Servoregelung: Strom-, Drehzahl- und Lageregelkreis

Ein Servoantrieb soll eine Achse genau dorthin fahren, wo sie hingehört — schnell, ohne Überschwingen, mit dem richtigen Moment. Das schafft kein Motor von allein. Hinter jeder sauberen Servobewegung steckt eine Regelung, die nicht eine, sondern gleich drei Größen gleichzeitig im Griff hat: den Strom, die Drehzahl und die Lage. Diese drei Regelkreise sitzen ineinander verschachtelt — als Kaskade. Wer diese Kaskade versteht, versteht, warum ein Servo so präzise und so dynamisch arbeiten kann.

Vorwissen

  • Aufbau eines Regelkreises
  • Servomotor – Aufbau und Funktion
  • Frequenzumrichter – Funktion und Anwendung

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein Servoantrieb drei verschachtelte Regelkreise statt einer einzelnen Regelung braucht
  • die Aufgabe von Strom-, Drehzahl- und Lageregelkreis benennen und ihre Reihenfolge in der Kaskade richtig zuordnen
  • den Zusammenhang zwischen Strom und Drehmoment sowie das Grundprinzip der feldorientierten Regelung beschreiben
  • den Schleppfehler und den Kv-Faktor berechnen und ihre Bedeutung für die Positioniergenauigkeit einordnen
  • begründen, warum innere Kreise schnell und äußere langsam abgestimmt werden und wozu die Vorsteuerung dient

1. Warum überhaupt geregelt wird — und warum gleich dreifach

Stell dir eine Werkzeugmaschine vor, deren Achse ein Werkstück auf den hundertstel Millimeter genau anfahren soll. Gleichzeitig darf der Antrieb beim Anfahren nicht ruckeln, und wenn die Last plötzlich größer wird, soll die Geschwindigkeit nicht einbrechen. Drei Anforderungen, die alle gleichzeitig erfüllt sein müssen: genaue Lage, definierte Drehzahl und das passende Drehmoment.

Eine reine Steuerung — also ein fester Stellbefehl ohne Rückmeldung — würde hier scheitern. Sobald die Last sich ändert, die Reibung schwankt oder die Zwischenkreisspannung kurz einbricht, läuft der Motor anders als gewollt, und niemand korrigiert das. Genau deshalb braucht ein Servo eine Regelung: Sie misst laufend den Istwert, vergleicht ihn mit dem Sollwert und steuert gegen die Abweichung an. (Die Grundbegriffe Sollwert, Istwert und Stellgröße werden im Beitrag zum Aufbau eines Regelkreises ausführlich behandelt.)

Der Trick beim Servo is nun, nicht alles in einen einzigen Regler zu packen. Stattdessen bekommt jede der drei physikalischen Größen ihren eigenen Regelkreis:

  • der Stromregelkreis sorgt für das richtige Drehmoment,
  • der Drehzahlregelkreis für die richtige Geschwindigkeit,
  • der Lageregelkreis für die richtige Position.

Diese drei Kreise liegen nicht nebeneinander, sondern ineinander — man nennt das eine Kaskadenregelung. Der äußere Kreis gibt dem nächstinneren seinen Sollwert vor, und ganz innen stellt der Stromregler schließlich die elektrische Größe ein, die der Motor wirklich „spürt“. Warum diese Schachtelung so klug ist, wird klarer, wenn wir die drei Kreise einzeln durchgehen — von innen nach außen.

Warum reicht beim Servoantrieb eine reine Steuerung ohne Rückführung nicht aus?

  • a) Weil Steuerungen grundsätzlich langsamer sind als Regelungen
  • b) Weil eine Steuerung kein Drehmoment erzeugen kann
  • c) Weil der Motor sonst keine Drehzahl aufbauen kann
  • d) Weil Laständerungen, Reibung und Spannungseinbrüche ohne Rückmeldung unkorrigiert bleiben

Richtig: d)

Eine Steuerung gibt einen festen Stellbefehl aus, ohne den tatsächlichen Istwert zu prüfen. Ändert sich die Last oder bricht die Spannung ein, läuft der Antrieb anders als gewollt und niemand korrigiert. Geschwindigkeit (a) und Drehmomenterzeugung (b) sind nicht der Kern; eine Steuerung kann durchaus schnell sein und der Motor erzeugt auch gesteuert Moment — es fehlt nur die Korrektur. (c) ist falsch, weil auch gesteuert eine Drehzahl entsteht.

Wie sind die drei Regelkreise eines Servoantriebs angeordnet?

  • a) Alle drei parallel, jeder regelt unabhängig
  • b) Lage innen, Drehzahl mittig, Strom außen
  • c) Strom innen, Drehzahl mittig, Lage außen
  • d) In beliebiger Reihenfolge, je nach Hersteller

Richtig: c)

Die Kaskade verläuft von der elektrischen Größe nach außen zur mechanischen: Der Stromkreis sitzt ganz innen, weil er die schnellste und unmittelbarste Größe regelt, darüber liegt der Drehzahlkreis, ganz außen der Lagekreis. (b) kehrt die Reihenfolge falsch um, (a) und (d) widersprechen dem Prinzip der verschachtelten Sollwertvorgabe.

2. Der Stromregelkreis — das Drehmoment im Griff

Ganz innen in der Kaskade sitszt der Stromregelkreis. Er ist der schnellste der drei und arbeitet mit den kürzesten Taktzeiten — typisch im Bereich einiger zehn Mikrosekunden. Seine Aufgabe ist das Drehmoment.

