Wechselstrom-Erzeugung / Generatorprinzip

Der Strom aus der Steckdose ist Wechselstrom — und er kommt nicht von ungefähr. Hinter jeder Steckdose in Österreich steht letztlich ein Generator, in dem sich etwas dreht. Diese Drehbewegung wird über das Induktionsgesetz in eine sinusförmige Spannung umgesetzt. Wer versteht, warum ausgerechnet ein Sinus dabei herauskommt, hat den Schlüssel zur gesamten Wechselstromtechnik in der Hand — und nebenbei auch zum Drehstrom, zu Transformatoren und zu allen rotierenden elektrischen Maschinen.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum bei einer gleichmäßig rotierenden Leiterschleife im Magnetfeld eine sinusförmige Spannung entsteht
  • die Beziehung zwischen Periode, Frequenz und Kreisfrequenz sicher anwenden
  • aus Drehzahl und Polpaarzahl die erzeugte Frequenz berechnen
  • den Aufbau eines einfachen Wechselstromgenerators in Innen- und Außenpolbauart beschreiben
  • den Schritt vom Einphasen-Wechselstrom zum Drehstrom einordnen

1. Vom Induktionsgesetz zum Generator

Aus dem Vorwissen ist bekannt: Ändert sich der magnetische Fluss durch eine Leiterschleife, entsteht in ihr eine Spannung. Schiebt man einen Stabmagneten in eine Spule, zeigt das Voltmeter kurz einen Ausschlag. Zieht man ihn wieder heraus, zeigt es einen Ausschlag in die andere Richtung. So weit, so gut — aber das gibt nur einen kurzen Spannungspuls. Für eine Steckdose, an der eine Bohrmaschine dauerhaft läuft, reicht das nicht.

Die Lösung ist verblüffend einfach: Statt die Spule nur einmal zu bewegen, lässt man sie sich kontinuierlich drehen. Eine Leiterschleife rotiert zwischen den Polen eines Magneten. Bei jeder Umdrehung kippt die Schleifenfläche relativ zum Feld immer wieder — der Fluss wächst, schrumpft, wechselt das Vorzeichen, wächst wieder. Diese ständige Flussänderung erzeugt eine ständige Induktionsspannung. Weil der Fluss dabei regelmäßig sein Vorzeichen wechselt, wechselt auch die Spannung ihr Vorzeichen. Das Ergebnis ist Wechselspannung — daher der Name.

Damit der Strom aus der rotierenden Schleife herausgeführt werden kann, ohne dass sich die Anschlussleitungen verdrillen, sitzen am Ende der Schleife zwei Schleifringe. Bürsten gleiten auf diesen Ringen und nehmen den Strom ab. Dieses Grundprinzip — drehende Leiterschleife im Magnetfeld plus Schleifringkontakt — bildet den Kern jedes klassischen Wechselstromgenerators.

N S Leiterschleife Schleifringe U~ Drehrichtung

Warum reicht ein einmaliges Einschieben eines Magneten in eine Spule nicht für eine brauchbare Stromerzeugung?

  • a) Weil dabei nur ein einzelner kurzer Spannungspuls entsteht und keine dauerhafte Spannung
  • b) Weil die Spule dabei zu warm wird
  • c) Weil der Magnet dabei seine Wirkung verliert
  • d) Weil ohne Schleifringe gar keine Spannung entsteht

Richtig: a)

Nur die Bewegung selbst erzeugt eine Flussänderung. Sobald der Magnet still steht, ist die Flussänderung null und damit auch die induzierte Spannung. Für eine dauerhafte Versorgung muss die Flussänderung dauerhaft stattfinden — das gelingt durch kontinuierliche Drehung.

Welche Aufgabe haben Schleifringe und Bürsten bei einem einfachen Wechselstromgenerator mit drehender Spule?

  • a) Sie erzeugen die Spannung
  • b) Sie verstärken das Magnetfeld
  • c) Sie übertragen den Strom von der rotierenden Spule auf die ortsfeste Leitung
  • d) Sie wandeln Wechsel- in Gleichspannung um

Richtig: c)

Die Spannung entsteht in der Spule durch Induktion. Die Schleifringe stellen lediglich den elektrischen Kontakt zwischen rotierenden und stehenden Teilen her, damit der Strom nach außen geführt werden kann, ohne dass sich Leitungen verdrehen. Eine Spannungsumwandlung findet hier nicht statt.

Warum ist die Spannung an einem solchen Generator zwangsläufig eine Wechselspannung?

  • a) Weil das Magnetfeld der Pole sein Vorzeichen ändert
  • b) Weil der Fluss durch die Schleife bei jeder Umdrehung sein Vorzeichen wechselt
  • c) Weil die Drehzahl ständig schwankt
  • d) Weil sich die Schleifringe gegeneinander verschieben

Richtig: b)

Während der Drehung steht die Schleifenfläche abwechselnd mit der einen oder der anderen Seite zum Nordpol — der Fluss durch die Fläche kehrt also periodisch sein Vorzeichen um. Damit folgt aus dem Induktionsgesetz zwangsläufig eine Spannung mit wechselndem Vorzeichen. Das Magnetfeld selbst bleibt dabei unverändert.

2. Die rotierende Leiterschleife – So entsteht der Sinus

Dass eine sich drehende Schleife Spannung erzeugt, ist eine Sache. Dass diese Spannung exakt sinusförmig verläuft, ist eine andere. Warum gerade ein Sinus? Die Antwort liegt nicht in der Elektrotechnik, sondern in der Geometrie der Drehbewegung selbst.

Stelle dir die Leiterschleife in vier markanten Stellungen vor, jeweils um 90° gedreht:

Stellung 1 — Schleifenfläche steht senkrecht zum Feld (Winkel 0°): Die Feldlinien durchstoßen die Fläche maximal — der Fluss ist also maximal. Genau in diesem Moment ändert sich der Fluss aber praktisch nicht: Die Schleife dreht sich gerade durch den Scheitelpunkt der Flusskurve, die Flussänderungsrate ist null. Und weil die induzierte Spannung von der Flussänderung abhängt — nicht vom Fluss selbst —, ist die Spannung in diesem Moment null.

