Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM)
Permanentmagnet-Synchronmotoren – kurz PMSM – haben sich in den letzten Jahren zum Standardantrieb in der E-Mobilität und in modernen Servoanwendungen entwickelt. Das Funktionsprinzip ist alt, der Schlüssel zum heutigen Erfolg ist die Verfügbarkeit starker Permanentmagnete und leistungsfähiger Frequenzumrichter. In diesem Beitrag geht es um den Aufbau, die typischen Bauformen, die wichtige Unterscheidung zwischen Polzahl und Polpaarzahl bei der Drehzahlberechnung und die Frage, warum dieser Motortyp ohne Umrichter überhaupt nicht in Gang kommt.
Vorwissen
- Drehfeld
- Drehstrom-Synchronmotor – Aufbau und Funktion
- Magnetisches Feld
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Aufbau und das Funktionsprinzip eines PMSM beschreiben
- die Bauformen SPM und IPM unterscheiden und ihre Einsatzgebiete einordnen
- die Synchrondrehzahl in Abhängigkeit von Frequenz und Polpaarzahl berechnen und dabei zwischen Polzahl and Polpaarzahl unterscheiden
- erklären, warum ein PMSM zwingend einen Frequenzumrichter benötigt und welche Rolle die Rotorlage-Erfassung spielt
- Vorteile, Nachteile und typische Anwendungsgebiete des PMSM einschätzen
1. Grundprinzip und Abgrenzung
Beim klassischen Synchronmotor wird das Magnetfeld im Rotor durch eine Erregerwicklung erzeugt. Strom fließt über Schleifringe in die Wicklung, ein Erregerfeld entsteht. Beim PMSM übernehmen Permanentmagnete diese Aufgabe. Keine Erregerwicklung, kein Erregerstrom, keine Schleifringe.
Diese eine Designentscheidung hat weitreichende Folgen. Der Rotor wird leichter, robuster und nahezu wartungsfrei. Die Erregerverluste fallen weg. Dafür kommt eine neue Schwierigkeit ins Spiel: Die Magnete sind teuer, temperaturempfindlich und lassen sich nicht abschalten.
Damit positioniert sich der PMSM zwischen drei Antriebstypen:
- klassisch erregter Synchronmotor – mit Erregerwicklung, oft große Industriemaschinen
- Asynchronmotor – Industriestandard, robust und günstig, aber mit Schlupf und Rotorverlusten
- BLDC-Motor – mechanisch sehr ähnlich, unterscheidet sich aber in der Bestromungsform
Worin unterscheidet sich der PMSM grundsätzlich vom klassisch erregten Synchronmotor?
- a) Im Rotor – beim PMSM erzeugen Permanentmagnete das Erregerfeld
- b) Im Stator – beim PMSM gibt es keine Drehstromwicklung
- c) In der Drehzahl – der PMSM läuft nicht synchron zum Drehfeld
- d) Im Frequenzbereich – der PMSM arbeitet nur mit Gleichstrom
Richtig: a)
Der Stator ist bei beiden Bauformen praktisch identisch, eine Drehstromwicklung erzeugt das Drehfeld. Der entscheidende Unterschied liegt im Rotor: Permanentmagnete ersetzen die Erregerwicklung. Synchroner Lauf gilt für beide. Ein PMSM wird mit Wechselspannung versorgt, nicht mit Gleichstrom.
Welche Konsequenz hat der Wegfall der Erregerwicklung beim PMSM?
- a) Der Motor benötigt eine zusätzliche Hilfswicklung im Stator
- b) Es entstehen Erregerverluste in den Permanentmagneten
- c) Schleifringe und Bürsten entfallen, der Rotor wird wartungsarm
- d) Die Drehzahl steigt automatisch um etwa 50 Prozent
Richtig: c)
Schleifringe braucht es nur, um Erregerstrom in den drehenden Rotor zu führen. Ohne Erregerwicklung sind weder Schleifringe noch Bürsten nötig. Eine Hilfswicklung ist nicht erforderlich. Erregerverluste fallen weg, sie entstehen nicht in den Magneten. Die Drehzahl ändert sich durch das Konstruktionsprinzip allein nicht.
2. Aufbau und Funktion
Der Stator gleicht dem eines Asynchron- oder klassisch erregten Synchronmotors: ein Blechpaket aus dünnen, gegeneinander isolierten Elektroblechen mit Nuten für die dreisträngige Drehstromwicklung. An die Wicklung gelegte Drehspannung erzeugt das umlaufende Magnetfeld im Statorbohrungsraum, das Drehfeld.
Der Rotor enthält die Permanentmagnete. Sie sind so angeordnet, dass abwechselnd Nord- und Südpole nach außen zeigen. Das Drehfeld des Stators wirkt auf diese festen Magnetpole wie eine drehende Magnetkupplung – die Pole werden mitgezogen.
Dahinter steckt ein einfacher physikalischer Effekt: Ungleichnamige Pole ziehen sich an, gleichnamige stoßen sich ab. Das umlaufende Statorfeld zieht den Rotor in die energetisch günstigste Ausrichtung und gibt ihn nicht mehr los – der Rotor folgt dem Drehfeld.
Im stationären Betrieb läuft der Rotor exakt mit der Drehzahl des Drehfelds. Daher der Name Synchronmotor: Rotor und Drehfeld sind synchron, es gibt keinen Schlupf wie beim Asynchronmotor.
Die Drehmomentbildung lässt sich anschaulich vorstellen: Die Statorströme erzeugen ein Magnetfeld, das gegenüber dem Rotorfeld leicht voreilt. Diese Winkeldifferenz – der Polradwinkel – treibt den Rotor an. Steigt die Last, vergrößert sich der Polradwinkel, das Drehmoment wächst mit, bis zum Kippmoment.
Was ist der zentrale Unterschied zwischen dem Lauf eines PMSM und eines Asynchronmotors?
