Motoranschluss und Klemmenbrett
Wer einen Drehstrommotor anschließt, entscheidet am Klemmenbrett über Stern oder Dreieck — und damit, ob die Wicklungen die richtige Spannung sehen. Die sechs Wicklungsklemmen sind dabei nicht zufällig angeordnet, sondern so gestaltet, dass beide Schaltungsarten mit den mitgelieferten Schaltbügeln verdrahtet werden können. Das macht das Klemmenbrett zum praktischen Herzstück jeder Motormontage.
Vorwissen
- Drehstrom – Erzeugung und Grundprinzip
- Sternschaltung (Y) und Dreieckschaltung (Δ)
- Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Anordnung der sechs Wicklungsklemmen am Klemmenbrett benennen und die Bezeichnungen U1/V1/W1 und U2/V2/W2 nach ÖNORM EN 60034-8 zuordnen
- die Schaltbügel für Stern und Dreieck korrekt einlegen
- die Drehrichtung eines Drehstrommotors durch Phasentausch umkehren
- den Klemmkasten unter Beachtung von Schutzart, PE-Anschluss und Sicherheitsregeln fachgerecht anschließen
- typische Anschlussfehler erkennen und vermeiden
1. Klemmenbrett – Aufbau und Bezeichnungen
Am Drehstrommotor sitzt ein Anschlusskasten, oft auf dem Gehäuse oben oder seitlich. Darin liegt das eigentliche Klemmenbrett — eine Isolierstoffplatte mit sechs Anschlussbolzen für die Motorwicklungen plus einer separaten PE-Klemme für den Schutzleiter.
Jede der drei Wicklungen hat einen Anfang und ein Ende, also gibt es insgesamt sechs Klemmen. Die Bezeichnungen sind in ÖNORM EN 60034-8 festgelegt:
- U1, V1, W1 — die drei Wicklungsanfänge
- U2, V2, W2 — die drei Wicklungsenden
Der Buchstabe (U, V, W) bezeichnet den Strang, die Ziffer (1 oder 2) das Ende der Wicklung. Frühere Bezeichnungen wie U/V/W für Anfänge und X/Y/Z für Enden sind heute nicht mehr in Verwendung.
Der entscheidende Trick ist die versetzte Anordnung der Klemmen. Üblich ist:
| obere Reihe | U1 | V1 | W1 |
|---|---|---|---|
| untere Reihe | W2 | U2 | V2 |
Anfang und Ende derselben Wicklung liegen also nicht direkt übereinander, sondern diagonal versetzt:
- U-Wicklung: U1 oben links, U2 unten Mitte
- V-Wicklung: V1 oben Mitte, V2 unten rechts
- W-Wicklung: W1 oben rechts, W2 unten links
Diese Anordnung is kein Zufall. Sie ist genau so gewählt, dass sich beide Schaltungsarten — Stern und Dreieck — mit gleich langen, geraden Schaltbügeln verdrahten lassen.
Welche Bezeichnung tragen die drei Wicklungsanfänge eines Drehstrommotors nach ÖNORM EN 60034-8?
- a) U1, V1, W1
- b) X1, Y1, Z1
- c) L1, L2, L3
- d) U2, V2, W2
Richtig: a)
U1, V1, W1 sind die Wicklungsanfänge, U2, V2, W2 die Wicklungsenden. L1, L2, L3 bezeichnen die Außenleiter des Netzes — nicht die Motorklemmen. X/Y/Z war eine ältere Kennzeichnung für Wicklungsenden und ist heute nicht mehr in Verwendung.
Wie sind die sechs Klemmen am Standard-Klemmenbrett angeordnet?
- a) In einer Reihe nebeneinander
- b) Anfang und Ende derselben Wicklung direkt übereinander
- c) In zwei versetzten Reihen, sodass Anfang und Ende diagonal zueinander liegen
- d) Im Kreis um die Motorwelle
Richtig: c)
Die versetzte Anordnung ist gerade so gewählt, dass die mitgelieferten Schaltbügel sowohl für Stern als auch für Dreieck passen. Lägen Anfang und Ende direkt übereinander, wäre die Dreieckverdrahtung mit geraden Bügeln nicht möglich.
