Elektrische Spannung – Definition und Erzeugung

Ohne Spannung kein Strom. Spannung ist das, was die Elektronen im Stromkreis überhaupt in Bewegung bringt — der „Antrieb“ jeder elektrischen Anlage. Sie steht auf jedem Typenschild, jedem Netzteil und jeder Batterie. Wer wirklich verstehen will, was diese Volt-Angaben bedeuten, woher die Spannung kommt und wie man sie misst, findet hier den roten Faden vom anschaulichen Bild bis zur sauberen physikalischen Definition.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Erklären, was elektrische Spannung anschaulich und physikalisch bedeutet
  • Die Definitionsformel U = W / Q anwenden und Werte berechnen
  • Den Unterschied zwischen Potential und Potentialdifferenz beschreiben
  • Gleichspannung und Wechselspannung unterscheiden und an typischen Verläufen erkennen
  • Die wichtigsten Prinzipien der Spannungserzeugung benennen und einordnen
  • Typische Spannungsbereiche und die Grundregel zur Spannungsmessung sicher anwenden

Kapitel 1 — Was ist elektrische Spannung?

Stell dir zwei verbundene Wassertanks vor, einer ganz oben am Dach, einer am Boden. Solange der obere höher steht, fließt Wasser durch das Rohr nach unten — und zwar so lange, bis beide gleich hoch sind. Was treibt das Wasser an? Der Höhenunterschied. Übersetzt in den Druck im Rohr: die Druckdifferenz.

In der Elektrotechnik ist es ganz ähnlich. Verbindet man zwei Punkte, an denen unterschiedlich viele Elektronen zur Verfügung stehen, mit einem Leiter, dann beginnen sich die Elektronen zu bewegen — von dort, wo zu viele sind, zu dort, wo zu wenige sind. Dieser elektrische „Höhenunterschied“ zwischen zwei Punkten ist die elektrische Spannung.

Spannung ist also keine Eigenschaft eines einzelnen Punktes, sondern immer ein Vergleich zwischen zweien. Genauso wenig, wie ein einzelner Punkt im Raum eine „Höhe“ hat (Höhe bezogen worauf?), hat ein einzelner Knoten in einer Schaltung eine Spannung. Spannung gibt es immer nur zwischen zwei Stellen.

Das Formelzeichen ist U, die Einheit Volt, abgekürzt V. Benannt nach Alessandro Volta, der um 1800 die erste echte Spannungsquelle gebaut hat — die Voltasche Säule.

Ein paar Größenordnungen zur Einordnung, mehr dazu am Ende:

  • Knopfzelle: 1,5 V
  • USB-Anschluss: 5 V
  • Auto-Bordnetz: 12 V (PKW), 24 V (LKW)
  • Steckdose in Österreich: 230 V
  • Bahn-Oberleitung ÖBB: 15 000 V
  • Hochspannungsleitung: bis 380 000 V

Welche Aussage zur elektrischen Spannung trifft zu?

  • a) Spannung ist eine Eigenschaft, die ein einzelner Punkt im Stromkreis besitzt
  • b) Spannung wird ausschließlich zwischen Quelle und Erde gemessen
  • c) Spannung gibt direkt an, wie viele Elektronen pro Sekunde fließen
  • d) Spannung beschreibt einen elektrischen Unterschied zwischen zwei Punkten

Richtig: d)

Spannung ist immer eine Differenzgröße — vergleichbar mit einem Höhenunterschied. Ein einzelner Punkt hat keine Spannung; erst der Bezug zu einem zweiten Punkt ergibt sie. Die Anzahl bewegter Elektronen pro Sekunde beschreibt der elektrische Strom, nicht die Spannung. Die Aussage zu Quelle und Erde greift zu kurz, weil Spannung zwischen beliebigen zwei Punkten in einer Schaltung existieren kann.

Eine Aufschrift „1,5 V“ auf einer Batterie bedeutet …

  • a) die elektrische Antriebsgröße zwischen Plus- und Minuspol der Batterie beträgt 1,5 Volt
  • b) die Batterie kann 1,5 Sekunden lang Strom liefern
  • c) die in der Batterie gespeicherte Energie beträgt 1,5 Joule
  • d) der Strom, den die Batterie liefert, beträgt 1,5 Ampere

Richtig: a)

Volt ist die Einheit der Spannung, und Spannung beschreibt den Antrieb der Ladungen zwischen den Polen. Strom (Ampere), Zeit und Energie (Joule) sind eigene Größen mit eigenen Einheiten und werden auf Batterien meist getrennt angegeben — etwa als Kapazität in mAh.

Kapitel 2 — Spannung als Arbeit pro Ladung

Die anschauliche Vorstellung „Antrieb zwischen zwei Punkten“ ist gut, aber für Berechnungen brauchen wir mehr. Physikalisch ist die Spannung exakt definiert über die Arbeit, die geleistet wird, wenn eine bestimmte Ladungsmenge zwischen zwei Punkten verschoben wird.

Pro Coulomb verschobener Ladung wird zwischen den beiden Punkten genau so viel Energie umgesetzt, wie die Spannung in Volt angibt. Daraus ergibt sich die Definitionsformel:

Daraus folgt direkt die Einheitsdefinition:

Lies das wörtlich: Ein Volt ist die Spannung, bei der pro Coulomb verschobener Ladung ein Joule Energie umgesetzt wird. Mehr steckt erst einmal nicht dahinter.

