Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen
Strom sieht man nicht. Was man sieht, ist seine Wirkung — der glühende Heizdraht im Toaster, das ruckelnde Werkzeug des Bohrhammers, die kleine Kontrollleuchte am Schaltschrank. Was im Inneren eines Leiters passiert, ist dabei einfacher als die Vielfalt der Geräte vermuten lässt: ein paar Definitionen, fünf Wirkungen, eine Handvoll Formeln. Aus diesen Bausteinen baut sich der gesamte Rest der Elektrotechnik auf.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- elektrischen Strom als gerichtete Bewegung von Ladungsträgern erklären
- die Stromstärke aus Ladung und Zeit berechnen und in den gebräuchlichen Einheiten umrechnen
- technische und physikalische Stromrichtung unterscheiden und einordnen, warum beide nebeneinander existieren
- Gleich-, Wechsel- und Mischstrom an ihren typischen Verläufen erkennen
- die fünf Wirkungen des elektrischen Stroms benennen und an Praxisanwendungen festmachen
- die Stromdichte berechnen und für die grobe Querschnittsauslegung von Leitern einsetzen
1. Was ist elektrischer Strom?
Wer ein Kabel zwischen zwei Anschlussklemmen anschließt, sieht zunächst gar nichts. Steckt am anderen Ende eine Glühlampe, leuchtet sie — und genau dazwischen passiert das, was wir als „elektrischen Strom“ bezeichnen.
Definition: Elektrischer Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern.
Damit Strom überhaupt fließen kann, müssen drei Bedingungen zusammenkommen:
- Es muss freie Ladungsträger geben. Im Metall sind das die Elektronen, in Salzlösungen und Säuren die Ionen, in Halbleitern sowohl Elektronen als auch sogenannte „Löcher“.
- Es muss eine Antriebskraft vorhanden sein. Diese Antriebskraft ist die elektrische Spannung — sie wirkt wie ein Druckunterschied im Wasserrohr.
- Es muss ein geschlossener Stromkreis vorhanden sein. Wird der Kreis an einer Stelle unterbrochen (Schalter offen, Kabelbruch), kommt der Strom überall im Kreis zum Erliegen.
Im Inneren eines Kupferleiters bewegen sich die freien Elektronen bei Raumtemperatur ohnehin ständig — aber völlig ungeordnet, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Erst eine angelegte Spannung erzeugt eine gerichtete Drift: alle Elektronen wandern im Mittel langsam in eine Richtung. Diese Driftgeschwindigkeit ist erstaunlich klein, sie liegt im Bereich weniger Millimeter pro Sekunde. Was sich nahezu lichtschnell ausbreitet, ist das elektrische Feld in der Leitung — und genau das setzt überall gleichzeitig die Elektronen in Bewegung. Deshalb leuchtet die Lampe sofort, obwohl das einzelne Elektron auf seinem Weg vom Schalter zur Glühwendel Stunden bräuchte.
Nicht jeder Stoff ist gleichermaßen ein Stromträger:
- Leiter haben sehr viele freie Ladungsträger — Kupfer, Silber, Aluminium.
- Nichtleiter (Isolatoren) haben kaum freie Ladungsträger — Glas, Porzellan, viele Kunststoffe.
- Halbleiter liegen dazwischen und lassen sich gezielt beeinflussen — Silizium, Germanium. Sie sind die Grundlage der gesamten Elektronik.
Welche der folgenden Bedingungen ist KEINE Voraussetzung für einen Stromfluss in einem Kupferdraht?
- a) Hohe Temperatur des Leiters
- b) Freie Ladungsträger im Leiter
- c) Eine elektrische Spannung als Antrieb
- d) Ein geschlossener Stromkreis
Richtig: a)
Die Temperatur ist keine Voraussetzung — Strom fließt auch bei Raumtemperatur einwandfrei. Eine höhere Temperatur erhöht in Metallen sogar den Widerstand und behindert den Stromfluss eher. Die drei anderen Punkte sind die klassischen Bedingungen.
Wie schnell bewegen sich die Elektronen in einem stromdurchflossenen Kupferdraht typischerweise als gerichtete Drift?
- a) Mit Lichtgeschwindigkeit, etwa 300 000 km/s
- b) Mit Schallgeschwindigkeit, etwa 340 m/s
- c) Im Bereich weniger Millimeter pro Sekunde
- d) Sie bewegen sich gar nicht, sondern stoßen die nächsten an
Richtig: c)
Die gerichtete Drift ist erstaunlich langsam. Was sich nahezu lichtschnell ausbreitet, ist das elektrische Feld in der Leitung, das alle Elektronen gleichzeitig in Bewegung setzt. Antwort d ist eine populäre Halbwahrheit: zwar pflanzt sich die Anregung schnell fort, aber die Elektronen bewegen sich dabei sehr wohl, nur eben langsam.
In einer Salzlösung fließt elektrischer Strom. Welche Aussage trifft hier zu?
- a) Es bewegen sich freie Elektronen wie im Metall
- b) Es bewegen sich Atome ohne Ladung
- c) Es bewegen sich Photonen
- d) Es bewegen sich Ionen
Richtig: d)
In Flüssigkeiten und Salzlösungen sind die Ladungsträger Ionen, also geladene Atome oder Atomgruppen. Freie Elektronen wie im Metall gibt es dort kaum.
