Wirkwiderstand im Wechselstromkreis

An einem Heizdraht oder einem rein ohmschen Drahtwiderstand passiert mit Wechselstrom kaum etwas Spektakuläres. Der Strom folgt der Spannung ohne Umweg, der Widerstand bleibt derselbe wie an einer Batterie, und die ganze elektrische Leistung wird in Wärme umgesetzt. Genau dieses unauffällige Verhalten macht den Wirkwiderstand zur Bezugsgröße der Wechselstromtechnik. Erst wenn man weiß, wie sich ein reiner Wirkwiderstand verhält, lässt sich verstehen, warum Spule und Kondensator im Wechselstromkreis ganz anders rechnen.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Wirkwiderstand definieren und gegen den Blindwiderstand abgrenzen
  • das Verhalten von Strom und Spannung am Wirkwiderstand beschreiben — insbesondere die Phasenlage
  • das Ohmsche Gesetz im Wechselstromkreis sauber mit Effektiv- und Spitzenwerten anwenden
  • die am Wirkwiderstand umgesetzte Leistung in allen drei Formen berechnen
  • typische Bauteile und Geräte erkennen, die sich als reiner Wirkwiderstand verhalten

1. Was ist ein Wirkwiderstand?

Ein Wirkwiderstand ist ein elektrischer Widerstand, der Energie aus dem Stromkreis aufnimmt und vollständig in Wärme umwandelt. Das Formelzeichen ist R, die Einheit das Ohm (Ω). Gleichbedeutende Bezeichnungen sind „ohmscher Widerstand“ und der etwas seltener gebrauchte Begriff „Resistanz“. Im gesamten Beitrag bleibt es bei Wirkwiderstand.

Das Besondere am Wirkwiderstand ist, dass er sich an Wechselspannung genauso verhält wie an Gleichspannung. Schließt man eine Heizpatrone an eine 24-V-Batterie an, fließt ein bestimmter Strom. Schließt man dieselbe Heizpatrone an eine Wechselspannung mit Effektivwert 24 V an, fließt derselbe Effektivstrom. Der Widerstandswert R hängt im Idealfall weder von der Frequenz noch von der Stromrichtung ab.

In der Praxis ist dieses Verhalten an Bauteilen anzutreffen, deren Geometrie und Material rein zur Verlustwärme ausgelegt sind: Heizdrähte aus Nickel-Chrom oder Konstantan, Festwiderstände aus Kohleschicht oder Metallschicht, Drahtwiderstände, Heizpatronen für Spritzgießwerkzeuge. Bei Netzfrequenz (50 Hz) verhalten sich diese Bauteile praktisch ideal ohmsch.

Davon abzugrenzen sind Bauteile, die zusätzlich Energie speichern und wieder zurückgeben — also Spulen und Kondensatoren. Sie haben einen frequenzabhängigen Widerstand, der nicht in Wärme umgesetzt wird. Dieser Anteil heißt Blindwiderstand und kommt in eigenen Beiträgen ausführlich zur Sprache: dem induktiven Blindwiderstand der Spule und dem kapazitiven Blindwiderstand des Kondensators.

Welche der folgenden Bauelemente verhält sich praktisch wie ein reiner Wirkwiderstand?

  • a) Drosselspule mit Eisenkern
  • b) Heizpatrone aus Konstantandraht
  • c) Folienkondensator
  • d) Lufttransformator

Richtig: b)

Heizdrähte aus Konstantan oder Nickel-Chrom sind so ausgelegt, dass sie elektrische Energie ausschließlich in Wärme umsetzen. Eine Drosselspule und ein Transformator wirken induktiv (Energie wird im Magnetfeld zwischengespeichert), ein Kondensator wirkt kapazitiv (Energie wird im elektrischen Feld zwischengespeichert) — beide sind Blindwiderstände.

Was passiert mit dem Widerstandswert eines idealen Wirkwiderstands, wenn die Frequenz der angelegten Wechselspannung von 50 Hz auf 100 Hz steigt?

  • a) R bleibt unverändert
  • b) R halbiert sich
  • c) R verdoppelt sich
  • d) R steigt um den Faktor √2

Richtig: a)

Ein idealer Wirkwiderstand ist frequenzunabhängig. Nur Blindwiderstände hängen von der Frequenz ab: der induktive Blindwiderstand einer Spule steigt mit der Frequenz, der kapazitive Blindwiderstand eines Kondensators sinkt mit der Frequenz. Bei einem reinen R passiert nichts.

Worin unterscheidet sich ein Wirkwiderstand grundsätzlich von einem Blindwiderstand?

