Der I-Regler

Einleiter hat eine einfache Aufgabe: Er soll dafür sorgen, dass die Regelgröße – also der tatsächliche Wert, etwa eine Temperatur oder ein Druck – dem Sollwert entspricht. Beim einfachsten Reglertyp, dem Proportionalregler, bleibt am Ende aber fast immer ein kleiner Rest übrig: Der Istwert pendelt sich knapp neben dem Sollwert ein und bleibt dort hängen. Diese bleibende Regeldifferenz ist es, die der I-Regler beseitigt. Sein Trick: Er rechnet nicht mit dem Fehler von jetzt, sondern mit allem, was sich an Fehler über die Zeit angesammelt hat.

In diesem Beitrag siehst du, wie der I-Regler arbeitet, wie man seine Stellgröße berechnet, wie er auf einen Sprung reagiert und warum man ihn in der Praxis selten allein laufen lässt.

Vorwissen

  • Aufbau eines Regelkreises
  • Regelkreis-Begriffe: Sollwert, Istwert, Stellgröße, Regelgröße, Störgröße
  • P-Regler

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum der I-Regler die bleibende Regeldifferenz beseitigt
  • die Integralgleichung des I-Reglers benennen und ihre Bedeutung erläutern
  • die Stellgröße eines I-Reglers für einen gegebenen Zeitpunkt berechnen
  • die Sprungantwort des I-Reglers beschreiben und die Rolle von Integrierbeiwert und Nachstellzeit erklären
  • Stärken und Schwächen des I-Reglers einschätzen und den Windup-Effekt in der Praxis einordnen

1. Warum es den I-Regler braucht

Stell dir eine Temperaturregelung vor, die mit einem reinen P-Regler arbeitet. Der P-Regler stellt seine Stellgröße proportional zur Regeldifferenz ein – je größer der Fehler, desto stärker die Reaktion. Das funktioniert, hat aber einen Haken: Damit der P-Regler überhaupt eine Stellgröße ausgibt, braucht er einen Fehler. Wird die Regeldifferenz null, gibt er auch nichts mehr aus. In der Realität pendelt sich der Istwert deshalb knapp neben dem Sollwert ein. Dieser Rest heißt bleibende Regeldifferenz und ist ein systembedingter Nachteil des reinen P-Reglers (Details dazu im eigenen Beitrag zum P-Regler).

Genau hier setzt der I-Regler an. Das „I“ steht für integrierend – der Regler integriert, also summiert, die Regeldifferenz über die Zeit auf. Dieses Integralverhalten ist sein bestimmendes Merkmal. Solange noch irgendein Fehler vorhanden ist, verändert er seine Stellgröße weiter. Er gibt also nicht auf, bis der Fehler tatsächlich verschwunden ist.

Eine Analogie: Du füllst einen Behälter mit Wasser bis zu einer Markierung. Der P-Regler dreht den Hahn umso weiter auf, je weiter der Pegel unter der Marke liegt – kurz vor dem Ziel dreht er fast zu, und der Pegel kriecht nur noch langsam höher, ohne die Marke je ganz zu erreichen. Der I-Regler dagegen lässt den Hahn so lange offen, wie auch nur ein Millimeter fehlt. Erst wenn der Pegel exakt auf der Marke steht, hört er auf nachzufüllen – und hält den Hahn dann in genau dieser Stellung.

Der entscheidende Gedanke: Der I-Regler reagiert nicht auf den momentanen Fehler, sondern auf dessen Vorgeschichte. Ein winziger Fehler, der lange anliegt, bewegt die Stellgröße genauso wie ein großer Fehler, der nur kurz da war.

Warum bleibt bei einem reinen P-Regler eine Regeldifferenz bestehen?