2. Stromstärke I und die Einheit Ampere
Wenn Strom die Bewegung von Ladungsträgern ist, braucht es eine Messgröße, die diese Bewegung quantifiziert: wie viel Ladung passiert in welcher Zeit eine bestimmte Stelle im Leiter? Das ist die Stromstärke.
Die Einheit ist das Ampere (A). Sie gehört zu den sieben SI-Basiseinheiten — alle anderen elektrischen Einheiten (Volt, Ohm, Watt) leiten sich daraus ab. Seit 2019 ist das Ampere fest über die Elementarladung definiert: 1 Coulomb entspricht rund 6,24 · 10¹⁸ Elementarladungen. 1 Ampere ist demnach der Strom, bei dem in einer Sekunde 6,24 · 10¹⁸ Elementarladungen einen Leiterquerschnitt passieren.
Im Alltag bewegen sich die Stromstärken über viele Größenordnungen:
| Anwendung | Größenordnung |
|---|---|
| Mikrocontroller-Eingang, Sensorsignal | µA bis wenige mA |
| LED-Beleuchtung | 10–20 mA |
| Smartphone-Ladung | 1–3 A |
| Haushalts-Steckdosenkreis (Absicherung) | bis 16 A |
| Anlasser im PKW | 150–300 A |
| Lichtbogen-Schweißgerät | 100–300 A |
| Blitzschlag | 10 000 – 200 000 A |
Damit so unterschiedliche Werte handlich bleiben, werden im Alltag die üblichen SI-Vorsätze verwendet:
- 1 mA = 0,001 A
- 1 µA = 0,000 001 A
- 1 kA = 1000 A
I = Q / t
- I … Stromstärke in Ampere (A)
- Q … Ladungsmenge in Coulomb (C)
- t … Zeit in Sekunden (s)
Gelöstes Beispiel
Durch einen Leiter fließt während einer Minute eine Ladung von 30 C. Wie groß ist die Stromstärke?
Gegeben: Q = 30 C, t = 60 s
Gesucht: I in A
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen: I = Q / t
- Schritt 2 — Einsetzen: I = 30 C / 60 s = 0,5 A
Ergebnis: I = 0,5 A
Übungen
Wie groß ist die Stromstärke, wenn in 10 s eine Ladung von 20 C transportiert wird?
I = 20/10 = 2 A
Welche Ladung wird in 5 Minuten bei einer Stromstärke von 0,3 A bewegt?
Q = I · t = 0,3 · 300 = 90 C
Bei 2 mA dauert ein Vorgang 4 Minuten. Welche Ladung wurde transportiert?
Q = 0,002 · 240 = 0,48 C
Wie lange dauert es, bis bei 5 A eine Ladung von 600 C transportiert wurde?
t = Q/I = 600/5 = 120 s = 2 min
Ein Bleiakku liefert über 4 Stunden einen Strom von 7,5 A. Welche Ladung in Amperestunden und in Coulomb wurde entnommen?
Q = 7,5 · 4 = 30 Ah. Umgerechnet: 30 · 3600 = 108 000 C = 108 kC.
Eine Stromstärke von 250 mA entspricht …
- a) 2,5 A
- b) 0,25 A
- c) 25 A
- d) 0,025 A
Richtig: b)
1 mA = 0,001 A. Also: 250 · 0,001 = 0,25 A. Häufiger Flüchtigkeitsfehler beim Verschieben der Kommastellen — 25 A wäre das Hundertfache, 0,025 A das Hundertstel davon.
Durch einen Leiter fließt 4 Sekunden lang ein Strom von 2 A. Welche Ladung wird in dieser Zeit transportiert?
- a) 0,5 C
- b) 2 C
- c) 6 C
- d) 8 C
Richtig: d)
Q = I · t = 2 A · 4 s = 8 C. Standard-Anwendung der Definitionsgleichung, umgestellt nach Q.
Welche der folgenden Aussagen zum Ampere ist korrekt?
- a) Das Ampere ist eine SI-Basiseinheit und seit 2019 über die Elementarladung definiert
- b) Das Ampere ist eine abgeleitete Einheit aus Volt und Ohm
- c) Das Ampere wurde aus dem englischen Maßsystem übernommen
- d) 1 Ampere entspricht 1 Coulomb mal 1 Sekunde
Richtig: a)
Das Ampere gehört zu den sieben SI-Basiseinheiten und ist fest über die Elementarladung festgelegt. Es ist nicht aus anderen elektrischen Einheiten abgeleitet — im Gegenteil, Volt und Ohm leiten sich indirekt aus dem Ampere ab. Antwort d hat den Bruch in der Beziehung 1 A = 1 C/s umgedreht.
3. Stromrichtung — technische und physikalische Richtung
Wenn Elektronen die Ladungsträger sind und ein negatives Vorzeichen tragen, dann müssten sie eigentlich vom Minus- zum Pluspol wandern. Genau das tun sie auch. Trotzdem zeichnet man die Strompfeile in Schaltplänen andersherum. Das hat einen historischen Grund — und bleibt aus gutem Grund so.
Es gibt zwei Begriffe:
- Technische Stromrichtung: vom Pluspol durch den Verbraucher zum Minuspol. So zeichnet man Strompfeile in jedem Schaltplan, so rechnet man in jeder Maschenregel.
- Physikalische Stromrichtung (Elektronenstromrichtung): vom Minuspol zum Pluspol. So bewegen sich die Elektronen tatsächlich.
