Diode: Funktion und Kennlinie
Eine Diode ist ein Bauelement, das den Strom nur in eine Richtung durchlässt – in die andere sperrt sie ihn. In der Praxis tauchen Dioden überall auf: in Netzteilen, zum Schutz vor Verpolung, als Freilaufdiode an Schützspulen oder als Anzeige im Schaltschrank. Wer Dioden richtig einsetzen oder tauschen will, muss vier Dinge im Kopf haben: wie sie aufgebaut ist, wie sie sich im Stromkreis verhält, was die Kennlinie aussagt und welche Grenzwerte laut Datenblatt einzuhalten sind.
Vorwissen
- Dotierung und pn-Übergang
- Leiter, Halbleiter und Isolatoren
- Das Ohmsche Gesetz
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- das Schaltsymbol einer Diode richtig deuten und Anode bzw. Kathode am realen Bauteil erkennen
- erklären, was in Durchlass- und Sperrrichtung passiert
- die Diodenkennlinie lesen und Durchlass-, Sperr- und Durchbruchbereich unterscheiden
- die wichtigsten Datenblattangaben deuten und die Verlustleistung einer Diode berechnen
- typische Diodenarten unterscheiden und Praxisschaltungen wie Freilaufdiode und Verpolungsschutz erkennen
1. Was ist eine Diode?
Eine Diode ist ein Halbleiterbauelement mit zwei Anschlüssen, das den Strom nur in einer Richtung durchlässt. Man kann sie sich wie ein elektrisches Rückschlagventil vorstellen: in eine Richtung fließt der Strom, in die andere wird er blockiert.
Im Kern besteht jede Diode aus einem pn-Übergang – einer Grenzschicht zwischen einer p- und einer n-dotierten Halbleiterzone. Was an dieser Grenze im Detail abläuft, wird im eigenen Beitrag zu Dotierung und pn-Übergang behandelt. Für die Diode reicht zu wissen: An dieser Grenzschicht entsteht eine sogenannte Sperrschicht, die je nach Polung der angelegten Spannung den Stromfluss zulässt oder unterbindet.
Eine Diode hat zwei Anschlüsse:
- Anode (A): der Anschluss, der in Durchlassrichtung mit dem Pluspol verbunden ist
- Kathode (K): der Anschluss, der in Durchlassrichtung mit dem Minuspol verbunden ist
Im Schaltplan wird die Diode mit einem Dreieck (Pfeil) und einem Querstrich gezeichnet. Das Dreieck zeigt in die Durchlassrichtung des Stroms – also von der Anode zur Kathode.
Am realen Bauteil ist die Kathode mit einem Ring oder Strich auf dem Gehäuse markiert. Bei axialen Bauformen mit Glas- oder Kunststoffgehäuse ist dieser Ring meist gut sichtbar. Beim Einlöten oder Tauschen einer Diode muss diese Markierung mit dem Schaltsymbol übereinstimmen – falsch herum eingebaut funktioniert die Schaltung nicht oder die Diode wird zerstört.
In der Theorie wird oft eine ideale Diode angenommen: Sie leitet in Durchlassrichtung ohne Spannungsabfall und sperrt in Sperrrichtung vollständig. Die reale Diode weicht davon ab: Sie braucht eine Mindestspannung, bevor sie merklich leitet, und auch in Sperrrichtung fließt ein kleiner Reststrom. Für viele Überlegungen reicht das Idealmodell – sobald es um Verluste und Wärme geht, muss man real rechnen.
Welche Aussage zum Schaltsymbol einer Diode ist richtig?
- a) Das Dreieck zeigt in die Durchlassrichtung des Stroms
- b) Das Dreieck zeigt von der Kathode zur Anode
- c) Der Querstrich kennzeichnet die Anode
- d) Anode und Kathode sind im Symbol austauschbar
Richtig: a)
Das Dreieck ist ein Pfeil, der in Stromrichtung bei Durchlassbetrieb zeigt – also von der Anode zur Kathode. Der Querstrich kennzeichnet die Kathode, nicht die Anode. Anode und Kathode sind keinesfalls austauschbar, weil sie das Verhalten der Diode bestimmen.
Wie ist die Kathode am realen Bauteil zu erkennen?
- a) An der größeren Anschlussdrahtlänge
- b) An einem Ring oder Strich auf dem Gehäuse
- c) Am roten Drahtanschluss
- d) Sie ist nur am Schaltsymbol erkennbar
Richtig: b)
Die Kathode wird am Bauteilgehäuse durch einen aufgedruckten Ring oder Strich markiert. Bei axialen Glas-/Kunststoffgehäusen ist das die übliche Kennzeichnung. Die Anschlussdrähte sind in der Regel gleich lang, und die Farbe spielt keine Rolle.
2. Durchlass- und Sperrrichtung
Eine Diode verhält sich grundlegend unterschiedlich, je nachdem wie die Spannung an ihren Anschlüssen anliegt.
Durchlassrichtung: Liegt der Pluspol an der Anode und der Minuspol an der Kathode, baut sich die Sperrschicht am pn-Übergang ab. Sobald die Spannung die Schwellspannung überschreitet (bei Silizium-Dioden etwa 0,7 V), fließt Strom durch die Diode.
Sperrrichtung: Wird die Polung umgedreht – Pluspol an der Kathode, Minuspol an der Anode – verbreitert sich die Sperrschicht. Die Diode blockiert den Stromfluss nahezu vollständig. Nur ein winziger Sperrstrom im Nano- bis Mikroampere-Bereich fließt noch.
