Leiter, Halbleiter und Isolatoren
Ohne diese drei Werkstoffklassen gäbe es keine moderne Elektronik. Kupferdrähte transportieren den Strom durch jedes Gebäude, eine Kunststoffummantelung hält ihn dort, wo er hingehört, und in jedem Chip steckt Silizium — der mit Abstand wichtigste Halbleiter. Warum diese Stoffe so unterschiedlich auf elektrische Spannung reagieren, lässt sich auf eine einzige Frage zurückführen: Wie frei können sich die Elektronen darin bewegen? Die Antwort führt vom Atomaufbau über das Bändermodell bis zu der Beobachtung, dass sich ein Halbleiter bei steigender Temperatur völlig anders verhält als ein Kupferdraht.
Vorwissen
- Elektrische Ladung und Elektronen
- Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen
- Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die drei Stoffklassen Leiter, Halbleiter und Isolator über ihre typischen Eigenschaften und Werte des spezifischen Widerstands unterscheiden
- mit dem Bändermodell erklären, warum ein Stoff den Strom leitet oder sperrt
- die Eigenleitung im reinen Halbleiter über Elektronen- und Löcherleitung beschreiben
- das unterschiedliche Temperaturverhalten von Metallen (PTC) und Halbleitern (NTC) begründen
- den Widerstand und den spezifischen Widerstand eines Metalls bei geänderter Temperatur berechnen
1. Stromleitung im Festkörper — die Grundidee
Ein elektrischer Strom ist immer die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern. Wer einen Stoff bewerten will, muss also nur eine einzige Frage stellen: Gibt es darin bewegliche Ladungsträger, oder nicht?
Den Atomaufbau hast du im Vorwissen schon kennengelernt. Wichtig für unser Thema sind nur die Valenzelektronen — die Elektronen auf der äußersten Schale eines Atoms. Sie bestimmen, wie sich das Atom mit seinen Nachbarn verbindet und wie fest die Außenelektronen gehalten werden.
In einem Metallgitter sind die Valenzelektronen nur lose an die einzelnen Atome gebunden. Sie lösen sich aus ihrem Stammatom und bewegen sich frei zwischen den positiv geladenen Atomrümpfen. Man spricht vom Elektronengas. Legt man eine Spannung an, beginnen diese Elektronen, sich geordnet zu bewegen — Strom fließt.
In einem Kunststoff oder in Keramik sieht es ganz anders aus. Die Außenelektronen sind fest in chemischen Bindungen eingebunden. Sie können sich nicht von ihrem Platz lösen, und damit gibt es keine beweglichen Ladungsträger. Selbst eine hohe Spannung treibt praktisch keinen Strom durch das Material.
Halbleiter liegen zwischen diesen Extremen. Im Grundzustand sind ihre Elektronen ebenfalls in Bindungen eingespannt, aber die Bindung ist deutlich schwächer als bei einem typischen Isolator. Schon eine moderate Energiezufuhr — etwa Wärme oder Licht — kann einzelne Elektronen herauslösen.
Eine anschauliche Vorstellung: Ein leeres Rohr lässt Wasser problemlos passieren, ein mit festem Lehm gefülltes Rohr nicht. Ein mit grobem Sand gefülltes Rohr ist der Halbleiter — unter normalen Bedingungen fließt nichts, aber wenn man den Sand erwärmt oder anderweitig in Bewegung bringt, kann doch etwas durch.
Welche Rolle spielen die Valenzelektronen für die elektrische Leitfähigkeit eines Werkstoffs?
- a) Sie sind chemisch unwichtig, beeinflussen aber den spezifischen Widerstand direkt.
- b) Sie befinden sich im Atomkern und stoßen die freien Elektronen ab.
- c) Sie entscheiden, ob Elektronen aus ihrer Bindung gelöst werden können und damit als Ladungsträger zur Verfügung stehen.
- d) Sie haben keinen Einfluss auf die Leitfähigkeit; nur die Atomrümpfe leiten den Strom.
Richtig: c)
Die Valenzelektronen sitzen auf der äußersten Schale und sind am schwächsten gebunden. Ob sie das Atom verlassen können und damit als bewegliche Ladungsträger zur Verfügung stehen, entscheidet darüber, ob ein Stoff leitet, sperrt oder dazwischen liegt. Im Atomkern befinden sich Protonen und Neutronen, keine Elektronen.
Warum lassen sich Metalle so gut zu Leitungen verarbeiten?
- a) Ihre Valenzelektronen sind im Gitter frei beweglich und bilden ein Elektronengas.
- b) Sie enthalten besonders viele Atomrümpfe, die Elektronen erzeugen.
- c) Die Bindung zwischen den Atomen ist besonders fest, was den Stromfluss verstärkt.
- d) Metalle verlieren ihre Elektronen vollständig und bleiben als reine Atomkerne übrig.
Richtig: a)
Das Metallgitter ist ein klassisches Beispiel für nur lose gebundene Außenelektronen. Sie verlassen ihr Stammatom und bilden eine bewegliche „Wolke“ zwischen den positiven Atomrümpfen. Eine angelegte Spannung richtet diese Wolke gerichtet aus — Strom fließt. Eine besonders feste Bindung hätte den gegenteiligen Effekt.
Worin unterscheidet sich ein Halbleiter im Ausgangszustand vom Isolator?
- a) Halbleiter enthalten von Natur aus mehr freie Ladungsträger als Metalle.
- b) Halbleiter haben keine Valenzelektronen.
- c) Halbleiter besitzen ein Elektronengas wie Metalle, nur in geringerer Dichte.
- d) Halbleiter haben grundsätzlich gebundene Elektronen, aber die Bindung ist deutlich schwächer als beim Isolator, sodass schon kleine Energiemengen Ladungsträger freisetzen.
