Drehstromleistung

Drehstromsysteme treiben die meiste industrielle Welt an — von der CNC-Fräse über den Aufzugsmotor bis zur Wallbox in der Tiefgarage. Sobald drei Phasen im Spiel sind, taucht beim Rechnen ein eigenartiger Faktor auf: die Wurzel aus drei. Wer einmal verstanden hat, woher dieser Faktor kommt und warum er in Stern- und Dreieckschaltung gleichermaßen gilt, kann jeden Drehstromverbraucher dimensionieren und seine Anschlusswerte vom Typenschild ablesen, ohne zu rätseln.

Vorwissen

  • Wirk-, Blind- und Scheinleistung
  • Sternschaltung (Y)
  • Dreieckschaltung (Δ)

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Wirk-, Blind- und Scheinleistung im Drehstromsystem mit dem √3-Faktor berechnen
  • erklären, warum dieselbe Formel für Stern- und Dreieckschaltung gilt
  • symmetrisch und unsymmetrisch belastete Drehstromsysteme unterscheiden und richtig rechnen
  • Energie, Wirkungsgrad und Leistungsfaktor in praktische Berechnungen einbauen

1. Vom Einphasensystem zur Drehstromleistung

Bei einer einzelnen Wechselspannung pulsiert die Leistung mit der doppelten Netzfrequenz — also 100 Hz bei 50-Hz-Netz. Sie schwankt zwischen null und einem Maximum, kein ruhiger Fluss. Im Drehstromsystem überlagern sich dagegen drei zeitversetzte Phasen so, dass die Augenblicksleistungen sich gegenseitig ergänzen.

Ein Drehstromsystem besteht aus drei Wechselspannungen gleicher Amplitude und Frequenz, die zeitlich um jeweils 120° gegeneinander verschoben sind. Die Phasen werden in Österreich mit L1, L2 und L3 bezeichnet — mit den genormten Aderfarben braun, schwarz und grau.

Wenn an jeder Phase ein gleicher ohmscher Verbraucher hängt, fließt durch jeden Strang derselbe Strom — ebenfalls 120° versetzt. Die Augenblicksleistung jeder einzelnen Phase pulsiert mit doppelter Frequenz zwischen null und einem Maximum. Soweit kein Unterschied zum Einphasensystem.

Das Bemerkenswerte passiert beim Aufsummieren. Während eine Phase gerade ihren Nulldurchgang macht, liegen die beiden anderen nicht auf null — sie tragen die Last. Die drei pulsierenden Kurven verschieben sich so geschickt, dass ihre Summe zu jedem Zeitpunkt denselben Wert hat. Mathematisch heben sich die Wechselanteile heraus, der Mittelwert jeder Einzelleistung bleibt übrig — dreimal addiert.

Augenblicksleistungen p1, p2, p3 und ihre Summe 0 1 2 3 90° 180° 270° 360° ωt p / (U·I) p1 (L1, braun) p2 (L2, schwarz) p3 (L3, grau) Summe = konstant

Frage 1: Was unterscheidet die Augenblicksleistung im Drehstromsystem von der Einphasenleistung?

  • a) Im Drehstromsystem pulsiert die Leistung mit dreifacher Frequenz
  • b) Im Drehstromsystem ist die Spannung höher
  • c) Im Drehstromsystem ist die Summe der drei Augenblicksleistungen bei symmetrischer Last zeitlich konstant
  • d) Im Drehstromsystem fließt der Strom nur in eine Richtung

Richtig: c)

Erklärung: Bei symmetrischer Last heben sich die Wechselanteile der drei phasenversetzten Augenblicksleistungen gegenseitig auf, sodass eine zeitlich konstante Gesamtleistung übrig bleibt. Die Frequenz der Wechselspannung bleibt unverändert bei 50 Hz, und die Spannung ist eine reine Festlegung des Netzes.

Frage 2: Warum laufen Drehstrommotoren ruhiger als vergleichbare Einphasenmotoren?

  • a) Die konstante Gesamtleistung erzeugt ein gleichbleibendes Drehmoment
  • b) Drehstrommotoren haben mehr Lager
  • c) Die Frequenz ist niedriger
  • d) Drehstrommotoren werden mit Gleichstrom betrieben

Richtig: a)

Erklärung: Die zeitlich konstante Drehstromleistung wirkt sich direkt auf ein konstantes Drehmoment aus — der Motor zieht und drückt nicht in jeder Halbperiode neu. Die Lagerzahl ist konstruktionsbedingt, die Frequenz ist beim Drehstrom dieselbe 50 Hz wie im Einphasennetz, und Drehstrommotoren laufen definitionsgemäß mit Wechselstrom.

Frage 3: Um welchen Winkel sind die drei Phasen eines Drehstromsystems zeitlich gegeneinander verschoben?

  • a) 90°
  • b) 120°
  • c) 180°
  • d) 360°

Richtig: b)

Erklärung: Die Versatzwinkel teilen die volle Periode von 360° in drei gleiche Abschnitte: 360° / 3 = 120°. Bei 90° ergäbe sich kein symmetrisches System, 180° wäre Gegenphase, 360° wäre Gleichphase.

2. Wirk-, Blind- und Scheinleistung im Drehstromsystem — der √3-Faktor

Beim Drehstrom rechnet man fast immer mit den Außenleitergrößen — also der Spannung zwischen zwei Phasen und dem Strom in einem Außenleiter. Genau dort entsteht der √3-Faktor, der jeder Drehstromformel ihren typischen Anstrich gibt.

Bei symmetrischer Belastung ist die Wirkleistung an jeder Phase gleich groß. Die gesamte Wirkleistung ist daher dreimal die Leistung eines Strangs:

P = 3 · U_Strang · I_Strang · cos φ

  • P …….. Wirkleistung in Watt
  • U_Strang . Strangspannung in Volt
  • I_Strang . Strangstrom in Ampere
  • cos φ …. Leistungsfaktor

Diese Formel arbeitet mit den Größen, die direkt am einzelnen Strang anliegen. In der Praxis misst man aber meist die Außenleitergrößen — den Strom in den drei Zuleitungen und die Spannung zwischen zwei Außenleitern (in Niederspannungsnetzen 400 V). Setzt man die Beziehungen zwischen Strang- und Außenleitergrößen ein, fällt der Faktor 3 automatisch auf √3 zusammen.