Warum regelt man hier Strom und nicht direkt das Moment? Weil sich Strom unmittelbar messen und stellen lässt, das Moment dagegen nicht. Über den Motorstrom hat man einen direkten Hebel auf das Drehmoment. Der einfachste Zusammenhang lautet:

M = kt * I

  • M … Drehmoment in Nm
  • kt … Momentkonstante in Nm/A
  • I … Motorstrom in A

Die Momentkonstante kt ist eine Motorkenngröße und sagt, wie viel Drehmoment pro Ampere entsteht. Verdoppelt sich der Strom, verdoppelt sich das Moment.

So einfach gilt dieser Zusammenhang allerdings nur für den Gleichstrommotor. Moderne Servoantriebe sind meist Drehstrommotoren (permanenterregte Synchronmaschinen, PMSM), und dort steuert der Umrichter den Strom nicht als eine einzige Größe an, sondern zerlegt ihn rechnerisch in zwei Anteile: einen flussbildenden Anteil (Id) und einen drehmomentbildenden Anteil (Iq). Dieses Verfahren heißt feldorientierte Regelung (englisch field oriented control, FOC) oder Vektorregelung. Der schnelle Stromregelkreis steuert dabei gezielt den drehmomentbildenden Strom Iq aus, während der flussbildende Anteil Id im Normalbetrieb auf null geregelt wird. Für das Verständnis reicht: Wo beim Gleichstrommotor schlicht „der Strom“ steht, regelt der AC-Servo gezielt die drehmomentbildende Stromkomponente Iq — das Moment bleibt damit proportional zu diesem Stromanteil.

Gestellt wird der Strom über den Wechselrichter der Endstufe, der per Pulsweitenmodulation (PWM) die Spannung an den Motorwicklungen taktet. Eine Strombegrenzung im Regler schützt dabei sowohl die Wicklungen als auch die Leistungshalbleiter der Endstufe vor Überlast.

Gelöstes Beispiel

Ein Servomotor hat eine Momentkonstante von 0,85 Nm/A. Welches Drehmoment liefert er bei einem drehmomentbildenden Strom von 7 A?

Gegeben: kt = 0,85 Nm/A, Iq = 7 A

Gesucht: Drehmoment M in Nm

Lösungweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: M = kt · Iq
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: M = 0,85 Nm/A · 7 A

Ergebnis: M = 5,95 Nm

Übungen

Ein Motor hat kt = 0,6 Nm/A. Welcher Strom ist für ein Moment von 3 Nm nötig?

I = M / kt = 3 / 0,6 = 5 A

Bei einem Strom von 4 A liefert ein Motor 3,2 Nm. Wie groß ist die Momentkonstante?

kt = M / I = 3,2 / 4 = 0,8 Nm/A

Ein Servo soll 12 Nm liefern, kt = 1,2 Nm/A. Welcher drehmomentbildende Strom ist nötig?

I = 12 / 1,2 = 10 A

Ein Motor mit kt = 0,75 Nm/A wird mit dem doppelten seines bisherigen Stroms von 5 A betrieben. Welches Moment ergibt sich?

neuer Strom = 10 A; M = 0,75 · 10 = 7,5 Nm

Ein Servo hat ein Spitzenmoment von 18 Nm und kt = 0,9 Nm/A. Die Endstufe begrenzt den Strom auf 16 A. Wird das Spitzenmoment erreicht?

mögliches Moment = 0,9 · 16 = 14,4 Nm. Das geforderte Spitzenmoment von 18 Nm wird nicht erreicht — die Strombegrenzung deckelt das Moment auf 14,4 Nm.

Warum regelt der innerste Kreis den Strom und nicht direkt das Drehmoment?

  • a) Weil Drehmoment keine physikalische Größe ist
  • b) Weil sich der Strom unmittelbar messen und über den Wechselrichter stellen lässt, das Moment aber nicht direkt
  • c) Weil das Drehmoment keinen Einfluss auf die Bewegung hat
  • d) Weil der Strom langsamer reagiert als das Moment

Richtig: b)

Drehmoment lässt sich an einer laufenden Achse nicht direkt einstellen, der Strom dagegen schon — und über M = kt · I hat man damit einen unmittelbaren Hebel aufs Moment. (a) und (c) sind sachlich falsch, (d) kehrt die Verhältnisse um: Der Strom ist die schnelle Größe.

Was beschreibt die feldorientierte Regelung (FOC) bei einem AC-Servomotor?

  • a) Die Aufteilung des Stroms in einen flussbildenden Anteil Id und einen drehmomentbildenden Anteil Iq
  • b) Die Umschaltung zwischen Stern- und Dreieckbetrieb
  • c) Die Begrenzung der Zwischenkreisspannung
  • d) Die Messung der Lage über den Geber

Richtig: a)

Bei der FOC wird der Statorstrom in zwei Komponenten zerlegt: einen flussbildenden Anteil Id und einen drehmomentbildenden Anteil Iq. (b) betrifft Anlaufschaltungen von Asynchronmotoren, (c) die Endstufe, (d) den Lageregelkreis.

Ein Servo mit kt = 1,0 Nm/A soll ein Moment von 20 Nm liefern, die Endstufe begrenzt aber auf 15 A. Was passiert?

