Bauarten: Nebenschluss-, Reihenschluss- und Doppelschlussmotor

Ein Gleichstrommotor hat immer zwei Stromkreise: den Anker und die Erregerwicklung. Wie diese beiden Wicklungen miteinander verschaltet sind, entscheidet über das ganze Betriebsverhalten — Drehzahl unter Last, Anlaufmoment, Eignung für eine bestimmte Anwendung. Aus den möglichen Schaltungen ergeben sich drei klassische Bauarten: der Nebenschlussmotor, der Reihenschlussmotor und der Doppelschlussmotor. Wer einmal versteht, warum ein Stapleranlasser anders gebaut sein muss als der Antrieb einer Werkzeugmaschine, hat die Logik dahinter erfasst.

Vorwissen

  • Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion
  • Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung
  • Elektromagnetische Induktion

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die drei Bauarten anhand des Schaltbildes sicher unterscheiden
  • die typische M-n-Kennlinie jeder Bauart benennen und begründen
  • für eine gegebene Anwendung die passende Bauart auswählen
  • die Drehrichtung eines Gleichstrommotors gezielt umkehren
  • die Klemmenbezeichnungen A1/A2, D1/D2 und E1/E2 zuordnen

1. Warum drei Bauarten?

In einer Gleichstrommaschine entsteht das Drehmoment durch das Zusammenspiel von zwei Strömen: dem Ankerstrom I_A in der drehenden Wicklung und dem Erregerstrom I_E in der feststehenden Wicklung, die den Erregerfluss Φ im Luftspalt aufbaut. Beide Wicklungen brauchen Strom, und der Strom muss irgendwo herkommen. Hier liegt die Idee der Bauarten: Speist man Anker und Erregung aus derselben Quelle, kann man die Erregerwicklung entweder parallel zum Anker schalten, in Reihe zum Anker, oder beides kombinieren.

Aus den beiden Grundbeziehungen der Gleichstrommaschine wird sofort verständlich, warum das so massive Auswirkungen hat:

n = (U – I_A · R_A) / (c · Φ)

  • n … Drehzahl in 1/min
  • U … Klemmenspannung in V
  • I_A … Ankerstrom in A
  • R_A … Ankerwiderstand in Ω
  • c … Maschinenkonstante
  • Φ … Erregerfluss in Vs

M = c · Φ · I_A

  • M … Drehmoment in Nm
  • Φ … Erregerfluss in Vs
  • I_A … Ankerstrom in A

Die Maschinenkonstante c fasst die fest verbauten Daten der Maschine zusammen — Windungszahl der Ankerwicklung, Polpaarzahl, Anzahl der parallelen Wicklungszweige. Sie ist für einen fertigen Motor unveränderlich, eine reine Konstante aus der Konstruktion. Der Ausdruck U − I_A · R_A im Zähler ist die Gegen-EMK der Maschine — jene Spannung, die durch die Drehung des Ankers im Erregerfeld induziert wird und der angelegten Klemmenspannung entgegenwirkt. Im Stillstand ist sie null (deshalb fließt beim Einschalten der hohe Anlaufstrom), im Leerlauf liegt sie nahezu bei U.

Die Drehzahl hängt umgekehrt vom Fluss ab — wird Φ kleiner, dreht der Motor schneller. Das Drehmoment wächst mit dem Produkt aus Fluss und Ankerstrom. Wer also einen großen Erregerfluss bei jeder Last konstant halten will, schaltet die Erregerwicklung parallel. Wer dagegen will, dass der Fluss mit der Last mitwächst, schaltet sie in Reihe. Genau das ist der Unterschied zwischen Nebenschluss und Reihenschluss.

Nebenschluss M E1 E2 Reihenschluss D1 D2 M Doppelschluss M Φ = konst Φ wächst mit I_A Mischform

Die drei Schaltungen ergeben drei sehr unterschiedliche Maschinen. Die nächsten Kapitel gehen jede einzeln durch.

Warum entscheidet die Schaltung der Erregerwicklung so stark über das Verhalten des Gleichstrommotors?

  • a) Weil der Erregerstrom wesentlich höher ist als der Ankerstrom
  • b) Weil sie bestimmt, wie der Erregerfluss von der Belastung abhängt
  • c) Weil sie die Klemmenspannung am Anker beeinflusst
  • d) Weil sie die Bürsten und den Kommutator vor Verschleiß schützt

Richtig: b)

Drehzahl und Drehmoment hängen direkt vom Erregerfluss Φ ab. Bleibt Φ konstant (Nebenschluss) oder wächst Φ mit dem Laststrom (Reihenschluss), ergibt das fundamental verschiedene Kennlinien. Der Erregerstrom ist bei Nebenschluss typisch kleiner als der Ankerstrom (a). Die Klemmenspannung (c) ist eine äußere Größe, sie ändert sich durch die innere Schaltung nicht. Bürsten und Kommutator (d) sind mechanische Bauteile, sie sind unabhängig von der Bauart.

Welche Aussage zur Drehzahlgleichung n = (U − I_A · R_A) / (c · Φ) trifft zu?

  • a) Bei sinkendem Erregerfluss steigt die Drehzahl
  • b) Die Drehzahl ist unabhängig vom Erregerfluss
  • c) Der Ankerwiderstand bestimmt die Leerlaufdrehzahl maßgeblich
  • d) Eine höhere Klemmenspannung senkt die Drehzahl

Richtig: a)

Φ steht im Nenner — wird Φ kleiner, wird n größer. Das ist der Grundeffekt hinter dem „Durchgehen“ eines DC-Motors bei zu schwacher Erregung. Aussage (b) widerspricht direkt der Formel. Im Leerlauf ist I_A klein, daher spielt R_A dort kaum eine Rolle (c). Eine höhere Spannung (d) erhöht die Drehzahl, sie senkt sie nicht.