- a) Beim PMSM tritt Schlupf zwischen Drehfeld und Rotor auf
- b) Beim PMSM läuft der Rotor synchron mit dem Drehfeld, ohne Schlupf
- c) Beim PMSM ist die Rotordrehzahl unabhängig von der Drehfeldfrequenz
- d) Beim PMSM dreht der Rotor in Gegenrichtung zum Drehfeld
Richtig: b)
Synchroner Lauf ohne Schlupf ist das Wesensmerkmal des Synchronmotors. Der Asynchronmotor benötigt Schlupf, um eine Spannung im Rotor zu induzieren. Beim PMSM erzeugen Permanentmagnete das Rotorfeld – kein Induktionsbedarf, kein Schlupf. Die Drehzahl ist direkt an die Drehfeldfrequenz gekoppelt.
Wodurch entsteht beim PMSM das Drehmoment?
- a) Durch das alleinige Magnetfeld der Permanentmagnete
- b) Durch Induktion einer Spannung in die Rotormagnete
- c) Durch die Winkeldifferenz zwischen Statorfeld und Rotorfeld (Polradwinkel)
- d) Durch den Stromfluss in den Permanentmagneten
Richtig: c)
Drehmoment entsteht, wenn Statorfeld and Rotorfeld einen Winkel zueinander einnehmen – den Polradwinkel. Ohne Statorstrom kein Drehfeld, kein Drehmoment. Ein Magnetfeld allein liefert kein Drehmoment. Induktion ist beim PMSM für die Drehmomentbildung nicht maßgeblich. Strom fließt nicht durch Permanentmagnete.
Welche Rolle spielt das Statorblechpaket?
- a) Es führt das Drehfeld und leitet den magnetischen Fluss
- b) Es erzeugt das Erregerfeld
- c) Es ersetzt die Permanentmagnete
- d) Es trägt die Wicklungen und führt den magnetischen Fluss
Richtig: d)
Das Blechpaket hat zwei Aufgaben: Es hält die Wicklungen mechanisch in den Nuten und führt magnetisch den Fluss. Die geblechte Bauweise unterdrückt Wirbelströme. Das Drehfeld entsteht durch die Drehstromwicklung. Das Erregerfeld kommt vom Rotor mit seinen Permanentmagneten.
3. Rotor-Bauformen: SPM und IPM
Die Anordnung der Magnete im Rotor entscheidet wesentlich über die Eigenschaften des Motors. Zwei Grundformen haben sich durchgesetzt.
Surface-Mounted Permanent Magnet (SPM): Die Magnete sind außen auf dem Rotor angebracht – aufgeklebt oder mit einer Bandage gehalten. Sie sitzen direkt im Luftspaltbereich, das Magnetfeld tritt unmittelbar in den Stator über. Die Bauweise ist konstruktiv einfach und magnetisch günstig. Bei höheren Drehzahlen brauchen die Magnete eine Bandage – meist aus Faserverbund –, damit sie der Fliehkraft standhalten. SPM wird typischerweise für Servoantriebe mit moderaten Drehzahlen verwendet, wo ein lineares Drehmoment-Strom-Verhältnis gefragt ist.
Interior Permanent Magnet (IPM): Die Magnete liegen im Rotorblechpaket versenkt – in Taschen, V-Formationen oder mehrlagigen Anordnungen. Das macht den Rotor mechanisch deutlich robuster und ermöglicht höhere Drehzahlen. Zusätzlich entsteht ein Reluktanzmoment: Weil die magnetische Leitfähigkeit des Rotors in Längs- und Querrichtung unterschiedlich ist, zieht das Statorfeld den Rotor auch dann an, wenn man die Permanentmagnete gedanklich wegnehmen würde. Das Gesamtdrehmoment setzt sich aus dem Magnet- und dem Reluktanzanteil zusammen. IPM ist die typische Bauform für Traktionsantriebe in Elektrofahrzeugen, weil sie hohen Drehzahlbereich, Feldschwächung und kurzfristige Spitzendrehmomente verbindet.
Was kennzeichnet die SPM-Bauform?
- a) Magnete sind im Rotorblech eingebettet
- b) Rotor besteht ausschließlich aus Permanentmagnetmaterial
- c) Magnete befinden sich im Stator statt im Rotor
- d) Magnete sitzen außen auf dem Rotor, oft mit Bandage
Richtig: d)
SPM steht für Surface-Mounted – die Magnete sitzen außen. Eine Bandage hält sie bei hohen Drehzahlen. Eingebettete Magnete sind IPM. Ein Vollmagnet-Rotor wäre weder mechanisch sinnvoll noch fertigungstechnisch üblich. Magnete im Stator gibt es bei Sondertopologien, beim Standard-PMSM jedoch nicht.
Was ist das Reluktanzmoment beim IPM-Motor?
- a) Ein zusätzliches Drehmoment durch unterschiedliche magnetische Leitfähigkeit im Rotor
- b) Ein Drehmoment, das nur durch die Permanentmagnete entsteht
- c) Ein Drehmoment, das beim Bremsen entsteht
- d) Ein Drehmoment, das nur bei niedrigen Drehzahlen wirkt
Richtig: a)
Das Reluktanzmoment entsteht durch die unterschiedlichen magnetischen Widerstände in der d- und q-Achse des Rotors. Es überlagert sich mit dem Magnetmoment und ist bei IPM ein wesentlicher Beitrag zum Gesamtdrehmoment. Beim SPM ist es vernachlässigbar.
Warum wird im E-Auto-Antrieb meist die IPM-Bauform verwendet?
- a) IPM ist günstiger in der Fertigung als SPM
- b) IPM braucht weniger Magnetmaterial als SPM
- c) IPM erlaubt hohen Drehzahlbereich und Feldschwächung, mit zusätzlichem Reluktanzmoment
- d) IPM benötigt keinen Frequenzumrichter
Richtig: c)
Im E-Antrieb muss der Motor in einem weiten Drehzahlband arbeiten – vom Anfahren bis zur Höchstgeschwindigkeit. IPM ermöglicht Feldschwächung im oberen Drehzahlbereich und liefert mit dem Reluktanzanteil zusätzliches Drehmoment. Die Fertigung ist tendenziell aufwendiger als bei SPM. Frequenzumrichter ist bei beiden Bauformen Pflicht.
4. Magnetwerkstoffe und Temperaturgrenzen
Drei Werkstoffgruppen dominieren bei den heute eingesetzten Permanentmagneten:
Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) – höchste Energiedichte, hohe Remanenz, mittlere maximale Einsatztemperatur, je nach Sorte etwa 120 bis 200 °C. Standard für E-Mobilität und moderne Servoantriebe.
