Einphasentransformator – Übersetzungsverhältnis und Berechnungen

Ein Transformator ist erst dann nutzbar, wenn man rechnen kann, wie sich Spannungen, Ströme und Leistungen zwischen den beiden Wicklungen verhalten. Im Zentrum steht eine einzige Kenngröße: das Übersetzungsverhältnis. Wer es verstanden hat, kann aus Primärgrößen die Sekundärgrößen ableiten – und umgekehrt – und damit Trafos für die jeweilige Aufgabe richtig auswählen, prüfen und betreiben.

Vorwissen

  • Transformator – Aufbau und Funktion
  • Elektromagnetische Induktion
  • Wechselspannung und ihre Kenngrößen (Spitzen-, Effektivwert, Frequenz)

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • das Übersetzungsverhältnis eines Einphasentrafos aus Windungszahlen, Spannungen oder Strömen berechnen
  • aus den Primärgrößen die Sekundärgrößen eines belasteten Trafos ableiten – und umgekehrt
  • den Spannungsabfall eines belasteten Trafos über die Kurzschlussspannung abschätzen
  • den Wirkungsgrad aus Eisen- und Kupferverlusten bestimmen
  • die Angaben auf einem Trafo-Typenschild richtig interpretieren und in Nennströme umrechnen

1. Übersetzungsverhältnis – die zentrale Kenngröße

Ein Einphasentrafo besteht aus zwei magnetisch gekoppelten Wicklungen auf einem gemeinsamen Eisenkern. Die Wicklung, an die die Eingangsspannung gelegt wird, heißt Primärwicklung (Index 1). Die Wicklung, an der die Last hängt, heißt Sekundärwicklung (Index 2). Wie sich die Wechselgrößen zwischen den beiden Seiten verhalten, hängt fast ausschließlich von den Windungszahlen N₁ und N₂ ab.

Das Verhältnis der Windungszahlen nennt man Übersetzungsverhältnis – Formelzeichen ü:

Aus dem Zahlenwert lässt sich sofort ablesen, ob es sich um einen Abwärts- oder einen Aufwärtstrafo handelt. Bei ü > 1 ist die Primärwicklung höher bewickelt als die Sekundärwicklung; die Sekundärspannung ist kleiner als die Primärspannung – also ein Abwärtstrafo. Ein typisches Beispiel sind Steuertrafos in Schaltschränken, die 400 V auf 24 V herunterteilen (ü ≈ 16,7). Bei ü < 1 ist die Sekundärwicklung höher bewickelt; die Sekundärspannung ist größer als die Primärspannung – ein Aufwärtstrafo. Bei ü = 1 spricht man von einem Trenntrafo: gleiche Spannungen auf beiden Seiten, aber galvanisch getrennt.

In der Praxis unterscheidet man außerdem zwischen idealem und realem Trafo. Der ideale Trafo hat keine Verluste und keinen Streufluss – alle Berechnungen werden sauber linear, alles passt zusammen. Der reale Trafo hat Wicklungswiderstände, Streufelder, Eisenverluste und Magnetisierungsstrom. Für das Grundverständnis und die meisten Überschlagsrechnungen reicht das ideale Modell. Wo nötig, zieht man die wichtigsten Abweichungen über die Kurzschlussspannung und die Verlustanteile mit ein – darauf gehen die späteren Kapitel ein.

ü = N₁ / N₂

  • ü … Übersetzungsverhältnis, dimensionslos
  • N₁ … Windungszahl der Primärwicklung
  • N₂ … Windungszahl der Sekundärwicklung
I₁ I₂ U₁ U₂ N₁ N₂ Primärseite Sekundärseite

Frage 1: Ein Trafo hat N₁ = 800 Windungen und N₂ = 40 Windungen. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Es handelt sich um einen Abwärtstrafo mit ü = 20
  • b) Es handelt sich um einen Aufwärtstrafo mit ü = 0,05
  • c) Es handelt sich um einen Trenntrafo
  • d) Die Angabe reicht für eine Aussage nicht aus

Richtig: a)

Erklärung: ü = N₁/N₂ = 800/40 = 20. Weil ü > 1 ist, fällt die Spannung auf der Sekundärseite ab – also ein Abwärtstrafo. Antwort b verwechselt die Definition und bildet N₂/N₁. Trenntrafo (c) ginge nur bei ü = 1.

Frage 2: Welche der folgenden Aussagen über den idealen Trafo ist korrekt?

  • a) Er hat einen endlichen Wicklungswiderstand, aber keine Eisenverluste
  • b) Er hat weder Wicklungswiderstände noch Streufluss und keine Verluste
  • c) Er hat einen Wirkungsgrad zwischen 95 % und 99 %
  • d) Er hat einen kleinen Magnetisierungsstrom im Leerlauf

Richtig: b)

Erklärung: Der ideale Trafo ist ein Rechenmodell ohne jegliche Verluste und ohne Streufluss. Wirkungsgrad-Werte und Magnetisierungsströme kennzeichnen reale Trafos. Die Annahme „idealer Trafo“ vereinfacht die Grundgleichungen so weit, dass sich Spannungs- und Stromübersetzung sauber linear ergeben.

Frage 3: Ein Steuertrafo für einen Schaltschrank transformiert 400 V auf 24 V. Wie groß ist sein Übersetzungsverhältnis ungefähr und welcher Trafo-Typ ist das?

  • a) ü ≈ 0,06 – Aufwärtstrafo
  • b) ü ≈ 1 – Trenntrafo
  • c) ü ≈ 16,7 – Abwärtstrafo
  • d) ü ≈ 9600 – Hochspannungstrafo

Richtig: c)

Erklärung: Das Übersetzungsverhältnis lässt sich näherungsweise über die Spannungen bestimmen: ü ≈ U₁/U₂ = 400/24 ≈ 16,7. Da ü > 1 ist, handelt es sich um einen Abwärtstrafo. Antwort d multipliziert die Spannungen – ein klassischer Fehler.

