeld. Praktisch heißt das: Das Feldmaximum erscheint zuerst im großen Polteil und etwas später im abgespaltenen Polteil. Das Feld scheint über die Polfläche zu wandern — vom Hauptteil hin zum gespaltenen Teil.

Dieses wandernde Feld zieht den Käfigläufer mit. Es reicht für ein bescheidenes, aber ausreichendes Anlaufmoment, und der Rotor läuft in Richtung der Feldwanderung an.

Daraus folgt eine wichtige Eigenschaft: Die Drehrichtung liegt baulich fest. Sie wird allein durch die Lage des Kurzschlussrings bestimmt — das Feld wandert immer vom großen zum gespaltenen Polteil. Vertauschen der Netzanschlüsse ändert daran nichts, weil sich dabei beide Flüsse gleich umpolen und ihr zeitlicher Versatz erhalten bleibt. Wer die Drehrichtung umkehren will, müsste den Rotor mechanisch umdrehen oder eine zweite, spiegelbildlich angeordnete Wicklung mit eigenem Ring vorsehen. Beim einfachen Spaltpolmotor ist die Drehrichtung schlicht nicht umschaltbar.

t Φ Hauptfluss (großer Polteil) verzögerter Fluss (gespaltener Polteil) zeitlicher Versatz → Feld wandert

Wodurch entsteht der zeitliche Versatz zwischen dem Fluss im großen und im gespaltenen Polteil?

  • a) Durch unterschiedliche Windungszahlen der Hauptwicklung
  • b) Durch den im Kurzschlussring induzierten Strom, dessen Feld der Flussänderung entgegenwirkt
  • c) Durch den mechanischen Abstand der Polteile
  • d) Durch die Trägheit des Käfigläufers

Richtig: b)

Der induzierte Ringstrom erzeugt nach der Lenzschen Regel ein Gegenfeld, das den Flussaufbau im kleinen Polteil verzögert. Daher hinkt dieser Fluss zeitlich nach. Windungszahl (a), geometrischer Abstand (c) und Rotorträgheit (d) erzeugen diesen Versatz nicht.

Warum lässt sich die Drehrichtung eines einfachen Spaltpolmotors nicht durch Vertauschen der Netzanschlüsse ändern?

  • a) Weil beim Umklemmen beide Flüsse gemeinsam umpolen und ihr zeitlicher Versatz gleich gerichtet bleibt
  • b) Weil die Netzfrequenz konstant bleibt
  • c) Weil der Käfigläufer keine Vorzugsrichtung kennt
  • d) Weil die Hauptwicklung nur in eine Richtung gewickelt ist

Richtig: a)

Der Versatz ist an die Geometrie des Pols mit dem Ring gebunden, nicht an die Polung. Klemmt man um, kehren sich beide Flüsse zugleich um — die Wanderrichtung bleibt erhalten. Die Frequenz (b), eine angebliche Richtungslosigkeit des Rotors (c) und der Wickelsinn der Hauptwicklung (d) sind nicht die Ursache.

Das Feldmaximum eines Spaltpolmotors erscheint im Verlauf einer Halbwelle …

  • a) gleichzeitig im großen und im kleinen Polteil
  • b) zuerst im kleinen, dann im großen Polteil
  • c) zuerst im großen, dann im kleinen Polteil — das Feld wandert in diese Richtung
  • d) nur im großen Polteil, der kleine bleibt feldfrei

Richtig: c)

Weil der Fluss im gespaltenen Teil verzögert ist, erreicht das Maximum zuerst den großen und danach den kleinen Polteil; in dieser Richtung wandert das Feld und in diese Richtung läuft der Rotor an. Gleichzeitigkeit (a) gäbe gar kein Wanderfeld, die Reihenfolge in (b) ist vertauscht, und der kleine Teil ist keineswegs feldfrei (d).

4. Betriebsverhalten und Kenndaten

Der Spaltpolmotor ist ein Asynchronmotor. Das heißt, der Rotor dreht etwas langsamer als das Statorfeld. Diese Differenz heißt Schlupf, und sie ist nötig, damit überhaupt Strom in den Käfigläufer induziert wird — bei exakt gleicher Drehzahl würde sich für den Rotor nichts mehr ändern, es flösse kein Strom und es entstünde kein Moment.

Die Drehzahl des Statorfeldes — die Synchrondrehzahl — hängt nur von der Netzfrequenz und der Polpaarzahl ab:

n_syn = (f * 60) / p

  • n_syn … Synchrondrehzahl in 1/min
  • f ……. Netzfrequenz in Hz
  • p ……. Polpaarzahl

Bei 50 Hz und einem Polpaar dreht das Feld also mit 3000 1/min, bei zwei Polpaaren mit 1500 1/min. Der Rotor bleibt immer etwas darunter.