Womit wächst das Drehmoment einer Gleichstrommaschine nach M = c · Φ · I_A?

  • a) Mit der Klemmenspannung allein
  • b) Mit dem Quadrat des Erregerstroms
  • c) Mit dem Produkt aus Erregerfluss und Ankerstrom
  • d) Mit der Drehzahl im Leerlauf

Richtig: c)

Die Formel zeigt direkt: M ist proportional zu Φ · I_A. Die Klemmenspannung (a) wirkt indirekt über den Strom. Ein Quadrat (b) ergibt sich erst beim Reihenschluss, weil dort Φ selbst proportional zu I_A werden… — dann wird M effektiv proportional zu I_A². Die Leerlaufdrehzahl (d) hat mit dem Drehmoment nichts zu tun.

2. Nebenschlussmotor

Beim Nebenschlussmotor liegt die Erregerwicklung parallel zum Anker. Beide hängen an derselben Spannung, aber elektrisch sind sie voneinander unabhängig. Der Erregerstrom I_E wird allein durch die Klemmenspannung U und den Widerstand der Erregerwicklung bestimmt — er ist nicht vom Ankerstrom abhängig. Solange U konstant bleibt, bleibt auch der Erregerfluss Φ praktisch konstant.

Daraus folgt das charakteristische Verhalten: Steigt die Belastung, steigt der Ankerstrom I_A, die Spannungsabfall am kleinen Ankerwiderstand R_A wird etwas größer und die Drehzahl sinkt nur leicht. Der Motor ist drehzahlhart — er hält seine Drehzahl auch unter wechselnder Last fast konstant.

+U E1 E2 Nebenschlusswicklung (viele Windungen, dünner Draht) A1 A2 M = Anker und Erregerwicklung getrennt — beide Ströme fließen unabhängig.

Im Schaltbild trägt die Erregerwicklung typisch viele Windungen aus dünnem Draht. Sie hat einen hohen Widerstand, damit der Erregerstrom klein bleibt — er ist im Vergleich zum Ankerstrom oft nur ein Buchteil. So spart man Verlustleistung in der Erregung, ohne dass der Fluss schwächer würde, denn entscheidend ist nicht der Strom alleine, sondern das Produkt aus Windungszahl und Strom (die Durchflutung).

Gelöstes Beispiel

Ein Nebenschlussmotor hat eine Klemmenspannung von 220 V, einen Ankerwiderstand von 0,5 Ω und nimmt im Nennbetrieb einen Ankerstrom von 20 A auf. Die Maschinenkonstante c · Φ beträgt 0,1 V·min. Wie groß ist die Drehzahl?

Gegeben: U = 220 V, R_A = 0,5 Ω, I_A = 20 A, c · Φ = 0,1 V·min

Gesucht: n in 1/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Induzierte Spannung E (Gegen-EMK): E = U − I_A · R_A = 220 V − 20 A · 0,5 Ω = 220 V − 10 V = 210 V
  2. Schritt 2 — Drehzahl aus E: n = E / (c · Φ) = 210 V / 0,1 V·min = 2100 1/min

Ergebnis: n = 2100 1/min

Übungen

Ein Nebenschlussmotor läuft mit 230 V Klemmenspannung. Bei einem Ankerstrom von 0 A (Leerlauf) ist die Drehzahl 1500 1/min. Wie groß ist die Maschinenkonstante c · Φ?

c · Φ = U / n = 230 / 1500 = 0,1533 V·min

Derselbe Motor hat R_A = 0,4 Ω. Bei welchem Ankerstrom sinkt die Drehzahl auf 1400 1/min?

E = c · Φ · n = 0,1533 · 1400 = 214,7 V; I_A = (U − E) / R_A = (230 − 214,7) / 0,4 = 38,3 A

Welches Drehmoment liefert der Motor aus Übung 2 bei einer Maschinenkonstanten c = 0,9 (bezogen auf Vs) und Φ = 0,17 Vs, wenn I_A = 38,3 A fließt?

M = c · Φ · I_A = 0,9 · 0,17 · 38,3 = 5,86 Nm

Ein Nebenschlussmotor wird mit nur 180 V Klemmenspannung statt 220 V betrieben, die Last bleibt gleich. Wie ändert sich näherungsweise die Drehzahl, wenn der Erregerfluss als konstant angenommen wird?

n ist proportional zu U; Verhältnis 180/220 = 0,818; die Drehzahl sinkt also auf rund 82 % des ursprünglichen Wertes.

Im Nennbetrieb fließen durch die Erregerwicklung 0,8 A bei einem Erregerwiderstand von 275 Ω. Welche Klemmenspannung liegt an, und wieviel Leistung verbraucht die Erregerwicklung?

U = R_E · I_E = 275 · 0,8 = 220 V; P_E = U · I_E = 220 · 0,8 = 176 W

Warum ist the Nebenschlussmotor drehzahlhart?

  • a) Weil der Ankerwiderstand sehr groß ist
  • b) Weil die Erregerwicklung in Reihe zum Anker liegt
  • c) Weil der Erregerfluss unabhängig vom Ankerstrom konstant bleibt
  • d) Weil die Bürsten den Strom selbstregelnd begrenzen

Richtig: c)

Bei konstanter Klemmenspannung ist auch der Erregerstrom konstant — und damit Φ. Daher ändert sich n bei Last nur über den kleinen Spannungsabfall I_A · R_A geringfügig. (a) ist falsch: R_A wird bewusst klein gehalten. (b) wäre Reihenschluss. (d) erfindet eine Funktion, die Bürsten gar nicht haben.