  • a) Weil der P-Regler eine Stellgröße nur ausgibt, solange ein Fehler vorhanden ist
  • b) Weil der P-Regler die Stellgröße zu schnell verändert
  • c) Weil der P-Regler den Istwert gar nicht misst
  • d) Weil der P-Regler die Störgröße verstärkt

Richtig: a)

Die Stellgröße des P-Reglers ist proportional zum Fehler. Wäre der Fehler null, wäre auch die Stellgröße null – und ohne Stellgröße kann der Sollwert in der Regel nicht gehalten werden. Also stellt sich ein Gleichgewicht bei einem kleinen Restfehler ein. Antwort b und d beschreiben keine Ursache der bleibenden Regeldifferenz; c ist falsch, weil jeder Regler den Istwert auswertet.

Worauf reagiert der I-Regler im Unterschied zum P-Regler?

  • a) Nur auf die Größe des aktuellen Fehlers
  • b) Ausschließlich auf die Änderungsgeschwindigkeit des Fehlers
  • c) Auf die Differenz zwischen zwei Sollwerten
  • d) Auf die zeitlich aufsummierte Vorgeschichte des Fehlers

Richtig: d)

Der I-Regler integriert die Regeldifferenz über die Zeit, reagiert also auf deren Verlauf bzw. Vorgeschichte. Antwort a beschreibt den P-Regler, b beschreibt das Verhalten eines D-Anteils, und c ist kein sinnvoller Reglerbezug.

2. Das Integralverhalten – wie der I-Regler arbeitet

Der I-Regler bildet seine Stellgröße, indem er die Regeldifferenz fortlaufend aufaddiert. Mathematisch ist dieses Aufaddieren über die Zeit ein Integral. Die Grundgleichung des I-Reglers im Zeitbereich lautet:

u(t) = Ki * ∫ e(t) dt

  • u(t) … Stellgröße zum Zeitpunkt t
  • Ki … Integrierbeiwert in 1/s
  • e(t) … Regeldifferenz (Sollwert minus Istwert)
  • t … Zeit in s

Das Integral ist nichts anderes als die aufsummierte Fläche, die die Regeldifferenz über die Zeit aufspannt. Solange e nicht null ist, wächst diese Fläche – und damit wächst die Stellgröße. Wird e gleich null, kommt nichts mehr dazu: Die Stellgröße bleibt auf ihrem zuletzt erreichten Wert stehen. Das ist der Kern des Ganzen. Der I-Regler kann eine von null verschiedene Stellgröße halten, ohne dass dafür ein bleibender Fehler nötig ist. Genau deshalb verschwindet die Regeldifferenz vollständig.

Statt mit dem Integrierbeiwert Ki wird der I-Regler in der Praxis oft mit der Nachstellzeit Tn beschrieben. Beide Kennwerte hängen direkt zusammen:

Ki = 1 / Tn

  • Ki … Integrierbeiwert in 1/s
  • Tn … Nachstellzeit in s

Ein großer Integrierbeiwert (kurze Nachstellzeit) bedeutet, dass der Regler kräftig und schnell nachstellt. Ein kleiner Integrierbeiwert (lange Nachstellzeit) macht den Regler träge und vorsichtig.

Wichtig ist noch ein Punkt, der oft untergeht: Bei einer konstanten Regeldifferenz wächst die Stellgröße nicht sprunghaft, sondern gleichmäßig – wie eine Rampe. Pro Sekunde kommt immer derselbe Betrag dazu. Damit ist auch klar, warum der I-Regler langsam wirkt: Er braucht Zeit, bis sich genug Fläche angesammelt hat.

Was beschreibt das Integral in der Gleichung u(t) = Ki · ∫ e(t) dt anschaulich?

  • a) Die über die Zeit aufsummierte Fläche der Regeldifferenz
  • b) Die Änderungsgeschwindigkeit der Regeldifferenz
  • c) Den Maximalwert der Regeldifferenz
  • d) Den Kehrwert der Stellgröße

Richtig: a)

Ein Integral über die Zeit entspricht der Fläche unter der Kurve – hier der aufsummierten Regeldifferenz. Antwort b beschreibt eine Ableitung, c und d haben mit dem Integral nichts zu tun.

