Dreieckschaltung (Δ)

Drei Wicklungen — zu einem geschlossenen Ring verbunden. Genau das ist die Dreieckschaltung. An jede Wicklung legt sich die volle Außenleiterspannung an, dafür teilt sich der Strom im Knoten auf. Aus dieser Anordnung folgen zwei einfache Merksätze, die in jeder Drehstrom-Berechnung gebraucht werden: Strangspannung gleich Außenleiterspannung — aber Außenleiterstrom gleich √3 mal Strangstrom.

Vorwissen

  • Drehstromsystem: Strang- und Außenleiterspannung
  • Sternschaltung (Y)
  • Was ist Drehstrom? – Erzeugung und Grundprinzip

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Aufbau einer Dreieckschaltung an Wicklungen und am Klemmbrett erkennen
  • begründen, warum im Dreieck Strangspannung und Außenleiterspannung gleich sind
  • den Zusammenhang zwischen Strangstrom und Außenleiterstrom mit dem Faktor √3 anwenden
  • Stern- und Dreieckschaltung gegenüberstellen und für einen konkreten Fall die passende Schaltung wählen
  • typische Berechnungen für einen im Dreieck angeschlossenen Verbraucher durchführen

1. Aufbau und Grundprinzip der Dreieckschaltung

Bei der Dreieckschaltung werden die drei Wicklungen so verbunden, dass das Ende der einen Wicklung mit dem Anfang der nächsten zusammengeschlossen wird. Es entsteht ein geschlossener Ring in Form eines Dreiecks. An den drei Eckpunkten dieses Dreiecks werden die drei Außenleiter L1, L2 und L3 angeschlossen.

Konkret bedeutet das für die genormten Klemmenbezeichnungen bei einem Drehstrommotor:

  • W2 wird mit U1 verbunden — hier kommt L1 an
  • U2 wird mit V1 verbunden — hier kommt L2 an
  • V2 wird mit W1 verbunden — hier kommt L3 an

Einen Neutralleiter gibt es nicht. Das ist auch nicht möglich: Im Dreieck existiert kein gemeinsamer Punkt der drei Wicklungen, an dem ein N-Leiter angeschlossen werden könnte. Das ist der wesentliche bauliche Unterschied zur Sternschaltung, bei der genau dieser gemeinsame Punkt — der Sternpunkt — als möglicher N-Anschluss vorhanden ist.

Das Schaltungssymbol ist der griechische Großbuchstabe Δ (Delta) — daher der Name.

Am Klemmbrett eines Drehstrommotors sind die sechs Wicklungsenden in zwei versetzten Reihen angeordnet:

Reihe oben W2 U2 V2
Reihe unten U1 V1 W1

Diese versetzte Anordnung ist kein Zufall. Sie ist genau so gewählt, dass mit drei senkrechten Brücken — jeweils zwischen einer oberen und der direkt darunterliegenden unteren Klemme — die Dreieckschaltung entsteht. Eine Brücke verbindet W2 mit U1, eine V1 mit U2 und eine W1 mit V2. Genau die drei Verbindungen, die das Dreieck schließen. Die drei Außenleiter werden auf die unteren Klemmen U1, V1, W1 aufgelegt.

Die motorspezifischen Details zur Schaltungsumstellung am Klemmbrett behandelt der Beitrag Schaltungsarten Stern und Dreieck am Motor.

Schematische Dreieckschaltung Klemmbrett mit Brücken (Δ) L1 L2 L3 U1 = W2 V1 = U2 W1 = V2 Wicklung U Wicklung V Wicklung W W2 U2 V2 U1 V1 W1 L1 L2 L3 Drei senkrechte Brücken (blau) verbinden W2–U1, U2–V1 und V2–W1.

Welche Aussage zur Verschaltung im Dreieck ist korrekt?

  • a) Alle drei Wicklungsenden U2, V2, W2 werden in einem Punkt zusammengeführt
  • b) Jede Wicklung ist zwischen Außenleiter und Sternpunkt geschaltet
  • c) Eine Wicklung dient als Rückleiter für die beiden anderen
  • d) Wicklungsende und Anfang der nächsten Wicklung sind jeweils miteinander verbunden

Richtig: d)

Erklärung: Im Dreieck bildet sich ein geschlossener Ring aus drei Wicklungen, indem U2 mit V1, V2 mit W1 und W2 mit U1 verbunden werden. Antwort a beschreibt den Sternpunkt, der nur in der Sternschaltung existiert. Antwort b beschreibt ebenfalls die Sternschaltung. Antwort c ist physikalisch falsch — alle drei Wicklungen sind gleichberechtigt im Ring.

