Zeitrelais
Einzeitrelais ist ein Relais mit eingebauter Zeitfunktion. Es schaltet nicht sofort, sondern verzögert — oder es gibt nur einen kurzen Impuls ab, oder es taktet im Sekundentakt. Genau diese Zeitsteuerung macht es zur Schlüsselkomponente in fast jeder klassischen Schützsteuerung: Lüfter-Nachlauf, gestaffelter Anlauf, Stern-Dreieck-Umschaltung, Warnblinkleuchte — überall stecken Zeitrelais drin.
Vorwissen
- Schütze und Relais
- Selbsthaltung
- Verriegelungen: UND- und ODER-Verknüpfung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- Aufbau und Anschluss eines Zeitrelais erklären, inklusive Klemmenbelegung
- Die wichtigsten Funktionsarten (ansprechverzögert, abfallverzögert, Wischer, Taktgeber) unterscheiden und im Zeitdiagramm darstellen
- Schaltsymbole eines Zeitrelais nach IEC 60617 lesen und im Stromlaufplan erkennen
- Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis eines Taktgebers berechnen
- Ein passendes Zeitrelais für eine konkrete Anwendung auswählen
1. Was ist ein Zeitrelais?
Ein gewöhnliches Schaltrelais oder Schütz schaltet sofort, sobald die Spule Spannung bekommt — Reaktionszeit im Millisekundenbereich. Beim Zeitrelais kommt zwischen Eingangssignal und Schaltvorgang eine gezielt einstellbare Zeit. Die Spule selbst reagiert nach wie vor sofort. Verzögert wird das Umschalten der Kontakte.
Warum braucht eine Steuerung diese Zeit?
- Ein Lüfter soll nach Abschaltung der Maschine noch eine Minute weiterlaufen, um Restwärme abzuführen
- Mehrere große Verbraucher sollen nicht gleichzeitig anlaufen, sondern um wenige Sekunden versetzt — sonst löst die Vorsicherung aus
- Ein Stern-Dreieck-Anlauf braucht ein definiertes Umschaltintervall vom Stern- in den Dreieckbetrieb (eigener Beitrag „Stern-Dreieck-Schaltung“)
- Eine Warnleuchte soll im Sekundentakt blinken
Lange waren pneumatische Zeitrelais üblich — ein kleiner Luftkolben, der über eine einstellbare Drossel entweicht. Auch motorische Zeitrelais mit Synchronmotor und Nockenscheibe gab es. Beide sind heute Sonderfälle. Standard sind elektronische Zeitrelais mit Mikrocontroller: genauer, kompakter, im Zeitbereich von Millisekunden bis Stunden und fast immer mit mehreren Funktionen in einem Gerät.
In einer Steuerung soll ein Lüfter nach Maschinenstopp noch 60 Sekunden nachlaufen. Welche Aussage ist korrekt?
- a) Ein normales Schütz reicht aus, wenn man den Lüfter länger über einen Schalter ein lässt
- b) Mit einer Selbsthaltung allein wird ein Nachlauf realisiert
- c) Es wird ein Zeitrelais mit Zeitverzögerung beim Abfallen benötigt
- d) Ein Motorschutzrelais erzeugt automatisch den Nachlauf
Richtig: c)
Ein Nachlauf nach Abschaltung ist die klassische Aufgabe eines abfallverzögerten Zeitrelais. Selbsthaltung würde den Lüfter dauerhaft eingeschaltet halten. Ein Motorschutzrelais schützt vor Überlast, hat aber keine Nachlauffunktion.
Was passiert in einem elektronischen Zeitrelais zwischen Anlegen der Steuerspannung an A1/A2 und dem Umschalten des Kontakts?
- a) Ein Mikrocontroller misst die eingestellte Zeit und gibt nach Ablauf den Schaltbefehl an den kontakt
- b) Die Spule lädt sich langsam auf, bis sie genug Kraft hat, den Anker zu bewegen
- c) Ein pneumatischer Kolben entweicht über eine Drossel
- d) Es passiert nichts — der kontakt schaltet immer sofort
Richtig: a)
Bei elektronischen Zeitrelais — heute der Standard — übernimmt ein Mikrocontroller die Zeitmessung. Die anderen Antworten beschreiben veraltete Bauformen (pneumatisch) oder treffen einfach nicht zu.
Welche der folgenden Aussagen über elektronische Zeitrelais ist falsch?
- a) Sie sind in der Regel multifunktional, das heißt mehrere Zeitfunktionen lassen sich per Drehschalter wählen
- b) Sie haben breite Zeitbereiche von Millisekunden bis Stunden
- c) Sie sind genauer als pneumatische oder motorische Bauformen
- d) Sie funktionieren ohne Versorgungsspannung, weil die Zeit rein mechanisch gemessen wird
Richtig: d)
Elektronische Zeitrelais benötigen zwingend eine Versorgungsspannung an A1/A2 — die gesamte Zeitmessung läuft elektronisch. Die anderen Aussagen sind korrekt. Mechanische Zeitmessung ist Merkmal der historischen pneumatischen oder motorischen Bauformen.