  • a) Der Wirkwiderstand wird nur bei Gleichspannung verwendet.
  • b) Der Blindwiderstand führt zu höheren Stromstärken bei gleicher Spannung.
  • c) Der Wirkwiderstand setzt Energie in Wärme um, der Blindwiderstand speichert Energie und gibt sie zurück.
  • d) Der Blindwiderstand hat keine Einheit.

Richtig: c)

Das ist die entscheidende physikalische Unterscheidung. Ein Wirkwiderstand wandelt elektrische Energie irreversibel in Wärme um. Ein Blindwiderstand (Spule oder Kondensator) lädt sich in einer Halbwelle auf — als Magnetfeld oder elektrisches Feld — und gibt diese Energie in der nächsten Halbwelle wieder ans Netz zurück. Beide haben die gleiche Einheit Ohm und treten in Wechselstromkreisen auf.

2. Strom und Spannung am Wirkwiderstand

Legt man eine sinusförmige Wechselspannung an einen Wirkwiderstand, dann folgt der Strom dieser Spannung ohne jede zeitliche Verschiebung. Zu jedem Zeitpunkt gilt das Ohmsche Gesetz in seiner einfachsten Form: i(t) = u(t) / R. Erreicht die Spannung ihr Maximum, ist im selben Moment auch der Strom maximal. Geht die Spannung durch null, geht auch der Strom durch null.

Das nennt man „Strom und Spannung sind in Phase“. Die Phasenverschiebung φ zwischen u(t) und i(t) beträgt 0°. Diese Eigenschaft ist der wichtigste Punkt im ganzen Kapitel — sie ist der Grund, warum am Wirkwiderstand keine Blindleistung auftritt.

Im Diagramm sieht das so aus: beide Kurven beginnen bei null, schwingen synchron nach oben, kreuzen die Nulllinie zur selben Zeit und schwingen synchron nach unten. Lediglich die Amplitudenwerte unterscheiden sich, weil û und î durch den Faktor R verknüpft sind:

T/4 T/2 3T/4 T t −î −û u(t) i(t)

Beide Sinuskurven haben gleiche Frequenz, gleiche Nullstellen und gleiche Lage der Extremstellen. Lediglich die Amplituden unterscheiden sich, denn û und î hängen über den Widerstand zusammen: î = û / R.

Sobald man von den Momentanwerten u(t) und i(t) zu rechnerisch handhabbaren Größen übergeht, verwendet man Effektivwerte. Sie sind die Werte, die in der Messpraxis am Multimeter angezeigt werden und mit denen alle weiteren Formeln in diesem Beitrag arbeiten. Bei sinusförmigen Größen gilt der bekannte Zusammenhang U_eff = û / √2 und entsprechend I_eff = î / √2.

Wer das Verhalten genauer auf der Zeitachse betrachten will — etwa wenn ein Wirkwiderstand zusammen mit einer Spule oder einem Kondensator in einer Schaltung sitzt — sollte den Beitrag Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme anschauen. Dort wird gezeigt, wie sich Phasenwinkel bei gemischten Bauteilen darstellen und rechnen lassen.

Wann erreicht der Strom durch einen Wirkwiderstand sein Maximum, wenn an ihm eine sinusförmige Wechselspannung anliegt?

  • a) Eine Viertelperiode nach dem Spannungsmaximum
  • b) Eine Viertelperiode vor dem Spannungsmaximum
  • c) Eine Halbperiode nach dem Spannungsmaximum
  • d) Gleichzeitig mit dem Spannungsmaximum

Richtig: d)

Phasenverschiebung 0° bedeutet, dass beide Größen ihre Maxima im selben Moment erreichen. Ein zeitlicher Versatz um T/4 entspricht 90° und tritt nur an reinen Blindwiderständen auf (Spule, Kondensator), nicht am Wirkwiderstand.

Welche Beziehung zwischen Spitzenwert û und Effektivwert U_eff gilt für eine sinusförmige Wechselspannung am Wirkwiderstand?

  • a) U_eff = û · √2
  • b) U_eff = û / √2
  • c) U_eff = û / 2
  • d) U_eff = û · 2

Richtig: b)

Der Effektivwert einer sinusförmigen Größe ist um den Faktor √2 kleiner als ihr Spitzenwert. 230 V Effektiv entsprechen rund 325 V Spitze. Diese Beziehung gilt für die Spannung wie für den Strom, sofern beide sinusförmig sind — am Wirkwiderstand ist das immer der Fall.

Der Strom durch einen Wirkwiderstand hat einen positiven Nulldurchgang. Was lässt sich daraus über die anliegende Wechselspannung sagen?

