Gemischte Schaltungen

In einem realen Stromkreis trifft man selten auf reine Reihen- oder reine Parallelschaltungen. Sobald mehr als zwei oder drei Widerstände im Spiel sind, mischen sich beide Verschaltungsarten. Die gute Nachricht: Eine gemischte Schaltung ist immer aus genau diesen beiden Bausteinen zusammengesetzt. Wer Reihen- und Parallelschaltung beherrscht, kann jede gemischte Schaltung Stück für Stück zerlegen, ihren Ersatzwiderstand berechnen und daraus alle Ströme und Spannungen ableiten.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Reihen- und Parallelteile in einer gemischten Schaltung sicher erkennen
  • Den Ersatzwiderstand schrittweise von innen nach außen berechnen
  • Aus dem Ersatzwiderstand Gesamtstrom, Teilströme und Teilspannungen ermitteln
  • Unübersichtliche Schaltungen umzeichnen und auf Reihe-Parallel-Struktur prüfen
  • Die Grenzen der Reihe-Parallel-Methode erkennen

1. Was ist eine gemischte Schaltung?

Eine gemischte Schaltung ist eine Schaltung, in der Reihen- und Parallelteile in einem Stromkreis kombiniert vorkommen. Das einfachste Beispiel: ein Widerstand R1, der mit einer Parallelschaltung aus R2 und R3 in Reihe liegt – versorgt aus einer Quelle mit der Spannung U.

+ U R1 A R2 R3 B

Die beiden Bausteine sind aus den vorigen Beiträgen bekannt: In einer Reihenschaltung fließt durch alle Bauteile derselbe Strom, die Spannung teilt sich auf. In einer Parallelschaltung liegt an allen Zweigen dieselbe Spannung, der Strom teilt sich auf. Diese beiden Eigenschaften sind das Werkzeug, mit dem wir jede gemischte Schaltung in den Griff bekommen.

Das Ziel der Analyse ist meist dasselbe: zuerst den Ersatzwiderstand der gesamten Schaltung finden – jenen einzigen Widerstandswert, den die Quelle U „sieht“, wenn sie die Gesamtschaltung speist. Die Punkte A und B im Schaltbild sind die Knotenpunkte, an denen sich der Strom in den Parallelblock aufteilt und wieder zusammenführt – sie markieren Einstieg und Ausstieg des Parallelteils, nicht die Klemmen der Gesamtschaltung. Aus dem Ersatzwiderstand folgt mit dem Ohmschen Gesetz der Gesamtstrom, und von dort aus lassen sich Schritt für Schritt alle Teilspannungen und Teilströme bestimmen.

Was kennzeichnet eine gemischte Schaltung?

  • a) Sie enthält nur in Reihe geschaltete Widerstände.
  • b) Sie enthält nur parallel geschaltete Widerstände.
  • c) Sie enthält Reihen- und Parallelschaltungsteile in derselben Schaltung.
  • d) Sie enthält ausschließlich Bauteile gleicher Bauart.

Richtig: c)

Per Definition kombiniert eine gemischte Schaltung beide Schaltungsarten. Reine Reihen- oder Parallelschaltungen (a, b) sind Spezialfälle. Die Bauart der einzelnen Bauteile spielt für die Schaltungsart keine Rolle (d).

Welches Ziel verfolgt man üblicherweise zuerst bei der Analyse einer gemischten Schaltung?

  • a) Den Ersatzwiderstand der gesamten Schaltung berechnen.
  • b) Direkt jeden einzelnen Teilstrom messen.
  • c) Die Spannungsquelle gegen eine andere austauschen.
  • d) Die Widerstände nach Wert sortieren.

Richtig: a)

Aus dem Ersatzwiderstand folgt mit U = R · I der Gesamtstrom, von dem aus alle weiteren Größen abgeleitet werden. Einzelne Teilströme zu messen oder Bauteile zu tauschen ist kein Berechnungsschritt.

In einer Schaltung mit R1 in Reihe zur Parallelschaltung von R2 und R3: Durch welches Bauteil fließt der Gesamtstrom I_ges?

  • a) Nur durch R2.
  • b) Nur durch R3.
  • c) Aufgeteilt gleichzeitig durch R2 und R3.
  • d) Durch R1, weil R1 in Reihe mit der Parallelkombination liegt.

