Schutztüren, Lichtgitter, Laserscanner
An fast jeder Maschine gibt es Stellen, an denen ein Mensch verletzt werden kann – eine schließende Presse, ein drehender Werkzeugkopf, ein Roboterarm, der seinen Bereich abfährt. Solange diese Bewegungen laufen, muss zuverlässig verhindert werden, dass jemand hineingreift oder hineingeht. Genau das leisten Schutzeinrichtungen: Sie trennen den Menschen vom Gefahrenbereich, entweder körperlich durch eine Barriere oder berührungslos durch ein Lichtfeld.
Dieser Beitrag zeigt, wie Schutztüren mit Verriegelung funktionieren, wie Lichtgitter und Laserscanner einen Eingriff erkennen, wie man den nötigen Sicherheitsabstand berechnet und worauf es bei Auswahl und Betrieb in der Praxis ankommt.
Vorwissen
- Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 12100
- Funktionale Sicherheit und Performance Level (PL)
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- trennende und berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen unterscheiden und ihre Einsatzbereiche zuordnen
- die Funktion einer verriegelten Schutztür mit und ohne Zuhaltung erklären
- Aufbau und Wirkprinzip von Lichtgittern und Laserscannern beschreiben
- den erforderlichen Sicherheitsabstand nach ÖNORM EN ISO 13855 berechnen
- eine passende Schutzeinrichtung für eine konkrete Gefahrstelle auswählen und typische Betriebsfehler vermeiden
1. Warum Schutzeinrichtungen?
Maschinen erzeugen Bewegungen, und Bewegungen erzeugen Gefahrstellen. An einer Quetschstelle wird der Körper zwischen zwei sich annähernden Teilen eingeklemmt, an einer Scherstelle bewegen sich zwei Kanten gegeneinander wie bei einer Schere, an einer Einzugstelle wird Material – oder ein Ärmel, ein Finger – von rotierenden Teilen eingezogen. Dazu kommen Stoß-, Stich- und Schneidstellen.
Wenn sich eine solche Gefahrstelle konstruktiv nicht beseitigen lässt, muss sie gesichert werden. Dafür gibt es zwei grundsätzliche Wege.
Trennende Schutzeinrichtungen stellen eine körperliche Barriere zwischen Mensch und Gefahr: ein Gitter, eine Verkleidung, eine Schutztür. Der Zugang ist physisch versperrt.
Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen – kurz BWS – arbeiten ohne mechanische Barriere. Sie überwachen einen Bereich optisch und lösen ein Stoppsignal aus, sobald jemand das überwachte Feld durchbricht. Lichtgitter und Laserscanner gehören hierher.
Welche Variante passt, ergibt sich nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aus der vorgeschalteten Risikobeurteilung und dem geforderten Performance Level. Beides ist in eigenen Beiträgen ausführlich behandelt. Hier reicht der Merksatz: Je höher das Risiko und je häufiger der nötige Zugriff, desto höhere Anforderungen an die Schutzeinrichtung und ihre sichere Anbindung.
Eine Walzenanlage zieht Blech zwischen zwei gegenläufigen Rollen ein. Wie wird die Hauptgefahr an diesem Spalt korrekt bezeichnet?
- a) Scherstelle
- b) Einzugstelle
- c) Stoßstelle
- d) Schnittstelle
Richtig: b)
Rotierende, gegenläufige Teile, die Material erfassen und mitnehmen, bilden eine Einzugstelle – genau hier können auch Kleidung oder Gliedmaßen erfasst werden. Eine Scherstelle entsteht durch gegeneinander bewegte Kanten, eine Stoßstelle durch geradlinige Annäherung, eine Schnittstelle durch eine Schneide. Keine davon beschreibt das Einziehen am rotierenden Spalt.
Worin liegt der grundlegende Unterschied zwischen einer trennenden Schutzeinrichtung und einer BWS?
- a) Die trennende Schutzeinrichtung bildet eine körperliche Barriere, die BWS überwacht berührungslos
- b) Die BWS ist immer sicherer als die trennende Schutzeinrichtung
- c) Die trennende Schutzeinrichtung braucht keine Anbindung an die Steuerung
- d) Die BWS darf nur an stehenden Maschinen verwendet werden
Richtig: a)
Das Unterscheidungsmerkmal ist die körperliche Barriere: Die trennende Schutzeinrichtung versperrt physisch, die BWS erkennt den Eingriff optisch. Sicherheit ergibt sich nicht aus dem Typ allein, sondern aus der richtigen Auswahl und Anbindung – auch eine trennende Schutztür braucht eine sichere Verriegelung. Und eine BWS schützt gerade an Maschinen mit Bewegung.
Wovon hängt ab, welche Schutzeinrichtung für eine Gefahrstelle gewählt wird?
- a) Ausschließlich vom Preis der Schutzeinrichtung
- b) Von der Vorliebe des Monteurs
- c) Allein von der Baugröße der Maschine
- d) Vom Ergebnis der Risikobeurteilung und dem geforderten Performance Level
Richtig: d)
Die Auswahl ist das Ergebnis der Risikobeurteilung und der daraus abgeleiteten Sicherheitsanforderung, ausgedrückt im Performance Level. Preis, Vorliebe und Baugröße können praktische Randbedingungen sein, sind aber nie der sicherheitstechnische Maßstab.
2. Trennende Schutzeinrichtungen: Schutztüren und Verriegelungen
Trennende Schutzeinrichtungen teilt man danach ein, ob sie sich im Betrieb öffnen lassen. Eine feststehende trennende Schutzeinrichtung – etwa eine fest verschraubte Verkleidung – wird nur mit Werkzeug entfernt und braucht keine eigene Überwachung. Eine bewegliche trennende Schutzeinrichtung dagegen, die typische Schutztür oder Klappe, lässt sich ohne Werkzeug öffnen. Genau deshalb muss sie überwacht werden: Die Maschine darf nicht weiterlaufen, wenn die Tür offen ist.