Umstellen erlaubt, je nachdem, was du suchst:

In der Praxis wird die Ladungsmenge oft nicht in Coulomb, sondern in Amperestunden (Ah) angegeben — gerade bei Akkus. Der Zusammenhang:

U = W / Q

  • U … Spannung in Volt (V)
  • W … Arbeit oder Energie in Joule (J)
  • Q … Ladung in Coulomb (C)

1 V = 1 J / 1 C

W = U · Q

Q = W / U

1 Ah = 3600 C

Gelöstes Beispiel

Eine Batterie verrichtet 4,5 J Arbeit, wenn 3 C an Ladung von einem Pol zum anderen verschoben werden. Welche Spannung liefert die Batterie?

Gegeben:

  • W = 4,5 J
  • Q = 3 C

Gesucht: U in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel ansetzen: U = W / Q
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: U = 4,5 J / 3 C = 1,5 J/C = 1,5 V

Ergebnis: U = 1,5 V

Übungen

Beim Verschieben von Q = 4 C wird W = 12 J Arbeit verrichtet. Welche Spannung liegt an?

U = W / Q = 12 J / 4 C = 3 V

An einem Bauteil liegen U = 12 V an. Es wird eine Ladung von Q = 10 C verschoben. Welche Energie wird umgesetzt?

W = U · Q = 12 V · 10 C = 120 J

An einem Verbraucher werden 600 J umgesetzt, die Spannung beträgt 230 V. Wie viel Ladung wurde verschoben?

Q = W / U = 600 J / 230 V ≈ 2,61 C

Ein Akku ist mit 7,2 V und 2 Ah beschriftet. Welcher Energieinhalt steckt theoretisch in ihm — in Wh und in J?

W = U · Q = 7,2 V · 2 Ah = 14,4 Wh. Umrechnung: 14,4 Wh · 3600 s/h = 51 840 J ≈ 51,8 kJ.

Beim Auslösen eines Drucksensors fließt eine kleine Ladungsmenge von Q = 5 mC, dabei wird W = 9 mJ Energie umgesetzt. Welche Spannung lag an?

U = W / Q = 9 · 10⁻³ J / 5 · 10⁻³ C = 1,8 V

Welche Aussage zur Definitionsformel U = W / Q ist korrekt?

  • a) U sinkt, wenn bei gleicher Energie weniger Ladung verschoben wird
  • b) Bei gleicher Energie pro Coulomb ergibt sich immer dieselbe Spannung, unabhängig von der absoluten Ladungsmenge
  • c) U und Q sind direkt proportional bei konstanter Energie
  • d) Bei doppelter Ladung verdoppelt sich automatisch die Spannung

Richtig: b)

Die Formel beschreibt eine spezifische Größe: Energie pro Ladung. Ob ein Coulomb oder eine Million Coulomb verschoben werden, ändert nichts an der Spannung, solange das Verhältnis W/Q gleich bleibt. Mehr Ladung bei gleicher Energie würde die Spannung sogar verringern (W konstant, Q steigt → U sinkt), nicht erhöhen.

Ein Akku mit 12 V verschiebt 600 C an Ladung, bis er leer ist. Welche Energie hat er abgegeben?

  • a) 50 J
  • b) 612 J
  • c) 7200 J
  • d) 7,2 J

Richtig: c)

Aus U = W / Q folgt W = U · Q = 12 V · 600 C = 7200 J. Die anderen Werte entstehen durch falsches Umstellen oder Verwechseln der Rechenoperation. 50 J ergäbe sich aus 600 / 12, das wäre rechnerisch Q / U und liefert keine sinnvolle Energiegröße.

Welche Aussage zur Umrechnung Ah ↔ C ist richtig?

  • a) 1 Ah entspricht 3600 C, weil 1 A = 1 C/s und eine Stunde 3600 s hat
  • b) 1 Ah entspricht 60 C, weil eine Stunde 60 Minuten hat
  • c) 1 Ah und 1 C sind dieselbe Größe, nur unterschiedlich benannt
  • d) Die Umrechnung hängt von der Spannung des Akkus ab

Richtig: a)

Die Definition des Ampere ist „ein Coulomb pro Sekunde“, und eine Stunde umfasst 3600 Sekunden. Damit gilt zwingend 1 Ah = 3600 C. Die Spannung spielt für diese Umrechnung keine Rolle — sie beeinflusst lediglich, wie viel Energie in einer gegebenen Ladungsmenge steckt.

Kapitel 3 — Potential und Potentialdifferenz

Jetzt machen wir die Bild-Vorstellung präzise. In der Elektrotechnik gibt jedem Punkt einer Schaltung eine sogenannte elektrische Höhenlage — das Potential, Formelzeichen φ (phi).

Genauso, wie ein Punkt im Gelände eine Höhe über dem Meeresspiegel hat, hat jeder Knoten in einer Schaltung ein Potential bezogen auf einen Bezugspunkt. Der gewählte Bezugspunkt heißt Masse oder Erde und bekommt definitionsgemäß das Potential 0 V. Welcher Knoten Masse ist, legt der Konstrukteur fest — meist der Minuspol einer Versorgung oder der zentrale Sternpunkt.

Die Spannung zwischen zwei Punkten A und B ist dann nichts anderes als die Differenz ihrer Potentiale:

Ein konkretes Beispiel: An einem Knoten A liegen 9 V gegen Masse an, an einem Knoten B 3 V. Dann ist:

Das negative Vorzeichen ist kein Fehler. Es sagt: misst man von B nach A, wirkt die Spannung in die entgegengesetzte Richtung. Vorzeichen in der Elektrotechnik beschreiben Richtungen, nicht Beträge.

Drei Folgerungen, die in der Praxis ständig auftauchen:

  • Die Bezeichnung „Spannung an einem Punkt“ ist umgangssprachlich. Gemeint ist immer „Spannung gegen Masse“.
  • Verschiebt man den Bezugspunkt, ändern sich alle Potentialwerte — die Differenzen zwischen den Knoten bleiben aber gleich.
  • An jedem Bauteil im Stromkreis kann man den Spannungsabfall als Differenz der Potentiale an seinen beiden Anschlüssen ausrechnen. Genau das ist der Ausgangspunkt für die Maschenregel, die in einem späteren Beitrag detailliert behandelt wird.

