Erregung der Synchronmaschine

Eine Synchronmaschine läuft nur dann rund, wenn der Läufer ein eigenes Magnetfeld trägt — sonst gibt es nichts, was dem Drehfeld des Stators folgt. Wie dieses Magnetfeld erzeugt wird, ist eine eigene Welt für sich: mit Schleifringen, mit einer rotierenden Erregermaschine auf der Welle oder ganz ohne Strom über Permanentmagnete. Und der Erregerstrom macht weit mehr, als das Feld am Laufen zu halten — er entscheidet im Netzbetrieb darüber, ob die Maschine Blindleistung aufnimmt oder abgibt.

Vorwissen

  • Drehstrom-Synchronmotor – Aufbau und Funktion
  • Drehfeld
  • Magnetische Größen: Flussdichte, Feldstärke, Fluss

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die Aufgabe der Erregung und die Bauarten des Läufers (Schenkelpol, Vollpol) erklären
  • Schleifring- und bürstenlose Erregung gegenüberstellen und ihre Vor- und Nachteile beurteilen
  • die Wirkung des Erregerstroms im Inselbetrieb und am starren Netz beschreiben
  • Untererregung, Übererregung und Phasenschieberbetrieb einordnen
  • den Ablauf von Anlauf und Erregungszuschaltung bei einer Synchronmaschine erklären

1. Was ist die Erregung und wozu braucht man sie?

Das Drehfeld im Stator dreht sich — aber für sich allein zieht es keine Last. Der Läufer muss ein eigenes Magnetfeld besitzen, das vom Statorfeld magnetisch „mitgenommen“ wird. Erst dieses Zusammenspiel erzeugt ein Drehmoment. Das Erzeugen dieses Läuferfeldes nennt man Erregung.

In der klassischen Synchronmaschine wird das Läuferfeld durch eine Spule erzeugt, die mit Gleichstrom durchflossen wird — die Erregerwicklung. Sie sitzt im Läufer (auch Polrad genannt). Damit das funktioniert, muss man dem rotierenden Teil irgendwie Gleichstrom zuführen — und genau das ist die eigentliche Aufgabe der Erregungstechnik.

Warum Gleichstrom? Damit der Läufer dem Stator-Drehfeld synchron folgen kann, braucht er ein zeitlich konstantes Magnetfeld. Würde im Läufer Wechselstrom fließen, ergäbe das ein pulsierendes Feld, das in Summe kein konstantes Drehmoment liefern könnte.

Es gibt drei Wege, das Läuferfeld zu erzeugen:

  • Schleifringerregung: Gleichstrom wird über Bürsten und Schleifringe in die Erregerwicklung des Läufers eingespeist.
  • Bürstenlose Erregung: Eine kleine Erregermaschine sitzt auf derselben Welle und versorgt die Erregerwicklung über einen mitrotierenden Gleichrichter — ganz ohne Bürsten.
  • Permanenterregung: Statt einer Wicklung sitzen Dauermagnete im Läufer. Diese Variante wird im eigenen Beitrag zum permanentmagneterregten Synchronmotor (PMSM) behandelt, hier nur am Rand erwähnt.

Die ersten beiden Varianten lassen sich aktiv steuern — der Erregerstrom kann verändert werden. Die Permanenterregung ist konstruktionsbedingt fest und kann nicht geregelt werden.

Welche Aufgabe hat die Erregung in einer klassischen Synchronmaschine?

  • a) Sie erzeugt das Drehfeld im Stator.
  • b) Sie versorgt den Läufer mit Gleichstrom zur Bildung eines Magnetfelds.
  • c) Sie regelt die mechanische Drehzahl direkt.
  • d) Sie kühlt die Wicklungen im Läufer.

Richtig: b)

Die Erregung erzeugt das Läufer-Magnetfeld. Das Drehfeld entsteht im Stator durch das angelegte Drehstromsystem. Die Drehzahl folgt zwangsweise aus Netzfrequenz und Polpaarzahl — der Erregerstrom verändert sie im starren Netz nicht.

Warum muss die Erregerwicklung im Läufer mit Gleichstrom betrieben werden?

  • a) Damit die Bürsten weniger verschleißen.
  • b) Wegen der Verluste in der Wicklung.
  • c) Weil nur ein zeitlich konstantes Läuferfeld dem Stator-Drehfeld synchron folgen kann.
  • d) Weil Wechselstrom in der Erregerwicklung nicht zulässig wäre.

Richtig: c)

Synchron heißt, das Läuferfeld läuft in fester Lage zum Stator-Drehfeld. Das geht nur, wenn das Läuferfeld stationär ist — also durch Gleichstrom erzeugt wird. Wechselstrom ließe sich technisch übertragen (siehe Schleifringläufer beim Asynchronmotor), würde aber kein passendes Feld liefern.

Welche Aussage zu den drei Erregungsarten ist korrekt?

  • a) Nur die Schleifringerregung erlaubt eine Steuerung des Erregerstroms.
  • b) Permanenterregung wird über einen Thyristorsatz geregelt.
  • c) Schleifring- und bürstenlose Erregung sind elektrisch identisch, nur mechanisch unterschiedlich.
  • d) Schleifring- und bürstenlose Erregung sind beide aktiv steuerbar — bei der Permanenterregung ist das Läuferfeld konstruktionsbedingt fest.

Richtig: d)

Beide gewickelten Varianten lassen sich durch Verändern des Erregerstroms regeln. Permanenterregung hat keinen elektrischen Erregerkreis — die Magnete sind fest. Bürstenlose Erregung verwendet eine eigene Hilfsmaschine und unterscheidet sich elektrisch deutlich von der Schleifringerregung.