Wichtig: „Durchlass“ heißt nicht, dass die Diode den Strom widerstandslos durchlässt. Es bleibt immer ein Spannungsabfall über der Diode – die Schwellspannung. Bei einer Silizium-Diode sind das etwa 0,7 V, bei einer Schottky-Diode nur etwa 0,3 V. Dieser Spannungsabfall geht in der Schaltung als Wärme verloren.
Daraus erklärt sich auch das Verhalten beim Anschluss an Wechselspannung: Während der positiven Halbwelle leitet die Diode, während der negativen sperrt sie. Aus dem Wechselstrom wird so ein pulsierender Gleichstrom – das ist die Grundlage jeder Gleichrichtung. Die konkreten Gleichrichterschaltungen werden im eigenen Beitrag dazu behandelt.
Eine Si-Diode wird mit Pluspol an die Anode und Minuspol an die Kathode angeschlossen. Was passiert ab einer Spannung über 0,7 V?
- a) Die Diode sperrt den Strom vollständig
- b) Die Diode wird zerstört
- c) Es fließt nur ein Sperrstrom im µA-Bereich
- d) Die Diode leitet und es fällt etwa 0,7 V über ihr ab
Richtig: d)
Die genannte Polung ist Durchlassrichtung. Ab der Schwellspannung leitet die Diode, dabei fällt etwa die Schwellspannung über ihr ab. Sperren würde sie nur bei umgekehrter Polung. Zerstört wird sie erst bei Überschreiten des maximalen Durchlassstroms. Der Sperrstrom tritt nur in Sperrrichtung auf.
Eine Multimetermessung an einer Diode zeigt sowohl in Durchlass- als auch in Sperrrichtung 0 V an. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
- a) Die Diode ist durchgebrannt (Kurzschluss)
- b) Die Diode ist in Ordnung
- c) Die Diode ist unterbrochen
- d) Das Messgerät ist defekt
Richtig: a)
0 V in beide Richtungen heißt: kein Spannungsabfall mehr – die Diode verhält sich wie ein Stück Draht. Das ist das typische Bild einer durchgebrannten Diode (Kurzschluss). Eine intakte Diode zeigt nur in Durchlassrichtung etwa 0,5–0,8 V. „OL“ in beide Richtungen wäre dagegen ein Hinweis auf eine unterbrochene Diode.
Warum entsteht aus Wechselspannung beim Durchgang durch eine einzelne Diode kein reiner Gleichstrom, sondern ein pulsierender Strom?
- a) Die Diode leitet nur jede zweite Halbwelle
- b) Die Schwellspannung der Diode pulsiert
- c) Die Diode wechselt periodisch ihre Polung
- d) Der Wechselstrom wird durch die Diode in Sinusform umgeformt
Richtig: a)
Die Diode is polabhängig: Während der positiven Halbwelle ist sie in Durchlass, während der negativen in Sperr. Es fließt also nur jede zweite Halbwelle Strom – das ergibt einen pulsierenden, einseitig gerichteten Strom. Die Schwellspannung selbst bleibt konstant, die Diode wechselt nicht ihre Polung.
3. Die Diodenkennlinie
Die Diodenkennlinie zeigt grafisch, wie sich Strom und Spannung an der Diode zueinander verhalten. Auf der waagrechten Achse wird die Spannung U über der Diode aufgetragen, auf der senkrechten der Strom I durch die Diode. Die Kennlinie verläuft durch drei Bereiche.
Durchlassbereich (rechts oben, positive U und positive I): Solange die Spannung unter der Schwellspannung bleibt, fließt fast kein Strom. Ab der Schwellspannung steigt der Strom sehr steil an – kleine Spannungserhöhungen führen zu großen Stromzuwächsen. Bei Silizium etwa ab 0,7 V, bei Germanium und Schottky-Dioden ab etwa 0,3 V.
Sperrbereich (links der senkrechten Achse, negative U und sehr kleine I): In Sperrrichtung fließt nur ein winziger Sperrstrom, der über einen großen Spannungsbereich nahezu konstant bleibt. Die Diode verhält sich praktisch wie ein offener Schalter.
Durchbruchbereich (ganz links, sehr negative U): Wird die Sperrspannung über einen bestimmten Wert hinaus erhöht – die Durchbruchspannung U_BR – „bricht“ die Sperrschicht durch und der Strom steigt schlagartig an. Bei einer normalen Diode bedeutet das die Zerstörung. Bei der Z-Diode wird genau dieser Bereich gezielt genutzt – Details dazu im eigenen Beitrag.
Was an der Kennlinie auffällt: Eine Diode ist kein linearer Widerstand. Bei einem ohmschen Widerstand wäre die Kennlinie eine Gerade durch den Ursprung – die Diode hat aber eine geknickte, gekrümmte Kurve. Das Ohmsche Gesetz U = R · I lässt sich nicht direkt auf die ganze Diode anwenden, weil das Verhältnis von Spannung zu Strom nicht konstant ist.
Will man der Diode trotzdem einen Widerstand zuordnen, geht das nur an einem festgelegten Punkt der Kennlinie – dem Arbeitspunkt. Dort berechnet sich der statische Widerstand zu:
R = U / I
- R … statischer Widerstand am Arbeitspunkt in Ohm
- U … Spannung am Arbeitspunkt in V
- I … Strom am Arbeitspunkt in A
Beispiel: Bei einer Si-Diode mit U = 0,7 V und I = 100 mA ergibt sich R = 0,7 / 0,1 = 7 Ω. An einem anderen Arbeitspunkt – etwa bei U = 0,75 V und I = 500 mA – ist der statische Widerstand schon nur noch 1,5 Ω. Daran zeigt sich: Die Diode wird mit steigendem Strom „leitfähiger“. Der Widerstandswert gilt also immer nur für diesen einen Punkt.