Richtig: d)
Im reinen Halbleiter sind die Elektronen im Grundzustand alle in Bindungen. Anders als beim Isolator reicht aber bereits Wärme bei Raumtemperatur aus, um einige davon herauszulösen. Ein Elektronengas wie im Metall existiert hier nicht.
2. Die drei Stoffklassen im Überblick
Die Einteilung in Leiter, Halbleiter und Isolator wird in der Praxis über den spezifischen Widerstand ρ vorgenommen. Was ρ genau bedeutet, kennst du aus dem Vorwissen. Hier interessieren uns vor allem die Größenordnungen, in denen sich die drei Klassen bewegen.
Die Bereiche sind:
| Stoffklasse | Spezifischer Widerstand ρ in Ω·m |
|---|---|
| Leiter | ca. 10⁻⁸ bis 10⁻⁵ |
| Halbleiter | ca. 10⁻⁵ bis 10⁸ |
| Isolator | über 10⁸ |
Auffällig: Der Halbleiter-Bereich umspannt mehr als zehn Zehnerpotenzen. Genau dieser riesige Spielraum macht Halbleiter so wertvoll — durch gezielte Behandlung lässt sich ihre Leitfähigkeit beinahe beliebig einstellen.
Konkrete Werte für typische Werkstoffe in der Praxis:
| Werkstoff | Klasse | ρ in Ω·m (Größenordnung) |
|---|---|---|
| Silber | Leiter | 1,6 · 10⁻⁸ |
| Kupfer | Leiter | 1,7 · 10⁻⁸ |
| Aluminium | Leiter | 2,8 · 10⁻⁸ |
| Eisen | Leiter | 1 · 10⁻⁷ |
| Germanium (rein) | Halbleiter | ca. 0,5 |
| Silizium (rein) | Halbleiter | ca. 2 · 10³ |
| Glas | Isolator | 10¹⁰ bis 10¹² |
| Porzellan | Isolator | ca. 10¹² |
| PVC | Isolator | ca. 10¹⁴ |
Zwischen dem besten Leiter (Silber) und dem schlechtesten typischen Leiter (Eisen) liegt etwa eine Zehnerpotenz. Zwischen Eisen und reinem Silizium liegen bereits zehn Zehnerpotenzen. Und zwischen Silizium und PVC nochmals elf. Die Klasseneinteilung ist eine grobe Hilfe — die tatsächlichen Werte spannen einen extrem weiten Bereich auf.
Die Grenzen zwischen den Klassen sind eine Konvention, kein Naturgesetz. Wo genau ein Stoff einsortiert wird, hängt auch vom Anwendungskontext ab. Reines, dotiertes Silizium kann je nach Aufbereitung praktisch jeden Wert zwischen Leiter und Isolator annehmen.
Welche Aussage über die Größenordnungen des spezifischen Widerstands stimmt?
- a) Leiter und Halbleiter haben praktisch denselben spezifischen Widerstand.
- b) Der Halbleiter-Bereich umfasst mehrere Zehnerpotenzen und liegt zwischen Leiter und Isolator.
- c) Isolatoren haben einen niedrigeren spezifischen Widerstand als Leiter.
- d) Der spezifische Widerstand ist für alle Werkstoffe gleich, nur die Querschnittsfläche entscheidet über den Stromfluss.
Richtig: b)
Der entscheidende Punkt ist der breite Bereich, den Halbleiter abdecken. Genau das macht sie technologisch so interessant. Leiter liegen mehrere Zehnerpotenzen tiefer, Isolatoren mehrere Zehnerpotenzen höher.
Du sollst aus Kupfer (ρ ≈ 1,7 · 10⁻⁸ Ω·m) und Aluminium (ρ ≈ 2,8 · 10⁻⁸ Ω·m) eine Leitung mit möglichst kleinem Widerstand auswählen. Was lässt sich aus den Werten direkt ableiten?
- a) Aluminium leitet besser, weil sein ρ größer ist.
- b) Kupfer und Aluminium leiten gleich gut, da beide im Leiterbereich liegen.
- c) Kupfer leitet schlechter als Aluminium, weil es ein kleineres ρ hat.
- d) Kupfer leitet besser als Aluminium, da sein spezifischer Widerstand kleiner ist; ob Kupfer in der Anwendung trotzdem die bessere Wahl ist, hängt aber auch von Querschnitt, Masse und Preis ab.
Richtig: d)
Ein kleineres ρ bedeutet bei gleichen Abmessungen einen kleineren Leitungswiderstand. Die Aussagen a und c verwechseln das Vorzeichen, b ist zu pauschal. Der Praxisbezug bleibt wichtig: In der Freileitungstechnik wird wegen Gewicht und Preis trotzdem oft Aluminium eingesetzt, dort dann mit größerem Querschnitt.
Welcher der folgenden Werkstoffe ist nach den Größenordnungen ein Halbleiter?
- a) Germanium
- b) Aluminium
- c) Porzellan
- d) Silber
Richtig: a)
Germanium liegt mit ρ in der Größenordnung von wenigen Ω·m klar im Halbleiterbereich. Silber und Aluminium sind Leiter, Porzellan ist ein klassischer Isolator.
3. Das Bändermodell — warum manche Stoffe leiten
Mit dem spezifischen Widerstand kannst du die drei Klassen sauber abgrenzen, aber er sagt nichts darüber, warum das so ist. Die Antwort liefert das Bändermodell, eine vereinfachte energetische Beschreibung der Elektronen im Festkörper.