2. Aufbau, Anschluss und Klemmenbelegung
Ein modernes Zeitrelais für die Schaltschrankmontage besteht aus wenigen klar erkennbaren Elementen:
- Versorgungsspannungseingang an den Klemmen A1 und A2 — A1 ist Plus (bei DC) oder Phase (bei AC), A2 entsprechend Minus oder Neutralleiter
- Schaltkontakte, meist als Wechslerkontakte (Umschaltkontakt) ausgeführt
- Einstellelemente an der Gehäusefront: ein oder mehrere Drehpotis und Drehschalter
- LED-Anzeigen für Versorgungsspannung und Schaltzustand
Die Klemmen tragen in der Industrie eine weitverbreitete Codierung:
| Klemme | Funktion |
|---|---|
| A1, A2 | Steuerspannung Spule |
| 15, 16, 18 | Wechslerkontakt 1 (15 = gemeinsam, 16 = Öffner, 18 = Schließer) |
| 25, 26, 28 | Wechslerkontakt 2 (analog) |
| B1 | Optionaler Steuereingang für bestimmte Funktionen |
Erste Ziffer = Kontaktnummer, zweite Ziffer = Funktion. Bei verzögert schaltenden Kontakten variieren manche hersteller die zweite Ziffer (z.B. 5/6 für verzögert öffnend, 7/8 für verzögert schließend). Das Datenblatt zeigt für das konkrete Gerät die genaue Zuordnung.
Versorgungsspannungsbereich: Multispannungstypen decken 24 V DC bis 240 V AC ab — ein Gerät für nahezu jede Anwendung. Reine 24-V-DC-Typen kommen häufig in Steuerstromkreisen mit Schaltnetzteil zum Einsatz.
Einstellelemente an der Front:
- Zeitbereich: Drehschalter mit Faktorbereichen — z.B. 1 s / 10 s / 100 s / 1 min / 10 min / 1 h / 10 h
- Zeitwert: Drehpoti mit Skala von 0 bis 10 oder von 5 bis 100 %, wird mit dem Zeitbereich multipliziert
- Funktionsart: bei Multifunktionsrelais ein zusätzlicher Drehschalter mit den Kennbuchstaben der Funktionen (E, R, We, Wa, Bp, Bi, Sd)
Bauformen:
- 17,5-mm-Reihengerät auf der Hutschiene — eine Teilungseinheit breit, heute der Standard
- 8- oder 11-polige Steckrelais auf einem entsprechenden Sockel — oft in älteren Anlagen anzutreffen
- Solid-State-Ausführungen mit elektronischen Ausgängen für hohe Schalthäufigkeiten ohne mechanische Kontakte
An welchen Klemmen wird die Steuerspannung eines Zeitrelais angeschlossen?
- a) 15 und 16
- b) A1 und A2
- c) 18 und 28
- d) B1 und A2
Richtig: b)
A1/A2 sind die genormten Klemmen der Spule bzw. des Versorgungseingangs bei Relais und Schützen. 15/16/18 und 25/26/28 sind die Schaltkontakte. B1 ist ein optionaler Steuereingang für bestimmte Funktionen.
Ein Zeitrelais soll auf 30 Sekunden eingestellt werden. Welche Kombination ist sinnvoll, wenn der Drehschalter Zeitbereiche 1s / 10s / 100s / 1min anbietet und das Poti 0 bis 10 zeigt?
- a) Bereich 1s, Poti 30
- b) Bereich 10s, Poti 30
- c) Bereich 1min, Poti 5
- d) Bereich 10s, Poti 3
Richtig: d)
10 s × 3 = 30 s — Bereich liegt nahe an der gewünschten Zeit, das Poti steht im mittleren Bereich. Bereich 100s × 0,3 wäre rechnerisch dasselbe, aber bei sehr kleinen Potistellungen wird die relative Genauigkeit schlechter. Bereich 1s × 30 geht gar nicht, weil das Poti nur bis 10 reicht.
Welche Aussage zu Multispannungs-Zeitrelais ist richtig?
- a) Sie funktionieren mit verschiedenen Versorgungsspannungen von 24 V DC bis 240 V AC und reduzieren die Lagerhaltung
- b) Sie schalten gleichzeitig mit unterschiedlichen Lastspannungen
- c) Sie haben zwei Versorgungsanschlüsse und können beide Spannungsarten gleichzeitig versorgt werden
- d) Sie sind elektronisch nicht zulässig in Steuerstromkreisen
Richtig: a)
Multispannung bedeutet, dass das Gerät einen breiten Eingangsspannungsbereich akzeptiert, intern mit Schaltnetzteil arbeitet und so ein Modell für viele Spannungsebenen abdeckt. Ein gleichzeitiger Anschluss an zwei Versorgungen ist nicht gemeint.
3. Funktionsarten im Überblick
Multifunktions-Zeitrelais bilden alle gängigen Zeitfunktionen in einem Gerät ab. Per Drehschalter wird die gewünschte Funktion gewählt. Die Kennbuchstaben sind herstellerübergreifend weitgehend einheitlich und gehen auf die Norm IEC 60617 zurück.
| Kürzel | Bezeichnung | Funktion in einem Satz |
|---|---|---|
| E | Ansprechverzögert | Kontakt schaltet erst nach Ablauf der Zeit, wenn Spule eingeschaltet wird |
| R | Abfallverzögert | Kontakt fällt erst nach Ablauf der Zeit ab, wenn Spule ausgeschaltet wird |
| We | Einschaltwischend | Kurzer Impuls direkt nach dem Einschalten der Spule |
| Wa | Ausschaltwischend | Kurzer Impuls direkt nach dem Ausschalten der Spule |
| Bp | Taktgeber, mit Pause startend | Zyklisches Aus/Ein, beginnt mit der Pause |
| Bi | Taktgeber, mit Impuls startend | Zyklisches Ein/Aus, beginnt mit dem Impuls |
| Sd | Stern-Dreieck | Spezialfunktion mit Umschaltpause für den Y/Δ-Anlauf |
Die meistgebrauchten Funktionen sind ansprechverzögert und abfallverzögert. Sie decken den Großteil aller Anlauf- und Nachlaufanwendungen ab. Wischrelais (einschalt- und ausschaltwischend) liefern kurze Impulse für nachgeschaltete Zähl-, Schritt- oder Hilfsschütze.