U_AB = φ_A − φ_B

  • U_AB … Spannung von A nach B in Volt (V)
  • φ_A … Potential des Punktes A in Volt (V)
  • φ_B … Potential des Punktes B in Volt (V)

U_AB = 9 V − 3 V = 6 V

U_BA = 3 V − 9 V = −6 V

An einem Punkt A liegen φ_A = 15 V, an Punkt B liegt φ_B = 4 V. Wie groß ist U_BA?

  • a) 19 V
  • b) 11 V
  • c) 0 V
  • d) −11 V

Richtig: d)

U_BA = φ_B − φ_A = 4 V − 15 V = −11 V. Das Vorzeichen ist Teil des Ergebnisses und zeigt die Richtung an: gemessen von B nach A ist es „bergab“. +11 V wäre U_AB, also in die andere Richtung. 19 V wäre die Summe statt der Differenz, 0 V wäre nur richtig, wenn beide Potentiale gleich wären.

Was passiert mit den Spannungen zwischen Knoten, wenn man in einer Schaltung den Bezugspunkt (Masse) auf einen anderen Knoten verschiebt?

  • a) Sie ändern sich, weil die Potentiale neu definiert werden
  • b) Sie bleiben unverändert, weil Spannungen Differenzen sind
  • c) Sie werden alle null
  • d) Nur die Spannung zur alten Masse bleibt gleich, alle anderen ändern sich

Richtig: b)

Wenn man die Masse verschiebt, ändern sich alle absoluten Potentialwerte um denselben Betrag. Die Differenzen zwischen je zwei Knoten bleiben identisch — und genau das sind die Spannungen. Das ist der Grund, warum die Wahl des Bezugspunktes Konvention ist und das Verhalten der Schaltung nicht ändert.

Wie misst man die Spannung über einem Widerstand korrekt?

  • a) Amperemeter parallel zum Widerstand schalten
  • b) Voltmeter in Serie zum Widerstand schalten
  • c) Voltmeter parallel zum Widerstand schalten
  • d) Voltmeter in den Massepfad einschleifen

Richtig: c)

Eine Spannung ist die Differenz zweier Potentiale, also wird ein Voltmeter zwischen die beiden Anschlüsse des Widerstands gehängt — parallel. In Serie würde das Voltmeter mit seinem hohen Innenwiderstand fast den ganzen Strom blockieren; das wäre die Verschaltung eines Amperemeters und führt zu Fehlmessungen oder zerstörtem Bauteil. Ein Amperemeter parallel über einen Widerstand wirkt wie ein Kurzschluss.

Kapitel 4 — Gleichspannung und Wechselspannung

Eine Spannung kann zeitlich konstant sein oder sich ständig ändern. Beide Varianten gibt es in der Praxis, und beide haben ihre Anwendungsbereiche.

Gleichspannung (DC, direct current) behält ihre Polarität bei. Plus bleibt Plus, Minus bleibt Minus, und der Wert bleibt im Idealfall konstant. Typische DC-Quellen sind Batterien, Akkus, Netzteile, Solarmodule und Generatoren mit Kommutator. Im U-t-Diagramm ergibt eine Gleichspannung eine waagrechte Linie.

Wechselspannung (AC, alternating current) ändert ihre Polarität periodisch. Die häufigste Form ist die sinusförmige Wechselspannung — etwa die Netzspannung aus der Steckdose. In Österreich durchläuft sie 50 vollständige Perioden pro Sekunde, die Frequenz beträgt also 50 Hz. Da jede Periode zwei Polaritätswechsel enthält (einen von Plus nach Minus, einen von Minus nach Plus), wechselt die Polarität insgesamt 100-mal pro Sekunde. Die Spannung schwingt dabei zwischen einem positiven und einem negativen Spitzenwert, im Mittelwert hebt sich das auf.

Im Verlauf sieht das so aus:

Die Schaltzeichen für Spannungsquellen nach ÖVE/ÖNORM EN 60617 sind ebenfalls unterschiedlich: Gleichspannungsquellen werden meist als zwei ungleich lange Striche (Batterie-Symbol) dargestellt, Wechselspannungsquellen als Kreis mit einer geschwungenen Sinuslinie darin. So lässt sich im Schaltplan auf einen Blick erkennen, womit man es zu tun hat.

Detaillierte Kenngrößen der Wechselspannung wie Effektivwert, Scheitelwert und Frequenz werden im Beitrag Wechselspannung und ihre Kenngrößen ausführlich behandelt. An dieser Stelle reicht es zu wissen: Die berühmten „230 V“ in der Steckdose sind der Effektivwert, der Spitzenwert liegt deutlich darüber.

Gleichspannung (DC) U t 0 U₀ konstanter Wert, gleichbleibende Polarität Wechselspannung (AC) U t 0 −Û Periode T

Welche Aussage zur Netzspannung in Österreich ist korrekt?

  • a) Die 230 V geben den Effektivwert einer sinusförmigen Wechselspannung mit 50 Hz an
  • b) 230 V ist der konstante Gleichspannungswert, der aus dem Stromnetz kommt
  • c) 230 V ist der Spitzenwert der Wechselspannung
  • d) 230 V ist die Differenz zwischen Spitzenwert und Mittelwert

Richtig: a)

Die in Österreich übliche Steckdosenspannung von 230 V ist eine sinusförmige Wechselspannung mit 50 Hz, der angegebene Wert ist der Effektivwert. Der Spitzenwert liegt deutlich höher (etwa Faktor √2). Eine Gleichspannung im Hausnetz wäre untypisch und stünde nicht im Einklang mit der bekannten 50-Hz-Frequenz.

