Drehstromsystem: Strang- und Außenleiterspannung

Aus jeder Steckdose im Haus kommen 230 V — aus einer CEE-Drehstromsteckdose 400 V. Beide Spannungen stammen aus demselben Netz. Wie kann das sein?

Die Antwort liegt im Aufbau des Drehstromsystems. Ein Drehstromgenerator erzeugt nicht eine, sondern drei sinusförmige Spannungen — drei Strangspannungen, jeweils um eine Drittel-Periode zeitlich gegeneinander verschoben. Aus diesen drei Strangspannungen entstehen, durch die geometrische Lage der Spannungszeiger, drei weitere Spannungen: die Außenleiterspannungen. Strangspannung und Außenleiterspannung sind also keine zwei verschiedenen Quellen — sondern zwei Sichtweisen auf dasselbe System.

Dieser Beitrag erklärt die beiden Spannungen, ihre Bezeichnungen, ihren mathematischen Zusammenhang und zeigt, wo sie in der Praxis auftauchen.

Vorwissen

  • Was ist Drehstrom? – Erzeugung und Grundprinzip
  • Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme
  • Wechselspannung und ihre Kenngrößen (Spitzen-, Effektivwert, Frequenz)

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Außenleiter, Strang, Neutralleiter und Schutzleiter klar unterscheiden und ihre Bezeichnungen (L1, L2, L3, N, PE) zuordnen
  • Strang- und Außenleiterspannung definieren und ihre Werte im österreichischen Niederspannungsnetz nennen (230 V und 400 V)
  • Den Faktor √3 zwischen U_Str und U_L geometrisch begründen und in beide Richtungen rechnen
  • An typischen Anschlussstellen (Schuko-, CEE-Steckdose, Motorklemmbrett) die jeweils anliegende Spannung bestimmen
  • Den Anschlussfehler erkennen, wenn ein Drehstrommotor in der falschen Schaltungsart ans Netz gelegt wird

1. Außenleiter, Strang und Neutralleiter — die Bezeichnungen

Wer mit Drehstrom arbeitet, hört eine ganze Reihe von Begriffen: Phase, Strang, Außenleiter, Leiter, L1/L2/L3, R/S/T. In der Werkstatt werden sie oft synonym verwendet. Für ein sauberes Verständnis lohnt es sich, die Begriffe einmal sauber zu trennen.

Die Leiterbezeichnungen

In einem Drehstromsystem treffen wir auf bis zu fünf Leiter:

  • L1, L2, L3 — die drei Außenleiter (führen Spannung gegenüber dem Sternpunkt)
  • N — der Neutralleiter (verbunden mit dem Sternpunkt)
  • PE — der Schutzleiter (mit Erde verbunden)

Diese Bezeichnungen sind nach IEC und ÖVE in Österreich und ganz Europa Standard.

Außenleiter vs. Strang — der entscheidende Unterschied

Ein Strang ist eine einzelne Wicklung — sei es im Generator, im Motor oder im Transformator. Drei Stränge, drei Wicklungen.

Ein Außenleiter ist die Leitung, die einen Strang nach außen führt — vom Generator zum Verbraucher.

Beim Generator hat jeder Strang zwei Anschlüsse: einen, der zum Sternpunkt führt, und einen, der über den Außenleiter zum Verbraucher geht. Im Sternpunkt sind alle drei Strang-Enden zusammengeführt — daraus entsteht der Neutralleiter, sofern er ausgeführt wird.

„Phase“ — der unscharfe Begriff

Umgangssprachlich nennt man die Außenleiter oft „Phasen“ („Phase aufgelegt“, „drei Phasen anschließen“). Streng genommen meint „Phase“ in der Elektrotechnik aber den Phasenwinkel — also den momentanen Zustand eines Sinusverlaufs. Wer es genau nimmt, sagt „Außenleiter L1″ statt „Phase L1″. In der Praxis hat sich „Phase“ für „Außenleiter“ eingebürgert und wird verstanden — aber im Lehrbuch und auf Plänen ist „Außenleiter“ der saubere Begriff.

Alte Bezeichnungen R, S, T

Auf älteren Anlagen, Klemmen oder Schaltplänen finden sich noch die Bezeichnungen R, S, T (für die drei Außenleiter) und Mp (Mittelpunktleiter, heute Neutralleiter N). Diese Bezeichnungen sind nicht mehr aktuell, kommen aber bei Wartungsarbeiten an Bestandsanlagen noch vor.

Frage 1: Welche Aussage zur Bezeichnung der Leiter in einem österreichischen Drehstromnetz ist korrekt?

  • a) N ist der Schutzleiter, PE der Neutralleiter
  • b) L1, L2, L3 sind die Außenleiter; N ist der Neutralleiter, PE der Schutzleiter
  • c) Der Sternpunkt wird mit PE bezeichnet
  • d) R, S, T sind die aktuell vorgeschriebenen Bezeichnungen

Richtig: b)

L1/L2/L3 sind die genormten Bezeichnungen für die drei Außenleiter, N für den Neutralleiter (mit dem Sternpunkt verbunden) und PE für den Schutzleiter (Erdpotential). R/S/T sind historische Bezeichnungen, die nur noch in Altanlagen vorkommen.