Richtig: d)

R1 sitzt im Reihenteil – durch ihn fließt der gesamte Strom. Erst am Knoten zwischen R1 und der Parallelkombination teilt sich I_ges in I_2 und I_3 auf.

2. Schaltung zerlegen – von innen nach außen

Wie kommt man jetzt vom Schaltplan zum Ersatzwiderstand? Die Strategie ist immer dieselbe: Man sucht die innerste zusammenfassbare Gruppe – also einen Reihen- oder Parallelblock, der für sich alleine steht – und fasst diese zu einem einzigen Ersatzwiderstand zusammen. Damit hat sich die Schaltung um eine Ebene vereinfacht. Mit der nun einfacheren Schaltung wiederholt man das Verfahren, bis nur noch ein einziger Widerstand übrig ist: R_ges.

Beim Zerlegen ist die wichtigste Frage: Was ist parallel, was ist in Reihe?

  • Zwei Widerstände sind in Reihe, wenn zwischen ihnen ein Punkt liegt, an dem kein weiterer Leiter abzweigt – derselbe Strom fließt durch beide.
  • Zwei Widerstände sind parallel, wenn ihre beiden Anschlüsse jeweils am selben Knotenpaar hängen – an beiden liegt dieselbe Spannung.

Für die beiden Bausteine gelten die bekannten Formeln:

R_reihe = R1 + R2 + R3 + …

  • R_reihe … Ersatzwiderstand der Reihenschaltung in Ω
  • R1, R2, R3 … Einzelwiderstände in Ω

1 / R_parallel = 1/R1 + 1/R2 + 1/R3 + …

  • R_parallel … Ersatzwiderstand der Parallelschaltung in Ω
  • R1, R2, R3 … Einzelwiderstände in Ω

Für genau zwei Widerstände in Parallelschaltung lässt sich die Formel auf eine kürzere Form bringen, die in der Praxis schneller geht:

R_parallel = (R1 · R2) / (R1 + R2)

  • R_parallel … Ersatzwiderstand der Parallelschaltung aus zwei Widerständen in Ω
  • R1, R2 … Einzelwiderstände in Ω

Wendet man das auf die Beispielschaltung aus Kapitel 1 an, läuft die Reduktion in zwei Stufen ab: zuerst R2 und R3 zu einem Parallel-Ersatzwiderstand R_23 zusammenfassen, dann R1 mit R_23 als reine Reihenschaltung zum Gesamt-Ersatzwiderstand R_ges kombinieren.

Stufe 1: Originalschaltung U R1 R2 R3 R2 und R3 parallel zusammenfassen zu R_23 Stufe 2: R1 in Reihe mit R_23 U R1 R_23 R1 und R_23 in Reihe zusammenfassen zu R_ges Stufe 3: Ersatzwiderstand R_ges U R_ges

Die Schreibweise R_23 für „R2 und R3 parallel zusammengefasst“ ist üblich und macht das Mitführen langer Formeln einfacher. Wenn eine Schaltung viele Ebenen tief verschachtelt ist, hilft es, jede Zwischenstufe eindeutig zu benennen: R_45 für die nächste Parallelgruppe, R_123 für eine größere Untergruppe, und so weiter.

Worauf achtet man, um zwei Widerstände in einer Schaltung als „in Reihe“ zu identifizieren?

  • a) Sie haben den gleichen Widerstandswert.
  • b) Es gibt zwischen ihnen einen Punkt ohne weitere Abzweigung – derselbe Strom fließt durch beide.
  • c) Sie sind direkt parallel zur Quelle verschaltet.
  • d) Ihre Bezeichnungen sind aufeinanderfolgend nummeriert.

Richtig: b)

Reihenschaltung bedeutet „selber Strom durch beide Bauteile“. Das ist nur dann gewährleistet, wenn am dazwischenliegenden Punkt kein weiterer Draht abzweigt. Widerstandswert und Bezeichnung sind irrelevant.

Wie geht man beim Reduzieren einer verschachtelten gemischten Schaltung am sinnvollsten vor?