  • a) Der Motor liefert 20 Nm, der Strom steigt auf 20 A
  • b) Der Motor bleibt stehen
  • c) Die Momentkonstante steigt automatisch an
  • d) Der Motor liefert maximal 15 Nm, weil die Strombegrenzung greift

Richtig: d)

Bei kt = 1,0 Nm/A entspräche 20 Nm einem Strom von 20 A. Die Begrenzung auf 15 A deckelt das Moment auf 15 Nm. (a) ignoriert die Begrenzung, (b) ist übertrieben — der Motor läuft, nur mit weniger Moment, (c) ist physikalisch unsinnig, kt ist eine feste Motorkenngröße.

3. Der Drehzahlregelkreis — die Geschwindigkeit führen

Über dem Stromregelkreis liegt der Drehzahlregelkreis. Er ist langsamer getaktet als der Stromkreis, aber schneller als der noch außen liegende Lagekreis. Seine Aufgabe: die Achse mit der vorgegebenen Geschwindigkeit drehen lassen.

Das Besondere an der Kaskade zeigt sich hier zum ersten Mal richtig: Der Drehzahlregler stellt nicht selbst den Motorstrom ein. Er gibt stattdessen dem unterlagerten Stromregler einen Stromsollwert vor. Will die Achse beschleunigen, fordert der Drehzahlregler mehr Moment an — also einen höheren Stromsollwert —, und der schnelle Stromkreis setzt das um. Der Drehzahlregler muss sich um die Details der Stromstellung gar nicht kümmern.

Den Istwert der Drehzahl liefert der Geber (Encoder) am Motor. (Die verschiedenen Geberbauarten und ihre Rückführung sind ein eigenes Thema und werden im Beitrag zur Encoder-Rückführung behandelt.) Aus der zeitlichen Änderung der Lageinformation ermittelt der Antriebsregler die aktuelle Drehzahl und vergleicht sie mit dem Sollwert. Als Regler kommt hier typischerweise ein PI-Regler zum Einsatz — warum gerade diese Kombination gut passt, ist im eigenen Beitrag zum PI-Regler beschrieben.

Warum taktet der Drehzahlkreis langsamer als der Stromkreis? Weil die mechanische Trägheit der Achse ohnehin nicht so schnell reagiert wie der elektrische Strom. Eine Drehzahländerung braucht Zeit, das Hochdrehen einer Masse ist ein vergleichsweise träger Vorgang. Es bringt nichts, den Drehzahlregler schneller zu takten als die Mechanik folgen kann — und es wäre sogar schädlich für die Stabilität, wie wir gleich sehen.

In der Praxis kommt der Drehzahlsollwert oft gar nicht als Drehzahl daher, sondern als geforderte lineare Vorschubgeschwindigkeit der Achse — etwa in Millimetern pro Minute an einer Spindel. Diese lineare Geschwindigkeit muss erst über die Spindelsteigung in eine Motordrehzahl umgerechnet werden. Die Spindelsteigung gibt an, welchen Weg die Achse pro Umdrehung zurücklegt.

n = v / P

  • n … Drehzahl in 1/min
  • v … Vorschubgeschwindigkeit in mm/min
  • P … Spindelsteigung in mm pro Umdrehung

Gelöstes Beispiel

Eine Achse fährt über eine Spindel mit 5 mm Steigung. Sie soll mit 2500 mm/min verfahren. Welche Motordrehzahl ist nötig?

Gegeben: v = 2500 mm/min, P = 5 mm/U

Gesucht: Drehzahl n in 1/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: n = v / P
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: n = 2500 mm/min / 5 mm/U

Ergebnis: n = 500 1/min

Übungen

Spindelsteigung 10 mm, gewünschter Vorschub 4000 mm/min. Welche Motordrehzahl?

n = 4000 / 10 = 400 1/min

Eine Achse soll mit 600 mm/min verfahren, die Spindel hat 4 mm Steigung. Welche Drehzahl?

n = 600 / 4 = 150 1/min

Bei einer Motordrehzahl von 1000 1/min und 8 mm Steigung — welche Vorschubgeschwindigkeit ergibt sich?

v = n · P = 1000 · 8 = 8000 mm/min

Eine Spindel hat 12 mm Steigung. Der Motor läuft mit 250 1/min. Welcher Vorschub in mm/min ergibt sich, und wie viel ist das pro Sekunde?

v = 250 · 12 = 3000 mm/min; pro Sekunde 3000 / 60 = 50 mm/s

Ein Schlitten soll 5 mm/s verfahren. Die Spindel hat 5 mm Steigung. Welche Motordrehzahl in 1/min ist nötig?

5 mm/s = 300 mm/min; n = 300 / 5 = 60 1/min

Was gibt der Drehzahlregler als Stellgröße an den unterlagerten Kreis weiter?

  • a) Direkt die PWM-Spannung für den Motor
  • b) Die Lageabweichung
  • c) Einen Stromsollwert für den Stromregelkreis
  • d) Die Spindelsteigung

Richtig: c)

In der Kaskade gibt jeder Regler dem nächstinneren seinen Sollwert vor. Der Drehzahlregler fordert über einen Stromsollwert das nötige Moment an, der Stromregler setzt es um. (a) macht der Stromregler selbst, (b) gehört zum Lagekreis, (d) ist eine feste mechanische Größe.

Eine Achse mit Spindelsteigung 8 mm soll mit 2400 mm/min verfahren. Welche Motordrehzahl ist nötig?