  • a) Sie hat ebenfalls genau in diesem Moment einen positiven Nulldurchgang.
  • b) Sie ist gerade auf ihrem Maximum.
  • c) Sie hat ihr Minimum erreicht.
  • d) Sie steht beliebig zur Stromkurve, das kann man nicht sagen.

Richtig: a)

Phasenlage 0° heißt, dass Strom und Spannung dieselbe zeitliche Lage haben — also auch gleichzeitig durch null gehen. Erst Spule oder Kondensator würden eine Verschiebung um 90° verursachen.

3. Das Ohmsche Gesetz im Wechselstromkreis

Da Strom und Spannung am Wirkwiderstand stets im selben Verhältnis zueinander stehen, gilt das Ohmsche Gesetz unverändert. Es lässt sich auf drei verschiedene Wertebene anwenden, und es ist wichtig, sauber zu unterscheiden, welche Form gerade verwendet wird.

Auf Effektivwerte bezogen lautet die zentrale Gleichung im Wechselstromkreis:

U_eff = R · I_eff

  • U_eff … Effektivwert der Spannung in V
  • I_eff … Effektivwert des Stromes in A
  • R …… Wirkwiderstand in Ω

Mit Spitzenwerten gilt analog:

û = R · î

  • û … Spitzenwert der Spannung in V
  • î … Spitzenwert des Stromes in A
  • R … Wirkwiderstand in Ω

Und auch für die Momentanwerte zu einem beliebigen Zeitpunkt t:

u(t) = R · i(t)

  • u(t) … Momentanwert der Spannung in V
  • i(t) … Momentanwert des Stromes in A
  • R …… Wirkwiderstand in Ω

In der Praxis arbeitet man fast immer mit Effektivwerten. Wenn am Multimeter im AC-Bereich 230 V angezeigt werden, ist das ein Effektivwert. Wenn ein Heizgerät am Typenschild „230 V“ stehen hat, ist das ebenfalls als Effektivwert zu lesen. Erst wenn es um die Spannungsfestigkeit eines Bauelements geht — etwa bei der Auswahl eines Kondensators als Entstör- oder Glättungselement — wird der Spitzenwert relevant, der bei 230 V Netzspannung rund 325 V beträgt.

Ein konkretes Beispiel: An einer Heizpatrone mit R = 50 Ω liegt eine sinusförmige Netzspannung von 230 V (Effektivwert) an. Der durchfließende Effektivstrom beträgt:

I_eff = U_eff / R = 230 V / 50 Ω = 4,6 A

Der Spitzenwert des Stromes ist um √2 größer: î = 4,6 A · √2 ≈ 6,51 A. Dieser Spitzenstrom tritt zwei Mal pro Periode auf, jeweils zum Zeitpunkt der maximalen positiven und negativen Halbwelle.

Gelöstes Beispiel

Ein Tauchsieder mit einem Wirkwiderstand von 23 Ω wird an die Netzspannung 230 V angeschlossen. Welcher Effektivstrom fließt, und welchen Spitzenwert hat dieser Strom?

Gegeben: U_eff = 230 V; R = 23 Ω

Gesucht: I_eff in A und î in A

Lösungsweg:

  1. Effektivstrom mit dem Ohmschen Gesetz: I_eff = U_eff / R = 230 V / 23 Ω = 10 A
  2. Spitzenwert aus dem Effektivwert: î = I_eff · √2 = 10 A · 1,414 = 14,14 A

Ergebnis: Der Effektivstrom beträgt 10 A, der Spitzenstrom liegt bei rund 14,14 A.

Übungen

Eine Heizpatrone mit R = 100 Ω wird an 230 V Netzspannung betrieben. Berechne den Effektivstrom.

I_eff = 230 V / 100 Ω = 2,30 A

Ein Festwiderstand mit R = 12 Ω liegt an einer Wechselspannung von 24 V (Effektivwert). Welcher Effektivstrom fließt?

I_eff = 24 V / 12 Ω = 2,00 A

Durch einen Heizdraht fließt bei 230 V ein Effektivstrom von 5 A. Wie groß ist sein Wirkwiderstand?

R = U_eff / I_eff = 230 V / 5 A = 46 Ω

Wie groß ist der Spitzenstrom durch einen 80-Ω-Widerstand, der an 230 V Effektivspannung liegt?

I_eff = 230 V / 80 Ω = 2,875 A; î = 2,875 A · √2 ≈ 4,07 A

An einem Wirkwiderstand soll bei Wechselbetrieb ein Effektivstrom von 2,5 A fließen. R beträgt 80 Ω. Welcher Effektivwert der Spannung ist dafür nötig, und welchen Spitzenwert hat diese Spannung?