2. Polrad und Erregerwicklung

Der Läufer einer erregten Synchronmaschine heißt Polrad, weil er die magnetischen Pole trägt. Die Form des Polrads richtet sich nach der Drehzahl der Maschine. Es gibt zwei Grundbauformen.

Der Schenkelpolläufer hat ausgeprägte, hervorstehende Pole mit aufgewickelter Erregerwicklung. Er wirkt mechanisch wie ein Stern aus Polen. Diese Bauform verträgt keine hohen Drehzahlen — die Pole würden bei großen Fliehkräften reißen. Dafür kann man viele Pole unterbringen, also kleine Synchrondrehzahlen erreichen. Typisch sind 4 bis über 100 Pole.

Der Vollpolläufer (auch Turboläufer) is ein glatter Zylinder. Die Erregerwicklung liegt in Nuten an der Oberfläche. Wegen der gleichmäßigen Massenverteilung verträgt er hohe Drehzahlen. Er hat meist nur 2 oder 4 Pole und läuft entsprechend schnell.

In jedem Fall wird die Erregerwicklung über zwei Anschlüsse mit Gleichstrom gespeist. Die typische Größenordnung der Erregerleistung liegt bei rund 0,3 bis 2 Prozent der Scheinleistung der Maschine — bei einem 100-MVA-Generator also bei einigen hundert Kilowatt.

Im Polrad sitzt zusätzlich häufig ein Dämpferkäfig: kurzgeschlossene Kupferstäbe in den Polen oder am Umfang, ähnlich einem Käfigläufer beim Asynchronmotor. Er dient vor allem dem Anlauf und zur Dämpfung von Schwingungen. Mehr dazu in Kapitel 6.

Schenkelpolläufer N S S N Erregerwicklung Statorbohrung Vollpolläufer N S Wicklung in Nuten Vollzylinder Langsamläufer · viele Pole · Wasserkraft Schnellläufer · 2 oder 4 Pole · thermische Kraftwerke

Wann setzt man typischerweise einen Schenkelpolläufer ein?

  • a) Bei Maschinen mit niedrigen Drehzahlen und vielen Polen, etwa in Wasserkraftwerken.
  • b) Bei zwei- oder vierpoligen schnelllaufenden Maschinen.
  • c) Ausschließlich bei Permanenterregung.
  • d) Nur bei kleinen Servoantrieben.

Richtig: a)

Schenkelpol-Konstruktionen erlauben viele Pole, vertragen aber wegen der hervorstehenden Pole keine hohen Fliehkräfte. Sie sind die Standardbauform für niedertourige Generatoren wie in der Wasserkraft.

Wo befindet sich die Erregerwicklung beim Vollpolläufer?

  • a) Im Stator.
  • b) Auf der Außenseite des Statorblechpakets.
  • c) In Nuten an der Oberfläche des zylindrischen Läufers.
  • d) Als Schicht im Luftspalt.

Richtig: c)

Beim Vollpolläufer wird die Wicklung in axial verlaufenden Nuten am Läuferzylinder verlegt. Diese Bauweise verteilt die Wicklung gleichmäßig und ermöglicht hohe Drehzahlen.

Welcher Bauform ist der Dämpferkäfig zugeordnet?

  • a) Nur dem Schenkelpolläufer.
  • b) Nur dem Vollpolläufer.
  • c) Nur permanenterregten Maschinen.
  • d) Beiden Polradbauformen, jeweils zur Dämpfung und für den Anlauf.

Richtig: d)

Sowohl Schenkelpol- als auch Vollpolläufer haben in der Regel einen Dämpferkäfig. Die Bauausführung unterscheidet sich (Stäbe in den Polen oder Stäbe am Umfang), die Funktion ist dieselbe.

3. Schleifringerregung

Die Schleifringerregung ist die klassische Lösung: Eine externe Gleichspannungsquelle speist Gleichstrom über zwei Schleifringe und mitschleifende Bürsten in die Erregerwicklung des rotierenden Läufers ein. Die Schleifringe sitzen auf der Welle, isoliert gegen die Welle und gegeneinander. Die Bürsten sind stationär im Gehäuse befestigt und drücken über Federn auf die Schleifringe.

Woher kommt die Gleichspannung? Bei modernen Anlagen — und besonders bei Maschinen in industriellen Größenordnungen in Österreich — wird sie nicht aus Batterien oder einer eigenen Gleichstrommaschine bezogen, sondern aktiv aus dem Drehstromnetz erzeugt:

  • Ein Erregertransformator passt die Netzspannung auf das benötigte Spannungsniveau an (typisch 100–600 V).
  • Ein steuerbarer Gleichrichter mit Thyristoren (Thyristorsatz) richtet die Wechselspannung gleich und stellt den Erregerstrom über den Zündwinkel der Thyristoren genau auf den geforderten Wert.

Mit dieser Kette lässt sich der Erregerstrom schnell und feinstufig verändern — die Steuerbarkeit ist eine der Stärken dieses Konzepts.

Die Erregerleistung ist das Produkt aus Erregerspannung und Erregerstrom:

P_err = U_err * I_err

  • P_err … Erregerleistung in W
  • U_err … Erregerspannung in V
  • I_err … Erregerstrom in A

Sie liegt typisch im Bereich von 0,3 bis 2 Prozent der Scheinleistung der Maschine.