Festgelegt wurde die technische Richtung lange vor der Entdeckung des Elektrons. Damals nahm man an, etwas Positives fließe vom Plus- zum Minuspol. Als sich herausstellte, dass es genau umgekehrt ist, war es zu spät: alle Schaltzeichnungen, Formeln und Vorzeichenregeln waren bereits fest etabliert. Man hat die technische Richtung beibehalten — sie funktioniert mathematisch und in der Schaltungslogik durchgängig, und ein nachträglicher Wechsel hätte mehr Verwirrung gestiftet als Nutzen gebracht.
In der Praxis arbeitet man fast ausschließlich mit der technischen Stromrichtung. Nur bei wenigen Themen — Halbleiterphysik, Galvanik, manchen Aspekten der Korrosion — lohnt sich der Blick auf die tatsächliche Elektronenbewegung. Wer eine Stromzange falsch herum um einen Leiter legt, sieht das Vorzeichen kippen: kein Defekt, sondern eine korrekte Anzeige der umgekehrten Bezugsrichtung.
Ein Strompfeil im Schaltplan zeigt von der Plusklemme der Batterie weg, durch die Glühlampe, zur Minusklemme. Wie nennt man diese Richtungskonvention?
- a) Elektronenstromrichtung
- b) Physikalische Stromrichtung
- c) Technische Stromrichtung
- d) Magnetische Feldrichtung
Richtig: c)
Die technische Stromrichtung fließt vom Plus- zum Minuspol und wird in jedem Schaltplan so gezeichnet. Die Elektronen bewegen sich tatsächlich in die andere Richtung, aber das spielt für die Notation keine Rolle.
Warum hat man die technische Stromrichtung beibehalten, obwohl sie nicht der tatsächlichen Elektronenbewegung entspricht?
- a) Weil alle Regeln, Formeln und Schaltpläne bereits darauf aufgebaut waren
- b) Weil Elektronen in Wirklichkeit doch von + nach − fließen
- c) Weil die Elektronenrichtung erst entdeckt wurde, als die Schaltzeichen genormt waren
- d) Weil die ÖVE/ÖNORM die technische Richtung verbindlich vorschreibt
Richtig: a)
Die historische Konvention war so tief verankert, dass eine Umstellung mehr Schaden als Nutzen gebracht hätte. Rechnerisch funktioniert die technische Richtung sauber. Antwort b ist sachlich falsch, c verdreht die Reihenfolge der Geschichte, d ist eine Verlegung der Begründung auf eine Norm, die diese Konvention nicht erst eingeführt hat.
4. Stromarten — Gleichstrom, Wechselstrom, Mischstrom
Trägt man die Stromstärke über die Zeit auf, zeigt sich auf einen Blick, welche Stromart man vor sich hat: eine waagerechte Linie oder eine schwingende Kurve.
Gleichstrom (DC, direct current)
- Stromstärke und Richtung bleiben konstant
- Quellen: Batterie, Akkumulator, Solarzelle, Netzteil
- Anwendung: Elektronik, Steuerteile in Schaltschränken, KFZ-Bordnetz, alle akkubetriebenen Geräte
Wechselstrom (AC, alternating current)
- Stromstärke und Richtung wechseln periodisch
- Im österreichischen Niederspannungsnetz: 50 Hz, das heißt 50 vollständige Schwingungen pro Sekunde
- Quellen: Generator im Kraftwerk, Sekundärwicklung am Trafo, Wechselrichter an PV-Anlagen
- Anwendung: Versorgungsnetz, Drehstrommotoren, alle größeren Verbraucher
Mischstrom
- Überlagerung eines Gleichanteils mit einem Wechselanteil
- Typisches Beispiel: pulsierender Gleichstrom hinter einem Gleichrichter ohne Glättungskondensator
Wie sich Wechselstrom genau verhält, mit Effektivwert, Frequenz und Phasenlage, behandelt im Detail die Kategorie Wechselstromtechnik.
Welche Frequenz hat der Wechselstrom im österreichischen Niederspannungsnetz?
- a) 16,7 Hz
- b) 50 Hz
- c) 60 Hz
- d) 100 Hz
Richtig: b)
In ganz Europa beträgt die Netzfrequenz 50 Hz. 16,7 Hz ist die Sonderfrequenz im Bahnstromnetz; 60 Hz ist die nordamerikanische Netzfrequenz. 100 Hz tritt nur als doppelte Netzfrequenz nach Vollweggleichrichtung auf.
Welche Stromart entsteht typischerweise direkt nach einem einfachen Gleichrichter ohne Glättungskondensator?
- a) Reiner Gleichstrom
- b) Reiner Wechselstrom mit 50 Hz
- c) Wechselstrom mit doppelter Netzfrequenz
- d) Pulsierender Gleichstrom als Mischstrom
Richtig: d)
Ein Gleichrichter erzeugt aus dem Wechselstrom einen Verlauf, der nur in eine Richtung fließt, dessen Amplitude aber stark schwankt. Das ist ein typischer Mischstrom. Erst ein Glättungskondensator macht daraus einen näherungsweise glatten Gleichstrom.
5. Die fünf Wirkungen des elektrischen Stroms
Was vom Strom übrig bleibt, wenn der Schalter umgelegt ist, sind seine Wirkungen — und sie sind die Grundlage jedes elektrischen Geräts. Fünf Wirkungen genügen, um den gesamten Maschinenpark der Elektrotechnik zu erklären.