Frage 2: Was unterscheidet einen Strang von einem Außenleiter?

  • a) Der Strang ist eine Wicklung, der Außenleiter die Verbindungsleitung dorthin
  • b) Strang und Außenleiter sind dasselbe — die Begriffe sind austauschbar
  • c) Der Außenleiter führt immer 230 V, der Strang immer 400 V
  • d) Der Strang ist immer geerdet, der Außenleiter nicht

Richtig: a)

Der Strang ist die einzelne Wicklung im Generator oder Verbraucher. Der Außenleiter ist die elektrische Leitung, die von einem Strang nach außen führt. Welche Spannung am Strang oder Außenleiter gemessen wird, hängt von der Schaltungsart ab — die Beträge sind also nicht fest 230 V oder 400 V.

Frage 3: Auf einem alten Klemmbrett steht „R-S-T-Mp“. Wie ordnet ein Mechatroniker das den heutigen Bezeichnungen zu?

  • a) R/S/T sind die heutigen L1/L2/L3, Mp der heutige PE
  • b) R/S/T sind L1/L2/L3, Mp ist der Neutralleiter (heute N)
  • c) Mp ist gleichbedeutend mit dem Sternpunkt — er steht nicht für einen Leiter
  • d) Die Bezeichnungen sind nicht zuordenbar, die Anlage muss komplett getauscht werden

Richtig: b)

R, S, T waren die alten Bezeichnungen für die drei Außenleiter und entsprechen heute L1, L2 und L3. Mp (Mittelpunktleiter) entspricht dem heutigen Neutralleiter N. Der Schutzleiter PE hat in dieser alten Nomenklatur kein direktes Pendant — wenn er existierte, wurde er meist separat geführt.

2. Die Strangspannung

Die Strangspannung ist die Spannung, die über einer einzelnen Wicklung anliegt — egal ob im Generator, im Motor oder am Transformator. Sie ist die Spannung, mit der jeder Strang „arbeitet“. Im österreichischen Niederspannungsnetz beträgt sie 230 V.

Definition

Die Strangspannung U_Str ist die Spannung, die zwischen den beiden Enden einer einzelnen Wicklung gemessen wird. Beim Drehstromgenerator sind die drei Stränge typischerweise zum Sternpunkt zusammengeführt — dort ist ein Ende jeder Wicklung verbunden, das andere Ende führt nach außen zum Außenleiter. In diesem Fall lässt sich die Strangspannung auch als Spannung zwischen einem Außenleiter und dem Sternpunkt messen.

Übliche Bezeichnungen:

  • U_Str oder U_Phase — allgemein
  • U_1N, U_2N, U_3N — die drei Strangspannungen, jeweils gemessen zwischen Außenleiter (L1, L2 oder L3) und Neutralleiter

Der Wert in Österreich: 230 V

Im öffentlichen Niederspannungsnetz beträgt die Strangspannung in Österreich 230 V als Effektivwert. Diese Festlegung gilt europaweit nach EN IEC 60038, mit definierten Toleranzbereichen für den Normalbetrieb.

Drei Spannungen, drei Phasenwinkel

In einem Drehstromsystem haben die drei Strangspannungen denselben Effektivwert, sind aber zeitlich gegeneinander verschoben — jeweils um 120°. Das heißt: Wenn U_1N gerade ihr Maximum erreicht, ist U_2N eine Drittel-Periode später dran, U_3N nochmal eine Drittel-Periode später. Bei 50 Hz Netzfrequenz entspricht eine Periode 20 ms, eine Drittel-Periode also etwa 6,67 ms.

Diese gleichmäßige Verschiebung ist der Kern des Drehstromsystems. Sie ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Außenleiterspannungen sauber konstruiert werden können — und dass aus dem System ein Drehfeld entsteht.

Frage 1: Was ist die Strangspannung in einem Drehstromsystem?

  • a) Die Spannung zwischen zwei Außenleitern
  • b) Die Spannung über einer einzelnen Wicklung bzw. zwischen Außenleiter und Sternpunkt
  • c) Die Summe aller drei Außenleiterspannungen
  • d) Die Spannung zwischen Schutzleiter und Erde

Richtig: b)

Die Strangspannung wird über einer einzelnen Wicklung gemessen — beim sternförmigen Generator entspricht das der Spannung zwischen Außenleiter und Sternpunkt. Die Spannung zwischen zwei Außenleitern ist die Außenleiterspannung (Antwort a), die Summe der drei Strangzeiger ergibt rechnerisch null (Antwort c), und der Schutzleiter ist im Idealfall stromlos und nicht spannungstragend (Antwort d).

Frage 2: Welcher Phasenwinkel besteht zwischen den drei Strangspannungen?

  • a) 60°
  • b) 90°
  • c) 120°
  • d) 180°

Richtig: c)

Die drei Strangspannungen sind jeweils um 120° gegeneinander phasenverschoben. Diese gleichmäßige Aufteilung über 360° (3 · 120°) ist genau das Merkmal, das Drehstrom zum „Dreh“-Strom macht — die Symmetrie ermöglicht ein gleichmäßiges Drehfeld. 60° und 90° gehören zu anderen Mehrphasensystemen, 180° wäre die reine Gegenphase und damit kein Drehstromsystem.