Dafür sorgt die Verriegelung. Ein Positionsschalter erfasst die Stellung der Tür und meldet sie an die Sicherheitssteuerung. Wird die Tür geöffnet, geht das Signal weg und die gefährliche Bewegung wird gestoppt. Man unterscheidet zwei Stufen.
Bei der Verriegelung ohne Zuhaltung wird beim Öffnen der Tür sofort der Stopp ausgelöst, die Tür selbst bleibt aber frei beweglich. Das genügt, wenn die gefährliche Bewegung schnell genug zum Stillstand kommt, sodass beim Hineingreifen keine Gefahr mehr besteht.
Bei der Verriegelung mit Zuhaltung wird die Tür zusätzlich verriegelt gehalten und gibt erst frei, wenn die Maschine wirklich stillsteht. Die Zuhaltung ist also dann nötig, wenn ein gefährlicher Nachlauf besteht – etwa eine Schwungmasse, die nach dem Abschalten noch eine Weile dreht. Würde die Tür hier sofort freigeben, könnte man in die noch laufende Bewegung greifen.
Beim Halten der Zuhaltung gibt es zwei Prinzipien, die man nicht verwechseln darf. Beim Ruhestromprinzip (Federkraft verriegelt, Strom entriegelt) bleibt die Tür auch bei Stromausfall zugehalten – die sichere Variante für gefährlichen Nachlauf. Beim Arbeitsstromprinzip (Strom verriegelt) würde ein Stromausfall die Tür freigeben, was bei Nachlaufgefahr unzulässig ist.
Ein praktisches Dauerthema ist der Manipulationsschutz. Einfache Schalter lassen sich mit einem Ersatzbetätiger oder einem Stück Draht überlisten – und genau das passiert in der Praxis, wenn die Tür beim Einrichten als lästig empfunden wird. Deshalb verwendet man kodierte Betätiger (mechanisch, magnetisch oder per Transponder eindeutig zugeordnet), die sich nicht ohne Weiteres nachbilden lassen.
Eine Maschine hat eine Schwungmasse, die nach dem Abschalten noch rund acht Sekunden nachläuft. Welche Türverriegelung ist hier zwingend erforderlich?
- a) Eine Verriegelung ohne Zuhaltung
- b) Gar keine Verriegelung, ein Warnschild genügt
- c) Eine feststehende, verschraubte Verkleidung
- d) Eine Verriegelung mit Zuhaltung, die erst bei Stillstand freigibt
Richtig: d)
Bei gefährlichem Nachlauf darf die Tür erst freigeben, wenn die Bewegung steht – das leistet nur die Zuhaltung. Eine Verriegelung ohne Zuhaltung würde sofort öffnen lassen, sodass man in den Nachlauf greifen könnte. Ein Warnschild ist keine Schutzeinrichtung, und eine fest verschraubte Verkleidung würde den hier offenbar nötigen regelmäßigen Zugang verhindern.
Warum wird die Zuhaltung bei Nachlaufgefahr im Ruhestromprinzip ausgeführt?
- a) Weil die Tür then auch bei Stromausfall zugehalten bleibt
- b) Weil sie dadurch weniger Energie verbraucht
- c) Weil sie sich dadurch leichter manipulieren lässt
- d) Weil das Arbeitsstromprinzip schneller schaltet
Richtig: a)
Im Ruhestromprinzip verriegelt die Federkraft, der Strom entriegelt. Fällt der Strom aus, bleibt die Tür also sicher geschlossen – genau das will man bei Nachlaufgefahr. Das Arbeitsstromprinzip würde bei Stromausfall freigeben und wäre hier unzulässig. Energieverbrauch und Schaltgeschwindigkeit sind nicht der Auswahlgrund, und leichtere Manipulation wäre ein Nachteil, kein Ziel.
Wozu dienen kodierte Betätiger an Schutztüren?
- a) Sie messen die Drehzahl der Maschine
- b) Sie erhöhen die Schließgeschwindigkeit der Tür
- c) Sie erschweren das Überlisten des Schalters mit einem Ersatzbetätiger
- d) Sie ersetzen die Risikobeurteilung
Richtig: c)
Kodierte Betätiger sind dem Schalter eindeutig zugeordnet und lassen sich nicht einfach durch einen Draht oder Ersatzbetätiger nachbilden – das ist Manipulationsschutz. Mit Drehzahlmessung, Schließgeschwindigkeit oder der Risikobeurteilung haben sie nichts zu tun.
Welche Schutzeinrichtung benötigt im Betrieb keine eigene Überwachung durch die Steuerung?
- a) Die verriegelte Schutztür ohne Zuhaltung
- b) Die feststehende, nur mit Werkzeug lösbare Verkleidung
- c) Das Lichtgitter
- d) Die Schutztür mit Zuhaltung
Richtig: b)
Eine feststehende trennende Schutzeinrichtung wird nur mit Werkzeug entfernt und kann im normalen Betrieb nicht geöffnet werden – sie braucht daher keinen Positionsschalter. Alle beweglichen oder berührungslosen Einrichtungen müssen dagegen ihren Zustand an die Sicherheitssteuerung melden.
3. Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen: Lichtgitter und Laserscanner
Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen überwachen einen Bereich mit Licht, statt ihn körperlich zu versperren. Das hat einen großen praktischen Vorteil: Es gibt keine Tür zu öffnen, der Zugang bleibt frei, und trotzdem wird jeder Eingriff erkannt. Gerade dort, wo häufig Material oder Personen die Grenze passieren, ist das oft die einzige sinnvolle Lösung.
Lichtgitter und Lichtvorhang
Ein Lichtgitter besteht aus einer Senderleiste und einer gegenüberliegenden Empfängerleiste. Der Sender schickt mehrere parallele Infrarotstrahlen aus, der Empfänger überwacht, ob alle ankommen. Wird auch nur ein Strahl unterbrochen – durch eine Hand, einen Arm, einen Körper –, erkennt der Empfänger das und löst das Stoppsignal aus. Spricht man von einem Lichtvorhang, ist dasselbe Prinzip mit besonders eng stehenden Strahlen gemeint.