Im einzelnen Atom besetzen die Elektronen diskrete Energieniveaus — du kannst sie dir wie Stufen auf einer Leiter vorstellen. Sobald sich aber sehr viele Atome zu einem Kristall zusammenschließen, rücken die einzelnen Energieniveaus so eng zusammen, dass sie als breite Energiebänder erscheinen. Zwischen diesen Bändern bleiben Lücken — Bereiche, in denen sich kein Elektron aufhalten kann.
Für unsere Frage sind zwei Bänder entscheidend:
- Das Valenzband ist das oberste Band, das im Grundzustand mit Elektronen besetzt ist. Diese Elektronen sind in Bindungen eingespannt und nicht beweglich.
- Das Leitungsband liegt energetisch höher. Elektronen, die es dort hineingeschafft haben, können sich frei im Kristall bewegen und tragen zum Stromfluss bei.
Zwischen Valenz- und Leitungsband kann eine Bandlücke liegen — auch verbotene Zone genannt. Ihre Größe in Elektronenvolt (eV) entscheidet darüber, zu welcher Stoffklasse ein Werkstoff gehört.
Die drei Fälle im Vergleich:
- Leiter: Valenz- und Leitungsband überlappen, oder das Valenzband ist nur teilweise gefüllt. In beiden Fällen finden Elektronen sofort freie Plätze, in die sie sich bewegen können. Das erklärt das Elektronengas im Metall.
- Halbleiter: Die Bandlücke ist klein, typisch unter 2 eV. Bei Silizium beträgt sie etwa 1,12 eV, bei Germanium 0,67 eV. Wärmeenergie reicht aus, um einige Elektronen aus dem Valenz- ins Leitungsband zu heben.
- Isolator: Die Bandlücke ist groß, oft mehr als 3 eV. Diamant zum Beispiel hat eine Bandlücke von rund 5,5 eV. Wärmeenergie reicht nicht aus — die Elektronen bleiben praktisch alle im Valenzband, das Leitungsband bleibt leer.
Die Energie, die nötig ist, um die Lücke zu überwinden, kann aus Wärme stammen, aber auch aus Licht. Genau das nutzen Fotodioden und Solarzellen aus.
Was beschreibt die Bandlücke im Bändermodell?
- a) Die Höhe der Atomrümpfe im Kristallgitter.
- b) Die Anzahl der Valenzelektronen pro Atom.
- c) Den Energieabstand zwischen Valenz- und Leitungsband, also den Energiebetrag, den ein Elektron für den Übergang ins Leitungsband aufbringen muss.
- d) Die räumliche Entfernung zweier benachbarter Atome.
Richtig: c)
Die Bandlücke ist eine reine Energiegröße in eV. Sie sagt aus, wie viel Energie ein Elektron mindestens benötigt, um den Sprung ins Leitungsband zu schaffen. Geometrische Abstände im Kristallgitter spielen dafür keine direkte Rolle.
Warum gilt ein Stoff als Leiter, wenn sich Valenz- und Leitungsband überlappen?
- a) Weil das Material dann keine Atome mehr enthält.
- b) Weil Elektronen direkt freie energetische Zustände vorfinden und sich ohne Energiezufuhr im Gitter bewegen können.
- c) Weil dann die Atomkerne verschmelzen und die Ladung übertragen wird.
- d) Weil die Bandlücke besonders groß ist und damit besonders viele Elektronen ins Leitungsband gehoben werden.
Richtig: b)
Überlappende Bänder oder ein nur halb gefülltes Valenzband bedeuten: Es gibt freie Zustände direkt neben den besetzten. Elektronen können sich daher schon ohne zusätzliche Energie bewegen. Eine große Bandlücke hätte den gegenteiligen Effekt.
Silizium hat eine Bandlücke von etwa 1,12 eV, Diamant von etwa 5,5 eV. Welche Aussage stimmt?
- a) Silizium ist ein Isolator, Diamant ein Halbleiter.
- b) Beide sind Halbleiter, weil sie überhaupt eine Bandlücke besitzen.
- c) Silizium ist ein Halbleiter, Diamant aufgrund der großen Bandlücke ein Isolator.
- d) Diamant ist ein guter Leiter, weil seine Bandlücke besonders ausgeprägt ist.
Richtig: c)
Die Größe der Bandlücke entscheidet. Kleine Lücke um ein eV: Halbleiter, weil Wärme bereits Ladungsträger erzeugt. Mehrere eV: Isolator, weil normale Wärmeenergie nicht reicht. Reiner Diamant ist tatsächlich ein guter elektrischer Isolator, trotz seiner ansonsten interessanten Eigenschaften.
4. Eigenleitung beim Halbleiter
Die typischen Halbleiter Silizium und Germanium gehören zur vierten Hauptgruppe des Periodensystems. Jedes Atom hat genau vier Valenzelektronen. In einem reinen Si- oder Ge-Kristall verbindet sich jedes Atom mit vier Nachbarn, indem es mit jedem davon ein Elektron in einer Elektronenpaarbindung teilt. Das Ergebnis ist ein sehr stabiler Kristall, in dem alle Außenelektronen fest gebunden sind.
Bei einer Temperatur von absolut 0 K wäre dieser Kristall ein perfekter Isolator. Es gibt keine freien Ladungsträger, das Leitungsband ist vollständig leer.
Bei Raumtemperatur ändert sich das. Die Atome im Kristall schwingen ständig, und einzelne Elektronen erhalten dabei genug Energie, um aus ihrer Bindung herauszubrechen. Sie schaffen den Sprung über die Bandlücke ins Leitungsband und stehen jetzt als bewegliche Ladungsträger zur Verfügung.
Wenn ein Elektron seine Bindung verlässt, bleibt an seinem Platz eine Lücke zurück. Diese Lücke ist nicht einfach „nichts“ — sie wirkt wie eine positive Ladung, weil das ursprünglich neutrale Atom jetzt ein Elektron zu wenig hat. Man nennt sie Loch oder Defektelektron.
Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Auch das Loch ist beweglich. Ein Elektron aus einer benachbarten Bindung kann in das Loch hineinspringen — und hinterlässt damit selbst ein neues Loch an seiner alten Stelle. Im Effekt wandert das Loch durch den Kristall, allerdings in die entgegengesetzte Richtung zur Elektronenbewegung. Auch dieses Wandern trägt zum Stromfluss bei. Man spricht daher von zwei Arten der Leitung:
- Elektronenleitung: Bewegung freier Elektronen im Leitungsband
- Löcherleitung: scheinbare Wanderung positiver Löcher durch das Valenzband
Diese Leitung ohne jede Verunreinigung nennt man Eigenleitung. Charakteristisch ist: Es gibt immer gleich viele freie Elektronen wie Löcher, weil jedes Elektron, das ins Leitungsband springt, exakt ein Loch hinterlässt.
Was versteht man unter einem „Loch“ in einem reinen Halbleiter?
- a) Eine physische Lücke zwischen zwei Atomen im Kristallgitter.
- b) Ein Bereich, in dem die Bindung zwischen Atomen vollständig fehlt.
- c) Ein zusätzliches Elektron, das frei im Leitungsband umherwandert.
- d) Eine fehlende Bindungsstelle, die wie eine positive Ladung wirkt und durch nachrückende Elektronen scheinbar durch den Kristall wandert.
Richtig: d)
Wenn ein Elektron seine Bindung verlässt, bleibt ein Defekt zurück, der lokal wie eine positive Ladung wirkt. Springt ein benachbartes Elektron in diesen Defekt, wandert dieser scheinbar in die andere Richtung. Es geht also um eine Modellvorstellung, nicht um ein geometrisches Loch im Material.
Warum hat ein reiner Siliziumkristall bei sehr tiefer Temperatur einen extrem hohen Widerstand?
- a) Weil die Atome zu eng zusammenliegen und die Elektronen den Weg versperren.
- b) Weil das Material bei tiefer Temperatur Metalleigenschaften verliert.
- c) Weil ohne ausreichende thermische Energie nahezu kein Elektron die Bandlücke überwindet und damit kaum bewegliche Ladungsträger zur Verfügung stehen.
- d) Weil sich die Bandlücke bei tiefer Temperatur schließt.
Richtig: c)
Reines Silizium ist erst dann leitfähig, wenn Energie genügt, Elektronen ins Leitungsband zu heben. Bei sehr tiefer Temperatur ist diese thermische Energie nicht vorhanden — der Kristall verhält sich praktisch wie ein Isolator. Die Bandlücke ist nahezu temperaturkonstant.
Welche Aussage zur Eigenleitung ist korrekt?
- a) Die Anzahl der Elektronen im Leitungsband ist unabhängig von der Temperatur.
- b) Im reinen Halbleiter sind freie Elektronen und Löcher immer in gleicher Anzahl vorhanden.
- c) Eigenleitung bedeutet, dass nur Elektronen, aber keine Löcher zum Stromfluss beitragen.
- d) Eigenleitung ist nur bei dotierten Halbleitern möglich.
Richtig: b)
Beim Übergang eines Elektrons ins Leitungsband entsteht zwangsläufig genau ein Loch im Valenzband — daraus folgt direkt die Gleichheit beider Ladungsträgerarten. Beide Arten tragen zum Strom bei. Im dotierten Halbleiter überwiegt eine der beiden Arten, das ist dann aber keine Eigenleitung mehr.
5. Temperaturabhängigkeit — Leiter vs. Halbleiter
Hier wird das Bändermodell zur praktischen Berechnungsgrundlage. Metalle und Halbleiter zeigen ein vollständig gegensätzliches Temperaturverhalten — und das ist im Praxisalltag in der Elektrotechnik und Mechatronik überall spürbar.
Beim Metall sind die freien Ladungsträger ohnehin in großer Zahl vorhanden, das Elektronengas ist ständig verfügbar. Die Temperatur entscheidet hier nicht über die Anzahl der Elektronen, sondern darüber, wie ungestört sie sich bewegen können. Mit steigender Temperatur schwingen die Atomrümpfe des Gitters stärker. Diese Schwingungen wirken wie ein Hindernislauf für die Elektronen — sie werden öfter gestreut und kommen schlechter voran. Folge: Der Widerstand steigt. Man nennt dieses Verhalten PTC (Positive Temperature Coefficient — der Temperaturkoeffizient ist positiv).
Beim Halbleiter sind die freien Ladungsträger Mangelware. Die Gitterschwingungen behindern die Elektronen zwar auch, aber dieser effekt ist deutlich kleiner als der andere: Mit steigender Temperatur werden viel mehr Elektronen aus den Bindungen herausgeschlagen und stehen damit als Ladungsträger zur Verfügung. Das Zusatzangebot an Elektronen überwiegt die Streuverluste bei Weitem. Folge: Der Widerstand sinkt mit der Temperatur. Dieses Verhalten heißt NTC (Negative Temperature Coefficient).
Für Metalle lässt sich die Widerstandsänderung in einem üblichen Temperaturbereich gut linear annähern:
Typische Werte des Temperaturkoeffizienten α (Angaben bei 20 °C, in 1/K):
| Werkstoff | α in 1/K |
|---|---|
| Kupfer | 0,00393 |
| Aluminium | 0,00403 |
| Eisen | 0,00657 |
| Wolfram | 0,0045 |
| Konstantan (CuNi44) | ca. 0,00004 |
Konstantan fällt aus dem Rahmen — sein α ist um etwa zwei Zehnerpotenzen kleiner. Genau deshalb wird er für Präzisionswiderstände eingesetzt: sein Widerstand ändert sich bei Temperaturschwankungen kaum.