Frage 3: Welchen Wert hat die Strangspannung im öffentlichen Niederspannungsnetz Österreichs?

  • a) 110 V
  • b) 230 V
  • c) 400 V
  • d) 690 V

Richtig: b)

Die Strangspannung beträgt in Österreich nach EN IEC 60038 230 V (Effektivwert). 400 V ist die Außenleiterspannung im selben Netz. 110 V ist in Nordamerika üblich, 690 V ist eine industrielle Außenleiterspannung in größeren Anlagen.

3. Die Außenleiterspannung

Während die Strangspannung jede Wicklung einzeln beschreibt, beschreibt die Außenleiterspannung das Verhältnis zwischen den Außenleitern selbst. Im österreichischen Netz sind das 400 V — und genau diese Spannung steht zur Verfügung, wenn ein Drehstrommotor angeschlossen wird oder eine CEE-Steckdose verwendet wird.

Definition

Die Außenleiterspannung U_L ist die Spannung zwischen zwei Außenleitern. In einem dreiphasigen System gibt es davon drei Stück:

  • U_12 — zwischen L1 und L2
  • U_23 — zwischen L2 und L3
  • U_31 — zwischen L3 und L1

Auch andere Bezeichnungen sind gebräuchlich: U_L für „Leiter-Leiter-Spannung“, U_LL oder „verkettete Spannung“ — die letzte Bezeichnung erinnert daran, dass die Stränge in der Schaltung „verkettet“ auftreten.

Der Wert in Österreich: 400 V

Im öffentlichen Niederspannungsnetz beträgt die Außenleiterspannung 400 V (Effektivwert). Das ist der Wert, der auf den meisten Drehstrommotor-Typenschildern in der oberen Hälfte steht, etwa „400 V Y“ oder „Y/Δ 400/230 V“.

Wie entsteht die Außenleiterspannung?

Die Außenleiterspannung ist keine eigenständig erzeugte Größe — sie ergibt sich rein durch Differenzbildung aus zwei Strangspannungen. Zwischen L1 und L2 misst man genau die Differenz zwischen U_1N und U_2N: U_12 = U_1N − U_2N. Analog gilt U_23 = U_2N − U_3N und U_31 = U_3N − U_1N.

Da die drei Strangspannungen zeitlich um 120° gegeneinander verschoben sind, ergibt diese Differenz nicht einfach „doppelt so viel“, sondern einen wohldefinierten Zeigerunterschied — das wird im Zeigerdiagramm anschaulich.

Zeigerdiagramm: Strang- und Außenleiterspannung U_1N U_2N U_3N U_12 = U_1N − U_2N Sternpunkt (N) Drei Strangspannungen, jeweils 120° versetzt; U_12 entsteht als Differenz zweier Strangzeiger. U_23 und U_31 ergeben sich analog.

Im Diagramm sieht man: Die Außenleiterspannung U_12 (rot) ist deutlich länger als jeder einzelne Strangzeiger (blau). Genau wie viel länger — das klärt das nächste Kapitel.

Frage 1: Welche Spannung wird zwischen L1 und L2 in einem österreichischen Drehstromnetz gemessen?

  • a) 400 V
  • b) 230 V
  • c) 690 V
  • d) 0 V

Richtig: a)

Zwischen zwei Außenleitern (L1 und L2) liegt die Außenleiterspannung an, die im österreichischen Niederspannungsnetz 400 V beträgt. 230 V wäre die Strangspannung (zwischen Außenleiter und Neutralleiter). 0 V würde nur dann gemessen, wenn beide Leiter dasselbe Potential hätten — bei Kurzschluss oder unterbrochenem Leiter.

Frage 2: Wie viele unterschiedliche Außenleiterspannungen gibt es in einem Drehstromsystem?

  • a) Eine — alle sind gleich
  • b) Zwei — U_12 und U_23
  • c) Drei — U_12, U_23 und U_31
  • d) Sechs — jede Kombination zweier Leiter

Richtig: c)

Es gibt genau drei Außenleiterspannungen, weil sich aus drei Außenleitern drei Paarungen bilden lassen: L1-L2, L2-L3 und L3-L1. Alle drei haben denselben Effektivwert (400 V im österreichischen Netz), unterscheiden sich aber in der Phasenlage. „Sechs“ wäre falsch, weil U_12 und U_21 dieselbe Spannung mit umgekehrtem Vorzeichen sind — also kein neuer Wert.

Frage 3: Wie entsteht die Außenleiterspannung U_12 aus den Strangspannungen?

  • a) Durch Addition: U_12 = U_1N + U_2N
  • b) Durch arithmetische Subtraktion der Beträge: U_12 = |U_1N| − |U_2N|
  • c) Durch zeigerförmige Subtraktion: U_12 = U_1N − U_2N (vektoriell)
  • d) Sie wird unabhängig vom Generator separat erzeugt

Richtig: c)

Die Außenleiterspannung ist das Ergebnis einer Zeigersubtraktion zwischen zwei Strangspannungen. Weil die beiden Strangzeiger 120° auseinanderstehen, ergibt die Subtraktion einen Zeiger, der sowohl in der Länge (Faktor √3) als auch in der Phasenlage definiert ist. Die einfache arithmetische Differenz der Beträge wäre 0 V (da beide gleich groß sind) — das stimmt offensichtlich nicht. Eine eigene Quelle gibt es im Generator nicht: Alles entsteht aus den drei Strangwicklungen.