Für den Stern-Dreieck-Anlauf gibt es spezielle Sd-Zeitrelais oder die Sd-Funktion auf einem Multifunktionsrelais. Sie steuert die Umschaltung vom Sternschütz zum Dreieckschütz mit einer kurzen Spannungspause dazwischen. Die Schaltung selbst — mit Hauptschütz, Sternschütz, Dreieckschütz und der nötigen Verriegelung — ist Thema im eigenen Beitrag „Stern-Dreieck-Schaltung“.
Welche Funktion bezeichnet das Kürzel R?
- a) Relaisschaltung allgemein
- b) Relais-Reset
- c) Abfallverzögert
- d) Rückwärts-Zähler
Richtig: c)
R steht für Rückfall-/Abfallverzögerung — der kontakt fällt erst nach Ablauf der eingestellten Zeit ab, nachdem die Steuerspannung weggenommen wurde. R hat nichts mit Reset oder Zählerfunktion zu tun.
Ein Zeitrelais soll nach jedem Einschalten der Steuerspannung einen kurzen Impuls von 0,5 s an einen Hilfszähler abgeben. Welche Funktion ist passend?
- a) Ansprechverzögert
- b) Einschaltwischend
- c) Abfallverzögert
- d) Taktgeber Bp
Richtig: b)
Genau dafür ist die einschaltwischende Funktion gemacht: ein kurzer Impuls der eingestellten Wischzeit beim Einschalten, danach fällt der kontakt selbständig wieder ab. Ansprechverzögert würde den kontakt nach Ablauf der Zeit dauerhaft schalten, nicht kurz pulsen.
Wo wird die Sd-Funktion eingesetzt?
- a) Beim Stern-Dreieck-Anlauf eines Drehstrommotors
- b) Beim Schutz vor Überstrom
- c) Bei der Sicherheits-Drehzahlüberwachung
- d) Beim Sanftanlauf mit Frequenzumrichter
Richtig: a)
Sd steht für Stern-Dreieck — die Funktion erzeugt das Umschaltsignal vom Sternschütz zum Dreieckschütz mit der nötigen kurzen Pause dazwischen. Schutzfunktionen und Sanftanlauf sind eigene Geräteklassen.
4. Schaltsymbole nach IEC 60617
Im Stromlaufplan wird ein Zeitrelais wie ein normales Relais aus Spule und Kontakten dargestellt — mit zusätzlichen Markierungen, die die zeitverzögerte Funktion zeigen.
Spulensymbol: Ein Rechteck wie bei jedem Relais, ergänzt durch einen seitlich angesetzten Halbkreis. Die Lage des Halbkreises zeigt die Wirkrichtung:
- Halbkreis nach unten geöffnet → ansprechverzögert (Verzögerung beim Einschalten)
- Halbkreis nach oben geöffnet → abfallverzögert (Verzögerung beim Ausschalten)
- Halbkreis beidseitig oder gefüllt → Wischer-Funktion
Kontaktsymbole: Schließer- und Öffnerkontakte wie gewohnt, ergänzt durch eine kleine halbkreisförmige Markierung an der Kontaktbrücke. Diese Markierung steht für „verzögert schaltend“:
- Verzögert schließender Schließer: Halbkreis öffnet sich nach unten
- Verzögert öffnender Schließer: Halbkreis öffnet sich nach oben
Die Zuordnung von Spule zu Kontakten erfolgt über die Bauteilkennzeichnung. Ein Zeitrelais bekommt typisch den Buchstaben K mit angehängtem T für Time — z.B. K1T, K2T. Alle Kontakte einer Spule tragen das gleiche Kürzel und können im Stromlaufplan weit verteilt sein. Der nebenstehende Querverweis auf das Strompfad-Schema zeigt, in welchen Strompfaden die zugehörigen Kontakte zu finden sind.
Welche Markierung am Spulensymbol zeigt eine ansprechverzögerte funktion?
- a) Ein gefülltes Quadrat oberhalb des Rechtecks
- b) Ein kleiner Pfeil rechts vom Rechteck
- c) Eine Schraffur im Rechteck
- d) Ein Halbkreis nach unten geöffnet am Rechteck
Richtig: d)
IEC 60617 verwendet einen nach unten geöffneten Halbkreis am Spulenrechteck für die Ansprech-Verzögerung. Nach oben offen wäre die Abfall-Verzögerung. Die anderen Markierungen kommen in der Norm nicht vor.
Wie wird ein verzögert schließender Schließerkontakt im Stromlaufplan dargestellt?
- a) With einem Pfeil neben dem kontakt
- b) With einer doppelten Kontaktbrücke
- c) With einem zusätzlichen Halbkreis an der Kontaktbrücke
- d) With gestrichelter statt durchgezogener Linie
Richtig: c)
Die zeitverzögerte funktion wird am kontakt durch einen kleinen Halbkreis an der Kontaktbrücke angezeigt — Öffnungsrichtung des Halbkreises kennzeichnet, ob das Schließen oder das Öffnen verzögert ist. Gestrichelte Linien stehen in der IEC-Norm für mechanische Wirklinien, nicht für Zeitverzögerung.
Du siehst im Stromlaufplan die Spule „K3T“ und den kontakt „K3T 17-18″. Was bedeutet das?