In der Sternschaltung gilt U_Strang = U / √3 und I_Strang = I. Eingesetzt:

P = 3 · (U / √3) · I · cos φ = √3 · U · I · cos φ

In der Dreieckschaltung gilt U_Strang = U und I_Strang = I / √3. Auch hier:

P = 3 · U · (I / √3) · cos φ = √3 · U · I · cos φ

In beiden Fällen dieselbe Formel mit denselben Außenleitergrößen U und I. Genau deshalb braucht man bei der Drehstromberechnung nicht zu unterscheiden, in welcher Schaltung der Verbraucher betrieben wird — solange man konsequent mit Außenleitergrößen rechnet.

Mit dieser Erkenntnis lassen sich auch Blind- und Scheinleistung kompakt anschreiben:

S = √3 · U · I

  • S .. Scheinleistung in VA
  • U .. Außenleiterspannung in Volt
  • I .. Außenleiterstrom in Ampere

Q = √3 · U · I · sin φ

  • Q …… Blindleistung in var
  • sin φ .. zur Phasenverschiebung gehörender Sinuswert

Das Leistungsdreieck bleibt gegenüber dem Einphasensystem unverändert: S² = P² + Q² und cos φ = P / S. Nur der √3-Faktor in jeder einzelnen Leistung kommt neu hinzu.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor wird an einem 400-V-Netz mit einem Strom von 12 A betrieben. Sein Leistungsfaktor beträgt cos φ = 0,80. Berechne Wirk-, Blind- und Scheinleistung.

Gegeben:

  • U = 400 V
  • I = 12 A
  • cos φ = 0,80

Gesucht: P in W, Q in var, S in VA

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Scheinleistung: S = √3 · U · I = √3 · 400 V · 12 A ≈ 8313 VA ≈ 8,31 kVA
  2. Schritt 2 — Wirkleistung: P = √3 · U · I · cos φ = √3 · 400 · 12 · 0,80 ≈ 6651 W ≈ 6,65 kW
  3. Schritt 3 — Blindleistung über sin φ: sin φ = √(1 – cos²φ) = √(1 – 0,64) = √0,36 = 0,60, dann Q = √3 · U · I · sin φ = √3 · 400 · 12 · 0,60 ≈ 4988 var ≈ 4,99 kvar

Ergebnis: S ≈ 8,31 kVA, P ≈ 6,65 kW, Q ≈ 4,99 kvar

Übungen

1. Ein Drehstromverbraucher zieht aus dem 400-V-Netz einen Strom von 5 A bei cos φ = 1. Berechne die Wirkleistung.

Lösung: P = √3 · 400 · 5 · 1 ≈ 3464 W ≈ 3,46 kW

2. An einem 400-V-Drehstromnetz hängt eine Heizung mit P = 9 kW (cos φ = 1). Wie groß ist der Außenleiterstrom?

Lösung: I = P / (√3 · U) = 9000 / (√3 · 400) ≈ 13,0 A

3. Ein Drehstrommotor nimmt im Bemessungspunkt 7,5 A bei 400 V auf. cos φ = 0,75. Wie groß sind P, Q und S?

Lösung: S ≈ 5196 VA; P ≈ 3897 W; sin φ ≈ 0,661 → Q ≈ 3437 var

4. Ein Drehstromverbraucher zeigt P = 11 kW und S = 13 kVA. Bestimme cos φ und Q.

Lösung: cos φ = P/S = 11/13 ≈ 0,846; Q = √(S² – P²) = √(169 – 121) ≈ 6,93 kvar

5. Eine CNC-Spindel ist mit 22 kW Anschlussleistung am 400-V-Netz angegeben. Welcher Mindest-Außenleiterstrom muss bei der Zuleitungsdimensionierung angenommen werden, wenn cos φ = 0,9 ist?

Lösung: I = P / (√3 · U · cos φ) = 22000 / (√3 · 400 · 0,9) ≈ 35,3 A

Frage 1: Welche Formel beschreibt die Scheinleistung eines symmetrisch belasteten Drehstromverbrauchers korrekt?

  • a) S = U · I
  • b) S = 3 · U · I
  • c) S = U · I · cos φ
  • d) S = √3 · U · I

Richtig: d)

Erklärung: Die kompakte Drehstrom-Scheinleistung mit Außenleitergrößen enthält genau den Faktor √3. U · I ist die Einphasen-Scheinleistung; 3 · U · I überschätzt um den Faktor √3; U · I · cos φ wäre eine Einphasen-Wirkleistung.

Frage 2: Mit welchen Spannungs- und Stromgrößen wird die Drehstromleistung in der kompakten Formel mit √3 berechnet?

  • a) Mit der Strangspannung und dem Strangstrom
  • b) Mit der Strangspannung und dem Außenleiterstrom
  • c) Mit der Außenleiterspannung und dem Außenleiterstrom
  • d) Mit der maximalen Spannung und dem Effektivstrom

Richtig: c)

Erklärung: Der √3-Faktor entsteht gerade dadurch, dass man Außenleitergrößen einsetzt. Mit Stranggrößen wäre der Vorfaktor 3 (P = 3 · U_Strang · I_Strang · cos φ). Mit gemischten Größen ergibt sich kein sinnvolles Resultat, und Drehstromformeln arbeiten grundsätzlich mit Effektivwerten.

Frage 3: Woher stammt der Faktor √3 in der Drehstromleistungsformel?