Eine Regeldifferenz bleibt über längere Zeit konstant ungleich null. Wie verhält sich die Stellgröße eines I-Reglers?

  • a) Sie bleibt konstant
  • b) Sie springt sofort auf den Maximalwert
  • c) Sie steigt gleichmäßig rampenförmig an
  • d) Sie schwingt um den Sollwert

Richtig: c)

Bei konstantem e kommt pro Zeitschritt immer derselbe Betrag dazu, die Stellgröße wächst also linear (Rampe). Sie bleibt nur dann konstant, wenn e null ist (a). Ein Sprung (b) oder eine Schwingung (d) entsteht hier nicht.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Integrierbeiwert Ki und Nachstellzeit Tn?

  • a) Ki = Tn
  • b) Ki = Tn²
  • c) Ki = 2 · Tn
  • d) Ki = 1 / Tn

Richtig: d)

Integrierbeiwert und Nachstellzeit sind Kehrwerte voneinander: Ki = 1/Tn. Eine kurze Nachstellzeit bedeutet daher einen großen Integrierbeiwert und umgekehrt. Die anderen Beziehungen sind frei erfunden.

3. Sprungantwort und Kennwerte des I-Reglers

Um das Verhalten eines Reglers zu beurteilen, schaut man sich an, wie er auf einen Sprung der Regeldifferenz reagiert – also auf einen Eingang, der von null plötzlich auf einen festen Wert springt und dort bleibt. Diese Reaktion nennt man die Sprungantwort.

Beim I-Regler ist die Sprungantwort besonders einfach zu merken: Springt die Regeldifferenz auf einen konstanten Wert, steigt die Stellgröße von da an als gerade Linie – eine Rampe. Sie hat keinen Sprung, keinen Knick, sondern eine konstante Steigung. Wie steil diese Rampe ist, hängt von zwei Dingen ab: vom Integrierbeiwert Ki und von der Höhe der Regeldifferenz e.

u(t) = Ki * e * t

  • u(t) … Stellgröße zum Zeitpunkt t
  • Ki … Integrierbeiwert in 1/s
  • e … konstante Regeldifferenz
  • t … seit dem Sprung vergangene Zeit in s

Diese vereinfachte Form gilt genau dann, wenn die Regeldifferenz nach dem Sprung konstant bleibt – dann lässt sich das Integral durch eine einfache Multiplikation ersetzen. Sie ist die praktische Rechenform für die meisten Aufgaben.

Die Nachstellzeit Tn hat dabei eine anschauliche Bedeutung: Sie gibt an, wie lange der I-Regler braucht, um durch sein Integrieren dieselbe Stellgrößenänderung aufzubauen, die ein vergleichbarer P-Anteil sofort liefern würde. Eine kurze Nachstellzeit heißt: Der Regler holt schnell auf. Eine lange Nachstellzeit heißt: Er lässt sich Zeit.

Gelöstes Beispiel

Ein I-Regler hat einen Integrierbeiwert von Ki = 0,4 1/s. Zum Zeitpunkt t = 0 springt die Regeldifferenz auf den konstanten Wert e = 5 und bleibt dort. Wie groß ist die Stellgröße nach 6 Sekunden, und welche Nachstellzeit hat der Regler?

Gegeben: Ki = 0,4 1/s, e = 5, t = 6 s

Gesucht: Stellgröße u(t) und Nachstellzeit Tn

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Stellgröße berechnen:
    u(t) = Ki · e · t
    u(t) = 0,4 · 5 · 6
    u(t) = 12
  2. Schritt 2 — Nachstellzeit berechnen:
    Tn = 1 / Ki
    Tn = 1 / 0,4
    Tn = 2,5 s

Ergebnis: Die Stellgröße beträgt nach 6 s den Wert 12, die Nachstellzeit ist 2,5 s.

Übungen

Ein I-Regler mit Ki = 0,2 1/s erhält eine konstante Regeldifferenz von e = 3. Welche Stellgröße liegt nach 10 s vor?

u = Ki · e · t = 0,2 · 3 · 10 = 6.