- a) Es handelt sich um zwei unabhängige Bauteile mit zufällig gleichem Namen
- b) Der kontakt 17-18 gehört zur Zeitrelais-Spule K3T
- c) Das T zeigt an, dass es sich um einen Tastkontakt handelt
- d) Die Bezeichnung ist nicht normgerecht
Richtig: b)
Alle kontakte einer Spule tragen dasselbe Kürzel. Das angehängte T weist die Spule und ihre kontakte als Zeitrelais aus (Time). 17-18 sind die Klemmen eines konkreten kontakts. So findet man Spule und zugehörige kontakte sicher über den ganzen Stromlaufplan hinweg.
5. Zeitdiagramme der wichtigsten Funktionen
Ein Zeitdiagramm zeigt, wie der Kontakt auf das Eingangssignal reagiert. Auf der waagrechten Achse läuft die Zeit, auf der senkrechten stehen die beiden Zustände HIGH (Spannung an, Kontakt geschlossen) und LOW (aus, Kontakt offen). Zwei Signale werden übereinander gezeichnet: oben das Eingangssignal an A1/A2, darunter der Schaltzustand des Kontakts.
Ansprechverzögert (E): Steuerspannung wird eingeschaltet. Der Kontakt schaltet erst nach Ablauf der Verzögerungszeit $t_v$ um. Sobald die Steuerspannung wieder weggenommen wird, fällt der Kontakt sofort ab.
Abfallverzögert (R): Steuerspannung wird eingeschaltet. Der Kontakt schaltet sofort. Beim Ausschalten der Steuerspannung bleibt der Kontakt noch für die Verzögerungszeit $t_v$ geschlossen und fällt dann ab. Bei manchen Bauformen muss die Versorgungsspannung weiterhin anliegen, während ein separater Steuereingang (Klemme B1) geschaltet wird — sonst wäre keine Energie mehr da, um die Zeit zu messen.
Einschaltwischend (We): Beim Einschalten der Steuerspannung gibt der Kontakt einen Impuls der Dauer Wischimpulszeit $t_w$ und fällt dann ab — unabhängig davon, wie lange die Steuerspannung danach noch anliegt.
Ausschaltwischend (Wa): Beim Ausschalten der Steuerspannung gibt der Kontakt einen Impuls der Dauer $t_w$ und fällt danach wieder ab.
Taktgeber (Bp / Bi): Solange die Steuerspannung anliegt, wechselt der Kontakt regelmäßig zwischen offen und geschlossen. Bp startet mit der Pause (Aus), Bi startet mit dem Impuls (Ein). Eingestellt werden $t_{ein}$ und $t_{aus}$.
Bei einem ansprechverzögerten Zeitrelais wird die Steuerspannung 5 Sekunden lang eingeschaltet, dann wieder ausgeschaltet. Die Verzögerungszeit ist auf 8 Sekunden eingestellt. Was passiert?
- a) Der kontakt schaltet nicht — die Zeit wird beim Ausschalten zurückgesetzt
- b) Der kontakt schaltet 8 Sekunden nach dem Einschalten, also 3 Sekunden nach dem Ausschalten
- c) Der kontakt schaltet sofort beim Ausschalten
- d) Der kontakt schaltet 5 Sekunden lang ein
Richtig: a)
Bei ansprechverzögert wird der kontakt erst geschaltet, nachdem die Zeit vollständig abgelaufen ist UND die Steuerspannung weiterhin anliegt. Wird die Spannung vor Ablauf der Zeit weggenommen, beginnt die Messung beim nächsten Einschalten von vorne — der kontakt schaltet in diesem Beispiel nie.
Du beobachtest ein Zeitdiagramm: Steuerspannung wird eingeschaltet — kontakt schaltet sofort. Steuerspannung wird ausgeschaltet — kontakt fällt nach 3 Sekunden ab. Welche Funktion liegt vor?
- a) Ansprechverzögert (E)
- b) Einschaltwischend (We)
- c) Abfallverzögert (R)
- d) Taktgeber (Bp)
Richtig: c)
Genau dieses Verhalten — sofortiges Einschalten, verzögertes Ausschalten — ist die abfallverzögerte funktion. Klassische Anwendung: Lüfter-Nachlauf.
Wo liegt der Unterschied zwischen einem Wischrelais (We) und einem ansprechverzögerten Relais (E)?
- a) Wischrelais arbeitet schneller als ansprechverzögert
- b) Wischrelais nutzt eine andere Spulenbauart
- c) Wischrelais benötigt eine höhere Steuerspannung
- d) Wischrelais gibt einen kurzen Impuls ab, ansprechverzögert schaltet dauerhaft nach Ablauf der Zeit
Richtig: d)
Der wesentliche Unterschied ist die kontaktdauer. Beim Wischrelais bleibt der kontakt nur für die eingestellte Wischzeit $t_w$ geschlossen. Beim ansprechverzögerten Relais bleibt er nach Ablauf von $t_v$ geschlossen, solange die Steuerspannung anliegt.
6. Taktgeber: Periode, Frequenz, Tastverhältnis
Ein als Taktgeber konfiguriertes Zeitrelais erzeugt eine fortlaufende Folge aus Einschalt- und Ausschaltphasen. Drei Größen beschreiben diese Folge vollständig.