Stellung 2 — Schleifenfläche steht parallel zum Feld (Winkel 90°): Jetzt durchstoßen die Feldlinien die Fläche gar nicht mehr, der Fluss ist null. Aber genau hier ändert er sich am schnellsten: Mit jeder kleinen Weiterdrehung schwenkt die Fläche aus dem Feld heraus oder hinein, der Fluss schießt nach oben oder unten. Maximale Änderungsrate bedeutet maximale Spannung — das ist der Scheitelwert.

Stellung 3 — Schleifenfläche wieder senkrecht zum Feld, aber gedreht (Winkel 180°): Der Fluss ist wieder maximal, aber jetzt mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Änderungsrate ist erneut null, die Spannung ebenfalls null.

Stellung 4 — Schleifenfläche wieder parallel zum Feld (Winkel 270°): Maximale Änderungsrate, aber in die andere Richtung. Die Spannung erreicht ihren negativen Scheitelwert.

Diese vier Punkte — null, maximum, null, minimum — sind genau die vier Markenpunkte einer Sinuskurve. Und nicht nur das: Auch zwischen diesen Punkten verhält sich die Flussänderung gerade so, dass die mathematische Form Sinus ist. Das ist kein Zufall, sondern liegt direkt am Zusammenhang zwischen Kreisbewegung und trigonometrischen Funktionen. Wer den Einheitskreis im Kopf hat, sieht es sofort: Die Höhe eines mit konstanter Winkelgeschwindigkeit umlaufenden Punkts über der waagrechten Achse ist genau eine Sinus-Funktion der Zeit.

Damit lässt sich die erzeugte Spannung knapp formulieren:

Der Momentanwert ist der Spannungswert genau zum Zeitpunkt t. Der Scheitelwert û (sprich „u-Dach“) ist der maximale Wert, den die Spannung in jeder Periode kurzzeitig erreicht. Die Kreisfrequenz ω beschreibt, wie schnell der Drehwinkel pro Sekunde anwächst — sie ist im nächsten Kapitel das nächste Stichwort.

u(t) = û · sin(ω·t)

  • u(t) … Momentanwert der Spannung in V
  • û … Scheitelwert (Spitzenwert) der Spannung in V
  • ω … Kreisfrequenz in 1/s
  • t … Zeit in s
Φ max, u=0 90° Φ=0, u=+û 180° Φ min, u=0 270° Φ=0, u=-û ωt 90° 180° 270° 360° u(t) = û · sin(ω·t)

Gelöstes Beispiel

Ein Generator liefert eine Wechselspannung mit dem Scheitelwert û = 325 V und der Frequenz f = 50 Hz. Welcher Momentanwert liegt 2,5 ms nach dem Nulldurchgang an?

Gegeben: û = 325 V, f = 50 Hz, t = 2,5 ms = 0,0025 s

Gesucht: u(t) in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Kreisfrequenz: ω = 2 · π · f = 2 · π · 50 = 314,16 1/s
  2. Schritt 2 — Drehwinkel zum Zeitpunkt t: ω · t = 314,16 · 0,0025 = 0,7854 rad (entspricht 45°)
  3. Schritt 3 — Momentanwert: u(t) = û · sin(ω·t) = 325 · sin(0,7854) = 325 · 0,7071 = 229,8 V

Ergebnis: u(2,5 ms) = 229,8 V

Übungen

Eine Wechselspannung hat einen Scheitelwert von 100 V und eine Frequenz von 50 Hz. Wie groß ist der Momentanwert zum Zeitpunkt t = 5 ms?

u = 100 · sin(2π · 50 · 0,005) = 100 · sin(π/2) = 100 V

Welchen Momentanwert hat eine Wechselspannung mit û = 230 V und f = 50 Hz zum Zeitpunkt t = 10 ms?

u = 230 · sin(2π · 50 · 0,01) = 230 · sin(π) = 0 V

Eine Wechselspannung mit û = 50 V und f = 60 Hz wird zum Zeitpunkt t = 1 ms gemessen. Welcher Momentanwert ergibt sich?

ω · t = 2π · 60 · 0,001 = 0,377 rad → u = 50 · sin(0,377) = 18,4 V

Zu welchem Zeitpunkt nach dem Nulldurchgang erreicht eine Wechselspannung mit f = 50 Hz erstmals ihren Scheitelwert?

Scheitelwert bei ωt = π/2 → t = (π/2) / (2π · 50) = 1 / 200 s = 5 ms

Eine Wechselspannung erreicht zum Zeitpunkt t = 2 ms genau die Hälfte ihres Scheitelwerts. Welche Frequenz hat sie (erster positiver Halbwert nach dem Nulldurchgang)?

sin(ωt) = 0,5 → ωt = π/6 → 2π · f · 0,002 = π/6 → f = 1/(12 · 0,002) = 41,67 Hz

Warum ist die induzierte Spannung null, obwohl der magnetische Fluss durch die Schleife gerade maximal ist?

  • a) Weil das Magnetfeld in diesem Moment zusammenbricht
  • b) Weil die Schleife in diesem Moment den Stromkreis trennt
  • c) Weil die Spannung vom magnetischen Fluss selbst abhängt
  • d) Weil die Spannung von der zeitlichen Änderung des Flusses abhängt, und diese ist im Scheitelpunkt null

Richtig: d)

Das Induktionsgesetz koppelt die Spannung an die Flussänderungsrate, nicht an den Flusswert. Im Moment des Flussmaximums steht die Flusskurve am Scheitelpunkt — die Steigung und damit die Änderung pro Zeit ist dort null. Das Magnetfeld bleibt dabei voll vorhanden.