Warum ist im Dreieck kein Neutralleiter anschließbar?

  • a) Weil die Außenleiterspannung dafür zu hoch ist
  • b) Weil im Dreieck kein gemeinsamer Verbindungspunkt der drei Wicklungen existiert
  • c) Weil der Neutralleiter durch eine der drei Wicklungen ersetzt wird
  • d) Weil die Wicklungen für N-Anschluss falsch gepolt wären

Richtig: b)

Erklärung: Ein Neutralleiter braucht einen gemeinsamen Punkt aller Wicklungen — den Sternpunkt. Im Dreieck schließt sich der Ring vollständig, einen solchen Punkt gibt es nicht. Die Spannungshöhe spielt keine Rolle, und die Polung der Wicklungen ist neutral.

Wie viele Brücken werden auf dem genormten Motorklemmbrett für die Dreieckschaltung gesetzt?

  • a) Drei senkrechte Brücken zwischen jeweils einer oberen und einer unteren Klemme
  • b) Zwei waagerechte Brücken
  • c) Eine Brücke, die alle drei oberen Klemmen verbindet
  • d) Sechs Einzelbrücken, eine pro Klemmenpaar

Richtig: a)

Erklärung: Für das Dreieck werden genau drei senkrechte Brücken gesetzt (W2–U1, U2–V1, V2–W1). Antwort c entspricht der Sternschaltung mit einer einzelnen waagerechten Brücke. Antwort b und d treffen nicht zu — drei Brücken reichen aus, weil jede genau eine notwendige Verbindung schließt.

2. Spannungen im Dreieck: Strang gleich Außenleiter

In einer Drehstromschaltung gibt es immer zwei Sorten von Spannung, die man auseinanderhalten muss.

Die Strangspannung liegt über einer einzelnen Wicklung. Sie ist die Spannung, mit der die Wicklung im Betrieb belastet wird. Die Belastung jeder Wicklung hängt direkt von der Strangspannung ab.

Die Außenleiterspannung liegt zwischen zwei Außenleitern. Sie ist die Spannung, die im Netz vorhanden ist — bei der üblichen Netzform in Österreich beträgt sie 400 V.

Bei der Dreieckschaltung liegt jede Wicklung direkt zwischen zwei Außenleitern. Die Spannung an einer Wicklung ist damit nichts anderes als die Spannung zwischen den beiden Außenleitern, an die sie angeschlossen ist:

U_Strang = U_Außenleiter

  • U_Strang …….. Strangspannung in V
  • U_Außenleiter … Außenleiterspannung in V

An einem 400-V-Netz liegt also an jeder Wicklung die volle Spannung von 400 V an.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Sternschaltung. Dort ist jede Wicklung zwischen Außenleiter und Sternpunkt geschaltet, und die Strangspannung beträgt nur den √3-ten Teil der Außenleiterspannung — also 230 V bei einem 400-V-Netz. Die Konsequenz im Dreieck: Jede Wicklung muss für die volle Außenleiterspannung ausgelegt sein. Steht auf dem Typenschild eines Motors zum Beispiel „400 V Δ / 690 V Y“, dann ist die Wicklung für 400 V Strangspannung gebaut. Am 400-V-Netz wird er im Dreieck betrieben; am 690-V-Netz wäre nur die Sternschaltung möglich.

An einem Drehstrommotor in Dreieckschaltung am 400-V-Netz wird mit einem Multimeter die Spannung an einer Wicklung gemessen. Welcher Wert wird angezeigt?

  • a) 400 V
  • b) 230 V
  • c) 692 V
  • d) Sie ist nicht messbar, weil die Wicklung sonst kurzgeschlossen wäre

Richtig: a)

Erklärung: Im Dreieck liegt jede Wicklung direkt zwischen zwei Außenleitern, also liegt die volle Außenleiterspannung von 400 V an. 230 V wäre die Strangspannung im Stern. 692 V wäre √3 · 400 V — ein Wert, der bei einem Spannungsteiler in einer anderen Konstellation auftauchen kann, hier aber nicht. Eine Messung ist im Betrieb selbstverständlich möglich, sofern Sicherheitsregeln eingehalten werden.