U_eff = R · I_eff = 80 Ω · 2,5 A = 200 V; û = 200 V · √2 ≈ 282,8 V

Ein Heizwiderstand mit 100 Ω wird an eine Wechselspannung mit Effektivwert 230 V gelegt. Welcher Effektivstrom fließt?

  • a) 0,43 A
  • b) 100 A
  • c) 2,30 A
  • d) 23 A

Richtig: c)

Anwendung des Ohmschen Gesetzes mit Effektivwerten: I_eff = 230 V / 100 Ω = 2,30 A. Die anderen Werte ergeben sich aus typischen Fehlern: Falsch herum geteilt (0,43 A), Spannung mit Widerstand verwechselt (100 A) oder Faktor 10 verloren (23 A).

Welche der folgenden Gleichungen ist am Wirkwiderstand mathematisch falsch?

  • a) I_eff = U_eff / R · √2
  • b) û = R · î
  • c) U_eff = R · I_eff
  • d) i(t) = u(t) / R

Richtig: a)

Antwort a ist falsch — sie multipliziert den Effektivstrom unnötig mit √2. Das Ohmsche Gesetz auf Effektivwerten lautet I_eff = U_eff / R ohne zusätzlichen Faktor. Wenn man den Spitzenwert î möchte, multipliziert man den fertigen Effektivstrom mit √2: î = I_eff · √2.

An einem Wirkwiderstand von 46 Ω werden 230 V Effektivspannung gemessen. Welche Aussage zum Strom durch das Bauteil ist korrekt?

  • a) Der Effektivstrom beträgt 0,2 A.
  • b) Der Effektivstrom beträgt 230 A.
  • c) Der Spitzenstrom beträgt 5 A.
  • d) Der Spitzenstrom beträgt rund 7,07 A.

Richtig: d)

I_eff = 230 V / 46 Ω = 5 A. Der Spitzenwert î = 5 A · √2 ≈ 7,07 A. Die Antworten a und b entstehen aus falscher Division beziehungsweise vertauschten Größen, c verwechselt Effektiv- und Spitzenwert.

4. Leistung am Wirkwiderstand

Die elektrische Leistung am Wirkwiderstand wird vollständig in Wärme umgesetzt. Da Strom und Spannung in Phase sind, ist die Momentanleistung p(t) = u(t) · i(t) zu jedem Zeitpunkt positiv — Energie fließt also durchgehend in den Widerstand hinein, niemals heraus. Aus dieser Überlegung ergibt sich, dass am reinen Wirkwiderstand keine Blindleistung auftritt: die Wirkleistung P ist gleich der Scheinleistung, der Leistungsfaktor cos φ ist 1.

Berechnet wird die Wirkleistung aus Effektivwerten. Dafür gibt es drei gleichwertige Formen, die je nach gegebenen Größen verwendet werden:

P = U_eff · I_eff

  • P …… Wirkleistung in W
  • U_eff … Effektivspannung in V
  • I_eff … Effektivstrom in A

P = I_eff² · R

  • P …… Wirkleistung in W
  • I_eff … Effektivstrom in A
  • R …… Wirkwiderstand in Ω

P = U_eff² / R

  • P …… Wirkleistung in W
  • U_eff … Effektivspannung in V
  • R …… Wirkwiderstand in Ω

Alle drei Formeln liefern denselben Wert — welche zum Einsatz kommt, hängt nur davon ab, was gegeben ist. Wenn Spannung und Widerstand bekannt sind, ist P = U²/R am direktesten. Sind Strom und Widerstand bekannt, eignet sich P = I²·R. Bei bekannten Effektivwerten von Spannung und Strom genügt P = U·I.

Für einen Wasserkocher mit R = 21 Ω an 230 V ergibt sich beispielsweise:

P = U_eff² / R = (230 V)² / 21 Ω = 52900 / 21 ≈ 2519 W

Das entspricht der typischen Leistungsaufnahme eines kleinen Haushaltsgeräts.

Vom Wirkwiderstand ist es nur ein kleiner Schritt zu den allgemeinen Leistungsarten — der Wirkleistung, der Blindleistung und der Scheinleistung. Diese unterscheiden sich bei gemischten Bauteilen (Motoren, Trafos, Drosseln mit ohmschem Anteil) erheblich. Die Details dazu stehen im Beitrag Wirk-, Blind- und Scheinleistung.

Gelöstes Beispiel

Ein Wasserkocher hat einen Wirkwiderstand von 21 Ω und wird an 230 V Netzspannung betrieben. Welche Wirkleistung nimmt das Gerät auf, und welcher Effektivstrom fließt?