In welcher Stellung der Leiterschleife relativ zum Magnetfeld erreicht die induzierte Spannung ihren positiven Scheitelwert?

  • a) Wenn die Schleifenfläche parallel zum Feld steht
  • b) Wenn die Schleifenfläche senkrecht zum Feld steht
  • c) Wenn die Schleife genau zwischen den Polen schwebt
  • d) Wenn die Schleifenfläche im 45°-Winkel zum Feld steht

Richtig: a)

In paralleler Stellung ist der Fluss durch die Schleifenfläche zwar gerade null, aber jede weitere kleine Drehung lässt den Fluss am schnellsten anwachsen. Maximale Änderungsrate bedeutet maximale induzierte Spannung. In senkrechter Stellung ist es genau umgekehrt — maximaler Fluss, aber null Änderung.

Was beschreibt der Scheitelwert û einer Wechselspannung?

  • a) Den Durchschnittswert über eine Periode
  • b) Den Effektivwert
  • c) Den maximal auftretenden Spannungswert in jeder Periode
  • d) Den Wert zum Zeitpunkt t = 0

Richtig: c)

Der Scheitelwert ist der höchste Momentanwert, den die Spannung in jeder Periode kurzzeitig erreicht. Der Durchschnitt über eine ganze Periode wäre null (positiver und negativer Halbschwingung). Der Effektivwert ist eine andere Größe, die das gleichwertige Gleichstrom-Pendant beschreibt — dazu mehr im verlinkten Beitrag zu den Kenngrößen.

Eine Wechselspannung u(t) = 100 V · sin(ω·t) wird zum Zeitpunkt ωt = π gemessen. Welcher Momentanwert ergibt sich?

  • a) +100 V
  • b) 0 V
  • c) -100 V
  • d) +50 V

Richtig: b)

sin(π) = 0, also u = 100 V · 0 = 0 V. Bei ωt = π hat die Spannung gerade ihre erste Halbschwingung beendet und durchläuft den Nulldurchgang von positiv nach negativ. Bei ωt = π/2 wäre der positive Scheitelwert erreicht (+100 V), bei ωt = 3π/2 der negative (-100 V).

3. Kenngrößen aus Sicht der Erzeugung

Die im vorigen Kapitel auftauchende Größe ω hat einen direkten Bezug zur Drehbewegung, ist aber selbst noch nicht das, was man üblicherweise an einer Wechselspannung angibt. Im Alltag spricht man von Frequenz und meint damit, wie oft die Spannung pro Sekunde eine volle Schwingung vollzieht. Drei eng zusammengehörende Größen sind dabei wichtig.

Eine ausführliche Behandlung von Effektivwert, Scheitelfaktor und Mittelwert findet sich im Beitrag Wechselspannung und ihre Kenngrößen. Hier geht es nur um die Größen, die für das Verständnis der Erzeugung selbst gebraucht werden.

Periode T: Die Zeit, die für eine volle Schwingung — also für eine komplette Umdrehung der Leiterschleife — vergeht. Einheit: Sekunde. Bei einem Netzgenerator in Österreich ist T = 20 ms.

Frequenz f: Die Anzahl der vollen Schwingungen pro Sekunde. Einheit: Hertz (Hz), 1 Hz = 1 Schwingung pro Sekunde. Periode und Frequenz hängen über den Kehrwert zusammen:

Kreisfrequenz ω: Wie schnell wächst der Drehwinkel pro Sekunde? Sie ist die Frequenz multipliziert mit dem Vollwinkel 2π (ein voller Umlauf entspricht 2π im Bogenmaß):

Die Kreisfrequenz ist für die Formel u(t) = û · sin(ω·t) entscheidend, weil dort der Winkel ω·t als Argument des Sinus auftritt. Im praktischen Sprachgebrauch spricht man aber fast immer von der Frequenz f, weil sie sich besser greifen lässt — 50 Hz sind anschaulicher als 314 1/s.

f = 1 / T

  • f … Frequenz in Hz
  • T … Periode in s

ω = 2 · π · f

  • ω … Kreisfrequenz in 1/s
  • f … Frequenz in Hz

Gelöstes Beispiel

Eine Wechselspannung hat eine Periode von 16,67 ms. Wie groß sind Frequenz und Kreisfrequenz?

Gegeben: T = 16,67 ms = 0,01667 s

Gesucht: f in Hz, ω in 1/s

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Frequenz: f = 1 / T = 1 / 0,01667 = 60 Hz
  2. Schritt 2 — Kreisfrequenz: ω = 2 · π · f = 2 · π · 60 = 376,99 1/s

Ergebnis: f = 60 Hz, ω ≈ 377 1/s (das entspricht der Netzfrequenz in Nordamerika)

Übungen

Berechne die Periode einer Wechselspannung mit f = 50 Hz.

T = 1/50 = 0,02 s = 20 ms

Welche Frequenz hat eine Spannung mit T = 4 ms?

f = 1/0,004 = 250 Hz

Wie groß ist die Kreisfrequenz einer 50-Hz-Wechselspannung?

ω = 2π · 50 = 314,16 1/s

Eine Wechselspannung hat eine Kreisfrequenz von 1257 1/s. Welche Frequenz und welche Periode hat sie?

f = ω/(2π) = 1257/(2π) ≈ 200 Hz, T = 1/200 = 5 ms

Wie viele volle Schwingungen vollzieht eine 50-Hz-Wechselspannung in einer Minute?

50 Schwingungen/s · 60 s = 3000 Schwingungen pro Minute

Eine Wechselspannung hat eine Periode von 25 ms. Wie groß ist ihre Frequenz?

  • a) 40 Hz
  • b) 25 Hz
  • c) 50 Hz
  • d) 4 Hz

Richtig: a)

f = 1/T = 1/0,025 s = 40 Hz. Die Frequenz wäre 50 Hz, wenn die Periode 20 ms betragen würde — daher die Verwechslungsgefahr beim Netzbeispiel. 25 Hz würde einer Periode von 40 ms entsprechen.