  • a) Man rät den Ersatzwiderstand und prüft hinterher.
  • b) Man addiert einfach alle Widerstandswerte unabhängig von der Verschaltung.
  • c) Man stellt sofort für die gesamte Schaltung alle Knoten- und Maschengleichungen auf.
  • d) Man fasst die innersten Reihen- oder Parallelblöcke zuerst zusammen und arbeitet sich nach außen.

Richtig: d)

„Innen nach außen“ ist effizient: Jede zusammengefasste Gruppe wird zu einem einzelnen Ersatzwiderstand. Damit vereinfacht sich die Schaltung Stufe für Stufe. Pauschal addieren (b) ergibt nur bei reiner Reihe das richtige Ergebnis.

Welche Formel beschreibt den Ersatzwiderstand zweier parallel geschalteter Widerstände R2 und R3 am direktesten?

  • a) R_23 = (R2 · R3) / (R2 + R3)
  • b) R_23 = R2 + R3
  • c) R_23 = R2 − R3
  • d) R_23 = (R2 + R3) / 2

Richtig: a)

Aus 1/R_23 = 1/R2 + 1/R3 folgt umgestellt R_23 = (R2·R3)/(R2+R3). b) wäre Reihenschaltung, c) ergibt für gleiche Widerstände null und ist physikalisch sinnlos, d) ist der arithmetische Mittelwert und gilt nicht.

3. Vom Ersatzwiderstand zu Strom und Spannung

Den Ersatzwiderstand haben wir – jetzt geht es rückwärts zu den einzelnen Strömen und Spannungen. Das Vorgehen läuft immer in derselben Reihenfolge ab:

  1. Gesamtstrom mit dem Ohmschen Gesetz aus U_ges und R_ges berechnen.
  2. Spannung am Reihenteil bestimmen (auch wieder mit dem Ohmschen Gesetz).
  3. Mit der Maschenregel die Spannung am Parallelteil ermitteln.
  4. Mit der Knotenregel die Teilströme im Parallelteil berechnen.

Das wendet man auf die Schaltung aus Kapitel 1 an (R1 in Reihe zur Parallelschaltung von R2 und R3):

I_ges = U_ges / R_ges

  • I_ges … Gesamtstrom in A
  • U_ges … Gesamtspannung in V
  • R_ges … Ersatzwiderstand in Ω

Dieser Gesamtstrom fließt durch alle Bauteile, die in Reihe mit der Gesamtschaltung liegen – hier also durch R1. Die Spannung an R1 ergibt sich aus dem Ohmschen Gesetz:

U_1 = R1 · I_ges

  • U_1 … Spannung an R1 in V
  • R1 … Widerstand in Ω
  • I_ges … Gesamtstrom in A

Die Spannung am Parallelblock folgt aus der Maschenregel. Wandert man die Hauptmasche entlang (Quelle → R1 → Parallelblock → zurück), addieren sich alle Spannungsabfälle zur Quellenspannung:

U_23 = U_ges − U_1

  • U_23 … Spannung am Parallelblock R2 ∥ R3 in V
  • U_ges … Gesamtspannung in V
  • U_1 … Spannung an R1 in V

Diese Spannung U_23 liegt an beiden Parallelwiderständen gleichzeitig. Die Teilströme folgen für jeden Zweig wieder mit dem Ohmschen Gesetz:

I_2 = U_23 / R2

  • I_3 = U_23 / R3

Als Kontrolle muss die Knotenregel erfüllt sein: An dem Knoten zwischen R1 und dem Parallelblock fließt I_ges hinein, und I_2 sowie I_3 fließen wieder heraus. Also gilt I_ges = I_2 + I_3. Stimmt das nicht, hat sich irgendwo ein Rechenfehler eingeschlichen.

Zwei wichtige Spezialfälle für die Aufteilung von Spannung und Strom haben eigene Beiträge: Wenn nur die Verteilung der Spannung auf zwei in Reihe liegende Widerstände interessiert, hilft die kompakte Formel des Spannungsteilers. Geht es um die Verteilung des Stroms auf zwei parallele Zweige, ist die Formel des Stromteilers der schnellere Weg.

Gelöstes Beispiel

Berechne in der gemischten Schaltung aus Kapitel 1 (R1 in Reihe zur Parallelschaltung von R2 und R3) alle Ströme und Spannungen.