Drehstromnetz 400 V L1 L2 L3 Erreger- trafo Thyristor- Gleich- richter + Zündwinkel- Steuerung Erregerwicklung Läufer Schleifringe Bürsten

Gelöstes Beispiel

Ein Synchrongenerator hat eine Erregerspannung von 180 V und einen Erregerstrom von 320 A.

Gegeben: U_err = 180 V, I_err = 320 A

Gesucht: P_err in kW

Lösungsweg:

  1. Erregerleistung berechnen: P_err = U_err · I_err = 180 V · 320 A = 57.600 W
  2. Umrechnen in kW: P_err = 57,6 kW

Ergebnis: P_err = 57,6 kW

Übungen

Erregerspannung 100 V, Erregerstrom 150 A. Wie groß ist die Erregerleistung in kW?

P_err = 100 · 150 = 15.000 W = 15 kW

Erregerspannung 240 V, Erregerstrom 400 A. Wie groß ist die Erregerleistung in kW?

P_err = 240 · 400 = 96.000 W = 96 kW

Eine Maschine hat eine Erregerleistung von 80 kW bei einem Erregerstrom von 500 A. Wie hoch ist die Erregerspannung?

U_err = 80.000 / 500 = 160 V

Ein Generator hat eine Scheinleistung von 50 MVA. Die Erregerleistung beträgt 1 Prozent davon. Welche Erregerleistung in kW ist das?

P_err = 0,01 · 50.000 kW = 500 kW

Ein Synchrongenerator hat 200 MVA Scheinleistung. Die Erregerwicklung wird mit 400 V und 1.500 A gespeist. Wie viel Prozent der Scheinleistung beträgt die Erregerleistung?

P_err = 400 · 1.500 = 600.000 W = 600 kW. Anteil: 600 / 200.000 = 0,3 %.

Welche Komponenten gehören typischerweise zur modernen Schleifringerregung?

  • a) Asynchronmotor, Schleifring, Wechselrichter.
  • b) Erregertransformator und steuerbarer Thyristor-Gleichrichter, dazu Schleifringe und Bürsten.
  • c) Frequenzumrichter und Permanentmagnete.
  • d) Direktanschluss der Erregerwicklung ans 400-V-Netz.

Richtig: b)

In moderner Industriepraxis wird die Erregerspannung über einen Erregertrafo angepasst und durch einen Thyristor-Gleichrichter erzeugt. Wechselrichter (DC→AC) sind hier nicht zielführend, da am Läufer Gleichstrom benötigt wird.

Welche Funktion hat der Thyristorsatz in der Schleifringerregung?

  • a) Er erzeugt aus der Drehstromnetzspannung eine über den Zündwinkel steuerbare Gleichspannung.
  • b) Er hält die Drehzahl der Synchronmaschine konstant.
  • c) Er kompensiert Bürstenverschleiß.
  • d) Er verhindert den Anlauf der Maschine.

Richtig: a)

Der Thyristor-Gleichrichter ist gleichzeitig Gleichrichter und Stellglied. Über den Zündzeitpunkt der Thyristoren lässt sich der Mittelwert der DC-Spannung — und damit der Erregerstrom — präzise einstellen.

Eine Synchronmaschine hat eine Erregerspannung von 220 V und einen Erregerstrom von 100 A. Wie groß ist die Erregerleistung?

  • a) 320 W
  • b) 2.200 W
  • c) 220 W
  • d) 22.000 W

Richtig: d)

P_err = U_err · I_err = 220 · 100 = 22.000 W = 22 kW.

Warum gilt die Schleifringerregung trotz ihres Verschleißes als robust und industrietauglich?

  • a) Weil sie keine Steuerung benötigt.
  • b) Weil sie ohne Stromzuführung auskommt.
  • c) Weil ihr Aufbau einfach ist, die Komponenten gut zugänglich sind und die Steuerbarkeit über den Thyristorsatz hoch ist.
  • d) Weil die Bürsten lebenslang halten.

Richtig: c)

Die Stärke der Schleifringerregung ist die Kombination aus mechanischer Einfachheit und elektrischer Steuerbarkeit. Wartung ist möglich und planbar, weil die Bürsten und Schleifringe gut zugänglich am Maschinenende sitzen.

4. Bürstenlose Erregung

Bei großen Maschinen — etwa Kraftwerksgeneratoren ab dem zwei- bis dreistelligen MVA-Bereich — sind Bürsten und Schleifringe unerwünscht. Sie verschleißen, erzeugen Staub und brauchen Wartung. Die Lösung: eine Erregermaschine, die direkt auf der Welle sitzt und ihre Energie über einen ebenfalls mitrotierenden Gleichrichter an die Erregerwicklung der Hauptmaschine abgibt. Bürsten gibt es in diesem Konzept nicht mehr.

So funktioniert die bürstenlose Erregung im Detail:

  • Auf der Welle der Hauptmaschine sitzt eine zusätzliche, kleinere Maschine — die Erregermaschine. Sie ist als Außenpolmaschine ausgeführt: Der Gleichstromteil (die Erregerwicklung dieser kleinen Maschine) ist feststehend im Gehäuse, der Drehstromteil (der Anker mit der dreisträngigen Wicklung) dreht auf der Welle mit.
  • Im Anker der Erregermaschine wird Drehstrom induziert, weil ihr Stator-Magnetfeld stationär ist und ihre Wicklung rotiert.
  • Dieser rotierende Drehstrom wird über einen mitrotierenden Gleichrichter (Dioden auf einem Träger auf der Welle) gleichgerichtet.
  • Das Ergebnis: Gleichstrom direkt auf der Welle — und ohne jeden Schleifkontakt — in der Erregerwicklung der Hauptmaschine.