Gegeben: U_eff = 230 V; R = 21 Ω

Gesucht: P in W und I_eff in A

Lösungsweg:

  1. Wirkleistung über U und R: P = U_eff² / R = (230 V)² / 21 Ω = 52900 V² / 21 Ω ≈ 2519 W
  2. Effektivstrom über U und R: I_eff = U_eff / R = 230 V / 21 Ω ≈ 10,95 A

Ergebnis: Das Gerät nimmt rund 2519 W auf, der Effektivstrom liegt bei rund 10,95 A.

Übungen

Ein Tauchsieder mit R = 100 Ω wird an 230 V angeschlossen. Welche Wirkleistung wird umgesetzt?

P = U² / R = (230)² / 100 = 529 W

Eine Heizpatrone soll bei 230 V eine Wirkleistung von 1000 W aufnehmen. Wie groß muss ihr Wirkwiderstand sein?

R = U² / P = (230)² / 1000 = 52,9 Ω

Ein Heizstab nimmt bei 230 V Effektivspannung eine Wirkleistung von 2200 W auf. Wie groß ist der Effektivstrom?

I_eff = P / U_eff = 2200 W / 230 V ≈ 9,57 A

Durch einen Heizwiderstand fließt bei 24 V Wechselspannung ein Effektivstrom von 5 A. Welche Wirkleistung wird abgegeben?

P = U · I = 24 V · 5 A = 120 W (alternativ über R = 24/5 = 4,8 Ω und P = I²·R = 25 · 4,8 = 120 W)

Ein Backofen-Heizstab ist mit 230 V / 2000 W ausgewiesen. Berechne den Effektivstrom und den Wirkwiderstand im Betrieb.

I_eff = P / U = 2000 W / 230 V ≈ 8,70 A; R = U² / P = 52900 / 2000 = 26,45 Ω

Ein Heizdraht mit R = 80 Ω wird an 24 V Wechselspannung gelegt. Welche Wirkleistung wird umgesetzt?

  • a) 240 W
  • b) 7,2 W
  • c) 80 W
  • d) 0,3 W

Richtig: b)

P = U² / R = 576 / 80 = 7,2 W. Die anderen Werte entstehen aus typischen Rechenfehlern: U und R verwechselt (240 W), Quadrat vergessen oder andere Formel falsch angewendet.

Eine Heizpatrone soll bei 230 V eine Wirkleistung von 2300 W abgeben. Welchen Wirkwiderstand muss sie haben?

  • a) 100 Ω
  • b) 10 Ω
  • c) 230 Ω
  • d) 23 Ω

Richtig: d)

R = U² / P = (230)² / 2300 = 52900 / 2300 = 23 Ω. Daraus ergibt sich ein Effektivstrom von 230 V / 23 Ω = 10 A — auch über P = U·I lässt sich der Strom direkt prüfen (2300 W / 230 V = 10 A).

Welche Aussage zum Leistungsfaktor cos φ am idealen Wirkwiderstand ist korrekt?

  • a) cos φ ist null, weil die Wirkleistung gleich null ist.
  • b) cos φ ist 0,5, weil die Wirkleistung halb so groß ist wie die Scheinleistung.
  • c) cos φ ist eins, weil Wirk- und Scheinleistung identisch sind.
  • d) cos φ ist undefiniert, weil keine Phasenverschiebung vorliegt.

Richtig: c)

Am Wirkwiderstand ist φ = 0°, also cos φ = cos 0° = 1. Die ganze aufgenommene Leistung ist Wirkleistung, es entsteht keine Blindleistung. Antwort a verwechselt die Verhältnisse; b und d sind grundsätzlich unzutreffend.

5. Wirkwiderstand in der Praxis

Geräte, die sich im Wechselstromkreis praktisch wie ein reiner Wirkwiderstand verhalten, haben fast immer einen einzigen Zweck: Wärme erzeugen. Der elektrische Strom fließt durch einen Heizdraht aus Konstantan, Nickel-Chrom oder ähnlichen Widerstandslegierungen, dessen Geometrie und Material so ausgelegt sind, dass die gewünschte Verlustleistung als Wärme entsteht.

Typische Beispiele aus dem industriellen und privaten Alltag sind Tauchsieder, Wasserkocher, Heizpatronen in Spritzgießwerkzeugen, Heizmanschetten an Extruder-Zylindern, Heizstäbe in Boilern und Backöfen, sowie elektrische Bügeleisen. In allen Fällen ist die Last ohmsch — Strom und Spannung sind in Phase, der Leistungsfaktor ist 1, und die ganze aufgenommene Energie wird in Wärme umgewandelt.

Auch klassische Festwiderstände aus Kohleschicht oder Metallschicht zählen zu den Wirkwiderständen. Sie werden allerdings selten mit hohen Wechselleistungen betrieben, sondern dienen in Steuerungen, Messschaltungen oder elektronischen Baugruppen zur Strombegrenzung, Spannungsteilung oder als Messwiderstand (Shunt).