  • a) 200 1/min
  • b) 480 1/min
  • c) 19200 1/min
  • d) 300 1/min

Richtig: d)

n = v / P = 2400 / 8 = 300 1/min. (a) und (b) ergeben sich aus falschen Divisionen, (c) entsteht durch Multiplikation statt Division.

Warum taktet der Drehzahlregelkreis langsamer als der Stromregelkreis?

  • a) Weil der Geber nur langsam messen kann
  • b) Weil die mechanische Trägheit der Achse träger reagiert als der elektrische Strom und ein schnellerer Takt der Stabilität schadet
  • c) Weil der Drehzahlregler weniger Rechenleistung hat
  • d) Weil der Stromregler sonst ausfällt

Richtig: b)

Die Mechanik kann einer Drehzahländerung nicht so schnell folgen wie der Strom; einen Drehzahlregler schneller zu takten als die Mechanik reagiert, bringt keinen Nutzen und kann den Regelkreis sogar instabil machen. (a), (c) und (d) sind technisch nicht der Grund.

4. Der Lageregelkreis — exakt positionieren

Ganz außen sitzt der Lageregelkreis. Er ist der langsamste der drei, und seine Aufgabe ist die Position. Der Lageregler vergleicht die Sollposition mit der Istposition und gibt als Stellgröße einen Drehzahlsollwert an den unterlagerten Drehzahlkreis weiter. Damit ist die Kaskade komplett: Lage gibt Drehzahl vor, Drehzahl gibt Strom vor, Strom stellt das Moment.

Den Lageistwert liefert wieder der Geber, indem der Antriebsregler die Inkremente zählt, die der Geber pro Umdrehung ausgibt. Aus der Geberauflösung und der Mechanik ergibt sich, wie fein die Achse aufgelöst werden kann — welcher Weg also einem einzelnen Geberinkrement entspricht.

Beim Lageregler genügt oft schon ein reiner P-Anteil. Der Grund: Die unterlagerten Kreise haben die schnelle Dynamik bereits erledigt. Der Lageregler muss nur noch dafür sorgen, dass die Abweichung zwischen Soll- und Istposition klein bleibt. Diese Abweichung während einer Bewegung hat einen eigenen Namen: den Schleppfehler (auch Schleppabstand oder Folgefehler genannt).

Der Schleppfehler ist die Strecke, um die der Istwert dem Sollwert hinterherhinkt, solange sich die Achse bewegt. Bei einem P-Lageregler ist er nicht null, sondern stellt sich proportional zur Geschwindigkeit: je schneller die Achse fährt, desto größer der Schleppfehler. Das Verhältnis zwischen Verfahrgeschwindigkeit und Schleppfehler beschreibt die zentrale Kenngröße des Lageregelkreises, den Kv-Faktor (Kreisverstärkung):

Kv = v / ds

  • Kv … Kv-Faktor in (m/min)/mm bzw. 1/min als Geschwindigkeitsverstärkung
  • v … Verfahrgeschwindigkeit in mm/min
  • ds … Schleppfehler in mm

Ein hoher Kv-Faktor bedeutet: bei gegebener Geschwindigkeit bleibt der Schleppfehler klein — die Achse folgt dem Sollwert eng. Stellt man umgekehrt die Formel um, lässt sich der zu erwartende Schleppfehler bei bekannter Geschwindigkeit vorhersagen: ds = v / Kv. Genau an diesem Kv-Faktor wird bei der Inbetriebnahme von Servoachsen justiert. Ein zu kleiner Wert macht die Achse ungenau, ein zu großer treibt sie an die Stabilitätsgrenze.

Gelöstes Beispiel

Eine Servoachse verfährt mit 6000 mm/min. Der gemessene Schleppfehler beträgt 2 mm. Wie groß ist der Kv-Faktor?

Gegeben: v = 6000 mm/min, ds = 2 mm

Gesucht: Kv-Faktor

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: Kv = v / ds
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: Kv = 6000 mm/min / 2 mm

Ergebnis: Kv = 3000 1/min

Übungen

Eine Achse fährt mit 4500 mm/min, Schleppfehler 1,5 mm. Wie groß ist der Kv-Faktor?

Kv = 4500 / 1,5 = 3000 1/min

Der Kv-Faktor einer Achse beträgt 2500 1/min. Bei welcher Geschwindigkeit (mm/min) ergibt sich ein Schleppfehler von 2 mm?

v = Kv · ds = 2500 · 2 = 5000 mm/min

Eine Achse hat Kv = 4000 1/min und verfährt mit 8000 mm/min. Welcher Schleppfehler stellt sich ein?

ds = v / Kv = 8000 / 4000 = 2 mm

Zwei Achsen einer Maschine sollen bahntreu zusammenarbeiten. Achse 1 hat Kv = 3000 1/min, Achse 2 Kv = 2000 1/min. Beide fahren mit 6000 mm/min. Wie groß ist der Schleppfehler-Unterschied?

Achse 1: ds = 6000 / 3000 = 2 mm; Achse 2: ds = 6000 / 2000 = 3 mm; Unterschied = 1 mm. Für Bahntreue müssten beide Kv-Faktoren gleich sein.

Eine Achse soll bei 10000 mm/min einen Schleppfehler von höchstens 2,5 mm haben. Welcher Kv-Faktor ist mindestens nötig?

