RC-Schaltung

Sobald in einem Wechselstromkreis ein Widerstand und ein Kondensator zusammenarbeiten, hört das einfache Ohmsche Gesetz auf zu reichen. Der Kondensator dreht den Strom gegen die Spannung, und je nach Frequenz verteilt sich die Spannung anders. Genau diese Kombination — die RC-Schaltung — steckt in fast jedem elektronischen Gerät. Mal entstört sie ein Schütz, mal trennt sie Gleich- von Wechselanteil, mal formt sie ein Signal um. Wer das Zusammenspiel zwischen R und C versteht, hat den Schlüssel zu Filtern, Snubbern und vielen weiteren Schaltungen in der Hand.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Aufbau einer RC-Reihen- und Parallelschaltung erklären und das passende Zeigerdiagramm zeichnen
  • Gesamtspannung, Gesamtstrom, Impedanz und Phasenwinkel einer RC-Schaltung berechnen
  • die Grenzfrequenz f_g bestimmen und ihre Bedeutung einordnen
  • den Unterschied zwischen RC-Tiefpass und RC-Hochpass erkennen und ihr Verhalten beschreiben
  • typische Anwendungen in der Praxis benennen und die Wahl der Bauteile begründen

1. Was ist eine RC-Schaltung?

Eine RC-Schaltung ist die Zusammenschaltung eines ohmschen Widerstands R mit einem Kondensator C an einer Wechselspannung. „R“ und „C“ stehen dabei einfach für die beiden Bauteile — die Schaltung kann als Reihen- oder als Parallelschaltung aufgebaut sein. Beide Varianten haben ihre eigenen Berechnungsregeln und ihre eigenen Einsatzfelder.

Warum diese Kombination interessant ist, hängt mit zwei Eigenschaften des Kondensators zusammen. Erstens speichert er Energie im elektrischen Feld und gibt sie zeitversetzt wieder ab — daraus entsteht eine Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung. Zweitens hängt sein Blindwiderstand X_C von der Frequenz ab: bei hohen Frequenzen wird er klein, bei tiefen groß. Stellt man ihm einen frequenzunabhängigen Widerstand R zur Seite, entsteht eine Schaltung, die sich für unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich verhält. Genau das macht die RC-Schaltung zur Grundlage aller passiven Filter.

Der kapazitive Blindwiderstand wurde im verlinkten Vorwissen-Beitrag ausführlich behandelt. Hier reicht zur Erinnerung:

X_C = 1 / (2 · π · f · C)

  • X_C … kapazitiver Blindwiderstand in Ohm
  • f ….. Frequenz in Hertz
  • C ….. Kapazität in Farad

Im Folgenden wird R immer als reiner Wirkwiderstand und C als idealer Kondensator behandelt. Reale Bauteile haben kleine Abweichungen davon, für die Praxis sind diese Vereinfachungen aber meistens zulässig.

Was ist die zentrale Eigenschaft, die eine RC-Schaltung von einem reinen Widerstandsnetzwerk unterscheidet?

  • a) Sie kann nur an Gleichspannung betrieben werden
  • b) Ihr Verhalten hängt von der Frequenz der angelegten Spannung ab
  • c) Sie wandelt Wechselspannung automatisch in Gleichspannung um
  • d) Ihr Widerstand wird mit steigender Spannung kleiner

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Der kapazitive Blindwiderstand X_C = 1/(2πfC) ist frequenzabhängig, also verändert sich auch das Gesamtverhalten der Schaltung mit der Frequenz. a ist falsch, weil RC-Schaltungen ja gerade an Wechselspannung sinnvoll sind. c beschreibt einen Gleichrichter, kein RC-Glied. d ist generell falsch — der Widerstandswert von R und C hängt nicht von der Spannungsamplitude ab.

Welche der folgenden Aussagen zur Phasenverschiebung in einer RC-Schaltung trifft zu?

  • a) Der Strom durch den Kondensator eilt der Spannung am Kondensator um 90° voraus
  • b) Strom und Spannung am Kondensator sind immer in Phase
  • c) Die Spannung am Kondensator eilt dem Strom um 90° voraus
  • d) Die Phasenverschiebung beträgt unabhängig vom Kondensator immer 180°

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Beim idealen Kondensator eilt der Strom der Spannung um 90° voraus, weil zuerst geladen werden muss, bevor sich Spannung aufbaut. b gilt nur für einen reinen Widerstand. c kehrt die Beziehung falsch um. d ist eine reine Phantasiezahl ohne physikalischen Bezug.

2. RC-Reihenschaltung

In der Reihenschaltung sind R und C hintereinander an der Wechselspannungsquelle angeschlossen. Es fließt überall derselbe Strom I, weil es nur eine Masche gibt. An den beiden Bauteilen fallen aber unterschiedliche Spannungen ab — und genau hier wird es interessant.

U R U_R C U_C I

Weil der Strom überall gleich groß ist, kann man ihn als Bezugsgröße nehmen. Am Widerstand sind Strom und Spannung in Phase — U_R liegt also direkt auf dem Strom. Am Kondensator dagegen eilt der Strom der Spannung um 90° voraus — U_C steht damit um 90° versetzt zu I und U_R. Daraus folgt: U_R und U_C dürfen nicht einfach addiert werden, sondern müssen geometrisch zusammengesetzt werden. Das geht am sichersten mit dem Zeigerdiagramm.

Spannungsdreieck I U_R U_C U φ Widerstandsdreieck R X_C Z φ

Aus dem Spannungsdreieck folgt mit dem Satz von Pythagoras die Gesamtspannung. Daneben gilt dasselbe Verhältnis auch für die Widerstände, weil sich beim gemeinsamen Strom alle Spannungen über U = I · R bzw. U_C = I · X_C ineinander umrechnen lassen. Das ergibt ein zweites, formgleiches Dreieck — das Widerstandsdreieck mit R, X_C und der Impedanz Z.