Entscheidend ist die Auflösung. Sie gibt an, welches kleinste Objekt sicher erkannt wird, und ergibt sich aus dem Abstand der Strahlen. Eine Auflösung von 14 mm erkennt einen Finger, 30 mm eine Hand, gröbere Auflösungen nur noch den ganzen Körper oder ein Bein. Daraus folgt der Einsatzzweck:
- Fingerschutz / Handschutz (feine Auflösung): direkt an der Gefahrstelle als Eingriffsschutz, wenn man dicht heranmuss.
- Körperschutz (grobe Auflösung): als Zugangsschutz an der Grenze einer Zelle, um das Betreten zu erkennen.
Die Schutzfeldhöhe muss so gewählt sein, dass man nicht unbemerkt unten durch oder oben drüber gelangt.
Laserscanner
Ein Laserscanner arbeitet anders. Er sendet einen Laserpuls aus, der von einem rotierenden Spiegel fächerförmig über die Fläche geführt wird, und misst für jeden Winkel die Lichtlaufzeit bis zum reflektierten Echo. Aus Winkel und Laufzeit ergibt sich, in welcher Entfernung sich in jeder Richtung ein Objekt befindet. So tastet der Scanner eine ganze Fläche ab – meist horizontal knapp über dem Boden oder vertikal als Wand.
Der große Vorteil: Die überwachten Bereiche sind frei definierbar. Man legt ein Schutzfeld fest, dessen Verletzung sofort den Stopp auslöst, und davor ein Warnfeld, das nur eine Vorwarnung gibt – etwa damit ein automatisches Fahrzeug rechtzeitig abbremst, bevor es ganz anhalten muss. So lässt sich auch eine unregelmäßig geformte Fläche flächig absichern, ohne mechanische Barriere.
Muting und Blanking
Zwei Funktionen sind in der automatisierten Fertigung so wichtig, dass man sie sauber auseinanderhalten muss – sie werden in der Praxis oft verwechselt.
Muting ist das gezielte, vorübergehende automatische Überbrücken der Schutzfunktion. Klassischer Fall: An einer Förderanlage muss Material durch das Lichtgitter laufen, ohne die Maschine zu stoppen. Damit das nicht jedes Palettenende als „Mensch“ wertet, erkennen zusätzliche Mutingsensoren das Material anhand einer eindeutigen Signalfolge und schalten das Schutzfeld nur für die Dauer des Materialdurchlaufs inaktiv. Geht ein Mensch durch, fehlt die korrekte Sensorfolge – und der Schutz greift weiter. Muting ist also zeitlich und an eine plausible Bedingung gebunden.
Blanking dagegen ist das dauerhafte oder bereichsweise Ausblenden bestimmter Strahlen. Ragt eine feste Maschinenkomponente, eine Zuführung oder ein Werkstückträger ständig ins Schutzfeld, würde das Lichtgitter sonst dauernd auslösen. Beim festen Blanking wird ein klar abgegrenzter Bereich fest ausgeblendet; das ausgeblendete Objekt muss dort tatsächlich vorhanden sein, sonst meldet das Gerät einen Fehler. Beim schwimmenden Blanking darf ein Objekt definierter Größe innerhalb des Schutzfeldes wandern, ohne den Stopp auszuschalten – etwa wenn sich durchhängendes Material leicht bewegt.
Der Kernunterschied: Muting überbrückt zeitlich begrenzt den ganzen Schutz für einen plausiblen Materialfluss, Blanking blendet räumlich begrenzte, ständig vorhandene Bereiche aus. Beide Funktionen reduzieren die Schutzwirkung gezielt und müssen deshalb sorgfältig projektiert werden – ein zu großzügiges Blanking oder ein manipulierbares Muting macht die Schutzeinrichtung wirkungslos.
Ein Lichtgitter soll als Fingerschutz direkt an einer Stanze eingesetzt werden. Welche Auflösung ist dafür geeignet?
- a) 14 mm
- b) 30 mm
- c) 90 mm
- d) Die Auflösung spielt für den Fingerschutz keine Rolle
Richtig: a)
Eine feine Auflösung von 14 mm erkennt bereits einen Finger und ist damit für den Fingerschutz nötig. 30 mm erfasst erst eine Hand, 90 mm nur noch grobe Annäherung mit dem Körper. Die Auflösung ist gerade das maßgebliche Kriterium – sie legt das kleinste sicher erkannte Objekt fest.
Worauf beruht die Entfernungsmessung eines Sicherheits-Laserscanners?
- a) On der Unterbrechung paralleler Lichtstrahlen
- b) Auf der Messung der Lichtlaufzeit des reflektierten Laserpulses
- c) Auf der Messung des elektrischen Widerstands im Schutzfeld
- d) Auf einem Magnetfeld zwischen Sender und Empfänger
Richtig: b)
Der Scanner sendet Laserpulse über einen rotierenden Spiegel und bestimmt aus der Lichtlaufzeit bis zum Echo die Entfernung je Winkel. Die Unterbrechung paralleler Strahlen ist das Prinzip des Lichtgitters, nicht des Scanners. Widerstand und Magnetfeld spielen hier keine Rolle.
An einer Förderstrecke soll Material das Lichtgitter passieren, ohne die Anlage zu stoppen, während eine Person weiterhin erkannt werden muss. Welche Funktion ist dafür vorgesehen?
- a) Festes Blanking
- b) Schwimmendes Blanking
- c) Erhöhung der Schutzfeldhöhe
- d) Muting mit zusätzlichen Mutingsensoren
Richtig: d)
Muting überbrückt den Schutz zeitlich begrenzt und nur, wenn die Mutingsensoren die plausible Signalfolge des Materials erkennen – eine Person erzeugt diese Folge nicht und wird weiter erfasst. Blanking blendet dagegen feststehende oder wandernde Objektbereiche aus und ist für einen durchlaufenden Materialfluss nicht das passende Mittel. Eine größere Schutzfeldhöhe ändert am Grundproblem nichts.