Der Schlupf beschreibt, wie weit der Rotor zurückbleibt, als Anteil der Synchrondrehzahl:

s = (n_syn – n) / n_syn * 100

  • s ……. Schlupf in %
  • n_syn … Synchrondrehzahl in 1/min
  • n ……. tatsächliche Rotordrehzahl in 1/min

Typisch für den Spaltpolmotor sind drei Dinge. Erstens ein kleines Anlaufmoment: Der Versatz über den Kurzschlussring ist deutlich schwächer als das saubere 90°-Feld eines Kondensatormotors, deshalb startet der Spaltpolmotor zwar zuverlässig, aber kraftlos — er eignet sich nur für Lasten, die leicht anlaufen. Zweitens ein schlechter Wirkungsgrad: Im Kurzschlussring fließt dauernd ein Strom, der das Feld erzeugt, aber als Wärme verloren geht; dazu kommen die üblichen Verluste im Eisen und im Rotor. Wirkungsgrade unter 30 % sind bei kleinen Typen normal. Drittens kleine Leistungen: Üblich sind wenige Watt bis etwa 300 W. Für mehr lohnt sich der einfache Aufbau nicht, weil die Verluste zu stark ins Gewicht fallen.

Gelöstes Beispiel

Ein Spaltpolmotor mit zwei Polpaaren läuft am 50-Hz-Netz und dreht im Betrieb mit 1380 1/min. Bestimme Synchrondrehzahl und Schlupf.

Gegeben: f = 50 Hz, p = 2, n = 1380 1/min

Gesucht: n_syn in 1/min, s in %

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Synchrondrehzahl: n_syn = (f * 60) / p = (50 * 60) / 2 = 1500 1/min
  2. Schritt 2 — Schlupf: s = (n_syn – n) / n_syn * 100 = (1500 – 1380) / 1500 * 100 = 8 %

Ergebnis: n_syn = 1500 1/min, s = 8 %

Übungen

Ein Spaltpolmotor mit einem Polpaar läuft am 50-Hz-Netz. Wie groß ist die Synchrondrehzahl?

n_syn = (50 * 60) / 1 = 3000 1/min

Ein Motor hat eine Synchrondrehzahl von 1500 1/min und dreht im Betrieb mit 1440 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

s = (1500 – 1440) / 1500 * 100 = 4 %

Ein vierpoliger Spaltpolmotor (p = 2) läuft am 50-Hz-Netz mit einem Schlupf von 10 %. Wie groß ist die Rotordrehzahl?

n_syn = (50 * 60) / 2 = 1500 1/min; n = n_syn * (1 – 0,10) = 1500 * 0,9 = 1350 1/min

Derselbe vierpolige Motor wird an einem 60-Hz-Netz betrieben. Wie ändert sich die Synchrondrehzahl gegenüber 50 Hz?

n_syn = (60 * 60) / 2 = 1800 1/min, also 300 1/min höher als bei 50 Hz.

Ein zweipoliger Motor (p = 1) am 50-Hz-Netz dreht mit 2850 1/min. Berechne den Schlupf und überlege, ob dieser Wert für einen kleinen Spaltpolmotor plausibel ist.

n_syn = 3000 1/min; s = (3000 – 2850) / 3000 * 100 = 5 %. Ein Schlupf in dieser Größenordnung ist für kleine Spaltpolmotoren durchaus realistisch, sie laufen oft mit höherem Schlupf als große Asynchronmotoren.

Ein Spaltpolmotor mit p = 1 läuft am 50-Hz-Netz. Welche Aussage zur Drehzahl ist korrekt?

  • a) Der Rotor dreht exakt mit 3000 1/min
  • b) Die Synchrondrehzahl beträgt 3000 1/min, der Rotor dreht etwas darunter
  • c) Die Synchrondrehzahl beträgt 1500 1/min
  • d) Die Drehzahl hängt nur von der Last ab, nicht von der Frequenz

Richtig: b)

n_syn = (50 · 60) / 1 = 3000 1/min, and der Rotor bleibt wegen des Schlupfes darunter (a ist deshalb falsch). 1500 1/min (c) ergäbe sich erst bei p = 2. Frequenz und Polpaarzahl bestimmen die Synchrondrehzahl, die Last beeinflusst nur den Schlupf (d).

Warum hat der Spaltpolmotor einen schlechten Wirkungsgrad?