Geregelt wird das System über die stationäre Erregerwicklung der kleinen Erregermaschine. Verändert man dort den Strom, ändert sich ihre induzierte Drehspannung, der gleichgerichtete Strom und schließlich der Erregerstrom der Hauptmaschine. Die eigentliche Stellgröße liegt also bequem im Stillstand — nur klein dimensioniert.

Hauptmaschine Erregerwicklung im Läufer rotierender Welle: Gleich- richter (Dioden) Erregermaschine Anker mit Drehstromwicklung (rotiert) Stator der Erregermaschine (feststehend, DC) Regler DC-Speisung

Wie wird der Gleichstrom für die Erregerwicklung der Hauptmaschine bei der bürstenlosen Erregung erzeugt?

  • a) Direkt aus einer externen Gleichstromquelle über Schleifringe.
  • b) Aus dem Drehstromnetz über einen feststehenden Thyristorsatz und Bürsten.
  • c) Durch eine mitrotierende Erregermaschine, deren induzierter Drehstrom durch einen mitrotierenden Diodengleichrichter gleichgerichtet wird.
  • d) Durch permanente Magnete im Läufer der Hauptmaschine.

Richtig: c)

Genau diese Kette ist das Kennzeichen der bürstenlosen Erregung. Sie ersetzt den Schleifkontakt durch einen Wechselstromweg, der erst auf der Welle gleichgerichtet wird.

Worüber wird der Erregerstrom der Hauptmaschine bei der bürstenlosen Erregung geregelt?

  • a) Durch die Stromzuführung an den Schleifringen.
  • b) Durch den Strom in der stationären Erregerwicklung der Erregermaschine.
  • c) Durch mechanisches Verschieben der Bürsten.
  • d) Durch die Anzahl der Dioden im Gleichrichter.

Richtig: b)

Die Steuerung passiert in der feststehenden DC-Wicklung der Erregermaschine. Ändert sich dort der Strom, ändern sich der induzierte Drehstrom im Anker und schließlich der Erregerstrom der Hauptmaschine.

Welche Aussage zur Erregermaschine bei der bürstenlosen Erregung ist richtig?

  • a) Sie ist eine Außenpolmaschine: Gleichstrom im Stator, Drehstrom im rotierenden Anker.
  • b) Sie ist eine Innenpolmaschine wie die Hauptmaschine.
  • c) Sie ist ein Permanentmagnetmotor ohne Wicklung.
  • d) Sie ist baulich identisch zur Hauptmaschine.

Richtig: a)

Die Bauform ist umgekehrt zur Hauptmaschine: der DC-Teil steht still, der Drehstrom wird im rotierenden Teil induziert. Genau das ermöglicht den bürstenlosen Aufbau.

5. Erregerstrom regeln: Spannung und Blindleistung

Der Erregerstrom ist die zentrale Stellgröße der Synchronmaschine — aber was er wirklich bewirkt, hängt davon ab, ob die Maschine allein arbeitet oder am Netz hängt.

Im Inselbetrieb (die Maschine speist allein in ein Netzgebiet ohne andere Generatoren) regelt der Erregerstrom die Klemmenspannung. Mehr Erregung — mehr Polradfluss — höhere induzierte Spannung. Hier ist der Erregerstrom der Spannungsregler.

Am starren Netz (die Maschine arbeitet parallel zu einem überragenden Verbundnetz) ist die Spannung von außen vorgegeben. Sie lässt sich durch die eigene Erregung praktisch nicht ändern. Was der Erregerstrom hier verschiebt, ist die Blindleistung der Maschine.

Die Konvention ist klar definiert:

  • Untererregt bedeutet: Der Erregerstrom ist niedriger als bei cos φ = 1 nötig wäre. Die Maschine nimmt induktive Blindleistung aus dem Netz auf und wirkt für das Netz wie eine induktive Last.
  • Übererregt bedeutet: Der Erregerstrom ist höher als bei cos φ = 1 nötig wäre. Die Maschine gibt induktive Blindleistung ins Netz ab und wirkt für das Netz wie ein Kondensator.

Die Wirkleistung der Maschine wird durch den Erregerstrom nicht direkt beeinflusst — sie ergibt sich aus dem mechanischen Drehmoment der Antriebsseite (bei Generatoren) bzw. aus der mechanischen Last (bei Motoren).

Die Zusammenhänge zwischen Stator-Strom und Erregerstrom werden in den V-Kurven abgebildet. Pro Wirkleistungsstufe gibt es eine U-förmige Kurve mit Minimum bei cos φ = 1. Links vom Minimum: untererregt. Rechts: übererregt.

I_err I (Stator) cos φ = 1 untererregt übererregt P klein P mittel P groß V-Kurven der Synchronmaschine

Berechnet man die Leistungen eines dreiphasigen Synchrongenerators aus Klemmenspannung (Außenleiterspannung U), Leiterstrom I und Leistungsfaktor cos φ, gelten:

S = √3 · U · I

P = √3 · U · I · cos φ

Q = √3 · U · I · sin φ

  • S … Scheinleistung in VA
  • P … Wirkleistung in W
  • Q … Blindleistung in var
  • U … Außenleiterspannung in V
  • I … Leiterstrom in A
  • cos φ … Leistungsfaktor
  • sin φ = √(1 − cos²φ)

Gelöstes Beispiel

Ein Synchrongenerator liefert bei Außenleiterspannung 6.300 V einen Strom von 800 A bei cos φ = 0,9 (übererregt).