Berechne die Nachstellzeit eines I-Reglers mit Ki = 0,8 1/s.

Tn = 1 / Ki = 1 / 0,8 = 1,25 s.

Ein I-Regler hat eine Nachstellzeit von Tn = 4 s. Bei einer konstanten Regeldifferenz e = 2 – welche Stellgröße ergibt sich nach 8 s?

Erst Ki = 1/Tn = 1/4 = 0,25 1/s. Dann u = 0,25 · 2 · 8 = 4.

Ein I-Regler soll bei e = 5 nach genau 5 s die Stellgröße 10 erreichen. Welcher Integrierbeiwert Ki ist nötig?

Aus u = Ki · e · t folgt Ki = u / (e · t) = 10 / (5 · 5) = 10 / 25 = 0,4 1/s.

Zwei I-Regler arbeiten an derselben konstanten Regeldifferenz e = 3. Regler A hat Tn = 2 s, Regler B hat Tn = 6 s. Welche Stellgröße hat jeder nach 12 s, und um welchen Faktor unterscheiden sie sich?

Ki,A = 1/2 = 0,5 → u_A = 0,5 · 3 · 12 = 18. Ki,B = 1/6 ≈ 0,1667 → u_B = 0,1667 · 3 · 12 = 6. Verhältnis u_A / u_B = 18 / 6 = 3. Regler A stellt dreimal so stark nach – genau das Verhältnis der Integrierbeiwerte bzw. der umgekehrten Nachstellzeiten.

Wie sieht die Sprungantwort eines I-Reglers aus, wenn die Regeldifferenz auf einen konstanten Wert springt?

  • a) Eine rampenförmig mit konstanter Steigung ansteigende Stellgröße
  • b) Ein sofortiger Sprung der Stellgröße auf einen festen Endwert
  • c) Eine abklingende Exponentialkurve
  • d) Eine um den Sollwert pendelnde Schwingung

Richtig: a)

Bei konstantem Eingang summiert der Integrator gleichmäßig auf – die Stellgröße steigt linear (Rampe). Ein sofortiger Sprung (b) ist typisch für den P-Anteil, eine Exponentialkurve (c) für ein Verzögerungsglied, eine Schwingung (d) entsteht erst im geschlossenen Regelkreis unter bestimmten Bedingungen.

Ein I-Regler mit Ki = 0,5 1/s erhält die konstante Regeldifferenz e = 4. Welche Stellgröße liegt nach 2 s vor?

  • a) 2
  • b) 8
  • c) 16
  • d) 4

Richtig: d)

u = Ki · e · t = 0,5 · 4 · 2 = 4. Die häufigsten Fehler sind das Vergessen von Ki (ergäbe 8) oder eine falsche Multiplikation – beides führt auf die Distraktoren.

Welche Aussage zur Nachstellzeit Tn ist richtig?

  • a) Eine lange Nachstellzeit macht den Regler schnell
  • b) Die Nachstellzeit hat keinen Einfluss auf die Rampensteigung
  • c) Eine kurze Nachstellzeit bedeutet einen großen Integrierbeiwert und kräftiges Nachstellen
  • d) Die Nachstellzeit ist nur bei P-Reglern definiert

Richtig: c)

Wegen Ki = 1/Tn bedeutet ein kleines Tn ein großes Ki, also steile Rampe und kräftiges Nachstellen. a kehrt den Zusammenhang um, b ist falsch (Tn bestimmt über Ki die Steigung), d ist falsch, weil Tn gerade ein Kennwert des I-Anteils ist.

4. Stärken, Schwächen und Einsatz in der Praxis

Die große Stärke des I-Reglers ist eindeutig: Er beseitigt die bleibende Regeldifferenz vollständig. Was der P-Regler an Restfehler übriglässt, regelt der I-Anteil bis auf null aus. Für Anwendungen, bei denen es auf exaktes Einhalten des Sollwerts ankommt, ist das ein entscheidender Vorteil.