In welchem Bereich der Diodenkennlinie steigt der Strom bei kleinen Spannungsänderungen sehr stark an?
- a) Im Sperrbereich
- b) Im Durchbruchbereich, weil die Diode zerstört wird
- c) Im Durchlassbereich oberhalb der Schwellspannung
- d) Im gesamten Sperrbereich gleichmäßig
Richtig: c)
Im Durchlassbereich oberhalb der Schwellspannung steigt der Strom exponentiell – kleine Spannungserhöhungen führen zu großen Stromzunahmen. Im Sperrbereich bleibt der Strom über einen großen Spannungsbereich nahezu konstant klein. Im Durchbruchbereich steigt der Strom zwar auch stark, aber das ist ein unkontrollierter Zerstörungsvorgang, kein Nutzbetrieb der normalen Diode.
Welche Aussage zum Verhalten der Diode bezüglich des Ohmschen Gesetzes ist korrekt?
- a) Die Diode folgt dem Ohmschen Gesetz wie jeder Widerstand
- b) Das Ohmsche Gesetz gilt nur in Sperrrichtung
- c) Die Diode hat keinen Widerstand in Durchlassrichtung
- d) Das Ohmsche Gesetz gilt nur am festgelegten Arbeitspunkt, weil die Kennlinie nichtlinear ist
Richtig: d)
Die Kennlinie der Diode is nichtlinear – eine Verdopplung der Spannung führt nicht zu einer Verdopplung des Stroms. Das Ohmsche Gesetz beschreibt aber eine lineare Beziehung. Es lässt sich nur an einem bestimmten Punkt der Kennlinie als statischer Widerstand R = U / I anwenden. In Durchlassrichtung hat die Diode sehr wohl einen Widerstand – nur eben einen, der vom Arbeitspunkt abhängt.
An einer Si-Diode liegen im Arbeitspunkt 0,72 V an, dabei fließen 200 mA. Wie groß ist der statische Widerstand am Arbeitspunkt?
- a) 3,6 Ω
- b) 0,36 Ω
- c) 36 Ω
- d) 144 Ω
Richtig: a)
R = U / I = 0,72 V / 0,2 A = 3,6 Ω. Auf Einheitenumrechnung achten: 200 mA = 0,2 A. Die anderen Werte entstehen durch typische Rechenfehler – Komma falsch verschoben, Strom in mA gerechnet oder verwechselt.
4. Wichtige Kenngrößen einer Diode
Im Datenblatt einer Diode findet man eine Reihe von Kenngrößen, die für die Auswahl entscheidend sind. Die vier wichtigsten:
Durchlassspannung U_F: Spannung, die in Durchlassrichtung über der Diode abfällt. Sie ist nicht konstant, sondern hängt vom Strom ab. Im Datenblatt wird typischerweise ein Wert bei einem bestimmten Strom angegeben (z. B. „U_F = 1,0 V bei I_F = 1 A“). Bei anderen Strömen verschiebt sich U_F entsprechend der Kennlinie.
Maximaler Durchlassstrom I_F max: Der größte Strom, den die Diode dauerhaft in Durchlassrichtung verkraftet. Wird er überschritten, droht thermische Zerstörung.
Maximale Sperrspannung U_R max: Die höchste Spannung, die in Sperrrichtung an der Diode anliegen darf, ohne dass der Durchbruch eintritt. Wird sie überschritten, geht die Diode in der Regel kaputt.
Verlustleistung P_V: Die Wärmeleistung, die in der Diode im Durchlassbetrieb entsteht. Sie berechnet sich aus dem Spannungsabfall und dem Strom:
P_V = U_F * I_F
- P_V … Verlustleistung in W
- U_F … Durchlassspannung in V
- I_F … Durchlassstrom in A
Wenn die berechnete Verlustleistung die im Datenblatt angegebene maximale Verlustleistung P_max überschreitet, muss eine stärker dimensionierte Diode gewählt oder ein Kühlkörper vorgesehen werden.
Gelöstes Beispiel
Durch eine Si-Diode fließt im Betrieb ein Strom von 800 mA. Aus dem Datenblatt geht hervor, dass bei diesem Strom eine Durchlassspannung von 0,85 V abfällt. Die maximal zulässige Verlustleistung beträgt 1,2 W. Berechne die Verlustleistung im Betrieb und prüfe, ob die Diode geeignet ist.
Gegeben: I_F = 800 mA = 0,8 A; U_F = 0,85 V; P_max = 1,2 W
Gesucht: P_V in W, Bewertung der Eignung
Lösungweg:
- Verlustleistung berechnen: P_V = U_F · I_F = 0,85 V · 0,8 A = 0,68 W
- Mit zulässiger Verlustleistung vergleichen: P_V (Betrieb) = 0,68 W; P_max = 1,2 W; 0,68 W < 1,2 W → Diode geeignet; Auslastung: 0,68 / 1,2 = 0,567 → 56,7 %
Ergebnis: P_V = 0,68 W bei rund 57 % Auslastung. Die Diode ist für die Anwendung geeignet.
Übungen
Eine Si-Diode hat im Arbeitspunkt eine Durchlassspannung von 0,7 V bei einem Strom von 500 mA. Wie groß ist die Verlustleistung?