U = √(U_R² + U_C²)

  • U …. Gesamtspannung in V
  • U_R .. Spannung am Widerstand in V
  • U_C .. Spannung am Kondensator in V

Z = √(R² + X_C²)

  • Z …. Impedanz in Ohm
  • R …. Wirkwiderstand in Ohm
  • X_C .. kapazitiver Blindwiderstand in Ohm

Der Phasenwinkel φ zwischen Gesamtspannung und Strom ergibt sich aus dem Verhältnis von Blindwiderstand zu Wirkwiderstand. In einer reinen RC-Reihenschaltung liegt φ immer zwischen 0° (rein ohmsch) und 90° (rein kapazitiv).

tan(φ) = U_C / U_R = X_C / R

  • φ …. Phasenwinkel zwischen U und I in Grad

Gelöstes Beispiel

Eine RC-Reihenschaltung liegt an 230 V / 50 Hz. Der Widerstand beträgt 470 Ω, der Kondensator hat X_C = 350 Ω. Wie groß sind Impedanz, Strom, Teilspannungen und Phasenwinkel?

Gegeben: U = 230 V, R = 470 Ω, X_C = 350 Ω

Gesucht: Z, I, U_R, U_C, φ

Lösungsweg:

  1. Impedanz: Z = √(R² + X_C²) = √(470² + 350²) = √(220900 + 122500) = √343400 = 586,0 Ω
  2. Strom: I = U / Z = 230 / 586,0 = 0,3925 A
  3. Teilspannungen: U_R = I · R = 0,3925 · 470 = 184,5 V; U_C = I · X_C = 0,3925 · 350 = 137,4 V
  4. Phasenwinkel: tan(φ) = X_C / R = 350 / 470 = 0,7447; φ = 36,67°

Ergebnis: Z = 586 Ω, I = 0,39 A, U_R = 184,5 V, U_C = 137,4 V, φ = 36,7°

Übungen

Eine RC-Reihenschaltung hat R = 200 Ω und X_C = 200 Ω. Bestimme Z und φ.

Z = √(200² + 200²) = 282,8 Ω; tan(φ) = 1, also φ = 45°.

An einer RC-Reihenschaltung werden U_R = 120 V und U_C = 50 V gemessen. Wie groß ist die Gesamtspannung?

U = √(120² + 50²) = √(14400 + 2500) = √16900 = 130 V.

R = 1000 Ω und X_C = 1500 Ω liegen in Reihe an 24 V Wechselspannung. Berechne Strom und Phasenwinkel.

Z = √(1000² + 1500²) = 1803 Ω; I = 24 / 1803 = 13,3 mA; tan(φ) = 1500/1000 = 1,5; φ = 56,3°.

Eine RC-Reihenschaltung an 400 V soll einen Strom von 0,8 A bei einem Phasenwinkel von 30° aufnehmen. Welche Werte müssen R und X_C haben?

Z = 400 / 0,8 = 500 Ω; R = Z · cos(30°) = 500 · 0,866 = 433 Ω; X_C = Z · sin(30°) = 500 · 0,5 = 250 Ω.

In einer RC-Reihenschaltung wird die Spannung am Widerstand zu 60 % der Gesamtspannung gemessen. Wie groß ist der Phasenwinkel?

U_R / U = cos(φ) = 0,6; φ = arccos(0,6) = 53,1°.

In einer RC-Reihenschaltung werden U_R = 90 V und U_C = 120 V gemessen. Wie groß ist die anliegende Gesamtspannung?

  • a) 210 V
  • b) 30 V
  • c) 150 V
  • d) 105 V

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: U = √(90² + 120²) = √(8100 + 14400) = √22500 = 150 V. a addiert beide Werte arithmetisch — der klassische Fehler. b zieht sie ab, was physikalisch unsinnig ist. d ist eine arithmetische Halbsumme ohne Bezug zur Pythagoras-Beziehung.

Welcher Phasenwinkel stellt sich in einer RC-Reihenschaltung mit R = 300 Ω und X_C = 300 Ω ein?

  • a) 0°
  • b) 90°
  • c) 30°
  • d) 45°

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: tan(φ) = X_C / R = 300/300 = 1, also φ = 45°. Bei gleichen Werten von R und X_C teilt sich die Phasenlage genau hälftig. a wäre ein rein ohmscher Kreis (X_C = 0). b wäre rein kapazitiv (R = 0). c gilt für tan(φ) ≈ 0,577, also bei X_C ≈ 0,577·R.

Was beschreibt das Widerstandsdreieck in einer RC-Reihenschaltung?

  • a) Es zeigt die zeitliche Spannungsverteilung über eine Periode
  • b) Es ist die geometrische Darstellung der Bauteilabmessungen
  • c) Es ist eine reine Merkhilfe ohne Berechnungsbezug
  • d) Es ist formgleich zum Spannungsdreieck und liefert R, X_C und Z

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Weil der Strom in einer Reihenschaltung überall gleich ist, lassen sich alle Spannungen durch Division durch I in Widerstandswerte umrechnen. Daraus entsteht ein geometrisch ähnliches Dreieck mit R, X_C und Z, das direkt zur Impedanzberechnung dient. a verwechselt Zeit- und Zeigerdiagramm. b ist offensichtlich unsinnig. c unterschätzt den Nutzen — gerade das Widerstandsdreieck ist die übliche Rechengrundlage.

3. RC-Parallelschaltung

In der Parallelschaltung sind R und C beide direkt an der Spannungsquelle angeschlossen. Diesmal liegt an beiden Bauteilen dieselbe Spannung U an — aber durch sie fließen unterschiedliche Ströme.

U R I_R C I_C I

Weil jetzt die Spannung die gemeinsame Bezugsgröße ist, dreht sich das Bild gegenüber der Reihenschaltung. Der Strom durch den Widerstand ist mit der Spannung in Phase — I_R liegt also auf U. Der Strom durch den Kondensator eilt der Spannung um 90° voraus — I_C steht senkrecht zu U. Wieder müssen die beiden Ströme geometrisch zusammengeführt werden, diesmal als Stromdreieck.

Stromdreieck U I_R I_C I φ

Der Gesamtstrom ist also größer als jeder Einzelstrom, aber kleiner als deren arithmetische Summe — die gleiche Logik wie bei der Reihenschaltung, nur eben für Ströme statt Spannungen.