4. Der Zusammenhang: Faktor √3

Das Verhältnis 400 V zu 230 V ist kein Zufallswert — es ist ein präzise definiertes mathematisches Verhältnis, nämlich der Faktor √3 (etwa 1,732). Diese Zahl taucht überall in der Drehstromtechnik auf: bei Spannungen, bei Strömen, bei Leistungen. Wer sie versteht, hat einen großen Teil der Drehstromrechnung im Griff.

Die Formel

U_L = √3 · U_Str

  • U_L … Außenleiterspannung in V
  • U_Str … Strangspannung in V
  • √3 ≈ 1,732

Umgekehrt formuliert:

U_Str = U_L / √3

  • U_L … Außenleiterspannung in V
  • U_Str … Strangspannung in V

Mit den österreichischen Netzwerten:

  • 400 V / √3 = 230,94 V → gerundet 230 V
  • 230 V · √3 = 398,37 V → gerundet 400 V

Die kleinen Rundungsabweichungen ergeben sich daraus, dass im realen Netz nicht exakt 230,94 V eingestellt wird, sondern auf glatte Werte normiert. Die Spannungswerte 230 V und 400 V sind daher streng genommen die Nennwerte — mit Toleranzbändern nach EN IEC 60038.

Wo kommt der Faktor √3 her?

Geometrisch lässt sich der Faktor √3 aus dem Zeigerdiagramm direkt herleiten. Wenn man die Außenleiterspannung U_12 als Vektorsumme aus U_1N und dem invertierten Zeiger −U_2N konstruiert, entsteht ein gleichschenkliges Dreieck. Beide Schenkel haben die Länge U_Str. Der Spitzenwinkel (zwischen den beiden Schenkeln) beträgt 120°, die beiden Basiswinkel je 30°.

Geometrische Herleitung von U_L = √3 · U_Str U_Str U_Str U_L U_L / 2 U_L / 2 h 120° 30° 30° Zwei Strangzeiger spannen ein gleichschenkliges Dreieck mit Spitzenwinkel 120° auf.

Teilt man dieses Dreieck mit der Höhe in zwei rechtwinklige Dreiecke, lässt sich U_L aus U_Str über den Basiswinkel 30° berechnen. Im rechtwinkligen halben Dreieck ist die halbe Basis U_L/2 die Ankathete zum 30°-Winkel, U_Str ist die Hypotenuse:

U_L / 2 = U_Str · cos(30°)

  • U_L … Außenleiterspannung in V
  • U_Str … Strangspannung in V

Damit folgt:

U_L = 2 · U_Str · cos(30°) = √3 · U_Str

  • U_L … Außenleiterspannung in V
  • U_Str … Strangspannung in V
  • cos(30°) = √3 / 2 ≈ 0,866

So entsteht der Faktor √3 nicht aus einer Festlegung, sondern direkt aus der geometrischen Beziehung der drei um 120° versetzten Spannungszeiger.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstromnetz hat eine Strangspannung von 230 V. Berechne die Außenleiterspannung.

Gegeben: U_Str = 230 V

Gesucht: U_L in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel anwenden: U_L = √3 · U_Str
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen: U_L = √3 · 230 V = 1,732 · 230 V
  3. Schritt 3 — Berechnen: U_L = 398,4 V ≈ 400 V

Ergebnis: U_L ≈ 400 V (Nennwert des österreichischen Netzes)

Übungen

Welche Strangspannung ergibt sich bei einer Außenleiterspannung von 690 V (industrielles Niederspannungsnetz)?

U_Str = 690 V / √3 ≈ 398,4 V ≈ 400 V

Ein Drehstromgenerator erzeugt eine Strangspannung von 6 kV. Welche Außenleiterspannung steht zur Verfügung?

U_L = √3 · 6000 V = 10 392 V ≈ 10,4 kV

Ein 110-V/63,5-V-Drehstromsystem wird in Schiffselektrik eingesetzt. Passt das Verhältnis zum Faktor √3?

110 V / √3 = 63,51 V — ja, das Verhältnis stimmt.

An einem Motorklemmbrett wird zwischen U1 und V1 (zwei Klemmen unterschiedlicher Stränge bei Sternschaltung) 400 V gemessen, zwischen U1 und Sternpunkt 231 V. Bestätige den Faktor √3.

400 V / 231 V = 1,732 ≈ √3 — Verhältnis bestätigt.

Ein älteres 500-V/289-V-Drehstromsystem wird auf Konsistenz geprüft. Berechne die theoretische Strangspannung und gib die relative Abweichung zum Messwert in Prozent an.

Theoretisch: 500 V / √3 = 288,68 V. Gemessen: 289 V. Abweichung: (289 − 288,68) / 288,68 ≈ 0,11 %. System konsistent.