Was beschreibt die Kreisfrequenz ω physikalisch?

  • a) Den Umfang des Generatorrotors
  • b) Die Anzahl der Pole im Generator
  • c) Die Geschwindigkeit, mit der der Drehwinkel pro Sekunde anwächst
  • d) Den Scheitelwert der Spannung in V

Richtig: c)

Die Kreisfrequenz hat die Einheit 1/s und gibt an, um wie viele Radiant der „Zeiger“ auf dem Einheitskreis pro Sekunde weiterdreht. Ein voller Umlauf entspricht 2π, daher ω = 2π·f. Mit dem Rotor-Umfang oder der Polzahl hängt sie nicht direkt zusammen.

Welche der folgenden Aussagen über das Verhältnis von Frequenz und Periode trifft zu?

  • a) Höhere Frequenz bedeutet längere Periode
  • b) Frequenz und Periode sind voneinander unabhängig
  • c) Verdopplung der Periode lässt die Frequenz unverändert
  • d) Frequenz und Periode sind reziprok zueinander — Verdopplung der einen halbiert die andere

Richtig: d)

Es gilt f = 1/T, daher sind beide Größen Kehrwerte voneinander. Wenn die Periode auf den doppelten Wert steigt, halbiert sich die Frequenz und umgekehrt. Eine längere Periode bedeutet weniger Schwingungen pro Sekunde, also kleinere Frequenz.

4. Frequenz, Drehzahl und Polpaarzahl

Bisher wurde stillschweigend angenommen, dass eine Umdrehung der Leiterschleife genau einer Periode der erzeugten Spannung entspricht. Das stimmt aber nur, wenn der Generator genau ein einziges Polpaar besitzt — also einen Nord- und einen Südpol. Sobald mehrere Polpaare im Spiel sind, ändert sich die Rechnung.

Stelle dir einen Generator mit zwei Polpaaren vor: Auf einem ringförmigen Stator sitzen, gleichmäßig verteilt, zwei Nord- und zwei Südpole im Wechsel — N, S, N, S. Bei einer einzigen vollen Umdrehung des Rotors passiert die rotierende Spule jeden dieser vier Pole, der Fluss wechselt also zweimal die Richtung in derselben Drehung. Das Ergebnis: zwei vollständige Spannungsschwingungen pro Umdrehung statt nur einer. Die Frequenz verdoppelt sich bei gleicher Drehzahl.

Daraus ergibt sich der zentrale Zusammenhang zwischen Drehzahl, Polpaarzahl und erzeugter Frequenz:

In der Praxis wird die Drehzahl meist in Umdrehungen pro Minute angegeben. Mit n in 1/min gilt:

Diese Beziehung erklärt auf einen Schlag, warum verschiedene Generatortypen mit so unterschiedlichen Drehzahlen laufen können und trotzdem alle dieselbe Netzfrequenz erzeugen. Für die in Österreich genormte Netzfrequenz von 50 Hz ergeben sich klassische Synchrondrehzahlen:

Polpaarzahl p Synchrondrehzahl n bei 50 Hz
1 3000 1/min
2 1500 1/min
3 1000 1/min
4 750 1/min
5 600 1/min

Welche Polpaarzahl ein Generator bekommt, hängt davon ab, was ihn antreibt. Schnelle Antriebe wie Dampf- oder Gasturbinen passen gut zu Generatoren mit p = 1 (3000 1/min). Wasserkraftwerke mit ihren langsam laufenden Turbinen brauchen dagegen viele Polpaare, oft 20 oder mehr, um trotz niedriger Turbinendrehzahl die 50 Hz zu treffen. Ein Wasserkraftgenerator mit p = 20 läuft beispielsweise bei 150 1/min — das passt zum langsamen Turbinendreh der Anlage und macht ein Getriebe überflüssig.

f = n · p

  • f … Frequenz in Hz
  • n … Drehzahl in 1/s (Umdrehungen pro Sekunde)
  • p … Polpaarzahl (dimensionslos)

f = n · p / 60

  • f … Frequenz in Hz
  • n … Drehzahl in 1/min
  • p … Polpaarzahl

Gelöstes Beispiel

Ein Generator hat 6 Pole und wird mit 1000 1/min angetrieben. Welche Frequenz erzeugt er?

Gegeben: 6 Pole → p = 3 Polpaare, n = 1000 1/min

Gesucht: f in Hz

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Polpaarzahl bestimmen: p = Polzahl / 2 = 6 / 2 = 3
  2. Schritt 2 — Frequenz berechnen: f = n · p / 60 = 1000 · 3 / 60 = 50 Hz

Ergebnis: Der Generator erzeugt eine Wechselspannung mit f = 50 Hz.

Übungen

Mit welcher Drehzahl muss ein Generator mit p = 1 laufen, um 50 Hz zu erzeugen?

n = 60 · f / p = 60 · 50 / 1 = 3000 1/min

Ein Wasserkraftgenerator hat 40 Pole und läuft mit 150 1/min. Welche Frequenz erzeugt er?

p = 40/2 = 20, f = 150 · 20 / 60 = 50 Hz

Ein Generator mit p = 2 läuft mit 1800 1/min. Welche Frequenz erzeugt er?

f = 1800 · 2 / 60 = 60 Hz (entspricht der Netzfrequenz in den USA)

Welche Polpaarzahl braucht ein Generator, der bei 750 1/min eine Frequenz von 50 Hz erzeugen soll?

p = f · 60 / n = 50 · 60 / 750 = 4

Ein achtpoliger Generator soll 60 Hz erzeugen. Mit welcher Drehzahl muss er laufen?

p = 8/2 = 4, n = 60 · f / p = 60 · 60 / 4 = 900 1/min

Ein Generator mit p = 2 läuft mit 3000 1/min. Welche Frequenz erzeugt er?