Eine wichtige Eigenschaft vieler Wirkwiderstände in der Praxis ist die Temperaturabhängigkeit des Widerstandswerts. Bei Heizdrähten aus Nickel-Chrom ist sie eher gering, bei reinen Metallen wie Wolfram oder Kupfer dagegen deutlich. Eine kalte Wolframwendel hat einen Widerstand von wenigen Ohm — im glühenden Zustand kann er auf das Zehnfache ansteigen. Das ist auch der Grund, warum klassische Glühlampen beim Einschalten kurz einen sehr hohen Stromimpuls ziehen.

Die Glühlampe selbst spielt in der heutigen Beleuchtung praktisch keine Rolle mehr — Allgebrauchs-Glühlampen sind in der EU seit Jahren nicht mehr im Handel. Wo das Glühlampenprinzip weiterhin vorkommt, sind Spezialanwendungen: Backofenlampen, Kühlschrankleuchten, manche Halogen-Stiftsockellampen sowie Wärmestrahler. Das Lehrbuchbeispiel „Glühlampe“ zur Veranschaulichung der Temperaturabhängigkeit bleibt dennoch nützlich, weil der Effekt dort sehr ausgeprägt ist.

Vom Wirkwiderstand klar abzugrenzen sind alle Geräte, in denen Wickelinduktivitäten oder Kapazitäten eine wesentliche Rolle spielen: Asynchronmotoren, Transformatoren, Vorschaltgeräte für Entladungslampen, Stromrichter, Schaltnetzteile. In diesen Lasten tritt eine Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung auf, und der Gesamtwiderstand ist nicht mehr rein ohmsch, sondern eine Kombination aus Wirk- und Blindwiderstand. Wie man damit rechnet, behandelt der Beitrag Scheinwiderstand (Impedanz).

Welches der folgenden Geräte am 230-V-Netz ist am ehesten als reiner Wirkwiderstand zu betrachten?

  • a) Tauchsieder
  • b) Drehstromtransformator
  • c) Asynchronmotor
  • d) Leuchtstofflampe mit konventionellem Vorschaltgerät

Richtig: a)

Ein Tauchsieder besteht aus einem Heizdraht und wandelt die zugeführte Energie vollständig in Wärme um — typisches Wirkverhalten. Trafo und Motor haben prinzipbedingt eine Wicklungsinduktivität, das konventionelle Vorschaltgerät einer Leuchtstofflampe enthält ebenfalls eine Drossel. Bei diesen Lasten tritt Blindleistung auf.

Eine Glühlampe wird eingeschaltet. Warum fließt unmittelbar nach dem Einschalten ein höherer Strom als im stationären Betrieb?

  • a) Das Netz liefert beim Einschalten kurzzeitig eine höhere Spannung.
  • b) Der Wendelwiderstand wird durch das Magnetfeld der Wendel reduziert.
  • c) Es bildet sich eine kurzzeitige Blindleistungsspitze.
  • d) Der Wendelwiderstand ist im kalten Zustand viel niedriger als im glühenden.

Richtig: d)

Wolfram hat einen ausgeprägten positiven Temperaturkoeffizienten. Im kalten Zustand ist der Wendelwiderstand ein Bruchteil des Betriebswiderstands, weshalb nach dem Einschalten kurzzeitig der Einschaltstromstoß auftritt. Mit dem Erwärmen steigt R, und der Strom geht auf seinen Nennwert zurück.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Durch einen Heizdraht fließt bei 230 V Effektivspannung ein Effektivstrom von 8 A. Welchen Wirkwiderstand hat der Heizdraht?

Gegeben: U_eff = 230 V; I_eff = 8 A

Gesucht: R in Ω

Lösungsweg:

  1. R = U_eff / I_eff = 230 V / 8 A = 28,75 Ω

Ergebnis: Der Heizdraht hat einen Wirkwiderstand von rund 28,75 Ω.

Aufgabe 2: Ein Wirkwiderstand von 46 Ω wird an 230 V Netzspannung betrieben. Welcher Effektivstrom fließt, und welchen Spitzenwert hat dieser Strom?

Gegeben: U_eff = 230 V; R = 46 Ω

Gesucht: I_eff und î

Lösungsweg:

  1. I_eff = U_eff / R = 230 V / 46 Ω = 5 A
  2. î = I_eff · √2 = 5 A · 1,414 ≈ 7,07 A

Ergebnis: Der Effektivstrom beträgt 5 A, der Spitzenstrom rund 7,07 A.