Periodendauer T ist die Summe einer Ein- und einer Ausschaltphase — die Zeit für einen vollen Zyklus:
T = t_ein + t_aus
- T … Periodendauer in s
- t_ein … Einschaltzeit in s
- t_aus … Ausschaltzeit in s
Frequenz f ist der Kehrwert der Periodendauer und gibt an, wie viele Zyklen pro Sekunde durchlaufen werden:
f = 1 / T
- f … Frequenz in Hz (1/s)
- T … Periodendauer in s
Tastverhältnis D (englisch: duty cycle) ist das Verhältnis von Einschaltzeit zur Periodendauer, üblicherweise in Prozent angegeben:
D = t_ein / T * 100
- D … Tastverhaeltnis in %
- t_ein … Einschaltzeit in s
- T … Periodendauer in s
Beispiel: Eine Warnblinkleuchte mit $t_{ein} = 0,5$ s und $t_{aus} = 0,5$ s hat eine Periodendauer von 1 s, eine Frequenz von 1 Hz und ein Tastverhältnis von 50 % — symmetrischer Takt. Wird die Leuchte dagegen mit $t_{ein} = 0,2$ s und $t_{aus} = 1,8$ s betrieben — kurz leuchtend mit langer Pause — beträgt das Tastverhältnis 10 %, die Frequenz 0,5 Hz.
Gelöstes Beispiel
Eine Warnleuchte am Schaltschrank soll mit einer Frequenz von 2 Hz und einem Tastverhältnis von 50 % blinken. Bestimme die einzustellenden Werte $t_{ein}$ und $t_{aus}$.
Gegeben: f = 2 Hz, D = 50 %
Gesucht: t_ein, t_aus
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Periodendauer aus Frequenz: T = 1 / f = 1 / 2 Hz = 0,5 s
- Schritt 2 — Einschaltzeit aus Tastverhältnis: t_ein = D · T = 0,5 · 0,5 s = 0,25 s
- Schritt 3 — Ausschaltzeit: t_aus = T – t_ein = 0,5 s – 0,25 s = 0,25 s
Ergebnis: t_ein = 0,25 s, t_aus = 0,25 s
Übungen
Ein Taktgeber ist auf $t_{ein} = 1$ s und $t_{aus} = 1$ s eingestellt. Berechne Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis.
T = 2 s, f = 0,5 Hz, D = 50 %
Ein Taktgeber arbeitet mit $t_{ein} = 0,2$ s und $t_{aus} = 0,8$ s. Berechne Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis.
T = 1 s, f = 1 Hz, D = 20 %
Eine Anwendung verlangt eine Blinkfrequenz von 4 Hz mit einem Tastverhältnis von 25 %. Bestimme $t_{ein}$ und $t_{aus}$.
T = 0,25 s; t_ein = 0,0625 s; t_aus = 0,1875 s
Bei einer Pumpenwechselsteuerung soll alle 12 Stunden zwischen Pumpe 1 und Pumpe 2 gewechselt werden, symmetrisch. Berechne Periodendauer und Frequenz des Takts.
t_ein = t_aus = 12 h = 43.200 s; T = 24 h = 86.400 s; f ≈ 1,16 · 10⁻⁵ Hz
Eine Warnleuchte hat ein Tastverhältnis von 30 % und eine Ausschaltzeit von 1,4 s. Wie groß sind Periodendauer, Frequenz und Einschaltzeit?
t_aus = (1 – D) · T → T = t_aus / (1 – D) = 1,4 s / 0,7 = 2,0 s; f = 0,5 Hz; t_ein = 0,6 s
Ein Taktgeber arbeitet mit $t_{ein} = 2$ s und $t_{aus} = 3$ s. Wie groß ist das Tastverhältnis?
- a) 50 %
- b) 60 %
- c) 40 %
- d) 66,7 %
Richtig: c)
D = t_ein / (t_ein + t_aus) · 100 % = 2 s / 5 s · 100 % = 40 %. Eine häufige Fehlerquelle ist die Verwechslung mit t_ein / t_aus — das wäre 2/3 = 66,7 %, aber per Definition wird auf die ganze Periodendauer bezogen.
Was beschreibt das Tastverhältnis eines Taktgebers?
- a) Den Quotienten Frequenz zu Periodendauer
- b) Die Anzahl der Schaltvorgänge pro Stunde
- c) Die mittlere Spannung am Ausgang
- d) Den Anteil der Einschaltzeit an der gesamten Periodendauer
Richtig: d)
Tastverhältnis = t_ein / T. Es sagt aus, wie groß der Anteil der Einschaltphase an einem vollen Zyklus ist. Frequenz und Tastverhältnis sind verschiedene Größen — beide werden zur vollständigen Beschreibung gebraucht.
Eine Steuerung verlangt eine Blinkfrequenz von 1 Hz und D = 75 %. Wie groß sind $t_{ein}$ und $t_{aus}$?
- a) t_ein = 0,75 s, t_aus = 0,25 s
- b) t_ein = 1 s, t_aus = 0,75 s
- c) t_ein = 0,25 s, t_aus = 0,75 s
- d) t_ein = 7,5 s, t_aus = 2,5 s
Richtig: a)
f = 1 Hz → T = 1 s. Bei D = 75 % ist t_ein = 0,75 · 1 s = 0,75 s; t_aus = T − t_ein = 0,25 s. Antwort c) wäre D = 25 %, also genau das Gegenteil — typischer Verwechslungsfehler.
7. Praxiseinsatz und Auswahlkriterien
Drei Anwendungen treten besonders häufig auf:
Lüfter-Nachlauf: Ein Frequenzumrichter oder ein Schweißgerät erzeugt Restwärme, die nach Abschaltung noch abgeführt werden muss. Ein abfallverzögertes Zeitrelais lässt den Lüfter nach Wegnahme des Steuersignals noch 1 bis 5 Minuten weiterlaufen. Vorteil: Die Elektronik wird vor Hitzestau geschützt, die Lebensdauer der Bauteile steigt deutlich.