Eine Solarzelle und ein 12-V-Akku sind beide …

  • a) Wechselspannungsquellen
  • b) reine Speicher, keine Quellen
  • c) Gleichspannungsquellen
  • d) Quellen mit periodisch wechselnder Polarität

Richtig: c)

Solarzelle und Akku liefern beide eine zeitlich konstante, polaritätsfeste Gleichspannung. Sie haben einen klaren Plus- und Minuspol. Wechselspannung entsteht entweder durch rotierende Generatoren oder durch elektronische Umrichter — bei reinen Solarzellen und Akkus ist beides nicht der Fall.

Warum braucht eine netzgekoppelte Photovoltaikanlage einen Wechselrichter?

  • a) Weil der Akku der Anlage Wechselspannung speichert
  • b) Weil das Modul AC liefert und der Netzbetreiber DC verlangt
  • c) Weil die Spannung am Modul zu hoch für das Hausnetz ist
  • d) Weil das Modul DC liefert, das Hausnetz aber sinusförmige AC mit 50 Hz erwartet

Richtig: d)

Solarmodule erzeugen technisch bedingt Gleichspannung. Das öffentliche Niederspannungsnetz arbeitet jedoch mit sinusförmiger Wechselspannung bei 50 Hz. Damit der erzeugte Solarstrom ins Netz eingespeist werden kann, muss DC in eine zum Netz passende AC umgewandelt werden — das übernimmt der Wechselrichter. Reine Spannungshöhe wäre kein Grund für einen Wechselrichter; dazu würde ein Gleichspannungswandler genügen.

Kapitel 5 — Wie wird Spannung erzeugt? – Übersicht

Spannung entsteht überall dort, wo Ladungen voneinander getrennt werden — wo also auf der einen Seite ein Überschuss, auf der anderen ein Mangel an Elektronen entsteht. Was sich von außen wie sechs sehr verschiedene Technologien anfühlt, läuft physikalisch immer auf das Gleiche hinaus: Energie wird aufgewendet, um diese Ladungstrennung herzustellen, und genau diese Energie steht dann als Spannung zur Verfügung.

1. Elektrochemisch — die Batterie

Tauchst du zwei verschiedene Metalle (z. B. Zink und Kupfer) in eine leitende Flüssigkeit, einen sogenannten Elektrolyt, dann laufen an den Metallen unterschiedlich starke chemische Reaktionen ab. Das eine Metall gibt mehr Elektronen ab als das andere — zwischen den beiden Elektroden entsteht eine Potentialdifferenz. Dieses Prinzip nennt man galvanisches Element. Eine handelsübliche Zelle liefert je nach Materialpaarung etwa 1 V bis 4 V. Mehrere Zellen in Serie ergeben höhere Spannungen — eine 12-V-Autobatterie besteht aus sechs Blei-Säure-Zellen zu je 2 V.

Akkus arbeiten nach demselben Prinzip, allerdings mit dem Unterschied, dass die chemische Reaktion umkehrbar ist. Beim Laden wird Energie zugeführt, und die Ladungstrennung wird wiederhergestellt.

2. Elektromagnetische Induktion — der Generator

Bewegt man einen Leiter durch ein Magnetfeld (oder umgekehrt das Magnetfeld am Leiter vorbei), so wird im Leiter eine Spannung induziert. Auf diesem Prinzip beruht jeder klassische Generator — vom Fahrraddynamo über die Lichtmaschine im Auto bis zum Turbinengenerator im Kraftwerk. Es ist mit Abstand die wichtigste Methode zur Erzeugung großer elektrischer Energiemengen weltweit.

Wie das im Detail funktioniert und warum dabei meist Wechselspannung entsteht, behandeln die Beiträge Elektromagnetische Induktion und Wechselstrom-Erzeugung / Generatorprinzip.

3. Photoeffekt — die Solarzelle

In einer Solarzelle aus dotiertem Halbleitermaterial (meist Silizium) lösen einfallende Lichtquanten Elektronen aus ihren Bindungen. Eine im Halbleiter aufgebaute innere Trennschicht — der pn-Übergang — sorgt dafür, dass die freigesetzten Ladungen in eine bestimmte Richtung wandern. Zwischen den beiden Anschlüssen baut sich eine Spannung auf, typischerweise rund 0,6 V pro Siliziumzelle. Erst durch Reihenschaltung vieler Zellen entstehen die nutzbaren 30 V, 60 V oder mehr am Solarmodul.

4. Thermoelektrisch — das Thermoelement

Verbindet man zwei verschiedene Metalle (oder Halbleiter) an einem Ende und erwärmt diese Verbindungsstelle, während das andere Ende kühl bleibt, entsteht zwischen den beiden offenen Enden eine kleine Spannung — der Seebeck-Effekt. Die Werte sind klein, üblich sind einige zehn bis hundert Mikrovolt pro Grad Temperaturdifferenz. Trotzdem ist dieser Effekt extrem nützlich: Thermoelemente sind die robusten Standardsensoren für Temperaturmessungen in heißen Umgebungen, etwa in Industrieöfen.

5. Piezoelektrisch — der Quarzkristall

Bestimmte Kristalle wie Quarz liefern unter mechanischem Druck eine elektrische Spannung. Die Kristallstruktur wird verzerrt, dadurch werden Ladungen an den Oberflächen verschoben. Klassisches Beispiel: das Piezo-Feuerzeug, das beim Drücken einen kurzen Hochspannungsimpuls (bis zu mehrere kV) erzeugt und damit den Funken zur Zündung liefert. Auch viele Drucksensoren und Stoßmesser in der Industrie funktionieren nach diesem Prinzip.