Diese Genauigkeit erkauft man sich aber mit Trägheit. Weil der I-Regler erst Fläche aufsummieren muss, reagiert er langsam. Er kommt der Änderung gewissermaßen immer ein Stück hinterher – fachlich spricht man von einem Phasennachlauf. Im geschlossenen Regelkreis kann dieser Nachlauf dazu führen, dass der Regler über den Sollwert hinausschießt, zurückregelt, wieder hinausschießt und so ins Schwingen gerät. Ein zu kräftig eingestellter I-Regler kann den Regelkreis sogar instabil machen.

Das in der Praxis wohl wichtigste Problem trägt einen eigenen Namen: den Windup-Effekt (auch Integrator-Windup). Er entsteht, weil jede echte Stellgröße eine Grenze hat. Ein Ventil kann nur bis zum Anschlag öffnen, ein Motor nur bis zur Maximaldrehzahl drehen, ein Stellantrieb nur bis 100 Prozent fahren. Solange aber noch eine Regeldifferenz anliegt, integriert der I-Regler unbeirrt weiter – auch dann, wenn die Stellgröße längst am Anschlag steht und gar nicht mehr größer werden kann. Der berechnete innere Wert des Integrators läuft dabei immer weiter hoch, „windet sich auf“.

Das wird gefährlich, sobald die Regeldifferenz das Vorzeichen wechselt, der Istwert also über den Sollwert geschossen ist. Jetzt müsste der Regler eigentlich sofort zurücknehmen. Aber der aufgewundene Integrator hat einen riesigen Wert angesammelt, der erst wieder abgebaut werden muss. Der Regler bleibt deshalb viel zu lange am Anschlag und nimmt erst mit großer Verspätung zurück. Die Folge sind heftige Überschwinger und ein träges, schwerfälliges Ausregeln. Bei realen Anlagen kann das vom unsauberen Prozessverlauf bis zu mechanischer Überlastung führen.

In der Praxis begegnet man dem Windup mit Anti-Windup-Maßnahmen. Die Grundidee ist immer dieselbe: Sobald die Stellgröße an ihrer Grenze ankommt, wird der Integrator angehalten oder begrenzt, damit er sich nicht weiter aufwindet. Sinkt die Regeldifferenz wieder in den regelbaren Bereich, arbeitet der Integrator normal weiter. Eine einfache Variante stoppt das Aufsummieren schlicht, solange die Stellgröße in der Begrenzung sitzt; verfeinerte Verfahren führen den überschüssigen Integratorwert kontrolliert zurück. Wichtig ist die Erkenntnis dahinter: Ein I-Regler, der ohne Begrenzung seines Integrators auf eine reale Anlage mit Stellgrenzen losgelassen wird, verhält sich nicht so, wie es die reine Theorie verspricht.

Aus all dem ergibt sich, warum der reine I-Regler in der Praxis eher selten allein eingesetzt wird. Seine Genauigkeit ist top, seine Schnelligkeit aber schlecht. Deshalb kombiniert man den I-Anteil meist mit einem P-Anteil zum schnellen, genauen PI-Regler oder ergänzt zusätzlich einen D-Anteil zum PID-Regler (beide jeweils in eigenen Beiträgen behandelt). Allein zum Einsatz kommt der I-Regler vor allem dort, wo der Prozess von sich aus langsam und gutmütig ist und vor allem absolute Genauigkeit ohne bleibenden Fehler zählt.

Was ist die wesentliche Stärke des I-Reglers gegenüber dem reinen P-Regler?

  • a) Er beseitigt die bleibende Regeldifferenz vollständig
  • b) Er reagiert deutlich schneller
  • c) Er kann nicht instabil werden
  • d) Er benötigt keine Messung des Istwerts

Richtig: a)

Der I-Anteil regelt den Restfehler bis auf null aus. Schneller ist er gerade nicht (b), instabil werden kann er sehr wohl (c), und gemessen wird der Istwert in jedem Regelkreis (d).