  • a) 50 Hz
  • b) 100 Hz
  • c) 150 Hz
  • d) 25 Hz

Richtig: b)

f = n · p / 60 = 3000 · 2 / 60 = 100 Hz. Häufige Falle: Man tippt instinktiv auf 50 Hz, weil 3000 1/min nach „Netzgenerator“ klingt — aber bei zwei Polpaaren passt diese Drehzahl nicht zum 50-Hz-Netz, sondern erzeugt die doppelte Frequenz.

Mit welcher Synchrondrehzahl läuft ein vierpoliger Generator im 50-Hz-Netz?

  • a) 3000 1/min
  • b) 750 1/min
  • c) 1000 1/min
  • d) 1500 1/min

Richtig: d)

Vier Pole bedeuten p = 2. Daraus folgt n = 60 · f / p = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min. 3000 1/min wäre die Drehzahl bei p = 1 (zweipoliger Generator), 1000 1/min entspräche p = 3 und 750 1/min entspräche p = 4.

Warum erhalten Wasserkraftgeneratoren typischerweise eine sehr hohe Polpaarzahl?

  • a) Weil die Turbinen langsam drehen und trotzdem 50 Hz erzeugt werden müssen
  • b) Weil sich dadurch der Wirkungsgrad verbessert
  • c) Weil die Spannungshöhe damit steigt
  • d) Weil die Generatoren so kleiner gebaut werden können

Richtig: a)

Wasserturbinen drehen oft nur mit 100 bis 500 1/min. Um daraus dennoch 50 Hz zu erzeugen, muss die Polpaarzahl entsprechend hoch gewählt werden — gemäß p = f · 60 / n. Hohe Polpaarzahl bedeutet eher größerer Generatorbau, nicht kleinerer.

Was passiert mit der erzeugten Frequenz, wenn man die Drehzahl eines Generators halbiert und gleichzeitig die Polpaarzahl verdoppelt?

  • a) Sie verdoppelt sich
  • b) Sie halbiert sich
  • c) Sie bleibt unverändert
  • d) Sie viertelt sich

Richtig: c)

Aus f = n · p / 60 folgt: Bei n_neu = n/2 und p_neu = 2p ergibt sich f_neu = (n/2) · (2p) / 60 = n · p / 60 = f. Die beiden Effekte heben sich exakt auf. Genau das nutzt man in der Praxis, um langsame Turbinen ohne Getriebe direkt mit dem Generator zu koppeln.

5. Aufbau eines einfachen Wechselstromgenerators

Bis hierher wurde die Leiterschleife so beschrieben, als würde sie selbst rotieren, während die Magnete still stehen. In der Praxis ist das nur eine von zwei möglichen Bauarten. Beide haben Vor- und Nachteile, und nur eine davon hat sich in der Energietechnik wirklich durchgesetzt.

Zunächst zur Terminologie: Der feststehende Teil eines Generators heißt Stator, der rotierende Teil Rotor. Damit lassen sich die beiden Bauarten klar unterscheiden.

Außenpolmaschine — Magnete außen, Wicklung innen rotierend: Die Permanent- oder Erregermagnete sitzen im Stator, das felderzeugende Bauteil ist also außen. Die Wicklung, in der die Spannung induziert wird, sitzt auf dem Rotor und dreht sich. Der erzeugte Wechselstrom muss von der rotierenden Wicklung über Schleifringe und Bürsten zur stehenden Außenwelt geleitet werden. Diese Bauart ist konstruktiv einfach und kommt bei kleinen Generatoren vor — etwa in mancher älteren Fahrradlichtmaschine oder in einfachen Notstromaggregaten.

Innenpolmaschine — Wicklung außen, Magnete innen rotierend: Hier ist es genau umgekehrt: Die Wicklung, in der die Hauptspannung induziert wird, sitzt im Stator und steht still. Der Rotor trägt die Magnete (oder eine Erregerwicklung, durch die ein Gleichstrom fließt und die so zum Elektromagneten wird). Der Hauptstrom mit der vollen Leistung muss nirgendwo über bewegte Kontakte fließen — er wird direkt am stehenden Stator abgenommen. Schleifringe sind nur noch nötig, wenn der Rotor eine Erregerwicklung trägt und man den Erregerstrom hineinleiten muss; bei Permanentmagnet-Rotoren entfallen sie ganz.

Diese zweite Bauart hat einen großen praktischen Vorteil: Schleifringe und Bürsten müssen nur den vergleichsweise kleinen Erregerstrom übertragen, nicht die gesamte abgegebene Leistung. Bei Großgeneratoren mit mehreren hundert Megawatt wäre eine Stromabnahme über Bürsten unmöglich — die Kontaktstellen würden glühen. Genau aus diesem Grund ist die Innenpolmaschine in der Energietechnik die Standardbauart. Jeder Generator im Verbundnetz Österreichs arbeitet nach diesem Prinzip.

Eine Frage bleibt noch offen: Woher kommt das Magnetfeld? Im einfachsten Fall sitzen Permanentmagnete im Generator. Bei größeren Maschinen ist das aber nicht praktikabel — stattdessen verwendet man eine Erregerwicklung, die mit Gleichstrom durchflossen wird und so zum Elektromagneten wird. Der große Vorteil: Durch Änderung des Erregerstroms lässt sich die Stärke des Magnetfelds und damit die Höhe der erzeugten Spannung einstellen. Die genauen Eigenschaften und der Aufbau einer Spule als Elektromagnet werden im verlinkten Vorwissensbeitrag zu den magnetischen Größen behandelt.

Außenpolmaschine N S Wicklung Wicklung dreht, Hauptstrom über Schleifringe Innenpolmaschine Wicklung im Stator N S Magnete drehen, Hauptstrom direkt aus Stator

Was bedeutet der Begriff „Stator“ bei einem Generator?