Welche zusätzliche Klemme befindet sich neben den sechs Wicklungsklemmen im Klemmkasten?
- a) Eine Reserve-Klemme für Spulen-Erweiterungen
- b) Eine Klemme für den Bremswiderstand
- c) Eine Klemme für den Sternpunkt
- d) Eine PE-Klemme für den Schutzleiter
Richtig: d)
Jeder Motor mit metallischem Gehäuse braucht einen Schutzleiteranschluss. Der Sternpunkt entsteht erst durch die Verdrahtung der Schaltbügel und hat keine eigene Klemme. Bremswiderstände werden bei Standardmotoren nicht am Klemmenbrett angeschlossen.
2. Brückenschaltungen: Stern und Dreieck
Die drei mitgelieferten Schaltbügel — auch Schaltbrücken oder Verbindungsbrücken genannt — entscheiden über die Schaltungsart. Die Wicklungen selbst werden im Motor nicht umgebaut; nur die Brücken am Klemmenbrett werden anders gelegt. Worin sich Stern und Dreieck elektrisch unterscheiden, ist in den Beiträgen zur Sternschaltung und Dreieckschaltung ausführlich beschrieben — hier geht es um die mechanische Verdrahtung am Brett.
Stern (Y)
Bei der Sternschaltung werden die drei Wicklungsenden zum gemeinsamen Sternpunkt verbunden. Praktisch heißt das: Die Schaltbügel werden horizontal in der unteren Klemmenreihe eingelegt und verbinden W2, U2 und V2 miteinander. Die Außenleiter kommen auf die obere Reihe:
- L1 an U1
- L2 an V1
- L3 an W1
Bei einem Motor, dessen Wicklungen für die Strangspannung von 230 V ausgelegt sind, liefert der Sternpunkt am österreichischen 400-V-Netz genau diese Spannung pro Strang — die Außenleiterspannung ist um den Faktor √3 größer als die Wicklungsspannung.
Dreieck (Δ)
Bei der Dreieckschaltung wird jeder Wicklungsanfang mit dem Ende einer benachbarten Wicklung verbunden. Dazu werden die Schaltbügel vertikal eingelegt — jeweils zwischen oberer und unterer Reihe in einer Spalte:
- U1 mit W2
- V1 mit U2
- W1 mit V2
Die Außenleiter kommen wie beim Stern auf U1, V1 und W1. Jede Wicklung liegt jetzt direkt zwischen zwei Außenleitern und sieht die volle Außenleiterspannung — am 400-V-Netz also 400 V pro Strang.
Wie liegen die Schaltbügel bei Sternschaltung am Klemmenbrett?
- a) Drei vertikale Brücken zwischen oberer und unterer Reihe
- b) Horizontal in der unteren Klemmenreihe, sodass W2, U2 und V2 verbunden sind
- c) Diagonal über das gesamte Brett
- d) Nur ein Bügel zwischen U1 und U2
Richtig: b)
Bei Stern müssen die drei Wicklungsenden zum Sternpunkt zusammengeführt werden. Das geschieht durch zwei (oder drei) horizontale Brücken in der unteren Reihe. Vertikale Brücken erzeugen dagegen die Dreieckschaltung.
Welche Klemmen werden bei Dreieckschaltung durch die Schaltbügel verbunden?
- a) U2 mit V2, V2 mit W2
- b) U1 mit V1, V1 mit W1
- c) U1 mit U2, V1 mit V2, W1 mit W2
- d) U1 mit W2, V1 mit U2, W1 mit V2
Richtig: d)
Bei Dreieck wird jeder Wicklungsanfang mit dem Ende einer benachbarten Wicklung verbunden — das ergibt die Verkettung U1-W2, V1-U2, W1-V2. Die Verbindung U1-U2 würde die eigene Wicklung kurzschließen.