Samarium-Cobalt (SmCo) – geringere Energiedichte als NdFeB, dafür höhere Temperaturbeständigkeit, typischerweise bis um 300 °C. Eingesetzt in Hochtemperatur-Anwendungen, Luft- und Raumfahrt.
Ferritmagnete – günstig, robust, aber deutlich geringere Energiedichte. Verwendet in Kleinmotoren, Lüftern, einfacheren Antrieben.
Die detaillierten metallurgischen und magnetischen Eigenschaften – Remanenz, Koerzitivfeldstärke, Energiedichte – werden im Beitrag zu den Halbleiter- und Magnetwerkstoffen vertieft. Hier geht es um die unmittelbaren Folgen für den PMSM.
| Werkstoff | Energiedichte | Temperaturgrenze | Kosten |
|---|---|---|---|
| NdFeB | sehr hoch | mittel | hoch |
| SmCo | hoch | hoch | sehr hoch |
| Ferrit | niedrig | mittel | niedrig |
Irreversible Entmagnetisierung
Das größte Risiko im PMSM-Betrieb ist die irreversible Entmagnetisierung. Mit steigender Temperatur sinkt die Koerzitivfeldstärke der Magnete – ihr Widerstand gegen ein gegenwirkendes Feld nimmt ab. Trifft der Arbeitspunkt auf der Entmagnetisierungskurve in den Bereich, in dem die Kurve abknickt und nichtlinear wird, kippt der Magnet teilweise um und verliert dauerhaft an Stärke. Auch nach dem Abkühlen kehrt diese Magnetisierung nicht zurück. Der Motor verliert Drehmoment, der Wirkungsgrad fällt, im schlechten Fall ist der Antrieb Totalschaden.
Typische Auslöser sind:
- Überlast über längere Zeit – die Rotormagnete heizen sich auf
- Kühlungsausfall
- Hohe Statorströme im Feldschwächbetrieb mit gleichzeitig hoher Temperatur
Temperaturüberwachung in der Praxis
Deshalb wird die Motortemperatur konsequent überwacht. In den Statorwicklungen sitzen Temperatursensoren – häufig PT1000, KTY oder PTC-Drillinge. Sie melden ihre Werte an die Motorregelung oder direkt an den Frequenzumrichter. Wird die Grenztemperatur überschritten, fährt der Umrichter den Strom zurück oder schaltet den Antrieb ab. Die Sensoren messen die Wicklungstemperatur direkt. Die Rotortemperatur – kritisch für die Magnete – wird daraus über Modellrechnungen abgeleitet, weil ein direkter Sensor am drehenden Rotor zu aufwendig wäre.
Warum hat NdFeB bei vergleichbarem Bauvolumen Vorteile gegenüber Ferrit?
- a) NdFeB hat eine deutlich höhere Energiedichte
- b) NdFeB ist temperaturunempfindlicher als Ferrit
- c) NdFeB benötigt keine Kühlung
- d) NdFeB lässt sich besser ummagnetisieren
Richtig: a)
Die Energiedichte is der entscheidende Vorteil von NdFeB – das ergibt kleinere und leichtere Motoren bei gleicher Leistung. Temperaturmäßig ist NdFeB sogar empfindlicher als manche Ferritsorten. Kühlung braucht jeder Magnetwerkstoff bei hohen Leistungen. Gute Ummagnetisierbarkeit ist bei Permanentmagneten gerade unerwünscht.
Was bedeutet irreversible Entmagnetisierung?
- a) Ein vorübergehender Magnetisierungsverlust, der nach Abkühlung wieder verschwindet
- b) Ein Verlust durch mechanischen Verschleiß der Magnete
- c) Ein Verlust durch elektrische Aufladung der Rotormagnete
- d) Ein dauerhafter Magnetisierungsverlust, auch nach Rückkehr zur Normaltemperatur
Richtig: d)
Irreversibel heißt: bleibender Schaden. Steigt die Temperatur so weit, dass die Magnetisierung über den Knick der Entmagnetisierungskurve kippt, fehlt nach dem Abkühlen ein Teil der Magnetisierung dauerhaft. Reversible Verluste sind ein anderer Effekt – sie verschwinden bei Abkühlung. Mechanischer Verschleiß spielt bei statischen Magneten keine Rolle. Eine elektrische Aufladung im Sinne eines Kondensators gibt es bei Permanentmagneten nicht.
Wie wird in der Praxis die Temperatur eines PMSM überwacht?
- a) Mit Drucksensoren im Kühlmittel
- b) Mit Temperatursensoren wie PT1000, KTY oder PTC in den Statorwicklungen
- c) Mit Strommessung im Rotor
- d) Über Berechnung aus der Drehzahl
Richtig: b)
Temperatursensoren in den Statorwicklungen sind Standard. Sie liefern Echtzeitwerte an den Regler oder Umrichter. Drucksensoren im Kühlmittel sagen wenig über die Wicklungstemperatur. Eine Rotorstrommessung ist beim PMSM ohnehin nicht möglich, da keine Wicklung im Rotor sitzt. Die Drehzahl allein liefert keine Temperaturinformation.
5. Synchrondrehzahl berechnen
Beim PMSM läuft der Rotor synchron zum Drehfeld. Die Drehzahl ergibt sich direkt aus der Frequenz der Statorspannung und der Polpaarzahl des Motors. Bevor es ans Rechnen geht, müssen zwei oft verwechselte Begriffe klar sein.
Polzahl und Polpaarzahl
Polzahl und Polpaarzahl sind nicht dasselbe.
Die Polzahl zählt alle magnetischen Pole, die der Rotor (oder das Drehfeld) hat – also alle Nordpole und alle Südpole zusammen. Sie wird mit 2p bezeichnet.
Die Polpaarzahl zählt die Paare aus je einem Nordpol und einem Südpol. Sie wird mit p bezeichnet.
Beispiel: Ein Rotor mit acht Magnetpolen – vier Nord- und vier Südpolen – hat eine Polzahl von 8 und eine Polpaarzahl von 4.