2. Spannungsübersetzung

Die Wirkungsweise des Trafos beruht darauf, dass der gemeinsame Eisenkern in jeder Windung – egal ob primär oder sekundär – die gleiche Spannung induziert. Hat eine Windung 0,25 V, dann liefert eine Wicklung mit 800 Windungen 200 V und eine mit 40 Windungen 10 V. Das gilt streng nur für den idealen Trafo, ist aber so eine gute Näherung, dass es für den größten Teil der Praxis ausreicht. Daraus folgt die Spannungsübersetzung:

Praktisch heißt das: Wenn die Windungszahlen bekannt sind, kann man aus jeder Spannung die andere ausrechnen – und umgekehrt aus den Spannungen das Übersetzungsverhältnis bestimmen. Die Beziehung gilt im Leerlauf exakt, also wenn an der Sekundärseite kein Strom fließt. Die Spannung an den offenen Sekundärklemmen bezeichnet man dann als Leerlaufspannung U₂₀. Sobald ein Strom fließt, fällt U₂ unter Last leicht ab; das hängt mit den realen Wicklungs- und Streueffekten zusammen und ist Thema von Kapitel 4.

U₁ / U₂ = N₁ / N₂ = ü

  • U₁ … Primärspannung in V
  • U₂ … Sekundärspannung in V
  • N₁ … Windungszahl Primär
  • N₂ … Windungszahl Sekundär
  • ü … Übersetzungsverhältnis, dimensionslos

Gelöstes Beispiel

Ein Einphasentrafo hat 1100 Windungen primär und 220 Windungen sekundär. Die Primärspannung beträgt 230 V. Berechne das Übersetzungsverhältnis und die Sekundärspannung im Leerlauf.

Gegeben: N₁ = 1100, N₂ = 220, U₁ = 230 V

Gesucht: ü, U₂₀

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Übersetzungsverhältnis: ü = N₁ / N₂ = 1100 / 220 = 5,0
  2. Schritt 2 — Sekundärspannung im Leerlauf: U₂₀ = U₁ / ü = 230 V / 5,0 = 46 V

Ergebnis: ü = 5,0; U₂₀ = 46 V

Übungen

Ein Trafo hat N₁ = 460 und N₂ = 23. Berechne das Übersetzungsverhältnis.

ü = 460/23 = 20

Ein Trafo wird primär mit 400 V betrieben und liefert sekundär im Leerlauf 24 V. Wie groß ist das Übersetzungsverhältnis?

ü = 400/24 ≈ 16,67

Ein Trafo hat 880 Primärwindungen und arbeitet mit U₁ = 230 V. Wie viele Windungen muss die Sekundärwicklung haben, damit U₂₀ = 12 V erreicht wird?

N₂ = N₁ · U₂/U₁ = 880 · 12/230 ≈ 45,9 → praktisch 46 Windungen

Ein Trafo soll von 230 V auf 48 V abwärts transformieren. Wie viele Windungen muss die Sekundärseite haben, wenn die Primärseite 1150 Windungen hat?

N₂ = 1150 · 48/230 = 240 Windungen

Ein Aufwärtstrafo besitzt N₁ = 50 und N₂ = 750. Primär liegen 24 V an. Welche Sekundärspannung stellt sich im Leerlauf ein?

U₂₀ = U₁ · N₂/N₁ = 24 · 750/50 = 360 V

Frage 1: Ein Trafo hat ü = 12,5 und wird mit U₁ = 400 V betrieben. Welche Spannung liegt sekundär im Leerlauf an?

  • a) 5000 V
  • b) 50 V
  • c) 320 V
  • d) 32 V

Richtig: d)

Erklärung: U₂ = U₁/ü = 400/12,5 = 32 V. Antwort a multipliziert mit ü statt zu dividieren – das wäre die Rechnung für einen Aufwärtstrafo mit gleicher Zahl. Antwort b und c sind Zahlendreher bzw. unplausibel.

Frage 2: Welcher Zusammenhang gilt streng nur im Leerlauf eines realen Trafos?

  • a) U₁/U₂ = N₁/N₂
  • b) I₁/I₂ = N₂/N₁
  • c) S₁ = S₂
  • d) η = P₂/P₁

Richtig: a)

Erklärung: Die Spannungsübersetzung gilt streng nur, wenn kein Sekundärstrom fließt. Unter Last sinkt U₂ wegen Wicklungswiderständen und Streueffekten leicht ab. Die anderen Beziehungen gelten entweder generell oder nur unter idealen Annahmen.

Frage 3: Ein Trafo soll von 230 V auf 11,5 V abwärts transformieren. Wie viele Sekundärwindungen sind erforderlich, wenn die Primärseite 1200 Windungen hat?

  • a) 24 000
  • b) 60
  • c) 120
  • d) 600

Richtig: b)

Erklärung: N₂ = N₁ · U₂/U₁ = 1200 · 11,5/230 = 60. Antwort a multipliziert statt zu dividieren. Antwort c verdoppelt das Ergebnis – ein häufiger Rechenfehler.

3. Stromübersetzung und Scheinleistung

Wenn der ideale Trafo verlustfrei arbeitet, muss die Leistung, die primär hineinfließt, sekundär wieder herauskommen. Bei Wechselspannung wird in dieser Betrachtung mit der Scheinleistung S = U · I gerechnet, also ohne den Phasenverschiebungswinkel zu betrachten. Es gilt:

Setzt man die Spannungsübersetzung ein, erhält man eine zweite, ebenso wichtige Beziehung – die Stromübersetzung:

Anders gesagt: Spannung und Strom verhalten sich gegenläufig. Wo der Trafo die Spannung um den Faktor ü heruntertransformiert, transformiert er den Strom um den gleichen Faktor hinauf – und umgekehrt. Das ist die direkte Folge der Leistungsbilanz. Bei einem Trafo mit ü = 10 fließt sekundär der zehnfache Strom bei einem Zehntel der Spannung. Die Wicklungen sind entsprechend ausgelegt: Die Hochspannungsseite hat viele Windungen aus dünnerem Draht, die Niederspannungsseite hat wenige Windungen aus dickem Draht.

S₁ = S₂

  • S₁ … Scheinleistung primär in VA
  • S₂ … Scheinleistung sekundär in VA

I₁ / I₂ = N₂ / N₁ = 1 / ü

  • I₁ … Primärstrom in A
  • I₂ … Sekundärstrom in A
  • ü … Übersetzungsverhältnis, dimensionslos

Gelöstes Beispiel

Ein Einphasentrafo mit ü = 20 wird sekundär mit 50 A belastet. Wie groß ist der Primärstrom im idealen Fall?