Gegeben: R1 = 100 Ω; R2 = 220 Ω; R3 = 330 Ω; U_ges = 12 V

Gesucht: R_ges, I_ges, U_1, U_23, I_2, I_3

Lösungsweg:

  1. Parallelwiderstand R_23: R_23 = (R2 · R3) / (R2 + R3) = (220 · 330) / (220 + 330) = 72.600 / 550 = 132 Ω
  2. Ersatzwiderstand R_ges: R_ges = R1 + R_23 = 100 + 132 = 232 Ω
  3. Gesamtstrom: I_ges = U_ges / R_ges = 12 / 232 ≈ 0,0517 A = 51,7 mA
  4. Spannung an R1: U_1 = R1 · I_ges = 100 · 0,0517 ≈ 5,17 V
  5. Spannung am Parallelblock: U_23 = U_ges − U_1 = 12 − 5,17 ≈ 6,83 V
  6. Teilströme: I_2 = U_23 / R2 = 6,83 / 220 ≈ 0,0310 A = 31,0 mA; I_3 = U_23 / R3 = 6,83 / 330 ≈ 0,0207 A = 20,7 mA
  7. Kontrolle mit Knotenregel: I_2 + I_3 = 31,0 + 20,7 = 51,7 mA = I_ges ✓

Ergebnis: R_ges = 232 Ω; I_ges ≈ 51,7 mA; U_1 ≈ 5,17 V; U_23 ≈ 6,83 V; I_2 ≈ 31,0 mA; I_3 ≈ 20,7 mA.

Übungen

R1 = 10 Ω, R2 = 20 Ω, R3 = 20 Ω, U_ges = 12 V. Berechne R_ges und I_ges.

R_23 = 10 Ω; R_ges = 20 Ω; I_ges = 0,6 A.

R1 = 47 Ω, R2 = 100 Ω, R3 = 100 Ω, U_ges = 9 V. Berechne R_ges, I_ges und U_1.

R_23 = 50 Ω; R_ges = 97 Ω; I_ges ≈ 0,0928 A = 92,8 mA; U_1 ≈ 4,36 V.

R1 = 22 Ω, R2 = 47 Ω, R3 = 68 Ω, U_ges = 24 V. Berechne R_ges, I_ges, U_1, U_23, I_2 und I_3.

R_23 ≈ 27,79 Ω; R_ges ≈ 49,79 Ω; I_ges ≈ 0,482 A; U_1 ≈ 10,60 V; U_23 ≈ 13,40 V; I_2 ≈ 0,285 A; I_3 ≈ 0,197 A.

Eine gemischte Schaltung hat R1 in Reihe zu zwei gleichen Parallelwiderständen R2 = R3. Der Gesamtwiderstand soll 30 Ω betragen, R1 ist mit 10 Ω vorgegeben. Welchen Wert müssen R2 und R3 jeweils haben?

R_23 = R_ges − R1 = 20 Ω. Bei R2 = R3 gilt R_23 = R2/2, also R2 = 40 Ω = R3.

In einer Schaltung mit R1 in Reihe zur Parallelschaltung von R2 = 50 Ω und R3 = 100 Ω wurde gemessen: I_2 = 0,2 A und I_3 = 0,1 A. Mit R1 = 25 Ω: Bestimme U_23, I_ges, U_1 und U_ges.

U_23 = I_2 · R2 = 10 V (Kontrolle: I_3 · R3 = 10 V ✓); I_ges = I_2 + I_3 = 0,3 A; U_1 = R1 · I_ges = 7,5 V; U_ges = U_1 + U_23 = 17,5 V.

Mit welcher Größe beginnt die Berechnung in einer gemischten Schaltung nach Bestimmung von R_ges?

  • a) Mit den Teilspannungen an einzelnen Widerständen.
  • b) Mit den Teilströmen in den Parallelzweigen.
  • c) Mit dem Gesamtstrom I_ges = U_ges / R_ges.
  • d) Mit der Leistung an jedem Bauteil.

