Transformator – Aufbau und Funktion
Auf dem Weg vom Kraftwerk zur Steckdose wird die Spannung mehrfach umgewandelt — vom Generator hoch auf einige hundert Kilovolt, an mehreren Stationen wieder herunter bis zu den 230 V im Haushalt. Möglich macht das ein Bauteil ohne bewegliche Teile, ohne Elektronik, nur mit Eisen und Kupferdraht: der Transformator. Im Folgenden geht es darum, wie er aufgebaut ist und nach welchem Prinzip er funktioniert.
Vorwissen
- Elektromagnetische Induktion
- Spule – Aufbau und Induktivität
- Wechselspannung und ihre Kenngrößen (Spitzen-, Effektivwert, Frequenz)
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Aufbau eines Transformators in seine Hauptbestandteile zerlegen und Kern- von Manteltransformator unterscheiden
- erklären, warum ein Transformator nur mit Wechselspannung arbeitet
- die Funktion über den gemeinsamen magnetischen Fluss und die Induktion herleiten
- Eisen- und Kupferverluste unterscheiden und den Wirkungsgrad berechnen
- die wichtigsten Bauformen (Netz-, Sicherheits-, Trenn-, Spartrafo) den jeweiligen Anwendungen zuordnen
1. Wozu ein Transformator?
Strom aus dem Kraftwerk kommt mit einer Spannung an, die zur Übertragung optimiert ist — nicht zum direkten Anschluss eines Radios. Genau hier setzt der Transformator an: Er passt eine Wechselspannung an die jeweils gebrauchte Höhe an. Eine Spule mit vielen Windungen auf der einen Seite, eine mit wenigen auf der anderen, ein gemeinsamer Eisenkern — das ist die ganze Maschine.
Zwei Aufgaben übernimmt er gleichzeitig:
- Spannungsanpassung. Hochspannung im Übertragungsnetz reduziert Leitungsverluste, weil bei gleicher übertragener Leistung der Strom kleiner ist. Im Haushalt braucht man dagegen 230 V, ein Smartphone-Ladegerät 5 V. Der Trafo ist das Werkzeug für diesen Wechsel.
- Galvanische Trennung. Primär- und Sekundärseite sind elektrisch nicht verbunden — die Energie geht über das Magnetfeld. Das ist die Grundlage für viele Schutzmaßnahmen, etwa beim Sicherheits- oder Trenntrafo.
Beides geht aber nur mit Wechselspannung. Eine Gleichspannung treibt zwar einen Strom durch die Primärwicklung, dieser baut ein konstantes Magnetfeld auf — und dann passiert nichts mehr. Induziert wird nur bei einer Änderung des Flusses, und die liefert eben erst der ständige Polaritätswechsel der Wechselspannung.
Frage 1: Warum funktioniert ein Transformator nicht mit Gleichspannung?
- a) Weil die Primärwicklung dafür zu wenige Windungen hat
- b) Weil der Eisenkern bei Gleichspannung schmilzt
- c) Weil bei Gleichspannung kein sich ändernder magnetischer Fluss entsteht, also nichts induziert wird
- d) Weil die galvanische Trennung bei Gleichspannung nicht wirkt
Richtig: c)
Eine Spannung wird nur induziert, wenn sich der magnetische Fluss ändert. Gleichspannung erzeugt nach dem Einschwingvorgang einen konstanten Fluss — keine Änderung, keine induzierte Sekundärspannung. Die anderen Antworten sind frei erfunden oder belanglos für das Funktionsprinzip.
Frage 2: Welcher dieser Effekte ist der Hauptgrund, warum im Übertragungsnetz mit Hochspannung gearbeitet wird?
- a) Bei gleicher Leistung ist der Strom kleiner, dadurch sinken die Leitungsverluste
- b) Hochspannung ist billiger zu erzeugen als Niederspannung
- c) Die Frequenz lässt sich nur bei Hochspannung stabil halten
- d) Hochspannung verträgt sich besser mit Drehstrom
Richtig: a)
Die Übertragungsverluste in einer Leitung steigen mit I². Verdoppelt man die Spannung bei gleicher Leistung, halbiert sich der Strom, die Verluste sinken auf ein Viertel. Frequenz ist unabhängig vom Spannungsniveau, und Drehstrom funktioniert auf jeder Ebene gleichermaßen.
Frage 3: Was bedeutet „galvanische Trennung“ beim Transformator?
- a) Der Kern besteht aus galvanisch beschichteten Blechen
- b) Primär- und Sekundärseite haben unterschiedliche Frequenzen
- c) Die Verbindung zwischen den Seiten ist nur über das Schaltgehäuse hergestellt
- d) Es gibt keine leitende elektrische Verbindung zwischen Primär- und Sekundärkreis
Richtig: d)
Galvanisch getrennt heißt: kein durchgehender elektrischer Leiter zwischen den beiden Stromkreisen. Die Energie wird ausschließlich über das gemeinsame Magnetfeld übertragen. Beschichtungen, Frequenzen oder das Gehäuse haben damit nichts zu tun.
2. Aufbau des Transformators
Ein Transformator besteht aus drei wesentlichen Teilen: einem Eisenkern und mindestens zwei Wicklungen. Mehr ist es im Prinzip nicht — der Rest ist Mechanik, Isolation und Gehäuse.
Der Eisenkern führt den magnetischen Fluss von der einen Wicklung zur anderen. Verwendet wird ein weichmagnetischer Werkstoff — meist Dynamoblech, eine Eisen-Silizium-Legierung mit etwa 3 bis 4 Prozent Silizium. Weichmagnetisch heißt: Das Material lässt sich leicht ummagnetisieren, behält also keine nennenswerte Restmagnetisierung. Das ist wichtig, weil sich die Polarität bei 50 Hz hundertmal pro Sekunde umkehrt — jedes Restfeld würde Energie kosten.