  • a) Aus dem Faktor 3 für drei Stränge, der durch das Einsetzen der Strang-Außenleiter-Beziehung auf √3 zusammenfällt
  • b) Aus dem Effektivwert der Wechselspannung
  • c) Aus der Phasenverschiebung von 120°
  • d) Aus dem Verhältnis von Außenleiter- zu Sternpunktstrom

Richtig: a)

Erklärung: Bei symmetrischer Last summieren sich die drei Strangleistungen zu 3 · U_Strang · I_Strang · cos φ. Setzt man die Beziehung zwischen Strang- und Außenleitergrößen ein, ersetzt entweder ein U/√3 oder ein I/√3 den Faktor 3 zu √3. Der Effektivwert ist eine andere Umrechnung (√2), und der Phasenwinkel von 120° taucht zwar im Drehstrom auf, ist aber nicht die Quelle des √3.

3. Leistung in Stern- und Dreieckschaltung

Wenn dieselbe Drehstromformel für Stern und Dreieck gilt, könnte man meinen, die Schaltungsart sei egal. Sie ist es nicht — sobald man denselben Verbraucher betrachtet. Hier entscheidet sich, ob man Anlaufstrom begrenzt, ob die Maschine ihre volle Leistung bringt und wo der Stern-Dreieck-Anlauf seinen Sinn hat.

Hat man einen konkreten Verbraucher gegeben — etwa einen Drehstrommotor — so liegen seine Strang-Impedanzen fest. Schließt man diese Stränge in Stern ans 400-V-Netz, so beträgt die Spannung an jedem Strang nur 400 V / √3 ≈ 230 V. Im Dreieck dagegen liegt an jedem Strang die volle Außenleiterspannung von 400 V.

Da die Stranggrößen direkt in die Strangleistung eingehen und sich die Strangspannung um den Faktor √3 erhöht (und der Strangstrom mit ihr), wächst die Leistung pro Strang um den Faktor 3 — also auch die Gesamtleistung. Genau deshalb zieht derselbe Motor in Dreieckschaltung dreimal mehr Leistung aus dem Netz als in Sternschaltung.

Größe Sternschaltung Dreieckschaltung
Strangspannung U_Strang U / √3 U
Strangstrom I_Strang I I / √3
Außenleiterstrom I I_Strang √3 · I_Strang
Leistungsformel P = √3 · U · I · cos φ P = √3 · U · I · cos φ
Leistung bei gleichen Strang-Impedanzen P_Y 3 · P_Y

Beide Schaltungen liefern dieselbe Formel mit Außenleitergrößen — der Unterschied steckt im Außenleiterstrom, der bei gleichem Verbraucher in Dreieck dreimal so groß ist wie in Stern.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor läuft am 400-V-Netz in Dreieckschaltung mit P = 11 kW und cos φ = 0,85. Beim Anlauf wird er auf Sternschaltung umgeschaltet. Wie groß ist seine Aufnahmeleistung im Stern (Annahme: gleiches cos φ, gleiche Strang-Impedanzen)?

Gegeben:

  • P_Δ = 11 kW (Dreieck-Betrieb)

Gesucht: P_Y im Stern-Anlauf

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Verhältnis aus Tabelle: Bei gleichem Verbraucher gilt P_Y = P_Δ / 3.
  2. Schritt 2 — Einsetzen: P_Y = 11 kW / 3 ≈ 3,67 kW

Ergebnis: P_Y ≈ 3,67 kW im Stern-Anlauf, also rund ein Drittel der Dreiecks-Leistung.

Übungen

1. Ein Verbraucher hat in Dreieckschaltung an 400 V eine Wirkleistung von 6 kW. Wie groß ist seine Wirkleistung, wenn dieselben Stränge in Stern an dasselbe Netz geschaltet werden?

Lösung: P_Y = P_Δ / 3 = 6 kW / 3 = 2 kW

2. Ein Drehstrommotor zieht in Dreieckschaltung an 400 V einen Außenleiterstrom von 24 A. Wie groß ist der Strangstrom?

Lösung: I_Strang = I / √3 = 24 / √3 ≈ 13,9 A

3. Ein Drehstrommotor läuft in Sternschaltung an 400 V mit einem Strangstrom von 8 A bei cos φ = 0,9. Berechne die aufgenommene Wirkleistung.

Lösung: In Stern gilt I_Strang = I = 8 A. P = √3 · 400 · 8 · 0,9 ≈ 4990 W ≈ 4,99 kW

4. Ein Drehstrommotor wird vom Stern-Anlauf in Dreieck-Betrieb umgeschaltet. Im Stern zieht er als Außenleiterstrom 12 A. Welchen Außenleiterstrom zieht er im Dreieck (gleiche Strang-Impedanzen)?

Lösung: I_Δ = 3 · I_Y = 36 A. Der Strangstrom verdreifacht sich nicht direkt — über die √3-Umrechnung wird aus dem Faktor √3 bei Strang/Außen und dem zusätzlichen Faktor √3 bei der höheren Strangspannung der Faktor 3 für den Außenleiterstrom.

5. Ein Drehstromverbraucher mit Strang-Impedanz Z = 50 Ω (ohmsch) wird in Dreieck an ein 400-V-Netz geschaltet. Berechne den Außenleiterstrom und die aufgenommene Leistung.

Lösung: I_Strang = U_Strang / Z = 400 / 50 = 8 A; I = √3 · 8 ≈ 13,86 A; P = √3 · 400 · 13,86 ≈ 9600 W = 9,6 kW

Frage 1: Ein Drehstrommotor zieht in Dreieckschaltung an 400 V einen Außenleiterstrom von 15 A. Welche Außenleitergrößen sind in der Leistungsformel P = √3 · U · I · cos φ einzusetzen?

  • a) U = 230 V, I = 15 A
  • b) U = 400 V, I = 15 A
  • c) U = 400 V, I = 15 / √3 A
  • d) U = 230 V, I = 15 / √3 A

Richtig: b)

Erklärung: Die √3-Formel arbeitet konsequent mit Außenleitergrößen. Die Außenleiterspannung beträgt 400 V (unabhängig von Stern oder Dreieck), der Außenleiterstrom ist mit 15 A bereits angegeben. 230 V wäre die Strangspannung in Stern, und 15/√3 wäre der Strangstrom in Dreieck — beides gehört nicht in die Außenleiter-Formel.

