BLDC- / EC-Motor – elektronisch kommutiert

In fast jedem CPU-Lüfter, in den meisten E-Bikes, in Drohnen und in modernen Elektrofahrzeugen steckt dieselbe Motorbauart: der bürstenlose Permanentmagnet-Motor. Je nachdem, wer ihn beschreibt, heißt er BLDC-Motor oder EC-Motor – gemeint ist im Wesentlichen dasselbe. Was diese Motoren auszeichnet, ist eine Elektronik, die das übernimmt, was beim klassischen Gleichstrommotor mechanisch über Kohlebürsten und Kommutator passiert: das passende Umpolen des Stroms in den Wicklungen, abgestimmt auf die Stellung des Rotors.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie ein BLDC-Motor aufgebaut ist, wie die Steuerelektronik im richtigen Moment den richtigen Strang schaltet, und wodurch sich der „BLDC“ eigentlich vom PMSM unterscheidet, mit dem er konstruktiv eng verwandt ist.

Vorwissen

  • Drehfeld
  • Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM)
  • Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Aufbau eines BLDC-/EC-Motors mit Stator, Permanentmagnet-Rotor und Hall-Sensoren beschreiben
  • erklären, wie die B6-Brücke und der 6-Schritt-Zyklus das Statordrehfeld erzeugen
  • aus Kommutierungsfrequenz und Polpaarzahl die mechanische Drehzahl berechnen
  • mit Drehmomentkonstante und Spannungskonstante Drehmoment und induzierte Spannung quantitativ einschätzen
  • den Unterschied zwischen Block- und Sinuskommutierung benennen und damit BLDC gegen PMSM abgrenzen
  • typische Einsatzgebiete sowie Stärken und Schwächen gegenüber Gleichstrom- und Asynchronmotor einordnen

1. BLDC und EC-Motor – was sich hinter den Namen verbirgt

BLDC steht für Brushless DC, also bürstenloser Gleichstrommotor. EC-Motor ist die Abkürzung für Electronically Commutated Motor. Beide Begriffe beschreiben dieselbe Grundidee: ein Motor mit Permanentmagnet-Rotor, dessen Statorwicklungen von einer Elektronik so geschaltet werden, dass im Stator ein umlaufendes Magnetfeld entsteht. Welcher Begriff verwendet wird, ist eher Tradition als Technik – „EC-Motor“ ist in der Lüfter- und HVAC-Pumpentechnik üblicher, „BLDC“ in der Modellbau-, E-Bike- und Antriebstechnik.

Der Vergleich mit dem klassischen Gleichstrommotor liegt nahe und hat der Bauart auch ihren Namen gegeben. Beim Gleichstrommotor sitzen die stromdurchflossenen Spulen im Rotor; Kohlebürsten und ein Kommutator polen den Strom mechanisch in dem Moment um, in dem er an der nächsten Polteilung vorbeiläuft. Beim BLDC ist die Anordnung umgekehrt: die Wicklungen sitzen fest im Stator, der Rotor trägt nur Permanentmagnete, und das Umschalten übernimmt eine Halbleiterelektronik. Die Eigenschaft „verhält sich von außen wie ein Gleichstrommotor, ist aber bürstenlos“ hat den Namen geprägt. Die Funktionsweise des klassischen Gleichstrommotors ist im Beitrag „Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion“ beschrieben.

Konstruktiv unterscheidet sich der BLDC oft nicht von einem Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM). Der Unterschied liegt im Detail des magnetischen Aufbaus, im Verlauf der induzierten Spannung und vor allem in der Art der Ansteuerung. Darauf gehen wir in Kapitel 5 genauer ein; der eigene Beitrag „Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM)“ beleuchtet die PMSM-Seite tiefer.

Ein point, der oft übersehen wird: Obwohl im Namen „DC“ steckt, fließt im Stator selbst kein Gleichstrom. Die B6-Brücke makes aus der Gleichspannung der Quelle eine blockförmige Wechselspannung mit drei Strängen – elektrisch gesehen ist der Motor ein dreiphasiger Synchronmotor. „DC“ bezieht sich nur auf die Versorgung der Elektronik.

Wofür stehen die Abkürzungen BLDC und EC in der Antriebstechnik?

  • a) Battery-Less Direct Current bzw. Energy Conversion
  • b) Brushless DC bzw. Electronically Commutated
  • c) Bipolar Linear Drive Controller bzw. Electric Continuous
  • d) Brushed Low-Density Coil bzw. External Commutation

Richtig: b)

BLDC steht für Brushless DC (bürstenloser Gleichstrommotor), EC für Electronically Commutated. Beide Begriffe meinen denselben Motortyp.

Worin liegt der wesentliche konstruktive Unterschied zwischen einem klassischen Gleichstrommotor und einem BLDC-Motor?

  • a) Der BLDC besitzt grundsätzlich ein Getriebe, der Gleichstrommotor nicht
  • b) Der Gleichstrommotor läuft asynchron, der BLDC synchron mit dem Netz
  • c) Beim BLDC sitzen die Wicklungen im Stator und der Rotor trägt Permanentmagnete, beim Gleichstrommotor ist es umgekehrt
  • d) Der BLDC arbeitet ohne Magnetfeld, der Gleichstrommotor mit Permanentmagneten

Richtig: c)

Beim Gleichstrommotor sind die stromführenden Wicklungen im rotierenden Anker; Bürsten und Kommutator polen den Strom mechanisch um. Beim BLDC is die Anordnung „umgedreht“: Wicklungen im Stator, Permanentmagnete im Rotor, Umschaltung elektronisch.

2. Aufbau: Stator, Rotor und Hall-Sensoren

Der Stator eines BLDC-Motors entspricht in seinem Grundaufbau dem eines kleinen Drehstrommotors: ein lamelliertes Blechpaket mit Nuten, in denen drei räumlich um 120° versetzte Wicklungsstränge eingelegt sind. Diese Stränge tragen die Bezeichnungen U, V und W und können je nach Auslegung im Stern oder im Dreieck verschaltet sein. In der Praxis dominiert die Sternschaltung mit zugänglichem Sternpunkt, weil sich daran sensorlose Verfahren leichter umsetzen lassen (siehe Kapitel 6).