Zeitversetzter Anlauf: Beim gleichzeitigen Einschalten mehrerer großer Verbraucher addieren sich ihre Einschaltströme zu einem kräftigen Stromstoß, der die Vorsicherung auslösen kann. Ein oder mehrere ansprechverzögerte Zeitrelais staffeln die Zuschaltung im Sekundenabstand. Vorteil: Geringerer Inrush-Strom, schonenderer Anlauf für Transformatoren, Sicherungen und Netz.
Pumpenwechsel im Tagestakt: Bei einer Doppelpumpenanlage (Heizung, Wasserversorgung, Druckerhöhung) wird zyklisch zwischen Pumpe 1 und Pumpe 2 gewechselt. Ein Taktgeber-Zeitrelais mit großer Periode steuert die Umschaltung über ein nachgeschaltetes Hilfsschütz oder Wechselschütz. Vorteil: Gleichmäßiger Verschleiß beider Pumpen, Reserve im Defektfall.
Zwei weitere klassische Einsatzgebiete mit Verweis auf eigene Beiträge:
- Stern-Dreieck-Umschaltzeit: Beim Y/Δ-Anlauf legt ein Sd-Zeitrelais die Umschaltzeit vom Stern- in den Dreieckbetrieb fest, typisch 3 bis 10 Sekunden. Details und Schaltung dazu im Beitrag „Stern-Dreieck-Schaltung“.
- SPS-Zeitfunktionen: In der SPS bilden die Funktionen TON, TOF und TP softwareseitig dieselben Funktionen ab wie ansprech-, abfallverzögert und Wischer in der klassischen Schützsteuerung. Mehr dazu im Beitrag „Zeitfunktionen (TON, TOF, TP)“.
Auswahlkriterien beim Einkauf eines Zeitrelais:
- Zeitbereich: Die Anwendung soll im mittleren Drittel des Geräts liegen. Wer 30 Sekunden braucht, wählt nicht den Endbereich eines 60-Sekunden-Geräts — die relative Genauigkeit ist am Skalenanschlag am schlechtesten.
- Wiederholgenauigkeit: Bei elektronischen Multispannungsgeräten liegt sie typisch im Bereich von $\le 1\ \%$ vom Skalenendwert. Für Sicherheitsanwendungen ist eine sicherheitsgerichtete Bauart mit höherer Zertifizierung nötig.
- Kontaktbelastbarkeit: Schaltleistung in A nach den passenden Gebrauchskategorien (AC-1, AC-15, DC-1) für die geplante Last. Ein typischer 6-A-Wechslerkontakt schaltet kein 230-V-Schütz mit großer Spulenleistung dauerhaft zuverlässig — dort wird ein zwischengeschaltetes Hilfsschütz nötig.
- Versorgungsspannungsbereich: Multispannungstypen mit 24 V DC bis 240 V AC reduzieren die Lagerhaltung in Werkstatt und Schaltschrankbau spürbar.
- Mehrfunktionsfähigkeit: Multifunktionsrelais kosten kaum mehr als Einfachtypen und decken alle Standardfunktionen mit einem Gerät ab — Ersatzteilbestand schrumpft auf wenige Typen.
- Hilfsspannungseingang: Manche Funktionen — besonders die abfallverzögerte ohne externe Hilfsversorgung — brauchen einen separaten Steuereingang an Klemme B1. Anschlussschema und Funktionsmatrix im Datenblatt vorher prüfen.
Ein Frequenzumrichter soll nach dem Abschalten noch 2 Minuten durch einen Lüfter gekühlt werden. Welche funktion ist passend?
- a) Ansprechverzögert
- b) Abfallverzögert
- c) Einschaltwischend
- d) Taktgeber
Richtig: b)
Genau dafür ist abfallverzögert gemacht: Lüfter läuft sofort beim Einschalten der Maschine, fällt aber erst mit Verzögerung ab, nachdem die Maschine ausgeschaltet wurde. Ansprechverzögert würde den Lüfter erst gar nicht anlaufen lassen — wenig hilfreich gegen Restwärme.
Bei der Auswahl eines Zeitrelais für eine Anwendung mit 30 s Verzögerung sind zwei Geräte verfügbar: A mit Bereich 0 bis 30 s und B mit Bereich 0 bis 60 s. Welche Wahl ist sinnvoller?
- a) Gerät B — der Bereich liegt im mittleren Drittel und ist genauer einstellbar
- b) Gerät A — der Anschlag ist genau der gewünschte Wert
- c) Beide sind gleichwertig, weil die Spezifikation identisch ist
- d) Keines — für 30 s braucht es einen anderen Bereich
Richtig: a)
Am Anschlag (Endbereich) eines Geräts ist die relative Genauigkeit oft schlechter und die Reproduzierbarkeit leidet. Liegt die Einstellung im mittleren Drittel, ist die Toleranz im Verhältnis zur gewünschten Zeit kleiner.
Welche Aussage zu SPS-Zeitfunktionen TON/TOF/TP gegenüber klassischen Zeitrelais ist korrekt?
- a) Sie sind eine andere Bauform der gleichen Geräte
- b) Sie sind nur für sehr kurze Zeiten unter 10 ms verwendbar
- c) Sie brauchen kein eigenes Verdrahtungs- und Stromkreisbild
- d) Sie bilden die gleichen funktionen in Software ab, statt mit physischem Gerät
Richtig: d)
TON, TOF und TP sind die SPS-Pendants zu ansprech-, abfallverzögert und Wischer. Sie laufen als Programm in der SPS-CPU, sparen Verdrahtung und nehmen weniger Schaltschrankplatz ein. Details im Beitrag „Zeitfunktionen (TON, TOF, TP)“.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Pumpenwechsler-Zeitrelais arbeitet symmetrisch mit einer Periodendauer von 8 Stunden. Bestimme $t_{ein}$, $t_{aus}$, die Frequenz und das Tastverhältnis.