Der Kern ist nicht massiv, sondern aus dünnen Blechen geschichtet, typisch 0,3 bis 0,5 mm dick. Jedes einzelne Blech ist zur Nachbarschicht hin elektrisch isoliert (Lack oder Phosphatierung). Der Sinn dieser Bauweise — Wirbelströme klein zu halten — wird in Kapitel 5 ausführlich behandelt.
Die Wicklungen bestehen aus Kupferlackdraht. Die Primärwicklung hängt an der Eingangsspannung, die Sekundärwicklung gibt die transformierte Spannung an den Verbraucher ab. Welche Wicklung welche ist, hängt nur davon ab, wo man einspeist — der Aufbau ist symmetrisch. Bei Anpassung an die Last muss die Wicklung mit dem höheren Strom (also der niedrigeren Spannung) einen größeren Drahtquerschnitt haben, sonst überhitzt sie.
Die Klemmen werden so bezeichnet, dass Oberspannung und Unterspannung auseinandergehalten werden können. Üblich sind Großbuchstaben für die Oberspannungsseite (U, V) und Kleinbuchstaben für die Unterspannungsseite (u, v). Das verhindert Verwechslungen bei Anschluss und Wartung.
Bauformen: Kerntransformator und Manteltransformator
Beim Kerntransformator sitzt auf jedem der beiden Schenkel eine Wicklung — Primär auf dem einen, Sekundär auf dem anderen. Aufbau einfach, Wicklungen leicht zugänglich, dafür etwas größerer Streufluss (Flussanteile, die nicht durch beide Wicklungen gehen).
Beim Manteltransformator wird der Kern als „liegende 8″ ausgeführt: drei Schenkel, beide Wicklungen sitzen ineinandergeschachtelt auf dem Mittelschenkel. Der Fluss teilt sich symmetrisch auf die beiden äußeren Schenkel auf, der magnetische Kreis ist enger geschlossen, der Streufluss kleiner. Standardbauform bei Netztrafos kleiner und mittlerer Leistung.
Beim Kerntrafo läuft der ganze Fluss durch beide Wicklungen — einfache, geschlossene Bahn. Beim Manteltrafo teilt sich der Fluss vom Mittelschenkel auf die beiden Außenschenkel auf (jeweils Φ/2), kehrt dann durch das obere und untere Joch zurück.
Frage 1: Warum besteht der Eisenkern eines Transformators aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen?
- a) Damit der Kern leichter zu transportieren ist
- b) Um Wirbelströme im Kern klein zu halten
- c) Damit sich die Wicklungen leichter aufbringen lassen
- d) Weil sich Vollkerne nicht ummagnetisieren lassen
Richtig: b)
Wirbelströme würden in einem massiven Kern als großflächige Kreisströme fließen und den Kern erwärmen. Dünne, voneinander isolierte Bleche unterbrechen diese Strompfade. Vollkerne lassen sich grundsätzlich ummagnetisieren, sie wären nur sehr verlustbehaftet. Die anderen Antworten sind belanglos.
Frage 2: Welche Aussage zum Manteltransformator ist korrekt?
- a) Beide Wicklungen sitzen auf dem Mittelschenkel, der Fluss teilt sich auf die zwei äußeren Schenkel auf
- b) Er hat nur eine einzige Wicklung mit Anzapfung
- c) Er besitzt einen runden, geschlossenen Ringkern
- d) Primär- und Sekundärwicklung liegen auf zwei getrennten Schenkeln
Richtig: a)
Charakteristisch ist die E-I-förmige Blechschnittausführung mit drei Schenkeln, wobei der Mittelschenkel beide ineinandergeschachtelten Wicklungen trägt. Antwort b beschreibt einen Spartransformator, c einen Ringkerntrafo, d einen Kerntransformator.
Frage 3: Welcher Werkstoff wird typischerweise für Transformatorenkerne verwendet?
- a) Hartmagnetisches Permanentmagnetmaterial
- b) Reines Aluminium wegen seiner Leitfähigkeit
- c) Weichmagnetisches Dynamoblech, also legierter Stahl mit Silizium
- d) Ferrit als Vollkörper, ohne Schichtung
Richtig: c)
Ein Trafokern muss sich verlustarm ummagnetisieren lassen — das verlangt einen weichmagnetischen Werkstoff. Dynamoblech (Eisen mit etwa 3–4 % Silizium) hat genau diese Eigenschaft und wird in dünnen, isolierten Lagen geschichtet. Hartmagnetisches Material wäre wegen der hohen Hystereseverluste völlig ungeeignet, Aluminium ist nicht ferromagnetisch, Ferrit kommt nur bei hochfrequenten Trafos zum Einsatz.
3. Funktionsweise
Wie kommt die Energie von Primär nach Sekundär, ohne dass beide Wicklungen elektrisch verbunden sind? Antwort: über das gemeinsame Magnetfeld.
Liegt an der Primärwicklung eine Wechselspannung U₁ an, fließt durch sie ein Wechselstrom. Dieser Strom baut nach dem Durchflutungsgesetz ein magnetisches Feld auf — und weil der Eisenkern dieses Feld bündelt und kanalisiert, entsteht ein Wechselfluss Φ im Kern. Der ändert sich im selben Rhythmus wie die Primärspannung: 50-mal pro Sekunde sein Maximum, 50-mal sein Minimum, dazwischen alle Werte.