Ein Motor trägt auf dem Typenschild die Angabe „400 V Δ / 690 V Y“. An welches Netz darf er im Dreieck angeschlossen werden?

  • a) 230-V-Netz
  • b) 400-V-Netz
  • c) 690-V-Netz
  • d) Beliebiges Netz, weil die Schaltung selbstanpassend ist

Richtig: b)

Erklärung: Die erste Angabe gilt für die Dreieckschaltung — die Wicklung verträgt 400 V als Strangspannung. Da im Dreieck Strangspannung gleich Außenleiterspannung ist, muss das Netz genau 400 V liefern. Am 690-V-Netz wäre nur die Sternschaltung erlaubt, da dort die Strangspannung 690/√3 ≈ 400 V beträgt. Am 230-V-Netz wäre der Motor unterversorgt.

3. Ströme im Dreieck: Strang und Außenleiter unterscheiden sich um √3

Beim Strom ist es im Dreieck genau umgekehrt zur Spannung — sie sind nicht gleich, sondern unterscheiden sich um den Faktor √3.

Der Strangstrom fließt durch eine einzelne Wicklung. Er ist die Belastung, die jede Wicklung tatsächlich abbekommt.

Der Außenleiterstrom fließt in der Zuleitung, also durch L1, L2 oder L3. Er ist der Strom, den der Motorschutzschalter sieht und den der Stromzähler erfasst.

An jedem der drei Eckpunkte des Dreiecks treffen sich zwei Strangströme und ein Außenleiterstrom. Würden die Strangströme zur gleichen Zeit gleich groß sein, wäre die Sache einfach: Der Außenleiterstrom wäre genau der doppelte oder gar null. Genau das ist aber nicht der Fall. Die drei Strangströme im Dreieck sind um jeweils 120° gegeneinander phasenverschoben — sie erreichen ihre Maxima zu verschiedenen Zeitpunkten. Deshalb müssen die Ströme im Knoten nicht arithmetisch, sondern vektoriell verrechnet werden.

Das Ergebnis dieser vektoriellen Verrechnung ist sauber:

I_Außenleiter = √3 · I_Strang

  • I_Außenleiter … Außenleiterstrom in A
  • I_Strang …….. Strangstrom in A
  • √3 …………… ≈ 1,732

Anders herum:

I_Strang = I_Außenleiter / √3

Anschaulich wird das im Zeigerdiagramm. Die beiden Strangströme, die im Knoten zusammenkommen, werden als Pfeile gleicher Länge eingezeichnet — der eine fließt in den Knoten hinein, der andere fließt heraus. Wegen der 120°-Phasenverschiebung liegt zwischen ihnen ein Winkel von 60° (wenn man den einen Zeiger umdreht, weil er ja entgegengesetzt zählt). Die Differenz dieser beiden Zeiger — und das ist nach der Knotenregel der Außenleiterstrom — wird über das Kräfteparallelogramm gebildet und hat exakt die √3-fache Länge eines einzelnen Strangstrom-Zeigers.

Knotenpunkt an einer Ecke des Dreiecks Zeigerdiagramm: I_Außenleiter = I_Strang 1 − I_Strang 2 I_Strang 1 I_Strang 2 I_Außenleiter Knotenregel: I_Außenleiter = I_Strang 1 − I_Strang 2 I_Strang 1 −I_Strang 2 I_Außenleiter I_Strang 2 (gestrichelt: Originalrichtung) Die Resultierende ist √3 mal so lang wie ein einzelner Strangstrom.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor ist im Dreieck am 400-V-Netz angeschlossen. Durch jede Wicklung fließt ein Strangstrom von 8 A. Wie groß ist der Außenleiterstrom?

Gegeben:

  • I_Strang = 8 A
  • U = 400 V (für die Aufgabe nicht weiter benötigt)

Gesucht: I_Außenleiter in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel anwenden:
    I_Außenleiter = √3 · I_Strang
  2. Schritt 2 — Einsetzen:
    I_Außenleiter = √3 · 8 A ≈ 1,732 · 8 A

Ergebnis: I_Außenleiter ≈ 13,86 A

Übungen

Durch jede Wicklung einer im Dreieck geschalteten Heizung fließt ein Strangstrom von 6 A. Wie groß ist der Außenleiterstrom?