Gegeben: T = 8 h, symmetrisch
Gesucht: t_ein, t_aus, f, D
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Einschalt- und Ausschaltzeit: Symmetrisch heißt t_ein = t_aus = T / 2 = 4 h = 14.400 s
- Schritt 2 — Frequenz: T = 8 h = 28.800 s, f = 1 / T = 1 / 28.800 s ≈ 3,47 · 10⁻⁵ Hz
- Schritt 3 — Tastverhältnis: D = t_ein / T · 100 % = 4 h / 8 h · 100 % = 50 %
Ergebnis: t_ein = 4 h, t_aus = 4 h, f ≈ 3,47 · 10⁻⁵ Hz, D = 50 %
Aufgabe 2: Eine Warnleuchte am Schaltschrank blinkt mit einem Tastverhältnis von 40 % und einer Einschaltzeit von 0,4 s. Bestimme die Periodendauer, die Ausschaltzeit und die Frequenz.
Gegeben: D = 40 %, t_ein = 0,4 s
Gesucht: T, t_aus, f
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Periodendauer aus Tastverhältnis: D = t_ein / T → T = t_ein / D = 0,4 s / 0,4 = 1,0 s
- Schritt 2 — Ausschaltzeit: t_aus = T − t_ein = 1,0 s − 0,4 s = 0,6 s
- Schritt 3 — Frequenz: f = 1 / T = 1 / 1,0 s = 1,0 Hz
Ergebnis: T = 1,0 s, t_aus = 0,6 s, f = 1,0 Hz
Was ist die Hauptaufgabe eines Zeitrelais im Unterschied zu einem normalen Schütz?
- a) Es schaltet höhere Ströme als ein normales Schütz
- b) Es führt eine zeitliche Verzögerung oder einen zeitlichen Ablauf in die Schaltung ein
- c) Es schützt vor Überstrom in Motorkreisen
- d) Es erzeugt eine galvanische Trennung zwischen Steuer- und Laststromkreis
Richtig: b)
Genau diese Zeitfunktion ist das Alleinstellungsmerkmal des Zeitrelais. Höhere Ströme werden mit Schützen und Leistungsschaltern geschaltet, schutz vor Überstrom übernehmen Motorschutzrelais und Sicherungen, galvanische Trennung ist eine Eigenschaft jedes Relais — unabhängig von der Zeitfunktion.
Welche Klemme dient als gemeinsamer Anschluss eines typischen Wechslerkontakts bei der Codierung 15-16-18?
- a) 15
- b) 16
- c) 18
- d) Alle drei gleichwertig
Richtig: a)
In der Industrie-Konvention ist die zweite Ziffer 5 = gemeinsam, 6 = Öffner, 8 = Schließer. Klemme 15 ist also der gemeinsame Eingangspunkt, der je nach Schaltzustand entweder auf 16 (Öffner) oder 18 (Schließer) liegt.
Ein Multifunktionsrelais hat einen funktions-Drehschalter mit Stellungen E, R, We, Wa, Bp, Bi, Sd. Welche Stellung wählst du für eine kurze Impulsausgabe direkt nach dem Einschalten der Steuerspannung?
- a) E
- b) R
- c) We
- d) Bp
Richtig: c)
We steht für einschaltwischend — genau diese funktion gibt einen kurzen Impuls direkt nach dem Einschalten ab. E wäre eine dauerhafte Verzögerung, R die Abfallverzögerung, Bp ein zyklisches Aus/Ein.
Ein Zeitrelais steht im Stromlaufplan mit der Bezeichnung K2T. Was ist daran auffällig?
- a) Es ist ein normales Schütz
- b) Es ist ein Zeitrelais
- c) Es ist ein Tastkontakt
- d) Die Bezeichnung verletzt die Norm
Richtig: b)
Das angehängte T (für Time) am Bauteilkürzel K ist die übliche Kennzeichnung für ein Zeitrelais. K1, K2, K3 ohne T wären normale Schütze oder Relais. K2T ist normgerecht.
Eine Steuerung muss zwei große Verbraucher zeitlich versetzt anlaufen lassen, um den Einschaltstrom zu begrenzen. Welche funktion ist am besten geeignet?
- a) Abfallverzögert
- b) Einschaltwischend
- c) Ausschaltwischend
- d) Ansprechverzögert
Richtig: d)
Ansprechverzögert ist genau die funktion, die den zweiten Verbraucher erst nach Ablauf der Zeit zuschaltet — der erste läuft sofort, der zweite verzögert. Wischimpulse oder Abfallverzögerung würden hier nicht das gewünschte zeitversetzte Einschalten erzeugen.
Welche Aussage zu Multispannungs-Zeitrelais (24 V DC bis 240 V AC) ist falsch?
- a) Sie reduzieren die Anzahl der Ersatzteiltypen im Lager
- b) Sie decken DC- und AC-Versorgung in einem Gerät ab
- c) Sie reagieren ausschließlich auf reine Gleichspannung
- d) Sie verwenden intern meist ein Schaltnetzteil zur Spannungsversorgung der Elektronik
Richtig: c)
Multispannungstypen sind ausdrücklich für sowohl DC als auch AC ausgelegt — daher der Name. Sie haben ein internes Schaltnetzteil, das den weiten Eingangsbereich aufbereitet. Aussagen a, b und d treffen zu.