Dieser Fluss läuft im Eisenkern auch durch das Innere der Sekundärwicklung. Dort gilt das Induktionsgesetz: Eine zeitliche Änderung des Flusses induziert in jeder Windung eine Spannung. Bei N₂ Windungen addieren sich diese Einzelspannungen zur Sekundärspannung U₂.
Beide Wicklungen sehen denselben Fluss — denn er läuft durch denselben Eisenkern. Die induzierte Spannung pro Windung ist also auf beiden Seiten gleich. Daraus folgt direkt das Übersetzungsverhältnis:
Mehr Windungen auf der Primärseite als auf der Sekundärseite ergibt einen Abwärtstransformator (ü > 1, U₂ < U₁). Umgekehrt ergibt ein Aufwärtstrafo (ü < 1) eine höhere Sekundär- als Primärspannung.
Wichtig dabei: Die Polarität des Flusses kehrt sich periodisch um — die Pfeile im Bild zeigen nur eine Momentaufnahme. Eine halbe Periode später laufen sie in die andere Richtung.
Was nicht in diesem Beitrag behandelt wird: konkrete Berechnungsbeispiele und das Verhalten der Ströme (I₁/I₂ = N₂/N₁) sowie die Bauleistung. Das findet sich im eigenen Beitrag Einphasentransformator – Übersetzungsverhältnis und Berechnungen.
u_ind = -N · dΦ/dt
- u_ind … induzierte Spannung in V
- N …… Windungszahl
- dΦ/dt .. zeitliche Änderung des magnetischen Flusses in Wb/s
U₁ / U₂ = N₁ / N₂ = ü
- U₁ … Primärspannung in V
- U₂ … Sekundärspannung in V
- N₁ … Primärwindungszahl
- N₂ … Sekundärwindungszahl
- ü …. Übersetzungsverhältnis
Frage 1: Ein Transformator hat primär 1000 Windungen und sekundär 50 Windungen. Welche Spannungsumsetzung ergibt sich grundsätzlich?
- a) Er erhöht die Spannung um den Faktor 20
- b) Er hat ein Übersetzungsverhältnis von 50, weil die kleinere Windungszahl zählt
- c) Die Spannungen verhalten sich gleich, weil sie denselben Fluss sehen
- d) Er senkt die Spannung im Verhältnis 20 : 1 ab
Richtig: d)
Aus U₁/U₂ = N₁/N₂ = 1000/50 = 20 folgt: die Primärspannung ist 20-mal so groß wie die Sekundärspannung. Es handelt sich also um einen Abwärtstrafo mit ü = 20. Antwort a hat das Verhältnis umgekehrt, b verwechselt Definitionsrichtung, c ignoriert die unterschiedlichen Windungszahlen.
Frage 2: Warum induziert der magnetische Fluss in der Sekundärwicklung überhaupt eine Spannung?
- a) Weil der Kern aus Eisen besteht und Eisen leitet
- b) Weil sich der Fluss zeitlich ändert und das Induktionsgesetz greift
- c) Weil Primär- und Sekundärwicklung verbunden sind
- d) Weil das Eisen die Energie speichert und nachliefert
Richtig: b)
Induktion verlangt eine Änderung des Flusses — genau die liefert der Wechselstrom auf der Primärseite. Eisen leitet im hier interessierenden Sinn nicht (es geht um den magnetischen Pfad). Eine elektrische Verbindung gibt es gerade nicht (galvanische Trennung), und das Eisen ist nur das „Verbindungsstück“ des magnetischen Kreises, kein Energiespeicher im engeren Sinne.
Frage 3: Welche Aussage zum Übersetzungsverhältnis trifft zu?
- a) Es ist das Verhältnis der Windungszahlen und gleich dem Verhältnis der Spannungen
- b) Es ist das Verhältnis der Frequenzen auf beiden Seiten
- c) Es hängt vom Kernmaterial ab, nicht von den Windungen
- d) Es ist nur bei großen Trafos sinnvoll definiert
Richtig: a)
ü = N₁/N₂ = U₁/U₂ — ohne Einschränkung auf eine bestimmte Größenordnung. Die Frequenz bleibt auf beiden Seiten gleich, das ist eine wichtige Eigenschaft des Trafos. Der Kernwerkstoff beeinflusst Verluste und Magnetisierung, aber nicht das Übersetzungsverhältnis.
4. Leerlauf und Belastung — qualitativ
Bisher wurde das Übersetzungsverhältnis hergeleitet, als wäre der Trafo unbelastet. Was passiert nun, wenn man auf der Sekundärseite einen Verbraucher anschließt? Und wie verhält sich der Trafo, solange dort nichts hängt?
Leerlauf
Im Leerlauf ist die Sekundärwicklung offen — es fließt sekundärseitig kein Strom. Primärseitig fließt aber sehr wohl ein kleiner Strom, der Magnetisierungsstrom. Er ist nötig, um den Wechselfluss im Kern überhaupt aufzubauen. Außerdem fließt ein Anteil zur Deckung der Eisenverluste (die in Kapitel 5 behandelt werden).
Der Leerlaufstrom liegt bei kleinen Trafos bei einigen Prozent des Nennstroms — er „lebt“ also auch ohne Last und braucht eine gewisse Grundaufnahme. Wer einen kleinen Netztrafo nachts am Netz hängen lässt, zahlt diese Magnetisierung dauerhaft mit.
Belastung
Schließt man auf der Sekundärseite einen Verbraucher an, fließt durch die Sekundärwicklung ein Strom I₂. Dieser Strom erzeugt seinerseits ein eigenes Magnetfeld — und zwar so gerichtet, dass es dem Primärfluss entgegenwirkt. Es will den Kernfluss schwächen.