I_Außenleiter = √3 · 6 A ≈ 10,39 A

An einem im Dreieck angeschlossenen Drehstromverbraucher wird mit einer Stromzange in der Zuleitung 25 A gemessen. Welcher Strangstrom fließt durch eine Wicklung?

I_Strang = 25 A / √3 ≈ 14,43 A

Ein Motor in Dreieckschaltung zieht laut Typenschild 12 A. Welche Belastung hat eine einzelne Wicklung in Ampere?

Die Typenschild-Stromangabe ist der Außenleiterstrom: I_Strang = 12 A / √3 ≈ 6,93 A

Eine im Dreieck geschaltete Heizwendel hat pro Strang einen ohmschen Widerstand von 20 Ω. Sie wird am 400-V-Netz betrieben. Welchen Strangstrom und welchen Außenleiterstrom zieht sie?

U_Strang = 400 V; I_Strang = 400 V / 20 Ω = 20 A; I_Außenleiter = √3 · 20 A ≈ 34,64 A

Ein im Dreieck geschalteter Verbraucher zieht einen Außenleiterstrom von 30 A bei 400 V Netzspannung. Welcher Strangstrom fließt durch eine Wicklung, und welchen Widerstand hat eine einzelne Wicklung (rein ohmsch angenommen)?

I_Strang = 30 A / √3 ≈ 17,32 A; U_Strang = 400 V; R_Strang = 400 V / 17,32 A ≈ 23,09 Ω

Ein im Dreieck geschalteter Motor wird laut Stromzange mit 17,3 A in der Zuleitung belastet. Wie groß ist der Strangstrom?

  • a) 10 A
  • b) 30 A
  • c) 17,3 A — gleich dem Außenleiterstrom
  • d) 5,77 A

Richtig: a)

Erklärung: I_Strang = I_Außenleiter / √3 = 17,3 A / 1,732 ≈ 10 A. Antwort b wäre I_Außenleiter · √3 — also die falsche Richtung. Antwort c ist die Verwechslung mit der Sternschaltung, wo Außen- und Strangstrom gleich sind. Antwort d wäre I_Außenleiter / 3 — der Faktor wäre falsch.

Warum unterscheiden sich Strang- und Außenleiterstrom im Dreieck überhaupt — wenn sie doch durch denselben Knoten fließen?

  • a) Weil die Wicklungen unterschiedlichen Widerstand haben
  • b) Weil zwei phasenverschobene Strangströme im Knoten vektoriell zusammenwirken
  • c) Weil ein Teil des Stroms im Knoten in den Sternpunkt fließt
  • d) Weil der Außenleiterstrom durch den Skineffekt reduziert wird

Richtig: b)

Erklärung: Die Strangströme im Dreieck sind um 120° gegeneinander phasenverschoben. Im Knoten gilt die Knotenregel weiterhin, sie muss aber vektoriell angewandt werden. Daraus folgt der Faktor √3. Antwort a ist falsch — die Wicklungen sind im symmetrischen Drehstromnetz gleich. Antwort c beschreibt fälschlicherweise einen Sternpunkt, den es im Dreieck nicht gibt. Antwort d ist hier irrelevant und beschreibt einen ganz anderen Effekt.

Welche Aussage zum Faktor √3 ist korrekt?

  • a) Er entsteht durch den Widerstand der Wicklung
  • b) Er gilt nur für die Spannungen, nicht für die Ströme
  • c) Er ist eine empirische Näherung aus der Praxis
  • d) Er folgt geometrisch aus der vektoriellen Differenz zweier um 120° versetzter Zeiger gleicher Länge

Richtig: d)

Erklärung: Der Faktor √3 ist mathematisch exakt — er ergibt sich aus der Kosinussatz-Anwendung auf zwei Zeiger gleicher Länge mit 120° Phasendifferenz. Antwort a ist falsch — der Faktor ist unabhängig von Widerstandswerten. Antwort b ist verkehrt: Im Dreieck gilt √3 für den Strom (im Stern für die Spannung). Antwort c ist nicht zutreffend — es ist ein rein geometrischer Zusammenhang.