Der Rotor unterscheidet sich dagegen deutlich von einem Asynchronmotor. Statt eines Käfigs oder einer Erregerwicklung trägt er Permanentmagnete, üblicherweise aus Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) für hohe Leistungsdichte oder aus Ferrit, wenn Kosten wichtiger sind als Baugröße. Die Magnete sind so angeordnet, dass sich Nord- und Südpole am Umfang abwechseln. Die Anzahl der Polpaare bestimmt, wie viele elektrische Umdrehungen für eine mechanische Umdrehung nötig sind:

p … Polpaarzahl (Anzahl der Nord-Süd-Pol-Paare)

  • Bei p Polpaaren entspricht eine mechanische Umdrehung genau p elektrischen Umdrehungen.

Zwei Bauformen sind in der Praxis verbreitet. Beim Innenläufer dreht der magnetische Rotor innerhalb des Stators – das ist die klassische Anordnung und liefert die schnellsten Beschleunigungswerte bei geringer Massenträgheit. Beim Außenläufer umschließt eine glockenförmige Rotor-Konstruktion den feststehenden Stator von außen; die Magnete sitzen an der Innenseite dieser Glocke. Außenläufer haben durch ihren größeren Magnetdurchmesser ein höheres Drehmoment bei gleicher Baulänge, dafür eine größere Massenträgheit. CPU-Lüfter und Drohnen-Motoren sind typische Außenläufer; hochdynamische Antriebe in Werkzeugmaschinen oder Servoanwendungen meist Innenläufer.

Damit die Elektronik weiß, in welchem Moment sie den nächsten Schaltschritt einleiten muss, braucht sie eine Information über die aktuelle Rotorlage. In der klassischen BLDC-Ausführung übernehmen das drei Hall-Sensoren, jeweils um 120° elektrisch zueinander versetzt am Statorinnendurchmesser montiert. Jeder Sensor liefert ein digitales Signal, das angibt, ob gerade ein Nord- oder ein Südpol an ihm vorbeiläuft. Aus der Kombination der drei Sensorsignale ergeben sich sechs eindeutige Zustände pro elektrischer Umdrehung – genau die Zahl von Schaltschritten, die ein 3-Strang-System braucht.

U U V V W W N S H1 H2 H3 BLDC-Motor – Querschnitt U/V/W = Statorstränge | N/S = Rotor-Permanentmagnete | H1/H2/H3 = Hall-Sensoren

Welche Aufgabe haben Hall-Sensoren in einem klassischen BLDC-Motor?

  • a) Sie messen die Temperatur der Statorwicklungen
  • b) Sie regeln den Strom durch die Permanentmagnete
  • c) Sie liefern der Steuerelektronik die Information über die aktuelle Rotorlage
  • d) Sie wandeln Wärme in elektrische Energie um

Richtig: c)

Hall-Sensoren detektieren das Magnetfeld der vorbeilaufenden Rotorpole. Aus der Kombination der drei Sensoren ergeben sich sechs Zustände pro elektrischer Umdrehung – der Controller kennt damit zu jedem Zeitpunkt die ungefähre Rotorlage und kann den nächsten Schaltschritt der B6-Brücke einleiten.

Wodurch unterscheidet sich ein Außenläufer-BLDC von einem Innenläufer-BLDC?

  • a) Beim Außenläufer dreht das Statorblechpaket, der Rotor steht still
  • b) Außenläufer haben keine Hall-Sensoren, Innenläufer schon
  • c) Innenläufer arbeiten mit Wechselstrom, Außenläufer mit Gleichstrom
  • d) Beim Außenläufer sitzt der Permanentmagnet-Rotor um den Stator herum, beim Innenläufer dreht der Rotor innerhalb des Stators

Richtig: d)

Beide Bauformen funktionieren elektrisch identisch. Der Unterschied ist konstruktiv: Innenläufer haben den klassischen Aufbau mit Rotor in der Mitte. Beim Außenläufer (typisch für Lüfter und Drohnen) umschließt eine glockenförmige Rotor-Konstruktion mit innen aufgeklebten Magneten den feststehenden Stator. Hall-Sensoren gibt es in beiden Bauformen, und die Stromart in den Wicklungen ist immer dieselbe blockförmige Wechselgröße.

3. Elektronische Kommutierung – B6-Brücke und 6-Schritt-Zyklus

Die zentrale Komponente, die einen BLDC-Motor erst zum Laufen bringt, ist die B6-Brücke – eine dreiphasige Wechselrichterbrücke aus sechs Halbleiterschaltern. Üblicherweise kommen MOSFETs (in der Kleinleistung bis einige Kilowatt) oder IGBTs (ab einigen Kilowatt aufwärts) zum Einsatz. Die Brücke wird aus einer Gleichspannungsquelle gespeist – einer Batterie, einem Akku oder einem gleichgerichteten Netzstrom – und schaltet diese Spannung in einer festgelegten Reihenfolge auf die drei Stränge U, V und W.

Das Grundprinzip ist erstaunlich einfach: In jedem Schritt fließt Strom durch genau zwei der drei Stränge, der dritte ist abgeschaltet. Der obere Schalter einer Halbbrücke legt positives Potenzial auf einen Strang, der untere Schalter einer anderen Halbbrücke legt negatives Potenzial auf einen anderen Strang. Der Strom fließt durch beide Stränge in Reihe und ruft im Stator einen magnetischen Fluss in einer bestimmten räumlichen Richtung hervor.