Frage 1: Eine Drehstromanlage hat eine Strangspannung von 400 V. Wie groß ist die Außenleiterspannung?

  • a) 230 V
  • b) 400 V
  • c) 800 V
  • d) 692,8 V

Richtig: d)

U_L = √3 · U_Str = 1,732 · 400 V ≈ 693 V. Solche Spannungen sind in industriellen Anlagen üblich (Nennwert 690 V). 800 V wäre fälschlich der Faktor 2 (Gegenphase-Annahme), 230 V und 400 V gehören zum öffentlichen Niederspannungsnetz.

Frage 2: Welcher mathematische Zusammenhang erklärt den Faktor √3 in der Drehstromrechnung?

  • a) Die 90°-Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom
  • b) Das Pythagorastheorem auf einem rechtwinkligen Dreieck mit gleichen Katheten
  • c) Die geometrische Differenz zweier um 120° verschobener Spannungszeiger
  • d) Die Frequenz von 50 Hz, multipliziert mit dem Wirkungsgrad

Richtig: c)

Der Faktor √3 ergibt sich aus der Zeigersubtraktion zweier Strangspannungen, die um 120° phasenverschoben sind. Geometrisch entsteht ein gleichschenkliges Dreieck mit Spitzenwinkel 120° und Basiswinkeln 30°, woraus sich U_L = 2 · U_Str · cos(30°) = √3 · U_Str ergibt. Die anderen Antworten beziehen sich auf unverwandte Zusammenhänge.

Frage 3: Welche Aussage zum Verhältnis zwischen Strang- und Außenleiterspannung ist korrekt?

  • a) Das Verhältnis ist von der Netzfrequenz abhängig
  • b) U_L = 2 · U_Str, weil zwei Stränge in Serie wirken
  • c) U_L ist immer kleiner als U_Str
  • d) U_L ≈ 1,732 · U_Str — unabhängig von der absoluten Höhe der Spannung

Richtig: d)

Der Faktor √3 ≈ 1,732 ist ein rein geometrischer Faktor und gilt für jede symmetrische dreiphasige Anlage mit 120°-Phasenverschiebung — unabhängig von Spannungshöhe und Frequenz. Faktor 2 wäre nur bei Gegenphase richtig, und U_L ist nie kleiner als U_Str.

5. Strang- und Außenleiterspannung in der Anwendung

In der Praxis begegnen einem Strang- und Außenleiterspannung an völlig unterschiedlichen Stellen — manchmal beide an derselben Steckdose. Wer weiß, welche Spannung wo anliegt, vermeidet Anschlussfehler und kann Motoren, Verteiler und Anlagen sicher in Betrieb nehmen.

Die Schuko-Steckdose: Strangspannung

Die übliche Haushaltssteckdose (Schuko, CEE 7/3) hat nur einen Außenleiter, den Neutralleiter und den Schutzleiter. Zwischen L und N misst man die Strangspannung: 230 V. Das ist die Spannung, die in jeder Wohnung an jeder normalen Steckdose anliegt.

Die CEE-Drehstromsteckdose: beides gleichzeitig

Die rote CEE-Steckdose (16 A oder 32 A) führt alle drei Außenleiter, den Neutralleiter und den Schutzleiter heraus. An ihr stehen damit zur Verfügung:

  • Zwischen je zwei Außenleitern: 400 V (Außenleiterspannung) — dreimal vorhanden (L1-L2, L2-L3, L3-L1)
  • Zwischen jedem Außenleiter und N: 230 V (Strangspannung) — dreimal vorhanden

Welche dieser Spannungen tatsächlich genutzt wird, entscheidet der Anschluss am Verbraucher.

Das Motorklemmbrett: Stern oder Dreieck

Auf einem typischen Drehstrommotor steht ein Typenschild mit zwei Spannungsangaben, zum Beispiel „400/230 V Y/Δ“. Das bedeutet:

  • In Sternschaltung (Y) liegt an jedem Strang die Strangspannung an. Wenn das Netz 400 V Außenleiterspannung hat, dann liegen am einzelnen Strang 230 V an. Der Motor passt damit für ein 400-V-Netz.
  • In Dreieckschaltung (Δ) liegt an jedem Strang die volle Außenleiterspannung an. Wenn der Motor für 230 V pro Strang gebaut ist, passt er nur an ein 230-V-Außenleiterspannungsnetz — nicht ans österreichische 400-V-Netz.

Diese Logik ist die Grundlage für die Wahl der Schaltungsart und für den Anlauf-Trick „Stern-Dreieck“, bei dem ein Motor beim Anlauf in Stern (weniger Strangspannung, weniger Strom) und im Betrieb in Dreieck (volle Spannung, volle Leistung) läuft.

Das österreichische Niederspannungsnetz

Das öffentliche Niederspannungsnetz in Österreich ist ein TN-System mit 400 V Außenleiterspannung und 230 V Strangspannung. Diese Werte sind nach EN IEC 60038 europaweit vereinheitlicht. Anlagen mit höherem Spannungsniveau — etwa 690 V Außenleiterspannung in größeren Industriebetrieben — verwenden dasselbe Prinzip, nur eben mit höherer Strangspannung von rund 400 V.