4. Vergleich Stern–Dreieck und Anwendung in der Praxis

Wer beide Schaltungen direkt nebeneinander stellt, sieht das Muster sofort: Was im Stern für die Spannung gilt, gilt im Dreieck für den Strom — und umgekehrt. Die folgende Übersicht hält die wichtigsten Unterschiede fest:

Eigenschaft Sternschaltung (Y) Dreieckschaltung (Δ)
Schaltungssymbol Y Δ
Strangspannung U_Außenleiter / √3 U_Außenleiter
Strangstrom I_Außenleiter I_Außenleiter / √3
Neutralleiter möglich ja nein
Belastung pro Wicklung geringere Spannung, voller Außenleiterstrom volle Spannung, geringerer Strangstrom
Leistung am gleichen Netz P dreifache Leistung gegenüber Stern
Brücken am Klemmbrett eine waagerechte Brücke (alle drei oberen Klemmen) drei senkrechte Brücken

Die Dreieckschaltung wird gewählt, wenn der Verbraucher für die volle Außenleiterspannung des Netzes ausgelegt ist. Bei einem Drehstrommotor mit Typenschildangabe „400 V Δ“ ist die Wicklung für 400 V gemacht — am österreichischen 400-V-Netz wird er also im Dreieck betrieben. Dasselbe gilt für viele Heizwiderstände und Großverbraucher: Sie werden ohne Neutralleiter direkt an L1, L2, L3 angeschlossen. Außerdem liefert ein Motor im Dreieck am gleichen Netz das dreifache Drehmoment und die dreifache Leistung wie im Stern — der Strangstrom ist nicht reduziert, sondern voll. Genau diesen Unterschied macht sich der Stern-Dreieck-Anlauf zunutze, um große Asynchronmotoren strombegrenzt zu starten; Details dazu im Beitrag Stern-Dreieck-Schaltung.

Die Berechnung der Wirk-, Blind- und Scheinleistung im Drehstromsystem folgt einer eigenen Systematik; die zugehörige Formel P = √3 · U · I · cos φ und ihre Anwendung behandelt der Beitrag Drehstromleistung.

Ein Drehstrommotor mit Typenschild „400 V Δ / 690 V Y“ wird am 400-V-Netz angeschlossen. Welche Schaltung ist korrekt?

  • a) Sternschaltung, weil das Netz kleiner als 690 V ist
  • b) Sternschaltung, weil dort die Belastung der Wicklungen geringer ist
  • c) Dreieckschaltung, weil im Stern bei 400 V der Motor durchbrennt
  • d) Dreieckschaltung, weil die Wicklung für 400 V Strangspannung ausgelegt ist und das Netz 400 V liefert

Richtig: d)

Erklärung: Im Dreieck ist die Strangspannung gleich der Außenleiterspannung — die 400 V Wicklungsangabe passt exakt zum 400-V-Netz. Antwort a ist falsch, weil die Spannungsangaben spezifische Konfigurationen sind, nicht „kleiner gleich gut“. Antwort b würde unterversorgen — am 400-V-Netz wäre im Stern nur 230 V auf der Wicklung. Antwort c ist verkehrt: Im Stern hätte die Wicklung weniger Spannung, nicht mehr.

Welche Leistung liefert ein Motor in Dreieckschaltung im Vergleich zur Sternschaltung am gleichen Netz, bei sonst gleichen Bedingungen?

  • a) Die gleiche Leistung
  • b) Die √3-fache Leistung
  • c) Die dreifache Leistung
  • d) Die √2-fache Leistung

Richtig: c)

Erklärung: Im Dreieck liegt an jeder Wicklung die √3-fache Spannung wie im Stern. Da die Leistung quadratisch mit der Spannung steigt (bei gleichem Widerstand), ergibt sich (√3)² = 3 — also die dreifache Leistung. Dieses 1:3-Verhältnis ist die Grundidee des Stern-Dreieck-Anlaufs.

Eine im Dreieck geschaltete Heizung hat 30 Ω pro Strang und ist am 400-V-Netz angeschlossen. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Der Strangstrom ist größer als der Außenleiterstrom
  • b) Strang- und Außenleiterstrom sind gleich groß
  • c) Der Außenleiterstrom ist das √3-fache des Strangstroms
  • d) Der Außenleiterstrom ist das Dreifache des Strangstroms

Richtig: c)

Erklärung: Im Dreieck gilt immer I_Außenleiter = √3 · I_Strang — unabhängig vom Widerstandswert. Konkret: I_Strang = 400 V / 30 Ω ≈ 13,33 A; I_Außenleiter ≈ 23,09 A. Antwort a ist physikalisch ausgeschlossen, Antwort b gilt nur im Stern, Antwort d wäre der Faktor 3, nicht √3.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Drehstrommotor in Dreieckschaltung am 400-V-Netz zieht einen Außenleiterstrom von 30 A. Welche Strom- und Spannungswerte herrschen an einer einzelnen Wicklung?