I = √(I_R² + I_C²)

  • I …. Gesamtstrom in A
  • I_R .. Strom durch den Widerstand in A
  • I_C .. Strom durch den Kondensator in A

I_R = U / R I_C = U / X_C

Die Impedanz Z bekommt man dann einfach aus dem Verhältnis von Spannung zu Gesamtstrom:

Z = U / I

  • Z .. Impedanz der Parallelschaltung in Ohm

Auch der Phasenwinkel sieht hier anders aus — er ergibt sich aus dem Stromverhältnis. Beachte: in der Parallelschaltung steht R im Zähler des Bruchs, also umgekehrt zur Reihenschaltung.

tan(φ) = I_C / I_R = R / X_C

Gelöstes Beispiel

Eine RC-Parallelschaltung liegt an 230 V / 50 Hz. Der Widerstand beträgt 460 Ω, der Kondensator hat X_C = 920 Ω. Berechne die Einzelströme, den Gesamtstrom, die Impedanz und den Phasenwinkel.

Gegeben: U = 230 V, R = 460 Ω, X_C = 920 Ω

Gesucht: I_R, I_C, I, Z, φ

Lösungsweg:

  1. Teilströme: I_R = U / R = 230 / 460 = 0,500 A; I_C = U / X_C = 230 / 920 = 0,250 A
  2. Gesamtstrom: I = √(I_R² + I_C²) = √(0,500² + 0,250²) = √(0,250 + 0,0625) = √0,3125 = 0,559 A
  3. Impedanz: Z = U / I = 230 / 0,559 = 411,4 Ω
  4. Phasenwinkel: tan(φ) = I_C / I_R = 0,250 / 0,500 = 0,5; φ = 26,57°

Ergebnis: I_R = 0,50 A, I_C = 0,25 A, I = 0,56 A, Z = 411 Ω, φ = 26,6°

Übungen

R = 1000 Ω und X_C = 1000 Ω liegen parallel an 100 V. Berechne den Gesamtstrom und den Phasenwinkel.

I_R = I_C = 0,1 A; I = √(0,1² + 0,1²) = 0,1414 A; φ = arctan(1) = 45°.

In einer RC-Parallelschaltung fließen I_R = 0,8 A und I_C = 0,6 A. Wie groß ist der Gesamtstrom?

I = √(0,8² + 0,6²) = √(0,64 + 0,36) = √1 = 1,0 A.

Eine RC-Parallelschaltung hat U = 24 V, R = 120 Ω und X_C = 80 Ω. Berechne Z.

I_R = 24/120 = 0,2 A; I_C = 24/80 = 0,3 A; I = √(0,04 + 0,09) = √0,13 = 0,3606 A; Z = 24/0,3606 = 66,56 Ω.

Eine Parallelschaltung soll bei 230 V einen Gesamtstrom von 2 A mit φ = 60° aufnehmen. Welche Werte haben R und X_C?

I_R = I·cos(60°) = 2·0,5 = 1,0 A; I_C = I·sin(60°) = 2·0,866 = 1,732 A; R = U/I_R = 230 Ω; X_C = U/I_C = 132,8 Ω.

Ändert sich der Phasenwinkel einer RC-Parallelschaltung, wenn die Spannung U bei festen R und X_C verdoppelt wird? Begründe.

Nein. Sowohl I_R als auch I_C verdoppeln sich, ihr Verhältnis bleibt gleich — und damit auch tan(φ) und φ.

Welche Größe ist in einer RC-Parallelschaltung an R und C gleich?

  • a) Der Strom durch beide Bauteile
  • b) Die Verlustleistung
  • c) Die anliegende Spannung
  • d) Die Phasenlage des Stromes

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: Bei Parallelschaltung liegt an allen Zweigen dieselbe Spannung. a beschreibt die Reihenschaltung. b ist falsch — am Kondensator entsteht idealerweise gar keine Wirkverlustleistung, am Widerstand schon. d ist gerade nicht der Fall: I_R und I_C sind ja um 90° versetzt.

In einer RC-Parallelschaltung fließen I_R = 6 A und I_C = 8 A. Wie groß ist der Gesamtstrom?

  • a) 10 A
  • b) 14 A
  • c) 2 A
  • d) 48 A

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: I = √(6² + 8²) = √(36 + 64) = √100 = 10 A — das klassische 3-4-5-Dreieck, hier mit Faktor 2. b addiert arithmetisch. c zieht ab. d multipliziert die Werte, was physikalisch keinen Sinn ergibt.

Eine RC-Parallelschaltung hat R = 200 Ω und X_C = 100 Ω. Welcher Phasenwinkel zwischen Gesamtstrom und Spannung stellt sich ein?

  • a) 26,6°
  • b) 63,4°
  • c) 45°
  • d) 90°

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: tan(φ) = R / X_C = 200/100 = 2; φ = arctan(2) = 63,4°. Achtung: In der Parallelschaltung steht R im Zähler. Wer nach Reihenschaltungs-Logik X_C/R rechnet, bekommt 0,5 und kommt fälschlich auf 26,6° (das ist Antwort a — typischer Vertauschungsfehler). c würde für R = X_C gelten. d wäre nur bei R → ∞ erreichbar.

4. Frequenzverhalten und Grenzfrequenz

Das Besondere an der RC-Schaltung wird erst bei verschiedenen Frequenzen sichtbar. Erinnerung: X_C = 1/(2πfC). Bei tiefen Frequenzen ist X_C groß — der Kondensator sperrt fast, die Schaltung verhält sich praktisch wie der Widerstand allein. Bei hohen Frequenzen wird X_C klein — der Kondensator wird zur Quasi-Brücke, die Schaltung verhält sich fast wie ein Kurzschluss durch C. Dazwischen gibt es einen Frequenzbereich, in dem beide Bauteile etwa gleich „stark“ sind. Dort ändert sich das Verhalten am meisten — genau dort liegt die Grenzfrequenz.

Die Grenzfrequenz f_g ist die Frequenz, bei der der kapazitive Blindwiderstand X_C genau so groß ist wie der ohmsche Widerstand R. Aus X_C = R folgt direkt:

f_g = 1 / (2 · π · R · C)

  • f_g .. Grenzfrequenz in Hertz
  • R …. Wirkwiderstand in Ohm
  • C …. Kapazität in Farad

Bei f = f_g passieren drei Dinge gleichzeitig: der Phasenwinkel φ beträgt genau 45°, die Impedanz ist Z = R · √2, und in einer Filterschaltung fällt die Ausgangsspannung auf 1/√2 ≈ 0,707 der Eingangsspannung. Diese drei Aussagen sind verschiedene Sichtweisen auf denselben Sachverhalt.