Worin unterscheiden sich festes und schwimmendes Blanking?
- a) Festes Blanking gilt nur für Laserscanner, schwimmendes nur für Lichtgitter
- b) Festes Blanking blendet einen klar abgegrenzten Bereich dauerhaft aus, schwimmendes erlaubt ein Objekt definierter Größe, das innerhalb des Felds wandern darf
- c) Schwimmendes Blanking überbrückt den gesamten Schutz für den Materialfluss
- d) Festes Blanking ist immer manipulationssicher, schwimmendes nie
Richtig: b)
Beim festen Blanking is ein bestimmter Bereich fest ausgeblendet, und das Objekt muss dort vorhanden sein. Beim schwimmenden Blanking darf ein Objekt festgelegter Größe seine Position im Schutzfeld ändern. Den gesamten Schutz für einen Materialfluss zu überbrücken ist Aufgabe des Muting, nicht des Blanking. Die Zuordnung zu Scanner oder Lichtgitter und pauschale Manipulationssicherheit sind frei erfunden.
4. Sicherheitsabstand richtig berechnen
Eine BWS stoppt die Maschine nicht in dem Moment, in dem die Hand schon an der Gefahrstelle ist – das wäre zu spät. Sie muss früher auslösen. Zwischen dem Durchbrechen des Schutzfeldes und dem tatsächlichen Stillstand vergeht Zeit: die Reaktionszeit der BWS und der Steuerung plus die Nachlaufzeit der Maschine. In dieser Gesamtzeit bewegt sich der Mensch weiter auf die Gefahr zu. Der Sicherheitsabstand muss so groß sein, dass die Bewegung steht, bevor er sie erreicht.
Die Berechnung regelt die ÖNORM EN ISO 13855. Der Grundgedanke ist immer gleich:
S = K * T + C
- S … Mindestabstand in mm
- K … Annäherungsgeschwindigkeit in mm/s
- T … Gesamt-Ansprechzeit in s (Nachlaufzeit der Maschine + Reaktionszeit der BWS/Steuerung)
- C … Zuschlag in mm (abhängig von Bauart und Zugriffsrichtung)
Der Term K * T ist der Weg, den der Mensch während der Gesamtzeit zurücklegt. Der Zuschlag C berücksichtigt, dass man je nach Anordnung schon ein Stück durch das Feld hindurchgreifen kann, bevor es überhaupt auslöst.
Die beiden Größen K und C hängen von der Art der BWS und der Zugriffsrichtung ab:
Senkrechter Zugriff (Lichtgitter als Eingriffsschutz, Strahlen vertikal): Hier nähert man sich mit der Hand. Man rechnet mit einer höheren Annäherungsgeschwindigkeit. Der Zuschlag hängt von der Auflösung d ab, weil ein gröberes Gitter erst später anspricht:
C = 8 * (d – 14)
- C … Zuschlag in mm (nicht kleiner als 0)
- d … Auflösung in mm
Die beiden Konstanten sind nicht willkürlich. Die 14 steht für die Größenordnung eines menschlichen Fingers in Millimetern: Ist die Auflösung d höchstens 14 mm, kann ein Finger nicht unbemerkt zwischen die Strahlen greifen, und der Zuschlag wird null. Die 8 ist ein empirischer Faktor, der abbildet, wie weit eine Hand bei gröberer Auflösung schon eindringen kann, bevor sie sicher erfasst wird – je größer d, desto tiefer der mögliche Vorgriff und desto größer der nötige Zuschlag. Bei einer Auflösung von 14 mm wird C damit zu null; je gröber das Gitter, desto größer der Abstand.
Waagrechter Zugriff (Laserscanner am Boden, horizontal): Hier geht man auf die Fläche zu. Man rechnet mit einer geringeren Annäherungsgeschwindigkeit, dafür kommt ein zusätzlicher, fester Zuschlag hinzu, der den Erfassungsbereich und die Bodennähe berücksichtigt. Dieser Zuschlag ist bei horizontaler Anordnung deutlich größer als beim senkrechten Eingriff.
Der folgende Rechner bildet den Grundzusammenhang S = K · T + C ab. Den Zuschlag C ermittelst du je nach Anordnung vorab – beim Lichtgitter aus der Formel C = 8 · (d − 14), beim waagrechten Scanner als festen Wert – und trägst ihn als Eingabe ein.
Gelöstes Beispiel
Ein Lichtgitter wird als senkrechter Eingriffsschutz an einer Maschine eingesetzt. Die Auflösung beträgt 30 mm. Die Nachlaufzeit der Maschine ist 150 ms, die Reaktionszeit von BWS und Steuerung zusammen 100 ms. Gerechnet wird mit einer Annäherungsgeschwindigkeit von 2000 mm/s. Wie groß muss der Sicherheitsabstand mindestens sein?
Gegeben: d = 30 mm; Nachlaufzeit = 150 ms = 0,15 s; Reaktionszeit = 100 ms = 0,10 s; K = 2000 mm/s
Gesucht: S in mm
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Gesamt-Ansprechzeit: T = 0,15 s + 0,10 s = 0,25 s
- Schritt 2 — Zuschlag aus der Auflösung: C = 8 * (30 – 14) = 8 * 16 = 128 mm
- Schritt 3 — Mindestabstand: S = K * T + C = 2000 * 0,25 + 128 = 500 + 128 = 628 mm
Ergebnis: Der Sicherheitsabstand muss mindestens 628 mm betragen.
Übungen
Ein Lichtgitter hat eine Auflösung von 14 mm. Wie groß ist der Zuschlag C?
C = 8 * (14 – 14) = 0 mm. Bei der feinsten üblichen Auflösung entfällt der auflösungsabhängige Zuschlag.
Eine BWS hat eine Reaktionszeit von 80 ms, die Maschine eine Nachlaufzeit von 220 ms. Wie groß ist die Gesamt-Ansprechzeit T in Sekunden?