  • a) Den rotierenden Teil
  • b) Die Erregerwicklung
  • c) Die Schleifringe
  • d) Den feststehenden Teil

Richtig: d)

Der Stator („das Stehende“) ist immer der unbewegte Teil der Maschine, unabhängig davon, ob in ihm die Magnete oder die Wicklung sitzen. Der bewegte Teil heißt Rotor.

Worin liegt der Hauptvorteil der Innenpolmaschine gegenüber der Außenpolmaschine bei großen Generatoren?

  • a) Sie ist leichter zu bauen
  • b) Der Hauptstrom muss nicht über Schleifringe übertragen werden
  • c) Sie braucht keine Erregung
  • d) Sie erzeugt eine höhere Frequenz

Richtig: b)

Bei der Innenpolmaschine wird die Spannung in der stehenden Statorwicklung induziert — der gesamte abgegebene Strom kann dort direkt entnommen werden. Schleifringe sind nur noch für den vergleichsweise kleinen Erregergleichstrom nötig (oder entfallen ganz bei Permanentmagnet-Rotoren). Die Frequenz hängt von Drehzahl und Polpaarzahl ab, nicht von der Bauart.

Welche Rolle spielt die Erregerwicklung in einem Generator?

  • a) Sie erzeugt das Magnetfeld, in dem die Spannung induziert wird
  • b) Sie übernimmt die Stromabnahme
  • c) Sie verbindet Stator und Rotor mechanisch
  • d) Sie ersetzt die Schleifringe

Richtig: a)

Wenn keine Permanentmagnete verwendet werden, wird das nötige Magnetfeld durch eine mit Gleichstrom gespeiste Erregerwicklung erzeugt. Über die Stärke dieses Gleichstroms lässt sich das Feld — und damit die erzeugte Spannung — regeln. Das ist ein wichtiges Stellglied im Kraftwerksbetrieb.

6. Vom Einphasen-Wechselstrom zum Drehstrom – ein Ausblick

Bisher war im ganzen Beitrag nur von einer einzigen Spule im Generator die Rede — sie liefert eine einzige sinusförmige Spannung, einen sogenannten Einphasen-Wechselstrom. Das reicht für viele Anwendungen, aber nicht für ein effizientes Energieversorgungsnetz.

Setzt man stattdessen drei gleichartige Spulen in den Stator und ordnet sie räumlich gleichmäßig um den Rotor an — also jeweils um 120° gegeneinander versetzt —, dann induziert die Drehung des Rotors in jeder Spule eine sinusförmige Spannung. Weil die Spulen räumlich versetzt sind, sind auch die drei Spannungen zeitlich gegeneinander versetzt, ebenfalls um jeweils 120°. Das ist das Prinzip des Drehstroms: drei phasenverschobene Wechselspannungen aus demselben Generator, mit zahlreichen Vorteilen für die Energieübertragung und für die Konstruktion elektrischer Maschinen.

Wie diese drei Spannungen genau zusammenspielen, wie sich daraus Stern- und Dreieckschaltungen ergeben und warum praktisch das gesamte öffentliche Stromnetz auf Drehstrom basiert, behandelt der eigene Beitrag Was ist Drehstrom? – Erzeugung und Grundprinzip.

Wie viele Spulen sitzen üblicherweise im Stator eines Drehstromgenerators und in welcher räumlichen Anordnung?

  • a) Zwei Spulen, um 90° versetzt
  • b) Vier Spulen, um 45° versetzt
  • c) Drei Spulen, um 120° versetzt
  • d) Drei Spulen, parallel angeordnet

Richtig: c)

Drei räumlich um 120° versetzte Spulen erzeugen drei zeitlich um 120° phasenverschobene Spannungen — die Grundlage des Drehstromsystems. Vier oder zwei Spulen wären ebenfalls denkbare Varianten, haben sich aber technisch nicht durchgesetzt.

Wodurch entsteht die zeitliche Phasenverschiebung zwischen den drei Spannungen eines Drehstromgenerators?

  • a) Durch die räumliche Anordnung der drei Spulen im Stator
  • b) Durch unterschiedliche Erregung der einzelnen Spulen
  • c) Durch verschiedene Polpaarzahlen je Spule
  • d) Durch nachgeschaltete Phasenschieber

Richtig: a)

Der gemeinsame Rotor passiert die räumlich versetzten Spulen nacheinander. Erreicht der Rotor in einer Spule den Maximalfluss, ist er bei der nächsten gerade um 120° davor — daher die zeitliche Verschiebung um genau diesen Winkel. Die Spulen sind ansonsten identisch.

In welcher Maschine im Auto findet sich das hier beschriebene Generatorprinzip wieder?

  • a) Im Anlasser
  • b) In der Zündkerze
  • c) Im Kühlerventilator
  • d) In der Lichtmaschine

Richtig: d)

Die Lichtmaschine eines Fahrzeugs ist im Kern ein Drehstrom-Generator in Innenpolbauart. Der elektromagnetisch erregte Rotor dreht sich in einer dreiphasigen Statorwicklung; erst danach wird die erzeugte Wechselspannung gleichgerichtet. Anlasser ist ein Motor, keine Stromquelle, und die Zündkerze ist ein Verbraucher.

Abschlusstest

Übungen

Aufgabe 1: Ein Generator erzeugt eine sinusförmige Wechselspannung mit Scheitelwert û = 311 V und Frequenz f = 50 Hz. Welcher Momentanwert liegt zum Zeitpunkt t = 3 ms vor?

Gegeben: û = 311 V, f = 50 Hz, t = 3 ms = 0,003 s

Gesucht: u(t) in V

Lösungsweg:

  1. ω = 2π · 50 = 314,16 1/s
  2. ω · t = 314,16 · 0,003 = 0,9425 rad
  3. u(t) = 311 · sin(0,9425) = 311 · 0,8090 = 251,6 V

Ergebnis: u(3 ms) = 251,6 V

Aufgabe 2: Eine Wechselspannung erreicht zum Zeitpunkt t = 4 ms genau ihren positiven Scheitelwert. Welche Frequenz hat sie (erster positiver Scheitelwert nach dem Nulldurchgang)?