Frage 1: An einer roten CEE-Drehstromsteckdose im österreichischen Netz wird zwischen L1 und N gemessen. Welche Spannung erwartet man?

  • a) 230 V
  • b) 400 V
  • c) 690 V
  • d) 0 V

Richtig: a)

Zwischen einem Außenleiter (L1) und dem Neutralleiter (N) liegt die Strangspannung an — in Österreich 230 V. 400 V wäre die Außenleiterspannung (zwischen zwei Außenleitern), 690 V eine industrielle Außenleiterspannung. 0 V wäre nur bei Defekt oder unterbrochenem Außenleiter zu erwarten.

Frage 2: Auf einem Drehstrommotor-Typenschild steht „400/230 V Y/Δ“. Welche Schaltungsart ist für das österreichische 400-V-Netz korrekt?

  • a) Dreieckschaltung, weil sie höhere Spannung verträgt
  • b) Sternschaltung, weil dann pro Strang nur 230 V anliegen — passend zum Motor
  • c) Beide gleichwertig — die Schaltungsart spielt keine Rolle
  • d) Keine — der Motor ist für 230 V Außenleiterspannung ausgelegt

Richtig: b)

Die Notation „400/230 V Y/Δ“ bedeutet: Sternschaltung bei 400 V Außenleiterspannung (am Strang liegen dann 400 V / √3 ≈ 230 V) oder Dreieckschaltung bei 230 V Außenleiterspannung (am Strang liegen die vollen 230 V). Im österreichischen Netz mit 400 V Außenleiterspannung ist daher Sternschaltung korrekt. Dreieck würde 400 V pro Strang aufzwingen — der Motor wäre überlastet.

Frage 3: Ein Mechatroniker schließt versehentlich einen für „400 V Y / 230 V Δ“ gebauten Motor in Dreieckschaltung ans 400-V-Drehstromnetz an. Was passiert?

  • a) Es passiert nichts, weil die Drehrichtung das ausgleicht
  • b) Der Motor läuft mit reduzierter Leistung
  • c) Der Motor läuft normal, da Stern und Dreieck äquivalent sind
  • d) Der Motor läuft kurz mit überhöhter Spannung, zieht massiv Strom und die Wicklung überhitzt schnell

Richtig: d)

In Dreieckschaltung liegt an jedem Strang die volle Außenleiterspannung an — also 400 V statt der erlaubten 230 V. Das Verhältnis ist √3 ≈ 1,73, der Strang sieht also fast doppelte Spannung. Der Magnetfluss steigt entsprechend, der Eisenkern gerät schnell in Sättigung, der Strom schießt hoch und die Wicklung überhitzt innerhalb von Sekunden bis Minuten. Akute Brandgefahr.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Drehstromanlage hat eine Strangspannung von 230 V. Berechne die Außenleiterspannung und gib das Spannungsverhältnis an.

Gegeben: U_Str = 230 V

Gesucht: U_L in V; Verhältnis U_L / U_Str

Lösungsweg:

  1. Formel: U_L = √3 · U_Str
  2. Einsetzen und berechnen: U_L = 1,732 · 230 V = 398,4 V
  3. Verhältnis: U_L / U_Str = √3 ≈ 1,732

Ergebnis: U_L ≈ 400 V (Nennwert), Verhältnis ≈ 1,732

Aufgabe 2: Ein Drehstrommotor läuft an einem 690-V-Drehstromnetz in Sternschaltung. Welche Strangspannung liegt an jeder Wicklung an?

Gegeben: U_L = 690 V; Sternschaltung

Gesucht: U_Str in V

Lösungsweg:

  1. Formel umstellen: U_Str = U_L / √3
  2. Einsetzen: U_Str = 690 V / 1,732 = 398,4 V

Ergebnis: U_Str ≈ 400 V

Aufgabe 3: Auf einem Motortypenschild steht „500 V Y / 290 V Δ“. Prüfe, ob die Werte konsistent zum Faktor √3 sind.

Gegeben: Stern: U_L = 500 V; Dreieck: U_L = 290 V (entspricht U_Str am Strang)

Gesucht: Konsistenzprüfung

Lösungsweg:

  1. Strangspannung in Sternschaltung berechnen: U_Str(Stern) = 500 V / √3 = 288,68 V
  2. Vergleich mit Strangspannung in Dreieckschaltung: U_Str(Dreieck) = U_L(Dreieck) = 290 V
  3. Abweichung: (290 − 288,68) / 288,68 = 0,46 %

Ergebnis: Die Werte sind konsistent (Abweichung 0,46 %, im Rahmen üblicher Rundung).

Aufgabe 4: Ein industrielles Drehstromnetz hat eine Außenleiterspannung von 10 kV. Welche Strangspannung wirkt auf jeden Strang bei Sternschaltung?

Gegeben: U_L = 10 000 V; Sternschaltung

Gesucht: U_Str in V

Lösungsweg:

  1. Formel: U_Str = U_L / √3
  2. Einsetzen und berechnen: U_Str = 10 000 V / 1,732 = 5773,5 V

Ergebnis: U_Str ≈ 5,77 kV

Frage 1: Welche der folgenden Bezeichnungen ist die korrekte Schreibweise für die Außenleiterspannung zwischen den Außenleitern L1 und L3?