Ein Nebenschlussmotor läuft im Leerlauf mit 1500 1/min. Bei Vollast steigt der Ankerstrom auf 30 A, der Ankerwiderstand beträgt 0,3 Ω, die Klemmenspannung 220 V. Welche Drehzahl stellt sich näherungsweise ein?

  • a) Etwa 1500 1/min, weil die Maschine drehzahlhart ist
  • b) Etwa 1000 1/min
  • c) Etwa 750 1/min
  • d) Etwa 1438 1/min

Richtig: d)

c · Φ = 220/1500 = 0,1467; E = 220 − 30·0,3 = 211 V; n = 211/0,1467 ≈ 1438 1/min. Antwort (a) übersieht den Spannungsabfall am Anker — drehzahlhart heißt fast konstant, nicht ganz konstant. (b) und (c) entsprechen viel zu großem Drehzahlabfall, der nur beim Reihenschluss vorkäme.

Wozu ist die Erregerwicklung des Nebenschlussmotors mit vielen Windungen aus dünnem Draht ausgeführt?

  • a) Damit nur ein kleiner Erregerstrom fließt, der Fluss aber trotzdem stark ist
  • b) Damit sie höhere mechanische Belastung aushält
  • c) Damit der Ankerstrom ungehindert fließen kann
  • d) Damit die Wicklung temperaturbeständiger wird

Richtig: a)

Die Durchflutung Θ = N · I bestimmt den Fluss. Viele Windungen erlauben kleinen Strom bei gleicher Durchflutung — das reduziert die Verluste. Mechanische Belastung (b) spielt keine Rolle, die Wicklung steht still. (c) verwechselt die beiden Kreise. Temperaturbeständigkeit (d) hängt vom Isolationssystem, nicht von Windungszahl oder Drahtdurchmesser ab.

3. Reihenschlussmotor

Beim Reihenschlussmotor liegt die Erregerwicklung in Reihe mit dem Anker. Es gibt nur einen einzigen Stromkreis — der gesamte Strom, der den Motor durchfließt, geht zuerst durch die Erregerwicklung und dann durch den Anker. Daraus folgt eine einfache, aber folgenreiche Beziehung:

I_E = I_A

  • I_E … Erregerstrom
  • I_A … Ankerstrom

Der Erregerstrom ist gleich dem Ankerstrom. Damit hängt auch der Erregerfluss direkt vom Laststrom ab — solange das Eisen nicht sättigt, gilt näherungsweise Φ ~ I_A. In die Drehmomentgleichung eingesetzt ergibt sich:

M = c · Φ · I_A ~ I_A²

  • M … Drehmoment in Nm
  • I_A … Ankerstrom in A

Das ist das Markenzeichen des Reihenschlussmotors: das Drehmoment wächst quadratisch mit dem Strom. Doppelter Strom bedeutet vierfaches Drehmoment. Genau das macht ihn zum klassischen Anlauf- und Traktionsmotor — er entwickelt im Stillstand sofort sehr großes Drehmoment, ohne dass man extra eingreifen müsste.

Auf der Drehzahlseite ist das Verhalten genau umgekehrt: Bei kleiner Last ist auch der Strom klein, der Fluss schwach, und die Drehzahl entsprechend hoch. Bei großer Last steigt der Fluss, die Drehzahl fällt deutlich ab. Der Motor ist drehzahlweich — seine Drehzahl ändert sich stark mit der Last.

+U D1 D2 Reihenschlusswicklung (wenige Windungen, dicker Draht) A1 A2 M = Anker und Erregerwicklung in Serie — derselbe Strom fließt durch beide.

Auffällig ist, dass die Reihenschlusswicklung mit wenigen Windungen aus dickem Draht ausgeführt ist. Sie muss den vollen Ankerstrom tragen, der bei großen Motoren leicht in den Bereich hunderter Ampere geht. Bei der Drehmomentkonstanten und dem Drehzahlverhalten kannst du dir das Verhalten am folgenden Calculator anschauen:

Probier es aus: Verdoppelt sich der Strom, vervierfacht sich das Drehmoment, und die Drehzahl halbiert sich näherungsweise. So entstehen die typischen Werte beim Anlauf eines Staplers oder einer alten Straßenbahn — kurzer hoher Stromstoß, riesiges Anzugsmoment, niedrige Drehzahl.

Gelöstes Beispiel

Ein Reihenschlussmotor entwickelt bei einem Ankerstrom von 20 A ein Drehmoment von 12 Nm. Welches Drehmoment liefert er näherungsweise (im linearen Bereich, ohne Sättigung) bei 40 A?

Gegeben: I_A1 = 20 A, M_1 = 12 Nm, I_A2 = 40 A

Gesucht: M_2 in Nm

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Verhältnisansatz aus M ~ I²: M_2 / M_1 = (I_A2 / I_A1)² = (40 / 20)² = 4
  2. Schritt 2 — Drehmoment bei 40 A: M_2 = M_1 · 4 = 12 Nm · 4 = 48 Nm

Ergebnis: M_2 = 48 Nm

Übungen

Ein Reihenschlussmotor zieht beim Anlauf den fünffachen Nennstrom. Welches Vielfache des Nenndrehmoments steht beim Anlauf zur Verfügung (vereinfachend ohne Sättigung)?

M_an / M_N = (I_an / I_N)² = 5² = 25; das Anlaufmoment beträgt das 25-fache des Nennmoments (in der Praxis durch Sättigung deutlich weniger, aber immer noch sehr hoch)

Bei einem Strom von 15 A entwickelt ein Reihenschlussmotor 8 Nm Drehmoment. Welcher Strom ist nötig, damit das Drehmoment auf 32 Nm steigt?