Gegeben: ü = 20, I₂ = 50 A

Gesucht: I₁

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Stromübersetzung anwenden: I₁ = I₂ / ü = 50 A / 20 = 2,5 A

Ergebnis: I₁ = 2,5 A

Übungen

Ein Trafo hat ü = 10 und wird sekundär mit 8 A belastet. Wie groß ist der ideale Primärstrom?

I₁ = 8/10 = 0,8 A

Ein Trafo mit ü = 25 liefert auf der Sekundärseite 30 A. Wie groß ist der Primärstrom (idealer Trafo)?

I₁ = 30/25 = 1,2 A

Ein Trafo mit U₁ = 230 V und U₂ = 23 V gibt sekundär 15 A ab. Berechne den Primärstrom und die Scheinleistung.

ü = 10; I₁ = 15/10 = 1,5 A; S = 23 · 15 = 345 VA

Ein Aufwärtstrafo überträgt eine Scheinleistung von 1500 VA. Primär liegen 24 V und 62,5 A an. Welche Sekundärspannung und welcher Sekundärstrom ergeben sich bei ü = 0,05 im idealen Fall?

U₂ = U₁/ü = 24/0,05 = 480 V; I₂ = I₁ · ü = 62,5 · 0,05 = 3,125 A; Kontrolle: S = 480 · 3,125 = 1500 VA ✓

Ein Schweißtrafo mit ü = 80 darf primär dauerhaft maximal 25 A führen. Welcher Sekundärstrom stellt sich dabei im idealen Fall ein?

I₂ = I₁ · ü = 25 · 80 = 2000 A

Frage 1: Ein Trafo mit ü = 5 wird sekundär mit 20 A belastet. Wie groß ist der Primärstrom im idealen Fall?

  • a) 100 A
  • b) 5 A
  • c) 4 A
  • d) 0,25 A

Richtig: c)

Erklärung: I₁ = I₂/ü = 20/5 = 4 A. Antwort a multipliziert statt zu dividieren – ein typischer Vorzeichen-Fehler beim Übersetzungsverhältnis. Antwort d kehrt die Beziehung doppelt um.

Frage 2: Welche Wicklung eines Hochspannungstrafos ist üblicherweise aus dickerem Draht ausgeführt?

  • a) Die Hochspannungswicklung, weil sie höhere Spannung führt
  • b) Beide Wicklungen sind gleich dimensioniert
  • c) Die Streuwicklung
  • d) Die Niederspannungswicklung, weil sie höhere Ströme führt

Richtig: d)

Erklärung: Der Drahtquerschnitt richtet sich nach dem Strom – nicht nach der Spannung. Die Niederspannungsseite eines Hochspannungstrafos führt durch die Stromübersetzung den deutlich höheren Strom und benötigt daher den größeren Querschnitt. Die Spannungsfestigkeit wird über die Isolation, nicht über den Drahtquerschnitt gesichert.

Frage 3: Ein Einphasentrafo überträgt eine Scheinleistung von 2000 VA bei U₁ = 400 V. Wie groß ist der Primärstrom im idealen Fall?

  • a) 5 A
  • b) 0,2 A
  • c) 800 A
  • d) 50 A

Richtig: a)

Erklärung: I₁ = S/U₁ = 2000/400 = 5 A. Bei einem idealen Trafo wird die gesamte Scheinleistung übertragen, also gilt diese Beziehung auf beiden Seiten. Antwort c verwechselt Multiplikation und Division.

4. Belastungsverhalten und Spannungsabfall

Bisher haben wir den Trafo als ideal angenommen. In der Realität fällt die Sekundärspannung unter Last gegenüber dem Leerlaufwert ab. Verantwortlich sind die ohmschen Widerstände der Wicklungen und die magnetischen Streufelder, die nicht den vollen Fluss durch den Eisenkern führen. Beide Effekte werden in einer einzigen Kennzahl zusammengefasst – der Kurzschlussspannung uₖ.

Die Kurzschlussspannung wird in einem Versuch ermittelt: Die Sekundärseite wird kurzgeschlossen, und die Primärspannung wird so weit erhöht, bis im Trafo der Nennstrom fließt. Diese reduzierte Primärspannung – als Anteil der Nennspannung in Prozent ausgedrückt – ist uₖ. Typische Werte liegen bei kleinen Trafos bei 4 bis 6 %, bei großen Verteilnetz-Trafos bei 4 bis 10 %.

Mit der Kurzschlussspannung lässt sich der Spannungsabfall unter Last näherungsweise abschätzen:

Daraus ergibt sich die Sekundärspannung unter Last:

Die Formel ist eine Näherung, die für rein ohmsche oder leicht induktive Lasten gut funktioniert. Was sie deutlich macht: Ein Trafo mit kleinem uₖ – sagen wir 2 % – hält seine Sekundärspannung auch unter Last sehr stabil; man spricht von einem „harten“ Trafo. Ein Trafo mit großem uₖ – etwa 10 % – lässt die Spannung deutlicher zusammenbrechen, er ist „weicher“. Welche Charakteristik gewünscht ist, hängt von der Anwendung ab: Steuertrafos müssen stabil sein und sind hart ausgelegt; Schweißtrafos sollen unter Last absichtlich nachgeben und sind weich.

ΔU ≈ U₂₀ · (uₖ / 100 %) · (I₂ / I₂ₙ)

  • ΔU … Spannungsabfall in V
  • U₂₀ … Sekundärspannung im Leerlauf in V
  • uₖ … Kurzschlussspannung in %
  • I₂ … aktueller Sekundärstrom in A
  • I₂ₙ … Nennstrom sekundär in A

U₂ ≈ U₂₀ − ΔU

  • U₂ … Sekundärspannung unter Last in V
  • U₂₀ … Sekundärspannung im Leerlauf in V
  • ΔU … Spannungsabfall in V

Gelöstes Beispiel

Ein Einphasentrafo hat U₂₀ = 230 V, uₖ = 5 % und I₂ₙ = 10 A. Wie groß ist die Sekundärspannung bei Volllast (I₂ = I₂ₙ)?