Aufgabe 3: Eine Heizpatrone hat einen Wirkwiderstand von 50 Ω und wird an 230 V Netzspannung betrieben. Berechne die aufgenommene Wirkleistung und den Effektivstrom.

Gegeben: U_eff = 230 V; R = 50 Ω

Gesucht: P in W und I_eff in A

Lösungsweg:

  1. P = U_eff² / R = (230)² / 50 = 52900 / 50 = 1058 W
  2. I_eff = U_eff / R = 230 V / 50 Ω = 4,6 A

Ergebnis: Die Patrone nimmt 1058 W auf, der Effektivstrom beträgt 4,6 A.

Aufgabe 4: Ein Durchlauferhitzer soll bei 230 V Netzspannung eine Wirkleistung von 3000 W abgeben. Berechne den nötigen Wirkwiderstand und den dabei fließenden Effektivstrom.

Gegeben: U_eff = 230 V; P = 3000 W

Gesucht: R in Ω und I_eff in A

Lösungsweg:

  1. R = U_eff² / P = (230)² / 3000 = 52900 / 3000 ≈ 17,63 Ω
  2. I_eff = P / U_eff = 3000 W / 230 V ≈ 13,04 A

Ergebnis: Der Heizstab muss einen Wirkwiderstand von rund 17,63 Ω haben, der Effektivstrom liegt bei rund 13,04 A.

Wie groß ist die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung am idealen Wirkwiderstand?

  • a) 90°
  • b) 180°
  • c) 0°
  • d) 45°

Richtig: c)

Strom und Spannung am Wirkwiderstand sind zu jedem Zeitpunkt im selben Sinne — sie haben gleiche Nulldurchgänge und gleiche Lage der Extrema. Eine Verschiebung um 90° würde nur an einem reinen Blindwiderstand auftreten (Spule oder Kondensator).

Welche der folgenden Aussagen über den Spitzenwert einer sinusförmigen 230-V-Netzspannung ist korrekt?

  • a) Er entspricht 230 V geteilt durch √2.
  • b) Er entspricht 230 V mal √2, also rund 325 V.
  • c) Er entspricht 230 V mal 2.
  • d) Er entspricht 230 V geteilt durch 2.

Richtig: b)

Bei sinusförmigen Größen gilt û = U_eff · √2. Mit U_eff = 230 V folgt û ≈ 325 V. Diese Spitzenspannung tritt zwei Mal pro Periode auf — in der positiven und in der negativen Halbwelle.

An einem Heizstab werden 230 V Effektivspannung und 10 A Effektivstrom gemessen. Wie groß ist sein Wirkwiderstand?

  • a) 23 Ω
  • b) 230 Ω
  • c) 2300 Ω
  • d) 0,043 Ω

Richtig: a)

Ohmsches Gesetz mit Effektivwerten: R = U_eff / I_eff = 230 V / 10 A = 23 Ω. Die anderen Antworten ergeben sich aus typischen Fehlern beim Umstellen oder beim Vertauschen von Zähler und Nenner.

Welche Aussage zur Leistungsumsetzung am reinen Wirkwiderstand ist falsch?

  • a) Es entsteht ausschließlich Wirkleistung.
  • b) Wirk- und Scheinleistung sind identisch.
  • c) Der Leistungsfaktor cos φ ist 1.
  • d) Es entsteht zusätzlich zur Wirkleistung eine Blindleistung.

Richtig: d)

Am reinen Wirkwiderstand gibt es keine Blindleistung — sie tritt nur dort auf, wo Strom und Spannung nicht in Phase sind. Da am Wirkwiderstand φ = 0°, ist cos φ = 1 und damit P = S (Wirkleistung gleich Scheinleistung).

Welche der folgenden Formeln liefert NICHT die Wirkleistung an einem Wirkwiderstand?

  • a) P = U_eff · I_eff
  • b) P = (U_eff · I_eff) / cos φ
  • c) P = I_eff² · R
  • d) P = U_eff² / R

Richtig: b)

Antwort b ist falsch — die richtige Beziehung für allgemeine Lasten lautet P = U · I · cos φ (Multiplikation, nicht Division). Am Wirkwiderstand gilt cos φ = 1, und damit reduziert sich die Wirkleistung auf P = U · I. Die anderen drei Formen sind alle gültig und liefern denselben Wert.

Ein Tauchsieder mit 23 Ω wird an 230 V betrieben. Welche Wirkleistung nimmt er auf?

  • a) 230 W
  • b) 460 W
  • c) 2300 W
  • d) 5290 W

Richtig: c)

P = U² / R = (230)² / 23 = 52900 / 23 = 2300 W. Praktisch zu prüfen über den Effektivstrom: I_eff = 230 V / 23 Ω = 10 A, also P = U · I = 230 · 10 = 2300 W.