I_2 / I_1 = √(M_2 / M_1) = √(32/8) = √4 = 2; I_2 = 30 A

Eine Maschinenkonstante c_M = 0,04 Nm/A² ist für einen bestimmten Reihenschlussmotor gegeben. Welches Drehmoment entwickelt er bei einem Strom von 25 A?

M = c_M · I² = 0,04 · 25² = 0,04 · 625 = 25 Nm

Derselbe Motor (c_M = 0,04 Nm/A²) muss eine Last mit einem Gegenmoment von 16 Nm überwinden. Welchen Ankerstrom nimmt er auf?

I = √(M / c_M) = √(16 / 0,04) = √400 = 20 A

Ein Reihenschlussmotor wird mit der halben Klemmenspannung betrieben, der Strom bleibt durch die Last in derselben Größenordnung. Wie ändert sich näherungsweise die Drehzahl (Drehmoment und Φ unverändert)?

n ~ U bei konstantem Fluss — halbe Spannung bedeutet halbe Drehzahl.

Welcher Zusammenhang gilt beim Reihenschlussmotor näherungsweise zwischen Drehmoment und Ankerstrom?

  • a) M ist proportional zu I_A
  • b) M ist umgekehrt proportional zu I_A
  • c) M ist proportional zum Quadrat von I_A
  • d) M ist unabhängig von I_A

Richtig: c)

Weil I_E = I_A, gilt Φ ~ I_A und damit M = c · Φ · I_A ~ I_A². Die einfache lineare Beziehung (a) trifft auf den Nebenschluss zu, wo Φ konstant ist. (b) und (d) widersprechen der Funktion eines Motors überhaupt.

Warum darf ein Reihenschlussmotor nicht leer laufen?

  • a) Weil die Kommutatorbürsten ohne Last keinen Strom bekommen
  • b) Weil die Erregerwicklung dann zu heiß wird
  • c) Weil sich der Anker dann gar nicht erst dreht
  • d) Weil die Drehzahl bei kleinem Fluss unzulässig hoch ansteigt

Richtig: d)

Ohne Last ist I_A klein, also auch Φ klein. n = U/(c · Φ) ergibt dann sehr große Werte — der Motor geht mechanisch durch. (a) ist Unsinn, die Bürsten leiten unabhängig von der Last. (b) ist gerade umgekehrt: ohne Last fließt weniger Strom, also wird die Wicklung kühler. (c) widerspricht dem hohen Anlaufmoment, das gerade typisch ist.

Ein Reihenschlussmotor mit c_M = 0,03 Nm/A² nimmt 50 A auf. Welches Drehmoment entwickelt er näherungsweise?

  • a) 75 Nm
  • b) 150 Nm
  • c) 1,5 Nm
  • d) 25 Nm

Richtig: a)

M = 0,03 · 50² = 0,03 · 2500 = 75 Nm. (b) verdoppelt fälschlich, (c) nimmt den Strom linear statt quadratisch, (d) ist eine reine Falschzahl.

4. Doppelschlussmotor (Compoundmotor)

Der Doppelschlussmotor kombiniert beide Wicklungen — er trägt sowohl eine Nebenschluss- als auch eine Reihenschlusswicklung. Das Ergebnis ist eine Mischform: die Nebenschlusswicklung sorgt für einen Grundfluss, der auch im Leerlauf vorhanden ist (kein Durchgehen mehr), und die Reihenschlusswicklung verstärkt den Fluss bei großer Last (hohes Anlaufmoment bleibt). Die Idee ist eine bewusste Kombination der jeweils besten Eigenschaften der beiden Grundbauarten.

Je nach Schaltrichtung der Reihenschlusswicklung unterscheidet man zwei Varianten:

  • Verbundschluss (gleichsinnig): Reihen- und Nebenschlussfluss zeigen in dieselbe Richtung. Sie addieren sich. Dies ist die übliche Bauart — bei Last wird der Gesamtfluss stärker, das Anlaufmoment steigt, die Drehzahl fällt mäßig.
  • Gegenverbundschluss (gegensinnig): Der Reihenschlussfluss wirkt dem Nebenschlussfluss entgegen. Bei steigender Last schwächt er den Gesamtfluss. Das hält die Drehzahl auch unter Last fast konstant — diese Bauart wird aber nur selten eingesetzt, weil sie zur Instabilität neigt.
+U E1 E2 Nebenschlusswicklung (parallel) D1 D2 Reihenschlusswicklung A1 A2 M = Drei Wicklungen: zwei Erregerwicklungen plus Anker.

Am Klemmbrett sind entsprechend mehr Klemmen vorhanden: A1/A2 für den Anker, D1/D2 für die Reihenschlusswicklung und E1/E2 für die Nebenschlusswicklung. Welche Variante (Verbund- oder Gegenverbundschluss) vorliegt, hängt davon ab, wie die Reihenschlusswicklung gepolt eingeschleift wird.

Welchen entscheidenden Vorteil hat der Doppelschlussmotor gegenüber dem reinen Reihenschlussmotor?

  • a) Er hat ein noch höheres Anlaufmoment
  • b) Er ist günstiger in der Herstellung
  • c) Er benötigt keinen Kommutator
  • d) Er kann gefahrlos auch ohne Last betrieben werden

Richtig: d)

Die Nebenschlusswicklung sorgt für einen Grundfluss, der auch ohne Ankerstrom besteht. Damit kann der Motor nicht durchgehen, wenn er entlastet wird. (a) trifft nicht zu, das Anlaufmoment liegt eher etwas niedriger. (b) ist falsch, drei Wicklungen sind teurer als eine. (c) widerspricht jeder Gleichstrommaschine.