Gegeben: U₂₀ = 230 V, uₖ = 5 %, I₂ = I₂ₙ = 10 A

Gesucht: U₂

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Spannungsabfall: ΔU = U₂₀ · uₖ/100 · I₂/I₂ₙ = 230 · 0,05 · 1 = 11,5 V
  2. Schritt 2 — Sekundärspannung: U₂ = U₂₀ − ΔU = 230 − 11,5 = 218,5 V

Ergebnis: U₂ ≈ 218,5 V (entspricht etwa 95 % der Leerlaufspannung – das passt zum uₖ-Wert)

Übungen

Ein Trafo hat U₂₀ = 24 V und uₖ = 4 %. Wie groß ist die Sekundärspannung bei Volllast?

ΔU = 24 · 0,04 · 1 = 0,96 V; U₂ = 24 − 0,96 = 23,04 V

Ein Trafo mit U₂₀ = 48 V, I₂ₙ = 20 A, uₖ = 6 % wird mit halbem Nennstrom belastet. Berechne U₂.

ΔU = 48 · 0,06 · 0,5 = 1,44 V; U₂ = 48 − 1,44 = 46,56 V

Welcher uₖ-Wert führt bei einem Trafo mit U₂₀ = 230 V dazu, dass die Sekundärspannung bei Volllast genau 220 V beträgt?

ΔU = 10 V; uₖ = 10/230 · 100 % ≈ 4,35 %

Ein Steuertrafo hat U₂₀ = 24 V und uₖ = 5 %. Welcher Sekundärstrom darf maximal fließen, wenn U₂ nicht unter 22,8 V sinken soll? Nennstrom I₂ₙ = 15 A.

ΔU_max = 1,2 V; aus 1,2 = 24 · 0,05 · I₂/15 folgt I₂ = 1,2 · 15 / (24 · 0,05) = 15 A; bei Nennstrom ist die Bedingung gerade erfüllt.

Ein „weicher“ Schweißtrafo hat U₂₀ = 60 V und uₖ = 25 %. Wie hoch ist die Sekundärspannung bei Nennstrom – und welcher Anteil der Leerlaufspannung steht der Last dann noch zur Verfügung?

ΔU = 60 · 0,25 · 1 = 15 V; U₂ = 60 − 15 = 45 V; das sind 75 % der Leerlaufspannung.

Frage 1: Was beschreibt die Kurzschlussspannung uₖ eines Trafos?

  • a) Die Spannung, mit der die Sekundärseite kurzgeschlossen wird
  • b) Die Primärspannung, die im Kurzschlussversuch nötig ist, damit der Nennstrom fließt – bezogen auf die Nennspannung in %
  • c) Den Spannungsabfall an einer kurzgeschlossenen Wicklung im Normalbetrieb
  • d) Die Sekundärspannung im Kurzschlussfall

Richtig: b)

Erklärung: uₖ wird im Kurzschlussversuch ermittelt: Sekundärseite kurzschließen, Primärspannung langsam hochfahren, bis im Trafo der Nennstrom fließt. Diese reduzierte Primärspannung wird als Anteil der Nennspannung in Prozent angegeben. Sie fasst die inneren Verluste und Streueffekte als eine Kennzahl zusammen.

Frage 2: Ein Trafo hat U₂₀ = 230 V und uₖ = 6 %. Welche Sekundärspannung stellt sich bei Volllast näherungsweise ein?

  • a) 245,8 V
  • b) 224,0 V
  • c) 216,2 V
  • d) 198,6 V

Richtig: c)

Erklärung: ΔU = 230 · 0,06 · 1 = 13,8 V; U₂ = 230 − 13,8 = 216,2 V. Antwort a addiert statt zu subtrahieren. Antwort b verwendet einen falschen Prozentwert. Antwort d würde einer ungewöhnlich hohen Last entsprechen.

Frage 3: Wann spricht man von einem „harten“ Trafo?

  • a) Wenn er mechanisch besonders robust gebaut ist
  • b) Wenn die Sekundärspannung unter Last möglichst konstant bleibt – also bei kleinem uₖ
  • c) Wenn er für hohe Frequenzen ausgelegt ist
  • d) Wenn der Kurzschlussstrom sehr klein ist

Richtig: b)

Erklärung: „Hart“ und „weich“ beziehen sich auf das Spannungsverhalten unter Last. Ein harter Trafo hat einen kleinen uₖ und hält die Sekundärspannung stabil. Antwort d ist genau das Gegenteil der Wahrheit: Ein kleiner uₖ bedeutet eher einen großen Kurzschlussstrom, weil der innere Widerstand klein ist.

5. Verluste und Wirkungsgrad

Reale Trafos sind sehr gute, aber nicht perfekte Energiewandler. Die Verluste verteilen sich auf zwei Anteile, die sich physikalisch unterscheiden und unabhängig voneinander gemessen werden können.

Die Eisenverluste P_Fe entstehen im Eisenkern durch Umkehrmagnetisierung und Wirbelströme. Sie hängen nur von der Spannung und der Frequenz ab und sind über den ganzen Lastbereich praktisch konstant – auch dann, wenn der Trafo gar nichts abgibt. Wer im Leerlauf einen Trafo am Netz lässt, hat die Eisenverluste rund um die Uhr als Stromrechnung im Buch. Aus diesem Grund nennt man sie auch Leerlaufverluste P₀.

Die Kupferverluste P_Cu entstehen in den Wicklungen durch den ohmschen Widerstand der Drähte. Sie sind stromabhängig – genauer: sie wachsen mit dem Quadrat des Stroms. Bei doppelter Last steigen die Kupferverluste auf das Vierfache, bei halber Last sinken sie auf ein Viertel. Im Kurzschlussversuch wird der Nennstrom durch den Trafo geschickt und die zugeführte Leistung gemessen – das sind dann näherungsweise die Kupferverluste bei Nennlast, oft als P_K oder P_Cu_N bezeichnet.

Der Wirkungsgrad ergibt sich aus der Leistungsbilanz:

Interessant ist das Verhalten über den Lastbereich. Weil P_Fe konstant ist und P_Cu mit dem Quadrat des Stroms steigt, gibt es einen Lastpunkt, bei dem der Wirkungsgrad sein Maximum erreicht. Mathematisch lässt sich zeigen, dass das Optimum genau dort liegt, wo P_Fe = P_Cu ist. Bei kleinen Lasten dominieren die konstanten Eisenverluste, bei großen Lasten ziehen die quadratisch wachsenden Kupferverluste den Wirkungsgrad wieder herunter. Trafos werden in der Praxis oft so dimensioniert, dass das Wirkungsgrad-Optimum bei etwa 50 bis 75 % der Nennlast liegt – also dort, wo der Trafo statistisch die meiste Zeit arbeitet.