Richtig: c)

I_ges ist die zentrale Größe – aus ihm folgen über das Ohmsche Gesetz alle Teilspannungen und Teilströme. Teilspannungen oder Teilströme sind erst danach zugänglich, die Leistung wird selten als erstes berechnet.

In der Schaltung R1 in Reihe zu R2 ∥ R3 sind R2 und R3 ungleich (R2 ≠ R3). Welche Aussage über die Teilströme stimmt?

  • a) Durch R2 und R3 fließt der gleiche Strom.
  • b) Durch den kleineren der beiden Parallelwiderstände fließt der größere Strom.
  • c) Durch beide fließt jeweils der halbe I_ges.
  • d) Der Strom durch R3 ist null.

Richtig: b)

An R2 und R3 liegt dieselbe Spannung U_23. Nach I = U/R fließt durch den kleineren Widerstand der größere Strom. Nur bei R2 = R3 wären die Teilströme gleich groß.

Wie überprüft man die berechneten Teilströme I_2 und I_3 in einer Parallelschaltung schnell?

  • a) Mit der Knotenregel: I_2 + I_3 muss gleich I_ges sein.
  • b) Mit der Maschenregel: I_2 + I_3 = U_ges.
  • c) Indem man R2 und R3 vertauscht und neu rechnet.
  • d) Indem man U_23 doppelt einsetzt.

Richtig: a)

Knotenregel: Die Summe der zufließenden Ströme ist gleich der Summe der abfließenden. Am Knoten zwischen Reihen- und Parallelteil fließt I_ges hinein, I_2 und I_3 fließen heraus. Die Maschenregel betrifft Spannungen, nicht Ströme.

4. Schaltungen richtig lesen – typische Fallen und Grenzen

In der Praxis sind Schaltpläne nicht immer übersichtlich von links nach rechts gezeichnet. Bauteile sitzen dort, wo sie auf der Leiterplatte räumlich passen, und die elektrische Verschaltung muss man aus dem Liniennetz herauslesen. Zwei Tests helfen bei der Strukturierung:

Eigenschaft Reihenblock Parallelblock
Strom gleicher Strom durch alle Bauteile Strom teilt sich an den Knoten auf
Spannung Spannung teilt sich nach Widerstandsverhältnis gleiche Spannung an allen Bauteilen
Erkennungs-Test kein Abzweig zwischen den Bauteilen beide Anschlüsse am selben Knotenpaar
Ersatzwiderstand R = R1 + R2 + … 1/R = 1/R1 + 1/R2 + …

Wenn das Auge die Struktur nicht sofort erfasst, hilft das Umzeichnen: Alle Knotenpunkte werden im Schaltplan markiert und nummeriert. Anschließend zeichnet man die Schaltung sauber neu – die Knoten in eine logische Reihenfolge und die Widerstände dazwischen. Wichtig ist dabei nur, dass die Topologie unverändert bleibt: Welcher Anschluss hängt an welchem Knoten? Solange das stimmt, ist die neue Zeichnung elektrisch identisch mit der alten, aber meist deutlich leichter zu zerlegen.

Grenze der Methode: Brückenschaltungen

Es gibt Schaltungen, die sich grundsätzlich nicht in reine Reihen- und Parallelblöcke zerlegen lassen. Klassischer Vertreter ist die Brückenschaltung – vier Widerstände in Rautenform mit einem Querzweig in der Mitte. Wegen dieses Querzweigs sind die vier Außenwiderstände weder paarweise parallel noch in zwei sauber trennbaren Reihenpfaden angeordnet. Für die Analyse braucht es erweiterte Verfahren wie das direkte Aufstellen aller Knoten- und Maschengleichungen oder die Stern-Dreieck-Umwandlung. In der Praxis trifft man die Brückenschaltung vor allem in der Messtechnik – ihre wichtigste Anwendung ist beim Dehnungsmessstreifen (DMS).

Wann lohnt sich das Umzeichnen einer Schaltung besonders?

  • a) Wenn alle Widerstände gleich groß sind.
  • b) Wenn nur in Reihe geschaltete Bauteile vorhanden sind.
  • c) Wenn die Spannungsquelle ausgetauscht werden soll.
  • d) Wenn die Reihe-Parallel-Struktur im Original-Schaltplan unübersichtlich gezeichnet ist.