Frage 2: Derselbe Verbraucher mit fester Strang-Impedanz wird vom Stern- in den Dreieckbetrieb umgeschaltet. Wie ändert sich die aufgenommene Wirkleistung?

  • a) Sie bleibt gleich
  • b) Sie verringert sich auf ein Drittel
  • c) Sie steigt um den Faktor √3
  • d) Sie steigt um den Faktor 3

Richtig: d)

Erklärung: Im Dreieck liegt am Strang die volle Außenleiterspannung an, im Stern nur U/√3. Da die Strangleistung quadratisch von der Strangspannung abhängt (P_Strang = U_Strang² / Z), wächst sie um den Faktor (√3)² = 3. Der Faktor √3 betrifft Spannungen und Ströme, nicht Leistungen.

Frage 3: Ein Drehstrommotor läuft in Dreieckschaltung bei 400 V mit 9 kW. Welche Leistung zeigt derselbe Motor im Stern-Anlauf an 400 V?

  • a) etwa 3 kW
  • b) etwa 5,2 kW
  • c) etwa 9 kW
  • d) etwa 27 kW

Richtig: a)

Erklärung: P_Y = P_Δ / 3 = 9/3 = 3 kW. Würde die Leistung bei Schaltungswechsel gleich bleiben (c), hätte der Stern-Dreieck-Anlauf keinen Sinn. 5,2 kW (≈ 9/√3) ist die typische Fehlrechnung, wenn man fälschlich mit √3 statt 3 rechnet. 27 kW wäre die umgekehrte Richtung.

Frage 4: Warum kommt der Stern-Dreieck-Anlauf bei großen Drehstrommotoren zum Einsatz?

  • a) Weil der Motor sonst zu langsam anläuft
  • b) Weil das Drehmoment im Stern höher ist als im Dreieck
  • c) Weil der Anlaufstrom im Stern auf rund ein Drittel reduziert ist
  • d) Weil im Stern keine Phasenverschiebung auftritt

Richtig: c)

Erklärung: In Stern liegt nur U/√3 an jedem Strang, der Strangstrom sinkt entsprechend, und der Außenleiterstrom ist gleich dem Strangstrom — also rund ein Drittel des Dreieckwerts. Das Drehmoment im Stern ist niedriger (nicht höher), und die Phasenverschiebung hängt am Motor, nicht an der Schaltungsart.

4. Symmetrische und unsymmetrische Belastung

Die √3-Formel ist eine Bequemlichkeit. Sie gilt nur, solange in allen drei Strängen wirklich dieselben Verhältnisse herrschen. Sobald das nicht mehr stimmt, muss jeder Strang einzeln betrachtet werden — und das kommt im Alltag häufiger vor, als man denkt.

Symmetrische Belastung bedeutet: Jeder der drei Stränge zieht den gleichen Strom, hat den gleichen cos φ und ist mit derselben Impedanz beschaltet. Ein Drehstrommotor erfüllt das praktisch automatisch — seine Wicklungen sind im Werk gleichmäßig ausgeführt. Auch Drehstrom-Heizregister, Drehstromtransformator oder eine elektrisch ausgewogene Wallbox arbeiten symmetrisch.

Sobald jedoch einzelne Phasen unterschiedlich belastet sind — typisch in jedem Haushalt oder Bürotrakt, wo verschiedene Verbraucher an verschiedenen Außenleitern hängen — wird das System unsymmetrisch. In diesem Fall liefert die √3-Formel ein falsches Ergebnis. Stattdessen muss die Wirkleistung jedes Strangs einzeln berechnet und anschließend aufsummiert werden:

P_gesamt = P_1 + P_2 + P_3

  • P_i … Wirkleistung an Strang i in Watt

Jede Einzelleistung kann nach den bekannten Einphasen-Formeln berechnet werden: P_i = U_Strang_i · I_Strang_i · cos φ_i.

Bei Sternschaltung ohne Neutralleiter wird die Unsymmetrie problematisch — der Sternpunkt verschiebt sich, und an den Strängen können unterschiedliche Spannungen anliegen. Mit angeschlossenem Neutralleiter dagegen liegt an jedem Strang die feste 230-V-Spannung und die Berechnung pro Strang bleibt sauber. Im Drehstromnetz Österreichs ist der Neutralleiter (N) in TN-Netzen daher Standard.

Gelöstes Beispiel

Drei einphasige Verbraucher hängen je an einem Außenleiter eines 400-V-Drehstromnetzes mit Neutralleiter (Strangspannung 230 V):

  • L1: 2300 W bei cos φ = 1 (Heizung)
  • L2: 1380 W bei cos φ = 0,8 (Motor klein)
  • L3: 920 W bei cos φ = 0,9 (Beleuchtung)

Berechne die gesamte Wirkleistung.

Gegeben:

  • P_1 = 2300 W
  • P_2 = 1380 W
  • P_3 = 920 W

Gesucht: P_gesamt

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Da die Leistungen bereits als Wirkleistungen angegeben sind, einfach addieren: P_gesamt = P_1 + P_2 + P_3 = 2300 + 1380 + 920 = 4600 W

Ergebnis: P_gesamt = 4,6 kW

Übungen

1. An einem Drehstromnetz hängen drei gleiche Heizstäbe à 2 kW, je an einem Außenleiter. Wie groß ist die Gesamtleistung?

Lösung: P_gesamt = 3 · 2 kW = 6 kW (symmetrische ohmsche Last → auch über √3-Formel berechenbar)

2. An L1 hängt eine Heizung mit 1,5 kW (cos φ = 1), an L2 eine Heizung mit 2,2 kW (cos φ = 1), L3 ist unbelastet. Berechne die Gesamt-Wirkleistung.

Lösung: P_gesamt = 1,5 + 2,2 + 0 = 3,7 kW

3. Drei einphasige Motoren an einem 400-V-Drehstromnetz mit N (230 V pro Strang) ziehen folgende Ströme: I_1 = 5 A bei cos φ = 0,9; I_2 = 4 A bei cos φ = 0,8; I_3 = 6 A bei cos φ = 0,85. Berechne die Gesamt-Wirkleistung.