P_V = 0,7 V · 0,5 A = 0,35 W
Eine Schottky-Diode arbeitet bei U_F = 0,35 V und I_F = 2 A. Berechne die Verlustleistung und vergleiche sie mit einer Si-Diode mit U_F = 0,85 V beim gleichen Strom.
Schottky: P_V = 0,35 · 2 = 0,7 W; Si: P_V = 0,85 · 2 = 1,7 W. Die Schottky-Diode hat hier 1 W weniger Verlust.
Bei welchem Strom erreicht eine Diode mit U_F = 0,9 V genau die maximale Verlustleistung von 1,5 W?
I_F = P_V / U_F = 1,5 / 0,9 ≈ 1,67 A
Eine Diode mit U_R max = 50 V wird in einer Schaltung mit einer Spitzensperrspannung von 60 V eingesetzt. Wie ist das zu bewerten, und welche Sperrspannung muss die Ersatztype mindestens haben (mit 50 % Reserve)?
Die Diode ist ungeeignet, 60 V > 50 V. Mit 50 % Reserve: U_R mindestens = 60 V · 1,5 = 90 V.
Eine Diode mit P_max = 2,5 W und U_F = 1,1 V soll bei I_F = 3 A betrieben werden. Wie groß ist die Auslastung in Prozent, und ist ein Kühlkörper allein ausreichend?
P_V = 1,1 · 3 = 3,3 W. Auslastung = 3,3 / 2,5 · 100 % = 132 %. Die Diode ist überlastet – ein Kühlkörper allein reicht nicht, eine stärker dimensionierte Diode muss gewählt werden.
Eine Diode hat laut Datenblatt U_R max = 100 V und I_F max = 1 A. In der Schaltung treten Spannungsspitzen bis 80 V Sperrspannung und maximal 1,2 A Durchlassstrom auf. Welche Aussage ist richtig?
- a) Beide Werte liegen im zulässigen Bereich, die Diode ist geeignet
- b) Die Sperrspannung ist im grünen Bereich, aber der Strom überschreitet I_F max
- c) Die Sperrspannung ist zu hoch, der Strom passt
- d) Beide Werte überschreiten das Datenblatt deutlich
Richtig: b)
80 V < 100 V, die Sperrspannung ist also im zulässigen Bereich. Aber 1,2 A > 1 A – der maximale Durchlassstrom wird überschritten. Die Diode würde thermisch überlastet, eine stärkere Type muss gewählt werden.
Was bedeutet die Datenblattangabe „U_F = 1,0 V bei I_F = 1 A“?
- a) Die Diode hat immer einen Spannungsabfall von 1,0 V
- b) Die Diode darf maximal mit 1 V belastet werden
- c) Die Spannung über der Diode beträgt 1,0 V, wenn ein Strom von 1 A fließt
- d) Bei höherem Strom sinkt der Spannungsabfall
Richtig: c)
U_F ist stromabhängig. Die Angabe ist ein Arbeitspunkt – sie gilt nur bei genau diesem Strom. Bei kleineren Strömen ist U_F geringer, bei größeren steigt U_F leicht. Eine maximale Spannungsbelastung wird über U_R angegeben, nicht über U_F.
Welcher Effekt tritt auf, wenn die Verlustleistung dauerhaft die maximale Verlustleistung übersteigt?
- a) Der Spannungsabfall sinkt
- b) Die Schwellspannung verschiebt sich nach links
- c) Der Sperrstrom wird negativ
- d) Die Diode überhitzt und wird thermisch zerstört
Richtig: d)
Verlustleistung ist Wärme. Wenn die Diode die Wärme nicht mehr abführen kann, steigt die Sperrschichttemperatur über den zulässigen Wert – das Bauteil wird thermisch zerstört. Die anderen Effekte sind keine Folge einer Überlastung.
5. Diodentypen im Überblick
Es gibt zahlreiche Diodentypen für unterschiedliche Einsatzbereiche. Drei Grundtypen prägen die Standardanwendungen:
Silizium-Diode (Si-Diode): Der Standard. Schwellspannung etwa 0,7 V, hoher Sperrwiderstand, gute Belastbarkeit, kostengünstig. Wird in Netzteilen, Steuerungen und allgemein als universeller Gleichrichter eingesetzt. Klassische Vertreter sind die 1N400x-Serie (bis 1 A) und die 1N540x-Serie (bis 3 A).
Germanium-Diode (Ge-Diode): Schwellspannung nur etwa 0,3 V – damit gut für Signale mit kleinen Amplituden geeignet. Heute kaum noch im Einsatz, weil sie temperaturempfindlich ist und einen vergleichsweise hohen Sperrstrom hat. In alten Geräten taucht sie noch auf.
Schottky-Diode: Kein klassischer pn-Übergang, sondern ein Metall-Halbleiter-Übergang. Vorteile: geringe Schwellspannung (ca. 0,3 V), sehr schnelle Schaltzeit. Nachteile: höherer Sperrstrom als die Si-Diode, geringere maximale Sperrspannung. Wird in getakteten Netzteilen und in der Hochfrequenztechnik eingesetzt.
Daneben gibt es Sonderformen mit eigenen Anwendungsgebieten:
- Z-Dioden werden gezielt im Durchbruchbereich betrieben, um Spannungen zu stabilisieren – Details im eigenen Beitrag
- Leuchtdioden (LED) wandeln Strom direkt in Licht um – Details im eigenen Beitrag
Welcher Diodentyp wird vorzugsweise in getakteten Netzteilen eingesetzt?