Wodurch entsteht der Windup-Effekt bei einem I-Regler?

  • a) Durch eine zu hohe Abtastrate des Reglers
  • b) Durch den Ausfall des Sollwertgebers
  • c) Dadurch, dass der Integrator weiter aufsummiert, während die Stellgröße bereits an ihrer Begrenzung steht
  • d) Durch eine zu kurze Messleitung zum Sensor

Richtig: c)

Windup entsteht genau dann, wenn die reale Stellgröße begrenzt ist, der Integrator aber ungebremst weiterläuft und sich aufwindet. Die übrigen Optionen beschreiben keine Ursache des Windups.

Warum führt ein unbehandelter Windup beim Vorzeichenwechsel der Regeldifferenz zu starkem Überschwingen?

  • a) Weil der Regler dann sofort abschaltet
  • b) Weil die Stellgröße negativ wird
  • c) Weil der Sollwert sich automatisch verändert
  • d) Weil der aufgewundene Integratorwert erst abgebaut werden muss, bevor der Regler zurücknimmt

Richtig: d)

Der Integrator hat während der Begrenzung einen sehr großen Wert angesammelt. Dieser muss erst wieder „abgewickelt“ werden, weshalb der Regler verspätet zurücknimmt und der Istwert weit über den Sollwert hinausläuft. Die anderen Aussagen treffen nicht zu.

Warum wird ein reiner I-Regler in der Praxis selten allein eingesetzt?

  • a) Weil er die bleibende Regeldifferenz nicht beseitigen kann
  • b) Weil er zwar genau, aber langsam ist und daher meist mit einem P-Anteil kombiniert wird
  • c) Weil er grundsätzlich nicht stabil betrieben werden kann
  • d) Weil er keine Stellgröße ausgeben kann

Richtig: b)

Der I-Regler ist genau, aber träge; die Kombination mit einem P-Anteil (PI-Regler) verbindet Schnelligkeit und Genauigkeit. a ist falsch (gerade das kann er), c ist zu absolut, d ist sachlich falsch.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein I-Regler mit Ki = 0,3 1/s erhält zum Zeitpunkt t = 0 eine konstante Regeldifferenz e = 6. Berechne die Stellgröße nach 5 s.

Gegeben: Ki = 0,3 1/s; e = 6; t = 5 s

Gesucht: Stellgröße u

Lösungsweg: u = Ki · e · t = 0,3 · 6 · 5 = 9

Ergebnis: u = 9

Aufgabe 2: Welche Nachstellzeit Tn gehört zu einem Integrierbeiwert Ki = 0,25 1/s?

Gegeben: Ki = 0,25 1/s

Gesucht: Nachstellzeit Tn

Lösungsweg: Tn = 1 / Ki = 1 / 0,25 = 4

Ergebnis: Tn = 4 s

Aufgabe 3: Ein I-Regler hat eine Nachstellzeit Tn = 5 s. Bei konstanter Regeldifferenz e = 2 soll die Stellgröße nach einer bestimmten Zeit den Wert 4 erreichen. Nach welcher Zeit t ist das der Fall?

Gegeben: Tn = 5 s; e = 2; u = 4

Gesucht: Zeit t

Lösungsweg: Ki = 1/Tn = 1/5 = 0,2 1/s. Aus u = Ki · e · t folgt t = u / (Ki · e) = 4 / (0,2 · 2) = 4 / 0,4 = 10

Ergebnis: t = 10 s

Aufgabe 4: Ein I-Regler soll bei einer konstanten Regeldifferenz e = 8 nach 4 s die Stellgröße 16 liefern. Welcher Integrierbeiwert Ki und welche Nachstellzeit Tn sind dafür nötig?

Gegeben: e = 8; t = 4 s; u = 16

Gesucht: Ki und Tn

Lösungsweg: Ki = u / (e · t) = 16 / (8 · 4) = 16 / 32 = 0,5 1/s. Tn = 1/Ki = 1/0,5 = 2 s

Ergebnis: Ki = 0,5 1/s; Tn = 2 s

Welche Größe summiert der I-Regler über die Zeit auf?