Ein Motor mit Typenschildangabe „Δ 400 V / Y 690 V“ wird am österreichischen 400-V-Drehstromnetz betrieben. Welche Schaltung ist korrekt?
- a) Dreieckschaltung, weil die Wicklungen für 400 V Strangspannung ausgelegt sind
- b) Sternschaltung, weil das Netz immer Stern verlangt
- c) Beide Schaltungen sind elektrisch gleichwertig
- d) Der Motor lässt sich an 400 V nicht betreiben
Richtig: a)
Die Wicklungsspannung muss zur Strangspannung der gewählten Schaltung passen. Bei Δ liegt an jeder Wicklung die volle Außenleiterspannung (400 V) — und das ist genau die Auslegungsspannung. Bei Y bekäme die Wicklung nur 400/1,732 ≈ 230 V und der Motor würde untererregt laufen.
3. Drehrichtungsumkehr durch Phasentausch
Die Drehrichtung eines Drehstrommotors ergibt sich aus der Drehrichtung des Drehfelds im Stator. Das Drehfeld wiederum wird durch die Reihenfolge bestimmt, in der die Außenleiter die Wicklungen erreichen. Werden zwei beliebige Außenleiter vertauscht, kehrt sich die Drehrichtung um — die dritte Phase bleibt dabei unangetastet.
| Vorwärtslauf | Rückwärtslauf |
|---|---|
| L1 → U1 | L1 → U1 |
| L2 → V1 | L2 → W1 |
| L3 → W1 | L3 → V1 |
Welche zwei Außenleiter getauscht werden, ist elektrisch gleichwertig — üblich ist der Tausch von L2 and L3. Der Tausch erfolgt entweder direkt am Klemmenbrett (bei Festanschluss) oder im Schaltschrank über ein Wendeschütz. Die schützgesteuerte Variante mit gegenseitiger Verriegelung ist im Beitrag zur Wendeschützschaltung beschrieben.
Wie kehrt man die Drehrichtung eines Drehstrom-Asynchronmotors um?
- a) Durch Tausch des Schutzleiters
- b) Durch Vertauschen von zwei beliebigen Außenleitern am Klemmenbrett
- c) Durch Umpolung der Statorwicklung im Inneren des Motors
- d) Indem der Sternpunkt aufgetrennt wird
Richtig: b)
Die Drehrichtung hängt von der Reihenfolge der Phasenlage im Drehfeld ab. Tauscht man zwei Außenleiter, ändert sich diese Reihenfolge und das Drehfeld läuft umgekehrt. Der Schutzleiter hat mit der Drehrichtung nichts zu tun und darf nie zur Steuerung verwendet werden.
Beim Tausch von L2 und L3 am Klemmenbrett — was passiert mit L1?
- a) L1 muss zusätzlich auf eine andere Klemme gelegt werden
- b) L1 bleibt unverändert auf U1
- c) L1 wird abgeklemmt
- d) L1 wird kurzzeitig auf den Sternpunkt gelegt
Richtig: b)
Für die Drehrichtungsumkehr reicht der Tausch von zwei Außenleitern. Die dritte Phase bleibt auf ihrer ursprünglichen Klemme. Würden alle drei Phasen rotiert, ergäbe sich wieder die ursprüngliche Drehrichtung.
4. Klemmkasten in der Praxis
Über die reine Brückenfrage hinaus gibt es eine Reihe handwerklicher Punkte, die beim Motoranschluss eingehalten werden müssen. Sie machen den Unterschied zwischen einer Anlage, die jahrelang läuft, und einer, die früh ausfällt.
Spannungsfrei arbeiten. Vor jedem Eingriff am Klemmkasten gelten die fünf Sicherheitsregeln nach ÖVE/ÖNORM E 8001: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen (im Niederspannungsbereich oft entfallend, aber bei größeren Anlagen verpflichtend), benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.
PE zuerst. Der gelb-grüne Schutzleiter wird grundsätzlich als erster angeschlossen und als letzter abgeklemmt. Die PE-Klemme ist meist mit einem ⏚-Symbol oder einem grünen Punkt gekennzeichnet und konstruktiv so ausgeführt, dass sich der Schutzleiter nicht versehentlich vor den anderen Adern lösen kann.