- a) Schottky-Diode wegen der kurzen Schaltzeit
- b) Si-Diode wegen der hohen Schwellspannung
- c) Ge-Diode wegen der Temperaturempfindlichkeit
- d) Z-Diode wegen des Durchbruchverhaltens
Richtig: a)
In getakteten Schaltungen schalten Dioden mit Frequenzen von zehn- bis hunderttausend Hertz. Die Schottky-Diode schaltet nahezu verzögerungsfrei – die normale Si-Diode wäre dafür zu träge. Ge-Dioden sind aus thermischen Gründen ungeeignet, und Z-Dioden haben eine ganz andere Funktion (Spannungsstabilisierung).
Worin unterscheidet sich der Aufbau einer Schottky-Diode von einer Si-Diode?
- a) Sie hat zwei pn-Übergänge statt einem
- b) Sie ist aus Germanium statt Silizium
- c) Sie hat keinen Halbleiter
- d) Sie hat einen Metall-Halbleiter-Übergang statt eines pn-Übergangs
Richtig: d)
Bei der Schottky-Diode bildet sich die Sperrschicht nicht zwischen p- und n-dotiertem Halbleiter, sondern zwischen einem Metall (z. B. Platin) und einem n-dotierten Halbleiter. Daraus ergeben sich die niedrige Schwellspannung und die kurze Schaltzeit. Das material ist trotzdem ein Halbleiter (typisch Silizium).
Welche Aussage zur Germanium-Diode ist falsch?
- a) Sie hat eine niedrigere Schwellspannung als Si
- b) Sie hat einen heren Sperrstrom als Si
- c) Sie ist temperaturunempfindlicher als Si-Dioden
- d) Sie wird heute nur noch selten verbaut
Richtig: c)
Genau umgekehrt: Ge-Dioden sind besonders temperaturempfindlich. Bei steigender Temperatur nimmt der Sperrstrom stark zu, und die Schwellspannung verschiebt sich. Das ist einer der Hauptgründe, warum Germanium in der modernen Elektronik praktisch vollständig durch Silizium ersetzt wurde.
6. Diode in der Praxis
In der Praxis kommt die Diode am häufigsten in drei Funktionen vor: als Gleichrichter, als Freilaufdiode und als Verpolungsschutz.
Gleichrichtung: Wechselspannung wird in pulsierende Gleichspannung umgewandelt. Eine einzelne Diode lässt nur die positive Halbwelle durch (Einweggleichrichtung), in der Brückenschaltung werden alle Halbwellen genutzt. Die konkreten Schaltungen werden im Beitrag zu Gleichrichterschaltungen behandelt.
Freilaufdiode: Wird parallel zu Spulen, Relais- und Schützspulen sowie Magnetventilen geschaltet. Sobald durch eine Spule Strom fließt, baut sich in ihr ein Magnetfeld auf, das Energie speichert. Wird der Strom abrupt unterbrochen – etwa beim Öffnen eines Schalters – induziert die Spule eine Spannung mit umgekehrter Polarität, die das Vielfache der Betriebsspannung erreichen kann. Diese Induktionsspannung kann Halbleiter, Transistoren und Schaltkontakte zerstören.
Die Freilaufdiode wird so eingebaut, dass sie im Normalbetrieb sperrt: Anode am Minuspol, Kathode am Pluspol der Spule. Im Abschaltmoment polt sich die Spannung an der Spule um, die Diode kommt in Durchlassrichtung und schließt den Stromkreis kurz, sodass der Spulenstrom sanft über die Diode auslauf. Die Induktionsspannung wird so auf etwa die Schwellspannung der Diode begrenzt.
Verpolungsschutz: Eine Diode in Reihe zur Versorgungsleitung lässt nur Strom in der richtigen Polung durch. Wird die Versorgung versehentlich falsch herum angeschlossen, sperrt die Diode und schützt die nachgeschalteten Bauteile. Nachteil: Im Normalbetrieb fällt die Schwellspannung über der Diode ab – das kostet Energie und erzeugt Wärme. In der 24-V-DC-Automatisierungspraxis wird deshalb häufig eine Schottky-Diode mit nur etwa 0,3 V Spannungsabfall verwendet oder gleich ein elektronischer Verpolungsschutz mit P-Kanal-MOSFET, der praktisch verlustfrei arbeitet – das verhindert, dass empfindliche SPS-Baugruppen am Eingang unter ihre Mindestversorgungsspannung rutschen.
Für die Auslegung eines Vorwiderstands vor einer Diode (z. B. für eine Anzeige) gilt:
R_V = (U – U_F) / I_F
- R_V … Vorwiderstand in Ohm
- U … Versorgungsspannung in V
- U_F … Durchlassspannung der Diode in V
- I_F … gewuenschter Durchlassstrom in A
Gelöstes Beispiel
Eine Si-Diode mit U_F = 0,7 V soll in einer 24-V-DC-Schaltung mit einem Durchlassstrom von 50 mA betrieben werden. Berechne den Vorwiderstand.
Gegeben: U = 24 V; U_F = 0,7 V; I_F = 50 mA = 0,05 A
Gesucht: R_V in Ohm
Lösungweg:
- Vorwiderstand berechnen: R_V = (U – U_F) / I_F = (24 V – 0,7 V) / 0,05 A = 23,3 V / 0,05 A = 466 Ω
Ergebnis: Der berechnete Vorwiderstand beträgt 466 Ω. In der Praxis wird der nächstliegende Normwert gewählt – z. B. 470 Ω.
Übungen
Eine Si-Diode (U_F = 0,7 V) soll an 12 V mit 20 mA betrieben werden. Wie groß ist der Vorwiderstand?