  • a) Die Regeldifferenz
  • b) Die Stellgröße
  • c) Den Sollwert
  • d) Die Störgröße

Richtig: a)

Der I-Regler integrates die Regeldifferenz e (Sollwert minus Istwert). Das Ergebnis dieses Aufsummierens ist die Stellgröße – diese ist also Ergebnis, nicht das Aufsummierte. Sollwert und Störgröße werden nicht integriert.

Bei welcher Bedingung bleibt die Stellgröße eines I-Reglers konstant?

  • a) Wenn die Regeldifferenz konstant, aber ungleich null ist
  • b) Wenn die Regeldifferenz null ist
  • c) Wenn der Integrierbeiwert null ist
  • d) Wenn die Zeit konstant bleibt

Richtig: b)

Nur bei e = 0 kommt nichts mehr zum Integral dazu, die Stellgröße steht still. Bei konstantem e ungleich null wächst sie rampenförmig (a). Ein Ki von null (c) wäre kein arbeitender Regler, und „konstante Zeit“ (d) ist physikalisch kein sinnvoller Zustand.

Ein I-Regler mit Ki = 0,6 1/s arbeitet bei konstanter Regeldifferenz e = 5. Welche Stellgröße liegt nach 4 s vor?

  • a) 3
  • b) 9
  • c) 20
  • d) 12

Richtig: d)

u = Ki · e · t = 0,6 · 5 · 4 = 12. Der Wert 20 ergäbe sich beim Weglassen von Ki, die übrigen aus Rechenfehlern.

Welche Aussage über die Sprungantwort des I-Reglers ist korrekt?

  • a) Sie springt sofort auf einen festen Endwert
  • b) Sie steigt rampenförmig mit konstanter Steigung an
  • c) Sie nimmt exponentiell ab
  • d) Sie ist unabhängig vom Integrierbeiwert

Richtig: b)

Auf einen Sprung der Regeldifferenz antwortet der I-Regler mit einer Rampe, deren Steigung von Ki und e abhängt. a beschreibt den P-Anteil, c ein Verzögerungsglied, d ist falsch, weil Ki die Steigung mitbestimmt.

Was bewirkt eine Verkürzung der Nachstellzeit Tn bei sonst gleichen Bedingungen?

  • a) Der Regler wird träger
  • b) Der Integrierbeiwert steigt und der Regler stellt kräftiger nach
  • c) Die Rampe wird flacher
  • d) Die bleibende Regeldifferenz nimmt zu

Richtig: b)

Wegen Ki = 1/Tn führt ein kleineres Tn zu größerem Ki, also steilerer Rampe und kräftigerem Nachstellen. a und c kehren den Zusammenhang um, d ist falsch, weil der I-Regler die bleibende Regeldifferenz ohnehin auf null bringt.

Ein I-Regler steuert ein Ventil, das bereits voll geöffnet ist, während die Regeldifferenz weiter besteht. Was passiert ohne Anti-Windup-Maßnahme?

  • a) Der Regler stoppt das Integrieren automatisch
  • b) Der Integrator summiert weiter auf und windet sich auf
  • c) Die Stellgröße wird negativ
  • d) Der Sollwert wird automatisch abgesenkt

Richtig: b)

Ohne Schutzmaßnahme integriert der Regler weiter, obwohl die Stellgröße am Anschlag steht – der Integrator wickelt sich auf (Windup). Das automatische Stoppen (a) ist gerade die Anti-Windup-Maßnahme, die hier fehlt; c und d treten nicht auf.

Welcher Nachteil ist typisch für den reinen I-Regler?