+ U_DC T1 T4 U T2 T5 V T3 T6 W B6-Wechselrichterbrücke für BLDC-Motor T1, T2, T3 = obere Schalter (high-side) | T4, T5, T6 = untere Schalter (low-side) | U, V, W = Statorstränge

Eine grundsätzliche Frage bleibt noch offen: Warum muss der Controller im exakt richtigen Moment schalten? Die Antwort liegt in einer physikalischen Tatsache: Das Drehmoment, das ein Magnetfeld auf den Rotor ausübt, ist proportional zum Sinus des Winkels zwischen Statorfeld und Rotorfeld. Sind beide Felder gleichgerichtet, ist sin(0°) = 0 – kein Drehmoment. Stehen sie senkrecht zueinander, ist sin(90°) = 1 – maximales Drehmoment. Aus diesem Grund versucht der Controller, den Statorfeld-Vektor immer so zu schalten, dass er dem Rotorfeld-Vektor um 90° elektrisch voreilt. Beim 6-Schritt-Verfahren springt der Stator-Vektor in 60°-Schritten weiter, sodass der Voreilungswinkel zwischen 60° und 120° pendelt – im Mittel knapp an den 90°, daher die nahezu maximale Drehmomenterzeugung.

Die Zuordnung von Hall-Sensorsignalen zu Schaltzuständen lässt sich kompakt als Tabelle darstellen. Eine typische Sequenz für die Drehung im Uhrzeigersinn:

SchrittH1H2H3UVWAktive Schalter
1101+ausT1, T5
2100+ausT1, T6
3110aus+T2, T6
4010+ausT4, T2
5011aus+T4, T3
6001aus+T5, T3

Nach Schritt 6 beginnt die Sequenz von vorn – eine elektrische Umdrehung ist abgeschlossen. Eine Drehrichtungsumkehr ist denkbar einfach: Die Reihenfolge der Schritte wird gespiegelt, also 6, 5, 4, 3, 2, 1. Mechanisches Umverdrahten, wie es bei Drehstrommotoren am Klemmenbrett nötig ist, entfällt – die Software erledigt das.

Wie viele Halbleiterschalter sind in einer B6-Brücke zur Ansteuerung eines BLDC-Motors verbaut?

  • a) Sechs, in drei Halbbrücken zu je zwei Schaltern
  • b) Vier, in einer einzigen H-Brücke
  • c) Drei, einer pro Strang
  • d) Zwölf, je sechs für oben und unten

Richtig: a)

Drei Halbbrücken, jede mit einem oberen (high-side) und einem unteren (low-side) Schalter, ergeben sechs Schalter. Vier Schalter wären eine H-Brücke, wie sie bei klassischen Gleichstrom- oder Universalmotoren zum Einsatz kommt – für drei Stränge reicht das nicht.

Wie viele aktive Schaltzustände durchläuft die B6-Brücke pro elektrischer Umdrehung beim 6-Schritt-Verfahren?

  • a) Drei
  • b) Sechs
  • c) Zwölf
  • d) Zwei

Richtig: b)

Bei drei Strängen und der Regel „Strom durch zwei der drei Stränge“ gibt es sechs sinnvolle Kombinationen (Hin- und Rückrichtung in jedem Strangpaar). Diese sechs Zustände werden nacheinander durchlaufen, daher die Bezeichnung „6-Schritt-Kommutierung“.

Welche Rolle spielt der elektrische Voreilungswinkel zwischen Stator- und Rotorfeld bei der Drehmomenterzeugung im BLDC?

  • a) Der Voreilungswinkel hat keinen Einfluss auf das Drehmoment
  • b) Das Drehmoment is maximal, wenn beide Felder exakt gleichgerichtet sind
  • c) Je höher die Voreilung, desto kleiner das Drehmoment ohne Ausnahme
  • d) Das Drehmoment ist am größten, wenn das Statorfeld dem Rotorfeld elektrisch um 90° voreilt

Richtig: d)

Das Drehmoment ist proportional zum Sinus des Winkels zwischen Stator- und Rotorfeld. Bei 0° (gleichgerichtet) ist sin(0°) = 0 – kein Drehmoment. Bei 90° ist sin(90°) = 1 – maximales Drehmoment. Der Controller schaltet die Stator-Stränge so, dass der Voreilungswinkel möglichst nahe an 90° bleibt. Beim 6-Schritt-Verfahren springt der Stator-Vektor in 60°-Schritten, der Voreilungswinkel pendelt dadurch zwischen 60° und 120°.

4. Drehzahl, Drehmoment und Kennwerte

Die mechanische Drehzahl eines BLDC-Motors hängt direkt von der Kommutierungsfrequenz – also der elektrischen Frequenz, mit der der Controller die Stränge umschaltet – und der Polpaarzahl ab:

n = (60 · f) / p

  • n … mechanische Drehzahl in 1/min
  • f … Kommutierungsfrequenz in Hz
  • p … Polpaarzahl (dimensionslos)

Anders als beim Asynchronmotor gibt es keinen Schlupf – ein Permanentmagnet-Synchronmotor läuft im stationären Zustand exakt synchron mit dem vom Stator erzeugten Drehfeld. Der Controller bestimmt also über die Schaltfrequenz direkt die Drehzahl.

Das Drehmoment ist im Wesentlichen eine Funktion des Stromes. Im linearen Arbeitsbereich gilt:

M = k_T · I

  • M … mechanisches Drehmoment in Nm
  • k_T … Drehmomentkonstante in Nm/A
  • I … Strangstrom in A

Die Drehmomentkonstante kT ist eine Eigenschaft des Motors, die im Datenblatt angegeben wird. Sie hängt von der Magnetstärke und der Wicklungsgeometrie ab. Verdoppelt sich der Strom, verdoppelt sich näherungsweise auch das Drehmoment – das gilt, solange der Magnet nicht in die Sättigung gerät und die Wicklung thermisch nicht überlastet wird.

Eng verwandt ist die Spannungskonstante kE, die den Zusammenhang zwischen Drehzahl und induzierter Gegenspannung (Gegen-EMK, Back-EMF) beschreibt:

U_i = k_E · n

  • U_i … induzierte Spannung in V
  • k_E … Spannungskonstante in V·min
  • n … mechanische Drehzahl in 1/min

Im SI-System sind kT und kE bei einem idealen, verlustfreien Permanentmagnetmotor zahlenmäßig identisch (bezogen auf die mechanische Winkelgeschwindigkeit). In Datenblättern findet sich oft auch der Kehrwert von kE, die sogenannte kV-Konstante (Einheit 1/min/V) – sie gibt an, wie viele Umdrehungen pro Minute der Motor pro Volt Klemmenspannung im Leerlauf macht.