Richtig: d)

Umzeichnen schafft Klarheit. Bei eindeutiger reiner Reihe oder identischen Werten bringt das Umzeichnen keinen Mehrwert. Wenn die Topologie aus dem Plan aber schwer ablesbar ist, hilft das Umordnen entlang der Knotenpunkte.

Welche Aussage zu Brückenschaltungen stimmt?

  • a) Sie bestehen immer aus drei Widerständen.
  • b) Sie lassen sich im Allgemeinen nicht mit reiner Reihe-Parallel-Reduktion auflösen.
  • c) Sie haben dieselbe Topologie wie eine reine Parallelschaltung.
  • d) Der Querzweig wird beim Berechnen einfach ignoriert.

Richtig: b)

Eine Brücke hat vier Widerstände plus Querzweig. Der Querzweig verhindert, dass die vier Widerstände in saubere Reihen- oder Parallelpaare zerfallen. Nur im abgeglichenen Sonderfall ist der Querzweig stromlos – dort darf er ignoriert werden, sonst nicht.

Welche Aussage zu Knotenpunkten in einer Schaltung stimmt?

  • a) Jeder Punkt im Schaltplan ist ein Knoten.
  • b) Knoten sind nur dort, wo eine Spannungsquelle anschließt.
  • c) Ein Knoten ist eine Stelle, an der drei oder mehr Leitungsenden zusammenkommen.
  • d) Knoten gibt es nur in Wechselstromkreisen.

Richtig: c)

Knotenpunkt: Verzweigungspunkt im Stromkreis, an dem mindestens drei Leitungsenden zusammentreffen. Reine Durchverbindungen mit zwei Enden sind keine Knoten. Im Gleich- wie im Wechselstrom existieren Knoten.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Berechne den Gesamtwiderstand und den Gesamtstrom für folgende Schaltung: R1 = 80 Ω in Reihe zur Parallelschaltung von R2 = 150 Ω und R3 = 100 Ω, angeschlossen an U = 30 V.

Gegeben: R1 = 80 Ω; R2 = 150 Ω; R3 = 100 Ω; U = 30 V

Gesucht: R_ges und I_ges

Lösungsweg:

  1. R_23 = (R2 · R3) / (R2 + R3) = (150 · 100) / (150 + 100) = 15.000 / 250 = 60 Ω
  2. R_ges = R1 + R_23 = 80 + 60 = 140 Ω
  3. I_ges = U / R_ges = 30 / 140 ≈ 0,214 A

Ergebnis: R_ges = 140 Ω; I_ges ≈ 0,214 A = 214 mA.

Aufgabe 2: Eine kompliziertere gemischte Schaltung besteht aus zwei parallel geschalteten Gruppen: Gruppe A ist R1 = 50 Ω in Reihe zu R2 = 100 Ω; Gruppe B ist R3 = 80 Ω in Reihe zu R4 = 120 Ω. Beide Gruppen liegen parallel an U = 20 V. Berechne den Ersatzwiderstand und den Gesamtstrom.

Gegeben: R1 = 50 Ω; R2 = 100 Ω; R3 = 80 Ω; R4 = 120 Ω; U = 20 V

Gesucht: R_ges und I_ges

Lösungsweg:

  1. R_A = R1 + R2 = 50 + 100 = 150 Ω
  2. R_B = R3 + R4 = 80 + 120 = 200 Ω
  3. R_ges = (R_A · R_B) / (R_A + R_B) = (150 · 200) / (150 + 200) = 30.000 / 350 ≈ 85,71 Ω
  4. I_ges = U / R_ges = 20 / 85,71 ≈ 0,233 A

Ergebnis: R_ges ≈ 85,71 Ω; I_ges ≈ 0,233 A = 233 mA.

In einer Schaltung sind R1 = 100 Ω und R2 = 50 Ω in Reihe geschaltet, parallel dazu liegt R3 = 75 Ω. Welche Aussage stimmt?

  • a) Der Gesamtwiderstand ist kleiner als 75 Ω.
  • b) Der Gesamtwiderstand ist die Summe aller drei Widerstände.
  • c) Der Strom durch R1 ist gleich groß wie der Strom durch R3.
  • d) Die Spannung an R2 ist immer null.