Wie unterscheidet sich Verbund- von Gegenverbundschluss?

  • a) Verbundschluss hat keine Nebenschlusswicklung
  • b) Beim Verbundschluss addieren sich die Flüsse, beim Gegenverbundschluss wirken sie gegeneinander
  • c) Gegenverbundschluss arbeitet mit Wechselstrom
  • d) Verbundschluss kommt nur in Servomotoren vor

Richtig: b)

Es geht um die Polung der Reihenschlusswicklung relativ zur Nebenschlusswicklung. (a) widerspricht dem Begriff. (c) verwechselt mit dem Universalmotor. (d) ist erfunden.

Welche Klemmen findet man am Klemmbrett eines Doppelschlussmotors?

  • a) A1/A2 und E1/E2
  • b) A1/A2 und D1/D2
  • c) A1/A2, D1/D2 und E1/E2
  • d) U1/V1/W1 und U2/V2/W2

Richtig: c)

Drei Wicklungen = drei Klemmenpaare. (a) ist Nebenschluss, (b) ist Reihenschluss, (d) ist die Bezeichnung für Drehstrommotoren in Stern-/Dreieckschaltung.

5. Vergleich der drei Bauarten

Die drei Schaltungsarten ergeben drei deutlich verschiedene M-n-Kennlinien. Der Nebenschlussmotor zeigt eine fast waagrechte Kennlinie — die Drehzahl bleibt weitgehend konstant. Der Reihenschlussmotor fällt steil ab — kleine Lasten geben hohe Drehzahlen, hohe Lasten erzwingen niedrige Drehzahlen. Der Doppelschlussmotor liegt dazwischen, mit moderat fallender Kennlinie.

M n Drehmoment M Drehzahl n M-n-Kennlinien Nebenschluss (drehzahlhart) Doppelschluss (Verbund) Reihenschluss (drehzahlweich)

In tabellarischer Form lassen sich die drei Bauarten gut vergleichen:

Eigenschaft Nebenschluss Reihenschluss Doppelschluss
Erregerwicklung parallel zum Anker in Reihe zum Anker beides
Erregerfluss Φ konstant wächst mit I_A Grundfluss + last­abhängiger Anteil
Anlaufmoment gering bis mittel sehr hoch (~I²) hoch
Drehzahlverhalten drehzahlhart drehzahlweich mäßig fallend
Leerlauf ungefährlich geht durch! ungefährlich
Klemmen A1/A2, E1/E2 A1/A2, D1/D2 A1/A2, D1/D2, E1/E2
Typische Anwendung Werkzeugmaschine, Pumpe Anlasser, Krane Aufzug, Presse

Welche Bauart konkret eingesetzt wird, hängt vor allem davon ab, ob Drehzahlkonstanz oder hohes Anlaufmoment im Vordergrund steht. Wie genau man bei einer gegebenen Bauart die Drehzahl gezielt verändern kann (Spannungsstellung, Feldschwächung, Vorwiderstände), wird in einem eigenen Beitrag behandelt.

Welche Kennlinie gehört zum Reihenschlussmotor?

  • a) Eine fast waagrechte Linie
  • b) Eine streng linear ansteigende Gerade
  • c) Eine steil abfallende, hyperbelartige Kurve
  • d) Eine waagrechte Linie mit Sprung bei Nennlast

Richtig: c)

Weil M ~ I² und gleichzeitig n ~ 1/I, ergibt die elimination dieser Beziehung eine hyperbelartige Kennlinie n(M). (a) ist Nebenschluss, (b) gibt es bei keinem Motor (ein Motor verliert Drehzahl unter Last, er gewinnt sie nicht), (d) erfindet eine Sprungstelle.

Welche Bauart eignet sich am besten als Antrieb mit konstanter Drehzahl?

  • a) Nebenschlussmotor
  • b) Reihenschlussmotor
  • c) Doppelschlussmotor mit Verbundschluss
  • d) Universalmotor

Richtig: a)

Der Nebenschlussmotor ist drehzahlhart — bei wechselnder Last sinkt die Drehzahl nur wenig. (b) ist genau das Gegenteil. (c) liegt dazwischen, ist aber nicht so drehzahlkonstant. (d) verhält sich wie der Reihenschluss.

Welches Drehmoment-Drehzahl-Verhalten zeigt der Doppelschlussmotor im Verbundschluss?

  • a) Identisch mit dem reinen Reihenschluss
  • b) Linear ansteigend
  • c) Genau dasselbe wie der Nebenschluss
  • d) Eine fallende Kennlinie zwischen Nebenschluss und Reihenschluss

Richtig: d)

Die Kombination beider Wicklungen erzeugt eine Mischkennlinie. (a) und (c) wären die jeweiligen Reinformen. (b) widerspricht der Motorphysik.

6. Drehrichtungsumkehr in der Praxis

Ein Gleichstrommotor dreht in eine bestimmte Richtung, weil der Ankerstrom und das Erregerfeld in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen. Aus der Lorentzkraft F = B · I · l folgt: kehrt man eines von beiden um, dreht sich die Kraftrichtung — und damit die Drehrichtung. Kehrt man jedoch beides gleichzeitig um, hebt sich die Wirkung auf und der Motor dreht wie zuvor.

In der Praxis heißt das konkret: Drehrichtungsumkehr durch Umpolen entweder der Ankerwicklung oder der Erregerwicklung, niemals beider zugleich.