T = 0,080 s + 0,220 s = 0,30 s.
Senkrechter Eingriffsschutz: K = 2000 mm/s, T = 0,30 s, Auflösung 20 mm. Berechne S.
C = 8 * (20 – 14) = 48 mm. S = 2000 * 0,30 + 48 = 600 + 48 = 648 mm.
Ein Laserscanner sichert waagrecht den Boden ab. Gerechnet wird mit K = 1600 mm/s, T = 0,40 s und einem festen Zuschlag von 1200 mm. Berechne S.
S = 1600 * 0,40 + 1200 = 640 + 1200 = 1840 mm.
Für eine Maschine wird ein Lichtgitter mit 40 mm Auflösung geplant, K = 2000 mm/s. Die Gesamt-Ansprechzeit soll von 0,35 s auf 0,25 s gesenkt werden. Um wie viel verringert sich der erforderliche Mindestabstand?
C = 8 * (40 – 14) = 208 mm (in beiden Fällen gleich). S1 = 2000 * 0,35 + 208 = 700 + 208 = 908 mm. S2 = 2000 * 0,25 + 208 = 500 + 208 = 708 mm. Differenz = 908 – 708 = 200 mm. Der Abstand verringert sich um 200 mm.
Warum muss eine BWS schon auslösen, bevor die Hand die Gefahrstelle erreicht?
- a) Weil zwischen Auslösung und Stillstand Reaktions- und Nachlaufzeit vergehen, in denen sich der Mensch weiterbewegt
- b) Weil der Sensor sonst überhitzt
- c) Weil die Norm eine feste Verzögerung von einer Sekunde vorschreibt
- d) Weil das Schutzfeld sonst zu klein wird
Richtig: a)
In der Summe aus Reaktionszeit der BWS und Nachlaufzeit der Maschine bewegt sich der Mensch weiter. Genau dieser Weg muss durch den Abstand überbrückt werden. Eine feste Sekunde schreibt die Norm nicht vor, Überhitzung und Feldgröße sind nicht der Grund.
Ein Lichtgitter im senkrechten Eingriffsschutz hat eine Auflösung von 24 mm. Welcher Zuschlag C ergibt sich?
- a) 0 mm
- b) 24 mm
- c) 80 mm
- d) 192 mm
Richtig: c)
C = 8 · (24 − 14) = 8 · 10 = 80 mm. 0 mm ergäbe sich nur bei 14 mm Auflösung, 192 mm bei 38 mm. Die 24 mm direkt einzusetzen wäre ein Verwechseln von Auflösung und Zuschlag.
Eine Maschine hat eine Nachlaufzeit von 300 ms, die BWS eine Reaktionszeit von 100 ms. Bei K = 2000 mm/s und Auflösung 14 mm – wie groß ist der Mindestabstand?
- a) 600 mm
- b) 400 mm
- c) 928 mm
- d) 800 mm
Richtig: d)
T = 0,30 + 0,10 = 0,40 s. C = 8 · (14 − 14) = 0 mm. S = 2000 · 0,40 + 0 = 800 mm. 600 mm würde nur die halbe Zeit, 400 mm nur die Nachlaufzeit berücksichtigen, 928 mm einen Zuschlag einrechnen, den es bei 14 mm nicht gibt.
Warum fällt der Sicherheitsabstand beim waagrechten Laserscanner am Boden meist deutlich größer aus als beim senkrechten Lichtgitter?
- a) Weil der Laserscanner langsamer reagiert als jedes Lichtgitter
- b) Weil am Boden die Annäherungsgeschwindigkeit höher angesetzt wird
- c) Weil bei waagrechter Anordnung ein großer fester Zuschlag hinzukommt
- d) Weil die Auflösung am Boden grundsätzlich schlechter ist
Richtig: c)
Beim waagrechten Zugriff kommt ein erheblicher fester Zuschlag hinzu, der Bodennähe und Erfassung berücksichtigt – das treibt den Abstand nach oben. Die Annäherungsgeschwindigkeit wird hier sogar geringer angesetzt, nicht höher. Die Reaktionszeit hängt vom Gerät ab, nicht pauschal von der Bauart, und die Auflösung ist nicht der Grund.
5. Auswahl, Anbindung und Betrieb in der Praxis
Welche Schutzeinrichtung passt, entscheidet vor allem die Frage, wie oft und wie tief jemand in den Bereich muss. Ist der Zugang selten – etwa nur zur Wartung –, ist eine verriegelte Schutztür meist die einfachste und robusteste Lösung. Muss dagegen ständig Material zugeführt oder von Hand eingelegt werden, wäre eine Tür, die hundertmal pro Schicht auf- und zugeht, unpraktisch und würde zur Manipulation einladen. Dann ist ein Lichtgitter oder Scanner die bessere Wahl, weil der Zugang frei bleibt.
Eine zentrale Frage bei jeder BWS ist, ob jemand das Schutzfeld hintertreten kann. Bleibt zwischen Feld und Gefahrstelle so viel Platz, dass eine Person dahinter stehen kann, reicht das bloße Erkennen des Durchschreitens nicht. Dann braucht es einen zusätzlichen Hintertretschutz und eine Wiederanlaufsperre: Die Maschine darf nach dem Stopp nicht von selbst wieder anlaufen, sondern erst nach bewusstem Quittieren – und zwar von einer Stelle aus, von der man den ganzen Gefahrenbereich überblickt.
Das Signal der Schutzeinrichtung muss sicher verarbeitet werden. Dazu wird sie an ein Sicherheitsschaltgerät oder eine Sicherheits-SPS angebunden, die das Abschalten zweikanalig und überwacht ausführt. Wie diese Geräte intern aufgebaut sind und welchen Performance Level sie erreichen, ist Thema eigener Beiträge – hier zählt der Grundsatz: Die Schutzeinrichtung allein genügt nicht, erst die sichere Anbindung macht die Schutzfunktion vollständig.