Kv = v / ds = 10000 / 2,5 = 4000 1/min

Was ist der Schleppfehler bei einer Servoachse?

  • a) Der Messfehler des Gebers
  • b) Der Abstand zweier Achsen zueinander
  • c) Die Differenz zwischen Sollmoment und Istmoment
  • d) Die Wegabweichung, um die der Istwert dem Sollwert während der Bewegung hinterherläuft

Richtig: d)

Der Schleppfehler beschreibt, wie weit die Istposition der Sollposition während einer Bewegung hinterherhinkt. Bei einem P-Lageregler ist er proportional zur Geschwindigkeit. (a) ist ein Gebermangel, (b) und (c) beschreiben andere Größen.

Eine Achse mit Kv = 2000 1/min verfährt mit 5000 mm/min. Welcher Schleppfehler stellt sich ein?

  • a) 0,4 mm
  • b) 10 mm
  • c) 2,5 mm
  • d) 0,0004 mm

Richtig: c)

ds = v / Kv = 5000 / 2000 = 2,5 mm. (a) entsteht aus der Kehrwert-Verwechslung, (b) aus falscher Multiplikation, (d) aus Einheitenfehlern.

Warum genügt im Lageregelkreis oft ein reiner P-Anteil?

  • a) Weil Lagegenauigkeit unwichtig ist
  • b) Weil die unterlagerten Strom- und Drehzahlkreise die schnelle Dynamik bereits übernehmen und der Lageregler nur die Abweichung klein halten muss
  • c) Weil ein I-Anteil die Lage grundsätzlich verschlechtert
  • d) Weil der Geber keinen I-Anteil zulässt

Richtig: b)

Die schnelle Ausregelung erledigen die inneren Kreise; der äußere Lageregler muss nur den Schleppfehler in Grenzen halten, wofür ein P-Anteil meist reicht. (a) ist falsch — gerade Genauigkeit ist seine Aufgabe, (c) und (d) sind sachlich unzutreffend.

Zwei Achsen sollen bahntreu eine Diagonale fahren. Welche Bedingung muss erfüllt sein?

  • a) Beide müssen denselben Kv-Faktor haben, damit bei gleicher Geschwindigkeit der gleiche Schleppfehler auftritt
  • b) Beide müssen unterschiedliche Kv-Faktoren haben
  • c) Eine Achse muss schneller fahren als die andere
  • d) Der Kv-Faktor spielt für die Bahntreue keine Rolle

Richtig: a)

Bei unterschiedlichem Kv-Faktor entstehen bei gleicher Geschwindigkeit unterschiedliche Schleppfehler, und die resultierende Bahn weicht von der gewünschten Diagonale ab. Nur gleiche Kv-Faktoren sichern Bahntreue. (b), (c) und (d) führen zu Konturfehlern.

5. Das Zusammenspiel der Kaskade — Sollwertkette und Dynamik

Jetzt setzen wir die drei Kreise zusammen. Die Sollwertkette läuft von außen nach innen: Der Lageregler erzeugt aus der Lageabweichung einen Drehzahlsollwert, der Drehzahlregler daraus einen Stromsollwert, der Stromregler stellt schließlich über die Endstufe den Motorstrom. Die Istwerte laufen den umgekehrten Weg zurück — Strom, Drehzahl und Lage werden gemessen und in ihren jeweiligen Kreis zurückgeführt.

Hier das vollständige Schema der Kaskade:

Lage- sollwert Lage- regler (P) n-soll Drehzahl- regler (PI) I-soll Strom- regler Motor + Endstufe Achse Strom-Istwert Drehzahl-Istwert (Geber) Lage-Istwert (Geber)

Auffällig ist die Reihenfolge der Dynamik: innen schnell, außen langsam. Der Stromkreis taktet am schnellsten, der Drehzahlkreis langsamer, der Lagekreis am langsamsten. Das ist kein Zufall, sondern Bedingung für Stabilität. Ein unterlagerter Kreis muss seinen Sollwert ausgeregelt haben, bevor der überlagerte den nächsten Sollwert nachschiebt. Als grobe Faustregel ist jeder innere Kreis um etwa den Faktor drei bis füne schneller (höhere Bandbreite) als der nächstäußere. Versucht man, einen äußeren Kreis schneller zu machen als den inneren, beginnt das System zu schwingen.

Daraus folgt auch die richtige Reihenfolge beim Abstimmen (Tuning): von innen nach außen. Zuerst wird der Stromregler eingestellt, dann der Drehzahlregler, zuletzt der Lageregler. Würde man außen anfangen, hätte der äußere Kreis keinen stabilen inneren Kreis, auf den er sich verlassen kann.

Es bleibt aber ein Problem: Selbst ein gut abgestimmter P-Lageregler erzeugt während jeder Bewegung einen Schleppfehler — der Istwert hinkt dem Sollwert grundsätzlich hinterher, weil der Regler erst auf eine entstandene Abweichung reagiert. Genau hier setzt die Vorsteuerung (englisch feedforward) an.