Am Klemmbrett wird das so umgesetzt:

  • Nebenschlussmotor: Entweder A1 und A2 tauschen oder E1 und E2 tauschen.
  • Reihenschlussmotor: Entweder A1 und A2 tauschen oder D1 and D2 tauschen.
  • Doppelschlussmotor: Wenn der Anker umgepolt wird, ändert sich nur die Drehrichtung. Wenn beide Erregerwicklungen umgepolt werden, dreht sich die Drehrichtung ebenfalls — aber der Verbundschluss bleibt Verbundschluss. Nur eine der beiden Erregerwicklungen umpolen führt dagegen vom Verbund- zum Gegenverbundschluss (oder umgekehrt), das ist meist nicht gewünscht.

In Steuerungen für Gleichstrommotoren wird die Umpolung typisch durch eine Wendeschützschaltung erledigt: zwei Schütze polen die Ankerwicklung um, die Erregerwicklung bleibt unangetastet. So bleibt das Verhalten der Maschine in beiden Drehrichtungen identisch.

Wie wird die Drehrichtung eines Nebenschlussmotors gewechselt?

  • a) Anker und Erregerwicklung gleichzeitig umpolen
  • b) Nur den Anker oder nur die Erregerwicklung umpolen
  • c) Die Bürsten mechanisch versetzen
  • d) Die Netzspannung kurz unterbrechen

Richtig: b)

Wird beides gleichzeitig umgepolt (a), bleibt die Drehrichtung gleich. (c) versetzt zwar den neutralen Bereich, ändert aber nicht die Drehrichtung. (d) tut gar nichts in der Sache.

Ein Reihenschlussmotor an Gleichspannung wird mit kurzer Verbindung zur Versorgung verpolt (beide Klemmen vertauscht). Was passiert?

  • a) Der Motor läuft schneller
  • b) Der Motor läuft langsamer
  • c) Die Drehrichtung kehrt sich um
  • d) Die Drehrichtung bleibt gleich

Richtig: d)

Verpolung der Versorgung kehrt zugleich Anker- und Feldstrom um. Aus F = B · I · l folgt: beide Vorzeichenwechsel heben sich auf, die Drehrichtung bleibt. Das ist exakt der physikalische Grund, warum ein Universalmotor auch an Wechselstrom in eine Richtung läuft.

Welche Klemmen muss man bei einem Reihenschlussmotor tauschen, um die Drehrichtung sicher umzukehren?

  • a) Die Versorgungsklemmen am Netz
  • b) A1 und A2 (oder alternativ D1 und D2)
  • c) Die Klemmen E1 und E2
  • d) Bürsten und Kommutator

Richtig: b)

Der Reihenschlussmotor hat keine Klemmen E1/E2, sondern A1/A2 und D1/D2 — Auswahl (c) trifft also gar nicht zu. (a) führt zu keiner Richtungsumkehr (Frage 2). (d) sind mechanische Teile, keine Anschlussklemmen.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Nebenschlussmotor läuft an 220 V Klemmenspannung mit einem Ankerwiderstand von 0,4 Ω. Im Leerlauf misst man 1450 1/min. Bei einer bestimmten Belastung fließt ein Ankerstrom von 35 A.

Gegeben: U = 220 V, R_A = 0,4 Ω, n_0 = 1450 1/min (bei I_A ≈ 0), I_A = 35 A

Gesucht: n bei I_A = 35 A

Lösungsweg:

  1. Maschinenkonstante c · Φ = U/n_0 = 220/1450 = 0,1517 V·min
  2. Gegen-EMK E = U − I_A · R_A = 220 − 35 · 0,4 = 220 − 14 = 206 V
  3. Drehzahl n = E / (c · Φ) = 206 / 0,1517 ≈ 1358 1/min

Ergebnis: n ≈ 1358 1/min

Aufgabe 2: Beim selben Nebenschlussmotor sinkt die Klemmenspannung auf 200 V, die Last bleibt unverändert (I_A = 35 A). Welche Drehzahl stellt sich näherungsweise ein?

Gegeben: U = 200 V, R_A = 0,4 Ω, c · Φ = 0,1517 V·min (gleich wie zuvor), I_A = 35 A

Gesucht: n

Lösungsweg:

  1. E = 200 − 35 · 0,4 = 200 − 14 = 186 V
  2. n = 186 / 0,1517 ≈ 1226 1/min

Ergebnis: n ≈ 1226 1/min — die Drehzahl folgt der Klemmenspannung.

Aufgabe 3: Ein Reihenschlussmotor erzeugt bei einem Ankerstrom von 25 A ein Drehmoment von 18 Nm. Welcher Strom ist nötig, um 50 Nm Drehmoment zu erzeugen (vereinfacht ohne Sättigung)?

Gegeben: I_1 = 25 A, M_1 = 18 Nm, M_2 = 50 Nm

Gesucht: I_2

Lösungsweg:

  1. M_2 / M_1 = (I_2 / I_1)²
  2. I_2 / I_1 = √(M_2 / M_1) = √(50/18) = √2,778 = 1,667
  3. I_2 = 25 · 1,667 ≈ 41,7 A

Ergebnis: I_2 ≈ 41,7 A

Aufgabe 4: Wie groß ist die Maschinenkonstante c_M eines Reihenschlussmotors, der bei 30 A Ankerstrom 36 Nm Drehmoment liefert?

Gegeben: I_A = 30 A, M = 36 Nm

Gesucht: c_M

Lösungsweg:

  1. M = c_M · I_A²
  2. c_M = M / I_A² = 36 / 900 = 0,04 Nm/A²

Ergebnis: c_M = 0,04 Nm/A²

Aufgabe 5: Ein Nebenschlussmotor wird durch Reihenwiderstand im Ankerkreis im Anlauf strombegrenzt. Klemmenspannung 220 V, Ankerwiderstand 0,3 Ω, maximaler zulässiger Anlaufstrom 60 A. Welcher Anlasswiderstand R_V muss vorgeschaltet werden?