Lösung: P_1 = 230·5·0,9 = 1035 W; P_2 = 230·4·0,8 = 736 W; P_3 = 230·6·0,85 = 1173 W. Summe ≈ 2944 W ≈ 2,94 kW

Frage 1: Wann darf die Drehstromleistung mit der Formel P = √3 · U · I · cos φ berechnet werden?

  • a) Bei jedem Drehstromverbraucher
  • b) Nur wenn alle drei Stränge gleich belastet sind
  • c) Nur in Sternschaltung
  • d) Nur bei ohmschen Lasten

Richtig: b)

Erklärung: Die √3-Formel setzt einen identischen Strom in allen drei Strängen voraus. Bei unsymmetrischer Belastung liefert sie ein falsches Ergebnis. Schaltungsart (Stern/Dreieck) und Lastcharakter (ohmsch/induktiv) spielen für die Anwendbarkeit der Formel keine Rolle, solange Symmetrie gegeben ist.

Frage 2: Drei verschiedene einphasige Verbraucher hängen an L1, L2 und L3 mit Neutralleiter. Wie wird die Gesamt-Wirkleistung korrekt berechnet?

  • a) Mit P = √3 · U · I · cos φ unter Verwendung des Mittelwerts der drei Ströme
  • b) Indem nur die Leistung des am stärksten belasteten Strangs gezählt wird
  • c) Indem alle drei Außenleiterströme addiert und in die √3-Formel eingesetzt werden
  • d) Indem die Wirkleistung jedes Strangs einzeln berechnet und summiert wird

Richtig: d)

Erklärung: Bei Unsymmetrie versagt die √3-Formel; eine Mittelwert- oder Summenrechnung mit ihr ergibt keinen sinnvollen Wert. Korrekt ist die getrennte Berechnung pro Strang mit den Einphasen-Werten (U_Strang, I_Strang, cos φ_Strang) und anschließende Addition.

Frage 3: Welcher der folgenden Verbraucher ist typischerweise symmetrisch belastet?

  • a) Drehstrom-Heizregister mit drei gleichen Heizstäben
  • b) Bürotrakt mit Steckdosen verteilt auf drei Phasen
  • c) Wohnung mit Wasserkocher auf L1, Backofen auf L2
  • d) Einphasiger Schweißtransformator an einem Außenleiter

Richtig: a)

Erklärung: Ein Heizregister mit drei gleichen Heizstäben zieht in jedem Strang denselben Strom — die Definition von Symmetrie. Bürotrakt und Wohnung sind klassische Beispiele für Unsymmetrie, und ein einphasiger Verbraucher belastet definitionsgemäß nur einen Strang.

5. Energie, Wirkungsgrad und Leistungsfaktor in der Praxis

Mit der Drehstromleistung lassen sich die wichtigsten Anschluss- und Betriebsfragen lösen. Dazu gehört nicht nur, welcher Strom fließt, sondern auch wie viel Energie eine Maschine pro Stunde umsetzt und wie viel davon tatsächlich am Wellenende als mechanische Leistung ankommt.

Die elektrische Arbeit (Energie) ergibt sich aus Leistung mal Zeit:

W = P · t

  • W .. elektrische Arbeit in Wh oder kWh
  • P .. Wirkleistung in W oder kW
  • t .. Zeit in h

Daraus ermittelt der Energieversorger den Stromverbrauch. Auf der Stromrechnung erscheint nur die Wirkarbeit in kWh — Blindarbeit wird in Österreich beim Haushaltskunden nicht abgerechnet, bei größeren Gewerbe- und Industriekunden hingegen sehr wohl, sobald der Leistungsfaktor unter einen Schwellenwert (oft cos φ < 0,9) fällt.

Bei Motoren erscheint die elektrische Wirkleistung nicht vollständig am Wellenende — Reibung, Eisen- und Kupferverluste schlucken einen Teil. Das beschreibt der Wirkungsgrad:

P_mech = η · P_el

  • P_mech .. mechanische Wellenleistung in W
  • P_el …. aufgenommene elektrische Wirkleistung in W
  • η ……. Wirkungsgrad als Dezimalzahl

Auf dem Motortypenschild ist üblicherweise die mechanische Wellenleistung angegeben (z.B. „4 kW“) — also die nutzbare Leistung an der Welle. Die elektrisch aufgenommene Leistung liegt entsprechend höher.

Der Leistungsfaktor cos φ hängt vom Verbrauchertyp ab. Reine ohmsche Lasten (Heizungen, Glühlampen) haben cos φ = 1. Drehstrommotoren liegen unter Volllast typisch bei cos φ = 0,80 bis 0,90 und fallen im Leerlauf deutlich darunter (oft bis 0,3). Frequenzumrichter-gespeiste Motoren oder elektronische Geräte mit Leistungsfaktorkorrektur erreichen netzseitig wieder Werte nahe 1.

Die genauen Mechanismen rund um den Leistungsfaktor und die Maßnahmen zur Anhebung sind eigene Themen — siehe Leistungsfaktor cos φ und Blindleistungskompensation.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrom-Asynchronmotor am 400-V-Netz hat folgende Typenschilddaten: P_mech = 5,5 kW, cos φ = 0,84, η = 0,87. Berechne den aufgenommenen Außenleiterstrom und die elektrische Arbeit bei 6 Stunden Betrieb.

Gegeben:

  • U = 400 V
  • P_mech = 5500 W
  • cos φ = 0,84
  • η = 0,87
  • t = 6 h

Gesucht: I, W

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Elektrische Wirkleistung aus mechanischer Leistung: P_el = P_mech / η = 5500 / 0,87 ≈ 6322 W
  2. Schritt 2 — Außenleiterstrom: I = P_el / (√3 · U · cos φ) = 6322 / (√3 · 400 · 0,84) ≈ 10,86 A
  3. Schritt 3 — Elektrische Arbeit: W = P_el · t = 6322 W · 6 h ≈ 37 932 Wh ≈ 37,9 kWh

Ergebnis: I ≈ 10,86 A; W ≈ 37,9 kWh

Übungen

1. Eine Drehstrom-Heizung (cos φ = 1) ist mit 9 kW am 400-V-Netz angeschlossen und läuft 4 Stunden. Wie groß ist die elektrische Arbeit?