Für f < f_g dominiert das ohmsche Verhalten (φ < 45°), für f > f_g das kapazitive (φ > 45°). Mit dieser einfachen Regel lässt sich eine RC-Schaltung schon ohne Rechnung grob einordnen.

Gelöstes Beispiel

Ein RC-Glied hat R = 4,7 kΩ und C = 100 nF. Welche Grenzfrequenz besitzt es? Wie groß ist X_C bei f = 1 kHz?

Gegeben: R = 4700 Ω, C = 100 nF = 1 · 10⁻⁷ F, f = 1000 Hz

Gesucht: f_g, X_C

Lösungsweg:

  1. Grenzfrequenz: f_g = 1 / (2 · π · R · C) = 1 / (2 · π · 4700 · 1·10⁻⁷) = 1 / (2,953 · 10⁻³) = 338,6 Hz
  2. X_C bei 1 kHz: X_C = 1 / (2 · π · f · C) = 1 / (2 · π · 1000 · 1·10⁻⁷) = 1 / (6,283 · 10⁻⁴) = 1591,5 Ω

Ergebnis: f_g ≈ 339 Hz, X_C bei 1 kHz ≈ 1592 Ω. Die Betriebsfrequenz von 1 kHz liegt deutlich über f_g, also überwiegt das kapazitive Verhalten — X_C ist hier auch kleiner als R = 4,7 kΩ.

Übungen

Eine RC-Schaltung hat R = 10 kΩ und C = 1 µF. Berechne die Grenzfrequenz.

f_g = 1 / (2π · 10000 · 1·10⁻⁶) = 1/(0,0628) = 15,92 Hz.

Welche Kapazität ergibt zusammen mit R = 1 kΩ eine Grenzfrequenz von 1 kHz?

C = 1 / (2π · f_g · R) = 1 / (2π · 1000 · 1000) = 1,59 · 10⁻⁷ F = 159 nF.

Bei welcher Frequenz ist X_C eines 470-nF-Kondensators gleich 1 kΩ?

f = 1 / (2π · R · C) = 1 / (2π · 1000 · 4,7·10⁻⁷) = 338,6 Hz.

Eine RC-Reihenschaltung hat R = 220 Ω und C = 4,7 µF. Wie verhält sich die Schaltung bei 50 Hz im Vergleich zur Grenzfrequenz?

f_g = 1 / (2π · 220 · 4,7·10⁻⁶) = 154 Hz. Bei 50 Hz < f_g überwiegt das ohmsche Verhalten, der Phasenwinkel liegt unter 45°.

Wie ändert sich f_g, wenn R verdoppelt und C halbiert wird?

f_g = 1/(2πRC). Wenn R · C konstant bleibt (Verdopplung · Halbierung), bleibt auch f_g unverändert.

Was bedeutet die Grenzfrequenz f_g einer RC-Schaltung physikalisch?

  • a) Die Frequenz, bei der der Kondensator zerstört wird
  • b) Die maximale Frequenz, die die Schaltung verarbeiten kann
  • c) Die Frequenz, bei der die anliegende Spannung Null wird
  • d) Die Frequenz, bei der X_C gleich R ist und φ = 45° beträgt

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Genau bei dieser Frequenz sind ohmscher und kapazitiver Anteil gleich groß, das ist die saubere Definition. a verwechselt f_g mit einer Grenzbelastung. b unterstellt eine harte obere Grenze, die so nicht existiert — die Schaltung arbeitet auch deutlich darüber, nur stärker gedämpft. c hat keinen physikalischen Bezug.

Ein RC-Tiefpass hat eine Grenzfrequenz von 1 kHz. Bei welcher Frequenz fällt die Ausgangsspannung auf etwa 70 % der Eingangsspannung?

  • a) Bei 100 Hz
  • b) Bei 1 kHz
  • c) Bei 10 kHz
  • d) Bei 0 Hz

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Bei f_g ist u_a / u_e = 1/√2 ≈ 0,707, also etwa 70 %. a entspricht dem Durchlassbereich (kaum Dämpfung). c liegt weit im Sperrbereich (deutlich unter 70 %). d ist Gleichspannung — da geht u_a = u_e (Tiefpass).

Wie verändert sich die Grenzfrequenz eines RC-Gliedes, wenn die Kapazität C verdoppelt wird?

  • a) Sie verdoppelt sich
  • b) Sie bleibt gleich
  • c) Sie halbiert sich
  • d) Sie wird viermal so groß

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: f_g = 1/(2πRC) — C im Nenner, also halbiert sich f_g, wenn C verdoppelt wird. a kehrt den Zusammenhang um. b unterstellt Unabhängigkeit von C. d ist quadratisches Verhalten, das gilt für f_g nicht.

5. RC-Tiefpass und RC-Hochpass

Eine sehr nützliche Eigenschaft der RC-Reihenschaltung: sie wirkt automatisch als Spannungsteiler — und zwar als frequenzabhängiger. Greift man die Ausgangsspannung am Kondensator ab, entsteht ein Tiefpass: tiefe Frequenzen kommen durch, hohe werden gedämpft. Greift man am Widerstand ab, entsteht ein Hochpass: hohe Frequenzen kommen durch, tiefe werden gedämpft. Es ist physikalisch dieselbe Schaltung, nur der Abgriff entscheidet.

RC-Tiefpass u_e R C u_a RC-Hochpass u_e C R u_a

Beim Tiefpass liegt der Kondensator parallel zum Ausgang. Bei tiefen Frequenzen ist X_C groß, fast die ganze Eingangsspannung steht am Kondensator und damit am Ausgang an — der Tiefpass lässt durch. Bei hohen Frequenzen wird X_C klein, der Kondensator zieht die Ausgangsspannung quasi nach unten — die Schaltung sperrt. Genau umgekehrt beim Hochpass.

Mathematisch ist das Verhältnis von Ausgangs- zu Eingangsspannung der Quotient des jeweils abgegriffenen Widerstands zur Gesamtimpedanz Z.

Tiefpass: u_a / u_e = X_C / Z = 1 / √(1 + (2 · π · f · R · C)²)

Hochpass: u_a / u_e = R / Z = (2 · π · f · R · C) / √(1 + (2 · π · f · R · C)²)

Trägt man diese Verhältnisse über der Frequenz auf (mit f_g als Bezugspunkt), bekommt man die typischen Frequenzgangkurven. Beide schneiden sich genau bei f = f_g auf dem Wert 1/√2 ≈ 0,707 — das ist der berühmte –3-dB-Punkt.