1) Wärmewirkung
Jeder Leiter, durch den Strom fließt, erwärmt sich. Bei dünnen Glühdrähten so stark, dass sie zu glühen beginnen, bei dicken Sammelschienen so wenig, dass es kaum messbar ist — bis die Stromstärke zu groß wird. Die Wärmewirkung steckt hinter Toaster, Heizpatrone, Föhn, Sicherungsdraht, Lötkolben und Heizband. Sie ist auch der Grund, warum jedem Leitungsquerschnitt nur ein bestimmter Strom zugemutet werden darf — das nächste Kapitel zur Stromdichte greift das quantitativ auf.
2) Magnetische Wirkung
Jeder stromdurchflossene Leiter umgibt sich mit einem Magnetfeld. Wickelt man den Leiter zu einer Spule, addieren sich die Feldlinien zu einem starken Elektromagneten. Aus dieser Wirkung leben Elektromotoren, Generatoren, Transformatoren, Schützspulen, Schaltrelais und Lautsprecher. Wie das Feld im Detail aussieht und wie man es berechnet, behandelt der Beitrag Das magnetische Feld.
3) Chemische Wirkung
Fließt Strom durch eine Salzlösung oder eine Säure, wandern die Ionen an die Elektroden, und an deren Oberfläche werden Stoffe umgewandelt. Drei Anwendungen sind im technischen Alltag besonders wichtig:
- Galvanik: gezieltes Aufbringen einer dünnen Metallschicht — Verzinken, Verchromen, Vernickeln.
- Akkumulator: chemische Reaktion als wiederaufladbarer Energiespeicher; beim Entladen läuft die Reaktion in eine Richtung, beim Laden in die andere.
- Korrosion: ungewollte elektrochemische Zersetzung von Metallen, oft beschleunigt durch Streuströme oder den Kontakt zweier verschiedener Metalle.
4) Lichtwirkung
Strom kann auf zwei grundsätzlich verschiedenen Wegen Licht erzeugen. Klassisch über große Hitze: in der Glühlampe glüht der Wolframdraht, im Lichtbogen beim Schweißen ionisiert die Luft. Modern über Halbleitereffekte: in der LED entsteht Licht direkt durch Übergänge in der Halbleiterstruktur, ohne dass das Bauteil stark erhitzt werden muss — das ist der Grund für die hohe Effizienz. Streng genommen ist die Lichtwirkung der Glühlampe ein Spezialfall der Wärmewirkung.
5) Physiologische Wirkung
Strom durch den menschlichen Körper greift in Nerven und Muskeln ein und kann das Herz aus dem Takt bringen. Maßgeblich ist nicht die Spannung allein, sondern die Stromstärke durch den Körper, dazu die Frequenz und die Einwirkdauer.
Anhaltspunkte für 50-Hz-Wechselstrom, Strompfad Hand zu Hand:
- ab etwa 0,5 mA: spürbar
- ab etwa 10 mA: Muskelkrampf, das Loslassen eines berührten Leiters ist oft nicht mehr möglich
- ab etwa 30–50 mA: Gefahr von Herzkammerflimmern, abhängig von der Einwirkdauer
50 Hz ist gerade für das Herz besonders gefährlich, weil diese Frequenz nahe an der Reizbarkeit des Herzmuskels liegt. Gleichstrom in vergleichbarer Stromstärke wirkt akut weniger oft auf den Herzrhythmus, kann aber bei längerer Einwirkung schwere Verbrennungen und elektrolytische Schäden am Gewebe verursachen.
Bevor jemand an elektrischen Anlagen arbeitet, werden in der Praxis die fünf Sicherheitsregeln in dieser Reihenfolge eingehalten:
- Freischalten
- Gegen Wiedereinschalten sichern
- Spannungsfreiheit feststellen
- Erden und Kurzschließen
- Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Diese Reihenfolge ist keine Empfehlung, sondern verbindlicher Standard. Wie die einzelnen Schutzkonzepte (Schutzleiter, Fehlerstromschutzschalter, Schutzklassen, Schutzarten) im Detail aufgebaut sind, behandelt die Kategorie Schutzmaßnahmen.
Welche Wirkung des elektrischen Stroms wird in einer Schmelzsicherung gezielt genutzt, um eine Leitung zu schützen?
- a) Magnetische Wirkung
- b) Chemische Wirkung
- c) Wärmewirkung
- d) Lichtwirkung
Richtig: c)
Der Schmelzdraht ist so ausgelegt, dass er sich bei Überstrom durch die Wärmewirkung erhitzt und schmilzt. So wird der Stromkreis unterbrochen, bevor die nachfolgende Leitung kritische Temperaturen erreicht.
Beim Verchromen einer Stoßstange wird das Werkstück in ein Elektrolytbad gehängt und Gleichstrom angelegt. Welche Stromwirkung ist die Grundlage dieses Verfahrens?
- a) Chemische Wirkung
- b) Magnetische Wirkung
- c) Lichtwirkung
- d) Wärmewirkung
Richtig: a)
Beim Galvanisieren werden durch den Stromfluss Metallionen aus der Elektrolytlösung an der Werkstückoberfläche abgeschieden. Das ist eine elektrochemische Reaktion und damit eine chemische Wirkung.