Was geschieht jetzt? Die Primärspannung liegt weiter unverändert an. Damit der induzierte Spannungsabfall in der Primärwicklung der angelegten Spannung weiterhin das Gleichgewicht hält, muss der Fluss im Kern ungefähr seinen ursprünglichen Wert behalten. Also zieht die Primärseite automatisch mehr Strom — gerade so viel, dass dessen Magnetfeld den Gegenfluss der Sekundärseite kompensiert. Das passiert von selbst, ohne Regelung, allein durch das physikalische Gleichgewicht.
Anschaulich gesagt: Die Sekundärseite nimmt sich, was sie braucht, und die Primärseite liefert nach. Ein leerlaufender Trafo zieht wenig Strom, ein voll belasteter zieht primärseitig den Nennstrom — das alles geschieht nur, weil ein Verbraucher sekundärseitig „nachfragt“.
Frage 1: Was fließt primärseitig, wenn sekundär kein Verbraucher angeschlossen ist?
- a) Nichts, weil der Stromkreis offen ist
- b) Der volle Nennstrom, weil die Wicklung niederohmig ist
- c) Nur der Magnetisierungsstrom, der den Kernfluss aufbaut
- d) Ein Gleichstrom durch die Eisensättigung
Richtig: c)
Primärseitig ist der Stromkreis geschlossen — die Wicklung hängt am Netz. Es fließt aber nicht der Nennstrom, weil die Wicklung als Spule einen großen induktiven Widerstand hat. Es fließt der kleine Magnetisierungsstrom, der nötig ist, um den Wechselfluss aufzubauen. Antwort d ist Unsinn, eine Gleichstrom-Komponente entsteht nicht.
Frage 2: Warum steigt der Primärstrom, wenn sekundärseitig eine größere Last angeschlossen wird?
- a) Weil das Eisen bei Last leitfähiger wird
- b) Weil sich das Übersetzungsverhältnis verschiebt
- c) Weil die Primärspannung höher wird
- d) Weil der Gegenfluss der Sekundärseite durch zusätzlichen Primärstrom kompensiert werden muss
Richtig: d)
Der Sekundärstrom erzeugt ein magnetisches Feld, das den Primärfluss schwächen würde. Damit die Primärspannung weiterhin im Gleichgewicht mit der induzierten Spannung bleibt, muss der Fluss konstant sein — der Primärstrom steigt also genau so weit, dass dieser Gegenfluss kompensiert wird. Die anderen Antworten sind physikalisch falsch.
Frage 3: Was bedeutet die Aussage „Der Trafo überträgt nur die abgenommene Leistung“?
- a) Er liefert immer seinen Maximalwert
- b) Die Primärseite zieht netzseitig genau so viel Leistung, wie sekundär abgegeben wird (zuzüglich Verluste)
- c) Die Übertragung muss von Hand nachgeregelt werden
- d) Der Trafo speichert Energie und gibt sie zeitverzögert ab
Richtig: b)
Die Leistung wird nicht durch den Trafo „gepumpt“, sondern wird auf der Sekundärseite vom Verbraucher gezogen und auf der Primärseite vom Netz nachgeliefert. Dazwischen liegen nur die unvermeidlichen Verluste (Eisen + Kupfer). Eine externe Regelung braucht es nicht, der Vorgang läuft physikalisch selbsttätig.
5. Verluste und Wirkungsgrad
Ein realer Trafo gibt sekundärseitig weniger Leistung ab, als er primär aufnimmt — ein kleiner Teil bleibt unterwegs. Diese Differenz nennt man Verlustleistung P_v. Sie zerfällt in zwei Gruppen, die sich physikalisch sauber trennen lassen.
Eisenverluste — lastunabhängig
Eisenverluste entstehen im Kern und treten schon im Leerlauf auf. Sie hängen von der Wechselspannung und ihrer Frequenz ab, aber praktisch nicht von der Belastung. Zwei Effekte:
Hystereseverluste. Ein Trafokern wird 100-mal pro Sekunde ummagnetisiert (bei 50 Hz, je halbe Periode einmal). Jeder Ummagnetisierungszyklus kostet Energie — sichtbar als Fläche der Hystereseschleife. Weichmagnetisches Dynamoblech hat eine schmale Schleife und damit kleine Hystereseverluste.
Wirbelstromverluste. Der Wechselfluss induziert nicht nur in den Wicklungen Spannungen — auch im leitfähigen Eisen selbst. Diese induzierten Spannungen treiben Ströme durch den Kern, die sogenannten Wirbelströme. Sie erwärmen den Kern, ohne irgendeinen Nutzen.
Genau dagegen ist der Kern geblecht: Statt eines massiven Eisenblocks ein Stapel dünner, gegeneinander isolierter Bleche. Die Wirbelströme können sich nur innerhalb jedes einzelnen Blechs ausbilden — ihre Wege werden kurz, ihr Wert klein. Je dünner die Bleche, desto kleiner die Wirbelstromverluste; daher die typischen 0,3 bis 0,5 mm.
Kupferverluste — lastabhängig
In den Wicklungen fließt ein Strom durch einen ohmschen Widerstand. Daraus folgt unvermeidlich Wärme: P_Cu = I² · R. Diese Verluste hängen quadratisch vom Strom ab — und damit von der Last. Im Leerlauf praktisch null, bei Volllast am größten.
Zusammengefasst:
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad gibt an, welcher Anteil der primär aufgenommenen Leistung sekundärseitig wieder herauskommt:
Es gilt außerdem P₁ = P₂ + P_v, also lässt sich der Wirkungsgrad ebenso aus den Verlusten berechnen.