R_V = (12 − 0,7) / 0,02 = 565 Ω
Eine Schottky-Diode (U_F = 0,3 V) soll an 5 V mit 100 mA betrieben werden. Wie groß ist der Vorwiderstand?
R_V = (5 − 0,3) / 0,1 = 47 Ω
An einer Relaisspule mit Nennspannung 24 V und Nennstrom 50 mA ist eine Freilaufdiode parallel geschaltet. Wie ist sie im Normalbetrieb gepolt – in Durchlass- oder in Sperrrichtung?
In Sperrrichtung. Die Kathode liegt am Pluspol, die Anode am Minuspol der Spule.
Eine 24-V-Versorgung wird über eine Si-Diode (U_F = 0,7 V) als Verpolungsschutz an einen Verbraucher mit 1 A Stromaufnahme geliefert. Wie hoch ist die Verlustleistung in der Diode?
P_V = 0,7 V · 1 A = 0,7 W
Ein Magnetventil mit 230 V AC und 10 W Leistung wird über ein Halbleiterrelais geschaltet. Welche Aufgabe übernimmt eine Schutzbeschaltung – und reicht eine normale Si-Diode hier aus?
Die Schutzbeschaltung begrenzt die Induktionsspannung beim Abschalten und schützt das Halbleiterrelais. Bei Wechselspannung ist eine klassische Freilaufdiode aber nicht geeignet, weil sie bei jeder positiven Halbwelle in Durchlass kommt. Stattdessen werden RC-Glieder (Snubber) oder Varistoren eingesetzt.
Welche Aufgabe übernimmt eine Freilaufdiode an einer Relaisspule?
- a) Sie versorgt die Spule mit Strom
- b) Sie schaltet die Spule schneller ein
- c) Sie baut die in der Spule gespeicherte Energie nach dem Abschalten ab und begrenzt die Induktionsspannung
- d) Sie verhindert das Anziehen des Relais
Richtig: c)
Beim Abschalten einer stromdurchflossenen Spule wird die im Magnetfeld gespeicherte Energie als Spannungsspitze frei – die Induktionsspannung kann ein Vielfaches der Betriebsspannung erreichen. Die Freilaufdiode schließt diesen Strom kurz und begrenzt die Spannungsspitze auf etwa die Schwellspannung. Eine Freilaufdiode beschleunigt das Einschalten nicht und verhindert das Anziehen nicht.
Wie wird eine Freilaufdiode an einer Relaisspule mit Plus-/Minusversorgung korrekt eingebaut?
- a) Anode am Pluspol, Kathode am Minuspol
- b) Anode am Minuspol, Kathode am Pluspol
- c) Beide Anschlüsse am Pluspol
- d) Polung beliebig, weil die Diode beidseitig leitet
Richtig: b)
Im Normalbetrieb muss die Diode sperren – sonst würde sie die Spule kurzschließen. Dazu liegt die Kathode am Pluspol. Erst beim Abschalten polt sich die Spannung an der Spule um und die Diode kommt in Durchlass. „Polung beliebig“ ist falsch – eine Diode ist immer polabhängig.
Eine Diode wird als Verpolungsschutz in Reihe zur 12-V-Versorgung eines Verbrauchers geschaltet, der 2 A aufnimmt. Welche Verlustleistung entsteht an der Diode bei U_F = 0,9 V?
- a) 0,45 W
- b) 2,4 W
- c) 1,8 W
- d) 10,8 W
Richtig: c)
P_V = U_F · I_F = 0,9 V · 2 A = 1,8 W. Bei hohen Strömen wird die Verlustleistung am Verpolungsschutz schnell relevant – hier sind es bereits 1,8 W, die als Wärme abgeführt werden müssen.
Warum eignet sich eine normale Diode nicht als Schutzbeschaltung an einer 230-V-AC-Magnetventilspule?
- a) Sie hat zu wenig Verlustleistung
- b) Die Schwellspannung ist zu hoch
- c) Die Sperrspannung ist zu niedrig
- d) Sie würde bei jeder Halbwelle in Durchlassrichtung kurzschließen
Richtig: d)
Wechselspannung ändert ständig die Polarität. Eine normale Diode wäre also bei jeder positiven Halbwelle in Durchlass und würde die Spule periodisch kurzschließen – das macht die Schaltung untauglich. Für AC-Anwendungen werden stattdessen RC-Glieder oder Varistoren als Schutzbeschaltung eingesetzt.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Si-Diode mit U_F = 0,7 V wird an 9 V DC mit einem gewünschten Durchlassstrom von 25 mA betrieben. Berechne den notwendigen Vorwiderstand.
Gegeben: U = 9 V, U_F = 0,7 V, I_F = 0,025 A
Gesucht: R_V
Lösungweg:
R_V = (U − U_F) / I_F = (9 − 0,7) / 0,025 = 332 Ω
Ergebnis: R_V = 332 Ω, als nächster Normwert 330 Ω.
Aufgabe 2: Durch eine Schottky-Diode fließt im Dauerbetrieb ein Strom von 3 A. Die Durchlassspannung beträgt 0,4 V. Wie groß ist die Verlustleistung, und ist eine Diode mit P_max = 1 W ausreichend?
Gegeben: I_F = 3 A, U_F = 0,4 V, P_max = 1 W
Gesucht: P_V im Betrieb, Bewertung
Lösungweg:
P_V = U_F · I_F = 0,4 · 3 = 1,2 W
1,2 W > 1 W → Diode ist überlastet
Auslastung: 1,2 / 1 · 100 % = 120 %
Ergebnis: P_V = 1,2 W. Die Diode ist überlastet (120 % Auslastung), eine stärker dimensionierte Type ist zu wählen.