  • a) U_13 oder U_31 — beides ist gebräuchlich
  • b) U_LN oder U_NL
  • c) U_2 oder U_3
  • d) U_PE-N

Richtig: a)

Die Außenleiterspannung zwischen zwei Außenleitern wird mit zwei Indizes geschrieben, die die beteiligten Leiter angeben. Sowohl U_13 als auch U_31 ist gebräuchlich (das Vorzeichen kehrt sich um, der Betrag bleibt gleich). U_LN bezeichnet eine Strangspannung (Außenleiter gegen Neutralleiter), die anderen Antworten sind keine standardmäßigen Drehstrom-Bezeichnungen.

Frage 2: Was passiert mit der Außenleiterspannung, wenn die Strangspannung um 10 % steigt?

  • a) Sie bleibt unverändert
  • b) Sie steigt ebenfalls um 10 %
  • c) Sie steigt um √3 · 10 % ≈ 17,3 %
  • d) Sie sinkt um 10 %, weil sie umgekehrt proportional ist

Richtig: b)

Außenleiter- und Strangspannung sind durch einen konstanten Faktor (√3) verknüpft. Wenn U_Str um 10 % steigt, dann steigt auch U_L proportional um 10 %. Eine zusätzliche Multiplikation mit √3 fände nur bei der absoluten Umrechnung statt, nicht bei relativen Änderungen.

Frage 3: Eine Person misst an einem unbekannten Drehstromnetz zwischen zwei Außenleitern 692 V. Welche Strangspannung erwartet sie zwischen Außenleiter und Neutralleiter?

  • a) 1198 V
  • b) 346 V
  • c) 400 V
  • d) 230 V

Richtig: c)

U_Str = U_L / √3 = 692 V / 1,732 ≈ 400 V. Das entspricht einem 690-V-Industrienetz mit rund 400 V Strangspannung. 1198 V wäre fälschlich U_L · √3 (Multiplikation statt Division), 346 V wäre fälschlich U_L / 2, und 230 V gehört zum öffentlichen Niederspannungsnetz.

Frage 4: Welche Aussage zur Phasenlage der drei Strangspannungen im symmetrischen Drehstromnetz ist korrekt?

  • a) Alle drei Spannungen sind in Phase
  • b) Sie sind paarweise um 90° verschoben
  • c) Sie sind paarweise um 180° verschoben — eine ist die Gegenphase der anderen
  • d) Sie sind jeweils um 120° gegeneinander verschoben

Richtig: d)

Die drei Strangspannungen sind jeweils um 120° (ein Drittel der Periode) gegeneinander phasenverschoben. Diese gleichmäßige Aufteilung über 360° ist die Voraussetzung für ein symmetrisches Drehfeld. 90° gehört zu einem Zweiphasensystem, 180° wäre die reine Gegenphase einer Einphasenwicklung.

Frage 5: Ein Drehstrommotor ist mit „230 V Δ / 400 V Y“ gekennzeichnet und wird ans österreichische Niederspannungsnetz angeschlossen. Welche Schaltungsart ist anzuwenden?

  • a) Sternschaltung
  • b) Dreieckschaltung
  • c) Beide gleichwertig
  • d) Nur Direktanschluss ohne Brücken

Richtig: a)

Das österreichische Niederspannungsnetz hat eine Außenleiterspannung von 400 V. Bei Sternschaltung liegt am Strang U_Str = U_L / √3 = 230 V — genau die Spannung, für die der Motor laut Typenschild ausgelegt ist. Dreieckschaltung würde dem Strang 400 V aufzwingen und ihn überlasten.

Frage 6: Welche Aussage zum Faktor √3 in der Drehstromtechnik ist korrekt?

  • a) Er gilt nur bei 50 Hz Netzfrequenz
  • b) Er gilt nur für Sternschaltung
  • c) Er beschreibt das Verhältnis von Außenleiter- zu Strangspannung in jedem symmetrischen Dreiphasensystem
  • d) Er entsteht durch die Geometrie der Statorwicklungen im Generator

Richtig: c)

Der Faktor √3 ist ein rein geometrisches Verhältnis, das sich aus der 120°-Phasenverschiebung dreier symmetrischer Spannungen ergibt. Er gilt unabhängig von Frequenz, Spannungshöhe oder Schaltungsart. Die Wicklungsanordnung im Generator erzeugt die 120°-Verschiebung, aber der Faktor selbst folgt aus der Zeigergeometrie, nicht aus der Wicklungsform.

Frage 7: Auf einer Baustelle wird eine CEE-32-Drehstromsteckdose installiert. Welche Aussage zu den verfügbaren Spannungen im österreichischen Netz ist korrekt?

  • a) Nur die Außenleiterspannung 400 V steht zur Verfügung
  • b) Nur die Strangspannung 230 V steht zur Verfügung
  • c) Es stehen 400 V (zwischen Außenleitern) und 230 V (Außenleiter gegen N) zur Verfügung
  • d) Es stehen ausschließlich 690 V zur Verfügung

Richtig: c)

Die rote CEE-Drehstromsteckdose führt alle drei Außenleiter und den Neutralleiter (sowie den Schutzleiter). Damit lassen sich beide Spannungen abgreifen: zwischen je zwei Außenleitern 400 V, zwischen jedem Außenleiter und N 230 V. Beide Spannungen stehen je dreimal zur Verfügung.