Typische Wirkungsgrade:
- kleine Klingel- oder Steckertrafos: 70 bis 85 %
- mittlere Netztrafos: 90 bis 96 %
- große Verteil- und Leistungstransformatoren: 98 bis 99,5 %
Der Grund für den Größeneinfluss: Bei großen Trafos wächst die Leistung schneller als die Verluste, weil das Verhältnis Oberfläche zu Volumen günstiger wird und konstruktiv mehr Aufwand in Verlustreduktion gerechtfertigt ist.
P_v = P_Fe + P_Cu
- P_v … gesamte Verlustleistung in W
- P_Fe .. Eisenverluste in W (lastunabhängig)
- P_Cu .. Kupferverluste in W (lastabhängig)
η = P₂ / P₁
- η … Wirkungsgrad (dimensionslos oder in %)
- P₁ .. Primärseitig aufgenommene Wirkleistung in W
- P₂ .. Sekundärseitig abgegebene Wirkleistung in W
Gelöstes Beispiel
Ein Trafo nimmt primärseitig 850 W auf und gibt sekundärseitig 805 W ab. Wie groß sind Verlustleistung und Wirkungsgrad?
Gegeben: P₁ = 850 W, P₂ = 805 W
Gesucht: Verlustleistung P_v in W, Wirkungsgrad η in %
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Verlustleistung: P_v = P₁ − P₂ = 850 W − 805 W = 45 W
- Schritt 2 — Wirkungsgrad: η = P₂ / P₁ = 805 W / 850 W = 0,9471 = 94,71 %
Ergebnis: Der Trafo hat eine Verlustleistung von 45 W bei einem Wirkungsgrad von rund 94,7 %.
Übungen
Ein Klingeltrafo nimmt 18 W aus dem Netz und gibt 14 W an die Klingel ab. Wie groß sind Wirkungsgrad und Verlustleistung?
P_v = 4 W, η = 14/18 = 77,78 %
Ein Netztrafo hat eine Eingangsleistung von 2,4 kW und eine Verlustleistung von 96 W. Berechne die Ausgangsleistung und den Wirkungsgrad.
P₂ = 2400 − 96 = 2304 W, η = 2304/2400 = 96 %
An einem Trafo werden 5,5 kW Eingangs- und 5,28 kW Ausgangsleistung gemessen. Wie hoch sind Wirkungsgrad und Verlustleistung in W?
η = 5280/5500 = 96 %, P_v = 220 W
Ein Trafo mit Wirkungsgrad 92 % gibt sekundärseitig 460 W ab. Wie groß ist die Primärleistung und wie groß die Verlustleistung?
P₁ = P₂ / η = 460 / 0,92 = 500 W; P_v = 500 − 460 = 40 W
Ein Verteiltrafo hat im Volllastbetrieb Eisenverluste von 1,2 kW und Kupferverluste von 3,8 kW. Die abgegebene Leistung beträgt 250 kW. Berechne den Wirkungsgrad bei dieser Belastung.
P_v = 1,2 + 3,8 = 5 kW; P₁ = 250 + 5 = 255 kW; η = 250/255 = 98,04 %
Frage 1: Welche Verlustart eines Transformators ist nicht lastabhängig?
- a) Eisenverluste (Hysterese- und Wirbelstromverluste)
- b) Kupferverluste in der Primärwicklung
- c) Kupferverluste in der Sekundärwicklung
- d) Übergangsverluste an den Klemmen
Richtig: a)
Eisenverluste hängen nur von Spannung und Frequenz ab, nicht vom Strom — sie sind also auch im Leerlauf vorhanden. Kupferverluste skalieren mit I²·R und sind damit direkt lastabhängig. Übergangsverluste an Klemmen sind ebenfalls stromabhängig und in der Praxis klein.
Frage 2: Warum hat der Eisenkern eines Trafos so viele dünne Bleche?
- a) Damit weniger Material verbaut wird
- b) Damit der Kern flexibler wird
- c) Um die Bahn der Wirbelströme zu unterbrechen und damit die Verluste zu reduzieren
- d) Damit das Magnetfeld stärker wird
Richtig: c)
In einem massiven Eisenkern können große Wirbelströme ungehindert fließen und erwärmen den Kern. Dünne, voneinander isolierte Bleche zwingen die Wirbelströme in kleine Bahnen — der Stromfluss bricht zusammen, die Verluste sinken stark. Das Magnetfeld selbst wird durch die Schichtung nicht stärker oder schwächer, der magnetische Pfad bleibt durchgehend.
Frage 3: Ein Trafo nimmt primär 1500 W auf und hat eine Verlustleistung von 60 W. Wie groß ist sein Wirkungsgrad?
- a) 104 %
- b) 60 %
- c) 96 %
- d) Nicht berechenbar
Richtig: c)
P₂ = P₁ − P_v = 1500 W − 60 W = 1440 W. Daraus η = P₂/P₁ = 1440/1500 = 0,96 = 96 %. Ein Wirkungsgrad über 100 % wäre energieerhaltungswidrig, 60 % entspräche einer Verlustleistung von 600 W — viel zu hoch. Die Information genügt vollständig für die Berechnung.
6. Bauformen und Einsatzgebiete
Die bisherigen Kapitel zeigen das Grundprinzip. In der Praxis tritt der Trafo in verschiedenen Spezialbauformen auf — alle nutzen das gleiche Funktionsprinzip, sind aber für unterschiedliche Aufgaben optimiert.
- Netz- und Verteiltransformator. Sitzt in Trafostationen zwischen den Spannungsebenen des Versorgungsnetzes. Typische Leistung von wenigen kVA bis mehrere MVA. Bei den größeren Bauformen wird der Kern mitsamt Wicklungen in Öl getaucht — das Öl isoliert elektrisch und führt gleichzeitig die Verlustwärme an die Außenwand ab.