Typische Wirkungsgrade liegen bei kleinen Einphasentrafos (einige hundert VA) zwischen 90 und 95 %, bei mittleren Verteilnetz-Trafos (mehrere kVA bis 100 kVA) zwischen 96 und 98 %, und bei großen Trafos sogar darüber.

η = P₂ / P₁ = P₂ / (P₂ + P_Fe + P_Cu)

  • η … Wirkungsgrad, dimensionslos (oft in %)
  • P₂ … abgegebene Wirkleistung in W
  • P₁ … aufgenommene Wirkleistung in W
  • P_Fe … Eisenverluste in W
  • P_Cu … Kupferverluste in W

Gelöstes Beispiel

Ein Einphasentrafo gibt P₂ = 5000 W ab. Die Eisenverluste betragen 80 W, die Kupferverluste bei aktueller Last 120 W. Berechne den Wirkungsgrad.

Gegeben: P₂ = 5000 W, P_Fe = 80 W, P_Cu = 120 W

Gesucht: η

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Gesamtverluste: P_v = P_Fe + P_Cu = 80 + 120 = 200 W
  2. Schritt 2 — Aufgenommene Leistung: P₁ = P₂ + P_v = 5000 + 200 = 5200 W
  3. Schritt 3 — Wirkungsgrad: η = P₂/P₁ = 5000/5200 ≈ 0,9615 → 96,15 %

Ergebnis: η ≈ 96,2 %

Übungen

Ein Trafo gibt 800 W ab, hat 20 W Eisenverluste und 30 W Kupferverluste. Berechne den Wirkungsgrad.

η = 800/(800 + 50) = 800/850 ≈ 94,1 %

Ein Trafo hat Eisenverluste von 50 W und Kupferverluste von 80 W. Welche Wirkleistung muss er abgeben, damit der Wirkungsgrad genau 95 % beträgt?

η = P₂/(P₂ + 130) = 0,95 → 0,95 · (P₂ + 130) = P₂ → 0,05 · P₂ = 0,95 · 130 → P₂ = 123,5/0,05 = 2470 W

Im Leerlaufversuch wird P₀ = 25 W gemessen, im Kurzschlussversuch bei Nennstrom P_K = 60 W. Welche Verluste hat der Trafo bei halbem Nennstrom?

P_Fe = 25 W (lastunabhängig); P_Cu = 60 · (0,5)² = 15 W; Gesamtverluste = 40 W

Ein Trafo hat P_Fe = 40 W und P_Cu_N = 90 W (Kupferverluste bei Nennlast). Bei welchem Lastanteil x = I₂/I₂ₙ liegt das Wirkungsgrad-Optimum?

Optimum bei P_Fe = P_Cu = P_Cu_N · x² → x² = P_Fe/P_Cu_N = 40/90 → x ≈ 0,667; also bei rund 67 % Nennlast.

Ein Trafo mit Sₙ = 1000 VA hat im Bemessungspunkt η = 96 %. Die Eisenverluste betragen 18 W. Wie groß sind die Kupferverluste bei Nennlast (Annahme cos φ = 1, also P = S bei Nennlast)?

P₂ = 1000 W; P₁ = P₂/η = 1000/0,96 ≈ 1041,7 W; P_v = 41,7 W; P_Cu_N = 41,7 − 18 = 23,7 W

Frage 1: Welche Aussage zu den Verlusten eines Trafos trifft zu?

  • a) Eisenverluste sind weitgehend lastunabhängig, Kupferverluste hängen quadratisch vom Strom ab
  • b) Beide Verlustarten skalieren linear mit der Last
  • c) Eisenverluste verschwinden im Leerlauf
  • d) Kupferverluste sind im Leerlauf maximal

Richtig: a)

Erklärung: Die Eisenverluste hängen von Spannung und Frequenz ab, beides bleibt im Netzbetrieb konstant – also bleiben auch sie konstant. Die Kupferverluste skalieren mit I², weil sie ohmsche Verluste in den Wicklungen sind. Im Leerlauf fließt nur ein kleiner Magnetisierungsstrom, also sind die Kupferverluste dort minimal, nicht maximal.

Frage 2: Bei welchem Lastpunkt erreicht ein Trafo seinen besten Wirkungsgrad?

  • a) Bei voller Nennlast
  • b) Wenn die Eisenverluste gleich den Kupferverlusten sind
  • c) Bei Leerlauf
  • d) Bei doppelter Nennlast

Richtig: b)

Erklärung: Mathematisch ergibt sich das Optimum durch Ableiten der Wirkungsgrad-Funktion nach dem Strom. Die Lösung ist P_Fe = P_Cu. Antwort a stimmt nur dann zufällig, wenn der Trafo speziell für Volllast ausgelegt wäre – in der Praxis wird das Optimum unter Volllast gelegt.

Frage 3: Ein Trafo liefert P₂ = 900 W und hat insgesamt P_v = 100 W Verluste. Wie hoch ist sein Wirkungsgrad?

  • a) 11,1 %
  • b) 88,9 %
  • c) 90,0 %
  • d) 100 %

Richtig: c)

Erklärung: η = P₂/P₁ = 900/(900 + 100) = 900/1000 = 90,0 %. Antwort b dividiert die Verluste durch die abgegebene Leistung statt durch die aufgenommene. Antwort a setzt die Verluste ins Verhältnis zur abgegebenen Leistung.

6. Typenschild und Nenngrößen in der Praxis

Jeder Trafo trägt ein Typenschild, auf dem die wichtigsten Bemessungsdaten zusammengefasst sind. Wer ein Typenschild lesen kann, hat in wenigen Sekunden alle Werte, die für Auswahl, Anschluss und Schutzauslegung gebraucht werden.