6. Reibung / Influenz — die statische Aufladung

Wenn man einen Wollpullover über den Kopf zieht und dabei „knistert“, werden zwischen Stoff und Haut Elektronen durch Reibung umverteilt. Es entstehen örtlich sehr hohe Spannungen — manchmal mehrere zehntausend Volt — bei extrem kleiner Ladungsmenge. Für Energieerzeugung ist das nicht praktisch, aber als physikalisches Phänomen wichtig (statische Entladung, ESD-Schutz in der Elektronik).

Im Überblick:

Prinzip Funktion (kurz) Typische Spannung DC/AC Typische Anwendung
Elektrochemisch Chemische Reaktion trennt Ladungen an zwei Elektroden 1–4 V je Zelle DC Batterie, Akku
Induktion Bewegung im Magnetfeld induziert Spannung im Leiter wenige V bis hunderte kV AC (meist) Generator, Lichtmaschine
Photovoltaik Licht setzt Ladungen im Halbleiter frei, pn-Übergang trennt sie ca. 0,6 V je Si-Zelle DC Solarmodul
Thermoelektrisch Temperaturdifferenz zweier Metalle erzeugt Spannung µV bis mV je Kelvin DC Thermoelement im Ofen
Piezoelektrisch Mechanische Verformung verschiebt Ladungen im Kristall bis kV-Impuls Impuls / DC Feuerzeug, Drucksensor
Reibung / Influenz Mechanischer Kontakt überträgt Elektronen sehr hoch, kV-Bereich statisch Bandgenerator, ESD

Eine Autobatterie hat 12 V. Wie viele Zellen sind in einer typischen Blei-Säure-Batterie in Serie geschaltet?

  • a) 2 Zellen
  • b) 6 Zellen
  • c) 12 Zellen
  • d) 24 Zellen

Richtig: b)

Eine einzelne Blei-Säure-Zelle liefert etwa 2 V Nennspannung. Für 12 V werden also 6 Zellen in Serie geschaltet — exakt das, was sich beim Öffnen einer klassischen Starterbatterie auch optisch zeigt (sechs einzelne Verschlussstopfen oben). 2 Zellen ergäben nur 4 V, 12 oder 24 Zellen würden viel zu hohe Spannungen liefern.

Welches Prinzip steht dahinter, wenn ein Generator in einem Wasserkraftwerk Spannung erzeugt?

  • a) Elektromagnetische Induktion
  • b) Galvanisches Element
  • c) Piezoeffekt
  • d) Photoeffekt

Richtig: a)

Im Generator dreht sich ein magnetisches System gegenüber einer Wicklung. Die zeitliche Änderung des magnetischen Flusses induziert in der Wicklung eine Spannung — das ist elektromagnetische Induktion. Galvanische Elemente (Batterien) basieren auf chemischen Reaktionen, der Piezoeffekt auf mechanischer Verformung, der Photoeffekt auf Licht — keines davon spielt im rotierenden Generator eine tragende Rolle.

Warum liefert ein einzelnes Photovoltaik-Solarmodul deutlich mehr als 0,6 V Ausgangsspannung, obwohl eine einzelne Siliziumzelle nur rund 0,6 V abgibt?

  • a) Weil die Zellen parallel geschaltet sind und sich die Spannungen addieren
  • b) Weil das Sonnenlicht die Spannung pro Zelle vervielfacht
  • c) Weil im Modul ein Transformator integriert ist
  • d) Weil viele Zellen im Modul in Reihe geschaltet sind und sich ihre Spannungen addieren

Richtig: d)

In einer Reihenschaltung addieren sich die Einzelspannungen. Bei rund 60 in Serie geschalteten Siliziumzellen ergeben sich so typische Modulspannungen im Bereich um 30–40 V. Eine Parallelschaltung würde die Spannung unverändert lassen und nur den maximal entnehmbaren Strom erhöhen. Licht erhöht zwar die abgegebene Leistung, nicht aber die Zellspannung wesentlich. Ein Transformator funktioniert nur mit Wechselspannung und ist in Modulen nicht eingebaut.

Kapitel 6 — Spannung in der Praxis: Größenordnungen und Messen

In der täglichen Arbeit hat man es mit einem enormen Spannungsbereich zu tun — vom winzigen Sensorsignal bis zur Hochspannung am Mast. Damit alle dieselbe Sprache sprechen, werden Spannungen in normierte Bereiche eingeteilt:

Bereich Grenze AC Grenze DC Typische Anwendung
Kleinspannung (ELV) bis 50 V bis 120 V Sensorik, Steuerung, Spielzeug
Niederspannung bis 1000 V bis 1500 V Hausanlagen, Industrieantriebe
Hochspannung über 1000 V über 1500 V Verteilnetze, Übertragungsnetze

Innerhalb der Kleinspannung gibt es zusätzlich die Schutzkleinspannung SELV/PELV mit ergänzenden Anforderungen an die galvanische Trennung. Das wird im Detail im Beitrag zu den Schutzklassen behandelt.

Spannung messen — die Grundregel

Spannung ist eine Differenzgröße. Das Messgerät — ein Voltmeter oder die Spannungsmessfunktion eines Multimeters — wird daher parallel zwischen die beiden Punkte gehängt, deren Spannungsdifferenz interessiert. Das Voltmeter hat einen hohen Innenwiderstand (typisch ≥ 10 MΩ), damit es die Schaltung möglichst wenig beeinflusst.