Die Idee der Vorsteuerung ist einfach: Statt zu warten, bis eine Abweichung entsteht, und erst dann gegenzusteuern, reicht man einen passenden Sollwert vorausschauend direkt an den unterlagerten Kreis durch — am Regler vorbei. Bei der Drehzahlvorsteuerung etwa wird die aus der Sollbahn bekannte gewünschte Geschwindigkeit direkt auf den Drehzahlsollwert addiert, ohne den Umweg über die Lageabweichung. Der Lageregler muss dann nur noch den kleinen Rest ausregeln. Eine zusätzliche Beschleunigungsvorsteuerung rechnet das beim Anfahren nötige Moment vorausschauend auf den Stromsollwert auf. Das Ergebnis: Der Schleppfehler wird dynamisch gegen null gedrückt, ohne dass man den Lageregler aggressiv und damit instabil einstellen müsste. Bei hochdynamischen Servoachsen mit hoher Bahntreue ist die Vorsteuerung deshalb praktisch unverzichtbar.

In welcher Reihenfolge wird eine Servo-Kaskade abgestimmt?

  • a) Von außen nach innen: zuerst Lage, dann Drehzahl, dann Strom
  • b) Von innen nach außen: zuerst Strom, dann Drehzahl, dann Lage
  • c) Alle Kreise gleichzeitig
  • d) Die Reihenfolge ist beliebig

Richtig: b)

Der äußere Kreis verlässt sich auf einen bereits stabilen inneren Kreis. Deshalb stimmt man zuerst den Stromregler ab, dann den Drehzahlregler, zuletzt den Lageregler. (a) kehrt das um, (c) und (d) führen zu instabilem Verhalten.

Warum muss ein innerer Regelkreis schneller sein als der ihn überlagernde?

  • a) Weil der innere Kreis sonst zu wenig Strom liefert
  • b) Weil der äußere Kreis mehr Rechenleistung braucht
  • c) Weil der geber sonst nicht misst
  • d) Weil der überlagerte Kreis erst dann sinnvoll Sollwerte vorgeben kann, wenn der innerer Kreis sie schon ausgeregelt hat — sonst schwingt das System

Richtig: d)

Ein überlagerter Kreis darf den nächsten Sollwert erst nachschieben, wenn der unterlagerte den vorigen umgesetzt hat. Ist der äußere schneller als der innere, gerät die Kaskade ins Schwingen. (a), (b) und (c) sind nicht der Grund.

Was bewirkt die Vorsteuerung (Feedforward) im Lageregelkreis?

  • a) Sie ersetzt den Geber
  • b) Sie erhöht den Schleppfehler bewusst
  • c) Sie reicht Sollwerte vorausschauend am Regler vorbei direkt an den unterlagerten Kreis durch und verringert so den Schleppfehler
  • d) Sie schaltet den Stromregler ab

Richtig: c)

Die Vorsteuerung gibt die bekannte Soll-Geschwindigkeit bzw. -Beschleunigung direkt weiter, statt erst auf eine Abweichung zu warten. Dadurch sinkt der Schleppfehler dynamisch gegen null, ohne den Lageregler instabil hoch einzustellen. (a), (b) und (d) sind sachlich falsch.

Ein gefräster Kreis fällt ohne Vorsteuerung etwas zu klein aus. Was ist die Ursache?

  • a) Die Achsen schleppen während der Bewegung nach, sodass die Istbahn der Sollbahn hinterherhinkt
  • b) Der Motor ist zu schwach
  • c) Der Geber zählt falsch
  • d) Die Spindelsteigung ist falsch eingestellt

Richtig: a)

Ohne Vorsteuerung entsteht an jeder Achse ein geschwindigkeitsabhängiger Schleppfehler; bei einer Kreisbahn führt das nachhinkende Folgen zu einem Konturfehler — der Radius wird kleiner. Mit Vorsteuerung verschwindet der Effekt weitgehend. (b), (c) und (d) wären andere, eigenständige Fehlerbilder.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Servomotor hat eine Momentkonstante von 1,1 Nm/A. Welches Drehmoment liefert er bei einem drehmomentbildenden Strom von 9 A?

Gegeben: kt = 1,1 Nm/A; Iq = 9 A

Gesucht: Drehmoment M in Nm

Lösungsweg:

M = kt · Iq = 1,1 · 9

Ergebnis: M = 9,9 Nm

Aufgabe 2: Ein Servo soll ein Moment von 15 Nm liefern, kt = 0,75 Nm/A. Welcher Strom ist nötig, und reicht eine Endstufe mit 18 A Grenzstrom?

Gegeben: M = 15 Nm; kt = 0,75 Nm/A; Igrenz = 18 A

Gesucht: Strom I in A

Lösungsweg:

I = M / kt = 15 / 0,75 = 20 A

Ergebnis: I = 20 A — die Endstufe mit 18 A reicht nicht aus, das geforderte Moment wird nicht erreicht.

Aufgabe 3: Eine Achse mit Spindelsteigung 6 mm soll mit 3600 mm/min verfahren. Welche Motordrehzahl ist nötig?

Gegeben: v = 3600 mm/min; P = 6 mm/U

Gesucht: Drehzahl n in 1/min

Lösungsweg:

n = v / P = 3600 / 6

Ergebnis: n = 600 1/min

Aufgabe 4: Ein Motor läuft mit 450 1/min an einer Spindel mit 10 mm Steigung. Welche Vorschubgeschwindigkeit ergibt sich in mm/min und in mm/s?

Gegeben: n = 450 1/min; P = 10 mm/U

Gesucht: v in mm/min und mm/s

Lösungsweg:

v = n · P = 450 · 10 = 4500 mm/min; pro Sekunde 4500 / 60

Ergebnis: v = 4500 mm/min = 75 mm/s

Aufgabe 5: Eine Servoachse verfährt mit 7500 mm/min, der Schleppfehler beträgt 2,5 mm. Wie groß ist der Kv-Faktor?