Frequenzgang: Tiefpass und Hochpass f/f_g u_a/u_e 1,0 0,707 0,5 0 0 1 2 3 4 5 f_g Tiefpass Hochpass

Gelöstes Beispiel

Ein RC-Tiefpass hat R = 2 kΩ und C = 220 nF. Wie groß ist die Ausgangsspannung u_a in Prozent von u_e bei f = 500 Hz?

Gegeben: R = 2000 Ω, C = 220 nF = 2,2 · 10⁻⁷ F, f = 500 Hz

Gesucht: u_a / u_e

Lösungsweg:

  1. Grenzfrequenz zur Orientierung: f_g = 1 / (2π · 2000 · 2,2·10⁻⁷) = 1 / 0,002765 = 361,7 Hz
  2. Spannungsverhältnis bei 500 Hz: ω · R · C = 2π · 500 · 2000 · 2,2·10⁻⁷ = 1,382; u_a / u_e = 1 / √(1 + 1,382²) = 1 / √(1 + 1,910) = 1 / √2,910 = 1 / 1,706 = 0,586

Ergebnis: Die Ausgangsspannung beträgt etwa 58,6 % der Eingangsspannung. Wegen f > f_g ist die Dämpfung schon spürbar.

Übungen

Ein RC-Tiefpass hat f_g = 100 Hz. Welcher Wert von u_a/u_e stellt sich bei f = 100 Hz ein?

Genau bei f_g gilt u_a/u_e = 1/√2 ≈ 0,707.

Ein RC-Hochpass mit f_g = 1 kHz wird bei 100 Hz betrieben. Wie groß ist u_a/u_e?

ω·R·C = f/f_g = 0,1. u_a/u_e = 0,1/√(1 + 0,01) = 0,1/1,005 = 0,0995 (ca. 10 %).

Welche Bauteile (R, C) ergeben einen Tiefpass mit f_g = 50 Hz, wenn R = 4,7 kΩ vorgegeben ist?

C = 1/(2π · 50 · 4700) = 6,77 · 10⁻⁷ F ≈ 680 nF.

Ein Hochpass soll bei 50 Hz nur noch 5 % Ausgangsspannung liefern. Wie muss f_g gewählt werden?

Aus 0,05 = (f/f_g) / √(1 + (f/f_g)²) folgt mit kleinem f/f_g näherungsweise f/f_g ≈ 0,05, also f_g ≈ 50/0,05 = 1000 Hz.

Begründe, warum ein Tiefpass für Gleichspannung praktisch verlustfrei durchlässt.

Bei f → 0 wird X_C → ∞ und damit u_a/u_e → 1 — der Kondensator wirkt wie eine offene Klemme, die Eingangsspannung steht voll am Ausgang.

An welcher Stelle einer RC-Reihenschaltung wird die Ausgangsspannung abgegriffen, damit ein Tiefpass entsteht?

  • a) Am Kondensator
  • b) Am Widerstand
  • c) Zwischen R und Masse
  • d) Direkt am Eingang

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Bei tiefen Frequenzen ist X_C groß — die Spannung am Kondensator entspricht fast u_e (Durchlass). Bei hohen Frequenzen wird X_C klein, am Kondensator bleibt wenig Spannung übrig (Sperre). b ist gerade die Hochpass-Variante. c und d ergeben kein Filterverhalten.

Was passiert mit einem hochfrequenten Signal am Ausgang eines RC-Tiefpasses, dessen Grenzfrequenz weit unter der Signalfrequenz liegt?

  • a) Es wird unverändert durchgelassen
  • b) Es wird gleichgerichtet
  • c) Es wird verstärkt
  • d) Es wird stark gedämpft, ein Bruchteil bleibt übrig

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Liegt f weit über f_g, sinkt u_a/u_e mit etwa 1/(2πfRC) — die Ausgangsspannung wird klein, aber nicht null. a ist falsch, weil der Tiefpass hohe Frequenzen gerade abblockt. b verwechselt das Filter mit einem Gleichrichter. c ist passiv-physikalisch unmöglich, ein RC-Glied kann nicht verstärken.

Bei welchem Wert von f/f_g schneiden sich die Frequenzgangkurven von Tiefpass und Hochpass?

  • a) f/f_g = 0
  • b) f/f_g = 2
  • c) f/f_g = 1
  • d) f/f_g = 0,5

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: Bei f = f_g gilt für beide u_a/u_e = 1/√2 ≈ 0,707 — der gemeinsame Schnittpunkt. a wäre Tiefpass = 1 und Hochpass = 0. b und d sind beliebige andere Punkte ohne besondere Bedeutung.

6. Anwendungen in der Praxis

Die bisher beschriebenen Eigenschaften — Frequenzabhängigkeit, Phasenverschiebung, Energiespeicherung im Kondensator — finden sich in vielen typischen Schaltungen wieder. Sechs Beispiele, die in der Wartung und Inbetriebnahme häufig vorkommen.

Entstörfilter und Glättung. In Versorgungseingängen wird ein RC-Tiefpass eingesetzt, um hochfrequente Störungen vom Netz oder von benachbarten Geräten herauszuhalten. Hinter Gleichrichtern reduziert ein nachgeschaltetes RC-Glied die Restwelligkeit der Gleichspannung — der Kondensator glättet, der Widerstand begrenzt den Ladestrom.

Kopplungskondensator zwischen Stufen. Wird ein Kondensator in Reihe zwischen zwei Schaltungsteile gesetzt, wirkt er zusammen mit dem Eingangswiderstand der nächsten Stufe als Hochpass. Gleichspannungen werden dadurch abgeblockt, Wechselsignale können hindurch — das nutzt man zum Beispiel zur Kopplung von Audio- oder Sensorsignalen, ohne dass sich Arbeitspunkte gegenseitig beeinflussen.