Für Halbleiter ist die Kennlinie deutlich stärker nichtlinear. Eine einfache Formel wie für Metalle reicht nicht. Konkrete Berechnungsformeln für NTC-Sensoren werden in einem eigenen Beitrag zu Temperatursensoren behandelt.
R(T) = R_20 · (1 + α · ΔT)
- R(T) … Widerstand bei Temperatur T in Ω
- R_20 … Widerstand bei 20 °C in Ω
- α …… Temperaturkoeffizient in 1/K
- ΔT ….. Temperaturdifferenz T − 20 °C in K
ρ(T) = ρ_20 · (1 + α · ΔT)
- ρ(T) … spezifischer Widerstand bei Temperatur T
- ρ_20 … spezifischer Widerstand bei 20 °C
- α …… Temperaturkoeffizient in 1/K
- ΔT ….. Temperaturdifferenz T − 20 °C in K
Gelöstes Beispiel
Eine Kupferwicklung in einem Drehstrom-Asynchronmotor hat bei einer Werkstattmessung im kalten Zustand (20 °C) einen Strangwiderstand von 0,82 Ω. Im Betrieb erwärmt sich die Wicklung auf 95 °C. Welchen Widerstand zeigt sie jetzt?
Gegeben: R_20 = 0,82 Ω; T = 95 °C; α = 0,00393 1/K (Kupfer)
Gesucht: R(T) in Ω
Lösungweg:
- Temperaturdifferenz bestimmen: ΔT = T − 20 °C = 95 − 20 = 75 K
- Formel anwenden: R(T) = R_20 · (1 + α · ΔT) → R(T) = 0,82 · (1 + 0,00393 · 75) → R(T) = 0,82 · (1 + 0,29475) → R(T) = 0,82 · 1,29475 → R(T) ≈ 1,062 Ω
Ergebnis: R(95 °C) ≈ 1,06 Ω (Anstieg um etwa 29 % gegenüber dem kalten Zustand).
Übungen
Ein Aluminium-Leiter hat bei 20 °C einen Widerstand von 2,5 Ω. Wie groß ist der Widerstand bei 60 °C? (α = 0,00403 1/K)
R(60 °C) = 2,5 · (1 + 0,00403 · 40) = 2,5 · 1,1612 ≈ 2,90 Ω
Der spezifischer Widerstand von Kupfer beträgt bei 20 °C ρ_20 = 0,0178 Ω·mm²/m. Wie groß ist er bei 100 °C? (α = 0,00393 1/K)
ρ(100 °C) = 0,0178 · (1 + 0,00393 · 80) = 0,0178 · 1,3144 ≈ 0,0234 Ω·mm²/m
Eine Eisenleitung zeigt bei 20 °C einen Widerstand von 4 Ω. Bei welcher Temperatur erreicht sie einen Widerstand von 5 Ω? (α_Fe = 0,00657 1/K)
R/R_20 = 1 + α · ΔT → 1,25 = 1 + 0,00657 · ΔT → ΔT ≈ 38,1 K → T ≈ 58 °C
Eine Wolfram-Glühwendel hat bei 20 °C einen Widerstand von 50 Ω. Im Betrieb erreicht sie 2200 °C. Welchen Widerstand zeigt sie, wenn man die lineare Näherung anwendet — und warum ist das Ergebnis nur ein grober Richtwert? (α_W = 0,0045 1/K)
R(2200 °C) = 50 · (1 + 0,0045 · 2180) = 50 · 10,81 ≈ 540 Ω. Bei diesem riesigen Temperatursprung verlässt man den Gültigkeitsbereich der linearen Näherung; tatsächlich liegt der Betriebswiderstand einer Glühlampe nochmals höher.
Eine Kupferspule hat im Lager bei 20 °C 1,20 Ω. Nach einem Probelauf misst der Techniker 1,46 Ω. Welche mittlere Wicklungstemperatur hat die Spule erreicht? (α_Cu = 0,00393 1/K)
1,46 / 1,20 = 1,2167 → ΔT = 0,2167 / 0,00393 ≈ 55,1 K → T ≈ 75 °C
Warum steigt der Widerstand eines Kupferdrahts bei höherer Temperatur?
- a) Die Atomrümpfe schwingen stärker und streuen die freien Elektronen häufiger, dadurch werden sie in ihrer Bewegung gehemmt.
- b) Es entstehen bei höherer Temperatur weniger freie Elektronen.
- c) Die Bandlücke wird mit steigender Temperatur größer.
- d) Der Querschnitt des Leiters schrumpft durch die Wärmeausdehnung.
Richtig: a)
Bei Metallen ändert sich die Zahl der freien Elektronen mit der Temperatur kaum — sie ist ohnehin riesig. Entscheidend ist, dass die Gitterschwingungen mit der Temperatur zunehmen und die Elektronen häufiger streuen. Querschnitte ändern sich durch Wärmeausdehnung nur minimal, die Bandlücke spielt in Metallen praktisch keine Rolle.
Worin liegt der entscheidende Unterschied im Temperaturverhalten von Metall und reinem Halbleiter?
- a) Beide haben einen positiven Temperaturkoeffizienten, nur in unterschiedlicher Höhe.
- b) Beide haben einen negativen Temperaturkoeffizienten.
- c) Beim Metall steigt der Widerstand mit der Temperatur, beim Halbleiter sinkt er — weil im Halbleiter zusätzliche Ladungsträger erzeugt werden, deren Effekt die Streuung überwiegt.