  • a) Er hinterlässt eine große bleibende Regeldifferenz
  • b) Er kann den Sollwert nicht erreichen
  • c) Er reagiert sehr träge und neigt zu Überschwingen
  • d) Er reagiert nur auf die Änderungsgeschwindigkeit des Fehlers

Richtig: c)

Trägheit und Überschwingneigung sind die Kehrseite der Genauigkeit. a ist falsch (der I-Regler beseitigt die Regeldifferenz), b ebenfalls, und d beschreibt einen D-Anteil.

Zwei I-Regler arbeiten an derselben konstanten Regeldifferenz. Regler A hat Ki = 0,8 1/s, Regler B hat Ki = 0,2 1/s. Wie verhalten sich ihre Stellgrößen nach gleicher Zeit?

  • a) Beide sind gleich
  • b) Regler B ist viermal so groß wie Regler A
  • c) Regler A ist viermal so groß wie Regler B
  • d) Das Verhältnis hängt von der Regeldifferenz ab

Richtig: c)

Bei gleichem e und t ist u proportional zu Ki. Das Verhältnis 0,8 / 0,2 = 4 überträgt sich direkt auf die Stellgrößen. Das Verhältnis hängt eben nicht von e ab (d), weil sich e herauskürzt.

Warum kann ein zu kräftig eingestellter I-Regler einen Regelkreis instabil machen?

  • a) Weil sein Phasennachlauf zu Überschwingen und aufschaukelnden Schwingungen führen kann
  • b) Weil er die Regeldifferenz verstärkt
  • c) Weil er den Sollwert verändert
  • d) Weil er die Messung verfälscht

Richtig: a)

Der I-Regler bringt einen Phasennachlauf in den Kreis; bei zu großer Wirkung schaukeln sich Schwingungen auf. b beschreibt keinen I-Mechanismus, c und d sind sachfremd.

Welche Reglerkombination verbindet die Genauigkeit des I-Anteils mit schneller Reaktion?

  • a) Ein reiner I-Regler
  • b) Ein reiner P-Regler
  • c) Ein Zweipunktregler
  • d) Ein PI-Regler

Richtig: d)

Der PI-Regler kombiniert den schnellen P-Anteil mit dem genauen I-Anteil. Der reine I-Regler ist langsam (a), der reine P-Regler ungenau (b), und der Zweipunktregler arbeitet nach einem ganz anderen, schaltenden Prinzip (c).

Glossar

I-Regler
Reglertyp, dessen Stellgröße durch zeitliches Aufsummieren (Integrieren) der Regeldifferenz gebildet wird; beseitigt die bleibende Regeldifferenz.
Integralverhalten
Eigenschaft eines Reglers, die Regeldifferenz über die Zeit aufzusummieren, sodass die Stellgröße erst zur Ruhe kommt, wenn die Regeldifferenz null ist.
Integrierbeiwert (Ki)
Kennwert des I-Reglers, der angibt, wie stark die Stellgröße pro Zeit und pro Einheit Regeldifferenz wächst; Einheit 1/s.
Nachstellzeit (Tn)
Kehrwert des Integrierbeiwerts (Tn = 1/Ki); beschreibt, wie schnell der I-Regler durch Integrieren Wirkung aufbaut.
Bleibende Regeldifferenz
Restabweichung zwischen Soll- und Istwert, die bei reinen P-Reglern bestehen bleibt und vom I-Anteil beseitigt wird.
Sprungantwort
Reaktion eines Reglers oder Systems auf eine sprunghafte Änderung des Eingangs; beim I-Regler eine rampenförmig ansteigende Stellgröße.
Phasennachlauf
Zeitliches Hinterherhinken der Reglerreaktion gegenüber der Regeldifferenz; beim I-Regler Ursache für Überschwingen und mögliche Instabilität.
Windup-Effekt
Unerwünschtes Weiteraufsummieren des Integrators, während die Stellgröße bereits an ihrer Begrenzung steht; führt zu starkem Überschwingen.
Anti-Windup
Maßnahme, die den Integrator anhält oder begrenzt, sobald die Stellgröße ihre Grenze erreicht, um den Windup-Effekt zu verhindern.
Scroll to Top