Drei Punkte sind in der Praxis wichtig:

  • DC oder AC umschalten: Misst man eine Wechselspannung im DC-Bereich, zeigt das Gerät nahezu null an (der Mittelwert einer reinen Sinusspannung ist null). Umgekehrt zeigt der AC-Bereich auf einer Gleichspannung ebenfalls keinen sinnvollen Wert.
  • Bezugspunkt sauber wählen: Die schwarze Messleitung (COM) kommt an den Bezugspunkt, die rote auf den Punkt mit dem zu messenden Potential.
  • Sicherheit zuerst: Beim Arbeiten an Spannungen ab dem Niederspannungsbereich gelten die Schutzmaßnahmen nach den geltenden ÖVE-Vorschriften. Nie unter Spannung arbeiten, wo es vermeidbar ist. Persönliche Schutzausrüstung und freigeschalteter Zustand sind Pflicht, bevor man tieferes Mess- oder Reparaturhandwerk macht.

Wie man konkret mit dem Multimeter umgeht, welche Messbereiche und Genauigkeiten typisch sind und worauf man bei der Bedienung achten muss, behandelt der Beitrag Multimeter: Spannung, Strom, Widerstand messen im Detail.

Wo liegt nach der üblichen Einteilung die Obergrenze des Kleinspannungsbereichs für Wechselspannung?

  • a) 24 V
  • b) 42 V
  • c) 50 V
  • d) 120 V

Richtig: c)

Die Obergrenze des Kleinspannungsbereichs liegt bei 50 V AC bzw. 120 V DC. Oberhalb dieser Werte beginnt die Niederspannung mit ihren strengeren Schutzanforderungen. 24 V und 42 V sind zwar gängige Steuerspannungen, aber keine Bereichsgrenzen. 120 V ist die entsprechende Grenze für Gleichspannung, nicht für AC.

Wie wird ein Voltmeter korrekt in eine Schaltung eingebaut?

  • a) In Serie zum Verbraucher, damit der gesamte Strom durch das Gerät fließt
  • b) Parallel zum Verbraucher mit hohem Innenwiderstand
  • c) In den Schutzleiter, damit Fehlerströme sichtbar werden
  • d) Direkt an die Versorgungsklemmen, unabhängig vom Verbraucher

Richtig: b)

Spannung ist die Differenz zweier Potentiale, also wird das Voltmeter an die beiden Anschlüsse des interessierenden Bauteils gehängt — parallel. Der hohe Innenwiderstand sorgt dafür, dass kaum Strom durch das Messgerät fließt und die Schaltung nicht verfälscht wird. Eine Serienschaltung wäre die Verschaltung eines Amperemeters. Der Schutzleiter ist kein Messpfad. Die Versorgungsklemmen liefern nur die Quellspannung, nicht zwingend die interessierende Bauteilspannung.

Du sollst eine 24-V-Steuerspannung an einem Schaltschrank messen, schaltest das Multimeter aber irrtümlich auf den AC-Bereich. Was wirst du sehen?

  • a) Einen Wert nahe 0 V, weil der Mittelwert einer Gleichspannung im AC-Bereich nicht sinnvoll dargestellt wird
  • b) Exakt 24 V, weil moderne Multimeter beide Spannungsarten gleich behandeln
  • c) Etwa 34 V, weil das Gerät den Spitzenwert anzeigt
  • d) Eine Fehlermeldung, weil das Gerät den falschen Bereich blockiert

Richtig: a)

Der AC-Bereich misst den Effektivwert einer wechselnden Größe. Eine reine Gleichspannung hat keine Wechselkomponente, das Gerät zeigt also einen Wert nahe null. Daher gehört zur Disziplin beim Messen, vor jeder Spannungsmessung den richtigen Bereich AC oder DC zu wählen. Eine Fehlermeldung liefert das Gerät nicht — es würde auch nicht erkennen, was tatsächlich anliegt.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Beim Bewegen einer Ladung von Q = 20 C durch ein Bauteil wird eine Energie von W = 480 J umgesetzt. Welche Spannung liegt über dem Bauteil an?

Gegeben:

  • W = 480 J
  • Q = 20 C

Gesucht: U in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel: U = W / Q
  2. Schritt 2 — Einsetzen: U = 480 J / 20 C = 24 V

Ergebnis: U = 24 V

Aufgabe 2: Ein Lithium-Ionen-Akku ist mit 14,4 V und 6 Ah beschriftet. Wie viel Energie enthält er theoretisch in Joule?

Gegeben:

  • U = 14,4 V
  • Q = 6 Ah

Gesucht: W in J

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Ladungsmenge in Coulomb umrechnen: Q = 6 Ah · 3600 s/h = 21 600 C
  2. Schritt 2 — Energie berechnen: W = U · Q = 14,4 V · 21 600 C = 311 040 J ≈ 311 kJ

Ergebnis: W ≈ 311 kJ (entspricht 86,4 Wh)

Aufgabe 3: An Punkt A einer Schaltung wird gegen Masse ein Potential von φ_A = 24 V gemessen, an Punkt B ein Potential von φ_B = 9 V. Wie groß sind U_AB und U_BA?

Gegeben:

  • φ_A = 24 V
  • φ_B = 9 V

Gesucht: U_AB und U_BA in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — U_AB: U_AB = φ_A − φ_B = 24 V − 9 V = +15 V
  2. Schritt 2 — U_BA: U_BA = φ_B − φ_A = 9 V − 24 V = −15 V

Ergebnis: U_AB = +15 V, U_BA = −15 V. Vorzeichen geben die Richtung der Spannung an.

Aufgabe 4: Wie viel Ladung muss zwischen Plus- und Minuspol einer 230-V-Steckdose verschoben werden, damit ein Heißluftföhn eine elektrische Energie von 27 600 J aufnimmt?

Gegeben:

  • U = 230 V
  • W = 27 600 J

Gesucht: Q in C und in Ah

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Ladung in Coulomb: Q = W / U = 27 600 J / 230 V = 120 C
  2. Schritt 2 — Umrechnung in Ah: Q = 120 C / 3600 s/h ≈ 0,0333 Ah

Ergebnis: Q = 120 C ≈ 33,3 mAh

Welche der folgenden Aussagen zur elektrischen Spannung ist falsch?