Welches der folgenden Bauelemente verhält sich am ehesten wie ein idealer Wirkwiderstand?

  • a) Heizspirale aus Nickel-Chrom-Draht
  • b) Drehstromtransformator
  • c) Folienkondensator
  • d) Drosselspule mit Eisenkern

Richtig: a)

Eine Heizspirale ist genau auf Verlustleistung ausgelegt — die gesamte zugeführte Energie wird in Wärme umgewandelt. Bei Trafo und Drossel dominiert das induktive Verhalten, beim Kondensator das kapazitive — alle drei sind keine reinen Wirklasten.

Was passiert beim Einschalten einer klassischen Glühlampe an 230 V mit dem Strom in der ersten Millisekunde?

  • a) Er bleibt vom ersten Moment an konstant.
  • b) Er ist zunächst null, weil die Wendel kalt ist.
  • c) Er steigt langsam an, weil das Magnetfeld der Wendel aufgebaut werden muss.
  • d) Er ist deutlich höher als im stationären Betrieb und sinkt mit zunehmender Wendeltemperatur.

Richtig: d)

Wolfram hat einen positiven Temperaturkoeffizienten. Im kalten Zustand ist der Wendelwiderstand ein Bruchteil des Betriebswertes, weshalb kurzzeitig ein Einschaltstromstoß fließt. Mit der Erwärmung steigt R, und der Strom geht auf seinen Nennwert zurück. Diese Erscheinung ist auch der häufigste Grund für vorzeitiges Durchbrennen der Wendel beim Einschalten.

An einem Wirkwiderstand mit 100 Ω liegt eine sinusförmige Wechselspannung mit Spitzenwert 325 V an. Welcher Effektivstrom fließt?

  • a) 0,46 A
  • b) 3,25 A
  • c) 2,30 A
  • d) 1,15 A

Richtig: c)

Aus dem Spitzenwert wird zuerst der Effektivwert ermittelt: U_eff = 325 V / √2 ≈ 230 V. Damit gilt I_eff = U_eff / R = 230 V / 100 Ω = 2,30 A. Antwort b stammt aus der falschen Rechnung mit dem Spitzenwert direkt, ohne Umrechnung auf Effektivwert.

Welche der folgenden Aussagen ist für einen idealen Wirkwiderstand FALSCH?

  • a) Sein Widerstandswert ist von der Frequenz unabhängig.
  • b) Sein Widerstandswert hängt linear von der angelegten Spannung ab.
  • c) Die umgesetzte Leistung ist ausschließlich Wirkleistung.
  • d) Strom und Spannung sind in Phase.

Richtig: b)

Antwort b ist falsch — der Widerstand R ist eine Eigenschaft des Bauteils, kein Funktionsabhängiger der angelegten Spannung. Bei einem idealen Wirkwiderstand bleibt R konstant; verändert sich U, dann verändert sich der Strom entsprechend, der Widerstand selbst bleibt aber gleich. Die anderen drei Aussagen sind alle korrekt.

Glossar

Wirkwiderstand
ein elektrischer Widerstand, der die zugeführte Energie vollständig in Wärme umwandelt. Formelzeichen R, Einheit Ohm (Ω). Synonyme: ohmscher Widerstand, Resistanz.
Wirkleistung
die Leistung, die tatsächlich in Wärme, mechanische Arbeit oder andere Nutzformen umgesetzt wird. Formelzeichen P, Einheit Watt (W). Am Wirkwiderstand entspricht sie der gesamten aufgenommenen Leistung.
Blindwiderstand
der Widerstand eines Bauteils, das Energie zwischenspeichert und wieder ans Netz zurückgibt (Spule oder Kondensator). Im Gegensatz zum Wirkwiderstand wird dabei keine Energie in Wärme umgesetzt.
Phasenverschiebung
die zeitliche Verschiebung zwischen den Nulldurchgängen oder Maxima von Strom und Spannung, ausgedrückt als Winkel φ. Am reinen Wirkwiderstand ist φ = 0°.
Leistungsfaktor cos φ
das Verhältnis von Wirkleistung zu Scheinleistung. Am reinen Wirkwiderstand cos φ = 1.

Österreichische Normen

  • ÖNORM EN 60038: Festlegung der genormten Nennspannungen für Wechselstromnetze — Grundlage für die in Österreich verwendete Netzspannung von 230 V (einphasig) bzw. 400 V (Drehstrom).
  • ÖVE/ÖNORM E 8101: Errichtung von Niederspannungsanlagen — regelt unter anderem Auswahl und Bemessung von ohmschen Verbrauchern in Endstromkreisen.

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