Gegeben: t = 4 ms am ersten positiven Scheitelpunkt

Gesucht: f in Hz

Lösungsweg:

  1. Erster Scheitel bei ω · t = π/2
  2. 2π · f · 0,004 = π/2
  3. f = 1 / (4 · 0,004) = 62,5 Hz

Ergebnis: f = 62,5 Hz

Aufgabe 3: Welche Kreisfrequenz hat eine Wechselspannung mit T = 25 ms?

Gegeben: T = 25 ms = 0,025 s

Gesucht: ω in 1/s

Lösungsweg:

  1. f = 1/T = 1/0,025 = 40 Hz
  2. ω = 2π · f = 2π · 40 = 251,33 1/s

Ergebnis: ω ≈ 251,33 1/s

Aufgabe 4: Eine Wechselspannung hat eine Kreisfrequenz ω = 628 1/s. Welche Periode hat sie?

Gegeben: ω = 628 1/s

Gesucht: T in ms

Lösungsweg:

  1. f = ω / (2π) = 628 / (2π) = 99,95 Hz ≈ 100 Hz
  2. T = 1/f = 1/100 = 0,01 s = 10 ms

Ergebnis: T = 10 ms

Aufgabe 5: Welche Drehzahl muss ein vierpoliger Generator haben, um 50 Hz zu erzeugen?

Gegeben: 4 Pole → p = 2, f = 50 Hz

Gesucht: n in 1/min

Lösungsweg:

  1. n = 60 · f / p = 60 · 50 / 2 = 1500 1/min

Ergebnis: n = 1500 1/min

Aufgabe 6: Ein Generator mit 12 Polen läuft mit 500 1/min. Welche Frequenz erzeugt er?

Gegeben: 12 Pole → p = 6, n = 500 1/min

Gesucht: f in Hz

Lösungsweg:

  1. f = n · p / 60 = 500 · 6 / 60 = 50 Hz

Ergebnis: f = 50 Hz

Eine rotierende Leiterschleife im homogenen Magnetfeld erzeugt eine sinusförmige Wechselspannung. Was ist der entscheidende physikalische Grund dafür, dass die Spannung genau im Moment des maximalen Flusses durch null geht?

  • a) Weil das Feld in diesem Moment seine Polung wechselt
  • b) Weil im Scheitelpunkt des Flusses dessen zeitliche Änderungsrate null ist
  • c) Weil die Schleife in dieser Lage die Schleifringe verlässt
  • d) Weil das Induktionsgesetz dort eine Definitionslücke hat

Richtig: b)

Die Induktionsspannung folgt der zeitlichen Flussänderung, nicht dem Flusswert. An einem Scheitelpunkt einer Kurve ist die Steigung null — daher ist auch die induzierte Spannung dort null. Das Magnetfeld bleibt dabei unverändert, ebenso bleiben die Schleifringkontakte erhalten.

Eine Wechselspannung wird durch u(t) = 230 V · sin(314 · t) beschrieben. Welche Frequenz hat sie?

  • a) 314 Hz
  • b) 100 Hz
  • c) 230 Hz
  • d) 50 Hz

Richtig: d)

Vergleich mit u(t) = û · sin(ω·t) liefert ω = 314 1/s. Daraus folgt f = ω / (2π) = 314 / 6,283 ≈ 50 Hz. Der Faktor 314 ist genau die Kreisfrequenz, nicht die Frequenz. Die 230 V steht für den Scheitelwert in dieser Formel, nicht für die Frequenz.

Welche Synchrondrehzahl hat ein zweipoliger Generator im 50-Hz-Netz?

  • a) 3000 1/min
  • b) 1500 1/min
  • c) 1000 1/min
  • d) 750 1/min

Richtig: a)

Zweipoliger Generator heißt p = 1. Aus n = 60 · f / p = 60 · 50 / 1 ergibt sich n = 3000 1/min. Diese sehr hohe Drehzahl passt zu Turbo-Generatoren in Dampf- und Gaskraftwerken; Wasserkraftwerke laufen langsamer und brauchen mehr Polpaare.

Welche Aussage über die Kreisfrequenz ω trifft zu?

  • a) Sie ist identisch mit der Frequenz f
  • b) Sie hängt vom Scheitelwert der Spannung ab
  • c) Sie ist das 2π-fache der Frequenz
  • d) Sie ist nur bei nicht-sinusförmigen Spannungen sinnvoll

Richtig: c)

Es gilt ω = 2π · f. Die Kreisfrequenz hat dieselbe physikalische Aussage wie die Frequenz, aber mit dem Faktor 2π — sie misst sozusagen die Winkelgeschwindigkeit auf dem Einheitskreis statt der vollen Umdrehungen pro Sekunde. Mit dem Scheitelwert hat sie nichts zu tun.

Warum hat sich die Innenpolmaschine bei Großgeneratoren durchgesetzt?

  • a) Sie erzeugt mehr Frequenz pro Umdrehung
  • b) Sie braucht keinen Stator
  • c) Sie kommt ohne Magnetfeld aus
  • d) Schleifringe müssen nur den kleinen Erregerstrom übertragen, nicht den Hauptstrom

Richtig: d)

Bei mehreren hundert Megawatt Leistung würden Bürsten und Schleifringe für den Hauptstrom thermisch nicht überleben. Bei der Innenpolmaschine fließt der Hauptstrom in der stehenden Statorwicklung; bewegliche Kontakte sind nur noch für den deutlich kleineren Erregergleichstrom nötig — sofern kein Permanentmagnet-Rotor verwendet wird.

Was ist der Unterschied zwischen Außenpol- und Innenpolmaschine?