  • a) Spannung ist die Differenz zweier elektrischer Potentiale
  • b) Die Einheit der Spannung ist Volt
  • c) Spannung wird parallel zu einem Bauteil gemessen
  • d) Spannung fließt durch Leiter und Bauteile

Richtig: d)

„Spannung fließt“ ist ein häufiger Sprachfehler, der konzeptionell falsch ist. Strom fließt; Spannung liegt an oder fällt ab. Die anderen drei Aussagen sind alle korrekt — Spannung ist eine Differenzgröße in Volt, und Voltmeter werden parallel angeschlossen.

Eine Quelle hat U = 9 V und schiebt im Betrieb 5 C an Ladung durch einen Widerstand. Welche Energie gibt sie dabei ab?

  • a) 45 J
  • b) 1,8 J
  • c) 14 J
  • d) 0,56 J

Richtig: a)

W = U · Q = 9 V · 5 C = 45 J. Der häufigste Fehler ist, statt Multiplikation eine Division zu rechnen (9 / 5 = 1,8 oder 5 / 9 ≈ 0,56) oder die Werte zu addieren (14). Die Definitionsformel U = W / Q liefert nach Umstellung eindeutig die Multiplikation.

Welche Aussage über die Spannung an einem Knoten in einem Stromkreis ist korrekt?

  • a) Jeder Knoten hat eine Spannung, die unabhängig vom Rest der Schaltung gilt
  • b) Die Spannung eines Knotens ist gleich der Versorgungsspannung
  • c) Die „Spannung am Knoten“ ist sinnvoll nur als Potential gegenüber dem gewählten Bezugspunkt
  • d) Knoten haben keine Spannung, sondern nur Stromstärke

Richtig: c)

Spannung ist immer eine Differenz. Wenn von „Spannung am Knoten“ gesprochen wird, ist damit implizit die Spannung zwischen dem Knoten und dem definierten Bezugspunkt (Masse) gemeint — also das Potential. Verschiebt man den Bezugspunkt, ändert sich dieser Wert. Stromstärke ist eine andere Größe, sie fließt durch Knoten hindurch und ist nicht „die Spannung“ des Knotens.

Welcher Wert beschreibt die in Österreich übliche Steckdosenspannung am genauesten?

  • a) 230 V Gleichspannung, ständig konstant
  • b) 230 V Effektivwert einer sinusförmigen Wechselspannung mit 50 Hz
  • c) 230 V Spitzenwert einer Sägezahnspannung
  • d) 230 V Effektivwert einer Wechselspannung mit 60 Hz

Richtig: b)

Das österreichische und europäische Verbundnetz liefert eine sinusförmige Wechselspannung mit 50 Hz; der genormte Effektivwert in Haushaltssteckdosen beträgt 230 V. Gleichspannung ist es nicht; der Spitzenwert liegt deutlich höher als 230 V; 60 Hz ist die nordamerikanische Netzfrequenz.

Welches Erzeugungsprinzip steckt hinter der Spannung an einem klassischen Thermoelement?

  • a) Seebeck-Effekt: Temperaturdifferenz zwischen zwei verschiedenen Metallen erzeugt eine kleine Spannung
  • b) Piezoelektrischer Effekt durch Druck auf einen Quarz
  • c) Photoeffekt: einfallendes Licht löst Elektronen aus dem Material
  • d) Galvanisches Element mit zwei verschiedenen Elektroden in Elektrolyt

Richtig: a)

Ein Thermoelement nutzt den Seebeck-Effekt: An der Verbindungsstelle zweier ungleicher Metalle entsteht eine temperaturabhängige Spannung. Piezoeffekt setzt mechanischen Druck voraus, der Photoeffekt einfallendes Licht, das galvanische Element einen Elektrolyt — all das spielt im Thermoelement keine Rolle.

Eine Spannungsquelle wird im Schaltplan als Kreis mit einer geschwungenen Sinuslinie dargestellt. Worum handelt es sich?

  • a) Eine Gleichspannungsquelle, dargestellt durch das Tilde-Zeichen
  • b) Eine Strom-, keine Spannungsquelle
  • c) Ein Bauteil zur Spannungsbegrenzung
  • d) Eine Wechselspannungsquelle nach ÖVE/ÖNORM EN 60617

Richtig: d)

Das Symbol mit der Sinuslinie steht nach ÖVE/ÖNORM EN 60617 für eine Wechselspannungsquelle. Eine Gleichspannungsquelle wird mit zwei parallelen, unterschiedlich langen Strichen dargestellt (Batterie-Symbol). Stromquellen und spannungsbegrenzende Bauelemente haben eigene, abweichende Schaltzeichen.

Was bewirkt eine Reihenschaltung mehrerer gleicher Solarzellen in einem Solarmodul?

  • a) Die Spannung bleibt gleich, der maximale Strom verdoppelt sich pro hinzugefügter Zelle
  • b) Die Spannung halbiert sich, dafür steigt der Strom
  • c) Die Einzelspannungen addieren sich, die maximal entnehmbare Stromstärke entspricht der einer einzelnen Zelle
  • d) Spannung und Strom verdoppeln sich beide gemeinsam

Richtig: c)

Bei einer Reihenschaltung addieren sich die Einzelspannungen, der Strom bleibt aber gleich dem Strom durch das schwächste Glied. Genau deshalb werden viele Si-Zellen mit je rund 0,6 V seriell verschaltet, um auf ein praktikables Spannungsniveau zu kommen. Eine Parallelschaltung würde die Spannung gleich lassen und den Strom erhöhen — das ist hier nicht der Fall.