Die Drehmoment-Drehzahl-Kennlinie eines BLDC verläuft in einem weiten Bereich nahezu flach: bis zum Nennpunkt liefert der Motor näherungsweise konstantes Drehmoment, darüber bricht die Kennlinie steil ab. Der genaue Verlauf von M-n-Kennlinien wird im eigenen Beitrag „Motorkenngrößen: M-n-Kennlinie, Drehmoment, Leistung“ behandelt.

Gelöstes Beispiel

Ein BLDC-Motor in einem E-Bike-Antrieb hat 14 Pole (also 7 Polpaare). Der Controller schaltet mit einer Kommutierungsfrequenz von 80 Hz. Wie schnell dreht sich der Motor mechanisch?

Gegeben: Polpaarzahl p = 7, Kommutierungsfrequenz f = 80 Hz

Gesucht: mechanische Drehzahl n in 1/min

Lösungweg:

  1. Synchrondrehzahlformel ansetzen: n = 60 · f / p
  2. Werte einsetzen: n = 60 · 80 / 7 = 4800 / 7 ≈ 685.7 1/min

Ergebnis: n ≈ 686 1/min

Übungen

Ein 4-poliger BLDC-Motor wird mit 150 Hz Kommutierungsfrequenz angesteuert. Berechne die mechanische Drehzahl.

p = 2; n = 60·150/2 = 4500 1/min

Ein BLDC mit Drehmomentkonstante kT = 0.08 Nm/A trägt einen Strangstrom von 12 A. Welches Drehmoment wird im linearen Bereich entwickelt?

M = kT · I = 0.08 · 12 = 0.96 Nm

Ein BLDC dreht mit 4200 1/min. Die Spannungskonstante ist kE = 0.012 V·min. Berechne die induzierte Spannung (BEMF).

U_i = kE · n = 0.012 · 4200 = 50.4 V

Welche Kommutierungsfrequenz muss ein 6-poliger BLDC-Motor erhalten, um mechanisch mit 3000 1/min zu drehen?

p = 3; aus n = 60·f/p folgt f = n·p/60 = 3000·3/60 = 150 Hz

Ein BLDC läuft mit n = 5000 1/min. Drehmomentkonstante kT = 0.06 Nm/A, Spannungskonstante kE = 0.006 V·min. Welcher Strangstrom ist nötig, um ein Drehmoment von 3 Nm zu erzeugen, und welche induzierte Spannung stellt sich dabei ein?

I = M / kT = 3 / 0.06 = 50 A; U_i = kE · n = 0.006 · 5000 = 30 V

Ein 4-poliger BLDC-Motor (p = 2 Polpaare) wird mit einer Kommutierungsfrequenz von 200 Hz angesteuert. Welche mechanische Drehzahl stellt sich ein?

  • a) 6000 1/min
  • b) 12000 1/min
  • c) 3000 1/min
  • d) 100 1/min

Richtig: a)

n = 60 · f / p = 60 · 200 / 2 = 6000 1/min. Bei p Polpaaren entsprechen p elektrische Umdrehungen einer mechanischen, deshalb wird durch p geteilt.

Was beschreibt die Drehmomentkonstante kT eines BLDC-Motors?

  • a) Den Anstieg der Wicklungstemperatur pro Sekunde unter Volllast
  • b) Das Verhältnis von Klemmenspannung zu Strom im Leerlauf
  • c) Den Proportionalitätsfaktor zwischen Motorstrom und entwickeltem Drehmoment
  • d) Die maximal zulässige Schaltfrequenz der B6-Brücke

Richtig: c)

M = kT · I gilt im linearen Arbeitsbereich. Verdoppelt sich der Strom, verdoppelt sich näherungsweise auch das Drehmoment. kT wird im Datenblatt angegeben und hängt von Magnetstärke und Wicklungsgeometrie ab.

Was bedeutet die Spannungskonstante kE in der Formel U_i = kE · n?

  • a) Sie gibt die maximal zulässige Klemmenspannung an
  • b) Sie beschreibt, welche induzierte Spannung pro Drehzahleinheit am Motor entsteht
  • c) Sie entspricht der Wicklungsinduktivität
  • d) Sie gibt die elektrische Leistungsabgabe an die Steuerung an

Richtig: b)

kE is der Proportionalitätsfaktor zwischen mechanischer Drehzahl und der im Motor induzierten Gegenspannung (BEMF). In Datenblättern findet sich oft die kV-Konstante in 1/min/V; sie ist der Kehrwert von kE in V·min.

5. Blockkommutierung gegen Sinuskommutierung – BLDC oder PMSM?

Konstruktiv sind BLDC und PMSM kaum auseinanderzuhalten. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie der Hersteller die magnetische Auslegung und damit die Form der induzierten Spannung gestaltet hat – und welche Art von Stromform die Steuerelektronik einprägt.

Beim klassischen BLDC ist die Gegen-EMK über der Rotorlage näherungsweise trapezförmig: ein steiler Anstieg, ein langes flaches Plateau, ein steiler Abfall, ein gespiegeltes negatives Plateau. Diese Form ergibt sich aus konzentrierten Wicklungen und einer relativ einfachen Magnetanordnung. Die ideale Stromform für ein konstantes Drehmoment ist dann ebenfalls rechteck- bzw. blockförmig – genau das liefert die 6-Schritt-Blockkommutierung. Im Plateaubereich der Gegen-EMK schaltet der Controller den Block-Strom hinzu, das Produkt aus konstanter Spannung und konstantem Strom ergibt eine konstante Leistung und damit ein konstantes Drehmoment.