Lösung: W = 9 kW · 4 h = 36 kWh

2. Ein Drehstrommotor (P_mech = 4 kW, η = 0,85, cos φ = 0,82) läuft an 400 V. Wie hoch ist der Außenleiterstrom?

Lösung: P_el = 4000 / 0,85 ≈ 4706 W; I = 4706 / (√3 · 400 · 0,82) ≈ 8,29 A

3. Eine 22-kW-Wallbox an 400 V mit cos φ = 1 lädt ein E-Auto 3 Stunden. Berechne Außenleiterstrom und geladene Energie.

Lösung: I = 22000 / (√3 · 400 · 1) ≈ 31,75 A; W = 22 · 3 = 66 kWh

4. Ein Drehstrommotor zieht 18 A bei 400 V und cos φ = 0,8. Wirkungsgrad 0,9. Wie groß ist die mechanische Wellenleistung?

Lösung: P_el = √3 · 400 · 18 · 0,8 ≈ 9977 W; P_mech = 0,9 · 9977 ≈ 8980 W ≈ 8,98 kW

5. Eine CNC-Maschine läuft im Mittel mit P_el = 12 kW über 1800 Betriebsstunden im Jahr. Bei einem Strompreis von 0,28 €/kWh ergeben sich welche jährlichen Energiekosten?

Lösung: W = 12 · 1800 = 21 600 kWh; Kosten = 21 600 · 0,28 = 6048 €

Frage 1: Wie berechnet sich die elektrische Arbeit eines Drehstromverbrauchers über eine bestimmte Zeit?

  • a) W = U · I
  • b) W = √3 · U · I
  • c) W = P · t
  • d) W = P + t

Richtig: c)

Erklärung: Energie ist Leistung mal Zeit — diese Beziehung gilt unabhängig vom Drehstrom oder Einphasensystem. U · I ergibt eine Scheinleistung in VA, √3 · U · I ebenfalls (Drehstrom-Scheinleistung). Eine Addition von Leistung und Zeit hat physikalisch keine Bedeutung.

Frage 2: Welcher cos-φ-Wert ist für einen Drehstrommotor unter Volllast realistisch?

  • a) etwa 0,3
  • b) etwa 0,85
  • c) etwa 1,2
  • d) etwa 1,5

Richtig: b)

Erklärung: Typische Drehstrom-Asynchronmotoren liegen unter Volllast bei cos φ ≈ 0,80 bis 0,90. cos φ ≈ 0,3 wäre der Leerlauf, weit unter Volllast. Werte über 1 sind physikalisch unmöglich, da cos φ als Verhältnis P/S definiert ist und P ≤ S gilt.

Frage 3: Auf dem Typenschild eines Drehstrommotors steht „P = 4 kW“. Was bedeutet das im Regelfall?

  • a) Das ist die Scheinleistung
  • b) Das ist die Blindleistung
  • c) Das ist die aufgenommene elektrische Wirkleistung
  • d) Das ist die abgegebene mechanische Wellenleistung

Richtig: d)

Erklärung: Die Bemessungsleistung auf einem Motortypenschild ist konventionell die mechanische Wellenleistung — die nutzbare Leistung am Wellenende. Die elektrisch aufgenommene Wirkleistung liegt dann höher (P_el = P_mech / η). Scheinleistung und Blindleistung werden mit eigenen Größen S und Q oder über cos φ ausgedrückt.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Drehstrommotor läuft am 400-V-Netz mit cos φ = 0,82 und nimmt 17 A pro Außenleiter auf. Berechne P, Q und S.

Gegeben: U = 400 V, I = 17 A, cos φ = 0,82

Gesucht: P, Q, S

Lösungsweg:

  1. S = √3 · 400 · 17 ≈ 11 778 VA
  2. P = S · cos φ ≈ 9658 W
  3. sin φ = √(1 – 0,82²) ≈ 0,572 → Q = S · sin φ ≈ 6737 var

Ergebnis: S ≈ 11,78 kVA; P ≈ 9,66 kW; Q ≈ 6,74 kvar

Aufgabe 2: Ein Drehstrom-Heizregister mit P = 12 kW (cos φ = 1) ist an 400 V angeschlossen. Berechne den Außenleiterstrom und die Energie nach 90 Minuten Betrieb.

Gegeben: P = 12 000 W, U = 400 V, cos φ = 1, t = 1,5 h

Gesucht: I, W

Lösungsweg:

  1. I = P / (√3 · U · cos φ) = 12 000 / (√3 · 400) ≈ 17,32 A
  2. W = P · t = 12 · 1,5 = 18 kWh

Ergebnis: I ≈ 17,32 A; W = 18 kWh

Aufgabe 3: Ein Drehstrommotor mit P_mech = 7,5 kW, η = 0,88 und cos φ = 0,84 hängt am 400-V-Netz. Welcher Außenleiterstrom fließt?

Gegeben: P_mech = 7500 W, η = 0,88, cos φ = 0,84, U = 400 V

Gesucht: I

Lösungsweg:

  1. P_el = P_mech / η = 7500 / 0,88 ≈ 8523 W
  2. I = P_el / (√3 · U · cos φ) = 8523 / (√3 · 400 · 0,84) ≈ 14,65 A

Ergebnis: I ≈ 14,65 A

Aufgabe 4: Ein Drehstrommotor zieht in Dreieckschaltung an 400 V einen Außenleiterstrom von 21 A. Wie groß ist der Außenleiterstrom desselben Motors beim Stern-Anlauf?