- d) Der Halbleiter verhält sich exakt wie ein Metall, nur mit kleinerem α.
Richtig: c)
Der gegensätzliche Verlauf ist die zentrale Aussage des Kapitels. Beim Metall sind die Ladungsträger schon da, höhere Temperatur stört nur ihre Bewegung. Beim Halbleiter werden mit höherer Temperatur erst neue Ladungsträger erzeugt, und dieser Effekt überwiegt die Streuung deutlich.
Warum wird Konstantan für Präzisionswiderstände eingesetzt?
- a) Weil sein spezifischer Widerstand besonders klein ist.
- b) Weil sein Temperaturkoeffizient sehr klein ist und der Widerstand damit kaum von der Temperatur abhängt.
- c) Weil er ein Halbleiter ist.
- d) Weil er bei höherer Temperatur seinen Widerstand sprunghaft ändert.
Richtig: b)
Mit α in der Größenordnung von 0,00004 1/K ändert sich der Konstantan-Widerstand bei Temperaturschwankungen kaum — ideal für Messshunts und Präzisionswiderstände. Konstantan ist eine Kupfer-Nickel-Legierung, kein Halbleiter, und sein spezifischer Widerstand ist nicht besonders klein.
6. Ausblick — vom Werkstoff zum Bauelement
Reines Silizium ist als technisches Bauteil wenig brauchbar. Der spezifische Widerstand ist viel zu hoch, und die Leitfähigkeit hängt unkontrollierbar von der Temperatur ab. Damit lassen sich keine zuverlässigen elektronischen Funktionen aufbauen.
Der entscheidende Schritt zur Nutzbarmachung ist die gezielte Verunreinigung mit Fremdatomen — die Dotierung. Durch sie wird die Anzahl der freien Elektronen oder der Löcher gezielt erhöht. Es entstehen n-leitende Halbleiter (Elektronenüberschuss) und p-leitende Halbleiter (Löcherüberschuss). Wie das im Detail funktioniert und was am Übergang zweier solcher Bereiche passiert, ist Inhalt eines eigenen Beitrags.
Auf der Basis dotierter Halbleiter sind die zentralen Bauelemente der Elektronik aufgebaut:
- Die Diode lässt Strom nur in einer Richtung durch. Sie ist die Grundlage jeder Gleichrichterschaltung.
- Der Transistor schaltet und verstärkt elektrische Signale. Bipolartransistor und MOSFET sind die wichtigsten Vertreter.
- Die LED wandelt elektrische Energie direkt in Licht um — beim Übergang eines Elektrons vom Leitungs- zurück ins Valenzband.
- Thyristor und Triac sind leistungselektronische Schaltelemente, die große Ströme und Spannungen handhaben.
- Integrierte Schaltungen vereinen Millionen solcher Bauelemente auf einem einzigen Siliziumchip.
Jedes dieser Bauelemente wird in einem eigenen Beitrag behandelt.
Warum reicht reines Silizium für die Herstellung typischer elektronischer Bauelemente nicht aus?
- a) Es ist mechanisch zu spröde.
- b) Sein spezifischer Widerstand ist zu klein.
- c) Es leitet bei Raumtemperatur überhaupt nicht.
- d) Seine Leitfähigkeit ist zu gering und stark temperaturabhängig; erst durch gezielte Verunreinigung lassen sich verlässliche elektronische Funktionen erzielen.
Richtig: d)
Die Eigenleitung des reinen Siliziums ist gering und reagiert empfindlich auf die Temperatur. Ohne kontrollierte Dotierung wären weder Dioden noch Transistoren mit reproduzierbaren Kennwerten machbar. Sprödigkeit ist eine andere Eigenschaft, und Silizium leitet bei Raumtemperatur durch Eigenleitung schwach.
Welches elektronische Bauelement nutzt im Wesentlichen die Eigenschaft eines Halbleiterübergangs, Strom nur in einer Richtung durchzulassen?
- a) Diode
- b) Widerstand
- c) Kondensator
- d) Spule
Richtig: a)
Die Diode ist genau das Bauelement, das eine richtungsabhängige Leitung zeigt. Widerstand, Kondensator und Spule sind passive Bauelemente, die in beide Richtungen prinzipiell gleich reagieren.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Kupferleitung hat bei 20 °C einen Widerstand von 0,32 Ω. Wie hoch ist ihr Widerstand bei 75 °C?
Gegeben: R_20 = 0,32 Ω; T = 75 °C; α_Cu = 0,00393 1/K
Gesucht: R(75 °C) in Ω
Lösungsweg:
- ΔT = 75 − 20 = 55 K
- R(T) = 0,32 · (1 + 0,00393 · 55) = 0,32 · 1,2162 ≈ 0,389 Ω
Ergebnis: R(75 °C) ≈ 0,39 Ω
Aufgabe 2: Eine Aluminium-Schienenverbindung zeigt im kalten Zustand (20 °C) einen Übergangswiderstand von 12 µΩ. Welcher Wert ergibt sich bei 90 °C? (α_Al = 0,00403 1/K)
Gegeben: R_20 = 12 µΩ; T = 90 °C; α = 0,00403 1/K
Gesucht: R(90 °C) in µΩ
Lösungsweg:
- ΔT = 70 K
- R(T) = 12 · (1 + 0,00403 · 70) = 12 · 1,2821 ≈ 15,4 µΩ
Ergebnis: R(90 °C) ≈ 15,4 µΩ
Aufgabe 3: Eine Eisenwicklung hat bei 20 °C 5,4 Ω. Im Betrieb misst man 7,0 Ω. Welche mittlere Wicklungstemperatur hat sich eingestellt? (α_Fe = 0,00657 1/K)
Gegeben: R_20 = 5,4 Ω; R(T) = 7,0 Ω; α = 0,00657 1/K
Gesucht: T in °C
Lösungsweg:
- R/R_20 = 1 + α · ΔT → 7,0 / 5,4 = 1,2963
- ΔT = (1,2963 − 1) / 0,00657 ≈ 45,1 K
Ergebnis: T ≈ 65 °C
Aufgabe 4: Eine Kupferleitung soll bei 80 °C nicht mehr als 1,5 Ω Widerstand zeigen. Welcher Wert ist im Lager bei 20 °C einzuhalten? (α_Cu = 0,00393 1/K)
Gegeben: R(80 °C) ≤ 1,5 Ω; T = 80 °C; α = 0,00393 1/K
Gesucht: R_20 in Ω
Lösungsweg:
- R_20 = R(T) / (1 + α · ΔT) = 1,5 / (1 + 0,00393 · 60)
- R_20 = 1,5 / 1,2358 ≈ 1,214 Ω
Ergebnis: R_20 ≤ 1,21 Ω
Ein unbekannter Werkstoff zeigt bei 20 °C einen spezifischen Widerstand von 3 · 10⁻⁵ Ω·m. In welche Stoffklasse fällt er nach der üblichen Einteilung?