Aufgabe 3: Eine Diode hat im Arbeitspunkt eine Spannung von 0,72 V und einen Strom von 800 mA. Berechne den statischen Widerstand am Arbeitspunkt.
Gegeben: U = 0,72 V, I = 0,8 A
Gesucht: R
Lösungweg:
R = U / I = 0,72 / 0,8 = 0,9 Ω
Ergebnis: R = 0,9 Ω
Aufgabe 4: Ein Schütz mit 24-V-DC-Spule und Nennstrom 0,06 A wird mit einer Freilaufdiode geschützt. Welche Mindestkenngrößen muss die Diode aufweisen, wenn die maximale Sperrspannung mindestens das Doppelte der Versorgungsspannung betragen soll und 50 % Stromreserve gewünscht ist?
Gegeben: U = 24 V, I_F (Betrieb) = 0,06 A
Gesucht: U_R mindestens, I_F max mindestens
Lösungweg:
U_R mindestens = 2 · 24 V = 48 V
I_F max mindestens = 1,5 · 0,06 A = 0,09 A = 90 mA
Ergebnis: Eine Diode mit mindestens U_R = 48 V und I_F max = 90 mA ist zu wählen – z. B. eine 1N4001 (100 V / 1 A) ist mehr als ausreichend.
Was zeigt das Dreieck im Schaltsymbol einer Diode an?
- a) Die Kathode
- b) Die Durchlassrichtung des Stroms
- c) Die Sperrspannung
- d) Die maximale Verlustleistung
Richtig: b)
Das Dreieck ist ein Pfeil, der in die Durchlassrichtung des Stroms zeigt – von der Anode zur Kathode. Die Kathode wird durch den Querstrich am Pfeilende markiert.
Welche Schwellspannung hat eine Standard-Si-Diode bei Raumtemperatur näherungsweise?
- a) 0,3 V
- b) 0,7 V
- c) 0,5 V
- d) 1,4 V
Richtig: b)
Für Silizium-Dioden gilt als Faustwert 0,7 V. 0,3 V wäre Germanium oder Schottky. 1,4 V kann näherungsweise als doppelter Si-Wert für zwei in Reihe geschaltete Dioden auftreten.
Was passiert in einer normalen Si-Diode, wenn die maximale Sperrspannung deutlich überschritten wird?
- a) Die Diode leitet ohne Spannungsabfall in Durchlassrichtung
- b) Die Schwellspannung steigt
- c) Der Sperrstrom wird zu Null
- d) Die Diode geht in den Durchbruchbereich und wird in der Regel zerstört
Richtig: d)
Eine normale Diode ist nicht für den Betrieb im Durchbruchbereich ausgelegt – der schlagartig ansteigende Strom führt zur thermischen Zerstörung. Nur die Z-Diode wird gezielt in diesem Bereich betrieben.
In welchem Bereich der Diodenkennlinie verläuft der Strom über einen großen Spannungsbereich nahezu konstant und sehr klein?
- a) Im Durchlassbereich
- b) Im Durchbruchbereich
- c) Im Sperrbereich
- d) An der Schwellspannung
Richtig: c)
Im Sperrbereich fließt nur ein winziger Sperrstrom (typisch nA bis µA), der über einen weiten Spannungsbereich nahezu unabhängig von der angelegten Spannung ist. Der Durchbruchbereich zeigt einen sprunghaft ansteigenden Strom, der Durchlassbereich oberhalb der Schwellspannung ebenfalls steile Stromänderungen.
Warum gilt das Ohmsche Gesetz für eine Diode nicht direkt?
- a) Weil ihre Kennlinie nichtlinear verläuft
- b) Weil sie kein Halbleiter ist
- c) Weil sie keinen Spannungsabfall hat
- d) Weil sie nur in Sperrrichtung Widerstand hat
Richtig: a)
Das Ohmsche Gesetz beschreibt einen linearen Zusammenhang U = R · I. Die Diodenkennlinie ist aber nichtlinear – das Verhältnis U/I ändert sich entlang der Kurve. Punktuell am Arbeitspunkt lässt sich das Gesetz sehr wohl anwenden, global jedoch nicht.
Eine Diode wird in einer Schaltung mit einem Durchlassstrom von 200 mA betrieben, U_F beträgt 0,75 V. Wie groß ist die Verlustleistung?
- a) 75 mW
- b) 150 mW
- c) 375 mW
- d) 750 mW
Richtig: b)
P_V = U_F · I_F = 0,75 V · 0,2 A = 0,15 W = 150 mW. Auf Einheitenumrechnung mA → A achten.
Was passiert, wenn eine Diode als Verpolungsschutz versehentlich seitenverkehrt eingebaut wird?
- a) Die nachgeschalteten Bauteile arbeiten normal
- b) Die Diode wird sofort zerstört
- c) Bei richtiger Polung der Versorgung sperrt die Diode und der Verbraucher bleibt stromlos
- d) Es gibt keinen Unterschied
Richtig: c)
Verkehrt herum eingebaut sperrt die Diode, wenn die Versorgung richtig gepolt ist – der Verbraucher bekommt keinen Strom. Erst bei tatsächlicher Verpolung würde die Diode leiten. Sofort zerstört wird sie nicht, solange die Sperrspannung nicht überschritten wird.