Gegeben: U_Außenleiter = 400 V; I_Außenleiter = 30 A; Dreieckschaltung

Gesucht: U_Strang in V; I_Strang in A

Lösungsweg:

  1. U_Strang = U_Außenleiter = 400 V
  2. I_Strang = I_Außenleiter / √3 = 30 A / 1,732

Ergebnis: U_Strang = 400 V; I_Strang ≈ 17,32 A

Aufgabe 2: Eine im Dreieck geschaltete elektrische Heizung hat pro Strang einen ohmschen Widerstand von 25 Ω. Sie ist am 400-V-Netz angeschlossen. Berechnen Sie Strangstrom und Außenleiterstrom.

Gegeben: R_Strang = 25 Ω; U_Außenleiter = 400 V; Dreieckschaltung

Gesucht: I_Strang in A; I_Außenleiter in A

Lösungsweg:

  1. U_Strang = 400 V
  2. I_Strang = U_Strang / R_Strang = 400 V / 25 Ω = 16 A
  3. I_Außenleiter = √3 · I_Strang = 1,732 · 16 A

Ergebnis: I_Strang = 16 A; I_Außenleiter ≈ 27,71 A

Aufgabe 3: Durch jede Wicklung eines im Dreieck geschalteten Verbrauchers fließt ein Strangstrom von 5,5 A. Wie groß ist der Außenleiterstrom in der Zuleitung?

Gegeben: I_Strang = 5,5 A; Dreieckschaltung

Gesucht: I_Außenleiter in A

Lösungsweg:

  1. I_Außenleiter = √3 · I_Strang = 1,732 · 5,5 A

Ergebnis: I_Außenleiter ≈ 9,53 A

Aufgabe 4: Ein Motor in Dreieckschaltung wird mit einer Stromzange überprüft. In der Zuleitung L1 werden 12,7 A gemessen. Welcher Strangstrom fließt durch eine einzelne Wicklung?

Gegeben: I_Außenleiter = 12,7 A; Dreieckschaltung

Gesucht: I_Strang in A

Lösungsweg:

  1. I_Strang = I_Außenleiter / √3 = 12,7 A / 1,732

Ergebnis: I_Strang ≈ 7,33 A

Aufgabe 5: Auf dem Typenschild eines Drehstrommotors steht „400 V Δ, 8,3 A“. Welcher Strangstrom fließt im Nennbetrieb durch eine Wicklung und welche Spannung liegt an dieser Wicklung an?

Gegeben: U_Außenleiter = 400 V; I_Außenleiter = 8,3 A; Dreieckschaltung

Gesucht: U_Strang in V; I_Strang in A

Lösungsweg:

  1. U_Strang = 400 V
  2. I_Strang = 8,3 A / √3

Ergebnis: U_Strang = 400 V; I_Strang ≈ 4,79 A

Aufgabe 6: Ein im Dreieck geschalteter Verbraucher zieht in der Zuleitung 22 A bei 400 V. Welchen Widerstand hat eine einzelne Wicklung, wenn sie rein ohmsch angenommen wird?

Gegeben: I_Außenleiter = 22 A; U_Außenleiter = 400 V; Dreieckschaltung

Gesucht: R_Strang in Ω

Lösungsweg:

  1. U_Strang = 400 V
  2. I_Strang = 22 A / √3 ≈ 12,70 A
  3. R_Strang = U_Strang / I_Strang = 400 V / 12,70 A

Ergebnis: R_Strang ≈ 31,49 Ω

In einer Dreieckschaltung beträgt die Außenleiterspannung 400 V. Welche Spannung liegt an einer einzelnen Wicklung?

  • a) 230 V
  • b) 400 V
  • c) 692 V
  • d) Hängt vom Strangwiderstand ab

Richtig: b)

Erklärung: Im Dreieck ist die Strangspannung immer gleich der Außenleiterspannung — unabhängig vom Widerstand. 230 V wäre die Strangspannung im Stern, 692 V wäre √3 · 400 V — beides hier nicht zutreffend.