Gegeben: I_Δ = 21 A (Außenleiterstrom)

Gesucht: I_Y (Außenleiterstrom)

Lösungsweg:

  1. Bei gleichem Verbraucher gilt I_Y = I_Δ / 3.
  2. I_Y = 21 / 3 = 7 A

Ergebnis: I_Y = 7 A

Aufgabe 5: Drei einphasige Verbraucher mit 230 V hängen je an einem Außenleiter eines TN-Drehstromnetzes (400 V/230 V). Ströme: 8 A bei cos φ = 0,95; 5 A bei cos φ = 1; 12 A bei cos φ = 0,7. Berechne die Gesamt-Wirkleistung.

Gegeben: U_Strang = 230 V; I_1 = 8 A, cos φ_1 = 0,95; I_2 = 5 A, cos φ_2 = 1; I_3 = 12 A, cos φ_3 = 0,7

Gesucht: P_gesamt

Lösungsweg:

  1. P_1 = 230 · 8 · 0,95 = 1748 W
  2. P_2 = 230 · 5 · 1 = 1150 W
  3. P_3 = 230 · 12 · 0,7 = 1932 W
  4. P_gesamt = 1748 + 1150 + 1932 = 4830 W

Ergebnis: P_gesamt ≈ 4,83 kW

Frage 1: Welche Spannung und welcher Strom werden in die Drehstromformel S = √3 · U · I eingesetzt?

  • a) Außenleiterspannung und Außenleiterstrom
  • b) Strangspannung und Strangstrom
  • c) Maximalspannung und Effektivstrom
  • d) Strangspannung und Außenleiterstrom

Richtig: a)

Erklärung: Die kompakte √3-Formel arbeitet konsequent mit Außenleitergrößen. Bei Stranggrößen wäre der Vorfaktor 3. Maximalwerte (Spitzenwerte) werden in Drehstromformeln nicht verwendet, und gemischte Größen ergeben kein sinnvolles Resultat.

Frage 2: Ein Drehstrommotor zieht in Sternschaltung einen Außenleiterstrom von 4 A. Wie groß ist der Außenleiterstrom desselben Motors in Dreieckschaltung (gleiche Strang-Impedanzen)?

  • a) 4 A
  • b) 4 · √3 A ≈ 6,93 A
  • c) 12 A
  • d) 1,33 A

Richtig: c)

Erklärung: Beim Übergang von Stern auf Dreieck steigt der Außenleiterstrom um den Faktor 3 — die Strangspannung wächst um √3 (mehr Strom pro Strang), und der Außenleiterstrom ist im Dreieck zusätzlich √3-mal größer als der Strangstrom. Das ergibt insgesamt 3 · 4 A = 12 A.

Frage 3: Auf einem Drehstrommotor steht „400 V Y / 230 V Δ“. In welcher Schaltung muss er am österreichischen 400-V-Netz betrieben werden?

  • a) Dreieckschaltung
  • b) Sternschaltung
  • c) Beides möglich, da gleichwertig
  • d) Weder noch — der Motor passt nicht zum Netz

Richtig: b)

Erklärung: Die Angabe nennt für jede Schaltung die zugehörige Netz-Außenleiterspannung, bei der die Stränge ihre Bemessungsspannung (230 V) sehen. Bei 400 V Netz in Stern liegen je Strang 400 / √3 ≈ 230 V — passt. Im Dreieck lägen 400 V an jedem Strang — der Motor würde überlastet.

Frage 4: Bei welchem Verbraucher liefert die Formel P = √3 · U · I · cos φ ein FALSCHES Ergebnis?

  • a) Drehstromheizung mit drei gleichen Heizstäben
  • b) Drehstrommotor unter Volllast
  • c) Symmetrisch belasteter Drehstromtransformator
  • d) Drei verschieden große einphasige Verbraucher auf L1, L2, L3

Richtig: d)

Erklärung: Drei unterschiedliche einphasige Verbraucher belasten die Stränge ungleichmäßig — das System ist unsymmetrisch und die √3-Formel gibt nicht die Summe der Strangleistungen wieder. Die anderen drei Fälle sind klassisch symmetrische Drehstromverbraucher.

Frage 5: Eine 11-kW-Wallbox (cos φ = 1) hängt am 400-V-Netz. Wie groß ist der Außenleiterstrom?

  • a) etwa 16 A
  • b) etwa 28 A
  • c) etwa 48 A
  • d) etwa 9 A

Richtig: a)

Erklärung: I = P / (√3 · U · cos φ) = 11 000 / (√3 · 400 · 1) ≈ 15,88 A ≈ 16 A. 28 A würde sich nur ohne √3 ergeben (Einphasenrechnung mit 400 V), 48 A wäre eine andere Fehlrechnung, und 9 A passt zu keinem Lösungsweg.

Frage 6: Welche Aussage zum Leistungsfaktor cos φ trifft zu?

  • a) Er ist immer 1
  • b) Er ist bei Drehstrommotoren stets größer als 1
  • c) Er beschreibt das Verhältnis von Wirkleistung zu Scheinleistung
  • d) Er ist eine Maßeinheit der Blindleistung

Richtig: c)

Erklärung: Definition: cos φ = P / S. Da P ≤ S gilt, ist cos φ immer zwischen 0 und 1 — nie größer. Bei ohmschen Verbrauchern ist cos φ = 1, bei Motoren typischerweise 0,7 bis 0,9. Die Maßeinheit der Blindleistung ist var, nicht cos φ.

Frage 7: Ein Drehstrommotor läuft im Leerlauf. Was passiert typischerweise mit cos φ und Wirkleistung im Vergleich zum Volllastbetrieb?

  • a) cos φ steigt, Wirkleistung steigt
  • b) cos φ steigt, Wirkleistung sinkt
  • c) cos φ sinkt, Wirkleistung steigt
  • d) cos φ sinkt, Wirkleistung sinkt

Richtig: d)

Erklärung: Im Leerlauf liefert der Motor keine mechanische Arbeit, die elektrische Wirkleistung sinkt auf die Verlustleistung. Gleichzeitig braucht der Motor weiterhin Blindleistung für die Magnetisierung — das Verhältnis P/S verschlechtert sich, cos φ sinkt deutlich (oft auf 0,2 bis 0,3).