Im laufenden Betrieb are regelmäßige Prüfungen Pflicht. Bei Lichtgittern und Scannern gehört dazu der Funktionstest mit einem Prüfstab in der jeweiligen Auflösungsgröße: Führt man ihn durch das Schutzfeld, muss die Maschine zuverlässig stoppen. Typische Fehler in der Praxis sind verschmutzte oder dejustierte Optiken, ein zu klein gewählter Sicherheitsabstand nach Umbauten an der Maschine, überbrückte oder falsch projektierte Mutingfunktionen und – immer wieder – manipulierte Türschalter. Jede dieser Schwächen hebt die Schutzwirkung teilweise oder ganz auf, ohne dass es im Normalbetrieb auffällt.
An einer Zelle muss mehrmals pro Minute von Hand Material eingelegt werden. Welche Schutzeinrichtung ist hier am sinnvollsten?
- a) Ein Lichtgitter als Eingriffsschutz
- b) Eine fest verschraubte Verkleidung
- c) Eine Schutztür mit Zuhaltung, die bei jedem Einlegen geöffnet wird
- d) Gar keine, weil der Zugriff zu häufig ist
Richtig: a)
Bei sehr häufigem Zugriff hält ein Lichtgitter den Zugang frei und erkennt trotzdem jeden Eingriff – das ist praxisgerecht. Eine verschraubte Verkleidung verhindert das nötige Einlegen, eine ständig geöffnete Schutztür ist unpraktisch und manipulationsanfällig. „Keine Schutzeinrichtung“ ist nie eine zulässige Antwort.
Wann sind Hintertretschutz und Wiederanlaufsperre bei einem Lichtgitter erforderlich?
- a) Immer, unabhängig vom Aufbau
- b) Nie, das Lichtgitter genügt allein
- c) Wenn zwischen Schutzfeld und Gefahrstelle genug Platz ist, dass sich eine Person dahinter aufhalten kann
- d) Nur bei feiner Auflösung unter 14 mm
Richtig: c)
Das Lichtgitter erkennt nur das Durchschreiten, nicht den Aufenthalt dahinter. Sobald jemand hinter dem Feld stehen kann, braucht es Hintertretschutz und eine Sperre gegen selbsttätigen Wiederanlauf. Bei direkt an der Gefahrstelle sitzendem Feld ohne Platz dahinter ist das nicht nötig – also nicht „immer“, und die Auflösung ist nicht das Kriterium.
Wozu dient die Anbindung der BWS an ein Sicherheitsschaltgerät oder eine Sicherheits-SPS?
- a) Zur Erhöhung der Maschinendrehzahl
- b) Zum Ausblenden von Mutingsensoren
- c) Sie ist optional und dient nur der Komfortbedienung
- d) Zur zweikanaligen, überwachten und damit sicheren Verarbeitung des Abschaltsignals
Richtig: d)
Erst die sichere, zweikanalige und überwachte Auswertung macht aus dem Sensorsignal eine vollständige Schutzfunktion mit dem geforderten Performance Level. Mit Drehzahl oder Komfort hat das nichts zu tun, und optional ist sie keinesfalls. Das Ausblenden ist Sache der Muting-/Blanking-Projektierung, nicht der grundsätzlichen Anbindung.
Nach einem Maschinenumbau wurde an einer Maschine ein schwereres Werkzeug montiert. Was muss sicherheitstechnisch überprüft werden, obwohl an der BWS nichts geändert wurde?
- a) Die Farbe der Schutzfeldmarkierung
- b) Ob das Lichtgitter jetzt eine andere Auflösung braucht
- c) Nichts, da die BWS unverändert blieb
- d) Ob sich durch die längere Nachlaufzeit der erforderliche Sicherheitsabstand vergrößert hat
Richtig: d)
Ein schwereres Werkzeug verlängert in der Regel die Nachlaufzeit, und damit wächst der erforderliche Sicherheitsabstand – der alte Wert kann zu klein sein. Das ist genau die leicht übersehene Rückwirkung der Maschine auf die Schutzauslegung. Die Auflösung hängt vom Schutzziel ab, nicht vom Werkzeuggewicht, und „nichts prüfen“ wäre der gefährliche Fehler.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Lichtgitter im senkrechten Eingriffsschutz hat eine Auflösung von 30 mm. Die Maschine hat eine Nachlaufzeit von 200 ms, BWS und Steuerung zusammen reagieren in 120 ms. Gerechnet wird mit K = 2000 mm/s.
Gegeben: d = 30 mm; Nachlaufzeit = 0,20 s; Reaktionszeit = 0,12 s; K = 2000 mm/s
Gesucht: S in mm
Lösungsweg:
- T = 0,20 + 0,12 = 0,32 s
- C = 8 · (30 − 14) = 128 mm
- S = 2000 · 0,32 + 128 = 640 + 128 = 768 mm
Ergebnis: S = 768 mm
Aufgabe 2: Ein Laserscanner sichert den Boden waagrecht ab. Gerechnet wird mit K = 1600 mm/s, einer Gesamt-Ansprechzeit von 0,35 s und einem festen Zuschlag von 1200 mm.
Gegeben: K = 1600 mm/s; T = 0,35 s; C = 1200 mm
Gesucht: S in mm
Lösungsweg:
- S = K · T + C = 1600 · 0,35 + 1200 = 560 + 1200 = 1760 mm
Ergebnis: S = 1760 mm
Aufgabe 3: Ein Lichtgitter hat eine Auflösung von 40 mm. Berechne nur den auflösungsabhängigen Zuschlag C.
Gegeben: d = 40 mm
Gesucht: C in mm
Lösungsweg:
- C = 8 · (40 − 14) = 8 · 26 = 208 mm
Ergebnis: C = 208 mm
Aufgabe 4: Bei einem senkrechten Eingriffsschutz mit K = 2000 mm/s und Auflösung 14 mm wird die Gesamt-Ansprechzeit von 0,40 s auf 0,25 s verkürzt. Wie ändert sich der Mindestabstand?