Beim PMSM sind Wicklung und Magnetanordnung so optimiert, dass die Gegen-EMK näherungsweise sinusförmig verläuft. Die ideale Stromform ist dann ebenfalls sinusförmig, und zwar in allen drei Strängen gleichzeitig mit 120° Phasenverschiebung. Der Controller prägt diese Sinusströme über Pulsweitenmodulation (PWM) ein und benötigt dafür eine genaue Information über die Rotorlage – typischerweise von einem Resolver, einem Inkrementalgeber oder einem absoluten Encoder. Das Verfahren heißt feldorientierte Regelung (FOC).

BLDC – trapezförmige Gegen-EMK PMSM – sinusförmige Gegen-EMK θ_el U_i 60° 180° 300° θ_el U_i 90° 180° 270° Verlauf der Gegen-EMK U_i über der elektrischen Rotorlage θ_el

In der Praxis verschwimmt die Grenze zwischen den beiden Welten zunehmend. Viele Motoren sind so gewickelt, dass beide Ansteuerarten funktionieren – der entscheidende Unterschied liegt dann nicht im Motor, sondern in der Software des Controllers. Hochwertige Antriebe verwenden fast immer Sinuskommutierung mit FOC, weil sie eine deutlich geringere Drehmomentwelligkeit liefern. Beim 6-Schritt-Verfahren springt der Stromvektor in 60°-Schritten weiter, was am Übergang zwischen zwei Schritten ein leichtes Pulsieren des Drehmoments verursacht – hörbar als rauere Laufruhe, spürbar als feine Vibration. Bei einem CPU-Lüfter spielt das keine Rolle, bei einer hochpräzisen Werkzeugmaschinen-Vorschubachse oder einem hochwertigen E-Auto-Antrieb schon. Die PMSM-Welt mit FOC ist im Detail im eigenen Beitrag „Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM)“ beschrieben.

Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen Block- und Sinuskommutierung bei einem permanenterregten Synchronmotor?

  • a) Sinuskommutierung erzeugt eine treppenförmige Spannung, Blockkommutierung eine glatte Sinusspannung
  • b) Blockkommutierung erfordert einen Frequenzumrichter mit Netzanschluss
  • c) Sinuskommutierung kommt ohne Permanentmagnete im Rotor aus
  • d) Bei der Blockkommutierung springt der Statorstrom in 60°-Schritten weiter, bei der Sinuskommutierung folgt er kontinuierlich einer Sinusfunktion

Richtig: d)

Blockkommutierung schaltet in sechs diskreten Schritten – das ergibt einen treppenartigen Stromverlauf und passt zur trapezförmigen Gegen-EMK des BLDC. Sinuskommutierung treibt sinusförmige Ströme in alle drei Stränge gleichzeitig (typisch mit PWM-Modulation) und liefert ein deutlich glatteres Drehmoment, braucht aber einen genauen Rotorlagegeber wie einen Resolver oder hochauflösenden Encoder.

Welche Aussage über die Gegen-EMK (BEMF) trifft bei einem typischen BLDC-Motor zu?

  • a) Sie hat einen näherungsweise trapezförmigen Verlauf über der Rotorlage
  • b) Sie ist exakt sinusförmig wie beim PMSM
  • c) Sie ist konstant unabhängig von der Drehzahl
  • d) Sie wird durch Glättungskondensatoren rechteckig gemacht

Richtig: a)

BLDC-Motoren sind so gewickelt und magnetisiert, dass die induzierte Spannung über der Rotorlage einen Trapezverlauf zeigt – mit relativ flachen Plateaus. Genau in den Plateaubereichen schaltet die Blockkommutierung den Strom hinzu, was ein nahezu konstantes Drehmoment liefert. Beim PMSM ist die BEMF dagegen weitgehend sinusförmig.

6. Sensorlose Ansteuerung und Anwendungen

Hall-Sensoren funktionieren zuverlässig, kosten aber Geld, brauchen Platz und drei zusätzliche Leiter im Motorkabel. Bei Massenprodukten – Lüftern, Pumpen, Haushaltsgeräten – ist die sensorlose Ansteuerung deshalb die Standardvariante geworden.

Das Grundprinzip ist elegant: Bei der Blockkommutierung ist in jedem Schritt einer der drei Stränge stromlos. An genau diesem Strang lässt sich die durch die Drehung des Permanentmagnet-Rotors induzierte Gegenspannung direkt messen. Diese Spannung kreuzt zu einem definierten Zeitpunkt relativ zur Rotorlage die Nulllinie – der BEMF-Nulldurchgang. Aus dem zeitlichen Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Nulldurchgängen errechnet der Controller die aktuelle Drehzahl und legt den nächsten Schaltschritt fest.

Der große Vorteil: keine zusätzlichen Sensoren, keine zusätzliche Verkabelung, weniger potenzielle Fehlerquellen. Der Nachteil tritt beim Anlauf zutage. Im Stillstand ist die Gegen-EMK null – es gibt nichts zu messen. Der Controller muss den Motor zunächst „blind“ in einer vordefinierten Sequenz beschleunigen (Open-Loop-Start), bis die Drehzahl hoch genug ist, dass die BEMF zuverlässig erkannt wird. Erst dann übernimmt die geregelte Kommutierung. Bei Anwendungen mit kalter Anlaufsituation – ein Lüfter dreht ohne Last frei mit, eine Pumpe darf langsam hochfahren – funktioniert das Verfahren gut. Bei dynamischen Lasten und häufigen Lastwechseln bei niedrigen Drehzahlen ist die Hall-Sensor-Variante oder ein modernes Verfahren mit Hochfrequenz-Injektionsanregung überlegen.