Gegeben: U = 6.300 V, I = 800 A, cos φ = 0,9

Gesucht: S, P, Q in MVA bzw. MW bzw. Mvar

Lösungsweg:

  1. Scheinleistung: S = √3 · U · I = 1,732 · 6.300 · 800 ≈ 8.727.000 VA ≈ 8,73 MVA
  2. Wirkleistung: P = S · cos φ = 8,73 MVA · 0,9 ≈ 7,85 MW
  3. Blindleistung: sin φ = √(1 − 0,9²) = √0,19 ≈ 0,436; Q = S · sin φ ≈ 8,73 · 0,436 ≈ 3,80 Mvar

Ergebnis: S ≈ 8,73 MVA, P ≈ 7,85 MW, Q ≈ 3,80 Mvar (übererregt — Blindleistung wird ans Netz abgegeben)

Übungen

Eine Maschine liefert bei 400 V Außenleiterspannung 200 A bei cos φ = 1. Wie groß ist die Wirkleistung in kW?

P = √3 · 400 · 200 · 1 ≈ 138,6 kW

Berechnen Sie die Scheinleistung eines Generators mit 10.000 V und 500 A.

S = √3 · 10.000 · 500 ≈ 8,66 MVA

Ein Generator gibt 5 MW Wirkleistung bei cos φ = 0,8 ab. Wie groß sind Scheinleistung und Blindleistung?

S = P / cos φ = 5 / 0,8 = 6,25 MVA. sin φ = √(1 − 0,64) = 0,6. Q = 6,25 · 0,6 = 3,75 Mvar.

Bei einer Synchronmaschine mit 400 V und 150 A wird der cos φ von 1 auf 0,7 gesenkt (Maschine übererregt). Wie ändert sich die Blindleistung in kvar?

Bei cos φ = 1: Q = 0. Bei cos φ = 0,7: sin φ ≈ 0,714. S = √3 · 400 · 150 ≈ 103,9 kVA. Q ≈ 103,9 · 0,714 ≈ 74,2 kvar. Differenz: ca. +74 kvar.

Ein Phasenschiebergenerator wird ohne Wirkleistung betrieben (cos φ = 0). Klemmenspannung 10.500 V, Strom 600 A. Wie groß ist die abgegebene Blindleistung?

Bei cos φ = 0 ist sin φ = 1. Q = √3 · 10.500 · 600 · 1 ≈ 10,91 Mvar.

Wozu dient der Erregerstrom bei einer Synchronmaschine am starren Netz?

  • a) Er hält die Drehzahl konstant.
  • b) Er bestimmt die Wirkleistung der Maschine.
  • c) Er regelt die Blindleistung der Maschine.
  • d) Er hält die Maschine im Stillstand.

Richtig: c)

Die Spannung ist am Netz von außen vorgegeben, die Wirkleistung folgt aus dem mechanischen Antrieb. Was der Erregerstrom verändert, ist die Lage des Statorstroms zur Spannung — und damit die Blindleistung.

Was bedeutet „übererregter Betrieb“ eines Synchrongenerators am Netz?

  • a) Die Maschine läuft schneller als synchron.
  • b) Die Erregerleistung übersteigt die Nennleistung.
  • c) Die Maschine läuft ohne Wirkleistung.
  • d) Der Erregerstrom ist höher als bei cos φ = 1 nötig — die Maschine gibt induktive Blindleistung ans Netz ab.

Richtig: d)

Übererregt heißt: über dem Erregerstrom, der für reine Wirkleistung (cos φ = 1) nötig wäre. Die Folge ist ein Vorlauf des Statorstroms gegenüber der Spannung — die Maschine wirkt wie ein Kondensator für das Netz.

Wo liegt das Minimum einer V-Kurve?

  • a) Bei maximalem Erregerstrom.
  • b) Bei cos φ = 1, dort fließt der kleinste Statorstrom zur jeweiligen Wirkleistung.
  • c) Bei untererregtem Betrieb mit cos φ = 0.
  • d) Bei übererregtem Betrieb mit maximalem Statorstrom.

Richtig: b)

Bei cos φ = 1 ist der gesamte Statorstrom Wirkstrom — kein Blindanteil. Das ist gleichzeitig das kleinste mögliche Statorstrom-Niveau für eine gegebene Wirkleistung.

Ein Synchrongenerator hat U = 6.000 V Außenleiterspannung und I = 500 A bei cos φ = 0,8. Welche Wirkleistung gibt er ab?

  • a) 4,16 MW
  • b) 3,00 MW
  • c) 5,20 MW
  • d) 6,93 MW

Richtig: a)

P = √3 · 6.000 · 500 · 0,8 = 1,732 · 6.000 · 500 · 0,8 ≈ 4,16 MW.

6. Erregung beim Anlauf

Eine Synchronmaschine hat ein grundsätzliches Problem: Aus dem Stand zieht sie nicht selbst an. Wenn man Stator und Erregerwicklung gleichzeitig einschaltet, steht der Läufer still, während das Statorfeld bereits mit voller Drehzahl rotiert. Es entstehen Pendelmomente — schnell wechselnde Drehmomente, die sich im Mittel zu Null aufheben. Es gibt Drehmoment in eine Richtung, im nächsten Moment in die andere. Der Läufer ruckelt, wird mechanisch belastet und kommt nicht in Drehzahl.