- a) Leiter
- b) Halbleiter im Grenzbereich zum Leiter
- c) Isolator
- d) Eindeutig Isolator, weil der Widerstand sehr klein ist
Richtig: b)
Der Wert liegt knapp oberhalb der Leiter-Grenze von 10⁻⁵ Ω·m. Damit fällt der Werkstoff in den unteren Halbleiterbereich. Der hier genannte Wert ist klein, aber nicht so klein wie typische Metalle (Größenordnung 10⁻⁸). „Eindeutig Isolator“ ist sachlich falsch, weil Isolatoren mehrere Zehnerpotenzen darüber liegen.
Welcher Zusammenhang gilt für eine Kupferwicklung zwischen Temperatur und Wicklungswiderstand?
- a) R sinkt linear mit steigender Temperatur.
- b) R bleibt unabhängig von der Temperatur konstant.
- c) R sinkt exponentiell mit steigender Temperatur, wie bei einem Halbleiter.
- d) R steigt näherungsweise linear nach R(T) = R_20 · (1 + α · ΔT).
Richtig: d)
Kupfer ist ein Metall mit positivem Temperaturkoeffizienten. Die lineare Näherung beschreibt das Verhalten im technisch üblichen Bereich gut. Ein Halbleiter-Verhalten zeigen Wicklungen aus Metall nicht.
Im Bändermodell ist die Bandlücke eines Isolators…
- a) genau gleich groß wie beim Leiter.
- b) typisch unter 1 eV.
- c) deutlich größer als beim Halbleiter, typisch über 3 eV.
- d) gar nicht vorhanden, weil sich Valenz- und Leitungsband überlappen.
Richtig: c)
Die große Bandlücke ist das definierende Merkmal des Isolators und der Grund, warum Wärmeenergie nicht ausreicht, um Elektronen ins Leitungsband zu heben. Beim Leiter überlappen die Bänder oder das Valenzband ist nur teilweise gefüllt; beim Halbleiter ist die Lücke klein.
Bei einer Werkstattmessung an einer Drehstrommaschine wird vor und nach dem Probelauf der Strangwiderstand der Kupferwicklung verglichen. Warum lässt das Rückschlüsse auf die Wicklungstemperatur zu?
- a) Weil Kupfer einen klaren positiven Temperaturkoeffizienten hat und die lineare Näherung im Betriebsbereich gut zutrifft.
- b) Weil die Wicklung im warmen Zustand sich ausdehnt und dadurch der Querschnitt schrumpft.
- c) Weil die Spannung in der Wicklung mit der Temperatur schwankt.
- d) Weil sich das α von Kupfer mit der Temperatur vollständig umkehrt.
Richtig: a)
Die Praxisanwendung folgt direkt aus der linearen Widerstandsformel. Wenn man R_20 kennt und R im warmen Zustand misst, lässt sich ΔT berechnen und damit die mittlere Wicklungstemperatur. Querschnittsänderungen durch Wärmeausdehnung sind im technisch üblichen Bereich vernachlässigbar.
Bei welchem der folgenden Werkstoffe sinkt der Widerstand mit steigender Temperatur am deutlichsten?
- a) Aluminium
- b) Kupfer
- c) Konstantan
- d) Reines Silizium
Richtig: d)
Aluminium, Kupfer und Konstantan sind Metalle mit positivem Temperaturkoeffizienten. Reines Silizium ist ein Halbleiter mit klar negativem Temperaturkoeffizienten, weil mit steigender Temperatur viele zusätzliche Elektronen ins Leitungsband gelangen.
Was unterscheidet Eigenleitung von Störstellenleitung?
- a) Bei der Eigenleitung gibt es überhaupt keine Ladungsträger.
- b) Bei der Eigenleitung stammen alle Ladungsträger aus dem reinen Halbleiter selbst, ohne Fremdatome.
- c) Eigenleitung tritt nur in Metallen auf.
- d) Eigenleitung benötigt elektrische Spannung als Energiequelle.
Richtig: b)
Die saubere Abgrenzung lautet: Eigenleitung = Ladungsträger aus dem reinen Kristall, Störstellenleitung = Ladungsträger durch gezielt eingebrachte Fremdatome. Eigenleitung benötigt thermische oder optische Energie, nicht primär eine angelegte Spannung.
Eine technische Faustregel sagt: Eine Kupferwicklung erwärmt sich im Betrieb von 20 °C auf 95 °C, ihr Widerstand steigt um etwa…
- a) 29 %.