Für die Drehzahlformel zählt die Polpaarzahl p. Auf dem Typenschild des Motors steht je nach Hersteller die eine oder die andere Größe – manchmal nur „6-polig“, manchmal „p = 3″. Vor dem Einsetzen also genau prüfen, was angegeben ist. Eine Verwechslung führt zum doppelten oder halben Drehzahl-Ergebnis.
Die Synchrondrehzahl
Der Faktor 60 rechnet von Umdrehungen pro Sekunde auf Umdrehungen pro Minute um.
Damit ergeben sich für typische Polpaarzahlen bei 50 Hz Netzfrequenz folgende Synchrondrehzahlen:
| Polpaarzahl p | Polzahl 2p | Synchrondrehzahl bei 50 Hz |
|---|---|---|
| 1 | 2 | 3000 1/min |
| 2 | 4 | 1500 1/min |
| 3 | 6 | 1000 1/min |
| 4 | 8 | 750 1/min |
| 6 | 12 | 500 1/min |
Beim PMSM werden häufig höhere Polpaarzahlen verwendet als beim klassischen Asynchronmotor – Werte von 3 bis 6 sind typisch. Hohe Polpaarzahl bedeutet hohes Drehmoment bei kompakter Baugröße. Im Gegenzug muss der Frequenzumrichter bei gleicher Drehzahl eine entsprechend höhere Frequenz liefern.
n_syn = 60 * f / p
- n_syn … Synchrondrehzahl in 1/min
- f … Frequenz der Statorspannung in Hz
- p … Polpaarzahl
Gelöstes Beispiel
Ein PMSM-Servoantrieb hat 4 Polpaare und wird vom Umrichter mit 100 Hz versorgt. Welche Drehzahl stellt sich ein?
Gegeben: p = 4, f = 100 Hz
Gesucht: n_syn in 1/min
Lösungsweg:
- Formel anwenden: n_syn = 60 * f / p
- Werte einsetzen: n_syn = 60 * 100 / 4 = 1500 1/min
Ergebnis: n_syn = 1500 1/min
Übungen
Ein PMSM-Lüftermotor hat 3 Polpaare und wird mit 50 Hz versorgt. Welche Synchrondrehzahl ergibt sich?
n_syn = 60 · 50 / 3 = 1000 1/min
Ein Servoantrieb mit 4 Polpaaren soll eine Spindel mit 3000 1/min antreiben. Welche Frequenz muss der Umrichter liefern?
f = n · p / 60 = 3000 · 4 / 60 = 200 Hz
Ein PMSM-Hauptantrieb in einer CNC-Maschine hat eine Polzahl von 8 und läuft bei einer Umrichterfrequenz von 250 Hz. Welche Drehzahl stellt sich ein?
Polzahl 8 entspricht Polpaarzahl p = 4. n_syn = 60 · 250 / 4 = 3750 1/min
Ein E-Auto-Antrieb soll 9000 1/min erreichen. Der Motor hat 6 Polpaare. Welche Umrichterfrequenz ist nötig?
f = n · p / 60 = 9000 · 6 / 60 = 900 Hz
Ein PMSM-Pumpenantrieb läuft bei 60 Hz mit 600 1/min. Wie viele Polpaare und wie viele Pole hat der Motor?
p = 60 · f / n = 60 · 60 / 600 = 6 Polpaare; Polzahl 2p = 12
Wie hängen Polzahl und Polpaarzahl zusammen?
- a) Polzahl = Polpaarzahl
- b) Polzahl = Polpaarzahl + 1
- c) Polzahl = 2 · Polpaarzahl
- d) Polzahl = Polpaarzahl / 2
Richtig: c)
Jedes Polpaar besteht aus einem Nord- und einem Südpol. Die Polzahl 2p ist daher genau das Doppelte der Polpaarzahl p. Acht Pole entsprechen vier Polpaaren.
Ein PMSM mit Polpaarzahl 3 wird mit 50 Hz versorgt. Welche Synchrondrehzahl ergibt sich?
- a) 1500 1/min
- b) 1000 1/min
- c) 3000 1/min
- d) 750 1/min
Richtig: b)
n_syn = 60 · 50 / 3 = 1000 1/min. Bei 1 Polpaar wären es 3000 1/min, bei 2 Polpaaren 1500 1/min, bei 4 Polpaaren 750 1/min.
Was passiert mit der Drehzahl, wenn die Umrichterfrequenz verdoppelt wird?
- a) Drehzahl bleibt gleich
- b) Drehzahl halbiert sich
- c) Drehzahl verdoppelt sich
- d) Drehzahl steigt um den Faktor Polpaarzahl
Richtig: c)
Die Synchrondrehzahl ist direkt proportional zur Frequenz. Verdoppelte Frequenz bei gleicher Polpaarzahl ergibt doppelte Drehzahl. Daher ist der Umrichter das Werkzeug der Drehzahlverstellung beim PMSM.
6. Ansteuerung mit Frequenzumrichter
Der PMSM lässt sich nicht direkt an das Drehstromnetz schalten. Der Grund liegt im synchronen Lauf selbst: Der Rotor müsste aus dem Stillstand sofort mit Netzdrehzahl mitrotieren – das schafft er nicht. Das schnell rotierende Drehfeld läuft am stehenden Rotor vorbei, ein nutzbares mittleres Drehmoment entsteht nicht. Der Motor brummt, der Rotor steht.
Deshalb ist beim PMSM ein Frequenzumrichter immer Pflicht. Er liefert eine Drehspannung, deren Frequenz aus dem Stand kontinuierlich hochgefahren wird. Das Drehfeld dreht zu Beginn so langsam, dass der Rotor mitkommt. Die Frequenz steigt rampenförmig auf den Sollwert, der Rotor läuft synchron mit.
Rotorlage erfassen
Damit das funktioniert, muss der Umrichter zu jedem Zeitpunkt wissen, wo der Rotor magnetisch steht. Andernfalls bekommt der Stator den falschen Stromzeiger – das Drehmoment bricht zusammen oder kehrt sich um. Es gibt zwei Wege:
Mit Sensor: Ein Lagegeber – meist ein Inkremental- oder Absolutwertgeber, in Servoantrieben oft ein Resolver – meldet die mechanische Rotorposition direkt an den Umrichter. Das ist robust und präzise, kostet aber Bauteil, Verkabelung und Montageaufwand.