Welche der folgenden Verbindungen ergibt eine Dreieckschaltung am genormten Motorklemmbrett?

  • a) U1–V1–W1 alle miteinander verbunden
  • b) U2–V2–W2 alle miteinander verbunden
  • c) Drei waagerechte Brücken in der unteren Klemmenreihe
  • d) Drei senkrechte Brücken: W2–U1, U2–V1, V2–W1

Richtig: d)

Erklärung: Die drei senkrechten Brücken schließen jeweils Wicklungsende und Wicklungsanfang der nächsten Wicklung kurz und bilden so den Ring. Die Antworten a und b beschreiben Sternpunkte (Sternschaltung). Antwort c wäre Kurzschluss zwischen den Außenleitern.

Ein im Dreieck geschalteter Motor zieht 10 A Strangstrom. Welchen Außenleiterstrom misst eine Stromzange?

  • a) 17,32 A
  • b) 5,77 A
  • c) 10 A
  • d) 30 A

Richtig: a)

Erklärung: I_Außenleiter = √3 · I_Strang = 1,732 · 10 ≈ 17,32 A. Antwort b wäre die falsche Richtung (Division statt Multiplikation), Antwort c verwechselt mit dem Stern, Antwort d wäre Faktor 3 statt √3.

Welche Aussage über den Neutralleiter in der Dreieckschaltung ist korrekt?

  • a) Er wird optional mitgeführt und entlastet die Wicklungen
  • b) Er wird in den Sternpunkt der Wicklungen geschaltet
  • c) Es gibt keinen Neutralleiter, da kein gemeinsamer Wicklungspunkt existiert
  • d) Er kommt nur bei unsymmetrischer Belastung dazu

Richtig: c)

Erklärung: Die Dreieckschaltung hat keinen Sternpunkt — alle Wicklungen sind im Ring geschlossen. Damit gibt es keinen Anschlusspunkt für einen Neutralleiter, weder bei symmetrischer noch bei unsymmetrischer Belastung.

Ein Motor wird vom Stern in die Dreieckschaltung am gleichen Netz umgeschaltet. Wie ändert sich seine abgegebene Leistung näherungsweise?

  • a) Sie bleibt gleich
  • b) Sie wird √3-mal größer
  • c) Sie verdoppelt sich
  • d) Sie verdreifacht sich

Richtig: d)

Erklärung: Im Dreieck liegt die √3-fache Strangspannung an, die Leistung steigt quadratisch — also Faktor 3. Auf diesem Verhältnis beruht der Stern-Dreieck-Anlauf, der genau diese Reduktion in der Anlaufphase nutzt.

Ein Verbraucher mit 20 Ω pro Strang ist im Dreieck am 400-V-Netz angeschlossen. Wie groß ist der Strangstrom?

  • a) 20 A
  • b) 11,55 A
  • c) 34,64 A
  • d) 200 A

Richtig: a)

Erklärung: U_Strang = 400 V; I_Strang = 400/20 = 20 A. Antwort b wäre der Strangstrom bei Sternschaltung (230 V / 20 Ω). Antwort c wäre der Außenleiterstrom (√3 · 20 A). Antwort d wäre die Multiplikation mit dem Widerstand statt der Division.

Was unterscheidet die Klemmbrettbrücken bei Stern und Dreieck?

  • a) Im Dreieck wird gar nichts gebrückt
  • b) Im Stern werden drei senkrechte Brücken gesetzt, im Dreieck eine waagerechte
  • c) Im Stern eine waagerechte Brücke über alle drei oberen Klemmen, im Dreieck drei senkrechte Brücken zwischen den Reihen
  • d) In beiden Fällen werden dieselben Brücken nur anders aufgelegt

Richtig: c)

Erklärung: Die genormte Klemmbrettanordnung ist genau so versetzt, dass eine waagerechte Brücke den Sternpunkt erzeugt und drei senkrechte Brücken die Dreieckverbindungen schließen. Antwort b vertauscht die Schaltungen.

Wieso unterscheiden sich Strang- und Außenleiterstrom im Dreieck überhaupt, obwohl beide am gleichen Knoten zusammentreffen?