Richtig: a)

R1 + R2 = 150 Ω, dazu R3 (75 Ω) parallel ergibt R_ges = (150 · 75) / (150 + 75) = 11.250 / 225 = 50 Ω. 50 Ω < 75 Ω – also a) richtig. b) ergäbe 225 Ω, viel zu hoch. c) trifft nur zufällig zu, hier aber nicht. d) ist falsch, durch R2 fließt der Reihen-Strom.

Welche Aussage zum Ersatzwiderstand einer gemischten Schaltung ist allgemein richtig?

  • a) Er ist immer kleiner als der kleinste Einzelwiderstand.
  • b) Er ist gleich dem arithmetischen Mittel aller Einzelwiderstände.
  • c) Er liegt typischerweise zwischen dem kleinsten Einzelwiderstand und der Summe aller Widerstände – je nach Anteil von Reihen- und Parallelblöcken.
  • d) Er ist immer gleich dem größten Einzelwiderstand.

Richtig: c)

Reihenanteile vergrößern, Parallelanteile verkleinern den Widerstand. Der Ersatzwiderstand liegt also irgendwo zwischen Minimum und Summe der Einzelwiderstände – konkrete Lage hängt von der Topologie ab. a) gilt nur für reine Parallelschaltungen.

Eine gemischte Schaltung mit R1 in Reihe zu R2 ∥ R3 ist an U_ges angeschlossen. Was passiert mit U_1, wenn R3 sehr groß wird (R3 → ∞, also offener Kontakt)?

  • a) U_1 = 0, weil kein Strom mehr fließen kann.
  • b) U_1 wird kleiner, weil der Gesamtwiderstand steigt und der Strom kleiner wird.
  • c) U_1 bleibt unverändert.
  • d) U_1 = U_ges, weil R3 wirkungslos wird.

Richtig: b)

Bei R3 → ∞ wird R_23 → R2 (nur noch R2 wirksam). R_ges = R1 + R2 ist meist größer als vorher (denn R2 ∥ R3 ist immer kleiner als R2). Damit sinkt I_ges, und U_1 = R1 · I_ges wird kleiner. Strom fließt weiterhin durch R1 und R2.

Welcher Test zeigt eindeutig, dass zwei Widerstände parallel liegen?

  • a) Sie haben denselben Widerstandswert.
  • b) Im Schaltplan sind sie nebeneinander gezeichnet.
  • c) Sie sind durch eine zusätzliche dritte Leitung verbunden.
  • d) Beide Enden der beiden Widerstände hängen am selben Knotenpaar.

Richtig: d)

Parallelität ist eine topologische Eigenschaft: Beide Anschlüsse müssen am selben Knotenpaar liegen. Gleicher Widerstandswert, optische Position oder zusätzliche Leitungen entscheiden nichts darüber.

An einer Parallelschaltung von R2 und R3 (R2 < R3) liegt die Spannung U_23. Welche Aussage stimmt?

  • a) Der Strom durch R2 ist größer als der Strom durch R3.
  • b) Der Strom durch R2 und R3 ist gleich groß.
  • c) Die Spannung an R2 ist größer als an R3.
  • d) Die Spannung an R3 ist null.

Richtig: a)

Bei Parallelschaltung ist die Spannung an beiden gleich (U_23). Nach I = U/R fließt durch den kleineren Widerstand der größere Strom: R2 < R3 → I_2 > I_3.

Was unterscheidet eine gemischte Schaltung von einer reinen Reihenschaltung?

  • a) In der gemischten Schaltung fließt überall derselbe Strom.
  • b) In der gemischten Schaltung liegt an allen Bauteilen dieselbe Spannung.
  • c) In der gemischten Schaltung gibt es Verzweigungen, an denen sich der Strom auf mehrere Pfade aufteilt.
  • d) Eine gemischte Schaltung hat immer mindestens vier Widerstände.

Richtig: c)

Definitionsmerkmal: gemischte Schaltungen enthalten Parallelteile, dort gibt es Knoten mit Verzweigungen, an denen sich der Strom aufteilt. a) wäre reine Reihen-, b) reine Parallelschaltung. Die Anzahl der Widerstände ist beliebig.