Welche Aussage zur physiologischen Wirkung des elektrischen Stroms ist korrekt?
- a) Die Spannung ist für die Gefährlichkeit allein entscheidend
- b) Die Stromstärke durch den Körper und die Einwirkdauer sind entscheidend
- c) Gleichstrom mit 30 mA ist akut gefährlicher als 50-Hz-Wechselstrom gleicher Stärke
- d) Unter 10 mA Wechselstrom ist eine Körperdurchströmung in jedem Fall harmlos
Richtig: b)
Maßgeblich für die Gefährdung sind Stromstärke, Frequenz und Einwirkdauer. 50-Hz-Wechselstrom ist für das Herz besonders kritisch, Gleichstrom in vergleichbarer Höhe wirkt akut weniger oft auf den Herzrhythmus. Pauschale „Harmlos-Grenzen“ gibt es nicht — auch kleine Ströme können bei langer Einwirkung oder ungünstigem Pfad zum Problem werden.
Welche der folgenden Maßnahmen gehört NICHT zu den fünf Sicherheitsregeln?
- a) Freischalten
- b) Gegen Wiedereinschalten sichern
- c) Spannungsfreiheit feststellen
- d) Spannung mit dem Finger oder mit der Zunge prüfen
Richtig: d)
Die fünf Sicherheitsregeln sind: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte spannungsführende Teile abdecken oder abschranken. Die Spannungsprüfung erfolgt ausschließlich mit zugelassenem Prüfgerät — niemals mit dem Körper.
6. Stromdichte
Aus dem letzten Kapitel ist klar: Strom erwärmt den Leiter. Die nächste Frage ist, ab wann das problematisch wird. Die Antwort steckt nicht in der Stromstärke allein, sondern im Verhältnis zwischen Strom und Leiterquerschnitt — der Stromdichte.
Wie wir in Kapitel 5 zur Wärmewirkung gesehen haben, ist die Erwärmung des Leiters die eigentliche Grenze. Die Stromdichte ist die Größe, mit der man diese Belastung handlich quantifizieren kann.
Ein anschauliches Beispiel: ein 1,5-mm²-Kupferleiter mit 16 A führt eine Stromdichte von rund 10,7 A/mm². Bei doppeltem Querschnitt (3 mm²) hätte derselbe Strom nur noch die halbe Stromdichte — und entsprechend weniger Erwärmung pro Längeneinheit. Wer einen Querschnitt verdoppelt, halbiert nicht nur die Stromdichte, sondern auch die Widerstandsbeläge der Leitung, mit deutlich weniger Spannungsabfall und weniger Verlustwärme.
Als grobe Hausnummern für die Auslegung von Kupferleitern in der Festverlegung gelten typische Werte in der folgenden Größenordnung. Sie hängen stark von der Verlegeart, der Häufung mehrerer Stromkreise nebeneinander und der Umgebungstemperatur ab — die verbindlichen Tabellen mit allen Reduktionsfaktoren stehen in der Errichtungsnorm:
| Querschnitt | Typische Strombelastbarkeit |
|---|---|
| 1,5 mm² | ca. 16 A (Beleuchtungskreis) |
| 2,5 mm² | ca. 20–25 A (Steckdosenkreis) |
| 4 mm² | ca. 32 A |
| 6 mm² | ca. 40 A |
| 10 mm² | ca. 50 A |
J = I / A
- J … Stromdichte in A/mm²
- I … Stromstärke in A
- A … Leiterquerschnitt in mm²
Gelöstes Beispiel
Durch eine Leitung mit 2,5 mm² Querschnitt fließen 20 A. Wie groß ist die Stromdichte?
Gegeben: I = 20 A, A = 2,5 mm²
Gesucht: J in A/mm²
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Formel ansetzen: J = I / A
- Schritt 2 — Einsetzen: J = 20 A / 2,5 mm² = 8 A/mm²
Ergebnis: J = 8 A/mm²
Übungen
Welche Stromdichte herrscht in einem Kupferdraht mit 1,5 mm² Querschnitt bei 12 A Strom?
J = 12 / 1,5 = 8 A/mm²
Ein 4-mm²-Leiter wird mit 25 A belastet. Wie groß ist die Stromdichte?
J = 25 / 4 = 6,25 A/mm²
Welche Stromstärke darf durch einen 6-mm²-Leiter fließen, wenn die Stromdichte 7 A/mm² nicht überschreiten soll?
I = J · A = 7 · 6 = 42 A
Ein Leiter im Schaltschrank darf bei 6 A/mm² betrieben werden. Wie groß muss der Querschnitt mindestens sein, wenn 90 A fließen?
A = I / J = 90 / 6 = 15 mm² — in der Praxis nächste Normgröße, also 16 mm².
Eine Sammelschiene mit Rechteckquerschnitt 10 × 4 mm wird mit 200 A belastet. Welche Stromdichte stellt sich ein?
A = 10 · 4 = 40 mm². J = 200 / 40 = 5 A/mm².
Durch einen Kupferleiter mit 4 mm² Querschnitt fließen 16 A. Wie groß ist die Stromdichte?
- a) 0,25 A/mm²
- b) 12 A/mm²
- c) 2,5 A/mm²
- d) 4 A/mm²
Richtig: d)
J = I / A = 16 / 4 = 4 A/mm². Standardanwendung der Definitionsgleichung — Stromstärke geteilt durch Querschnitt.