Ringkabelschuhe sauber aufpressen. Die Wicklungsbolzen am Klemmenbrett tragen Gewinde mit Mutter und Beilagscheiben. Aderendhülsen reichen für Bolzenklemmen oft nicht aus — bei größeren Querschnitten werden Ringkabelschuhe verpresst. Wichtig: die richtige Größe wählen (Bolzendurchmesser und Aderquerschnitt müssen passen) und die Presszange mit passendem Einsatz verwenden. Eine schlecht verpresste Verbindung erwärmt sich im Betrieb und führt mit der Zeit zu Übergangswiderständen und Phasenausfall.
Schraube anziehen und gegen Mitdrehen kontern. Beim Festziehen der Klemmenmutter darf sich der Bolzen unter der Klemme nicht mitdrehen — das würde die innere Wicklungsverbindung beschädigen. In der Praxis wird mit zwei Schlüsseln gearbeitet: Einer hält den Bolzen darunter fest, der andere zieht die Mutter mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an. Die Drehmomentwerte stehen im Datenblatt des Motors.
Kabelverschraubung passend wählen. Das einlaufende Anschlusskabel wird durch eine Kabelverschraubung in den Klemmkasten geführt. Die Verschraubung muss zum Kabeldurchmesser passen, sonst leidet die Schutzart. Typische Werte sind IP55 für staub- und spritzwassergeschützte Industrieumgebungen, IP65 bei stärkerer Belastung. Eine falsch gewählte Verschraubung verschiebt diese Klassifizierung sofort nach unten.
Klemmkasten drehbar. Bei den meisten Motoren ist der Klemmkasten in 90°-Schritten drehbar. Vier Schrauben am Gehäuse lösen, Kasten in die gewünschte Position bringen, Schrauben wieder anziehen. Die Kabelzuführung kommt dadurch von der Seite, die in der Anlage am sinnvollsten ist — meist von oben, damit Kondenswasser am Kabel nicht in den Kasten läuft.
Welche Reihenfolge ist beim Anschluss eines neuen Motors korrekt?
- a) Erst Außenleiter, dann PE als letztes
- b) Erst Brücken, dann PE, zuletzt Außenleiter
- c) Erst PE, dann Brücken, dann Außenleiter
- d) PE zuerst anschließen, beim Abklemmen zuletzt lösen
Richtig: d)
Der Schutzleiter ist die letzte Sicherheitsbarriere bei einem Isolationsfehler. Er muss als erster angeschlossen und als letzter gelöst werden, damit die Schutzwirkung in jedem Moment der Arbeit gewährleistet ist.
Warum muss beim Anziehen der Klemmenmutter der Bolzen gegen Mitdrehen gekontert werden?
- a) Damit die Mutter nicht überdreht wird
- b) Damit die innere Wicklungsverbindung nicht beschädigt wird
- c) Damit der Schutzleiter Kontakt hält
- d) Damit die Kabelverschraubung dicht bleibt
Richtig: b)
Der Klemmenbolzen ist im Klemmenbrett mit der inneren Wicklungszuleitung verbunden. Dreht er sich beim Anziehen mit, kann diese Verbindung abreißen oder die Isolation der Wicklung beschädigt werden — ein Schaden, der von außen nicht erkennbar ist und im Betrieb zum Ausfall führt.
Welche Schutzart ist für einen Motor in einer typischen Industriehalle mit gelegentlichem Spritzwasser passend?
- a) IP20
- b) IP55
- c) IP00
- d) IP10
Richtig: b)
IP55 schützt gegen Staubablagerung und Strahlwasser aus beliebiger Richtung — passend für die meisten Industrieumgebungen. IP20 ist nur fingersicher und nicht spritzwassergeschützt, IP00 hat überhaupt keinen Schutz. IP10 bietet ebenfalls keinen Wasserschutz.
Abschlusstest
In welcher Norm sind die Anschlussbezeichnungen U1/V1/W1 und U2/V2/W2 festgelegt?