Die wichtigsten Angaben:

Größe Bedeutung
Sₙ Bemessungsscheinleistung in VA oder kVA
U₁ₙ / U₂ₙ Bemessungsspannungen primär und sekundär in V
I₁ₙ / I₂ₙ Bemessungsströme primär und sekundär in A
uₖ Kurzschlussspannung in % der Nennspannung
f Bemessungsfrequenz in Hz (in Österreich 50 Hz)
IP-Code Schutzart gegen Fremdkörper und Wasser
Bauform offen, Vergusskörper, gekapselt, Trockentrafo, Öltrafo

Aus Sₙ und Uₙ ergeben sich direkt die Nennströme – das ist eine der häufigsten Rechnungen am Trafo überhaupt:

Die Formel wird einmal für die Primärseite mit U₁ₙ angewandt und einmal für die Sekundärseite mit U₂ₙ. Die so berechneten Werte sind die Grundlage für die Auslegung der Leitungsquerschnitte, der Vorsicherung primär und der Absicherung der Sekundärseite.

Bei Sicherheits- und Trenntransformatoren – etwa für Klingelanlagen, Service-Steckdosen oder medizinische Anwendungen – greift in Österreich die Normenreihe ÖNORM EN 61558. Sie regelt die Sicherheitsanforderungen an Transformatoren, Netzgeräte und ähnliche Kombinationen und ist die maßgebende Norm für Auswahl und Einsatz dieser Trafo-Typen. Welche Schutzklasse und welcher Trafo-Typ konkret zulässig sind, hängt davon ab, ob ein Sicherheits-Kleinspannungs-Trafo, ein Trenntrafo oder ein Standard-Netztrafo gefordert ist.

I_N = S_N / U_N

  • I_N … Nennstrom in A
  • S_N … Nennscheinleistung in VA
  • U_N … Nennspannung in V

Gelöstes Beispiel

Ein Einphasen-Steuertrafo hat das Typenschild Sₙ = 250 VA, U₁ₙ = 400 V, U₂ₙ = 24 V. Berechne die Bemessungsströme primär und sekundär.

Gegeben: Sₙ = 250 VA, U₁ₙ = 400 V, U₂ₙ = 24 V

Gesucht: I₁ₙ, I₂ₙ

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Primärnennstrom: I₁ₙ = Sₙ / U₁ₙ = 250 / 400 = 0,625 A
  2. Schritt 2 — Sekundärnennstrom: I₂ₙ = Sₙ / U₂ₙ = 250 / 24 ≈ 10,42 A

Ergebnis: I₁ₙ ≈ 0,63 A; I₂ₙ ≈ 10,42 A

Übungen

Ein Trafo hat Sₙ = 500 VA, U₁ₙ = 230 V, U₂ₙ = 12 V. Berechne die beiden Nennströme.

I₁ₙ = 500/230 ≈ 2,17 A; I₂ₙ = 500/12 ≈ 41,67 A

Auf einem Typenschild stehen Sₙ = 1000 VA und U₁ₙ = 400 V. Welcher Primärnennstrom ergibt sich, und welcher Vorsicherungswert wäre passend (nächstgrößere übliche Stufe)?

I₁ₙ = 1000/400 = 2,5 A → übliche Vorsicherung 4 A

Ein Klingeltrafo hat Sₙ = 12 VA und U₂ₙ = 8 V. Welcher Sekundärnennstrom fließt im Bemessungspunkt?

I₂ₙ = 12/8 = 1,5 A

Ein Einphasentrafo trägt das Typenschild Sₙ = 2000 VA, U₁ₙ = 230 V, U₂ₙ = 48 V, uₖ = 5 %. Berechne I₁ₙ, I₂ₙ und den Spannungsabfall bei Volllast.

I₁ₙ = 2000/230 ≈ 8,70 A; I₂ₙ = 2000/48 ≈ 41,67 A; ΔU = 48 · 0,05 · 1 = 2,4 V; U₂ unter Volllast ≈ 45,6 V

Ein Trafo mit Sₙ = 5000 VA, U₁ₙ = 400 V, U₂ₙ = 230 V soll auf der Sekundärseite mit einer Schmelzsicherung abgesichert werden. Welcher Sekundärnennstrom ist anzusetzen?

I₂ₙ = 5000/230 ≈ 21,7 A; Absicherung typischerweise mit nächstkleinerem Wert über I₂ₙ je nach Kennlinie und Leitungsquerschnitt.

Frage 1: Ein Trafo trägt das Typenschild Sₙ = 400 VA, U₁ₙ = 230 V, U₂ₙ = 24 V. Welcher Primärnennstrom ergibt sich?

  • a) 9600 A
  • b) 16,67 A
  • c) 0,058 A
  • d) 1,74 A

Richtig: d)

Erklärung: I₁ₙ = Sₙ/U₁ₙ = 400/230 ≈ 1,74 A. Antwort b ist der Sekundärnennstrom (400/24 ≈ 16,67 A) – ein typischer Verwechslungsfehler. Antwort a multipliziert statt zu dividieren.

Frage 2: Was bedeutet die Angabe „uₖ = 4 %“ auf einem Trafo-Typenschild?

  • a) Im Kurzschlussversuch fließt bei 4 % der Nennspannung primär der Nennstrom
  • b) Der Wirkungsgrad beträgt 96 %
  • c) Der Trafo darf maximal mit 4 % Überlast betrieben werden
  • d) Die Sekundärspannung schwankt um ±4 %

Richtig: a)

Erklärung: uₖ ist der Anteil der Nennspannung, der im Kurzschlussversuch primär aufgebracht werden muss, damit der Nennstrom fließt. Antwort b verwechselt uₖ mit dem Wirkungsgrad. Antwort d ist falsch, weil uₖ keine Toleranzangabe ist, sondern eine Eigenschaft des Trafos.

Frage 3: Welche Norm regelt in Österreich die Sicherheitsanforderungen an Sicherheits- und Trenntransformatoren für Niederspannungsanwendungen?

  • a) ÖNORM EN 60204
  • b) ÖNORM EN 61558
  • c) ÖNORM EN 60898
  • d) ÖNORM EN 50110

Richtig: b)

Erklärung: Die ÖNORM EN 61558 ist die einschlägige Normenreihe für die Sicherheit von Transformatoren, Netzgeräten, Drosseln und entsprechenden Kombinationen. Die anderen genannten Normen betreffen andere Bereiche: EN 60204 die elektrische Ausrüstung von Maschinen, EN 60898 Leitungsschutzschalter und EN 50110 den Betrieb elektrischer Anlagen.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Einphasentrafo hat N₁ = 1380 Windungen und N₂ = 60 Windungen. Die Primärseite liegt an 230 V.