Gegeben: U = 220 V, R_A = 0,3 Ω, I_an = 60 A

Gesucht: R_V

Lösungsweg:

  1. Im Stillstand ist die Gegen-EMK E = 0, daher: U = I_an · (R_A + R_V)
  2. R_A + R_V = U / I_an = 220 / 60 = 3,67 Ω
  3. R_V = 3,67 − 0,3 = 3,37 Ω

Ergebnis: R_V ≈ 3,37 Ω

Aufgabe 6: Ein Reihenschlussmotor mit c_M = 0,06 Nm/A² treibt einen Stapler an. Beim Anfahren mit Hindernis fließt ein Strom von 60 A. Welches Drehmoment steht zur Verfügung?

Gegeben: c_M = 0,06 Nm/A², I_A = 60 A

Gesucht: M

Lösungsweg:

  1. M = c_M · I_A² = 0,06 · 3600 = 216 Nm

Ergebnis: M = 216 Nm — typisch hoher Anlaufmomentwert.

Eine Gleichstrommaschine soll als Lüfterantrieb mit möglichst konstanter Drehzahl arbeiten. Welche Bauart wählt man?

  • a) Nebenschlussmotor
  • b) Reihenschlussmotor
  • c) Reihenschlussmotor mit Vorwiderstand
  • d) Reihenschlussmotor mit Feldschwächung

Richtig: a)

Drehzahlkonstanz ist die Kernlinieneigenschaft des Nebenschlussmotors. Reihenschluss-Varianten (b, c, d) ändern alle dort den Drehzahlabfall in die falsche Richtung — sie sind sowieso drehzahlweich.

Ein Reihenschlussmotor zieht beim Anlauf den 4-fachen Nennstrom. Welches Vielfache des Nennmoments steht näherungsweise zur Verfügung?

  • a) Das 2-fache
  • b) Das 4-fache
  • c) Das 16-fache
  • d) Das 8-fache

Richtig: c)

M ~ I², also 4² = 16. Die anderen Werte beruhen auf falscher Linearisierung oder Halbierung.

Worin besteht die Gefahr beim Leerlauf eines Reihenschlussmotors?

  • a) Die Wicklungen werden überhitzt
  • b) Die Bürsten verschleißen sofort
  • c) Die Drehzahl steigt unkontrolliert an („Durchgehen“)
  • d) Der Anker bricht durch Magnetkräfte

Richtig: c)

Im Leerlauf ist I_A klein, Φ entsprechend klein, n = U/(c·Φ) wird sehr groß. Die Wicklungen werden gerade weniger belastet, nicht überhitzt (a). (b) und (d) sind keine realistischen Folgen.

Welche Klemmen gehören zur Reihenschlusswicklung?

  • a) E1, E2
  • b) A1, A2
  • c) D1, D2
  • d) U1, V1, W1

Richtig: c)

Nach IEC 60034-8 ist D die Bezeichnung für die Reihenschlusswicklung. E ist Nebenschluss, A ist Anker, U/V/W ist Drehstrom.

Bei welcher Bauart entsteht das Drehmoment näherungsweise mit M = c · Φ · I_A bei konstantem Φ?

  • a) Nebenschlussmotor
  • b) Reihenschlussmotor
  • c) Universalmotor
  • d) Schrittmotor

Richtig: a)

Beim Nebenschluss is Φ konstant, daher gilt M linear mit I_A. Beim Reihenschluss (b) wird Φ ~ I_A, daraus M ~ I². (c) und (d) sind andere Motorarten.

Ein Nebenschlussmotor zeigt im Betrieb plötzlich stark ansteigende Drehzahl. Was kann die Ursache sein?

  • a) Defekter Kommutator
  • b) Bruch der Erregerwicklung (Verlust des Erregerflusses)
  • c) Überlastung des Ankers
  • d) Zu hohe Last am Wellenende

Richtig: b)

Aus n = U/(c·Φ) folgt: fällt Φ aus (Bruch in der Erregerwicklung), wird n sehr groß — auch der Nebenschlussmotor kann dann durchgehen. (a) bewirkt eher Stromunterbrechung und Stillstand. (c) und (d) lassen die Drehzahl sinken, nicht steigen.

Wie unterscheidet man Verbund- und Gegenverbundschluss schaltungstechnisch?

  • a) Durch unterschiedliche Anzahl an Wicklungen
  • b) Durch verschiedene Klemmenspannungen
  • c) Durch unterschiedliche Bürstenanordnungen
  • d) Durch die Polung der Reihenschlusswicklung relativ zur Nebenschlusswicklung

Richtig: d)

Beide haben dieselben drei Wicklungen, dieselbe Spannung und dieselbe mechanische Konstruktion — der einzige Unterschied liegt in der Stromrichtung in der Reihenschlusswicklung. (a), (b) und (c) sind irrelevant.

Welche der folgenden Anwendungen ist ein typischer Einsatzfall für einen Reihenschlussmotor in der DC-Welt?

  • a) Pumpenantrieb mit konstanter Drehzahl
  • b) Anlasser eines Verbrennungsmotors
  • c) Synchronisationsantrieb in einer Drehstromanlage
  • d) Servoachse einer Werkzeugmaschine

Richtig: b)

Der Anlasser braucht hohes Anlaufmoment aus dem Stillstand bei kurzer Einschaltzeit — genau die Stärke des Reihenschlussmotors. Pumpen (a) brauchen Drehzahlkonstanz. (c) wäre eine Synchronmaschine. (d) ist heute ein Servoantrieb mit Lageregelung.