Sensorlos: Der Umrichter berechnet die Rotorlage aus den gemessenen Statorströmen und Spannungen über ein internes Motormodell. Bei mittleren und hohen Drehzahlen funktioniert das zuverlässig. Bei Drehzahl null oder sehr niedrigen Drehzahlen wird es schwierig, weil das vom Rotor induzierte Signal fehlt – hier kommen spezielle Suchverfahren mit Testpulsen zum Einsatz.
Feldorientierte Regelung
Die heute dominierende Regelstruktur ist die feldorientierte Regelung (FOC, Field-Oriented Control). Sie zerlegt den Statorstrom über eine Koordinatentransformation in zwei Komponenten:
- den drehmomentbildenden Anteil – quer zum Rotorfeld
- den feldbildenden Anteil – in Richtung des Rotorfelds
Diese Trennung ermöglicht eine dynamische Drehmoment- und Drehzahlregelung wie beim Gleichstrommotor – schnell, präzise und gut beherrschbar. Im Detail wird die FOC im Beitrag zur Servoregelung behandelt.
Abgrenzung zum BLDC-Motor
Mechanisch sehen PMSM und BLDC fast identisch aus – Permanentmagnete im Rotor, Drehstromwicklung im Stator. Der Unterschied liegt in der Bestromung. Der PMSM erhält sinusförmige Ströme und läuft entsprechend ruhig. Der BLDC wird blockförmig kommutiert (jeweils zwei der drei Stränge führen Strom), das Drehmoment hat dadurch eine charakteristische Welligkeit. Im Beitrag zum BLDC- / EC-Motor ist das ausführlich beschrieben.
Warum kann der PMSM nicht direkt am Netz anlaufen?
- a) Weil das Netz keine Drehspannung liefert
- b) Weil die Permanentmagnete bei Netzfrequenz entmagnetisiert werden
- c) Weil der Statorwiderstand zu hoch ist
- d) Weil der Rotor dem schnell drehenden Netzfeld aus dem Stand nicht folgen kann
Richtig: d)
Der Rotor müsste aus dem Stillstand sofort mit synchroner Drehzahl rotieren – mechanisch unmöglich. Das Drehfeld läuft am stehenden Rotor vorbei, ohne ein nutzbares mittleres Drehmoment zu erzeugen. Das Netz liefert sehr wohl Drehspannung. Entmagnetisierung im Anlauf ist nicht der Grund. Der Statorwiderstand ist nicht ausschlaggebend.
Warum braucht der Umrichter Informationen über die Rotorlage?
- a) Damit er die Statorströme passend zum Rotorfeld einspeist und ein Drehmoment erzeugt
- b) Damit er die Temperatur des Rotors berechnen kann
- c) Damit er die Drehzahl messen kann
- d) Damit er die Spannung an die Netzfrequenz anpasst
Richtig: a)
Drehmoment entsteht nur, wenn der Stromzeiger im Stator den richtigen Winkel zum Rotorfeld einnimmt. Ohne Rotorlage wäre die Stromrichtung Glückssache – das Drehmoment ließe sich nicht regeln. Drehzahl lässt sich auch ohne Lagewissen aus Frequenz und Polpaarzahl ablegen. Die Rotortemperatur wird über andere Sensoren oder Modelle bestimmt.
Was ist das Wesensmerkmal der feldorientierten Regelung (FOC)?
- a) Der Motor wird nur über die Frequenz gesteuert
- b) Der Statorstrom wird in einen drehmomentbildenden und einen feldbildenden Anteil zerlegt
- c) Die Regelung verwendet ausschließlich Spannungen, keine Ströme
- d) Die FOC funktioniert nur bei Asynchronmotoren
Richtig: b)
Die FOC zerlegt den Drehstrom über eine Koordinatentransformation in zwei Komponenten – einen, der Drehmoment bildet, und einen, der das Feld kontrolliert. Damit lässt sich das Drehmoment direkt regeln. Reine Frequenzsteuerung wäre U/f-Steuerung. Die Strommessung ist Bestandteil der FOC. Die FOC wird genauso bei PMSM, BLDC und auch bei Asynchronmotoren eingesetzt.
Wie unterscheidet sich die Bestromung eines PMSM von der eines BLDC-Motors?
- a) PMSM wird sinusförmig bestromt, BLDC blockförmig
- b) PMSM wird mit Gleichstrom, BLDC mit Wechselstrom betrieben
- c) PMSM benötigt keinen Umrichter, BLDC schon
- d) PMSM hat einen Wicklungsrotor, BLDC nicht
Richtig: a)
Beide haben Permanentmagnete im Rotor und Drehstromwicklungen im Stator. Der entscheidende Unterschied liegt in der Bestromungsform: PMSM sinusförmig, BLDC blockförmig. Beide brauchen einen Umrichter. Einen Wicklungsrotor hat keiner von beiden.
7. Eigenschaften und Anwendungen
Aus dem bisher Beschriebenen ergeben sich die typischen Stärken und Schwächen des PMSM.
Vorteile:
- Hoher Wirkungsgrad, weil die Erregerverluste der Wicklung entfallen und die Rotorverluste – kein Strom im Rotor – minimal sind.
- Hohe Leistungsdichte – viel Drehmoment in kleinem Bauvolumen. Das ist der Hauptgrund für den Einsatz im Fahrzeugbau.
- Gutes Drehmoment-Trägheits-Verhältnis – der Motor reagiert schnell auf Sollwertänderungen, was ihn für Servoantriebe prädestiniert.
- Wartungsarm – keine Schleifringe, keine Bürsten, kein Erregerstromkreis.
- Ruhiger Lauf durch sinusförmige Bestromung, geringe Drehmomentwelligkeit bei guter Wicklungsauslegung.
Nachteile:
- Teure Magnete, besonders NdFeB mit seinen Bestandteilen aus Seltenen Erden. Preis und Verfügbarkeit hängen von wenigen Liefermärkten ab.
- Temperaturempfindlichkeit mit Risiko der irreversiblen Entmagnetisierung.
- Frequenzumrichter zwingend nötig – nicht netzbetriebsfähig. Höhere Investition für das gesamte Antriebssystem.