Gegeben: N₁ = 1380; N₂ = 60; U₁ = 230 V

Gesucht: ü, U₂₀

Lösungsweg:

  1. ü = N₁/N₂ = 1380/60 = 23
  2. U₂₀ = U₁/ü = 230/23 = 10 V

Ergebnis: ü = 23; U₂₀ = 10 V

Aufgabe 2: Ein Trafo überträgt eine Scheinleistung von 800 VA. Sekundär liegen 24 V an. Wie groß sind I₁ und I₂ bei einem idealen Trafo mit U₁ = 230 V?

Gegeben: S = 800 VA; U₁ = 230 V; U₂ = 24 V

Gesucht: I₁, I₂

Lösungsweg:

  1. I₁ = S/U₁ = 800/230 ≈ 3,48 A
  2. I₂ = S/U₂ = 800/24 ≈ 33,33 A

Ergebnis: I₁ ≈ 3,48 A; I₂ ≈ 33,33 A

Aufgabe 3: Ein Trafo hat U₂₀ = 48 V, I₂ₙ = 12 A, uₖ = 5 %. Berechne die Sekundärspannung bei Volllast und bei halbem Nennstrom.

Gegeben: U₂₀ = 48 V; I₂ₙ = 12 A; uₖ = 5 %

Gesucht: U₂ bei I₂ = I₂ₙ und U₂ bei I₂ = 0,5 · I₂ₙ

Lösungsweg:

  1. Bei Volllast: ΔU = 48 · 0,05 · 1 = 2,4 V → U₂ = 45,6 V
  2. Bei halbem Nennstrom: ΔU = 48 · 0,05 · 0,5 = 1,2 V → U₂ = 46,8 V

Ergebnis: U₂(Volllast) = 45,6 V; U₂(½ Last) = 46,8 V

Aufgabe 4: Ein Trafo gibt P₂ = 1800 W ab, die Eisenverluste betragen 40 W, die Kupferverluste 60 W. Berechne Wirkungsgrad und aufgenommene Leistung.

Gegeben: P₂ = 1800 W; P_Fe = 40 W; P_Cu = 60 W

Gesucht: η, P₁

Lösungsweg:

  1. P₁ = P₂ + P_Fe + P_Cu = 1800 + 100 = 1900 W
  2. η = P₂/P₁ = 1800/1900 ≈ 0,9474 → 94,74 %

Ergebnis: P₁ = 1900 W; η ≈ 94,7 %

Aufgabe 5: Ein Einphasentrafo trägt das Typenschild Sₙ = 1500 VA, U₁ₙ = 400 V, U₂ₙ = 230 V, uₖ = 6 %. Berechne die Nennströme primär und sekundär.

Gegeben: Sₙ = 1500 VA; U₁ₙ = 400 V; U₂ₙ = 230 V

Gesucht: I₁ₙ, I₂ₙ

Lösungsweg:

  1. I₁ₙ = Sₙ/U₁ₙ = 1500/400 = 3,75 A
  2. I₂ₙ = Sₙ/U₂ₙ = 1500/230 ≈ 6,52 A

Ergebnis: I₁ₙ = 3,75 A; I₂ₙ ≈ 6,52 A

Aufgabe 6: Ein Trafo hat P_Fe = 30 W und Kupferverluste bei Nennlast von P_Cu_N = 75 W. Bei welchem Lastanteil x = I₂/I₂ₙ liegt das Wirkungsgrad-Optimum?

Gegeben: P_Fe = 30 W; P_Cu_N = 75 W

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. Im Optimum gilt P_Fe = P_Cu = P_Cu_N · x²
  2. x² = P_Fe / P_Cu_N = 30/75 = 0,4
  3. x = √0,4 ≈ 0,632

Ergebnis: Das Wirkungsgrad-Optimum liegt bei etwa 63 % der Nennlast.

Frage 1: Ein Trafo hat U₁ = 400 V und U₂₀ = 80 V. Welches Übersetzungsverhältnis liegt vor und um welchen Trafo-Typ handelt es sich?

  • a) ü = 0,2 – Aufwärtstrafo
  • b) ü = 320 – Hochspannungstrafo
  • c) ü = 5 – Abwärtstrafo
  • d) ü = 1 – Trenntrafo

Richtig: c)

Erklärung: ü = U₁/U₂₀ = 400/80 = 5. Weil ü > 1, ist es ein Abwärtstrafo. Antwort a kehrt die Definition um. Antwort b multipliziert die Spannungen statt zu dividieren.

Frage 2: Welche der folgenden Beziehungen gilt nur beim idealen Trafo exakt?

  • a) U_N = R · I bei Gleichstrom
  • b) Es gilt keine besondere Beziehung
  • c) Verluste sind nicht definiert
  • d) Die Scheinleistung wird verlustfrei übertragen: S₁ = S₂

Richtig: d)

Erklärung: Der ideale Trafo überträgt die Scheinleistung verlustfrei. Beim realen Trafo gehen Eisen- und Kupferverluste verloren, sodass S₁ > S₂ ist. Die Beziehung ist die Grundlage für die Stromübersetzung – beide stehen und fallen miteinander.

Frage 3: Ein Trafo mit ü = 8 wird sekundär mit 64 A belastet. Wie groß ist der Primärstrom im idealen Fall?

  • a) 8 A
  • b) 512 A
  • c) 0,125 A
  • d) 56 A

Richtig: a)

Erklärung: I₁ = I₂/ü = 64/8 = 8 A. Antwort b multipliziert statt zu dividieren. Antwort c berechnet 1/ü statt I₂/ü.

Frage 4: Welche Aussage zur Kurzschlussspannung uₖ ist korrekt?

  • a) Ein großer uₖ-Wert deutet auf einen niedrigen Wirkungsgrad hin
  • b) Ein kleiner uₖ-Wert bedeutet einen „harten“ Trafo mit geringem Spannungsabfall unter Last
  • c) uₖ wird im Leerlaufversuch gemessen
  • d) uₖ ist die Spannung, die im Kurzschluss-Augenblick an der Last anliegt

Richtig: b)

Erklärung: Ein kleiner uₖ-Wert bedeutet kleine innere Spannungsabfälle und damit eine stabile Sekundärspannung unter Last. uₖ und Wirkungsgrad sind verschiedene Kenngrößen mit unterschiedlichen Bedeutungen. uₖ wird im Kurzschlussversuch ermittelt, nicht im Leerlauf.