Die Einsatzgebiete von BLDC- und EC-Motoren sind heute extrem breit:

  • HVAC-Lüfter und Umwälzpumpen: Hier dominieren EC-Motoren wegen des hohen Wirkungsgrades über den gesamten Lastbereich. Im Vergleich zu klassischen Spaltpol- oder Asynchronmotoren sparen sie bei Teillast deutlich Energie.
  • E-Bike-Antriebe: Mittel- und Nabenmotoren sind fast ausnahmslos BLDC-Motoren, meist als Außenläufer ausgeführt. Typische Leistungen liegen bei 250 W (EU-Pedelec) bis ca. 1000 W in den USA.
  • Drohnen: Kleine, hochdrehende Außenläufer mit hoher kV-Konstante und sehr hohem Verhältnis von Leistung zu Gewicht.
  • Werkzeugmaschinen-Spindeln: Bei kleineren Bearbeitungszentren und CNC-Fräsen kommen BLDC- und PMSM-Spindeln zum Einsatz, oft mit FOC-Sinuskommutierung für eine ruhige Bearbeitung.
  • Elektrofahrzeuge: Im Antriebsstrang dominieren PMSMs mit FOC; in Nebenaggregaten wie Wasserpumpen, Lüftern, Sitzverstellung oder Heckklappenantrieben sitzen meist klassische BLDC-Motoren.
  • Akku-Werkzeuge: Bohrmaschinen, Akkuschrauber und Schlagschrauber in höheren Preisklassen sind nahezu durchgängig auf bürstenlose Technik umgestiegen.

Im Vergleich zum klassischen Gleichstrommotor punktet der BLDC mit deutlich höherer Lebensdauer (keine Bürsten, kein Funkenschlag, kein Kommutator-Verschleiß), höherem Wirkungsgrad und geringerem Wartungsaufwand. Der Preis ist die nötige Elektronik. Im Vergleich zum Drehstrom-Asynchronmotor liegt der BLDC bei Wirkungsgrad und Leistungsdichte vorn, vor allem im kleinen und mittleren Leistungsbereich – beim Asynchronmotor kostet ihn der Rotor-Schlupf und der nötige Magnetisierungsstrom Verluste, die der BLDC nicht hat. Asynchronmotoren bleiben dort überlegen, wo Robustheit, einfache Direktnetzkopplung und niedriger Anschaffungspreis wichtiger sind als Spitzenwirkungsgrad – etwa bei großen Industrieantrieben mit konstantem Betriebspunkt.

Worauf basiert die sensorlose Rotorlage-Erkennung bei einem BLDC-Motor?

  • a) Auf einer Messung der Wicklungstemperatur
  • b) Auf einer Auswertung der Strombelastung der Halbleiter
  • c) Auf dem Nulldurchgang der Gegen-EMK im jeweils stromlosen Strang
  • d) Auf einer optischen Erfassung der Welle

Richtig: c)

In jedem Schritt der Blockkommutierung ist ein Strang stromlos. An diesem Strang lässt sich die durch die Drehung des Permanentmagnet-Rotors induzierte Spannung direkt messen. Der Nulldurchgang dieser BEMF tritt zu einem definierten Zeitpunkt relativ zur Rotorlage auf und ersetzt damit das Hall-Sensor-Signal.

Welcher Nachteil ist bei sensorloser BLDC-Ansteuerung im Vergleich zur Hall-Sensor-Variante besonders zu beachten?

  • a) Sie funktioniert ausschließlich mit Drehstromnetz
  • b) Aus dem Stillstand heraus ist der Anlauf erschwert, weil bei n = 0 keine BEMF gemessen werden kann
  • c) Sie erfordert zusätzliche Permanentmagnete am Stator
  • d) Sie kann nur bei sehr niedrigen Drehzahlen eingesetzt werden

Richtig: b)

Die BEMF ist proportional zur Drehzahl – bei Stillstand also null. Beim Anlauf muss der Controller den Motor zunächst „blind“ in einer Standardsequenz hochlaufen lassen (Open-Loop-Start), bis genug BEMF da ist, um die Lageerkennung zu übernehmen. Bei Anwendungen mit leichten Anlauflasten funktioniert das gut, bei dynamischen Lastwechseln aus dem Stand ist die Hall-Sensor-Variante überlegen.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein BLDC-Motor in einer HVAC-Umwälzpumpe hat 8 Pole (4 Polpaare). Der Controller schaltet mit 60 Hz. Welche mechanische Drehzahl ergibt sich?

Gegeben: p = 4, f = 60 Hz

Gesucht: n in 1/min

Lösungweg:

n = 60 · f / p = 60 · 60 / 4 = 900 1/min

Ergebnis: n = 900 1/min

Aufgabe 2: Ein BLDC-Motor zieht im Nennbetrieb 18 A Strangstrom. Die Drehmomentkonstante beträgt kT = 0.045 Nm/A. Wie groß ist das entwickelte Drehmoment im linearen Bereich?

Gegeben: I = 18 A, kT = 0.045 Nm/A

Gesucht: M in Nm

Lösungweg:

M = kT · I = 0.045 · 18 = 0.81 Nm

Ergebnis: M = 0.81 Nm

Aufgabe 3: Ein Drohnen-BLDC dreht mit 12000 1/min. Die Spannungskonstante ist kE = 0.0025 V·min. Welche induzierte Spannung wird im jeweils stromlosen Strang erwartet?

Gegeben: n = 12000 1/min, kE = 0.0025 V·min

Gesucht: U_i in V

Lösungweg:

U_i = kE · n = 0.0025 · 12000 = 30 V

Ergebnis: U_i = 30 V

Aufgabe 4: Ein E-Bike-Nabenmotor soll bei 25 km/h mit einem Raddurchmesser von 0.7 m drehen. Wie hoch muss die Kommutierungsfrequenz sein, wenn der Motor 10 Polpaare hat?

Gegeben: v = 25 km/h, D = 0.7 m, p = 10

Gesucht: f in Hz

Lösungweg:

  1. Geschwindigkeit in m/s: v = 25 / 3.6 ≈ 6.944 m/s
  2. Radumfang: U = π · D = π · 0.7 ≈ 2.199 m
  3. mechanische Drehzahl: n = (v / U) · 60 = (6.944 / 2.199) · 60 ≈ 189.5 1/min
  4. Kommutierungsfrequenz: f = n · p / 60 = 189.5 · 10 / 60 ≈ 31.6 Hz

Ergebnis: f ≈ 31.6 Hz

Warum fließt im stationären Betrieb eines BLDC-Motors in jedem Augenblick Strom durch genau zwei der drei Stränge?