- Sicherheitsfrage bei drehendem, aber stromlosem Motor: Die Permanentmagnete induzieren weiterhin eine Spannung in die Statorwicklungen, die EMK (elektromotorische Kraft). Beim Schleppen eines stromlosen PMSM oder bei Servicearbeiten an einem rotierenden Antrieb liegt an den Klemmen eine Spannung an. Das muss schaltungstechnisch und arbeitssicher beherrscht werden.
Typische Anwendungen
In der E-Mobilität ist der PMSM, meist in IPM-Bauform, der Standard-Traktionsmotor in Pkw, leichten Nutzfahrzeugen und vielen Zweirädern. Hoher Wirkungsgrad bedeutet mehr Reichweite, hohe Leistungsdichte sorgt für einen kompakten Antriebsstrang.
In der Automatisierung dominiert der PMSM-Servoantrieb. Industrieroboter, CNC-Maschinen, Verpackungsmaschinen, Werkzeugmaschinen-Hauptspindeln – überall dort, wo präzise Position, kontrolliertes Drehmoment und schnelle Dynamik gefragt sind, ist der Servo-PMSM Standard.
Aufzüge mit getriebelosen Antrieben (Direct-Drive) verwenden PMSM mit hoher Polpaarzahl. Die Maschine sitzt direkt auf der Treibscheibe, läuft langsam und mit hohem Drehmoment. Das spart Getriebe, Platz und Wartung.
In Pumpen, Lüftern und Klimaanlagen lösen PMSM-Antriebe zunehmend die klassischen Asynchronmotoren ab, weil die strengeren Effizienzklassen (IE3, IE4, IE5) mit Asynchrontechnik nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind.
Warum ist der Wirkungsgrad eines PMSM höher als der eines vergleichbaren Asynchronmotors?
- a) Weil der Stator weniger Kupferverluste hat
- b) Weil der PMSM nur bei optimaler Drehzahl arbeitet
- c) Weil keine Erregerverluste entstehen und kein Strom im Rotor fließt
- d) Weil die Permanentmagnete elektrische Energie speichern
Richtig: c)
Im Rotor des PMSM fließt kein Strom – Permanentmagnete liefern das Erregerfeld ohne Verluste. Beim Asynchronmotor wird im Läufer Strom induziert, der ohmsche Verluste erzeugt. Die Statorverluste sind vergleichbar. Magnete speichern keine elektrische Energie.
Welche Konsequenz hat die Permanentmagnet-Erregung im Servicefall?
- a) An den Motorklemmen liegt bei drehendem Rotor eine induzierte Spannung an
- b) Der Stator kann ohne weiteres kurzgeschlossen werden
- c) Der Rotor ist immer stromlos, also gefahrlos
- d) Der Motor erzeugt im stromlosen Zustand kein Magnetfeld
Richtig: a)
Solange der Rotor mit seinen Magneten dreht, induziert er Spannung in den Statorwicklungen – auch wenn der Umrichter abgeschaltet ist. Diese EMK liegt an den Klemmen und ist arbeitssicherheitlich relevant. Ein Kurzschluss erzeugt schlagartiges Bremsmoment und Lichtbogenrisiko. Das Rotorfeld ist permanent vorhanden, unabhängig vom Statorstrom.
Welche Anwendung ist typisch für einen PMSM in der Automatisierung?
- a) Antrieb einer Förderschnecke ohne Drehzahlregelung
- b) Notstromaggregat im Generatorbetrieb am Netz
- c) Direktanlauf einer großen Pumpe am 400-V-Drehstromnetz
- d) Hauptantrieb in CNC- und Robotik-Servoachsen
Richtig: d)
In Robotik und CNC sind Präzision und Dynamik gefragt – genau das Stärkenprofil eines PMSM-Servoantriebs. Eine ungeregelte Förderschnecke ist Standardterrain für Asynchronmotoren mit konstanter Drehzahl. Direktanlauf am Netz ist beim PMSM nicht möglich. Im klassischen Notstromaggregat am Netz arbeitet üblicherweise ein erregter Synchrongenerator.
Warum sind PMSM-Antriebe in modernen Pumpen verbreitet?
- a) Weil sie Wasser schneller fördern als Asynchronmotoren
- b) Weil sie die strengen IE-Effizienzklassen mit weniger Verlusten erreichen
- c) Weil sie keinen Umrichter benötigen
- d) Weil sie geräuschlos laufen
Richtig: b)
Höhere Effizienzklassen wie IE4 und IE5 lassen sich mit Asynchrontechnik schwer oder gar nicht erreichen. PMSM-Antriebe schaffen das mit geringeren Verlusten. Die Förderleistung hängt von Drehzahl und Geometrie ab, nicht vom Motortyp allein. Der Umrichter ist immer dabei. Geräuschlos ist kein Motor, leiser je nach Auslegung möglich.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein PMSM-Servoantrieb hat eine Polpaarzahl von 4. Der Umrichter liefert eine Statorfrequenz von 75 Hz. Welche Drehzahl stellt sich ein?
Gegeben: p = 4, f = 75 Hz
Gesucht: n_syn in 1/min
Lösungsweg:
- Formel anwenden: n_syn = 60 * f / p
- Werte einsetzen: n_syn = 60 * 75 / 4 = 1125 1/min
Ergebnis: n_syn = 1125 1/min
Aufgabe 2: Ein PMSM-Hauptantrieb soll eine Werkzeugspindel mit 6000 1/min antreiben. Der Motor hat 3 Polpaare. Welche Frequenz muss der Umrichter liefern?
Gegeben: n_syn = 6000 1/min, p = 3
Gesucht: f in Hz
Lösungsweg:
- Formel umstellen: f = n_syn * p / 60
- Werte einsetzen: f = 6000 * 3 / 60 = 300 Hz
Ergebnis: f = 300 Hz
Aufgabe 3: Ein PMSM hat 12 Pole und wird mit einer Frequenz von 80 Hz versorgt. Wie hoch ist die Drehzahl?