Frage 8: In der Formel P = √3 · U · I · cos φ wird statt cos φ irrtümlich sin φ verwendet. Welche Leistung wird damit tatsächlich berechnet?

  • a) Scheinleistung
  • b) Blindleistung
  • c) Wirkleistung
  • d) Mechanische Leistung

Richtig: b)

Erklärung: Die Blindleistung im Drehstromsystem ist definiert als Q = √3 · U · I · sin φ. Wer also versehentlich sin φ einsetzt, rechnet die Blindleistung statt der Wirkleistung aus. Die Scheinleistung hätte gar keinen Winkelfaktor (S = √3 · U · I), und die mechanische Leistung ergibt sich erst nach Multiplikation mit dem Wirkungsgrad.

Frage 9: Warum ist die Augenblicksleistung in einem symmetrisch belasteten Drehstromsystem zeitlich konstant?

  • a) Weil sich die Wechselanteile der drei phasenversetzten Augenblicksleistungen gegenseitig aufheben
  • b) Weil im Drehstromnetz Gleichstrom fließt
  • c) Weil cos φ = 1 ist
  • d) Weil die Frequenz hoch genug ist

Richtig: a)

Erklärung: Jede einzelne Strangleistung pulsiert mit doppelter Netzfrequenz, aber die drei Pulsationen sind so phasenverschoben, dass sich ihre Wechselanteile in Summe zu null addieren. Der zeitlich konstante Mittelwert pro Strang bleibt übrig — dreimal aufaddiert. Drehstrom ist Wechselstrom, cos φ ist nur ein Vorfaktor (Wirkleistungs-Anteil), und die Frequenz spielt für den Konstanz-Effekt keine Rolle.

Frage 10: Ein Drehstromverbraucher zeigt S = 5 kVA und P = 4 kW. Welche Blindleistung Q nimmt er auf?

  • a) 1 kvar
  • b) 9 kvar
  • c) 3 kvar
  • d) 5 kvar

Richtig: c)

Erklärung: Aus dem Leistungsdreieck folgt Q = √(S² – P²) = √(25 – 16) = √9 = 3 kvar. 1 kvar wäre eine Subtraktion, 9 kvar eine Quadratsumme ohne Wurzel, und 5 kvar entspräche der Scheinleistung.

Frage 11: Auf dem Typenschild eines Drehstrommotors steht „P_N = 4 kW; cos φ = 0,82; η = 0,86“. Wie groß ist die aufgenommene elektrische Wirkleistung?

  • a) 4 kW
  • b) ca. 4,65 kW
  • c) ca. 4,9 kW
  • d) ca. 3,4 kW

Richtig: b)

Erklärung: Die Bemessungsleistung 4 kW ist die Wellenleistung. P_el = P_mech / η = 4 / 0,86 ≈ 4,65 kW. Wer 4 kW direkt nimmt, übersieht den Wirkungsgrad. 4,9 kW wäre eine Division durch cos φ (falsche Verknüpfung), und 3,4 kW wäre eine Multiplikation statt Division.

Frage 12: Warum lässt sich der Anlaufstrom eines großen Drehstrommotors mit dem Stern-Dreieck-Anlauf reduzieren?

  • a) Weil die Frequenz sinkt
  • b) Weil die Außenleiterspannung beim Anlauf abgeschaltet wird
  • c) Weil die Phasenverschiebung kleiner wird
  • d) Weil die Strangspannung im Stern um den Faktor √3 niedriger ist, sodass Strangstrom und Außenleiterstrom auf rund ein Drittel sinken

Richtig: d)

Erklärung: In Sternschaltung liegt an jedem Strang nur U/√3, also etwa 230 V statt 400 V. Der Strangstrom sinkt entsprechend, und da im Stern der Außenleiterstrom gleich dem Strangstrom ist, wird der gezogene Außenleiterstrom um den Faktor 3 kleiner als im Dreieck. Frequenz und Außenleiterspannung bleiben unverändert, und die Phasenverschiebung ändert sich beim Anlauf nicht systematisch.

Glossar

Drehstrom
Drei Wechselspannungen gleicher Amplitude und Frequenz, zeitlich um 120° gegeneinander verschoben.
Außenleiter
Die drei stromführenden Phasen eines Drehstromsystems, in Österreich nach IEC mit L1, L2, L3 bezeichnet.
Außenleiterspannung
Spannung zwischen zwei Außenleitern. Im österreichischen Niederspannungsnetz 400 V.
Außenleiterstrom
Strom in einer der drei Zuleitungen zum Drehstromverbraucher.
Strang
Ein einzelner Wicklungs- oder Verbraucherzweig im Drehstromsystem. Bei einem Drehstrommotor entspricht jeder Strang einer der drei Wicklungen.
Strangspannung
Spannung, die direkt am einzelnen Strang anliegt. In Stern U/√3, in Dreieck = U (Außenleiterspannung).
Strangstrom
Strom, der durch den einzelnen Strang fließt. In Stern = Außenleiterstrom, in Dreieck = Außenleiterstrom/√3.
Symmetrische Belastung
Alle drei Stränge ziehen denselben Strom bei gleichem cos φ. Voraussetzung für die kompakte √3-Formel.
Unsymmetrische Belastung
Die drei Stränge sind unterschiedlich belastet. Die Gesamtleistung muss durch Addition der Einzelstrang-Leistungen ermittelt werden.
Neutralleiter (N)
Der vom Sternpunkt geführte Leiter eines Drehstromsystems. Stellt bei unsymmetrischer Last die feste Strangspannung von 230 V sicher.
Stern-Dreieck-Anlauf
Anlaufverfahren für große Drehstrommotoren. Der Motor läuft zunächst in Stern an (Anlaufstrom ein Drittel) und wird nach Erreichen einer ausreichenden Drehzahl auf Dreieck umgeschaltet.

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