- a) ÖNORM EN 60034-8
- b) ÖNORM EN 60204-1
- c) ÖNORM EN 61131-3
- d) ÖNORM EN 50110
Richtig: a)
ÖNORM EN 60034-8 regelt die Anschlussbezeichnungen rotierender elektrischer Maschinen. EN 60204-1 betrifft die elektrische Ausrüstung von Maschinen allgemein, EN 61131-3 die SPS-Programmiersprachen und EN 50110 das Arbeiten unter Spannung.
Was bedeutet die Ziffer „2″ in der Klemmenbezeichnung U2?
- a) Die Wicklung gehört zur zweiten Polpaar-Stufe
- b) Es handelt sich um das Ende der U-Wicklung
- c) Es ist die zweite Reservephase
- d) Die Klemme liegt im zweiten Stockwerk des Klemmkastens
Richtig: b)
Die Ziffer 1 kennzeichnet den Wicklungsanfang, die Ziffer 2 das Wicklungsende. Polpaar-Umschaltungen werden anders bezeichnet (etwa 1U, 2U bei Dahlandermotoren).
Wo liegen bei einer Sternschaltung die Schaltbügel?
- a) Vertikal zwischen U1-W2, V1-U2, W1-V2
- b) Horizontal in der unteren Reihe, sodass W2, U2 und V2 verbunden sind
- c) Diagonal über das Klemmenbrett
- d) An der PE-Klemme
Richtig: b)
Sternschaltung verbindet die drei Wicklungsenden zum Sternpunkt. Die Bügel liegen horizontal in der unteren Klemmenreihe. Die Position aus Antwort a wäre Dreieckschaltung.
Welche Klemme wird bei Dreieckschaltung mit V1 verbunden?
- a) W2
- b) V2
- c) W1
- d) U2
Richtig: d)
Die Dreieckverkettung lautet U1-W2, V1-U2, W1-V2. V1 wird also mit U2 verbunden — dem Ende der U-Wicklung. So entsteht ein geschlossener elektrischer Ring aus den drei Wicklungen.
Was passiert, wenn bei einer Dreieckverdrahtung eine der drei Brücken fehlt?
- a) Der Motor läuft mit reduzierter Drehzahl, aber sonst normal
- b) Das Drehfeld bleibt erhalten, nur das Drehmoment ist kleiner
- c) Eine Wicklung bleibt offen, der Motor brummt und läuft nicht hoch
- d) Der Sternpunkt verlagert sich
Richtig: c)
Fehlt eine Dreieckbrücke, ist die geschlossene Verkettung unterbrochen — eine Wicklung trägt keinen Strom. Das Drehfeld ist unvollständig, der Motor erzeugt kein Anzugsmoment und brummt nur. Wird in diesem Zustand eingeschaltet, kann eine andere Wicklung den Strom alleine nicht lange tragen.
Welche zwei Außenleiter werden üblicherweise getauscht, um die Drehrichtung umzukehren?
- a) L2 und L3
- b) L1 und der Schutzleiter
- c) L1 und der Sternpunkt
- d) Alle drei Außenleiter gleichzeitig
Richtig: a)
Der Tausch von L2 und L3 hat sich in der Praxis als Standard etabliert, weil L1 als feste Referenzphase oft anderweitig verwendet wird (etwa für Steuerstromkreise). Elektrisch wäre auch der Tausch von L1-L2 oder L1-L3 gleichwertig. Ein Tausch aller drei Außenleiter ergäbe wieder die ursprüngliche Drehrichtung.
Welcher der folgenden Punkte gehört zu den fünf Sicherheitsregeln?
- a) Schaltschrank verriegeln und Schlüssel beim Vorgesetzten abgeben
- b) Bei Spannungen unter 50 V die Regeln verkürzen
- c) Spannungsfreiheit feststellen
- d) Vor Arbeitsbeginn die Anlage mindestens eine Stunde abkühlen lassen
Richtig: c)
Die dritte der fünf Sicherheitsregeln ist die Feststellung der Spannungsfreiheit mit einem zugelassenen Spannungsprüfer. Diese Regel darf nicht ausgelassen werden — auch nicht bei vermeintlich „sicher“ freigeschalteten Anlagen, weil Verwechslungen und Schaltfehler vorkommen.