  • a) Weil die B6-Brücke aus drei Halbbrücken besteht und das Strompfad-Konzept genau zwei aktive Stränge benötigt – ein Strang bleibt stromlos und liefert ggf. die Information für die sensorlose Lageerkennung
  • b) Weil der dritte Strang als Energiespeicher dient
  • c) Weil ohne diese Anordnung kein Drehmoment möglich wäre
  • d) Weil die Hall-Sensoren immer nur zwei Stränge gleichzeitig freigeben können

Richtig: a)

Ein Stromfluss braucht einen geschlossenen Kreis. In der B6-Brücke wird der Strom durch einen high-side-Schalter auf einen Strang und durch einen low-side-Schalter zurück über einen anderen Strang geführt. Der dritte Strang bleibt offen – und genau dort lässt sich, wenn sich der Motor dreht, die BEMF messen.

Welche Aussage zur Beziehung zwischen mechanischer Drehzahl und elektrischer Kommutierungsfrequenz eines BLDC-Motors trifft zu?

  • a) Bei einem 2-poligen Motor sind beide identisch in Hz und 1/min
  • b) Die mechanische Drehzahl ist um den Faktor Polpaarzahl niedriger als die elektrische
  • c) Die elektrische Frequenz ist immer halb so groß wie die mechanische
  • d) Es besteht kein direkter Zusammenhang, der Schlupf entscheidet darüber

Richtig: b)

n in 1/min = 60 · f in Hz / p. Eine mechanische Umdrehung entspricht p elektrischen Umdrehungen, daher ist die mechanische Drehzahl um den Faktor p kleiner als die elektrische. Schlupf gibt es bei einem Synchronmotor nicht.

Welche der folgenden Anwendungen sind typische Einsatzgebiete für BLDC- oder EC-Motoren?

  • a) Hochspannungs-Freileitungsisolatoren
  • b) Lichtbogen-Schweißtransformatoren
  • c) HVAC-Umwälzpumpen, E-Bike-Antriebe, Drohnen-Antriebe und PC-Lüfter
  • d) Schmelzöfen in Stahlwerken

Richtig: c)

Alle vier unter c) genannten Anwendungen sind klassische BLDC- bzw. EC-Anwendungen. Schweißtransformatoren, Schmelzöfen und Isolatoren sind keine Motoren-Anwendungen.

Welche der folgenden Aussagen über die Drehrichtungsumkehr eines BLDC-Motors trifft zu?

  • a) Sie ist mechanisch durch Vertauschen von Magneten und Statorblech notwendig
  • b) Sie erfolgt nur über Polumschaltung des Klemmenbretts
  • c) Sie ist im Motor selbst nicht möglich, ein Getriebe ist nötig
  • d) Sie wird einfach durch Umkehren der Schaltreihenfolge im Controller realisiert

Richtig: d)

Die Drehrichtungsumkehr beim BLDC ist eine reine Softwareangelegenheit: Der Controller spielt die Schaltsequenz rückwärts ab. Klemmenbretter zum mechanischen Phasentausch wie bei Asynchronmotoren gibt es nicht.

Welche Aussage über das maximale Drehmoment im 6-Schritt-Verfahren ist korrekt?

  • a) Das Drehmoment ist am größten, wenn das Statorfeld dem Rotorfeld zwischen 60° und 120° elektrisch voreilt
  • b) Das Drehmoment ist am größten bei einer Voreilung von 0°
  • c) Das Drehmoment ist von der Voreilung unabhängig
  • d) Das Drehmoment ist am größten bei einer Voreilung von 180°

Richtig: a)

Das Drehmoment ist proportional zum Sinus des Winkels zwischen Stator- und Rotorfeld. sin(90°) = 1 ist das Maximum. Beim 6-Schritt-Verfahren springt der Stator-Vektor in 60°-Schritten, sodass der Voreilungswinkel zwischen 60° und 120° pendelt – über diesen Bereich ist sin(θ) ≥ sin(60°) ≈ 0.87, also nahe am Maximum.

Welche Funktion hat ein hochauflösender Resolver oder Inkrementalgeber bei einem permanenterregten Synchronmotor mit FOC-Sinuskommutierung?

  • a) Er misst die Wicklungstemperatur
  • b) Er liefert die exakte Rotorlage, um sinusförmige Ströme phasenrichtig in alle drei Stränge gleichzeitig einprägen zu können
  • c) Er ersetzt die Permanentmagnete
  • d) Er fungiert als Schutzeinrichtung für die Halbleiter

Richtig: b)

Sinuskommutierung mit feldorientierter Regelung (FOC) braucht eine kontinuierliche, hochpräzise Rotorlage-Information, weil die Ströme in allen drei Strängen sinusförmig und phasenrichtig eingeprägt werden müssen. Drei einfache Hall-Sensoren reichen dafür nicht – sie liefern nur sechs diskrete Lage-Zustände, was für Blockkommutierung genügt, für FOC aber zu grob ist.

Ein BLDC-Motor mit kT = 0.04 Nm/A wird mit 15 A Strangstrom betrieben. Welches Drehmoment wird im linearen Bereich entwickelt?

  • a) 0.6 Nm
  • b) 0.04 Nm
  • c) 15 Nm
  • d) 0.0027 Nm

Richtig: a)

M = kT · I = 0.04 · 15 = 0.6 Nm.

Welche Aussage über die Drehmomentwelligkeit (torque ripple) beim BLDC mit 6-Schritt-Blockkommutierung ist richtig?