  • a) Weil der Käfigläufer aus Kupfer besteht
  • b) Weil im Kurzschlussring dauernd ein Strom fließt, der als Wärme verloren geht
  • c) Weil er keine Hauptwicklung besitzt
  • d) Weil er nur mit Gleichstrom läuft

Richtig: b)

Der Ringstrom ist für die Funktion nötig, stellt aber eine ständige Verlustquelle dar; zusammen mit Eisen- und Rotorverlusten drückt das den Wirkungsgrad. Das Rotormaterial allein (a) ist nicht der Grund; eine Hauptwicklung ist sehr wohl vorhanden (c); und der Motor läuft an Wechselstrom, nicht an Gleichstrom (d).

Ein vierpoliger Spaltpolmotor (p = 2) am 50-Hz-Netz dreht mit 1425 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

  • a) 5 %
  • b) 2,5 %
  • c) 7,5 %
  • d) 10 %

Richtig: a)

n_syn = (50 · 60) / 2 = 1500 1/min; s = (1500 − 1425) / 1500 · 100 = 5 %. Die übrigen Werte ergeben sich erst bei anderen Rotordrehzahlen und sind hier falsch.

5. Einsatz, Vor- und Nachteile in der Praxis

Den Spaltpolmotor findet man überall dort, wo wenig Leistung gebraucht wird, der Anlauf leicht ist und der Preis zählt. Klassisch sind kleine Lüfter und Ventilatoren — im Backofen, in der Mikrowelle, in Geräten zur Gehäusekühlung. Dazu kommen kleine Gebläse, einfache Pumpen, Plattenspielerantriebe und Stellantriebe für Klappen.

Der Grund für diese Verbreitung sind seine Stärken. Er ist robust und praktisch wartungsfrei, weil er außer den Lagern kein Verschleißteil hat: keine Bürsten, keinen Kommutator, keinen Anlaufschalter. Er ist billig, weil der Aufbau aus Blechpaket, einer Wicklung und ein paar Kupferringen besteht. Und er ist betriebssicher, weil es keinen Kondensator gibt, der altern oder ausfallen kann.

Die Schwächen sind die Kehrseite des einfachen Prinzips. Das Anlaufmoment ist gering, er kann also keine schwer anlaufenden Lasten antreiben. Der Wirkungsgrad ist niedrig, was bei Kleinstleistungen verschmerzbar ist, größere Bauformen aber unwirtschaftlich macht. Und die Drehrichtung ist fest, was ihn für Anwendungen mit Richtungswechsel ausschließt.

Für welche Anwendung ist ein Spaltpolmotor am besten geeignet?

  • a) Antrieb einer schwer anlaufenden Kolbenpumpe
  • b) Antrieb, bei dem die Drehrichtung im Betrieb umgeschaltet wird
  • c) Lüfterrad mit geringer Trägheit und festem Drehsinn
  • d) Hauptantrieb einer Werkzeugmaschine mit mehreren Kilowatt

Richtig: c)

Das kleine Anlaufmoment, die feste Drehrichtung und die geringe Leistung passen genau zum Lüfter. Eine schwer anlaufende Pumpe (a) überfordert das Anlaufmoment, ein Richtungswechsel (b) ist baulich nicht möglich, und mehrere Kilowatt (d) sprengen den sinnvollen Leistungsbereich.

Welcher Vorteil des Spaltpolmotors ergibt sich direkt aus dem Fehlen eines Kondensators?

  • a) Höheres Anlaufmoment
  • b) Besserer Wirkungsgrad
  • c) Umschaltbare Drehrichtung
  • d) Keine Alterung oder Ausfall eines Kondensators, dadurch hohe Betriebssicherheit

Richtig: d)

Ohne Kondensator entfällt ein Bauteil, das altern und ausfallen kann — das erhöht die Betriebssicherheit. Anlaufmoment (a) und Wirkungsgrad (b) sind beim Spaltpolmotor gerade schwach, und die Drehrichtung (c) bleibt unabhängig davon fest.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Spaltpolmotor mit zwei Polpaaren läuft am 50-Hz-Netz und dreht im Betrieb mit 1410 1/min. Berechne Synchrondrehzahl und Schlupf.

Gegeben: f = 50 Hz; p = 2; n = 1410 1/min

Gesucht: n_syn in 1/min; s in %

Lösungsweg:

  1. n_syn = (50 * 60) / 2 = 1500 1/min
  2. s = (1500 – 1410) / 1500 * 100 = 6 %

Ergebnis: n_syn = 1500 1/min; s = 6 %

Aufgabe 2: Ein zweipoliger Spaltpolmotor (p = 1) soll an einem 60-Hz-Netz betrieben werden und läuft dort mit einem Schlupf von 5 %. Berechne die Synchrondrehzahl und die zu erwartende Rotordrehzahl.