Gegeben: K = 2000 mm/s; d = 14 mm; T1 = 0,40 s; T2 = 0,25 s
Gesucht: Differenz von S
Lösungsweg:
- C = 8 · (14 − 14) = 0 mm
- S1 = 2000 · 0,40 + 0 = 800 mm
- S2 = 2000 · 0,25 + 0 = 500 mm
- Differenz = 800 − 500 = 300 mm
Ergebnis: Der Abstand verringert sich um 300 mm.
Welche Aussage zu trennenden Schutzeinrichtungen ist korrekt?
- a) Eine bewegliche Schutztür, ohne Werkzeug öffenbar, muss überwacht werden
- b) Eine feststehende Verkleidung muss immer einen Positionsschalter haben
- c) Eine Zuhaltung wird nur aus Komfortgründen eingebaut
- d) Trennende Schutzeinrichtungen brauchen nie eine Steuerungsanbindung
Richtig: a)
Bewegliche, ohne Werkzeug zu öffnende Schutztüren müssen verriegelt und überwacht sein. Feststehende Verkleidungen brauchen das nicht, die Zuhaltung dient dem Schutz bei Nachlauf und nicht dem Komfort, und „nie eine Anbindung“ ist falsch.
Welcher Vorteil spricht für ein Lichtgitter gegenüber einer Schutztür bei häufigem Materialzugriff?
- a) Es ist grundsätzlich billiger
- b) Es benötigt keine Anbindung an die Sicherheitssteuerung
- c) Es hält den Zugang frei und erkennt trotzdem jeden Eingriff
- d) Es kann auch bei laufender Maschine gefahrlos berührt werden
Richtig: c)
Der entscheidende Vorteil ist der freie Zugang bei gleichzeitig zuverlässiger Eingriffserkennung. Der Preis ist kein allgemeiner Vorteil, die sichere Anbindung ist auch hier nötig, und „gefahrlos berühren“ trifft den Sinn nicht – das Lichtgitter erkennt den Eingriff und stoppt, ist aber kein Berührschutz an der Gefahrstelle selbst.
Ein Laserscanner ist so eingerichtet, dass ein Fahrzeug bei Annäherung zunächst nur langsamer werden soll und erst bei weiterer Annäherung ganz stoppt. Wie wird das umgesetzt?
- a) Über zwei Lichtgitter hintereinander
- b) Über schwimmendes Blanking
- c) Über das Ruhestromprinzip der Zuhaltung
- d) Über ein äußeres Warnfeld und ein inneres Schutzfeld
Richtig: d)
Der Scanner erlaubt ein vorgelagertes Warnfeld für die Vorwarnung und ein inneres Schutzfeld für den Stopp – genau das ergibt das gestufte Verhalten. Lichtgitter, Blanking und das Zuhalteprinzip lösen diese Aufgabe nicht.
Worin unterscheiden sich Muting und Blanking grundsätzlich?
- a) Muting überbrückt den Schutz zeitlich begrenzt für plausiblen Materialfluss, Blanking blendet ständig vorhandene Bereiche räumlich aus
- b) Muting ist nur bei Schutztüren möglich, Blanking nur bei Scannern
- c) Beide bedeuten dasselbe
- d) Muting vergrößert die Auflösung, Blanking verkleinert sie
Richtig: a)
Muting ist die zeitlich begrenzte Überbrückung an eine plausible Bedingung gebunden; Blanking ist das räumliche Ausblenden ständig vorhandene Bereiche. Sie sind nicht dasselbe, hängen nicht an Tür bzw. Scanner und ändern die Auflösung nicht.
Ein BWS löst aus, sobald das Schutzfeld unterbrochen wird. Warum muss trotzdem ein Sicherheitsabstand eingehalten werden?
- a) Damit der Sensor nicht überhitzt
- b) Weil zwischen Auslösen und Stillstand der Maschine Zeit vergeht
- c) Weil die Norm einen Mindestabstand von einem Meter vorschreibt
- d) Damit das Warnfeld Platz hat
Richtig: b)
In der Reaktions- und Nachlaufzeit bewegt sich der Mensch weiter; dieser Weg muss durch den Abstand überbrückt werden. Es gibt keinen pauschalen Ein-Meter-Wert, Überhitzung ist kein Grund, und der Platz fürs Warnfeld ist nicht der sicherheitstechnische Maßstab.
Warum wird die Türzuhaltung bei Nachlaufgefahr im Ruhestromprinzip ausgeführt?
- a) Weil sie schneller schaltet
- b) Weil sie weniger Verschleiß hat
- c) Weil sie dann bei Stromausfall geschlossen bleibt
- d) Weil sie ohne Steuerung auskommt
Richtig: c)
Im Ruhestromprinzip verriegelt die Feder, der Strom entriegelt – bei Stromausfall bleibt die Tür sicher zu. Schaltgeschwindigkeit, Verschleiß und „ohne Steuerung“ sind nicht der Grund.
Welche Auflösung eines Lichtgitters ist für reinen Körperschutz als Zugangsschutz typisch?
- a) 14 mm
- b) Eine grobe Auflösung, die nur den Körper erfasst
- c) 0 mm
- d) Die Auflösung ist beim Zugangsschutz bedeutungslos
Richtig: b)
Für den Zugangsschutz reicht eine grobe Auflösung, die das Betreten mit dem Körper erkennt; feine 14-mm-Auflösung ist für den Fingerschutz an der Gefahrstelle gedacht. „0 mm“ ist physikalisch unsinnig, und bedeutungslos ist die Auflösung nie.
Ein Mutingvorgang an einer Förderstrecke wird über mehrere Sensoren freigegeben. Was passiert, wenn statt Material eine Person das Feld durchschreitet?