Frage 5: Ein Trafo hat Sₙ = 630 VA, U₁ₙ = 230 V. Wie groß ist der Primärnennstrom?

  • a) Etwa 0,37 A
  • b) Etwa 14,49 A
  • c) Etwa 2,74 A
  • d) Etwa 144,9 kA

Richtig: c)

Erklärung: I₁ₙ = Sₙ/U₁ₙ = 630/230 ≈ 2,74 A. Antwort a invertiert das Verhältnis. Antwort d schiebt das Komma falsch.

Frage 6: Bei welcher Last ist der Wirkungsgrad eines Trafos maximal?

  • a) Bei Leerlauf
  • b) Bei dem Lastpunkt, bei dem P_Cu doppelt so groß ist wie P_Fe
  • c) Bei voller Nennlast immer
  • d) Bei dem Lastpunkt, bei dem die Eisenverluste gleich den Kupferverlusten sind

Richtig: d)

Erklärung: Mathematisch ist gezeigt, dass das η-Maximum genau dort liegt, wo P_Fe = P_Cu. Antwort c ist nur dann zufällig richtig, wenn der Trafo speziell für genau Volllast als η-Optimum ausgelegt wurde – das ist in der Praxis selten.

Frage 7: Welche der folgenden Aussagen zu Eisenverlusten ist korrekt?

  • a) Sie sind im Wesentlichen lastunabhängig und werden im Leerlaufversuch ermittelt
  • b) Sie wachsen quadratisch mit dem Sekundärstrom
  • c) Sie entstehen durch den ohmschen Widerstand der Wicklungen
  • d) Sie verschwinden, sobald der Trafo abgeschaltet ist – und zwar auch im Leerlauf

Richtig: a)

Erklärung: Eisenverluste entstehen im Eisenkern durch Umkehrmagnetisierung und Wirbelströme. Sie hängen nur von Spannung und Frequenz ab, beides bleibt im Netzbetrieb konstant. Antwort c beschreibt die Kupferverluste. Antwort d ist trivial richtig, aber missverständlich formuliert: Verluste verschwinden bei Abschaltung, sind aber im Leerlauf am Netz weiterhin vorhanden.

Frage 8: Ein Schweißtrafo soll unter Last bewusst eine starke Spannungsabsenkung zeigen. Wie ist er typischerweise charakterisiert?

  • a) Kleiner uₖ und hoher Wirkungsgrad bei Volllast
  • b) Hoher uₖ-Wert, also „weicher“ Trafo
  • c) Sehr großer Eisenkern bei kleinen Windungszahlen
  • d) ü = 1 mit zusätzlichem Vorwiderstand

Richtig: b)

Erklärung: Beim Punktschweißen sinkt die Sekundärspannung absichtlich, sobald der Schweißstrom fließt – das verhindert ein „Wegbrennen“ der Bleche. Diese Charakteristik wird über einen großen uₖ erreicht. Ein Trenntrafo mit Vorwiderstand wäre energetisch unsinnig und in der Praxis nicht üblich.

Frage 9: Welche Folge hat eine Verdopplung des Sekundärstroms für die Kupferverluste – bei sonst gleichen Bedingungen?

  • a) Sie halbieren sich
  • b) Sie verdoppeln sich
  • c) Sie vervierfachen sich
  • d) Sie bleiben gleich

Richtig: c)

Erklärung: Kupferverluste sind ohmsche Verluste in der Wicklung und skalieren mit dem Quadrat des Stroms (P_Cu ~ I²). Eine Verdopplung des Stroms führt also zur Vervierfachung der Verluste. Das ist auch der Grund, warum Trafos im Überlastbereich schnell überhitzen.

Frage 10: Welche Angabe MUSS auf einem Trafo-Typenschild für einen Einphasen-Steuertrafo nach üblicher Praxis enthalten sein?

  • a) Der gemessene Wirkungsgrad bei Halblast
  • b) Die Anzahl der Primärwindungen
  • c) Die Drahtmaterialdichte
  • d) Die Bemessungsscheinleistung Sₙ, die Bemessungsspannungen und die Bemessungsfrequenz

Richtig: d)

Erklärung: Sₙ, U₁ₙ/U₂ₙ und die Frequenz sind Pflichtangaben, weil sie für die Auswahl, die Berechnung der Nennströme und die Absicherung unverzichtbar sind. Wirkungsgrad und Windungszahl sind keine Standardangaben am Typenschild.

Glossar

Übersetzungsverhältnis ü
Verhältnis der Windungszahlen von Primär- zu Sekundärwicklung; bestimmt das Verhalten von Spannungen und Strömen am Trafo.
Leerlaufspannung U₂₀
Sekundärspannung des Trafos, wenn auf der Sekundärseite kein Strom fließt; entspricht beim idealen Trafo exakt U₁/ü.
Kurzschlussspannung uₖ
Anteil der Primärnennspannung in %, der im Kurzschlussversuch nötig ist, damit der Nennstrom fließt; Maß für die inneren Widerstands- und Streueffekte des Trafos.
Eisenverluste P_Fe
Verluste im Eisenkern durch Umkehrmagnetisierung und Wirbelströme; weitgehend lastunabhängig, werden im Leerlaufversuch ermittelt. Auch Leerlaufverluste P₀ genannt.
Kupferverluste P_Cu
Ohmsche Verluste in den Wicklungen; wachsen mit dem Quadrat des Stroms, werden im Kurzschlussversuch bei Nennstrom ermittelt.
Wirkungsgrad η
Verhältnis der abgegebenen Wirkleistung zur aufgenommenen Wirkleistung: η = P₂/P₁. Maximum, wenn Eisen- und Kupferverluste gleich groß sind.
Bemessungsscheinleistung Sₙ
Auf dem Typenschild angegebene Scheinleistung, für die der Trafo im Dauerbetrieb ausgelegt ist; Grundlage für die Berechnung der Nennströme.
Typenschild
Datenschild am Trafo mit den wichtigsten Bemessungsdaten (Sₙ, U₁ₙ/U₂ₙ, I₁ₙ/I₂ₙ, uₖ, Frequenz, Schutzart, Bauform).
Scroll to Top