Gegeben: v = 7500 mm/min; ds = 2,5 mm

Gesucht: Kv-Faktor

Lösungsweg:

Kv = v / ds = 7500 / 2,5

Ergebnis: Kv = 3000 1/min

Aufgabe 6: Eine Achse hat einen Kv-Faktor von 2500 1/min. Welcher Schleppfehler stellt sich bei einer Verfahrgeschwindigkeit von 10000 mm/min ein?

Gegeben: Kv = 2500 1/min; v = 10000 mm/min

Gesucht: Schleppfehler ds in mm

Lösungsweg:

ds = v / Kv = 10000 / 2500

Ergebnis: ds = 4 mm

Aufgabe 7: Zwei zusammenarbeitende Achsen haben Kv1 = 4000 1/min und Kv2 = 2000 1/min und fahren beide mit 8000 mm/min. Wie groß ist der Schleppfehler-Unterschied, und was bedeutet das für die Bahntreue?

Gegeben: Kv1 = 4000 1/min; Kv2 = 2000 1/min; v = 8000 mm/min

Gesucht: Differenz der Schleppfehler

Lösungsweg:

ds1 = 8000 / 4000 = 2 mm; ds2 = 8000 / 2000 = 4 mm; Differenz = 2 mm

Ergebnis: Unterschied 2 mm. Die ungleichen Kv-Faktoren führen zu unterschiedlichem Nachschleppen und damit zu Konturfehlern — für Bahntreue müssten beide Kv-Faktoren gleich sein.

Welche Größe regelt der innerste Kreis der Servo-Kaskade?

  • a) Die Lage
  • b) Die Drehzahl
  • c) Den Strom (und damit das Drehmoment)
  • d) Die Spindelsteigung

Richtig: c)

Der innerste, schnellste Kreis ist der Stromregelkreis; über den Strom regelt er das Drehmoment. Lage (a) und Drehzahl (b) sind die äußeren Kreise, (d) ist eine feste mechanische Größe.

Ein AC-Servo regelt über die feldorientierte Regelung gezielt welche Stromkomponente, um Moment zu erzeugen?

  • a) Den flussbildenden Anteil Id
  • b) Den Gleichanteil des Zwischenkreises
  • c) Den Erregerstrom der Feldwicklung
  • d) Den drehmomentbildenden Anteil Iq

Richtig: d)

Bei der FOC wird der Strom in Id und Iq zerlegt; das Moment entsteht über den drehmomentbildenden Anteil Iq, während Id im Normalbetrieb auf null geregelt wird. (a) ist der flussbildende Anteil, (b) und (c) treffen auf den PMSM-Servo so nicht zu.

Was gibt der Lageregler als Stellgröße an den unterlagerten Kreis weiter?

  • a) Einen Stromsollwert
  • b) Eine PWM-Spannung
  • c) Einen Drehzahlsollwert
  • d) Ein Drehmoment

Richtig: c)

In der Kaskade gibt der Lageregler einen Drehzahlsollwert an den Drehzahlkreis weiter. Den Stromsollwert (a) erzeugt erst der Drehzahlregler, die PWM-Spannung (b) der Stromregler, ein direktes Drehmoment (d) wird gar nicht als Sollwert gereicht.

Warum ist beim Lageregler oft ein reiner P-Anteil ausreichend?

  • a) Weil Lagegenauigkeit unwichtig ist
  • b) Weil ein I-Anteil den Geber stört
  • c) Weil P-Regler grundsätzlich genauer sind als PI-Regler
  • d) Weil die inneren Kreise die schnelle Dynamik bereits erledigen und der Lageregler nur die Abweichung klein halten muss

Richtig: d)

Die schnelle Ausregelung übernehmen Strom- und Drehzahlkreis; der Lageregler muss nur den Schleppfehler begrenzen. (a) ist falsch, (b) und (c) sind sachlich unzutreffend — ein PI-Regler ist im Beharrungszustand sogar genauer.

Ein Servo mit kt = 0,8 Nm/A wird mit 12 A drehmomentbildendem Strom betrieben. Welches Moment ergibt sich?

  • a) 9,6 Nm
  • b) 15 Nm
  • c) 0,067 Nm
  • d) 96 Nm

Richtig: a)

M = kt · Iq = 0,8 · 12 = 9,6 Nm. (b) entsteht aus Division, (c) aus vertauschten Größen, (d) aus einem Faktor-10-Fehler.

Warum müssen innere Regelkreise eine höhere Bandbreite haben als äußere?

  • a) Weil sonst der äußere Kreis Sollwerte schneller vorgibt, als der innere sie umsetzen kann, und das System schwingt
  • b) Weil der innere Kreis mehr Strom benötigt
  • c) Weil der äußere Kreis sonst überhitzt
  • d) Weil der Geber sonst zu schnell zählt

Richtig: a)

Der unterlagerte Kreis muss seinen Sollwert ausgeregelt haben, bevor der überlagerte den nächsten nachschiebt. Ist der äußere schneller, wird die Kaskade instabil. (b), (c) und (d) sind nicht der Grund.

Eine Achse mit Spindelsteigung 8 mm soll mit 4800 mm/min verfahren. Welche Motordrehzahl ist nötig?