Sie wollen einen Kupferleiter so dimensionieren, dass bei 32 A die Stromdichte 8 A/mm² nicht überschreitet. Welchen Mindestquerschnitt benötigen Sie?
- a) 2,5 mm²
- b) 4 mm²
- c) 6 mm²
- d) 8 mm²
Richtig: b)
A = I / J = 32 / 8 = 4 mm². Damit ist der Mindestquerschnitt rechnerisch bei 4 mm² erreicht; in der praktischen Auslegung würde man je nach Verlegeart die nächstgrößere Normgröße in Erwägung ziehen.
Warum kann ein Leiter im engen Kabelkanal nicht dieselbe Stromdichte führen wie der gleiche Leiter frei in Luft?
- a) Weil die Wärme im Kabelkanal schlechter abgeführt wird
- b) Weil der Querschnitt im Kanal kleiner wird
- c) Weil der Widerstand des Kupfers im Kanal steigt
- d) Weil sich die Driftgeschwindigkeit der Elektronen verlangsamt
Richtig: a)
Die zulässige Stromdichte ist eine thermische Frage. Wo Wärme nur schlecht entweichen kann (im Kanal, im Bündel, bei hoher Umgebungstemperatur), muss man mit kleineren Stromdichten arbeiten, sonst überhitzt der Leiter. Querschnitt und spezifischer Widerstand des Kupfers ändern sich durch die Verlegung praktisch nicht.
7. Strom messen — das schaltungstechnische Prinzip
Strom muss durch das Messgerät hindurch. Spannung kann man neben einer Stelle abgreifen, Strom nicht — er fließt nur dort, wo eine geschlossene Leitung ihn führt. Aus diesem einen Satz folgt die gesamte Bedienlogik des Amperemeters.
Grundprinzip: Das Amperemeter wird in den Strompfad gelegt — also in Reihe mit dem Verbraucher. Der Strom, der durch den Verbraucher fließt, fließt damit auch durch das Messgerät, und nur so kann es ihn registrieren.
Forderung an das Messgerät: Idealerweise hat das Amperemeter einen Innenwiderstand von null. Reale Geräte erreichen Werte im Bereich von Bruchteilen eines Ohms bis wenige Ohm. Wäre der Innenwiderstand groß, würde das Messgerät selbst den Strom merklich verringern — den es eigentlich messen will.
Der häufigste Fehler: Das Amperemeter wird versehentlich parallel zu einer Spannungsquelle oder einem Verbraucher angeschlossen. Mit seinem niedrigen Innenwiderstand wirkt es dann praktisch wie ein Kurzschluss. Folge: bei guten Multimetern spricht die interne Sicherung an, bei einfachen Geräten kann ein Lichtbogen entstehen — Geräteschaden, im schlimmsten Fall Verletzungen.
Berührungslose Alternative — Stromzange: Statt den Stromkreis aufzutrennen, umschließt die Stromzange den Leiter. Sie misst nicht den Strom direkt, sondern das Magnetfeld, das dieser Strom rund um den Leiter aufbaut, und rechnet daraus auf den Stromwert zurück. Vorteil: man muss keine Klemme lösen, ideal für Messungen an bestehenden Verdrahtungen unter Last.
Wie man Multimeter, Stromzange und Oszilloskop konkret bedient — Buchsenwahl, Messbereich, Auflösung, Sicherheitskategorien — behandeln die Beiträge Multimeter: Spannung, Strom, Widerstand messen und Stromzangen-Messung.
Wie schließt man ein Amperemeter im Stromkreis korrekt an?
- a) Parallel zur Spannungsquelle
- b) Parallel zum Verbraucher
- c) In Reihe mit dem Verbraucher
- d) Beliebig, je nach Messgerät
Richtig: c)
Der zu messende Strom muss durch das Messgerät hindurchfließen. Das funktioniert nur, wenn das Gerät in Reihe in den Strompfad gelegt wird. Eine Parallelschaltung würde wegen des sehr kleinen Innenwiderstandes wie ein Kurzschluss wirken.
Was geschieht, wenn ein Multimeter im Strommessbereich versehentlich parallel an eine 230-V-Steckdose gehalten wird?
- a) Das Display zeigt einen sehr kleinen Strom an
- b) Das Multimeter wirkt wie ein Kurzschluss, die interne Sicherung spricht an
- c) Es geschieht nichts, der Strom „weicht aus“
- d) Das Gerät schaltet automatisch in den Spannungsmessbereich
Richtig: b)
Der niedrige Innenwiderstand im Strommessbereich erzeugt zwischen den Prüfspitzen praktisch einen Kurzschluss. Bei einem hochwertigen Gerät fängt die interne Sicherung den Fehlerstrom ab; bei einfachen Geräten oder mit falscher Sicherung kann es zu Lichtbogen, Geräteschaden oder Verletzungen kommen.
Abschlusstest
Übungen
Aufgabe 1: In einem Bleiakku werden in 8 Stunden 24 Ah entladen. Welche durchschnittliche Stromstärke wurde dem Akku entnommen?
Gegeben: Q = 24 Ah, t = 8 h
Gesucht: I in A
Lösungsweg:
- I = Q / t = 24 Ah / 8 h = 3 A
Ergebnis: I = 3 A
Aufgabe 2: Eine Galvanik-Anlage transportiert in 45 Minuten eine Ladung von 8100 C zwischen den Elektroden. Wie groß war die mittlere Stromstärke?