  • a) Es gibt prinzipbedingt keine Drehmomentwelligkeit
  • b) Die Drehmomentwelligkeit ist genauso groß wie beim PMSM mit FOC
  • c) Beim 6-Schritt-Verfahren tritt eine Drehmomentwelligkeit auf, da der Statorfeld-Vektor in 60°-Schritten springt und nicht kontinuierlich nachgeführt wird
  • d) Drehmomentwelligkeit gibt es nur bei Asynchronmotoren

Richtig: c)

Der Statorfeld-Vektor springt beim 6-Schritt-Verfahren in 60°-Sprüngen. Während eines Schritts pendelt der Winkel zwischen Stator- und Rotorfeld zwischen 60° und 120°, das Drehmoment schwankt entsprechend zwischen rund 87 % und 100 % des maximalen Wertes. Das ist die typische Drehmomentwelligkeit der Blockkommutierung.

Worin liegt der entscheidende Wirkungsgrad-Vorteil eines BLDC gegenüber einem klassischen Drehstrom-Asynchronmotor im kleinen Leistungsbereich?

  • a) Beim BLDC entfallen Rotor-Schlupf und ohmscher Magnetisierungsstrom – das Rotorfeld kommt direkt aus den Permanentmagneten
  • b) Der BLDC hat grundsätzlich kein Kupfer in den Wicklungen
  • c) Beim BLDC entstehen keine Eisenverluste, weil der Stator aus Kunststoff besteht
  • d) Der BLDC arbeitet ausschließlich mit supraleitenden Materialien

Richtig: a)

Beim Asynchronmotor wird das Rotorfeld vom Stator induziert – das kostet einen ständig fließenden Magnetisierungsstrom. Zusätzlich tritt Schlupf auf: Der Rotor läuft etwas langsamer als das Drehfeld, der dabei induzierte Strom verursacht Stromwärmeverluste im Rotor. Beim BLDC kommt das Rotorfeld direkt aus den Permanentmagneten, beide Verlustquellen entfallen.

Welche der folgenden Aussagen über die kV-Konstante eines BLDC-Motors trifft zu?

  • a) Sie gibt die maximale Klemmenspannung in Volt an
  • b) Sie ist immer 1000 1/min/V
  • c) Sie hängt nicht von der Wicklungsausführung ab
  • d) Sie gibt die Drehzahl pro Volt Klemmenspannung im Leerlauf an und ist der Kehrwert der Spannungskonstante kE

Richtig: d)

Die kV-Konstante (Einheit 1/min/V) ist eine in der Modellbau- und Drohnentechnik gebräuchliche Angabe und beschreibt, wie schnell der Motor pro Volt Klemmenspannung im Leerlauf dreht. Sie ist der Kehrwert der Spannungskonstante kE und hängt direkt von Windungszahl, Magnetstärke und Geometrie ab.

Glossar

BLDC-Motor
Bürstenloser Gleichstrommotor (Brushless DC). Permanenterregter Synchronmotor mit elektronischer Kommutierung über eine B6-Wechselrichterbrücke, typisch mit Blockkommutierung über Hall-Sensoren oder BEMF-Auswertung angesteuert.
EC-Motor
Electronically Commutated Motor. Synonym für BLDC; in der HVAC- und Pumpentechnik gebräuchliche Bezeichnung für denselben Motortyp.
B6-Brücke
Dreiphasige Wechselrichterbrücke aus sechs Halbleiterschaltern in drei Halbbrücken. Wandelt eine Gleichspannung in eine dreiphasige, schaltbare Spannung für die Statorstränge um.
6-Schritt-Kommutierung
Blockförmige Ansteuerung der B6-Brücke in sechs diskreten Schaltzuständen pro elektrischer Umdrehung. In jedem Schritt fließt Strom durch zwei Stränge, der dritte ist abgeschaltet.
Polpaarzahl p
Anzahl der Nord-Süd-Pol-Paare am Rotor. Bestimmt das Verhältnis zwischen elektrischer und mechanischer Umdrehung: eine mechanische Umdrehung entspricht p elektrischen Umdrehungen.
Hall-Sensor
Halbleiterbauelement, das das Vorbeilaufen eines Magnetpols als digitales Signal ausgibt. Im BLDC üblicherweise drei Stück, 120° elektrisch versetzt am Statorinnendurchmesser montiert.
Gegen-EMK / BEMF
Back Electromotive Force. Die im Motor durch die Drehung des Permanentmagnet-Rotors selbst induzierte Spannung. Sie ist proportional zur Drehzahl und wirkt der eingeprägten Klemmenspannung entgegen.
Drehmomentkonstante kT
Materialspezifischer Faktor in M = kT · I. Gibt an, wie viel Drehmoment pro Ampère Strangstrom entwickelt wird. Einheit Nm/A.
Spannungskonstante kE
Materialspezifischer Faktor in U_i = kE · n. Gibt an, wie viel Gegen-EMK pro Drehzahleinheit induziert wird. Einheit V·min (bei Drehzahl in 1/min). Im SI-System zahlenmäßig identisch mit kT.
kV-Konstante
Kehrwert der Spannungskonstante kE. In Datenblättern aus Modellbau und Drohnen üblich, Einheit 1/min/V. Gibt die Leerlaufdrehzahl pro Volt Klemmenspannung an.
Blockkommutierung
6-Schritt-Ansteuerung mit rechteckförmigen Strömen, passend zur trapezförmigen Gegen-EMK des klassischen BLDC.
Sinuskommutierung / FOC
Feldorientierte Regelung mit sinusförmigen Strömen in allen drei Strängen. Typische Ansteuerung des PMSM, deutlich geringere Drehmomentwelligkeit, hochauflösender Lagegeber nötig.
Innenläufer / Außenläufer
Konstruktive Bauformen. Beim Innenläufer dreht der magnetische Rotor innerhalb des Stators; beim Außenläufer umschließt eine glockenförmige Rotorkonstruktion den feststehenden Stator von außen.
Sensorlose Kommutierung
Verfahren ohne Hall-Sensoren, bei dem der Nulldurchgang der BEMF im jeweils stromlosen Strang die Rotorlage liefert. Benötigt einen Open-Loop-Start aus dem Stillstand.

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