Was passiert beim Doppelschlussmotor im Verbundschluss, wenn die Last stark zunimmt?

  • a) Der Reihenschlussanteil verstärkt den Fluss, das Drehmoment wächst überproportional
  • b) Der Nebenschluss übernimmt komplett
  • c) Der Motor schaltet automatisch in Reihenschluss um
  • d) Es passiert dasselbe wie beim reinen Nebenschluss

Richtig: a)

Beim Verbundschluss addieren sich die Flussanteile. Wächst I_A, wächst auch der Anteil aus der Reihenschlusswicklung — der Gesamtfluss wird stärker, das Drehmoment steigt überproportional. (b), (c) und (d) widersprechen der Funktionsweise.

Welche Aussage zur Drehrichtungsumkehr ist korrekt?

  • a) Nur das Vertauschen der Versorgungsleitungen am Netz wirkt
  • b) Anker- und Erregerwicklung gemeinsam umpolen
  • c) Entweder Anker oder Erregerwicklung umpolen, nicht beide
  • d) Der Wechselrichter in der Steuerung muss umgekehrt werden

Richtig: c)

Werden beide Wicklungen gleichzeitig umgepolt, bleibt die Drehrichtung gleich. (a) entspricht genau diesem Fall (außer bei reinem Nebenschluss-DC: dort wirkt das tatsächlich, weil die Versorgung dann eine der beiden Wicklungen direkt umkehrt — sicherer ist aber die gezielte Umpolung am Klemmbrett). (d) gibt es so bei klassischen DC-Maschinen nicht.

Welcher Motor entwickelt bei gleichem Nennstrom das größte Anlaufmoment?

  • a) Nebenschlussmotor
  • b) Doppelschlussmotor im Gegenverbundschluss
  • c) Spaltpolmotor
  • d) Reihenschlussmotor

Richtig: d)

Wegen M ~ I² beim Reihenschluss liegt das Anlaufmoment bei Volllaststrom deutlich über dem der anderen Bauarten. (a) zeigt linear, (b) ist mit schwächerem Lastanstieg ausgelegt. (c) ist ein Wechselstrommotor mit geringem Anlaufmoment.

Beim Reihenschlussmotor ist die Erregerwicklung mit wenigen Windungen aus dickem Draht ausgeführt. Warum?

  • a) Damit der Wicklungswiderstand möglichst hoch ist
  • b) Weil sie den vollen Ankerstrom führen muss
  • c) Aus Kostengründen
  • d) Damit sie als Anlasswiderstand wirkt

Richtig: b)

Die Reihenschlusswicklung liegt in Reihe mit dem Anker. Der Strom dort ist gleich dem Ankerstrom — bei großen Motoren mehrere hundert Ampere. Deshalb dicker Draht. (a) ist falsch, der Widerstand soll möglichst klein sein. (c) ist nebensächlich. (d) verwechselt mit dem Vorwiderstand.

Glossar

Anker
Die drehende Wicklung im Inneren der Gleichstrommaschine, in der die EMK induziert und das Drehmoment erzeugt wird. Klemmen A1/A2.
Erregerwicklung
Die feststehende Wicklung, die den Erregerfluss Φ im Luftspalt erzeugt. Kann als Nebenschluss-, Reihenschluss- oder kombinierte Wicklung ausgeführt sein.
Erregerfluss Φ
Magnetischer Fluss, den die Erregerwicklung im Luftspalt aufbaut. Bestimmt zusammen mit dem Ankerstrom das Drehmoment.
Nebenschlussschaltung
Verschaltung der Erregerwicklung parallel zum Anker. Die Erregung ist von der Last unabhängig, der Motor verhält sich drehzahlhart.
Reihenschlussschaltung
Verschaltung der Erregerwicklung in Reihe zum Anker. Erregerstrom gleich Ankerstrom, das Drehmoment wächst quadratisch mit dem Strom.
Doppelschluss­schaltung (Compound)
Kombination aus Nebenschluss- und Reihenschlusswicklung. Verbundschluss (gleichsinnig) und Gegenverbundschluss (gegensinnig) sind die beiden Varianten.
Verbundschluss
Doppelschlussvariante, bei der Reihen- und Nebenschlussfluss in dieselbe Richtung wirken und sich addieren. Übliche Bauform.
Gegenverbundschluss
Doppelschlussvariante, bei der die Flüsse einander entgegenwirken. Hält die Drehzahl auch unter Last fast konstant, aber selten und tendenziell instabil.
Drehzahlhart
Eigenschaft eines Motors, dessen Drehzahl unter wechselnder Last nahezu konstant bleibt. Typisch für den Nebenschlussmotor.
Drehzahlweich
Eigenschaft eines Motors, dessen Drehzahl stark mit der Last variiert. Typisch für den Reihenschlussmotor.
Durchflutung Θ
Produkt aus Windungszahl N und Strom I einer Spule. Bestimmt den Erregerfluss, nicht der Strom allein.
Gegen-EMK E
Im rotierenden Anker induzierte Spannung, die der angelegten Klemmenspannung entgegenwirkt. Im stationären Betrieb gilt U = E + I_A · R_A.
Klemmen A1/A2
Anschlüsse der Ankerwicklung am Klemmbrett. Umpolen ändert die Drehrichtung.
Klemmen D1/D2
Anschlüsse der Reihenschlusswicklung am Klemmbrett (D wie „direkter“ bzw. „in Reihe“-geführter Erregerkreis).
Klemmen E1/E2
Anschlüsse der Nebenschlusswicklung am Klemmbrett (E wie Erreger).
Wendeschützschaltung
Schaltungsanordnung mit zwei Schützen, die die Ankerklemmen für die Drehrichtungsumkehr umpolen.
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