- b) 1 %.
- c) 75 %.
- d) 200 %.
Richtig: a)
ΔT = 75 K, α · ΔT = 0,00393 · 75 ≈ 0,295. Der Widerstand wächst also auf das 1,295-fache, was etwa 29 % Anstieg entspricht. Diese Faustregel taucht in der Praxis immer wieder auf.
Welche Aussage zur Bandlücke ist falsch?
- a) Beim Halbleiter beträgt die Bandlücke typisch um die 1 eV.
- b) Die Bandlücke ist der Energieabstand zwischen Valenz- und Leitungsband.
- c) Beim Leiter ist die Bandlücke groß und positiv, deshalb leitet er.
- d) Beim Isolator ist die Bandlücke so groß, dass thermische Energie sie nicht überwindet.
Richtig: c)
Beim Leiter ist genau das Gegenteil der Fall: Es gibt keine wirksame Bandlücke (die Bänder überlappen) oder das Valenzband ist nur teilweise gefüllt. Eine große Bandlücke ist charakteristisch für Isolatoren, nicht für Leiter.
Wenn ein reines Halbleitermaterial auf nahezu 0 K abgekühlt wird, verhält es sich elektrisch wie…
- a) ein guter Leiter, weil keine Gitterschwingungen mehr stören.
- b) ein Isolator, weil praktisch keine Elektronen mehr ins Leitungsband gelangen.
- c) ein Supraleiter mit Widerstand null.
- d) genau wie bei Raumtemperatur, da die Bandlücke konstant ist.
Richtig: b)
Bei sehr tiefen Temperaturen reicht die thermische Energie nicht aus, Elektronen ins Leitungsband zu heben. Die Bandlücke selbst ist zwar weitgehend temperaturkonstant, aber ohne Anregungsenergie bleiben die Elektronen im Valenzband. Supraleitung ist ein eigener effekt, der nur bei bestimmten Materialien unterhalb einer Sprungtemperatur eintritt.
Ein NTC-Heißleiter wird häufig zur Temperaturmessung eingesetzt. Welche Eigenschaft macht ihn dafür geeignet?
- a) Sein Widerstand ist konstant über die Temperatur.
- b) Sein Widerstand steigt linear mit der Temperatur.
- c) Sein Widerstand ist von der Temperatur unabhängig, dafür empfindlich auf Druck.
- d) Sein Widerstand sinkt stark und reproduzierbar mit steigender Temperatur, sodass man aus dem Widerstandswert auf die Temperatur zurückrechnen kann.
Richtig: d)
Genau diese starke und systematische Widerstandsänderung mit der Temperatur ist die nutzbare Eigenschaft für die Messung. Konstanter Widerstand wäre zur Temperaturerfassung wertlos. Die genauen Kennlinien und Berechnungsformeln werden in einem eigenen Beitrag zu Temperatursensoren behandelt.
Glossar
- Valenzelektronen
- Die Elektronen auf der äußersten Schale eines Atoms. Sie bestimmen die chemischen Bindungen und die elektrischen Eigenschaften eines Werkstoffs.
- Elektronengas
- Modellvorstellung für die freien Elektronen in einem Metall. Die Außenelektronen sind nicht an einzelne Atome gebunden, sondern bewegen sich zwischen den positiv geladenen Atomrümpfen.
- Leiter
- Werkstoff mit sehr geringem spezifischen Widerstand (ca. 10⁻⁸ bis 10⁻⁵ Ω·m). Hat viele frei bewegliche Elektronen.
- Halbleiter
- Werkstoff mit mittlerem spezifischen Widerstand (ca. 10⁻⁵ bis 10⁸ Ω·m). Hat eine kleine Bandlücke, sodass thermische Energie Ladungsträger erzeugt.
- Isolator
- Werkstoff mit sehr hohem spezifischen Widerstand (über 10⁸ Ω·m). Hat eine große Bandlücke, sodass kaum bewegliche Ladungsträger entstehen.
- Bändermodell
- Energetisches Modell, das die Elektronen im Festkörper über breite Energiebänder beschreibt. Es erklärt das unterschiedliche Verhalten der drei Stoffklassen.
- Valenzband
- Das oberste energetische Band, das im Grundzustand mit Elektronen besetzt ist. Diese Elektronen sind in chemischen Bindungen eingespannt.
- Leitungsband
- Das energetisch über dem Valenzband liegende Band. Elektronen, die es erreichen, können sich frei bewegen und tragen zum Stromfluss bei.
- Bandlücke
- Energieabstand zwischen Valenz- und Leitungsband, gemessen in Elektronenvolt (eV). Sie ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen Leiter, Halbleiter und Isolator.
- Eigenleitung
- Leitfähigkeit eines reinen Halbleitermaterials, bei der die Ladungsträger ausschließlich durch thermische Anregung aus dem Kristall selbst stammen.
- Loch (Defektelektron)
- Stelle im Valenzband, an der ein Elektron fehlt. Wirkt wie eine positive Ladung und trägt durch das Nachrücken benachbarter Elektronen zum Stromfluss bei.
- Temperaturkoeffizient α
- Stoffspezifische Größe in 1/K, die angibt, wie stark sich der Widerstand eines Werkstoffs pro Kelvin Temperaturänderung ändert.
- PTC (Positive Temperature Coefficient)
- Verhalten eines Werkstoffs mit positivem Temperaturkoeffizienten: Der Widerstand steigt mit der Temperatur. Typisch für Metalle.
- NTC (Negative Temperature Coefficient)
- Verhalten eines Werkstoffs mit negativem Temperaturkoeffizienten: Der Widerstand sinkt mit der Temperatur. Typisch für reine Halbleiter; Anwendung als Heißleiter.