Die übliche Lösung beim Direktanlauf am Netz: ein Dämpferkäfig im Läufer, baulich ähnlich einem Käfigläufer beim Asynchronmotor. Damit kann die Synchronmaschine zunächst wie ein Asynchronmotor anlaufen — der Stator zieht über das Drehfeld am kurzgeschlossenen Käfig und beschleunigt den Läufer. Während dieser Hochlaufphase bleibt die Erregerwicklung stromlos oder über einen Widerstand kurzgeschlossen, um Überspannungen darin zu vermeiden.

Erst wenn der Läufer nahe an die synchrone Drehzahl gekommen ist (typisch wenige Prozent Schlupf), wird die Erregung zugeschaltet. Das Polrad „rastet“ magnetisch ins Drehfeld ein, der Schlupf wird zu Null, die Maschine läuft synchron.

Bei großen Generatoren in Kraftwerken sieht der Weg anders aus: Sie werden mechanisch durch die Turbine bis nahe synchron beschleunigt, die Erregung wird auf den Sollwert hochgefahren — und dann werden sie ans Netz synchronisiert. Vier Bedingungen müssen vor dem Zuschalten erfüllt sein:

  • gleiche Spannungshöhe wie das Netz
  • gleiche Frequenz
  • gleiche Phasenlage
  • gleiche Drehrichtung der Phasenfolge

Die Spannungshöhe stellt der Erregerstrom ein — hier wird wieder die Doppelrolle der Erregung deutlich. Frequenz und Phasenlage regelt die Turbinendrehzahl, die Phasenfolge ist konstruktiv vorgegeben.

Warum kann eine Synchronmaschine im Allgemeinen nicht direkt aus dem Stand am Netz anlaufen, wenn die Erregung sofort eingeschaltet ist?

  • a) Weil im Stillstand keine Spannung induziert wird.
  • b) Weil die Erregerwicklung sonst durchbrennt.
  • c) Weil Bürsten und Schleifringe das nicht aushalten.
  • d) Weil Stator- und Läuferfeld unterschiedlich schnell rotieren und sich nur Pendelmomente ergeben, die im Mittel kein Beschleunigungsmoment liefern.

Richtig: d)

Das Stator-Drehfeld läuft sofort mit voller synchroner Drehzahl, der Läufer steht. In den ersten Augenblicken wechselt das Drehmoment ständig die Richtung — ein gerichtetes Hochlaufmoment entsteht nicht.

Welche Funktion hat der Dämpferkäfig beim Anlauf einer Synchronmaschine?

  • a) Er ermöglicht einen asynchronen Hochlauf wie bei einem Käfigläufermotor, bis nahe an die synchrone Drehzahl.
  • b) Er kühlt die Erregerwicklung.
  • c) Er bremst den Läufer beim Synchronisieren.
  • d) Er ersetzt die Erregerwicklung dauerhaft.

Richtig: a)

Der Dämpferkäfig wirkt wie ein Asynchron-Käfigläufer und liefert das Anlaufmoment, solange die Maschine noch nicht synchron läuft. Im synchronen Betrieb fließt im Käfig praktisch kein Strom mehr — dann hat er nur noch die Aufgabe, Schwingungen zu dämpfen.

Welche der folgenden Bedingungen ist KEINE Voraussetzung für das Zuschalten eines Synchrongenerators an ein vorhandenes Netz?

  • a) gleiche Spannungshöhe
  • b) gleicher Erregerstrom wie der Nachbargenerator
  • c) gleiche Frequenz
  • d) gleiche Phasenlage und Drehrichtung der Phasenfolge

Richtig: b)

Vier Synchronisierbedingungen sind nötig: Spannungshöhe, Frequenz, Phasenlage und Drehrichtung. Der konkrete Erregerstrom hängt von der Maschine selbst ab — er ist keine Synchronisierbedingung.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Synchrongenerator hat eine Erregerspannung von 250 V und einen Erregerstrom von 600 A.

Gegeben: U_err = 250 V, I_err = 600 A

Gesucht: Erregerleistung in kW

Lösungsweg:

  1. P_err = U_err · I_err = 250 · 600 = 150.000 W

Ergebnis: P_err = 150 kW

Aufgabe 2: Eine Maschine hat 100 MVA Scheinleistung. Die Erregerleistung beträgt 0,8 Prozent davon. Wie groß ist die Erregerleistung in kW? Welcher Erregerstrom fließt bei 300 V Erregerspannung?

Gegeben: S = 100 MVA, Anteil = 0,8 %, U_err = 300 V

Gesucht: P_err in kW, I_err in A

Lösungsweg:

  1. P_err = 0,008 · 100 MVA = 0,8 MVA = 800 kW
  2. I_err = P_err / U_err = 800.000 W / 300 V ≈ 2.667 A

Ergebnis: P_err = 800 kW, I_err ≈ 2.667 A

Aufgabe 3: Ein Synchrongenerator gibt bei 10.500 V Außenleiterspannung einen Strom von 1.200 A bei cos φ = 0,85 (übererregt) ab.

Gegeben: U = 10.500 V, I = 1.200 A, cos φ = 0,85

Gesucht: S, P, Q

Lösungsweg:

  1. S = √3 · U · I = 1,732 · 10.500 · 1.200 ≈ 21,82 MVA
  2. P = S · cos φ ≈ 21,82 · 0,85 ≈ 18,55 MW
  3. sin φ = √(1 − 0,85²) = √0,2775 ≈ 0,527; Q = S · sin φ ≈ 21,82 · 0,527 ≈ 11,50 Mvar

Ergebnis: S ≈ 21,82 MVA, P ≈ 18,55 MW, Q ≈ 11,50 Mvar (übererregt)

Aufgabe 4: Ein Phasenschiebergenerator liefert bei 6.300 V Klemmenspannung und cos φ = 0 einen Strom von 700 A. Welche Blindleistung gibt er ans Netz ab?