Gegeben: f = 60 Hz; p = 1; s = 5 %

Gesucht: n_syn in 1/min; n in 1/min

Lösungsweg:

  1. n_syn = (60 * 60) / 1 = 3600 1/min
  2. n = n_syn * (1 – 0,05) = 3600 * 0,95 = 3420 1/min

Ergebnis: n_syn = 3600 1/min; n = 3420 1/min

Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit überhaupt ein Drehfeld entsteht?

  • a) Mindestens zwei räumlich versetzte, zeitlich gegeneinander verschobene Felder
  • b) Eine sehr hohe Netzspannung
  • c) Ein Gleichstromanteil im Netz
  • d) Ein massiver Eisenkern ohne Lamellierung

Richtig: a)

Erst die räumliche und zeitliche Verschiebung zweier Felder ergibt ein wanderndes Maximum. Spannungshöhe (b), Gleichstromanteil (c) und Kernbauweise (d) sind dafür unerheblich.

Welches Bauteil erzeugt beim Spaltpolmotor den nötigen Phasenversatz?

  • a) Ein Vorschaltkondensator
  • b) Eine getrennte Hilfswicklung
  • c) Ein mechanischer Fliehkraftschalter
  • d) Der kurzgeschlossene Kupferring am gespaltenen Pol

Richtig: d)

Der Kurzschlussring verzögert über den induzierten Strom den Fluss im kleinen Polteil. Kondensator (a) und Hilfswicklung (b) gehören zum Kondensatormotor, ein Fliehkraftschalter (c) ist eine Anlaufhilfe anderer Motortypen.

Auf welchem physikalischen Prinzip beruht die Verzögerung des Flusses im gespaltenen Polteil?

  • a) Auf dem Ohmschen Gesetz
  • b) Auf der Lenzschen Regel: Der induzierte Strom wirkt seiner Ursache entgegen
  • c) Auf dem Hebelgesetz
  • d) Auf der Reibung im Luftspalt

Richtig: b)

Der Ringstrom baut nach Lenz ein Gegenfeld auf, das den Flussaufbau bremst. Das Ohmsche Gesetz (a) beschreibt nur den Zusammenhang von Strom und Spannung, das Hebelgesetz (c) ist mechanisch, und Reibung (d) spielt hier keine Rolle.

Warum lässt sich die Drehrichtung eines einfachen Spaltpolmotors nicht durch Umklemmen ändern?

  • a) Weil der Motor sonst überhitzt
  • b) Weil die Netzfrequenz dabei sinkt
  • c) Weil der Käfigläufer magnetisiert ist
  • d) Weil beim Umklemmen beide Flüsse gemeinsam umpolen und der Versatz gleich gerichtet bleibt

Richtig: d)

Der Versatz ist an die Geometrie gebunden; das Umpolen beider Flüsse erhält seine Richtung. Überhitzung (a), Frequenzänderung (b) und eine angebliche Magnetisierung des Käfigläufers (c) sind nicht die Ursache.

Ein vierpoliger Spaltpolmotor (p = 2) am 50-Hz-Netz dreht mit 1350 1/min. Wie groß ist der Schlupf?

  • a) 5 %
  • b) 8 %
  • c) 10 %
  • d) 12 %

Richtig: c)

n_syn = (50 · 60) / 2 = 1500 1/min; s = (1500 − 1350) / 1500 · 100 = 10 %. Die übrigen Werte gehören zu anderen Rotordrehzahlen.

Welche Aussage zum Anlaufmoment des Spaltpolmotors trifft zu?

  • a) Es ist höher als beim Kondensatormotor
  • b) Es ist gering, weil der Phasenversatz über den Ring schwächer ist als ein sauberes 90°-Feld
  • c) Es ist null, der Motor muss von Hand angeworfen werden
  • d) Es hängt allein von der Netzspannung ab

Richtig: b)

Der Ringversatz ergibt ein wanderndes, aber schwaches Feld — der Motor läuft selbst an, jedoch mit kleinem Moment (c ist deshalb falsch). Der Kondensatormotor liefert mehr (a falsch), und die Spannung allein bestimmt das Moment nicht (d).

Warum wird der Statorkern aus dünnen, isolierten Blechen aufgebaut?

  • a) Zur Begrenzung von Wirbelströmen und der damit verbundenen Verluste
  • b) Zur Gewichtsreduktion
  • c) Zur Erhöhung der Drehzahl
  • d) Zur besseren Kühlung des Käfigläufers

Richtig: a)

Die Lamellierung unterbricht die Wirbelstromwege im Eisen und senkt so die Verluste. Gewicht (b), Drehzahl (c) und Rotorkühlung (d) sind nicht der Zweck.