Gegeben: Q = 8100 C, t = 45 min = 2700 s
Gesucht: I in A
Lösungsweg:
- I = Q / t = 8100 / 2700 = 3 A
Ergebnis: I = 3 A
Aufgabe 3: Eine Kupferleitung mit 6 mm² Querschnitt wird mit 36 A belastet. Welche Stromdichte stellt sich ein?
Gegeben: I = 36 A, A = 6 mm²
Gesucht: J in A/mm²
Lösungsweg:
- J = I / A = 36 / 6 = 6 A/mm²
Ergebnis: J = 6 A/mm²
Aufgabe 4: Welcher Mindestquerschnitt ist nötig, damit ein Leiter bei 50 A nicht über eine Stromdichte von 5 A/mm² belastet wird?
Gegeben: I = 50 A, J = 5 A/mm²
Gesucht: A in mm²
Lösungsweg:
- A = I / J = 50 / 5 = 10 mm²
Ergebnis: A = 10 mm² (in der Praxis: nächste Normgröße)
Beim Verzinken eines Werkstücks in einem Elektrolytbad wird gezielt eine der Stromwirkungen genutzt. Welche?
- a) Wärmewirkung
- b) Magnetische Wirkung
- c) Chemische Wirkung
- d) Physiologische Wirkung
Richtig: c)
Beim galvanischen Verzinken wandern Zinkionen durch den Stromfluss aus der Elektrolytlösung an die Oberfläche des Werkstücks und bilden dort eine Schicht. Das ist eine elektrochemische Reaktion, also eine chemische Wirkung.
Welche Aussage zur Stromdichte ist FALSCH?
- a) Die zulässige Stromdichte ist unabhängig von der Verlegeart
- b) Die Stromdichte ist das Verhältnis von Strom und Leiterquerschnitt
- c) Bei gleichem Strom hat ein dickerer Leiter eine kleinere Stromdichte
- d) Die Erwärmung im Leiter wächst mit steigender Stromdichte
Richtig: a)
Die zulässige Stromdichte hängt sehr stark von der Verlegeart ab — freie Verlegung in Luft, Bündelung mit weiteren belasteten Leitungen, im Rohr oder in der Wärmedämmung machen große Unterschiede. Die drei anderen Aussagen sind richtig.
Welche Stromart eignet sich zur direkten Speisung eines klassischen Drehstrom-Asynchronmotors?
- a) Pulsierender Gleichstrom
- b) Reiner Gleichstrom
- c) Hochfrequenz-Wechselstrom mit 1 MHz
- d) Wechselstrom mit Netzfrequenz im Drehstromsystem
Richtig: d)
Drehstrom-Asynchronmotoren werden direkt mit den drei Außenleitern des Drehstromnetzes versorgt (in Österreich typischerweise 400 V, 50 Hz). Frequenz und Spannungslage sind so aufeinander abgestimmt, dass das nötige Drehfeld entsteht.
Ein Kabel ist nach der Stromdichte gerade noch ausreichend dimensioniert. Es wird gebündelt mit anderen belasteten Leitungen verlegt. Welche Aussage stimmt?
- a) Die Stromdichte sinkt durch die Bündelung
- b) Die reale Erwärmung steigt, weil die Wärme schlechter abgeführt wird
- c) Der Querschnitt vergrößert sich durch die Bündelung
- d) Die Bündelung hat keinen Einfluss auf die Belastbarkeit
Richtig: b)
Die Stromdichte selbst bleibt unverändert, aber die abführbare Wärme sinkt — der Leiter wird heißer. Die Errichtungsnormen tragen dem über Reduktionsfaktoren bei Häufung Rechnung.
In einem Fahrzeug-Bordnetz wird der Starter kurzzeitig mit etwa 250 A versorgt. Welche Stromart und welche Größenordnung passt zu dieser Anwendung?
- a) Wechselstrom 50 Hz, einige A
- b) Hochfrequenz-Wechselstrom, einige mA
- c) Gleichstrom, einige hundert A
- d) Drehstrom, einige zehn A
Richtig: c)
Der Starter wird aus der Bleibatterie versorgt — das ist Gleichstrom. Die hohen Werte von 150 bis 300 A entstehen, weil beim Anlassen ein großes Drehmoment aus dem Motor herausgeholt werden muss. Darum sind die Starterleitungen so dick.
In einem Stromkreis passieren pro Sekunde rund 6,24 · 10¹⁸ Elementarladungen den Querschnitt des Leiters. Welche Stromstärke entspricht dem näherungsweise?
- a) 1 A
- b) 1 mA
- c) 6,24 · 10¹⁸ A
- d) 1 µA
Richtig: a)
Genau das ist die heutige Definition des Ampere: 1 Coulomb entspricht rund 6,24 · 10¹⁸ Elementarladungen, und 1 A = 1 C/s. 6,24 · 10¹⁸ Ladungen pro Sekunde sind also rund 1 A.
Für einen Strompfad Hand-zu-Hand mit 50-Hz-Wechselstrom — welche Aussage zur Gefährlichkeit ist plausibel?