  • a) Beide haben dieselbe Bauart, nur unterschiedliche Namen
  • b) Bei der Außenpolmaschine sitzen die Magnete im Stator und die Wicklung rotiert; bei der Innenpolmaschine ist es umgekehrt
  • c) Außenpolmaschinen haben immer Permanentmagnete, Innenpolmaschinen immer Elektromagnete
  • d) Außenpolmaschinen können nur Gleichstrom erzeugen

Richtig: b)

Die beiden Bauarten unterscheiden sich darin, welcher Teil das Magnetfeld trägt und welcher die Wicklung. Beim Außenpol sind die Pole außen (im Stator), beim Innenpol innen (im Rotor). Beide können Wechselspannung erzeugen; ob die Erregung als Permanentmagnet oder Elektromagnet ausgeführt ist, ist eine unabhängige Frage.

Ein Generator mit p = 3 läuft mit 1200 1/min. Welche Frequenz erzeugt er?

  • a) 60 Hz
  • b) 50 Hz
  • c) 100 Hz
  • d) 80 Hz

Richtig: a)

f = n · p / 60 = 1200 · 3 / 60 = 60 Hz. Das wäre die Netzfrequenz in Nordamerika. Für 50 Hz bei drei Polpaaren wäre eine Drehzahl von 1000 1/min nötig.

Wenn man die Erregung eines Generators (also den Strom durch die Erregerwicklung) erhöht, was passiert mit der induzierten Spannung?

  • a) Sie sinkt, weil mehr Verluste entstehen
  • b) Sie steigt, weil das Magnetfeld stärker wird und damit die induzierte Spannung höher ausfällt
  • c) Sie bleibt unverändert, weil sie nur von der Drehzahl abhängt
  • d) Sie wird zu Gleichspannung

Richtig: b)

Die Höhe der induzierten Spannung hängt direkt von der Stärke des Magnetfelds ab — mehr Erregerstrom heißt stärkeres Feld und höhere Induktionsspannung. Das ist eines der wichtigsten Stellgrößen im Generator-Betrieb. Die Frequenz dagegen wird ausschließlich von Drehzahl und Polpaarzahl bestimmt.

Welcher Zusammenhang gilt für Periode und Frequenz einer Wechselspannung?

  • a) f = T · 2π
  • b) f = 1 / T
  • c) f = T / 60
  • d) f = 2π / T²

Richtig: b)

Frequenz und Periode sind zueinander reziprok: f = 1/T. Die Frequenz hat die Einheit Hz (1/s), die Periode wird in Sekunden gemessen. Die anderen Antworten verwechseln Periode mit Drehwinkel oder Drehzahl.

Was ist der Hauptvorteil einer hohen Polpaarzahl bei Wasserkraftgeneratoren?

  • a) Höhere Spannungserzeugung bei gleichem Magnetfeld
  • b) Geringerer Materialverbrauch
  • c) Kein Getriebe nötig, weil die Turbinendrehzahl direkt zur 50-Hz-Anforderung passt
  • d) Geringere Wartungskosten

Richtig: c)

Eine Wasserturbine läuft je nach Anlage mit nur 100 bis 500 1/min. Damit dennoch 50 Hz erzeugt werden, muss die Polpaarzahl entsprechend hoch sein (p = f · 60 / n). Der Generator lässt sich so direkt mit der Turbinenwelle koppeln, ein zwischengeschaltetes Getriebe entfällt — das ist mechanisch deutlich robuster und wartungsärmer.

Glossar

Außenpolmaschine
Generatorbauart, bei der die Magnete im Stator sitzen und die Wicklung rotiert. Der Hauptstrom wird über Schleifringe abgenommen.
Drehzahl
Anzahl der vollen Umdrehungen eines rotierenden Teils pro Zeiteinheit, meist angegeben in 1/min oder 1/s.
Erregerwicklung
Mit Gleichstrom durchflossene Wicklung, die in einem Generator das Magnetfeld erzeugt, in dem die Spannung induziert wird.
Generator (Wechselstrom-)
Maschine, die mechanische Energie in elektrische Energie in Form einer Wechselspannung umwandelt, indem ein Magnetfeld und eine Leiterwicklung relativ zueinander rotieren.
Innenpolmaschine
Generatorbauart, bei der die Magnete im Rotor sitzen und die Wicklung im Stator steht. Der Hauptstrom wird direkt am Stator abgenommen; Schleifringe sind nur für den Erregerstrom nötig.
Kreisfrequenz ω
Maß für die Winkelgeschwindigkeit eines auf dem Einheitskreis umlaufenden Punkts. Es gilt ω = 2π · f, Einheit 1/s.
Momentanwert
Wert einer zeitlich veränderlichen Größe (z. B. einer Wechselspannung) zu einem bestimmten Zeitpunkt t.
Polpaarzahl p
Anzahl der Nord-Süd-Polpaare im Magnetfeld eines Generators. Pro Umdrehung entstehen p volle Spannungsschwingungen.
Rotor
Der rotierende Teil einer elektrischen Maschine.
Scheitelwert û
Der höchste Momentanwert, den eine sinusförmige Wechselspannung in jeder Periode kurzzeitig erreicht. Wird auch Spitzenwert genannt.
Schleifring
Auf einer rotierenden Welle umlaufender Metallring, auf dem feststehende Bürsten gleiten, um Strom zwischen rotierendem und stehendem Teil zu übertragen.
Stator
Der feststehende Teil einer elektrischen Maschine.

Österreichische Normen

  • ÖVE/ÖNORM EN 50160: Spannungsmerkmale in öffentlichen Stromversorgungsnetzen. Legt unter anderem die Nennfrequenz von 50 Hz und die zulässigen Toleranzen im Normal- und Inselbetrieb fest. Bildet die Grundlage dafür, dass alle ans Verbundnetz gekoppelten Generatoren in Österreich synchron mit dieser Frequenz arbeiten müssen.

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