Welche Eigenschaft macht den Spaltpolmotor für Kühllüfter besonders geeignet?

  • a) Sein hoher Wirkungsgrad
  • b) Seine umschaltbare Drehrichtung
  • c) Sein großes Anlaufmoment
  • d) Sein robuster, wartungsfreier Aufbau bei leichtem Anlauf und kleiner Leistung

Richtig: d)

Lüfter laufen leicht an, brauchen wenig Leistung und nur einen festen Drehsinn — genau das Profil des Spaltpolmotors. Wirkungsgrad (a) und Anlaufmoment (c) sind gerade schwach, und die Drehrichtung (b) ist nicht umschaltbar.

Wie verhält sich die Rotordrehzahl eines Asynchronmotors zur Synchrondrehzahl?

  • a) Sie ist immer exakt gleich
  • b) Sie liegt stets darüber
  • c) Sie liegt im Motorbetrieb stets etwas darunter
  • d) Sie ist unabhängig von der Belastung konstant

Richtig: c)

Der Schlupf sorgt dafür, dass der Rotor im Motorbetrieb langsamer dreht als das Feld — nur so wird Strom in ihn induziert. Gleichheit (a) ergäbe kein Moment, eine höhere Drehzahl (b) wäre Generatorbetrieb, und die Drehzahl sinkt mit steigender Last leicht (d).

Ein Spaltpolmotor und ein Kondensatormotor sollen verglichen werden. Welche Aussage ist korrekt?

  • a) Der Spaltpolmotor hat das größere Anlaufmoment
  • b) Der Kondensatormotor erzeugt über seine phasenverschobene Hilfswicklung ein kräftigeres Drehfeld
  • c) Beide haben denselben Wirkungsgrad
  • d) Nur der Spaltpolmotor ist ein Asynchronmotor

Richtig: b)

Der Kondensatormotor baut mit Hilfswicklung und Kondensator ein nahezu 90°-versetztes, kräftiges Drehfeld auf und ist dem Spaltpolmotor in Moment und Wirkungsgrad überlegen. Daher sind (a) und (c) falsch; beide sind Asynchronmotoren (d).

In welchem Leistungsbereich wird der Spaltpolmotor typischerweise eingesetzt?

  • a) Im Megawattbereich
  • b) Ausschließlich über 5 kW
  • c) Nur exakt bei 1 kW
  • d) Von wenigen Watt bis etwa 300 W

Richtig: d)

Wegen des schlechten Wirkungsgrades lohnt sich der einfache Aufbau nur für Kleinstleistungen bis einige hundert Watt. Größere Leistungen (a, b) sind unwirtschaftlich, und eine feste Einzelleistung (c) gibt es nicht.

Was passiert mit die Synchrondrehzahl, wenn derselbe Motor statt am 50-Hz- am 60-Hz-Netz läuft?

  • a) Sie bleibt gleich
  • b) Sie sinkt
  • c) Sie steigt im Verhältnis 60/50
  • d) Sie verdoppelt sich

Richtig: c)

Wegen n_syn = f · 60 / p steigt die Synchrondrehzahl proportional zur Frequenz, also um den Faktor 60/50 = 1,2. Sie bleibt nicht gleich (a), sinkt nicht (b) und verdoppelt sich nicht (d).

Glossar

Spaltpolmotor
Einfachster Einphasen-Asynchronmotor, dessen Anlaufhilfe aus einem kurzgeschlossenen Kupferring am gespaltenen Polschuh besteht.
Wechselfeld
Magnetfeld, das entlang einer festen Achse pulsiert und seine Richtung wechselt, sich aber nicht dreht.
Gespaltener Pol
Durch eine Nut in zwei ungleiche Teile geteilter Polschuh; der kleinere Teil ist vom Kurzschlussring umschlossen.
Kurzschlussring
In sich geschlossene Kupferwindung um den abgespaltenen Polteil, in der das Statorfeld einen Strom induziert; verzögert den Flussaufbau und erzeugt so den Phasenversatz.
Käfigläufer
Rotor mit kurzgeschlossenen Leiterstäben ohne Außenanschluss; sein Strom entsteht nur durch Induktion aus dem Statorfeld.
Synchrondrehzahl
Drehzahl des Statorfeldes, abhängig von Netzfrequenz und Polpaarzahl: n_syn = f · 60 / p.
Schlupf
Prozentualer Rückstand der Rotordrehzahl gegenüber der Synchrondrehzahl; nötig, damit Strom in den Käfigläufer induziert wird.
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