Gegeben: Polzahl 2p = 12, daraus p = 6, f = 80 Hz
Gesucht: n_syn in 1/min
Lösungsweg:
- Polpaarzahl aus Polzahl bestimmen: p = 2p / 2 = 12 / 2 = 6
- Formel anwenden: n_syn = 60 * f / p = 60 * 80 / 6 = 800 1/min
Ergebnis: n_syn = 800 1/min
Aufgabe 4: Ein E-Auto-Antriebsmotor läuft bei 15.000 1/min mit einer Umrichterfrequenz von 1000 Hz. Wie viele Polpaare und wie viele Pole hat der Motor?
Gegeben: n_syn = 15.000 1/min, f = 1000 Hz
Gesucht: p und 2p
Lösungsweg:
- Formel nach p umstellen: p = 60 * f / n_syn
- Werte einsetzen: p = 60 * 1000 / 15.000 = 4 Polpaare
- Polzahl bestimmen: 2p = 2 * 4 = 8 Pole
Ergebnis: p = 4 Polpaare, 2p = 8 Pole
Welches Bauteil ersetzt beim PMSM die Erregerwicklung des klassischen Synchronmotors?
- a) Ein Kondensator
- b) Eine zusätzliche Wicklung im Stator
- c) Permanentmagnete im Rotor
- d) Ein Schleifringläufer
Richtig: c)
Permanentmagnete übernehmen die Aufgabe der Erregerwicklung. Sie liefern das Rotorfeld ohne Strom und ohne Schleifringe. Ein Kondensator hat im PMSM keine vergleichbare Funktion. Eine Statorwicklung erzeugt das Drehfeld, nicht das Erregerfeld. Schleifringläufer ist ein Konzept des Asynchronmotors.
Beim IPM-Motor (Interior PM) entsteht zusätzlich zum Magnetmoment ein zweiter Drehmomentanteil. Wie heißt er?
- a) Wirbelstrommoment
- b) Schlupfmoment
- c) Polradmoment
- d) Reluktanzmoment
Richtig: d)
Das Reluktanzmoment entsteht durch die unterschiedliche magnetische Leitfähigkeit in d- und q-Richtung des Rotors. Das Wirbelstrommoment wirkt bremsend und ist hier nicht gemeint. Schlupfmoment gibt es beim Asynchronmotor, nicht beim Synchronmotor. Der Polradwinkel beschreibt den Lagewinkel, kein eigener Momentenanteil.
Welche Aussage zur Beziehung zwischen Polzahl und Polpaarzahl ist korrekt?
- a) Bei 8 Polen hat der Motor 8 Polpaare
- b) Bei 8 Polen hat der Motor 4 Polpaare
- c) Bei 8 Polen hat der Motor 16 Polpaare
- d) Polzahl und Polpaarzahl sind identisch
Richtig: b)
Polzahl 2p ist immer das Doppelte der Polpaarzahl p, weil jedes Polpaar einen Nord- und einen Südpol enthält. 8 Pole entsprechen 4 Polpaaren. Identisch sind die beiden Größen nur, wenn man die Begriffe verwechselt.
Warum benötigt der PMSM zwingend einen Frequenzumrichter?
- a) Weil das Netz keine ausreichende Spannung liefert
- b) Weil der Motor aus dem Stillstand nicht synchron auf das Netzdrehfeld aufspringen kann
- c) Weil die Permanentmagnete eine Gleichspannung benötigen
- d) Weil der Wirkungsgrad sonst zu niedrig ist
Richtig: b)
Synchroner Lauf erfordert, dass der Rotor mit der Drehfeldfrequenz mitdreht. Aus dem Stillstand kann er das nicht – das Drehfeld läuft am stehenden Rotor vorbei. Der Umrichter fährt die Frequenz von null hoch, dann kann der Rotor folgen. Netzspannung ist nicht das Problem. Permanentmagnete brauchen keinen Strom. Der Wirkungsgrad ist hier kein Argument.
Welcher Werkstoff hat unter den genannten die höchste Energiedichte für Permanentmagnete?
- a) Neodym-Eisen-Bor (NdFeB)
- b) Aluminium-Nickel-Cobalt
- c) Ferrit
- d) Weichmagnetisches Eisen
Richtig: a)
NdFeB liefert die höchste Energiedichte der genannten Materialien und ist daher Standard in leistungsdichten Anwendungen wie E-Antrieben. Ferrit ist günstig, aber deutlich schwächer. AlNiCo hat brauchbare Energiedichten, ist aber durch Gegenfelder leichter entmagnetisierbar. Weichmagnetisches Eisen ist gar kein Permanentmagnet.
Was bedeutet die Aussage „Der PMSM hat im stromlosen Zustand eine EMK an den Klemmen“?
- a) Der Statorwiderstand erzeugt eine Spannungsspitze
- b) Die Permanentmagnete induzieren bei drehendem Rotor eine Spannung in die Statorwicklung
- c) Eine elektrostatische Aufladung des Rotors
- d) Es liegt eine permanente Gleichspannung an
Richtig: b)
Solange der Rotor dreht, ziehen seine Magnete an den Statorwicklungen vorbei und induzieren eine Wechselspannung – die elektromotorische Kraft (EMK). Diese Spannung ist auch ohne Umrichterversorgung präsent. Der Statorwiderstand erzeugt keine Spannung von sich aus. Elektrostatik spielt hier keine Rolle. Es ist eine Wechselspannung, keine Gleichspannung.
Welche Bauform wird bevorzugt im Traktionsantrieb von Elektrofahrzeugen eingesetzt?
- a) Interior PM (IPM)
- b) Surface-Mounted PM (SPM)
- c) Reluktanzmotor ohne Magnete
- d) Käfigläufer mit Permanentmagneten
Richtig: a)
IPM bietet hohen Drehzahlbereich, Feldschwächung und nutzt zusätzlich das Reluktanzmoment aus – ideal für den weiten Drehzahlbereich eines E-Antriebs. SPM ist für Servoantriebe mit moderaten Drehzahlen typisch. Reine Reluktanzmotoren sind eine eigene Bauart ohne Magnete. Ein Käfigläufer mit Permanentmagneten ist keine PMSM-Bauform.
Warum sinkt die magnetische Wirkung eines Permanentmagneten bei steigender Temperatur?