Was unterscheidet einen Akku grundsätzlich von einer Primärbatterie?

  • a) Akkus liefern Wechselspannung, Primärbatterien Gleichspannung
  • b) Beim Akku ist die chemische Reaktion umkehrbar, er kann nachgeladen werden
  • c) Akkus haben höhere Spannungen pro Zelle als Primärbatterien
  • d) Akkus enthalten keinen Elektrolyt

Richtig: b)

Der entscheidende Unterschied liegt in der Reversibilität der Reaktion. Beim Akku kann durch Energiezufuhr die chemische Reaktion umgekehrt und die Ladungstrennung wiederhergestellt werden. Beide Typen liefern Gleichspannung, beide enthalten einen Elektrolyt, und die Zellspannungen liegen in ähnlichen Bereichen — sie hängen vom Materialpaar ab, nicht davon, ob aufladbar oder nicht.

Welche Aussage zum Voltmeter im Inneren eines üblichen Multimeters ist korrekt?

  • a) Es hat einen sehr hohen Innenwiderstand, um die Schaltung möglichst wenig zu belasten
  • b) Es hat einen sehr kleinen Innenwiderstand, um den vollen Messstrom durchzulassen
  • c) Sein Innenwiderstand ist null, um Spannungsabfälle zu vermeiden
  • d) Sein Innenwiderstand hängt von der zu messenden Spannung ab

Richtig: a)

Ein Voltmeter soll die Spannung messen, ohne die zu messende Schaltung merklich zu verändern. Daher hat es einen sehr hohen Innenwiderstand (typisch 10 MΩ oder mehr), sodass durch das Messgerät nahezu kein Strom fließt. Ein kleiner oder gar null Innenwiderstand wäre die Eigenschaft eines Amperemeters und würde die Schaltung bei Spannungsmessung kurzschließen.

Eine Anlage besitzt zwischen Phase und Schutzleiter eine gemessene Spannung von 230 V AC. Welcher Spannungskategorie ist sie zuzuordnen?

  • a) Kleinspannung, weil unter 1000 V
  • b) Hochspannung, weil über 50 V
  • c) Schutzkleinspannung, weil ein Schutzleiter beteiligt ist
  • d) Niederspannung, weil über 50 V AC und unter 1000 V AC

Richtig: d)

230 V liegen oberhalb der Kleinspannungsgrenze von 50 V AC und unterhalb der Hochspannungsgrenze von 1000 V AC. Damit fällt jede typische Hausinstallation in den Niederspannungsbereich. Schutzkleinspannung würde galvanische Trennung und maximal 50 V AC erfordern; die bloße Anwesenheit eines Schutzleiters macht eine Anlage nicht zur Kleinspannungsanlage.

Glossar

Elektrische Spannung (U)
Antrieb für die Bewegung elektrischer Ladungen zwischen zwei Punkten; entspricht der Energie pro verschobener Ladungsmenge. Einheit Volt (V).
Volt (V)
SI-Einheit der elektrischen Spannung. 1 V ist die Spannung, bei der pro Coulomb verschobener Ladung 1 Joule Energie umgesetzt wird.
Potential (φ)
„Elektrische Höhenlage“ eines Punktes in einer Schaltung gegenüber einem festgelegten Bezugspunkt (Masse/Erde).
Potentialdifferenz
Unterschied zwischen den Potentialen zweier Punkte; entspricht der zwischen diesen Punkten anliegenden Spannung.
Masse / Erde
Festgelegter Bezugspunkt einer Schaltung mit dem Potential 0 V.
Spannungsabfall
Spannung, die über einem Bauteil im Stromkreis abfällt; rechnerisch die Differenz der Potentiale an seinen beiden Anschlüssen.
Gleichspannung (DC)
Spannung mit zeitlich konstantem Wert und gleichbleibender Polarität.
Wechselspannung (AC)
Spannung, die ihre Polarität periodisch wechselt; meist sinusförmig, in Österreich mit 50 Hz.
Effektivwert
Rechnerischer Wert einer Wechselspannung, der dieselbe Leistung an einem ohmschen Widerstand verursacht wie eine gleich große Gleichspannung. Auf Steckdosen und Geräten wird meist dieser Wert angegeben.
Galvanisches Element
Spannungsquelle aus zwei verschiedenen Metallen in einem Elektrolyt; Grundprinzip von Batterien und Akkus.
Seebeck-Effekt
Erzeugung einer Spannung an der Verbindungsstelle zweier verschiedener Metalle durch eine Temperaturdifferenz; Grundlage des Thermoelements.
Piezoeffekt
Erzeugung einer Spannung in bestimmten Kristallen durch mechanische Verformung.
Voltmeter
Messgerät zur Spannungsmessung mit hohem Innenwiderstand; wird parallel zum Bauteil geschaltet.
Kleinspannung (ELV)
Spannungsbereich bis 50 V AC bzw. 120 V DC.
Niederspannung
Spannungsbereich von 50 V AC bis 1000 V AC bzw. von 120 V DC bis 1500 V DC; Bereich der üblichen Hausinstallation.
Hochspannung
Spannungsbereich oberhalb von 1000 V AC bzw. 1500 V DC.

Österreichische Normen

  • ÖVE/ÖNORM EN 60617: Legt die Schaltzeichen in elektrischen Schaltplänen fest, unter anderem die Symbole für Gleich- und Wechselspannungsquellen.
  • ÖVE/ÖNORM E 8101: Errichtung elektrischer Anlagen mit Nennspannungen bis 1000 V (Niederspannungsanlagen) — die zentrale österreichische Errichtungsnorm, in der unter anderem die Spannungsbereiche und Schutzmaßnahmen definiert werden.

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