Snubber-Beschaltung an Schützen und Halbleitern. Bei induktiven Lasten — Schützspulen, Motorwicklungen, Magnetventile — entstehen beim Abschalten hohe Spannungsspitzen. Ein RC-Glied parallel zum Schaltkontakt oder zur Last nimmt diese Energie auf: der Kondensator lädt sich schnell, der Widerstand begrenzt den Strom und sorgt dafür, dass die Energie sauber in Wärme umgesetzt wird. Typische Werte liegen bei einigen Hundert Ohm und einigen Hundert Nanofarad.

Funkenlöschung an Wechselkontakten. Eine eng verwandte Variante des Snubbers: Direkt über einen Schaltkontakt gelegt, dämpft ein RC-Glied die Lichtbogenbildung beim Öffnen und verlängert dadurch die Kontaktlebensdauer deutlich. Standard bei Steuerstromkreisen mit Spulenlast.

RC-Beschaltung an Drehstrommotoren. Beim Abschalten eines Motors kann die Spuleninduktivität gefährliche Spannungsspitzen erzeugen, die elektronische Geräte in der Nähe stören oder Halbleiter zerstören. Ein dreiphasiges RC-Netzwerk zwischen den Motorklemmen wirkt als Spannungsbegrenzer und EMV-Filter zugleich.

Einfacher Phasenschieber. Wenn ein Wechselsignal um einen definierten Winkel verschoben werden soll, eignet sich ein RC-Glied direkt dafür — über die Wahl von R und C lässt sich jeder Phasenwinkel zwischen 0° und fast 90° einstellen. Anwendungen reichen vom analogen Phasenschiebermodul bis zur Hilfswicklungsschaltung in Einphasen-Asynchronmotoren mit Anlaufkondensator.

Welche Aufgabe hat ein Snubber-Glied parallel zum Öffnerkontakt eines Schützes?

  • a) Es erhöht die Schaltleistung des Kontakts
  • b) Es nimmt Spannungsspitzen beim Abschalten induktiver Lasten auf und schützt den Kontakt
  • c) Es speichert Energie für den nächsten Schaltvorgang
  • d) Es synchronisiert das Schütz mit dem Nulldurchgang

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Beim Öffnen einer Spule wird die in der Induktivität gespeicherte Energie kurz frei und erzeugt einen Spannungsimpuls. Der Kondensator nimmt diese Spitze auf, der Widerstand begrenzt und verheizt den Stromfluss kontrolliert — der Kontakt bleibt heil. a ist falsch, die nominelle Schaltleistung wird nicht erhöht. c ist unsinnig, ein Snubber gibt Energie ab, hortet sie nicht. d beschreibt ein anderes Funktionsprinzip (Nulldurchgangsschalter).

Warum verwendet man einen Kondensator als Kopplungselement zwischen zwei Verstärkerstufen?

  • a) Damit Wechselsignale durchgehen, Gleichanteile aber blockiert werden
  • b) Damit Gleichspannungen verstärkt werden
  • c) Um die Verstärkung zu erhöhen
  • d) Damit hohe Frequenzen gedämpft werden

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Ein Reihenkondensator bildet mit dem Eingangswiderstand der nächsten Stufe einen Hochpass. Die Arbeitspunkt-Gleichspannungen beider Stufen werden entkoppelt, das Wechselsignal kommt hindurch. b ist physikalisch falsch — DC wird durch C eben nicht durchgelassen. c ignoriert, dass ein passives RC-Glied nie verstärkt. d beschreibt einen Tiefpass, also den Abgriff am Kondensator, nicht die Reihenschaltung als Kopplung.

Abschlusstest

Übungen

Aufgabe 1: Eine RC-Reihenschaltung liegt an U = 230 V / 50 Hz. R = 680 Ω, C = 4,7 µF.

Gegeben: U = 230 V, R = 680 Ω, C = 4,7 µF, f = 50 Hz

Gesucht: X_C, Z, I, φ

Lösungsweg:

  1. X_C = 1/(2π · 50 · 4,7·10⁻⁶) = 677,3 Ω
  2. Z = √(680² + 677,3²) = √(462400 + 458755) = √921155 = 959,8 Ω
  3. I = U/Z = 230/959,8 = 0,2396 A
  4. tan(φ) = X_C/R = 677,3/680 = 0,996 → φ = 44,9°

Ergebnis: X_C ≈ 677 Ω, Z ≈ 960 Ω, I ≈ 0,24 A, φ ≈ 45° (Schaltung arbeitet fast genau bei f_g)

Aufgabe 2: Eine RC-Reihenschaltung soll bei 1 kHz einen Phasenwinkel von 60° aufweisen. R = 1 kΩ ist gegeben.

Gegeben: f = 1000 Hz, R = 1000 Ω, φ = 60°

Gesucht: X_C, C

Lösungsweg:

  1. X_C = R · tan(60°) = 1000 · 1,732 = 1732 Ω
  2. C = 1/(2π · f · X_C) = 1/(2π · 1000 · 1732) = 9,19 · 10⁻⁸ F ≈ 92 nF

Ergebnis: X_C ≈ 1732 Ω, C ≈ 92 nF

Aufgabe 3: Eine RC-Parallelschaltung liegt an 400 V. R = 800 Ω, X_C = 600 Ω.

Gegeben: U = 400 V, R = 800 Ω, X_C = 600 Ω

Gesucht: I_R, I_C, I, Z, φ

Lösungsweg:

  1. I_R = 400/800 = 0,500 A
  2. I_C = 400/600 = 0,667 A
  3. I = √(0,500² + 0,667²) = √(0,250 + 0,444) = √0,694 = 0,833 A
  4. Z = U/I = 400/0,833 = 480,2 Ω
  5. tan(φ) = I_C/I_R = 0,667/0,500 = 1,333 → φ = 53,1°

Ergebnis: I_R = 0,50 A, I_C = 0,67 A, I = 0,83 A, Z ≈ 480 Ω, φ ≈ 53,1°

Aufgabe 4: Eine RC-Parallelschaltung hat I_R = 1,2 A und I = 1,5 A. Wie groß ist I_C und φ?

Gegeben: I_R = 1,2 A, I = 1,5 A

Gesucht: I_C, φ

Lösungsweg:

  1. I_C = √(I² – I_R²) = √(1,5² – 1,2²) = √(2,25 – 1,44) = √0,81 = 0,9 A
  2. tan(φ) = I_C/I_R = 0,9/1,2 = 0,75 → φ = 36,87°

Ergebnis: I_C = 0,9 A, φ ≈ 36,9°

Aufgabe 5: Ein RC-Tiefpass hat R = 5,6 kΩ und C = 47 nF.