- a) Erst ab mehreren Ampere ist Lebensgefahr möglich
- b) Schon unter 0,1 mA droht Herzkammerflimmern
- c) Frequenz spielt keine Rolle, nur die Spannung
- d) Schon ab etwa 30–50 mA besteht Gefahr für Herzkammerflimmern, abhängig von der Einwirkdauer
Richtig: d)
Im 50-Hz-Bereich genügen einige zehn Milliampere bei längerer Einwirkung, um den Herzrhythmus zu stören. Die genaue Schwelle hängt vom Strompfad, der Einwirkdauer und der individuellen Verfassung ab.
Sie wollen den Strom an einer Schützausgangsklemme messen, ohne die Klemme zu lösen. Welches Werkzeug passt am besten?
- a) Multimeter im Strommessbereich, aufgelegt zwischen die beiden Anschlüsse
- b) Stromzange
- c) Spannungsmesser parallel zum Schütz
- d) Isolationsmessgerät
Richtig: b)
Die Stromzange umschließt den Leiter und misst berührungslos über das Magnetfeld. Der Stromkreis muss dafür nicht aufgetrennt werden — ideal, wenn eine bestehende Verdrahtung unter Last nicht geöffnet werden soll.
Sie messen den Strom in einem Stromkreis und vertauschen versehentlich die Position des Amperemeters und des Verbrauchers. Was passiert grundsätzlich?
- a) Es ergibt sich derselbe Strom — die Reihenfolge in der Reihenschaltung ist gleichgültig
- b) Der gemessene Strom ist halbiert
- c) Der gemessene Strom verdoppelt sich
- d) Es entsteht ein Kurzschluss
Richtig: a)
In einer Reihenschaltung fließt überall derselbe Strom — die Reihenfolge der Bauteile ist für die Stromstärke ohne Bedeutung. Das ist sogar ein nützliches Diagnoseprinzip: das Amperemeter kann in jedem Punkt eines unverzweigten Stromkreises eingeschleift werden.
Welche Aussage zur technischen Stromrichtung trifft zu?
- a) Sie zeigt im Schaltplan vom Pluspol durch den Verbraucher zum Minuspol und ist damit entgegengesetzt zur Elektronenbewegung
- b) Sie entspricht der tatsächlichen Bewegungsrichtung der Elektronen
- c) Sie ist erst seit Einführung von ÖVE/ÖNORM EN 60617 verbindlich
- d) Sie wechselt im Gleichstromkreis ständig die Richtung
Richtig: a)
Die technische Stromrichtung ist eine historisch festgelegte Konvention: vom Plus- zum Minuspol außerhalb der Spannungsquelle. Die Elektronen wandern physikalisch in die entgegengesetzte Richtung. Im Gleichstromkreis bleibt die Stromrichtung konstant — ein Wechsel der Richtung wäre Wechselstrom.
Glossar
- Stromstärke
- Wie viel Ladung pro Zeit durch einen Leiterquerschnitt fließt. Formel: I = Q/t, Einheit Ampere.
- Ampere
- SI-Basiseinheit der Stromstärke, seit 2019 fest über die Elementarladung definiert. 1 A entspricht rund 6,24 · 10¹⁸ Elementarladungen pro Sekunde.
- Stromdichte
- Verhältnis von Stromstärke zu Leiterquerschnitt, J = I/A, Einheit A/mm². Maß für die thermische Belastung eines Leiters.
- Gleichstrom (DC)
- Strom mit konstanter Richtung und im Idealfall konstanter Stärke. Typische Quellen: Batterie, Akku, Netzteil.
- Wechselstrom (AC)
- Strom, der seine Richtung periodisch wechselt; im österreichischen Versorgungsnetz mit 50 Hz.
- Mischstrom
- Überlagerung von Gleich- und Wechselanteil, z. B. pulsierender Gleichstrom nach einem ungeglätteten Gleichrichter.
- Technische Stromrichtung
- Konvention zur Richtung des Strompfeils im Schaltplan: vom Plus- zum Minuspol außerhalb der Spannungsquelle.
- Driftgeschwindigkeit
- Mittlere gerichtete Bewegungsgeschwindigkeit der Elektronen in einem stromdurchflossenen Leiter, typisch im Bereich Millimeter pro Sekunde.
- Amperemeter
- Messgerät für die Stromstärke. Wird stets in Reihe in den Stromkreis geschaltet, idealerweise mit einem Innenwiderstand nahe null.
- Stromzange
- Berührungslos arbeitendes Strommessgerät, das den Stromwert aus dem Magnetfeld rund um den Leiter berechnet.
- Galvanik
- Elektrolytisches Aufbringen einer Metallschicht auf ein Werkstück mittels elektrischen Stroms (Verzinken, Verchromen, Vernickeln).
- Fünf Sicherheitsregeln
- Standardisierte Reihenfolge zum sicheren Arbeiten an elektrischen Anlagen: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte spannungsführende Teile abdecken oder abschranken.
Österreichische Normen
- ÖVE/ÖNORM EN 60617: Schaltzeichen für die Elektrotechnik — regelt die Darstellung von Bauteilen wie Amperemeter, Widerstand und Spannungsquelle in Schaltplänen.
- ÖVE/ÖNORM E 8101: Errichtung von elektrischen Niederspannungsanlagen — enthält u. a. die verbindlichen Tabellen zur Strombelastbarkeit von Leitungen, einschließlich der Reduktionsfaktoren für Verlegeart, Häufung und Umgebungstemperatur.