Frage 8: Bei welcher Drehstromschaltung liegt am einzelnen Strang die volle Außenleiterspannung an?

  • a) Sternschaltung
  • b) Sternschaltung mit ausgeführtem Neutralleiter
  • c) Stern-Dreieck-Anlaufschaltung im Anlaufzustand
  • d) Dreieckschaltung

Richtig: d)

In der Dreieckschaltung sind die Stränge jeweils zwischen zwei Außenleitern geschaltet — entsprechend liegt am Strang die volle Außenleiterspannung an. In Sternschaltung ist jeder Strang zwischen Außenleiter und Sternpunkt geschaltet, dort liegt nur die Strangspannung (U_L / √3) an. Im Anlauf einer Stern-Dreieck-Schaltung wird absichtlich Stern verwendet, um die Spannung am Strang zu reduzieren.

Frage 9: Welche der folgenden Aussagen ist FALSCH?

  • a) U_L = U_Str · 2 ist eine allgemein gültige Drehstromformel
  • b) Die Strangspannung ist die Spannung über einer einzelnen Wicklung
  • c) Die Außenleiterspannung wird zwischen zwei Außenleitern gemessen
  • d) U_L und U_Str hängen über den Faktor √3 zusammen

Richtig: a)

Die Aussage U_L = U_Str · 2 ist falsch. Der korrekte Faktor ist √3 ≈ 1,732. Der Faktor 2 würde sich nur bei Gegenphase (180° Verschiebung) ergeben, was kein Drehstromsystem darstellt. Die anderen Aussagen sind korrekt.

Frage 10: Ein Mechatroniker prüft mit einem Multimeter zwischen L2 und L3 an einem CEE-Anschluss und liest 0 V ab. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Defekter Außenleiter L2 oder L3 (Unterbrechung)
  • b) Das Netz arbeitet auf 230 V Außenleiterspannung
  • c) Die Phasenfolge ist falsch
  • d) Das Multimeter steht im DC-Bereich, sollte aber im AC-Bereich messen

Richtig: a)

Zwischen zwei intakten Außenleitern liegt im österreichischen Netz immer 400 V an. Werden stattdessen 0 V gemessen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der beiden Außenleiter unterbrochen — etwa durch eine ausgelöste Sicherung, einen offenen Schalter oder einen Kabelbruch. Eine falsche Phasenfolge betrifft die Drehrichtung des Drehfelds, ändert aber nichts an der Spannung. Ein falsch eingestelltes Multimeter wäre möglich, aber bei einer routinemäßigen Drehstromprüfung weniger wahrscheinlich als ein offener Außenleiter.

Frage 11: Im 690-V-Industrienetz beträgt die Strangspannung etwa:

  • a) 1196 V
  • b) 690 V
  • c) 230 V
  • d) 400 V

Richtig: d)

U_Str = U_L / √3 = 690 V / 1,732 ≈ 398 V, gerundet 400 V. Diese 400 V Strangspannung ist typisch in industriellen Drehstromnetzen mit 690 V Außenleiterspannung. 1196 V wäre fälschlich 690 · √3 (Multiplikation statt Division), 230 V gehört zum öffentlichen Niederspannungsnetz.

Glossar

Außenleiter
Stromführender Leiter zwischen Erzeuger und Verbraucher, in einem Drehstromnetz mit L1, L2 und L3 bezeichnet. Auf ihm liegt die Strangspannung gegenüber dem Neutralleiter an.
Neutralleiter (N)
Mit dem Sternpunkt des Generators verbundener Leiter, der bei asymmetrischen Lasten den Rückstrom führt. Trägt im Idealfall (symmetrische Last) keinen Strom.
Schutzleiter (PE)
Mit Erdpotential verbundener Leiter, der berührbare leitfähige Teile bei Fehlern erdet und so die Berührungsspannung begrenzt.
Strang
Einzelne Wicklung im Drehstromgenerator, -transformator oder -verbraucher. Drei Stränge zusammen ergeben ein Drehstromsystem.
Strangspannung (U_Str)
Spannung über einer einzelnen Wicklung bzw. zwischen Außenleiter und Sternpunkt. In Österreich 230 V.
Außenleiterspannung (U_L)
Spannung zwischen zwei Außenleitern. In Österreich 400 V. Synonym: verkettete Spannung.
Verkettete Spannung
Andere Bezeichnung für die Außenleiterspannung — die Bezeichnung erinnert daran, dass die Stränge in der Schaltung „verkettet“ auftreten.
Sternpunkt
Gemeinsamer Verbindungspunkt aller drei Wicklungs-Enden bei Sternschaltung. Wird er nach außen geführt, entsteht der Neutralleiter.
Faktor √3
Geometrisches Verhältnis zwischen Außenleiter- und Strangspannung im symmetrischen Drehstromsystem: U_L = √3 · U_Str, ungefähr 1,732.
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