  • a) 600 1/min
  • b) 384 1/min
  • c) 38400 1/min
  • d) 150 1/min

Richtig: a)

n = v / P = 4800 / 8 = 600 1/min. (b) und (c) ergeben sich aus Multiplikation statt Division, (d) aus einem falschen Divisor.

Welchen Zweck hat die Vorsteuerung in einem Servo-Lageregelkreis?

  • a) Sie erhöht den Schleppfehler, um die Achse zu bremsen
  • b) Sie ersetzt den Stromregelkreis
  • c) Sie misst die Istposition
  • d) Sie reicht den Soll-Geschwindigkeitswert vorausschauend am Regler vorbei durch und drückt den Schleppfehler gegen null

Richtig: d)

Die Vorsteuerung gibt bekannte Soll-Größen direkt an den unterlagerten Kreis weiter, statt auf eine Abweichung zu warten. Der Schleppfehler sinkt dynamisch, ohne den Lageregler instabil hochzudrehen. (a), (b) und (c) sind falsch.

Bei welcher Maschinensituation macht sich ein zu unterschiedlicher Kv-Faktor zweier Achsen am deutlichsten bemerkbar?

  • a) Beim gemeinsamen Verfahren auf einer Bahn, etwa einer Kreis- oder Diagonalkontur
  • b) Beim Stillstand der Maschine
  • c) Beim Einschalten der Steuerung
  • d) Bei der Messung des Motorstroms

Richtig: a)

Im Stillstand gibt es keinen Schleppfehler. Erst bei gemeinsamer Bahnbewegung führen ungleiche Kv-Faktoren zu unterschiedlichem Nachschleppen und damit zu Konturfehlern. (b), (c) und (d) zeigen den Effekt nicht.

Welche Aussage zur Taktung der drei Kreise ist richtig?

  • a) Alle drei Kreise takten gleich schnell
  • b) Der Lagekreis taktet am schnellsten
  • c) Der Stromkreis taktet am schnellsten, der Lagekreis am langsamsten
  • d) Der Drehzahlkreis taktet schneller als der Stromkreis

Richtig: c)

Innen schnell, außen langsam: Der Stromkreis hat die kürzesten Taktzeiten, der Lagekreis die längsten. (a), (b) und (d) widersprechen dem Stabilitätsprinzip der Kaskade.

Eine Achse soll bei 12000 mm/min einen Schleppfehler von höchstens 3 mm aufweisen. Welcher Kv-Faktor ist mindestens erforderlich?

  • a) 2000 1/min
  • b) 3000 1/min
  • c) 36000 1/min
  • d) 4000 1/min

Richtig: d)

Kv = v / ds = 12000 / 3 = 4000 1/min. Ein kleinerer Wert (a, b) ergäbe einen größeren Schleppfehler, (c) entsteht aus einer Multiplikation.

Was misst der Geber beim Servoantrieb und für welche Kreise wird sein Signal genutzt?

  • a) Nur den Strom, ausschließlich für den Stromkreis
  • b) Lage und daraus abgeleitet die Drehzahl, genutzt für Lage- und Drehzahlkreis
  • c) Nur das Drehmoment
  • d) Die Zwischenkreisspannung

Richtig: b)

Der Geber liefert die Lageinformation; aus deren zeitlicher Änderung wird die Drehzahl ermittelt. Damit speist er sowohl den Lage- als auch den Drehzahlkreis. Der Strom (a) wird getrennt gemessen, (c) und (d) sind andere Größen.

Glossar

Servoregelung
Regelung eines Servoantriebs über drei verschachtelte (kaskadierte) Regelkreise für Strom, Drehzahl und Lage.
Kaskadenregelung
Anordnung mehrerer Regelkreise ineinander, bei der der äußere Kreis dem nächstinneren seinen Sollwert vorgibt.
Stromregelkreis
innerster und schnellster Regelkreis des Servos; regelt über den Motorstrom das Drehmoment.
Momentkonstante (kt)
Motorkenngröße, die angibt, wie viel Drehmoment pro Ampere Motorstrom entsteht (M = kt · I).
Feldorientierte Regelung (FOC)
Verfahren bei AC-Servomotoren, das den Strom in einen flussbildenden Anteil Id und einen drehmomentbildenden Anteil Iq zerlegt und gezielt Iq aussteuert.
Drehzahlregelkreis
mittlerer Regelkreis; gibt dem Stromkreis den Stromsollwert vor und hält die Drehzahl auf dem Sollwert.
Lageregelkreis
äußerster und langsamster Regelkreis; gibt dem Drehzahlkreis den Drehzahlsollwert vor und hält die Position.
Schleppfehler
Wegabweichung, um die der Istwert dem Sollwert während einer Bewegung hinterherläuft; auch Schleppabstand oder Folgefehler genannt.
Kv-Faktor
Kreisverstärkung des Lageregelkreises; Verhältnis von Verfahrgeschwindigkeit zu Schleppfehler (Kv = v / ds), zentrale Einstellgröße bei der Inbetriebnahme.
Spindelsteigung
Weg, den eine Achse pro Motorumdrehung über eine Gewindespindel zurücklegt; verknüpft Vorschubgeschwindigkeit und Drehzahl.
Vorsteuerung (Feedforward)
vorausschauendes Durchreichen bekannter Sollwerte am Regler vorbei direkt an den unterlagerten Kreis, um den Schleppfehler dynamisch gegen null zu drücken.

Scroll to Top