- a) Das Muting wird trotzdem aktiviert
- b) Die Maschine fährt schneller
- c) Das Schutzfeld wird dauerhaft ausgeblendet
- d) Die korrekte Sensorfolge fehlt, der Schutz bleibt wirksam und die Maschine stoppt
Richtig: d)
Muting ist an eine plausible Signalfolge der Mutingsensoren gebunden, die nur das durchlaufende Material erzeugt. Eine Person löst diese Folge nicht aus, also greift der Schutz und die Maschine stoppt. Eine dauerhafte Ausblendung wäre Blanking und ist hier nicht gemeint.
Welcher Betriebsfehler hebt die Schutzwirkung einer BWS auf, ohne im Normalbetrieb sofort aufzufallen?
- a) Eine korrekt eingestellte Wiederanlaufsperre
- b) Eine verschmutzte oder dejustierte Optik
- c) Ein durchgeführter Funktionstest mit Prüfstab
- d) Eine dokumentierte Risikobeurteilung
Richtig: b)
Verschmutzte oder dejustierte Optiken können dazu führen, dass das Feld nicht mehr zuverlässig erkennt – und das bleibt im Normalbetrieb leicht unbemerkt. Wiederanlaufsperre, Funktionstest und Risikobeurteilung sind genau die Maßnahmen, die die Wirksamkeit sichern, nicht die Fehler.
Nach einem Maschinenumbau hat sich die Nachlaufzeit von 200 ms auf 320 ms erhöht. Bei K = 2000 mm/s und Auflösung 14 mm – um wie viel muss der Sicherheitsabstand mindestens vergrößert werden?
- a) 120 mm
- b) 60 mm
- c) 320 mm
- d) 240 mm
Richtig: d)
Die Zeit steigt um 0,12 s. Bei K = 2000 mm/s und C = 0 (Auflösung 14 mm) bedeutet das ΔS = 2000 · 0,12 = 240 mm. 120 mm würde nur die halbe Differenz, 60 mm ein Viertel ansetzen, und 320 mm verwechselt Millisekunden mit Millimetern.
Welche Aussage zur Auswahl zwischen Schutztür und BWS trifft zu?
- a) BWS sind immer die bessere Wahl
- b) Schutztüren sind generell unsicher
- c) Bei seltenem Zugang ist die verriegelte Schutztür oft die robusteste Lösung
- d) Die Auswahl hängt nur vom Maschinenpreis ab
Richtig: c)
Bei seltenem Zugang – etwa zur Wartung – ist die verriegelte Tür einfach und robust. „Immer BWS“ oder „Türen unsicher“ sind pauschal falsch, und der Maschinenpreis ist nicht das Auswahlkriterium.
Warum genügt bei einem hintertretbaren Lichtgitter das bloße Erkennen des Durchschreitens nicht?
- a) Weil das Lichtgitter zu langsam reagiert
- b) Weil die Auflösung dann automatisch sinkt
- c) Weil ein Warnfeld fehlt
- d) Weil das Lichtgitter den Aufenthalt hinter dem Feld nicht erkennt
Richtig: d)
Das Lichtgitter überwacht nur seine Ebene und sieht eine Person hinter dem Feld nicht mehr – deshalb braucht es Hintertretschutz und Wiederanlaufsperre. Reaktionszeit, Auflösung und Warnfeld sind hier nicht der Punkt.
Glossar
- Gefahrstelle
- Ort an einer Maschine, an dem eine Person durch Quetschen, Scheren, Einziehen, Stoßen oder Schneiden verletzt werden kann.
- Trennende Schutzeinrichtung
- Schutzeinrichtung, die mit einer körperlichen Barriere (Gitter, Verkleidung, Tür) den Zugang zur Gefahrstelle versperrt.
- Berührungslos wirkende Schutzeinrichtung (BWS)
- Schutzeinrichtung, die einen Bereich optisch überwacht und beim Eingriff ein Stoppsignal auslöst, ohne mechanische Barriere.
- Verriegelung
- Überwachung einer beweglichen Schutztür über einen Positionsschalter, der bei geöffneter Tür die gefährliche Bewegung stoppt.
- Zuhaltung
- Zusätzliche Funktion, die eine Schutztür verriegelt hält und erst bei Maschinenstillstand freigibt; nötig bei gefährlichem Nachlauf.
- Ruhestromprinzip
- Verriegelung durch Federkraft, Entriegelung durch Strom; die Tür bleibt auch bei Stromausfall zugehalten.
- Nachlauf
- Weiterlaufen einer Bewegung nach dem Abschalten, etwa durch eine Schwungmasse.
- Lichtgitter
- BWS aus Sender- und Empfängerleiste mit parallelen Lichtstrahlen; ein unterbrochener Strahl löst den Stopp aus.
- Auflösung
- Kleinstes Objekt, das eine BWS sicher erkennt; ergibt sich aus dem Strahlabstand und bestimmt den Einsatz als Finger-, Hand- oder Körperschutz.
- Laserscanner
- BWS, die über die Lichtlaufzeit eines fächerförmig geführten Laserpulses eine Fläche abtastet und frei definierbare Schutz- und Warnfelder erlaubt.
- Schutzfeld
- Bereich, dessen Verletzung sofort den sicheren Stopp auslöst.
- Warnfeld
- Vorgelagerter Bereich, der nur eine Vorwarnung ohne Stopp auslöst.
- Muting
- Zeitlich begrenztes, automatisches Überbrücken der Schutzfunktion für plausiblen Materialfluss, freigegeben durch Mutingsensoren.
- Blanking
- Räumliches Ausblenden ständig vorhandener Bereiche im Schutzfeld; fest (abgegrenzter Bereich) oder schwimmend (Objekt definierter Größe darf wandern).
- Sicherheitsabstand
- Mindestabstand einer BWS zur Gefahrstelle, der Reaktions- und Nachlaufzeit überbrückt; berechnet nach ÖNORM EN ISO 13855 mit S = K · T + C.
- Hintertretschutz
- Maßnahme gegen unbemerktes Aufhalten zwischen Schutzfeld und Gefahrstelle, ergänzt durch eine Wiederanlaufsperre.