Gegeben: R = 5600 Ω, C = 47 nF

Gesucht: f_g, u_a/u_e bei f = 200 Hz

Lösungsweg:

  1. f_g = 1/(2π · 5600 · 4,7·10⁻⁸) = 604,7 Hz
  2. ω·R·C bei 200 Hz: 2π · 200 · 5600 · 4,7·10⁻⁸ = 0,3308
  3. u_a/u_e = 1/√(1 + 0,3308²) = 1/√1,1094 = 1/1,053 = 0,9494

Ergebnis: f_g ≈ 605 Hz, u_a/u_e bei 200 Hz ≈ 0,95 (kaum gedämpft, weil 200 Hz < f_g)

Aufgabe 6: Ein RC-Hochpass mit f_g = 80 Hz wird mit f = 250 Hz betrieben.

Gegeben: f_g = 80 Hz, f = 250 Hz

Gesucht: u_a/u_e

Lösungsweg:

  1. f/f_g = 250/80 = 3,125
  2. u_a/u_e = 3,125/√(1 + 3,125²) = 3,125/√10,766 = 3,125/3,281 = 0,9525

Ergebnis: u_a/u_e ≈ 0,95 (die hohe Frequenz kommt fast unverändert durch)

Welche der folgenden Aussagen über eine RC-Reihenschaltung trifft zu?

  • a) U_R und U_C stehen um 90° versetzt und müssen geometrisch addiert werden
  • b) Die Spannungen U_R und U_C dürfen direkt addiert werden
  • c) Der Strom durch R ist um 90° gegen den Strom durch C verschoben
  • d) Die Impedanz Z ist die Summe von R und X_C

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Die 90°-Phasenverschiebung zwischen U_R und U_C verlangt eine Pythagoras-Addition. b ist der klassische Anfängerfehler. c ist falsch, weil in einer Reihenschaltung der Strom überall identisch ist. d wäre nur in einem rein ohmschen Kreis korrekt; allgemein gilt Z = √(R² + X_C²).

Eine RC-Reihenschaltung hat R = 100 Ω und X_C = 100 Ω. Wie groß ist die Impedanz?

  • a) 200 Ω
  • b) 100 Ω
  • c) 70,7 Ω
  • d) 141,4 Ω

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Z = √(100² + 100²) = √20000 ≈ 141,4 Ω. a addiert arithmetisch. b ignoriert den zweiten Beitrag. c verwechselt mit der Parallelschaltung gleicher Werte.

Welche Aussage zur Grenzfrequenz f_g ist falsch?

  • a) Bei f = f_g ist φ = 45°
  • b) Bei f = f_g gilt X_C = R
  • c) Bei f = f_g wird die Schaltung zerstört
  • d) f_g = 1/(2πRC)

Richtig: c)

Antwort c ist richtig (als falsche Aussage): f_g markiert keinen Grenzwert der Belastbarkeit, sondern den Übergang zwischen ohmschem und kapazitivem Verhalten. a, b und d sind drei gleichwertige Sichten auf dieselbe Definition.

In einer RC-Parallelschaltung sind R = 250 Ω und X_C = 250 Ω. Wie groß ist die Impedanz?

  • a) 500 Ω
  • b) 125 Ω
  • c) 250 Ω
  • d) 176,8 Ω

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Bei U = 250 V hypothetisch wären I_R = I_C = 1 A, I = √2 A, Z = 250/√2 = 176,8 Ω. Allgemein: Z = R·X_C/√(R² + X_C²) = 250/√2. a addiert wieder arithmetisch. b ist die arithmetische Halbierung. c ist ein einzelner Bauteilwert.

Welches Verhältnis gilt für den Phasenwinkel in der RC-Parallelschaltung?

  • a) tan(φ) = X_C / R
  • b) tan(φ) = R / X_C
  • c) tan(φ) = R · X_C
  • d) tan(φ) = U_R / U_C

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: In der Parallelschaltung gilt I_C/I_R = (U/X_C)/(U/R) = R/X_C — also R im Zähler. a wäre die Reihenschaltungs-Formel (häufiger Vertauschungsfehler). c und d sind frei erfunden.

Ein RC-Tiefpass hat eine Grenzfrequenz von 200 Hz. Welches Verhalten zeigt er bei Gleichspannung am Eingang?

  • a) Er sperrt
  • b) Er lässt sie unverändert durch
  • c) Er begrenzt die Amplitude
  • d) Er invertiert das Vorzeichen

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Bei f = 0 ist X_C unendlich groß — der Kondensator wirkt wie eine offene Klemme, die Eingangsspannung steht voll am Ausgang. a beschreibt den Hochpass bei DC. c ist beim idealen Tiefpass nicht der Fall. d ist physikalisch unmöglich, ein passives RC-Glied invertiert nicht.

Ein RC-Hochpass wird mit einer Frequenz f = 10 · f_g betrieben. Welches Spannungsverhältnis u_a/u_e ergibt sich näherungsweise?

  • a) Etwa 0,1
  • b) Etwa 0,5
  • c) Etwa 0,995
  • d) Genau 1,0

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: u_a/u_e = 10/√(1+100) = 10/√101 = 10/10,05 = 0,995 — bei einer Dekade über f_g ist die Dämpfung praktisch verschwunden. a ist nahezu der umgekehrte Fall (f weit unter f_g). b gilt grob bei 0,57·f_g. d wäre der idealisierte Grenzwert für f → ∞.

Welche Schaltung würde ein typisches Snubber-Element an einer Schützspule bilden?

  • a) Ein einzelner Kondensator von 1 µF
  • b) Eine Diode in Reihe zur Spule
  • c) Ein RC-Glied aus etwa 100 Ω und 220 nF, parallel zur Spule
  • d) Ein Widerstand parallel zur Spule, ohne Kondensator

Richtig: c)

Antwort c ist richtig: Typische Snubber-Werte liegen in dieser Größenordnung — C nimmt die Spitze auf, R begrenzt und verbraucht die Energie. a allein würde die Schaltzeit verlängern und beim Ausschalten kontaktschädlich sein. b entspricht der Freilaufdiode (Gleichspannungs-Variante), nicht der Wechselspannungs-Schaltung mit Schütz. d würde nur dauerhaft Verluste erzeugen, ohne die Spitze wirkungsvoll zu dämpfen.