- Klingel- und Sicherheitstransformator. Wandelt 230 V auf Kleinspannung (typisch 8, 12 oder 24 V) für klingel-, beleuchtungs- oder hobbytaugliche Anwendungen. Charakteristisch: verstärkte Isolation zwischen Primär- und Sekundärwicklung. Die Sekundärspannung gilt als Schutzkleinspannung (SELV), solange sie 50 V Wechselspannung nicht übersteigt. Eine Berührung der Sekundärseite ist dann ungefährlich.
- Trenntransformator. Übersetzungsverhältnis 1:1 — also gleiche Spannung primär wie sekundär. Sein Zweck ist allein die galvanische Trennung. Eingesetzt wird er an Messplätzen, in Werkstätten zur Schutztrennung oder zur Versorgung medizinischer Geräte. Wer „erdfrei“ arbeiten muss (etwa beim Messen an netzgespeisten Schaltungen), kommt ohne Trenntrafo kaum aus.
- Spartransformator. Hat nur eine einzige Wicklung mit einer Anzapfung. Primär- und Sekundärseite teilen sich einen Wicklungsabschnitt — daraus folgt keine galvanische Trennung. Dafür ist der Spartrafo bei gleicher Leistung kleiner und billiger als ein klassischer Zweiwicklungstrafo, besonders bei Übersetzungsverhältnissen nahe 1. Verwendung beispielsweise als Anlasstrafo für große Motoren oder als Stellgerät (Stelltrafo) im Labor.
- Strom- und Spannungswandler. Spezialtrafos der Messtechnik. Stromwandler haben primärseitig oft nur eine einzige Windung (oder einen durchgezogenen Leiter) und sekundärseitig viele — sie reduzieren hohe Ströme auf messbare 5 oder 1 A. Spannungswandler reduzieren Hochspannung auf typisch 100 V. Beides erlaubt Messung in Hochspannungsanlagen, ohne mit dem Messgerät direkt auf der Hochspannungsebene zu hängen.
- Drehstromtransformator. Für die Übertragung in Drehstromnetzen. Drei Wicklungspaare auf einem gemeinsamen dreischenkligen Kern, je nach Schaltgruppe (Stern, Dreieck, Zickzack) ergeben sich verschiedene Spannungs- und Stromverhältnisse. Mehr dazu im Beitrag Drehstromtransformator und Schaltgruppen.
Frage 1: Welche Eigenschaft macht den Spartransformator vom klassischen Trafo grundlegend unterschiedlich?
- a) Er hat zwei voneinander getrennte Wicklungen
- b) Primär- und Sekundärseite sind nicht galvanisch getrennt
- c) Er funktioniert auch mit Gleichspannung
- d) Er hat keine Eisenverluste
Richtig: b)
Beim Spartrafo gibt es nur eine einzige Wicklung mit einer Anzapfung — Primär- und Sekundärseite teilen sich einen Wicklungsabschnitt. Damit besteht eine leitende Verbindung, also keine galvanische Trennung. Eisenverluste und Wechselspannungsbetrieb verhalten sich wie beim normalen Trafo.
Frage 2: Welcher Trafo wird typischerweise als Schutzmaßnahme an Messplätzen eingesetzt, um Schaltungen erdfrei prüfen zu können?
- a) Trenntransformator mit Übersetzungsverhältnis 1:1
- b) Spartransformator
- c) Drehstromtransformator
- d) Sicherheitstransformator
Richtig: a)
Der Trenntrafo überträgt die Eingangsspannung praktisch unverändert, hat aber zwei galvanisch getrennte Wicklungen — genau das wird für erdfreies Messen gebraucht. Ein Spartrafo bietet keine galvanische Trennung. Der Sicherheitstrafo wäre möglich, aber er senkt die Spannung zusätzlich ab und ist für direkte 230-V-Messungen ungeeignet.
Frage 3: Welche Aufgabe hat ein Stromwandler in einer Schaltanlage?
- a) Er regelt den Stromfluss zwischen den Phasen
- b) Er begrenzt den Kurzschlussstrom auf einen sicheren Wert
- c) Er reduziert hohe Betriebsströme auf einen messbaren Wert (typisch 5 A oder 1 A)
- d) Er glättet Stromschwankungen im Netz
Richtig: c)
Ein Stromwandler ist ein Messtrafo, der einen großen Primärstrom (z.B. einige hundert oder tausend Ampere) auf einen genormten Sekundärstrom (meist 5 A oder 1 A) umsetzt, sodass handelsübliche Messgeräte angeschlossen werden können. Regelung, Strombegrenzung oder Glättung sind andere Aufgaben mit anderen Bauteilen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Transformator nimmt aus dem Netz 240 W auf und gibt 216 W an einen angeschlossenen Verbraucher ab.
Gegeben: P₁ = 240 W, P₂ = 216 W
Gesucht: Wirkungsgrad η in %, Verlustleistung P_v in W
Lösungsweg:
- η = P₂ / P₁ = 216 / 240 = 0,90
- P_v = P₁ − P₂ = 240 − 216 = 24 W
Ergebnis: η = 90 %, P_v = 24 W
Aufgabe 2: Ein Verteiltrafo hat im Volllastbetrieb 750 W Eisenverluste und 2250 W Kupferverluste. Er gibt 120 kW Wirkleistung an das Niederspannungsnetz ab.