Welche Aussage zur PE-Klemme ist korrekt?
- a) Sie ist nur bei größeren Motoren vorgeschrieben
- b) Sie wird als erste angeschlossen und als letzte gelöst
- c) Sie liegt immer in der oberen Reihe der Wicklungsklemmen
- d) Sie kann bei isolierten Motoren weggelassen werden
Richtig: b)
Der Schutzleiter ist die fundamentale Sicherheitsverbindung. Er wird in jedem Arbeitsschritt als erstes geschlossen und zuletzt gelöst, damit die Schutzwirkung durchgehend erhalten bleibt. Bei jedem Motor mit metallischem Gehäuse ist der PE-Anschluss vorgeschrieben.
Warum sind die Klemmen am Klemmenbrett in zwei versetzten Reihen angeordnet, anstatt Anfang und Ende einer Wicklung direkt übereinanderzulegen?
- a) Aus Platzgründen im Klemmkasten
- b) Damit mit gleichen, geraden Schaltbügeln sowohl Stern als auch Dreieck verdrahtet werden können
- c) Damit die Wicklungen besser gekühlt werden
- d) Aus historischen Gründen ohne technische Funktion
Richtig: b)
Die diagonale Versetzung sorgt genau dafür, dass die Schaltbügel für Dreieck — die Anfang einer Wicklung mit dem Ende der nächsten verbinden müssen — als kurze vertikale Geraden ausführbar sind. Lägen U1 und U2 übereinander, müsste man für Dreieck schräge oder über mehrere Klemmen springende Bügel verwenden.
Welche Folge hat es, wenn beim Festziehen der Klemmenmutter der darunterliegende Bolzen mitdreht?
- a) Die Schutzart sinkt von IP55 auf IP20
- b) Der Schutzleiter verliert Kontakt
- c) Die Brücken sitzen anschließend lockerer
- d) Die innere Wicklungsverbindung kann beschädigt oder abgerissen werden
Richtig: d)
Der Klemmenbolzen ist innerhalb des Motors mit der Wicklungszuleitung verbunden. Verdreht sich der Bolzen, wird diese innere Verbindung mitverdreht — Isolationsschäden oder ein Abriss der Litze können die Folge sein. Solche Schäden sind von außen nicht sichtbar und führen oft erst nach einigen Betriebsstunden zum Ausfall.
Glossar
- Klemmenbrett
- Isolierstoffplatte im Klemmkasten eines Motors mit sechs Bolzenklemmen für die Wicklungsanschlüsse und einer separaten PE-Klemme.
- Klemmkasten
- auch Anschlusskasten genannt, das schutzart-geprüfte Gehäuse am Motor, das das Klemmenbrett und den Anschluss der Versorgungsleitung aufnimmt.
- Schaltbügel
- auch Schaltbrücke oder Verbindungsbrücke, leitende Metallplättchen, die am Klemmenbrett über die Bolzen gelegt und mit Muttern fixiert werden, um Stern- oder Dreieckverdrahtung herzustellen.
- Sternpunkt
- der gemeinsame Verbindungspunkt der drei Wicklungsenden bei Sternschaltung; entsteht durch die horizontalen Schaltbügel zwischen W2, U2 und V2.
- Wicklungsanfang / Wicklungsende
- die beiden Anschlüsse einer Strangwicklung; gekennzeichnet mit Ziffer 1 für den Anfang und Ziffer 2 für das Ende.
- Drehfeld
- das im Stator umlaufende Magnetfeld eines Drehstrommotors; seine Drehrichtung hängt von der Phasenfolge der drei Außenleiter ab.
- Ringkabelschuh
- verpresstes Endstück eines Leiters mit ringförmiger Öse, das über den Klemmenbolzen geschoben und mit Mutter und Beilagscheibe gesichert wird.