Welche Eigenschaft macht die Schottky-Diode in einem getakteten Schaltnetzteil besser geeignet als eine Standard-Si-Diode?
- a) Sie kann höhere Sperrspannungen ab
- b) Sie hat einen geringeren Sperrstrom
- c) Sie ist günstiger im Einkauf
- d) Sie hat eine niedrigere Schwellspannung und schaltet schneller
Richtig: d)
Im Schaltnetzteil ist die kurze Schaltzeit der Schottky-Diode entscheidend – sie reagiert nahezu verzögerungsfrei auf Polwechsel im Kilohertz- bis Megahertz-Bereich. Zusätzlich senkt die niedrige Schwellspannung die Verluste. Die maximale Sperrspannung ist bei Schottky-Dioden tendenziell geringer, nicht höher.
Worauf muss man beim Austausch einer Diode in einer Anlage achten?
- a) Auf gleiche oder höhere maximale Sperrspannung und gleichen oder höheren maximalen Durchlassstrom
- b) Nur auf die Bauform
- c) Nur auf die Farbe des Markierungsrings
- d) Auf den Hersteller
Richtig: a)
Beim Tausch zählen die elektrischen Grenzwerte. U_R max und I_F max müssen mindestens gleich groß sein wie beim Original. Bauform und Hersteller sind nur sekundär relevant, der Markierungsring ist genormt und meist schwarz oder silber.
Eine Spule wird ohne Freilaufdiode über einen mechanischen Schalter abgeschaltet. Was geschieht?
- a) Die Spannung bleibt unverändert
- b) Die Spule schwingt mit Netzfrequenz
- c) Es entsteht ein Funken am Schaltkontakt durch die Induktionsspannung
- d) Nichts Besonderes, der Strom bricht sofort ab
Richtig: c)
Die Spule erzeugt beim Abschalten eine hohe Induktionsspannung mit umgekehrter Polarität. Sie sucht sich einen Strompfad – und findet ihn als Funken am gerade öffnenden Schaltkontakt. Auf Dauer brennen die Kontakte ab. Genau das verhindert die Freilaufdiode.
Welche Aussage zur idealen Diode trifft zu?
- a) Sie hat einen festen Widerstand von 1 Ω
- b) Sie hat dieselbe Kennlinie wie ein ohmscher Widerstand
- c) Sie existiert in der Praxis als Schottky-Diode
- d) Sie leitet in Durchlassrichtung ohne Spannungsabfall und sperrt in Sperrrichtung vollständig
Richtig: d)
Die ideale Diode ist ein Modell: Spannungsabfall 0 in Durchlass, Strom 0 in Sperr. In der Realität gibt es weder das eine noch das andere – auch die Schottky-Diode hat 0,3 V Schwellspannung und einen Sperrstrom. Das Modell ist trotzdem nützlich für die schnelle Schaltungsanalyse.
An einer Diode liegen in einem konkreten Arbeitspunkt 0,8 V an, dabei fließen 400 mA. Wie groß ist der statische Widerstand am Arbeitspunkt?
- a) 0,2 Ω
- b) 2 Ω
- c) 20 Ω
- d) 320 Ω
Richtig: b)
R = U / I = 0,8 V / 0,4 A = 2 Ω. Wieder auf die Umrechnung mA → A achten. Der Wert gilt nur für genau diesen Arbeitspunkt.
Glossar
- Diode
- Halbleiterbauelement mit zwei Anschlüssen, das den Strom nur in einer Richtung durchlässt.
- Anode
- der Anschluss einer Diode, der in Durchlassrichtung mit dem Pluspol verbunden ist.
- Kathode
- der Anschluss einer Diode, der in Durchlassrichtung mit dem Minuspol verbunden ist. Am Bauteil meist durch einen Ring oder Strich markiert.
- Schwellspannung U_F
- Spannung in Durchlassrichtung, ab der die Diode merklich leitet. Bei Si ca. 0,7 V, bei Ge und Schottky ca. 0,3 V.
- Durchlassrichtung
- Betriebsrichtung, in der die Diode den Strom durchlässt. Anode positiver als Kathode.
- Sperrrichtung
- Betriebsrichtung, in der die Diode den Stromfluss blockiert. Kathode positiver als Anode.
- Diodenkennlinie
- grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Spannung und Strom an der Diode in allen Betriebsbereichen.
- Sperrstrom I_R
- kleiner Reststrom, der in Sperrrichtung durch eine reale Diode fließt, typisch im Nano- bis Mikroampere-Bereich.
- Durchbruchspannung U_BR
- Sperrspannung, ab der die Diode schlagartig leitend wird und bei einer normalen Diode in der Regel zerstört wird.
- Arbeitspunkt
- festgelegter Punkt auf der Kennlinie, an dem konkrete Spannungs- und Stromwerte gelten.
- Verlustleistung P_V
- Wärmeleistung, die in der Diode im Durchlassbetrieb entsteht. P_V = U_F · I_F.
- Schottky-Diode
- Diode mit Metall-Halbleiter-Übergang, niedrige Schwellspannung, sehr schnelle Schaltzeit.
- Freilaufdiode
- parallel zu einer Spule geschaltete Diode, die beim Abschalten die Induktionsspannung kurzschließt und nachgeschaltete Bauteile schützt.
- Verpolungsschutz
- Diode in Reihe zur Versorgung, die bei falscher Polung den Stromfluss zum Verbraucher sperrt.
- Induktionsspannung
- Spannung, die beim Abschalten einer stromdurchflossenen Spule durch Selbstinduktion entsteht, mit umgekehrter Polarität zur Betriebsspannung.