In einer RC-Reihenschaltung wird die Frequenz erhöht. Wie ändert sich der Phasenwinkel zwischen Strom und Gesamtspannung?

  • a) Er bleibt konstant
  • b) Er nähert sich 0°
  • c) Er nähert sich 90°
  • d) Er wechselt das Vorzeichen

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Mit steigender Frequenz wird X_C = 1/(2πfC) kleiner. tan(φ) = X_C/R sinkt entsprechend, der Kreis wird zunehmend „ohmsch“, φ geht gegen 0°. a ignoriert die Frequenzabhängigkeit. c wäre der umgekehrte Fall (Frequenz gegen 0, X_C gegen unendlich). d ist physikalisch unsinnig, ein Vorzeichenwechsel würde induktives Verhalten bedeuten — das gibt es bei reinem RC nicht.

Welche Aussage zur Wirkung eines RC-Tiefpasses und eines RC-Hochpasses bei gleicher Bauteilkombination ist richtig?

  • a) Sie haben verschiedene Grenzfrequenzen
  • b) Sie haben dieselbe Grenzfrequenz und schneiden sich dort bei u_a/u_e = 0,707
  • c) Sie können nicht aus denselben Bauteilen gebaut werden
  • d) Beide dämpfen Gleichspannung gleich stark

Richtig: b)

Antwort b ist richtig: Es ist physikalisch dieselbe Reihenschaltung, nur der Abgriff entscheidet — also identische f_g, und am Schnittpunkt bei f_g jeweils 1/√2. a verkennt die Identität der zugrundeliegenden Schaltung. c stimmt offensichtlich nicht. d ist falsch: Tiefpass lässt DC voll durch, Hochpass sperrt DC vollständig.

Ein Kondensator wird in Reihe zwischen Signalquelle und einer Last gesetzt. Welcher Filtertyp entsteht zusammen mit dem Lastwiderstand?

  • a) Ein Tiefpass
  • b) Ein Bandpass
  • c) Eine Resonanzschaltung
  • d) Ein Hochpass

Richtig: d)

Antwort d ist richtig: Der Reihenkondensator und der Lastwiderstand bilden eine RC-Reihenschaltung, an deren Widerstand abgegriffen wird — das ist die Hochpass-Konfiguration. Gleichanteile werden blockiert, hohe Frequenzen kommen durch. a wäre Abgriff am Kondensator. b und c brauchen zwingend eine zusätzliche Induktivität.

Warum wird in einem RC-Glied der Widerstand R überhaupt benötigt, wenn der Kondensator allein die frequenzabhängige Wirkung hätte?

  • a) R sorgt für die definierte Grenzfrequenz und begrenzt Ströme
  • b) R verbessert die Spannungsfestigkeit des Kondensators
  • c) R erzeugt die Phasenverschiebung
  • d) R wirkt als Vorsicherung

Richtig: a)

Antwort a ist richtig: Erst zusammen mit R bekommt das RC-Glied eine definierte Grenzfrequenz f_g = 1/(2πRC). R begrenzt außerdem den Lade- und Entladestrom des Kondensators, was bei Schaltvorgängen entscheidend ist. b ist falsch, die Spannungsfestigkeit hängt am Kondensator selbst. c ist ungenau, die Phasenverschiebung kommt vom Kondensator — aber das genaue Verhältnis von Wirk- zu Blindanteil legt erst R fest. d ist eine Begriffsverwechslung; klassische Schutzfunktionen übernehmen Sicherungen, kein R im RC-Glied.

Glossar

RC-Schaltung
Zusammenschaltung eines ohmschen Widerstands R mit einem Kondensator C an Wechselspannung, als Reihen- oder Parallelschaltung ausgeführt.
Impedanz Z
Der gesamte Wechselstromwiderstand einer Schaltung in Ohm, der Wirk- und Blindanteile geometrisch zusammenfasst.
Spannungsdreieck
Geometrische Darstellung in der Reihenschaltung, in der U_R und U_C als rechtwinklig zueinander stehende Pfeile gezeigt werden; ihre Hypotenuse ist U.
Stromdreieck
Entsprechende Darstellung in der Parallelschaltung, in der I_R und I_C senkrecht zueinander stehen; ihre Hypotenuse ist der Gesamtstrom I.
Widerstandsdreieck
Formgleich zum Spannungsdreieck der Reihenschaltung, mit R, X_C und Z anstelle der Spannungen.
Grenzfrequenz f_g
Frequenz, bei der der kapazitive Blindwiderstand X_C gleich dem Wirkwiderstand R wird; gleichbedeutend mit φ = 45° und u_a/u_e = 1/√2 ≈ 0,707.
Tiefpass
RC-Reihenschaltung mit Ausgangsabgriff am Kondensator; lässt tiefe Frequenzen passieren, dämpft hohe.
Hochpass
RC-Reihenschaltung mit Ausgangsabgriff am Widerstand; lässt hohe Frequenzen passieren, dämpft tiefe.
–3-dB-Punkt
Anderer Name für den Punkt bei f = f_g, an dem die Ausgangsspannung auf etwa 70,7 % der Eingangsspannung gefallen ist.
Snubber
RC-Glied parallel zu einem Schaltkontakt oder einer induktiven Last, das Spannungsspitzen beim Abschalten aufnimmt und Lichtbogenbildung dämpft.
Kopplungskondensator
In Reihe geschalteter Kondensator, der zusammen mit dem Eingangswiderstand der folgenden Stufe als Hochpass wirkt und Gleichanteile abblockt.

Österreichische Normen

  • ÖNORM EN 60617: Grafische Symbole für Schaltpläne — gilt für die Darstellung von Widerstand, Kondensator und Spannungsquellen in RC-Schaltbildern.
  • ÖNORM EN IEC 60384-1: Festkondensatoren zur Verwendung in elektronischen Geräten — Rahmennorm für Kennwerte und Prüfungen von Kondensatoren, wie sie in RC-Schaltungen verbaut werden.
  • ÖNORM EN IEC 60050: Internationales Elektrotechnisches Wörterbuch — verbindliche Begriffsdefinitionen unter anderem zu Impedanz, Blindwiderstand, Grenzfrequenz.
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