Gegeben: U = 6.300 V, I = 700 A, cos φ = 0

Gesucht: Q

Lösungsweg:

  1. Bei cos φ = 0 ist sin φ = 1. Q = √3 · U · I · sin φ = 1,732 · 6.300 · 700 · 1 ≈ 7,64 Mvar

Ergebnis: Q ≈ 7,64 Mvar

Welche Aufgabe übernimmt der Erregerstrom an einer Synchronmaschine, die am starren Netz arbeitet?

  • a) Er hält die mechanische Drehzahl konstant.
  • b) Er regelt den Wirkleistungsanteil.
  • c) Er regelt die Blindleistung der Maschine.
  • d) Er entscheidet über die Drehrichtung.

Richtig: c)

Die Drehzahl folgt zwangsweise aus Netzfrequenz und Polpaarzahl. Wirkleistung steuert der mechanische Antrieb. Der Erregerstrom verändert am Netz nur die Blindleistung.

Welche Aussage zur Schleifringerregung trifft am besten zu?

  • a) Sie kommt ohne Bürsten aus und ist wartungsfrei.
  • b) Sie führt der Erregerwicklung Gleichstrom über Schleifringe zu, typisch erzeugt durch einen steuerbaren Thyristor-Gleichrichter aus einem Erregertransformator.
  • c) Sie wandelt Gleichstrom in Drehstrom um.
  • d) Sie benötigt eine zweite Synchronmaschine auf derselben Welle.

Richtig: b)

Genau das ist die heute übliche Bauform der Schleifringerregung in der Industrie: Erregertrafo + Thyristor-Stellglied + Schleifkontakt zum rotierenden Polrad.

Wie wird bei der bürstenlosen Erregung der Gleichstrom auf den Läufer der Hauptmaschine gebracht?

  • a) Über zwei sehr kleine Schleifringe.
  • b) Über ein optisches Übertragungssystem.
  • c) Durch einen feststehenden Gleichrichter neben der Maschine.
  • d) Über eine Erregermaschine auf der gleichen Welle und einen mitrotierenden Diodengleichrichter.

Richtig: d)

Der ganze Gleichrichtungsvorgang findet auf der Welle statt — Bürsten und Schleifringe sind nicht mehr nötig.

Wann läuft ein Synchrongenerator als Phasenschieber?

  • a) Wenn er ohne Wirkleistung nur Blindleistung ans Netz liefert oder aus dem Netz aufnimmt.
  • b) Wenn er mit cos φ = 1 betrieben wird.
  • c) Wenn er nur den eigenen Inselbetrieb versorgt.
  • d) Wenn er kurzgeschlossen wird.

Richtig: a)

Phasenschieberbetrieb heißt P = 0 und Q ≠ 0. Die Maschine wirkt rein als Blindleistungsquelle oder -senke. Sinnvoll dort, wo das Netz Blindleistung braucht und keine Wirkleistung gefragt ist.

Welches Bauteil im Läufer ermöglicht den asynchronen Anlauf einer Synchronmaschine?

  • a) Die Schleifringe.
  • b) Der Dämpferkäfig.
  • c) Der mitrotierende Gleichrichter.
  • d) Die Erregerwicklung selbst.

Richtig: b)

Der Dämpferkäfig ist baulich wie ein Käfigläufer beim Asynchronmotor und liefert das Anlaufmoment. Die Erregerwicklung bleibt während des Hochlaufs idealerweise kurzgeschlossen, um Überspannungen zu vermeiden.

Eine Synchronmaschine läuft im Inselbetrieb. Was bewirkt eine Erhöhung des Erregerstroms?

  • a) Die Drehzahl steigt.
  • b) Die Klemmenspannung steigt.
  • c) Die Blindleistung wird ausgespeist.
  • d) Die Frequenz steigt.

Richtig: b)

Im Inselbetrieb ist der Erregerstrom der Spannungsregler. Drehzahl und Frequenz folgen aus dem Antrieb. Blindleistung ist im Inselbetrieb ein anderes Thema (Lastverhalten), nicht primär die Folge der Erregung.

Wofür dient der Erregertransformator bei der Schleifringerregung?

  • a) Er erhöht die Drehzahl.
  • b) Er gleichrichtet die Erregerspannung.
  • c) Er passt die Netzspannung an das benötigte Eingangsspannungsniveau des Thyristor-Gleichrichters an.
  • d) Er ersetzt die Erregermaschine.

Richtig: c)

Die Aufgabe des Erregertrafos ist die Spannungsanpassung. Die Gleichrichtung übernimmt der nachgelagerte Thyristor-Gleichrichter, die Steuerung erfolgt über den Zündwinkel der Thyristoren.

Welche Bauform ist typisch für niedertourige Wasserkraftgeneratoren?

  • a) Vollpolläufer mit zwei Polen.
  • b) Schleifringloser Vollzylinder.
  • c) Käfigläufer ohne Erregerwicklung.
  • d) Schenkelpolläufer mit vielen Polen.

Richtig: d)

Wasserkraft heißt langsame Turbinendrehzahl, also viele Pole — der Schenkelpolläufer ist die typische Bauform. Vollpolläufer mit wenigen Polen findet man dagegen in thermischen Kraftwerken mit schnelldrehenden Turbinen.