Gegeben: P_Fe = 750 W, P_Cu = 2250 W, P₂ = 120 kW
Gesucht: Wirkungsgrad η in %
Lösungsweg:
- P_v = P_Fe + P_Cu = 750 + 2250 = 3000 W = 3 kW
- P₁ = P₂ + P_v = 120 + 3 = 123 kW
- η = P₂ / P₁ = 120 / 123 = 0,9756 = 97,56 %
Ergebnis: η ≈ 97,6 %
Frage 1: Was ist der zentrale physikalische Vorgang im Transformator?
- a) Eine chemische Umwandlung im Kern
- b) Stromverstärkung durch Halbleiter
- c) Eine kapazitive Kopplung der Wicklungen
- d) Elektromagnetische Induktion durch einen gemeinsamen Wechselfluss
Richtig: d)
Im Kern entsteht durch den Primärstrom ein Wechselfluss, der in der Sekundärwicklung eine Spannung induziert. Halbleiter sind beim klassischen Trafo nicht im Spiel, eine kapazitive Kopplung ist marginal und nicht der Hauptpfad, chemische Vorgänge spielen keine Rolle.
Frage 2: Welche Aussage über das Übersetzungsverhältnis trifft zu?
- a) Es ist gleich dem Verhältnis der Wicklungswiderstände
- b) Es entspricht dem Verhältnis der Windungszahlen N₁/N₂
- c) Es ist immer kleiner als 1
- d) Es hängt von der angeschlossenen Last ab
Richtig: b)
Per Definition ü = N₁/N₂, und das gilt unabhängig von der Last. Es kann größer (Abwärtstrafo) oder kleiner (Aufwärtstrafo) als 1 sein. Wicklungswiderstände spielen erst bei den Verlusten eine Rolle.
Frage 3: Warum ist der Eisenkern eines Transformators aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut?
- a) Zur Reduzierung der Wirbelstromverluste im Kern
- b) Damit der Kern flexibler ist
- c) Damit weniger Material verbaut wird
- d) Damit der Hauptfluss stärker wird
Richtig: a)
Wirbelströme im Kern werden durch die Blechung in kleine Bahnen gezwungen, ihre Verlustleistung sinkt erheblich. Die anderen Antworten sind unzutreffend — die Materialmenge wird durch die Blechung sogar leicht reduziert, der Hauptfluss bleibt im Idealfall unverändert.
Frage 4: Im Leerlauf fließt primärseitig der Magnetisierungsstrom. Welcher Verlustanteil ist daran überwiegend gekoppelt?
- a) Kupferverluste der Sekundärwicklung
- b) Übergangsverluste an den Klemmen
- c) Eisenverluste (Hysterese + Wirbelstrom)
- d) Reibungsverluste der Wicklung
Richtig: c)
Eisenverluste hängen nur von Spannung und Frequenz ab — sie treten auch im Leerlauf auf. Kupferverluste der Sekundärwicklung gibt es nicht, weil kein Sekundärstrom fließt. Reibungsverluste existieren beim Trafo nicht (keine bewegten Teile).
Frage 5: Welcher Trafo erzeugt aus 230 V eine ungefährliche Kleinspannung von höchstens 50 V Wechselspannung und besitzt eine verstärkte Isolation zwischen Primär- und Sekundärwicklung?
- a) Spartransformator
- b) Trenntransformator
- c) Stromwandler
- d) Sicherheits- oder Klingeltransformator
Richtig: d)
Sicherheits-/Klingeltrafos erzeugen Schutzkleinspannung (SELV ≤ 50 V AC) und haben eine verstärkte Isolation zwischen den Wicklungen. Spartrafo: keine galvanische Trennung. Trenntrafo: gleiche Spannung primär wie sekundär. Stromwandler: Messzweck, keine Versorgung.
Frage 6: Was passiert primärseitig, wenn sekundärseitig eine größere Last angeschlossen wird?
- a) Der Primärstrom bleibt gleich
- b) Der Primärstrom steigt entsprechend nach, weil der Gegenfluss kompensiert werden muss
- c) Der Primärstrom sinkt, weil die Sekundärseite Energie liefert
- d) Die Primärspannung steigt
Richtig: b)
Der durch den Sekundärstrom erzeugte Gegenfluss schwächt zunächst den Hauptfluss. Damit der Kernfluss konstant bleibt (was die anliegende Primärspannung erzwingt), muss der Primärstrom genau so nachregeln, dass die Gegenwirkung kompensiert wird. Spannung ist netzseitig vorgegeben und ändert sich nicht.
Frage 7: Wie verändert sich der Wirkungsgrad eines Transformators mit zunehmender Baugröße tendenziell?
- a) Er steigt, weil bei großen Trafos die Verluste relativ zur übertragenen Leistung geringer werden
- b) Er sinkt, weil mehr Material mehr Verluste bedeutet
- c) Er bleibt konstant
- d) Er hängt nicht von der Baugröße ab
Richtig: a)
Die Übertragungsleistung wächst mit dem Volumen, die Wärmeabfuhr nur mit der Oberfläche — die Konstruktion wird effizienter, sobald genügend Material da ist, um den magnetischen Kreis und die Wicklungen optimal auszulegen. Große Verteiltrafos erreichen Wirkungsgrade von 98 bis 99,5 %, kleine Trafos häufig unter 90 %.
Frage 8: Welche Aussage zum Spartransformator ist korrekt?
- a) Er hat zwei voneinander getrennte Wicklungen
- b) Er bietet die beste galvanische Trennung von allen Trafotypen
- c) Er hat nur eine Wicklung mit Anzapfung und damit keine galvanische Trennung
- d) Er funktioniert auch mit Gleichspannung
Richtig: c)
Beim Spartrafo dient ein Wicklungsabschnitt sowohl als Primär- als auch als Sekundärwicklung — es besteht eine leitende Verbindung. Bei vergleichbaren Übersetzungsverhältnissen ist er kleiner und billiger als ein zweiwicklungiger Trafo, allerdings ohne Schutzfunktion durch galvanische Trennung. Wechselspannung benötigt er wie jeder Trafo.