  • a) Wegen unterschiedlicher Querschnitte
  • b) Wegen der 120°-Phasenverschiebung der drei Strangströme, die vektoriell verrechnet werden muss
  • c) Weil der Außenleiterstrom durch den Skineffekt verringert wird
  • d) Weil ein Teil des Stroms im Sternpunkt verbleibt

Richtig: b)

Erklärung: Die Knotenregel gilt auch im Dreieck — aber für Wechselgrößen mit Phasenverschiebung muss sie vektoriell angewendet werden. Aus der 120°-Phasenverschiebung folgt geometrisch der Faktor √3. Antworten a und c sind hier nicht relevant, d beschreibt eine Schaltung, die im Dreieck nicht existiert.

Welche dieser Bedingungen muss erfüllt sein, damit ein Verbraucher problemlos im Dreieck am 400-V-Netz betrieben werden kann?

  • a) Die Wicklung darf maximal 230 V vertragen
  • b) Der Verbraucher muss einen Neutralleiter haben
  • c) Die Wicklung muss eine kleinere Leistung als 1 kW aufnehmen
  • d) Die Wicklung muss für 400 V Strangspannung ausgelegt sein

Richtig: d)

Erklärung: Im Dreieck liegt die volle Netzspannung an jeder Wicklung. Ist die Wicklung für 400 V gebaut, passt das. Eine 230-V-Wicklung würde durchbrennen — Antwort a ist die typische Fehlannahme. Antwort b verträgt sich nicht mit der Bauart des Dreiecks. Antwort c ist beliebig.

Auf einem Typenschild steht „230 V Δ / 400 V Y“. An welchem Netz darf der Motor im Dreieck betrieben werden?

  • a) 400-V-Netz
  • b) 230-V-Netz
  • c) An beiden, da der Motor sich anpasst
  • d) An keinem, weil die Angabe widersprüchlich ist

Richtig: b)

Erklärung: Die Δ-Angabe gilt für die Strangspannung, die im Dreieck gleich der Außenleiterspannung ist — also passt nur ein 230-V-Netz. Am 400-V-Netz wäre dieser Motor nur im Stern korrekt betrieben (400 V / √3 ≈ 230 V an der Wicklung).

Eine Stromzange misst in der Zuleitung eines im Dreieck geschalteten Verbrauchers 24 A. Welche Belastung hat eine einzelne Wicklung?

  • a) 13,86 A
  • b) 8 A
  • c) 24 A
  • d) 41,57 A

Richtig: a)

Erklärung: I_Strang = I_Außenleiter / √3 = 24 / 1,732 ≈ 13,86 A. Antwort b wäre Division durch 3, c verwechselt mit Stern, d wäre Multiplikation statt Division mit √3.

Welche der folgenden Aussagen ist falsch?

  • a) Im Dreieck ist U_Strang = U_Außenleiter
  • b) Im Dreieck ist I_Strang = I_Außenleiter
  • c) Im Dreieck gibt es keinen Neutralleiter
  • d) Im Dreieck wird mit drei senkrechten Brücken am Klemmbrett verschaltet

Richtig: b)

Erklärung: Im Dreieck ist I_Außenleiter = √3 · I_Strang — die beiden Ströme sind also gerade nicht gleich. Diese Verwechslung mit dem Sternverhalten (dort gilt I_Strang = I_Außenleiter) ist der häufigste Fehler. Alle anderen Aussagen sind richtig.

Glossar

Strangspannung
Spannung über einer einzelnen Wicklung eines Drehstromverbrauchers.
Außenleiterspannung
Spannung zwischen zwei Außenleitern des Drehstromnetzes; in Österreich üblicherweise 400 V.
Strangstrom
Strom durch eine einzelne Wicklung des Drehstromverbrauchers.
Außenleiterstrom
Strom in der Zuleitung eines Außenleiters; in der Dreieckschaltung um den Faktor √3 größer als der Strangstrom.
Dreieckschaltung (Δ)
Verschaltung der drei Wicklungen zu einem geschlossenen Ring, sodass jede Wicklung zwischen zwei Außenleitern liegt; gekennzeichnet durch das Symbol Δ.
Motorklemmbrett
Anschlussfeld am Drehstrommotor mit sechs Klemmen für die Wicklungsenden U1/U2, V1/V2, W1/W2, das durch Brücken auf Stern- oder Dreieckbetrieb umgeschaltet wird.

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