Bei der Auflösung einer komplizierten gemischten Schaltung beginnt man sinnvollerweise…

  • a) mit der Spannungsquelle.
  • b) mit dem Bauteil mit dem höchsten Widerstandswert.
  • c) mit allen Bauteilen gleichzeitig durch Aufstellen eines großen Gleichungssystems.
  • d) mit der innersten zusammenfassbaren Gruppe und arbeitet sich nach außen.

Richtig: d)

„Innen nach außen“ ist die schnellste Strategie. Innerste Reihen- oder Parallelblöcke werden zu einem Ersatzwiderstand zusammengefasst, der dann mit der nächst-äußeren Ebene weiter verarbeitet wird. Direktes Aufstellen aller Gleichungen funktioniert auch, ist aber meist deutlich aufwendiger.

Eine Brückenschaltung lässt sich im Allgemeinen nicht mit reiner Reihen-Parallel-Methode auflösen, weil…

  • a) sie aus mehr als drei Widerständen besteht.
  • b) der Querzweig zwischen den mittleren Knoten verhindert, dass die vier Widerstände in saubere Reihen- oder Parallelpaare zerfallen.
  • c) Brückenschaltungen nicht im Gleichstromkreis vorkommen.
  • d) die Knoten- und Maschenregeln in Brückenschaltungen nicht gelten.

Richtig: b)

Der Querzweig ist der entscheidende Punkt. Er verbindet zwei Knoten, die sonst zu reinen Reihen- oder Parallelblöcken gehören würden, und macht die Schaltung topologisch nicht mehr zerlegbar. Knoten- und Maschenregel gelten weiterhin (d ist falsch), nur die schrittweise Reduktion versagt.

Welche Aussage zur Maschenregel bei der Schaltung R1 in Reihe zu R2 ∥ R3 ist richtig?

  • a) In jeder geschlossenen Masche – etwa Quelle, R1, R2, zurück zur Quelle – ergibt die Summe der Spannungsabfälle und der Quellenspannung null.
  • b) Die Maschenregel gilt nur für die jeweils größte Masche einer Schaltung.
  • c) Es gilt U_ges = U_1 · U_2 · U_3.
  • d) Spannungen in einer Masche werden multipliziert, nicht addiert.

Richtig: a)

Maschenregel: In jeder geschlossenen Masche ist die Summe der Spannungsabfälle mit Vorzeichen null. Sie gilt für jede Masche der Schaltung, nicht nur die größte. Spannungen werden addiert oder subtrahiert, nie multipliziert.

Was bleibt unverändert, wenn man eine Schaltung umzeichnet, etwa um Reihe-Parallel-Blöcke besser zu erkennen?

  • a) Die Anzahl der Drähte im Bild.
  • b) Die Position der Bauteile auf dem Papier.
  • c) Die geometrische Anordnung im Plan.
  • d) Die elektrische Topologie – welche Anschlüsse mit welchen Knotenpunkten verbunden sind.

Richtig: d)

Umzeichnen ist nur Kosmetik. Solange die Topologie (Anschluss ↔ Knoten) erhalten bleibt, ist die Schaltung elektrisch identisch. Geometrie, Position und sogar die Anzahl der Drahtsegmente im Bild dürfen sich beliebig ändern.

Glossar

Gemischte Schaltung
Stromkreis, in dem Reihen- und Parallelschaltungsteile in einer Schaltung kombiniert vorkommen.
Ersatzwiderstand
Der gemeinsame Widerstandswert, den eine Quelle „sieht“, wenn sie an die Klemmen einer Schaltung angeschlossen wird. Aus ihm lässt sich der Gesamtstrom mit dem Ohmschen Gesetz berechnen.
Brückenschaltung
Eine Schaltung mit vier Widerständen in Rautenform und einem Querzweig zwischen den beiden mittleren Knoten. Lässt sich im Allgemeinen nicht durch reine Reihe-Parallel-Reduktion auflösen.

Österreichische Normen

  • ÖVE/ÖNORM EN 60617: Legt die graphischen Schaltzeichen für elektrische Schaltpläne fest, die in Österreich beim Lesen und Zeichnen jeder gemischten Schaltung verbindlich sind.
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