Frage 9: Ein Trafo hat N₁ = 800, N₂ = 200, U₁ = 400 V. Wie groß ist U₂, wenn keine nennenswerten Verluste auftreten?
- a) 1600 V
- b) 200 V
- c) 400 V
- d) 100 V
Richtig: d)
Aus U₁/U₂ = N₁/N₂ folgt U₂ = U₁ · N₂/N₁ = 400 · 200/800 = 100 V. Antwort a wäre ein Aufwärtsbetrieb mit vertauschtem Verhältnis, b und c haben mit den gegebenen Werten nichts zu tun.
Frage 10: Welche Aussage zu den Wirbelströmen im Trafokern ist falsch?
- a) Sie entstehen durch Induktion im leitfähigen Eisen
- b) Sie erwärmen den Kern, ohne nutzbare Energie zu liefern
- c) Sie sind durch Blechung des Kerns klein zu halten
- d) Sie sind erwünschter Teil der Energieübertragung
Richtig: d)
Wirbelströme sind reine Verluste und tragen nichts zur Energieübertragung bei. Die anderen drei Aussagen treffen zu: Sie entstehen durch das Induktionsgesetz, erwärmen das Eisen und werden durch die Schichtung des Kerns auf kleine Wege beschränkt.
Frage 11: Welche Aussage über die Frequenz auf der Sekundärseite eines Transformators ist korrekt?
- a) Sie ist gleich der Primärfrequenz
- b) Sie ist um das Übersetzungsverhältnis kleiner
- c) Sie ist um das Übersetzungsverhältnis größer
- d) Sie hängt von der Sekundärlast ab
Richtig: a)
Ein Trafo verändert Spannungen und Ströme, nicht aber die Frequenz. Der Wechselfluss im Kern hat exakt die Periodendauer der Primärspannung, also induziert er auf der Sekundärseite eine Spannung mit derselben Frequenz.
Frage 12: Welche Klemmenbezeichnung wird üblicherweise für die Oberspannungsseite eines Transformators verwendet?
- a) Kleinbuchstaben (u, v)
- b) Großbuchstaben (U, V)
- c) Ziffern (1, 2)
- d) Buchstaben mit Strich (U‘, V‘)
Richtig: b)
Konventionsgemäß tragen die Klemmen der Oberspannungsseite Großbuchstaben, die der Unterspannungsseite Kleinbuchstaben. Das macht eine Verwechslung beim Anschluss praktisch ausgeschlossen.
Glossar
- Primärwicklung
- Die Wicklung, an der die Eingangsspannung anliegt. Aus ihr fließt der Strom, der den magnetischen Fluss im Kern aufbaut.
- Sekundärwicklung
- Die Wicklung, an der die transformierte Spannung abgegriffen wird. In ihr wird durch den Wechselfluss eine Spannung induziert.
- Übersetzungsverhältnis (ü)
- Verhältnis der Windungszahlen N₁/N₂. Es ist gleichzeitig das Verhältnis der Spannungen U₁/U₂ (bei idealem Trafo). Ein ü > 1 ergibt einen Abwärts-, ein ü < 1 einen Aufwärtstrafo.
- Magnetisierungsstrom
- Kleiner Primärstrom, der im Leerlauf fließt und den Wechselfluss im Kern aufbaut.
- Eisenverluste
- Verlustleistung im Kern, bestehend aus Hysterese- und Wirbelstromverlusten. Lastunabhängig, schon im Leerlauf vorhanden.
- Hystereseverluste
- Verluste durch die ständige Ummagnetisierung des Kerns; entsprechen der Fläche der Hystereseschleife.
- Wirbelstromverluste
- Verluste durch induzierte Ströme im Eisenkern selbst. Werden durch Blechung des Kerns klein gehalten.
- Kupferverluste
- Wärmeverluste in den Wicklungen durch deren ohmschen Widerstand (P_Cu = I² · R). Lastabhängig.
- Dynamoblech
- Weichmagnetisches Eisenblech mit etwa 3–4 % Silizium, Standardwerkstoff für Trafo- und Maschinenkerne. Wird in 0,3–0,5 mm Dicke geschichtet verarbeitet.
- Kerntransformator
- Bauform mit zwei Schenkeln, je eine Wicklung pro Schenkel.
- Manteltransformator
- Bauform mit drei Schenkeln; beide Wicklungen sitzen ineinandergeschachtelt auf dem Mittelschenkel, der Fluss teilt sich auf die zwei äußeren Schenkel auf.
- Spartransformator
- Trafo mit nur einer Wicklung und einer Anzapfung. Bietet keine galvanische Trennung, ist aber kleiner und billiger als ein gleichstarker Zweiwicklungstrafo.
- Trenntransformator
- Trafo mit Übersetzungsverhältnis 1:1, dient ausschließlich der galvanischen Trennung.
- Sicherheitstransformator
- Trafo mit verstärkter Isolation zwischen Primär- und Sekundärwicklung, der Schutzkleinspannung (SELV ≤ 50 V AC) erzeugt.
- SELV
- Schutzkleinspannung (Safety Extra-Low Voltage), Wechselspannung ≤ 50 V; bei direkter Berührung ungefährlich.
- Wirkungsgrad (η)
- Verhältnis der abgegebenen zur aufgenommenen Wirkleistung: η = P₂/P₁. Bei Trafos typisch zwischen 70 % und über 99 %.