- a) Die Koerzitivfeldstärke und Remanenz nehmen mit der Temperatur ab
- b) Der elektrische Widerstand der Magnete steigt
- c) Die Magnete verlieren Masse durch Verdunstung
- d) Der Stator zieht das Feld stärker ein
Richtig: a)
Mit der Temperatur sinken sowohl Koerzitivfeldstärke als auch Remanenz – das ist eine Materialeigenschaft der ferromagnetischen Werkstoffe. Bei sehr hohen Temperaturen droht zusätzlich irreversible Entmagnetisierung. Der elektrische Widerstand spielt für die Magnetisierung keine Rolle. Verdunstung gibt es bei festen Magneten nicht. Der Stator beeinflusst das Magnetfeld nicht durch eigene Anziehung.
Welche Aussage zur feldorientierten Regelung (FOC) trifft zu?
- a) Sie funktioniert nur mit Asynchronmotoren
- b) Sie zerlegt den Statorstrom in einen feldbildenden und einen drehmomentbildenden Anteil
- c) Sie ersetzt den Umrichter durch eine einfache Drehzahlregelung
- d) Sie benötigt keine Information über die Rotorlage
Richtig: b)
Die FOC ist die heute dominierende Regelstruktur für PMSM, BLDC und Asynchronmotoren. Sie erlaubt die getrennte Regelung von Drehmoment und Fluss. Rotorlage ist zwingend nötig – ob mit Geber oder sensorlos. Der Umrichter ist Voraussetzung, kein Ersatz.
Welche Temperaturüberwachung ist beim PMSM in der Praxis Standard?
- a) Drucksensoren im Statorgehäuse
- b) Strommessung im Rotor
- c) Berechnung aus der Drehzahl
- d) Temperatursensoren wie PT1000, KTY oder PTC in den Statorwicklungen
Richtig: d)
In den Statorwicklungen eingebaute Temperatursensoren liefern Echtzeitwerte. Der Frequenzumrichter wertet die Daten aus und schaltet bei Überschreiten der Grenztemperatur ab. Druck im Gehäuse sagt nichts über die Wicklungstemperatur. Rotorströme gibt es beim PMSM nicht. Die Drehzahl ist temperaturunabhängig.
Warum werden im PMSM oft höhere Polpaarzahlen verwendet als im klassischen Asynchronmotor?
- a) Um die Lautstärke zu verringern
- b) Um die Umrichterfrequenz zu reduzieren
- c) Um die Spannung zu erhöhen
- d) Um bei kompakter Baugröße ein hohes Drehmoment zu erreichen
Richtig: d)
Höhere Polpaarzahl bedeutet bei gleicher Drehzahl höhere Drehmomentdichte – ein wesentlicher Grund für den Einsatz im E-Antrieb und in direkt angetriebenen Maschinen. Lautstärke hängt von der Auslegung ab. Die Umrichterfrequenz steigt durch hohe Polpaarzahl bei gleicher Drehzahl, sie sinkt nicht. Die Spannung ist davon nicht direkt betroffen.
Wie unterscheidet sich der PMSM von einem BLDC-Motor in der Bestromung?
- a) PMSM wird mit Gleichstrom, BLDC mit Wechselstrom betrieben
- b) PMSM hat eine zusätzliche Erregerwicklung im Rotor
- c) PMSM wird sinusförmig, BLDC blockförmig bestromt
- d) PMSM benötigt eine Hilfsphase, BLDC nicht
Richtig: c)
Beide haben Permanentmagnete im Rotor und drei Statorstränge. Der Unterschied liegt in der Ansteuerung: sinusförmig beim PMSM für ruhigen Lauf, blockförmig beim BLDC mit charakteristischer Drehmomentwelligkeit. Gleichstrombetrieb spielt bei keinem von beiden eine direkte Rolle. Hilfsphase oder Erregerwicklung im Rotor gibt es bei keiner Bauform.
Glossar
- PMSM
- Permanentmagnet-Synchronmotor; Synchronmotor, dessen Rotor durch Permanentmagnete erregt wird statt durch eine Erregerwicklung.
- SPM
- Surface-Mounted Permanent Magnet; Bauform mit auf der Rotoroberfläche aufgebrachten Permanentmagneten, bei hohen Drehzahlen mit Bandage gesichert.
- IPM
- Interior Permanent Magnet; Bauform mit im Rotorblechpaket eingebetteten Permanentmagneten, oft V-förmig angeordnet, ermöglicht Reluktanzmoment und Feldschwächung.
- Polradwinkel
- Winkel zwischen Statorfeld und Rotorfeld im laufenden Motor; bestimmt das abgegebene Drehmoment und wächst mit der Last.
- Reluktanzmoment
- Drehmomentanteil, der durch die unterschiedliche magnetische Leitfähigkeit in Längs- und Querrichtung des Rotors entsteht; beim IPM signifikanter Anteil am Gesamtdrehmoment.
- Polzahl
- Anzahl aller magnetischen Pole im Motor, mit 2p bezeichnet; doppelt so groß wie die Polpaarzahl.
- Polpaarzahl
- Anzahl der Nord-Süd-Polpaare im Motor, mit p bezeichnet; geht direkt in die Berechnung der Synchrondrehzahl ein.
- EMK
- Elektromotorische Kraft; vom drehenden Rotor in den Statorwicklungen induzierte Spannung, die auch bei abgeschaltetem Umrichter an den Klemmen anliegt.
- Feldorientierte Regelung (FOC)
- Regelverfahren, das den Statorstrom in einen drehmoment- und einen feldbildenden Anteil zerlegt und damit eine dynamische Drehmoment- und Drehzahlregelung ermöglicht.
- Irreversible Entmagnetisierung
- Dauerhafter Verlust der Magnetisierung infolge zu hoher Temperatur oder gegenwirkender Felder; durch Abkühlung nicht rückgängig zu machen.
- Resolver
- Lagegeber, der die mechanische Rotorposition auf elektromagnetischem Weg erfasst; in robusten Servoanwendungen verbreitet.
- Remanenz
- Verbleibende magnetische Flussdichte eines Permanentmagneten ohne äußeres Feld; Maß für die „Stärke“ des Magneten.
- Koerzitivfeldstärke
- Gegenfeld, das nötig ist, um einen Permanentmagneten zu entmagnetisieren; Maß für die Widerstandsfähigkeit gegen Entmagnetisierung.