Was geschieht, wenn die Erregung einer Synchronmaschine am starren Netz erhöht wird, ohne dass sich am mechanischen Antrieb etwas ändert?

  • a) Die Wirkleistung steigt.
  • b) Die Maschine wird übererregt — der Blindleistungsbeitrag wandert in Richtung „Blindleistung an das Netz“.
  • c) Die Maschine geht außer Tritt.
  • d) Die Drehzahl steigt.

Richtig: b)

Mehr Erregung bei gleichbleibendem mechanischen Antrieb verschiebt den Betriebspunkt entlang der V-Kurve nach rechts: weg von cos φ = 1 in Richtung übererregt. Wirkleistung und Drehzahl bleiben unverändert.

Welche der folgenden Größen kann der Erregerstrom an einer Synchronmaschine am starren Netz NICHT verändern?

  • a) die Klemmenspannung der Maschine
  • b) die Phasenlage zwischen Statorstrom und Spannung
  • c) die Wirkleistung der Maschine
  • d) den Blindleistungsanteil

Richtig: c)

Die Klemmenspannung ist an einem starren Netz zwar von außen fixiert, der Erregerstrom verschiebt aber die innere Quellenspannung (Polradspannung) und damit den Statorstrom in Phasenlage und Betrag. Was er nicht verändert, ist die Wirkleistung — die kommt vom mechanischen Antrieb.

Ein Synchrongenerator liefert 5.000 V (Außenleiter) und 800 A bei cos φ = 0,9. Wie groß ist die Wirkleistung?

  • a) 6,93 MW
  • b) 4,00 MW
  • c) 7,70 MW
  • d) 5,40 MW

Richtig: a)

P = √3 · 5.000 · 800 · 0,9 = 1,732 · 5.000 · 800 · 0,9 ≈ 6,93 MW.

Welche Aussage zur Synchronisierung großer Generatoren ans Netz ist korrekt?

  • a) Vor dem Zuschalten müssen Spannung, Frequenz, Phasenlage und Drehrichtung der Phasenfolge mit dem Netz übereinstimmen — die Spannung wird über die Erregung eingestellt.
  • b) Nur die Drehzahl muss übereinstimmen.
  • c) Synchronisierung ist nur bei Schleifringerregung möglich.
  • d) Synchronisierung erfolgt automatisch, sobald die Erregung eingeschaltet wird.

Richtig: a)

Klassische vier Synchronisierbedingungen: Spannung, Frequenz, Phasenlage, Drehrichtung. Die Spannung stellt die Erregung — sie ist also auch beim Synchronisieren ein wichtiges Stellglied.

Glossar

Erregung
Erzeugung des Magnetfeldes im Läufer einer Synchronmaschine, im klassischen Fall durch Gleichstrom in einer Erregerwicklung im Polrad.
Erregerwicklung
Wicklung im Läufer der Synchronmaschine, die mit Gleichstrom durchflossen wird und das Läufer-Magnetfeld erzeugt.
Polrad
Der mit den Magnetpolen ausgestattete Läufer einer Synchronmaschine.
Schenkelpolläufer
Läuferbauart mit hervorstehenden, einzeln bewickelten Polen. Typisch für Maschinen mit vielen Polen und niedrigen Drehzahlen.
Vollpolläufer
Zylindrischer Läufer mit Wicklung in Oberflächennuten. Typisch für zwei- oder vierpolige schnelllaufende Maschinen.
Schleifringerregung
Erregungsart, bei der Gleichstrom über Schleifringe und Bürsten in die Erregerwicklung des Läufers eingespeist wird.
Bürstenlose Erregung
Erregungsart, bei der der Erregerstrom über eine mitrotierende Erregermaschine und einen mitrotierenden Diodengleichrichter ohne Schleifkontakt erzeugt wird.
Erregertransformator
Transformator, der die Netzspannung auf das Spannungsniveau anpasst, das der Erregungsstromrichter benötigt.
Erregermaschine
Kleinere, mitrotierende Maschine bei der bürstenlosen Erregung. Außenpolmaschine: stationäre DC-Wicklung im Stator, rotierende Drehstromwicklung im Anker.
Untererregt
Betriebszustand mit weniger Erregerstrom als bei cos φ = 1 nötig. Maschine nimmt induktive Blindleistung aus dem Netz auf.
Übererregt
Betriebszustand mit mehr Erregerstrom als bei cos φ = 1 nötig. Maschine gibt induktive Blindleistung ans Netz ab.
V-Kurven
Darstellung des Statorstroms als Funktion des Erregerstroms bei konstanter Wirkleistung. Jede Kurve hat ihr Minimum bei cos φ = 1.
Phasenschieber
Synchronmaschine, die ohne Wirkleistung nur zur Blindleistungsbereitstellung am Netz betrieben wird.
Dämpferkäfig
Kurzgeschlossene Stäbe im Polrad, ähnlich einem Käfigläufer. Ermöglicht den asynchronen Anlauf und dämpft Pendelschwingungen.
Pendelmomente
Schnell wechselnde Drehmomente, die entstehen, wenn Stator- und Läuferfeld noch nicht synchron drehen. Im Mittel kein gerichtetes Beschleunigungsmoment.
Synchronisierung
Vorgang des Zuschaltens eines Synchrongenerators an ein bestehendes Netz unter Einhaltung von Spannung, Frequenz, Phasenlage und Drehrichtung der Phasenfolge.
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