Ein Taktgeber-Zeitrelais hat $t_{ein} = 5$ s und $t_{aus} = 15$ s. Wie groß sind Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis?
- a) T = 10 s, f = 0,1 Hz, D = 33 %
- b) T = 20 s, f = 0,05 Hz, D = 33 %
- c) T = 20 s, f = 0,05 Hz, D = 25 %
- d) T = 20 s, f = 0,5 Hz, D = 25 %
Richtig: c)
T = 5 + 15 = 20 s; f = 1/T = 1/20 = 0,05 Hz; D = 5/20 · 100 % = 25 %. Antwort b verwechselt das Tastverhältnis (D = t_ein/(t_ein+t_aus), nicht t_ein/t_aus).
Wozu dient bei manchen Zeitrelais die zusätzliche Klemme B1?
- a) Sie ist ein dritter Spulenanschluss
- b) Sie ist ein separater Steuereingang für bestimmte funktionen, getrennt von der Versorgungsspannung
- c) Sie ist ein Brückenanschluss für Reihenschaltung mehrerer Zeitrelais
- d) Sie schaltet ein internes Schutzelement
Richtig: b)
Bei einigen funktionen (vor allem abfallverzögert) muss die Versorgungsspannung dauerhaft am Gerät anliegen, weil die elektronische Zeitmessung Energie braucht. Der Schaltbefehl wird dann über einen separaten Steuereingang B1 gegeben — getrennt von der Versorgung A1/A2.
Welche der folgenden Bauformen ist heute am häufigsten anzutreffen?
- a) Pneumatische Zeitrelais mit Drosselkolben
- b) Motorische Zeitrelais mit Synchronmotor
- c) Bimetall-Zeitrelais
- d) Elektronische Zeitrelais im 17,5-mm-Reihengehäuse
Richtig: d)
Die elektronische Bauform mit Mikrocontroller im schmalen Reihengehäuse ist heute Standard. Pneumatische und motorische Ausführungen kommen praktisch nur noch in Altanlagen vor. Bimetall-Zeitrelais sind unüblich (Bimetalle finden sich eher in Motorschutzrelais zur Überstromauslösung).
Welche Aussage über das Verhältnis von klassischen Zeitrelais zu SPS-Zeitfunktionen ist treffend?
- a) SPS-Zeitfunktionen ersetzen physikalische Zeitrelais in vielen modernen Steuerungen
- b) SPS-Zeitfunktionen sind genauer, aber langsamer als physikalische Zeitrelais
- c) SPS-Zeitfunktionen können nicht denselben Funktionsumfang abbilden
- d) SPS-Zeitfunktionen brauchen immer ein zusätzliches Hardware-Zeitrelais
Richtig: a)
TON, TOF und TP in der SPS bilden softwareseitig dieselben funktionen ab — ansprechverzögert, abfallverzögert, Wischer — und kommen in modernen Anlagen vielfach an die Stelle physikalischer Zeitrelais. Klassische Zeitrelais haben aber weiterhin ihren Platz, z.B. wenn die SPS aus Sicherheits- oder Einfachheitsgründen umgangen werden soll.
Glossar
- Zeitrelais
- Relais mit eingebauter Zeitfunktion, das den Schaltvorgang zeitlich verzögert, einen Impuls abgibt oder zyklisch taktet.
- Ansprechverzögert
- Funktion, bei der der Kontakt erst nach Ablauf einer eingestellten Verzögerungszeit nach Einschalten der Steuerspannung schaltet.
- Abfallverzögert
- Funktion, bei der der Kontakt sofort beim Einschalten schaltet, beim Ausschalten aber erst nach Ablauf der Verzögerungszeit abfällt.
- Wischrelais
- Sammelbegriff für ein- und ausschaltwischende Funktionen: das Zeitrelais gibt einen kurzen Impuls fester Dauer am Kontakt ab.
- Taktgeber
- Funktion, bei der der Kontakt zyklisch zwischen Ein- und Ausschaltphase wechselt, jeweils mit eigener Zeit $t_{ein}$ und $t_{aus}$.
- Verzögerungszeit ($t_v$)
- die eingestellte Zeit, um die das Schalten des Kontakts nach dem Steuersignal verzögert wird.
- Wischimpulszeit ($t_w$)
- die feste Dauer, für die ein Wischrelais den Kontakt nach einem Triggerereignis geschlossen hält.
- Periodendauer (T)
- Dauer eines vollständigen Zyklus aus Einschalt- und Ausschaltphase eines Taktgebers; $T = t_{ein} + t_{aus}$.
- Tastverhältnis (D)
- Verhältnis der Einschaltzeit zur gesamten Periodendauer, in Prozent; $D = t_{ein} / T \cdot 100\ \%$.
- Wechslerkontakt
- Schaltkontakt mit drei Anschlüssen, der zwischen einem Öffner- und einem Schließer-Pfad umschaltet (üblich kodiert als 15-16-18, mit 15 = gemeinsam, 16 = Öffner, 18 = Schließer).
- Multifunktionsrelais
- Zeitrelais, das alle gängigen Zeitfunktionen in einem Gerät vereint; die gewünschte Funktion wird per Drehschalter gewählt.
- IEC 60617
- internationale Norm für Schaltzeichen in elektrischen Schaltplänen, in Österreich als ÖNORM EN 60617 übernommen; legt unter anderem die Symbole für Zeitrelais-Spulen und -Kontakte fest.
